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Armut in Deutschland. Meldungen (Teil 3)

Deutschland ist durch die Globalisierung auch ein Armenhaus geworden, und den reichen Chefs ist das egal

  Ein Viertel von Hartz-IV-Bezügern ist in den Schulden -- Studenten können die Mensa nicht mehr zahlen und gehen zur Tafel -- Deutschlandkarte: Wo die meisten armen Kinder wohnen: Bremen und Mecklenburg-Vorpommern -- 239.000 Obdachlose in Deutschland 6.10.2015 -- 20% Kinderarmut in Germanistan -- Berlin=Hauptstadt der Obdachlosen -- immer mehr Working Poor in Deutschland -- 23.8.2017: Obdachloser erhält von Gericht in München das Recht auf Unterkunft -- 28.8.2017: Die Propaganda "Wohlstand für alle" ist total gelogen --

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

Link: http://www.armutsnetzwerk.de
Link: Kinderhilfswerk: http://www.dkhw.de/cms/

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Deutsche Wirtschaftsnachrichten
                                online, Logo

31.12.2013: Ein Viertel von Hartz-IV-Bezügern ist in den Schulden

aus: Deutsche Wirtschaftsnachrichten online:
In der Falle: Hartz-IV-Bezieher sind hoch verschuldet; 31.12.2013;
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/12/31/in-der-falle-hartz-iv-bezieher-sind-hoch-verschuldet/


<Jeder vierte Hartz-IV-Empfänger hat Schulden. Ein Drittel aller Hartz-IV-Empfänger haben als Folge der Schuldenspirale mit psychischen Problemen zu kämpfen. Die Arbeitsagenturen sind hilflos. Eine Studie des Arbeitsministeriums zeigt, dass der Sozial-Staat nur auf dem Papier funktioniert.

Mehr als eine Million Hartz-IV-Empfänger haben Schuldenprobleme. Bleiben diese Sorgen ungelöst, belasten sie die Gesundheit des Betroffenen massiv. Die Kommunen sind dafür verantwortlich, den Menschen Beratungsgespräche anzubieten. Das funktioniert aber nicht, wie eine Studie im Auftrag des Bundesarbeitsministeriums ergab.

Überschuldung geht oft einher mit psychischer, sozialer und gesundheitlicher Beeinträchtigung. Sie belastet nicht nur den Betroffenen selbst, sondern die gesamte Familie, insbesondere die Kinder. Ohne Intervention verschlechtert sich die Lebens- und Arbeitssituation der Betroffenen weiter, sie geraten in die sogenannte Schuldenspirale. Nicht rechtzeitig getilgte Schulden führen zu immer mehr Schulden.“

Die Hinweise auf Probleme mit Schulden treten in den Beratungsgesprächen nach Berichten der Experten häufig erst dann zu Tage, wenn in Pfändungsbeschlüsse vorliegen und die Leistungsberechtigten keinen anderen Rat mehr wüssten, als sich an das Jobcenter zu wenden.

Hilfe kommt dann oft viel zu spät. Ein Drittel der Hartz-IV-Bezieher leidet unter psychischen Störungen. Neurotische Störungen und Belastungsstörungen werden am häufigsten diagnostiziert, das ergab eine weitere Studie des Bundesarbeitsministeriums.

Die Mitarbeiter der Arbeitsagentur sind auf psychisch erkrankter Menschen nicht eingestellt.

„Die Erkennung und Abgrenzung psychischer Beeinträchtigung wird durch SGB-II-Mitarbeiter als schwierig erlebt. Sie beschreiben eine Vielzahl unterschiedlicher Auswirkungen der Beeinträchtigungen auf die berufliche Leistungsfähigkeit und auf den Vermittlungsprozess. Spezifisches Wissen zu Auswirkungen psychischer Erkrankungen findet sich bei Vermittlungsfachkräften selten

Aus Sicht der psychosozialen Versorgung wird die Zusammenarbeit mit der Arbeitsverwaltung vielfach kritisch beurteilt.“>

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Spiegel online, Logo

9.1.2014: <Deutschlandkarte: Wo die meisten armen Kinder wohnen>: Bremen und Mecklenburg-Vorpommern


Karte: Kinder in
                            Deutschland unter 15 Jahren, die in Armut
                            mit den Leistungen von Hartz IV leben
                            müssen, in Prozent nach Regionen
                            (Mikrozensus 2012)
Karte: Kinder in Deutschland unter 15 Jahren, die in Armut mit den Leistungen von Hartz IV leben müssen, in Prozent nach Regionen (Mikrozensus 2012)

Kinder in Deutschland unter 15 Jahren, die in Armut mit den Leistungen von Hartz IV leben müssen, in Prozent nach Regionen (Mikrozensus 2012, gemäss Klicks auf die Regionen)
1. Schleswig-Holstein
15,6%
59.417

21. Kassel
16,3%
19.171
2. Hamburg
21,3%
48.088

22. Thüringen
21,0%
46.248
3. Lüneburg
19,5%
30.640

23. Trier
12,2%
5014
4. Bremen
33,7%
24.933

24. Koblenz
19,5%
21.921
5. Mecklenburg-Vorpommern
33,5%
46.366

25. Giessen
15,2%
17.456
6. Weser-Ems
21,8%
47.615

26. Saarland
19,4%
19.217
7. Münster
22,4%
58.684

27. Rheinhessen-Pfalz
19,2%
34.619
8. Detmold
17,6%
41.987

28. Darmstadt
16,7%
81.902
9. Hannover
21,6%
50.788

29. Unterfranken
13,2%
11.627
10. Braunschweig
21,2%
31.379

30. Oberfranken
16,5%
10.860
11. Sachsen-Anhalt
29,2%
67.577

31. Karlsruhe
14,8%
34.806
12. Brandenburg-Nordost
26,0%
28.501

32. Stuttgart
13,8%
46.004
13. Brandenburg-Südwest
29,9%
29.912

33. Mittelfranken
14,1%
23.414
14. Berlin
26.9%
146.538

34. Oberpfalz
9,9%
8752
15. Leipzig
29,9%
28.256

35. Freiburg
12,8%
24.832
16. Chemnitz
21,0%
46.248

36. Tübingen
10,2%
15.736
17. Dresden
20,7%
37.884

37. Schwaben
11,6%
14.782
18. Düsseldorf
22,7%
144.737

38. Oberbayern
10,2%
40.427
19. Köln
20,2%
100.869

39. Niederbayern
10,5%
8558
20. Arnsberg
24,3%
86.537







aus: Spiegel online; 9.1.2014;
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/kinderarmut-in-deutschland-hier-wohnen-die-meisten-armen-kinder-a-942431.html

<Von Yasmin El-Sharif

Ihnen fehlt es an Geld, an akzeptablen Wohnverhältnissen und an Winterkleidung: 19 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland sind von Armut bedroht. Eine Studie zeigt, wo die Not am größten ist - vor allem die Entwicklungen in Bremen und Nordrhein-Westfalen erschrecken.

Hamburg - 185 Seiten und kein einziges Mal taucht das Wort Kinderarmut auf. Liest man den frisch gedruckten Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung, könnte man schnell folgern: In Deutschland gibt es keine armen Kinder. Warum sonst sollte die schwarz-rote Koalition nichts dagegen unternehmen? "Armut ist in einem reichen Land wie Deutschland relativ", gab Ursula von der Leyen (CDU) denn auch vor einiger Zeit zum Besten.

