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Islam-Chronologie: 2. slamisches Imperium Damaskus

und Kufa/Bagdad, Abbasiden, Seldschuken 750-1517

von Michael Palomino (2000 / 2005 / 2010)

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aus:
Ulrich Haarmann Hg.: "Geschichte der arabischen Welt"                                              
C.H.Beck-Verlag, München 1987

Unter Mitwirkung von Ulrich Haarmann: Einleitung (S.9f.)
-- Albrecht Noth: Früher Islam (S.11-100)
-- Tilman Nagel: Das Kalifat der Abbasiden (S.101-165)
-- Heinz Halm: Die Fatimiden (S.166-199)
-- Heinz Halm: Die Ayyubiden (S.200-216)
-- Ulrich Haarmann: Der arabische Osten im späten Mittelalter 1250-1517 (S.217-263)
-- Hans-Rudolf Singer: Der Maghreb und die Pyrenäenhalbinsel bis zum Ausgang des Mittelalters (S.264-322)
-- Barbara Kellner-Heinkele: Der arabische Osten unter osmanischer Herrschaft 1517-1800 (S.323-364)
-- Alexander Schölch: Der arabische Osten im neunzehnten Jahrhundert 1800-1914 (S.365-431)
-- Helmut Mejcher: Der arabische Osten im zwanzigsten Jahrhundert 1914-1985 (S.432-501)
-- Peter von Sivers: Nordafrika in der Neuzeit (S.502-592)



Chronologie

Bruderkampf um die Vorherrschaft zwischen Umayyaden, Haschimiten, Abbasiten und Aliden - Sturz der Umayyaden in Damaskus - Kalifat Kufa 750

740
Zahlreiche Untergrundorganisationen im islamischen Imperium
Das islamische Imperium ist unterwandert von Untergrundorganisationen ehemaliger arabischer Clans, die um das Kalifat buhlen:
-- Aliden: Nachkommen von Kalif Ali
-- Haschimiten: Nachkommen des Clans Haschim, des Clans von Muhammad
-- Abbasiten: Nachkommen von 'Abbas (S.108).

740 ca.
Kufa: der haschimitische "Wesir der Familie Muhammads" - Marw
In Kufa [am Euphrat im heutigen Irak [1]] residiert der sogenannte "Wesir der Familie Muhammads", der viele hasimitische Organisationen unter sich hat, aber nicht alle.

Marw [auch Merw genannt, an der Seidenstrasse in der Senke des Kaspischen Meeres [2]] ist neben Kufa das zweite Zentrum haschimitischer Aktivitäten (S.109).


Karte
                        des Osmanischen Reichs um 750 von der
                        französischen bis an die indische Grenze, mit
                        Tours und Poitiers, Toulouse, Córdoba, Qairuan,
                        Fustat (später Kairo), Kufa, Basra, Qom, Marw,
                        Mekka, Medina etc.
Karte des Osmanischen Reichs um 750 von der französischen bis an die indische Grenze, mit Tours und Poitiers, Toulouse, Córdoba, Qairuan, Fustat (später Kairo), Kufa, Basra, Qom, Marw, Mekka, Medina etc.



ab 126/743
Gedichte zur Verherrlichung der "frommen Haschimiten": "Haschimiyyat" von Kumayt
(S.108)

745
Kalif Marwan II. verschanzt sich mit seinem Heer in Mesopotamien am Fluss Zab bei Mosul
(S.102)

ab 745 ca.
Die Forderungen der Haschimiyya-Aufstandsbewegung:
-- jeder Kalif soll wieder von einem Ratskollegium gewählt sein
-- Abschaffung der Dynastie-Praxis nach Sure 42,38:
"Ihre Angelegenheit ist Gegenstand gemeinsamer Beratung."
Durch Verwirklichung dieser Forderung werde die Herrschaft der umayyadischen "Tyrannen" zerschmettert werden, behaupten die Haschimiten (S.106).

ab 745 ca.
Weitere Forderung der Haschimiyya-Aufstandsbewegung
Hauptforderung ist unter anderem, dass nur Mitglieder der Familie der Haschim über Muslime herrschen sollen (S.103).

128/746
Abbasidische Propaganda in Marw durch Abu Muslim - abbasidische Propaganda auch in Chorasan
Ibrahim, genannt "Imam", entsendet Abu Muslim nach Marw zur "Auffrischung" der alten Beziehungen zur dortigen Haschimiyya, wird skeptisch empfangen, denn auch ein Alide aus dem Iran wäre als Rebellenführer möglich: Abdallah b. Mu 'awiya. Aber Abu Muslim kann die Haschimiyya in Marw überzeugen, mit welchen Mitteln, ist nicht bekannt.
Ebenso gelingt es ihm, in Chorasan im Nordosten des heutigen Iran viele Anhänger zu begeistern (S.109)

6.6.747 ca.
Schwarze Fahnen als Vorbereitung für den Umsturz
Der Abaside Ibrahim, 4.Generation Nachkomme von ‘Abbas, einem Onkel des Propheten aus der Region Amman, übergibt dem Anführer der Untergrundbewegung "Haschimiyya" Abu Muslim zwei schwarze Fahnen. Dies ist das Zeichen zur Realisierung des Umsturz (S.101).

7.6.747
Damaskus: Warnung vor einem Aufstand
Kalif Marwan II.in Damaskus erhält eine Warnung des Umayya-Statthalters, dass in Marw ein Aufstand vorbereitet werde. Die "Ostprovinz" sei in Gefahr (S.101)

Kalif Marwan II. lässt Ibrahim aus Amman, den Fahnenlieferanten, festsetzen (S.101).

9.6.747
Zwei schwarze Fahnen als Zeichen zum Beginn des Umsturzes
Abu Muslim hiesst in Marw bei Damaskus zwei schwarze Fahnen und eröffnet damit den Umsturz der Umayyaden-Kalifenlinie (S.101)

747
Abu Muslim eröffnet den Kampf für ein haschimitisches Kalifat in einem Dorf von Halid b. Ibrahim
(S.111)

ab 747
Beginn des Umsturzes gegen die Umayya-Dynastie
Umsturz im islamischen Machtbereich mit Veränderungen in allen Bereichen der muslimischen Kultur (S.101).

9.6.747
"Haschimiyya"-Führer Abu Muslim schwingt sich zum Herrn über Marw auf. Der Statthalter der Umayya in Damaskus stirbt auf der Flucht
Kalif Marwan II. organisiert ein Gegenheer (S.101) und lässt seinen Schwiegersohn als Statthalter in Damaskus zurück (S.102).

Das Haschimiyya-Heer zeichnet sich aus durch Geschlossenheit, Kampfkraft und hohe Disziplin im Namen der Idee der Gleichheit. Alle Soldaten müssen einen Schwur leisten "auf den Gehorsam gegenüber dem aus der Familie des Gesandten Gottes, mit dem man als Herrscher einverstanden sein wird". Die Stammesrivalitäten im Heer unter den Soldaten sind abgeschafft. Rebellion wegen Sold oder Unterhalt müssen die Soldaten abschwören, ebenso aller Provokationen gegenüber dem Gegner (S.110).

Vom iranischen Dichter Abdallah b. al-Muqaffa wird das Heer bewundernd beschrieben. Es ist die erste Schule zur Heranbildung von Soldaten und Bürokraten ohne Hausmacht, Stamm oder Sippe, mit grösserer Loyalität zu Herrscher (S.110).

750
Heeresinvasion unter Abu Musim in Mesopotamien vom Euphrat aus in Richtung Damaskus
(S.109)

750
Schlacht in Mesopotamien zwischen Abu Muslim und Marwan II.
Truppen Abu Muslims dringen nach Mesopotamien ein und schlagen ein umayyidisches Heer in die Flucht (S.101).

Jan 750Vernichtender militärischer Sieg von Rebellenführer Abu Muslim gegen die verschanzten Truppen von Marwan II.
Kalif Marwan II. zieht mit einem kleinen Restheer durch die Ebene Mesopotamiens in Richtung Damaskus (S.102).

Juni 750 ca.
Abu Muslims Truppen besetzen Damaskus. Kalif Marwan II. flüchtet
durch das Jordantal nach Ägypten, wo er von Spitzeln von Abu Muslim umgebracht wird.
Abu Muslims Anhänger meinen, es sei eine Wendung "zum Besseren" erreicht im Sinn der Sure 22,39:

"Denjenigen, die kämpfen, weil ihnen ein Unrecht angetan wurde, ist der Kampf erlaubt, und Gott hat die Macht, sie zum Sieg zu führen." (S.102)

750
Heerführer Halid b. Barmak muss seinen Reichtum an den Revolutionsführer Al-Mansur abgeben
er wird dazu erpresst (S.116).

Sturz der Umayya-Kalifenherrschaft - Ermordung fast der ganzen Umayya-Sippe
Die Untergrundbewegung "HaÜ imiyya" stürzen den letzten Umayya-Kalifen und etablieren Banu l-’Abbas ("Abbaside") als Kalif. Es folgt die Vertreibung und Ermordung fast der ganzen Umayya-Sippe (S.79)

Mitte 8. Jh., um 750
Weiterhin keine Kodifizierung von Recht
Eine Kodifizierung von Recht durch den Kalifen ist weiter nicht möglich (S.85).

750 ca.
Mohammedaner: Adelsgesetz - idealisierte Geschichtsschreibung, Verherrlichung, Extremisierung
Die islamische Geschichtsschreibung beginnt, die Geschehnisse um Muhammad zu idealisieren und zu extremisieren. Der Stamm der Qurays wird auch schon für die vorislamische und vorprophetische Zeit als aussergewöhnlich geschildert, obwohl es nicht so war. Und der Stamm der Qurays wird für die Zeit vor Muhammad als besonders "heidnisch" / andersgläubig beschrieben, um den Kontrast zu der Lehre und Anweisung des Islam wirkungsvoll zu unterstreichen und Muhammad mehr revolutionäre Taten zuschreiben zu lassen, als er real vollbracht hat (S.12).

Somit entwickeln sich in der islamischen Welt Vorurteile, Verhetzungen und falsche Geschichtsbilder (S.12).

ab 750
Beginn der Befestigung des islamisch kontrollierten Territoriums und Beginn von Verteidigungskämpfen
(S.60)

ab 750
Noch mehr Verehrung für den Clan Muhammads der HaÜim
Die Sippe des Clans von Muhammad der HaÜim spielt in der Herrschaftsideologie der zweiten islamischen Kalifendynastie der Abba Siden (750-1258) eine zentrale Rolle.
In der Folge wird der Clan der Haschim in der Geschichtsschreibung noch mehr verklärt und das Geschichtsbild noch mehr verfälscht (S.17).

751 ca.
Abu Muslim verteilt Ämter
betraut seine Heerführer mit Ämtern an verschiedenen Orten des islamischen Ostens in Chorasan (S.115).

752
Der neue abbasidische Kalif in Kufa: Abu l-’Abbas, ein Bruder von Abu Muslim - "Abbasiten"
Abu l-’Abbas lässt sich in Kufa am Euphrat zum Kalifen ausrufen und begründet damit die Kalifenlinie der "Abbasiten".
Der Onkel von Abu l-’Abbas verspricht die endgültige Wende zum "Guten und Gerechten, die Verwirklichung der gottgewollten Ordnung auf Erden."
Historiker der Zeit formulieren, das arabische Reich sei nun durch ein allgemein islamisches Reich abgelöst (S.101-102).

Folgen für die Entwicklung:
->> der "Wesir der Familie des Propheten", der Führer der Haschimiyya-Bewegung in Kufa, ist überrumpelt und der Plan eines alidischen Kalifats ist ebenfalls gescheitert
->>der Wesir wird auf Weisung des neuen Kalifen Abu l-’Abbas ermordet
->> Abu l-’Abbas wird jetzt schon zum Despoten und der Bevölkerung unheimlich (S.110).

Nach dem Umsturz: Der Konflikt "Nord-" gegen "Südaraber" löst sich auf. Es zeigt sich aber gleich das neue Problem zwischen Arabern und Neu-Muslimen. Die Gleichberechtigung durchzusetzen bleibt schwierig. Gleichzeitig kommen Forderungen z.B. nach einer stärkeren Islamisierung der Institutionen des Gemeinwesens und des gesamten Alltags auf (S.106).

Kalif Abu l-’Abbas lässt im ganzen Imperium schnell ihm getreue Beamten ausbilden und einsetzen. Die Gleichberechtigung zwischen arabischen und nicht-arabischen Muslimen wird durchgesetzt. Die "Verdienste" eines Menschen um den Islam werden wieder in den Mittelpunkt gerückt (S.102).

Kurz nach dem Umsturz: Da’ ud b.’Ali verspricht , alles werde wieder so wie zu Zeiten Muhammads nach Gottes "Offenbarung" nach dem "Vorbild des Gottesgesandten". Da’ ud b.’Ali verspricht, dass alles besser werde, aber es hat niemand eine Ahnung, wie es sein wird, weil weiter kein "islamisches Recht" existiert (S.106).

Die Buhlerei um das Kalifat geht weiter. Die Rebellen im Zweistromland unter Abd ar-Rahman halten sich für legitimierter gegenüber Abbu l-’Abbas in Kufa. Sie behaupten, ihre Linie würde Muhammad näher stehen (S.108).

Die Abbasiden verfluchen immer wieder die Umayya und führen dabei immer wieder die illegale nicht korangemässe Adoption von Ziyad durch Mu’ awiya I. an. Von Neu-Muslimen wird den Abbasiden die Frage gestellt, wieso sie nun zum Kalifat "auserwählt" seien. Neue politische Aufstände sind weiter vorprogrammiert (S.107).

752
Ibrahims Raubzug in Samarkand, heutiges Turkmenistan
Halid b.Ibrahim ist Anführer eines Raubzuges gegen einen sogdischen Fürsten in Samarkand (heute Turkmenistan), obwohl die Unterwerfung schon stattgefunden hatte.
Der sogdische Fürst wird von Halid b. Ibrahim ermordet und grosse Beute gemacht, u.a. vergoldete chinesische Gefässe (S.111).

ab 752
Mesopotamien: Organisation des Kalifats
-- Kalif As-Saffah führt keinen "Wesir" für sein Kalifat ein (S.116)

-- das Steuersystem der Umayya wird von den Abbasiten unverändert übernommen und etwas stärker bürokratisiert (S.134)

-- Jerusalem spielt nach dem Machtwechsel in Kufa religiös nur noch eine untergeordnete Rolle (S.192)

-- Reorganisation des Heeres: Das Heer ist aus Arabern und Iranern zusammengesetzt, letztere als freie, berufsmässige Reitersöldner (S.200).

Abu-l’Abbas fürchtet Abu Muslim
Abu Muslim lässt die Befestigung der Stadt Samarkand unter Halid b. Ibrahim zu.
Gleichzeitig befürchtet Kalif Abu l-’Abbas Abu Muslim als Konkurrenten und beginnt mit Intrigen, die Position von Abu Muslim zu untergraben (S.111).

Abbasiten übernehmen die Haschimiyya-Bürokratie
Die Haschimiyya-Bürokraten, die bereits etabliert sind, werden vom neuen Abbasiden-Kalifen übernommen. Gleichzeitig versucht der Kalif, eigene Familienmitglieder in die Verwaltung zu schleusen, denn das volle Vertrauen zu den Haschimiyya ist nicht da (S.116).

Riesige innere Probleme im muslimischen Imperium
Die innenpolitischen Probleme des islamischen Imperiums sind so gross, dass keine grossen kriegerischen Unternehmungen nach aussen möglich sind (S.118).

Bedrohung aus Anatolien: Byzanz
Byzanz bedroht die islamischen Zentren Damaskus und Mesopotamien von Anatolien her.
Die Kalifen in Kufa bauen im Norden gegen Byzanz keine Verteidigungslinien (S.119).


Umayya-Aufstände - Tronkämpfe zwischen al-Mansur und Onkel Abdallah b. ‘Ali - Flucht von Abdallah - Kalifat von al-Mansur ab 755, Zensurherrschaft - Steuer- system weiter gegen Neu-Muslime - Diskussion um die Sunna-Rechtsnormen - Tabaristan unter islamischer Verwaltung - Planung und Bau der Stadt Bagdad ab 760 - Alidenaufstand in Hedschas - "Blütezeit" Mesopotamiens unter al-Mansur ab 762 - Kalif al-Mahdi 775

Zusammenfassung
Umayyaden-Aufstände werden von den neuen Abbasiden unter Abdallah b. ‘Ali niedergeschlagen. In der Folge beansprucht Abdallah gegen den Kalifensohn al-Mansur den Tron, muss aber flüchten. Al-Mansur etabliert nach "Beseitigung" all seiner Konkurrenten 755 eine Zensurherrschaft. Das neue Steuersystem mit der harag-Steuer bleibt weiter gegen die Neu-Muslime gerichtet, die auch dann noch mehr Steuern als Muslime bezahlen müssen, wenn sie schon seit Generationen zum Islam konvertiert sind. Mitglieder anderer Glaubensgruppen lässt al-Mansur umbringen. Aufkommen der Diskussion um die Sunna und Unterwerfung Tabaristans am Kaspischen Meer. Gleichzeitig lässt er eine neue Hauptstadt inmitten Mesopotamiens planen: Bagdad. Ein Alidenaufstand in Hedschas lässt er mit chorasanisch-persischen Truppen niederschlagen. Ab 762 beginnt die "Blütezeit" Mesopotamiens mit der neuen Hauptstadt Bagdad. Die "Blütezeit" erfährt unter Kalif al-Mahdi ab 775 ihre Fortsetzung.

Chronologie (Fortsetzung)

754 ca.
Umaiyyadischer Aufstand in Mesopotamien
wird vom Onkel des Kalifen, Abdallah b. ‘Ali, niedergeschlagen (S.111).

Spanien: Andalusien bleibt in Umayya-Hand
Ein Angehöriger der Umayya-Sippe kann den Mordkommandos Abu Muslims entkommen, kann sich nach Andalusien retten und ruft dort eine letzte Umayya-Regierung aus. Die Abbasiden können nicht eingreifen (S.118-119).

Anfang 755 ca.
Tod von Kalif Abu l-’Abbas - Krieg zwischen al-Mansur und ‘Abdalah b.’Ali um das Kalifat
Feldherr Abu Muslim besucht den Kalifen Abu l-’Abbas in Kufa und zieht mit dem Bruder des Kalifen al-Mansur in Richtung Mekka, als der Kalif stirbt.

Al-Mansur kann das Kalifat wegen seinem Onkel ‘Abdallah b.’Ali nicht antreten, der ebenfalls um das Kalifat buhlt. Krieg zwischen Abdallah b. ‘Ali und Al-Mansur um die Kalifennachfolge. Der Onkel Abdallah b. ‘Ali flüchtet in ein Versteck (S.111).

137/755
Al-Mansur lässt Feldherr Abu Muslim ermorden - alle Konkurrenten sind beseitigt
Al-Mansur steht das Kalifat offen und verlangt von seinem Kampfgefährten, dem Feldherrn Abu Muslim angeblich die Herausgabe seiner Beute.

Abu Muslim hat nun seinerseits dem Plan, vor Al-Mansur nach Chorosan zu flüchten, lässt sich von al-Mansur aber noch einmal zu einer Besprechung locken, wo er mit Vorwürfen überschüttet und von zwei Meuchelmördern umgebracht wird (S.111). Damit hat al-Mansur das Heer des Haschimiyya in seiner Hand (S.113).

755-800 ca.Ab dem Tod von Abu Muslim existiert im Iran eine Sekte, die die Wiederkehr von Abu Muslim erwartet und behauptet, er sei nur entrückt und nicht getötet (S.112).

ab 755- 775
Herrschaft und Kalifat von al-Mansur
Al-Mansur errichtet mittel List und Gewalt eine "feste Herrschaft", wahrscheinlich alles mittels Bestechung (S.112). Kalif Al-Mansur führt keinen "Wesir" für sein Kalifat ein. Er kümmert sich um alles selbst (S.116).

ab 755 ca.
Anlegen eines Steuerkatasters für Syrien und Chorasan - Einführen der harag-Ertragssteuer
Die Abbasiden legen einen Steuerkataster für Syrien und Chorasan an zur sicheren Einschätzung der jährlichen Staatsfinanzen.

Im Irak selber aber wird eine Naturalsteuer eingeführt, abhängig vom jeweiligen Ernteertrag.
Die Unterscheidung in arabisches und anderes Land bleibt, und Nicht-Muslime müssen weiter meist die 20% Ertragssteuer "Haradsch" bezahlen, auch wenn sie längst zum Islam konvertiert sind.
Wieder eingewirtschaftetes Land (nach Brache oder Neuland nach Aufschüttung) wird mit dem Zehnten der Ernte besteuert (S.134).

