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Islam-Chronologie: 2. slamisches Imperium Damaskus

und Kufa/Bagdad, Abbasiden, Seldschuken 750-1517

von Michael Palomino (2000 / 2005 / 2010)

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aus:
Ulrich Haarmann Hg.: "Geschichte der arabischen Welt"                                              
C.H.Beck-Verlag, München 1987

Unter Mitwirkung von Ulrich Haarmann: Einleitung (S.9f.)
-- Albrecht Noth: Früher Islam (S.11-100)
-- Tilman Nagel: Das Kalifat der Abbasiden (S.101-165)
-- Heinz Halm: Die Fatimiden (S.166-199)
-- Heinz Halm: Die Ayyubiden (S.200-216)
-- Ulrich Haarmann: Der arabische Osten im späten Mittelalter 1250-1517 (S.217-263)
-- Hans-Rudolf Singer: Der Maghreb und die Pyrenäenhalbinsel bis zum Ausgang des Mittelalters (S.264-322)
-- Barbara Kellner-Heinkele: Der arabische Osten unter osmanischer Herrschaft 1517-1800 (S.323-364)
-- Alexander Schölch: Der arabische Osten im neunzehnten Jahrhundert 1800-1914 (S.365-431)
-- Helmut Mejcher: Der arabische Osten im zwanzigsten Jahrhundert 1914-1985 (S.432-501)
-- Peter von Sivers: Nordafrika in der Neuzeit (S.502-592)



Chronologie

Bruderkampf um die Vorherrschaft zwischen Umayyaden, Haschimiten, Abbasiten und Aliden - Sturz der Umayyaden in Damaskus - Kalifat Kufa 750

740
Zahlreiche Untergrundorganisationen im islamischen Imperium
Das islamische Imperium ist unterwandert von Untergrundorganisationen ehemaliger arabischer Clans, die um das Kalifat buhlen:
-- Aliden: Nachkommen von Kalif Ali
-- Haschimiten: Nachkommen des Clans Haschim, des Clans von Muhammad
-- Abbasiten: Nachkommen von 'Abbas (S.108).

740 ca.
Kufa: der haschimitische "Wesir der Familie Muhammads" - Marw
In Kufa [am Euphrat im heutigen Irak [1]] residiert der sogenannte "Wesir der Familie Muhammads", der viele hasimitische Organisationen unter sich hat, aber nicht alle.

Marw [auch Merw genannt, an der Seidenstrasse in der Senke des Kaspischen Meeres [2]] ist neben Kufa das zweite Zentrum haschimitischer Aktivitäten (S.109).


Karte
                        des Osmanischen Reichs um 750 von der
                        französischen bis an die indische Grenze, mit
                        Tours und Poitiers, Toulouse, Córdoba, Qairuan,
                        Fustat (später Kairo), Kufa, Basra, Qom, Marw,
                        Mekka, Medina etc.
Karte des Osmanischen Reichs um 750 von der französischen bis an die indische Grenze, mit Tours und Poitiers, Toulouse, Córdoba, Qairuan, Fustat (später Kairo), Kufa, Basra, Qom, Marw, Mekka, Medina etc.



ab 126/743
Gedichte zur Verherrlichung der "frommen Haschimiten": "Haschimiyyat" von Kumayt
(S.108)

745
Kalif Marwan II. verschanzt sich mit seinem Heer in Mesopotamien am Fluss Zab bei Mosul
(S.102)

ab 745 ca.
Die Forderungen der Haschimiyya-Aufstandsbewegung:
-- jeder Kalif soll wieder von einem Ratskollegium gewählt sein
-- Abschaffung der Dynastie-Praxis nach Sure 42,38:
"Ihre Angelegenheit ist Gegenstand gemeinsamer Beratung."
Durch Verwirklichung dieser Forderung werde die Herrschaft der umayyadischen "Tyrannen" zerschmettert werden, behaupten die Haschimiten (S.106).

ab 745 ca.
Weitere Forderung der Haschimiyya-Aufstandsbewegung
Hauptforderung ist unter anderem, dass nur Mitglieder der Familie der Haschim über Muslime herrschen sollen (S.103).