Die Ex-Sozialministerin findet sich mit ihrer Haltung in guter Gesellschaft. Kritiker renommierter Institute bezweifeln, dass automatisch arm ist, wer weniger Geld als der Schnitt der Bevölkerung hat. Denn nach gängiger wissenschaftlicher Definition sind 18,9 Prozent oder 2,4 Millionen der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von Armut bedroht, weil sie oder ihre Eltern über weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten mittleren Nettoeinkommens verfügen. Für ein Elternpaar mit einem Kind unter 14 Jahren wären das demnach 1564 Euro. Ein geringes Einkommen sei aber nicht gleichbedeutend mit großer Not oder gravierenden Defiziten bei sozialer und materieller Teilhabe, so die Argumentation der Kritiker.

Wie Kinderarmut in Deutschland tatsächlich aussieht, haben die Forscher Eric Seils und Helge Baumann vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung untersucht. Ihre Studie, die SPIEGEL ONLINE exklusiv vorliegt, offenbart, mit welchen materiellen Entbehrungen die relative Einkommensarmut in Deutschland für Kinder verbunden ist. Außerdem liefern Seils und Baumann erstmals differenzierte Daten zur Kinderarmut in den 39 deutschen Regierungsbezirken.>

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Deutsche
                                  Wirtschaftsnachrichten online, Logo

Deutschland 15.1.2014: Stundenten können die Mensa nicht mehr zahlen und gehen zur Tafel

aus: Deutsche Wirtschaftsnachrichten online: Mensa zu teuer: Studenten wandern zur Tafel ab; 15.1.2014;
http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/01/15/mensa-zu-teuer-studenten-wandern-zur-tafel-ab/

<Viele Studenten in Deutschland sind auf die kostenlose Lebensmittel-Ausgabe angewiesen, sagt der Chef der deutschen Tafeln Jochen Brühl. Denn aufgrund der neuen Studienordnungen hätten sie keine Zeit mehr für Nebenjobs. Die Nutzung von Hilfsangeboten sei kein Zeichen von Schande

Für viele Studenten ist die Mensa zu teuer geworden. Sie nutzen daher die kostenlose Lebensmittel-Ausgabe der Tafeln. Diese heißen die neuen Gäste willkommen.

„Die Lebenshaltungskosten steigen, die Möglichkeiten für einen Nebenjob in einem eng getakteten Studium werden immer geringer. Da geraten auch manche Studenten in Existenznöte“, zitiert heute.de den Chef des Bundesverbands Deutsche Tafel, Jochen Brühl. Die Zahl der Studenten an den Tafeln steige.

Für Brühl ist es weder ein Zeichen der Schande noch von Bequemlichkeit, wenn auch höher Gebildete um Hilfe bitten. Die Not vieler Menschen werde einfach immer größer, und damit stiegen auch die Nutzerzahlen. „Wer allerdings glaubt, dass es bequem ist, sich bei den Tafeln zu verpflegen, sollte sich da erst einmal selber in die Schlange stellen“, so Brühl.

Vor rund 20 Jahren wurden die Tafeln gestartet. Sie sollten eine Hilfe für die Ärmsten sein. Heute nutzen rund 1,5 Millionen Deutsche das Angebot. Sie erhalten Lebensmittel, die Einzelhändler aus dem Verkauf nehmen und spenden: Brot, Milchprodukte über dem Mindesthaltbarkeitsdatum, Obst und Gemüse mit Dellen.

Wie die Bedürftigkeit nachgewiesen werden muss, ist von Tafel zu Tafel unterschiedlich. Wenn ein Nachweis über den Bezug von Hartz IV verlangt wird, haben Studenten ein Problem. Sie sollten einfach bei den Mitarbeitern vor Ort nachfragen, sagt Brühl. „Wer Hunger hat, soll bei uns auch etwas zu essen bekommen.“>

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Pravda TV online, Logo

Merkel-DDR2.0 am 22.12.2014: Tausende Kinder leben in Deutschland in Zelten und auf der Strasse
Tausende Straßenkinder: Deutschland gibt seine Jugendlichen auf (Video)

http://www.pravda-tv.com/2014/12/tausende-strassenkinder-deutschland-gibt-seine-kinder-auf-video/

<Obdachlose Kinder in Deutschland gibt es nicht. Zumindest nicht offiziell, denn bis zum 18. Lebensjahr gelten Jugendliche als „obhutlos“, werden im Zweifel formal der Wohnadresse ihrer Herkunftsfamilie zugerechnet. Doch die Realität sieht ganz anders aus, wie die „ZDFzoom“-Reportage „Obdachlose Kinder in Deutschland“ zeigt.

Die Bundesregierung verkündete zuletzt 2005 offizielle Zahlen. Damals war von 7200 obdachlosen Kindern und Jugendlichen die Rede. Heute gibt es Schätzungen, dass die Zahl der Heranwachsenden ohne festen Wohnsitz zwischen 9000 bis 20.000 liegt. Viele von ihnen leben in Berlin, verbringen ihre Zeit lieber auf dem Alexanderplatz als in ihren zerrütteten oder gewalttätigen Familien. Streetworker sprechen aktuell wieder von einer „Verjüngung auf der Straße“.

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(Foto: Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland bis zu 20.000 Straßenkinder – die meisten in Berlin. Eine von ihnen ist Hannah, die hier ZDF-Reporterin Stephanie Gargosch ihren Schlafplatz zeigt. Wie so viele andere Straßenkinder wurde auch Hannah vom Jugendamt enttäuscht)

Tausende Kinder in einem Wohlstandsland auf der Straße – wie kann das sein? Hat Deutschland diese Jugendlichen aufgegeben?

Hannah: „Man sieht Dinge, die man nicht sehen will“

ZDF-Reporterin Stephanie Gargosch begleitet mehrere obdachlose Kinder in ihrem Alltag. Eine von ihnen ist Hannah aus München, 17 Jahre alt. Sie sagt: „Ich bin auf die Straße gegangen, weil ich keine andere Möglichkeit hatte.“
Immer wieder hatte sie sich heftig mit ihrer Mutter gestritten, bis sie sich mit 14 Jahren ans Jugendamt wendete. Sie hat dann ihren ersten Antrag auf Jugendhilfe gestellt. Aber ihr sei nie richtig geholfen worden, klagt sie an. Es folgten mehrere psychologische Gutachten über die Mutter, die alle empfahlen, Hannah aus der Familie zu nehmen. Aber genau das geschah nicht. Stattdessen genehmigte das Jugendamt nur eine ambulante Erziehungshilfe. „Das führte dazu, dass einmal in der Woche jemand mit mir und meiner Mutter redete, oft sogar nur mit mir“, erklärt Hannah enttäuscht. „Also nicht viel mehr als eine bezahlte Freundin.“

Zu Beginn der Reportage war Hannah gerade zum dritten Mal aus München weggelaufen – nach Berlin, auf die Straße. Was Hannah sucht, ist eine dauerhafte Lösung, sie will heimisch werden können und nicht zurück zur Mutter oder in eine Notfallunterkunft für Jugendliche. Um Druck auf das Jugendamt auszuüben, lebt sie lieber auf der Straße. Obwohl sie inzwischen weiß, wie hart das ist: „Wer einen schwachen Körper, einen schwachen Charakter, vor allem eine schwache Psyche hat, hält das nicht aus. Denn man sieht Dinge, die man nicht sehen will“, berichtet die Jugendliche und ergänzt auf Nachfrage: „Es können Leute direkt neben dir sterben.“

Greeny fühlt sich im Stich gelassen

Ein anderer Fall ist der Teenager, den sie nur Greeny nennen. Auch er ist 17 und seit fünf Jahren obdachlos. Greeny lebt in Essen – abwechselnd bei Freunden, der Notfallstelle für Jugendliche oder auf der Straße.