Weiter werden ergänzende Vorschriften zur Landvergabe erlassen:

-- Muslime dürfen kein Land bekommen, das früher von Nicht-Muslimen bearbeitet worden ist (sogenanntes "Haradsch"-Land). Muslime mit neuem Land werden mit 10 Prozent besteuert

-- Land kann auch mit einer fixen Abgabe unabhängig vom Vertrag besteuert werden. Vor allem Land von Nicht-Muslimen wird so weitervergeben. Das Risiko bei ausfallendem Vertrag muss der Pächter selber tragen

-- Sold und Pensionen an türkische Söldner kann auch in Form von Landpacht oder Landvergabe geschehen
-- Land von Nicht-Muslimen kann auch nach dem Mondjahr vergeben werden (S.135).

ab 755
Diskussionen um die "Sunna" und ein "Sunnarecht"
In Bagdad, dem neuen Machtzentrum, wird die Sunna sehr kontrovers diskutiert. In der arabischen Provinz Medina dagegen wird die Sunna fast nur theoretisch betrachtet (S.118).

ab 755 ca.
Leistungen im Abbasidenreich: Postwege
Ein Postbeutel von Hedschas nach Bagdad braucht vier Tage. Die Post von Ägypten nach Bagdad braucht 11 Tage, die Post von Damaskus nach Bagdad sechs Tage (S.137).

756
Massaker von Kalif Al-Mansur an "Sektierern"
Mansur lässt die Sektierer der Rawandiyya in Bagdad alle umbringen, die von einem neuen "Herrgott" schwärmen (S.115)..

Islamische Unterwerfung Tabaristans
südliche des Kaspischen Meers unter Al-Mahdi, dem Kalifensohn. Im Industal und in Andalusien bleiben "unklare" Situationen bestehen (S.118).

ab 756 ca.
Säuberungen und Gewalt sichern die Herrschaft von Al-Mansur - der Plan von Bagdad
Kalif Al-Mansur lässt eine Säuberung der Haschimiyya-Bewegung in Chorasan durchführen.
Er lockt seinen Onkel Abdallah b. ‘Ali aus seinem Versteck, stellt ihn unter Arrest und lässt dessen Gefolgsleute "ausschalten".

Rebellionen im Industal, in Tabaristan oder in fernen Randregionen kann Al-Mansur niederschlagen lassen (S.112).

Ein Sektiereraufstand in Kufa gegen Kalif Al-Mansur hat keinen Erfolg.

Gleichzeitig plant Kalif Al-Mansur eine neue Residenzstadt, genau an der Stelle, wo Euphrat und Tigris am nächsten sind, so dass die zu bauende Stadt von beiden Seiten nur über Brücken erreichbar ist: Bagdad (S.112).

Zensurherrschaft
Kalif Al-Mansur hält einen mittleren Kurs in der Religionspolitik und lässt alle, die einen anderen religiösen Kurs propagieren, "erledigen". Sein Ziel ist ein einheitlicher Glaube. Mit der Schaffung einer effizienten Verwaltung und einheitlichen und überprüfbaren Rechtsnormen schafft er eine Basis für Kontinuität im islamischen Vielvölkerimperium, so weit dies möglich ist (S.115).

Haschimiten in der Bürokratie al-Mansurs
Viele Haschimiyya-Familien sind bereits in der Bürokratie und tun sich dort hervor. Weitere Haschimiyya- Mitglieder werden in die Bürokratie von Kalif Al-Mansur aufgenommen (S.115).

760
Baubeginn der neuen Residenzstadt Bagdad
eine kreisrunde Anlage mit Doppelmauer, mit Moschee und Palast im Zentrum.
Für diesen Bau wird zuerst die ehemalige sassinidisch-persische Residenz Ktesiphon geplündert. Bald aber merkt Al-Mansur, dass es billiger ist, die Steine an Ort und Stelle zu behauen. So können doch noch grosse Reste von Ktesiphon erhalten bleiben (S.112).

Alidenaufstand gegen Al-Mansur in Hedschas - Niederschlagung mittels chorasanischer Truppen
angeführt vom Aliden Muhammad b.’ Abdallah, ein Nachkomme von Hasan b. ‘Ali. Er behauptet, er sei auch mütterlicherseits rein qusarysitisch und somit eher zum Kalifat berufen als Al-Mansur. Der Aufstand dehnt sich bis nach Mesopotamien aus und kommt bedrohlich nahe an Bagdad heran.

Al-Mansur kann den Aufstand mit chorasanischen Truppen niederschlagen lassen und setzt schriftlich fest, dass ‘Abbas als letzter der Oheime des Propheten verstorben sei und als dessen Erbe gelten müsse.
Al-Mansur zieht eine strikte Trennungslinie zwischen Aliden und Abbasiden (S.113).

760 ca.
Empfehlung einer Rechtsreform von Ibn al-Muqaffa für ein "islamisches Recht"
Mit einem Schreiben empfiehlt Ibn al-Muqaffa dem Kalifen Al-Mansur, alle unterschiedlichen Verfahren, Urteile, Sunna-Normen und Analogieschlüsse der Rechtsgelehrten im Imperium zu sammeln und dann mit der von Gott eingegebenen Einsicht zu überprüfen und zu entscheiden, was gelten solle. Darauf soll Kalif Al-Mansur seine Schlüsse in einem von Gottes Erkenntnis geleiteten Buch herausgeben.

In der Folge gibt Kalif Al-Mansur Aufträge an Rechtsgelehrte, aus der "Sunna", dem normsetzenden Reden und Handeln des Propheten, ein Alltagsrecht herauszuarbeiten. Er fördert die "Sunna-Gelehrsamkeit" (S.117).

Kalif Al-Mansur ernennt seinen Sohn al-Mahdi zum Gouverneur über den "Osten" (Chorasan, Iran) und zum Thronfolger
(S.116)

ab 760 ca.
Probleme von al-Mahdi im "Osten"
Al-Mahdi, Gouverneur im "Osten", hat gegenüber den alten Führern im "Osten" keine gute Position, will die chorasanische Haschimiyya zügeln, was nicht möglich ist (S.116).

ab 760
Diskussion um die Einführung eines einheitlichen Rechts
Die Rechtsnormen aus dem Hedschas (Sunna) und aus den Ostprovinzen (Hanafiten) stehen zur Diskussion:
-- die Sunna ist nicht praxiserprobt
-- die hanafitische Theologie strebt eine rationalistische Durchdringung und Aufarbeitung des islamischen Glaubens an (S.118).

Adelbildung im Islam: Aliden und Abbasiden
Die Nachfahren Alis (Aliden) und von Muhammads Onkel Abbas (Abbasiden) bilden fortan den islamisch privilegierten Adel (S.113).

762
Fertigstellung der Residenz Bagdad
Der schnelle Bau war nur aufgrund straffer Organisation möglich. Al-Mansur hatte die Macht, aus allen Landesteilen Arbeiter herankommen zu lassen, die Baukosten zu bezahlen (S.112) und die Nahrungsmittelpreise niedrig zu halten (S.112-113).

ab 762
"Blütezeit" des Kalifenreiches in Mesopotamien unter Kalif Al-Mansur - vernachlässigte Verteidigungsbauten
Al-Mansur begünstigt ein schnelles wirtschaftliches Wachstum für Bagdad als Welthandelsstadt, das Wachstum der Märkte und der Gewerbeviertel.

Al-Mansur kann sich als Kalif immer mehr bestätigt sehen. Die muslimische Anhängerschaft von vorerst gleichgültigen oder gegnerisch eingestellten Muslimen nimmt ebenfalls zu (S.113).

Auch Kalif Al-Mansur schert sich kaum um Verteidigungsbauten für das Imperium gegen Byzanz (S.119).

765 ca.
Bagdad wird zur Heereskaserne: Vorort al-Harbiyya
Im Vorort al-Harbiyya von Bagdad wird eine grosse islamische Armee untergebracht. Auch in Kriegszeiten bleibt eine ausreichende Reserve zum Schutz des Kalifen zurück. Die Kasernierung in Bagdad lockert bei den chorasanischen/iranischen Soldaten allmählich die Bindung an die Heimat. Sie werden emotional "arabisiert" (S.120).

Bagdads Rechtsreform: Einführung einer "angepassten Sunna-Gesetzgebung"
Es werden Rechtsnormen gemäss der Sunna eingeführt, aber nicht dogmatisch. Die Richter haben genügend Freiraum. Herausragender Rechtsrepräsentant ist Abu Hanifa (S.118).

767
Tod des Rechtsgelehrten Abu Hanifa
Es ist ihm nicht mehr vergönnt, Richter zu werden (S.118).

774
Misstrauen zwischen Abbasiden und Aliniden - Mord am Bagdader Marktvogt - fanatische Aliniden
Kalif al-Mansur lässt den von ihm eingesetzten Bagdader Marktvogt wegen Verbindungen zu den Aliniden umbringen, weil er Alinidenpropaganda verbreitet hat.

Kalif Al-Mansur befielt zudem die Verlegung der Märkte aus Bagdad in den Vorort am Karh-Tor, um die Aliniden-Anhänger vor seiner Residenz zu entfernen. Das Marktviertel am Karh-Tor wird dann für seinen Fanatismus zugunsten der Aliniden bekannt (S.114).

775
Tod von Kalif al-Mansur, neuer Kalif al-Mahdi - neue Geschichtsschreibung gegen die Aliniden
Kalif Al-Mahdi befielt eine neue Geschichtsschreibung und verordnet, dass die Führerschaft der islamischen Gemeinde vom Propheten auf ‘Abbas übertragen worden und dann vererbt worden sei.

Al-Mahdi will so die Aliniden ideologisch endgültig ausschalten. Alle alinidischen Kämpfe gegen die Umayya vor 100 Jahren werden mit der neuen Geschichtsschreibung abgewertet. Die Dynastie der Abbasiden selbst wird ideologisch etabliert, die Revolution von 752 ad absurdum geführt. Vom Ziel, den Kalifen zu wählen, kann keine Rede mehr sein. Im Gegenteil: Kalif al-Mahdi schafft ein neues Recht, dass der Kalif seinen Nachfolger selber bestimmen darf. Damit sind alle gegnerischen Bewegungen, Haschimiten und Aliniden, endgültig vom Kalifenposten verbannt (S.114).

Kalif al-Mahdi: Er soll einen "Wesir" ("Helfer") ernannt haben: Abu ‘Ubaydallah.
Der Wesir bekommt die Oberaufsicht über alle zentralen Behörden ("dawawin"): Steuer, Heer und Sicherheitsämter (S.116).

Gleichzeitig sind die Wesire immer Ziel von Intrigen und sind meist nur kurz im Amt, da Steuer-, Heer- und Sicherheitsämter von den Kalifen oft umorganisiert werden, je nach Vorliebe oder geographischer Gegebenheit (S.117).

Kalif Al-Mahdi führt den strengen mittleren religiösen Kurs von Kalif Al-Mansur fort (S.115).

Weiter umstrittene Sunna-Gesetzgebung
Kalif Al-Mahdi fördert weiter die "Sunna-Gelehrsamkeit", aber die Gelehrten entziehen sich bald dem Dienst mit dem Argument, es bestünden "theologische Bedenken". Die Sunna sei zum Teil nicht auf Muhammad bezogen (S.117).

ab 775
Glaubensstreit gegen die "Zindiqen" aus Iran/Chorasan
Das Aufkommen der "Zindiqen", die Anhänger der dualistischen Glaubensform im Iran/Chorasan, gibt der Glaubensdiskussion in Bagdad neuen Zündstoff. Die Zindiqen aus Chorasan kritisieren die Beschreibung Gottes im Koran (S.137) und wenden sich gegen die Verbote von Wein, Musik und Gesang (S.138).

Unabhängiges Fürstentum in Nordwestafrika
Ein Mitglied des hasanidischen Zweiges der Aliden gründet Nordwestafrika ein Fürstentum. Die Abbasiden können nicht eingreifen (S.119).

"Osten": "Reorganisation" durch Kalif al-Mahdi
Al-Mahdi lässt durch seinen Sohn, Wesir Harun, das gesamte Grenzgebiet südlich des Taurus reorganisieren (S.119).

Strategisch gezielte Angriffe des muslimischen Reiches gegen Byzanz
(S.119)


Emir Harun - Sunniten und Hanafiten in Bagdad als Bedrohung - Chorasanier der Barmakiden in Bagdads Verwaltung und Sunnitenverfolgung - Diskussion um "unreines Leben" am Hof - Abbasidischer Vorstoss gegen Byzanz bis an den Bosporus - Kalif Tat Musa al-Hadi 785, Chorasanierverfolgung - Kalif Harun ar-Raschid 786, Rehabilitation der Chorasanier und "Blütezeit" Bagdads - Steuer- reform gegen Ungerechtigkeiten - Unabhängigkeitsbestrebungen Chorasans - Handel Bagdads bis China und Schwarzafrika

Zusammenfassung
Wesir Harun kann Kalif al-Mahdi die Macht sichern. Die Religiöse Diskussion um Sunniten und Hanafiten wird durch die Agitation in der Volksmasse in Verbindung mit den Haschimiten für das Reich bedrohlich. Gleichzeitig beginnt die Chorasanier der Barmakiden in Bagdads Verwaltung eine immer wichtigere Rolle zu spielen, weil die Kalifen sich in der "Blüte" ein genüssliches Leben machen. Kalif al-Mahdi begründet lieber eine religiöse Vernunfttheologie und lässt die Sunniten verfolgen, die dem Kalifenhof ein "unreines" Leben vorwerfen. Dem Abbasidenheer gelingt währenddessen ein militärischer Sieg gegen Byzanz bis an den Bosporus. Der neue Kalif Tat Musa beginnt, mit der Machtstellung der Chorasanier abzubauen, der gleich folgende Kalif Harun ar-Raschid rehabilitiert diese wieder und leitet so den zweiten Teil der "Blütezeit" Bagdads ein. Er beseitigt in grossen Steuerreformen auch die Ungerechtigkeiten des Systems. Chorasan zeigt nun Unabhängigkeitsbestrebungen. Die Handelsbeziehungen Bagdads reichen bis China und Schwarzafrika.

Chronologie (Fortsetzung)

780 ca.
"Osten": Neuer Wesir unter Kalif al-Mahdi: Harun
sein Sohn (S.119). Harun ist so geschickt, dass seine Macht wächst und Kalif Al-Mahdi scheinbar das Leben eines Müssiggängers führen kann (S.116).

Gefährdete Grenzen des islamischen Imperiums
Kalif al-Mahdi wird auf einer Reise nach Jerusalem in Damaskus vom bekannten Sunna-Gelehrten al-Awza ‘ì gewarnt, dass nicht genug Geld für Grenztruppen zur Verfügung steht, um die Grenzen gegen "Feinde" zu verteidigen (S.119).

ab 780 ca.
Beginn der Polarisierung zwischen Sunna/ Sunniten und Hanafiten
Unter Wesir Harun findet die Sunna-Wissenschaft in Bagdad regen Zulauf, scheinbar vor allem in den ungebildeten Schichten. Es ist eine Suche nach Glaubensgewissheit in einer frommen Aneignung des prophetischen Vorbildes.

Sunniten und Hanafiten beginnen, die Volksmasse zu polarisieren. Wenn sich eine Richtung mit den aufstrebenden Haschimiyya verbindet, so kann die Bewegung zu einem weiteren Umsturz führen (S.118).

780
Muslimischer Feldzug unter Wesir Harun gegen Byzanz
(S.119) mit zahlreichen Freiwilligen, die die Hoffnung hegen, grosse Beute zu machen und mit "Verdiensten" einen sozialen Aufstieg zu erreichen (S.120).

ab 780ca.Barmakiden erhalten immer mehr Posten im muslimischen Staat - verlorene Kalifen-Autorität
Der Statthalter, Al-Fadl b. Yahya, ein Enkel von Halid b. Barmak, begünstigt als "Barmakide" die Chorasanier mit Posten im muslimischen Staat (S.121). Das islamische Reich unter Al-Mahdi verliert so immer mehr die Autorität über die Verwaltung (S.117).

780 ca.
"Osten": Sunnitenverfolgung unter Kalif al-Mahdi - Grunddiskussion über Glauben, Islam und "Wahrheit"
Kalif al-Mahdi kann die Sunna-Gelehrsamkeit "bezwingen", lässt Sunniten verbieten und verfolgen.
Die Auseinandersetzung zwischen Sunna- und Zindiqen-Gelehrsamkeit provoziert eine neue rational-theologische Richtung und begründet den Anfang einer rationalen Vernunfttheologie.
Die Ressentiments gegen den Iran bleiben, der einen "unreinen" Islam verkörpere.

Entscheidend aber ist die Konfrontation um den Glauben überhaupt, was den Kern des Glaubens eigentlich ausmacht. Dies ist ein epochaler Schritt (S.138).

Des weiteren beschäftigen sich die Religionsgelehrten zum ersten Mal überhaupt mit der Frage, wie Glaube überhaupt erhalten oder verteidigt werden kann und welche Glaubensrichtungen es überhaupt gibt.
Denn wenn der Islam eine Weltreligion sein soll, so muss sie auch weltweit annehmbar sein und somit absolut "wahr" sein, mit einer tragfähigen, anerkannten und für alle annehmbaren Grundlage (S.139).

Die "unreine" Art zu leben am Kalifenhof in Bagdad - Argumente für die Sunniten
Die "unreine" Art zu leben breitet sich auch auf den Kalifenhof in Bagdad aus. Auch die reiche Schicht wendet sich gegen die fundamentalistischen Verbote von Wein, Gesang und Musik. Die Folge sind Überschwang und Leichtfertigkeit der Verantwortlichen. Der Dichter Abu Nuwas (756-810) treibt seinen Spott gegen islamische Werte und bricht Tabus (S.138).

782 ca.
Der bekannte Sunna-Gelehrte al-Awza ‘i beklagt beim Kalif, dieser sei nicht bereit, Muslimische Gefangene bei den Byzantinern auszulösen
(S. 119)

783
Abbasidischer Vorstoss unter Wesir Harun bis an den Bosporus
Harun zwingt Kaiserin Irene zu einem für ihn vorteilhaften Waffenstillstand. Das Abbasidenheer macht grosse Beute an Vieh und Waffen, so dass die Preise dafür innerhalb des Heeres völlig verfallen.
Haruns Erfolge basieren zum Teil auf erfahrenen Heerführern des Haschimiyya-Heeres und hat damit einen "chorosanischen" Charakter (S.119).

785-786
Tod von Kalif al-Mahdi - Nachfolger Kalif Tat Musa al-Hadi
Es kommt in der Volksmasse zu Pamphleten gegen die Chorasanier, die vor der Machtfülle der Barmakidenfamilie warnen (S.121).

3.7.786
Kalif Tat Musa al-Hadi ergreift strenge Massnahmen gegen die Chorasanier.
(S.121)

786-809
Kalifat von Harun ar-Raschid: Pamphlet gegen Chorasanier
Kalif Harun lässt den Verfasser des Pamphlets gegen die Chorasanier von 786 "für einige Zeit" ins Gefängnis wandern (S.121).

Kalifat von Harun ar-Raschid: Chorasanier bekommen viele Posten - chorasanische Erziehung des zweiten Sohnes Al-Ma’ mun
Der neue Kalif Harun räumt den Chorasaniern/Barmakiden/Iranern/Persern so viel Macht ein, dass diese die "eigentlichen Herren" werden. Der Barmakidenpalast glänzt neben dem Kalifenpalast und wird zum kulturellen Anziehungspunkt für Literatur, Gesang und rationalistische Theologie.

Kalif Harun hat zwei Söhne: Al-Amin und Al-Ma’ mun (S.121).

Der zweite Sohn, Al-Ma’ mun, wird im chorosanischen Barmakidenpalast erzogen und herangebildet, mit
Rationalismus in Theologie und Weltdeutung mit dem Glauben, dass durch sachliche Erörterung unterschiedlicher Auffassungen eine "Wahrheit" zu finden sei, die dann bewiesen werden könne und deswegen von allen Volksgruppen im Reich Anerkennung finden müsse (S.122).

Kalif Harun bildet mit Wesir Ga ‘far al-Barmak und dem schwelgenden Dichter Abu Nuwas ein "Dreigestirn", das für die Zeit in Bagdad prägend ist (S.138).

786-809
Erste schriftliche Rechtsdiskussion über Besteuerung durch Kalif Harun ar-RaÜid
weil die vorgängigen Kalifen sich bei der Besteuerung nicht mehr um die islamischen Massstäbe kümmerten und massenweise Unrecht geschehen ist (S.85).

ab 786
Kalif Harun hat den Chorasiden Ga ‘far al-Barmaki als besten Berater.
In 1000-und-eine-Nacht verkörpert das Zweiergespann Harun ar-Raschid und Ga ‘far al-Barmaki die versunkene "Blütezeit" des abbasidischen Kalifats, eines unwahren Traumbildes (S.122).

790 ca.
Neuer Statthalter al-Hadi: hohe Steuerabgaben für Chorasan
Der Nachfolger des barmakidischen Statthalters al-Fadl b. Yahya, al-Hadi, verfügt strenge Steuergesetze über Chorasan, so dass es zwischen den Barmakiden und dem Kalifen zum Streit kommt (S.121).

798
Abhandlung von "Qadi" Abu Yusuf über Besteuerung im islamischen Bereich an den Kalifen Harun ar-Raschid
mit Schilderung der Missstände und Vorschlägen für mehr Gerechtigkeit nach muslimischen Massstäben (S.85).