128/746
Abbasidische Propaganda in Marw durch Abu Muslim - abbasidische Propaganda auch in Chorasan
Ibrahim, genannt "Imam", entsendet Abu Muslim nach Marw zur "Auffrischung" der alten Beziehungen zur dortigen Haschimiyya, wird skeptisch empfangen, denn auch ein Alide aus dem Iran wäre als Rebellenführer möglich: Abdallah b. Mu 'awiya. Aber Abu Muslim kann die Haschimiyya in Marw überzeugen, mit welchen Mitteln, ist nicht bekannt.
Ebenso gelingt es ihm, in Chorasan im Nordosten des heutigen Iran viele Anhänger zu begeistern (S.109)

6.6.747 ca.
Schwarze Fahnen als Vorbereitung für den Umsturz
Der Abaside Ibrahim, 4.Generation Nachkomme von ‘Abbas, einem Onkel des Propheten aus der Region Amman, übergibt dem Anführer der Untergrundbewegung "Haschimiyya" Abu Muslim zwei schwarze Fahnen. Dies ist das Zeichen zur Realisierung des Umsturz (S.101).

7.6.747
Damaskus: Warnung vor einem Aufstand
Kalif Marwan II.in Damaskus erhält eine Warnung des Umayya-Statthalters, dass in Marw ein Aufstand vorbereitet werde. Die "Ostprovinz" sei in Gefahr (S.101)

Kalif Marwan II. lässt Ibrahim aus Amman, den Fahnenlieferanten, festsetzen (S.101).

9.6.747
Zwei schwarze Fahnen als Zeichen zum Beginn des Umsturzes
Abu Muslim hiesst in Marw bei Damaskus zwei schwarze Fahnen und eröffnet damit den Umsturz der Umayyaden-Kalifenlinie (S.101)

747
Abu Muslim eröffnet den Kampf für ein haschimitisches Kalifat in einem Dorf von Halid b. Ibrahim
(S.111)

ab 747
Beginn des Umsturzes gegen die Umayya-Dynastie
Umsturz im islamischen Machtbereich mit Veränderungen in allen Bereichen der muslimischen Kultur (S.101).

9.6.747
"Haschimiyya"-Führer Abu Muslim schwingt sich zum Herrn über Marw auf. Der Statthalter der Umayya in Damaskus stirbt auf der Flucht
Kalif Marwan II. organisiert ein Gegenheer (S.101) und lässt seinen Schwiegersohn als Statthalter in Damaskus zurück (S.102).

Das Haschimiyya-Heer zeichnet sich aus durch Geschlossenheit, Kampfkraft und hohe Disziplin im Namen der Idee der Gleichheit. Alle Soldaten müssen einen Schwur leisten "auf den Gehorsam gegenüber dem aus der Familie des Gesandten Gottes, mit dem man als Herrscher einverstanden sein wird". Die Stammesrivalitäten im Heer unter den Soldaten sind abgeschafft. Rebellion wegen Sold oder Unterhalt müssen die Soldaten abschwören, ebenso aller Provokationen gegenüber dem Gegner (S.110).

Vom iranischen Dichter Abdallah b. al-Muqaffa wird das Heer bewundernd beschrieben. Es ist die erste Schule zur Heranbildung von Soldaten und Bürokraten ohne Hausmacht, Stamm oder Sippe, mit grösserer Loyalität zu Herrscher (S.110).

750
Heeresinvasion unter Abu Musim in Mesopotamien vom Euphrat aus in Richtung Damaskus
(S.109)

750
Schlacht in Mesopotamien zwischen Abu Muslim und Marwan II.
Truppen Abu Muslims dringen nach Mesopotamien ein und schlagen ein umayyidisches Heer in die Flucht (S.101).

Jan 750Vernichtender militärischer Sieg von Rebellenführer Abu Muslim gegen die verschanzten Truppen von Marwan II.
Kalif Marwan II. zieht mit einem kleinen Restheer durch die Ebene Mesopotamiens in Richtung Damaskus (S.102).

Juni 750 ca.
Abu Muslims Truppen besetzen Damaskus. Kalif Marwan II. flüchtet
durch das Jordantal nach Ägypten, wo er von Spitzeln von Abu Muslim umgebracht wird.
Abu Muslims Anhänger meinen, es sei eine Wendung "zum Besseren" erreicht im Sinn der Sure 22,39:

"Denjenigen, die kämpfen, weil ihnen ein Unrecht angetan wurde, ist der Kampf erlaubt, und Gott hat die Macht, sie zum Sieg zu führen." (S.102)

750
Heerführer Halid b. Barmak muss seinen Reichtum an den Revolutionsführer Al-Mansur abgeben
er wird dazu erpresst (S.116).

