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Islam-Chronologie: 3. Das islamische Imperium Ifriqiya / Ägypten

von der Cyrenaika bis zum Euphrat 750-1517 -

Kreuzzüge und Italien als Profiteur 1096-1291


von Michael Palomino (2000 / 2005 / 2010)

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aus: Ulrich Haarmann Hg.: "Geschichte der arabischen Welt" ; C.H.Beck-Verlag, München 1987

Unter Mitwirkung von Ulrich Haarmann: Einleitung (S.9f.)
Albrecht Noth: Früher Islam (S.11-100)
Tilman Nagel: Das Kalifat der Abbasiden (S.101-165)
Heinz Halm: Die Fatimiden (S.166-199)
Heinz Halm: Die Ayyubiden (S.200-216)
Ulrich Haarmann: Der arabische Osten im späten Mittelalter 1250-1517 (S.217-263)
Hans-Rudolf Singer: Der Maghreb und die Pyrenäenhalbinsel bis zum Ausgang des Mittelalters (S.264-322)
Barbara Kellner-Heinkele: Der arabische Osten unter osmanischer Herrschaft 1517-1800 (S.323-364)
Alexander Schölch: Der arabische Osten im neunzehnten Jahrhundert 1800-1914 (S.365-431)
Helmut Mejcher: Der arabische Osten im zwanzigsten Jahrhundert 1914-1985 (S.432-501)
Peter von Sivers: Nordafrika in der Neuzeit (S.502-592)



Chronologie

Bruderkampf um die Vorherrschaft zwischen Umayyaden, Hasimiten, Abbasiten und Aliden - erste Berberreiche - Widerstand gegen Muslime auf Spanien - Ifriqiya erlangt kurze Unabhängigkeit von Ägypten - Sturz der Umayyaden in Damaskus - Kalifat Kufa 750

718
Abbruch der 2.islamischen Belagerung von Konstantinopel/Byzanz
(S.60)

ab 718 (722?)
Spanien: gotischer Widerstand unter Pelayo (Pelagius)
(S.267)

720
Damaskus: Tod von Kalif ‘Umar II.
(S.83)

Damaskus-Spanien: Muslimische Besetzung des Nordostens der iberischen Halbinsel mit Barcelona und Narbonne
(S.266)

722
100-jähriges Jubiläum des Islam mit Festfeiern
(S.108)

Angebliche Geburt von Abu l-’Abbas as Saffah
der zukünftige Führer der Kaysaniyya-Untergrundbewegung wird. Die Schilderung dieser Geburt ist eine nachträgliche zurechtgebogene Geschichtsschreibung, um Abu l-’Abbas als Saffah zu legitimieren (S.108).

726 ca.
Damaskus: Erste abbasidische Propaganda in Marw - Abu Muslim tritt zu den Abbasiden über
Erste abbassidische Agenten werben in Marw unter den hasimitisch gesinnten Bewohnern für die Abbasiden. Abu Muslim tritt darauf über und tritt in die Dienste der Abbasidenfamilie ein (S.109).

730 ca.
Süd-Persien: Alidisches Gegenkalifat im Iran unter Abdallah b. Mu ‘awiya
(S.109)

ab 730 ca.
Syrien/Mesopotamien: Wiederbelebung der Rivalität zwischen "Nord"- und "Südarabern"
Das Umayyadenreich stützt sich immer noch vor allem auf arabische Stammesführer. Die Rivalitäten zwischen "Nord-" und "Südarabern" werden wiederbelebt und angefacht. Der Kalif ist immer noch nicht für das ganze Imperium gesetzberechtigt (S.102).
Mörderischer Stammeszwist zwischen "Nord-" und "Südarabern". In Mesopotamien verlieren die Umayya-Statthalter dadurch jedes Ansehen (S.101).

ab 730 ca.
Damaskus: Rechtsgelehrte verlangen Beseitigung der Rechtsunsicherheit
Rechtsgelehrte der Umayya mit Schwerpunkt in Damaskus verlangen nachdrücklich die Islamisierung des Rechts und die Verknüpfung mit der prophetischen Sunna (S.117-118).

730 ca.?
Ab dem Hasimiyya-Aufstand von Muhtar b. Abi ‘Ubayd: Volksteile verehren fromme Hasimiten - Entstehen der "Hasimiyya"
Die Verehrung für ‘Ali und seine Nachkommen gerät in Misskredit, wird etwas sektiererisch wegen kultischen Eigenheiten.

Die Untergrundszene gegen die Umayya beginnt, fromme Hasimiten zu verehren. Damit beginnt die "Hasimiyya", die zur Konkurrenz für die Aliden, die Nachkommen der Linie Kalif Alis, wird (S.108).

ab 730ca.
Syrien/Mesopotamien: "Südaraber" schliessen sich der Hasimiyya-Aufstandsbewegung an
(S.103)

Okt. 732
Spanien/Frankreich: Sieg der christlichen Seite unter Karl Martell gegen einen muslimischen Raubzug zwischen Tours und Poitiers.
(S.267)

Ende 732
Spanien: Christliche Rückeroberung von Aquitanien
(S.267)

735 ca.
Ifriqiya: Gouverneur von Ifriqiya wird ‘Ubaydallah b. al-Habhab - berberische Glaubensgruppe der Harigiten - Stämme Miknasa, Bargawata und Matgara
(S.268)

739-757
Spanien: Regierung Alfons I. von Kantabrien
(S.267)

740
Ifriqiya: Revolte der Berber
unter Führung des Maysara, Besetzung von Tanger und weiterer Gebiete, zum Teil Zerstörung der arabischen Verwaltung auf immer (268), vor allem im Gebiet des heutigen Marokko (S.267).

740 ca.
Damaskus: Versuch der Heranbildung einer ersten zuverlässige Beamtenschaft
(S.102)

Zahlreiche Untergrundorganisationen im islamischen Imperium
Das islamische Imperium ist unterwandert von Untergrundorganisationen ehemaliger arabischer Clans, die um das Kalifat buhlen:
Aliden: Nachkommen von Kalif Ali
Hasimiten: Nachkommen des Clans Hasim, des Clans von Muhammad
Abbasiten: Nachkommen von ‘Abbas (S.108)

Mesopotamien/Kufa-Marw: der hasimitische "Wesir der Familie Muhammads" - Marw
In Kufa residiert der sogenannte "Wesir der Familie Muhammads", der viele hasimitische Organisationen unter sich hat, aber nicht alle. Marw bei Damaskus ist neben Kufa das zweite Zentrum hasimitischer Aktivitäten (109). Der "Wesir", ein "Helfer", agiert als Anführer der Hasimiyya-Aufstandsbewegung in Kufa, stellvertretend für einen noch zu bestimmenden Hasim-Kalif (S.116).

740
Spanien: Erfolgreiche Berber-Revolte auf der iberischen Halbinsel
Revolte der Berber auf der iberischen Halbinsel, Beginn der Vertreibung der muslimischen Araber in die südlichen Provinzen der Halbinsel (S.267)

ab 740
Damaskus: Zeit der letzten Umayya-Kalifen: die Polarität zwischen "Nordarabern" und "Südarabern" - die machtlosen Kalifen
In der letzten Zeit der Umayya-Kalifen entsteht eine Polarität zwischen "Nordarabern" und "Südarabern", war aber über die Herkunft der jeweils Bezeichneten wenig aussagt.

Die Kalifen sind dieser Stämme-Polarisierung völlig ausgeliefert und sind eher Spielball als Akteure der muslimischen "Politik". Mehr als die Leitung der finanziellen Verwaltung kann der Kalif kaum mehr tun. Handlungsfreiheit hat er aber auch bei der Vergabe der Gelder nicht, denn die wird von der "umma" mitbestimmt (S.90).

Ifriqiya: Berbersiege gegen Araber
Mehrere Kalifenheere aus Damaskus können die Berberaufstände in Nordafrika nicht stoppen. Die arabischen Kampftruppen werden regelmässig von den Berbern besiegt (S.268-269).

740 ca.
Spanien: Allianz zum Widerstand gegen die arabische Invasion
Alfons I. von Kantabrien heiratet die Tochter von Gotenführer Pelayo (Pelagius). Beginn der gemeinsamen Rückeroberung ("Reconquista") der iberischen Halbinsel gegen die arabisch-islamischen Besetzer (S.267).

741
Nordwestafrika: Gründung des Berberreichs der Bargawata
zwischen den Küstenstädten der Atlantikküste Sala und Safi, existiert bis ins 11. Jahrhundert (S.269).

Ende 741
Spanien: Berbersieg gegen Araber
Die syrische Ersatzarmee, die den Arabern "zu Hilfe" eilen sollte, wird am Wad Subu von berberischen Kampfeinheiten schwer geschlagen. Die Vorhut der arabischen Armee, ca. 7000 Reiter, flüchtet nach Ceuta, wo sie belagert wird (S.267).

Anfang 742 ca.
Nordafrika: Ceuta: Arabischer Trick zur Machtergreifung in Spanien
Der Kommandeur der übriggebliebenen Vorhut der syrischen Armee, Qaysit Balg b. Bisr, bittet den Gouverneur von Córdoba um Hilfe gegen die berberische Belagerung.

Unter der Bedingung, dass die 7000 arabischen Reiter bei der Bekämpfung der Berber auf der iberischen Halbinsel behilflich seien und dann wieder nach Syrien abziehen werden, stimmt der Gouverneur von Córdoba zu (S.267).

Mitte 742 ca.
Spanien: Arabisch-syrisches Bündnis besiegt die Berber in Spanien
Ceuta: Die arabischen Truppen aus Córdoba befreien die 7000 Reiter der syrischen Armee. Diese setzen auf die iberische Halbinsel über und vernichten die "drei berberischen Heersäulen", setzen sich dann im Land fest und verjagen den Gouverneur von Sevilla (S.267).

Der arabisch-syrische Führer Balg lässt sich zum neuen Gouverneur von Sevilla ausrufen und die sechs Abteilungen der syrischen Reiter/samiyyun werden auf die Provinzen verteilt, vorzugsweise auf dem Land, im Gegensatz zu den städtischen Arabern/baldiyyun (S.267).

ab 743
Spanien: Syrische Islamisierung
Die arabischen Gruppen verteilen sich auf die südlichen Provinzen der iberischen Halbinsel und leben dort als "Nutzniesser" auf den Krondomänen. Es kommt zu einer tiefgehenden Islamisierung und Orientalisierung (S.266).

744
Ifriqiya: Unabhängigkeitserklärung
Ifriqiya erklärt die Unabhängigkeit von Ägypten unter einem Urenkel Sidi ‘Uqbas’: ‘Abd ar-Rahman b. Habib. Die Unabhängigkeit hab bis 755 Bestand (S.271).

744-750
Damaskus: Kalif Marwan (II) b. Muhammad
(S.79)

ab 745 ca.
Damaskus: Die Forderungen der Hasimiyya-Aufstandsbewegung:
Jeder Kalif soll wieder von einem Ratskollegium gewählt sein.

Abschaffung der Dynastie-Praxis nach Sure 42,38:

"Ihre Angelegenheit ist Gegenstand gemeinsamer Beratung."
Durch Verwirklichung dieser Forderung werde die Herrschaft der umayyadischen "Tyrannen" zerschmettert werden, behaupten die Hasimiten (S.106).

ab 745 ca.
Syrien/Mesopotamien: Weitere Forderung der Hasimiyya-Aufstandsbewegung
Hauptforderung ist unter anderem, dass nur Mitglieder der Familie der Hasim über Muslime herrschen sollen (S.103).

747-756
Ifriqiya-Spanien: Diktatur von Yusuf al-Fihri in Ifriqiya in Córdoba
(S.268)

6.6.747 ca.
Damaskus/Mesopotamien: Schwarze Fahnen als Vorbereitung für den Umsturz
(S.101)

7.6.747
Damaskus: Warnung vor einem Aufstand
Kalif Marwan II. in Damaskus erhält eine Warnung des Umayya-Statthalters, dass in Marw ein Aufstand vorbereitet werde. Die "Ostprovinz" sei in Gefahr.

Kalif Marwan II. lässt Ibrahim aus Amman, den Fahnenlieferanten, festsetzen (S.101).

9.6.747
Damaskus: Zwei schwarze Fahnen als Zeichen zum Beginn des Umsturzes
Abu Muslim hiesst in Marw bei Damaskus zwei schwarze Fahnen und eröffnet damit den Umsturz der Umayyaden-Kalifenlinie (S.101). Abu Muslim eröffnet den Kampf für ein hasimitisches Kalifat in einem Dorf von Halid b. Ibrahim (S.111).

ab 9.6.747
Damaskus: Bürgerkrieg um das Kalifat
(S.101)

Anfang 750
Mesopotamien: Heeresinvasion unter Abu Muslim vom Euphrat aus in Richtung Damaskus
(S.109); Kalif Marwan II. verschanzt sich mit seinem Heer in Mesopotamien am Fluss Zab bei Mosul (S.102).

Jan 750
Vernichtender militärischer Sieg von Rebellenführer Abu Muslim gegen die verschanzten Truppen von Marwan II.
Kalif Marwan II. zieht mit einem kleinen Restheer durch die Ebene Mesopotamiens in Richtung Damaskus (S.102).

Juni 750 ca.
Damaskus: Abu Muslims Truppen besetzen Damaskus. Kalif Marwan II. flüchtet
durch das Jordantal nach Ägypten, wo er von Spitzeln von Abu Muslim umgebracht wird.
Abu Muslims Anhänger meinen, es sei eine Wendung "zum Besseren" erreicht im Sinn der Sure 22,39:

"Denjenigen, die kämpfen, weil ihnen ein Unrecht angetan wurde, ist der Kampf erlaubt, und Gott hat die Macht, sie zum Sieg zu führen." (S.102)

750
Damaskus: Sturz der Umayya-Kalifenherrschaft - Ermordung fast der ganzen Umayya-Sippe
Die Untergrundbewegung "HaÜ imiyya" stürzen den letzten Umayya-Kalifen und etablieren Banu l-’Abbas ("Abbaside") als Kalif. Es folgt die Vertreibung und Ermordung fast der ganzen Umayya-Sippe (S.79).

Mitte 8.Jh., um 750
Syrien/Ägypten/Mesopotamien: Weiterhin keine Kodifizierung von Recht
Eine Kodifizierung von Recht durch den Kalifen ist weiter nicht möglich (S.85).

ab 750
Beginn der Befestigung des islamisch kontrollierten Territoriums und Beginn von Verteidigungskämpfen
(S.60)

Damaskus: Noch mehr Verehrung für den Clan Muhammads der HaÜim
Die Sippe des Clans von Muhammad der HaÜim spielt in der Herrschaftsideologie der zweiten islamischen Kalifendynastie der Abbasiden (750-1258) eine zentrale Rolle.
In der Folge wird der Clan der Haschim in der Geschichtsschreibung noch mehr verklärt und das Geschichtsbild noch mehr verfälscht (S.17).

8.Jh./ ab 750 ca.
Ifriqiya: Die Orthodoxie malikitischer Observanz gewinnt gegen die Religionspraxis der harigitischen Berber die Dominanz
(S.272)

750-755Spanien: Hungersnot in Nordspanien - Abzug von Berbergruppen
(S.268)

um 754
Spanien: Landung von ‘Abd ar-Rahman
Landung eines Umayyadensohnes, Sohn einer Nafza-Berberin, ‘Abd ar-Rahman, nach fünf Jahren Flucht durch Nordafrika in Almuñécar.
Abd ar-Rahman beginnt sofort, ein Heer gegen Diktator Yusuf von Córdoba zu organisieren (S.268).

755
Ifriqiya: Besetzung durch harigitische Berberstämme
(S.271)


Emirat Córdoba - Ägypten besetzt Ifriqiya 761, Berbervertreibungen - orthodoxes Reich Tahert und Arabisierung Nordafrikas - Gründung von Bagdad 762 - Gründung von Fes 789 und erste Berberreiche - erste Turkmenensöldner in Bagdad - Ankündigung eines Propheten Mahdi, Ismailiten/ Fatimidisches Kalifat Ifriqiya 910 und Unterdrückung der Berber - Ausrufung des Kalifats von Córdoba 929 - Krise in Damaskus und Fustat - Fatimideneinzug und Kalifat von Kairo 969

Zusammenfassung
Während in Ifriqiya fast alle zehn Jahre die Herrscherklasse wechselt, wird auf Spanien ein erstes Emirat Córdoba aus der Taufe gehoben. Aber Ifriqiya wie Córdoba haben mit dauernden Revolten zu kämpfen. Um die Reiche zusammenzuhalten, wird neben Vertreibungen das "gemeinsame Kriegserlebnis" als Mittel angewandt, die Besetzung Siziliens durch Ifriqiya und die Besetzung Kretas durch Córdoba. In Bagdad etabliert sich ein erstes turkmenisches Söldnersystem. Eine Prophetie für einen Propheten Mahdi um Ismail hat in Syrien keine Chance, im Maghreb dagegen schon. In Ifriqiya gründen die Ismailiten/Fatimiden 910 ein Gegenkalifat zu Bagdad. Die Ausweitung nach Westen gelingt, die Besetzung Ägyptens jedoch nicht. In Spanien wird 929 das "Kalifat des Westens" in Córdoba ausgerufen. Somit existieren drei Kalifate, die sich die islamische Welt untereinander streitig machen. Als Syrien von Byzanz in Gefahr gebracht wird und in Ägypten gleichzeitig eine Regierungskrise ausbricht, ist die Stunde für die Fatimiden gekommen. Sie werden eingeladen, die Herrschaft zu übernehmen, um Ägypten gegen Byzanz zu schützen. Bau der neuen Kalifenstadt Kairo/al-Qahira ab 969.

Chronologie (Fortsetzung)

756
Spanien: Gründung des Emirat Córdoba durch einen Umayya-Überlebenden
(S.268)

um 757
Nordafrika: Neue Glaubensgruppe der Miknasa-Berber
gründet in der Region Tafilalt (heute inneres Marokko) das Emirat Sigilmasa mit gleichnamiger Hauptstadt.
Sigilmasa ist der nördliche Ausgangspunkt der Sahara entwickelt in der Folge grosse wirtschaftliche Bedeutung (S.269).

761
Ägyptische Besetzung Ifriqiyas - Vertreibung der harigitischen Berber
Ägyptische Truppen unter dem "wali" besetzen Ifriqiya und vertreiben die harigitischen Berberstämme. Aber weite Gebiete in Ifriqiya bleiben berberisch (S.271)

8. / 9. Jh./ 761-900 ca.
Ifriqiya: Arabisierung langsam aber sicher
Von Kairuan aus vollzieht sich die arabische Durchdringung weiterer Städte in Ifriqiya, dann des flachen Landes, dann weit entfernter Zentren wie Constantine, Tlemcen und Fes.
In diesem Zusammenhang verbreitet sich die arabisch-islamisch-orientalische Lebensweise und Kultur (S.271).

Planmässige Arabisierung Nordafrikas von Tahert ausTahert wird zu einem Araberzentrum mit Einwanderern der Harigiten und derMu ‘tazila (S.271).

um 761
Tahert: Gründung des muslimisch-orthodoxen Reichs Tahert-Tiaret - "Rustamiden"
Ein Perser/Iraner der ibaditischen Harigiten, ‘Abd ar-Rahman b. Rustam, gründet südlich von al-Asnam ein theokratisches Reich namens Tahert-Tiaret (heute zentrales Algerien) (269) und begründet die Herrscherlinie der "Rustamiden". Christen bleiben zum Teil in ihren hohen Positionen und müssen sich der Staatsraison anpassen.
Tahert unterwirft unter Führung Tripolitanien des Ibaditen Gabal Nafusa und die sesshaften Berber des Awras. Beide Gebiete werden der Zinsknechtschaft unterworfen (S.271).

762
Gründung von Bagdad als neuen Kalifensitz
(S.112)

763 ca.
Tahert: Bündnis des Rustamidenstaates Tahert mit Sigilmasa im Wüstengrenzgebiet Tafilalt der Miknasa-Berber
(S.271)

771-793
Ifriqiya: Muhallabitische Gouverneure in Ifriqiya. Die Zeit gilt als "goldenes Zeitalter"
-- Schaffung der Grundlagen des Geisteslebens und der materiellen Kultur des frühmittelalterlichen Ifriqiya
-- Schaffung der Grundlage für eine Wasserwirtschaft durch Wasserwirtschaftsbauten (S.271).

ab 771 ca.
Ifriqiya: Mischbevölkerung und Recht
Ifriqiya bleibt ein Mischstaat von Berbern, lateinischer Bevölkerung ("afariq") und Byzantinern ("rum"). Die christlichen und jüdischen Minderheiten bleiben stark (S.271).

775 ca.
Ifriqiya: Kopten werden für arabische Heere in Tunis zwangsverpflichtet
(S.271)

789
Nordwestafrika/Volubilis: Gründung von Fes
(S.269)

792 ca.
Ifriqiya: Bau der befestigen Kaserne (Ribat) von Susa
(S.271)

795
Ifriqiya: Bau der befestigten Kaserne (Ribat) von Monastir
(S.271)

Ende 8.Jh./ ab 795 ca.
Ifriqiya: anwachsende Anarchie - Invasionspläne der Nachbarn
Für Nachbarstaaten wächst die Attraktivität einer Besetzung, die ohne viel Aufwand zu vollziehen wäre, um dann Ifriqiya kommerziell auszubeuten (S.272).

800-812
Ifriqiya: Emir Ibrahim b. al-Aglab - "Aglabiden" - Bevölkerungsstruktur
Der arabische Offizier und Gouverneur des Zab, Ibrahim b. al-Aglab, schafft es, sich von Bagdad als erblichen Emir Ifriqiyas einsetzen zu lassen. De facto ist er von Bagdad unabhängig, erhält aber immer die Bindung zum Bagdader Kalifat (S.272).

Das Staatsgebiet der Aglabiden umfasst das heutige Ostalgerien, das heutige Tunesien und die tripolitanische Küstenebene bis Labda. Unabhängige Berbergebiete um Ifriqiya sind die Gebirgsregion der Kleinen Kabylei als Hort der Kutama-Berber und die Gebiete Awras und Gabal Nafusa der harigitischen Berber (S.272).

ab 800
Aglabiden in Ifriqiya
Die Aglabiden setzen das Wasserwirtschaftssystem der Muhallabitischen Gouverneure fort. Tunis wird Sitz des syrischen Heeres (S.271). Die öffentliche Meinung stellt sich fortan gegen die neue Aglabidendynastie (S.273).

805 ca.
Ifriqiya: Neuer Regierungssitz al-’Abbasiyya - "Schwarze Garde"
Ibrahim I. lässt sich ein paar Kilometer südlich von Kairuan einen Regierungssitz bauen mit dem Namen al-’Abbasiyya, mit einer eigenen Garde von 5000 Schwarzen (S.272).

805
Nordwestafrika/Fes: Einwanderung aus Kairuan (Ifriqiya).
(S.269)

809
Fes: Nachbarstadt al-’Aliya bei Fes für Kairuaner
Idris I. lässt gegenüber von Fes am anderen Flussufer eine Nachbarstadt namens al-’Aliya bauen, wo die im Jahr 805 eingewanderten Kairuaner städtisch siedeln können. Fes und al-’Aliya beginnen, einen Marktort orientalischer Prägung zu bilden (S.269).

812
Spanien: Gründung der christlichen Grafschaft Aragón, Vertreibung der arabischen Verwaltung
(S.276)

812-817
Ifriqiya: Tod von Ibrahim I., Nachfolger: Sohn ‘Abdallah
mit relativ ruhiger Regierungszeit (S.272).

ab 817
Ifriqiya: Kriegspläne gegen Byzanz auf Sizilien
(S.273)

817-838
Ifriqiya: Tod von ‘Abdallah - Nachfolger: Bruder Ziyadat Allah
(S.272)

818
Córdoba: Revolte der ganzen "Vorstadt" - Massenvertreibung der Revoltierenden
auf der anderen Seite des Guadalquivir gegen Emir al-Hakim I. , wird niedergeschlagen und die Verantwortlichen der Revolte erbarmungslos liquidiert sowie die "Vorstadt" total zerstört. Die Einwohner des Viertels werden alle ausgewiesen, angeblich 20’000 Familien (S.277).

Ende 818
Córdoba: Auswanderung der "Vorstädter" von Córdoba
Die "Vorstädter" von Córdoba werden pauschal alle des Landes verwiesen:
-- nach Fes, wo sie ein "Ufer der Andalusier" gründennach Asien in die Piraterie
-- in die spanisch-arabischen Heerlager zur Vorbereitung der Besetzung von Kreta (S.277)

9. Jh. / ab 820 ca.
Oberflächliche Islamisierung ganz Nordafrikas
(S.295)

822-852
Córdoba: Tod von Emir al-Hakam I. - Nachfolger: ‘Abd ar-Rahman II.
(S.277)

ab 822
Córdoba: Arabisierung
durch planmässige arabische Zuwanderung von Umayyaden und Kulturschaffenden zur Etablierung der arabischen Kultur in Spanien - christliche Gegenwehr in Córdoba (S.278).

