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Japan nach dem Tsunami vom März 2011

Auswirkungen

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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El terremoto habría desplazado el eje de la Tierra (Video)

Viernes, 11 de Marzo de 2011 11:44



Das Erdbeben hat die Erdachse verändert

Freitag, 11. März 2001, 11:44 Uhr
http://www.cronicaviva.com.pe/index.php/mundo/europa/14916-el-terremoto-de-japon-habria-desplazado-el-eje-de-la-tierra-

ROMA.- El devastador terremoto de 8,9 grados Richter que sacudió hoy Japón pudo haber desplazado casi 10 centímetros el eje de rotación de la Tierra, según un estudio preliminar del Instituto Nacional de Geofísica y Vulcanología de Italia (INGV).

El INGV, que desde 1999 ha estudiado los numerosos fenómenos sísmicos registrados en Italia, como el devastador terremoto de la región de Los Abruzos del 6 de abril de 2009, explica en una nota que el impacto del sismo de Japón sobre el eje de la Tierra puede ser el segundo mayor del que se tiene constancia.

"El impacto de este suceso sobre el eje de rotación ha sido mucho mayor que el del gran terremoto de Sumatra de 2004 y probablemente es el segundo mayor, sólo por detrás del terremoto de Chile de 1960", indica el comunicado.

Marco Pérez



ROM. - Das zerstörerische Erdbeben von der Stärke 8,9 gemäss Richter-Skala, das heute Japan heimgesucht hat, könnte die Erdrotationsachse um ca. 10 Zentimeter verändert haben. Dies besagt eine vorläufige Studie, des Nationalen Geophysischen und Vulkanologischen Instituts von Italien (INGV).

Das INGV, das seit 1999 viele seismische Ereignisse in Italien registriert hat, wie z.B. das zerstörerische Erdbeben in den Abruzzen vom 6. April 2009, erklärt in einem Bericht, dass die Auswirkungen des Bebens in Japanauf die Erdachse die zweitstärkste sein könnte.

"Die Auswirkung dieses Ereignisses auf die Rotationsachse war viel grösser als jene des grossen Erdbebens von Sumatra im Jahre 2004, und wahrscheinlich ist es die zweitstärkste Auswirkung überhaupt seit dem Erdbeben in Chile von 1960", erklärt der Sprecher.

Marco Pérez

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20 minuten
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12.3.2011: <Nach dem Beben: Japan hat sich um 2,4 Meter verschoben>

aus: 20 minuten online; 12.3.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/18547641


<Das katastrophale Erdbeben in Japan hat Wissenschaftlern zufolge mit seiner Wucht grosse Landmassen verschoben und den Lauf der Welt verändert.

Die japanische Hauptinsel sei um 2,4 Meter verrückt worden, sagte Kenneth Hudnut von der US-Geologiebehörde dem Fernsehsender CNN am Samstag. Das sei an der Bewegung einer Station des Satellitennavigationssystems GPS sowie aktueller Kartenaufzeichnungen der japanischen Behörden erkennbar.

Das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie ermittelte nach eigenen Angaben ausserdem, dass das Beben mit einer Stärke von 8,9 die Achse der Erdrotation um rund 10 Zentimeter verschoben hat. Das wäre wahrscheinlich die grösste Verschiebung durch ein Erdbeben seit 1960, als Chile erschüttert wurde, sagte der Institutsdirektor Antonio Piersanti laut einer Mitteilung.

Der Tag ist um 1,26 Mikrosekunden kürzer geworden

Durch das schwere Erdbeben ist der Tag etwas kürzer geworden. Der NASA-Geophysiker Richard Gross berechnete, dass die Rotation der Erde durch das Beben um 1,6 Mikrosekunden schneller geworden sei, weil sich die Erdmasse verschoben habe.

Auch das Beben in Chile im Februar des vergangenen Jahres mit einer Stärke von 8,8 hatte Einfluss auf die Erdachse. Nach Berechnungen der NASA hatte sie sich damals um acht Zentimeter verschoben.

Dadurch habe sich Länge eines Tages, also die Zeit, die die Erde für eine komplette Umdrehung benötigt, um 1,26 Mikrosekunden verkürzt. Eine Mikrosekunde ist der millionste Teil einer Sekunde. Eine Mikrosekunde ist eine Millionstel Sekunde.

(sda)>


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Spiegel
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12.4.2011: <Mahnung der Vorfahren: Wegsteine in Nordjapan warnten vor Tsunamis>

aus: Spiegel online; 12.4.2011; http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,756622,00.html

<Verpuffte Mahnungen: Im Norden Japans stehen vielerorts Steine, die vor Tsunamis warnen. Es sind Jahrhunderte alte Gravuren der Vorfahren. Dass sie ignoriert wurden, überrascht Experten nicht - Erinnerungen an Katastrophen verblassen nach drei Generationen.

Ohne Vorwarnung schien die Katastrophe über Japan hereinzubrechen. 12.000 Menschen starben in den Riesenwellen, Tausende mehr sind verschollen. Die Tsunamis im Norden Japans haben ganze Dörfer ausgelöscht. Doch womöglich hätten unscheinbare Steine am Wegesrand eine Warnung sein können. Sie sind im Regen verwittert, von Gras überwuchert - und von den Anwohnern vergessen.

Eingraviert stehen erstaunliche Sätze auf den Steinen: "Erinnert das Unheil der Tsunamis. Baut nicht unterhalb dieses Punktes", ist da zu lesen. Oder: "Hohe Gebiete sind Friede und Harmonie der Nachgeborenen." Oder: "Wenn ein Erdbeben kommt, nimm Dich vor Tsunamis in Acht." Es sind die Mahnungen der Vorfahren. Sie hatten bereits schreckliche Erfahrungen mit Riesenwellen gemacht.

Hunderte der Wegsteine stehen in Nordjapan, manche sind älter als 600 Jahre. Viele sind freilich kaum zu entdecken, sie stehen abseits der Straßen, überwuchert im Dickicht.

"Entscheide Dich fürs Leben"

Ein Stein steht nahe der Ortschaft Kesennuma: "Sei immer auf überraschende Tsunamis vorbereitet. Entscheide Dich fürs Leben, anstatt für Besitz und Wertsachen." Die Siebzigjährige Tetsuko Takahashi kannte die Mahnung. Erschrocken beobachtete sie von ihrem Haus auf einer Anhöhe über der Stadt aus, wie die Katastrophe ihren Lauf nahm.

Erst bebte es gewaltig, später kamen die Tsunamis. "Nach dem Beben", berichtet Takahashi der Nachrichtenagentur AP, "sind die Leute zurück in ihre Häuser gegangen, um ihre Wertsachen zu holen" - gegen den in Stein gemeißelten Rat ihrer Vorfahren. "Die Leute wurden von den Wellen geholt", sagt die alte Dame.

Ihre Famile lebt seit Generationen in der Gegend. Doch jene, die Tsunamis erlebten, seien schon lange tot. Auch sie kann sich nur an einen kleinen Tsunami im Jahr 1960 erinnern. Das Gefahrengedächtnis schwand mit der Zeit.

Und auch die Steine wurde nicht beachtet. In der Stadt Natori stand an einem Spielplatz ein zwei Meter hohes Denkmal: "Wenn ein Erdbeben kommt, vor Tsunamis in Acht nehmen", mahnten große Buchstabengravuren.

Leichen in Baumwipfeln

Doch nach dem Beben am 11. März fuhren in Natori Bewohner eigens von der Arbeit an die Küste, um den Zustand ihres Hauses zu begutachten. 820 Leichen wurden in der Stadt geborgen, manche lagen in Baumwipfeln. Zusätzlich werden mehr als 1000 Bewohner vermisst.

Die Ignoranz der Japaner gegenüber den Erfahrungen ihrer Vorfahren sei nichts Besonderes, erläutert der Katastrophenforscher Fumihiko Imamura von der Tohoku Universität in Sendai, Japan. Es dauere üblicherweise drei Generationen, bis die Menschen vergessen haben: Jene, die eine Katastrophe erlebt hätten, würden ihre Kinder und Enkelkinder eindringlich davon berichten. Doch schon in der vierten Generation würden die Erinnerungen an das grausame Ereignis verblassen, sagte Imamura der "New York Times".

Unterricht kann das Vergessen verhindern: In der Ortschaft Aneyoshi haben die meisten Leute ihr Haus oberhalb der steinernen Mahnmale gebaut. "Jeder hier kennt die Steine", sagt die Zwölfjährige Yuto Kimura, "wir haben sie in der Schule durchgenommen". Bevor am 11. März die Tsunamis kamen, sei das Dorf geschlossen auf Anhöhen geflüchtet.

boj/AP>

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20 minuten
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13.4.2011: Die japanische Regierung rechnete mit einem starken Erdbeben, aber im falschen Gebiet - und wertete Statistiken falsch aus

aus: 20 minuten online: Erdbeben und Tsunami: Schwere Vorwürfe gegen Japans Regierung; 13.4.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/17772433

<Japans Regierung habe mit einem Erdbeben an der südlichen Pazifikküste gerechnet. Wegen dieser Fehleinschätzung sei das Beben laut einem US-Wissenschafter so verheerend ausgefallen.

Dass das Erdbeben an der japanischen Ostküste vor einem Monat derart gravierend ausgefallen ist, geht nach Meinung eines US-Wissenschafters auch auf eine Fehleinschätzung der Regierung zurück.

Die für die japanische Regierung arbeitenden Erdbebenforscher seien seit Jahrzehnten darauf fixiert gewesen, dass an der südlichen Pazifikküste des Inselstaates mit einem schweren Beben zu rechnen sei, erklärte der US-Seismologe Robert Geller, der an der Universität Tokio lehrt, in einem am Mittwoch veröffentlichten Beitrag für die Wissenschaftszeitschrift «Nature».

Erdbeben mit charakteristischem Muster

Dies habe auf zwei Annahmen beruht, führte Geller aus: Zum einen seien die Behörden davon ausgegangen, dass Erdbeben ein charakteristisches Muster hätten und deshalb in den bereits bekannten «Erdbebengebieten» Tokai, Tonankai und Nankai an der Südküste zu erwarten seien, in denen die Erde in den 40er Jahren stark gebebt hatte.

