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DDR-Zeit - Meldungen 02

Geld machen mit Recycling in der DDR: Ideen und ein Handwagen -- manche DDR-Waren gab es nur in der BRD zu kaufen -- Lehrbücher aus der DDR und der Sowjetunion waren methodisch super -- STASI überwachte auch die Kripo in West-Berlin -- Proteste gegen Honecker-Regime kamen aus gefälschten Kommunalwahlen -- Die politischen Opfer in der DDR sind vergessen -- Honecker fuhr West-Autos (Citroën GX) -- Soziologe Winkler ist im Himmel -- Maurflucht soll als Trauma entschädigt werden, geht das? -- Mauerbau 1961 und die verschwiegenen Gründe -- "La Bohème"-Oppositionskultur in Ost-Berlin -- Menschen waren "Ungeziefer" -- Die Ausreise von 1989 -- China wollte die DDR retten -- Die Maueropfer-Liste -- Flughafen Tegel ausspioniert -- STASI-Methoden -- Ulbricht: Demokratie muss nur so aussehen wie... -- Gorbatschow hat die DDR verraten+verkauft -- Modrow gestorben -- Schnupftabak und 2x jährlich Darmreinigung

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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Spiegel
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13.12.2013: Geld machen mit Recycling in der DDR: Ideen und ein Handwagen

aus: Spiegel online: Recycling in der DDR: Müll zu Ost-Mark; 13.12.2013;
http://einestages.spiegel.de/static/authoralbumbackground/13021/muell_zu_ost_mark.html

Buchempfehlung:
Mark Scheppert: "Der Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens. 30 vergnügliche Geschichten aus dem Alltag der DDR." Books on Demand GmbH, Norderstedt 2009, 228 Seiten.

<Recycling in der DDR
Müll zu Ost-Mark Reich dank weggeworfener Westlektüre und leerer Wodkaflaschen: Als Jugendlicher sammelte Marko Schubert mit einem Freund in Ostberlin fleißig Wertstoffe und verdiente damit viel Geld. Seine "Altstoff-Mafia" arbeitete mit allen Tricks - und der Hilfe eines stets angetrunkenen Komplizen.

Das konnte doch einfach nicht wahr sein! Seit Wochen wachte ich jeden Sonntag gegen neun Uhr auf, weil irgend so ein Idiot seine Flaschen in den Altglas-Tonnen im Hof zerdepperte. Wieder klirrte es, und diesmal sprang ich auf und öffnete wutentbrannt das Fenster. Gerade wollte ich "Ruhe da unten" brüllen, als ich meinen Irrtum bemerkte: In den Container wurden keine leeren Pullen geschmissen, sondern jemand wühlte angestrengt darin herum. Plötzlich musste ich daran denken, wie ich mir als Kind durch emsiges Sammeln von Altstoffen ein kleines Vermögen verdient hatte.

[Sero = "Sekundärrohstoffe"]

Das Zauberwort, mit dem man in der DDR Flaschen in Kleingeld verwandelte, hieß Sero. Sekundärrohstoffe wie Papier, Gläser, Flaschen, Schrott, Lumpen, Plaste und Elaste gaben die Menschen in den Sero-Sammelstellen ab und erhielten pro Stück oder Kilogramm einige Pfennige dafür. Es hieß, die zahnlosen Leute, die dort arbeiteten, kämen direkt aus dem Knast in Rummelsburg und sollten durch diesen grauenvollen Job wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden.

In dem alten ausrangierten Lkw-Anhänger direkt an der Büschingstraße in Ostberlin stank es stets muffig und nach Alkohol. Der Planwagen mit dem Sero-Logo war irgendwann wie ein Fremdkörper zwischen all den zehngeschossigen Hochhäusern mitten auf dem Gehweg abgestellt worden.

Tätowierter Hüne mit Alkoholfahne

Zu dem Wagen gehörte Herr Lepro. Unrasiert, die Haare klebrig über die Stirn gekämmt und stets übellaunig saß der tätowierte Hüne auf den Stufen der rostigen Treppe, die zu seinem Bauwagen hinaufführte und blickte uns böse an. Er hatte gewisse Ähnlichkeit mit dem Riesen aus der beliebten Kinderserie "Spuk unterm Riesenrad". Dort stellten sich aber Hexe, Zwerg und auch der Riese schnell als liebenswerte Zeitgenossen heraus. Bei Herrn Lepro war dies nicht der Fall. Der Alkoholgestank im Inneren seines Wagens ging nicht nur von Hunderten leerer Schnapsflaschen, sondern wohl auch von seinen Atemwegen aus. Seine sozialistische Aufgabe war es, Altstoffe von braven Bürgern gegen Geld anzunehmen und sie in die volkseigene Produktion zurückzuführen.

Vorher war unsere Altstoffannahme "jwd", also "janz weit draußen" gewesen. Als der Wagen über Nacht plötzlich an dieser Stelle aufgebaut worden war, freuten sich Benny und ich. Schließlich mussten wir immer Vaters Schnaps- und die bulgarischen Rotweinpullen unserer Mami entsorgen. Mein kleiner Bruder ging jedoch nur wenige Male zum Altstoffmann. Klar sah der Typ finster, gemein und hinterhältig aus, aber dass Benny gar nicht mehr einschlafen konnte und Alpträume bekam, wenn er an den Lepro dachte, fand ich ein bisschen übertrieben. Na gut: Ich hatte Schiss vorm Wäschemann.

Mit seinen dicken Oberarmen stapelte Lepro Papier, Pappe, Schrott und Lumpen bis unters Dach und ließ Flaschen und Gläser in riesigen Kisten verschwinden. Da ich nie mitbekam, wann der Wagen geleert wurde, stellte ich mir immer vor, wie Herr Lepro des Nachts mit riesigen Rucksäcken voller Altstoffe durch Berlin zum zentralen Sero-Hof stiefelte, um sie dort brüllend bei anderen tätowierten Monstern abzuliefern.


Pionierauftrag auf einen Schlag übererfüllt

Natürlich mussten Altstoffe auch regelmäßig für die Schule gesammelt werden, um die Einnahmen Kindern in Angola, Vietnam und Nicaragua zu schicken. Papier, Schrott und Schnapsflaschen für den Frieden konnten montags ab 7.30 Uhr im Altstoffkeller der Schule abgegeben werden und wurden von den verantwortlichen Schülern in Listen eingetragen - 100 Soli-Punkte brauchte jeder Schüler im Jahr. Wir staunten nicht schlecht, als wir mit einer einzigen großen Fuhre Altpappe - einem Geschenk von Bommels Mutter, die Bibliothekarin war - unseren Pionierauftrag des Jahres 1981 bereits übererfüllt hatten. Ab jetzt konnten wir die Sachen also komplett in eigenes Taschengeld umwandeln und schleppten die nächsten Pappen zum Altstoffhändler.

Mürrisch drückte uns Herr Lepro zehn Mark in die Kinderhände - jedem! So entstand ein ziemlich ungewöhnliches Hobby für einen Elfjährigen: Altstoffsammeln! Jeder Betrag über zwei Mark war für uns eine unglaubliche Summe, und wir hatten durch unseren ersten Zehner Blut geleckt.

Wir grasten den kompletten Wohnblock ab, klingelten an jeder Tür und fragten: "Haben Sie Altstoffe?" Natürlich bekamen wir unsere bunten Stoffbeutel und Netze fast überall prall gefüllt. Viele Leute waren einfach zu faul, die Sachen selbst wegzubringen. Und die Menschen soffen zu unserer Überraschung alle so viel wie unsere Väter. In fast jedem Haushalt gab es hinter einem Vorhang eine Abstellnische mit Dutzenden weißer Schnaps- und grüner Weinpullen.

Vor dem fiesen Altstoffhändler Lepro verloren wir langsam unsere Scheu. Wir merkten, dass auch für ihn dieses Geschäft mehr als gut zu laufen schien. Besonders scharf war er auf Zeitschriften, Papier- und Buchlieferungen. Erst Jahre später, als auch ich nach Westzeitschriften, Postern und verbotenen Büchern gierte, wurde mir bewusst, wie viel Kohle er damit nebenher gemacht haben musste.

Westzeitungen gegen DDR-Geld

Wir entwickelten eine symbiotische Geschäftsbeziehung: Er bekam seine Westliteratur und wir unsere ostdeutschen Aluminumchips, also DDR-Geld. Wir handelten einmalige Privilegien aus und mussten so nicht mehr die ollen Metallringe an den Flaschenhälsen mit dem verrosteten Schraubenzieher selbst abschlagen, nicht mehr um jedes Gramm Papier feilschen - es wurde auch mal aufgerundet.

[Eine Handkarre]

An einem kühlen Herbsttag - wir hatten ihn gerade wieder beliefert und abgerechnet - sagte Herr Lepro, dass er noch etwas für uns hätte. Wie immer roch er ein wenig süßlich nach Alkohol, aber seine rot unterlaufenen Augen deuteten so etwas wie ein Leuchten an. Er ging die Treppe hinunter nach draußen vor den Altstoffwagen, öffnete den Kofferraum eines dunklen Lada und stellte uns grimmig lächelnd einen riesigen selbstgebauten Bollerwagen vor die Füße: "Na, wat sagt ihr nun, Jungs?" Der wahrscheinlich freundlichste Sero-Mitarbeiter der Welt strahlte.

[Recycling-Gruppen: Sektoren werden abgesteckt]

Mit der neuen Handkarre konnten wir plötzlich viel längere Strecken bewältigen und uns endlich auch in andere Stadtteilecken wagen. Nur ein einziges Mal, in Höhe des Hotel Berolina, trafen wir die wesentlich älteren Jungs der Konkurrenz, die uns klarmachten, dass wir dort überhaupt nichts zu suchen hätten. Die restlichen endlosen Häusermeere gehörten uns allein. Vom S-Block bis zum Scheppert-Eck, vom Leninplatz bis zum Märchenbrunnen reichte nun unser Altstoffmonopol.

[Ankündigungen in der Nachbarschaft - und es funktioniert]

Wir ließen meine Mutter per Schreibmaschine Zettel schreiben, auf denen stand: "Die jungen Pioniere kommen am 22.09.1981 zum Altstoffsammeln in Ihr Haus. Bitte stellen Sie Flaschen, Gläser und Altpapier im Müllschluckerraum bereit." Auf die Mieter in unserer Gegend war in der Regel Verlass - die Räume waren am gewünschten Tag immer rappelvoll, als hätten sie am Wochenende extra für uns ihre noch halbvollen Pullen ausgesoffen.

Malheur im Feierabendverkehr - [der überladene Handwagen kippt um]

An einem kühlen, regnerischen Herbstnachmittag hatten wir geschuftet wie noch nie. Unser Wagen war vollkommen überladen, und wir mussten beim Transport die gestapelten Papierpakete, Flaschen und Gläser an der Seite festhalten und gleichzeitig mit schier unmenschlicher Kraft ziehen, um das Gefährt in Richtung Altstoffhändler zu bewegen.

Natürlich krachte der Wagen mit einem riesigen Knall ausgerechnet auf der viel befahrenen, vierspurigen Mollstraße auf die Seite. Überall lagen zersplitterte Flaschen Nordhäuser Doppelkorn, kaputte Spreewälder Gurkengläser rollten in Richtung Bordsteinkante und ein dickes Paket gebündelter "Neuer Deutschlands" fiel auseinander. Und das im Feierabendverkehr.

Schnell bildete sich ein langer Stau wütend hupender Autos. Eigentlich alles kein Problem, doch ausgerechnet meine Mutter hatte das Malheur aus dem Fenster des neunten Stocks beobachtet. Wütend stand sie wenig später mit unserem Besen bewaffnet neben uns und schrie mich an: "Womit habe ich das alles verdient?" Zum Glück sagte Bommel energisch: "Vielleicht würden Sie uns erst einmal helfen, die Sachen von der Straße zu schaffen, Frau Schubert."

Inzwischen hatte sich auf beiden Spuren in Richtung Alex ein langer Stau gebildet. Die widerlich quäkende Trabi-Hupe war aus mehreren Fahrzeugen zu hören. Ein älterer Herr mit Schiebermütze stieg aus dem Wagen und beschimpfte meine Mutter. Eine jüngere Passantin half uns dabei, die überall verstreut liegenden Zeitungen und Bücher, Gläser und Flaschen auf die gegenüberliegende Seite zu schleppen, und eine ältere Dame hantierte wie wild mit unserem Besen herum. Nicht wenige im zweiten Gang vorbeischleichende Wagenbesitzer zeigten uns einen Vogel.

Rekorderlös für die "Altstoff-Mafia"

Trotz der vielen Scherben am Straßenrand und einer wirklich mies gelaunten Mutter: Für diese einzige Lieferung bekamen wir genau 96 Mark! Das war Rekord für uns, die legendäre "Altstoffmafia".

Erst mit 14 stellte ich überrascht fest, dass ich mir von dem Geld überhaupt nichts Vernünftiges kaufen konnte. Bei der Währungsunion 1990 waren deshalb noch 1.500 Mark vom damaligen Altstoffgeld übrig, die ich 1:1 in Westgeld umgetauscht bekam - vielen Dank Herr Kohl, Herr Lepro und Sero. Kurz nach dem Mauerfall war der Planwagen zwischen unseren Häusern so plötzlich verschwunden, wie er gekommen war. Den "Herrn der Altstoffe" sah ich im Leben nie wieder. >

Bildertexte:

Bild 1: <Sammeln an Schulen: Seit Beginn des Schuljahres 1986 war der Sero-Schülerexpress im wöchentlichen Wechsel an den acht Schulen der Kreisstadt Waren unterwegs. Flaschen, Gläser und Altpapier wurden von Lehrern und Schülern gesammelt und regelmäßig abgegeben. 
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1986-1015-313

Bild 2: Mobile Abgabestelle: Kinder und Erwachsene liefern am 27. September 1983 Altstoffe bei einem Sero-Mobil ab. Der mobile Aufkaufwagen für Sekundärrohstoffe bot auch Informationsmaterial über die Verwendung der Altstoffe an. Rund 45 Prozent des Altpapiers, das in der Volkswirtschaft wieder eingesetzt wurde, kam aus Haushalten.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1983-0927-003

Bild 3: Altglas-Abgabe: Um den DDR-Bürgern die Abgabe von Altstoffen zu erleichtern, waren insgesamt 17 Sammelwagen in Berlin unterwegs. Die Wagen standen meist zwei Tage lang an derselben Stelle, wie hier am 11. Oktober 1974 im Stadtbezirk Mitte in der Berolinastraße. Rechts an der Tür hängt eine Preisliste für die wertvollen Sammelgüter. Ein Kilo Papier brachte in den Achtzigern etwa 30 Pfennig, eine Flasche meist nur fünf Pfenning.
Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-N1011-011

Bild 4: Revier von oben: Das Einzugsgebiet der "Altstoff-Mafia" von Marko Schubert reichte vom Leninplatz über S-Block, U-Block, Mollstraße bis hin zur Hans-Beimler-Straße. Die Luftaufnahme vom 20. September 1990 zeigt das Gebiet um die Mollstraße.

Bild 5: Altstoff-Pioniere: Marko Schubert, rechts, mit seinem kleinen Bruder Benny um 1983. Die beiden freuten sich über die Sero-Sammelstelle nahe ihres Wohnblocks in Ostberlin und sammelten in den achtziger Jahren fleißig Papier und Glas in der Nachbarschaft. Die Gewinne ihrer "Altstoff-Mafia" investierten sie am liebsten in Fußball-Wimpel.

Bild 6: Sammeln, Ordnen, Abgeben: FDJler der 8. bis 10. Klassen der Oleg-Koschewoi-Oberschule des Stadtbezirks Friedrichshain sortieren im Januar 1981 Flaschen und Gläser. Im Vorjahr hatten die Schüler der Oberschule insgesamt 9343 Mark durch das Sammeln von Sekundärrohstoffen eingenommen und auf das Solidaritätskonto überwiesen. Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-Z0130-031

Bild 7: Fleißige Sammler: Die Jungen Pioniere der 18. Oberschule in Berlin-Lichtenberg sind auch in ihren Winterferien aktiv. Mit den gesammelten Altstoffen nehmen sie am "Mach mit"-Wettbewerb teil. Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-L0217-020

Bild 8: Altglas aus der DDR: Während Gläser, Papier und Pappe zu Marko Schuberts "Lieblingsaltstoffen" zählten, brachten ihm Schnapspullen relativ wenig Geld ein. Doch am Ende machte es die Menge. Und die Menschen in Marko Schuberts Viertel tranken viel Schnaps.

Bild 9: Da hatte er was gut: Die Sparbucheinträge von 1984 belegen die beträchtlichen Erlöse, die Marco Schubert und sein Freund durch das Sammeln von Sekundärrohstoffen scheffelten. "Nach einer guten Tour gingen wir in die Sparkasse an der Mollstraße und zahlten die Gewinne direkt ein", erinnert er sich.

Bild 10: Wöchentliche Abgabe an der Schule: Jeden Dienstag trafen sich die Schüler der Klasse 5c der 48. Oberschule Berlin-Lichtenberg zum Altstoff-Abgabetag in der Hans-Loch-Straße. Der Erlös wurde für Solidaritätsspenden und die Klassenkasse verwendet. Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-U0404-022>

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5.7.2017: Manche DDR-Waren gab es nur in der BRD zu kaufen - die Rolle des Satellitenfernsehens gegen das DDR-Regime

aus: Bericht von Kommunikationspartner R.J. aus Schweden, Ex-Franken, 5.7.2017

"stra-SAT-TV aus Luxemburg (was geringere, deshalb unauffällige Parabolgrösse ermöglicht hat) hat zweiffellos - neben Polens Soldarnosc - erheblich den Niedergang der DDR-UDSSR bewirkt - weil die Leut im Osten dadurch West-TV sehen haben können: das Einkaufsparadies dort (wofuer die im Osten gearbeitet haben, selber die von ihnen produzierten Waren aber nicht kaufen konnten!)."

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Epoch Times online,
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11.10.2017: Kindsmissbrauch in der DDR: Opfer waren zum Schweigen verpflichtet - "Wiedereinpassung des Täters ins Kollektiv" war die Massnahme - keine Aufklärung, Lösung, Hilfe - und in Heimen und Werkhöfen nochmals missbraucht
Kindesmissbrauch in der DDR: Opfer mussten schweigen denn – „sexuellen Missbrauch gab es in der DDR offiziell nicht“
"Für Betroffene war es regelrecht unmöglich, über ihre Erfahrungen zu sprechen, da es sexuellen Missbrauch in der DDR offiziell nicht gab", beklagt Stefanie Knorr von der Beratungsstelle für politisch Traumatisierte der SED-Diktatur "Gegenwind".

Kindesmissbrauch ist in der DDR weitaus stärker tabuisiert worden als im Westen. „Sexueller Missbrauch war in der DDR ein Politikum und wurde als solches behandelt und gleichermaßen tabuisiert“, heißt es in einer am Mittwoch vorgelegten Expertise im Auftrag der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs.

Der Analyse liegen 250 Fälle von Betroffenen zugrunde. Es sei um Bestrafung, Disziplinierung und Wiedereinpassung des Täters ins Kollektiv gegangen, „nicht um Aufklärung, Lösungsangebote oder gar Hilfen insbesondere für die Betroffenen“, lautet das Fazit. Abweichendes oder kriminelles Verhalten galt demnach in erster Linie als Angriff auf den sozialistischen Staat – und nicht auf das Opfer.

