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Kambodscha. Notizen

von Michael Palomino (2013)

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Zweimal durchquerte ich das Land Kambodscha auf dem Web von Thailand nach Vietnam, mit jeweils einer Nacht in einem Hotel in Phnom Penh.

Die Eindrücke über Kambodscha waren sehr eigenartig:

-- Hängematten im öffentlichen Raum sind öfters anzutreffen
-- kleine Kinderstühle und Kindertische als Restaurant (wie in Vietnam) sind in Kambodscha nur selten anzutreffen

Reisland
Kambodscha hat Reisfelder ohne Ende, sieht wunderschön aus mit vielen Palmen und Bäumen zwischen den Reisfeldern.

Offene internationale Geldbeziehungen
Mit Western Union kann man von Kambodscha aus Geld ins Ausland schicken. Der Dollar wird als Währung akzeptiert wenn nicht sogar bevorzugt. Als ich die kambodschanische Währung "Riel" in Vietnam umtauschen wollte, wollte keine vietnamesische Bank meine Riels tauschen. Das war schon ein sehr komisches Gefühl.

Keine Zäune in Kambodscha
In Kambodscha scheint es keine Zäune zu geben und das Vieh ist auch nicht angebunden. Das heisst, das Vieh läuft einfach frei überall herum, und es kann sein, dass plötzlich ohne Vorwarnung eine Herde Kälber oder Kühe die Strasse überquert oder die Strasse blockiert.

Eventuell dient Gestrüpp als Zaun, aber auch dies ist eher selten der Fall, denn das Gestrüpp wird vom Vieh leicht abgefressen.

Sandrand als Strassenrand
In Kambodscha ist es eine negative Tradition, dass eine Hauptstrasse keinen Seitenstreifen aus Asphalt aufweist, sondern einen "Sandstreifen". Und dieser "Sandstreifen" führt leider auch durch ganze Ortschaften. Nun müssen also Motorräder und Lasten-Seitenwagen-Motorräder oder Fahrradfahrer alle auf dem "Sandstreifen" fahren, der ja eher rutschig ist, und das ist schon eine grosse Zumutung.

Die Zumutung wird aber noch grösser, wenn die Lastwagenfahrer den Seitenstreifen benutzen, um die normalen Autos nicht zu blockieren. Dann stäubt der Staub des "Sandstreifens" gleich mehrere 100 m weit und seitwärts sicher ebenfalls 70 m weit. Die Dörfer, so der Seitenstreifen durchführt, werden also durch den Sandstreifen konsequent "verstäubt" und das Wohnen an der Hauptstrasse oder ein Verkaufsstand an der Hauptstrasse ist in Kambodscha dann eine richtige Qual.

Seitenstrassen in Kambodscha bestehen oft nur aus Sand oder Erde.

Es fragt sich, wieso die kambodschanische Regierung keine sauberen Strassenverhältnisse schafft, denn es braucht eigentlich keine grossen Mittel dazu, den Sandstreifen zu stabilisieren und zumindest innerhalb von Siedlungsgebieten zu asphaltieren, oder Kriechspuren anzulegen.

Autobahnen gibt es nicht - Fahrradwege gibt es nicht
Es ist wirklich sympathisch, dass es in Kambodscha noch keine Autobahnen gibt. Aber Fahrradwege gibt es leider auch nicht, und dann wird das Bild wieder etwas negativ. Auch in Sachen Fahrradwege könnte man mit relativ einfachen Massnahmen Verbesserungen erziehlen.

Sammeltaxi für die Bevölkerung: eine Limousine, ein Pickup oder ein Lastwagen
Limousinen-Sammeltaxis existieren in Kambodscha für die Verbindungen zwischen den grossen Städten. Die Taxifahrer wissen Bescheid, wo die Treffpunkte sind.

Die kambodschanische Bevölkerung auf dem Land scheint absolut arm zu sein, und es waren auf den Hauptstrassen viele volle Pickups zu beobachten. Es waren ebenfalls voll beladene Lastwagen zu beobachten, wo sich die "Passagiere" auf der Ladung oben drauf "installierten", um einen "Gratisplatz" für eine Reise zu ergattern. Irgendwie schien mir das sehr, sehr gefährlich.

Viel Huperei in Kambodscha - Hupen und Warnblinker beim Überholmanöver
In Kambodscha wird sehr viel gehupt wie in Vietnam. Die Autofahrer in Kambodscha wollen immer die Motorroller von der Strasse "weghupen" (so wie in Vietnam auch), und in Kambodscha wird auch bei jedem Überholmanöver gehupt. Ein Überholmanöver wird in Kambodscha noch mit dem Warnblinker unterstützt, um vermeintliche, entgegenkommende Fahrzeuge zu warnen. Bei den vielen Überholmanövern mit den vielen Lastwagen auf den zweispurigen Strassen ist dies scheinbar eine nützliche Massnahme.