824-836
Ifriqiya: Aufstand durch das syrische Heer (gund) aus Tunis gegen Kairuan
(S.272)

15.7.827
Sizilien: Invasion Ifriqiyas auf Sizilien als Hilfeleistung für das ungeliebte Byzanz
(S.273)

18.7.827
Landung der Flotte und der Truppen Ifriqiyas auf Sizilien bei Mazzara
(S.273)

827
Kreta: Muslimisch-spanische Besetzung
mit Leuten aus der "Vorstadt" Córdobas, die 818 wegen Revolte gegen Emir al-Hakam I. aus Córdoba verbannt wurden. Kreta bleibt bis 961 spanisch-muslimisch besetzt (S.277).

828
Fes: Tod von Idris II. - mehrere Söhne und Reichsteilung
Fes bleibt aber kultureller Mittelpunkt des Maghreb/Nordwestafrikas (S.269).

830 ca.
Ifriqiya: Zerstörung von Tunis
durch den Bürgerkrieg zwischen Kairuan und dem syrischen Heer. Das syrische Heer (gund) verliert an politischem Gewicht (S.272).

831
Sizilien: Muslimisch-ifriqinische Besetzung von Palermo, Einrichtung einer muslimischen Verwaltung
(S.273)

833-842
Bagdad: Kalif al-Mu ‘tasim: erste turkmenische Söldner
Kalif al-Mu ‘tasim beginnt, turkmenische Söldner als Prätorianergardisten/Leibwachegardisten in Bagdad und Samarra einzusetzen (S.218).

835
Italien: Beistandspakt zwischen Ifriqiya und den Herrschern in Neapel
(S.273)

ab 850 ca.
Kalifenheer Bagdad: Die turkmenischen Söldner steigen bald zu Kommandanten auf
(S.580)

Mitte 9. Jh./ 850 ca.
Mesopotamien: Schiitische Glaubensgruppe in Südirak unter ‘Abdallah: Erwartung eines "Mahdi" als Nachkomme des 4. Kalifen ‘Ali
‘Abdallah "der Ältere", der Urgrossvater des späteren Gründers des fatimidischen Reiches in Nordafrika, tritt bei al-Ahwaz und in Basra als schiitischer Propagandist und Sektenführer auf:

-- mit Heilslehre der "Erkenntnis"
-- mit der Erwartung eines endgültigen Propheten, eines Gottesboten "Mahdi" oder "Qa ‘im"
-- die Erwartung sei berechtigt, da die bisherigen Propheten Noah, Abraham, Moses, Jesus und Muhammad vergeblich versucht hätten, die Menschheit mit Gesetzesreligionen zu züchtigen (S.166)

-- der zu erwartende Prophet werde den Titel tragen: "al-qa ‘imbi-amr Allah" ("der sich der Sache Gottes annimmt")

-- der neue zu erwartende Prophet werde der endgültige Gottesbote sein und alle Gesetzesreligionen aufheben und die kultlose Urreligion wieder herstellen, in der Adam und Eva noch "unschuldig" lebten, mit dem blossen Bekenntnis zu Gottes Einzigkeit/ tawhid ohne Gebet, ohne Fasten, ohne Wallfahrt etc. (S.167).

‘Abdallahs Vorfahren gelten in Südirak als Nachkommen des Bruders des 4.Kalifen ‘Ali: ‘Aqil b. Abi Talib (S.166).

ab 850 ca.
Iran, Irak, Arabien, Jemen, Indien: Glaube an einen Propheten "Mahdi"
Der Glaube an einen zu kommenden Propheten "Mahdi" oder "Qa ‘im" breitet sich aus in Iran, Irak, Ostküste Arabiens, Jemen und im nordwestlichen Indien. Für eine Massenbewegung reicht es aber bei weitem nicht (S.167).

870 ca.
Mesopotamien: Flucht ‘Abdallahs nach Syrien - erste "Ismailitentum"-Gemeinden
‘Abdallah wird von der Regierung in Bagdad vertrieben und muss nach Syrien fliehen, lässt sich südöstlich von Hamah in Salamiyya als Kaufmann nieder. Er verbreitet weiter seine Geheimlehre und kann Gemeinden gründen. Der neue Glauben soll "Verkündigung der Wahrheit" heissen ("da ‘wat al-haqq"), historisch als "Ismailitentum" bezeichnet.(S.167).

880 ca.
Propaganda der ismailitischen Glaubensgruppe für einen Umsturz in Damaskus
ohne dass ein Kandidat dafür bekannt ist: Es ist eine Propaganda für eine Fantasiefigur. Es wird einheitliches islamisches Weltreich prophezeit, mit der Eroberung Konstantinopels (S.166).

893
Maghreb: Gründung einer Ismailitengemeinde bei den Kutama: Abu ‘Abdallah
Der ismailitische Propagandist Abu ‘Abdallah as-Si ‘i kann im bäuerliche-sesshaften Berbervolk Kutama im Maghreb eine "erfolgreiche" Gemeinde gründen, eine "dar al-higra" (Stätte des Exils"), auf dem Berg Ikgan bei Mila nordwestlich von Constantine.

Die Gemeinde wird zur Keimzelle des fatimidischen Staates.

Abu ‘Abdallah as-Si ‘i kann die Bergstämme der Kutama und die Clans nach und nach unter der Hoffnung des bald erscheinenden Mahdi "einigen" (S.167).

ab 895 ca.
Maghreb/Kutama: Erste Expansion der neuen Kutama-Religion
Die Kutama-Kämpfer besetzen die Städte des östlichen Maghreb (S.167).

Sommer 905
Syrien: Ismailitengewalt und Vertreibung des "geheimen Führers" ‘Abdallah
Übereifrige beduinische Ismailiten aus der Palmyrene beginnen eine militärische Invasion in Syrien, um einen "verheissungsvollen Mahdi-Staat" zu errichten mit ‘Abdallah als Oberhaupt.

In der Folge muss ‘Abdallah "al-Mahdi", das vierte "Oberhaupt der Ismailiten", seine Heimatstadt Salamiyya in Syrien verlassen und nach Ägypten flüchten, dann in den Maghreb (S.167).

ab 906 ca.
Die Prophetenhoffnung ist ein Kaufmann
Maghreb/Sigilmasa: ‘Abdallah "al-Mahdi" lebt als Kaufmann mit seiner Familie in der Oasenstadt Sigilmasa am Fuss des Hohen Atlasgebirges (S.167).

909
Die Kutama-Religion in Ifriqiya - der "geheime Führer" ‘Abdallah tritt ans Licht
Die Kutama-Kämpfer besetzen das Aglabiden-Emirat Ifriqiya (heute Tunesien) (S.167).

Aug 909
Der neue Imam und Mahdi: 'Abdallah "al-Mahdi"
Propagandist Abu ‘Abdallah as-Si ‘i begrüsst nach der Unterwerfung der Ifriqiya (heute Tunesien) ‘Abdallah "al-Mahdi" als neuen Imam und Mahdi (S.167, 169).

um 910
Ifriqiya: Huldigung des kommenden Mahdi im Freitagsgebet - Münzprägungen
In Kairuan leitet die Ismailitengemeinde unter Leitung des Propagandisten Abu ‘Abd alla as-Si ‘i die Freitagsgebete und Münzprägungen im Namen des bald auftretenden Mahdi (S.167).

6.1.910
Ifriqiya: Fatimidische Revolution

Afrikanische Kalifenkür von 'Abdallah "al-Mahdi" in Raqqada - fatimidisch-afrikanische Reichsgründung - fatimidische Revolution
Einzug von ‘Abdallah "al-Mahdi" in die Palaststadt Raqqada bei Kairuan (heute Tunesien). Er wird dort zum Kalifen proklamiert mit dem Titel "Abdallah Abu Muhammad" ("der von Gott Rechtgeleitete"), und "amir al-mu ‘minin" ("der Befehlshaber der Gläubigen").

-- ‘Abdallah "al-Mahdi" reklamiert die Kalifenwürde für die ganze Welt für sich, gegen das Kalifat Bagdads
-- ‘Abdallah "al-Mahdi" erklärt den Anspruch auf alleinige Lenkung der universalen islamischen Gemeinde/umma, weil er der direkte Nachkomme Fatimas und des Sohnes ‘Alis, al-Husayn, sei (S.169).

In der Folge wird diese Geneaologie von den Arabern und von Bagdad immer wieder bestritten (S.169). Die fatimidische Revolution in Afrika ist nach der abbasidischen Revolution 752 der zweite Versuch, das gesamtislamische islamische Weltimperium von Grund auf zu "erneuern" (S.166).

ab 910
Kalifat Ifriqiya: Das arabische Heer in Kairuan (heute Tunesien): Unruhefaktor
Das arabische Heer in Kairuan tritt in den Hintergrund, bleibt aber ein unberechenbarer Unsicherheitsfaktor, weil es traditionell sunnitisch ist und den Imam-Kalifen ablehnt (S.169).

Kalifat Ifriqiya: Ausweitung der fatimidischen Herrschaft mit osteuropäischen Söldnern
-- in Richtung Westafrika
-- gegen die spanischen Umayyaden
-- in Richtung Sizilien und Unteritalien gegen Byzanz
-- gegen Ägypten (S.169).

ab 911
Kalifat Ifriqiya: Kutama sind "Gotteskrieger"

‘Abdallah al-Mahdi begründet die Hegemonie des Kutama-Volkes über Nordafrika:

-- die Stämme der Kutama werden als die "Heiligen Gottes" ("awliya Allah") bezeichnet und sind die "Vorkämpfer" des Mahdi

-- die Stammeshäuptlinge werden Gouverneure der wichtigsten Städte und bilden das Rückgrat der fatimidischen Herrschaft

-- die Kutama-Krieger stellen den Grossteil des fatimidischen Heeres, wobei das Heer mit Söldnern aus Osteuropa ("Slawen") ergänzt wird (S.169).

914-915
Ifriqiya-Ägypten: Ismailitisch-fatimidische Eroberung Ägyptens scheitert
Vergeblicher Versuch der Eroberung Ägyptens unter dem Mahdi-Sohn Abu l-Qasim Muhammad mit kombinierter Land- und Seeoperation, das nur noch nominell von Bagdad abhängt und von Ihsididen-Emiren regiert wird (S.169).

919-920
Ifriqiya-Ägypten: Erneutes Scheitern der ismailitisch-fatimidischen Eroberung Ägyptens
Erneuter Versuch der Eroberung Ägyptens unter dem Mahdi-Sohn Abu l-Qasim Muhammad mit einer kombinierten Land- und Seeoperation.
Ein aus dem Irak entsandtes Heer wendet die fatimidische Besetzung ab (S.169).

ab 921
Kalifat Ifriqiya: Neue Burg des afrikanischen Kalifen: al-Mahdiyya
‘Abdallah al-Mahdi bezieht seinen Sitz in der "Fluchtburg" ("dar al-higra") al-Mahdiyya auf einer schmalen Halbinsel südlich von Susa (frz. Sousse, heute Tunesien) (S.169).

927-928
Kalifat Ifriqiya: Westfeldzug gegen Maghreb-Stämme
Der Mahdi-Sohn und Tronfolger Abu l-Qasim Muhammad besiegt auf einem Westfeldzug die Berberstämme des mittleren Maghrebs (S.169).

929
Ausrufung eines Kalifat Córdoba als "Kalifat des Westens"
(S.280)

934-946
Kalifat Ifriqiya: al-Qa ‘im
(S.169)

935
Schwere Unruhen auf dem islamisch besetzten Sizilien
(S.169)

ab 944
Kalifat Ifriqiya: Grosser Aufstand der nichtschiitischen Berberstämme gegen das Kutama- Kalifat
vor allem der Hawwara unter Gabal Awras. Der Wanderprediger Abu Yazid hat grossen Einfluss:
-- die Kutama-Dynastie sei ketzerisch

-- die "Besten und Frömmsten" seien zu Gott berufen (harigitische Doktrin) und nur die seien zum Oberhaupt über die islamische Gemeinde legitimiert

-- das arabisch-sunnitische Heer aus Kairuan will den Umsturz ebenfalls und unterstützt den Aufstand (S.170).

In der Folge überrollt der Aufstand ganz Ifriqiya. Der afrikanische Kalifensitz, die Schutzburg al-Mahdiyya auf der Halbinsel wird monatelang blockiert. Der Kalif kann seine Küstenfestungen nur mittels seiner Flotte halten.
Gleichzeitig sind die Berberstämme auf einen Belagerungskrieg nicht vorbereitet. Teile des arabischen Heeres fallen vom Aufstand ab, so dass schliesslich der Aufstand in sich zusammenfällt (S.170).

Mai 946
Kalifat Ifriqiya: Tod von al-Qa ‘im - Nachfolger: Isma ‘il - "Ismailiten"
(S.170)

946-947
Kalifat Ifriqiya: Vertreibung der aufständischen Berber
Kalif Isma ‘il kann die Hawwara-Rebellen vertreiben und lässt sie in einem strapazenreichen Winterfeldzug bis in die Wüstengebiete jenseits des Satt al-Hudna verfolgen (S.170).

947 ca.
Kalifat Ifriqiya: Tod des Hawwara-Predigers des Widerstands, Abu Yazid
(S.170)

948
Kalifat Ifriqiya: Isma ‘il: neuer Herrschername "al-Mansur"
Der afrikanische Kalif Isma ‘il legt sich nach der "erfolgreichen" Niederschlagung des Berberaufstands den Herrschernamen "al-Mansur" zu ("der Siegreiche") und lässt eine neue Lagerstadt bei Kairuan bauen: "dar al-higra al-Mansuriyya" ("Fluchtburg des Siegreichen") (S.170).

953
Kalifat Ifriqiya: Neuer Aufstand der Berberstämme - Tod von Isma 'il al-Mansur bei Kairuan
(S.170)

953-975
Kalifat Ifriqiya: Nachfolger: Kalif al-Mu ‘izz
in seiner neuen Lagerstadt "dar al-Higra al-Mansuriyya" (S.170).

953-954
Kalifat Ifriqiya: Kalif al-Mu ‘izz lässt die rebellischen Berberstämme des Awars-Massivs endgültig unterwerfen
(S.170)

958
Ägypten: Tod des Eunuchen Kafur - Anarchie in Ägypten
Nach dem Tod des Eunuchen Kafur verfällt in Ägypten in Anarchie. Es entstehen Missernten, Teuerung, Seuchen und Rattenplagen. Eine Heuschreckenplage kommt noch hinzu.
Bagdad selbst kann keine Hilfeleistung erbringen.

In der Folge überlegen die Repräsentanten der Oberschicht Ägyptens, ob sie nicht das Fatimiden-Kalifat der Ifriqiya in Kairuan als Autorität anerkennen sollten, trotz des dortigen ismailitischen Glaubens. Dadurch könnte eine übergeordnete Autorität wieder für "Ordnung" sorgen (S.170).

958/959
Kalifat Ifriqiya: Westfeldzug des Kalifenheeres unter dem osteuropäischen General Gawhar in den westlichen Maghreb
Unterwerfung der nomadischen Zanata-Stämme um Tahert (Tiaret), Besetzung von Fes und Besetzung des Landes bis zur Atlantikküste (S.170).

965
Byzantinische Invasion über das Taurus-Gebirge
unter Kaiser Nikephoros Phokas:
-- Besetzung von Kilikien
-- Besetzung Zyperns
-- Besetzung Nordsyriens bis Tortosa (Tarsus, heute Südost-Türkei) (S.175).

968
Kalifat Ifriqiya: Erneuter Westfeldzug des afrikanischen Kalifenheeres im Maghreb
unter dem osteuropäischen General Gawhar zur "Festigung" der Herrschaft (S.170).

April 969 ca.
Kalifat Ifriqiya: Ostfeldzug des afrikanischen Kalifenheeres unter dem osteuropäischen General Gawhar ins Nildelta - "aman"-Urkunde zwischen Ifriqiya und Ägypten
(S.170)
Verhandlungen zwischen Gawhar und den Ältesten des lokalen hasimidischen und husainidischen Zweiges des Prophetenhauses. Es kommt zum Vertragsabschluss: Ägypten wird sich dem Kalifen der Ifriqiya unterwerfen gegen die Sicherheitsgarantien/ aman des fatimidischen Kalifats. Die "aman"-Urkunde ist wie ein Grundgesetz für Ägypten:

-- die Ifriqiya verspricht die Sicherung der Pilgerstrasse nach Mekka und die Bekämpfung der Beduinen, die die Pilgerstrasse bedrohen

-- die Ifriqiya verspricht die Wiederaufnahme des "heiligen Krieges" gegen die Feinde des Islam, das heisst: zur Zeit vor allem Byzanz

-- die Ifriqiya verspricht die Wiederherstellung einer festen Währung
-- die Ifriqiya verspricht die Aufhebung von steuern und Zöllen im Land, die gegen den Koran verstossen
-- die Ifriqiya verspricht, in Ägypten ungehinderte religiöse Toleranz und die ungehinderte Ausübung des sunnitischen Kultus walten zu lassen (S.171).

Mai-Juni 969
Ägypten: Ifriqiya-Heerführer Gawhar als Vizekönig - Niederschlagen von Aufständen
Heerführer Gawhar wird von ifriqischer und ägyptischer Seite zum Vizekönig von Ägypten ausgerufen. Aufstände von ägyptisch-sunnitischen Offizieren werden von Gawhars Truppen schnell niedergeschlagen (S.171).

6.7.969
Ägypten-Ifriqiya: Gawhars Truppen können auf das rechte Nilufer übersetzen
(S.171)

9.7.969
Ägypten: Erste Huldigung an den afrikanischen Kalifen al-Mu ‘izz im Freitagsgebet
(S.171)

969Ägypten: Versuch der Einführung der Diskriminierung von Christen und Juden
Vizekönig Gawhar von Ägypten versucht, die Diskriminierung von Juden und Christen nach dem ‘Umar-Vertrag in Nordafrika einzuführen. Das wird heissen:
-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sind in der Öffentlichkeit untersagt
-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen ist verboten
-- Kirchenneubauten werden abgerissen

-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie Gürtel, schwarze Turbane und Kopftücher werden Pflicht
-- auch im Badehaus sollen Christen Kreuze und Juden Glöckchen tragen
-- Kampf gegen die christlichen Regierungssekretäre, so dass viele zum Islam übertreten müssten (S.178).

um 969
Bagdads Argument gegen das afrikanische Kalifat: Genealogie
Bagdads Reaktion gegen das afrikanische Kalifat beschränkt sich auf ein genealogisches Gutachten, das die Legitimität der Fatimiden als Ganzes in Frage stellt.

Kalif al-Aziz muss seine Genealogie offenlegen, was aber keine Machteinbüssung bedeutet (S.174).

969
Südpalästina: Nomaden der Tayyi’
Syrien und Palästina sind in einem Gemisch verschiedenerProvinzgewalten in ganz unterschiedliche politische Richtungen aufgeteilt. Im südlichen Palästina herrscht die Nomadenkonföderation der Tayyi’ (S.174).

Ägypten: Versuch der Einführung der Diskriminierung von Christen und Juden
Vizekönig Gawhar von Ägypten versucht, die Diskriminierung von Juden und Christen nach dem ‘Umar-Vertrag in Nordafrika einzuführen. Das wird heissen:
-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sind in der Öffentlichkeit untersagt
-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen ist verboten
-- Kirchenneubauten werden abgerissen
-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie Gürtel, schwarze Turbane und Kopftücher werden Pflicht
-- auch im Badehaus sollen Christen Kreuze und Juden Glöckchen tragen
-- Kampf gegen die christlichen Regierungssekretäre, so dass viele zum Islam übertreten müssten (S.178).

ab Mitte Aug 969
Die Staatsorganisation in Ägypten
Die sunnitischen Beamten bleiben im Amt wegen ihrer lokalen Kenntnisse der komplizierten verwaltungs- und Besteuerungspraktiken.

Die Spitzen der wichtigsten Ämter aber lässt Gawhar doppelt besetzen mit je einem Kutama-Berber als Kontrolleur in Finanzbehörden und Ordnungstruppen (S.171).

ab Mitte Aug 969 ca.
Ägypten: Beginn des Baus einer neuen Kalifenburg neben Fustat Misr - "neue" Hauptstadt Kairo/al-Qahira - sunnitische und ismailitische Staatsreligion
Vizekönig Gawhar beginnt mit dem Bau einer neuen ägyptischen Fluchtburg nördlich der ägyptischen Hauptstadt Fustat Misr: al-Qahira ("die Siegreiche", Kairo) (S.171).

Die neue Palaststadt al-Qahira ist nach dem Vorbild von al-Mansuriyya bei Kairun angelegt mit Palast, Verwaltungssitz und Heerlager. Al-Qahira soll gegenüber der "alten" Hauptstadt Fustat Misr eine "neue" Hauptstadt sein. In der "alten" Hauptstadt herrschen weiter der alte, sunnitische Kultus in der "alten" Moschee. In al-Qahira sollen der neue ismailitische Kultus/azhar in einer neuen Palastmoschee unter einem ismailitischen Oberqadi herrschen (S.171).
Die Unterschiede sind im Gebetsruf der neue Zusatz "Auf zum besten Tun!" und die Errechnung des Endes des Fastenmonats Ramadan (S.171).


Kriege gegen Byzanz - Ägypten wird Schutzmacht von Mekka und Medina - Euphrat als Ostgrenze - Beherrschung des Indienhandels - Besetzung Palästinas und Syriens - sunnitisches Kalifat von al-Hakim in Kairo gegen Schiiten, Juden und Christen - Kirchen- und Klosterzerstörungen, Frauendiskriminierungen - Drusenverfolgung - teilweiser Wiederaufbau der Kirchen

Zusammenfassung
Die Fatimiden in Kairo können die byzantinischen Heere vor Damaskus abwehren. Strategisches Ziel des Imperiums ist die Euphratgrenze. Kairo wird auch Schutzmacht der heiligen Stätten Mekka und Medina, wodurch der ganze Indienhandel über das Rote Meer in ägyptische Hand fällt. Jerusalem wird ägyptisch besetz, während Aleppo sich Byzanz unterwirft. Türkische Söldnerheere werden auch in Kairo üblich. Italiens Seerepubliken liefern Ägypten Holz und Pech für Kriegsschiffbau, gegen die Drohungen von Byzanz und Rom. Als Kairos Truppen unter Feldherr Barguwan Syrien und Palästina besetzen und die byzantinische Rache bei der Belagerung von Tripolis gestoppt wird, kommt es zum Friedensschluss auf Zeit. Kalifensohn al-Hakim errichtet ein sunnitisches "frommes" Kalifat gegen Schiiten, Juden und Christen, lässt christliche Kirchen und Klöster zerstören, darunter auch die Grabeskirche in Jerusalem. Zunehmende Frauendiskriminierung sowie Verfolgung und Vertreibung der Drusen folgen. Teilweiser Wiederaufbau der Kirchen und das plötzliche "Verschwinden" al-Hakims lässt Hoffnungen auf eine neue Toleranz zwischen den Religionen in Ägypten aufkommen.

Chronologie (Fortsetzung)

28.10.969
Byzantinische Besetzung von Antiochia
(S.175)

Ende 969 ca.
Ägypten: Ostfeldzug unter Ga ‘far b. Falah nach Palästina
Vizekönig Gawhar entsendet eine Söldnertruppe unter dem Berbergeneral Ga ‘far b. Falah nach Palästina, die die dortige Nomadenkonföderation der Tayyi’ unterwirft (S.174).

ab 969
Ägypten: Euphratgrenze als Ziel des ägyptischen Imperialismus
Die Aussenpolitik von Vizekönig Gawhar hat zum Ziel, das Territorium von Syrien und Palästina bis zum Euphrat zu unterwerfen. Diese Euphratgrenze war das immerwährende Ziel Ägyptens und schon unter Pharao Thutmosis III. Element des ägyptischen Imperialismus (S.174).

970
Medina- und Mekka-Spenden von Kairo/al-Qahira - al-Qahira wird Schutzmacht von Medina
Der afrikanische Kalif al-Mu ‘izz übersendet den "heiligen Stätten" von Mekka und Medina 20 Traglasten Geld.
In Medina wird im Freitagsgebet noch im selben Jahr der Name des afrikanischen Kalifen eingeführt. Damit ist Kalif al-Mu ‘izz faktisch als Protektor von Medina anerkannt (S.173).

Medina- und Mekka-Spenden von Kairo/al-Qahira - al-Qahira wird Schutzmacht von Medina
Der afrikanische Kalif al-Mu ‘izz übersendet den "heiligen Stätten" von Mekka und Medina 20 Traglasten Geld.
In Medina wird im Freitagsgebet noch im selben Jahr der Name des afrikanischen Kalifen eingeführt. Damit ist Kalif al-Mu ‘izz faktisch als Protektor von Medina anerkannt (S.173).

970 ca.
Palästina: Tayyi’-Nomaden werden Statthalter der ismailitischen Kalifen in Ägypten
Palästina: Tiberias/Tabariyya, Hauptort Palästinas, unterwirft sich dem ismailitischen Heer unter Ga ‘far b. Falah kampflos (S.174)

Die Nomadenrepräsentanten der Tayyi’ werden von Ga ‘far b. Falah als fatimidische Gouverneure von Ramla eingesetzt und sind eine wichtige, aber schwankende Stütze der Fatimiden/Ismailiten in Palästina (S.174).