„Für Betroffene war es regelrecht unmöglich, über ihre Erfahrungen zu sprechen, da es sexuellen Missbrauch in der DDR offiziell nicht gab“, erklärte Stefanie Knorr von der Beratungsstelle für politisch Traumatisierte der SED-Diktatur „Gegenwind“ und eine der Autoren. Professionelle Begleitung und Therapien habe es nicht gegeben. „Die sozialistische Persönlichkeit hatte frei von psychischen Auffälligkeiten zu sein“, erklärte Knorr.

Langes Schweigen wirkt bis heute

Dieses „lange Schweigen“ wirke bis heute nach, erklärte die frühere Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD), die der Aufarbeitungskommission angehört. Viele Betroffene könnten nicht über den erlebten Missbrauch reden und fühlten sich „noch immer stigmatisiert“.

[Der mehrfache, sexuelle Missbrauch: Zuerst zuhause - und dann im Heim oder auf dem Werkhof]

In den schriftlichen Berichten und vertraulichen Anhörungen von Opfern fällt demnach auch eine Mehrfachbetroffenheit auf. So kam es zum Beispiel vor, dass Mädchen und Jungen ein auffälliges Verhalten aufgrund sexuellen Missbrauchs in der Familie entwickelten und daraufhin in ein Heim oder einen sogenannten Jugendwerkhof eingewiesen wurden, wo sie erneut sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Die Kontaktaufnahme nach draußen war von dort besonders schwierig, so dass Betroffene kaum Hilfe erwarten konnten.

[Vergewaltiger auch beim Ministerium für Staatssicherheit]

Täter, die für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) arbeiteten, wurden demnach zunächst aus dem Staatsdienst entlassen und bekamen einen zivilen Beruf, ehe sich Gerichte mit ihren Taten befassten. Die Zugehörigkeit zum MfS sollte in den Ermittlungsakten nicht erkennbar sein. Teilweise schuf das MfS den Tätern nach der Haftentlassung neue Legenden und setzte sie dann weiter als Inoffizielle Mitarbeiter ein.

„Missbrauch in DDR-Heimen“ - [es fehlt die Gleichstellung zu anderen Opfern von Gewalt]

Auf einer öffentlichen Anhörung zu sexuellem Kindesmissbrauch in der DDR sollten am Mittwoch in Leipzig Betroffene und Experten aus Politik, Wissenschaft und Praxis zu Wort kommen. Corinna Thalheim, Vorstandsvorsitzende der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“, forderte, die Opfer sexueller Gewalt allen anderen Opfern des DDR-Regimes gleichzustellen. „Die sexuelle Gewalt in den Heimen findet bisher keine beziehungsweise wenig Beachtung.“ Zudem gebe es bis heute zu wenige Fachberatungsstellen für die Betroffenen.

Die Kommission hatte im Mai 2016 ihre Arbeit aufgenommen. Sie untersucht sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik und in der DDR. (afp)"

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18.12.2017: DDR war total überwacht und terrorisiert

Angabe von Ro.W., Facebook

Merkel ist auf jeden Fall eine Spezialistin des Sozialismus, die DDR war sehr viel besser überwacht, als das NS Regime, dagegen war dieses ein Freiluft Sozialismus..D. hatte nach Weltkrieg 2, bis zur "Wiedervereinigung", die höchste Geheimdienstmitarbeiter- Dichte des gesamten Globus...

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18.9.2018: Lehrbücher aus der DDR und der Sowjetunion waren methodisch super

Angabe von Kommunikationspartner RJ, Ex-Franken, heute Schweden:

"Die Bevölkerung, die Menschen der ehemaligen DDR kenne ich teilweise und schätze sie als wunderbare Personen ein - wie auch die wenigen Russen, ua. ueber Erzählungen meiner Mutter - und einem Lehrer per dessen Berichten aus der Kriegsgefangenschaft.
Als Student hab ich Lehrbuecher aus der DDR am meisten geschätzt, weil die am verständlichsten und klarsten formuliert waren.
Da hat man richtig 'mit' gehen können.
Das hat Physikbuecher und Mathematikbuecher betroffen. Mathematikbuecher dann auch aus der damaligen Sowjetunion ins Deutsche uebersetzt, ua. den 'Fichtenholz'.
Pädagogisch war das einfach besser als der Schrott der einem im Westen teilweis vorgesetzt war, weils ja immer um den Abverkauf gehen hat muessen. Und die Relativitätstheorie um die sich alles drehen hat sollen.
Aber auch sonst stiess ich auf viele kluge Buecher aus der DDR und Sowjetunion."

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BRD-Schwindel
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24.9.2018: Die Stasi-Mobilmachung im Ernstfall gegen neuen Volksaufstand nach 1953 - der "Vorbeugekomplex" für Oppositionelle bis 1989 - Schlösser als Isolationszentren
Direktive 1/67 – „Honeckers unheimlicher Plan“
http://brd-schwindel.ru/direktive-167-honeckers-unheimlicher-plan/

<von ET

Direktive 1/67“ steht auf dem braunen Hefter. In der rechten Ecke prangt der Stempel „Geheime Kommandosache“. Über die Mobilmachung im Ernstfall innerhalb der DDR-Stasi haben die Berliner Filmemacher Katharina und Konrad Herrmann eine Dokumentation gedreht, die am 1. Oktober zu sehen sein wird.

Besonders brisant ist dabei die geplante Inhaftierung von Oppositionellen in Isolierungslagern. Über dieses Kapitel der DDR haben nun die Berliner Filmemacher Katharina und Konrad Herrmann eine Dokumentation gedreht. Ausgestrahlt wird der Film „Honeckers unheimlicher Plan“ am kommenden Montag (1. Oktober) um 23.30 Uhr im Ersten.

Vor etwa zwei Jahren stießen die Dokumentarfilmer in einem Newsletter des Bundesbeauftragten für Stasiunterlagen auf das Thema. Dem ersten Hinweis folgte eine monatelange Suche in den Archiven. Ziel der Direktive war es seinerzeit, einen Volksaufstand wie am 17. Juni 1953 schon im Keim zu ersticken. Der Plan sollte deshalb im Falle von Krisen in der DDR-Gesellschaft potenzielle Staatsgegner sofort durch Verhaftung und Isolierung zum Schweigen bringen.

Ein spezielles  Codewort an alle 211 Kreisdienststellen des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im Land sollte am „Tag X“ eine ungeheure Maschinerie in Gang setzen. Im „Vorbeugekomplex“ wurden bis zum Herbst 1989 durch das MfS 85 000 DDR-Bürger geführt. Im Ernstfall hätten sie innerhalb von 24 Stunden verhaftet und isoliert werden können.

Ins Visier gerieten Ausreisewillige, Friedens- und Ökoaktivisten, Bürgerrechtler, regimekritische Schriftsteller wie auch politisch unsichere Betriebsdirektoren. Anhand der Stasi-Dokumente sowie von Zeitzeugenberichten rekonstruiert der Film dieses gewaltige Planspiel von erschreckender Präzision. Einer dieser „Staatsfeinde“ ist Rudolf Keßner aus Weimar. Der Schriftsetzer nutzte sein Ladenschaufenster als „Alternative-Litfaßsäule“, um über Wehrdienst oder Rechte und Pflichten von Ausreisewilligen aufzuklären. Im Film sagt er:

„Wir waren ganz normale Leute, die für Veränderung, für normale demokratische Veränderungen waren, normal leben und nicht eingemauert sein wollten“.

In der Erklärung der Stasi-Akten heißt es:

„K. tritt als Organisator des politischen Untergrunds auf…“.

Für K. planten sie die Isolierung auf Schloss Beichtlingen in der Nähe Erfurts.

Die Filmemacher wollten auch die „Gegenseite“ hören. Doch von den ehemaligen Mitarbeitern der Stasi seien sie radikal abgeblockt worden, sagt Konrad Herrmann. Trotzdem konnten für das Projekt zwei SED-Kenner gewonnen werden, die einen Einblick in die Denkweise der damals Verantwortlichen geben.

Für Katharina und Konrad Herrmann ist ihre Dokumentation ein Stück DDR-Geschichte.

„Wir haben den Film für die jungen Zuschauer gemacht, die sich mit dem Phänomen Diktatur auseinandersetzen wollen, für jene, die in der DDR gelebt haben und sich vielleicht Fragen nach den Gründen für Handlungen stellen und für alle, die deutsch-deutsche Geschichte differenzierter verstehen wollen“, sagt die Produzentin.

Freuen würde es die Dokumentarfilmer, wenn „Honeckers unheimlicher Plan“ zum Dialog der Generationen beitragen könnte. Bei der Beschäftigung mit dem Thema sei ihnen bewusst geworden, was es bedeutet in einer Demokratie zu leben, frei seine Meinung äußern zu können und ein Leben zu führen, wie man es will.

„Unser Film erzählt von Menschen, die dafür von der Stasi beobachtet und zu Feinden der Gesellschaft erklärt wurden“, sagt der Regisseur. (dpa)>

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Kronenzeitung
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26.9.2018: Neuer Film über die Flucht aus der DDR mit einem Ballon
DDR-Drama: Mit dem „Ballon“ auf der Flucht in die Freiheit
https://www.krone.at/1778616

<Ballonfahren ist ein Spiel mit dem Feuer - noch dazu unter widrigen Umständen: Thüringen 1979. Die Familien Strelzyk (Friedrich Mücke, Karoline Schuch) und Wetzel (David Kross, Alicia von Rittberg)  wollen mit ihren Kindern mit einem selbstgenähten Heißluftballon die rund 60 km in den Westen überwinden. Es ist dies der zweite Versuch. Als Stasi-Oberstleutnant Seidel (Thomas Kretschmann) einen Tipp von einer Stoffverkäuferin bekommt, beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Michael Bully Herbig, bislang auf Komödien spezialisiert, hat die wahre Geschichte einer spektakulären DDR-Flucht als spannenden Thriller verfilmt, die in einem nervenaufreibenden Showdown  mit Kampfhubschraubern gipfelt. Viel mehr als heiße Luft, sind doch auch die Charaktere fein ziseliert. „Bully-Parade“ war gestern!>

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Epoch
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1.11.2018: DDR-Kindergefängnis: Staatsanwaltschaft untersucht Todesfälle im ehemaligen DDR-Durchgangsheim Bad Freienwalde

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Epoch Times online,
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1.3.2019: STASI überwachte auch die Kripo in West-Berlin:
Stasi der DDR überwachte auch die Kriminalpolizei in West-Berlin

Die Staatssicherheit der DDR überwachte auch die Kriminalpolizei im Westteil Berlins. Auch spätere RAF-Mitglieder wurden beobachtet. Mehr»

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Sputnik-Ticker
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8.5.2019: Proteste gegen Honecker-Regime kamen aus gefälschten Kommunalwahlen:
„Eine nicht notwendige Dummheit“: Wie und warum die DDR-Kommunalwahl 1989 gefälscht wurde
https://de.sputniknews.com/politik/20190508324906722-ddr-kommunalwahl-faelschungen-proteste/

<Tilo Gräser

Die DDR-Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 hatten vorgegebene Ergebnisse. Diese Wahlfälschung gilt allgemein als einer der Auslöser vor 30 Jahren für die Proteste der DDR-Bürger gegen die Partei- und Staatsführung. Zeitzeugen haben in Berlin daran erinnert. Dabei wurde auch ein hohes Maß an subjektivem Empfinden offenbar.

Die DDR-Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 hatten vorgegebene Ergebnisse. Diese Wahlfälschung gilt allgemein als einer der Auslöser vor 30 Jahren für die Proteste der DDR-Bürger gegen die Partei- und Staatsführung. Zeitzeugen haben in Berlin daran erinnert. Dabei wurde auch ein hohes Maß an subjektivem Empfinden offenbar.

Stefan Müller wurde 1989 von der DDR-Staatssicherheit mehrmals verhaftet. Er hat damals gemeinsam mit Freunden und anderen Aktivisten in Berlin auf die gefälschte Kommunalwahl vom 7. Mai des Jahres in der DDR aufmerksam gemacht. Das geschah an jedem 7. der Folgemonate und im September 1989 auf dem Alexanderplatz. Dort wurden sie von Mitarbeitern der Staatssicherheit wieder verhaftet, was laut Müller ziemlich brutal geschah. Ihm wurde der rechte Arm gebrochen, wie er sich am Dienstag erinnerte.

Gemeinsam mit Evelyn Zupke, einer Aktivistin aus Berlin-Weißensee, berichtete der Berliner, wie er vor 30 Jahren auf die Wahlfälschung aufmerksam zu machen versuchte. Gemeinsam mit der Historikerin Anja Schröter und dem „Spiegel“-Journalisten Peter Wensierski sprachen beide über die letzten DDR-Kommunalwahlen in Berlin und deren Folgen.

„Keinen Bock mehr auf den Mist“

Der heutige Sozialarbeiter Stefan Müller sagte, er habe damals jede Möglichkeit gesucht, um das „marode System“ der DDR zu ärgern. „Wir sind junge Leute gewesen, wollten an den Veränderungen beteiligt werden und sind ausgegrenzt worden.“ So beschrieb er die damalige Stimmung in seinem Freundeskreis, der vor allem aus Wehrdienst-Totalverweigerern bestanden habe. „Wir hatten keinen Bock mehr auf den Mist.“ Sie hätten den DDR-Funktionären und -Mächtigen zeigen wollen: „Ihr nervt uns und habt das Land runtergeritten!“

Er sei nicht kirchlich gewesen, obwohl sein Vater Pastor war. Aber da die Kirchen in der DDR der einzige Ort waren, wo sich oppositionelle Gruppen treffen konnten, sei er mit zum „Friedenskreis“ in Berlin-Weißensee gegangen. Den hatte Evelyn Zupke mit anderen organisiert, wo die beiden dann aufeinander trafen.

Mit anderen, unter ihnen ein „Inoffizieller Mitarbeiter“ (IM) der Staatssicherheit, haben sie sich damals darauf vorbereitet, die Stimmauszählungen am 7. Mai 1989 zu beobachten. Das war nach dem DDR-Wahlgesetz möglich, wurde ihnen aber mit zum Teil absurden Begründungen erschwert. Gemeinsam organisierten sie danach die Proteste gegen die offiziell verkündeten, falschen Ergebnisse.

Offensichtlich falsches Ergebnis

Was beide aus ihrer Erinnerung berichteten, das gehörte zu den DDR-weiten Protesten nach der Kommunalwahl im Mai 1989. Die war, laut Historikerin Schröter, ein Katalysator für die gestiegene Unzufriedenheit und die zunehmenden Proteste in der DDR-Bevölkerung. Dazu trug bei, dass Egon Krenz, Leiter der zentralen Wahlkommission, am Abend des 7. Mai 1989 verkündete, 98,85 Prozent der Wahlberechtigten hätten mit Ja für die Einheitsliste der „Nationalen Front“ gestimmt, und es hätte nur 1,15 Prozent Nein-Stimmen gegeben.

Doch das war eine offensichtliche Falschmeldung, denn Wahlbeobachter in zahlreichen DDR-Städten hatten festgestellt, dass es bis zu zehn Prozent Nein-Stimmen gab. In Berlin-Weißensee wurden beispielsweise amtlich 1.011 Nein-Stimmen bei 42.007 gültigen Stimmen für den Wahlvorschlag verkündet, wie Müller und Zupke am Dienstag berichteten. Sie präsentierten ihre damalige Auswertung, nach der es in 66 von 67 Wahllokalen 2261 Nein-Stimmen und 25.797 Ja-Stimmen gegeben hatte. Auch sei offiziell die Wahlbeteiligung deutlich höher angegeben worden, als sie tatsächlich war.

Wahlkabinen im Abseits

Moderator Wensierski ließ sich im „Stasi-Unterlagenarchiv“ im ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit (MfS) von den beiden Aktivisten erklären, wie diese Wahl nach bewährtem DDR-Muster funktionierte. Dazu habe es einen Wahlzettel mit einer Einheitsliste von Kandidaten der „Nationalen Front“ gegeben. In dieser waren die fünf Parteien der DDR, allen voran die SED, zusammengefasst.

Traditionell mussten und konnten die Wähler auch im Mai 1989 nicht zwischen verschiedenen Kandidaten wählen. Sie sollten eigentlich nur den Wahlzettel falten und in die Wahlurne einwerfen, was als Ja-Stimme gewertet wurde. Zwar habe es in den Wahllokalen auch Wahlkabinen gegeben, erinnerte Zupke. Aber die hätten so gestanden, dass alle, die sie benutzen wollten, einen längeren Weg vor den Augen der offiziellen Wahlhelfer bewältigen mussten.

Das habe dazu geführt, dass viele die Kabinen gar nicht erst benutzten, so Zupke. Dazu habe „eine gehörige Portion Mut“ gehört, behauptete Moderator Wensierski. Zupke meinte, wer das tat, hätte danach Ärger bekommen. Der Autor dieser Zeilen hat das nach der Wahl am 7. Mai 1989 nicht erlebt, nachdem er die Wahlkabine benutzte und in dieser mit „Nein“ stimmte. Allerdings lag dafür in der Kabine tatsächlich nur ein Bleistift aus.

Wahlergebnis auf Anordnung von oben

Allerdings war es nicht so einfach, eine gültige Nein-Stimme abzugeben. Wer nicht alle Namen der Kandidaten einzelnen durchgestrichen hatte und sein „Nein“ anders kundtat, dessen Wahlzettel wurde als Ja-Stimme gezählt, berichteten die Zeitzeugen am Dienstag. Sie wollten damals mit ihrer vorbereiteten Wahlbeobachtung und ihren Protesten bei den DDR-Behörden danach auf den Betrug an den Wählern aufmerksam machen und die DDR-Bürger wachrütteln, wie sie erklärten.

Die falschen offiziellen Ergebnisse kamen auf Anordnung von oben zustande. In Ost-Berlin hatte der damalige Oberbürgermeister Erhard Krack von der SED den Stadtbezirken bereits vor dem Wahltag die Prozente der Ja-Stimmen vorgegeben. Ähnliches ist aus den anderen DDR-Bezirken bekannt geworden. Auch die Reaktionen auf die erwarteten Proteste gegen die Ergebnisse seien vorbereitet worden, berichteten die Podiumsteilnehmer am Dienstag. So habe Staatssicherheitsminister Erich Mielke persönlich vorgegeben, wie die Antworten auf die Eingaben von Bürgern zu formulieren seien.

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© Sputnik / Tilo Gräser
von links: S. Müller, Dr. A. Schröter, E. Zupke und Moderator P. Wensierski

Krenz heute: „Nicht notwendige Dummheit“

„Das war natürlich eine Dummheit, die wir selbst zu verantworten hatten.“ So kommentierte 30 Jahre später der damalige Leiter der DDR-Wahlkommission Egon Krenz gegenüber Sputnik die Wahlfälschung. Er verwies darauf, dass das DDR-Wahlgesetz noch aus den 1950er Jahren stammte und nicht mehr zeitgemäß war.