Abfallproblem in Kambodscha
Scheinbar ist in Kambodscha in Sachen Abfall noch gar nichts am Laufen, keine Sammlung, kaum Mülltrennung, sondern es waren wilde Feuer und der Geruch von verbrenntem Plastik zu beobachten wie z.B. in Peru. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass sogar Recycling in Kambodscha kaum existiert. Es kümmert sich irgendwie niemand um die Wertstoffe, sondern man sieht viele Leute einfach in den Hängematten rumhängen und nichts tun. Stattdessen brennen abends die Feuer zur Open Air Abfallverbrennung.

Hausbauten in Kambodscha
Die normale Landbevölkerung baut sich oft ein Holzhaus, seltener ein Zement-Ziegelhaus auf Stelzen, also eine Art "Pfahlbau", scheinbar, um für Überschwemmungen gewapnet zu sein. Flachdächer gibt es keine, und somit wird die Chance auf weitere Stockwerke von vornherein vertan.


Phnom Penh

-- Internetcafés sind in Phnom Penh organisiert

-- Western Union gibt es in Phnom Penh reichlich, und die Banken-Öffnungszeiten sind nicht so beschränkt wie in anderen Staaten, wo die Banken schon um 4 Uhr nachmittags die Türen schliessen
-- das Leben pulsiert in Phnom Penh, aber irgendwie sieht die Regierung die Regelung grosser Probleme nicht.

Verkehr in Phnom Penh ohne öffentlichen Verkehr
-- öffentlicher Verkehr existiert in Phnom Penh kaum. Ich habe bei meinen zwei Durchreisen und einem Abstecher zu den Killing Fields keinen einzigen öffentlichen Bus gesehen, und viele Menschen sind auf die teuren Droschken-Taxis angewiesen
-- Fahrradwege habe ich in Phnom Penh keine gesehen und die Motorroller verdrängen immer mehr die friedlichen Fahrradfahrer / VelofahrerInnen
-- ohne öffentlichen Verkehr ergibt sich in Phnom Penh dieselbe Entwicklung wie in Ho-Chi-Minh-Stadt (dem früheren Saigon) in Vietnam, dass alle Leute einen Motorroller fahren wollen und am Ende die Strassen derart brummen, so dass es kaum mehr zum Aushalten ist, und manche Leute fahren dann ziemlich aggressiv
-- zur Stosszeit ist Phnom Penh quasi "voll" und an manchen Kreuzungen geht dann minutenlang gar nichts mehr
-- zum Teil fehlt in Phnom Penh in ganzen Strassenzügen und Plätzen in der Nacht die Strassenbeleuchtung und manche Strassen sind dann ganz im Dunkeln, ein mulmiges Gefühl, dort mit dem Taxi durchzufahren.

Abfallproblem in Phnom Penh - und Überschwemmungen sind vorprogrammiert
-- Phnom Penh hat ein gigantisches Abfallproblem, weil einfach nichts organisiert ist und kaum Mülleimer aufgestellt sind. Der Müll wird dann in der Nacht jeweils von Hand von Strassenkehrern aufgesammelt und Strassenwischmaschinen habe ich nicht gesehen
-- Phnom Penh riecht dann im Sommer zum Teil nach Müll, etwa so wie Lima, weil es auch keine wasserbetriebenen Strassenputzmaschinen gibt
-- im Sommer füllen sich in Phnom Penh dann die Gulis mit Müll, so dass es fraglich ist, wie der Wasserabfluss dann in der Regenzeit funktionieren soll, und Überschwemmungen sind dann vorprogrammiert.

Schlussfolgerungen
Die Bevölkerung in Kambodscha wirkte sehr bescheiden, freundlich und hilfsbereit. Irgendwie fehlen in Kambodschas Oberschicht aber grundlegende und einfachste Strategien, um die normalen Probleme in Sachen Öffentlichem Verkehr und Abfall zu lösen. Die Sandstreifen an den Hauptstrassen bewirken immer wieder Staub und Sand in der Luft. Und manchmal wäre ein Zaun für das Vieh auch nicht schlecht. Und bei der Architektur fehlt das Flachdach mit Schatten-Terrasse, um später weitere Stockwerke oben draufzubauen. Die Kontrolle der Gulis in der Trockenzeit sollte unbedingt intensiviert werden, um die Gulis für die Regenzeit freizuhalten.

Einfachste Massnahmen können das Leben in Kambodscha also sehr verbessern.

Dafür waren dann am Grenzort Bavet an der Grenze zu Vietnam gleich 5 oder 6 Casinos zu sehen. Dann weiss man also, was die Oberschicht in Kambodscha macht.

Gemäss anderen Quellen sind auch die sanitären Verhältnisse in Kambodscha sehr prekär. Wieso die Regierung die Bevölkerung derart vernachlässigt, bleibt mir ein Rätsel. Die Kambodschaner haben diese eigentlich nicht verdient, in einem Land mit viel Abfall und ohne öffentlichen Verkehr zu leben.







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