Tod von Abu Yusuf, dem Verfasser eines neuen Buches über die Grundsteuer / haradsch
(S.118)

800
Unabhängigkeitsbestrebungen in Chorasan/Iran
Es zeichnet sich ab, dass der Ostteil des islamischen Reiches der Unabhängigkeit zustrebt und der Macht von Kalif Harun entgleitet (S.122).

800 ca.
Einheitliche Bezeichnung für Muslime
Muslime werden alle einheitlich als "Prophetengefährten" bezeichnet: "ashab" / "sahaba", Singular-Form: "saha-bi" (S.45).

ab 800 ca.
Aufkommende Sunniten in Bagdad - Ausweitung der Handelsbeziehungen von China bis Schwarzafrika - beginnende philosophische Diskussion um Gleichwertigkeit aller Muslime
In der Folge um die Auseinandersetzung um die Religion gewinnt die Ideologie der Anhänger der "sunna" Kontur (S.139).

Gleichzeitig erreicht der Islam ungeahnte Handelspartner, von Innerafrika bis China.

Bagdad und Alexandrien werden die herausragenden Handelszentren. Die verschiedenen islamischen Völker - Araber, Perser, Berber, Schwarze - werden philosophisch miteinander verglichen, zum Beispiel vom dichter al-Gahiz, zum Teil mit Polemik. Es stellt sich philosophisch zum ersten Mal die Frage, ob ein Araber mehr oder weniger wert sei als ein Mensch eines anderen Volkes. Was bisher immer von vornherein im Recht angenommen wurde, wird nun in Frage gestellt (S.139).

Es kommt die These in Umlauf, die Araber seien durch das Prophetentum "ausgezeichnet" worden. Die literarische Richtung der "Su ‘ubiyya" fordert für alle islamischen Völker den gleichen Rang. Zum Teil werden die Araber von Su ‘ubiyya-Vertretern als "Barbaren" herabgestuft, denn sie hätten ausser den Propheten nichts vorzuweisen, und die Araber seien die Schmarotzer anderer Kulturen (S.140).

Auch die Abstammung steht zur Debatte. Der Schriftsteller Ibn Qutayba (gestorben 889) vertritt in einem Werk vehement die These, dass Abstammung nichts bedeute und jeder Mensch aus Staub sei und sich wieder in Staub verwandle (S.140).

Mit der Zeit vollzieht sich eine Vermischung der verschiedenen muslimischen Völker durch das Heer und den Handel. Arabisch wird übergeordnete "Kultursprache" des Imperiums und es entwickelt sich zum Teil ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das nicht mehr zu überwinden ist. Obwohl Gleichheit und Gerechtigkeit nur wenig erfüllt werden, kommt es im Niedergang der Kalifenregierungen ab 800 zu keiner Spaltung des islamischen Reichs (S.140).


Erste Söldnerheere Bagdads: Turkmenen, Berber, Osteuropäer, Balkanesen - Ermordung des barmakidischen Wesirs, Polarisierung zwischen Arabern und Chorasaniern - Tod von Kalif Harun 809 und Bürgerkrieg zwischen Arabern und Persern, Krieg zwischen den Kalifensöhnen al-Amin und al-Ma’ mun, Sieg al-Ma’ muns - Alidenaufstand und Gegenkalif Ibrahim b. al-Mahdi - Invasion chorasanischer Truppen unter Tahir und Gegenwehr des Volkes - Kalifat al-Ma’ muns 819 im zerstörten Bagdad - Einführung turkmenischer Söldnertruppen

Zusammenfassung
Der Kalifenhof lässt die "Blüte" durch Söldnerheere aus zusammengewürfelten Nationen schützen. Nach der Ermordung des barmakidischen Wesirs Ga ‘far al-Barmaki polarisieren die Positionen zwischen Arabern und Chorasaniern. Nach dem Tod von Kalif Harun 809 schliesslich ist der Bürgerkrieg zwischen Arabern und Persern nicht mehr aufzuhalten, der mit einem Krieg zwischen den Kalifensöhnen al-Amin und al-Ma’ mun noch verschlimmert wird. Statt ein beständiges Land aufzubauen, streiten sie sich um einen Säugling. Kalifensohn al-Ma’ mun siegt. Die Aliden rufen einen Gegenkalif Ibrahim aus. Aus Chorasan schliesslich erreicht das Heer unter Tahir Bagdad, das ohne eigentliche Führung steht. Das Volk greift in "Futawwa"-Bünden zur Waffe, kann die Zerstörung der Stadt aber nicht mehr verhindern. Kalif al-Ma ‘mun muss sein Kalifat 819 im zerstörten Bagdad beginnen und führt turkmenische Söldnertruppen ein. Die "Blüte" der letzten 50 Jahre liegt in Schutt und Asche.

Chronologie (Fortsetzung)

ab 9. Jh.
Damaskus/Bagdad: Söldner im Heer: Turkmenen, Berber, Osteuropäer, Balkanesen
Ab dem 9.Jh. können Söldner, die ausgebildeten "Kriegssklaven" im Heer (arab. ‘abd, gulam, mamluk), nach einer gewissen Dienstzeit zum Offizier aufsteigen (S.200).

Fortan rekrutieren sich die "Kriegssklaven" hauptsächlich aus Turkmenen/Seldschuken, Berbern und in Spanien aus Osteuropäern und Balkanesen. Bei Bedarf werden auch Beduinenreiter "eingesetzt".
Das arabische Element tritt in der Folge immer mehr zurück (S.200).

Offiziere der Söldnerarmeen sind Emire (arab.: amir = Befehlshaber). Jeder kann Offizier werden, unabhängig von Glauben und Herkunft (S.200).

Aus der Masse der Offiziere rekrutieren sich Heerführer, Stadt- und Festungskommandanten, Provinzstatthalter, Wesire und Sultane (S.201).

Die wichtigsten Führungsposten sind somit nicht religionsabhängig. Es kann von Vor-, aber auch von Nachteil sein (S.200-201).

802
Kalif Harun bestimmt die Thronfolge in der Ka ‘ba zwischen den beiden Söhnen
Der zweite Sohn ist 16 Jahre alt. Kalif Harun lässt in der Ka ’ba Urkunden für die Thronfolge hinterlegen:

-- der erste Sohn Al-Amin soll das Kalifat nach Haruns Tod erben

-- Al-Amin soll aber seinen Thronfolger nicht mehr selbst bestimmen dürfen, denn sein Bruder Al-Ma’ mun soll der zweite Nachfolger sein

-- Al-Amin soll auch anerkennen, dass Al-Ma’ mun die Statthalterschaft über das ganze Ostreich zustehe, die er de facto bereits schon lange hat.

Die Folgen der Regelung können verheerend sein (S.122).

803
Ermordung von Ga ‘far al-Barmaki: Gegenschlag der Araber gegen die chorasanischen Barmakiden in Bagdad
Über den Mord an Ga ‘far al-Barmaki existieren verschiedene Versionen:
Der Barmakide und Vertraute des Kalifen Ga ‘far al-Barmaki wird in der Endphase eines Besäufnisses gekidnappt und hingerichtet.

oder:
Die Schwester von Kalif Harun ar-Raschid hatte ein Verhältnis zu Ga ‘far al-Barmaki und wurde schwanger. Deswegen wurde der Berater Ga ‘far umgebracht.

oder:
der Berater Ga ‘far al-Barmaki hat einen Aufrührer freigelassen, was Kalif Harun verurteilt, so dass Ga ‘far sterben muss (S.122).

Kalif Harun ar-Raschid verdächtigt die Barmakiden des Umsturzversuchs in Zusammenarbeit mit den Arabern. Chorasan wird wieder dem strengen Statthalter al-Hadi unterstellt, zusammen mit Al-Fadl b. ar-Rabi, gegen den Einspruch der Barmakiden. Harun fährt nach Rayy und findet die Klagen unbegründet. Er bekräftigt die Thronfolgeregelung für seinen zweiten Sohn Al-Ma ‘mun (S.123).

ab 9. Jh./ 805 ca.
Bagdad: Finanzprobleme des muslimischen Imperiums
Es wird für die Kalifen immer schwieriger, den Soldaten ihren Sold auszuzahlen (S.120).

Anfang 9. Jh./ 805 ca.
Bagdad: Schwere Krise des Islam wegen Streit um das islamische Recht - die Grundwerte des Islam gehen verloren - Polarisierung Araber - Chorasanier/Iraner/Perser
Die Islamisierung des Rechts ist nicht durchgreifend abgeschlossen (S.120).

Bagdad ist eine Stadt, die den Idealen des Propheten widerspricht. Schlichtheit, spontane Gläubigkeit, Kritiklosigkeit, Eintracht und Bescheidenheit zählen in Bagdad nur wenig (S.120-121).

Die Rolle der Chorasanier/Iraner in der islamischen Gesellschaft ist ungeklärt. Araber klagen weiter über den hohen Einfluss der Chorasanier, was zu Ressentiments führt. Die Polarisierung Araber gegen Chorasanier ist nicht mehr aufzuhalten.

Die Araber verdächtigen Chorasanier, sie wollten das Perserreich wieder auferstehen lassen und nicht islamische leben. Sie seien nur zum Schein Muslime geworden.

Es geht das Gerücht um, Kalif Al-Mansur habe nicht wegen der Kostenbilanz, sondern aus ideologischen Gründen die persische Residenz Ktesiphon stehen gelassen, weil der "Iraner" Halid b. Barmak ihm mit Scheinargumenten vom Abriss abgeraten habe.

In der Folge sind Chorasanier für die Masse der Bagdader Bevölkerung heimliche Agenten der Nicht-Araber, obwohl enge Verbindungen zwischen Harun und den Barmakiden in Chorasan schon zu Zeiten des Kalifen Al-Mahdis bestanden haben (S.121).

807
Aufruhr in Chorasan, Sturz des Statthalters al-Hadi
(S.123)

808
Chorasan: Kalif Harun macht den zweiten Sohn Al-Ma' mun in Chorasan zu seinem Stellvertreter
Wäährenddessen ist sein Sohn al-Amin sein Stellvertreter in Bagdad (S.123).

809
Tod von Kalif Harun - Kalif al-Amin - und Ausbruch eines grossen Bürgerkriegs zwischen Arabern und Iranern
(S.122). Die beiden Söhne von Kalif Harun befinden sich an getrennten Orten, al-Amin in Bagdad, al-Ma’ mun in Chorasan.

Al-Amin besteigt den Thron in Bagdad und versucht, durch seinen Vertrauten al-Fadl b. ar-Rabi Einfluss auf die Armee in Chorasan zu gewinnen und seinen Bruder al-Ma’ mun dadurch auszuspielen. Al-Fadl fördert die Spaltung der Armee in Chorasan und treibt al-Amin und al-Ma’ mun in den Bürgerkrieg, ermuntert Soldaten zum Eidbruch gegen al-Ma’ mun. Aber al-Ma’ mun kann dies verhindern (S.123).

810
Al-Amin bestimmt seinen Säuglings-Sohn zum Nachfolger - ausschweifender Lebenswandel verärgert die Volksmasse
Auf Anraten seines Beraters al-Fadl b. ar-Rabi bestimmt al-Amin seinen kleinen Sohn Musa, einen Säugling, zum Thronfolger, mit dem Herrschernamen "an-Natiq bil-haqq": "der, der die Wahrheit spricht".
Teile der Bagdader Bevölkerung beobachten den Vorgang mit Spott und Sarkasmus, zum Beispiel der Dichter Ali b. Abi Talib (S.123):

"Wunderdinge tut der Kalif, noch Wundersameres ein Wesir! Doch am wundersamsten ist, dass wir hier einem Säugling huldigen, jemandem, der sich noch nicht die Nase abwischen kann, der noch ständig an der Brust (S.123) der Amme hängt!" (S.124)

Zusätzlich beginnt al-Amin und sein Hof einen ausschweifenden Lebenswandel, was den Palast in Verruf bringt und den Barmakiden Gegenargumente liefert (S.124).

Kalif al-Amin fordert Bruder al-Ma’ mun auf, den Säugling als Kalifennachfolger zu akzeptieren
Kalif al-Amin fordert in einer Botschaft Bruder al Ma’ mun auf, die Änderung der Thronfolge zu bestätigen. Al Ma’ mun lehnt nicht nur ab, sondern legt sich selbst nun den Titel "Imam" zu und behauptet, da Al-Amin das Recht gebrochen habe, so gelte er selbst nun als legitimer Herrscher.

Gleichzeitig macht Al Ma’ mun das Angebot an al-Amin, er werde al-Amin gehorchen, wenn dieser sein Recht auf die Nachfolge nicht beschneide. Aber der Versuch des Ausgleichs scheitert (S.124).

811
Der Krieg zwischen den Kalifensöhnen al-Amin und al -Ma’ mun
Al-Amin beginnt einen Feldzug in Richtung Chorasan, al-Ma’ mun reagiert mit einem Heer in Richtung Westen, unter Befehl von Tahir b. al-Husayn, ein Haschimiyya. Al Ma’ mun bemüht sich um die "kriegerische Tradition" der Haschimiyya mit Argumenten:

-- Wiederherstellung des Rechts und Beachtung der Sunna-Normen
-- Beachtung der Bestimmungen des Koran (S.124).

Gleichzeitig ermahnt al-Ma’mun seine chorasanischen Heerführer und postuliert die Weltherrschaft:
-- die Vorfahren der Heerführer hätten der "Familie des Propheten" schon grosse Dienste erwiesen
-- die Heerführer von heute seien nun erneut dazu "ausersehen", dem rechtmässigen Herrscher zur Macht zu verhelfen

-- seine rationalistische Theologie wird im neuen Reich bestimmend sein, was Folgendes bedeuten werde:
oo alle Handlungen müssen Gott untergeordnet sein und es gibt nur einen Gott als Lenker des Universums
oo nur ein einziger Gott kann vollkommen sein, nicht mehrere
oo dieser einzige Gott wird die Menschen zur Erkenntnis der Einheit auf Erden führen, sonst wird es immer wieder aufreibende Kriege zwischen den Menschen geben
oo Propheten sind von Gott gesandte Verkünder dieser Ein-Gott-Ordnung (S.124)
oo die Vormachtstellung der Verwandten de Propheten gehe auf die Entscheidung des Schöpfers selbst zurück, was nicht stimmt (S.125).

811-812
Schlacht der Heere von al-Ma’ mun und al-Amin - Sieg al-Ma ‘muns
Das Heer von al-Ma ‘mun, das von Tahir b. al-Husayn befehligt wird, siegt gegen das Heer al-Amins vernichtend. Kalif al-Amin ist wie gelähmt über den Durchbruch, und sein Berater al-Fadl b. ar-Rabi klagt über dessen Untätigkeit. Die Anhängerschaft al-Amins zeigt erste Auflösungserscheinungen. Tahirs Truppen rücken ohne Eile gegen Bagdad vor. Das Heer Tahirs zweifelt gleichzeitig zum Teil an diesem Auftrag. Al-Ma ‘mun bleibt vorerst in Chorasan (S.125).

Ende 812
Wirren in Bagdad: Kalif al-Amin verschliesst sich in seinem Palast
Einige 1000 Soldaten aus Tahirs Ostheer desertieren und das Heer selbst verliert die Schlacht um Bagdad. Tahirs restlichen Truppen gelingt aber der erneute Vorstoss ins Zentrum bis zum Al-Anbar-Tor. Kalif al-Amin verharrt in seinem Palast. Im Volk beginnen Wortführer der unteren Schichten, sich als kleine Führer der einfachen Religion im Sinne Muhammads des Propheten zu profilieren. Es kommt Stimmung gegen die Chorasanier auf. Tahirs Truppen können sich nur allmählich durchsetzen (S.125).

813
Tötung von Kalif al-Amin - Aufstand der Aliden in Kufa
Al-Amin bleibt im Palast in Bagdad gefangen. Ein Fluchtversuch misslingt. Auf Befehl Tahirs wird al-Amin getötet.

Sofort bricht in Kufa ein Aufstand der Aliden aus, der sich bis nach Hedschas ausweitet (S.125).

816
Alidenaufstand niedergeschlagen - Ma’ mun versucht Arrangement mit Alidenoffizieren - Gegenkalif Ibrahim
Der Alidenaufstand wird erst 816 niedergeschlagen. Der Alidenführer in Mekka kann sich retten, indem er behauptet, er habe sich nur aufgrund des Gerüchts von al-Ma’ muns Tod zum Kalifen ausrufen lassen (S.125).

Ma’ mun gibt in Chorosan ein Edikt heraus, wonach eine Anzahl Alidenoffiziere nach Chorosan zu bringen seien (S.125), darunter auch ‘Ali b. Musa, ein Nachkomme von Kalif ‘Ali in der 6.Generation. Ma’ mun behauptet, er wolle ‘Ali b. Musa als seinen Thronfolger einsetzen, weil dieser hervorragende Fähigkeiten habe. Er verleiht ihm den Herrschernamen "der, mit dem man einverstanden ist". Ma’ mun will mit diesem Manöver dem Druck der Aliden nachgeben, gleichzeitig aber das Imperium zusammenhalten. Und er will ein Zeichen setzen, indem er einen fähigen Offizier und keinen Säugling als Nachfolger bestimmt (S.126).

Die Reaktion in Bagdad ist jedoch anders. Schock und Aufstand regt sich in Arabien und Mesopotamien aufs Neue. Das Volk wählt in Kufa Ibrahim b. al-Mahdi, einen Sohn von al-Mahdis, zum Gegenkalifen (S.126).

817
Gegenkalif Ibrahim b. al-Mahdi in Kufa: Ausdehnung der Macht und Krieg mit al-Ma’ mun
Gegenkalif Ibrahim dehnt seine Macht über den südlichen Irak aus. Al-Ma’ mun verlässt Chorasan mit dem Ziel, nun in Bagdad einzuziehen. Der von al-Ma’ mun bestimmte Thronfolger, der alidische Offizier ‘Ali b. Musa, stirbt gleichzeitig, wobei schiitische Quellen behaupten, er sei vergiftet worden. Damit entfällt der wichtigste Grund für das Gegenkalifat in Kufa. Ibrahim b. al-Mahdi muss sich verbergen, weil die Stimmung zugunsten al-Mah’ muns umschlägt (S.126).

818
Kämpfe in Bagdad gegen chorasanische Invasion Tahirs: "Futuwwa-Bünde"
Im Volk bilden sich die "Futuwwa-Bünde", die gegen die Truppen Tahirs gerichtet sind. Sie kämpfen in wilder Todesverachtung gegen Tahirs Truppen und unterwerfen die Reichen ihrem Schreckensregiment. Sie werden als Diebe und Räuber bezeichnet und handeln nach ihrem grossen Vorbild von Kalif ‘Ali b. Abi Talib, dem vierten Kalifen (S.163).

Die "Heldentaten" von Kalif ‘Ali, die dieser zur Zeit Muhammads zur Ausbreitung des Glaubens vollbracht haben soll, werden Allgemeingut des sunnitischen Islam. Gleichzeitig wird innerhalb der "Futuwwa" der Gegensatz von Sunniten und Schiiten etwas entschärft, weil ‘Ali das überragende Vorbild ist (S.163).

Die einfachen Schichten in Mesopotamien um Bagdad wehren sich mit aller Kraft gegen die Truppen Tahirs. Die Chorasanier werden verhasst, während al-Ma’ mun sich noch in Chorasan befindet. Tahir hat keine Sympathien beim einfachen Volk (S.127).

Kämpfe der Truppen Tahirs um Bagdad - Bürgerwehren und Schutzgelderpressungen
Die unteren Bevölkerungsschichten formieren eigene militärische Verbände, die ganze Stadtviertel beherrschen und Vornehmen und Reichen Schutzgelder abpressen (S.146).Der Sohn des künftigen Kalifen, al-Ma’ mun, umgibt sich mit einer türkischen Söldnertruppe (S.131).

819
Tahir wird Statthalter von Chorosan
Kalif al-Ma’ mun ernennt Tahir b. al-Husayn zum Statthalter von Chorosan und verzichtet faktisch auf die Herrschaft im Osten des muslimischen Reichs, denn Tahirs Machtfülle wächst und wächst (S.126).

Die Unmöglichkeit der Verwirklichung einer Zentralgewalt für ein riesiges Imperium vom Indus bis zum Atlantik wird immer offensichticher und der Zerfall des Kalifats beginnt. Militärisch aber bleibt Chorasan dem Kalifen in Bagdad treu (S.126).

Kalifat von al-Ma’ mun - Einzug in das zerstörte Bagdad - Einführung türkischer Söldnertruppen
Al-Ma’ mun zieht mit seinem Heer in die verwüstete Hauptstadt ein. Ibrahim b. al-Mahdi hält sich weiter versteckt. Al-Ma’ mun ist der unbestrittene Sieger in Bagdad (S.126) und versucht, mit einem Mahnruf an alle Parteien zur Vernunft die Einheit des Imperiums zu bewahren (S.127).