Aug 972
Kalifat Ifriqiya: Beginn der Übersiedlung des Staatsapparates aus Kairuan nach al-Qahira auf Wagen und Schiffen
Unter anderem werden der ganze Familientross des Kalifen, die Särge der Väter, die Reichsinsignien wie ‘Alis Schwert und Sonnenschirm, in Barren eingeschmolzenes Silbergeld, "heilige Bücher" der ismailitischen Lehre und ein Tross der osteuropäischen Pagen, Gardisten und Kutama-Berber umgesiedelt (S.172).

972
Ägypten: Truppen aus dem Maghreb
Die Fatimiden bringen ihre Truppen aus dem Maghreb nach Kairo und stellen dort nubische und armenische Regimenter auf (S.200).

ab 972
Ägypten: Fatimiden: Einmannherrschaft
Die Söhne des Kalifen bekommen nie eine Staatsfunktion, solange der Kalif lebt, um Streit und Staatsteilungen zu verhindern, aus "Sorge um die Unteilbarkeit der charismatischen Imamswürde". Die Prinzen werden ein Leben lang im Palast interniert und viele werden nicht einmal dem Namen nach bekannt (S.205).

Ägypten: Steuerstruktur
-- harag-Landsteuer auf die Nildörfer, die je nach Nilstand und Ernte verschieden ausfällt (188-189)
-- Zolleinnahmen, die gegen den Koran verstossen, aber von den Finanzbeamten trotzdem eingefordert werden, dann von "frommen" Kalifen zeitweise abgeschafft werden (190).

ab 972
Ägyptens Reichtum und Ausbeutungspolitik
Ägypten ist unermesslich reich an Ressourcen. Gleichzeitig etabliert das afrikanische Kalifat einen zentralistischen Staat, so dass alle Steuern zentral verwaltet werden. Die überwiegend christlichen Bauern/Fellachen (arab. fallah = Bauern) werden unnachsichtig ausgebeutet (S.191).

Der Fiskus hortet Reichtümer in Form von Bargeld, Edelmetallbarren, Juwelen, Textilien, Gewürzen und Getreide in staatlichen Kornspeichern. Gelegentlich werden die zusammengerafften Vermögen der Wesire nach deren Tod konfisziert, wobei es sich zum Teil um unvorstellbare Summen handelt (S.191).

Nubien: Ausbeutung von Goldminen
(S.183)

Exportprodukte Ägyptens
-- Textilproduktion in Mittel- und Oberägypten: Verarbeitung der von Beduinenherden produzierten Wolle zu Wollstoffen und Produktion wollener Turbane in Asyut in Nubien u.a.

-- Webereien im Nildelta stellen Leinen- und Brokatstoffe her, v.a. in Dabig, Damiette und der Inselstadt Tinnis mit Produktion von monopolisierten Robenstoffen ("tiraz") mit der eingewebten Titulatur des Kalifen, für Beamtenroben, als Geschenk in der internationalen Diplomatie oder für den internationalen Verkauf an europäische Höfe wie z.B. in Italien und Frankreich

-- Alaun aus der Libyschen Wüste nach Europa als Beize oder Gerbstoffe (S.190).

Wertvolle Papierproduktion in Libanon
(S.190)

Handel zwischen dem nahen Osten und Südeuropa
Verschiffung der Waren aus Indien nach Byzanz, Italien, Spanien, Nordafrika (190). Waren sind vor allem: Gewürze, Perlen, Parfums, Korallen und Edelsteine (189).

ab 972
Jerusalem ist für die ägyptischen Fatimidenkalifen eine zweitrangige Stadt.
(S.192)

973
Kairo: Vollendung des neuen Kalifenpalastes in al-Qahira/Kairo
Vollendung des Kairoer Kalifenpalastes, Ankunft des afrikanischen Kalifen al-Mu ‘izz. Al Qahira wird zur neuen Hauptstadt des islamischen Reiches Afrikas (S.171).

11.6.973
Kairo: Einzug des afrikanischen Kalifen al-Mu ‘izz
(S.172)

973
Kairo: Osteuropäische Pagen, Gardisten und Kutama-Berber: Absonderung in al-Qahira - neuer Gouverneur für Ifriqiya: Buluggin b. Ziri, "Ziriden"
in abgetrennten Quartieren und in mehreren Dörfern des Nildeltas, die heute noch existieren.
Gleichzeitig ernennt der afrikanische Kalif einen neuen Gouverneur für "Nordafrika", den berberischen Sanhaga-Fürst Buluggin b. Ziri, Sohn eines treuen Berberkämpfers gegen den rebellischen Wanderprediger Abu Yazid. Buluggin b. Ziri und seine Nachkommen, die "Ziriden", regieren das fatimidische Vizekönigreich Maghreb bis 1048 (S.172).

ab 973
Ägypten: Lehrsitzungen für die ismailitische Lehre und Konvertierungen
In Fustat Misr/Alt-Kairo finden öffentliche, nach Männern und Frauen getrennte, Lehrsitzungen statt, die für den ismailitischen Glauben werben. Auch Übertritte ("Neophyten") werden in den Sitzungen vollzogen (S.173).

Ägypten: Religiöse Isolation von Fustat Misr und al-Qahira
Noch lange bleibt die Doppelstadt Misr und al-Qahira religiös isoliert, denn auf dem Land bleiben andere Religionen vorherrschend, auch mit anderen Sprachen.

Die ägyptischen Christen und Juden geniessen unter al-Mu ‘izz weitreichende Freiheiten und Privilegien wie sonst nirgendwo in der islamischen Welt. Christliche und jüdische Beamte dienen in Behörden, Verwaltungen, vor allem in Steuer- und Finanzministerien (172). Fustat Misr wird zu "Alt-Kairo" (173).

Ägypten: Keine Zwangsmassnahmen der Berberiner/Ismailiten gegen die Sunniten in Fustat Misr
(S.173)

974 ca.
Mekka: Huldigung des afrikanischen Kalifen
Der Scherif von Mekka anerkennt den schiitisch/ismailitischen Kalifen von al-Qahira mit der Erwähnung im Freitagsgebet. Kalif al-Mu ‘izz wird zum Protektor von Mekka und löst damit Bagdad ab (S.173).

974
Ägypten: Tod des ägyptischen Qadi an-Nu ‘man, der ein Rechtskompendium "Stützen des Islam verfasst hat ("Da ‘a ‘imal-islam") (S.177).

ab 974 ca.
Ägypten: Stiftungsgründungen in Ägypten zugunsten von Mekka und Medina
In Ägypten werden Stiftungsländereien zur Finanzierung der religiösen und sozialen Institutionen in Mekka angelegt:
-- Mekka wird regelmässig mit ägyptischem Getreide beliefert
-- die Kiswa, das alljährlich zu erneuernde Tuch, das die Ka ‘ba einhüllt, wird ab jetzt in Ägypten -gewebt.

Der Prestigegewinn der Fatimiden/Ismailiten in der islamischen Welt ist damit grundlegend (S.173).

ab 974
Ägypten: Die Gewinne für das afrikanische Kalifenreich: Kontrolle des Indienhandels
Durch die Gewinnung der Städte Medina und Mekka sind nun beide Ufer des Roten Meeres von Kairo/al-Qahira kontrolliert. Damit kontrolliert Ägypten eine der wichtigsten Welthandelsrouten zwischen Afrika/Europa und Indien (S.174).

975-996
Kairo: Tod des Kalifen al-Mu ‘izz - Nachfolger: Sohn al-’Aziz
Organisation des Finanzwesens in Ägypten unter dem Christen Isa b. Nasturus (Nestorios)
Organisation des Finanzwesens in Syrien unter dem Juden Isaak ben Menasse (S.172).

975
Ägypten: Erstmals friedliche Pilgerreise nach Mekka
Zum ersten Mal in der Geschichte kann der afrikanische Kalif zu einer Pilgerfahrt nach Mekka aufrufen, die nicht durch gegnerische Überfälle gefährdet ist (S.173).

Palästina: Byzantinischer Vormarsch gegen Jerusalem
Byzantinische Besetzungen unter Kaiser Johannes Tzimiskes: Besetzung von Hims (Emesa), Baalbek, Damaskus, Tiberias, Nazareth, Akkon (‘Akka), Caesarea, Sidon (Sayda), und Beirut. Jerusalem rückt in greifbare Nähe (S.175).

977-978
Ägypten: Ägyptisch-ismailitische Besetzung von Damaskus
Die ismailitischen Truppen unter Ga ‘far b. Falah können die byzantinischen Truppen in Damaskus vertreiben und reissen die Herrschaft mit Gewalt an sich. Es kommt zu monatelangen Strassenkämpfen gegen die verhassten Maghrebiner. Führend sind die bewaffneten Clubs der damaskinischen "Jünglinge" aus dem lokalen Handwerkertum (S.174).

Diese Strassenkämpfe wiederholen sich "stets aufs Neue". Damaskus bleibt ein Unruheherd und der nördlichste Stützpunkt der fatamidisch-ismailitischen Macht in Syrien. Die Emire von Aleppo, Hamdaniden, überleben mit einer Schaukelpolitik zwischen Kairo, Bagdad und Byzanz (S.174).

Die byzantinische Herrschaft nördlich von Damaskus ist trotz der ismailitischen Besetzung von Damaskus nicht erschüttert (S.175).

979-991
Kairo: Christen und Juden am ägyptischen Kalifenhof - muslimische Proteste
Staatsminister des islamischen Afrika in al-Qahira ist der jüdische Wesir Ya ‘qub b. Killis.
Militärführer ist der zum Islam konvertierte Jude al-Fadl b. Salih (172). Wesir Ya ‘qub b. Killis und der Militärführer al-Fadl b. Salih umgeben sich fast nur mit christlichen Sekretären (172f.). Es kommt zu muslimischen Protesten und Demonstrationen gegen die vielen christlichen Sekretäre. Spottgedichte des Kairoer Volksmunds verhöhnen die "unheilige Dreifaltigkeit" zwischen ‘Aziz, Wesir Ya ‘qub und Militärführer Fadl (173).

982 ca.
Hamdaniden von Aleppo unterwerfen sich Byzanz
Der Emir von Aleppo wird formell Vasall des byzantinischen Kaisers Phokas (S.175).

Kairo: Wesir Ya ‘qub b. Killis tritt zum Islam über
(S.173)

ab 985 ca.
Ägypten: Söldnerheere werden Hauptstütze
Der afrikanische Kalif al-Aziz stützt sich mehr und mehr auf turkmenische Söldnerheere, die "Mamluken" (S.176).

Kairo: Ismailitischer Zwang gegen Sunniten
Der Gebetsausruf "Auf zum besten Tun" wird auch für die Sunniten in Fustat Misr/Alt-Kairo obligatorisch. Die Sunniten argumentieren, dass dies gegen den Koran verstosse (S.173).

988
Kairo: Gründung einer neuen islamischen Hochschule
Wesir Ya ‘qub b. Killis gründet für die Palastmoschee in al-Qahira eine grosszügige Stiftung mit 35 juristischen Lehrstühlen, die bis heute die bedeutendste islamische Hochschule ist (S.173).

ab 988 ca.
Ägypten: Türkische Söldnerheere werden zum innenpolitischen Machtfaktor
Die türkischen Söldnerheere beginnen, im politischen Leben von Ägypten eine mitentscheidende Rolle zu spielen. Zu Offizieren aufgestiegene türkische Offiziere bekommen immer häufiger militärische Kommandos oder Stadthalterposten und brechen so in berberische Domänen ein (S.176).

994 ca.
Nordsyrien/Aleppo: Byzanz wehrt ägyptischen Angriff ab
Angriff des ismailitischen Heeres des afrikanischen Kalifen al-’Aziz gegen Aleppo und Antiochien scheitert an byzantinischen Heeren (S.175).

995
Nordsyrien/Aleppo: Der byzantinische Kaiser Basileios II. in Aleppo, Apameia (Famiya) und Hims
(S.175)

996-1021
Kairo: Tod des Kalifen al-’Aziz - Nachfolger: 11-jähriger Sohn al-Hakim
Während der Vorbereitung eines neuen Syrienfeldzugs gegen Byzanz stirb Kalif al-’Aziz. Nachfolger wird der fünfjährige Sohn al-Hakim.

In der abbasidischen Propaganda wird al-Hakim als ein "Wüstling" und "Rohling" geschildert, der er aber gemäss den Quellen nie war (S.175).

996-1000
Kairo: Missbrauch eines minderjährigen ägyptischen Kalifen
Der minderjährige ägyptische Kalif al-Hakim ist den Eigenmächtigkeiten und Demütigungen der Militärs und Höflinge ausgesetzt (S.176).

ab 996Kairo: Auftretende Rivalität zwischen Kutama-Berbern und türkischen Söldner-Garden im ägyptischen Imperium
(S.176)

Itailen-Ägypten: Italienischer Seehandel nach Ägypten - Import von Holz und Pech für Kriegsschiffe - Drohungen aus Byzanz und Rom
Die italienischen Seerepubliken besitzen zum ersten Mal nachgewiesenermassen ein Kontor im Hafen von Kairo/al-Qahira. Importe Ägyptens sind vor allem Holz und Pech aus Italien und Dalmatien für den Schiffsbau. Die Lieferungen erfolgen über die Schiffe der italienischen Seerepubliken (S.190).

Da Holz und Pech kriegswichtige Güter sind, vor allem gegen Byzanz gerichtet, sprechen Byzanz und der Papst von Zeit zu Zeit Warnungen aus, dass die italienischen Schiffe gekapert würden und hohe Strafen drohen würden. Die italienischen Transportreeder lassen sich aber kaum je beeindrucken und machen weiter ihre Kriegsprofite (S.190).

998 ca.
Kairo: Machtkampf zwischen Berbern und Mamluken-Söldner-Offizieren - Osteuropäer Barguwan
Der lachende Dritte im Intrigenspiel um die militärische Macht am Kairoer Kalifenhof zwischen Berbern und Mamluken ist der osteuropäische Eunuch Barguwan, dem es gelingt, mit Hilfe der Mamluken-Söldner die Berber zu entmachten. Er übernimmt den Wesirposten des Kalifen mit Leitung der der Staatsgeschäfte. Der 13-jährige Kalif al-Hakim kann dem ganzen Treiben nur zusehen (S.176).

998 ca.
Syrien-Palästina: Ägyptische Besetzung unter Barguwan
Ägyptischer Ostfeldzug unter dem ägyptischen Regenten Barguwan nach Palästina und Damaskus. Barguwan kann eine harte Fatimidenherrschaft in Syrien und Palästina etablieren (180) mit Besetzung des Landes bis vor Antiochien (S.180-181)

999-1000
Byzantinischer Feldzug unter Kaiser Basileios II. gegen die ägyptische Besetzung Syriens bis Tripolis: Plünderungen im Winter, Belagerung von Tripolis
Das Heer von Kaiser Basileios II. zieht den Fluss Orontes (heute "Asi") aufwärts und plündert im Winter Sayzar, Hims und Baalbek. Der Feldzug endet mit einer Belagerung von Tripolis (Tarabulus) (S.181).

Anfang 1000
Tripolis: Belagerung durch Byzanz bleibt erfolglos
Das ägyptische Tripolis kann sich gegen die byzantinische Belagerung durchsetzen. Byzanz muss die Belagerung abbrechen (S.181).

1000
Waffenstillstand zwischen Ägypten und Byzanz auf 10 Jahre
Der ägyptische Regent Barguwan kann unter Vermittlung von Patriarch Orestes von Jerusalem - mütterlicherseits ein Onkel al-Hakims - einen zehnjährigen Waffenstillstand mit Byzanz abschliessen. An der Nordgrenze des ägyptischen Imperiums bleibt es in der Folge "ruhig" (S.181).

um 1000
Kairo: Wechselnde Heeresstruktur: gemischte Söldnertruppen
Das arabische Heer "gund" verliert seine Bedeutung, ebenso die damit verbundenen Standorte Kufa, Basra, Fustat und Kairuan. Die Söldner werden auch aus nichtarabischen Völkern rekrutiert (S.200).

ab 1000 ca.Damaskus/Aleppo: Emir Zengi und weitere "Zengiden" werben unter den Kurden und Seldschuken für Söldnerdienste
(S.200)

ab 11. Jh.
Bagdad: Machtteilung Kalif - Staatsmacht
Es kommt zur Machtteilung zwischen der arabisch-quraysitischen Kalifenlinie und der fremden, meist turkmenischen Staatsmacht (S.219).

März 1000
Kairo: Ermordung von Wesir Barguwan - Machtergreifung von Kalif al-Hakim
Der 15-jährige ägyptische Kalif al-Hakim lässt den osteuropäischen Wesir Barguwan meuchlings ermorden und nimmt die Regierungsgeschäfte selbst in die Hand. Fortan bleibt Kalif al-Hakim ein misstrauischer Mensch, der seine Wesire lieber beseitigen als zu mächtig werden lässt (S.176).

1004
Gegenkalifat Cyrenaika: Gegenkalif Abu Rakwa
Aufstand des arabischen Banu Qurra-Stammes am westlichen Rand des Nildeltas mit Berberstämmen Nordafrikas im Gebiet des heutigen Libyen, Luwata, Mazata, Zanata unter Führung eines ausgerufenen Gegenkalifen Abu Rakwa, der behauptet, ein Umayyadenprinz zu sein. Die Aufständischen besetzen Barqa in der Cyrenaika und besiegen mehrmals ägyptische Kalifentruppen (S.181).

Kairo: Dekret von Kalif al-Hakim zur Rechtfertigung der Machtübernahme von 1000 - "Volkspolitik" al-Hakims: Diskriminierung und sunnitische Intoleranz
-- Rechtfertigung des Mordes an Wesir Barguwan
-- Versprechen einer "gerechten Regierung"

-- alle Untertanen sollen sich mit Anliegen direkt an ihn wenden

oo Al-Hakim entscheidet über alle Eingaben, die beim Wesir eingehen, mit Reskript/ tawqi’ am Rand oder auf der Rückseite

oo al-Hakim pflegt Austritte und Entgegennahme von Petitionen während seiner Ausritte in die Umgebung Kairos

oo al-Hakim pflegt die Bekanntmachung von Dekreten vor der Volksversammlung von der Loge des Schlosshofs herab als "Hofprediger". Die Edikte werden dann in allen Freitagsgottesdiensten von den Kanzeln al-Qahiras verkündet (S.176).

ab 1004
Der afrikanische Kalif al-Hakim als "Saubermacher" für das Sunnitentum
Al-Hakim will sein Ziel einer "idealen islamischen Gemeinde" mit einer "Lawine" von Dekreten erreichen und so ein "vorbildlicher" Lenker/imam sein.

Als Basis nimmt al-Hakim die Rechtsgrundsätze des grossen ismailitischen Rechtskompendiums "Stützen des Islam" ("Da ‘a ‘imal-islam") des Qadi an-Nu ‘man.

Zudem versucht al-Hakim, die Religionsfreiheit für die Sunniten gegenüber den Schiiten zu sichern. Damit nimmt al-Hakim seine Rolle als "Treuhänder Gottes" ("amin Allah") sehr ernst (S.177).

Er erlässt Dekrete wie z.B.
-- Überwachung von Massen und Gewichten
-- Beleuchtung und Feuerschutz der Altstadt
-- Tötung der zur Plage werdenden Hunde
-- Schutz des Rinderbestandes Ägyptens mit einem Schlachtverbot an den grossen muslimischen und christlichen Festen
-- Abschaffung einer Reihe unkanonischer Binnenzölle in den Nilhäfen und so Senkung des Brot- und Dattelpreises (S.177).

Der afrikanische Kalif al-Hakim als Vernichter der schiitischen ToleranzKalif al-Hakim verfügt Zwangserlasse, damit die Menschen seines Imperiums "gute Muslime" werden. Zuwiderhandlung wird mit Prügelstrafe geahndet:

-- Verbot des Genusses von Wein, Honigbier und Hirsebier und Bestrafung bei Zuwiderhandlung bis zur Vernichtung von Trauben, Rosinen und Honig
-- Verbot des Verzehrs von schuppenlosen Meerestieren, darunter die in Ägypten sehr beliebte Tellmuschel
-- Verbot einiger von Schiiten traditionell verpönten Gemüsesorten, so, wie es in den "Stützen des Islam" von an-Nu ‘man geschrieben steht (S.177).

Frauenfeindliche Erlasse des afrikanischen Kalifen al-Hakim
Zuwiderhandlungen werden mit Prügelstrafe geahndet:
-- obligatorisches Schleiertragen für Frauen
-- Verbot nächtlichen Ausgangs für Frauen
-- Verbot an Teilnahme bei Begräbnissen für Frauen
-- Verbot des Besuchs öffentlicher Bäder und beliebter Ausflusgsziele für Frauen (S.177).

Kairo: Dekrete von Kalif al-Hakim gegen Christen und Juden: Diskriminierungen - Auswanderung von Christen nach Nubien oder Syrien
Al-Hakim lässt durch Erlasse die Existenzen von Christen und Juden planmässig einengen und realisiert somit eine Diskriminierung, wie sie im sogenannten ‘Umar-Vertrag festgelegt ist:

-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sind in der Öffentlichkeit untersagt
-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen ist verboten
-- Kirchenneubauten werden abgerissen

-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie Gürtel, schwarze Turbane und Kopftücher werden Pflicht
-- auch im Badehaus müssen Christen Kreuze und Juden Glöckchen tragen
-- al-Hakim beginnt den Kampf gegen die christlichen Regierungssekretäre, so dass viel zum Islam übertreten (S.178).

Der starken Diskriminierung können Christen ausweichen, indem sie in das christliche Nubien oder in die syrischen Küstenstädte Latakia (Laodikeia) und Antiochien auswandern (S.178).

1005
Kairo-Gegenkalifat Cyrenaika: Zerschlagung und Hinrichtung
Niederschlagung des Aufstandes der Banu Qurra und Berber in Nordafrika. Sieg der Truppen der ägyptischen Generäle al-Hakims gegen die aufständischen Banu Qurra und Berber in Nordafrika. Festnahme von Berberführer Abu Rakwa, Auslieferung nach Ägypten und Hinrichtung in Kairo/al-Qahira (S.181).

"Haus der Wissenschaft" in Kairo nach Vorbild Bagdads (v.830n.Chr.)
Kalif al-Hakim kann das neue "Haus der Wissenschaft" in Kairo einweihen. Er folgt damit dem Vorbild Bagdads, wo 830 bereits ein "Haus der Weisheit" eröffnet wurde, das inzwischen wieder geschlossen ist. Kalif al-Hakim realisiert mit dem "Haus der Wissenschaft" die Öffnung von Wissen für die Öffentlichkeit:

-- die Kalifenbibliothek wird öffentlich zugänglich mit allgemeiner Erlaubnis zum Abschreiben von Werken
-- Verpflichtung wissenschaftlicher Lehrer in Recht, Tradition, Koran, aber auch Grammatik, Philologie, Logik, Mathematik, Astronomie und Medizin

-- mit Work-Shops unter den Gelehrten im Beisein des Kalifen
-- mit besonderer Förderung der Astronomie unter dem Astronom Ibn Yunus as-Sadafi, der eine "Hakimsche Tafel" zur Astronomie veröffentlicht (S.180).

1006
Kairo: Al-Hakims Beschlüsse zur Begünstigung der Sunniten: "Toleranzedikt"
-- die Duldungsgarantien lässt er militärisch durchsetzen
-- den schiitischen Gebetszusatz lässt er wieder zurücknehmen
Zusatzgebete am Vormittag und in Ramadan-Nächten lässt er zu-- die Schmähungen der Prophetengefährten Abu Bakr, ‘Umar und ‘Utman u.a. an schiitischen Festen und Prozessionen lässt er verbieten
-- zeitweilig lässt al-Hakim sogar die schiitisch-ismailitischen Lehrsitzungen verbieten (S.178).

ab 1008 ca.
Ägypten/Palästina: Plünderung und Zerstörung von Kirchengütern im ägyptischen Imperium auf Befehl des Kalifen al-Hakim
Kalif al-Hakim beginnt mit Plünderungen in Klöstern und Kirchen. Es folgt die Zerstörung und Konfiszierung des Bodens. Es ist dies die nach ägyptischem Brauch legale Beschaffung von Geld bei Ebbe in der Staatskasse

-- um die turkmenischen/seldschukischen Söldner zu bezahlen
-- um Geld zur Reparatur der verfallenen Moscheen aufzutreiben
wie dies vor ihm bereits andere ägyptische Regenten getan haben (S.179).

1009
Kairo: Al-Hakim erneuert das "Toleranzedikt" für die Sunniten
(S.178)

Sep 1009
Ägypten/Palästina: Dekret von al-Hakim zur Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem
Die Kirche Konstantins, die Grabrotunde und die Schädelstätte ("kranion") werden abgerissen (S.179).

ab 1009
Kairo: Aufkommender Widerstand gegen Sunnitenbevorteilung am Kalifenhof
Der Wesir des Afrikakalifen und dessen Hofgenossen beginnen, gegen die Sunnitenbevorteilung im ägyptischen Imperium Widerstand zu leisten. Al-Hakim muss seine Toleranz- und Schutzerlasse zum Teil zurücknehmen (S.178).