„Die Sache wäre überhaupt nicht notwendig gewesen. Ein anderes Ergebnis hätte überhaupt nichts an den Machtverhältnissen in der DDR geändert.“ Das sei zwar korrigierbar gewesen, habe aber die Stimmung in der DDR negativ verändert, gestand Krenz ein. Er habe aber nicht zur Wahlfälschung angestiftet, sagte er. Das habe ein entsprechendes Strafverfahren gegen ihn bewiesen, das ohne Urteil gegen ihn endete. Insgesamt seien 20 DDR-Funktionäre wegen der gefälschten Wahlergebnisse vom 7. Mai 1989 in der vereinigten Bundesrepublik angeklagt und verurteilt worden, hieß es am Dienstag.

Freie Wahlen ohne Sieg der Bürgerbewegung

Die beiden damaligen Wahlbeobachter Zupke und Müller meinten, sie seien enttäuscht gewesen, dass dann bei den letzten und freien Wahlen der DDR am 18. März 1990 zur Volkskammer die Bürgerbewegten so schlecht abschnitten. Ihre Vertreter in verschiedenen Gruppen bekamen damals insgesamt nur knapp über fünf Prozent. Großer Sieger war die ehemalige Blockpartei CDU mit 40,8 Prozent, bereits von der bundesdeutschen Schwester-Partei gleichen Namens unterstützt. Damit wurde der Weg in die schnelle Einheit geebnet.

„Die Stimmung war: Da sind wir wieder fünf Prozent unter uns“, erinnerte sich Müller an den Wahlausgang. Aber ihm und seinen Freunden sei auch klar gewesen, dass es eine demokratische Entscheidung war, bei der sich die Mehrheit der DDR-Wähler für den Westen entschieden habe. Er habe gedacht: „Das ist immer noch besser, als den Osten zu behalten.“

Immer noch Angst vorm Sozialismus?

Der einstige Bürgerbewegte aus der DDR betonte wie seine Mitstreiterin Zupke, mit Blick auf die Wahlen in diesem Jahr, es sei wichtig, wählen zu können und zu gehen. Und fügte hinzu, dass er neben rechten Parteien auch die aus der SED hervorgegangene Partei Die Linke für weiterhin „unwählbar“ halte. In deren zweiter Reihe „sitzt noch die alte Garde“, behauptete Müller tatsächlich.

Ein ähnlich eigenartiges politisches Urteilsvermögen hatte die einstige Aktivistin Zupke am selben Tag, Stunden vorher, in einem Interview mit dem Sender „Deutschlandfunk“ gezeigt. Dessen Moderator hatte sie gefragt, was sie von den Ideen des Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert halte, Konzerne wie BMW zu kollektivieren – obwohl es um die DDR-Kommunalwahl vor 30 Jahren ging. Zupke sieht solche Gedanken als „Verhöhnung weiter Teile der Gesellschaft der ehemaligen DDR“. Sie wollte Kühnert am liebsten „ein Ticket nach Venezuela, Nordkorea oder Kuba schenken, damit er sich ein Bild machen kann über die realen Konsequenzen seiner Fantasien“.>

Links:

Die Abwicklung unter Kohl ab 1989 - Ostdeutschland wurde voll verkohlt: Untergang der DDR-Wirtschaft ab 1990: Unvermeidbar oder politisch gewollt?
Vor 30 Jahren in der DDR: Außer „Mauerfall“ nichts gewesen?
Ein Comic auf Zeitreise: 750mal „Mosaik“ – aus der DDR in die weite Welt
Zentrum „Aufbruch Ost“ statt „DDR-Museum“ – Kommission plant Jubiläen von 1989 und 1990

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10.5.2019: Die politischen Opfer in der DDR sind vergessen:
Vergessen mit System: Opfer des SED-Regimes kaum noch im Bewusstsein der Deutschen präsent


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8.7.2019: Honecker fuhr West-Autos - Citroën CX mit 15cm Höhendifferenz - für 80.000 Euro zum Verkauf ausgeschrieben:
Honeckers „Nobelhobel“ zum Verkauf
https://de.sputniknews.com/panorama/20190708325401243-honeckers-auto-verkauf/

<Die DDR-Staatsführung ist Westauto gefahren; ab 1985 ließ sich Generalsekretär Erich Honecker in einem Luxus-Citroën herumchauffieren. Nun ist dieses Einzelstück generalüberholt zu haben – für einen stolzen Preis.

80.000 Euro will der Verkäufer aus Wittingen auf einem großen Gebrauchtwagenportal im Internet für die Honecker-Limousine haben. Normalerweise bekommt man maximal 10.000 bis 20.000 Euro für einen Citroën CX. Allerdings hat auf den Polstern dieses Wagens vier Jahre lang das Staatsoberhaupt der DDR Platz genommen. Das hat seinen Preis. Wenn man bedenkt, dass eine ZIL-Limousine des sowjetischen Langzeit-Staatschefs Leonid Breschnew für 188.000 Euro verkauft wurde, scheint der Preis für den Honecker-Schlitten angemessen. Zumal der Verkäufer den Wagen für sage und schreibe 59.000 Euro in einer auf Citroën CX spezialisierten Reparaturwerkstatt umfangreich restaurieren ließ.

Kult-Autos für Joint Venture

Abgesehen von der weichen, eleganten Polsterung und dem markanten Design ist der CX wegen seiner Hydraulik Kult. Beim Anlassen des Motors hebt sich die gesamte Karosse erst vorn und dann hinten langsam um ganze 15 Zentimeter. Beim Parken liegt der Wagen also tief wie ein Porsche; beim Fahren meistert das Auto jedoch jedes Schlagloch, von denen es viele gab auf DDR-Straßen.

Citroëns Generaldirektor schenkte persönlich bereits 1978 der DDR-Führung zwei exklusive Citroën CX. Hintergrund war, dass der französische Autoproduzent damals ein Joint Venture mit der DDR unterzeichnet hatte, um ein Gelenkwellenwerk in der DDR zu betreiben. Bis zum Mauerfall 1989 kamen jedoch nur DDR-Diplomaten in den Genuss, einen Citroën zu fahren.

„Spitzenerzeugnis der französischen Industrie“

Die Geschichte des Wagens wird von dem Verkäufer ausführlich dokumentiert und belegt. Honeckers Staats-Citroën stammt aus dem Jahre 1985 und hat gerade einmal 68.000 Kilometer auf dem Tacho. Auch die Ausstattung ist für damalige Verhältnisse top: Automatikgetriebe mit 136 PS, ABS, elektrische Fensterheber, elektrisch verstellbarer Seitenspiegel, Leichtmetallfelgen, Nebelscheinwerfer, Servolenkung, Tempomat und Zentralverriegelung, Klimaanlage.

Der Staatsratsvorsitzende soll begeistert gewesen sein vom Citroën CX  und bedankte sich bei den westlichen Handelspartnern für dieses „Spitzenerzeugnis der französischen Industrie“.

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19.7.2019: Mauberbau 1961: Eine Mauer ist besser als ein Krieg - "Wiedervereinigung" 1989: Gorbatschow hat die DDR-Kommunisten an Kohl verraten:
Ehemaliger KGB-Offizier: Die geheimste Aktion in der DDR-Geschichte
https://de.sputniknews.com/gesellschaft/20190719325468493-geheimste-aktion-ddr-geschichte/

<Natalia Pawlowa

Im Fachjargon „Der Deutsche“ genannt, unternahm der sowjetische Geheimdienstler Georgi Sannikow zweimal langfristige Dienstreisen nach Deutschland. Im Gespräch mit Sputnik berichtete er über Ereignisse, die er während des Baus der Berliner Mauer und des Mauerfalls miterlebt hat.

Als Veteran des Auslandsnachrichtendienstes beteiligte er sich als Jugendlicher nach dem Zweiten Weltkrieg an der Zerschlagung des Bandera-Untergrunds in der Westukraine und gewann dann als Mitarbeiter des sowjetischen Geheimdienstes wichtige Informationen über Westdeutschland. In Berlin war Sannikow bereits während der Errichtung der Mauer, die die Stadt teilte. So denkt er an jenen Tag zurück:

[Der Mauerbau 1961]

„Am Morgen des 12. August 1961 rief uns der Botschafter zusammen und sagte, dass heute Nacht die Sektorengrenze gesperrt werde. Er warnte, dass wir weder unseren Ehefrauen noch unseren deutschen Freunden etwas sagen dürften. Im Falle eines Informationsverlustes würden Maßnahmen getroffen bis hin zum Abzug in die Heimat. Das war für uns keine Überraschung, Gerüchte über die Grenzsperrung waren schon seit mehreren Jahren im Umlauf. Man befahl uns, alle Verabredungen für den Abend abzusagen und nicht nach Westberlin zu gehen.“

Sannikow hatte an jenem Abend eine Verabredung mit der lebenden Legende Moritz Mebel. Sie wollten schon seit langem mit ihren Ehefrauen in ein Lokal gehen, das fast immer voll ausgebucht war, und hatten schon Tickets für eine Nachtshow besorgt; deshalb beschlossen sie, das Treffen nicht abzusagen. Obwohl beide sehr gute Freunde und absolut aufrichtig miteinander waren, erzählte Sannikow damals nichts über die bevorstehende Aktion. Sie war um 24 Uhr geplant, und eine Stunde vor Mitternacht verließ er mit seiner Ehefrau unter irgendeinem Vorwand das Lokal.

Die Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland war unterdessen voll einsatzbereit für den Fall, dass sich die Situation zuspitzt, aber die Grenzsperrung verlief ungestört.

„Um 12 Uhr nachts kamen zur Trennungslinie Militärlastwagen der Nationalen Volksarmee der DDR mit Mitgliedern der Kampfgruppen, mit Vertretern der ostdeutschen Arbeiterklasse. Polizeiwagen standen entlang der Trennungslinie, es kamen Streitkräfte der DDR. Ohne Trubel und Hektik begannen sie, entlang der westlichen Sektorengrenze Berlins den Stacheldraht, die sogenannte Bruno-Spirale, zu verlegen. Es wurden auch Betonpfeiler montiert. Diese Spirale wurde übrigens in Westdeutschland gekauft. Der Westen hat sich also indirekt an der Aktion beteiligt.“

Laut Sannikow war das die geheimste Operation in der DDR-Geschichte. West-Berlin war ein Dorn im Herzen der DDR und fügte der jungen Republik und dem ganzen sozialistischen Lager einen enormen wirtschaftlichen und politischen Schaden zu.

[DDR-Menschen stimmten mit den Füssen ab]

„Der Flüchtlingsstrom in den Westen war ungeheuer. Vom Oktober 1949 bis August 1961 hatte die DDR drei Millionen Bürger verloren, die weniger aus politischen, als vielmehr aus wirtschaftlichen Gründen nicht in dem sozialistischen Land bleiben wollten. 1953 sind über Berlin etwa 300.000 Menschen in den Westen geflohen, darunter Ingenieure, Lehrer, Ärzte und Wissenschaftler. Die Verluste für den Staatshaushalt der DDR betrugen jährlich über fünf Milliarden Mark. Die Offene Grenze mit West-Berlin führte zu Sabotageakten und Spionage.”

[Kennedy meint, eine Mauer ist besser als ein Krieg - Willy Brandt soll "ruhig schlafen"]

Sannikow denkt an eine Episode zurück, die damals in aller Munde war. Als die Grenze gesperrt wurde, weckte der Regierende Bürgermeister von West-Berlin, Willy Brandt, den US-Präsidenten John F. Kennedy und erzählte ihm über die Ereignisse. Letzterer fragte, ob auch russische Panzer an der Grenze stehen würden. Nein, antwortete Brandt. Darauf sagte Kennedy: Na, dann können Sie ruhig schlafen. Eine Mauer ist besser als ein Krieg.“

[1970-1971: Berlin-Verhandlungen]

Zu jener Zeit war Sannikow in der Westberliner Pressegruppe tätig. Zehn Jahre danach beteiligte er sich 1970-1971 als Presseattaché der Delegation des Außenministeriums der UdSSR an den vierseitigen Verhandlungen über West-Berlin – den ersten Verhandlungen zwischen der Sowjetunion und den Anti-Hitler-Koalitionspartnern USA, Großbritannien und Frankreich.

["Wiedervereinigung" Deutschlands 1989: Gorbatschow hat die Kommunisten in der DDR an Kohl verraten]

In seinem letzten Buch: „Durch den Krieg gehärtet. Die Illegalen“, das 2018 den ersten Preis des Auslandsgeheimdienstes erhielt, geht es unter anderem um die Wiedervereinigung Deutschlands. Die sowjetische Staatsführung hatte sich faktisch von den Ereignissen zurückgezogen. Die Wiedervereinigung der DDR und der BRD sei im Fahrwasser der westlichen Politik verlaufen, und Gorbatschow habe seine DDR-Verbündeten verraten, sagte Sannikow.

„Während der Wiedervereinigung Deutschlands (bei uns wurde das Übernahme genannt) hatte DDR-Staatschef Erich Honecker Gorbatschow persönlich darum gebeten, dass die verstaatlichten Betriebe auf dem ostdeutschen Territorium bleiben und weiter funktionieren, dass das Offizierskorps des DDR-Nachrichtendienstes und der DDR-Streitkräfte nicht verfolgt wird. Es wurde weder das eine noch das andere erfüllt. Honecker bat Gorbatschow, dieses Thema mit Helmut Kohl zu besprechen, aber Gorbatschow hat es nicht einmal in den Raum gestellt. Mehr noch. Auf die Frage von Kohl, was er mit den ostdeutschen Kommunisten tun soll, antwortete Gorbatschow: „Ich überlasse es Ihnen.“ Dann begann die Hexenjagd.“

Der Oberst des Geheimdienstes a.D., Georgi Sannikow, wurde im März 90 Jahre alt. 1977 hatte er sich ins Zivilleben zurückgezogen und widmete sich dem literarischen Schaffen.>

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25.7.2019: Soziologe Winkler ist im Himmel:
Bis zuletzt mit Ostdeutschland verbunden – „Sozialreport“-Herausgeber verstorben


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26.7.2019: Mauerflucht soll als Trauma entschädigt werden - geht das?
„DDR-Grenzsicherung war rechtmäßig“ – Jurist widerspricht Leipziger Gericht


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13.8.2019: Mauerbau 1961 und die verschwiegenen Gründe: Kennedy drohte mit Atombomben und verhinderte eine gute Lösung für ALLE Berliner:
Mauerbau 1961: Was Ulbricht wirklich wollte und was der Westen verschweigt – Historiker
https://de.sputniknews.com/gesellschaft/20190813325602840-mauerbau-was-westen-verschweigt/

Fototext: Der Historiker Prof.Siegfried Prokop

<Tilo Gräser

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Dieser berühmte Satz des DDR-Partei- und Staatschefs Walter Ulbricht aus dem Jahr 1961 ist 30 Jahre nach der Maueröffnung 1989 wieder überall zu lesen und zu hören. Im Interview erklärt der Historiker Siegfried Prokop, was es damit auf sich hat und warum die Mauer doch gebaut wurde.

Professor Prokop, am 13. August jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 58. Mal. In Ihrem Buch „‘Die DDR hat‘s nie gegeben‘“ haben Sie einen Text zur Frage „War die Mauer vermeidbar?“ veröffentlicht. Welche Antwort haben Sie?

Ja, natürlich war sie vermeidbar. Es gab damals das Vorhaben, einen Friedensvertrag mit der DDR abzuschließen, wenn möglich durch alle vier Alliierten. Dafür hatte die Sowjetunion 1958 eine Note überreicht. Sie war auch bereit, einseitig mit der DDR einen Friedensvertrag abzuschließen. Das wäre denkbar gewesen, weil ja Japan und die westlichen Alliierten auch einen  separaten Friedensvertrag abgeschlossen hatten, unter Ausklammerung der Sowjetunion. Das hätte bedeutet, dass die DDR die volle Lufthoheit über ihr Territorium bekommen hätte. Das heißt, alle Flugzeuge, die nach West-Berlin fliegen wollten, hätten die Genehmigung der DDR gebraucht bzw. hätten auf dem Flugplatz der DDR, in Berlin-Schönefeld, landen müssen und wären der Kontrolle der DDR-Behörden unterworfen worden, so wie das allgemein üblich ist. Das war die Politik, die zwischen Walter Ulbricht und Nikita Chruschtschow abgesprochen war. Das galt von Juni 1961 bis Ende Juli 1961.

Dann gab es da eine einseitige Veränderung. Das ist heute nicht alles vollends schlüssig vom Historiker nachzuvollziehen, weil einige dieser Akten im Nato-Bereich noch immer gesperrt sind. Es gibt genügend belegbare Hinweise, dass John McCloy als Sonderbotschafter von US-Präsident John F. Kennedy Ende Juli 1961 Nikita Chruschtschow im Urlaub am Schwarzen Meer besucht hat und dass dort Entscheidungen in eine andere Richtung fielen. Diese andere Richtung ergab sich daraus, dass offenbar ein Geheimultimatum übermittelt worden ist. Über das berichtet Franz Josef Strauß in seinen Memoiren. Danach sollte im Fall eines separaten Friedensvertrages und der Übertragung der Lufthoheit an die DDR eine US-amerikanische Atombombe auf ein sowjetisches Objekt in der DDR abgeworfen werden. Da hat dann Nikita Chruschtschow gesagt, das wäre zu gefährlich, es gebe jetzt nur noch die Land-Lösung. Das hieß zunächst einmal, dass in kürzester Zeit eine Abtrennung von West-Berlin vorbereitet werden musste und mit Stacheldrahtzaun erfolgt.

Diese ganze Geschichte wurde Ulbricht bei der Konferenz der kommunistischen und Arbeiterparteien der sozialistischen Länder in Moskau vom 3. bis 5. August 1961 übermittelt. Darüber gibt es einen ganz klaren Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ vom 29. November 1961. Das kann jeder nachlesen, obwohl es jetzt vom Westen ständig verleugnet wird. Da hat es einen Zusammenstoß zwischen Walter Ulbricht und Nikita Chruschtschow gegeben. Ulbricht war gegen eine solche Land-Lösung.

Warum kam es dann doch zu dieser Grenzschließung, die später zu einer Mauer wurde?

Das ist in Moskau von den sozialistischen Ländern, die im Warschauer Vertrag waren, entschieden worden, dass eine solche Land-Lösung erfolgt. Nikita Chruschtschow hat ganz klar gesagt, die Entscheidung sei gefallen, es werde eine Land-Lösung geben, und das müsse die DDR als Bündnispartner im Rahmen des Warschauer Vertrages wohl oder übel verwirklichen. Ulbricht war sehr strikt dagegen, auch mit der Begründung, dass, wenn die DDR solch eine Lösung macht, sie dann wahrscheinlich längere Zeit international nicht anerkannt wird. Damit hat er Recht gehabt. Das war ja eine große Bremse gegen die weltweite völkerrechtliche Anerkennung der DDR, die ja dann noch über ein Jahrzehnt brauchte. Ulbricht war, wie dann später auch Paul Oestreicher, der Journalist aus London, bezeugt hat, auch noch ein, zwei Jahre nach dieser Lösung sauer auf Nikita Chruschtschow.

Dieser Paul Oestreicher sagte 2016 bei einer Predigt in Potsdam unter anderem, dass bei diesem Gespräch mit Ulbricht 1963 dieser auf die Frage zum Mauerbau gesagt hat: „Ich musste verhindern, dass mein Volk dieses Land verlässt. Mein Staat wäre sonst zusammengebrochen.“ Das klingt so, als wenn Ulbricht die Mauer wollte, damit die Flucht aus der DDR aufhört.