Schon oft habe er versucht, über das Jugendamt einen Platz in einer Wohngruppe oder einem Heim zu bekommen: „Es hieß immer, wir kümmern uns darum. Aber es kam nie etwas.“ Wie so viele andere Straßenkinder fühlt sich Greeny vom Jugendamt im Stich gelassen. Er wünscht sich mehr Kommunikation und Verbindlichkeit vom Amt, auch mehr individuelle Angebote.

Jugendämter kommen ihrer Pflicht nicht nach

Hat wirklich das Jugendamt bei diesen Kindern und Teenagern versagt? Die Redaktion von „ZDFzoom“ macht einen Test: Eine Mitarbeiterin gibt sich als Jugendliche aus und ruft bei mehreren deutschen Jugendämtern an. Sie erzählt am Telefon, dass sie unbedingt von zu Hause weg müsse, Angst vor ihrer Mutter habe und woanders unterkommen müsse. Was sie zu hören bekommt, sind Aussagen wie „Ich muss in einer halben Stunde nach Hause“, „Sorry, aber der Kollege ist krank“, „Wenn du Probleme hast, geh‘ halt zur Polizei, wir sind nicht zuständig“.

Nur eines von zehn Jugendämtern bietet unverzüglich Hilfe. Dabei verlangt es sogar das Gesetz: Das Jugendamt ist verpflichtet, einen Minderjährigen in Obhut zu nehmen, wenn er darum bittet. Geschieht das nicht, ist das ein klarer Rechtsbruch.

Familienministerin gesteht großen Nachholbedarf

Doch es besteht Hoffnung für Jugendliche wie Greeny. Im September 2014 fand erstmals der Bundeskongress für Straßenkinder in Berlin statt. Deutschland solle endlich sehen, dass es auch hier Straßenkinder gibt: In Arbeitsgruppen diskutierten Betroffene aus dem ganzen Land zwei Tage lang über ihre Situation und ihre Zukunft.

Dabei wurde ein Ideen- und Forderungskatalog erstellt, der kurze Zeit später an Bundesfamilienmisterin Manuela Schwesig weitergereicht wird. Es ist das erste Mal, dass es zu einem Kontakt zwischen Straßenkindern und der deutschen Politik kommt. Schwesig gesteht dem ZDF, dass der Bund viel zu wenig wisse und dringend herausfinden müsse, warum es junge Menschen gibt, die „durch das Netz des Kinderschutzes rutschen“.

Die Ministerin verspricht Unterstützung: 400.000 Euro sollen für zwei Jahre auf vier Straßenkinder-Projekte in Berlin verteilt werden. Für Greeny, der bei dem Treffen mit Schwesig dabei ist, immerhin ein Anfang.

„Housing-First“: ein Konzept für Deutschland?

Andere Länder in Europa sind Deutschland in der Bekämpfung der Obdachlosigkeit voraus. Als Paradebeispiel nennt „ZDFzoom“ Dänemark: Schnell und unbürokratisch bekommen obdachlose Jugendliche eine Unterkunft gestellt. Ihnen werden auch Betreuer zugewiesen, die notfalls rund um die Uhr für sie da sind. Der Ansatz besagt, dass eine stabile Unterkunft am wichtigsten ist und andere Angelegenheiten erst anschließend angegangen werden sollten.

Infolge dieser sogenannten „Housing-First“-Strategie fanden 90 Prozent der ehemals Obdachlosen in die Gesellschaft und schließlich in die Arbeitswelt. Ein Konzept, das sich laut der dänischen Behörden lohnt: Es macht andere Einrichtungen für Obdachlose überflüssig und sorgt dafür, dass viele der Begünstigten zu Steuerzahlern werden.

Auch ein Modell für Deutschland? Erste Versuche sind bekannt. Allerdings ist betreutes Einzelwohnen in Deutschland noch immer die Ausnahme. Den ZDF-Reportern zufolge fehlt es größtenteils noch immer an maßgeschneiderten Lösungen und Wegen weg von der Straße.

Zudem wird die Arbeit von Ämtern, Kinderheimen, Notunterkünften, Streetworkern etc. nicht koordiniert, es fehlt die Vernetzung. Der Fehler dafür liegt im System. Dabei ist bei den Straßenkindern oft Eile geboten: Denn je länger ein Jugendlicher auf der Straße lebt, desto schwieriger ist es, ihn wieder zu integrieren – und damit kostet er die Gesellschaft am Ende viel Geld.

Quellen: ZDF/t-online.de vom 17.12.2014>

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MM news online, Logo

6.8.2015: 300.000 Deutsche ohne Wohnung, darunter 30.000 Kinder

http://www.mmnews.de/index.php/politik/50706-300000-deutsche-ohne-wohnung-darunter-30000-kinder

<Immer mehr Menschen in Deutschland verlieren ihr eigenes Dach über dem Kopf.  Derzeit sind rund 300.000 Deutsche obdachlos. Mehr als 30.000 Kinder sind betroffen. Die Situation könnte sich in den kommenden Jahren noch deutlich verschärfen.

Immer mehr Menschen in der Deutschland verfügen nicht mehr über eine eigene Wohnung. Wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW) auf ihrer Internetseite mitteilt, waren 2012 284.000 Menschen ohne Wohnung, was einen Anstieg von 15 Prozent gegenüber dem Jahr 2010 bedeutet. Bis 2016, so die Schätzung des BAGW, werden bis zu 380.000 Menschen in Deutschland wohnungslos sein.

Die Wohnungslosenstatistik beruht auf eigenen Untersuchungen der BAGW. Die Schätzungen seien eher konservativ, befürchtet der Hilfsverband. Das wahre Ausmaß dürfte noch größer sein. Er beklagte, dass bislang nur Nordrhein-Westfalen die Zahl der Wohnungslosen systematisch erfasse. Er forderte die Einführung einer entsprechenden Statistik für das gesamte Bundesgebiet.

Unter den Menschen in Deutschland, die über keinen eigenen Wohnraum verfügen befinden sich, wie der Spiegel berichtet, 32.000 Kinder und Jugendliche. 24.000 Bürger leben den Schätzungen nach auf der Straße. Hier ist ein Anstieg um 10 Prozent erfolgt.

Die Hilfsverband BAGW befürchtet, dass die Zahl im Jahr 2016 auf bis zu 380.000 Wohnungslose anwachsen werde und nennt dies eine eher konservative Schätzung, da das tatsächliche Ausmaß wesentlich höher sein dürfte. Als Ursachen für den drastischen Anstieg der sogenannten „Wohnungsnotfälle“ benennt die BAGW den Mangel an preiswertem Wohnraum, Mietpreissteigerungen sowie die Zunahme der Armut und des Armutsrisikos.>



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Rheinische Post online, Logo

5.10.2015: Mönchengladbach: 17,5% sind arm - Rang 3 der deutschen Städte
Ranking: Armut nimmt zu: Gladbach in NRW auf Rang drei
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/armut-in-nrw-nimmt-zu-moenchengladbach-auf-platz-3-aid-1.5445176

<Mönchengladbach. Wie das statistische Landesamt IT NRW mitteilt, ist die Armut in Nordrhein-Westfalen gestiegen. Danach liegt Mönchengladbach landesweit auf Rang drei: 17,5 Prozent aller Mönchengladbacher sind arm.