Sturz der Umayya-Kalifenherrschaft - Ermordung fast der ganzen Umayya-Sippe
Die Untergrundbewegung "HaÜ imiyya" stürzen den letzten Umayya-Kalifen und etablieren Banu l-’Abbas ("Abbaside") als Kalif. Es folgt die Vertreibung und Ermordung fast der ganzen Umayya-Sippe (S.79)

Mitte 8. Jh., um 750
Weiterhin keine Kodifizierung von Recht
Eine Kodifizierung von Recht durch den Kalifen ist weiter nicht möglich (S.85).

750 ca.
Mohammedaner: Adelsgesetz - idealisierte Geschichtsschreibung, Verherrlichung, Extremisierung
Die islamische Geschichtsschreibung beginnt, die Geschehnisse um Muhammad zu idealisieren und zu extremisieren. Der Stamm der Qurays wird auch schon für die vorislamische und vorprophetische Zeit als aussergewöhnlich geschildert, obwohl es nicht so war. Und der Stamm der Qurays wird für die Zeit vor Muhammad als besonders "heidnisch" / andersgläubig beschrieben, um den Kontrast zu der Lehre und Anweisung des Islam wirkungsvoll zu unterstreichen und Muhammad mehr revolutionäre Taten zuschreiben zu lassen, als er real vollbracht hat (S.12).

Somit entwickeln sich in der islamischen Welt Vorurteile, Verhetzungen und falsche Geschichtsbilder (S.12).

ab 750
Beginn der Befestigung des islamisch kontrollierten Territoriums und Beginn von Verteidigungskämpfen
(S.60)

ab 750
Noch mehr Verehrung für den Clan Muhammads der HaÜim
Die Sippe des Clans von Muhammad der HaÜim spielt in der Herrschaftsideologie der zweiten islamischen Kalifendynastie der Abba Siden (750-1258) eine zentrale Rolle.
In der Folge wird der Clan der Haschim in der Geschichtsschreibung noch mehr verklärt und das Geschichtsbild noch mehr verfälscht (S.17).

751 ca.
Abu Muslim verteilt Ämter
betraut seine Heerführer mit Ämtern an verschiedenen Orten des islamischen Ostens in Chorasan (S.115).

752
Der neue abbasidische Kalif in Kufa: Abu l-’Abbas, ein Bruder von Abu Muslim - "Abbasiten"
Abu l-’Abbas lässt sich in Kufa am Euphrat zum Kalifen ausrufen und begründet damit die Kalifenlinie der "Abbasiten".
Der Onkel von Abu l-’Abbas verspricht die endgültige Wende zum "Guten und Gerechten, die Verwirklichung der gottgewollten Ordnung auf Erden."
Historiker der Zeit formulieren, das arabische Reich sei nun durch ein allgemein islamisches Reich abgelöst (S.101-102).

Folgen für die Entwicklung:
->> der "Wesir der Familie des Propheten", der Führer der Haschimiyya-Bewegung in Kufa, ist überrumpelt und der Plan eines alidischen Kalifats ist ebenfalls gescheitert
->>der Wesir wird auf Weisung des neuen Kalifen Abu l-’Abbas ermordet
->> Abu l-’Abbas wird jetzt schon zum Despoten und der Bevölkerung unheimlich (S.110).

Nach dem Umsturz: Der Konflikt "Nord-" gegen "Südaraber" löst sich auf. Es zeigt sich aber gleich das neue Problem zwischen Arabern und Neu-Muslimen. Die Gleichberechtigung durchzusetzen bleibt schwierig. Gleichzeitig kommen Forderungen z.B. nach einer stärkeren Islamisierung der Institutionen des Gemeinwesens und des gesamten Alltags auf (S.106).

Kalif Abu l-’Abbas lässt im ganzen Imperium schnell ihm getreue Beamten ausbilden und einsetzen. Die Gleichberechtigung zwischen arabischen und nicht-arabischen Muslimen wird durchgesetzt. Die "Verdienste" eines Menschen um den Islam werden wieder in den Mittelpunkt gerückt (S.102).

Kurz nach dem Umsturz: Da’ ud b.’Ali verspricht , alles werde wieder so wie zu Zeiten Muhammads nach Gottes "Offenbarung" nach dem "Vorbild des Gottesgesandten". Da’ ud b.’Ali verspricht, dass alles besser werde, aber es hat niemand eine Ahnung, wie es sein wird, weil weiter kein "islamisches Recht" existiert (S.106).

Die Buhlerei um das Kalifat geht weiter. Die Rebellen im Zweistromland unter Abd ar-Rahman halten sich für legitimierter gegenüber Abbu l-’Abbas in Kufa. Sie behaupten, ihre Linie würde Muhammad näher stehen (S.108).