Palästina: Zerstörung der Grabeskirche - Trauma für das Christentum
Die christliche Glaubensgemeinschaft verliert mit der Zerstörung der Grabskirche den Ausgangspunkt des Lichtermeeres an Ostern und rächt sich mit einer entstellenden Geschichtsschreibung, z.B. der christliche Historiker Johannes von Antiochien (Yahya al-Antaki) u.a., was auch dem Abbasiden-Kalif in Bagdad nur dienlich ist (S.179).

um 1010
Kairo-Bagdad: Untergrundarbeit Ägyptens in Bagdad mittels Agenten
Ägyptische Missionare der Fatimiden, die gleichzeitig Geheimagenten sind, werben im Untergrund Bagdads für den ägyptischen Kalifen (S.186).

ab 1010 ca.
Maghreb: In Nordafrika existieren noch 47 christliche Bistümer.
(S.186)

Ägypten/Palästina: Weitere Kirchenzerstörungen im ägyptischen Imperium auf Befehl von Afrikakalif al-Hakim
-- Zerstörung der Georgskirche in Ramla
-- Zerstörung der Marienkirche in Damiette-- Zerstörung des Klosters Dayr al-Qasir über dem Grab des Heiligen Arsenios auf dem Muqattam bei Kairo (S.179).

Kirchenbauten, die unter der Herrschaft von Kalif al-Hakim erhalten bleiben
-- das Skete-Kloster bei Alexandrien
-- das Katharinenkloster im Sinai
-- die Kirche Mar Schenute
-- die Marienkirche und weiter Kirchen in Alt-Kairo (S.179).

1011
Palästina/Mekka: Aufstand der Tayyi’-Stämme in Ramla: Gegenkalif al-Hasan - Ersticken des Aufstands durch Bestechung Ägyptens
Die Tayyi’-Stämme stehen unter Führung von Mufarrig b. Dagfal b. al-Garrah, der den Scherif von Mekka, al-Hasan b. Ga ‘far, zum Kalifen ausrufen lässt. Gegenkalif al-Hasan lässt sich in Ramla als Kalif huldigen. Kalif al-Hakim versorgt die Tayyi’-Beduinen mit Geldlieferungen, so dass diese den von ihnen ausgerufenen Gegenkalif al-Hasan wieder vertreiben (S.181).

Ägypten / Mesopotamien: Untergrundaktivität Ägyptens in Mosul und Kufa - kurze Erwähnung im Freitagsgebet
In Mosul und Kufa wird der afrikanische Kalif al-Hakim vorübergehend im Freitagsgebet als Schutzherr erwähnt und somit anerkannt. Mit der Erwähnung wollen sich die beiden Gebiete nördlich und südlich von Bagdad aber eher von der abbasidischen Zentralmacht abgrenzen. Eine Unterstellung unter Ägypten wird nicht angestrebt (S.181).

1012
Kairo: Baubeginn eines Observatoriums
unter Oberqadi Malik b. Sa ‘id. Das Observatorium bleibt aber unvollendet (S.180).

1015 ca.
Kairo: Zwangserlass von Kalif al-Hakim gegen Frauen: Ausgangsverbot ohne männliche Begleitung
Kalif al-Hakim verfügt das Ausgangsverbot für Frauen, wenn diese ohne männliche Begleitung sind. Ausnahmen sind Frauen mit bestimmten Berufen wie Hebamme, Leichenwäscherinnen, Wasserträgerinnen, Friseusen etc.

Al-Hakims Regierung schneidet die menschlichen Freiheiten in seinem Imperium immer mehr ein (S.177).

1015
Ägypten wird Schutzmacht von Aleppo
Der Emir von Aleppo anerkennt den afrikanischen Kalifen in Ägypten, al-Hakim und wendet sich damit von Byzanz ab. Ägypten wird somit neue Schutzmacht und das nordsyrische Aleppo ist dem Zugriff des Byzantinerkaisers entrissen (S.181).

ab 1017
Ägypten: Entstehung des Drusen-Glaubens: Führer Hamza al-Labbad
Bildung einer Glaubensgruppe in Kairo/al-Qahira, die im fatamidischen Imam-Kalifen al-Hakim eine Inkarnation Gottes sieht und die Botschaft vom Ende des islamischen Gesetzes verbreitet, weil das Paradies angebrochen sei (S.181).

Die Glaubensgruppe unter dem Ostiraner Hamza al-Labbad, der mit Traktaten den Inahlt des neuen Glaubens bestimmt, führt die ismailitische Ideologie und die Erlösungserwartung konsequent zu Ende: Die paradiesische Urreligion sei nun mit dem religiös-züchtigen Leben im Kommen. Gott müsse sich vor den Menschen und ihren Sünden nicht mehr verhüllen, weil die Sünden nicht mehr vorkommen würden (S.182).

Das Ziel der Menschheit sei erreicht, und der "Mahdi" werde die direkte Gottesregierung von vor der Sünde von Adam und Eva wieder herstellen. Das religiöse Gesetz wird somit nicht mehr nötig sein, denn die Menschen können nun auch ohne dieses Gesetz "sündlos" leben. Der Kalif al-Hakim sei Gott, und das Paradies sei angebrochen (S.182).

Diese Lehre wird vom Führer der Gruppe, Hamza al-Labbad, gelehrt, unterstützt von seinem Helfer Anustekin ad-Darzi, in einer kleinen Moschee nördlich von Kairo nahe der Stadtmauer. Mehrmals trifft sich Kalif al-Hakim mit Hamza. Dieser legt sich den Titel al-Hadi ("der Führer") zu (S.182).

Kalif al-Hakim gibt in der Folge nie eine eindeutige Stellungnahme zur Glaubensgruppe um Hamza al-Labbad ab. Seine Rechtsgelehrten, der oberste Qadi und der oberste religiöse Propagandist ("Da ‘i") äussern sich jedoch scharf gegen Hamzas’ Lehre (S.182).

ab 1018 ca.
Ägypten/Palästina: al-Hakim stellt die Kirchenzerstörungen ein
(S.179)

Juni 1019
Kairo: Demonstration der Hamza-Glaubensgruppe in einer Moschee - Verfolgung der Hamza-Glaubensgruppe als "Drusen"
An einer Demonstration einiger Hamza-Anhänger in der ‘Amr-Mosche in Alt-Kairo geben die Mitglieder ein lautstarkes Bekenntnis ab, dass Afrikakalif al-Hakim Gott selber sei. Im losbrechenden Tumult kommen drei Hamza-Anhänger zu Tode und in Alt-Kairo kommt es zu Pogromen gegen die Hamza-Gruppe (182). Der Helfer Anustekin ad-Darzi wird als Hauptschuldiger verfolgt und flüchtet in den Kalifenpalast (182-183).

Dem Führer der Gruppe, Hamza al-Labbad, gelingt die Flucht in den Untergrund. Kalif al-Hakim gibt an, der Helfer Anustekin ad-Darzi sei hingerichtet. Man hört nie mehr etwas von ihm. Sein Name gibt der Gruppe die Bezeichnung, denn "Duruz" ("Drusen") ist der Plural von "Darzi" (S.183).

Fortan entwickelt der Anführer, Hamza al-Labbad, weitere Traktate und vollenden den "Drusenkanon". In den drusischen Schriften gilt der Helfer Anustekin ak-Darzi fortan als Verräter, weil er in den Kalifenhof flüchtete (S.183).

um 1020
Ägypten/Palästina: Beginnende Wiedergutmachung von Kalif al-Hakim gegenüber der Kirche
Kloster Dayr al-Qasir - Rückgabe der Ruine der Grabeskirche in Jerusalem. Die Gemeinde des zerstörten Klosters Dayr al-Qasir erhält seinen geraubten Besitz vom Kalifen al-Hakim zurück. Das Kloster wird unter al-Hakims Anteilnahme wieder aufgebaut.

In Jerusalem setzt Kalif al-Hakim einen neuen Patriarchen ein und die Ruine der Grabeskirche wird samt allem Grundbesitz der christlichen Gemeinde zurückgegeben (S.179).

ab 1020 ca.
Kairo: Vertreibung der Drusen-Gruppen aus Ägypten
Unter Afrikakalif al-Hakim kommt es zu einer planmässigen Verfolgung der Drusen, die sich in die Gebirgstäler zwischen Libanon und Hermon fürchten müssen (S.183).

13.2.1021
Kairo: Verschwinden von Kalif al-Hakim - Übernahme des Regimes durch Schwester Sitt al-Mulk und Kalif az-Zahir
Kalif al-Hakim kommt von einem seiner Ausritte in die östliche Wüste nicht mehr zurück. Sein Esel und seine zerfetzten Gewänder werden gefunden.

Die Schwester des Kalifen, Sitt al-Mulk, übernimmt tatkräftig die Regierung des ägyptischen Imperiums und lässt den Häuptling der Kutama-Berber, Ibn Dawwas, und zwei seiner Sklaven als Kalifenmörder hinrichten. Seither streiten sich Historiker, ob die Schwester selber den Auftrag zum Mord gegeben habe und Ibn Dawwas vielleicht nur Mitwisser war.

Die Drusen interpretieren den Tod von al-Hakim als Strafe für die Menschheit, denn der personifizierte Gott ha sich erneut verhüllt, weil die Menschen ihre Erlösung nicht angenommen haben (S.183).

1021-1036
Kairo: Nachfolge von Kalif al-Hakim: az-Zahir
(S.183)


Drusenrückzug nach Libanon- Turkmeneninvasion in Persien - Ringmauer um Jerusalem - anhaltender Friede zwischen Ägypten und Byzanz - Arabisierung Ifriqiyas und Destabilisierung mit Bistumszerstörungen - Togrilbeg als Feind Kairos - syrische Besetzung Kairos und Zusammenbruch - führendes Kalifat Bagdad

Zusammenfassung
Die Verfolgung der Drusen bis in den Libanon kontrastiert mit der Erlaubnis Kairos zum Wiederaufbau der Grabeskirche in Jerusalem, währenddessen die Turkmenen in Persien die Macht an sich reissen und das Kalifat Córdoba in Spanien zusammenbricht. Ein 30-jähriger Friedensvertrag zwischen Kairo und Byzanz und neue christliche Rechte in Syrien sorgen für Stabilität im ägyptischen Imperium, während sich Turkmenenführer Togrilbeg als neuer Sultan in Bagdad etablieren kann. Jerusalem erhält aus Kirchen- und Klostersteinen eine Ringmauer um die Stadt. Ifriqiya anerkennt das Bagdad-Kalifat, so dass Kairo als Rache "lästige" Beduinen gegen Ifriqiya treibt, die das Land arabisieren, destabilisieren sowie fast alle Bistümer zerstören. Als Kairo eine militärische Kooperation mit Byzanz verweigert, bricht auch dieser Friede. Die letzte ägyptisch-imperiale Ausdehnung mit der Besetzung Bagdads nützt nichts mehr. Dem Zusammenbruch gegen die Turkmenen folgt der Zusammenbruch des Reichs, der durch unglückliche Hungersnöte wegen fehlendem Nilhochwasser noch verschärft wird. Da Ägypten unmöglich weiter Getreide nach Mekka und Medina liefern kann, entziehen auch diese heiligen Städte Ägypten die Anerkennung als Kalifat und der Indienhandel scheint gefährdet.

Chronologie (Fortsetzung)

1021
Kairo: Sitt al-Mulks Hauptsorge ist die Sicherung Syriens gegen Byzanz.
(S.184)

ab 1021
Kairo: Erbarmungslose Verfolgung der Drusen
Die Drusen werden auch in Syrien und Palästina verfolgt. Sie können dank der einsetzenden Kreuzzüge in den Tälern des Libanon überleben, da die ägyptische Macht zurückgeht (S.183).

Kairo: Ägypten schliesst rangmässig zu Byzanz auf
Kalif az-Zahir kann die Rolle Ägyptens als Handelsdrehscheibe der Welt ausbauen. Ägypten wird zu Byzanz ebenbürtig (S.183) und rivalisiert von Süditalien bis Syrien um die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer.
Ein Bündnis mit der jemenitischen Vasallendynastie gibt der ägyptischen Politik Raum bis zur Südküste der arabischen Halbinsel.

Der Kalif versucht die Ausdehnung der Macht auf den Irak und den persischen Golf (S.184).

1023
Kairo-Byzanz: Verhandlungen über Friedensverlängerung
Im Auftrag der Kalifenschwester Sitt al-Mulk verhandelt der ägyptisch-gebürtige jerusalemer Patriarch Nikephoros in Konstantinopel mit dem byzantinischen Kaiser Basileios II. über einen neuen Friedensvertrag (S.184).

1025
Syrien: Vereinter Aufstand der drei Beduinenstämme in Syrien gegen Ägypten - Byzanz bleibt neutral und hilft den Beduinen nicht
Die Beduinenstämme der Kilab unter Fürst Ibn Midras in Aleppo, der Kalb der Palmyrene in Damaskus und der Tayyi’ aus Palästina versuchen den vereinten Aufstand gegen Ägypten, indem sie die Hauptstädte besetzen. Die Tayyi’ können al-’Aris niederbrennen und bedrohen Ägypten mit einem Zug nach Westen. Gleichzeitig rufen sie den byzantinischen Kaiser um Hilfe, aber Basileios II. folgt dem Friedensvertrag mit Kairo/al-Qahira, so dass ägyptische Truppen die Gegenangriffe gegen die betroffenen Gebiete aufbauen können (S.184).

1025 ca.
Libanon: Tod des Drusenchefideologen Hamza al-Labbad - Nachfolger Baha’ ad-din al Muqtana
Er führt von Alexandrien die Werbung für die Drusen-Lehre weiter, währenddem die Verfolgungen gegen die Drusen weitergehen (S.183).

1027
Jerusalem: Kalif az-Zahir erlaubt den Wiederaufbau der Grabeskirche
Afrikakalif az-Zahir gibt die Erlaubnis zum Wiederaufbau der Grabeskirche in Jerusalem.
Zudem gestattet er den ehemals christlichen Hofbeamten, die unter Zwang zum muslimischen Glauben konvertieren mussten, die Rückkehr zum christlichen Glauben mit Berufung auf Koranvers 2,256: "Es gibt keinen Zwang in der Religion", obwohl das islamische Recht den Abfall vom Islam mit dem Tod bedroht (S.179).

1029
Palästina-Syrien: Ägyptische Niederschlagung des Beduinenaufstandes
Ägyptische Truppen unter dem türkischen Gouverneur von Damaskus, Anustekin, können die Koalition der aufständischen Beduinenstämme Kilab, Kalb und Tayyi’ zerschlagen (S.184).

1030
Jerusalem: Ein erneuter Versuch von Byzanz, Jerusalem zu erobern, scheitert.
(S.192)

ab 1030
Persien: Turkmeneninvasion in Iran mit Häuptlingsfamilie der Seldschuken mit Stammvater Selcuk
Die Seldschuken/Turkmenen besetzen in wenigen Jahren ganz Zentralasien und Ostiran (S.186).

ab 1030 ca.
Sizilien, Ifriqiya: Abnehmender Einfluss Kairos/al-Qahiras auf Sizilien und Nordafrika
Der Einfluss des Kairoer Kalifen wird schwächer, was sowohl den Emir von Palermo wie auch den Kontakt zu den Emiren im Maghreb betrifft, die jeweils ihre Einsetzungsurkunden gegen Geschenke und Geld erhalten.
Der Vizekönig des Maghreb, der Ziride al-Mu ‘izz b. Badis mit Residenz in Kairuan (heute Tunesien) kann u.a. in Sizilien einen Emir eigener Wahl gegen den Willen des ägyptischen Kalifen durchsetzen (S.185).

1031
Spanien: Ende des Kalifats in Córdoba
(S.185)

1033-1034
Jerusalem bekommt eine neue Ringmauer aus Kirchen- und Klostersteinen
Afrikakalif al-Zahir lässt um das byzantinische Hauptziel Jerusalem eine Ringmauer bauen. Dazu lässt er Kirchen und Klöster abreissen.

Parallel dazu erfolgen neue Verhandlungen mit Byzanz mit Kaiser Romanos III. Argyros und Michael IV., die sich 1038 hinziehen. Byzantinische Forderungen sind:

-- Beibehalten der Lehenshoheit über Aleppo
-- direkte Einflussmöglichkeit auf Jerusalem und die Hoheit, den dortigen Patriarchen zu ernennen
-- Erlaubnis zum Aufbau der Grabeskirche, die mit Hilfe von Byzanz wieder aufgebaut werden könnte
-- Wiederaufbau der anderen von Kalif az-Zahir zerstörten Kirchen
-- Einstellen der Plünderungszüge des Emirs von Palermo im byzantinischen Kaliabrien und Apulien (S.184).

1036-1094Kairo: Afrikanisches Kalifat al-Mustansir
(S.183)

1038
Ägypten-Byzanz: Friedensvertrag auf 30 Jahre
(S.184)

Persien: Turkmenischer Eroberungsplan von Togrilbeg
Togrilbeg, der Seldschukenführer, lässt sich jetzt bereits als "Sultan" anreden und kündigt die Vernichtung des fatimidisch-ägyptischen Kalifats an (186). Ausserdem verkündigt er die Eroberung Mekkas und Medinas (S.187).

Ägyptisches Bündnis mit Jemen
Ein ismailitischer Missionar reisst in Jemen die Herrschaft an sich und begründet die Dynastie der "Sulayhiden" von Sanaa (San ‘a’). Jemen bewährt sich in der Folge als Bündnispartner des ägyptischen Kalifen (S.187).

ab 1038
Ägypten/Palästina: Rücknahme des Terrors gegen Christen im ägyptischen Imperium: Wiederaufbau der Grabeskirche in Jerusalem - Rücknahme diskriminierender Gesetze
Die Grabeskirche in Jerusalem wird mittels Planung von byzantinisch- griechischen Architekten wieder aufgebaut. Die Christen in Syrien und Ägypten erhalten die Toleranz zurück, die von Kalif al-Hakim eingeschränkt worden war (S.184).

1043
Libanon: Drusische Lehre wird Geheimlehre
Drusenführer Baha’ ad-din al-Muqtana stellt unter dem Druck der Verfolgung die Drusenmission ein. Die Lehre wird zu einer Geheimreligion für "Eingeweihte", die nur in den Gebirgsklausen gelehrt wird. Die grosse Masse der "Unwissenden" bleibt von der Lehre bis in die 1980er Jahre ausgeschlossen (S.183).

1048
Ägypten-Byzanz: Erneuerung des 30-jährigen Friedens
auch wenn noch gar nicht 30 Jahre vergangen sind (S.184).

Ende der Regierung der "Ziriden" in Maghreb
(S.172)

ab 1048 ca.
Ifriqiya: Unabhängigkeitsbestrebungen in Kairuan
Der Vizekönig des Maghreb strebt die Unabhängigkeit von Kairo an (S.185).

1051
Ifriqiya: Unabhängigkeitserklärung des Maghreb von Ägypten - Huldigung Bagdads
Der Vizekönig, der Ziride al-Mu ‘izz b. Badis, lässt den Bagdader Kalifen al-Qa ‘im im Freitagsgebet huldigen und erhält zusätzlich noch ein Bestallungsdiplom aus Bagdad (S.185).

ab 1051
Ägyptens Reaktion auf die Unabhängigkeit des Ifriqiyas: Beduinenvertreibungen
Das Kalifat Ägypten reagiert auf die Unabhängigkeit des Maghreb mit Anstiftung "lästiger" Beduinenstämme aus Nubien zu Raubzügen im Maghreb: die Banu Hilal und Banu Sulaym. Sie ziehen plündernd durch den Maghreb und sollen so Nordafrika destabilisieren. Plünderung von Barka (S.185).

Ifriqiya: Arabisierung der Berber-Kultur Nordafrikas durch die Beduinenstämme
Nordafrika wird mit den Beduinenplünderungen mehr und mehr arabisiert und die Siedlungs- und Wandergebiete der Maghreb immer mehr eingeschränkt. Die Kirchen und Bistümer in den Berberstädten weichen rasch dem Islam. Ab diesem Zeitpunkt hören die lateinischen Inschriften in Grabsteinen auf Friedhöfen in Nordafrika auf (S.186).

1053
Ifriqiya: Bistumssterben in Nordafrika
Von den 47 Bistümern in Nordafrika existieren noch fünf. Der vulgärlateinische Dialekt Afrika schwindet rapid und hält sich nur noch in abgelegenen Oasen, z.B. Gafsa (Qafsa) (S.186).

um 1053
Ägypten: Weitere Beduinenvertreibungen Ägyptens gegen die Cyrenaika
Ägyptens Kalifat treibt die Beduinen der Banu Qurra westlich des Nildeltas in die Cyrenaika, um dort zu plündern. Das Kalifat selbst siedelt die Tayyi’-Clans aus Palästina und dem Sinai anstelle der entfernten Banu-Quarra-Beduinen westlich des Nildeltas an (S.185).

1054
Ägypten: Hungersnot - Byzanz unter Kaiser Konstantin IX. Monomachos hilft Ägypten mit Getreidelieferungen
(S.185)

Ifriqiya: Die beduinischen Stämme aus Nubien und Ägypten belagern die Maghreb-Hauptstadt Kairuan
(S.185)

1055
Byzanz: Kaiserin-Nachfolgerin von Byzanz, Theodora, verlangt von Ägypten die Beteiligung an einem Militärbündnis
quasi als Gegenleistung für die Hungerhilfe von 1054. Ägypten verweigert jedoch das Militärbündnis und der Friede zwischen Byzanz und Ägypten geht in die Brüche (S.185).

18.12.1055
Bagdad: Togrilbeg wird offiziell als Bagdader Sultan anerkannt - umworbener al-Basasiri
Nach der Anerkennung Togrilbegs als Sultan scharen sich schiitische und anti-seldschukische Kräfte um den türkischen Offizier Arslan al-Basasiri, der mittels ägyptischer Waffen und Gelder Unruhen um den Bagdader Kalifenhof schürt.

In der Folge muss Togrilbeg vorübergehend Bagdad verlassen (S.187).

ab 1055
Ägypten-Byzanz: Neue Kriege - wieder Kirchenraub in Jerusalem
Die Kämpfe in Nordsyrien zwischen Byzanz und Ägypten flammen erneut auf. Afrikakalif al-Mustansir lässt u.a. die neue Grabeskirche in Jerusalem ausrauben (S.185).

1057
Ifriqiya: Der Vizekönig des Maghreb gibt Kairuan auf und zieht in die Seefestung Mahdiyya.
(S.185)

Dez 1058
Ägyptische Besetzung von Bagdad
Al-Basasiri zieht in Bagdad ein, lässt die abbasidischen schwarzen Fahnen einziehen und lässt ägyptisch-fatimidische weisse Fahnen hiessen. Dem Kalifen al-Mustansir in Kairo wird im Bagdader Freitagsgebet gehuldigt. Die Amtskleidung des abbasidischen Kalifen, ein schwarzer Mantel mit schwarzem Turban, wird als Beweis der Besetzung Bagdads nach Kairo gesandt (S.187).

ab 1058 ca.
Ägyptische Agententätigkeit im Iran und Indien
Überall im seldschukischen Iran wirken die Missionar-Agenten von Kalif al-Mustansir, bis in die Hochtäler des Hindukusch, Pamir, und Nordwest-Indiens (S.187).

1059
Ägypten: Höhepunkt der Macht: von Bagdad bis zur Cyrenaika
Ägypten befindet sich auf dem Höhepunkt seiner imperialen Ausdehnung.
Ägyptens Heerführer Al-Basasiri erhält von Ägypten aber keine Unterstützung, obwohl er ganz Mesopotamien regiert. Kalif al-Mustansir scheint ihm zu misstrauen, oder der Nachschub wird auf der Transportlinie unterbrochen (S.187).

1060
Bagdad: Seldschukenführer Togrilbeg zieht wieder in Bagdad ein
Al-Basasiri muss aus Bagdad abziehen. Es folgt eine grosse Seldschukeninvasion in Syrien und in Hedschas (S.187).

ab 1061 ca.
Unruhen in Ägypten nach der Niederlage in Bagdad
Türkische und berbische Truppen verbünden sich gegen die "schwarzen Garden" des ägyptischen Hofs. Es kommt zu Schlachten vor den Toren Kairos (S.188).

Italienische Seerepubliken in Palästina
Die italienischen Seerepubliken besitzen ein Kloster mit Hospital und Kirche in Jerusalem, das "Santa Maria de Latina" (S.190).

1062
Maghreb kommt wieder unter ägyptische Kontrolle
Der Maghreb-Herrscher Tamim b. al-Mu ‘izz kommt vorübergehend wieder unter ägyptische Hoheit (S.187).

ab 1065 ca.
Waffenstillstand zwischen Ägypten und Byzanz
(S.185)

ab 1065
Wiederholte niedrige Nilhöhen - Hungersnot in Ägypten
Wiederholte unzureichende Nilhöhen haben Hunger und Teuerung in Ägypten zur Folge. Zusätzlich brechen Seuchen aus. Dazu kommen die laufend sich erhöhenden Kosten der Armee. Die alljährlichen Getreidelieferungen an die heiligen Stätten Mekka und Medina müssen unterbleiben (S.188).

1068
Finanzkrise in Ägypten - Eingriff in die Reserven
Weil das ägyptische Heer jährlich 400’000 Dinar verschlingt, muss das Kalifat die Staatsschätze angreifen und u.a. 7 mudd (= 126 Liter) Smaragde verkaufen, was ca. 300’000 Dinar entspricht (S.191).