Kalif al-Ma ‘mun setzt auf Söldnertruppen aus den Grenzgebieten des Imperiums, aus dem Westen und vor allem aus Zentralasiens. Damit sind Schwierigkeiten vorprogrammiert, die zu einem langen und quälenden Machtverfall des Kalifats führen (S.120).


Religionsstreit im Kalifat al-Ma’ muns - türkische Söldnerheere und Besoldung - Trauer um die vergangene "Blütezeit" - Tahiriden in Chorasan ab 822 - Zensur von al-Ma’ mun in Religionsfragen durch Religionsedikte - Inquisition gegen Sunniten ab 833 - Kalif al-Mu ‘tasim 833: Fortsetzung der Inquisition - Feldzüge gegen Byzanz - Bruch zwischen Bagdad und Chorasan wegen Verschwörung 837 - Gründung der neuen Hauptstadt Samarra 838

Zusammenfassung
Auch Kalif al-Ma’ mun verfolgt eine "Vernunfttheologie", die vom Volk aber abgelehnt wird. Zugleich werden nun grosse turkmenische Söldnerheere aufgestellt und die vergangene "Blütezeit" betrauert. In Chorasan wird der Statthalterposten Tahirs 822 erblich und somit die Linie der Tahiriden-Statthalter begründet. Kalif al-Ma’ mun setzt in Religionsedikten eine Zensur gegen die Sunniten durch, schliesslich versucht er es ab 833 mit einer Inquisition, die von Kalif al-Mu ‘tasim fortgesetzt wird. Feldzüge gegen Byzanz bringen keinen grossen Erfolg. Wegen einer Verschwörung kommt es zum Bruch zwischen Bagdad und den Tahiriden in Chorasan. 838 bekommt das mesopotamische Kalifenreich unter al-Mu ‘tasim mit Samarra eine neue Hauptstadt. Ab 842 wächst unter Kalif al-Watiq der Religionsstreit weiter an.

Chronologie (Fortsetzung)

ab 819
Al-Ma ‘muns Einheitstraum wird bekämpft
Al-Ma ‘muns Träumereien von der "Einheit des Imperiums" werden von vielen oppositionellen Gruppen bekämpft (S.127).

Das einfache Volk in Bagdad will die neue Religionsauslegung Ma’ muns nicht - "Sunna" und Sunniten
In den einfachen Schichten verbindet sich der Hass auf Tahirs Truppen und Offiziere mit der Ablehnung der geistreichen Verstandestheologie al-Ma’ muns. Dieses "Spekulieren", Abwägen und Schlüsse ziehen sowie "Wahrheit" finden ist ihnen politisch verdächtig und religiös bedenklich, denn Muhammad, der Prophet, habe so etwas nie getan (S.127).

Das einfache Volk verlangt, dass die "Sunna" zu beachten sei und sonst nichts. Die riesige Gruppierung wird fortan als "Sunniten" bezeichnet. Vorbilder sind die Kalifen nach Muhammad: Mu ‘awiya, Abu Bakr, ‘Umar und ‘Utman, aber nicht ‘Ali (S.128).

820 ca.
Islamische "Grenzsicherung" im Osten - islamische Invasion in türkische Gebiete - Schaffung türkischer Söldnerheere
Das Kalifat unternimmt mit türkischen Truppen aus Chorasan Kriegszüge gegen Byzanz und Ägypten. Die türkischen Soldaten sind wahrscheinlich von Tahir vorhin dorthin versetzt worden.
Die Sicherung der östlichen Grenzgebiete des islamischen Imperiums gelingt (S.131).

Der Islam wird in türkische Gebiete vorangetrieben und Massen von Türken als Söldner verpflichtet (zwangsverpflichtet?). So wächst in Mesopotamien mit der Zeit eine türkische Militärmacht heran (S.131).

Kriegszüge unter Kalif al-Ma’ mun gegen "unruhige Gebiete" südlich des kaspischen Meeres und gegen Byzanz (S.128).

ab 820 ca.
Die Besoldung im Söldnerheer des Kalifen
Ein Fusssoldat erhält in kalifischen Diensten 500-1000 Dirham, das dreifache eines Handwerkergesellenlohnes. Kavalleriesoldaten erhalten erheblich mehr.
Zusätzlich wird der Söldner für Kleidung und Kriegsgerät entschädigt (S.135).

Der Untergang der Kalifenregierungen ist mit den türkischen Söldnerheeren vorprogrammiert (S.133). Gleichzeitig nimmt die Selbstherrlichkeit mancher Provinzstatthalter zu (S.133-134).

Wundergeschichten und Verklärung der "Blütezeit"
Verherrlichung des Kalifenhofes von Harun mit Wesir Ga ‘far al-Barmak und dem Dichter Abu Nuwas. Die islamische Literatur trauert lange dem gesellschaftlichen und kulturellen Leben des "alten Bagdad" nach (S.138).

In der Literatur und in der Volksmasse wird die Zeit der "Blüte" zum Höhepunkt der islamischen Geschichte verklärt. Alle negativen Elemente werden überdeckt und Bagdad als Mittelpunkt der menschlichen Zivilisation gefeiert, denn die Welt ruhe auf den islamischen Grundwerten. Es werden Wundergeschichten über das "alte" Bagdad mit unmöglichen Inhalten erzählt. So soll Bagdad vor seiner Zerstörung 2000 Bäder gehabt haben, wenn nicht noch mehr. Schwärmereien über Moscheen und Webereien machen ebenfalls die Runde (S.137).

um 822
Chorasan/Iran: Herausbildung einer nahezu unabhängigen Statthalterschaften der Haschimiyya, dis sich erfolgreich gegen die abbasidische Kalifenlinie in Bagdad wehren (S.116).

822
Tod von Offizier Tahir - willkürliche Nachfolge durch Sohn Talha - Tahiriden
(S.126). Nach dem Tod Tahirs tritt dessen Sohn Talha ohne Einwilligung des Kalifen die Nachfolge als Statthalter Chorasans an. Damit ist eine Tahiridendynastie begründet. Kalif al-Ma’ mun beschränkt sich mit einer formellen Oberhoheit (S.127).

825
Gefangennahme und Begnadigung von Ibrahim b. al-Mahdi
Ibrahim b. al-Mahdi wird von Leuten al-Ma’ muns gefasst und für sein Gegenkalifat von 817 in Kufa begnadigt (S.126).

826-827
Zwei Religionsedikte von Kalif al-Ma’ mun: Verbote und Einschränkungen gegen die Sunniten
Das Weltbild der Sunniten soll durch die folgenden Vorschriften entscheidend eingeschränkt werden:
-- Gespräche über den ersten Umayya-Kalifen Mu ‘awiya werden verboten
-- der einstige Kalif ‘Ali soll als der vortrefflichste Gefährte Muhammads gelten
-- der Koran sei vom Mensch geschaffen und nicht der Wille Gottes oder Muhammads (S.128).

830
Bagdad-Kalif al-Ma ‘mun gründet in Bagdad das "Haus der Weisheit"
(S.180)

833
Inquisition - Märtyrertum bei den Sunniten und extremisierte Glaubensspaltung
Inquisitionsbeschluss: Letzter Versuch von Kalif al-Ma’ mun, sein rational-religiöses Dogma mit Gewalt durchzusetzen (S.128).

Kalif al-Ma’ mun entschliesst sich, alle Richter, Notare und Führer der Sunniten auf ihre Haltung zum Koran durch den Polizeichef von Bagdad überprüfen zu lassen (S.128-129), was einer Inquisition gleichkommt. Wer schriftlich erklärt, dass der Koran vom Menschen erschaffen und somit nicht Gottes Wille sei, der bleibt straffrei (S.129).

Befragte, die die Unterschrift verweigern, werden verhört, gefoltert, und sterben zum Teil an den Folgen. Aber sie werden gleichzeitig für die Massen der Sunniten zu Märtyrern. Der Hass in den einfachen Schichten auf das Kalifat wächst. Die Glaubensspaltung extremisiert das ganze Imperium und Vertreter des Staatsdogmas der rationalen Theologie werden angegriffen (S.129).

Al-Ma’ mun beschliesst schliesslich die Inquisition und hofft, durch die Massnahme inneren Frieden herzustellen. Das Mittel ist eine dressierte Söldnerarmee (S.130).

Die Inqisition
-- schändet den Anspruch des Kalifen auf das Imamat der Rechtleitung
-- gibt den Gruppen der Fundamentalisten Auftrieb, die gegen die "Vernunft" gerichtet sind (S.133).

833
Pamphlet von Kalif al-Ma’ mun kurz vor seinem Tod gegen die Sunnitenführer
Kalif al-Ma’ mun erlässt einen Aufruf mit der Behauptung, dass die Leute, die sich als "Bewahrer des reinen Glaubens" ausgeben, sich nur die Massen gefügig machen wollten und bezichtigt sie der Irrlehre." (S.129).

Herbst 833 ca. - 842
Tod von Kalif al-Ma’ mun - Nachfolger al-Mu ‘tasim - Fortsetzung der Inquisition
Die Glaubensspaltung im muslimischen Reich wächst weiter, und die Liebe zu Muhammad und den ersten Kalifen ist den Sunniten nicht zu nehmen (S.129).

833-842
Kalifat von al-Mu ‘tasim: erneute Erfolge gegen Byzanz
Die dauerhafte Expansion nördlich des Taurus-Gebirges gelingt aber nicht (S.119).

835 ca.
Planung einer chorasanischen Verschwörung gegen den Kalifen
u.a. mit dem Sohn des ehemaligen Beraters des Kalifen al-Ma’ mun, al-’Abbas.
In Chorasan wächst das Misstrauen gegenüber Bagdad und der dortigen türkischen Söldnerarmee (S.131).

ab 835
Kalif al-Mu ‘tasim plant in Mesopotamien eine neue Hauptstadt
(S.131)

837
Verschwörung gegen Kalif al-Mu ‘tasim - Misstrauen zu Chorasan
Aufdecken einer Verschwörung gegen den Kalifen al-Mu ‘tasim, woran auch der Sohn al-’Abbas des Beraters des verstorbenen Kalifen al-Ma’ mun beteiligt ist.
Der Bruch des Kalifen mit Chorasan ist unvermeidlich (S.131).

838
Gründung der neuen Hauptstadt SamarraKalif al-Mutasim gründet die Stadt Samarra als neuen Kalifensitz mit Märkten, Moschee und Kaserne. Vorerst dient die Stadt vor allem als Heerlager. Das ganze Land ist mit der Organisation von Holz, Marmor und der Arbeiter für den Stadtaufbau beschäftigt. Einrichtung von Marmorwerkstätten in Latakiya (S.131).

Die türkischen Soldaten werden in Ghettos abgesondert, die Truppen aus Zentralasien (Ferghana) gleich daneben (S.131).

ab 838
Samarra als Kasernenstadt
bis ca. 20’000 Soldaten, ist zentrale Versandstation für türkische Kriegssöldner, die in westlichen Provinzen den Dienst ableisten (S.131).

842-847
Tod von Kalif al-Mu ‘tasim - Nachfolger Kalif al-Watiq - Fortsetzung der Inquisition
Die Glaubensspaltung im muslimischen Reich wächst weiter, und die Liebe zu Muhammad und den ersten Kalifen ist den Sunniten immer noch nicht zu nehmen (S.129).


Kalifat al-Mutawakkil 847: Aufhebung der Inquisition - steigender Einfluss türkischer Söldnergeneräle in Samarra - Diskriminierung von Juden und Christen ab 850 - Scharia ab 850 - arabisch-persische Armee als Gegenpol gegen türkische Söldner - Unabhängigkeitsbestrebungen in Chorasan - türkische Statthalterlinien in Syrien und Ägypten: Ihsididen und Tuliniden - Kalifat al-Muntasir 861 - Samaniden in Buchara und "Blütezeit" ab 864 - faktische Unabhängigkeit Ägyptens und Syriens 870 - Steuerausfälle Mesopotamiens

Zusammenfassung
Kalif al-Mutawakkil hebt die Inquisition gegen die Sunniten auf. Die türkischen Söldnergeneräle in Samarra bekommen am Hof immer mehr Einfluss. Ab 850 versucht al-Mutawakkil, die Diskriminierung von Juden und Christen und die Scharia durchzusetzen. Gleichzeitig gründet der Hof eine arabisch-persische Armee als Gegenpol zur türkischen Söldnerarmee. Die Unabhängigkeitsbestrebungen Chorasans bleiben derweil erhalten, und in Syrien und Ägypten etablieren sich türkisch-militärische Statthalterlinien der Ihsididen und Tuliniden. Buchara erlebt unter den Samaniden ab 864 seine "Blütezeit", während Ägypten und Syrien eine de-facto-Unabhängigkeit erlangen, was für Samarra weittragende finanzielle Folgen hat: Ein grosser Teil der Steuereinnahmen zur Finanzierung der Truppen bleibt aus.

Chronologie (Fortsetzung)

847
Tod von Kalif al-Watiq - kein Nachfolger bestimmt - Nachfolger al-Mutawakkil - Aufhebung der Inquisition
Nach dem Tod von Kalif al-Watiq bestimmt ein Gremium des Kalifenhofes, das mit den "wichtigsten" Männern bestückt ist, den Nachfolger. Die beiden türkischen Berater, darunter Wasif, haben als Militärverantwortliche grossen Einfluss. So fällt die Wahl auf al-Mutawakkil (S.132).

Al-Mutawakil hebt die Inquisition gegen die Sunniten auf. Ein Schlaganfal des Inquisitionschefs lässt gleichzeitig sunnitische Spottgedichte mit Verwünschungen entstehen (S.129).

ab 847
Sunnitentum unter Sunnitenführer Ahmad b. Hanbal - "Hanbaliten"
Der Sunnitenführer Ahmad b. Hanbal hat die Inquisition überstanden. Er wird zu einer Leitfigur im sunnitischen Kampf gegen rationale Theologie, in der Auseinandersetzung um Mu ‘awiya und gegen al-Mu ‘tadid. Hanbals Anhänger werden im "Hanbalitentum" zusammengefasst (S.130).

Kalif al-Mutawakkil lässt den türkischen Einfluss am Kalifenhof in Samarra weiter steigen, ohne den Anzeichen der Staatskrise ernsthaft zu begegnen.

Kalif al-Mutawakkil ist nicht in der Lage, seine Entscheidung für das Sunnitentum durch eine langfristige Politik abzusichern. Das Reich zerfällt mehr und mehr. Die Söldnergeneräle diktieren das Geschehen, die Kalifen sind ihnen wie Marionetten ausgeliefert (S.130).

Gleichzeitig bleiben die Versuche von Kalif al-Ma’ mun zur Aussöhnung zwischen den verschiedenen religiösen Gruppen des Imperiums aber in Erinnerung und wirken im kollektiven Bewusstsein nach (S.130).

850
Samarra: Diskriminierung von Juden und Christen in Bagdad nach ‘Umar-Vertrag
Kalif al-Mutawakkil versucht, die Diskriminierung von Juden und Christen nach dem sogenannten ‘Umar-Vertrag einzuführen:
-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sollen in der Öffentlichkeit untersagt sein
-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen soll verboten sein
-- Kirchenneubauten sollen abgerissen werden
-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie Gürtel, schwarze Turbane und Kopftücher sollen Pflicht werden
-- auch im Badehaus sollen Christen Kreuze und Juden Glöckchen tragen
-- christliche und jüdische Sekretäre des Hofes sollen, wenn sie die Stelle behalten wollen, zum islamischen Glauben übertreten (S.178).

Mitte 9. Jh., um 850
SCHARIA: Religionslehrer entwickeln eine Festlegung eines Rechtskodex: Scharia
Inhalt der Scharia:
-- Richtlinien und Massstäbe des muslimischen Lebens
-- verschiedene Auslegungen der Offenbarungen Muhammads
-- Feststellung der vorbildlichen Verhaltensweisen Muhammads und der ersten Kalifen
-- Feststellung der Muhammad und den ersten Kalifen zugeschriebenen Verhaltensweisen ("sunna")
->> ab der ersten Scharia-Ausgabe herrscht eine dauernde Kluft zwischen Kalif und Religionslehrern (S.85).

ab 850
Samarra und Ägypten: bedenklicher türkischer Einfluss
In Syrien ist ein türkischer Offizier Statthalter des Kalifen (S.131). Der Einfluss der türkischen Statthalter steigt bedenklich rasch, was die Unabhängigkeitsbewegungen in den Ländern stärkt (S.132).

In Ägypten ist ein türkischer Offizier Statthalter des Kalifen (S.131).

856 ca.
Aufbau einer arabisch-persischen Armee als Gegenpol
Kalif al-Mutawakkil lässt unter dem Befehl seines Wesirs eine arabisch-persische Armee aufstellen als Gegenpol zum türkischen Söldnerheer. Gleichzeitig beginnt Kalif al-Mutawakkil, die türkischen Söldnertruppen vermehrt in die weit entlegenen Provinzen zu entsenden (S.132).

Samarra soll als Hauptstadt aufgegeben werden
Kalif al-Mutawakkil plant, eine neue Hauptstadt zu bauen, plant dann aber den Umzug nach Damaskus. Schliesslich bleibt er aber in Mesopotamien, vermutlich, weil die türkischen Berater im Zentrum des islamischen Imperiums bleiben wollen und so besser ihre Verbindungen pflegen können (S.132).

858 ca.
Zerwürfnis zwischen Kalif al-Mutawakkil und dem türkischen Befehlshaber Wasif - Mordplan gegen Kalif al-Mutawakkil
Nach dem Zerwürfnis planen türkische Söldnerführer die Ermordung des Kalifen. Der Thronfolger, Sohn al-Muntasir, ist in die Mordpläne eingeweiht. Gewisse Kreise am Hof wollen al-Muntasir von der Thronfolge gleichzeitig ausschliessen und die Dynastie stürzen (S.132).

um 860
Unabhängigkeitsbestrebungen in Chorasan unter den Tahiriden und Samaniden
(S.131)

ab 860 ca.Syrien: Ihschididen - Ägypten: Tuliniden
In Syrien und Ägypten etablieren sich türkische Statthalterdynastien der Tuliniden und IhÜididen (S.132).

Dez 861
Ermordung von Kalif al-Mutawakkil am Ende eines Zechgelages
(S.132)

ab 861
Neues Kalifat von al-Muntasir (bis 864ca.) - Bürgerkrieg unter den Statthaltern
Nach dem Tod des Kalifen al-Mutawakkil kommt es zu lang anhaltenden Streitereien unter den fremden Truppen im islamischen Imperium. Die Lage wird undurchschaubar. Der Kalif ist zwischen Volk und den türkischen Beratern hin- und hergerissen. Ein Spottgedicht im Volk sagt:
"Der Kalif ist in einem Käfig zwischen Wasif und Boga; er spricht, was die beiden ihm sagen, wie ein Papagei nach!" (S.133)

864
Transoxanien: Samaniden
Die Samaniden lösen in Buchara die Tahiridendynastie ab. Die transoxanische Hauptstadt Buchara erlebt unter den Samaniden eine "Blütezeit" (S.127).

866 ca.
In Syrien und Ägypten leiten die Statthalterdynastien Unabhängigkeitsbewegungen ein
(S.132)

868-905
Machtergreifung der Tuluniden-Linie in Ägypten unter Ibn Tulun
Ägyptens Statthalter der Dynastie der Tuluniden ergreift die eigene Autorität gegen die Abbasiden (S.127). Ibn Tulun dehnt den Einfluss über Palästina und Syrien bis an den Taurus aus (S.132).

ab 868
Die faktische Unabhängigkeit Syriens und Ägyptens schmälert die Steuereinnahmen Bagdads - unlösbare Finanzprobleme für Bagdad
Durch die faktische Unabhängigkeit Ägyptens und Syriens schmälern sich die Staatsfinanzen in Bagdad. Die Soldauszahlungen an die türkischen Söldner werden immer mehr fraglich, aber gleichzeitig nehmen die militärischen Einsätze gegen Aufstände zu.

Von Handwerkern und Handelstreibenden werden kaum Steuern verlangt, somit nützen neue Märkte in Bagdad und Samarra den Staatsfinanzen nur wenig. Der Hauptteil der Steuern kommt aus der Landpacht und der Landwirtschaft. Diese Einnahmen können Ägypten und Syrien nun auf ihren Gebieten selber verwalten. Die Söldnerheere des Kalifenhofes haben somit kaum noch Aussicht auf Bezahlung ihres Soldes (S.134).

Die Finanzprobleme in Bagdad gehen ins Uferlose. Mit jeder Provinz, die quasi unabhängig wird, gehen wieder Steuern verloren (S.135).

870
Kalifat von al-Mu ‘tamid, vom Volk unterstützt, dann Putsch des Bruders al-Muwaffaq
mit der Begründung, dass al-Mu ‘tamid unfähig und ohne politischen Ehrgeiz sei.
Al-Muwaffaq kann sich das Vertrauen der Söldnerführer erwerben, setzt die Söldnerheere in zahlreichen Kriegen ein (S.133).