Das hat sicher eine Rolle gespielt, denn die DDR war ja lange mit Reparationen belastet. Sie war der ärmere Teil Deutschlands und hatte das Problem einer feindseligen Insel mitten in der Hauptstadt: West-Berlin, ein Zentrum internationaler Spionageorganisationen mit vielen Abwerbetrupps. Sie war ja in jeder Beziehung durch solche politischen Machinationen in Frage gestellt. Es war ein ganz komplexer Zusammenhang, die Existenz der DDR zu sichern. Es ging darum, eine genaue Kontrolle einzuführen.

Die war aus der Sicht derer, die für die Sicherheit zuständig waren, nicht anders möglich als so unpopulär mit Stacheldraht. Später wurde aus dem Stacheldraht eine Mauer, weil bestimmte Trupps Sabotageakte an der Grenze verübten. Ich kann mich noch an die Knalle erinnern. Ich habe damals in Berlin gewohnt. Ich weiß noch, wie das immer gerumst hat, wenn diese Trupps mit Dynamit Stacheldrahtverhaue in die Luft sprengten.

In dem Buch zitieren Sie Oestreicher, der als Journalist darüber berichtet hat, dass der Westen offiziell gegen die Mauer protestiert, aber inoffiziell Verständnis dafür geäußert hat. Sie zitieren auch William Fulbright, den außenpolitischen Sprecher des US-Senats, der sinngemäß sagte, er wundere sich, dass die DDR nicht längst ihre Grenzen unter Kontrolle gebracht hat. Wie ist das zu bewerten?

Das war die Linie der USA. Kennedy wollte wegen Berlin keinen Krieg. Das war auch bei Nikita Chruschtschow der Fall. Schon damals war klar, dass ein Atomkrieg um Berlin zur Auslöschung des deutschen Volkes führen würde. Das konnte keiner verantworten. Insofern war man auf eine Kompromisslösung aus. Kennedy hat die entscheidenden Voraussetzungen für diese Land-Lösung geschaffen. Die Luft-Lösung wäre für alle Menschen viel besser gewesen. Aber die Land-Lösung eignete sich besser zur antikommunistischen Propaganda. Kennedy hat die entscheidenden Voraussetzungen geschaffen. Es gab früher sechs Essentials der US-amerikanischen Politik, die bis zum Sommer 1961 aufrechterhalten wurden. Aber am 25. Juli hatte Kennedy im US-amerikanischen Fernsehen drei zurückgenommen:

  • die Verbindung zwischen Berlin und der BRD zu gewährleisten,
  • die Freiheit des Zivilverkehrs für Personen und Güter von und nach Berlin,
  • die Freiheit des Inner-Berliner Verkehrs über die Sektorengrenzen hinweg.

Er hat die eigenen Ansprüche auf West-Berlin begrenzt, nicht mehr wie ursprünglich auf ganz Berlin, und beharrte weiter auf den drei Essentials:

  • die Anwesenheit der drei Westmächte in Berlin,
  • ungehindertes Zugangsrecht für alle Sektoren,
  • die Sicherheit und Freiheit der West-Berliner.

Damit hat Kennedy eine friedliche Land-Lösung möglich gemacht. Genau danach entstand der Plan von Nikita Chruschtschow, der dann vom 3. bis 5. August in Moskau von allen Ländern des Warschauer Vertrages beschlossen wurde.

In den Gesprächen mit Hans Kroll, dem westdeutschen Botschafter in Moskau, der in seinen Memoiren darüber berichtet hat, hat Chruschtschow gesagt: „Diese Entscheidung habe letztlich ich ganz allein getroffen. Ulbricht konnte sie nicht treffen, der hatte zu schmale Schultern.“

Aber bis heute wird Walter Ulbricht dafür verantwortlich gemacht …

Das ist die Verlogenheit der Westpropaganda.

Da wird immer der Satz „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ gebracht und das, was er hinterher sagt, wird weggelassen …

… wo es um den separaten Friedensvertrag und die Schönefeld-Lösung ging, die für die Menschen in Ost- und West-Berlin viel besser gewesen wäre. Die bessere Lösung ist von Kennedy mit dem Ultimatum, eine Atombombe anzudrohen, unmöglich gemacht worden.

Ich hatte bereits nach dem Gespräch vor zwei Jahren mit Herbert Graf, einem ehemaligen Mitarbeiter von Walter Ulbricht, den Eindruck, dass eigentlich der Westen an der Mauer schuld ist.

Ja, es hätte keine Mauer gegeben. Sicher hätte es zwischen den Alliierten Vereinbarungen geben müssen, wie das in Berlin zu regeln ist. Man kann nur darüber spekulieren, was dabei herausgekommen wäre. Ich nehme an, dass die Westmächte ihre Flughäfen in Gatow und Tegel usw. als Militärflughäfen hätten behalten können. Aber die West-Berliner hätten über Schönefeld unter DDR-Kontrolle ausfliegen müssen. Das wäre viel besser gewesen als eine Mauer. Das ist vom Westen verhindert worden. Das wird jetzt in der Propaganda völlig außen vor gelassen. Da wird ein wesentlicher Fakt verschwiegen...

… dass seitens der westlichen Alliierten das Ziel, unbedingt mit West-Berlin diesen berühmten „Stachel im Fleisch des Sozialismus“ behalten zu können, auch um den Preis eines Atomkrieges angestrebt wurde?

Sie sahen das als destabilisierendes Moment gegenüber dem gesamten Sozialismus an. West-Berlin hatte auch in Richtung Polen eine bestimmte Rolle, auch in Richtung Ukraine und Tschechoslowakei. Die DDR unterlag einer massiven ideologischen Diversion, einem psychologischen Krieg, Tag für Tag.

Am 13. August und dann auch zum 30. Jahrestag des „Mauerfalls“ wird immer wieder zu hören sein: Die Kommunisten waren schuld, Walter Ulbricht war schuld, usw. Wer hat Schuld an der Mauer, wenn sich das so sagen lässt?

Die entscheidende Weichenstellung war das Atombomben-Ultimatum Kennedys. Das machte die Schönefeld-Lösung und die Luft-Lösung unmöglich. Die Land-Lösung war die, die Nikita Chruschtschow innerlich auch nicht wollte. Er hat auch gesagt, das wird nicht dauerhaft bestehen bleiben, nur so lange, wie die Ursachen dafür bestehen, wird es die geben. Es war für die Menschen, vor allem für die Berliner, eine sehr schlimme Lösung. Sie hat Familien getroffen und Opfer gekostet: die Mauer-Toten, die es auf beiden Seiten gab, auch die DDR-Grenzsoldaten, die von West-Berliner Seite erschossen worden sind. Die werden ja im Westen immer vergessen. Aber es gab keine besseren oder schlechteren Toten. Das waren Opfer des Kalten Krieges.

Lässt sich sagen: „Der Westen hat sich durchgesetzt und die Mauer hat den Atomkrieg verhindert“?

Natürlich. Das war eine der gefährlichsten Zeiten, weil auch beide Seiten sich noch nicht voll im Klaren über die Konsequenzen eines Atomkrieges waren wie später. Die Mauer hat eine friedliche Lösung eines Welt-Konflikts möglich gemacht.

Um einen harten Preis …

Aber der darf nicht höher bewertet werden als ein Atomkrieg, der wahrscheinlich die Auslöschung des deutschen Volkes bedeutet hätte. In der Geschichte gibt es immer Opfer. Es gibt keine Geschichte ohne Opfer.

Professor Siegfried Prokop (Jahrgang 1940) war von 1983 bis 1996 Professor für Zeitgeschichte am Institut für Geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. 1987 hatte er eine Gastprofessur in Paris, 1988 in Moskau und 1991 in Montreal. Er war unter anderem 1994 bis 1996 Vorsitzender der Alternativen Enquetekommission „Deutsche Zeitgeschichte“, 2003 bis 2005 Präsident des Kuratoriums ostdeutscher Verbände sowie von 2006 bis 2012 Vorstandsvorsitzender der Rosa-Luxemburg-Stiftung Brandenburg.

Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter „Unternehmen ‚Chinese Wall‘“ (1992/93), „Der 17. Juni 1953. Geschichtsmythen und historischer Prozess“ (2003), „Die Berliner Mauer“ (2009) sowie „‘Die DDR hat‘s nie gegeben‘ – Studien zur Geschichte der DDR 1945 bis 1990“ (2017).

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Mauerbau 1961: Wie die Alliierten die Fundamente bereits 1943 legten


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17.8.2019: Die "La Bohème"-Oppositionskultur in Ost-Berlin:
Die „DDR-Bohème“: Alternatives Leben im Sozialismus
https://de.sputniknews.com/gesellschaft/20190817325618187-ddr-underground-kunst/

Literatur: Buches „DDR-Bohème. Kunst und Gegenkultur im Staatssozialismus“ von Kaiser Paul
Fotos: Subkultur des Sozialismus: Die „DDR-Bohème“ in Bildern

Der Artikel:

<Beata Arnold

Im deutschen Staatssozialismus gab es eine Gegenkultur. Die „DDR-Bohème“. Wer dazu zählte und womit sich diese DDR-Bürger beschäftigten oder vielmehr: nicht beschäftigten, und was aus den nach sozialistischem Verständnis als „asozial“ eingestuften Lebensentwürfen nach dem Mauerfall wurde – Paul Kaiser vom Institut für Kulturstudien im Gespräch.

Versteht man unter Bohème die zornigen Töchter und Söhne einer gesellschaftlich angepassten bürgerlichen Mittelschicht, die gegen ihre Väter und Mütter aufbegehren und so – wie 1968 im Westen – einen kulturellen Wandel einleiten, so erscheint dies mit Blick auf die sozialistische DDR verkehrt.

Denn „das Bürgertum in der DDR, also die klassische bürgerliche Gesellschaft, war selbst Subkultur“, so Paul Kaiser vom Dresdener Institut für Kulturstudien.

Kulturwissenschaftler Kaiser hatte bereits im Jahr 1997 am Deutschen Historischen Museum in Berlin eine aufsehenerregende Ausstellung zu „Bohème und Diktatur in der DDR“ kuratiert, sein 20 Jahre später erschienenes Buch „Boheme in der DDR: Kunst und Gegenkultur im Staatssozialismus“ erlaubt Einblicke in das gesellschaftliche Leben und die Situation jener „Kulturschaffenden“, die dem „real existierenden“ Sozialismus kritisch gegenüberstanden und eigene alternative Lebensentwürfe verfolgten.

Er selbst war recht spät noch Teil dieser Kultur geworden – als Mitglied einer Theatergruppe, hatte die Szene jedoch ab Anfang der 1980er Jahre fasziniert beobachtet und Kontakte geknüpft. Heute gilt Kaiser als der Experte für ostdeutsche Kunst, er war es auch, der die mangelnde Präsenz von DDR-Kunstwerken in den Museen kritisierte und 2017 den sogenannten „Dresdner Bilderstreit“ entfachte. Kaiser ist ein Schwergewicht in der Debatte um eine vermeintliche kulturelle Kolonialisierung Ostdeutschlands unter Vorherrschaft Westdeutschlands.

Das Millieu der Bohème

Es sei einerseits verwunderlich, dass es die „DDR-Bohème“ gegeben habe, und andererseits, in welch facettenreichen Varianten sie ab Ende der 1960er Jahre bestand – von Erfurt bis Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), über Leipzig und Dresden bis hin zum „Mythos“ gewordenen Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Das seien die Keimzellen für sich später in politischer Opposition wiederfindenden Kulturträger, so Kaiser:

„Diese Gegenkultur war die Überlebensbasis für alle kritischen und dissidentischen Potenziale in der DDR.“

Vom Millieu her eher aus der Mittelschicht stammend, sahen diese oft aus sozialistischen „Intelligenz-Familien“, aus Nomenklatur- und parteitreuen Haushalten, aber auch aus industrieproletarischen oder Angestelltenverhältnissen entspringenden „Bohèmiens“ den Widerspruch im System. Das, was sie vorfanden – den Unterschied zwischen Realität und gesellschaftlichem Anspruch – habe sie ausbrechen lassen wollen. Sie wagten den Ausstieg aus der Familie und dem System. In den großstädtischen Ballungszentren konnten sie eigene, teilweise sogar infrastrukturell selbstgestützte Kulturszenen bilden: Von Zeitschriften über Galerien bis hin zu Festivals. Damit hätten sie im hermetisch abgeriegelten Raum der DDR eine kulturelle Alternative etablieren können – mit großer Ausstrahlungswirkung auf das gesamte Staatsgebiet und Anziehungskraft auf junge Menschen.

Askese und Hedonismus

Dabei sei die ökonomische Komponente zu DDR-Zeiten nicht problematisch gewesen: Erfindungsreich hätten sich die „Bohèmiens“ bei Künstern anstellen lassen oder hätten das als „asozial“ stigmatisierte „Nichtbeschäftigungsrecht“ gewählt. Viele stellten aber auch Dinge her, die in der von Mangelwirtschaft geprägten DDR schwer zu beschaffen waren, wie Lederkleidung oder Keramiken, und konnten so ihren Lebenunterhalt leicht bestreiten – auch vor dem Hintergrund, dass die Lebenhaltungskosten für Studiomieten vergleichsweise gering waren.

Schlimmer sei die „lebensweltliche Seite“ gewesen, nämlich die Stasi, die Repressionsorgane, Kontrolle und Observation von sich abzuwenden – sie schützten sich, indem sie in Ballungszentren gingen, Nebenwohnungen wechselten, in ruinös-verfallende Gründerzeithäuser zogen, wohingegen der DDR-Normalbürger etwa im Plattenbau am Rand der Stadt residierte.

Die DDR-Bohèmiens lebten zwar teils in „Askese“, aber in einer „Welt des Hedonismus“, fasst Kulturwissenschaftler Kaiser zusammen: „In diesem scheinbar totalitären und scheinbar total völlig gleichgeschalteten System existierten durchaus Freiräume, in dem Individualität und Eigensinn möglich waren.“

Die Wende: Anpassung und neue Zwänge 

Die Zeit des Umbruchs – die Wende – erlebten einige als Befreiung und schlugen ein neues Kapitel auf, andere sahen sich nun wiederum mit der kapitalistischen Realität und wirtschaftlichen Zwängen zur ökonomischen Existenzsicherung konfrontiert. Solidargemeinschaften, die in diesen Millieus geherrscht hatten, „atomisierten“ sich nach dem Fall der Mauer – lösten sich in vielfältige soziale Formen auf. Soziale Gruppen implodierten, und die ehemaligen Mitglieder wandten sich „anderen Themen“ zu.

Als Beispiel nennt Kaiser den heutigen Direktor der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger: Er sei seinerzeit als „Dada-rezitierender Performer“ durch die Lande gezogen, habe in verschiedensten Kunstgruppierungen mitgewirkt und ging dann später in die Politik.

Kaiser, Paul: Bohème in der DDR. Kunst und Gegenkultur im Staatssozialismus, 480 Seiten, Dresdner Institut für Kulturstudien, 48 Euro, ISBN 978-3-9816461-5-3.  >

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DDR unter Honecker 25.8.2019: Menschen waren "Ungeziefer", wenn sie im 5km-Grenzstreifen zur BRD wohnten - und wurden zwangsumgesiedelt - "Aktion Ungeziefer" 1952 - Psychoterror gegen Grenzbewohner auch nach der Umsiedlung ohne Ende etc.:
Buch erinnert: Wie die DDR Menschen zu „Ungeziefer“ erklärte und zwangsumsiedelte – Interview
https://de.sputniknews.com/gesellschaft/20190825325645295-ddr-zwangsumsiedlung-buch/

Literatur: Kati Naumann: Was uns erinnern lässt, Harper Collins, 416 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-95967-247-4

<Beata Arnold

Die DDR hat rigoros ihr Grenzgebiet zur BRD gesichert. Dafür hat sie auch massenweise Menschen zwangsumgesiedelt. Ein neuer Roman erinnert an das Schicksal vieler Familien, die ihre Heimat verlassen mussten. Sputnik hat mit der Autorin Kati Naumann über ihr Buch „Was uns erinnern lässt“ gesprochen.

Die Verwaltungsgrenze zwischen den Besatzungszonen Nachkriegsdeutschlands wurde seitens der DDR über die „Demarkationslinie“ zu einer richtigen „Staatsgrenze“ ausgebaut. Diese trennte im Grenzgebiet liegende Gehöfte, Dörfer, Städte, gar Familien. Plötzlich störten im Sperrgebiet lebende Menschen. Staatswillkür unterworfen und schikaniert, wurden viele gar der Heimat beraubt.

[Politische Manöver gegen die Bevölkerung im "Grenzstreifen" - "Aktion Ungeziefer" 1952]

Um sie aus dem auf der Seite der DDR etwa fünf Kilometer breiten Streifen zu vertreiben, wurden viele als „politisch unzuverlässig“ stigmatisiert und zwangsumgesiedelt. Etwa bei der mit dem Tarnnamen „Aktion Ungeziefer“ versehenen Zwangsumsiedlungsoperation zwischen Mai und Juni 1952. Die DDR-Praxis, unliebsamen Personen so beizukommen, dauerte noch bis in die 1980er Jahre an: Bis zu 50.000 Personen sollen schätzungsweise betroffen gewesen sein, erzählt Autorin Kati Naumann im Gespräch mit Sputnik.

Naumann hat zum Thema in der Region des Thüringer Rennsteigs recherchiert „Es war wie eine Schatzsuche“, sagt sie. In Archiven hat sie neben Polizeiverordnungen auch Briefe des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes zur Borkenkäferbekämpfung in Thüringen 1948 oder Berichte an das Ministerium für Staatssicherheit über die Aktionen zu Zwangsaussiedlungen gefunden. Basierend auf den Ergebnissen, Gesprächen mit Zeitzeugen sowie eigenen Erinnerungen hat sie den Roman „Was uns erinnern lässt“ geschrieben, der im historischen Teil die Spanne von 1945 bis 1977 umfasst sowie mit einer Spurensuche im Heute verknüpft ist.

[Fall: Hotel Waldeshöh an der Zonengrenze]

1977: Das Zuhause der vierzehnjährigen Christine Dressel ist das ehemals mondäne Hotel Waldeshöh im Thüringer Wald. Seit der Teilung Deutschlands liegt es hinter Stacheldraht in der Sperrzone direkt an der Grenze. Ohne Passierschein darf niemand das Waldstück betreten, irgendwann fahren weder Postautos noch Krankenwagen mehr dorthin. Fast scheint es, als habe die DDR das Hotel und seine Bewohner vergessen. 2017: Milla findet abseits der Wanderwege im Thüringer Wald einen überwucherten Keller und stößt dort auf einen Schulaufsatz aus den 1970er Jahren, geschrieben von einem Mädchen namens Christine über die Geschichte des Hotels Waldeshöh. Dieser besondere Ort lässt Milla nicht los, sie spürt Christine auf, um mehr zu erfahren.

Frau Naumann, haben Sie persönlich einen Bezug zu Thüringen und der Gegend des Rennsteigs und gab es ein historisches Vorbild für die Protagonisten?

Der Thüringer Wald und das Sperrgebiet der DDR sind Teil meiner Biografie. Ich bin 1963 in Leipzig geboren, habe aber einen Teil meiner Kindheit bei meinen Großeltern in Sonneberg im Thüringer Wald verbracht. Sonneberg war damals Teil des Sperrgebiets der DDR. Das konnte man nicht einfach so betreten. Man musste Passierscheine dafür beantragen, sich bei der Volkspolizei melden.