Zahlungsunfähigkeit Ägyptens
Der Afrikakalif al-Mustansir gibt öffentlich die Zahlungsunfähigkeit des ägyptischen Imperiums bekannt.
Der Scherif von Mekka sucht in der Folge einen neuen Schutzherrn und bekommt sofort Kontakt zum Seldschukensultan Togrilbeg (S.188).

1069
Eröffnung einer ägyptischen Gesandtschaft in Byzanz
(S.185)

1070
Das Kalifat Kairo verliert seine Anerkennung in Mekka und im Nildelta
Der Scherif von Mekka anerkennt den Kalif in Bagdad wieder als "rechtmässigen Kalifen" an.
Auch in Alexandrien, Damiette und anderen Städten des Nildeltas lässt die Generalität Ägyptens den Abbasidenkalifen von Bagdad im Freitagsgebet huldigen.
Der palästinensische Küstenstreifen mit Akkon und Skalon kann sich unter dem Mamlukken-Offizier Badr al-Gamali weiter ägyptisch behaupten (S.188).


Berberrückzug vor arabischen Beduinen in Nordafrika - Turkmenenexpansion in Anatolien und Syrien bis Jerusalem - eingekesseltes Kairo rettet sich durch Diktatur unter Badr - dauernde Instabilität in Ägypten nach Badrs Tod - Gelegenheit für Kreuzzüge mit Hilfe italienischer Seerepubliken - ägyptischer und syrischer Festungsbau - Expansion Aleppos gegen Bagdad und Beginn des "heiligen Krieges" gegen die Christen

Zusammenfassung
Die Berber ziehen sich gegen die arabischen Beduinen völlig zurück. Das Vulgärlatein stirbt aus, während von Bagdad aus die Turkmenen Anatolien und Syrien mitsamt Jerusalem besetzen und Kairo einkesseln, das nur durch eine Militärdiktatur unter Badr dem Untergang entgeht. Da die muslimische Welt nach dem Tod des Diktators nicht an Stabilität gewinnt, ist die Gelegenheit für christliche Einfälle günstig. Die italienischen Republiken helfen mit ihren Schiffen willig der Kirche und bekommen dafür jedwelche Handels- und Rechtsprivilegien zugestanden, während das muslimische Lager weiter uneinheitlich bleibt und Ägyptens Handel wieder einen gewissen Luxus erarbeitet. Christliche Besetzungen durch "Kreuzzüge" reichen bis Beirut und Sidon, während in Kairo der Hof um Kinderkalifen streitet. Aleppo erstarkt, kann Bagdad besetzen und ruft den "heiligen Krieg" gegen die Christen aus. Die muslimische Besetzung Edessas wollen die christlichen Heere mit der Besetzung von Damaskus rächen, was jedoch kläglich scheitert. Gleichzeitig drängen die italienischen Republiken den Papst immer mehr, Ägypten zu besetzen, da dort die "entscheidende" finanzielle Quelle der muslimischen Welt zerstört werden könne. Dabei geht es den Italienern nur um noch mehr Handelsprofit. Ägypten selbst ist so schwach, dass christliche und byzantinische Einflüsse die Emir-Wahlen bestimmen, die die Kinderkalifate vertreten müssen.

Chronologie (Fortsetzung)

ab 1070 ca.
Rückzug der Berber vor der Arabisierung
Die Berber ziehen sich vor den plündernden Beduinen nach und nach ins Gebirge zurück, um den Gabal Nafusa in Tripolitanien, den Awras, den Hutna, die Kabyleien im heutigen Algerien und die Atlasketten des heutigen Marokko (S.186).

1071
Syrien: Aleppo wird seldschukisch
Aleppo unterwirft sich dem Seldschukensultan Alp Arslan als dem neuen "Beschützer des rechtmässigen Kalifen" (S.187).

19.8.1071
Anatonlien: Seldschukischer Sieg gegen Byzanz - beginnende "Islamisierung" Anatoliens
Sieg des Seldschukenheeres gegen das byzantinische Heer unter Kaiser Romanos IV. Diogenes beim armenischen Ort Mantzikert nördlich des Van-Sees.

Damit ist das griechisch-kleinasiatische Gebiet der folgenden islamischen Besetzung und der "Islamisierung" ausgeliefert (S.187).

ab 1071
Jerusalem kommt ab dem Feldzug des türkischen Offiziers Atsiz unter die Gewalt des Emirs von Damaskus
(S.194)

1072 ca.
Jerusalem: Abbasidisch-seldschukischer Vorstoss und Besetzung Jerusalems
Von Aleppo aus stösst Heerführer Alp Arslans mit seldschukischen bagdadtreuen Truppen weit nach Süden vor und kann Ramla und Jerusalem besetzen. Damaskus wird belagert (S.187).

1072
Kairo: Abbasidische Besetzung Der Fatimidenkalif al-Mustansir wird in seinem Palast eingekesselt (S.188).

ab 1072 ca.
Grosse Aufstandsbewegung gegen das Fatimidenkalifat in Alexandrien
-- arabische Stämme plündern Nubien aus
-- Aufstand des Luweta-Stammes im Nildelta (S.188).

1073
Kairo: Kalif Al-Mustansir holt Offizier Badr al-Gamali aus Palästina
Afrikakalif al-Mustansir lässt den Mamlukkenoffizier Badr al-Gamali mit einer Truppe meist armenischer Söldner aus Palästina nach Damiette befehlen (S.188).

Jan 1074
Kairo: Rettung durch Offizier Badr aus Palästina
Nach der Ankunft der Söldnertruppe von Offizier Badr aus Palästina in Kairo lässt der Kalif die berberischen und türkischen Truppen in Ägypten auflösen und durch die zumeist armenischen Söldner ersetzen. Badr al-Gamali wird neuer Wesir und erhält den Auftrag, Ägypten aus der Krise zu führen (S.188). Badr al-Gamali etabliert in Ägypten eine Militärdiktatur (S.191).

1074-1077
Ägypten: Die Feldzüge von Wesir Badr zur "Befriedung" Ägyptens
Wesir Badr al-Gamali und seine vorwiegend armenischen Söldnertruppen unternehmen Feldzüge zur "Befriedung" Ägyptens:
-- Erstürmung des rebellischen Alexandrien
-- Besiegung des aufständischen Berberstamms der Luweta im Nildelta
-- Besiegung der arabischen Stämme, die Oberägypten/Nubien ausplündern (S.188).

1076
Damaskus fällt unter die Regierung Bagdads - Askalon und Akkon bleiben ägyptisch
Damaskus ergibt sich den abbasidisch-seldschukischen Belagerungstruppen. Syrien fällt in die Souveränität Bagdads, ebenso Tyros (Sur). Einzig Askalon (‘Asqalan) und Akkon bleiben noch in ägyptischer Hand, unter dem turkmenischen Offizier Badr al-Gamali (S.187-188).

Feb 1077
Ägypten besiegt abbasidisches-türkisches Seldschukenheer
Sieg der Söldnertruppen von Wesir Badr al-Gamali im Nildelta gegen das abbasidische Seldschukenheer unter dem türkischen Heerführer Atsiz, des abbasitischen Statthalters von Damaskus (S.188).

ab 1077
Wirtschaftliche Erholung Ägyptens mit Erlassung der harag-Steuer für drei Jahre
(S.188)

1087
Kairo: Bau einer neuen Stadtmauer um Kairo/al-Qahira
mit den Stadttoren Bab Zuwayla im Süden und Bab an-Nasr sowie Bab al-Futuh im Norden (S.188).

1092
Bagdad: Ermordung des seldschukischen Wesirs Nizam al-Mulk
durch ismailitische Agenten des ägyptischen Kalifenhofs (S.192).

1094
Kairo: Tod des Militärdikatators und Wesirs Badr al-Gamali - Nachfolger Sohn al-Afdal
(S.191)

Dez. 1094
Kairo: Tod des Kalifen al-Mustansir - Nachfolger Sohn Nizar - Krieg des Wesirs gegen den Tronfolger
Nizar lässt sich in Alexandrien zum Kalifen ausrufen, gestützt auf die arabischen Stämme im Nildelta. Seine Stammestruppen werden von Truppen des Wesirsohnes al-Afdat besiegt. Tronfolger Nizar wird eingekerkert (S.191).

Anfang 1095 ca.
Kairo: Wesir al-Afdal lässt Tronfolger Nizar heimlich umbringen und setzt die Erhebung des jüngeren Prinzen Ahmad al-Musta ‘li durch - "Nizaristen"-Abspaltung
Mit diesem Schritt hat Wesir al-Afdat gegen die heiligen Nachfolgegesetze der ismailitischen Imamatslehre verstossen. Die Spaltung der ismailitischen Anhänger in Ägypten ist unausweichlich. Ein Teil hält an einem Kalifat und Imamat Nizars fest und behauptet unter dem Propagandisten und Missionar Hasan-i Sabbah, Nizar sei nur entrückt und werde bald wieder erscheinen. Diese Behauptung ist möglich, weil niemand den Tod Nizars beobachten konnte.

Die "Nizaristen" wandern aus, nehmen die persische Burg Alamut südlich des kaspischen Meeres als Sitz (S.191) und verüben von dort aus politische Anschläge und Attentate auf sunnitische, fatimidische und christliche Herrscher und Institutionen. Die Attentäter, die in Iran, Syrien und Ägypten operieren, nennen sich die "sich Opfernden" ("fida ‘iyyun") und werden von den Kreuzfahrern "assassini" genannt (S.192).

ab 1095 ca.
Ägypten: Reformen zur Wiedererstarkung
Reform im Münzwesen und Steuerwesen sowie der Finanzverwaltung (S.194). Wesir al-Afdal setzt das "Werk" seines Vaters fort. Die Reformen geben Ägypten wieder ökonomischen Wohlstand (S.195).

ab 1096 ca.
Jerusalem: Belagerung durch fatimidisch-ägyptische Truppen
(S.194)

Persien: Nizaristen zerstören die ägyptisch-fatimidische Mission in Iran
Die nizaritische Terrorgruppe der persischen Burg Alamut zerstört die Mission der ägyptischen Fatimiden in Iran. Das ägyptische Kalifat kann keine innere Manipulation mehr gegen die Seldschuken und Abbasiden in Bagdad mehr betreiben (S.192).

1096
Italien: Geldgier von Genua, Pisa und Venedig als Mitverursacher der Kreuzzüge
Die italienischen Handelsstädte Genua, Pisa und Venedig mit ihren mächtigen Patriziern sind Mitinitianten der Kreuzzüge. Sie hoffen auf vermehrte Handelsstationen auf den Ost-West-Handelsrouten und Profite (S.211).

Ohne die Flotten dieser Städte wären die Kreuzzüge gar nicht durchführbar. Die Benutzung der Flotten lassen sich die Städte mit königlichen Privilegien in Palästina, Syrien oder Ägypten bezahlen, so dass ihnen Handelsprofite so gut wie sicher sind (S.211).

ab Juni 1098
Europäisch-"christliche" Invasion in Palästina
Weder der byzantinische Kaiser noch die seldschukischen Truppen noch die syrischen Emire können oder wollen die Kreuzfahrer an der Besetzung palästinensischen Gebietes hindern (S.194).

Juni 1098
Christliche Besetzung Antiochiens
(S.194)

Ende Juni 1098 ca.
Christliche Besetzung Ramlas
(S.194)

Sep 1098
Jerusalem wird nach der erfolgreichen jahrelangen Belagerung durch fatimidisch- ägyptische Truppen besetzt
(S.194)

1098-1099
Erste christliche Invasion in Palästina (erster Kreuzzug)
Christliche Besetzung der syrischen Küste und Palästinas. Christliche Invasion in Syrien stösst auf keinen koordinierten Widerstand (S.192).

ab 1098
Italien-Ägypten: Erhöhter Handel der italienischen Seestaaten mit Holz und Pech
Während der Kreuzzüge nehmen die Pech- und Holzlieferungen der Reeder der italienischen Seerepubliken zu. Neben Amalfi und Genua sind nun auch Pisa und Venedig in den Büchern Ägyptens verzeichnet. Die Kriegsprofite bleiben lukrativ und das Risiko einer Kaperung oder Bestrafung durch Byzanz oder Rom scheint minimal (S.190).

15.7.1099
Jerusalem: Besetzung durch christliche Kreuzfahrerheere
durch Erstürmung gegen eine schwache fatimidische Garnison (S.194). Die europäisch-christlichen Besetzer vertreiben die muslimische Herrschaft.
Erst jetzt, wo die Stadt christlich regiert wird, rückt die "Heiligkeit" der Stadt für den Islam wieder ins allgemeine muslimische Bewusstsein. (S.192).

Ende 1099 ca.
Palästina: Ägyptische Reaktion auf die christliche Invasion kommt zu spät - ägyptische Truppen werden zerschlagen
Erst jetzt reagiert Ägyptens Wesir al-Afdal und lässt bei Askalon Truppen zusammenziehen, die von den christlichen Truppen aus Europa aber sofort angegriffen und auseinandergetrieben werden, bevor sie zum Angriff gegen die Europäer starten können (S.194).

ab 1099
Kreuzzugszeit: keine Annäherung zwischen Christentum und Islam in Palästina
Zwischen den beiden Religionen kommt es zu keiner Annäherung. Kirche und Ritterorden verhindern die geistige Auseinandersetzung mit dem Islam mittels Feindbildern und Propaganda. Übersetzungen und Wissensvermittlung findet in den Kreuzfahrerstaaten kaum statt (S.214).

1100
Venedigs Profit in Palästina: zu erobernde Städte bestimmten - bei Steuerfreiheiten
Venedig entsendet eine Flotte von 200 Schiffen nach Jaffa und handelt mit Gottfried von Bouillon dafür einen Drittel aller noch zu erobernden Städte und völlige Abgabenfreiheit aus (S.211).

ab 1100
Kreuzfahrerstaaten: Privilegien und Handel mit dem "Feind"

Die eigenen Quartiere der italienischen Städte
-- haben ein eigenes Oberhaupt, it. vicecomes/bailus/consul-- haben eigene Justiz, Richter und Gerichte
-- haben eigene Masse und Gewichte
-- haben eigene Faktoreien
-- haben eigene Kirchen, Bad und Bäckereien.

In der Folge quellen die italienischen Quartiere über vor Reichtum und wecken Gelüste von Feudalherren. Gleichzeitig können die italienischen Städtestaaten ihre Unabhängigkeit in Europa festigen und mit Neubauten Macht präsentieren wie zum Beispiel in Pisa der Dom, das Baptisterium und der Campanile im 12.Jh. Gleiches gilt für die französischen Städte oder Barcelona. Die Kirchenfassade von St-Gilles (1140) wird mit Profitgeldern aus dem Ost-West-Handel bezahlt (S.211).

Italienische Seefahrerstaaten: Handel mit dem Feind - Unterhöhlung der eigenen Existenz
Der Handel mit dem Feind ist nur während entscheidender Kreuzzüge verboten.
Das allgemeine gegen Ägypten ausgesprochene Eisen-, Holz- und Pech-Embargo (Kriegsmaterial für Schiffbau) der Kirchenkonzile wird nie befolgt und der Profit munter weiter eingestrichen. Brandmarkungen vom byzantinischen Kaiser, vom König von Jerusalem und vom König von Aragón und Vorwürfe des "Verrats an der Christenheit" und Drohungen mit Strafen, Exkommunikationen, Interdikten, Kaperungen und Folterhaft nützen nichts (S.212).

Muslimischer Profit am Handel mit dem christlichen "Feind"
Der Handel ist derart verdächtig, dass Salah ad-din Yusuf/Saladin sich gegenüber dem Kalifen in Bagdad rechtfertigen muss. Der Hinweis auf Lieferungen von Eisen, Holz und Pech genügt (S.212).

Ägypten feiert seinen Luxus
Ägypten ist in starkem ökonomischen Wachstum und feiert den Luxus mit rauschenden Festen und Raffgier am Kalifenhof. Da keine imperialistische Kriegspolitik betrieben werden kann, konzentriert sich der Reichtum in Ägypten. Wesir al-Afdal kann unglaublich viele Schätze horten (S.195).

Ägypten-Pisa, Genua, Venedig: dauernde Blockaden und Schikanen
Für die italienischen Seefahrerstädte kommt es immer wieder zu lästigen und kostspieligen Schickanen in Damiette. Nach dem Einlaufen müssen die Kapitäne die Steuerruder und Lateinerrah der Galeeren den Hafenmeistern abgeben, bis sie die Erlaubnis zum Auslaufen erhalten (S.213). In der Liegezeit kann es bei neuen Kriegen zwischen Ägypten und Europa zu Blockaden des Auslaufens kommen (S.213-214). Die Kaufleute werden als Geisel interniert, eventuell die eingekauften Waren beschlagnahmt (S.214).

Ägypten/Syrien: Ausbau der muslimischen Befestigungsanlagen
Ab dem ersten Kreuzzug werden die arabischen Befestigungsanlagen unter grossem technischen Aufwand ausgebaut und erneuert, in Syrien mit hochentwickeltem Steinquaderbau: Stadtmauern, Tore, Zitadellen (S.201).

Syrien-Europa: Handel über fränkische Häfen
-- Verbindungen von Hamah und Hims mit Tortosa und Tripolis
-- Verbindung von Damaskus mit Beirut, Tyros und Akkon (S.213).

In Damaskus wird vor allem Seide, Brokatstoff und Stahl gehandelt. Akkon entwickelt sich zum Hauptumschlagplatz und Bankenzentrum zwischen Palästina und ganz Europa, neben den italienischen Seefahrerstädten Genua, Pisa, Venedig und Ancona auch für französische Städte wie Marseille, St-Gilles, Aigues Mortes, Montpellier und Narbonne sowie für das aufsteigende Barcelona (S.213).

ab 1100-1497
Ägypten-Europa: Die Herrschaft über die Asien-Handelsroute
Die Umladestationen:
in Aden von grosse auf kleine Schiffe, bis al-Farama/Pelusium in einem kleinen Suez-Kanal,

oder
bis ‘Aydab, dann Umladen auf Kamele, durch die Wüste an den Nil nach Qus/Kus/ Apollinopolis Parva, von dort auf Nilschiffen bis Alexandrien.

Haupthafen des Indienhandels bleibt Alexandrien, das vom Bischof und Chronisten Wilhelm von Tyrus als "forum publicum utrique orbi"/"Markt beider Welten" bezeichnet wird (S.213).

ab 12. Jh.
Ägypten: Karimi-Kaufleute kontrollieren den Transithandel
Die sogenannten Karimi-Kaufleute kontrollieren den ägyptischen Transithandel und sind durch einen besonders niedrigen Steuersatz von 2,5 % privilegiert (S.249).

1101
Ägypten: Kinderkalif: Intronisierung des 5-jährigen Kalifen al-Amir unter Wesir al-Afdal b. Badr al-Gamali
(S.194)

Beginnende Expansion der Europäer in Palästina - keine muslimische Abwehr
Europäisch-christliche Besetzung von Haifa und Caesarea. Es folgen Belagerungen weiterer Städte.
Die muslimische Welt bringt keine gemeinsame Abwehr der europäisch-christlichen Invasion zustande. Ägyptische Fatimiden und sunnitische Emir der Abbasiden in Bagdad können sich nicht einigen.
Die muslimische Geschichtsschreibung, darunter vor allem die sunnitischen Propagandisten aus Bagdad, beschuldigt die ägyptischen Fatimiden der Untätigkeit und des Verrats, obwohl auch die sunnitischen Emire kaum etwas gegen die "Kreuzfahrer" unternommen haben (S.194).

ab 1102
Tripolis: Europäisch-christliche Belagerung von Tripolis
(S.194)

1104
Palästina: Europäisch-christliche Besetzung von Akkon
In ägyptischer Hand aber bleiben Gaza, Askalon, Tyros, Sidon und Beirut (S.194).

Königreich Jerusalem-Genua: Genuas Profit
König Balduin von Jerusalem verleiht Genua je ein Drittel der palästinensischen Häfen Arsuf, Caesarea und Akkon und einen Drittel der Zolleinnahmen von Akkon sowie ein eigenes Stadtviertel in Jerusalem und Jaffa (S.211).

1108
Palästina-Pisa: Vergabe von Stadtvierteln und Steuerfreiheit
Der Normanne Tankred verleiht an Pisa diverse Stadtviertel in Antiochien und Latakia und garantiert ihnen "freie Hand" im ganzen Fürstentum (S.211).

Juli 1109
Tripolis: Europäisch-christliche Besetzung
(S.194)

Juli 1110
Europäisch-christliche Erstürmung Beiruts. Gleichzeitig will eine ägyptische Flotte der Stadt Sidon zu Hilfe eilen
(S.194)

Ende 1110 ca.
Europäisch-christliche Besetzung Sidons, die ägyptische Flotte kann nicht mehr eingreifen
(S.194)

1112 ca.Förderung der Astronomie in Ägypten
Wesir al-Afdal installiert auf einem Ausläufer des Muqattam südöstlich von Kairo "eine Kugel" zur Beobachtung der Gestirne und kann damit das erste Observatorium Ägyptens verwirklichen (S.180).

ab 1112 ca.
"modus vivendi" zwischen Muslimen und Christen in Palästina
Die syrischen Emire des Binnenlandes in Damaskus und Hims schliessen mit den europäischen Christenfürsten Verträge im Sinne eines "modus vivendi" ab. Ein solcher "modus vivendi" ist notwendig, weil die europäischen Franken die Hafenstädte unter Kontrolle haben (S.194).

1121
Kairo: Mord an Wesir al-Afdal b. Badr al-Gamali
Kalif al-Amir lässt seinen Wesir al-Afdal b. Badr al-Gamali meuchlings ermorden. Sein Besitz wird beschlagnahmt, wobei allein an Bargeld 12 Millionen Dinar und 50 Artaben (=9900 Liter) Silberdirhams zum Vorschein kommen (S.191).

1123
Schliessung des "Hauses der Wissenschaft" in Kairo/al-Qahira
Das "Haus der Wissenschaft" in Kairo/al-Qahira wird von Wesir al-Afdal wegen angeblicher Ketzereien geschlossen (S.180).

1124
Europäisch-christliche Besetzung von Tyros - erste christliche Fürstentümer in Palästina
Es etablieren sich verschiedene europäisch-christliche Fürstentümer:
-- Grafschaft Edessa am oberen Euphrat
-- normannisches Fürstentum Antiochien
-- Grafschaft Tripolis unter den Grafen von Toulouse
-- Königreich Jerusalem unter dem lothringischen Haus Bouillon (S.194).

1130
Kairo: Tod von Kalif al-Amir durch einen Nizariden/Assassinen-Anschlag - kein Sohn als Nachfolger - Vetter al-Hafiz übernimmt die Regentschaft
Mit dem Vetter al-Hafiz als ägyptischen Kalif spaltet sich die ismailitische Glaubensgemeinde erneut. Obwohl der Vetter den Imam- und Kalifentitel übernimmt, brechen dauernd Unruhen aus. Minister, Statthalter und Generäle bekämpfen sich jahrelang in Strassenschlachten (S.192, 195).

ab 1130
Kairo: Spaltung der Ismailiten - Verehrung eines angeblich entrückten Sohnes al-Tayyib
Die abgespaltene Glaubensgruppe der Ismailiten in Ägypten, die Vetter al-Hafiz nicht als neuen Imam anerkennen will, huldigt einem angeblich entrückten Sohn des verstorbenen Kalifen al-Amir: dem Sohn at-Tayyib.

In der Folge schliesst sich die Sulayhiden-Dynastie in Jemen dieser kleinen Gruppe um den angeblich entrückten Sohn at-Tayyib an und kündigt damit dem Kalifenvetter al-Hafiz die Gefolgschaft. Ägypten scheint durch Spaltungen sehr bedroht (S.195).

Armenisch-christliche Zuwanderung in Ägypten
Ein Wesir von al-Hafiz, Bahram, ein armenischer Christ, holt Tausende seiner Landsleute nach Kairo/al-Qahira. Die Kirchen und Klöster der Armenier wachsen derart an, dass sie die dominierende christliche Position der Kopten Ägyptens in Frage stellen (S.196).

1136 ca.
Richterdiskussion in Ägypten: sunnitische gegen ismailitische Richter
Ein Wesir des afrikanischen Kalifen al-Hafiz setzt neben dem ismailitischen Oberqadi einen zwölferschiitischen/imamitischen und zwei sunnitische Richter ein. Die Folge sind sich bekämpfende ismailitische und sunnitische Gruppen und ein Dauerstreit um das Recht (S.196).

1138 (?)
Mesopotamien: Geburt von Salah ad-din Yusuf b. Ayyub/Saladin
in Takrit am Tigris, Kurde. Der Vater aus Dvin bei Eriwan ist Söldner in den muslimischen Heeren von Bagdad. Der Vater Ayyubb bringt es im Kalifenheer bis zum Festungskommandanten der Stadt Takrit am Tigris (S.200).

1140 ca.
Vollendung der Arabisierung Nordafrikas: Vulgärlatein-Dialekt stirbt aus
Aussterben des afrikanisch-vulgärlateinischen Dialekts in den abgelegenen Oasen Nordafrikas. Auch die letzten Flecken Nordafrikas sind "arabisiert" worden (S.186).

"modus vivendi" in Palästina
Der arabische Burgherr Usama b.Mungid von der Burg Sayzar am Orontes-Fluss pflegt den "modus vivendi" mit den europäisch-christlichen Invasoren und erwähnt diesen auch in seiner Autobiographie (S.194).