Moscheebau in Ägypten - Lehen für türkische Söldner, Entstehen türkischer Macht in Mesopotamien - Kalifat al-Mu ‘tamid 892: Hauptstadt Bagdad, Zensur, Versuch der Erneuerung, Tulinidenstatthalter für 30 Jahre - aufkommende Schiiten in Südmesopotamien und Bahrain, Sunnitenbedrohung - Autonomien in Persien, Buyiden in Isfahan - türkische Militärs und der Kalifenhof bereichern sich mit Ländereien - Samaniden-Dynastie und "Blüte" in Buchara - Kalifat al-Muqtadir 908, Geldverschwendung und Willkür mit Wesiren - Ifriqiya-Kalifat 909 und Besetzung Ägyptens - Córdoba-Kalifat 929 - Meuterei in Mossul 932 - Kalifat ar-Radi 934 unter türkischem Schutz - Buyiden-Heerführer Ahmad erhält in Bagdad die Macht, Hof in Siraz - Blendung des Kalifen

Zusammenfassung
Grosse Moscheen in Ägypten sollen einen Kalifatsanspruch gegen Samarra demonstrieren. Die finanziellen Probleme Samarras mit der Soldauszahlung sind derart brisant, dass eine Lehensvergabe eingeführt wird, wodurch die türkischen Militärs noch mehr Macht im Land erhalten und zum Teil zu kleinen Fürsten werden. Kalif al-Mu ‘tamid versucht ab 892 durch Zensur und Rückkehr nach Bagdad eine "Erneuerung", schliesst mit den Tulinidenstatthaltern ein Bündnis auf 30 Jahre, kann aber die Glaubensspaltung zu den Schiiten in Südmesopotamien und Bahrain nicht verhindern. In Persien muss er den Buyiden in Isfahan Autonomie gewähren. Die Steuereinnahmen sinken weiter, und die türkischen Militärs und der Kalifenhof bereichern sich an Ländereien hemmungslos. Währenddessen erfährt Buchara weiter eine grosse "Blütezeit". Auch unter Kalif al-Muqtadir ändert sich ab 908 nichts an den katastrophalen Umständen in Bagdad. Die Autorität schwindet und schwindet. Ifriqiya 909 und Córdoba 929 rufen zwei neue Gegenkalifate aus. Kalif ar-Radi 934 kann nur unter türkischem Schutz bestehen. Schliesslich erhalten die Buyiden aus Isfahan in Bagdad die Macht mit Sultanhof in Siraz. Der Kalif wird geblendet.

Chronologie (Fortsetzung)

870 ca.
Ägypten: Bau einer eigenen grossen Moschee
Damit verbunden ist der Anspruch, eine zweite Hauptstadt im islamischen Reich zu werden (S.132).

ab spätes 9. Jh./ ab 870 ca.
Bagdad: Söldnerunruhen wegen verweigerter Soldbezahlungen
(S.134)

ab 870
Die Söldneraufwendungen übersteigen die finanziellen Möglichkeiten des Kalifen in Bagdad
Das Söldnerheer verschlingt nach Schätzungen inzwischen die Hälfte der Staatsfinanzen in Bagdad. Steuererhöhungen bleiben unvermeidlich, was jeweils zum Aufruhr reizt, der wieder Militär zur Niederschlagung benötigt.

Auch der Transport des Geldes zu den zum Teil weit entfernten Truppen ist nicht immer gesichert. Klagen über verspätete Zahlungen werden dann vom Kalifenhof mit Versprechen von Solderhöhungen gedämpft.
Um sich der Pflicht der Soldzahlungen zu entledigen, übertragen die Kalifen den verschiedenen Statthaltern neben der Kompetenz der Steuererhebung gleich auch die Kompetenz der Soldauszahlung. Damit zeichnen sich verschiedene Unabhängigkeiten bereits ab (S.135).

ab 871
Beginn von Landvergütungen an türkische Söldner in Mesopotamien - die politische Katastrophe für das islamische Reich
Die Heeresverwaltung muss den ausstehenden Sold mit Zuteilung von Land vergüten. Zum Teil werden die Ländereien verpachtet, aber zum Teil auf Lebenszeit und mit Erbrecht abgetreten. Der Soldat muss bei einer Landvergütung alle Kosten, auch Kleidung und Kriegsgerät mit den Landeseinkünften bestreiten (S.135).

Die verheerenden Folgen der Landvergütungen an türkische Söldner: der Machtverfall des Kalifen - "Schutzländereien" unter türkischer Macht
Die Landvergütung hat verheerende Folgen. Die Befehlshaber der Söldnerheere werden Grossgrundbesitzer im fremden Land und bekommen nun zusätzlich noch wirtschaftliche Macht und Entscheidungsgewalt (S.136).

Die Einkünfte des Kalifenhofs in Bagdad fallen weiter. Die türkischen Militärs sind gleichzeitig der Steuerverpflichtung entbunden, wenn sie eine Abtretung erhalten haben, und sie haben jede Entscheidungsgewalt (S.136).

Viele angrenzende unabhängige Landbesitzer unterstellen sich den türkischen, landbesitzenden Militärs, um von der 20-prozentigen Nicht-Muslimen-Steuer ("haradsch") wegzukommen, weil die türkischen Militärs für den Schutz vielleicht weniger verlangen werden. Es entstehen "Schutzländereien", und die Einnahmen für den Kalifen sind verloren (S.136).

872 ca.
Siege gegen Rebellen verbinden die türkischen Söldnerheere mit dem Kalifen
Schiitischer Schwarzenaufstand wird von Söldnertruppen niedergeschlagen. Auch
Rebellionen in Sigistan im Ostreich, werden von Söldnertruppen niedergeschlagen.

->> durch die Siege der Söldnerheere nimmt deren Drang zur Rebellion ab und die Treue zum Kalifen zu
->> das Kalifat kann sich wieder etwas stabilisieren (S.133).

um 890
Südirak: Sklavenaufstand niedergeschlagen
im Süden Mesopotamiens in den Salzmarschen. Der Anführer gibt sich als Alide aus. Der Aufstand wird niedergeschlagen (S.130).

892-902
Kalifat al-Mu ‘tadid - neue Residenz: Bagdad - Zensur
verlegt den Kalifensitz wieder nach Bagdad (S.133). Kalif al-Mu ‘tadid plant eine Disziplinierung im Imperium mittels Verboten:
-- das Verbot, über Mu ‘axiya zu sprechen, soll erneuert werden
-- die Kalifenlinie der Abbasiden gegenüber den Aliden soll betont werden in Erinnerung an den Sklavenaufstand im Südirak (S.130).

Der Wesir rät aber von der Verkündung des Erlasses ab, und so unterbleiben die Verbote (S.130).

Versuch der Erneuerung des "Glanzes" von Bagdad - Garantie für Tulinidenstatthalter für 30 Jahre
Kalif al-Mu ‘tadid will den "Glanz" Bagdads erneuern und gibt die Planung dafür in Auftrag. Seine Berater verfassen in einer Schrift die Möglichkeiten und widerlegen in derselben Schrift die immer noch verbreiteten Wundergeschichten. Bagdad soll aber der "Brennpunkt" des islamischen Geisteslebens gewesen sein (S.137).

In der Folge fördert Kalif al-Mu ‘tadid die Theologie und die Rechtswissenschaft nur wenig, und wenn, dann nur unter ganz bestimmten Blickwinkeln. Aber schon diese Förderung reicht aus, um die Repräsentanten der verschiedenen religiösen Richtungen in Bagdad wieder zusammenströmen zu lassen. Bagdad wird zu einem Kampfplatz der Ideen und Meinungen (S.137).

Kalif al-Mu ‘tadid garantiert den Tuliniden in Ägypten die Statthalterschaft über Palästina und Syrien für weitere 30 Jahre (S.132).

895 ca.
Beginn der Qarmatenbewegung - Sunniten werden stärker, Ahmad b. Hanbal als Ideal
Im Süden Mesopotamiens und in Bahrain beginnt eine schiitische Bewegung der Qarmaten, Bagdad zu bedrohen. Gleichzeitig wird die religiöse sunnitische Richtung stärker. Sie beansprucht Ahmad b. Hanbal als ihren Ahnherrn (S.130).

10. Jh.
Die Anhänger von Ahmad b. Hanbal werden so stark, dass von den Kalifen zum Teil Massnahmen ergriffen werden müssen. Die Eindämmung ist jedoch nicht möglich (S.130).

ab 900
Erstmals werden Stimmen laut, die vom Ende der Herrschaft der "Araber" im islamischen Reich reden und die Wiederherstellung des Perserreiches voraussagen.
(S.134)

ab 900 ca.
Autonome Teilregierungen im islamischen Reich
Die Teilreiche werden autonom regiert. Neue Statthalterdynastien können sich etablieren, weil der Kalif immer schwächer wird, wie z.B. in Westiran mit Hauptstadt Isfahan die Buyiden, die sich dann um die Nachfolge bekämpfen (S.142).

ab 900
Landvergabeverträge unter Heerführer ‘Adud ad-Dawlas
Der Heerführer "bedient" seine Verwandtschaft mit Ländereien und dazugehörigen Herrschaftsrechten. Der Kalif verliert praktisch jedes Recht auf diese Ländereien (S.145).

ab 900 ca.
Ostiran: "Blüte" des Reichs der Samaniden-Statthalter mit Mittelpunkt Buchara
Der Statthaltersitz wird erblich, und regelmässig anerkennen sich neue Statthalter oder Kalifen gegenseitig (S.146).

Anfang 10. Jh./ 905 ca.
Egoismus am Kalifenhof: Bereicherung durch Grundstückversteigerungen, Intrigen und Todesstrafen - Niedergang der islamischen Landwirtschaft
Die höchsten Hofbeamten und Wesire bereichern sich, wirtschaften in die eigene Tasche und wetteifern um vom Kalif vergebene "Garantieländereien", die mit einem fixen Jahresbetrag versteuert sind. Wer von den Hofbeamten und Wesiren den höchsten Fixbetrag bietet, bekommt die Länderei zur freien Ausbeutung. Es herrscht quasi Ausverkauf in Konkurrenz zu den türkischen Militärs. Dabei entsteht nackte Gewalt. Islamische Grundrechte gelten nicht mehr. Der Niedergang der islamischen Landwirtschaft ist nicht mehr aufzuhalten. Auch Intrigen und plötzliche Konfiszierungen kommen vor, auch Festnahmen, Verhöre, Folter zur Ergründung von heimlichem Besitz etc. (S.136).

ab 905 ca.
Isfahan: ‘Ali, der älteste Bruder der Buyiden, kann die Herrschaft ergreifen
und den ganzen Iran besetzen. Hasan regiert Medien, Ahmad regiert Kirman und Chusistan (S.142).

908-932
Kalifat von al-Muqtadir - der Weg zu inneren Auflösung in Bagdad
Das Kalifat ist im Zustand der inneren Auflösung. Die Wesire wechseln fast jedes Jahr und werden wegen Bereicherung auch zum Teil hingerichtet.
Die politischen Fäden zieht die Mutter von al-Muqtadir. Die militärische Macht liegt in den Händen des Eunuchen al-Mu ‘nis.
In Andalusien lässt sich der Statthalter der Umayya Emir Abd ar-Rahman III., dessen Vorfahre sich vor 150 Jahren auf die spanische Halbinsel geflüchtet hatte, als Kalif anreden.
Kalif al-Muqtadir hat scheinbar absolut keine Macht mehr in seinen Händen, handelt aber auch verantwortungslos:

-- hat unausgebildete Hofangestellte, zum Teil Frauen, die gegenüber Aussenstehenden keinen Respekt geniessen
-- Geldverschwendung
-- Wesire werden reihenweise ein- und wieder abgesetzt und so regionale Machthaber zur Gehorsamsverweigerung ermuntert (S.141).

909
Ifriqiya-Kalifat: Kalif ‘Ubaydallah
Der angebliche Ismailite "Mahdi" ‘Ubaydallah, der in gleicher Weise die Ziele der Haschimiyya vor 150 Jahren verfolgt, besiegt die Aglabidenlinie und vertreibt sie aus dem Statthalteramt (S.141).

910 ca.
Ägypten: Besetzung durch Fatimiden aus Ifriqiya
In der Folge kann sich das Fatimidenreich bis nach Palästina und Syrien ausweiten (S.141).

920-932ca.
Machtkämpfe der Gardeoffiziere um die Macht in Bagdad
(S.133)

ab 920
Ende der abbasidischen Kalifenlinie in Bagdad
(S.133)

929
Spanien/Córdoba: Proklomation des "Kalifats des Westens"
(S.280)

932
Meuterei in Mossul wegen ausstehendem Sold - Ermordung von Kalif al-Muqtadir
Der Militärminister des Kalifen, al-Mu ‘nis, muss bei Mossul eine Meuterei wegen ausgebliebenen Soldzahlungen schlichten. Die Truppen greifen zur Waffe, weil ihnen das Angebot zu niedrig erscheint. Nordafrikanische Söldner ermorden den Kalifen (S.141).

ab 932
Willkür und Brutalität am Kalifenhof in Bagdad
Die Amtszeiten bleiben kurz. Zum Teil kommt es zum Umstürze, dabei zu anarchistischen Bestrafungen wie Blendungen und Verstümmelungen (S.141).

934-940
Kalifat ar-Radi: al-Mu ‘nis muss als "Schutzpatron" herhalten (!)
Kalif ar-Radi stellt sich zum Schutz immer neben den Militärminister al-Mu ‘nis. Sogar im Freitagsgebet wird al-Mu ‘nis neben dem Kalifen genannt. Nach der islamischen Geschichtsschreibung ist ar-Radi der letzte tätige Kalif (S.141).

935 ca.
Bagdad: Machtergreifung des Heerführers Ahmad von der Linie der Buyiden im Iran
Ahmad aus Isfahan, der aus Daylam, südlich des kaspischen Meeres, stammt, bekommt vom Kalifen den Titel "amir al-umara’ " ("Heerführer der Heerführer"). Die Herrschaft der Buyidenlinie dauert über 100 Jahre (S.133).

945
Die Armeen des buyidischen Heerführers Ahmad rücken aus Iran kommend in Bagdad ein. Ahmad lässt den Palast von Kalif al-Mu ‘nis beschlagnahmen. Die türkische Garde fliegt. Der Kalif und Ahmad huldigen sich gegenseitig und polemisieren gegen die Türken.
Ahmad will die Gleichstellung mit dem Kalifen, so dass Kalif al-Mu ‘nis ihm den Titel "Befehlshaber der Befehlshaber" verleiht, der auch vererbbar sein soll. Ahmad wird neben dem Kalifen auch im Freitagsgebet erwähnt (S.142).

Die Schiiten in Bagdad fühlen sich mit den Buyiden im Rücken den Sunniten überlegen und werden zum Teil sehr übermütig (S.147).

946 ca.
Blendung des Kalifen - neues Entscheidungszentrum wird Siraz
Armeeführer Ahmad verdächtigt Kalif al-Mu ‘nis der Zusammenarbeit mit seinen Truppen, um ihn eventuell auszuschalten.
Ahmad lässt Kalif al-Mu ‘nis blenden und ersetzen. Die Stellung des Kalifen verschiebt sich machtmässig in den Hintergrund und der Schwerpunkt der Entscheidungen verlagert sich an den Hof der Buyiden in Siraz. In Bagdad unterhalten die Buyiden nur eine Residenz (S.142).


Kalifat at-Ta ‘i 947 - Buyiden-Heerführer ‘Adud ad-Dawla 949 - Einführen schiitischer Gedenktage in Bagdad - byzantinische Invasion bis nach Syrien 969 - Fatimidenkalifat in Ägypten 969 - Buyidenherrschaft in Westiran und Aserbei- dschan - Ägypten besetzt Palästina und Syrien 975, Besetzung von Hedschas und Mekka - Islamisierung der Seldschuken/Turkmenen - türkische Söldner in Buchara ab 990 - Kalifat al-Qadir in Bagdad 991 - Bucharas erfolgloser Angriff gegen Afghanistan 999 und Zerfall ab 1000ca. - Machtverfall der Buyiden in Bagdad, Religionskämpfe - Expansion der al-Guzz bei Buchara und ägyptische Untergrund- tätigkeit - Bagdad im Religionskrieg 1017, Heerführer Mahmud bis 1031

Zusammenfassung
Die Buyiden bauen unter Kalif at-Ta ‘i ihre Macht aus. Der Kalif ist nur noch Statist. In Bagdad brodelt die Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten weiter. Schiitische Gedenktage werden in Bagdad eingeführt. Auch Byzanz möchte die Schwäche Bagdads ausnützen und kann mit einer Invasion 969 bis Syrien vorstossen. Gleichzeitig zieht der Kalifenhof in Ifriqiya nach Kairo um, während die Buyiden ihre Herrschaft in Westiran und Aserbeidschan ausbauen. Das Kalifat in Ägypten beginnt mit starker militärischer Führung das Abdrängen von Byzanz, die Eroberung Palästinas und Syriens bis 975 und gegen Bagdad die Besetzung von Hedschas und den "heiligen Stätten". Gleichzeitig erfolgt die Islamisierung der turkmenischen Söldner, die ab 990 auch in Buchara Dienst tun, dessen "Blüte" langsam zu Ende geht. Nach einem erfolglosen Angriff auf Afghanistan 999 beginnt dessen Zerfall wie auch der Machtzerfall der Buyiden in Bagdad. Nord-Mesopotamien wird von den al-Guzz besetzt und Ägypten verstärkt die Untergrundtätigkeit. so dass Bagdad 1017 in einen Religionskrieg fällt. Der buyidische Heerführer Mahmud reisst in dieser Situation die Macht an sich.

Chronologie (Fortsetzung)

947-991
Kalifat at-Ta ‘i
(S.142)

949-983
Tod des Armeeführers Ahmad - Nachfolger ‘Adud ad-Dawla
-- ist eine herausragende Gestalt
-- vertritt eine Zwölfer-Schia mit Quietismus:

"Der Gläubige sollte sich in der von den feinden der Familie ‘Alis regierten Welt einrichten, so gut es gehe, und die Rückkunft des entschwundenen zwölften Imams am Ende der Zeit abwarten." (S.143)

Ihm gelingt es, Rivalen innerhalb der Buyiden "zur Anerkennung seiner Vollmacht zu zwingen", aber Reibereien bleiben vor allem auch mit arabischen Fürsten auch Kämpfe mit anderen islamischen Fürstentümern, v.a. in Mesopotamien (S.142).

Heerführer ‘Adud ad-Dawla trifft Anstalten, das Kalifat auf seine Familie übergehen zu lassen, indem er sich mit dem Kalifen at-Ta ‘i verschwägert (S.142).

ab 949
Aufleben des Schiitentums unter Heerführer ‘Adud ad-Dawla
Das Schiitentum in Bagdad lebt unter dem Befehlshaber ‘Adud ad-Dawla wieder auf. Die Kompensation nach den ganzen Verfolgungen unter den Abbasiden ist gross. Als jährliche neue Gedenktage werden eingeführt:

-- ein jährlicher Gedenktag des Martyriums Husayns
-- eine jährliche Freudenfeier zum Gedenktag, an dem Muhammad am Teich von Humm ‘Ali die Herrschaft über die Gläubigen verheissen haben soll (S.142).

ab 960
Den Buyiden-Befehlshabern gelingt die Ablösung der Abbasiden-Kalifenlinie nicht
(S.142)

960 ca.
Byzantinische Invasion in muslimisch verwaltete Gebiete
byzantinische Besetzung Kilikiens im Norden unter dem byzantinischen Befehlshaber Nikephoros Phokas (S.142)

962
Byzantinische Besetzung Aleppos und Zyperns
(S.142)

969
Byzantinische Besetzung Antiochiens
(S.142)

969-976
Weitere byzantinische Invasion in Syrien
Der byzantinische Befehlshaber Johannes Tzimiskes betreibt die weitere Expansion Byzanz’s gegen das islamische Imperium. Ganz Syrien liegt offen vor ihm. Die "Befreiung" Jerusalems ist das Ziel. Es ist das erste Mal, dass "Ungläubige" oder Halbgläubige gegen den Islam bedrohlich im Vormarsch sind (S.143)

969
Besetzung Ägyptens durch die Fatimiden
-- die schärfsten Gegner des Abbasiden-Kalifats
-- vertreten die Richtung der sogenannten Siebener oder ismailitischen Schia
-- Ziel ist, die allein rechtmässige Herrschaft des Hauses Ismail b. Ga ‘far as-Sadiq über alle Muslime zu erzwingen
-- Bau einer neuen fatimidischen Hauptstadt Kairo/al-Qahira
-- der Machtbereich der Fatimiden grenzt nun direkt an die Buyiden (S.143).

ab 969
Kampf um Syrien
Syrien ist von drei Mächten umkämpft: Byzanz, Buyiden-Heer des Abbasiden-Kalifats, Fatimiden aus Nordafrika (S.143).