Die Abbasiden verfluchen immer wieder die Umayya und führen dabei immer wieder die illegale nicht korangemässe Adoption von Ziyad durch Mu’ awiya I. an. Von Neu-Muslimen wird den Abbasiden die Frage gestellt, wieso sie nun zum Kalifat "auserwählt" seien. Neue politische Aufstände sind weiter vorprogrammiert (S.107).

752
Ibrahims Raubzug in Samarkand, heutiges Turkmenistan
Halid b.Ibrahim ist Anführer eines Raubzuges gegen einen sogdischen Fürsten in Samarkand (heute Turkmenistan), obwohl die Unterwerfung schon stattgefunden hatte.
Der sogdische Fürst wird von Halid b. Ibrahim ermordet und grosse Beute gemacht, u.a. vergoldete chinesische Gefässe (S.111).

ab 752
Mesopotamien: Organisation des Kalifats
-- Kalif As-Saffah führt keinen "Wesir" für sein Kalifat ein (S.116)

-- das Steuersystem der Umayya wird von den Abbasiten unverändert übernommen und etwas stärker bürokratisiert (S.134)

-- Jerusalem spielt nach dem Machtwechsel in Kufa religiös nur noch eine untergeordnete Rolle (S.192)

-- Reorganisation des Heeres: Das Heer ist aus Arabern und Iranern zusammengesetzt, letztere als freie, berufsmässige Reitersöldner (S.200).

Abu-l’Abbas fürchtet Abu Muslim
Abu Muslim lässt die Befestigung der Stadt Samarkand unter Halid b. Ibrahim zu.
Gleichzeitig befürchtet Kalif Abu l-’Abbas Abu Muslim als Konkurrenten und beginnt mit Intrigen, die Position von Abu Muslim zu untergraben (S.111).

Abbasiten übernehmen die Haschimiyya-Bürokratie
Die Haschimiyya-Bürokraten, die bereits etabliert sind, werden vom neuen Abbasiden-Kalifen übernommen. Gleichzeitig versucht der Kalif, eigene Familienmitglieder in die Verwaltung zu schleusen, denn das volle Vertrauen zu den Haschimiyya ist nicht da (S.116).

Riesige innere Probleme im muslimischen Imperium
Die innenpolitischen Probleme des islamischen Imperiums sind so gross, dass keine grossen kriegerischen Unternehmungen nach aussen möglich sind (S.118).

Bedrohung aus Anatolien: Byzanz
Byzanz bedroht die islamischen Zentren Damaskus und Mesopotamien von Anatolien her.
Die Kalifen in Kufa bauen im Norden gegen Byzanz keine Verteidigungslinien (S.119).


Umayya-Aufstände - Tronkämpfe zwischen al-Mansur und Onkel Abdallah b. ‘Ali - Flucht von Abdallah - Kalifat von al-Mansur ab 755, Zensurherrschaft - Steuer- system weiter gegen Neu-Muslime - Diskussion um die Sunna-Rechtsnormen - Tabaristan unter islamischer Verwaltung - Planung und Bau der Stadt Bagdad ab 760 - Alidenaufstand in Hedschas - "Blütezeit" Mesopotamiens unter al-Mansur ab 762 - Kalif al-Mahdi 775

Zusammenfassung
Umayyaden-Aufstände werden von den neuen Abbasiden unter Abdallah b. ‘Ali niedergeschlagen. In der Folge beansprucht Abdallah gegen den Kalifensohn al-Mansur den Tron, muss aber flüchten. Al-Mansur etabliert nach "Beseitigung" all seiner Konkurrenten 755 eine Zensurherrschaft. Das neue Steuersystem mit der harag-Steuer bleibt weiter gegen die Neu-Muslime gerichtet, die auch dann noch mehr Steuern als Muslime bezahlen müssen, wenn sie schon seit Generationen zum Islam konvertiert sind. Mitglieder anderer Glaubensgruppen lässt al-Mansur umbringen. Aufkommen der Diskussion um die Sunna und Unterwerfung Tabaristans am Kaspischen Meer. Gleichzeitig lässt er eine neue Hauptstadt inmitten Mesopotamiens planen: Bagdad. Ein Alidenaufstand in Hedschas lässt er mit chorasanisch-persischen Truppen niederschlagen. Ab 762 beginnt die "Blütezeit" Mesopotamiens mit der neuen Hauptstadt Bagdad. Die "Blütezeit" erfährt unter Kalif al-Mahdi ab 775 ihre Fortsetzung.

Chronologie (Fortsetzung)

754 ca.