Zum anderen seien vermeintlich gefährdete Gebiete auf der Grundlage sogenannter seismischer Lücken auf den Landkarten eingetragen worden - wobei die Theorie der «seismischen Lücke» veraltet und überdies niemals bewiesen worden sei, kritisierte der US-Wissenschafter.

Aufs falsche Erdbeben gewartet

Zusammen habe dies dazu geführt, dass die Öffentlichkeit regelrecht auf ein starkes Erdbeben im Gebiet Tokai gewartet habe - obwohl in den drei genannten Bezirken seit 1975 kein starkes Beben mehr aufgetreten sei. Dagegen hätten sämtliche tödlichen Erdbeben seit 1979 in Gebieten stattgefunden, die den Regierungskarten zufolge ein geringes Risiko hatten, schrieb Geller.

Wenn die japanischen Wissenschafter historische Aufzeichnungen über Erdbeben mit darauf folgenden Flutwellenkatastrophen ausgewertet hätten, hätten sie sehen müssen, dass in den vergangenen Jahrhunderten mehrfach der Nordosten Japans getroffen worden sei, und hätten die Katastrophe vom 11. März zumindest allgemein «vorhersehen» können, kritisierte der US-Forscher.

Auch wenn der Zeitpunkt und das Ausmass des Bebens nicht vorhersagbar gewesen wären, hätte die Gefahr beim Bau des Atomkraftwerkes Fukushima berücksichtigt werden können, schrieb Geller.

(sda)>

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n-tv online,
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14.4.2011: Rund um Fukushima: Bilder aus der Todeszone

aus: n-tv online, http://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/panorama/Bilder-aus-der-Todeszone-article3078586.html


[Texte der Bilderstrecke]:

<Der AP-Fotograf David Guttenfelderist in die evakuierte Zone rund um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima gereist. Bisher wurden die Menschen aus einer Zone im 20 Kilometer-Radius um das AKW in Sicherheit gebracht. Ursprünglich lebten hier 140.000 Menschen. Doch hierher wird kaum jemand zurückkehren können. Soldaten durchsuchen die verlassenenOrte nach persönlichen Erinnerungen und nach Leichen. Dann verlassen sie die Zone wieder und haben oft mehr gesehen, als sie ertragen können. Die Rettungskräfte sind angewiesen, sich nicht länger als zwei Stunden in dem Gebiet aufzuhalten. Aus Angst vor der Strahlung war das Gebiet zunächst von der Leichensuche ausgenommen worden. Niemand weiss, welche Orte wie hoch verstrahlt sind. Vieles ist schon jetzt unwiederbringlich verloren. Die Zerstörungen, die das Erdbeben und der Tsunami angerichtet haben, sind gewaltig. als eine betonartige Schicht liegt der Schlamm, den das Wasser mit sich brachte, getrocknet auf Strassen und Feldern. Verlassene Tiere [[Hunde und Katzen]] haben sich zu Rudeln zusammengefunden und durchstreifen nun die leeren Strassen. Die japanische Regierung warnt davor, auf eigene Faust in das Gebiet zurückzukehren. Wahrscheinlich ist das Trinkwasser verstrahlt, Messdaten in einzelnen Brunnen hatten weit über den Grenzwerten gelegen. Das Gesundheitsrisiko ist gross [[wegen herumliegenden Tierkadavern]]. Auch die Inflrastruktur ist weitgehend zerstört. Eine Versorgung mit Lebensmitteln gibt es nicht mehr. Es wird jedoch vermutet, dass noch immer einige Menschen in ihren Häusern ausharren. Viele Flüchtlinge zieht es ebenfalls zurück. Sie sind erschöpft vom Leben in Notlagern [[und es fahren also doch einige Autos herum, dort, wo der Tsunami nicht hinkam]]. Sie haben alles zurückgelassen und noch keine Vorstellung davon, wie ihr Leben nun weitergehen soll. Künftig sollen für das Betreten der Zone allerdings hohe Strafen erhoben werden. Dazu sah sich die Regierung genötigt, weil immer wieder ehemalige Bewohner in ihre verlorene Heimat zurückgekehrt waren. Wer hier etwas sucht, findet oft nicht einmal mehr Orientierungspunkte. Viele Überlebende würden alles geben für irgendetwas, das sie an ihr altes Leben erinnert. Noch immer haben viele auch keine Gewissheit, was aus ihren Angehörigen geworden ist. Nun wird die 20-Kilometer-Zone komplett gesperrt, dann ist jede Rückkehr ausgeschlossen.>

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Spiegel
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14.4.2011:
Japan: Müll wird durchkämmt und Erinnerungen ausgestellt

aus: Spiegel online: Japans Katastrophenzone: Was vom Leben übrig blieb; 14.4.2011;
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,757064,00.html

<Der Schutt wird nicht einfach nur weggeräumt, er wird penibel durchkämmt: In Japans Krisengebiet ziehen Helfer Tausende Fotos, Alben und Akten aus den Trümmern, in Turnhallen werden die Erinnerungsstücke gesäubert und ausgestellt. Für die Überlebenden haben sie unschätzbaren Wert.

Natori - Ein junges Mädchen posiert lachend auf einem Festival, ein Paar schaut ernst in die Kamera, eine brav und touristisch wirkende Menschengruppe tummelt sich vor den Universal Studios in Los Angeles. Jedes dieser Fotos zeigt ein kleines Fetzchen gelebtes Leben - Erinnerungen, die Identität und Geborgenheit bedeuten.

In Japans Tsunami-Gebiet versucht man, so viele dieser Dokumente wie nur möglich für die Überlebenden zu erhalten. Im verwüsteten Natori in der Präfektur Miyagi gehen ehemalige Bewohner langsam durch die schlammbedeckte Turnhalle einer Grundschulruine. Sie blicken auf unzählige Fotos, die an Wänden kleben oder an Schnüren hängen - der zusammengewürfelte Nachlass einer Stadt, die komplett ausgelöscht wurde.

Mehr als einen Monat nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunamikatastrophe vom 11. März kommen tagtäglich noch immer kistenweise schlammverkrustete und zerrissene Fotoalben in der Turnhalle an. Soldaten, die in der Nähe mit Aufräumarbeiten beschäftigt sind, bringen ihre Fundstücke dorthin. Oder Einheimische, die durch die Straßen gehen und versuchen, ihre alte Nachbarschaft wiederzufinden, die dem Erdboden gleichgemacht wurde. Sie suchen nach Verbindungen zu ihrem alten Leben. Die Turnhalle ist zu einer Stätte kollektiver Erinnerung geworden.

Kartons mit Fotoalben stapeln sich

"Es ist ein Weg für Menschen, ihre Erinnerungen zu bewahren", sagt Ami Kisara. Die 24-Jährige hat ihr Grundschul-Jahrbuch wiederentdeckt. Zusammen mit ihrer Mutter war sie in die Halle gekommen, um einige Fotos abzugeben, die sie in den Trümmern gefunden hatte. Kisara erzählt, dass das Haus, in dem sie aufgewachsen ist, vom Tsunami verwüstet und dass ihr Vater vom Wasser weggerissen wurde.

Zunächst wurden die Fotos einfach an der Straße gestapelt, wo man sie fand. Aber dann hätten Soldaten damit begonnen, die Bilder in die Turnhalle zu bringen, sagt Saori Takezawa: "Hier sind sie geschützt vor dem Regen." Die 35-Jährige leitet ein Team aus Freiwilligen, das die Fotos säubert und in der Turnhalle aufhängt.

Der Parkettboden, auf dem sie steht, ist mit einer dicken Schmutzschicht überzogen. Neben Takezawa stapeln sich Kartons mit Bildern und Fotoalben, die noch vom Dreck befreit werden müssen. Andere Erinnerungsstücke, die vorbeigebracht werden, sortiert Takezawa thematisch - die Abiturzeugnisse sind bereits zu einem kleinen Berg angewachsen.

Bargeld, Tresore, Wertgegenstände

Bei den Aufräumarbeiten in den Trümmern werden neben persönlichen Erinnerungsstücken auch hohe Geldbeträge und Wertgegenstände entdeckt. Rettungskräfte und Überlebende würden täglich Bargeld, Tresore und Vermögenswerte bei örtlichen Polizeistellen abgeben, sagte ein Sprecher der Polizei in der Präfektur Miyagi, die besonders stark von der Katastrophe getroffen wurde. Es sei schwierig, den Gesamtbetrag zu schätzen. Allein an Bargeld wurden den Behörden in den Präfekturen Miyagi und Iwate laut der Nachrichtenagentur Kyodo mehrere hunderttausend Euro übergeben.

Nach japanischem Recht dürfen Finder die Beträge behalten, wenn sich der Eigentümer binnen drei Monaten nicht meldet. Der Leiter des japanischen Instituts zur Katastrophenprävention, Takehiko Yamamura, forderte von der Regierung, diesen Zeitraum für die Region Tohoku zu verlängern, zu der Miyagi und Iwate gehören. Zudem solle die Polizei die Erlaubnis bekommen, gefundene Tresore zu öffnen, um die Besitzer zu identifizieren.

Laut der Polizei in Miyagi konnten bisher nur rund zehn Prozent der Eigentümer gefundener Geldbeträge und Wertsachen ausfindig gemacht werden. "Ohne Dokumente ist es unmöglich, sie zu identifizieren", sagte ein Polizist. Überlebende fordern daher, das Geld für den Wiederaufbau der verwüsteten Regionen einzusetzen.

Japaner gelten als besonders gewissenhaft bei der Rückgabe verlorener Portemonnaies oder Taschen. Nach der Erdbebenkatastrophe wurden aber auch vereinzelt Fälle von Plünderungen in verwüsteten Gebieten gemeldet, die von ihren Bewohnern verlassen worden waren.