970 ca.
Übertragung Westirans an Heerführerbruder Fahr ad-Dawla
Kalif al-Ta ‘i überträgt auf Anweisung von Heerführer ‘Adud ad-Dawlas an dessen Bruder Fahr ad-Dawla grosse Gebiete Westirans: Hamadan, Astarabad, Dinavar, Qarmasin, Karag und Burg bei Isfahan, Aserbeidschan, Sahanin und Muqan:
-- Leitung des Gebets
-- Militär- und Polizeiverwaltung
-- Steuereinnehmerei
-- Münzkontrolle und deren Eichstelle
-- Almosenabgabe
-- alle anderen Abgabenarten
-- Musterung Besoldung des Heeres
-- Kontrolle der Sklavenmärkte
-- Gerichtswesen ausser in Fällen von Diebstahl, Unzucht und Wegelagerei, weil in diesen Fällen die Staatsautorität mit der Scharia "im Namen Gottes" zuständig sein muss (S.145).

ab 970 ca.
West-Iran: Bürgerwehren
Untere Bevölkerungsschichten formieren eigene Verbände und beherrschen ganze Stadtviertel. Der Gegensatz zwischen Schiiten und Sunniten verschärft sich (S.146).

975 ca.
Fatimideninvasion: Besetzung Palästinas und Syriens
bis Damaskus, zum Teil mit Unterstützung arabischer Stammesfürsten, die offen das Schiitentum unterstützen. Kairo steuert auch eine Untergrundbewegung mit Verbindungen bis Damaskus. Der Dauerkrieg um Syrien ist vorprogrammiert (S.144).

ab 975 ca.
Fatimidische Invasion in Hedschas und Mekka
Fatimidisch-ägyptische Truppen besetzen Mekka und Teile der arabischen Halbinsel (S.148).

978
Bagdad unterwirft Arabische Fürsten der arabischen Halbinsel
Heerführer ‘Adud ad-Dawla lässt arabische Stammesfürsten unterwerfen, um die Kontrolle über die arabische Halbinsel zu verbessern (S.143-144).

um 980
Islamisierung der Seldschuken/Turkmenen
(S.151)

ab 980 ca.
Fatimidische Unterwanderung auf der arabischen Halbinsel
Die Fatimiden können bei den arabischen Stammesfürsten der arabische Halbinsel immer wieder Intrigen gegen Bagdads Abbasiten einfädeln und so Druck und Bedrohung gegen Bagdad auslösen (S.159-160).

ab 990 ca.
Fatimidische Untergrundbewegung: "Ismailisierung"
Der fatamidischen Untergrundbewegung aus Kairo gelingt es, wichtige Persönlichkeiten in Mesopotamien und östlich davon zur "Isma ‘iliyya" zu bekehren.

Gleichzeitig werden die Beziehungen zwischen Buyiden und Abbasiden gepflegt, und die Fatamiden kommen in Verdacht, nur aus militärischen Gründen die vielen Abstammungen auf Ismail zurückführen zu wollen (S.144).

ab 990 ca.
Buchara unter den Samaniden-Statthaltern: türkische Söldner
Auch Buchara geht dazu über, türkische Söldner anzuwerben. Der türkische Heerführer Sebüktegin wird im afghanischen Ghazna stationiert. Sohn Mahmud.

Die türkischen Söldner neigen dazu, sich von Buchara loszusagen und eigene Verbindungen aufzubauen (S.147).

991-1031
Kalifat al-Qadir in Bagdad, ein Vetter von Kalif at-Ta ‘i - saminidischer Protest
Die Samaniden aus Buchara erheben Einspruch und schicken dem neuen Kalifen kein Huldigungsschreiben wie sonst üblich (S.147).

ab 991
Der Kalifenposten wird nicht abgeschafft - der "Stellvertreter des Propheten" legitimiert die Macht der Heerführer
Der Kalif ist die einzige Person, die dem Heerführer die Macht im islamischen Reich verleihen kann (S.153).
Der Zweck des islamischen Daseins ist der Kalif als legitimer Stellvertreter des Propheten. Die Heerführer können es sich nicht leisten, das Kalifat an sich abzuschaffen (S.154).

999
Ghazna-Heer unter Mahmud wehrt Samanidenangriff ab
Angriff eines samanidischen Heeres aus Buchara auf Afghanistan wird vom Heer unter Mahmud abgewehrt, womit die Geschichtsschreibung den Beginn eines Ghaznawidenreiches festlegt (S.147).

Herbst 999
Ghazna-Führer Mahmuds Argumentation in Richtung Bagdad
Heerführer Mahmud in Afghanistan will die instabile Situation zwischen Bagdad und Buchara ausnützen und schreibt dem neuen Kalifen al-Qadir, dass der soeben errungene militärische Sieg gegen die Samaniden gleichzeitig als Huldigung des Kalifen gelten solle. Mahmud verlangt gleichzeitig die Legitimation der Verhältnisse, die Regentschaft über Chorasan und die Gewalt über noch zu erobernde Gebiete (S.147).

Der Kalif al-Qadir bestätigt Mahmud und begründet damit neue abbasidisch-türkische Beziehungen (S.147).

um 1000
Buchara: Auflösungserscheinungen bei den Samaniden
(S.146)

Schwindende Macht der Buyiden-Militärführer in Bagdad - beginnende Religionskämpfe
Die militärische Macht der Buyiden beginnt zu bröseln. In Bagdad beginnen Sunniten, gegen die übermütigen Schiiten vorzugehen, die sich immer noch für unangreifbar halten (S.147).

Guzz-Expansionsversuch
Der turkisch-nomadische Volksstamm al-Guzz bei Buchara versucht die Ausweitung nach Westiran (S.148).

ab 1000
Ägyptisch-fatimidische Untergrundtätigkeit
Der fatamidischen Untergrundorganisation aus Kairo gelingt es, wichtige Persönlichkeiten der Buyiden zur "Isma ‘iliyya" zu bekehren (S.144).

Agenten der ägyptischen Fatamiden verstehen es, auch im Iran und in Afghanistan Misstrauen in die Verhältnisse von Kalif al-Qadir in Bagdad zu streuen (S.148).

ab 1005 ca.
Argumentation des Ghazna-Heerführers Mahmud für Bagdad: Indienfeldzüge
Heerführer Mahmud in Ghazna/Afghanistan lässt dem Kalifen erklären, er wolle jährlich einen Feldzug nach Indien unternehmen, um das islamische Gebiet noch weiter auszuweiten (S.147).

1010
Mossul: "Ismailisierung" und "Abbasidierung"
Mossul: Der dortige Fürst Banu ‘Uqayl wählt in der Freitagspredigt den Namen des fatimidischen Kalifen. Bagdad reagiert mit üppigen Geschenken und dem Anliegen, er solle diese Entscheidung zurücknehmen und wieder den abbasidischen Kalifen ins Freitagsgebet nehmen. Die Bitte hat Erfolg (S.144).

Der abbasidische Kalif reagiert mit einem Protokoll der Oberhäupter der Bagdader Aliden und einiger Qadis, in dem die Abstammung der Fatimiden in Zweifel gezogen wird. Das Protokoll wird in Teilen des abbasidisch-islamischen Imperiums von der Kanzel verlesen (S.144).

In der Folge sind die Buyiden nicht zur Anerkennung der Fatimiden bereit, und die Partnerschaft mit den Abbasiden kommt ihnen wegen der Machtstellung gelegen. Beide Seiten profitieren:
-- Abbasiden nützen den Buyiden politisch mit Legalitätsgarantien
-- Buyiden nützen den Abbasiden militärisch mit Schutzgarantien
und so kommt es zum ersten Mal zu relativ langen Kalifaten. Viele kleine Bindungen entstehen und sollen neben der Bindung an den Kalifen erhalten bleiben, und diese kleinen Bindungen werden stärker, je schwächer der Kalif wird (S.144).

ab 1010
Entwicklungen:
-- die Regionalisierung der Macht nimmt im abbasidischen Kalifat unter den Buyiden rasch zu
-- auf der arabischen Halbinsel entstehen neue Stammesfürstentümer, de facto selbständig, mit direkten Verbindungen zu den Buyiden (S.145).

ab 1010 ca.
Erste Feindseligkeiten zwischen Sunniten und Schiiten in Bagdad
(S.147)

1017
Bagdad: heftige bürgerkriegsähnliche Kämpfe zwischen Sunniten und Schiiten - Vertreibung der Buyidentruppen - Kalifensekret gegen Schiiten und Mu ‘tazila
aus der Stadt. Die Sunnitenanhänger beherrschen die Hauptstadt, und der Kalif bestimmt seine neue Position hinter den Sunniten. Für die arabische Geschichtsschreibung ist dieser Machtwechsel der Ausgangspunkt des Sunniten-Triumphs (S.147).

Kalif al-Qadir verfasst ein Dekret, in dem er die sunnitische Form des Glaubens als die einzig richtige Form bezeichnet. Die Lehren der Mu ‘tazila und der Schiiten werden ausdrücklich abgelehnt.
Kalif al-Qadir gibt dem Heerführer Mahmud in Ghazna Anweisung, möglichst alle anti-sunnitischen Umtriebe zu unterbinden (S.147).

ab 1017 ca.
Heerführer Mahmud strebt nach Bagdad
Heerführer Mahmud bekommt nach der Niederlage der Schiiten in Bagdad den Mut, auch in West-Iran Gebiete zu besetzen.

In Rayy bittet ein buyidischer Fürst Mahmud um "Schutz" im Streit mit seinen Söldnern. Mahmud erscheint mit seinem Heer in Rayy und lässt den Buyiden gleich gefangen nehmen und seine Vertrauten kreuzigen. Mahmud berichtet Kalif al-Qadir von den unmöglichen Zuständen in Rayy und lässt Rayy im sunnitischen Sinn "säubern":

-- Verbannung der Mu ‘taziliten nach Chorasan
-- Bücher der Philosophie, der um ‘tazilitischen Lehre und der Sternkunde werden verbrannt
-- weitere 100 Ladungen Bücher lässt er beschlagnahmen und nach Afghanistan transportieren (S.148).

Bei dieser Gelegenheit erkennt Mahmud seine Möglichkeiten der Beherrschung der islamischen Gebiete bis Mekka, um die Pilgerwege zu sichern (S.148).

1020 ca.
Abhandlung von al-Mawardi zur Rolle des Kalifen im islamischen Reich
der Kalif sei der von Gott eingesetzte "Führer" der Geschäfte der Gemeinde der islamischen Gläubigen (S.154).

Der Imam sei der Brennpunkt der legitimen islamischen Macht:
-- er soll anti-sunnitische Glaubensrichtungen bekämpfen
-- er soll nach der Scharia schlichten, um Rechtssicherheit zu vermitteln
-- er soll Todesstrafen überwachen
-- er soll für die Befestigung der Grenzanlagen sorgen
-- er soll den "heiligen Kampf" gegen die "Ungläubigen" fortsetzen
-- er soll die Steuern rigoros einziehen und gut verwalten
-- er soll fähige Verwalter ernennen
-- er soll Staatsgeschäfte kontrollieren und Fehler berichtigen
-- er soll Arbeiten delegieren in der Abstufung Wesir - Statthalter - Oberqadi (Rechtspflege) - Beamte (S.155)

ab 11. Jh.
Die Kalifen bekommen wieder mehr Machbefugnisse
(S.130)


Kalifat al-Qa ‘im 1031, Heerführer Mas ‘ud - Seldschukeninvasion unter Togrilbeg in Afghanistan 1040 - Vernichtung der Guzz-Türken 1940/41 in Persien - Vernichtung der Guzz in Mossul 1044 - Invasion Togrilbegs nach Bagdad 1045, Terrorregime der Seldschuken in Bagdad, Besetzung Syriens und Arabiens bis Mekka und Armeniens bis Erzurum - Bürgerkrieg in Bagdad zwischen Schiiten und Sunniten, Ghettobildung - Togrilbeg wird Sultan - Krieg um Bagdad zwischen al-Basasiri und Togrilbeg, Togrilbeg heiratet Kalifentochter, Etablierung der Seldschukenherrschaft in Bagdad ab 1060 nach Tod von al-Basasiri mit Sultansresidenz Isfahan - Tod von Togrilbeg 1063, Nachfolger Alp Arslan - neuer Sultanwesir Nizam al-Mulk

Zusammenfassung (Fortsetzung)
Es beginnt die Karriere des Seldschukenführers Togrilbeg. Vorerst lässt er "nur" Afghanistan besetzen. Die Söldnerheere von Kalif al-Qa ‘im können die Guzz-Türken vernichtend schlagen, da folgt 1045 die Invasion der Heere Togrilbegs nach Bagdad. Er zieht ein Terrorregime auf, erweitert aber gleichzeitig das Herrschaftsgebiet bis Syrien, Mekka und Erzurum, ein riesiges Reich. In Bagdad sind die religiös verfeindeten Gruppen währenddessen nicht zu stoppen. Es kommt zu Mauerbauten und Ghettobildung. Togrilbeg lässt sich zum Sultan küren mit Sultansitz in Isfahan. Der vertriebene Kalifenheerführer al-Basasiri stirbt 1060, Togrilbeg 1063. Nachfolger Togrilbegs wird Alp Arslan, dessen Sultanwesir Nizam al-Mulk.

Chronologie (Fortsetzung)

1031-1075
Kalifat al-Qa ‘im in Bagdad
(S.149)

1031-1041
Tod von Heerführer Mahmud - Nachfolger sein Sohn Mas ‘ud
(S.148)

ab 1038
Der turkmenische Heerführer Togrilbeg lässt sich bereits jetzt als "Erhabenster bevollmächtigter Herrscher", "Sultan", anreden.
(S.158, 186)

1040
Seldschukeninvasion/Turkmeneninvasion in Afghanistan: Heerführer Togrilbeg
Seldschukenführer Togrilbeg erringt mit seinen türkmenischen Nomaden einen entscheidenden Sieg gegen die Ghaznawiden und setzt sich in Nisabur fest. Im Irak herrscht das Chaos nach den Zerstörungen der Guzz und der Weg nach Westen ist für Togrilbeg frei (S.149)

1040-1500 ca.
Fremdgebürtige Militärführer als Stütze der Kalifen
Die islamische Welt in Bagdad und in Kairo/al-Qahira besteht in dieser Zeit fast nur aus fremdbürtigen Militärführern, die aus nomadisch-nahestehenden Bevölkerung stammen, weil diese heertechnisch immer am schnellsten und wendigsten agieren können, da sie noch nicht ganz sesshaft geworden sind. Die Kalifen sind ihnen ausgeliefert und setzen sie für ihre Zwecke ein (S.158).

1040/41
Guzz-Türken verwüsten Rayy und Hamadan - Tötung von Guzz-Führern in Aserbeidschan - Guzz-Feldzug und Besetzung Mossuls - Feldzüge nach Armenien
Westiran: Die Guzz-Türken verwüsten Rayy und Hamadan in Westiran. Die Absicht der Besetzung Aserbeidschans wird ihnen mit einer Einladung an den dortigen Hof erleichtert, wo ein Hauptteil der Führer erschlagen wird. Die überlebenden Guzz flüchten ins Kurdengebiet von Hakkari. Zerstörungen in Diyarbakr und in arabischen Fürstentümern (S.149).

Die Guzz besetzen und plündern Mossul und unternehmen weitere Streif- und Raubzüge bis Armenien. Die Beute wird in Mossul verkauft und die Preise verfallen wegen dem Überangebot (S.148). Ein schönes Sklavenmädchen kostet noch fünf Dinar, Knaben sind kostenlos (S.149).

1041 ca.
Versuch Bagdads zur Besänftigung Togrilbegs
Kalif al-Qa ‘im lässt durch seinen Diplomaten al-Mawardi Kontakt mit Togrilbeg aufnehmen, um die Lage zu schildern und um zu verhindern, dass Togrilbeg in feindlicher Absicht Bagdad noch mehr zerstört (S.149).

1044
Erneuter Versuch Bagdads zur Besänftigung Togrilbegs
Die Turkmenen unter Togrilbeg befinden sich bereits in Gurgan und durch eine nochmalige Entsendung des Diplomaten al-Mawardi werden sie dazu bewegt, das Kalifat zu akzeptieren:

-- die Seldschuken beerben die Ghaznawidenpolitik
-- Togrilbeg verspricht die Unterwerfung der Guzz
-- Togrilbeg schlägt einem arabischen Stammesfürsten gleichzeitig vor, man solle die Guzz doch als Hilfstruppen gegen Byzanz benutzen (S.149).

Vernichtung der Guzz in Mossul
Mossul: Dem arabischen ‘Uqayliden-Fürsten von Mossul gelingt ein entscheidender Sieg über die Guzz. Von 30’000 Guzz werden über 25’000 getötet (S.149 ).

1045
Bruch zwischen Kalif al-Qa ‘im und al-Basasiri - Invasion unter Togrilbeg
wegen Misstrauen und gegenseitigen Verschwörungsvorwürfen. Togrilbeg nützt die Schwäche aus, zieht vor Bagdad und lässt sich von al-Qa ‘im und dem Buyiden al-Basasiri Treue schwören.
Durch eine Provokation lässt Togrilbeg Bagdad durch seine seldschukischen/ turkmenischen Soldaten plündern, versucht, seine Macht zu festigen und verweigert dem Kalifen den Gehorsam. Die Landvergabeverträge erklärt er für Null und nichtig (S.149).

An dieser Stelle ziehen die Buyiden nicht mehr mit. Die geheime Koalition zum Sturz des Kalifen platzt, und die Betroffenen laufen zu al-Basasiri über (S.150).

1046 ca.
Heerführer al-Basasiri muss Bagdad nach Damaskus verlassen
Mittels einer Intrige Togrilbegs durch arabische Stammesführer wird al-Basasiri zum Verlassen Bagdads getrieben. Al-Basasiri zieht mit seinen Leuten nach Syrien unter den Befehl des feindlichen Fatimiden-Kalifen. Die Buyiden-Herrschaft in Bagdad ist beendet, gleichzeitig erhalten die Fatimiden in Damaskus Auftrieb (S.150).

ab 1045 ca.
Heerführer Togrilbeg unterwirft Mossul, Syrien und Arabien bis und mit Mekka
Siege Bagdads unter dem Söldnerführer al-Basasiri gegen die ‘Uqayliden aus Mossul (S.149).Unter Führung von Togrilbeg kann Bagdad die arabischen Stammesfürsten unterwerfen und den Fatamiden die arabische Halbinsel entreissen (S.159).Togrilbeg kann auch Syrien und Hedschas mit Mekka unter die Kontrolle Bagdads bringen und die Fatimiden nach Ägypten zurückdrängen (S.160 ).

ab 1046 ca.
Terrorregime der Seldschuken in Bagdad und in Mesopotamien
Die Seldschuken/Turkmenen ihrerseits ziehen in Bagdad ein Terrorregime auf. Kalif al-Qa ‘im gibt sich machtlos (S.150)

Die Turkmenen/Seldschuken ziehen in ihrer nomadischen Art über die Felder und schädigen so die Land- wirtschaft schwer. Die Bevölkerung schimpft sie Barbaren, weil ihnen der "feine Lebenswandel" fremd sei (S.151).

1049 ca.
Tod von Grosswesir Galal ad-Dawla - neuer Einfluss des Militärführers Abu Kaligar
ein Verwandter al-Basasiris, mit Sitz in Siraz, kann aber keine grosse Sicherheit bieten (S.149)

1050-53 ca.
Bagdad: Bürgerkrieg und Mauerbauten zwischen schiitischen und sunnitischen Stadtvierteln - Invasion Togrilbegs gegen Byzanz bis Erzurum
Schiiten und Sunniten beginnen, ihre Stadtviertel mit Mauerbauten abzugrenzen. Die Kosten für die Mauerbauten trägt die Einwohnerschaft jeweils selbst. Der Schutz vor Angriffen der Gegenseite ist die Aufwendung wert (S.146).

Gleichzeitige Vorgänge:
-- türkischel Söldner unterwerfenneue im Land des "Fruchtbaren Halbmondes" arabische Fürsten unter militärischer Führung von al-Basasiri
-- Togrilbegs Truppen dringen bis Erzurum in Armenien gegen Byzanz vor (S.149).

ab 1053 ca.
Togrilbeg überträgt seinem Bruder Ibrahim die "Sicherung" des Gebietes um Mossul
(S.151)

1054
Togrilbegs erzwungene Heirat mit der Kalifenlinie - Wesir al-Kunduri für Togrilbeg - Togrilbeg wird Sultan
Togrilbeg, der als Einziger der Seldschuken fromm lebt, nimmt keine Rücksicht auf religiöse Gepflogenheiten und verheiratet seine Nichte mit dem Kalifen selbst. Togrilbeg erhält vom Kalifen einen Wesir zugeteilt, al-Kunduri. Kalif al-Qa ‘im will über Wesir al-Kunduri Togrilbeg auf die Gewalt der Seldschuken auf dem Lande aufmerksam machen, was aber Togrilbeg kurz zuvor in einem Traum erschienen sein soll (S.151 ).