Darauf weist Karl Sasserath, Leiter des Arbeitslosenzentrums, hin. Ende 2014 erhielten knapp zwei Millionen Menschen im Land Leistungen der sozialen Mindestsicherung; das waren 3,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Laut IT NRW waren damit 11,3 Prozent der Menschen an Rhein und Ruhr auf existenzsichernde finanzielle Hilfen des Staates angewiesen.

Ein Jahr zuvor hatten mit 1,93 Millionen noch 11,0 Prozent der Einwohner entsprechende Hilfen bezogen. Landesweit fielen die Anteile der Empfänger sozialer Mindestsicherungsleistungen an der Gesamtbevölkerung regional unterschiedlich aus: Die höchsten entsprechenden Quoten ermittelten die Statistiker in den Städten Gelsenkirchen (20,7 Prozent), Düren (17,7 Prozent), Mönchengladbach (17,5 Prozent) sowie Essen (17,4 Prozent).

(tler)>

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6.10.2015: 239.000 Obdachlose in Deutschland

aus: Facebook: Johann Pfab; 6.10.2015
https://www.facebook.com/photo.php?fbid=1503199716666720&set=pcb.1503200296666662&type=3&theater

<In Deutschland leben derzeit 239 000 Menschen auf der Straße,,Frau Merkel,,wo sind die kostenlosen Zelte und Wohnungen und das Essen für diese Menschen????>

Obdachlose in Deutschland,
                  Dezember 2015 01
Obdachlose in Deutschland, Dezember 2015 01
Obdachlose in Deutschland, Dezember 2015 02
Obdachlose in Deutschland, Dezember 2015 02

Obdachlose in Deutschland, Dezember 2015 03
Obdachlose in Deutschland, Dezember 2015 03

Obdachlose in Deutschland, Dezember 2015 04
Obdachlose in Deutschland, Dezember 2015 04

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Epoch Times online, Logo

14.4.2016: Einwandererkinder in Deutschland vermiesen das Ranking für Kinder in Deutschland
In diesen 13 Ländern geht es Kindern besser als in Deutschland
http://www.epochtimes.de/gesundheit/in-diesen-13-laendern-geht-es-kindern-besser-als-in-deutschland-a1321847.html

<Epoch Times, Donnerstag, 14. April 2016 12:42

Kinder aus armen und Kinder aus reichen Familien gehen in Industrienationen getrennte Wege. Das betrifft Ausbildung, Lebenszufriedenheit und Gesundheit. Doch wer hätte gedacht, dass die Kinder in 13 anderen Ländern besser leben als in Deutschland? Zu diesem Schluss kommt ein Unicef-Bericht.

Nach einem Unicef-Bericht sind die Kinder in 13 anderen Ländern denen in Deutschland noch weit voraus. Denn gerade in reichen Industriestaaten ist die Kluft zwischen benachteiligten und umsorgt aufwachsenden Kindern groß. Es gebe nur wenige Fortschritte in puncto Angleichung der untersten zehn Prozent der Kinder an die aus der Mitte der Gesellschaft, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Unicef-Studie. Das berichtet “N24.de”.

Die Kluft habe sich von 2008 bis 2013 in mehr als der Hälfte der Industriestaaten noch weiter vergrößert. Auch bei den Themen Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit gab es keine nennenswerten Fortschritte.

"Ungleichheiten überlappen und verstärken sich gegenseitig", warnt das UN-Kinderhilfswerk. "Soziale und wirtschaftliche Nachteile zu Beginn des Lebens erhöhen das Risiko niedrigen Einkommens, niedrigerer Gesundheitsstandards und geringerer Fähigkeiten im Erwachsenenleben", heißt es weiter.

Spitzenreiter Dänemark

Am besten leben Unicef zufolge die Kinder in Dänemark. Hier ist die Benachteiligung im Kindesalter am geringsten. Deutschland kommt auf Platz 14 und steht mit Griechenland, Ungarn und England damit im oberen Mittelfeld. Schlusslichter sind Israel und die Türkei.

Hier die Länder mit der geringsten Benachteiligung im Einzelnen:

1. Dänemark

2. Finnland

3. Norwegen

4. Schweiz

5. Österreich

6. Niederlande

7. Irland

8. Estland

9. Slowenien

10. Lettland

11. Tschechien

12. Kroatien

13. Australien

14. Deutschland

15. Griechenland

16. Ungarn

17. Großbritannien

18. USA

19. Portugal

20. Island

Thema Einkommen

Die Einkommen der ärmsten Familien in den Industrieländern sind dem Bericht zufolge langsamer gewachsen als die in der Mitte der Gesellschaft. In 19 Ländern haben die zehn Prozent der ärmsten Kinder über weniger als die Hälfte dessen, was ihren Altersgenossen aus der Mitte der Gesellschaft zur Verfügung steht, so der Bericht von Unicef.

Sozialwissenschaftler Stefan Kühner von der Universität York, ein Autor der Studie, macht dafür die Finanzkrise verantwortlich. Gerade Griechenland sei stark von diesem Phänomen betroffen. In Deutschland blieben die Unterschiede in den vergangenen Jahren weitgehend unverändert. 2013 verfügten hierzulande 7,2 Prozent der ärmsten Kinder über weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens.

Thema Bildung

Es gibt auch Positives. In Deutschland konnten die Schwächsten im Lesen, Rechnen und in den Naturwissenschaften wieder näher an das Mittelfeld heranrücken. Ehemalige Vorzeigeländer bezüglich Bildung wie Finnland und Schweden konnten die hohen Bildungsstandards und die erlangte Bildungsgerechtigkeit nicht halten. In Bulgarien, Chile, Mexiko und Rumänien haben rund ein Viertel der 15-Jährigen mangelnde Fähigkeiten und Kompetenzen bei der Lösung grundlegender Aufgaben.

Thema Gesundheit

Den benachteiligten Kindern geht es häufig auch gesundheitlich nicht gut. In 25 Ländern klagt mehr als eines von fünf Kindern täglich über Beschwerden wie Kopfschmerzen, Bauchweh, Rückenschmerzen oder Schlafprobleme. In der Türkei sagt dies sogar mehr als die Hälfte der Kinder.

Thema Lebenszufriedenheit

In den reichen Ländern bewerten die meisten Kinder ihre Lebenszufriedenheit mit acht von zehn möglichen Punkten. Doch auch in den meisten Industrieländern gibt es mehr als eines von 20 Kindern, das seine Lebenszufriedenheit mit maximal vier von zehn Punkten bewertet. In Deutschland sind dies 8,4 Prozent. Dazu tragen insbesondere Kinder der ersten und der zweiten Generation aus Einwandererfamilien bei.

Unicef fordert mehr Sozialtransfers

Der Bericht fordert die betroffenen Regierungen auf, das Einkommen der ärmsten Kinder mit Sozialtransfers zu sichern. Außerdem müssten die Bildungschancen für benachteiligte Kinder verbessert werden, ohne das allgemeine Leistungsniveau sinken zu lassen, wie Dänemark, Estland und Polen es vormachen. In diesen Ländern sei es gelungen, die Kluft zu verringern und gleichzeitig das allgemeine Leistungsniveau anzuheben. (kf)>

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Zeit online, Logo

19.1.2017: 20% Kinderarmut in Germanistan: Kriminelle Zionistin Merkel hat etwas geschaffen: 20% Kinderarmut
Jedes 5. Kind ist arm
http://www.zeit.de/2017/02/kinderarmut-deutschland-eltern-chancen-sozialpolitik/komplettansicht

<Was für eine Schande, sagen alle. Wir müssen etwas ändern, sagen die Politiker. Unsere Autorin schreibt seit zehn Jahren über Kinderarmut in Deutschland. Sie ist die billige Heuchelei leid.