Leichen in verstrahlter Zone geborgen

Japanische Einsatzkräfte durchsuchten am Donnerstag erstmals die verstrahlte Zone im Umkreis von zehn Kilometern um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima nach Tsunami-Opfern. Bis zum Abend fanden sie nach Angaben der Polizei zehn Leichen, am Freitag soll die Suche weitergehen. In Schutzanzügen, Stiefeln und Schutzmasken arbeiteten sich mehr als 300 Polizisten durch das radioaktiv belastete Gebiet, das etwa so groß ist wie Frankfurt am Main.

Die Suche nach den Opfern sei mühsam, sagte ein Polizeisprecher. Einige Tote hätten noch in ihren Autos gesessen, die meisten aber seien unter Trümmern begraben. Alle Leichen wurden demnach auf ihre radioaktive Strahlung untersucht. Ist diese zu hoch, müssten sie vor ihrer Aufbahrung sorgfältig gewaschen werden.

Laut der Zeitung "Asahi Shimbun" rechnen die Behörden mit rund tausend Toten in der Zone. Insgesamt sind bislang knapp 13.500 Tote gefunden worden, mehr als 14.700 Menschen gelten noch als vermisst. Für Hoffnung unter den Japanern sorgte der erste Besuch des Kaiserpaars in der Katastrophenregion.

wit/AP/AFP>

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Spiegel online,
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14.4.2011: <Fukushima-Opfer: Japan plant Gartenstadt für Umgesiedelte>

aus: Spiegel online; 14.4.2011;
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,756892,00.html

<Sie machen einen extrem gefährlichen Job: 300 Männer durchsuchen erstmals die Todeszone direkt um das AKW Fukushima nach Opfern. Für die Menschen aus evakuierten Orten hat Japans Premier nun einen Lösungsvorschlag - eine völlig neue Ökostadt nach deutschem Vorbild.

Tokio - Sie müssen schwere Trümmer heben, in tiefem Schlamm waten und zerstörte Häuser durchsuchen. 300 Männer leisten seit Donnerstag Schwerstarbeit, dick verpackt in Schutzanzügen, Gummistiefeln und Schutzmasken - mitten in der Todeszone: Einsatzkräfte haben erstmals damit begonnen, im Umfeld des Krisen-AKW Fukushima I, nach Erdbeben- und Tsunami-Opfern zu suchen. Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Jiji Press sollen sie jene Leichen finden, die im Umkreis von zehn Kilometern um das Gelände liegen.

Wie die Tepco-Arbeiter auf dem Kernkraftgelände riskieren auch sie ihre Gesundheit. Denn die Strahlenbelastung rund um die AKW-Ruine ist deutlich erhöht. Schlamm, Boden, Wasser und Luft sind zudem mit radioaktiven Partikeln kontaminiert. Wer sie einatmet oder mit ihnen in Berührung kommt, riskiert eine zusätzliche radioaktive Belastung, deren Folgen nicht abzusehen sind.

Neben einem Suchtrupp seien ein Team zur Messung radioaktiver Strahlung sowie eines zur Bergung und zum Abtransport der Toten eingesetzt, meldete die Nachrichtenagentur Jiji. Sobald eine radioaktiv verseuchte Leiche gefunden sei, werde sie mit Wasser abgewaschen und dann abtransportiert, hieß es. Bisher sind über 13.300 Tote identifiziert worden. Mehr als 15.000 Menschen werden noch vermisst.

Jene Menschen aus der Region um das AKW, die die Naturkatastrophe vom 11. März überlebt haben, wohnen seit der Evakuierung der Sperrzone in Notunterkünften, teils unter katastrophalen Bedingungen. Wie lange sie dort bleiben müssen, wissen sie nicht. Vermutlich werden sie nie wieder in ihr altes Zuhause zurückkehren können, denn viele Atomexperten gehen davon aus, dass das Gebiet über die nächsten Jahre unbewohnbar sein könnte.

Wiederaufbau ist dringend nötig

Hilfe für die Menschen in den Notunterkünften um das AKW ist daher dringend nötig. Jetzt hat Japans Regierung einen ersten Lösungvorschlag vorgestellt: Eine Öko-Stadt nach deutschem Vorbild könnte zur neuen Heimat der Menschen aus der Evakuierungszone werden. Aus der Sicht von Ministerpräsident Naoto Kan könnte die umweltfreundliche Stadt im Stil der sogenannten Gartenstädte Wohnraum für bis zu 100.000 Menschen bieten. Dies meldete die Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch unter Berufung auf Kenichi Matsumoto, Sonderberater der japanischen Regierung.

Wo genau die Öko-Stadt in der Präfektur Fukushima entstehen soll, war zunächst unbekannt. Kan habe einen möglichen Ort aber bereits im Kopf, sagte Sonderberater Matsumoto. Der zuständige Rat zum Wiederaufbau der Städte werde sich voraussichtlich in seiner ersten Sitzung am Donnerstag mit dem Thema beschäftigen.

Während die Regierung fieberhaft nach Lösungen für die noch nicht bezifferbare Zahl von Evakuierten sucht, bleiben die betroffenen Menschen skeptisch. Trotz der am Dienstag verhängten höchsten Gefahrenstufe rund um den zerstörten Atommeiler wollen die meisten Japaner ihre Heimat offenbar noch nicht verlassen. In dem etwa 40 Kilometer vom Katastrophen-AKW entfernten Iitate hat sich offenbar ein 102-jähriger Mann selbst getötet. Der älteste Bewohner des Dorfes sei kurz vorher von seiner Familie über die anstehende Evakuierung unterrichtet worden, berichtete die Nachrichtenagentur Jiji am Donnerstag unter Berufung auf Behördenvertreter. Diese vermuteten, dass er aus Verzweiflung darüber, aus seinem Haus zu müssen, Selbstmord beging. Ein Behördenmitarbeiter bestätigte den Tod des Mannes. Es sei aber nicht sicher, ob er sich tatsächlich das Leben genommen habe.

Vor wenigen Tagen war die Evakuierungszone erweitert worden. Bis dahin hatte sie offiziell einen Radius von 20 Kilometern gehabt. Doch immer wieder hatten Experten gefordert, das Sperrgebiet aufgrund der hohen Strahlenbelastung zu erweitern. Den wenigen, die ihre Heimat tatsächlich verlassen wollen, fehlen aber klare Aussagen zu finanziellen Perspektiven. Die Regierung erwägt derzeit, jedem Haushalt umgerechnet 10.000 Euro Entschädigung zu zahlen.

Kaiserpaar erstmals im Katastrophengebiet

Am Donnerstag besuchten der japanische Kaiser Akihito und seine Gemahlin Michiko erstmals das von dem schweren Erdbeben und dem Tsunami verwüstete Katastrophengebiet. Nach ihrem Eintreffen in der Stadt Asahi in der Tokioter Nachbarprovinz Chiba wurden sie japanischen Medien zufolge zunächst vom Bürgermeister über das Ausmaß der Schäden unterrichtet. Anschließend fuhren sie in zwei Notunterkünfte, um den betroffenen Menschen Trost zu spenden.

Asahi liegt im Nordosten der Provinz Chiba an der Pazifikküste. Beim Erdbeben und dem Tsunami von vor knapp fünf Wochen waren dort rund 900 Häuser teils vollständig zerstört worden, fast 3000 weitere Gebäude teilweise beschädigt. Mindestens 13 Menschen kamen ums Leben, zwei Menschen werden noch vermisst.

Das Kaiserpaar hatte bereits zuvor Menschen in Notunterkünften besucht. Allerdings lagen diese in Tokio sowie im benachbarten Saitama und damit nicht im Katastrophengebiet. Nach Angaben des kaiserlichen Haushofamts will das im Volk sehr beliebte Monarchenpaar auch in der nächsten Woche und im Mai weitere Gebiete besuchen, darunter die am schwersten verwüsteten Provinzen Fukushima, Miyagi und Iwate.

Unterdessen hat sich der japanische Außenminister Takeaki Matsumoto bei den Pazifik-Anrainerstaaten für Informationspannen entschuldigt. Japan hatte die Botschaften seiner Nachbarn erst verspätet darüber informiert, kontaminiertes Wasser aus den Unglücksreaktoren in den Pazifik geleitet zu haben.

Mitarbeiter des Energiekonzerns Tepco pumpen seit Dienstagabend erneut hochgradig verseuchtes Wasser in einen Auffangbehälter. Tepco plant, insgesamt rund 60 Millionen Liter Wasser aus den Kellern der Reaktoren zu entfernen, berichtete Kyodo. Dies entspricht etwa dem Inhalt von 24 Olympia-Schwimmbecken mit zwei Metern Tiefe. In Block 2 wurde zudem damit begonnen, den Riss in einer Schachtwand mit Eisenplatten zu verschließen. Von einer Wasserprobe aus Block 4 erhoffen sich die Verantwortlichen Informationen über den Zustand der Brennelemente.

cib/dpa/Reuters>

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20 minuten
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10.5.2011: Japan ist durch das grosse Erdbeben vom 11. März 2011 bis zu einem Meter abgesackt - tägliche Überschwemmungen, Beispiel Ishinomaki

aus: 20 minuten online: Tägliche Überschwemmungen: Japan durch Beben einen Meter abgesackt; 10.5.2011;
http://www.20min.ch/news/dossier/japanbeben/story/29024001

<Das Erdbeben im Osten Japans am 11. März war dermassen gewaltig, dass das ganze Land ein Stück meerwärts verschoben und bis zu einem Meter tiefer gedrückt wurde.

Wenn die ersten Rinnsale über die Strassen ihres Viertels sickern, weiss Yoshiko Takahashi, dass es Zeit ist, schleunigst nach Hause zu gehen. Zwei Mal am Tag steigt das Wasser stetig, bis es kniehoch steht, Fische und Treibgut an die Haustüren schwappen und die Einwohner des Küstenorts daheim festsitzen. Wer noch unterwegs ist, platscht in Gummistiefeln oder auf dem Fahrrad durch die Fluten. «Ich schaue aus dem Fenster, und es sieht aus, als ob unsere Häuser mitten im Ozean stehen», sagt Takahashi, die erst vor drei Jahren hergezogen ist.