Aleppo: Emir Zengi propagiert den "Heiligen Krieg" und die Führerschaft gegen die Christen
Emir Zengi von Aleppo propagiert den "heiligen Krieg" ("gihad") gegen die europäisch-christlichen Invasoren in Palästina. Zengi beansprucht gleichzeitig die Herrschaft über ganz Syrien mit dem Argument, nur nach einer Einigung der Muslime werde man den "christlichen" Feind erfolgreich bekämpfen können (S.196).

ab 1140 ca.
Aleppos Bezahlungssystem für Söldner: Lehensvergaben
Die Soldbezahlung erfolgt durch Lehensvergabe (iqta’, "Zuteilung"). Die Soldaten dürfen auf dem Lehen selber Steuern erheben und müssen sich davon das Geld für Lebensunterhalt, Ausrüstung und den Kauf von Militärsklaven aufbringen.

In der Folge ist Aleppo viele Sorgen um den Einzug von Steuern los, muss aber auch die Schmälerung der Einnahmen hinnehmen.

Zudem entwickelt sich eine Tendenz zur Erblichkeit der Lehen, die staatspolitisch sehr bedenklich ist (S.196).

Aleppos Expansion gegen Bagdad
Aleppo kann das ganze nördliche Mesopotamien besetzen. Emir Zengi setzt in Mossul einen seiner Brüder ein. Damit hat Aleppo Zugang zu den typischen Söldnervölkern des Ostens und kann seine Armeen wieder verstärken:
-- mit arabischen Beduinen der Giazira
-- mit iranisch sprechenden Kurden der Bergländer am oberen Tigris
-- mit Turkmenen/Seldschuken von den Hochtälern Aserbeidschans und Armeniens (S.196).

Aleppos Bezahlungssystem für Söldner: Lehensvergaben
Die Soldbezahlung erfolgt durch Lehensvergabe (iqta’, "Zuteilung"). Die Soldaten dürfen auf dem Lehen selber Steuern erheben und müssen sich davon das Geld für Lebensunterhalt, Ausrüstung und den Kauf von Militärsklaven aufbringen.

In der Folge ist Aleppo viele Sorgen um den Einzug von Steuern los, muss aber auch die Schmälerung der Einnahmen hinnehmen.

Zudem entwickelt sich eine Tendenz zur Erblichkeit der Lehen, die staatspolitisch sehr bedenklich ist (S.196).

1144
Edessa syrisch besetzt - Alarm bei den europäisch-christlichen Invasoren: 2. Kreuzzug
Truppen des Emir Zengi von Aleppo können die Stadt Edessa besetzen und die "Kreuzfahrer" vertreiben. So ist der nördlichste der europäischen Christenstaaten bereits wieder zerschlagen (S.196).

Die "christlichen" Kreuzfahrerfürsten sind alarmiert und organisieren in Europa einen zweiten Kreuzzug unter dem deutschen König Konrad III. und Ludwig VII. von Frankreich (S.196).

1145 ca.
Jerusalems "christliche" Führung beschliesst die Besetzung von Damaskus
Der Jerusalemer "Kronrat" beschliesst mit Konrad III. und Ludwig VII. die Invasion in Damaskus (S.196-197).

1146
Aleppo: Tod von Emir Zengi - Nachfolger: Sohn Nur ad-din Mahmud
(S.196)

Syrien: weiterhin Lehen als Sold - weiter "heiliger Krieg" gegen "Christenfürstentümer"
Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo übernimmt das feudale Besoldungssystem von Vorgänger Zengi.
Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo propagiert weiter den "heiligen Krieg" gegen die europäisch-christlichen Invasoren (S.196).

Sommer 1148
Jerusalem: Der europäisch-christliche Angriff auf Damaskus scheitert kläglich.
(S.197)

1149
Aleppo: Erster grosser syrischer Sieg gegen christliche Frankenheere
Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo kann bei Inab nahe Antiochien seinen ersten grossen Sieg über die christlichen Frankenheere feiern.
In der Folge sucht Damaskus die Zusammenarbeit mit Aleppo (S.197).

1149-1154
Kairo: Kalifat az-Zafir mit neuem Wesir Ibn Sallar
(S.196)

1150
Ägypten-Pisa: Handel und Profit
Pisa hat ein Kontor in Alexandria und wird von Emir Tala ‘i’ ibn Ruzzig begünstigt. Handel mit Pfeffer, Muskat, Zimt, Gewürznelken, indischem Rotholz und ägyptischem Alaun (S.213).

1150 ca.?
Syrien: Ayyub, Vater von Saladin, und Bruder Sirkuh, wechseln nach Syrien in die Dienste des Emirs Zengi von Aleppo
(S.200)

ab 1150 ca.
Ägypten-Pisa, Genua, Venedig: Drang zur Besetzung von Damiette
Aus den Erfahrungen von Blockaden und dem Verlust ganzer Ladungen in Damiette entwickeln die Patrizier in Pisa, Genua und Venedig die Bestrebung, die ägyptischen Häfen selbst zu besetzen, damit Ägypten die Schiffe im Zweifelsfall nicht mehr blockieren kann. Fortan stellen sie Schiffe für Feldzüge nach Ägypten zur Verfügung und lenken zum Teil die Wege der Kreuzzüge (S.214).

Kairo-Damaskus: Einkreisungstaktik gegen die "Kreuzfahrer"
Der neue Kalif az-Zafir beginnt mit militärischer Kooperation mit Syrien und dessen Zentrum Aleppo, um die europäisch-christlichen Invasoren einzukreisen (S.196).

Kairo: Beginnende Unterwanderung Ägyptens durch das "christliche" Jerusalem
Das Königreich Jerusalem beginnt mit der Unterwanderung des Kalifats in Ägypten. Gezielt werden einzelne Tronfolgerkandidaten/Prätendenten unterstützt (S.197).

1153
Palästina: Christliche Erstürmung von Askalon - Befestigung der ägyptischen Stadt Bibays
Mit Askalon fällt die letzte ägyptisch gehaltene Küstenstadt Palästinas.
In der Folge lässt der ägyptische Wesir Tala ‘i’ b. Ruzziq vorsorglich die Stadt Bibays im östlichen Nildelta befestigen, um gegen eine allfällige fränkische Invasion gewappnet zu sein (S.198).

1154
Einigung Syriens und Aleppos - sunnitische Politik
Damaskus lässt die Vereinigung mit Aleppo zu. Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo wird in Damaskus empfangen und die Vereinigung besiegelt. Nur ad-din Mahmud bekommt die Rolle des Vorkämpfers des Islam gegen die "Ungläubigen". Gleichzeitig schlägt Nur ad-din Mahmud als Vorkämpfer eine sunnitische Richtung ein und eröffnet in Aleppo und Damaskus nach seldschukisch-bagdadischem Vorbild juristisch-theologische Hochschulen ("madrasa") zur Verbreitung des islamischen Rechts nach "sunnitischer Tradition" (S.197).

Die Sunnitisierung Syriens strahlt auch auf Bagdad aus, wo der Kalifenhof unter al-Muqtafi die Seldschuken entmachtet und das neu-sunnitische Syrien für sich beansprucht (!), indem Kalif al-Muqtafi versucht, sich propagandistische an die Spitze der gihad-Bewegung gegen die europäisch-christlichen Invasoren zu stellen (S.197).

1154-1160
Ägyptisches Kalifat al-Fa ‘iz mit Regent und Wesir Tala ‘i’ b. Ruzziq
(S.197)

ab 1154
Ägypten sucht den Anschluss an die gihad-Bewegung in Syrien - Aleppo plant die Besetzung Ägyptens
Der ägyptische Regent Tala ‘i’ b. Ruzzig will mit Angeboten, Geld- und Pferdelieferungen den Emir Nur ad-din Mahmud zur Allianz gegen die europäisch-christlichen Kreuzfahrer zwingen. Dieser aber plant selber die Besetzung Ägyptens, denn die dortigen bürgerkriegsähnlichen Zustände scheinen eine gute Gelegenheit zu sein (S.197).

1155 ca.?
Syrien: Ayyub, Vater von Saladin, wird Kommandant über die Zitadelle von Baalbek, ein ehemaliger Tempelbezirk.
(S.200)

1160
Kairo: Tod des 11-jährigen ägyptischen Kalifen al-Fa ‘iz - Nachfolger: der 9-jährige al-’Adid
Wesir Tala ‘i’ b. Ruzziq bleibt als staatsleitende Figur im Amt (S.197).

1161
Kairo: Ermordung des ägyptischen Wesirs Tala ‘i’ b. Ruzziq
durch einen Anschlag. Ägyptens Politik wird uneinheitlich, weil ohne Führungsfigur. Alle umliegenden Staaten versuchen, Ägypten für sich zu gewinnen oder zu besetzen. Syrien, Königreich Jerusalem und auch Byzanz mit König Manuel spannen Intrigen oder planen Invasionen (S.197).

um 1161
Ägypten: Kampf im Kalifenhof um den Wesirsposten
Die einzelnen Kandidaten und Möchtegerne werden zum Teil von syrischer oder christlicher Seite unterstützt (S.198).


Syrische Militärdiktatur und Herrschaft Saladins in Ägypten - ägyptische Besetzung Syriens und Handelsbeziehungen zu italienischen Republiken - Lehenssystem für Kairos Soldaten - christliche Angriffe gegen Ägypten scheitern, "heiliger Krieg" und ägyptische Besetzung Jerusalems - Akkon neue Christenhauptstadt - die drei Neffen Saladins - Mongolensturm und ägyptische Tronkriege - Mamluken-Militärherrschaft

Zusammenfassung
Die Kreisläufe der militärischen Gewalt wiederholen sich. Abwechselnd wird Ägypten christlich und syrisch besetzt. Erst Saladin kann mit einer Vetternwirtschaft die Ruhe herstellen, um mit italienischer Hilfe Armee und Flotte neu aufzubauen und Nubien zu besetzen. Während eines Nachfolgestreits in Damaskus kann Kairo seine Macht in Syrien bis Aleppo ausdehnen und erstmals auch vom Handel der "Seidenstrasse" profitieren. Friedensverträge mit den Christen sichern ihm die Zeit zum Heeresaufbau mit einem neuen Lehenssystem. Eine christliche Invasion ans Rote Meer gelingt, aber nicht bis zum Umschlagplatz Ägyptens, so dass der Indienhandel für Kairo intakt bleibt. Als eine ägyptisch-syrische Karawane bei al-Karak überfallen wird, ruft Saladin den "heiligen Krieg" gegen die Christen aus und zerschlägt in kurzer Zeit das Königreich Jerusalem. Neue christliche Kreuzzüge bringen nur die Eroberung von Akkon, der Durchbruch nach Jerusalem gelingt nicht. Nach einem Friedensvertrag lässt Saladin die Stadtmauer Jerusalems schleifen. Die Geschehnisse unter den drei Neffen Saladins sind ähnlich. Ägypten und die italienischen Seefahrerstaaten profitieren voneinander in ungeahnten Ausmassen. Jerusalem wird als Prestigeobjekt an die christliche Seite zurückgegeben. Päpstliche Halsstarrigkeit verhindert die Restitution des ganzen Königreichs. Nach dem Tod des letzten Neffen fällt Kairo in Tronkriege und Anarchie. Palästina und Jerusalem werden abwechselnd muslimisch und christlich besetzt, während Kairo erste Mamlukengarden zur Stabilisierung der Macht aufstellt. Eine Mongoleninvasion bedroht gleichzeitig ganz Asien. Nach einem Sieg gegen Christen in Damiette und gegen die Mongolen in Syrien ergreifen die Mamluken mit einer Revolte gegen den schwachen Kairoer Kalifen die Macht. Die Profiteure des Feindbildes zwischen Christen und Muslimen aber scheinen die italienischen Seerepubliken zu sein, die weiter beide Seiten unterstützen. Damit untergraben sie nicht nur die Bestrebungen Roms, sondern verhelfen dem Islam insgesamt auch gegenüber Dritten zum Überleben.

Chronologie (Fortsetzung)

Mitte 1161 ca.
Jerusalem-Byzanz: Christlich-byzantinischer Besetzungsplan gegen Ägypten
Bischof Wilhelm von Tyros verhandelt in Byzanz mit dem dortigen Kaiser Manuel über eine gemeinsame Besetzung Ägyptens (S.197).

Ende 1161
Kairo: Tribut an das "christliche" Jerusalem
Kreuzfahrerkönig Amalrich bedroht Ägypten mit einem grossen Heer. Der ägyptische Wesir kann sich der Bedrohung nur durch einen Tributvertrag entziehen, worin die jährliche Zahlung von 160’000 Dinar festgeschrieben wird (S.198).

1162
Ausbleibender ägyptischer Tribut - europäisch-christliche Invasion bis an den Nil
Die ausbleibende Tributzahlung Ägyptens gibt dem Kreuzfahrerkönig Amalrich den Vorwand, eine Ägypten-Invasion zu starten. Der Einmarsch kommt bis Bibays, weiter jedoch nicht, weil die Nilüberschwemmung dies verhindert.

Die europäisch-christliche Invasion provoziert eine verstärkte militärische Zusammenarbeit zwischen Ägypten und Syrien mit Ziel der Besiegung der "christlichen Kreuzfahrerstaaten" in Palästina (S.198).

1163
Kairo: Vertreibung eines Kairoer Wesirs Wawar - Flucht nach Aleppo und Armeeaufbau gegen Ägypten
Der ägyptische Wesir Wawar wird aus Kairo vertrieben. Er findet in Aleppo Zuflucht und bekommt von Emir Nur ad-din Mahmud Hilfe für eine neue Armee gegen Ägypten unter Führung des kurdischen Offiziers Sirkuh (S.198).

1164
Syrische Invasion gegen Ägypten gelingt
Das Heer des einstigen ägyptischen Wesirs Sawar unter Befehl des kurdischen Offiziers Sirkuh kann Kairo besetzen. Wesir Sawar kann sich am Kalifenhof wieder als Wesir einsetzen. Gleichzeitig möchte er aber den "lästigen" kurdischen Offizier nun loswerden und ruft hierfür König Amalrich von Jerusalem nach Ägypten (S.198).

Ende 1164
Besetzung Ägyptens durch die Truppen von König Amalrich von Jerusalem
Die syrischen Truppen in Bilbays werden zum Abzug gezwungen (S.198).

1167
Ägypten: Erneute syrische Invasion gegen Ägypten unter dem kurdischen Offizier Sirkuh - Ägypten wird Protektorat von Jerusalem
Syrische Invasion mit türkischen und kurdischen Reitern. Wieder ruft der Wesir Sawar König Amalrich zu Hilfe. Die Truppen Jerusalems besetzten ganz Ägypten und vertreiben die syrischen Truppen auch aus Oberägypten/Nubien in den Sudan.

Ägypten ist faktisch ein Protektorat des europäisch-christlichen Königreichs Jerusalem. Wesir Sawar muss die Heerzüge von König Amalrich bezahlen, jährlichen Tribut an Jerusalem entrichten und fränkische Truppen und "eine Art Kommissar" des Königs in Kairo zulassen (S.198).

1168
Ägypten: Eigenwillige Invasion von König Amalrich gegen Ägypten - ägyptischer Hilferuf an Syrien
König Amalrich entschliesst sich in Abstimmung mit Byzanz zur nochmaligen "endgültigen" Besetzung Ägyptens, die gegen den Vertrag mit dem Wesir Sawar verstösst. Die Herrschaftsansprüche werden unverhohlen gezeigt und die Stadt Bilbays erstürmt.

Wesir Sawar in Ägypten ruft nun das syrische Heer zu Hilfe, worauf Emir Nur ad-din Mahmud das syrische Heer unter Offizier Sirkuh neu ausrüstet und gegen den Jerusalemkönig Amalrich ausschickt. Endlich ist die gemeinsame Koalition gegen die europäischen Christen geglückt (S.198).

Ende 1168
Syrische Besetzung Ägyptens unter Offizier Sirkuh
(S.198)

Jan 1169
Abzug des "christlichen" Heeres von Jerusalem aus Ägypten
(S.198)

Feb 1169 ca.
Kairo: Ermordung von Wesir Sawar - neuer Wesir Offizier Sirkuh
Ermordung von Wesir Sawar von Ägypten unter "ungeklärten Umständen"
Der Kalif ernennt den kurdischen Offizier Sirkuh zum Wesir, weil dieser die militärisch grösste Macht im Land darstellt (S.198-199).

23.3.1169Kairo: Tod des Offiziers und Wesirs Sirkuh - Nachfolger wird dessen Neffe Salah ad-din (Saladin) Yusuf b. Ayyub
in Übereinstimmung mit der grossen Mehrheit der syrischen Offiziere, denn Salah ad-din Yusuf hatte sich 1168 beim Ägyptenfeldzug militärisch ausgezeichnet.
Salah ad-din Yusuf führt ein "syrisches Regime" in Kairo, und der Emir in Aleppo, Nur ad-din Mahmud, erwartet nun ein Zusammengehen gegen die europäisch-christlichen Invasoren (S.199).

Aug 1169
Kairo: Aufstandbekämpfung von Wesir Saladin
Salah ad-din Yusuf muss mit seinen Truppen aufständische ismailisch-kalifische Schwarzen-Regimenter und armenische Bogenschützen-Regimenter niederwerfen, um am Kalifenhof die Entscheidungsgewalt zu behalten (S.199).

Währenddessen wird Salah ad-din Yusuf dauernd vom Kalifen in Bagdad und vom Emir in Aleppo bedrängt, endlich die europäisch-christlichen Fürstentümer zu zerschlagen, aber Salah ad-din Yusuf will sich noch nicht auf ausserägyptische Operationen wagen, wei l er einen sofortigen Umsturz gegen seine Person befürchtet (S.199).

ab 1169
Ägypten-Syrien: Saladins Vetternwirtschaft
Saladin kann sich auf die Loyalität eines grossen Verwandtenkreises stützen, verteilt Posten in Militär und Administration. Dies ist eine Neuerung gegenüber der fatimidischen Praxis, wo die Söhne des Kalifen nie eine Staatsfunktion übernehmen durften, aus Angst vor Streit und Staatsteilungen, aus "Sorge um die Unteilbarkeit der charismatischen Imamswürde". Saladin verteilt Posten an zwei ältere und drei jüngere Brüder und deren Familien, an vier eigene Söhne und deren Familien, sowie an den Onkel Sirkuh und dessen Familie (S.205).

Unter Saladin wächst zum ersten Mal eine Clan-Regierung heran. Die Streitereien um eine etwaige Nachfolge sind vorprogrammiert (S.205). Saladin hält sich solange dauernd in Syrien auf (S.203).

ab 1169
Salah ad-din Yusuf formiert die Armee neu nach syrischem Vorbild (201) und lässt eine ägyptische Flotte aufbauen (202).

1171
Kairo: Sturz des Kalifen durch Wesir Saladin - neue sunnitische Richter
Salah ad-din Yusuf lässt das in den Augen des Emirs von Aleppo und Bagdads ketzerische ismailitische Kalifensystem in Kairo stürzen. Er lässt alle ismailitischen Richter durch sunnitische Richter ersetzen (S.199).

10.9.1171
Kairo: Huldigung an Bagdad
Im Freitagsgebet in Alt-Kairo wird dem abbasidischen Kalifen in Bagdad al-Mustadi’ gehuldigt. Der ismailitische Zusatzruf "Auf zum besten Tun" wird unterlassen (S.199).

13.9.1171
Tod des 19-jährigen Fatimidenkalifen al-’Adid ohne Kinder - Ende der Ismailiten/ Fatimiden
Im Freitagsgebet wird nun auch in Neu-Kairo dem abbasidischen Kalifen gehuldigt und die Lehrsitzungen eingestellt.

Salah ad-din Yusuf ordnet die Prägung neuer Münzen an mit dem Namen des Abbasidenkalifen und des Emirs von Aleppo. Das Kairoer ismailitische Kalifat ist damit gestorben und Bagdad wird wieder unbestrittene muslimische Hauptstadt (S.199).

1173
Nubien: Turansah, der Bruder von Salah ad-din Yusuf b. Ayyub, besetzt Nubien.
(S.201-202)

Syrien: Steuerstreit mit Kairo
Emir Nur ad-din verlangt Einsicht in Kairos Steuerbücher, bekommt sie aber nicht. Der Streit um nicht bezahlte Abgaben droht zu eskalieren (S.202).

Ägypten-Pisa: Pisa verpflichtet sich zu Eisen-, Holz- und Pechlieferungen an Ägypten
[Pisa macht doppelten Profit: mit den "christlichen" Kreuzfahrern und mit der muslimischen Seite gleichzeitig] (S.212).

1174
Ägypten: Jemenexpedition zur Machtdemonstration
Turansah marschiert von Kairo über Medina und Mekka nach Jemen zur "Absicherung" des Indienhandels (S.202).

Syrien: Tod von Nur ad-din - Streit um die Nachfolge des 11-jährigen Sohnes as-Salih
Salah ad-din Yusuf will die Wirren um die Nachfolge in Damaskus nützen, um in Syrien an Einfluss zu gewinnen, und bereitet einen Feldzug vor (S.202).

Sept 1174 ca.
Kairo: Salah ad-din Yusuf rechtfertigt seinen Besetzungsplan gegen Damaskus gegenüber Bagdad
dass er die zerstrittenen Muslime in Syrien "einigen" wolle und dies für einen "heiligen Krieg" gegen die "Ungläubigen" (Christen) notwendig sei (S.202).

Okt 1174
Damaskus: Ägyptische Invasion
Salah ad-din zieht mit 700 Reitern über Bosra nach Damaskus und besetzt Damaskus fast kampflos. Hims und Hamah ergeben sich (S.202).

ab Ende 1174
Aleppo: Belagerung durch Salah ad-din Yusuf.
(S.202)

Mai 1175
Aleppo/Damaskus-Kairo: Abkommen
zwischen Salah ad-din und Syrien: Saladin regiert Damaskus und Nordsyrien bis Hamah und Ma ‘arrat an-Nu’man, muss aber as-Salih als nominellen Oberherrn anerkennen (S.202).

Bagdad-Kairo: Der Kalif von Bagdad sendet Saladin ein "Diplom", das ihm die Usurpation der Herrschaft über Syrien und Ägypten legitimiert
(S.202)

ab Mai 1175
Aleppo: ägyptischer Profit von der "Seidenstrasse"
Damit ist für Ägypten der Anschluss an die "Seidenstrasse" nach Bagda-Samarkand- China geschafft. Gleichzeitig kann der Handel über die Burg Sahyun und die Häfen Latakia und Gabala/Gibel/Zibel nach Europa abgewickelt werden. Ägypten erhebt hier alleine alle Zölle und Hafengebühren, vor allem für den Handel mit Seide und Baumwolle. Venedig beginnt sich an diesem Handel zu engagieren (S.212).

ab 1175
Kairo-Jerusalem: Waffenstillstand für Zeitgewinn gegen die Christen in Palästina
Salah ad-din Yusuf schliesst einen Waffenstillstandsvertrag mit den Franken, um seine Macht auch nach Nordsyrien und dem oberen Mesopotamien, Gazira, auszubauen. Saladin wiederholt damit die Politik von Nur ad-din (202). Nur mit dem mesopotamischen Hinterland ist der "heilige Krieg" gegen die Christen möglich. Die Kette der syrischen Städte reicht dafür nicht aus (202f.). Saladin hält sich solange dauernd in Syrien auf (S.203).

1176-1181
Kairo: Einführung des Lehenssystems für Kairoer Soldaten - Verarmung des Landes, Reichtum in Kairo
Salah ad-din lässt das iqta-System einführen, die Zuteilung von Lehen an Soldaten als Soldatensold. Ein grosser Teil des Landes muss zu diesem Zweck neu bewertet und verteilt werden. Der Soldat erhält Steuereinzugsrecht auf der Länderei, muss aber alle Ausgaben, die er in einem Feldzug hat, selbst bestreiten. Gleichzeitig entgehen dem Staat Einnahmen, und grossflächige private Schutzherrschaften entstehen. Einige Ländereien lässt Saladin als "Kronland" definieren (hass), so dass sie nicht vergeben werden können (S.201).

Ab der Lehensvergabe fliessen konzentriert grosse Teile der Steuern an die Lehensherren, die alle ihren Sitz in Kairo haben. Das Land verarmt, Kairo wird übermässig reich (S.201).

1177
Ägypten-Genua: Handelsvertrag
[Auch Genua macht nun doppelten Profit: mit der "christlichen" und der muslimischen Seite gleichzeitig] (S.213).

ab 1177
Kairo: Salah ad-din Yusuf führt den Titel "Wiederbeleber der Herrschaft des Befehlshabers der Gläubigen" / "muhyi dawlat amir al-mu ‘minin"
Gegen "Kreuzfahrer" unternimmt er jedoch kaum etwas ausser ein paar "Scharmützeln" wie Flottenangriffe auf palästinensische Häfen und zwei erfolglosen Landangriffen gegen al-Karak (heute Jordanien), das die Karawanenroute zwischen Ägypten und Syrien bedroht (S.202).

Durch die Duldung eines modus vivendi mit den Kreuzfahrern erhalten Saladin und seine Nachfolger keinen guten innerislamischen Ruf (S.239).