Eine der Ersten war Janina. Ich traf sie vor zehn Jahren in Bochum-Wattenscheid. Als ich sie kennenlernte, war sie elf Monate alt. Zwei Etagen unter ihr lebte ihr Opa. Sein Einkommen bekam er vom Amt, genau wie ihr Papa und ihre Mama. Die beiden stritten oft, und Janina stellten sie zum Füttern in einem Autositz aufs Sofa, weil sie keinen Kinderstuhl hatten. An diesem Tag, es war der 24. Oktober, hatten Janinas Eltern noch sieben Euro auf ihrem Konto. Zu wenig, um bis zur November-Überweisung über die Runden zu kommen. Der Kühlschrank war leer, die Windeln für Janina waren aufgebraucht, und immer wenn es an der Tür klingelte, zitterten die Eltern, aus Sorge, das Jugendamt würde kommen, um das Kind mitzunehmen und damit den einzigen Antrieb, diesen ganzen dreckigen Alltag auszuhalten.

Dann war da Sascha, ein Kölner, blass und schlau, zehn Jahre alt. Er hatte gesehen, wie seine Mutter weinte, als die Grundschullehrer ihm eine Empfehlung für die Hauptschule ausstellten. Jetzt saß er da, sprach mit den Freunden über die Zukunft, die für einen Zehnjährigen genau das sein sollte, was sie für seine Klassenkameraden war: ein Ort der Träume und Spinnereien. Einer wollte Hundeverkäufer werden, einer Präsident von Afrika, einer, natürlich, Fußballstar. Und Sascha? Der ahnte, welchen Platz ihm die Erwachsenen längst zugewiesen hatten. "Wenn ich hier den Hauptschulabschluss mache", sagte er, "kann ich ja höchstens Kloputzer werden."

Oder Ercan, auch er zehn Jahre alt. Nur eine gut 30 Meter breite Straße trennte die Wohnblocks in Berlin-Kreuzberg, in denen er als Jüngster in einer achtköpfigen Familie groß wurde, von den wohlhabenden Altbauten, in denen die meisten Kinder einzeln oder im Doppelpack aufwuchsen. Dass die Eltern der anderen Kinder mehr Geld hatten, störte Ercan nicht. Dass viele von ihnen die Welt bereisten und er das Viertel nur selten verließ, auch nicht. Aber dass er jeden Morgen in diese Schule gehen musste, in der die Klos ständig verstopft waren und es wegen Bauarbeiten schon lange keinen Schulhof mehr gab, diese Schule, in der ihm so oft der Kopf wehtat, weil es in der Klasse so laut war, wenn seine Mitschüler fluchten und störten und die Lehrer "Ruhe!" schrien, das nervte Ercan sehr. Denn er hätte gern mehr gelernt – so wie die Jungen und Mädchen aus den Altbauten, die von ihren Eltern weit weg in bessere Schulen gefahren wurden.

Wenn die armen Kinder jedes Mal einen Zehner bekämen, wenn ihr Schicksal bedauert wird – dann wären sie inzwischen reich.

Seit mehr als zehn Jahren berichte ich in Fernsehreportagen, Büchern und Zeitungsartikeln immer wieder über arme und abgehängte Kinder in Deutschland. Ich war in Wohnungen, die nach Urin stanken, und in solchen, in denen sich Eltern mühten, auch ohne Geld Würde und Anstand zu wahren. Ich habe mit Grundschulkindern gesprochen, die jobben wollten, um ihren Eltern zu helfen, und solchen, die wütend wurden, weil ihnen immer gepredigt wurde, dass sie verzichten müssten.

Ich habe all die Statistiken gelesen. Und weiß, dass Janinas, Saschas und Ercans Lebenschancen schlechter sind als die ihrer Altersgenossen. Dass die drei aller Wahrscheinlichkeit nach nicht studieren werden. Mehr als in vielen anderen Industrieländern entscheidet bei uns die soziale Herkunft über die Zukunft von Kindern. Bereits mit sechs Jahren können sich arme Kinder im Schnitt schlechter konzentrieren und sind häufiger übergewichtig und krank als ihre nicht armen Altersgenossen. Sie können schlechter sprechen, schlechter zählen. Und in der Schule gelingt es viel zu selten, diesen Startnachteil wettzumachen. Das gilt übrigens selbst dann, wenn die Eltern zwar wenig Geld, dafür aber einen hohen Bildungsstand haben. Ich kenne die Analysen, wonach ein Kind, das arm ist, später gefährdeter ist, Drogen zu nehmen, ein Opfer von Gewalt oder selbst kriminell zu werden. Der Malus der Armut bleibt oft ein Leben lang, bis zum Ende: Die statistische Lebenserwartung eines Jungen, der in eine arme Familie geboren wird, ist elf Jahre niedriger als die eines Jungen aus wohlhabendem Hause.

Auch weiß ich inzwischen, wie Leser und Zuhörer reagieren, wenn ich von Kindern wie ihnen schreibe oder auf Veranstaltungen von ihnen erzähle. Manche bedauern Janina, Sascha und Ercan ein paar Sätze lang, dann geben sie deren Eltern die Schuld: Diese allein seien verantwortlich für das Schicksal ihrer Kinder, nicht die Gesellschaft. Die meisten Leser und Zuhörer aber sind anders. Sie fühlen mit und sind bestürzt über, wie es immer heißt, "so viele arme Kinder in unserem reichen Land".

Es ist eine Reaktion, die man auch in den nächsten Wochen wieder hören wird, wenn die Bundesregierung ihren Armutsbericht veröffentlicht. Eine Reaktion, die seit zehn Jahren auf jede neue Studie, jede neue Statistik zur Kinderarmut in Deutschland folgt.

Es wäre für den Staat einfach, für Familienrabatte zu sorgen

Es sind ja auch traurige Zahlen: Rund zwei Millionen Kinder in Deutschland sind von Armut bedroht, das ist jedes fünfte. Besonders häufig arm sind Kinder von Arbeitslosen, Alleinerziehenden und solche mit mindestens zwei Geschwistern. Armut ist in Deutschland natürlich relativ und, um den Einwand der Leserbriefschreiber schon mal vorwegzunehmen, natürlich nicht mit der in Kalkutta zu vergleichen.

Arm sein heißt laut Statistik erst mal nur, dass die Familie mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss. Arm sein bedeutet aber auch: beengte Wohnungen, raue Stadtviertel, kein Geld für individuelle Förderung, für Wünsche, nie Urlaub.

Ercan konnte in die Dreiraumwohnung der Großfamilie keine Freunde einladen. In Saschas Viertel klauten die Älteren den Kleineren Geld und Handys. Und Janinas Familie ging die halbe Stunde zum Jobcenter stets zu Fuß. Das Straßenbahnticket war viel zu teuer.

Wie kann das sein?, beklagen dann regelmäßig die Journalisten. Wir müssen etwas ändern, bekräftigen die Politiker, Jahr um Jahr.

"Kinderarmut ist eines der beschämendsten Probleme in unserem Land", sagte die damalige Familienministerin Ursula von der Leyen 2007.