Das Erdbeben im Osten Japans am 11. März war dermassen gewaltig, dass das ganze Land ein Stück meerwärts verschoben und tiefer gedrückt wurde. Wegen der Absenkung und der Beschädigung der Flutmauern durch den Tsunami dringt die See jetzt regelmässig in die am schlimmsten betroffenen Orte an der Küste vor. In Hafenstädten wie Onagawa und Kesennuma fluten die Gezeiten zwischen eingestürzten Wohn- und Lagerhäusern durch die leeren Strassen.

Einige Viertel in Ishinomaki sind dank ihrer Lage der Naturkatastrophe unbeschadet entgangen. Daher konnten viele Einwohner in ihren Häusern bleiben und erleben jetzt jeden Tag die gleiche Plage: Bei Flut kommt das Wasser, und jeder sieht zu, dass er es noch rechtzeitig nach Hause schafft.

Einkaufen bis drei Uhr nachmittags

«Ich versuche, alle meine Einkäufe und Besorgungen bis drei Uhr nachmittags zu erledigen», berichtet Takuya Kondo, der mit seiner Familie in seinem Elternhaus lebt. An die meisten Häuser reicht das Wasser nicht heran, aber Autofahren ist unmöglich und die Kanalisation läuft voll, so dass die Toiletten nicht zu benutzen sind.

Schuld an der Situation ist die Lage Nordjapans in einer Zone, wo die Nordamerikanische und die Pazifische Platte aneinanderstossen. Die dabei entstehende Spannung entlud sich bei dem Beben am 11. März. Die Ränder der Platten schoben sich übereinander. Der Meeresboden hob sich um bis zu fünf Meter, was den verheerenden Tsunami auslöste, und die Landmasse wurde nach unten gezogen.

Einige Gegenden in Ishinomaki bewegten sich gut fünf Meter Richtung Südosten und sackten gut einen Meter ab. «Wir nahmen an, dass diese Verschiebung allmählich vor sich gehen würde, Stück für Stück. Wir rechneten nicht damit, dass alles auf einmal passieren würde», sagt der Wissenschaftler Testuro Imakiire von der Geospatial Information Authority, der Behörde für Geodaten und -informationen.

Das Beben sei so gewaltig gewesen, dass erstmals seit Beginn der Messungen Ende des 19. Jahrhunderts die gesamte Landmasse verschoben wurde. Selbst in Tokio, 340 Kilometer von Ishinomaki entfernt, sind Teile der Stadt 24 Zentimeter weiter Richtung Meer gerückt.

Keine Entschädigung, aber nasse Füsse

Der Einbruch war um Ishinomaki, der dem Epizentrum am nächsten gelegenen Gegend, am ausgeprägtesten. Von unterirdisch verlaufenden Rohren gestützte Einstiegschächte ragen aus abgesackten Strassendecken hervor, Telefonmasten sind so weit eingesunken, dass die Leitungen auf Kopfhöhe hängen.

Während ringsumher Trümmer geräumt und Pläne für den Wiederaufbau gemacht werden, hängen die Anwohner der unzerstörten Viertel von Ishinomaki in der Luft. Weil ihre Häuser grösstenteils heil geblieben sind, haben sie keinen Anspruch auf grosse Versicherungsleistungen oder staatliche Entschädigung, und doch setzt die Flut jeden Tag zwei Mal die Strassen unter Wasser.

«Wir können uns eigentlich nicht beklagen, wo andere Leute so viel verloren haben», sagt Yuichiro Mogi. Der 43-Jährige hat bemerkt, dass die täglichen Überschwemmungen die Fundamente seines Hauses zu unterspülen beginnen, und dagegen einen Wall aus Sandsäcken aufgeschichtet. Der Arbeiter ist mit Frau und vier Kindern vor zehn Jahren in die Gegend gezogen, weil er hier ein günstiges grosses Grundstück für ein Eigenheim fand.

Neubauten noch nicht abbezahlt

Die meisten Häuser in der Umgebung sind relativ neu. «Jeder hier hat noch Hypotheken abzuzahlen. Und diese Grundstücke hier kannst du nicht verschenken, geschweige denn verkaufen», erklärt der 57-jährige Seietsu Sasaki, der vor zwölf Jahren mit der Familie herzog und auch noch die Kredite für zwei Autos abstottern muss, die in den Fluten draufgingen. Er hofft, dass Sperrmauern gebaut werden, um die Gegend vor Überschwemmungen zu schützen. Früher hat Sasaki sich nie für die Gezeiten interessiert - jetzt schaut er jeden Morgen in der Zeitung, wann die Flut ihren Höhepunkt erreicht.

Die Verwaltung hat mit Arbeiten an einigen Dämmen begonnen, doch angesichts des Ausmasses der Zerstörung in der Stadt sind die Mittel knapp. Vor dem Tsunami waren Strassen höher gelegt worden, doch ein Grossteil der Arbeit wurde durch das Absacken des Bodens zunichte gemacht. Wegen der regelmässigen Überschwemmungen können die Bauarbeiter nur in kurzen Abschnitten ans Werk gehen. Strom und Wasser gibt es erst seit zwei Wochen wieder. Gas zur Heisswasserbereitung fehlt noch, sodass die Anwohner zum Baden in Notunterkünfte gehen.

« Wir werden vielfach aufgefordert, diese Gegenden wieder herzurichten, aber wir haben jetzt eigentlich kein Geld dafür», erklärt Kiyoshi Koizumi vom Strassen- und Tiefbauamt der Stadt. Er hofft aber, dass ihnen bald etwas einfällt: In ungefähr einem Monat beginnt die sommerliche Regenzeit, und im Herbst wird die Flut so hoch steigen, dass sie auch sein eigenes Haus überschwemmt.

(dapd)>

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Spiegel online,
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13.5.2011: Das Küstendorf Fudai hatte eine grosse Mauer gebaut - dank Bürgermeister Kotaku Wamura

aus: Spiegel online: Umstrittenes Bauwerk: Riesenmauer rettete japanisches Dorf vor Tsunami; 13.5.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,762341,00.html

<Der japanische Küstenort Fudai überstand die Tsunami-Katastrophe fast ohne Schäden - weil ein früherer Bürgermeister vor Jahren eine gigantische Schutzmauer bauen ließ. Damals wurde er geschmäht, heute feiern die Einwohner den mittlerweile verstorbenen Politiker als Helden.

Fudai - Was hatte sich der Bürgermeister des kleinen Ortes Fudai an der Nordostküste Japans, Kotaku Wamura, in den siebziger Jahren alles anhören müssen: Geldverschwendung sei es, die hässliche knapp 16 Meter hohe Mauer am Ortsrand als Tsunamiabwehr aufzustellen. Die Kritiker verwiesen auf die Nachbarn: Andere Kommunen in der Nähe vertrauten auf deutlich kleinere Schutzwerke gegen Flutwellen. Musste es in Fudai also wirklich dieser 25-Millionen-Euro-Bau sein?

Heute ist die Antwort eindeutig: Die Mauer hat den 3000 Bewohnern von Fudai das Leben gerettet. Während die Dörfer und Städte in der Nachbarschaft von den Tsunamis am 11. März verwüstet wurden, kamen die Menschen in Fudai mit dem Schrecken davon. Die riesigen Flutwellen prallten an der hohen Mauer ab. "Sie war teuer", sagt der Fischer Satoshi Kaneko aus Fudai, "aber ohne die Mauer wären wir alle verschwunden".

Auch der heutige Bürgermeister von Fudai ist froh über die Arbeit seines Vorgängers: "Die Effektivität der Flutmauer ist beeindruckend", staunt Hiroshi Fukawatari noch immer. Auch er hatte bezweifelt, dass das gigantische Bauwerk nötig gewesen war. Der Blick in die Nachbarschaft aber zeigt, was mit einer kleineren Konstruktionen passiert wäre: Die Schutzmauern in Nachbarorten wurden einfach überspült. Die Stadt Taro beispielsweise vertraute auf einen zehn Meter hohen Wall von zweieinhalb Kilometern Ausdehnung - die Tsunamis schossen drüber hinweg.

Auch die Mauer von Fudai wurde von den 20-Meter-Wellen teilweise überspült. Doch der hohe Wall raubte dem Wasser seine Kraft, gerade mal ein paar Pfützen entstanden in Fudai, es gab kaum Schäden. Beidseits der Mauer blockierten Berge den Zugang des Wassers.

Ignorierte Mahnungen

Gefeierter Mann in Fudai ist nun der verstorbene Bürgermeister Kotaku Wamura. Er regierte das Dorf zehn Legislaturperioden: Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er gewählt, er blieb bis 1987 im Amt. Der kleine Ort erlebte eine Blütezeit: Er zog Fischer an, Touristen genossen die weißen Strände.

Doch Wamura traute dem Frieden nicht, er kannte die negative Seite der Küstenlage: 1896 und 1933 hatten Tsunamis Hunderte Menschen in der Region getötet. Die Wellen waren allerdings deutlich kleiner als jene vom 11. März 2011. Doch die Katastrophen der Vergangenheit gerieten bei den meisten Japanern in Vergessenheit. Selbst Wegsteine, die an verheerende Tsunamis im Mittelalter erinnerten, wurden ignoriert: Gravuren auf den Denkmälern mahnten, nicht zu nahe an der Küste und auf Anhöhen zu siedeln.

In einem Buch über seinen Heimatort Fudai bekundete Bürgermeister Wamura sein Erschrecken über die Katastrophe von 1933: "Als ich die Toten sah, begraben unter Erdhaufen, wusste ich nicht, was ich sagen sollte". Er schwor sich, dass eine solche Katastrophe nicht wieder passieren sollte.

Sein Lebenswerk

1967 ließ er den Bau der Tsunami-Mauer beginnen. Ergänzt wurde sie von einem Fluttor, durch das der Fluss fließen konnte. Insbesondere die hohen Kosten des Tores waren umstritten. Landbesitzer mussten Teile ihres Besitzes an den Staat verkaufen, damit der Schutzwall entstehen konnte.