1180
Kairo-Jerusalem: erneuter Waffenstillstandsvertrag
(S.202)

ab 1180ca.
Europäisch-christliche Invasoren versuchen, Ägypten zu blockieren
Von den südlichsten Kreuzfahrerburgen aus - Karak und Sawbak, südöstlich des toten Meeres - versuchen die europäisch-christlichen Invasoren, in Richtung Rotes Meer mit Ziel den Indienhandel Ägyptens zu unterbrechen und eventuell an sich zu reissen (S.195).

1181
Ägypten: Stand des ägyptischen Heeres: "Heeresrolle"Nach der "Heeresrolle" besteht das ägyptische Heer aus 111 Offizieren, 6976 Reiter (tawasi) mit Reiterknechten (mamluk), 1553 Mann leichte Kavallerie (qaragulam), Beduinen an den Rändern des Nildeltas und im Sinai, sowie aus freiwilligen Glaubenskämpfern (gazi) (S.201).

1182-1183
Jerusalem-Ägypten: Versuch der europäisch-christlichen Invasoren zur Besetzung des Roten Meeres scheitert
Der "Kreuzfahrerfürst" Rainald (kein Druckfehler!) von Châtillon, der "Herr von Oultrejourdain", unternimmt von Ayla (al-’Aqaba) aus einen Flottenraubzug entlang der Küste des Roten Meeres bis ‘Aydab. Die Bedrohung des ägyptischen Rotmeerhafens und die Blockade des ägyptischen Indienhandels gelingt jedoch nicht, da der Hafen zu weit südlich liegt (S.195).

1183
Kairo-Jerusalem: erneuter Waffenstillstandsvertrag
(S.202)

Damaskus-Ägypten: Sturz der Zengiden durch Wesir Saladin
Salah ad-din Yusuf kann die Herrschaft der Zengiden in Damaskus stürzen und lässt ganz Mesopotamien besetzen: Edessa/ar-Ruha, Harran, Mardin, Singar, Nasibin, Amid/Dyarbakir, und nach mehrwöchiger Belagerung auch Aleppo. Der 20-jährige Zengide as-Salih muss abtreten (S.203).

ab 1183
Zitadelle für Kairo
Salah ad-din Yusuf lässt durch seinen Mamluken Qaraqus die Zitadelle Kairos auf einem der Ausläufer des Muqattam erbauen (S.201).

1185
Kairo-Jerusalem: erneuter Waffenstillstandsvertrag
(S.202)

1186
Mossul: Der zengidische Emir von Mossul anerkennt Saladin als Oberherr.
(S.203)

Jan 1187
Al-Karak, Jerusalem: Überfall auf Karawane bei al-Karak
Rainald von Châtillon lässt von al-Karak aus (heute Jordanien) eine syrisch-ägyptische Karawane überfallen.
Saladin fordert vom König von Jerusalem, Guy de Lusignan, Genugtuung, bekommt sie aber nicht (S.203).

Juni 1187 ca.
Kairo: Saladin ruft den "heiligen Krieg" gegen die Kreuzfahrer aus
Saladin nimmt den Überfall auf die syrisch-ägyptische Karawane bei al-Karak zum Anstoss für die Kriegserklärung gegen das Königreich von Jerusalem und beginnt mit dem Zusammenziehen seiner Truppen im Golan/Gawlan sowie mit der Aufstellung des ganzen ägyptischen Heeres (S.203).

Ende Juni 1187 ca.
Kairo: ägyptisch-syrische Besetzung von Tiberias, Belagerung der Zitadelle
(S.203)

3.7.1187
Kairo-Jerusalem: Kreuzfahrerheer erreicht Tiberias nicht
König Guy de Lusignan lässt das Kreuzfahrerheer in Galiläa in Marsch setzen. Bei der glühenden Sommerhitze aber erreicht das Heer Tiberias nicht, auch nicht den See Genezareth (S.203(.

4.7.1187
Königreich Jerusalem: Niederlage gegen ägyptisches Heer
Das muslimische ägyptisch-syrische Heer zersprengt beim Dorf Hattin das Kreuzfahrerheer von König Guy de Lusignan. Der König, der Grossmeister des Templerordens und Rainald von Châtillon geraten sogar in Gefangenschaft. Rainald von Châtillon und die Angehörigen der Ritterorden werden hingerichtet. Das Feldheer des Königreichs Jerusalem ist vernichtet. Guy de Lusignan darf im Namen Jerusalems verhandeln (S.203).

5 7.1187
Tiberias: Kapitulation der Zitadelle, ägyptisch-syrische Besetzung
(S.203)

9.7.1187
Akkon: kampflose Übergabe an ägyptisch-syrische Truppen
(S.203)

ab Mitte Juli-Aug 1187 ca.
Palästina: Saladin lässt christliche Burgen und Städte kampflos einnehmen
Nazareth, Nablus, Baysan, Jericho, Ramla, Hebron, Gaza, und die Hafenstädte von Haifa bis Beirut, die mit der ägyptischen Flotte bezwungen werden (S.203)

1187
Askalon: Kapitulation. König Guy de Lusignan von Jerusalem erkauft sich damit die Freiheit.
(S.203)

Sept 1187 ca.
Königreich Jerusalem: Ankunft von Verstärkung aus Europa in Tyros
Tyros kann sich gegen die ägyptisch-syrischen Truppen verteidigen (S.203).

1.10.1187
Jerusalem: Besetzung durch ägyptisch-syrische Truppen
ist für Salah ad-din Yusuf ein wertvoller Prestigeerfolg, strategisch und wirtschaftlich aber nicht sehr bedeutend. Saladin kann sich nun als erfolgreicher Vorkämpfer des Islam feiern lassen. Das Königreich Jerusalem ist zerschlagen (S.203).

ab 2.10.1187
Jerusalem-Europa: Neuer Kreuzzug wegen Jerusalem
Der "Fall von Jerusalem" provoziert in Europa einen gemeinsamen Kreuzzug gegen die "Heiden" (S.204).

ab März 1188 ca.
Palästina: Angriffe von ägyptisch-syrischen Heeren Saladins gegen die nördlichen Seefahrerstaaten
gegen die Grafschaft Tripolis und gegen das Fürstentum Antiochien (S.203).

Juli 1188
Palästina: ägyptisch-syrische Besetzung der Küstenstädte Beirut und Latakia/al-Ladiqiyya/ Laodikeia
Tripolis aber nicht (S.203-204). Dafür können sie noch die Burg Sahyun (hinter Tripolis), das Orontes-Tal und den strategisch wichtigen Ort al-Karak (heute Jordanien) besetzen (S.204).

Aug 1188
Königreich Jerusalem: Christlicher Gegenschlag mit Truppen unter Guy de Lusignan
rücken von Tyros nach Süden gegen Akkon vor. Belagerung von Akkon, das von ägyptischen Schiffen vom Meer her versorgt wird. Saladins Truppen schliessen die fränkischen Belagerer ein (S.204).

Mai 1189
Kreuzzugsheer von Kaiser Friedrich Barbarossa von Regensburg. Tod des Kaisers in Kleinasien
Das Heer aber zieht weiter (S.204).

Aug / Sep 1189 ca.
Akkon: dauernde Verstärkung der Belagerung durch christlichen Nachschub.
(S.204)

Apr 1191
Akkon: Landung des französischen Kreuzzugsheeres unter Philipp II.
(S.204)

Juni 1191
Akkon: Landung des englischen Kreuzzugsheeres unter Richard Löwenherz
(S.204)

12.7.1191
Akkon: Christliche Besetzung, Akkon wird neue Hauptstadt des Königreichs Jerusalem
Akkon wird neben Tripolis der bedeutendste Umschlagplatz für das syrische Hinterland. Der französische König Philipp II. reist nach Hause, Richard Löwenherz muss den Krieg gegen Syrien und Ägypten allein weiterführen (S.204).

Ende Juli 1191 ca.
Jaffa: Christliche Besetzung von Jaffa durch Löwenherz-Truppen, aber kein Durchbruch nach Jerusalem möglich
(S.204)

1192
Akkon: Ermordung des Königs von Jerusalem Konrad von Montferrat
durch die "nizaritische" Terrorgruppe der persischen Burg Alamut (S.192).

August 1192
Akkon: Waffenstillstandsverhandlungen
Der älteste Bruder von Saladin, Abu Bakr, führt die Waffenstillstandsverhandlungen auf der ägyptisch-syrischen Seite "zäh und klug" (S.205).

1.9.1192
Waffenstillstand Löwenherz-Saladin
-- Saladin behält alle Besetzungen im Binnenland und Gaza und Askalon
-- Löwenherz behält als neuer "König von Jerusalem" alle Küstenstädte von Latakia bis Jaffa
-- Saladin sichert für alle Christen ein freies Pilgerrecht nach Jerusalem zu
-- der Vertrag soll drei Jahre gültig sein (S.204.

Winter 1192/1193
Waffenstillstand - Jerusalems Stadtmauer und "christliche" Burgen werden abgebrochen
Saladin entlässt seine Heere, er selbst zieht sich nach Damaskus zurück. Beginn mit der Schleifung der Stadtmauer von Jerusalem und der wichtigsten christlichen Burgen (S.204).

4.3.1193
Kairo: Tod von Salah ad-din Yusuf/Saladin nach "kurzer Krankheit" - Tronkämpfe
(S.204)

1195
Ägypten-Palästina: Waffenstillstand zwischen Löwenherz und Saladin wird stillschweigend verlängert, hält insgesamt 25 Jahre.
(S.204). Der älteste Bruder von Saladin, Abu Bakr, Besitzer der Gazira in Mesopotamien, kommt nach Ägypten. Tronkämpfe (S.205).

Kairo: Nachfolgediskussion: Kalif Abu Bakr al-Malik al-’Adil verteilt das Reich an seine drei Söhne
Das Prinzip des Seniorats setzt sich durch: Der älteste Bruder von Saladin, Abu Bakr, setzt sich gegen die zerstrittenen Sultanssöhne durch. In der Folge verteilt der das Reich an seine drei Söhne:
-- al-Malik al-Kamil (-1238) in Kairo, designierter Tronfolger
-- al-Malik al-Asraf in der Gazira in Mesopotamien
-- al-Malik al-Mu ‘azzam (-1226) in Syrien (S.205).

Die Söhne von Saladin übernehmen Verwaltungen in Aleppo, die weiteren Brüder von Saladin in Turansah, die Familie des Onkels Sirkuh in Hims.

Die weitere Verwandtschaft übernimmt Posten in Baniyas, Bosra, Baalbek, al-Karak und im Jemen.
Abu Bakr al-Malik al-’Adil selbst regiert ohne feste Residenz, meist zwischen Kairo und Damaskus pendelnd. Mit dieser Machtverteilung ist ein gemeinsames politisches und militärisches Handeln kaum möglich (S.205).

Zudem zeigen die angeschlossenen Fürstentümer der Zengiden am oberen Tigris, Singar und Mossul, sowie die Fürstentümer der türkmenischen Ortoqiden in Mardin und Amid/Diyarbakr und im südlichen Armenien Autonomiebestrebungen (S.205).

1200
Der älteste Bruder von Saladin, Abu Bakr, setzt sich als Senior der Sippe gegen die zerstrittenen Söhne des Sultans durch und wird nach der Besetzung Ägyptens unumstrittener Chef des ayyubidischen Hauses (S.205).

1204
4.Kreuzzug: gegen Byzanz
Der 4. Kreuzzug wendet sich unerwartet gegen Byzanz. Dem ägyptischen Reich bleibt die Konfrontation erspart.
Gleichzeitig kommt es zu dauernden Wirren im Königreich Jerusalem und zu unermüdlicher Kreuzzugspropaganda von Papst Innozenz III. zur Rückeroberung von Jerusalem gegen die "Ungläubigen" (S.205).

1204
Byzanz: Errichtung des lateinischen Kaiserreiches Konstantinopel
(S.212)

1207
Ägypten-Pisa: Handelsabkommen
(S.213)

ab 1208Aleppo: Venedigs Profit
Venedig besitzt in Aleppo einen "fondaco", eine Kirche und ein Bad. Es werden 12 Prozent Ein- und Ausfuhrzölle an Ägypten bezahlt (S.212).

1215
Tronbesteigung des Stauferkönigs Friedrich II.
(S.205)

1217
5.Kreuzzug: Landung in Akkon unter Herzog Leopold VI. von Österreich und König Andreas von Ungarn
Plan: Eroberung Ägyptens, wie der Plan von König Amalrich um 1160, um so den syrischen Ayyubiden die Basis zu nehmen (S.206).

Mai 1218
Ägypten: Frankenlandung bei Damiette und Belagerung
(S.206)

November 1218
Ägypten: Christliche Besetzung von Damiette
Der ägyptische Herrscher der Abu-Bakr-Familie, al-Malik al-Kamil, will für den christlichen Abzug aus Damiette alle Eroberungen Saladins westlich des Jordans hergeben. Gleichzeitig rechnet er mit einer leichten Rückeroberung, da die Stadtmauer von Jerusalem und alle wichtigen Burgen inzwischen geschliffen sind oder neu errichtet werden müssten (S.206).

Die Verhandlungen scheitern an der Unversöhnlichkeit des päpstlichen Legaten, Kardinal Pelagius von Albano, denn
-- dieser glaubt schon an die Möglichkeit einer Totalvernichtung des Islam und will Damiette halten
-- er steht unter Druck der Seefahrerrepubliken Pisa, Genua und Venedig, die in Damiette eigene Kontore eröffnen wollen, um ihren profitablen Handel abzuwickeln (S.206).

August 1218
Kairo: Tod von Kalif Abu Bakr al-Malik al-’Adil
(S.206)

1220
Ägypten: Damiette: "Christliche" Heere planen Ägypten-Invasion
Die christlichen Planungen für eine Invasion in Ägypten dauern an. Es erfolgt kein Angriff. Kairo hat inzwischen genügend Zeit, seine Heere zusamenzurufen. Die drei Söhne der Abu-Bakr-Familie, al-Malik al-Kamil, al-Malik al-Asraf in Mesopotamien, und al-Malik al-Mu ‘azzam in Syrien, koordinieren die Abwehr (S.206).

1220?
Königreich Jerusalem: Profit von Pisa
Gottfried von Bouillon erhebt den Erzbischof von Pisa Daimbert zum ersten lateinischen Patriarchen von Jerusalem und gibt Daimbert ein Stadtviertel von Jaffa als Lehen (S.211).

1220?
Königreich Jerusalem: Profit von Genua
Der Graf von Toulouse gibt Genua die Stadt Byblos und verspricht Genua einen Drittel des noch belagerten Tripolis (S.211).

1220
Europa: Kaiserkrönung von Friedrich II.
Er muss dabei sein Kreuzzugsgelübde erneuern (S.206).

ab 1220
Aufrüstung in Europa unter Friedrich II.
zu einem neuen Kreuzzug, auch zur "Festigung der politischen Lage" in Europa (S.206).

Juli 1221
Ägypten/Damiette: Christlicher Angriff gegen Kairo mit Belagerung der ägyptischen Festung al-Mansura
Der Angriff wird vom Hochwasser des übertretenden Nil zum Stehen gebracht. Die christlichen Heere werden durch das Nilhochwasser eingeschlossen. Die christlichen Truppen ziehen sich zurück.
Gleichzeitig verstärkt der eine Bruder al-Malik al-Mu ‘azzam den Druck auf seine anderen beiden Brüder und drängt auf die Vormachtstellung (S.206).

1224 ca.
Kairo: Verhandlungsbereitschaft mit Friedrich II.
Regent al-Malik al-Kamil bekommt Nachricht von den Rüstungsanstrengungen in Europa unter Friedrich II. und bietet bereits im Vorfeld vor dem Aufbruch des Kreuzzuges Verhandlungen an, worin die Rückgabe Jerusalems an die Christen enthalten ist. Al-Malik al-Kamil handelt damit eigenmächtig gegen seinen Bruder in Syrien, al-Malik al-Mu ‘azzam, mit dem Ziel das Gesamtreich zu erhalten (S.206).

Ein Verlust von Jerusalem wird weiter nur als "vorläufig" betrachtet, da weiterhin keine Stadtmauer vorhanden ist (S.206-207).

1225
Aleppo: Die Ein- und Ausfuhrzölle für Venedig werden von 12 auf 6% gesenkt.
(S.212)

Italien-Aleppo: Italienische Gerichtsbarkeit für Italiener
Das venezianische Quartier in Latakia - auch als venezianische "Kolonie" bezeichnet - erhält einen "bailo" mit eigener venezianischem Gericht. Gleichzeitig werden die Zölle auf der Burg Sahyun an der Strasse zwischen Aleppo und Latakia gesenkt (S.212-213).

1226
Syrien: Tod von al-Malik al-Mu ‘azzam in Syrien - Stärkung von al-Malik al-Kamil
Die Position von al-Malik al-Kamil in Kairo wird damit bestärkt. Die Einigung mit Bruder al-Malik al-Asraf ist keine Schwierigkeit, und al-Malik al-Kamil kann fortan über Palästina verfügen (S.207).

1228
6.Kreuzzug unter Friedrich II. für Jerusalem
Die Rückgabe von Jerusalem ist im Vorfeld fast beschlossene Sache. Viel mehr will al-Malik al-Mu ‘azzam aber nicht abgeben. Für Friedrich II. ist Jerusalem ein Prestigeerfolg zur Stärkung der Macht in Europa. Es kommt zu weiteren Verhandlungen (S.207).

Februar 1229
Friedensvertrag zwischen al-Malik al-Kamil und Friedrich II. in Jaffa auf 10 Jahre
Jerusalem wird den Franken überlassen, ebenso Bethlehem, Nazareth, Lydda, Toron, Sidon und ein paar Dörfer mehr.

Der Felsendom und die Aqsa-Moschee bleiben muslimisch.Die islamische Gemeinde in Jerusalem kann die eigene religiöse Gerichtshoheit unter ihrem Qadi behalten.

Die religiösen Fanatiker beider Seiten sind nicht zufrieden, v.a. die Kirchenführung aus Rom nicht.
al-Malik al-Kamil hat keine entscheidenden militärisch-strategischen Punkte hergeben müssen, und die Franken bringen die Kraft zur erneuten Befestigung Jerusalems nicht auf.

Gleichzeitig hat al-Malik al-Kamil den rücken frei, um nun gegen "widerspenstige Elemente" in Syrien vorzugehen. (S.207).

1229
Ayyubidensultan al-Kamil tritt Jerusalem vertraglich an die Franken ab, ohne religiöse Skrupel zu haben.
(S.192)

April 1229 ca.
Ägyptische Belagerung von Damaskus
Al-Malik al-Kamil und al-Malik al-Asraf belagern gemeinsam Damaskus und zwingen den Neffen an-Nasir zum Verzicht auf Damaskus und zum Rückzug nach al-Karak.
Das ägyptische Reich wird neu aufgeteilt. Al-Malik al-Asraf soll nur noch die zentralen syrischen Gebiete verwalten. Al-Malik al-Kamil wird Sultan des Gesamtreichs, verwaltet Ägypten und gleichzeitig die mesopotamischen Gebiete, wo der Mongolensturm grosse Turbulenzen verursacht (S.207).

1229
Persien: Mongolensturm
Hwarizmsah Galal ad-din Mankubirti wird aus seinem Reich verdrängt und versucht seinerseits, von Aserbeidschan aus die westlichen Ländereien zu unterwerfen, was auch eine wirksame Abwehr der Mongolen verhindert.

Ayyubiden und Rum-Seldschuken verbünden sich gegen Hwarizmsah (S.207).

August 1230
Bagdad-Aserbeidschan: Hwarizmsha werden besiegt
Das gemeinsame Heer der Ayyubiden- und Rum-Seldschuken schlägt das Heer von Hwarizmsah aus Aserbeidschan.
Da die Herrschaft von Hwarizmsha aber zerstört ist, dringen nun erstmals Mongolen in Armenien ein (S.207).

ab 1231
Mesopotamien: Mongolen bedrohen von Armenien aus Mesopotamien
Bagdad-Kalif al-Mustansir ist ohne militärische Macht und appelliert an ein Bündnis aller muslimischen Herrscher (S.207). Es kommt aber kein Bündnis zustande, weil die Mongolen wahrscheinlich unterschätzt werden. Sondern Al-Malik al-Kamil in Kairo und der Sultan von Konya (heute Türkei), Kaykubad, kämpfen um die Macht in Armenien und schwächen sich gegenseitig (S.208).

1232
Ägypten-Kurdistan: Truppen von al-Malik al-Kamil besetzen Amid/Diyarbakir und Hisn Kayfa/Hasankeyif
und beseitigen die "unzuverlässigen ortoqidischen Fürsten" (S.208).

ab 1232 ca.
Aserbeidschan-Konya: Die Rest-Truppen von Hwarizmsah irren in Aserbeidschan und Mesopotamien umher
dienen zeitweise dem Sultan von Konya (S.209).

ab 1233
Jemen: neue mamlukisch-türkische Dynastie der Rasuliden in den beiden Hauptstädten Zabid und Ta ‘izz
-- betreiben auch eine "aktive Aussen- und Handelspolitik"senden Emissäre nach Indien und China
-- bauen den Hafen von Aden/’Adan aus
-- betrachten sich sogar als Souverän des Hedschas, wo es zum Konflikt mit Ägypten kommt (S.241).

1234
Kurdistan: Ayyubidenkampf gegen Rum-Seldschuken
Angriff von al-Malik al-Kamil gegen die Rum-Seldschuken von Amid/Diyarbakir und Hisn Kayfa/Hasankeyif aus gegen die Rum-Seldschuken, mit allen 16 Ayyubidenprinzen im Gefolge und mit Ziel des Sturzes der Seldschukenherrschaft am Schwarzen Meer zur Einkreisung Bagdads und Bekämpfung der Mongolen.
Al-Malik al-Kamil wird von den Prinzen aber nur halbherzig unterstützt, denn diese fürchten einen Zentralstaat und somit eine Entmachtung und Abschiebung nach Kleinasien und Armenien, wenn ein Sieg gelingt (S.208).

ab 1236 ca.
Damaskus-Konya: Widerstandsbewegung gegen al-Malik al-Kamil im Ayyubidenheer
unter Bruder al-Malik al-Asraf in Damaskus. Die Widerstandsbewegung arbeitet mit dem Sultan von Konya zusammen (S.208).

Jan 1238
Ägypten-Syrien: Damaskus und Syrien werden von Truppen von al-Malik al-Kamil besetzt
um die Widerstandsbewegung zu unterdrücken (S.208).

März 1238
Kairo: Tod von al-Malik al-Kamil - Anarchie, Kämpfe um die Nachfolge
Der designierte Nachfolger al-Malk al-’Adil II. von Ägypten, 18 Jahre alt, kann sich nicht durchsetzen. Es folgen drei Jahre Krieg der Ayyubidenprinzen untereinander. Die Vermittlungsversuche des Kalifen von Bagdad, al-Mustansir, scheitern alle (S.208).

April 1238 ca.
Kairo: Die Mamlukkenoffiziere setzen den jungen Sultan al-’Adil II. ab und rufen dessen älteren Bruder as-Salih ins Land
dessen Steuereinzugsgebiet/Apanage am oberen Tigris liegt (S.209).

1238-1239
Jerusalem: Ankunft eines neuen Kreuzfahrerheeres unter Richard, Earl von Cornwall
zur Ausnützung der Nachfolgewirren der Ayyubiden (S.209).

Sep 1239
Auslaufen des Waffenstillstands zwischen Kairo und Jerusalem
(S.208)

5.1.1240
Jerusalem: Der muslimische Fürst von al-Karak besetzt willkürlich Jerusalem
(S.208)

Februar 1240
Jerusalem wird christlich besetzt unter Thibaut
dem Graf der Champagne. Die Muslimenherrschaft wird vertrieben (S.208-209).

1240-1249
Kairo: Sultan As-Salih Ayyub
Ende des Nachfolgekriegs in Kairo: Sohn Ayyub von al-Kamil hat gesiegt und nimmt den Tronnamen al-Malik as-Salih an (S.209).

1240 ca.
Die Rest-Truppen von Hwarizmsah erhalten von as-Salih Ayyub Lehen in der Gegend von Edessa und Harran zugeteilt.
(S.209)

1240-1249
Ägypten: Sultan as-Salih Ayyub: Organisation türkischer Söldner - neue Nilkaserne
importiert zu Hunderten türkische Mamluken aus dem heutigen Südrussland als Leibgardisten.
Die kurdischen freien Truppenteile verlieren rasch an Bedeutung durch Kasernierung auf der Nilinsel Roda/ar-Rawda. Da die Söldner in der Nilkaserne nach dem Nil/Strom/arab. bahr benannt werden, kommt die Bezeichnung al-bahriyya/Bahri-Mamluken auf.
Es sind entwurzelte junge Krieger, deren Zusammenhalt aus zwei Elementen besteht:
-- das gemeinsame türkisch-kiptschakische Volkstum: ginsiyya
-- der "Meister", der Sultan, zu dessen Treue sie verpflichtet sind (S.219).

ab 1240
Kairo: Sultan as-Salih Ayyub versucht, den Einheitsstaat Mesopotamien-Syrien-Ägypten zu verwirklichen
In Ägypten lässt er auf der Nilinsel Roda/ar-Rawda einen befestigten Palast bauen und die Wohnviertel mit Kirchen und Moscheen dafür abreissen (S.209).