"Für mich ist die Bekämpfung von Kinderarmut ein sehr wichtiger Punkt", sagte die aktuelle Familienministerin Manuela Schwesig im Jahr 2014.

"Kinderarmut ist ein bedrückendes Problem", sagte Arbeitsministerin Andrea Nahles im Mai 2016.

Welch große Einigkeit! Wenn aber alle ihre Bestürzung geäußert haben, wird es still, bis zur nächsten Statistik, der nächsten Welle der Empörung.

Ich fühle mich dann wie in einer Zeitschleife. Denn die Zahl der armen Kinder ist bis Mitte der 2000er Jahre angestiegen und sinkt nicht. Seit zehn Jahren nehmen unsere Regierungen in Kauf, dass zwei Millionen Janinas und Saschas und Ercans in Wattenscheid, Köln oder Berlin aufwachsen und von Anfang an schlechte Karten haben, Erfolge zu erleben, Talente zu entfalten, die Welt zu erobern – oder wem das zu sozialromantisch klingt: Steuerzahler zu werden und in die Rentenkassen einzuzahlen, Unternehmen zu gründen, mit ihrem Geist dieses Land zu bereichern und damit unsere Zukunft zu sichern.

Klar: Hier und da werden, wie es dann heißt, "Maßnahmen" ergriffen, es wird, wie gerade geschehen, der Kinderzuschlag für Eltern mit niedrigem Einkommen um zehn Euro erhöht oder das Kindergeld um zwei Euro monatlich, es werden Teilhabepakete geschnürt. Und in einzelnen Stadtvierteln, in vielen kleinen Projekten gelingt auch Großes. Aber legt man die Lupe beiseite und betrachtet das ganze Bild, hat sich wenig geändert. Wann gingen Bürger einmal auf die Straße, um sich darüber zu empören, dass so viele Kinder abgehängt sind? Wo ist der gut vernetzte Verein, der Druck macht, bis es gut ausgestattete Bildungseinrichtungen für alle von Anfang an gibt? Wo ist die konzertierte Aktion der Regierung gegen Chancenarmut? Dabei ist es offensichtlich, was dringend zu tun wäre: herausragende Bildungseinrichtungen für ganz Kleine zum Beispiel, vor allem in den Vierteln, in denen die Armut groß ist. Aber auch: endlich verlässliche Ganztagsgrundschulen, in denen die Kinder nicht am Nachmittag nur betreut werden, sondern in denen alle gemeinsam auch nach zwölf Uhr noch lernen, Sport treiben, musizieren und ein warmes Mittagessen bekommen. Wenn die Bundesländer es weiter nicht schaffen, ihren föderalen Flickenteppich zu einem einheitlichen Ganzen zusammenzuweben, müsste der Bund die Verantwortung für diese Schulen tragen.

Kommen wir zum Geld: Wie können wir hinnehmen, dass dem Staat ein armes Kind – trotz Mahnungen der Verfassungsrichter – weniger wert ist als ein armer Erwachsener? Dass der Hartz-IV-Regelsatz für einen Zehnjährigen rund 100 Euro im Monat niedriger ist als der seiner Elternteile?

Jeder, der Kinder hat, weiß, dass diese häufiger neue Kleidung brauchen als Erwachsene, dass sie Bücher, Stifte und vor allem: gesundes Essen brauchen. Jeder, der Kinder hat, weiß, dass es ihnen viel schwerer fällt zu verzichten als den Eltern, die ihre Lage begreifen können. Und Verzicht bedeutet nicht, die zum Klischee aufgeblasenen Markenschuhe nicht kaufen zu können, sondern sich all das nicht zu leisten, was die Freunde tun: Schwimmunterricht, Zoobesuche und, wenn es regnet, einen Kinobesuch mit Popcorn.

Es wäre für den Staat einfach, dafür zu sorgen, dass große Familien günstiger wohnen können. Dass kinderreiche Familien – wie etwa in Frankreich – Rabatte bekommen, wenn sie verreisen wollen oder Kleidung und Schulsachen kaufen.

Ein armes Kind ist dem Staat weniger wert als ein reiches

Deutschland investiert viel Geld, um Ehen und Familien zu unterstützen. 200 Milliarden Euro verteilen Behörden pro Jahr an Paare mit und ohne Kinder. Allerdings tun sie das nicht mit der Gießkanne, wie oft kritisiert wird, sondern mit einem außer Kontrolle geratenen Rasensprenger: Er wässert die Wiese vor allem dort, wo sie ohnehin schon sattgrün ist.

Es gibt über 150 Familienleistungen – Elterngeld, Kindergeld, Kita-Zuschuss –, und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung hat gerade erst berechnet, wie sich dieses Geld verteilt. Das Ergebnis war überraschend: 13 Prozent der Fördersumme landen bei den reichsten zehn Prozent der Familien, nur sieben Prozent bei den ärmsten zehn Prozent. Anders ausgedrückt: Ein armes Kind ist dem Staat monatlich im Schnitt 107 Euro wert, ein reiches aber 199 Euro. Ein absurdes System.

Würde der Staat stattdessen jedem Kind, egal wie alt, egal aus welcher Familie, das zahlen, was es zum Leben braucht, wäre das nicht nur ein Zeichen dafür, dass alle Kinder gleich viel wert sind, sondern auch eine wirksame Waffe gegen die Folgen der Armut. Kindergrundsicherung nennen Wissenschaftler das und schlagen vor: 500 Euro sollte jedes Kind pro Monat erhalten.

Das klingt nach Träumerei? Auf gerade mal 30 Milliarden Euro schätzt ein Team der Böll-Stiftung die Mehrkosten pro Jahr. Allein die Abschaffung des Ehegattensplittings würde etwa 20 Milliarden einbringen.

Möglich wäre es also.

Stattdessen erleben wir seit Jahren diese unwürdige Aufführung aus Armutszahlen, politischem Bedauern und gleichzeitigem Nichtstun. Warum?

Inzwischen habe ich nur eine Erklärung: Am Ende sind Kinder wie Janina, Ercan und Sascha den allermeisten dann doch egal. Klar, es fällt schwer, in die runden Augen zu blicken und zuzuhören, wenn die Kleinen von ihrer Armut erzählen. Selbstverständlich müssen viele schlucken, wenn ihnen klar wird, wie unwahrscheinlich es ist, dass es in diesen Leben, die mit wenig Chancen beginnen, eine Wende zum Guten geben wird.

Aber spätestens wenn aus den süßen Zehnjährigen laute, manchmal schwierige Teenager geworden sind, wandelt sich das Mitleid vieler in Ablehnung. Sollen sie sich doch mehr anstrengen, höre ich oft. Sollen sie doch sehen, wie sie klarkommen! Binnen weniger Jahre werden aus den Opfern ihrer Lebensumstände Täter.

Das ist nur eine der Strategien, das Gewissen zu besänftigen. Andere ersticken ihr Mitgefühl in abstrakten Debatten, über Armutseinwanderung oder den Armutsadel. Die Milderen haben gerade vor Weihnachten wieder gespendet, immerhin.

Für echte Aufstiegschancen der armen Jungen und Mädchen aber kämpft niemand. Vielleicht, so denke ich manchmal, belügen sich vor allem die Menschen der Mittelschicht selbst. Haben sie wirklich ein Interesse daran, dass die armen Kinder mitmischen beim ohnehin angespannten Wettkampf um Karrierechancen? Oder sind viele Eltern insgeheim froh darüber, dass ein Fünftel der Konkurrenz bereits in der Schule abgehängt ist?