Nach dem Seebeben vom 11. März wurde das Fluttor umgehend geschlossen. Ein Feuerwehrmann eilte noch herbei, um mit den Händen nachzuhelfen, als das Tor klemmte. Kurz darauf kamen die Tsunamis. Sie zerstörten die Boote im Hafen von Fudai - dann knallten die Wellen gegen die Mauer. Eine Grundschule direkt hinter dem Schutzwall sieht heute genauso aus wie vor den Tsunamis.

Bürgermeister Wamura hat den Tag nicht mehr erlebt, als sich sein Bauwerk bewährt hat. Er starb 1997 mit 88 Jahren. Die Bewohner von Fundai zeigen sich bewegt, seit den Tsunamis haben viele von ihnen Gaben an das Grab von Bürgermeister Wamura gebracht. Die Mauer war sein Lebenswerk, drei Jahre nachdem sie vollendet worden war, gab Wamura sein Amt auf. "Auch wenn es Widerstand gibt, habt Vertrauen und beendet, was Ihr begonnen habt", sagte er bei seiner Verabschiedung zu den Angestellten. "Am Ende werden die Leute verstehen."

boj/AP>

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20 minuten
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Sie waren im Krisengebiet, leben aber in Osaka. Wie ist da die Stimmung?
David Glättli: Osaka ist weit entfernt von Fukushima. Wir fühlen uns relativ sicher hier. Unter der 'Oberfläche der Normalität' herrscht jedoch eine eigenartige Stimmung.

Können Sie diese Stimmung beschreiben?
Es ist irgendetwas zwischen Normalität und Ausnahmezustand. Die Menschen sind in vielem zögerlich. Es wird weniger euphorisch eingekauft zum Beispiel. Ich arbeite in einem Designstudio, einige Projekte mussten gestrichen werden. Es wird abgewartet, nicht investiert.

Ist das im ganzen Land so?
Je näher die Leute bei Fukushima wohnen, desto grösser ist die Angst vor einer atomaren Katastrophe. Die Leute sind verunsichert, glauben der Regierung nicht mehr. In Tokio etwa fühlt sich niemand wirklich sicher - vor allem Familien mit Kindern ist nicht wohl. Dort ist alles viel schlimmer.

Inwiefern?
Es ist irgendwie unheimlich in Tokio, die Angst vor der totalen Katastrophe im nahen Fukushima lähmt die Stadt. Freunde erzählen mir, die Leute gingen weniger aus, Geschäfte müssten vorübergehend schliessen. Zahlreiche Menschen versuchen zu vermeiden, bei Regen ins Freie zu gehen und essen kein frisches Gemüse. In der Nacht wird weiterhin Strom gespart. Viele der sonst bunten Leuchtreklamen brennen nicht. In Tokio herrscht, wie im ganzen Land, eine gedämpfte Stimmung.

Kämpfen die Japaner gegen die negativen Einflüsse?
Einerseits ja. Es gibt einen fast trotzigen Optimismus, einen Durchhaltewillen und eine gross Solidarität, man spornt sich gegenseitig an. An fast jeder Ecke sind Kleber oder Fahnen mit der Aufschrift «Japan, streng dich an, halte durch» zu sehen. Es hat sich ein starkes Gemeinschaftsgefühl entwickelt, das dem Land einen gewissen Schwung verleihen konnte. Mit aller Kraft widmen sich die Menschen dem Wiederaufbau und versuchen den Alltag wiederherzustellen beziehungsweise aufrechtzuerhalten.

Und andererseits?
Die Angst vor der Zukunft ist eben auch spürbar. Sie wird genährt durch die konstante wirtschaftliche und politische Stagnation und den ungebremsten Aufschwung des Nachbarlandes China. Die grossen Schäden und die unheimliche Bedrohung des beschädigten Atomkraftwerkes in Fukushima lassen die Leute am Stammtisch über Themen wie einen möglichen Umzug des Regierungssitzes von Tokio nach Osaka oder Kyoto diskutieren. Der Niedergang Tokios ist inoffiziell ein Thema in Japan.

Haben die Japaner das Gefühl, die Welt habe sie vergessen?
Eigentlich nicht. Die Einheimischen und auch ich waren überrascht, überwältigt und gerührt von den Reaktionen aus dem Ausland. Japan empfindet sich selber als sehr weit entfernt vom Rest der Welt und wundert sich deshalb wenig, wenn das Ausland nicht viel über die aktuellen Geschehnisse mitbekommt. Trotzdem besteht eine gewisse Sorge, dass wenn die Aufregung um Fukushima abebbt, bald gar nichts mehr berichtet wird, obwohl die Katastrophe noch lange nicht bewältigt ist.

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Basler Zeitung
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30.7.2011 Das Dorf Aneyoshi hat auf die Warnung der Vorahnen gehört - und hat nach 1933 das Dorf weiter oben aufgebaut - Tokio verweigert die Zusammenarbeit für Umzonungen

Warnstein mit
                        Tsunamiwarnung (in Aneyoshi?): "Bis hierhin
                        kommt der Tsunami"
Warnstein mit Tsunamiwarnung (in Aneyoshi?): "Bis hierhin kommt der Tsunami"
Karte der
                        Küstenorte, die vom Tsunami im März 2011
                        betroffen waren
Karte der Küstenorte, die vom Tsunami im März 2011 betroffen waren: Fukushima, Sendai, Onagawa, Rikuzentakata, Kamaishi, Aneyoshi, Miyako, Taro, Hachinhohe.

aus: Basler Zeitung online: Der Stein, der ein Dorf vor dem Tsunami rettete; 30.7.2011;
http://bazonline.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Der-Stein-der-ein-Dorf-vor-dem-Tsunami-rettete/story/18531931

<Von Christoph Neidhart, Kamaishi.

Rettete einigen Menschen das Leben: der Stein von Aneyoshi aus dem Jahr 1933. (Bild: Christoph Neidhart).

Rundherum herrscht noch immer Zerstörung und Verwüstung. Doch ein kleiner japanischer Weiler ist vom Tsunami verschont geblieben – dank einer Warnung der Vorahnen.

Das Grauen wiederholt sich, es ist stets gleich und jedes Mal anders. Die Strasse entlang der Sanriku-Küste, die sich 500 Kilometer von Hachinohe nach Sendai schlängelt, führt durch wilde Wälder, in denen Affen und Bären leben, steile Pässe hoch, gelegentlich durch ein Bauerndorf, um dann in die nächste Bucht abzufallen. Dabei passiert sie fast jedes Mal ein Warnschild: «Bis hierher könnte ein Tsunami das Land überschwemmen.» Sekunden später verwandelt sich die Idylle in eine Hölle.

Auch vier Monate nach dem Tsunami liegen noch Häuser herum, als wären sie kaputt getretenes Spielzeug. Fischerboote sind an Skeletten von Betongebäuden gestrandet; und überall Autowracks. Darüber schwirren Fliegenschwärme. Es stinkt nach verbranntem Gummi, Verwesung, modrigem Meer und Fussschweiss.

Oder es ist bereits aufgeräumt. Von einigen Städten sind nur noch Betonfundamente zu sehen. Dazu enorme Abfallberge, sortiert in brennbaren Müll, Metall und Betonteile. Nur im Weiler Aneyoshi ist alles anders. Aneyoshi liegt weit draussen auf der bergigen Omoe-Halbinsel in einer Waldlichtung. Fast 39 Meter Wellenhöhe erreichte der Tsunami in den Buchten ihrer Steilküste. Doch die Häuser von Aneyoshi sind heil geblieben, die Angehörigen der zwölf Haushalte haben überlebt.

Wenige Schritte unterhalb der Lichtung am Strässchen zur Bucht hinunter steht ein Stein. Er hat den Menschen von Aneyoshi Haus und Leben gerettet. Die Bewohner von Aneyoshi sollten den grossen Tsunami nicht vergessen und höher oben bauen, «das sichert unseren Nachfahren den Frieden», steht auf dem Stein. Etwas weiter unten verwandelt sich das enge V-Tal in eine Wüste: Schwemmgut aus anderen Buchten, Teile von Häusern und ein verbogenes Motorrad liegen da. Vom winzigen Hafen gibt es nur noch Trümmer der Mole. Die kleinen Lagerhäuser zum Trocknen von Seetang, den das Dorf erntet, der Grillplatz, der hier war, sind nicht mehr zu sehen. 814 kleine Boote waren auf der Omoe-Halbinsel registriert, 14 sind noch zu gebrauchen.

Grossvater Chimura im untersten Haus von Aneyoshi ist mit seinem Enkel Ko allein zu Hause. Der Stein sei nach dem Tsunami 1933 aufgestellt worden, sagt er, von wem, wisse man nicht. Ane-yoshi war schon vom Tsunami 1896 völlig zerstört worden, nur zwei Personen überlebten. Die neuen Bewohner bauten zuerst in der Lichtung, zogen nach und nach aber wieder ans Wasser hinunter. Der Tsunami von 1933, dem ein eher schwaches Erdbeben vorausging und der mitten in der Nacht kam, hinterliess unten in der Bucht keine Überlebenden. Seither wage es niemand mehr, unterhalb des Steins zu bauen.

Alte Warnungen ignoriert - [weitere Warnsteine an anderen Orten wurden einfach ignoriert]

Der Stein von Aneyoshi ist nicht die einzige Warnung aus früherer Zeit. Es gibt einige solche Marken, etwa in Hirota vor der Stadt Rikuzentakata. Aber anders als in Aneyoshi wurden sie entweder nicht beachtet, die Häuser wurden nicht weit genug nach oben verlegt wie in Hirota, oder man vergass die Warnung allmählich. In Rikuzentakata, einer Stadt mit 23 000 Einwohnern, hat der Tsunami kein einziges Wohnhaus stehen lassen, nur einige Betonskelette. Und viele Hundert Autowracks, die nun sauber aufgereiht am Fusse eines Hügels liegen.