Familie Dressel steht für alle Familien, die im Sperrgebiet gelebt haben. Christine und Milla habe ich ausgewählt, weil ich zwei Zeitebenen haben wollte. Milla ist die Vertreterin der modernen Zeit, Mitte dreißig, alleinerziehend, hat einen pubertierenden Sohn und fühlt sich einsam. Sie inszeniert sich in sozialen Medien, sucht nach „lost places“, verlassenen Orten. Bei einer solchen Suche stößt sie auf den Schulaufsatz von Christine, die sich darin wünscht, in ihrer Heimat bleiben zu können. Milla ist klar, dass diese Wünsche nicht in Erfüllung gegangen sind, da es das Hotel nicht mehr gibt.

Sie macht sich auf die Suche nach Christine. In dem Moment, wo die beiden Frauen sich begegnen, öffnet sich die zweite Zeitebene in die Vergangenheit: eine Zeit, in der das Hotel, in dem die Dressels lebten, noch steht. Wir erfahren, wie das Leben in diesem Grenzstreifen zu DDR-Zeiten gewesen ist. Christine ist mein Jahrgang. Und ich konnte dadurch alles, was ich an Erinnerungen zur Kindheit und Jugend in der DDR hatte, verarbeiten.

Was ist Menschen wie Christine Dressel widerfahren?

Christine ist in einer Zeit geboren, in der die Mauer schon stand und in der die Grenzsicherung jedes Jahr stärker ausgebaut wurde. Die Menschen dort lebten in Gebieten, die von zwei Zäunen abgetrennt waren vom Rest der Republik. Sie lebten unter Flutlichtanlagen, neben Anlagen für Hunde, die nächtelang bellten. Zudem wurde von staatlicher Seite versucht, das Leben in diesen „Schutzstreifen“ möglichst schwer zu machen, damit sie wegziehen. Diejenigen, die nicht von selbst gingen, wurden als politisch unzuverlässig eingestuft, wurden zwangsumgesiedelt.

["Zwei grosse Aktionen" gegen die Grenzbevölkerung mit Entwurzelung+Psychoterror: 1952 und 1961 - Stigmatisierung als "Verbrecher aus dem Grenzland" - bis kurz vor 1989]

Es gab zwei große Aktionen von Zwangsumsiedelungen: 1952 und 1961. Menschen wurden früh am Morgen aus den Betten geholt, Lkw fuhren vor, in die die Menschen „reingeladen“ und weit weg von ihrer Heimat, in eine andere Ecke der Republik, gebracht wurden. Meist ist ihnen auch die Eingliederung, also die neue Verwurzelung am neuen Wohnort, schwergemacht worden. Denn sie wurden als „Verbrecher aus dem Grenzland“ stigmatisiert.

Die Zwangsumgesiedelten bekamen nicht etwa eine schöne Wohnung oder ein Haus. Sie kamen aus gutgepflegten Bauernhöfen und wurden in verschimmelte Bruchbuden oder eben öffentliche Gebäuden gesteckt, wo sie auch die Schultoiletten benutzen mussten. Diese Zwangsaussiedelungen sind nicht nur in den 1950ern und 1960ern passiert, sondern es gab sie noch bis kurz vor der Wende. Um Sonneberg herum fanden 1984 die letzten Zwangsaussiedlungen statt.

Sie schöpfen aus Biografien von Zeitzeugen. Welche Begegnungen hatten Sie bei Ihren Recherchen vor Ort?

Ich habe mit Menschen gesprochen, die im Sperrgebiet und in der 500-Meter-Zone gelebt haben, die Zwangsaussiedlungen erlebt haben. Einige wollten versichert sein, dass es eine fiktive Geschichte wird und sie nicht selbst als Person im Buch auftauchen. Andere wollten über ihre Erlebnisse überhaupt nicht sprechen und wieder andere waren froh, es erzählen zu dürfen. Es ist Vertrauenssache, denn es ist ein extrem sensibles Thema.

[Die Honecker-DDR verbietet das Thema der Zwangsumsiedlungen von Grenzbewohnern]

Den Menschen war es verboten worden, über die Zwangsaussiedlungen zu sprechen. Wenn man 40 Jahre lang bei Strafe über etwas nicht sprechen darf, dann kann man das nicht einfach so ablegen – es ist ein tief sitzendes Trauma. Sie fragten sich: „Was haben wir denn eigentlich falsch gemacht?“ Denn das waren ja keine Menschen, die bewusst ein Risiko eingegangen sind, wie etwa das Planen einer Republikflucht. Sie wollten nur in ihrer Heimat wohnen, waren unglücklicherweise am falschen Ort. Die Leute, die zwangsumgesiedelt wurden, waren nicht „politisch unzuverlässig“ – sie wurden denunziert, standen im Weg.

[11.000 bis 50.000 zwangsumgesiedelte und terrorisierte Menschen - Rückkauf nach 1989 oft mit Prozessen verbunden]

Wieviele Menschen wurden zwangsumgesiedelt und gibt es Wiedergutmachung?

Offiziell sind zwischen 11.000 bis 50.000 Menschen zwangsausgesiedelt geworden. Die Zahlen schwanken, weil oft Angehörige mitgingen. Einige haben sich diesen Zwangsaussiedlungen durch die Flucht in den Westen entzogen. Die, die aus dem Sperrgebiet zwangsausgesiedelt wurden, konnten zur Zeit der DDR nicht mehr zurück. Nach der Wende bekamen sie die Möglichkeit, ihr eigenes Grundstück zurückzukaufen zum heutigen Verkehrswert, der wesentlich höher ist als seinerzeit.

Oft hatten Offiziere der NVA diese Häuser gekauft. Die Zwangsausgesiedelten konnten ihre Häuser dann gar nicht mehr zurückkaufen. Sie erhielten zwar eine finanzielle Entschädigung, bekamen aber das Haus, dass die Urgroßväter gebaut und in dem die Familie seit Generationen gelebt hatte, nicht mehr zurück. Es gab Versuche, den Betroffenen ihre Grundstücke wieder zurückzugeben. Doch diese Prozesse ziehen sich zum Teil über Jahre oder Jahrzehnte hin, und die Menschen mussten wieder als Bittsteller auftreten. Eine unbefriedigende und deprimierende Situation.

Aber den Leuten, mit denen ich gesprochen habe, ging es meist gar nicht um eine Entschädigung, sondern eher um eine Entschuldigung. Das Unrecht ist nie öffentlich anerkannt und auch nie thematisiert worden. Es wurde totgeschwiegen zu DDR-Zeiten und ist auch jetzt kein Thema.

Die Geschichte muss jetzt erzählt werden – solange noch Zeitzeugen leben. Und Erinnerungen können auch tröstlich sein, da sie uns zu dem gemacht haben, wer wir heute sind. Nur wenn wir die Erinnerung bewahren, vor allem auch solche, wie an die Zwangsaussiedlung, können wir verhindern, dass so etwas wieder passiert.>

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August 1989: Wie ein grenzüberschreitendes Picknick für eine Massenflucht genutzt wurde

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Sputnik-Ticker
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5.9.2019: Die Ausreise von 1989: Das Honecker-Regime wollte Züge über DDR-Gebiet fahren lassen - Widerstand verstärkte sich noch mehr:
Warum DDR-Botschaftsflüchtlinge 1989 ausreisen durften und wer dafür sorgte
https://de.sputniknews.com/gesellschaft/20190905325700309-ddr-botschaftsfluechtlinge-1989/

<Tilo Gräser
Dramatische Situationen haben sich im Sommer 1989 in den BRD-Botschaften in Warschau, Prag und Budapest, aber auch in Ost-Berlin abgespielt. Bis zu mehreren Tausende DDR-Bürger haben damals versucht, über die Botschaften auszureisen. Eine Veranstaltung in Berlin hat am Mittwoch daran erinnert und Hintergründe und Zusammenhänge deutlich gemacht.

Dramatische Situationen haben sich im Sommer 1989 in den BRD-Botschaften in Warschau, Prag und Budapest, aber auch in Ost-Berlin abgespielt. Bis zu mehreren Tausende DDR-Bürger haben damals versucht, über die Botschaften auszureisen. Eine Veranstaltung in Berlin hat am Mittwoch daran erinnert und Hintergründe und Zusammenhänge deutlich gemacht.

Die DDR-Führung hat 1989 beim Umgang mit der Fluchtwelle in BRD-Botschaften in Warschau, Prag und Budapest fast alles falsch gemacht. Sie hat dabei ihre Lage noch verschlechtert: Mit ihrer Forderung, dass die Züge ab Ende September mit den ausreisewilligen DDR-Bürgern über das eigene Territorium in die BRD fahren müssen. Das hat am Mittwoch eine Veranstaltung in Berlin über die sogenannten Botschaftsflüchtlinge 1989 gezeigt.

Foto
von links: P.-C. Bürger (Zeitzeuge), Dr. J. Sudhoff (Ex-Staatssekretär), J. Boysen (Moderatorin), M. Stief (Historiker), R. Kukula (Regisseur)

In dieser sagte Jürgen Sudhoff, Ex-Staatssekretär vom bundesdeutschen Auswärtigen Amt, die Bundesregierung habe damals vermeiden wollen, dass die Züge über DDR-Gebiet fahren. Und die Botschaftsbesetzer in Warschau sollten ursprünglich per Schiff in die BRD gebracht werden. Doch die DDR-Führung habe trotzig darauf bestanden, die Ausreise-Strecke zu bestimmen – und damit die Fluchtwelle und die Proteste im eigenen Land noch verstärkt. „Diese Zugreisen waren mitauslösend für das, was sich im Oktober 1989 in der DDR abgespielt hat“, so der Ex-Diplomat.

Im ehemaligen Ministerium für Staatssicherheit (MfS) in der Berliner Frankfurter Allee berichteten Sudhoff und Peter-Christian Bürger über das, was sie damals selbst erlebten. Bürger war im Juni 1989 einer der ersten DDR-Bürger, die in die BRD-Botschaft in Prag kamen und in die Bundesrepublik ausreisen wollten. Sudhoff war der Vertreter des BRD-Außenministeriums, der vor 30 Jahren versuchte, in Verhandlungen mit den Regierungen der DDR, der ČSSR, Polens und Ungarns die Probleme zu lösen.

Falsche DDR-Vorschläge

Die beiden sprachen gemeinsam mit dem Historiker Martin Stief von der „Stasi-Unterlagen-Behörde“ (BStU) und dem Filmemacher Ralf Kukula sowie Moderatorin Jacqueline Boysen über den „Weg in die Freiheit“. Der führte 1989 für viele Tausende DDR-Bürger nur noch über die BRD-Botschaften in Warschau, Prag und Budapest, aber auch in Ost-Berlin. Bei der Veranstaltung kamen interessante Aspekte der Ereignisse vor 30 Jahren zutage, die damals den Untergang der DDR beschleunigten und zur übereilten Grenzöffnung am 9. November 1989 beitrugen.

Ex-Staatssekretär Sudhoff berichtete, dass Druck aus Moskau - vom damaligen KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow - die DDR-Führung erst dazu gebracht habe, die Botschaftsbesetzer in die BRD ausreisen zu lassen. Zuvor hätten die Rechtsanwälte Wolfgang Vogel und Gregor Gysi unter anderem in Prag noch absurderweise versucht, die inzwischen Tausende zählenden DDR-Bürger in der BRD-Botschaft zu überreden, zurückzukehren.

Sie sollten dann in der DDR einen regulären Ausreiseantrag stellen. Der werde dann innerhalb von sechs Monaten „wohlwollend“ geprüft, hätten Vogel und Gysi erklärt, berichteten Sudhoff und Botschaftsbesetzer Bürger übereinstimmend.

Hilfe durch Medien und Moskau

Der Ex-Staatssekretär erzählte, was er nach seinem Besuch am 26. September 1989 in der besetzten Botschaft in Prag gemacht habe. Dort hatte er nach seinen Worten den Auftritt von Vogel und Gysi miterlebt. Zuvor habe er ergebnislose Gespräche mit der ČSSR-Regierung geführt, um die Probleme zu lösen. Zu dem Zeitpunkt campierten inzwischen mehr als 5.000 DDR-Bürger in der BRD-Botschaft und auf deren Gelände.

„Ich bin nach Bonn zurückgefahren und habe zwei Dinge gemacht. Als ehemaliger Regierungssprecher kannte ich die ausländische Presse in Deutschland. Ich habe die Bonner Korrespondenten der ausländischen Medien angerufen und habe gesagt: ‚Fahrt nach Prag und filmt, was da am Zaun der deutschen Botschaft los ist, wie die Menschen versuchen, in die Freiheit zu klettern. Da könnt ihr Bilder filmen, die seht ihr nie wieder.‘“

Als Zweites habe er Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher angerufen, der damals zur Uno-Vollversammlung in New York weilte. „Ich habe ihm berichtet, was ich gesehen habe und was die tschechoslowakische Regierung mir gesagt hat, dass da überhaupt nicht irgendeine Bewegung in Richtung auf eine ‚ungarische Lösung‘ zu erwarten war. Die sagten immer: ,Klärt das mit der DDR, wir haben damit nichts zu tun.‘“ Er habe Genscher die Lage der Menschen in der Botschaft geschildert.

DDR bestimmte Zugrouten

Der Bundesaußenminister habe am selben Abend noch den sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse aufgesucht, der ebenfalls in New York war. Genscher habe seinem Amtskollegen aus Moskau alles erzählt, samt der von Sudhoff berichteten Dramatik der Lage. „Schewardnadse hat dann in der Nacht Gorbatschow angerufen und ihm geschildert, was in der Botschaft in Prag los war, die menschliche Lage dort.“

Zwei Tage später habe sich der Ständige Vertreter der DDR in der BRD, Horst Neubauer, im Auswärtigen Amt gemeldet. Das vom DDR-Vertreter gewünschte Gespräch sei dann im Bundeskanzleramt gemeinsam mit Bundeskanzler Helmut Kohl und Genscher erfolgt.

„Wir haben damals versucht, der DDR klar zu machen: ‚Die beste Lösung ist, Ihr lasst die Leute mit dem Zug ausreisen und zwar direkt von Prag nach Westdeutschland. Die DDR in ihrer Status-Dusseligkeit hat das abgelehnt. Die Schiffsreise für die Flüchtlinge in Warschau haben wir nicht erreicht. Dann kam es zu diesen Zugreisen aus Prag über Dresden nach Westdeutschland und aus Warschau über Marienborn nach Helmstedt. Wo die Menschen in der DDR sahen, was passiert war: Die Ausreise der Flüchtlinge aus Prag und Warschau.“

Keine Geldzahlungen für Flüchtlinge

Sudhoff meint rückblickend, diese Zugfahrten und die Ereignisse am Dresdner Bahnhof am 4. Oktober 1989 haben „ganz entscheidend dazu beigetragen, das Regime zu unterminieren, und beigetragen zu dem Mut, der dann im Oktober bei den Montagsdemonstrationen notwendig war“.  Auf eine Nachfrage aus dem Publikum sagte der Ex-Staatssekretär, es habe keine Zahlungen der BRD an die DDR für diese Ausreise der Botschaftsbesetzer gegeben.

„Das war der Druck von Gorbatschow, nach dem Anruf von Schewardnadse. Deshalb ist ja der Neubauer am Samstagmorgen bei mir erschienen. Das hatte mit Geld nichts mehr zu tun. Das war wirklich eine humanitäre Entscheidung.“

Der Ex-Staatssekretär erinnerte sich sichtlich bewegt an die Geschehnisse von vor 30 Jahren. Er fuhr in einigen der Züge mit den Botschaftsbesetzern aus der DDR in die Bundesrepublik mit. Er schilderte die unmöglichen Bedingungen wie nicht funktionierende Toiletten und kaputte Fenster in der Waggons der Deutschen Reichsbahn (DR) der DDR. Und er schilderte die Stimmung und Reaktionen der Flüchtlinge bei den Stopps auf DDR-Gebiet. Er habe als offizieller Vertreter der Bundesregierung versucht, den Menschen zu zeugen, dass sie sicher seien und nichts zu befürchten hätten.

Gründe für die Flucht

„Trotzdem war es für mich die schrecklichste Zugfahrt meines ganzen Lebens“, erinnerte sich Zeitzeuge Bürger bei der Veranstaltung. Er saß in dem ersten Zug, der am 30. September aus Prag in Richtung BRD fuhr. „Diese Gefühle, die ich in diesen Stunden hatte, die kann kein Hitchcock nachfilmen. Das geht nicht.“

Zuvor hatte er berichtet, wie er im Juni 1989 den Weg über die grüne Grenze zwischen DDR und ČSSR nahm, um in die BRD-Botschaft in Prag zu gelangen. Zuvor hatte er bereits wegen eines verratenen  Fluchtversuches 1986 im Zuchthaus Cottbus gesessen. Durch die Amnestie 1987 sei er freigekommen, aber zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden und streng im Alltag kontrolliert worden.

Er habe wie viele andere die DDR verlassen wollen, weil ihm in dem Land „absolut die Selbstbestimmtheit gefehlt“ habe. Das im politischen Sinn „eingeschnürte Leben“ in der DDR habe er als kritischer Mensch, der schon immer alles hinterfragt habe – „das ist auch heute noch so“ –, auf Dauer nicht ertragen. „Kritisches Nachfragen führte dazu, dass man bei den politischen Entscheidungsträgern suspekt war und ganz schnell auf die Seite der Leute gesetzt wurde, die Systemgegner waren.“

Erlösung durch Genscher

Er habe im Frühjahr in den TV-Nachrichten von den ersten DDR-Bürgern in der bundesdeutschen Botschaft in Prag gehört, die dort ihre Ausreise erzwingen wollten. Das sei für ihn, der nach seiner vorzeitigen Freilassung infolge der Amnestie 1987 immer noch flüchten wollte, „wie ein Blitzschlag“ gewesen. Danach habe er bei allen Schwierigkeiten als offiziell Vorbestrafter mit Bewährungsauflagen, darunter ohne richtigen Personalausweis, die Reise nach Prag vorbereitet und angetreten.

Bürger war etwa dreieinhalb Monate in der BRD-Botschaft in Prag und half am Ende mit, die zahlreichen Neuankömmlinge dort unterzubringen und zu versorgen. Er stand hinter Außenminister Genscher als der am 30. September auf dem Balkon des Palais Lobkowicz, der Botschaft, den zu Tausenden dort wartenden DDR-Bürgern erklärte, „Wir sind heute zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise möglich geworden ist.“ Die letzten Worte gingen damals im Jubel der Botschaftsbesetzer unter.

Sudhoff und Bürger sind sich damals begegnet und kennen sich bis heute. BStU-Historiker Stief sagte, der Fall Bürgers sei ein extremes Beispiel. Das MfS habe nur bis zu 13 Prozent derjenigen, die einen Ausreiseantrag aus der DDR stellten, mit seinen Mitteln „bearbeitet“. Aber auch wem das nicht geschah, habe allein durch die Bürokratie und persönliche Konsequenzen erlebt, dass die DDR-Spitze die Ausreise möglichst verhindern wollte.