Ein Student, der sich ehrenamtlich um Ercans Bruder kümmerte, hat es mal so formuliert: "Es heißt immer: Kinder sind unsere Zukunft. Aber die Kinder in unserer Siedlung sind damit nicht gemeint."

Da hat er wohl recht. Offenkundig können die Deutschen ganz gut damit leben, dass zwei Millionen Kinder mit wenig Geld und noch weniger Chancen aufwachsen. Was zu tun wäre, liegt auf der Hand: Investitionen in Schulen und Kindergärten, vor allem dort, wo arme Kinder leben, Geld für günstige Wohnungen, eine Kindergrundsicherung, die den Namen verdient.

Bleiben wir weiter untätig, sollten wir zumindest auf die öffentliche Selbstkasteiung verzichten, die quartalsweise mit großer Rhetorik unternommen wird. Was für eine eingeübte Empörung! Wenn die armen Kinder jedes Mal, wenn ihr Schicksal bedauert wird, einen Zehner bekämen – dann zumindest hätten sie noch etwas von dieser billigen Heuchelei.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio>

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6.2.2017: Berlin=Hauptstadt der Obdachlosen
Verelendete werden auch künftig vertrieben
https://www.jungewelt.de/artikel/304838.verelendete-werden-auch-künftig-vertrieben.html

<Trotz fehlender Schlafplätze: Bezirk Berlin-Mitte will weiter Obdachlosencamps räumen lassen.
Von Susan Bonath
Obdachlosenquartiere im Berliner Regierungsviertel. Auch die Nutzer der Nischen unter dieser Brücke musste ihre Plätze inzwischen verlassen. Einige campierten hier seit Jahren

Berlin ist die Hauptstadt der Obdachlosen. Auch bei Eiseskälte betteln und schlafen sie unter Brücken, in Bahnhöfen, vor Supermärkten, in Parks, unter den Spreebögen vor dem Kanzleramt. Sozialverbände schätzen die Zahl der Menschen ohne Unterkunft in Berlin auf bis zu 25.000. Ein Viertel von ihnen, also mehr als 6.000, leben dauerhaft auf der Straße. Genaue Erhebungen dazu gibt es nicht. Ihnen bietet die Stadt nach eigenen Angaben derzeit lediglich 920 Schlafplätze.

Doch statt für sozialen Wohnraum zu sorgen, will der Bezirk Berlin-Mitte weiter gegen die Obdachlosen vorgehen. Dessen Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) sagte Ende vergangener Woche dem RBB: »Das wilde Kampieren zu tolerieren ist nicht sozial und löst keine Probleme.« Seine Begründung: Fast immer sei »mit der schwierigen hygienischen Situation eine dramatische Verunreinigung öffentlicher Erholungs- und Aufenthaltsflächen verbunden«. So habe das »illegale Kampieren« etwa dem Großen Tiergarten schon »erhebliche Schäden zugefügt«, so von Dassel. Man werde dies künftig unterbinden.

Anfang vergangener Woche hatte das Bezirksamt mehrere Zeltlager im Großen Tiergarten geräumt. Die Zustände dort beschrieben die Ordnungshüter als »katastrophal und menschenunwürdig«. Von Dassel rechtfertigte die Maßnahme: Durch stillschweigendes Dulden würde die Zahl der Camper weiter steigen, befürchtet er. In den 15 entfernten Zelten hätten vorwiegend ost- und südeuropäische Wanderarbeiter gewohnt. Diese sind, soweit sie nicht offi­ziell und lange genug in Deutschland gearbeitet haben, ohne Anspruch auf Sozialleistungen – wozu auch Unterbringung gehört. Bereits im Dezember hatten die Behörden des zentralen Hauptstadtbezirks Obdachlose aus dem Tiergarten vertrieben. Zuvor war bekanntgeworden, dass einige von ihnen Schwäne und andere Wildvögel aus dem Tiergarten getötet und verzehrt hatten. Genützt hat der Einsatz der Ordnungshüter nicht viel – die Betroffenen kamen wohl notgedrungen wieder.

Wohin mit den Obdachlosen? Dem RBB versicherte das Ordnungsamt, es wolle bei künftigen Räumungen mehrsprachige Informationen zu Berliner Hilfsangeboten verteilen. Die Kältehilfe beispielsweise gewähre Betroffenen jeglicher Herkunft die Möglichkeit, sich aufzuwärmen. Von Dassel meinte, Menschen, die jede Hilfe ablehnten, hätten kein Recht, ein Zelt auf öffentlichen Flächen aufzustellen.

Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) verwies gegenüber der Hamburger Morgenpost unterdessen darauf, dass man die vormals 820 Schlafplätze mittlerweile um ganze 100 aufgestockt habe. Geschaffen hat man sie, räumlich getrennt von dortigen Flüchtlingsnotquartieren, in einem Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof. Das Bezirksamt Mitte hatte kürzlich im Regierungsviertel Kampierende dorthin geschickt. Zuvor hatte es ihnen die Räumung angedroht.

Die wachsende Verelendung registrieren auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Immer mehr Menschen suchten bei eisigen Temperaturen nachts Unterschlupf in U-Bahnhöfen, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost (siehe jW vom 1.2.). Zuletzt hätten elf Menschen in der Station Strausberger Platz und neun am Südstern die Nacht verbracht. Diese beiden Bahnhöfe, bei Bedarf auch weitere, hält das Unternehmen in kalten Nächten für Wohnungslose offen. Der Berliner Senat habe ihr nun zugesichert, an einer Lösung zu arbeiten, so Reetz.

Jennifer Kröger vom Arztmobil der Caritas beklagt hingegen, dass in diesem Winter nur die genannten zwei Bahnstationen offen sind. Es fehle zudem an professioneller Betreuung für die vielen Obdachlosen mit schwerwiegenden psychischen Problemen, schrieb sie in einem am Donnerstag von der Huffington Post veröffentlichten Beitrag. Ursachen seien das harte Leben auf der Straße, Alkohol und andere Drogen. Diese Menschen seien meist nicht krankenversichert, erhielten lediglich eine Notfallversorgung. Um ihre chronischen Probleme kümmere sich niemand. »Da kommen auch wir an unsere Grenzen«, so Kröger.>

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7.7.2017: Immer mehr Working Poor in Deutschland
Aufschwung durch Hungerlohn: Immer mehr Beschäftigte sind trotz Arbeit arm
https://www.jungewelt.de/artikel/313799.aufschwung-durch-hungerlohn.html

<Sie malochen an Fließbändern oder Supermarktkassen. Doch mit ihrem Lohn kommen sie nicht über die Armutsgrenze hinaus: Mehr als vier Millionen Beschäftigte fristeten 2014 ein Leben am unteren Limit – mehr als doppelt so viele wie zehn Jahre zuvor. Während die Wirtschaft brummt und die Arbeitsagenturen monatlich sinkende Erwerbslosenzahlen bejubeln, erhöht sich die Zahl der Hungerlöhner weiter.

Das berichtete die Berliner Zeitung am Donnerstag unter Berufung auf eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Danach stieg die Erwerbsarmut in der BRD stärker als in jedem anderen EU-Land. So hätten 2004 etwa fünf Prozent der Erwerbstätigen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens verdient. 2014 sei bereits ein knappes Zehntel davon betroffen gewesen. Die Armutsgrenze für einen Einpersonenhaushalt in der BRD wird derzeit mit 942 Euro beziffert. Laut Studie stieg die Beschäftigung zwar zwischen 2004 und 2014 um drei auf 42,6 Millionen Stellen, der Zuwachs habe aber vor allem aus prekären Beschäftigungsverhältnissen bestanden.