["Schutzmauern" werden überspühlt und dann zur Falle]

Manche Gemeinden ignorierten die alten Warnungen, die meisten indes vertrauten auf die Technik. Sie bauten aufwendige Tsunami-Mauern. Taro, ein Fischerstädtchen, das 1611, 1896 und 1933 von Tsunamis verwüstet wurde, errichtete nach dem Zweiten Weltkrieg einen zehn Meter hohen, 2,5 Kilometer langen Betonwall. Er wurde zur Falle: Das Wasser, das über die Mauer gedrungen war, konnte nicht mehr abfliessen.

Manche Schutzwälle hielten dem ersten Ansturm des Tsunami stand, wurden aber vom Wasser, das über die Sperre schwappte, von hinten unterspült. Andere halfen immerhin, die Wucht der Wellen abzuschwächen, bevor sie einstürzten.

[Alle Ortschaften nach oben verlegen braucht Umzonungen - und Tokio verweigert die Zusammenarbeit]

Wie nach 1933 wird jetzt wieder diskutiert, wie man künftigen Tsunamis vorbeugen könnte. Und wieder wird empfohlen, was Aneyoshi getan hat: höher oben zu bauen. Nur können sich grössere Dörfer und Hafenstädte, anders als ein Weiler, nicht so leicht nach oben verschieben. Ausser Platz braucht es dazu eine Umzonung durch die politischen Behörden, viel Geld und Zeit für eine sorgfältige Planung. Und vor allem ein Konzept. Davon ist bisher nichts zu sehen, doch die Menschen in den zerstörten Städten können nicht warten. Sie zweifeln ohnehin an der Bereitschaft Tokios, für die Tohoku-Region Geld auszugeben.

Festungsmauer hielt nicht stand

Kamaishi, ein Fischerhafen und der Geburtsort der japanischen Stahlindustrie, ist eine der grösseren zerstörten Städte. Sie wurde vom Tsunami 1896 ausgelöscht, 1933 erneut. 1945 wurde sie von amerikanischen Bomben in Schutt und Asche gelegt. 1960 löste das Valdivia-Erdbeben im 17 000 Kilometer entfernten Chile einen Tsunami aus, der in Kamaishi mehrere Menschenleben forderte. So etwas durfte nie wieder passieren. Deshalb baute Kamaishi den teuersten Tsunami-Wall Japans, eine Festungsmauer, die 1,5 Milliarden Franken kostete und erst 2009 fertig wurde. Auch sie hielt dem Tsunami vom 11. März nicht stand.

Eine halbe Stunde nach dem Erdbeben zog sich das Wasser zuerst aus der Bucht zurück, dann kehrte es als dunkle Wand mit unheimlichem Gebrüll zurück, erzählt ein Hotelangestellter. Die Flut überrannte die Tsunami-Sperre, riss Lücken in den Wall und peitschte Fischerboote, Häuser, Autos und Trümmer durch die Innenstadt. 1200 Menschen kamen um oder werden noch vermisst.Vier Monate nach dem Tsunami gibt es nachts noch keine Strassenbeleuchtung, die Innenstadt ist stockdunkel. Nur die zwei notdürftig hergerichteten Hotels haben Strom. Aber es werden neue Leitungen gezogen. Die Überreste vieler Häuser sind abgetragen. Die Erdgeschosse jener, die dem Tsunami standgehalten haben, sind dagegen noch voll Müll. Zwischen Holztrümmern liegen Gläser, Öfen, ein Computer, verschlammte Kleider, ein Klavier. Vor einer Ruine diskutieren Ingenieure, was aus dem Haus werden soll. An einem anderen arbeiten bereits die Handwerker.

«Wir können nicht auf Tokio warten»

Der Besitzer einer Bar in der berühmten Vergnügungsmeile Nonbe-Yokocho, deren Häuser weggeschwemmt wurden, wolle sein Lokal im August hier wieder eröffnen, sagt ein Schreiner. Für ihn ist es keine Frage, ob die Innenstadt wieder aufgebaut wird. «Bis aus Tokio etwas kommt, können wir nicht warten.»

So werden die Richtlinien zur Tsunami-Vorbeugung, wenn die Politik sich geeinigt haben wird, auf vollendete Tatsachen stossen. Und die einzige Hoffnung wird auch das nächste Mal sein, dass sich dank Tsunami-Drill möglichst viele Menschen rechtzeitig retten. Aneyoshi bleibt die Ausnahme. (baz.ch/Newsnetz)>


Kommentar

Wenn Tokio in diesem Fall nicht die Umzonungen vornimmt, um alle Ortschaften in höheren Lagen zu bauen, dann ist das eigentlich ein nächster vorprogrammierter Massentod, also eigentlich Massenmord. Es fehlen internationale Appelle, dass Tokio diese Problematik endlich ernst nimmt.

Michael Palomino, 30.7.2011

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Financial
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10.8.2011: <Naturkatastrophe: Japan-Tsunami wütete auch in der Antarktis>

aus: Financial Times Deutschland online; 10.8.2011;
http://www.ftd.de/wissen/natur/:naturkatastrophe-japan-tsunami-wuetete-auch-in-antarktis/60089647.html

<Im März verwüstete die Naturkatastrophe die japanische Küste. Der Tsunami richtete auch mehr als 13.000 Kilometer von seinem Ursprungsort entfernt Schäden an. Satellitenbilder zeigen, dass die Flutwelle riesige Eisberge aus dem Sulzberger Feld brach.

Der verheerende Tsunami vor Japans Küste hat in der Antarktis neue Eisberge entstehen lassen. Satellitenbilder zeigen nach Angaben der Europäischen Raumfahrtagentur (Esa) vom Dienstag, dass die Riesenwellen mehr als 13.000 Kilometer durch den Pazifik rasten und schließlich im Süden das Sulzberger Eisfeld trafen. Obwohl sie kaum noch höher als 30 Zentimeter waren, reichten die aufeinanderfolgenden Wellen aus, um mehrere große Stücke Eis abzubrechen.

Diese trieben nun in die Ross-See, berichtete die Esa, deren Radarbilder ihres Envisat-Satelliten von einem Nasa-Team ausgewertet wurden. Die größten Eisberge sind demnach rund 80 Meter dick und haben eine Oberfläche von 6,5 mal 9,5 Kilometern. Der Satellit sammelt täglich Radarbilder der Antarktis, die über die Miravi-Website der Esa zur freien Verfügung stehen.>

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20 minuten
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16.12.2011: <Neun Monate nach Tsunami: Japanischer Hausrat in Kanada angespült>

aus: 20 minuten online; 16.12.2011;
http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/17989701

<Seit Tagen werden an einer kanadischen Küste asiatische Haushaltsgegenstände angeschwemmt - vermutlich Trümmerteile des Tōhoku-Erdbebens. Und das dürfte erst der Anfang sein.

Gesamte Wohnungseinrichtungen aus Japan haben Tausende von Kilometern überquert. Die Bewohner des kanadischen Küstenstädtchens Tofino entdeckten am Donnerstag am Strand leere Lufterfrischer-Dosen, Blechbehälter und Plastikflaschen - mit japanischer und chinesischer Aufschrift. Bei den angespülten Haushaltsgegenständen könnte es sich um Trümmerteile der verheerenden Tsunamikatastrophe im Nordwesten Japans vom März 2011 handeln.

Die angespülten Gegenstände dürften ein winziger Teil von Tonnen von Trümmermassen sein, die noch auf dem Pazifik treiben. Jean Paul Froment, Surfshop-Besitzer, fand jüngst am selben Strandabschnitt rund fünfzig Holzlatten, die mit vermutlich asiatischen Schriftzeichen und den Buchstaben «JP» versehen sind.

Grosse, schwarze Objekte angespült

Auch in den USA trafen mehrere mutmasslich aus Japan stammende Fragmente auf Land: Einwohner entdeckten am Neah Bay, nordwestlich des Bundesstaats Washington, mehrere grosse, schwarze Schwimmkörper, wie die Peninsula Daily News am Donnerstag berichtete. Die Meeresforscher Curtis Ebbesmeyer und Jim Ingraham rechnen damit, dass im Laufe des nächsten Jahres weitere Trümmerteile tonnenweise an pazifische Küstenregionen angeschwemmt werden.

Rund neun Monate nach dem Desaster werden erst leichte Teile an Land gespült, sagt Ebbesmeyer. Es sei gut möglich, dass später Fragmente von Häusern, Booten, Schiffen, Einrichtungsgegenständen, Autos und gar sterbliche Überreste an Land geschwemmt würden. Der Bürgermeister von Tofino rief die Bevölkerung auf, den angeschwemmten Gegenständen aus Japan mit Respekt zu begegnen: «Alles, was angespült wird, hängt mit einer einschneidenden menschlichen Tragödie zusammen.»

Am 11. März 2011 erschütterte das Tōhoku-Erdbeben mit einer Stärke von 9,0 auf der Richter-Skala Japan. Durch das Beben wurden ein Tsunami sowie eine Serie katastrophaler Unfälle im Kernkraftwerk Fukushima-Daiichi ausgelöst. Die Naturkatastrophe forderte über 15 000 Tote.

(dga)>


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Spiegel
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24.3.2012: Ein Jahr nach dem Tsunami: Japanischer Fischtrawler treibt ohne Kapitän bis Kanada

aus: Ein Jahr nach dem Tsunami: Japanisches Geisterschiff treibt bis Kanada; 24.3.2012;
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,823521,00.html

<Geisterschiff: Dieser Fischtrawler trieb fast 8000 Kilometer weit über den Pazifik

8000 Kilometer über den größten Ozean der Welt, ohne Kapitän und ohne Mannschaft: Ein japanischer Fischtrawler, der nach dem Tsunami im März 2011 verschwunden war, ist wieder aufgetaucht - vor der Küste Kanadas. Nun will das weitgereiste Geisterschiff niemand haben.

Vancouver - Ein Jahr hat der Fischtrawler gebraucht, hat Stürmen getrotzt und Wellen, dem Regen und dem Wind auf dem Pazifik, dem größten Ozean der Erde. Mehr als ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Japan ist der seit damals vermisste Trawler nun gesichtet worden - vor der kanadischen Küste auf der anderen Seite des Ozeans. Die "Vancouver Sun" und CNN berichteten am Samstag übereinstimmend, dass das Geisterschiff von Seeaufklärern der kanadischen Streitkräfte 120 Meilen (gut 220 Kilometer) vor der Küste der Provinz British Columbia entdeckt wurde.