Was das MfS berichtete und wusste

Stief erklärte, dass in den ersten drei Monaten des Jahres 1989 die Zahl der Ausreiseanträge von DDR-Bürgern zugenommen habe. Bis zum Sommer des Jahres seien es rund 160.000 Anträge gewesen. Dazu habe die Ankündigung Ungarns im Frühjahr vor 30 Jahren, die Grenzanlagen zu Österreich abbauen zu wollen, beigetragen. Das MfS habe interessanterweise im ersten Halbjahr 1989 in ihren Berichten an die SED-Führung „fast nichts“ über die Flucht- und Ausreisebewegung weitergegeben.

„Das ändert sich ganz radikal im September. Im Juli gibt es einen ganz spannenden Aspekt: Die Staatssicherheit vermutet Anfang Juli, dass sie im August/September ein großes Problem bei Ausreiseantragsstellern bekommen würden, weil die Bearbeitungsfrist eines Antrages sechs Monate dauerte. Sie wussten schon, dass sie Absagen rausschmeißen werden und dass die Leute dann ‚in nichtsozialistische Einrichtungen‘ flüchten werden – das steht wirklich so drin.“

Aber die tatsächlich eintretenden Botschaftsbesetzungen seien dann nicht in diesen MfS-Berichten an die Parteiführung weitergegeben worden. Stief vermutet andere Kanäle für die Informationen über das Geschehen. Zuletzt habe das MfS seine Berichte überhaupt nicht mehr geschönt und die zunehmend krisenhafte Lage klar beschrieben, so der Historiker. Doch die Führung der SED noch unter Erich Honecker und später unter Egon Krenz reagierte nach alten Mustern – und beförderte so den Untergang des eigenen Landes.

Dankbarkeit und Scham

Der führte zur deutschen Einheit 1990, die für den Ex-Staatssekretär Sudhoff ein „Geschenk der Geschichte“ ist. Das werde 30 Jahre später zu wenig gewürdigt: „Ich bin tief betroffen, dass so viele Menschen in unserem Land nicht anerkennen wollen, dass dies eine großartige Chance der Geschichte gewesen ist.“ Er wünsche sich „ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit“, statt zu hinterfragen, was alles falsch gelaufen sei.

Das sieht auch Zeitzeuge und Ex-Botschaftsflüchtling Bürger so. Wie er heute denkt, zeigte er, als er aus einem Brief der BRD-Botschaft in Damaskus vom 19. September 1989 an das Auswärtige Amt vorlas. Darin ging es um eine Spende eines syrischen Bürgers für die aus der DDR Flüchtenden in den BRD-Botschaften. Die Spende in Höhe von 2.000 syrischen Pfund sei mehr als der damalige Durchschnittsmonatsverdienst eines Syrers gewesen.

Bürger sagte dazu: „1989 spendet ein Syrer für völlig fremde DDR-Flüchtende. 2015 schickt er vielleicht seinen Sohn oder Enkel auf die Flucht vor diesem Krieg da unten. Und der kommt hier an in Deutschland und muss hier miterleben, wie manche, teilweise viele, gegen solche Flüchtlinge hetzen und sie rausschmeißen wollen – dafür schäme ich mich zutiefst.“>

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58 Jahre Mauerbau - Fluchttunnel in die Freiheit – Video

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Epoch Times online,
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17.11.2019: China wollte 1989 die DDR retten - Dokument aufgetaucht:

Kommunistische Partei Chinas wollte 1989 in letzter Minute die DDR retten

Die Kommunistische Partei Chinas wollte noch kurz vor dem Mauerfall das "Bruderland DDR" durch eine Entsendung chinesischer Arbeitskräfte vor dem wirtschaftlichen Kollaps retten. Dies wurde nun durch ein brisantes DDR-Schriftstück, das nach 30 Jahren diplomatischer Schutzfrist vom politischen Archiv des Auswärtigen Amtes freigegeben wurde, bekannt. Mehr»

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Volksbetrug.net
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9.2.2020: Die Maueropfer-Liste:
Da die Mauermörderpartei (SED-DIE LINKE), und Ihre sozialistisch-kommunistischen Ideologie sich anscheinend wieder großer Beliebtheit erfreut in diesem Land, gedenke ich heute Ihrer Opfer an der Mauer!


aus: Mossad-Wikipedia:
-- https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Todesopfer_an_der_Berliner_Mauer

<Da die Mauermörderpartei (SED-DIE LINKE), und Ihre sozialistisch-kommunistischen Ideologie sich anscheinend wieder großer Beliebtheit erfreut in diesem Land, gedenke ich heute Ihrer Opfer an der Mauer!
Dabei sind die vielen gefolterten und zum Tode verurteilten, psychisch kaputt gemachten und unmenschlich behandelten Menschen noch nicht mit aufgeführt…>

Die Liste der Mossad-Wikipedia mit den Maueropfern:

Name Geboren Gestorben Alter Todesumstände
Ida Siekmann 23. Aug. 1902 22. Aug. 1961 58 Bei einem Sprung aus ihrer Wohnung in der Bernauer Straße 48 tödlich verletzt und noch vor Krankenhauseinlieferung gestorben
Günter Litfin 19. Jan. 1937 24. Aug. 1961 24 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze im Humboldthafen
Roland Hoff 19. Mär. 1934 29. Aug. 1961 27 Erschossen beim Fluchtversuch im Teltowkanal vor Lichterfelde, Höhe Wupperstraße
Rudolf Urban 6. Juni 1914 17. Sep. 1961 47 Am 19. August 1961 auf der Flucht aus seiner Wohnung in der Bernauer Straße 1 abgestürzt und mit einem Bruch in ein West-Berliner Krankenhaus eingeliefert; an einer dort zugezogenen Lungenentzündung am 17. September 1961 gestorben
Olga Segler 31. Juli 1881 26. Sep. 1961 80 Am 25. September 1961 bei Fluchtversuch mittels Sprung aus ihrer Wohnung in der Bernauer Straße 34 schwer verletzt, am 26. September den dabei erlittenen inneren Verletzungen erlegen
Bernd Lünser 11. Mär. 1939 4. Okt. 1961 22 Stürzte bei einem Fluchtversuch im Kampf mit Grenzsoldaten vom Dach des Hauses Bernauer Straße 44 und verletzte sich tödlich
Udo Düllick 3. Aug. 1936 5. Okt. 1961 25 Beim Fluchtversuch mittels Durchschwimmen und (aufgrund von Beschuss) Durchtauchen der Spree an der Sektorengrenze zwischen Friedrichshain und Kreuzberg ertrunken
Werner Probst 18. Juni 1936 14. Okt. 1961 25 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze am Spreeufer in Kreuzberg zwischen Schilling- und Oberbaumbrücke
Lothar Lehmann 28. Jan. 1942 26. Nov. 1961 19 Ertrunken/gestorben an den Folgen von Kälteschock und Kreislaufkollaps beim Fluchtversuch am Außenring in der Havel in der Nähe von Sacrow (bei Potsdam) in Höhe Fährstraße
Dieter Wohlfahrt 27. Mai 1941 9. Dez. 1961 20 Erschossen als Fluchthelfer in Staaken, nahe Bergstraße/Ecke Hauptstraße
Ingo Krüger 31. Jan. 1940 11. Dez. 1961 21 Beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in der Spree in der Nähe des Reichstagufers an der Kieler Straße aufgrund Defekt des Tauchgeräts ertrunken oder an Kälteschock gestorben
Georg Feldhahn 12. Aug. 1941 19. Dez. 1961 20 DDR-Grenzpolizist, der vor Dienstantritt getrunken hatte; ertrunken beim Flucht- und Fahnenfluchtversuch während seines Einsatzes an der Sektorengrenze in der Spree, in West-Berlin gefunden am 11. März 1962
Dorit Schmiel 25. Apr. 1941 19. Feb. 1962 20 Tödlich angeschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze zu Wittenau, Wilhelmsruher Damm, und im Krankenhaus gestorben
Heinz Jercha 1. Juli 1934 27. Mär. 1962 27 Erschossen als Fluchthelfer an der Sektorengrenze zwischen Treptow und Neukölln in der Heidelberger Straße, erlag in West-Berlin seinen Verletzungen
Philipp Held 2. Mai 1942  Apr. 1962 19 Am oder nach dem 8. April, laut Autopsie eventuell um den 12. April herum, beim Fluchtversuch ertrunken an der Sektorengrenze beim Durchschwimmen der Spree; Leiche gefunden am 22. April
Klaus Brueske 14. Sep. 1938 18. Apr. 1962 23 Fluchtversuch mit einem durch die Sektorengrenze brechenden Lkw an der Grenzübergangsstelle Heinrich-Heine-Straße; erstickte beim Unfall, der den Lkw auf der West-Berliner Seite zum Stehen brachte
Jörgen Schmidtchen 28. Juni 1941 18. Apr. 1962 20 Im Dienst getöteter Grenzsoldat; erschossen mit der Waffe des Maueropfers Peter Böhme am Gleisdreieck Potsdam-Griebnitzsee gegenüber von Kohlhasenbrück
Peter Böhme 17. Aug. 1942 18. Apr. 1962 19 Erschossen während eines Schusswechsels am Gleisdreieck Potsdam-Griebnitzsee gegenüber von Kohlhasenbrück, nachdem – vermutlich von ihm selbst – mit seiner Waffe der Grenzsoldat Jörgen Schmidtchen erschossen worden war
Horst Frank 7. Mai 1942 29. Apr. 1962 19 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze zwischen Schönholz und Reinickendorf, am Bahndamm nördlich der Klemkestraße
Peter Göring 28. Dez. 1940 23. Mai 1962 21 Im Dienst getöteter Grenzsoldat; von einem Querschläger aus der Pistole eines West-Berliner Polizisten tödlich getroffen an der Sektorengrenze am Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal/Invalidenfriedhof.
Lutz Haberlandt 29. Apr. 1938 27. Mai 1962 24 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze südlich der Sandkrugbrücke, nahe der Charité am Alexanderufer
Axel Hannemann 27. Apr. 1945 5. Juni 1962 17 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in der Spree nahe der Marschallbrücke am Reichstagufer, nachdem der Schiffsführer des Kahns, auf dem er eigentlich nach Westen fliehen wollte, den Zoll gerufen hatte
Erna Kelm 21. Juli 1908 11. Juni 1962 53 Ertrunken beim Fluchtversuch in der Havel in Wannsee, Höhe Nikolskoe
Wolfgang Glöde 1. Feb. 1949 11. Juni 1962 13 Im Gespräch mit dort wohnhaften Kindern zeigte und lud der Grenzer einer Streife an der Sektorengrenze in Treptow in der Kolonie „Sorgenfrei“, nahe der Karpfenteichstraße, seine Waffe; dabei löste sich versehentlich ein Schuss und traf Glöde tödlich
Reinhold Huhn 8. Mär. 1942 18. Juni 1962 20 Im Dienst getöteter Grenzsoldat; von einem Fluchthelfer an der Sektorengrenze zwischen den Ortsteilen Mitte und Kreuzberg erschossen
Siegfried Noffke 9. Dez. 1939 28. Juni 1962 22 Erschossen als Fluchthelfer an der Sektorengrenze zwischen den Ortsteilen Mitte und Kreuzberg in der Heinrich-Heine-Straße 49, nachdem der dortige Fluchttunnel verraten worden war; starb auf dem Weg ins Ost-Berliner Krankenhaus
Peter Fechter 14. Jan. 1944 17. Aug. 1962 18 Erschossen beim Fluchtversuch in Berlin-Mitte, Zimmerstraße; vor den Augen einer großen West-Berliner Menschenmenge im Todesstreifen verblutet
Hans-Dieter Wesa 10. Jan. 1943 23. Aug. 1962 19 An der Sektorengrenze in Gesundbrunnen am S-Bahnhof Bornholmer Straße beim Fluchtversuch zunächst angeschossen und, als er schon am Boden lag, aus kurzer Distanz erschossen
Ernst Mundt 2. Dez. 1921 4. Sep. 1962 40 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze, am Sophienfriedhof, Bernauer Ecke Bergstraße
Günter Seling 28. Apr. 1940 30. Sep. 1962 22 Im Dienst getöteter Grenzsoldat; von einem Kameraden am südwestlichen Außenring erschossen, weil nach unterschiedlichen Angaben entweder die Maschinenpistole versehentlich auslöste oder er mit einem DDR-Flüchtling verwechselt wurde
Anton Walzer 27. Apr. 1902 8. Okt. 1962 60 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in der Spree nahe der Oberbaumbrücke
Horst Plischke 12. Juli 1939 19. Nov. 1962 23 Ertrunken beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in der Spree; Leiche gefunden am 10. März 1963
Otfried Reck 14. Dez. 1944 27. Nov. 1962 17 Nach einem vereitelten Fluchtversuch auf der Flucht vor dem ihn nun verfolgenden Grenzer-Suchtrupp in Grenznähe erschossen
Günter Wiedenhöft 14. Feb. 1942 5. Dez. 1962/6. Dez. 1962 20 Ertrunken beim Fluchtversuch im Griebnitzsee in Potsdam, Leiche geborgen am 25. März 1963 an der Babelsberger Enge
Hans Räwel 11. Dez. 1941 1. Jan. 1963 21 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in der Spree nahe der Oberbaumbrücke
Horst Kutscher 5. Juli 1931 15. Jan. 1963 31 Erschossen beim – vermutlich alkoholisierten – Fluchtversuch in Berlin-Treptow, im Gebiet Altglienicke/Rudower Chaussee/Rudower Straße; 1956 war eine erste Flucht geglückt, Kutscher ist mit Familie aber nach einem Jahr in die DDR zurückgekehrt
Peter Kreitlow 15. Jan. 1943 24. Jan. 1963 20 Erschossen beim Fluchtversuch in Nieder Neuendorf; einziger Mauertoter, der von sowjetischen Soldaten erschossen wurde
Wolf-Olaf Muszynski 1. Feb. 1947  Feb. 1963/  Mär. 1963 16 Ertrunken beim Fluchtversuch; Todestag unklar: ab 6. Februar vermisst, am 1. April 1963 aus der Spree in Kreuzberg in Höhe Cuvrystraße 51 geborgen
Peter Mädler 10. Juli 1943 26. Apr. 1963 19 Erschossen beim Fluchtversuch im Teltowkanal, gegenüber von Zehlendorf in Höhe des Kleinmachnower Weges
Siegfried Widera 12. Feb. 1941 8. Sep. 1963 22 Im Dienst getöteter Grenzsoldat; von Flüchtlingen am 23. August 1963 an der Sektorengrenze in Johannisthal in der Nähe der Massantebrücke schwer verletzt, am 8. September gestorben
Klaus Schröter 21. Feb. 1940 4. Nov. 1963 23 Beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in der Spree zwischen Kronprinzen- und Marschallbrücke angeschossen und infolge der Schussverletzung ertrunken
Dietmar Schulz 21. Okt. 1939 25. Nov. 1963 24 Bei einem Fluchtversuch über die Gleisanlagen nördlich des S-Bahnhofs Bornholmer Straße von einem Zug erfasst und wenig später im Volkspolizei-Krankenhaus gestorben.
Dieter Berger 27. Okt. 1939 13. Dez. 1963 24 Er kletterte stark alkoholisiert an der Sektorengrenze in Adlershof am Teltowkanal, nahe der Wredebrücke, über den Grenzzaun, den er nach Warnschüssen wieder hinab stieg. Als er sich vom Grenzzaun entfernte, eröffneten die Grenztruppen das Feuer und trafen ihn tödlich, als er schon am Boden lag; von einer Fluchtabsicht wird nicht ausgegangen
Paul Schultz 2. Okt. 1945 25. Dez. 1963 18 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze zwischen Mitte und Kreuzberg in Höhe Melchiorstraße/Bethaniendamm, gestorben im West-Berliner Krankenhaus
Walter Hayn 31. Jan. 1939 27. Feb. 1964 25 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in Treptow nahe der Kleingartenanlage „Sorgenfrei“
Adolf Philipp 13. Aug. 1943 5. Mai 1964 20 West-Berliner, der im Grenzbereich zum Spandauer Forst am Oberjägerweg erschossen wurde, als er mit einer Gaspistole zwei Grenzer bedrohte; hatte bereits früher Grenzen und Grenzbereiche angesehen bzw. betreten und wollte vermutlich zu einem späteren Zeitpunkt eine Fluchthilfe planen
Walter Heike 20. Sep. 1934 22. Juni 1964 29 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in der Nähe des Invalidenfriedhofs
Norbert Wolscht 27. Okt. 1943 28. Juli 1964 20 Bei Fluchtversuch mit vermutlich selbst angefertigtem Tauchgerät unter ungeklärten Umständen in der Havel ertrunken
Rainer Gneiser 10. Nov. 1944 28. Juli 1964 19 Bei Fluchtversuch mit vermutlich selbst angefertigtem Tauchgerät unter ungeklärten Umständen in der Havel ertrunken
Hildegard Trabant 12. Juni 1927 18. Aug. 1964 37 Bei einem Fluchtversuch von zwei Angehörigen der Grenztruppen der DDR im Bereich der stillgelegten S-Bahn-Strecke zwischen den Bahnhöfen Schönhauser Allee und Gesundbrunnen entdeckt und erschossen, als sie zurück Richtung Ost-Berlin floh
Wernhard Mispelhorn 10. Nov. 1945 20. Aug. 1964 18 Bei einem Fluchtversuch bei der Kleingartenkolonie in Schönholz am 18. August 1964 angeschossen und zwei Tage später im Krankenhaus der Volkspolizei gestorben
Egon Schultz 4. Jan. 1943 5. Okt. 1964 21 Im Dienst getöteter Grenzsoldat; irrtümlich von Kameraden erschossen bei einem Feuergefecht mit Fluchthelfern an der Sektorengrenze in Berlin-Mitte, Strelitzer Straße 55
Hans-Joachim Wolf 8. Aug. 1944 26. Nov. 1964 20 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in Baumschulenweg, im Britzer Zweigkanal in Höhe Heidekampgraben
Joachim Mehr 3. Apr. 1945 3. Dez. 1964 19 Beim Fluchtversuch in Hohen Neuendorf/Bergfelde zunächst angeschossen und, als er bereits auf dem Boden lag, aber sich noch bewegte, erschossen
N.N.
19. Jan. 1965
Wurde gesehen, wie er bei einem Fluchtversuch in der Spree ertrank; Verbleib der Leiche und Identität des etwa 30-Jährigen unbekannt; eventuell mit einer in West-Berlin am 8. Juli 1965 gefundenen, nicht identifizierten Wasserleiche identisch
Christian Buttkus 21. Feb. 1944 4. Mär. 1965 21 Erschossen beim Fluchtversuch in Kleinmachnow/Dreilinden, nahe Teerofendamm
Ulrich Krzemien 13. Sep. 1940 25. Mär. 1965 24 Am 13. April 1965 in der Spree zwischen der Brommy- und der Schillingbrücke gefunden; mit großer Wahrscheinlichkeit identisch mit einem möglicherweise alkoholisierten Mann, der am 25. März 1965 die Spree in der Nähe des Osthafens an der Sektorengrenze zwischen Kreuzberg und Friedrichshain von Berlin-West nach Berlin-Ost durchquerte, aus Erschöpfung nicht das Ost-Berliner Ufer erklimmen konnte und trotz Bittens um Hilfe unter den Augen eines tatenlosen DDR-Grenzpostens ertrank
Hans-Peter Hauptmann 20. Mär. 1939 3. Mai 1965 26 Geriet vor seinem grenznahen Haus mit einer Grenztruppe in Streit und griff dabei nach dem Waffenlauf eines Grenzpostens; wurde durch Schüsse am 24. April 1965 am Außenring im Grenzgebiet zwischen Potsdam-Babelsberg und West-Berlin schwer verletzt, woraufhin ihm bei einer Operation eine Niere entfernt wurde; als die andere Niere versagte, starb er am 3. Mai 1965
Hermann Döbler 28. Okt. 1922 15. Juni 1965 42 West-Berliner Motorbootfahrer, der auf dem Teltowkanal in der Nähe des Kontrollpunktes Dreilinden, unabsichtlich die – 100 Meter weiter entfernt geglaubte – Grenze überquerte und daraufhin von DDR-Grenzsoldaten erschossen wurde
Klaus Kratzel 3. Mär. 1940 8. Aug. 1965 25 Tödlich verunglückt beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze im S-Bahn-Tunnel zwischen den Bahnhöfen Pankow und Schönhauser Allee
Klaus Garten 19. Juli 1941 18. Aug. 1965 24 Tödlich verletzt beim Fluchtversuch in Teltow, nahe Philipp-Müller-Allee und im Ost-Berliner Krankenhaus den Verletzungen erlegen
Walter Kittel 21. Mai 1942 18. Okt. 1965 23 Aus nächster Nähe beim Fluchtversuch in Kleinmachnow erschossen, als er sich auf Aufforderung hin den DDR-Grenzern ergeben wollte. Die Tat führte 1992 zum höchsten Strafmaß in einem Mauerschützenprozess.
Heinz Cyrus 5. Juni 1936 11. Nov. 1965 29 Wurde am 10. November beim Fluchtversuch entdeckt, flüchtete vor den ihn verfolgenden Grenzern in das grenznahe Haus Gartenstraße 85 in Prenzlauer Berg und kletterte, als das umstellte Haus durchsucht wurde, aus dem Flurfenster im vierten Stock; stürzte in den Hof und erlag am folgenden Morgen im Krankenhaus seinen Verletzungen
Heinz Sokolowski 17. Dez. 1917 25. Nov. 1965 47 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze zwischen Brandenburger Tor und Clara-Zetkin-Straße
Erich Kühn 27. Feb. 1903 3. Dez. 1965 62 Beim Fluchtversuch in den Bauch geschossen am 26. November 1965 an der Sektorengrenze im Bereich des Bahndamms Sonnenallee, nahe der Kleingartensparte „Eintracht“; im Krankenhaus am 3. Dezember 1965 einer Bauchfellentzündung erlegen
Heinz Schöneberger 7. Juni 1938 26. Dez. 1965 27 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze zwischen Mitte und Kreuzberg am Grenzkontrollpunkt Heinrich-Heine-Straße
Dieter Brandes 23. Okt. 1946 11. Jan. 1966 19 Beschossen beim Fluchtversuch am 9. Juni 1965 an der Sektorengrenze im Bereich Nordbahnhof/Gartenstraße und am 11. Januar 1966 seinen schweren körperlichen und psychischen Verletzungen erlegen (Kreislaufversagen)
Willi Block 5. Juni 1934 7. Feb. 1966 31 Erschossen beim Fluchtversuch in Staaken, nahe der Grenzübergangsstelle, als er bereits am Boden lag, weil sich seine Kleidung im Stacheldraht verfangen hatte
Lothar Schleusener 14. Jan. 1953 14. Mär. 1966 13 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in Treptow, Kleingartenkolonie „Sorgenfrei“ in der Nähe des S-Bahnhofs Plänterwald
Jörg Hartmann 27. Okt. 1955 14. Mär. 1966 10 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in Treptow, Kleingartenkolonie „Sorgenfrei“ in der Nähe des S-Bahnhofs Plänterwald; jüngstes Opfer, das an der Mauer erschossen wurde
Willi Marzahn 3. Juni 1944 19. Mär. 1966 21 Erschossen beim Fluchtversuch während eines Schusswechsels zwischen zwei Flüchtlingen und den Besatzungen zweier Grenzwachtürme bei Kohlhasenbrück/Steinstücken
Eberhard Schulz 11. Mär. 1946 30. Mär. 1966 20 Erschossen beim Fluchtversuch zwischen Kleinmachnow und Königs Wusterhausen; der Mitflüchtling wurde festgenommen
Michael Kollender 19. Feb. 1945 25. Apr. 1966 21 Erschossen beim Flucht- und (als NVA-Soldat) Fahnenfluchtversuch an der Sektorengrenze in Johannisthal am Teltowkanal; die Schützen wurden im wiedervereinigten Deutschland freigesprochen, da Fahnenflucht laut DDR-Militärgesetz von 1962 ein Verbrechen war
Paul Stretz 28. Feb. 1935 29. Apr. 1966 31 West-Berliner, der angetrunken an der Sektorengrenze im Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal in Höhe Invalidenfriedhof badete; von DDR-Grenzern erschossen, die ihn für einen Flüchtling hielten
Eduard Wroblewski 3. Mär. 1933 26. Juli 1966 33 Erschossen beim Fluchtversuch (unter Alkohol) am Außenring in Mahlow an der Grenze zu Lichtenrade in der Nähe des ehemaligen S-Bahn-Damms; eine erste Flucht war ihm 1952 gelungen, nach neun Monaten war er aber in die DDR zurückgekehrt
Heinz Schmidt 26. Okt. 1919 29. Aug. 1966 46 West-Berliner, der vermutlich aufgrund psychischer Krankheit den Schifffahrtskanal nördlich des Invalidenfriedhofs durchschwamm und auf dem Rückweg von DDR-Grenzern beschossen und tödlich verletzt wurde
Andreas Senk   1960 13. Sep. 1966 6 Von einem Spielkameraden an der Sektorengrenze zwischen Kreuzberg und Friedrichshain, nahe der Oberbaumbrücke, in die Spree gestoßen und ertrunken
Karl-Heinz Kube 10. Apr. 1949 16. Dez. 1966 17 Erschossen beim Fluchtversuch in Kleinmachnow in der Nähe des Teltower Hafens; der Mit-Flüchtling wurde festgenommen
Max Willi Sahmland 28. Mär. 1929 27. Jan. 1967 37 Erschossen beim alkoholisierten Fluchtversuch an der Sektorengrenze im Teltowkanal in Berlin-Rudow, nahe der Kanalstraße in Höhe der Firma Eternit, und abgesunken; Leiche von der West-Berliner Wasserschutzpolizei am 8. März 1967 geborgen; zwei Mit-Flüchtlinge gaben auf und blieben unentdeckt
Franciszek Piesik 23. Nov. 1942 17. Okt. 1967 24 Bei einem Fluchtversuch im Nieder Neuendorfer See, am Berliner Außenring zwischen Hennigsdorf (Kreis Nauen) und Berlin-Spandau ertrunken
Elke Weckeiser 31. Okt. 1945 18. Feb. 1968 22 Erschossen beim Fluchtversuch mit Dieter Weckeiser an der Sektorengrenze gegenüber dem Reichstagsgebäude nahe der Kronprinzenbrücke
Dieter Weckeiser 15. Feb. 1943 19. Feb. 1968 25 Angeschossen am 18. Februar 1968 beim Fluchtversuch mit Elke Weckeiser an der Sektorengrenze gegenüber dem Reichstagsgebäude nahe der Kronprinzenbrücke, gestorben am 19. Februar 1968; war 1962 freiwillig mit seiner ersten Ehefrau in die DDR eingereist
Herbert Mende 9. Feb. 1939 10. Mär. 1968 29 Wurde alkoholisiert am 7. Juli 1962 von Volkspolizisten in Potsdam an der Glienicker Brücke kontrolliert und hatte keine Ausweisepapiere dabei; als er versuchte, in den von ihm erwarteten Linienbus einzusteigen, wurde er angeschossen; starb 5½ Jahre danach an den Spätfolgen
Bernd Lehmann 31. Juli 1949 28. Mai 1968 18 Bei einem Fluchtversuch in der Spree zwischen Treptow und Kreuzberg in den Unterwassersperranlagen der Grenze (Stacheldraht) ertrunken
Siegfried Krug 22. Juli 1939 6. Juli 1968 28 Westdeutscher, der über den Grenzübergang Friedrichstraße in die DDR einreiste und aus unbekannten Gründen in das abgesperrte Sektorengrenzgebiet auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor vordrang; ignorierte Warnrufe und -schüsse zunächst, drehte schließlich um und ging dicht auf einen der drei ihn bedrohenden Grenzposten zu, der ihn erschoss
Rolf Henniger 30. Nov. 1941 15. Nov. 1968 26 Im Dienst getöteter Grenzsoldat; erschossen vom flüchtigen Volkspolizisten Horst Körner in Klein-Glienicke/Schlosspark Babelsberg, in der Nähe des Altenheims Wasserstraße; Henniger hatte laut Aussagen von Verwandten selbst Fluchtgedanken gehabt
Horst Körner 12. Juli 1947 15. Nov. 1968 21 Erschossen beim Fluchtversuch in Klein-Glienicke/Schlosspark Babelsberg, in der Nähe des Altenheims Wasserstraße; zuvor hatte der Volkspolizist mit seiner Dienstpistole das Feuer auf zwei ihn entdeckende Grenzsoldaten eröffnet und dabei Rolf Henniger getötet
Johannes Lange 17. Dez. 1940 9. Apr. 1969 28 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in Berlin-Mitte, im Bereich Adalbertstraße/Leuschnerdamm
Klaus-Jürgen Kluge 25. Juli 1948 13. Sep. 1969 21 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze nahe der Helmut-Just-Brücke
Leo Lis 10. Mai 1924 20. Sep. 1969 45 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in der Nähe des Nordbahnhofs
Eckhard Wehage 8. Juli 1948 10. Mär. 1970 21 Beging nach einem gescheiterten Versuch, durch die Entführung einer Maschine der Interflug von Ost- nach West-Berlin zu flüchten, mit seiner Ehefrau Selbstmord.
Christel Wehage 15. Dez. 1946 10. Mär. 1970 23 Beging nach einem gescheiterten Versuch, durch die Entführung einer Maschine der Interflug von Ost- nach West-Berlin zu flüchten, mit ihrem Ehemann Selbstmord.
Heinz Müller 16. Mai 1943 19. Juni 1970 27 Westdeutscher, der aus ungeklärten Gründen – möglicherweise unter Alkoholeinfluss – von der westdeutschen Seite in die Sperranlage an der Sektorengrenze in Berlin-Friedrichshain nahe der Schillingbrücke geriet und dort erschossen wurde
Willi Born 19. Juli 1950 7. Juli 1970 19 Selbstmord während gescheitertem Fluchtversuch, als er von Grenzsoldaten gestellt wurde
Friedhelm Ehrlich 11. Juli 1950 2. Aug. 1970 20 Zur NVA einberufen und zuletzt in einer Grenzkompagnie dienend, drang Ehrlich alkoholisiert, unbewaffnet und lautstark (u. a. laut pfeifend) in den Sektorengrenzraum in der Nähe der Leipziger Straße/Staerkstraße am Außenring in Glienicke/Nordbahn (Kreis Oranienburg) ein; wurde gestellt, soll dann eine Waffe vorgetäuscht und die Grenztruppen zum Schießen aufgefordert haben, woraufhin ein Soldat auf ihn schoss und u. a. eine Bein-Hauptschlagader traf; Erste Hilfe wurde nicht geleistet, Ehrlich verblutete nach Einlieferung ins Krankenhaus; Fluchtabsicht unklar
Gerald Thiem 6. Sep. 1928 7. Aug. 1970 41 Durchdrang aus ungeklärten Gründen alkoholisiert die Grenze von West-Berlin nach Ost-Berlin; wurde an der Sektorengrenze zwischen Neukölln und Treptow, Kiefholzstraße/Höhe Puderstraße, erschossen und starb auf dem Weg ins Ost-Berliner Krankenhaus
Helmut Kliem 2. Juni 1939 13. Nov. 1970 31 Näherte sich – in ein Gespräch verwickelt und unter Alkoholeinfluss – versehentlich einer Grenzanlage am Außenring in Falkensee, Ortsteil Falkenhöh, nahe der Pestalozzistraße, und wurde beim Entfernen von der Anlage erschossen; sein Mitfahrer wurde verletzt, aber nicht wegen ungesetzlichen Grenzübertritts angeklagt; Vorfall in der DDR als (vertuschter) Unfall gewertet
Hans-Joachim Zock 26. Jan. 1940  Nov. 1970 30 Ertrank bei einem Fluchtversuch in der Spree zwischen dem 14. und 17. November 1970. Seine Leiche wurde am 17. Dezember 1970 nahe dem S-Bahnhof Jannowitzbrücke geborgen.[4]
Christian-Peter Friese 5. Aug. 1948 25. Dez. 1970 22 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in Treptow, im Bereich Köllnische Heide/Dammweg
Rolf-Dieter Kabelitz 23. Juni 1951 30. Jan. 1971 19 Beim Betreten des Grenzgebiets am Außenring zwischen Bergfelde (Kreis Oranienburg) und Reinickendorf am 7. Januar entdeckt und nach Verfolgung zurück Richtung DDR angeschossen und schwer verletzt; litt im Krankenhaus an einer sich ausbreitenden inneren Infektion mit Fieberschüben und Bewusstseinsstörungen; starb am 30. Januar schließlich an einer am Morgen des Tages diagnostizierten Lungenentzündung; Fluchtabsicht wahrscheinlich, aber in Verhören im Krankenhaus bestritten
Wolfgang Hoffmann 1. Sep. 1942 15. Juli 1971 28 Versuchte nach erfolgreicher DDR-Flucht 1961, vermutlich alkoholisiert, die in der DDR lebende Mutter zu besuchen, und sprang nach der Festnahme aus einem zehn Meter hohen Fenster im Polizeigebäude; Selbstmordabsicht unklar, die DDR ging von einem Unfall aus
Werner Kühl 10. Jan. 1949 24. Juli 1971 22 Beim Versuch, mit einem Freund die Grenze von West-Berlin nach Ost-Berlin – vermutlich zwecks Niederlassung in der DDR – heimlich zu überqueren, an der Sektorengrenze in Treptow nahe der Brücke Britzer Allee/Baumschulenweg erschossen; Freund wurde im Osten gefangen genommen und am 30. August in den Westen ausgewiesen
Dieter Beilig 5. Sep. 1941 2. Okt. 1971 30 Festgenommen, als er auf der Mauer der Sektorengrenze in Berlin-Mitte am Brandenburger Tor balancierte und dann nach Ost-Berlin hinuntersprang; im Gebäude der Akademie der Künste (NVA-Führungspunkt) verhört und dort, laut DDR-Grenztruppen, bei einem Fluchtversuch aus dem Fenster aus nächster Nähe erschossen; war bereits im April 1964 unter ungeklärten Umständen in Stasi-Gefangenschaft geraten, aber von Westdeutschland 1964 freigekauft worden
Horst Kullack 20. Nov. 1948 21. Jan. 1972 23 Angeschossen beim Fluchtversuch am 1. Januar 1972 bei Großziethen an der Grenze zu Lichtenrade und schwer verletzt; von der Stasi in der Folge aus psychiatrischen Gründen für unzurechnungsfähig erklärt und zur Einweisung in eine Anstalt (anstelle Anklage wegen ungesetzlichen Grenzübertritts) empfohlen; am 21. Januar 1972 an den erlittenen inneren Verletzungen gestorben
Manfred Weylandt 12. Juli 1942 14. Feb. 1972 29 Beim Fluchtversuch unter Alkoholeinfluss an der Sektorengrenze nahe der Schillingbrücke in der Spree zwischen Friedrichshain und Kreuzberg mit einem Kopfschuss angeschossen und daraufhin ertrunken
Klaus Schulze 13. Okt. 1952 7. Mär. 1972 19 Erschossen beim Fluchtversuch nördlich von Falkensee nahe der Pestalozzistraße, unweit der Exklave Eiskeller; der Mitflüchtling entkam in den Westen
Cengaver Katrancı   1963 30. Okt. 1972 9 Beim Vögelfüttern an der Sektorengrenze zwischen Friedrichshain und Kreuzberg nahe der Oberbaumbrücke in die Spree gefallen und ertrunken
Holger H.   1971 22. Jan. 1973 1 Im Auto erstickt während der Flucht mit seinen Eltern über die Sektorengrenze in Berlin
Volker Frommann 23. Apr. 1944 5. Mär. 1973 29 Versuchte am 1. März 1973 die Flucht mit einer S-Bahn, verletzte sich beim Sprung aus dem Zug schwer und erlag vier Tage später im Krankenhaus den Verletzungen
Horst Einsiedel 8. Feb. 1940 15. Mär. 1973 33 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze am Friedhof Pankow
Manfred Gertzki 17. Mai 1942 27. Apr. 1973 30 An der Sektorengrenze in Berlin-Mitte, in der Reinhardtstraße nahe dem Reichstagsgebäude, niedergeschossen; beim Versuch, den leblosen Körper zu bergen, stieß ihn ein DDR-Grenzer in die Spree, wo er aufgrund einer mit Metallstücken verstärkten und vermeintlich kugelsicheren Jacke sofort sank; unklar ist, ob Gertzki bereits an den Schüssen oder erst durch Ertrinken starb
Siegfried Kroboth 23. Apr. 1968 14. Mai 1973 5 Beim Spielen an der Sektorengrenze am Kreuzberger Gröbenufer nahe der Oberbaumbrücke (West-Berlin) in die Spree gefallen und ertrunken
Burkhard Niering 1. Sep. 1950 5. Jan. 1974 23 Erschossen beim Fluchtversuch mit Geiselnahme an der Sektorengrenze im Grenzkontrollpunkt Friedrich-/Zimmerstraße (Checkpoint Charlie)
Czesław Kukuczka 23. Juli 1935 29. Mär. 1974 39 Polnischer Staatsangehöriger, von einem Unbekannten im Grenzübergang Bahnhof Friedrichstraße ermordet, als er mit einem kurz zuvor von der Vertretung Polens in der DDR durch eine Bombendrohung erpressten Ausreise-Visum Ost-Berlin verlassen wollte.[5]
Johannes Sprenger 3. Dez. 1905 10. Mai 1974 68 Erschossen beim Betreten des Sektorengrenzgebiets in Berlin-Altglienicke, Nähe Hornkleepfad, zwischen Treptow und Neukölln. Fluchtabsicht ist unwahrscheinlich, da der Rentner West-Deutschland legal bereisen durfte und das bereits zweimal getan hatte. Er hatte gesundheitliche Probleme infolge von Lungenkrebs (die genaue Diagnose war ihm jedoch nicht bekannt). Deswegen und wegen der Abschiedsworte an seine Frau nahmen das MfS und nach der Wiedervereinigung auch das Berliner Landgericht (Mauerschützenprozesse) Selbstmord an.
Giuseppe Savoca 22. Apr. 1968 15. Juni 1974 6 Beim Spielen an der Sektorengrenze am Gröbenufer in Kreuzberg (West-Berlin) in die Spree gefallen und ertrunken
Herbert Halli 24. Nov. 1953 3. Apr. 1975 21 Erschossen bei einem Fluchtversuch unter Alkoholeinfluss an der Sektorengrenze in Berlin-Mitte, Zimmer-/Otto-Grotewohl-Straße; nach einem Warnschuss Richtung DDR zurückgelaufen, dabei von einem Grenzposten erschossen; erlag im Krankenhaus den Verletzungen
Çetin Mert 11. Mai 1970 11. Mai 1975 5 Beim Spielen an der Sektorengrenze am Gröbenufer in Kreuzberg (West-Berlin) in die Spree gefallen und ertrunken
Herbert Kiebler 24. Mär. 1952 27. Juni 1975 23 Erschossen beim Fluchtversuch am Außenring in Mahlow an der Grenze zu Lichtenrade, westlich der Fernstraße 96
Lothar Hennig 30. Juni 1954 5. Nov. 1975 21 Angeschossen am 4. November 1975 in Potsdam/Sacrow, Weinmeisterweg, als er im Dauerlauf von der grenznahen Bushaltestelle nach Hause lief und laut Schützenaussage Warnrufe und einen Warnschuss ignorierte; am 5. November 1975 im Armeelazarett Potsdam-Drewitz gestorben; der Schütze war als Sonderposten zur Suche eines (mit Hennig in keiner Beziehung stehenden) DDR-Flüchtlings eingeteilt
Dietmar Schwietzer 21. Feb. 1958 16. Feb. 1977 18 Erschossen beim Fluchtversuch in Schönwalde, Berliner Allee
Henri Weise 13. Juli 1954  Mai 1977 22 In der Spree unter ungeklärten Umständen eventuell am 17. Mai 1977 ertrunken und am 27. Juli 1977 gefunden; vorausgegangene Ausreiseanträge und geäußerte Ausreisewünsche legen einen Fluchtversuch nahe
Wladimir Odinzow 1960.   2. Feb. 1979 18 Fahnenflüchtiger Sowjetsoldat, erschossen beim Fluchtversuch auf der Dorfstraße in Seeburg am Außenring zwischen Seeburg (Dallgow-Döberitz) und Spandau[6]
Ulrich Steinhauer 13. Mär. 1956 4. Nov. 1980 24 Im Dienst getöteter Grenzsoldat; von einem flüchtenden Kameraden in Schönwalde/Kreis Nauen erschossen
Marienetta Jirkowsky 25. Aug. 1962 22. Nov. 1980 18 Erschossen beim Fluchtversuch in Hohen Neuendorf, nahe der Invalidensiedlung/Florastraße; zwei Mit-Flüchtlingen gelang die Flucht
Hans-Peter Grohganz 25. Sep. 1948 9. Feb. 1981 32 Kraftwagenfahrer aus Premnitz. Nach Ablehnung seines Ausreiseantrages und einer Inhaftierung versuchte er durch die Spree nach West-Berlin zu gelangen. Sein lebloser Körper wurde 800 Meter westlich der Elsenbrücke entdeckt.
Johannes Muschol 31. Mai 1949 16. Mär. 1981 31 Westdeutscher, der aller Wahrscheinlichkeit nach aus psychischer Verwirrtheit in den Todesstreifen an der Sektorengrenze zwischen Wilhelmsruh und Schönholz sprang und versuchte, Richtung DDR zu fliehen; aus kurzer Distanz erschossen, als er eine drei Meter hohe Mauer nicht überwinden konnte
Hans-Jürgen Starrost 24. Juni 1954 16. Apr. 1981 26 Beim Fluchtversuch am frühen Morgen des 14. April 1981 in Teltow-Sigridshorst angeschossen und im Bauchraum schwer verletzt; wurde zunächst verhört, dann in ein Armeelazarett in Potsdam ohne Intensivstation eingeliefert; schließlich Verlegung ins Bezirkskrankenhaus, dort Tod am 16. April
Thomas Taubmann 22. Juli 1955 12. Dez. 1981 26 Versuchte die Flucht mit einem Zug und verunglückte beim Sprung vom Zug tödlich
Lothar Fritz Freie 8. Feb. 1955 6. Juni 1982 27 West-Berliner, der aus ungeklärten Gründen mit bloßem Oberkörper auf DDR-Grenzgebiet in Prenzlauer Berg zwischen Bornholmer Straße/Behmstraße, nahe der Helmut-Just-Brücke, lief; als er nach Anruf zurück in den Westen floh, angeschossen am 4. Juni 1982, gestorben am 6. Juni 1982
Silvio Proksch 3. Mär. 1962 25. Dez. 1983 21 Erschossen an der Sektorengrenze in Pankow am Bürgerpark nahe der Leonhard-Frank-Straße beim spontanen Fluchtversuch unter erheblichem Alkoholeinfluss
Michael-Horst Schmidt 20. Okt. 1964 1. Dez. 1984 20 Erschossen beim Fluchtversuch an der Sektorengrenze in Pankow, Wollankstraße/Schulzestraße 23–24 und im Krankenhaus verblutet
Rainer Liebeke 11. Sep. 1951 3. Sep. 1986 34 Ertrunken beim Fluchtversuch im Sacrower See am Außenring zwischen Groß Glienicke (Potsdam-Land) und Berlin-Spandau; die Leiche wurde eine Woche später von Schülern gefunden
Manfred Mäder 23. Aug. 1948 21. Nov. 1986 38 Erschossen beim Fluchtversuch mit René Gross an der Sektorengrenze in Treptow, im Bereich Karpfenteichstraße
René Gross 1. Mai 1964 21. Nov. 1986 22 Erschossen beim Fluchtversuch mit Manfred Mäder an der Sektorengrenze in Treptow, im Bereich Karpfenteichstraße
Michael Bittner 31. Aug. 1961 24. Nov. 1986 25 Erschossen beim Fluchtversuch in Glienicke/Nordbahn, Nohlstraße
Lutz Schmidt 8. Juli 1962 12. Feb. 1987 24 Erschossen beim Fluchtversuch an der Berliner Sektorengrenze zwischen Treptow und Berlin-Neukölln, im Bereich Rheingoldstraße/Siedlung Rehpfuhl, nahe der Grenzübergangsstelle Rudower Chaussee
Ingolf Diederichs 13. Apr. 1964 13. Jan. 1989 24 Tödlich verunglückt an der Sektorengrenze im Bereich Bösebrücke/Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße beim Fluchtversuch mittels Sprung aus einer S-Bahn
Chris Gueffroy 21. Juni 1968 5. Feb. 1989 20 Erschossen beim Fluchtversuch in Berlin-Treptow, nahe der Kleingartenkolonie „Harmonie“ am Britzer Zweigkanal
Winfried Freudenberg 29. Aug. 1956 8. Mär. 1989 32 Umgekommen beim Absturz mit einem Ballon über West-Berlin