Zeremonie in Bagdad zur Einführung Togrilbegs als Herrscher über Bagdad - Togrilbeg als erster Sultan - der Kalif zeigt seine Macht durch den Wesir des Heerführers

-- Togrilbeg werden sieben Ehrengewänder umgehängt, die die sieben Klimata symbolisieren

-- Togrilbeg werden zwei Schwerter überreicht, die die Herrschaft über den Westen und den Osten symbolisieren

-- Togrilbegs Wesir al-Kunduri wird vom Kalifen als Faustpfand bezeichnet, das Togrilbeg "pfleglich behandeln" soll

-- Kalif al-Qa ‘im schenkt dem Wesir al-Kunduri als Zeichen seiner Stellung noch ein Stück des angeblichen Mantels des Propheten

-- mit dem angeblichen Mantelstück hat der Kalif al-Kunduri den Auftrag gegeben, über die Erfüllung der Scharia zu wachen und Kalif al-Qa ‘im hat seine ganze Macht demonstriert

-- Togrilbeg wird "Sultan", ihm ist die Macht aber nur übertragen (S.157).

Togrilbeg wird der erste islamische Herrscher, der sich "Sultan" nennt: "bevollmächtigter Herrscher". Kalif al-Qa ‘im legalisiert den Titel, den sich Togrilbeg 1040 selber zugelegt hat. Die Bezeichnung "Sultan" verbreitet sich schnell (S.158).

ab 1054 ca.
Togrilbeg zieht mit seinen Banden in den Norden, um separatistische Stammesführer zu unterwerfen, die fatimidisch unterwandert sind. So kann er weitere Zerstörungen seiner Banden in Mesopotamien verhindern und dem Kalifen dienen (S.151).

1055 ca.
Sultanwesir Nizam al-Mulk gründet in Bagdad eine theologische Hochschule
(S.161)

ab 1057 ca.
Ibrahims Versuch, von Mossul aus Togrilbeg zu gefährden - Togrilbeg muss Bagdad verlassen - al-Basasiri greift von Syrien aus an
Ibrahim, der Bruder Togrilbegs, trifft Vorbereitungen, Hamadan einzunehmen, den Hauptsitz der Seldschuken/Turkmenen mit Staatsschatz und Haupttross (S.152).

1058
Togrilbeg muss nach Hamadan eilen, den Hauptsitz der Seldschuken/Turkmenen, um den Übergriff seines Bruders Ibrahim auf die Seldschukenhauptstadt zu verhindern (S.151-152). Bagdad ist in der Folge ohne Truppen und al-Basasiri aus Damaskus könnte die Stadt kampflos nehmen (S.152).

1058/1059
Kriege zwischen Togrilbeg und Ibrahim in Iran - Invasion und Plünderung Bagdads unter al-Basasiri
Während Togrilbeg in Iran seinen Bruder Ibrahim bekämpft, schlägt Kalif al-Qa ‘im ein Schutzangebote eines Beduinenfürsten aus (S.152).

Al-Basasiri greift mit einer kleinen Truppe, mit einigen Bundesgenossen und Bevölkerung des schiitischen al-Karh von Westen her Bagdad an. Es kommt zu Brandlegung und Plünderung der Wohnquartiere und des Kalifenpalastes. Ein Teil der Bagdader Bevölkerung muss wegen Raub aller Kleider erfrieren. Kalif al-Qa ‘im kommt an abgeschiedenem Ort südlich von Bagdad unter Arrest. Eine Gruppe der Bevölkerung von al-Karh pflanzt in Bagdad eine Fahne mit dem Namen al-Mustansirs des fatimidisch-ägyptischen Kalifen auf und Bagdad wird fortan von al-Basasiri regiert (S.152).

1059 ca.
Togrilbeg unterwirft Ibrahim und vertreibt al-Basasiri aus Bagdad
Nach dem Sieg gegen seinen Bruder Ibrahim in Iran schlägt Togrilbeg dem Schiiten al-Basasiri eine Einigung über Bagdad vor. Al-Basasiri aber schlägt aus und verlässt vor Togrilbegs Truppen Bagdad. Gleichzeitig werden nun die Schiiten von al-Karh von den Sunniten Bagdads geplündert (S.152).

Ende 1059
Togrilbeg befreit Kalif al-Qa ‘im bei Nahrawan
(S.152 )

1060
Tod von al-Basasiri - Seldschuken/Turkmenen-Herrschaft in Bagdad etabliert sich
Heerführer al-Basasiri wird auf dem Weg nach Bagdad getötet. Den ägyptischen Fatimiden fehlt nun der kundige Militärführer für eine Irak-Unterwerfung. Die Seldschuken unter Togrilbeg sind die militärischen Herren des islamischen Ostens für die nächste Zeit (S.153).

1060 ca.
Wesir Nizam al-Mulk besetzt die Stelle des Rektors der theologischen Hochschule in Bagdad
(S.161)

ab 1060
Sultanresidenz ist Isfahan
Die Sultane und Sultanwesir Nizam al-Mulk residieren meist in Isfahan, aber die militärische Macht der Seldschuken/Turkmenen bleibt ungebrochen, auch mit Einfluss auf den Kalifen und auf dessen Handlungen, die er noch vollzieht wie Ernennungen etc. (S.160)

1062
Togrilbeg heiratet formell eine Kalifentochter, darf sie aber nicht berühren
Togrilbeg fordert zur Absicherung eine Kalifentochter zur Frau und setzt die Ehe gegen den Willen von Kalif al-Qa ‘im durch, eine tiefe Demütigung für den Kalifen. Nach der Heirat darf Togrilbeg seine Frau aber nur verschleiert sehen und nicht berühren. Gleichzeitig gilt der über 70-jährige Togrilbeg nicht mehr als zeugungsfähig. Er lässt seine Frau auf einem vergoldeten Thron sitzen und bringt ihr Geschenke dar, berührt sie aber nicht einmal im eigenen Haus (S.153).

Ramadan 1063
Tod von Togrilbeg, Nachfolger der Neffe Alp Arslan
Togrilbeg muss nach Rayy im Iran, wo er stirbt (S.153). Alp Arslan wird neuer Sultan. Ihm wird die Zuständigkeit für alles "ausserhalb des Tores des Kalifenpalastes" zugesprochen, war auf der Kanzel verkündet wird (S.158).

Ermordung von Sultanwesir al-Kunduri - Nachfolger Nizam al-Mulk
Der Wesir al-Kunduri wird ermordet und Alp Arslan bekommt Nizam al-Mulk als neuen Wesir, der aber nicht mehr die Vermittlungsrolle zwischen Kalif und Sultan einnimmt, sondern allein die Machtstärkung des Sultans anstrebt, um einen starken und wirksamen Staat zu verwirklichen (S.158).


Stärkung des Staatsapparats unter Sultanwesir Nizam al-Mulk mit Vorgehen gegen ägyptisch-fatimidische Unterwanderung und öffentlicher Religions- diskussion - Beginn der Türkisierung Anatoliens - Sultanat Malikschah 1072 - Kalifat al-Muqtadi 1075 - Ernennung von Atabeg-Befehlshabern - Ermordung von Sultanwesir Nizam al-Mulk und Tod von Sultan Malikschah 1092 - Kalifat al-Mustarsid und Sultanat Sangar 1118 - Tod des Kalifen gegen das Sultanheer 1135 - Kalifat ar-Raschid 1135 und al-Muqtafi 1136 - Sultan al-Mas ‘ud in Medien - Nachfolgekrieg unter den persischen Sultanen ab 1152 - Sieg Bagdads gegen das seldschukische Sultanheer - Kalifat al-Mustangid 1160, Ende der Seldschukenmacht in Bagdad

Zusammenfassung
Dem neuen Sultanwesir Nizam al-Mulk gelingt es, mit Vorgehen gegen die ägyptische Unterwanderung und dem Zulassen der freien Diskussion um die Religion den Kalif entscheidend im Volk zu stärken. Die turkmenischen Militärs beginnen mit der "Turkisierung" Anatoliens gegen die griechisch-byzantinische Kultur. Unter dem Kalifat al-Muqtadi beginnt die Ernennung von "väterlichen Befehlshabern"/"Atabegs". 1135 wird der Kalif in einer Schlacht gegen die Sultane in Persien getötet, denen es aber nicht gelingt, die Macht an sich zu reissen. Sie zerstreiten sich untereinander, so dass 1152 ein Nachfolgekrieg in Persien ausbricht. Gleichzeitig wird ein neues Kalifenheer gegen die Macht der Sultane aufgestellt und Bagdad befestigt. Die Belagerung Bagdads durch die Seldschuken kann Kalif al-Muqtafi in Zusammenarbeit mit dem Atabeg von Aserbeidschan, der von der anderen Seite her Medien angreift, sprengen. Ab Kalif al-Mustangid 1160 verlieren die Seldschukensöldner in Bagdad ihre Mitsprache.

Chronologie (Fortsetzung)

ab 1063
Aufbau eines starken Staatsapparats in Bagdad unter Nizam al-Mulk und Zulassen der Diskussion um das Recht - These des "heilsbringenden" Recht
Sultanwesir Nizam al-Mulk baut einen starken Staatsapparat auf:
-- er achtet auf die Heranbildung guter Statthalter und Beamter
-- die fatimidische "Unterwanderung" wird endlich auch mit Taten bekämpft
-- Gründung von Lehranstalten mit Rechtsdiskussion und Theologiediskussion
-- Kombination von Sunnitentum mit mu ‘tazilitischem Rationalismus, aber ohne dogmatischen Standpunkt (Schafiiten) (S.158).

Rechtsrichtungen unter Wesir Nizam al-Mulk
Schafiiten-Hanafiten (Seldschukenrecht) - Hanbaliten (Sunniten, Bevölkerung in Bagdad) (S.158-159). Nizam al-Mulk:

-- die Religionsdiskussion unter Nizam al-Mulk zeitigt epochale Ergebnisse für die Zukunft. Die Schafiiten haben dabei alle Mühe zu überzeugen (S.159)

-- Sultanwesir Nizam al-Mulk ist der "Architekt" des Staates im Dienst des Sultans (S.160)

-- Nizam al-Mulk wagt in einer Schrift sogar die These, dass man auf den Kalifen verzichten könne, wenn die Rechtsordnung heilsbringend sei (S.159).

1071
Islamische Expansion gegen Byzanz - Beginn der Türkisierung Anatoliens
-- Zurückdrängen der byzantinischen Truppen bei Mantzikert
-- turkmenischer Feldzug bis Ikonium/Konya
-- Beginn der Türkisierung Anatoliens (S.160)

1072-1092
Bagdad: Sultan Malikschah
Er übernimmt Sultanwesir Nizam al-Mulk und belässt ihn im Amt (S.160).

1075-1094
Kalifat al-Muqtadi
(S.160)

ab 1080 ca.
Ernennung von "Atabegs" / "väterliche Befehlshaber" - Regionalreich Mesopotamien
Sultan Malikschah ernennt "Atabegs", Militärbefehlshaber für Provinzen zum Anlernen der Prinzen in die "Geheimnisse der Staatskunst". Die "Atabegs" entziehen sich aber oft dem Einfluss Bagdads.
Durch diesen Vorgang kann das Kalifat die Bindungen zum Sultanat ein wenig lockern und ein unabhängiges Regionalreich aufbauen mit ungefährem Umfang des heutigen Irak (S.161).

1085 ca.
Sultanidische Taktik gegen den Kalifen funktioniert nicht - der Kalif behält Bagdad
Sultan Malikschah empfiehlt dem Kalifen al-Muqtadi in Bagdad, seine Stadt aufzugeben und entweder in Damaskus oder im Hedschas eine Residenz zu beziehen. Ziel ist natürlich, die Abbasiden ganz aus Mesopotamien zu verdrängen und ihre letzte Hausmacht zu zerstören.

In der Folge kühlt sich das Verhältnis zwischen Kalif und Sultan in Mesopotamien sehr ab (S.160).

1089
Versöhnungsfest zwischen Kalif al-Muqtadi und Sultan Malikschah
Festlicher Empfang des Sultans in Bagdad mit Grabstättenbesuchen von Schiiten und Spenden des Sultans für schiitische Wallfahrtsorte. Das Klima wird zur ganzen Schiitenschaft versöhnlich, denn Anschläge der Schiiten mit den Fatimiden im Hintergrund werden dauernd befürchtet (S.160).

1092
Ermordung des Sultanwesirs Nizam al-Mulk und Tod von Sultan Malikschah
Auf einer erneuten Reise von Sultan Malikschah nach Bagdad wird der Sultanwesir Nizam al-Mulk von einem Meuchelmörder im Beisein des Sultans erstochen.

Wenig später erkrankt Sultan Malikschah selbst auf der Reise und stirbt ebenfalls. Ab dem Zeitpunkt beginnt der Niedergang der Seldschuken/Turkmenen (S.161).

ab 1092
Bagdad: Bildung lokaler Dynastien
Im Reich des Kalifen al-Muqtadi bilden sich lokale "Atabeg"-Dynastien ("väterliche Befehlshaber") in Syrien, Mesopotamien und Iran (S.161).

1118-1157
Sultanat Sandschar
in Isfahan, ist eine übergeordnete Autorität der Seldschuken (S.161).

1118-1135
Kalifat al-Mustarschid
(S.161)

1134 ca.
Kalif al-Mustarschid geht einen Kampf mit dem Sultan in Isfahan ein.
(S.161)

1135
Niederlage des Kalifenheeres unter al-Mustarschid gegen das Sultanheer
aus Isfahan. Kalif al-Mustarschid wird gefangen genommen und getötet, angeblich durch einen schiitischen Extremisten (S.161).

1135-36
Kalifat von Sohn ar-Raschid - Streit mit dem Sultan in Medien, al-Muas ‘ud
Sultan al-Mas ‘ud in Medien ist nicht einverstanden mit ar-RaÜid als Kalifen und betreibt dessen Absetzung (S.161).

1136-1160
Absetzung des Kalifen ar-Raschid - Einsetzung des neuen Kalifen al-Muqtafi
Der Sultan al-Mas ‘ud bleibt Schutzherr von Kalif al-Muqtafi. Gleichzeitig beginnt der abgesetzte ar-Raschid mit Intrigen (S.161).

1138
Tod des abgesetzten Kalifen ar-Raschid durch Erstechen in einem Intrigenspiel
(S.161)

1152
Tod von Sultan al Mas ‘ud - Kalif al-Muqtafi will keine Sultane mehr
Kalif al-Muqtafi und sein tatkräftiger Wesir Ibn Hubayra beherrschen Mesopotamien inzwischen allein, von Hulwan bis Kufa und (S.161) Takrit bis Abbadan. Die Truppen des Sultanats haben sich nach Iran zurückgezogen, weil ein Krieg um die Sultanatsfolge ansteht (S.162).

ab 1152
Befestigungsbauten um Bagdad - Aufstellen eines neuen Kalifenheeres - Iran im Nachfolgekampf
Wesir Ibn Hubayra lässt Bagdads Befestigungsanlagen ausbessern und ein Heer aufbauen, wo Türken der Zutritt verboten ist. Söldner kommen aus Byzanz und Armenien. Im Sultanat der Seldschuken/Turkmenen bricht währenddessen der Nachfolgekampf aus (S.162).

1152/1153Iran: Sultananwärter Sulayman kann gegen seine Mitkonkurrenten Hamadan einnehmen
(S.162)

1154 ca.
Massnahmen von Kalif al-Muqtafi gegen das Sultanat: Herabstufung im Freitagsgebet, Beschlagnahmen von Darlehen
Kalif al-Muqtafi verbietet dem Sultananwärter in Medien, Sulayman, dass der Sultan-Name im Freitagsgebet in Isfahan erwähnt wird. Es soll nur noch der Kalif im Gebet als einzige relevante Person des Reiches erwähnt werden (S.162).

Gleichzeitig verfügt Kalif al-Muqtafi eigenmächtig über die seldschukischen Militärdarlehen im Irak (S.162).

ab 1154
Offener Krieg zwischen Bagdad und Isfahan: Sieg des Kalifen al-Muqtafi
Die Sultananwärter der Seldschuken/Turkmenen stellen sich geschlossen gegen den Kalifen und brechen gegen den Willen des Sultans in Medien in Richtung Bagdad auf.

Das Kalifenheer von al-Muqtafi siegt gegen das Seldschukenheer (S.162).

1156
Belagerung Bagdads durch Sultanheere - gesteuerter Angriff Aserbeidschans gegen Iran - Niederlage von Sultan Sulayman
Sultan Sulayman lässt Bagdad belagern. Das Heer steht unter direktem Sultan-Befehl. Gleichzeitig kann Kalif al-Muqtafi den Atabeg von Aserbeidschan überreden, das Sultanat Medien im Rücken anzugreifen.
Die seldschukisch/turkmenische Belagerung um Bagdad scheitert und Sultan Sulayman muss abtreten.
Kalif al-Muqtafi kann einen ihm gemässen Sultan durchsetzen und das Kalifat gewinnt seine Macht im islamischen Reich zurück, die es ab 980 verloren hatte (S.162).

1160-1170
Tod von Kalif al-Muqtafi - neuer Kalif al-Mustandschid - keine Seldschuken mehr in Bagdad
Der neue Kalif al-Mustandschid verweigert die Einsetzung eines seldschukischen Statthalters in Bagdad und ein seldschukischer Angriff auf Bagdad bleibt aus. Die neue Grundhaltung, sich auf keine fremden Machthaber zu verlassen, setzt sich in Bagdad durch (S.162).


Kalifat an-Nasir 1180, Bündnis mit den Volksbünden der "Futuwwa" - Futuwwa wird zur Volksarmee 1207 - Mongolen in Hwarizm 1218 - Kalifat al-Musta ‘sim 1242 - mongolische Besetzung Bagdads 1258 unter Hügälü, Verlust der Seidenstrasse an Armenien - Wesir ‘Ata Malik Guwayni 1258 - ägyptischer Sieg gegen das Mongolenheer in Palästina - Kairo richtet "Scheinkalifat" für Bagdad ein - Ilhan Gayhatu 1291 - Ilhan Gazan Han 1295, Konvertierung zum Islam und Wiederaufbau Mesopotamiens, Pestepidemien, Friede zwischen Bagdad und Kairo 1323 - Zusammenbruch des Mongolenreichs 1335

Zusammenfassung
Kalif an-Nasir tritt den Volksbünden der "Futuwwa" bei, die seit 818 seit dem Kampf gegen Tahir eine Tradition im Volk besitzen. Es gelingt ihm, die "Futuwwa" 1207 in eine Volksarmee umzuformen und so eine Streitmacht zu bilden, die von Mesopotamien selbst getragen wird. Die Mongolen bleiben 1218 bei Hwarizm stehen. Unter Mongolenführer Hügälü der Ilhaniden besetzen sie 1258 Bagdad und provozieren religiöse Unruhen. Die Mongolen machen Mesopotamien zur Randprovinz ihres Reiches und verlegen den Seidenstrassenhandel nach Armenien. Mesopotamien gehen dadurch grundlegende Einnahmen verloren, das Land beginnt zu verarmen. Ägyptens Heere können den Mongolenvorstoss in Palästina stoppen und verspricht die Rückeroberung Bagdads. Zwei Nachkommen der Kalifendynastie Bagdads gelingt die Flucht nach Kairo, die Rückeroberung aber gelingt nicht. Unter Gazan Han konvertieren die Ilhaniden selbst zum Islam. Pestepidemien behindern den Wiederaufbau. 1323 wird zwischen Bagdad und Kairo Friede geschlossen. Das Mongolenreich aber ist schon nicht mehr verteidigungsfähig. 1335 erfolgt der Zusammenbruch.

Chronologie (Fortsetzung)

1180-1225
Kalifat an-Nasir li-din Allah - Stärkung des Kalifenterritoriums
Kalif an-Nasir versucht, das Kalifat noch mehr zu stärken und noch unabhängiger zu machen (S.162).

1183 ca.
Kalif an-Nasir tritt der "Futuwwa" bei
(S.163), die Volksbünde im Krieg gegen Tahir von 818. Er gewinnt die "Futuwwa-Bünde" in Bagdad für sich und beginnt, in der "Futuwwa" eine führende Rolle einzunehmen (S.163).

1190 ca.
Kalif an-Nasir lobt die "Futuwwa-Bünde"
Er lässt in einer Schrift die "Futuwwa-Bünde" hochloben und schildert ihre "Tugenden" wie Jugendlichkeit, Kampf, Pflichterfüllung, Verzicht zugunsten des Kampfes für das islamische Gemeinwesen etc. (S.163)

spätes Mittelalter/1200-1400
Bagdad ist für Sunniten ein Land der ketzerischen Bewegungen
mit "heiligen Städten" wie Kerbela und Nadschaf der Schia (S.?)

1207Umformung der "Futuwwa-Bünde" in eine Armee des Kalifen für den Endsieg des Islam
Kalif an-Nasir kann die Satzungen der "Futuwwa" umgestalten:

-- die "Futuwwa" soll ab sofort ein "gereinigter imamitischer Dienst sein, der "der Religion Gottes den Sieg verleiht"

-- der Kalif soll die absolute Befehlsgewalt haben (S.163).