Es muss in den gut zwölf Monaten seit dem verheerenden Tsunami vor der Küste Japans unbemannt über den Pazifik gedriftet sein. Auf den fast 8000 Kilometern war es mit im Schnitt etwa einem Kilometer in der Stunde unterwegs und hat dabei wohl unbemannt Stürme und Wellenbrecher überstanden. Der 45 Meter lange Trawler ist in einem erbärmlichen Zustand, aber schwimmfähig. Das Schiff liegt sogar normal in der See, Wasser ist also offenbar nicht eingedrungen. Mit Hilfe der Beschriftungen des Trawlers wurde der ursprüngliche Eigentümer in Japan ausfindig gemacht, der offenbar bestätigte, dass sich an Bord niemand aufgehalten habe, als er aufs Meer hinaustrieb.

"Es treibt seit einem Jahr über den Pazifik, deshalb sieht es ziemlich mitgenommen aus", zitiert die "Vancouver Sun" Jeff Olsson vom Rettungszentrum in der Stadt Victoria. Noch sei nicht entschieden, ob der Kahn geborgen wird. Wenn er weiter treibt, kann er aber noch zur Gefahr für die Schifffahrt oder auch die Umwelt werden. Es sei eindeutig identifiziert. "Aber das Geisterschiff ist praktisch wertlos. Keiner will mit ihm etwas zu tun haben, weil die Schlepperkosten viel zu hoch wären."

Der Trawler ist der erste große Überrest des gewaltigen Tsunamis vor einem Jahr, der an der Westküste Nordamerikas angeschwemmt wird. Schon seit Wochen treibt aber ein riesiger Teppich aus Trümmerteilen vor der Region. Er ist so groß wie Deutschland und Dänemark zusammen. Dabei wurden Holzstücke mit japanischem Exportstempel gefunden und Bojen, die an einer japanischen Austernfarm befestigt waren. Einiges wurde angeschwemmt, das meiste treibt jedoch vor der Küste.

cis/dpa>

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n-tv online,
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9.4.2012: <Wie entstand das Japan-Beben? Erdkruste um 50 Meter verschoben>

aus: n-tv online; 9.4.2012;
http://www.n-tv.de/wissen/Erdkruste-um-50-Meter-verschoben-article5981496.html

<Bei dem schweren Erdbeben vor einem Jahr haben sich die tektonischen Platten vor der japanischen Küste um bis zu 50 Meter verschoben. Deutsche und japanische Wissenschaftler haben die Verwerfung vor der Küste jetzt genau erfasst - und dabei nicht nur Spuren des Bebens von 2011 gefunden.

Das verheerende Erdbeben im vergangenen Jahr in Japan hat auch auf dem Meeresboden dramatische Spuren hinterlassen. Die Erdkruste in der Tiefsee riss auf rund 400 Kilometern Länge auf, einzelne Bereiche verlagerten sich um 50 Meter nach Osten. "Da sind gewaltige Erdmassen in Bewegung geraten", sagte der Direktor des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften (Marum) in Bremen, Gerold Wefer. Deutsche und japanische Wissenschaftler haben die Verwerfung vor der Küste unter seiner Leitung genau erfasst.

"Wir wollen genau wissen, wie das abgelaufen ist, um die Entstehung von Erdbeben besser zu verstehen", erläuterte Wefer. Die Experten haben die vierwöchige Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff "Sonne" vor einigen Tagen beendet. In der Zeit haben sie ein 100.000 Quadratkilometer großes Meeresgebiet mit einem Fächerecholot vermessen. Außerdem nahmen sie mehrere Sedimentkerne aus dem Boden des Japangrabens in mehr als 7000 Metern Tiefe.

Dort taucht die Pazifische Platte unter die Kontinentalplatte ab - und dort entstand im März 2011 das Erdbeben der Stärke 9,0, das den verheerenden Tsunami auslöste. In den mehrere Meter langen Proben fanden die Forscher jedoch nicht nur Spuren des Bebens von 2011, sondern auch von länger zurückliegenden. "Da sind viele Ablagerungen, die solche Ereignisse dokumentieren", sagt Wefer.

Noch ist offen, wann sich diese Mega-Erdbeben und Tsunamis ereigneten. Das werden die Wissenschaftler erst nach genauen Analysen der Sand- und Gesteinsschichten im Labor sagen können. Ihre Erkenntnisse sind auch für die Zukunft wichtig: Sie könnten Hinweise liefern, wie wahrscheinlich es ist, dass solche besonders heftigen Beben in der Region wieder auftreten.

Quelle: n-tv.de, dpa>

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Netzfrauen online, Logo

20.10.2013: <Das Meer ist kaputt! - Anstelle des fehlenden Lebens - Müll in erstaunlichen Mengen> - Bericht von einer Segeltour über die Müllhalde "Pazifik"

aus: Netzfrauen online: Update Fukushima: Kalifornien – erhöhte Strahlenwerte – Das Meer ist kaputt!- The ocean is broken!
http://netzfrauen.org/2013/10/20/update-fukushima-kalifornien-erhoehte-strahlenwerte-meer-ist-kaputt-the-ocean-is-broken/

Orginal: http://www.theherald.com.au/story/1848433/the-ocean-is-broken/?cs=12

[Die stille Reise mit Müll im Pazifik - ohne Seevögel und ohne Fische - angeblich leergefischt!!!]

<Es war die Stille, die diese Reise anders machte im Vergleich zu allen anderen zuvor. Nicht die Abwesenheit von Tönen, um genau zu sein. Der Wind peitschte noch die Segel und pfiff in der Takelage. Die Wellen schwappten noch gegen den Fiberglas-Rumpf. Und es gab viele andere Geräusche: dumpfe Schläge und Stöße und Kratzer als das Boot gegen Trümmer stieß. Was fehlte, waren die Schreie der Seevögel, die auf allen früheren ähnlichen Fahrten das Boot umgeben hatten.

Die Vögel waren nicht da, weil die Fische fehlten.

Vor exakt 10 Jahren, als der Newcastle-Segler Ivan Macfadyen genau den gleichen Kurs von Melbourne nach Osaka segelte, war alles, was er hatte tun müssen, um einen Fisch aus dem Meer zwischen Brisbane und Japan zu fangen, eine Köder Leine auswerfen.

“Es gab nicht einen der 28 Tage auf diesem Teil der Reise, wo wir keinen großen Fisch fingen den kochten und mit Reis aßen“, erinnerte sich Macfadyen. Aber dieses Mal fingen wir auf der gesamten langen Reise nur zwei Stück. Keine Fische. Keine Vögel. Wohl kaum ein Zeichen von Leben überhaupt.

“In vergangenen Zeiten hatte ich mich an die vielen Vögel und ihr Geschrei gewöhnt“, sagte er. ”Sie folgten dem Boot, rasteten manchmal am Mast, ehe sie wieder abhoben. In großen Scharen konnten wir sie dabei beobachten, wie sie knapp über der Meeresoberfläche flogen und sich Sardinen herausholten. Aber im März und April dieses Jahres umgaben nur Stille und Trostlosigkeit unser Boot Funnel Web, als es über Wellenkämme zog. Nördlich des Äquators sahen wir auf Höhe von Neu-Guinea ein großes Fischerboot arbeiten an einem Riff in der Ferne“. ”Den ganzen Tag blieb es dort. Fuhr hin und her. Es war ein großes Schiff, wie ein Mutterschiff“, erzählte er.

Und auch während der ganzen Nacht arbeitete es bei hellem Flutlicht. Und am Morgen wurde Macfadyen von einem Crew-Mitglied geweckt, der mitteilte, von dem großen Schiff hätte ein Schnellboot abgedreht.

“Natürlich war ich besorgt. Wir waren unbewaffnet und Piraten sind eine echte Sorge in diesen Gewässern. Ich dachte, wenn diese Jungs Waffen hätten, dann wären wir in großen Schwierigkeiten”. Aber sie waren keine Piraten, zumindest nicht im herkömmlichen Sinn. Das Schnellboot kam an und die melanesische Besatzung offerierte Gastgeschenke: frisches und eingelegtes Obst und Marmelade in Gläsern. Und fünf große Zucker-Säcke voll mit Fisch. “Es waren gute, große Fische, die meisten ganz frisch aber einige hatten wohl schon einige Zeit in der Sonne gelegen.

“Wir haben ihnen gesagt, dass diese Menge an Fischen zu viel für uns wäre, wir sie nicht aufbrauchen könnten und auch keinen Kühlschrank hätten“. Sie zuckten mit den Schulter und meinten, wir könnten sie ja leicht über Bord hängen und so frisch halten oder einfach zurück ins Wasser werfen – das würden sie mit ihrem Zuviel auch tun.

“Sie sagten uns, dass das nur ein Bruchteil eines Tages Beifangs war. Sie wollten nur Thunfisch fangen und alles andere wäre unerwünscht. Gefangen, getötet und zurück ins Meer geworfen. Sie fuhren in dieser Bucht Tag und Nacht, jede Woche und fischten dabei alles aus dem Wasser. Alles!

Das tat Macfadyen nun bis in sein Herz weh. Das war nur ein einziges Fischerboot unter unzähligen weiteren, die jenseits des Horizontes das Gleiche taten. Kein Wunder, dass das Meer tot war. Kein Wunder, dass seine Köderleinen nichts fingen. Es gab nichts zu fangen.

[Von Osaka nach San Francisco - das Meer fühlt sich tot an - Walfisch mit Tumor - der Pazifik ist voller Müll]

Wenn das deprimierend klingt, es kam noch schlimmer.

Die nächste Etappe der langen Reise war von Osaka nach San Francisco und wurde für eine weite Strecke geprägt von der Trostlosigkeit, wie schon erfahren, manchmal gefärbt mit Ekel erregendem Horror und einem gehörigen Maß an Angst.