Quelle: Chronik der Mauer – herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung, dem Deutschlandradio und dem Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam.[7]

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25.10.2020: Was zu erwarten warK: Flughafen Tegel ausspioniert:
Stasi spionierte Flughafen Tegel systematisch aus - Forscherin


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Kr. DDR 20.9.2021: STASI-Methoden: Gift, Folter, Killerkommandos - rund 70 Leute wurden umgebracht:
DDR-Zeitgeschichte und Mahnung: Gift, Folter, Killerkommandos: So brutal schaltete die Stasi politische Geg
https://www.focus.de/politik/ddr-zeitgeschichte-und-mahnung-gift-folter-killerkommandos-so-brutal-schaltete-die-stasi-politische-gegner-aus_id_23741879.html

Die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier erinnert in ihrem neuen Buch an die politischen Morde der Staatssicherheit, die als "Schild und Schwert" der SED ein ganzes Volk terrorisierte. Die geschilderten Schicksale gehen unter die Haut – und haben auch 32 Jahre nach dem Mauerfall nichts an ihrer gesellschaftlichen Bedeutung verloren.

Die Bürgerrechtlerin Freya Klier, geboren 1950 in Dresden, in der DDR mehrmals verhaftet und schließlich ausgebürgert, hat ein neues Buch geschrieben. Es handelt von den politischen Morden und Mordversuchen der Staatssicherheit, kurz Stasi. In aufwühlenden Schilderungen legt die Autorin das menschenverachtende Wesen des DDR-Geheimdienstes offen, der im Auftrag der Staatspartei SED Millionen Ostdeutsche bespitzelte, drangsalierte, terrorisierte - und Dutzende Tötungsverbrechen beging.

Kliers Werk hätte zu keinem besseren Zeitpunkt erscheinen können – kurz vor der Bundestagswahl am 26. September 2021.

Freya Klier: Buch über Stasi-Morde und brutales DDR-Regime

Grund: Die seit nunmehr 16 Jahren im Bundestag sitzende Linkspartei schickt sich an, Regierungsverantwortung für ganz Deutschland zu übernehmen – so offensiv, so selbstbewusst wie nie zuvor. Und bei großen Teilen von SPD und Grünen wird die mehrfach umbenannte Nachfolgepartei der SED mit offenen Armen empfangen.

Allerdings ist die Linke nicht bloß eine Partei, die unsere Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung radikal ändern will. Sie ist auch eine Partei, die bis heute ein ungeklärtes Verhältnis zu ihrer dunklen Vergangenheit, sprich ihrer Vorgängerpartei hat. Etliche Mitglieder bis hinauf in die Führungsebene weigern sich hartnäckig, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen und verherrlichen stattdessen das alte System.

Autorin Klier überlebte 1987 nur mit Glück Mordanschlag

Dabei steht außer Frage, dass das SED-Regime massives und systematisches Unrecht begangen hat. Selbst wenn die DDR ihren Bürgern Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit oder Pressefreiheit offiziell garantierte – ging es gegen seine eigenen Interessen, trat der Staat solche Rechte mit Füßen. Mit dem Ministerium für Staatssicherheit hatte die SED ein Monstrum erschaffen, das ihre Herrschaft sicherte – unter anderem dadurch, dass es missliebige Bürger gewaltsam aus dem Weg räumte.

In ihrem Buch „Unter mysteriösen Umständen. Die politischen Morde der Staatssicherheit" (Herder Verlag) lässt Freya Klier viele Zeitzeugen und Betroffene zu Wort kommen, die das bislang sehr spärlich beleuchtete Kapitel der DDR-Geschichte aufhellen. Klier selbst überlebte 1987 nur mit Glück einen Mordanschlag. Die Stasi hatte das Auto von ihr und ihrem Mann manipuliert und so einen schweren Unfall vorbereitet. Kliers Bruder wurde von den Stasi-Schergen in den Selbstmord getrieben.

Gegner des DDR-Regimes: Rund 70 Menschen offenbar getötet

Die Autorin verfolgt mit ihrem Buch nicht die Absicht, Morde und Mordanschläge juristisch zu „beweisen“. Viel mehr will sie den Opfern „ein Denkmal setzen“. Sie spricht von etwa 70 Dissidenten, Pfarrern und Schriftstellern, die in der DDR eines unnatürlichen Todes gestorben seien. „Andere sind schwer krank oder siechen auf irgendeine Art dahin“ – offensichtliche Spätfolgen jahrelangen Stasi-Terrors.

Klier greift prominente Schicksale auf, etwa das von Michael Gartenschläger. Er wurde 1976 durch ein Spezialkommando der Stasi erschossen, als er versuchte, eine Selbstschussanlage an der Grenze abzumontieren. Zitat: „Das Kommando erwartet ihn, sieht seine Silhouette. Als Michael sich geduckt auf den Grenzzaun zubewegt, läuft er direkt ins Mündungsfeuer. Vier Männer schießen ihre Magazine leer – so, wie sie das gelobt haben. Von Schüssen durchsiebt, stirbt der 32-Jährige am Todesstreifen.“

Operation "Skorpion": Staatsfeind sollte liquidiert werden

Erschütternd auch der Fall Wolfgang Welsch. Nach einem gescheiterten Fluchtversuch 1964 zu zehn Jahren Haft verurteilt, wurde er im DDR-Knast misshandelt und psychisch gefoltert; der Anstaltsleiter inszenierte sogar eine Scheinhinrichtung, um den Häftling zu zermürben. 1971 kaufte die Bundesregierung Welsch frei. Doch auch im Westen fand er keine Ruhe. Die Stasi eröffnete den Zentralen Operativen Vorgang (ZOV) „Skorpion“ – Welsch sollte zersetzt und schließlich liquidiert werden.

Erich Mielke,
                    ehemaliger Minister für Staatssicherheit der DDR.
picture alliance /dpa Erich Mielke, ehemaliger Minister für Staatssicherheit der DDR.

Freya Klier notiert in ihrem Buch: „Mit viel Glück überlebt der Verfolgte drei Mordanschläge zwischen 1979 und 1981, von denen der letzte wohl der bekannteste ist – die Thallium-Vergiftung mittels Buletten auf einem israelischen Campingplatz.“ Zuvor hatten es die Stasi-Killer mit Sprengstoff versucht, dann mit einem Scharfschützen.

In Selbstmord getrieben: Kliers Bruder nahm sich das Leben

Kliers Buch thematisiert auch die hohe Suizidrate in der DDR. Etwa 5000 Menschen töteten sich jedes Jahr selbst, darunter viele Frauen, Männer und Jugendliche, „welche die Schikanen der Staatsorgane nicht mehr aushielten“. Einer von ihnen war Kliers Bruder. Im Alter von 30 Jahren nahm er sich das Leben, zerrieben von Zwangsaufenthalten im Gefängnis und in der geschlossenen Psychiatrie. „Er hat in der Nähe unserer Wohnung ein leeres Haus entdeckt, in dem die Gasleitung noch funktioniert. Dort legt er seinen Kopf in einen Gasofen.“

Ein offensichtlicher Stasi-Mord bewegt nicht nur Freya Klier bis heute, sondern auch die Familie des Opfers, Freunde, Bekannte: Die Strangulierung des politischen Häftlings Matthias Domaschk 1981. Er starb in einer dunklen Gefängniszelle im thüringischen Gera.

Matthias Domaschk: Experte glaubt an "Erdrosseln von hinten"

Die Stasi teilte Domaschks Eltern mit, ihr Sohn habe sich „an einem Heizungsrohr erhängt, kurz bevor er entlassen werden sollte“. Klier in ihrem Buch: „Dass Stasi-Leute ihn umgebracht und zur Täuschung anschließend aufgehängt haben, daran zweifelt niemand.“

Matthias-Domaschk-Straße in Jena.
dpa Matthias-Domaschk-Straße in Jena.

Gestützt wird diese These durch eine Analyse des renommierten Rechtsmediziners Michael Tsokos aus Berlin. Nach Studium der ihm vorliegenden Stasi-Dokumente äußerte der Experte „einige Zweifel“ an der offiziellen Todesursache „Erhängen“. Aus seiner Sicht komme eine weitere Möglichkeit in Betracht – „ein Erdrosseln von hinten“.

Neben weiteren bewegenden Schicksalen von Opfern des DDR-Geheimdienstes widmet sich die Autorin ausführlich dem Thema Giftmorde, insbesondere der gespenstisch wirkenden „Giftakte Toxdat“.

Das "Killer-Projekt" Politische Gegner mit Gift ausschalten

Hintergrund: 1987 beauftragte Stasi-Vizechef Gerhard Neiber zwei Offiziere, mögliche Giftmorde zu erforschen. Das streng geheime Projekt hieß „Toxdat“. Auf diese Weise suchte die Stasi nach Möglichkeiten, „widerständigen Staatsbürgern das Leben extrem zu erschweren oder dieses gar zu beenden, ohne dass ihre Offiziere als mordende Verursacher erkennbar sind“, so Buchautorin Freya Klier.

Die mehr als 900 Seiten dicke Giftakte beschreibt exakt, wie mehr als 200 toxische Substanzen so zu verabreichen sind, dass sie kaum mehr nachweisbar zum Tod führen. Beschrieben werden unter anderem Angriffe mit radioaktiven Giften wie Uran oder Plutonium, Radionukliden von Strontium-90 bis Plutonium-238, aber auch mit Kleinstmengen abgebrannter Brennstäbe aus Kernkraftwerken.

Eigendorf und Berger: Auch sie traf der Stasi-Giftpfeil

In der Sammlung taucht auch das Kontaktgift auf, das beim Fußballprofi Lutz Eigendorf 1983 in Braunschweig zum Einsatz kam und zu einem tödlichen Autounfall führte. Und wohl auch der aus der DDR stammende Fußballtrainer Jörg Berger wurde Opfer einer Giftattacke. 1986 litt Berger in Aachen unter rätselhaften Lähmungserscheinungen. Damals glaubte man an eine Virusinfektion.

Jahre später analysierte der Münchner Rechtsmediziner Wolfgang Eisenmenger Bergers Krankenakten vor dem Hintergrund der Toxdat-Studie. Sein eindeutiger Befund: Berger wurde vergiftet. „Es kommen, wenn man das Krankheitsbild würdigt, vor allem Schwermetalle aus der Gruppe der Bleiverbindungen und der Arsenverbindungen in Betracht.“ Berger starb 2010 an Darmkrebs, mit 65.

Ein
                    verwüsteter Raum nach dem Sturm auf die
                    Stasi-Zentrale in Berlin im Januar 1990.
Zentralbild/dpa Ein verwüsteter Raum nach dem Sturm auf die Stasi-Zentrale in Berlin im Januar 1990.

Die verbrecherische Stasi nur ein DDR-Fossil? Mitnichten!

Sich 32 Jahre nach dem Mauerfall mit Gräueltaten zu beschäftigen, die die Stasi im Auftrag der SED verübt hat, mag nicht jedem sinnvoll und dringlich erscheinen. Mancher wird einwenden: Was hat das mit der Gegenwart zu tun? Was geht uns das an?

Die Antwort: sehr viel.

Die Themen SED-Diktatur und Stasi-Verbrechen sind mit dem Ende der DDR  nämlich nicht einfach verschwunden. Sie wirken tief hinein bis in unsere heutige Zeit. Das musste Freya Klier am eigenen Leib schmerzlich erfahren.

Gnadenlose DDR-Juristin in SED-Nachfolgepartei aktiv

Nach der Wiedervereinigung meldete sich eine ältere Frau bei ihrer Familie und bat um Entschuldigung. Es war jene gnadenlose DDR-Staatsanwältin, die den damals 17-jährigen Bruder von Freya Klier wegen einer Nichtigkeit angeklagt hatte, worauf er zu vier Jahren Strafhaft verurteilt wurde. Immer weiter drangsaliert von der Staatsmacht, nahm er sich später das Leben.

Das Entscheidende: Die Ex-Staatsanwältin war später für die SED-Nachfolgepartei PDS aktiv. Dabei lobte sie „unumwunden die DDR und deren Menschlichkeit“, so Autorin Klier, „und haute dann auf den kapitalistischen Westen drauf mit seiner Menschenverachtung“.>




Das Prinzip einer "DDR" 20.5.2022: Walter Ulbricht: Demokratie muss nur so aussehen wie...
https://t.me/achtungachtungschweiz/27334

"Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben."

20.5.2022: Walter
                    Ulbricht: Demokratie muss nur so aussehen wie...
20.5.2022: Walter Ulbricht: Demokratie muss nur so aussehen wie... [1]





https://deutsch.rt.com/russland/147716-ehemaliger-ddr-kundschafter-rainer-rupp-ueber-gorbatschow/





https://deutsch.rt.com/inland/162643-vorletzter-ministerpraesident-ddr-hans-modrow/



DDR 12.4.2023: Da gabs Niespulver und 2x jährlich Darmreinigung
von Informantin Singen - 12.4.2023
In der DDR gab es das Nispulver, das gab uns die Oma. 2x im Jahr gab es Darmreinigung.. ist auch wichtig.






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