Eine wichtige Rolle spiele der Druck, den die Jobcenter ausübten. »Maßnahmen, die Arbeitslose dazu zwingen, Arbeit mit schlechter Bezahlung und in Teilzeit anzunehmen, können dazu führen, dass die Erwerbsarmut steigt«, so die Studienautoren. Strenge Auflagen, Zumutbarkeitsregeln und Druck durch Sanktionen trieben Betroffene in prekäre Arbeit. Die Autoren plädieren statt dessen für höhere Transfer- und Lohnersatzleistungen sowie mehr Weiterbildungsangebote. Das »Fordern« der Jobcenter führe lediglich zu mehr Lohndumping.

Unterdessen startete die nordrhein-westfälische CDU-FDP-Landesregierung einen weiteren Angriff auf Beschäftigte. Laut einem RTL-Bericht vom Donnerstag kündigte sie an, ihre Vorschläge für eine Ausweitung der täglichen Höchstarbeitszeit und für eine Verringerung der Mindestruhepause mit einer Bundesratsini­tiative umzusetzen. Bisher legt das Arbeitszeitgesetz einen Arbeitstag von maximal acht bis zehn Stunden und eine Mindestruhepause von elf Stunden zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn fest. »Dieses deutsche Arbeitszeitgesetz passt nicht mehr in die Zeit«, zitierte der Sender hierzu den Generalsekretär der NRW-FDP, Johannes Vogel.>

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Shortnews              online, Logo

München 23.8.2017: Obdachloser klagt mit Hilfe der "Initiative Zivilcourage" und ekommt das Recht auf Unterkunft
München: Obdachloser erstreitet sich vor Gericht Recht auf Unterkunft
http://www.shortnews.de/id/1229815/muenchen-obdachloser-erstreitet-sich-vor-gericht-recht-auf-unterkunft

"Das Verwaltungsgericht München hat einem Obdachlosen das Recht auf Unterkunft zugesprochen, das der Mann damit erfolgreich einklagte.

Mit Hilfe der Initiative Zivilcourage trat der 57-Jährige den Schritt vors Gericht an und könnte nun ein Urteil mit weitreichenden Folgen für die Stadt München erstritten haben. Die Richter argumentierten, dass für den Kläger durch Obdachlosigkeit "Gefahr für Leib und Leben" entstanden sei.

Der Südosteuropäer lebt seit 14 Jahren ohne Obdach, wenn seine Gesundheit es ihm erlaubt, arbeitet er auf Baustellen. Die Stadt verweigerte ihm eine Notunterkunft mit dem Verweis auf die Freizügigkeit von EU-Bürgern."

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Epoch Times online, Logo

Deutscland 28.8.2017: Die Propaganda "Wohlstand für alle" ist total gelogen
Versprechen „Wohlstand für alle“ eine Farce: Breite Schichten haben keinen Anteil an jährlich wachsendem Wohlstand
http://www.epochtimes.de/politik/deutschland/versprechen-wohlstand-fuer-alle-eine-farce-breite-schichten-haben-keinen-anteil-an-jaehrlich-wachsendem-wohlstand-a2201473.html

"Das Versprechen "Wohlstand für alle" ist eine Farce: Eine am Montag veröffentlichte Studie kam zu der Erkenntnis, dass bei den unteren 40 Prozent der Gesellschaft mittlerweile kaum noch etwas vom Wohlstand ankommt, während die höchsten Einkommen im Zeitraum 1991 bis 2014 jährlich um durchschnittlich 1,3 Prozent gestiegen sind.

Bei dem Versprechen „Wohlstand für alle“ klaffen Anspruch und Wirklichkeit laut einer Studie immer weiter auseinander.

Eine am Montag veröffentlichte Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung kommt zu der Erkenntnis, dass bei den unteren 40 Prozent der Gesellschaft mittlerweile kaum noch etwas vom Wohlstand ankommt, während die höchsten Einkommen im Zeitraum 1991 bis 2014 jährlich um durchschnittlich 1,3 Prozent gestiegen sind.

Die Studie zeige, dass die deutsche Wirtschaft seit Jahrzehnten stabil gewachsen sei und der materielle Wohlstand aktuell so groß sei wie nie zuvor, erklärte das ZEW. Allerdings hätten breite Schichten der Bevölkerung weder über steigende Arbeitseinkommen noch über Vermögenserträge einen Anteil am jährlich wachsenden Wohlstand. „Möglichst viele Menschen an den Wohlstandsgewinnen in Zukunft teilhaben zu lassen, bleibt somit eine der zentralen Herausforderungen für eine tragfähige Soziale Marktwirtschaft“, erklärte Co-Autor Martin Ungerer vom Mannheimer ZEW.

Ein Grund für die wachsende Ungleichheit sind der Studie zufolge die starken Zugewinne der höheren Einkommensschichten. Im Gegensatz dazu profitierten die unteren Einkommensschichten kaum vom Wirtschaftswachstum. Das Einkommenswachstum der unteren 40 Prozent der Bevölkerung blieb demnach seit Ende der 1990er Jahre deutlich hinter dem Wachstum der durchschnittlichen Einkommen zurück. Eine wichtige Rolle bei der Erklärung der Ungleichheitsentwicklungen spielten neben dem Einkommen sehr unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Regionen in Deutschland.

Bei der Chancengerechtigkeit ergebe sich ein relativ positives Bild, erklärte das ZEW. So ließen sich im Jahr 2014 lediglich 13 Prozent der Einkommensungleichheit auf die ungerechte Verteilung von Chancen zurückführen, während dieser Prozentsatz im Jahr 1992 noch bei 19 Prozent gelegen habe.

Aufgeschlüsselt nach verschiedenen Erklärungsfaktoren ergebe sich aber ein differenziertes Bild: „Während wir positive Entwicklungen mit Blick auf die Verringerung der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen feststellen, besteht auch mehr als 25 Jahre nach der Wiedervereinigung ein großer Einkommensunterschied zwischen Menschen aus Ost- und Westdeutschland“, erklärte Ungerer. Ein Faktor, der sich ebenfalls in zunehmendem Maße auf die Ungleichheit auswirke, sei die sozioökonomische Stellung des Elternhauses.

Trotz des Beschäftigungsbooms der vergangenen zehn Jahre hat sich der Studie zufolge die Armutsrisikoquote im Zeitraum 1962 bis 2015 von 9,8 Prozent auf 15,4 Prozent erhöht und derzeit einen Höchststand erreicht. Zudem haben sich die betroffenen Gesellschaftsgruppen verändert: Waren zur Zeit des Wirtschaftswunders vor allem alleinstehende Rentner von Armut bedroht, sind es heute Alleinstehende im erwerbstätigen Alter. Kritisch ist der Studie zufolge zudem die längere Verweildauer unterhalb der Armutsrisikogrenze: Lag sie 1991 noch bei etwa 2,5 Jahren, stieg sie seit 2008 auf mehr als drei Jahre.

Zur Bewertung der Inklusivität der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland betrachteten die Verfasser der ZEW-Studie Wirtschaftswachstum, Ungleichheit der Einkommens- und Vermögensverteilung, Chancengerechtigkeit und Armutsrisiken seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland. (afp)"


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