“Nachdem wir Japan verlassen hatten, fühlte es sich an, als ob das Meer selbst tot wäre”, sagte Macfadyen.

“Wir sahen kaum Lebewesen. Wir sahen einen Wal, der irgendwie hilflos an der Oberfläche herum rollte mit etwas, das aussah wie ein großes Tumorgeschwür auf seinem Kopf. Es war ziemlich widerlich.

[Müll im Pazifik: Telegrafenmasten mit Drähten]

“In meinem Leben habe ich viele Kilometer auf dem Meer zurück gelegt und dabei Schildkröten, Delphine, Haie und große Schwärme fischender Vögel gesehen. Aber dieses Mal habe ich auf einer 3000 nautische Meilen langen Fahrt nichts Lebendiges zu sehen bekommen“. Anstelle des fehlenden Lebens aber Müll in erstaunlichen Mengen.

“Ein Teil dieses Mülls sind die Folgen des Tsunamis, der Japan 2011 getroffen hat. Die Welle kam über das Land herein, nahm eine unglaubliche Ladung Sachen auf und trug sie ins Meer. Und dort sind sie noch die Sachen. Überall – wohin du auch schaust“. Ivans Bruder, Glenn, der in Hawaii an Bord gekommen war, um nach Amerika mit zu segeln, wunderte sich über „Tausende über Tausende“ von gelben Plastikbojen. Dazu riesige Gewirre aus Kabeln, Kunstfaserseilen, Angelleinen und Netzen. Millionen von Styropor Stücken. Und Schlieren von Öl und Benzin. Unzählige hölzerne Strommasten sind draußen, mitgerissen durch die Killer-Welle und treiben dort mitsamt ihren Drähten mitten im Meer.

“In früheren Jahren, wenn du hier vom fehlenden Wind aufgehalten wurdest, hast du deinen Motor gestartet und bist weiter gefahren“, sagt Ivan . Diesmal nicht.

“An vielen Orten konnte wir unseren Motor nicht anlassen aus Angst, die Schraube könnte sich in der Masse von Seilen und Kabeln verfangen. Das ist eine unerhörte Situation da draußen im Ozean. “Wenn wir starteten, ging das nie bei Nacht, nur tagsüber, wenn wir vom Vorschiff aus dem Müll ausweichen konnten“.

[Müll vor Hawaii: Autos, Lastwagen, Schornsteine - das Segeln durch eine Müllhalde - Möbel, Spielzeug, Geschirr - der Müll zerbeult das Schiff]

“Auf dem Vorschiff, in den Gewässern vor Hawaii, konnten wir weit in die Tiefe sehen. Ich konnte sehen, dass die Trümmer nicht nur an der Oberfläche sind, sondern auch unterhalb. Und es gibt Müll in allen Größen, von einer Plastik-Trinkflasche bis zu Autos und Lastwagen. Wir sahen einen Fabriks-Schornstein aus dem Wasser ragen, mit irgendeiner Art von Kessel-Anhang unter dem Wasserspiegel baumelnd. Es gab einen riesigen Container, der auf den Wellen schaukelte“.

“Wir haben alle diese Trümmer umrundet. Es war, als würden wir durch eine riesige Müllhalde segeln. Unter Deck hörten wir ununterbrochen Dinge auf dem Rumpf anschlagen und wir hatten Angst, eines davon könnte uns ein Leck verursachen. Am Ende war der Rumpf total verbeult und zerkratzt von all dem, was wir nicht sehen konnten“.

„Plastik war allgegenwärtig. Flaschen, Taschen und jede Art von Wegwerf-Gütern des Haushalts die man sich nur vorstellen kann, von zerbrochenen Stühlen bis zu Mistschaufeln, Spielsachen und Geschirr. Und noch etwas: Die lebhafte gelbe Lackierung des Bootes, nie verblasst von Sonne und Meer über viele Jahre, hat mit irgend etwas aus dem Wasser vor Japan reagiert, verlor ihren Glanz auf eine seltsame und noch nie da gewesene Weise“.

[Der Pazifik ist kaputt]

Zurück in Newcastle setzt sich Ivan Macfadyen noch immer mit dem Schock und Horror der Reise auseinander. ”Das Meer ist kaputt” [The Ocean is broken], sagte er und schüttelte den Kopf – fassungslos und ungläubig.

Das Problem der Erkenntnis ist riesig, und dass keine Organisationen oder Regierung ein besonderes Interesse zu haben scheint etwas dagegen zu tun, bringt Macfayden dazu, nach Ideen zu suchen. Er plant, bei Ministern der Regierung zu lobbyieren, in der Hoffnung, dass sie helfen könnten.

Erst einmal möchte er die Organisatoren der wichtigsten australischen Regatten ansprechen dass sie sich in ein internationales System einschreiben, welches Freiwillige verpflichtet den Abfall und die Meereslebewesen zu überwachen.

Er selbst hat sich in dieses Schema schon eingetragen, während er in den Vereinigten Staaten von Amerika war, als er davon hörte, dass amerikanische Akademiker Segler aufforderten, täglich Untersuchungsbögen für Strahlungs-Werte auszufüllen- eine erhebliche Sorge im Gefolge des Reaktorunglücks von Fukushima.

[Flotte, die aufräumen könnte, lohnt wegen des Treibstoffs nicht?!]

“Ich fragte sie, warum verlangen wir nicht eine Flotte und beginnen, aufzuräumen? Aber sie sagten, sie hätten berechnet, dass die Umweltschäden durch Verbrennen des Treibstoffs um diesen Job zu tun schlimmer wäre, als die Trümmer zu lassen, wo sie sind”.

The ocean is broken wurde von  Netzfrau Lisa Natterer übersetzt und ebenso auch die Neuigkeiten um Fukushima zusammengetragen

Netzfrau Lisa Natterer

Weitere Informationen zu Fukushima hier:>

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6.11.2013: <Tsunami-Folgen: Abfall-Insel so groß wie Texas treibt auf USA zu>

Karte des Pazifik zwischen Japan und Kanada und den
                "USA" mit der Abfallverteilung und der
                Abfall-Insel vor Kalifornien, 6. November 2013
Karte des Pazifik zwischen Japan und Kanada und den "USA" mit der Abfallverteilung und der Abfall-Insel vor Kalifornien, 6. November 2013 [3]


aus: Welt online; 6.11.2013;
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article121589722/Abfall-Insel-so-gross-wie-Texas-treibt-auf-USA-zu.html

<Mehr als zwei Jahre nach der Tsunami-Katastrophe in Japan kämpfen die USA mit deren Folgen. Vor ihren Küsten schwimmt eine gigantische Abfall-Insel. Immer wieder werden gefährliche Trümmer angespült.

Von

Ein tonnenschweres schwimmendes Trümmermonstrum treibt über den Pazifik geradewegs auf das Festland des US-Bundesstaates Kalifornien zu. Es ist eine gigantische Abfall-Insel von der Größe des Staates Texas, der mit einer Fläche von 696.241 Quadratkilometern nahezu doppelt so groß ist wie Deutschland. Die künstliche Insel setzt sich aus Trümmern zusammen, die nach dem verheerenden Tsunami in Japan 2011 ins Meer geschwemmt wurden.

Fünf Millionen Tonnen Schutt, der sich aus Überresten von Häusern, Booten, Fabriken und anderem zerstörten Leben zusammensetzt. Dies verdeutlicht ein aktueller Bericht der Nationalen Ozean- und Atmosphärenverwaltung (NOAA). Momentan befindet sich die künstliche Insel nordöstlich von Hawaii, wie eine Computersimulation der Behörde veranschaulicht. Die Situation ist ernst. Der Müll mit all seinen Giftstoffen könnte katastrophale Folgen für die Flora und Fauna der US-Westküste haben, heißt es.

Seit Monaten landet immer neuer Müll aus Japan in Kanada oder an den Stränden der US-Bundesstaaten Alaska, Kalifornien, Washington und Oregon. Schon im März 2012 tauchte ein 60 Meter langes Geisterschiff aus Japan in Kanada auf. Nach der 8000 Kilometer langen Reise über den Ozean wurde es von der US-Küstenwache spektakulär versenkt.

"Auf riesige Reinigungsaktion gefasst machen"

Andere vereinzelte Gegenstände wie etwa ein japanischer Bootsanleger oder ein Motorrad wurden ebenfalls angespült. Auch ein Fußball mit dem Namen eines japanischen Studenten darauf wurde gefunden – und an den Eigentümer in der Stadt Rikuzentakata zurückgegeben. Immer wieder werden auch japanische Plastikkanister und Styropor-Bojen, die für die Austernzucht genutzt wurden, aus dem Meer gefischt.

Doch nicht immer lassen sich die Trümmer derart identifizieren. Oft fällt es schwer, den alltäglichen inländischen Müll von dem der Tsunami-Folgen in Japan zu unterscheiden. Auch Geigerzähler würden dabei nicht helfen, denn es sei keine radioaktive Strahlung auszumachen.

Und trotzdem: "Das ist gerade mal der Anfang", meinte im April 2012 der Ozeanograf Curtis Ebbesmeye. "Wir sollten uns auf eine riesige Reinigungsaktion gefasst machen", prophezeite der pensionierte Meereskundler schon damals. Nun droht den USA eine regelrechte Invasion in Form der tonnenschweren schwimmenden Abfall-Insel.>




Fotoquellen
[1] Warnstein vor Tsunami in Aneyoshi:
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Der-Stein-der-ein-Dorf-vor-dem-Tsunami-rettete/story/18531931
[2] Karte der Tsunami-betroffenen Ortschaften:
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/asien-und-ozeanien/Der-Stein-der-ein-Dorf-vor-dem-Tsunami-rettete/story/18531931
[3] Karte des Pazifik zwischen Japan und Kanada und den "USA" mit der Abfallverteilung und der Abfall-Insel vor Kalifornien, 6. November 2013;
http://www.welt.de/vermischtes/weltgeschehen/article121589722/Abfall-Insel-so-gross-wie-Texas-treibt-auf-USA-zu.html


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