Die "Futuwwa-Bünde" werden faktisch zu einer Armee des Kalifen und bilden seine Hausmacht (S.163).

ab 1207
Erweiterung der "Futuwwa"-Armee durch Aufnahme weiterer Fürsten
Fürsten und Prinzen anderer Gegenden werden aufgenommen, wie
-- Ayyubiden-Prinzen
-- Ghoriden aus Afghanistan
-- der Herrscher von Hwarizm (Choresm)
-- Fürsten in Kleinasien (S.163).

1218
Mongolenannäherung
Die Mongolen lagern an der Grenze des Herrschers von Hwarizm. Einfall der Mongolen in Mesopotamien.
Ein Gerücht, ein Gouverneur des HwarizmÜahs habe mongolische Gesandte ermordet, löst den Mongolensturm auf Kleinasien aus. Das Reich von Hwarizm wird schnell mongolisch besetzt (S.164).

1225
Kalif an-Nasir hat im islamischen Reich mit seiner "Futuwwa"-Armee eine neue Herrschaftsordnung geschaffen (S.163), die mehr Standfestigkeit verspricht als das Zweiergespann Kalif-Sultan vor 150 Jahren (S.163-164).

1242-1258
Kalifat al-Musta ‘sim
(S.164)

1250
Angriffsbefehl des Grosskhans Möngke an Bruder Hügälü
Der mongolische Grosskhan Möngke - ein Enkel Dschingis Khans - beauftragt seinen Bruder Hügälü mit der Absicherung und Ausweitung des mongolischen Herrschaftsbereich (S.164).

ab 1252
Bagdad: Einführung einer neuen Handels- und Gewerbesteuer/tamga
(S.259)

1258
Mongolische Besetzung Bagdads - Massnahmen gegen Muslime
Kalif al-Musta ‘sim verweigert den Kontakt zum Mongolenführer Hügälü, der den Kalifen bei der Erstürmung der iranischen Assassinen-Festung stützen will. Auch eine Drohung Hügälüs mit der Besetzung Bagdads lässt Kalif al-Musta ‘sim unbeantwortet und versucht gegen Hügälü eine Hinhaltetaktik (S.165).

Hügälü bleibt jedoch entschlossen und fordert von Kalif al-Musta ‘sim die Kapitulation. Er greift nach den Ausbleiben jeder Antwort die Stadt an, beschlagnahmt den Kalifenpalast, vermietet diesen einem Christen und lässt in Bethäusern und Moscheen Wein vergiessen (S.164), um die Muslime am Freitagsgebet zu hindern (S.165).

Die muslimische Geschichtsschreibung beklagt, Bagdad sei zum ersten Mal in seiner Geschichte in die Hände "Ungläubiger" gefallen (S.165).

Bagdad: Der Mongolensturm ist wie eine Befreiung für die Wissenschaften. Der Imamit Nasir ad-din Tusi, gest. 1274, grosser Astronom, lobt die Invasion Hülägüs (S.258).

ab 1258
Mesopotamien verliert an Bedeutung wegen Niedergang und Verlust der "Seidenstrasse"
Bagdad: Die herrscherliche Sippe der Mongolen, die il, beuten das Land Mesopotamien schonungslos aus, so dass Steuern und Löhne mehr und mehr nur noch in Naturalien zahlbar sind.
Oft wird fruchtbares Ackerland von den Mongolenherrschern in Weideland für die Herden der Herrscherklasse il umgewandelt (S.259 ).

Der Niedergang wird von mehreren Faktoren begünstigt:
-- militärische Verheerung
-- wirtschaftlicher Verfall
-- Bevölkerungsschwund (S.257).

Ausserdem kommt es zur geopolitischen Marginalisierung: Mesopotamien wird zum Randgebiet, zur südwestlichen Grenzmark des mongolischen Imperiums mit Entscheidungszentrum Tabriz oder Qaraqorum (S.257).

Der Osten und der Süden Mesopotamiens sind verwüstet und entvölkern sich weiter. In Obermesopotamien bleibt die Wirtschaft intakt (S.259). Die Hoffnung auf Überwindung der Mongolenherrschaft bleibt in Kairo wie in Bagdad lebendig (S.257-258).

Die Ilhanen-Dynastie der Mongolen startet einen neuen Handelsweg über Basra und den Persischen Golf nach Indien. Gleichzeitig aber verlegt sie den Handelsweg der "Seidenstrasse" nach Norden ins armenische Bergland nördlich der mesopotamischen Grenzen. Der Indienhandel gleicht den Verlust der "Seidenstrasse" nicht aus (S.263).

Wirtschaft:
-- Bagdad: Seidenindustrie, Glasbläsereien und Papierproduktionen bleiben Weltspitze.
-- in kleineren Städten bleibt die Silberverarbeitung.
-- Tabriz wird neue Drehscheibe im Fernhandel zwischen Europa und Asien. Der Handel zwischen Mesopotamien und Syrien erleidet keine Unterbrechung (S.259 )

Gleichzeitig haben separatistische Glaubensrichtungen Zulauf wie die schiitischen Heterodoxie (S.258).

1258-1282
Mesopotamien: Mongolen: Hülägüs Wesir ‘Ata Malik Guwayni
ist um Ordnung bemüht, Chronist. Bagdad wird Winterresidenz der Ilhane und ist neben Tabriz die zweite Metropole im Mongolenimperium (S.258).

1260
Auszug eines Enkels des Kalifen aus Bagdad nach Kairo - Kampf gegen Schiiten in Bagdad
Ein Enkel von Kalif an-Nasir gelangt mit Beduinen nach Kairo. Der ägyptische Kalif Baybars huldigt dem an-Nasir-Enkel und verspricht Hilfe bei der Rückeroberung der verlorenen Gebiete (S.165).

Kairo beginnt ausserdem den Kampf gegen die schiitische Heterodoxie (abweichende Lehre) in Bagdad (S.258).

1260-1300
Mesopotamien: "unheilvolle und turbulente vier Jahrzehnte" ilhanidischer Macht
(S.258)

1262 ca.
Ägyptischer Sieg gegen die Mongolenheere in Palästina - misslungene Befreiung Bagdads - Tod des Abbasidenenkels
Das ägyptische Heer vernichtet bei ‘Ayn Galut in Palästina das Heer des Mongolenführers Hülägü vernichtend.
Kalif Baybars von Kairo gibt dem abbasidischen Kalifenenkel nun den Auftrag, Bagdad zu befreien. Die Befreiung gelingt jedoch nicht und endet mit dem Tod des Abbasiden (S.165).

1265 ca.
Ägyptische Rettung des Bagdader Kalifats durch "Scheinkalifat"
Der kairoer Sultan Baybars lässt aus Bagdad einen 15-jährigen Jüngling holen, der dem Abbasiden-Clan angehört, jedoch einen nicht ganz eindeutigen Stammbaum hat.
Baybars erhebt diesen Jüngling zum Kalifen und gibt ihm den Herrschernahmen al-Hakim, der nun für die ganze islamische Welt die religiöse Hoheit ausübt. Die eigentliche Herrschaft über Bagdad wird dem Sultan der ägyptischen Mamluken übertragen, und der Bagdader Kalif existiert nur durch Kairoer Gnaden (S.165).

1280
Bagdad: jüdische Epistel behauptet die Gleichberechtigung von Islam, Christentum und Judentum
Die Epistel des jüdischen Arztes Ibn Kammuna über die drei monotheistischen Offenbarungsreligionen, die prinzipiell gleichwertig sind, behauptet die Gleichwertigkeit von Islam, Christentum und Judentum (S.258).

Eine solche Behauptung wäre unter dem sunnitisch-orthodox-muslimischen Herrschern der Abbasiden nicht vorstellbar gewesen (S.258).

ab 1280
Bagdad-Kairo: Brückenfunktionen: Händler, Beduinen
Neben den Fernkaufleuten haben die beduinischen Stammeshäupter/umara’ al-’arab, die die Karawanenstrassen kontrollieren, die Brückenfunktion zwischen den beiden Imperien. Zum Teil haben die Beduinen sogar von beiden Seiten Pfründe und Lehensgüter unter Bewirtschaftung (S.260).

Mongolenreich der il wird feudalisiertDie Staatsgüter werden verpachtet oder an staatliche und militärische Würdenträger veräussert. Die neuen Eigentümer betreiben planvolle und langfristige Landwirtschaft (S.259).

1282-1284
Bagdad: Das ilhanidische Herrscherhaus Ahmad Teküdars macht vergeblich den Versuch, zum Islam überzutreten
(S.258)

1291-1295
Bagdad: Ilhan Gayhatu
Versuch, nach dem chinesischen Vorbild Papiergeld in Mesopotamien einzuführen, scheitert (S.259).

1295-1304
Bagdad: Das ilhanidische Herrscherhaus Gazan Han tritt zum Islam über - Reformversuche
-- bekennt sich offiziell zur Sunna
-- ist begeistert von der Prophetenfamilie
-- privilegiert alidische Notleidende in seinen Stiftungen (S.258).

Gleichzeitig Reformversuche zur Wiederherstellung einer geordneten Finanzverwaltung
-- Senkung der Handels- und Gewerbesteuer/tamga
-- Zwangskäufe und gewaltsame Einquartierungen werden unterbunden (S.259).

1295-1304
Bagdad: Wesir von Gazan Han: Raschid ad-din Fadlallah
lässt neue Bewässerungsgräben anlegen, zum Beispiel den an-Nahr al-Gazani zur Versorgung der "heiligen Stadt" Kerbela (S.259).

Gleichzeitig versucht die Regierung Han, die Stabilisierung der angeschlagenen Landwirtschaft zu erreichen (S.259).

ab 1300
Mesopotamien: Renaissance im städtischen Bereich
(S.258)

1304-1316
Bagdad: Tod von Ilhan Gazan Han - Nachfolger: Bruder Ölgaytu
favorisiert die 12er-Schia und fördert sie.
Lehrzentrum ist das Imam-Zentrum Hilla mit dem Leiter ‘Allama-i Hilli, der Förderer von Ölgaytu (S.258).

Anfang 14. Jh./ 1310 ca.
Kairo: Prophezeiungen, Bagdad zu "befreien"
Kairo: Viele Weissagungen prophezeien dem Sultan al-Malik an-Nasir Muhammad b. Qalawun, er werde Bagdad befreien und so das Werk Saladins und Baybars vollenden (S.258).

14.-15. Jh.
Mesopotamien: Pestepidemien
(S.262)

1316-1335
Bagdad: Ilhan Abu Sa ‘id
(S.260)

1323
Friedensschluss zwischen Bagdad und Kairo
Friedensschluss zwischen dem letzten Ilhan Abu Sa ‘id und al-Malik an-Nasir Muhammad, vermittelt von Fernkaufleuten (S.259-260).

ab 1323
Bagdad-Kairo: Handel ohne Spionageverdacht möglich
Irakische Kaufleute können wieder in Kairo und Syrien ohne Spionageverdacht für den mongolischen Erzfeind Handel treiben (S.260).

1335
Bagdad: Tod von Ilhan Abu Sa ‘id - Zusammenbruch des Ilhanreiches
Mesopotamien entsteht als territoriale Einheit neu nach alten Strukturen
-- mit engen Beziehungen zu Aserbeidschan
-- mit Verstärkung des Gegensatzes zwischen Nordirak um Mossul, der nach Anatolien und Syrien ausgerichtet ist, und dem nach Autonomie strebenden Südirak (S.260).


Unabhängigkeit Mesopotamiens 1356 unter Ahmad b. Uways - Besetzung Mesopotamiens unter Timur 1393-1405 - Besetzung Mesopotamiens durch die "Schwarze Horde" 1411, Beduinen gewinnen an Macht - Beduinenreich der Musa’ sa in Südmesopotamien ab 1430 - Besetzung Mesopotamiens durch "Weisse Horde" 1467 unter Uzun Hasan, Sunnagesetzgebung, Generalissimus Ysbakimin Mahdi und Kriege mit Ägypten um Mossul - Mesopotamien wird 1501 Teil des persischen Safawidenreichs

Zusammenfassung
Es folgen verschiedene Besetzungszeiten. Mesopotamien hat keine eigene Kraft mehr und wird zum Spielball verschiedener Mächte: Besetzung unter Timur 1393-1405, Besetzung durch die "Schwarze Horde ab 1411, während der die Beduinen im Süden an Macht gewinnen, Besetzung durch die "Weisse Horde" 1467 mit Generalissimus Ysbakimin Mahdi und Kriegen mit Ägypten um Mossul. Schliesslich wird Mesopotamien 1501 Teil des persischen Safawidenreichs.

Chronologie (Fortsetzung)

ab 1350 - 1500
Mesopotamien bleibt Randregion
Die Handelsbeziehungen zwischen Mesopotamien und Ägypten sind eng. Insgesamt verliert Mesopotamien aber jede Position innerhalb der Welthandelswege. Der Handel über Basra und den Persischen Golf nach Indien kann den Verlust der Anbindung an die "Seidenstrasse" nicht ausgleichen. Die Prosperität und Zentralität der Abbasidenzeit kommt nicht zurück (S.263).

1356
Bagdad unter Ahmad b. Uways erklärt die Unabhängigkeit
mit Konsolidierung der Verhältnisse und der Abschaffung vieler Steuern (S.260).

kurz nach 1356/1360 ca.
Bagdad: Wiedereinführung der 1356 abgeschafften Steuern
unter pseudoreligionsgesetzlicher Nomenklatur (S.260).

1393
Verwüstung Mesopotamiens durch Timur aus dem Uluscagatay
(S.260)

1401
Verwüstung und Besetzung Mesopotamiens durch Timur aus dem Uluscagatay
-- mit 10’000en von Toten, totales Abbrennen von Bagdad
-- Flucht von Ahmad b. Uways nach Kairo.
-- in Bagdad etabliert Timur eigene neue Statthalter (S.260).

1405 / nach dem Tod Timurs
Bagdad: Ahmad b. Uways versucht die Wiedererrichtung der gal’iridischen Souveränität
(S.260)

1411
Besetzung Mesopotamiens durch die "Schwarze Horde"
die Turkmenenkonföderation der Qara Qoyuhlu mit Sitz in Armenien nördlich des Van-Sees. Die "Schwarze Horde" installiert für ein halbes Jahrhundert in Tabriz die Regierung über Mesopotamien, Aserbeidschan und das westliche Persien. In Bagdad wird ein Vizekönig der "Schwarzen Horde" installiert (S.260). Landaufteilung in Steuerbezirke/Soyurghale, mit richterlicher und finanzieller Autonomie (S.262).

ab 1411
Mesopotamien: Desolater wirtschaftlicher und demographischer Zustand
ab der Zeit der "Schwarzen Horde". Die Autonomie der Heeresfürsten und die fehlende staatliche Kontrolle verschlimmern alles. Es kommt zu einer weitum verbreiteten Naturalienwirtschaft, kaum Münzen und Geldverkehr (S.262).

In Mittel- und Südmesopotamien gewinnen die Nomaden durch den desolaten Zustand an Macht, weil die Zentralgewalt fehlt. Städte wie Hilla und Basra werden zeitweise von Beduinenstämmen regiert und das Hinterland der Beduinen ist unkontrollierbar (S.262).

ab 1412
Mesopotamien: "Schwarze Horde": Konkurrenzkampf zwischen der "Schwarzen Horde" und Kairo um Hedschas und die "heiligen Stätten"
(S.261)

1430-er Jahre
Mesopotamien: "Schwarze Horde": Timurs Sohn Schah Ruh versucht, die Herrschaft über den Hedschas zu erlangen, was ihm aber nicht gelingt
(S.261)

ab 1430 ca.
Süd-Mesopotamien: Beduinenreich der Musa’sa
unter Muhammad b. Falah al-musa ‘sa, "der Strahlende"
Schüler des imamitischen Theologen Ahmad b. Fahd. Er baut mit beduinischer Unterstützung am unteren Tigris und in Chusistan sein Reich auf. Es ist eine den Qarmaten vor 600 Jahren ähnliche religiös-soziale Bewegung. Er lässt Münzen im eigenen Namen schlagen und beansprucht die volle Souveränität (S.262).

1433-1445
Mesopotamien: Regierung Ispand Qara Qoyunlu
tatkräftig, aber auch rücksichtslos (S.260), nimmt auf Anregung des Lehrers Ahmad b. Fahd al-Hilli (gest. 1437) der Theologieschule von Hilla das imamitische Bekenntnis an (S.260-261).

1436-1437
Süd-Mesopotamien: Beduinenreich der Musa’sa: Propaganda für ein eigenes Mahditum
unter Muhammad b. Falah al-musa ‘sa. Er kann sein Reich weiter nach Norden gegen die Qara Qoyunlu ausweiten (S.262).

1457
Mesopotamien: Sieg der "Schwarzen Horde" gegen das Beduinenreich der Musa’sa in Südmesopotamien
Die Qara Qoyunlu informieren Kairo über einen Sieg über die "Ketzer" von Südmesopotamien. Der Sieg bleibt aber wirkungslos (S.263).

1467
Mesopotamien: Besetzung durch "Weisse Horde": Sieg von Uzun Hasan über Gahan Sahqara Qoyunlu bei Mus in Ostanatolien, den Bruder von Ispand Qara Qoyunlu. Bagdad wehrt sich weiter.
Die "Weisse Horde" ist unter Führung der Vasallen der Maluken: Aq Qoyunlu, Qara Qoyunlu und Uzun Hasan, dem Herrschaftsstamm der Aq Qoyunlu aus dem syrisch-mesopotamischen Grenzgebiet bei Amid/Dyarbakr. Gesetz ist die Sunna (S.261).

1469
Bagdad: Besetzung durch "Weisse Horde" unter Uzun Hasan
(S.261)

ab 1469
Mesopotamien: "Weisse Horde": Uzun Hasans Regierung: Steuerreform nicht erfolgreich - Dauerkrieg um Obermesopotamien mit Kairo
ist bestrebt
-- unkanonische mongolische Abgaben zu mindern oder gar abzuschaffen
-- den Zugriff Bagdads auf die Steuerbezirke/Soyurghale wieder herzustellen und ein Leistungssystem an die Vergabe der Steuerbezirke zu knüpfen (S.262).

Uzun Hasan hat aber nur ansatzweise Erfolg, weil die mächtig mit Lehen ausgestattete Geistlichkeit sein Programm torpediert, wobei die einseitige Verteilung der Güter gleichzeitig gegen die Scharia verstösst (S.262).

Uzun Hasan steigt zum gleichberechtigten Konkurrenten von Sultan Qayitbay auf und steht mit Kairo im Dauerkampf um Obermesopotamien/Gazira (S.261).

1469-1480
Mesopotamien: "Weisse Horde": Generalissimus Yasbakimin Mahdi
-- schreibt türkische Gedichte
-- schreibt eine Prophetenvita auf Arabisch
-- ist generöser Mäzen, Büchersammler und Restaurator (S.261).

1473
Mesopotamien-Medina-"Weisse Horde": Uzun Hasan gelingt es, in Medina im Freitagsgebet als "den gerechten König" gehuldigt zu werden
(S.261)

Mesopotamien: Niederlage des Heeres der "Weissen Horde" gegen die Osmanen
trotz der Unterstützung Venedigs (!). Das Herrscherhaus der Aq Qoyunlu kann sich noch bis 1501 halten (S.261).

1480
Mesopotamien: "Weisse Horde": Sieg von Uzun Hasan gegen Yasbakimin Mahdi, den Generalissimus von Qaytbay
Der Mahdi wird in Edessa gehenkt (S.261).

1484
Süd-Mesopotamien: Sieg von Ya ‘qub Aq Qoyunlu über die Musa’sa-Beduinen
auf Druck der Mamluken.
-- die Pilgerstrassen nach Hedschas werden wieder sicher
-- der Beduinenstaat der Musa’sa ist reduziert und wird safawidisches Protektorat (S.263).

1484 - Mitte 18. Jh./ bis 1750 ca.
Südmesopotamien: Beduinenreich der Musa’sa kann sich in und um Huwayza halten
(S.263)

1490 ca.
Mesopotamien: "Weisse Horde": Tod von Uzun Hasan - Sohn Ya ‘qub
(S.262)

1501-1534
Mesopotamien: Ende der Dynastie der Aq Qoyunlu der "Weissen Horde" - Mesopotamien wird Bestandteil des persischen Safawidenreichs
Persien: Uzun Hasans Grossneffe, Schah Ismail, proklamiert ein "neues Zeitalter" in Persien.
Schah Ismail führt in Persien die Schia als Staatsreligion ein (S.261).

1508
Bagdad von einem General des Safawidenschahs Isma ‘il I. besetzt
(S.257)

1508-1509
Süd-Mesopotamien: Beduinenreich der Musa’sa: Tod von Muhammad b. Falah al-musa ‘sa - Nachfolger: Sohn: al-Muhsin
regiert auch Teile der Provinz Bagdad und einige Inseln im persischen Golf.
(S.262)

1517
Osmanische Besetzung Ägyptens
(S.165)






Quellen
[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Kufa
[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Marw

Fotoquellen
-- Karte des Osmanischen Reichs 750:
http://www.geschichtsforum.de/f36/dynastien-namen-und-begriffe-der-isl-welt-14238/;
http://img228.imageshack.us/img228/3664/03karte02ly1.jpg

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