1241
Kairo-Jerusalem: Vertrag von Sultan As-Salih Ayyub mit Richard, Earl von Cornwall
-- mit Bestätigung der Abtretungen, die unter al-Malik al-Kamil vorgenommen wurden
-- mit Erweiterung der Abtretungen um Jaffa, Askalon und Tiberias (S.209).

1243 ca.
Kairo: Sultanpalast auf Nilinsel Roda/ar-Rawda
-- mit 60 Türmen
-- mit Kasernen der türkischen Mamluken als Garde: "Bahri"-Fluss-Mamluken, bildet ab jetzt den "Kern" des ägyptischen Heeres (S.209).

Frühjahr/März 1244 ca.
Syrien: Invasion der Hwarizmsah Aserbeidschans
Rest-Truppen von Hwarizmsah überschreiten den Euphrat. Sie plündern und brandschatzen Syrien und besonders Jerusalem und vereinigen sich bei Gaza mit ägyptischen Truppen von as-Salih und bereiten sich auf Schlachten gegen Franken und syrische Heere vor (S.209).

17.10.1244
Ägyptisch-hwarizimische gewinnen gegen syrisch-fränkische Truppen
Sieg von ägyptischen und hwarizimischen Truppen gegen syrische und fränkische Truppen, vernichtende fränkisch-syrische Niederlage.

Sultan as-Salih Ayyub kann mit der Unterstützung des Kalifen von Bagdad Syrien besetzen und Damaskus belagern (S.209).

1245
Damaskus kapituliert, wird von Truppen unter Sultan as-Salih Ayyub besetzt.
Gleichzeitig gelingt as-Salih Ayyub ein Bündnis mit Hims und Aleppo (S.209).

1246
Kairo: Sultan as-Sahil Ayyub kann auch alle Gruppen der aserbeidschanischen Hwarizmier für sich gewinnen
(S.211) und lässt sich in Damaskus, Baalbek, Bosra und Jerusalem huldigen (S.210).

Mitte 1246 ca.
Ägypten-Palästina: Ägyptische Besetzungen
Sultan as-Salih Ayyub kann den Franken Tiberias und Askalon entreissen. Die christliche Vorbereitung für einen neuen Kreuzzug sind gleichzeitig im Gang (S.210).

5.6.1249
6.Kreuzzug unter König Ludwig IX. von Frankreich gegen Ägypten
Landung von Zypern kommend bei Damiette, kampflose Besetzung der Stadt. Der schon todkranke Sultan as-Salih Ayyub zieht seine Truppen bei al-Mansura zusammen.
Ludwig IX. lässt den Angriff nach al-Mansura aber nicht sofort ausführen, sondern wartet das Nil-Hochwasser ab (S.210).

September 1249ca.
Kairo: Tod des Sultans as-Salih Ayyub - Heereskommandanten
Die Heereskommandanten übernehmen die Führung der Verteidigung (S.210).

Kairo: Die Sultan-Witwe Sagar ad-durr lässt den Tronfolger Turansah aus Mesopotamien herbeirufen
(S.210)

November 1249ca.
Kairo: Mamlukenoffiziere lassen sich nicht ersetzen
Sultan-Nachfolger Turansha versucht, die Mamlukenoffiziere des Vaters durch eigene Leute zu ersetzen, was aber nicht durchführbar ist. Es kommt ein grosser Zorn gegen Turansha auf (S.210).

November 1249
Ägypten/Damiette: Angriff der christlichen Heere unter Ludwig IX. scheitert
Vergeblicher Ansturm gegen al-Mansura. Der Kreuzzug scheitert (S.210).

um 1250
Kairo: führende Astronomie
Der Astronom Nasir ad-din Tusi löst das Werk des Astronomen Ibn Yunus as-Sadafi, die "Hakimsche Tafel" ab. Damit hat diese Tafel 250 Jahre lang führende astronomische Gültigkeit gehabt (S.180).

6.4.1250
Ägypten: Niederlage der christlichen Heere bei al-Mansura
-- Räumung von Damiette
-- Lösegeld von 800’000 Dinar für die Freiheit von Ludwig IX. (S.210).

Gleichzeitig wird die politische Lage in Europa labil, weil die Seefahrerrepubliken Venedig, Pisa und Genua die Niederlage Ludwigs IX. kaum verschmerzen können. Sie hatten auf Eröffnung eigener Handelskontors und auf grosse Profite im direkten Handel mit Indien gehofft. (S.214)
1.5.1250
Kairo: politische Ermordung von Sultan Turansah durch al-Faris Aqtay - Militärdiktatur
Der Führer der Bahri-Mamluken, al-Faris Aqtay, bringt Turansah um, der seine eigenen Günstlinge auf Kosten der Mamluken mit Kommandos und Pfründen ausstatten wollte (S.219). Es soll ein speziell türkisches Prinzip sein, dass der Königsmörder gleich sein Nachfolger wird (S.220).

Gleichzeitig bekommt die Sultan-Witwe Sagar ad-durr zwei Heiratskandidaten, um die Militärherrschaft zu legitimieren, aber beide Kommandeure sagen ab, so dass man sich schliesslich auf Aybak mit dem Tronnamen al-Malik al-Mu ‘izz einigen kann. Die Heirat zwischen Militärführer und Sultanin entspricht ebenfalls einem alten seldschukisch-türkischen Brauch (S.220).

Die türkischen Offiziere, "Bahri-Mamluken", die Ägypten erfolgreich ohne Sultan-Führung verteidigt haben, werden die "wahren Herren" über das ägyptische Imperium mit dem Generalissimus Aybak und dem Verteidiger al-Mansuras, Baybars, an der Spitze.

Die Sultan-Witwe Sagar ad-durr wird legitimiert und regiert als Sultanin weiter mit dem Titel "Königin der Muslime"/"malikat al-muslimin". Sie muss den Generalissimus Aybak heiraten, währenddessen Syrien einen 6-jährigen Ayyubidenprinzen al-Asraf Musa präsentiert (S.210).

Mitte 1250
Syrien: Rebellion gegen Ägypten
Syrien fällt wieder aus dem ägyptischen Imperium heraus. Der ayyubidische Aleppo-Herrscher Nasir Yusuf zieht in Damaskus ein. Die Sultanwürde der Soldatenherrscher in Ägypten wird nicht mehr anerkannt. Nasir Yusuf rechnet mit dem baldigen Sturz der Militärherrschaft in Ägypten (S.220).

Ende 1250 ca.
Ägypten: Versuch eines Ayyubidensultanats in Jemen
Rücktritt des Militärsultans Aybak und Huldigung an den jemenitischen Ayyubiden al-Asraf Musa, ein 16-jähriger Jüngling.
Bagdad akzeptieren diesen Schritt nicht und plant, Ägypten militärische zu unterwerfen (S.220).

Februar 1251
Ägypten: Sieg der Mamluken gegen die Mongolen bei al-Kura’ - Machtergreifung von Aybak al-Malik al-Mu ‘izz
Schlacht von al-Kura’ im östlichen Nildelta gegen die Mongolen, aber die Mamluken gewinnen abermals und Aybak kehrt resolut in aller Form auf den Sultanstron zurück. Die Ayyubidenherrschaft in Ägypten wird mittels äusseren und inneren Einflüssen abgeschlossen. Die turkmenischen Militärs sitzen fest im Sattel.

Die Ayyubiden halten sich nur noch in Syrien und in Hisn Kayfa in Mesopotamien (bis 15.Jh.), von wo Turansah gekommen war (S.220).


Mamlukisches Kairo als letzte Rettung vor den Mongolen und Hülägü - Ägypten unter Baybars und Kalif al-Hakim mit Syrien, Nubien und Cyrenaika - Mongolen konvertieren zum Islam - Ausweitung Ägyptens bis Anatolien und Tunis, Fall von Akkon, "Blütezeit" - Pestzüge und christliche Piraterie von Zypern aus - Tscherkessen - Mongoleneinfälle unter Timur

Zusammenfassung
Das Problem der Kalifennachfolge soll nun mit einem Soldatenkastenstaat gelöst sein. Kairo wird zur Rettung des Islam vor den Mongolen. Zwei letzte Abbasidenprinzen flüchten aus dem von Mongolen beherrschten Bagdad nach Kairo, wovon einer - al-Hakim - Kalif wird und die Macht mit dem Mamlukensultan teilt. Die mongolische Invasion erreicht Syrien. Aleppo und Damaskus werden verwüstet. Nur mit einem Stillhalteabkommen mit den Christen kann Ägypten Syrien unter Baybars zurückerobern, der den Militärkastenstaat mit Ersatzfamilienstruktur und Lehensherrschaft der erwachsenen Mamluken etabliert. Aufstände in Syrien werden regelmässig niedergeschlagen, die noch lebenden Fatimiden enteignet und das Territorium um Nubien und die Cyrenaika "erweitert". Ein Bündnis zwischen Christen und Mongolen zur Zerschlagung Ägyptens scheitert, dagegen kann Ägypten noch Gebiete in Anatolien und Sudan dazubesetzen und gegen Westen bis Tunis vorstossen. Gesellschaftliche Spannungen werden militärisch überspielt und der Bauboom und die Handelsprofite des Riesenreichs, die mit einem Friedensvertrag mit den Mongolen abgesichert werden, kompensieren alles. Die Mongolen treten sogar zum Islam über. Pestzüge zerstören die Gesellschaft Ägyptens. Es kommt zu massiven gesellschaftlichen Verwerfungen und Mystifizierung der Pharaonenvergangenheit. Durch Konzentration von Kapital hält sich aber der Luxus. Christliche Piraterie und Brandschatzung von Zypern aus zerstört Alexandrien und schürt den Hass auf die Christen, während die Tscherkessen- Mamluken in Kairo die Macht übernehmen und eine neue mongolische Gefahr unter Timur sowie neue Pestzüge das ägyptische Militärimperium gefährden.

Chronologie (Fortsetzung)

1252
Kairo: Generalissimus Aybak mit eigenem Sultantitel
legt sich mit militärischer Macht den eigenen Sultantitel zu: "al-Malik al-Mu ‘izz". Damit beginnt die Herrschaft der Bahri-Mamluken (S.210).

1252 ca.
Kairo: Kalifenlinie der "Mu ‘izziyya"
Sultan Aybak al-Malik al-Mu ’izz gründet die Kalifenlinie der "Mu ‘izziyya".
Die Solidarität der mamlukischen Mitglieder der Familie geht so weit, dass sie seinem Sohn, der im Gefängnis sitzt, das Notwendige zum Überleben bringen (S.223).

1252
Flucht zweier Abbasidenprinzen nach Kairo
Zwei Abbasidenprinzen erreichen Baybars Hof in Kairo (S.229).

März 1257 ca.
Ägypten: Planung einer Heiratsverbindung zu Mossul
Aybak, Militärsultan, plant eine politische Ehe mit einer Tochter des Atabeg von Mossul. Er will so ein Grenzgebiet gewinnen, um das widerspenstige Syrien mit an-Nasir Yusuf einzukreisen (S.221).

April 1257
Ägypten: Sultan Aybak wird von Sultanin Sagar ad-durr ermordet
Die Sultanin Sagar ad-durr lässt aus Eifersucht ihren Mann Aybak töten. Neuer Sultan wird ein Sohn von Aybak: al-Mansur ‘Ali (S.221).

1258 ca.
Kairo: al-Mansur ‘Ali gestürzt - Militärführer Qutuz - neue MongolengefahrDer starke Militärführer Qutuz stürzt den Aybak-Sohn al-Mansur ‘Ali und verbannt diesen nach Byzanz. Die Mongolengefahr zwingt Ägypten zu innerer Geschlossenheit und gibt den Militärs die Legitimität, Stärke und den Nimbus der Unbesiegbarkeit, so lange sie keine Schlacht verlieren (S.221).

1258
Bagdad: Mongolenführer Hülägü besetzt Bagdad und errichtet in Bagdad die Mongolenherrschaft
(S.217)

Anfang 1259 ca.
Aleppo von Mongolen belagert
(S.221)

1259
Aleppo von Mongolen besetzt und verwüstet
Damaskus unter an-Nasir Yusuf sucht sich halbherzig Alliierte gegen die Mongolen, gibt dann aber auf und fährt zu Ilhan Hülägü, um sich zu unterwerfen. Mehrmonatige Verhandlungen (S.221).

2.3.1260
Damaskus: Einzug der Mongolenheere
unter General Kitbuga, begleitet von den drei neuernannten mongolischen Vizekönigen für Syrien:
-- der Christ Hetoum als König von Kleinarmenien
-- der Christ Bohemund VI. als Fürst von Antiochien und Tripolis
-- ein Ayyubide als Herr über Baniyas (S.221).

ab April 1260
Allianz der Bahriyya-Offiziere in Jordanien, Palästina und Damaskus gegen die Mongolen
Die zerstreuten aus Ägypten geflüchteten Bahriyya-Offiziere tun sich gegen die Mongolen mit Sultan Qutuz zusammen und formieren sich gegen das mongolische Heer, das Ägypten unterwerfen will. Mit den Franken der Kreuzfahrerstaaten wird ein Stillhalteabkommen geschlossen. Der Flankenschutz ist gesichert (S.221).

3.9.1260
Palästina: Ägyptischer Sieg gegen die Mongolen bei ‘Ayn Galut bei Nazareth
-- unter der militärischen Strategie des militärischen Führers Baybars.
-- die Mongolen müssen Syrien räumen (S.221).

Damaskus und Aleppo werden wieder Bestandteile des mamlukischen Reiches von Ägypten
Autonomie wird den ayyubidischen Fürstentümern von Karak, Hims und Hamah gewährt (S.221). Baybars ist militärisch der neue starke mamlukische Mann Ägyptens (S.221-222).

Mitte Oktober 1260
Ägypten: Sultan Qutuz wird von Militärführer Baybars ermordet
anlässlich einer Jagd. Baybars lässt sich selbst zum neuen Herrscher ausrufen.
Zur selben Zeit ermordet der mongolische Ilhan Hülägü in Tabriz an-Nasir Yusuf, den einstigen Damaskus-Sultan, wegen des Verdachts des Verrats an Ägypten (S.222).

1260-1276
Kairo: Sultanat Baybars
legt die Grundsteine der Mamlukenmonarchie, ist auch Schirmheer der "heiligen Stätten" in Palästina
bleibt Gegner der Franken (S.236).

Pilger aus Europa besuchen auch Ägypten und bemerken die Exklusivität der Mamlukenkaste und den Wettbewerb unter den Offizieren um das Sultanat.
Baybars geniesst mit der Zeit einen "legendären Ruf" wegen der Siege gegen die Mongolen und wegen der Siege gegen die Kreuzfahrer. Er wird zu einem Volkshelden, der in "Volksbüchern" verehrt wird (S.236).

ab Oktober 1260
Ägypten: Die Begründung des Mamlukenstaates
Baybars begründet den eigentlichen Mamlukenstaat, das Mamlukensultanat. Es soll dem mongolischen Ilhanat ebenbürtig sein
-- mit äusserer Sicherheit für Ägypten und Syrien
-- mit innerer Balance
-- mit wirtschaftlichem Wachstum
-- mit kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten
-- auf der Basis heidnischer turkmenischer "Militärsklaven", die den ihnen verwandten Mongolen die Stirn bieten (S.222).

Nach der arabisch-islamischen Logik ist dies eine "göttliche Fügung" und der Sklavenstand "ein Segen" für das ägyptische Heer (S.222).

Ägypten: Struktur der Regierung des Mamlukensultanats
Ein neuer Sultan duldet die alten Mamluken und riskiert den baldigen Sturz
oder der neue Sultan verjagt alle alten Mamluken, verhafte sie oder bringt sie alle um, um keinen Sturz zu riskieren (S.225).

Geographische Struktur
Sultansmamluken sind an strategisch wichtigen Orten eingesetzt, in Kairo, in Kus, in Mekka u.a., ab dem 15.Jh. auch auf Zypern. Die Zahl der Sultanmamluken hängt davon ab, wie viele neue Auszubildende ein Sultan dazukauft (S.226).

Legenden um die Siege gegen die Mongolen: fremde Soldaten retten den Islam
In der Folge werden Legenden über die Entscheidungsschlacht gegen die Mongolen aufgebaut:

-- Dschingis Khan bekommt die Sonne als Weltmachtsymbol in die Hände, aber die Sonne entgleitet ihm nach Westen

-- die Schamanin von Dschingis Khan gibt ihm als Zeichen für die Führerschaft seines Volkes aus der Zauberschale zu essen, aber an der Westecke der Schale bleibt ein Rest der Speise hängen und bleibt unberührt.

Auf diese Weise feiern Ägypten und Syrien über Generationen hinweg das Gefühl, einer schweren Heimsuchung entronnen zu sein (S.217), was bald als Ideologie erscheint und den Kern des Geschehens überlagert (S.217-218).

Ausserdem sind die nomadischen Mongolen ausgerechnet von einem verwandten Volk, den Mamluken-Söldnern aus dem Kaukasus, bezwungen worden. Ein Spruch eines zeitgenössischen Chronisten:
"Wahrlich, gegen alles gibt es ein Gift aus der eigenen Art." (S.218)

Das unerklärliche "Wunder" ist, dass die "islamische Ordnung" von fremden heidnisch-stämmigen Soldaten vor dem Zusammenbruch gerettet wurde. Es kommt zur Verherrlichung "nomadischer Tugenden" bei den mamlukischen Militärsklaven. Der Konflikt zwischen Islamisten und "Heiden" ist vorprogrammiert. Denn die Mamluken und Kriegssklaven wollen den Islam nicht gratis gerettet haben (S.218).

Kairo: Position des Mamlukensultans: Heerführer
Er ist oberster Heerführer und Chef der Staatsverwaltung mit vielen nubischen Christen/Kopten als Beamten. Rechtskundige Zivilbeamte tragen einen Turban, Offiziere einen Mamlukkenhut (S.231).

Sultansrequisiten und Sultanwahl
Der Sultan wird durch "ausserordentliche Leistungen" im "heiligen Kampf" bestimmt.
Die Sultane kopieren die ayyubidischen Sultansmerkmale wie
-- Königstitulatur
-- Regalien/Hoheitsrechte mit vergoldeter Satteldecke
-- Hofzeremoniell (S.227).

Die Grossemire der am Hof herrschenden Mamlukenpartei wählen den Nachfolger aus den eigenen Reihen. Formell-konstitutionell ist diese Wahl nie abgesichert. Die dynastische Nachfolge ist nur selten möglich (S.227).

Kaum Dynastiebildung beim Sultanat
Die Sohnesnachfolge ist sehr kontrovers, denn andere Mamluken erheben jeweils immer den militärischen Führungsanspruch, die mehr Erfahrung aufweisen, als der Sohn des gestorbenen oder weggeputschten Sultans (S.223).

Ägypten: Struktur des Heeres des Mamlukensultanats
-- es werden weiter turkmenische Söldner über den Kairoer, später den Alexandriner Sklavenmarkt eingekauft
-- nur Mamluken dürfen die weissen Kriegssklaven kaufen
-- nicht-islamisches Territorium wird als "Land des Krieges" bezeichnet
-- Soldatenkarriere: Geburt als Heide - Versklavung (nach Gesetz der Scharia, S.224) - Kasernierung und Bekehrung zum Islam in Ägypten - militärische Ausbildung - Freilassung (S.223)

-- bei der Versklavung, dem Verkauf der 7-10-jährigen Buben, geschieht kein Namenswechsel des türkischen Namens, so dass sich ein Namensadel bildet, das Ablegen des türkischen Namens gilt u.U. als Verstoss gegen die innermamlukischen Regeln

-- türkische Namen kommen nur noch bei türkisch-stämmigen Söldnern um die heiligen Stätten in Mekka und Medina vor, die Scherifen des Hedschas

-- eine kleine Minderheit in den Mamlukensöldnern sind Balkanesen, Griechen, Albaner, Ungarn, Italiener, Deutsche und Schweizer, zum Teil Einzelfälle

-- die Knaben wachsen in der Kaserne am Nil auf (S.223)

-- mit grausamen Ritualen, ohne Familie oder Geborgenheit, mit Folter und Hinrichtungs- erlebnissen, mit emotionaler Orientierungslosigkeit

-- notorisches Misstrauen unter den Mamlukensklaven und gegenüber der Untertanenschaft, die Sklaven zeigen zudem eine kompensative Überheblichkeit mit unumschränkter Macht

-- die Mamluken interessieren sich kaum für Finanz- und Steuerpolitik, Landwirtschaft oder Handel, wenn, dann nur unter Druck

-- die Mamluken werden nach ethnischer Zugehörigkeit unter dem Befehl verschiedener Erzieher geführt, was ausschliesslich Eunuchen anvertraut wird wegen der "Gefahr" der Homosexualität

-- der Generalinspekteur der Kasernen haftet persönlich für den "untadeligen Lebenswandel" seiner Zöglinge (S.224).

Militärische Struktur des Mamlukenheeres: Ersatzfamilien in Solidarität und Konkurrenz
Die Mamluken werden allgemein ehrfurchtsvoll als "vornehme Leute"/nas bezeichnet.
Die Mamluken eines Ersatzvaters sind die husdasiyya. Sie stehen im widersprüchlichen Verhältnis der Solidarität unter den Mamluken und der gleichzeitigen Konkurrenz. Das mamlukische Ideal basiert auf unverbrüchlicher und lebenslanger Solidarität zu den anderen Mamluken der Stammfamilie, die der soziale Standort und Halt des entwurzelten Buben und späteren Soldaten ist. Es soll ein "ausgeprägter Korpsgeist" sein. Der Freilasser/ustad mit seiner Familie ist die kleinste Einheit der mamlukischen Elite bis zum Tod des letzten Familienmitglieds. Auch der Sultan wird, wenn er Mamluken grosszieht, zum Ersatzvater, ansonsten viele Wesire (S.223).

Gleichzeitig konkurrieren die Mamluken-Familien aber untereinander. Die Herrscherkaste ist somit in sich völlig zerrissen.
Bei neuen Sultanen übernehmen deren Mamluken die Macht. Die abtretenden Sultan-Mamluken sind wegen des Verdachts der Rachevorbereitung in der Zeit eines Machtwechsels immer sehr gefährdet (S.223).

Militärische Struktur: Offiziersränge und Mamlukenränge
-- Offiziersrang amir casara: Chef über 10 berittene einfache Mamluken
-- Offiziersrang amir tablhana/"Offizier mit Militärkapelle": Chef über 40 Mamluken
-- Offiziersrang amir mi’a wa-mugaddam alf/"Emir mit 100 eigenen Mamluken und Befehlshaber von 1000 Reservisten": ist die sogenannte "halqa" (S.227).

Mamluken: Privilegiert sind die Sultansmamluken, minderprivilegiert die Emirsmamluken, und in sinkender Bedeutung die Soldaten des halqa-Regiments, der ehemaligen Leibwache Saladins (S.227).

Die Mamluken der halqa sind nicht-turkmenische Sklaven wie
-- freie kurdische Krieger
-- Beduinenführer der Grenzregionen, die Karawanenwege kontrollierendas eunuchische Militärpersonal zur Ausbildung der neuen Militärsklaven und zur Verwaltung des königlichen Palastes
-- turkmenische Stammesführer Syriens
-- ayyubidische Prinzen (S.227).

Die Krieger des halqa-Regiments müssen jährliche Tests mit dem Kampfbogen bestehen.
Ab einer bestimmten Zeit kann sich der Krieger des halqa-Regiments von der Teilnahme an Kriegen freikaufen (S.227).

Kairo: Kurden im Heer
Zur Zeit Baybars sind kurdische Krieger und Gardisten in Kairo hochwillkommen und integrieren sich in die Mamlukenregimenter (S.227).

Kairo: Militärische Struktur: halqa-Regiment: Untereinheit awlad annas/"Söhne der Edlen"
sind die Kinder der Mamluken, die von den Privilegien der Väter prinzipiell ausgeschlossen sind, angeführt von Sultanssöhnen, deren Väter nicht mehr regieren (S.227).

Kairo: Sklavenhändler für Mamluken werden immer wichtiger - Lehrpropramm der Mamluken
Die Sklavenhändler und vermittelten Sklaven/Mamluken sind voneinander abhängig, denn der Händler entscheidet, wer dem Sultan vorgestellt wird bzw. verkauft werden soll (S.223).

Lehrprogramm der Mamluken in den Kasernen der Nilinsel:
-- Koranrezitation
-- arabische Schrift und Grundlagen der arabischen Sprache
-- allgemeines Recht
-- Pflichtenlehre (S.225)

-- ab 12: militärische "Künste" wie Bogenschiessen, Lanzenspiel, Polo, Pferderennen, Reitkunst, Speerwerfen
-- ab 16ca.: militärische Schwertführung
-- ab 18: Freilassung mit "Befreiungsdiplom", mit einem ausgerüsteten Pferd und einem Stück Land, das eigenes Steuergebiet ist. Der Sklave wird zum "gundi" des "gund"/Heer, ein einfacher Soldat, was die Grundlage ist zur höchsten Macht im Staat. Oft erfolgt eine Heirat mit Frauen aus ihrer Heimat, auch Schwestern, Töchter, Witwen der Brüder etc. (S.225).

Die Karrieremöglichkeiten ab 18
sind ohne feste Regeln, ohne Garantie:

-- "Sultansmamluken", die mit den Kindern des Sultans aufgewachsenen Mamluken, haben die besten Chancen

-- wer allerdings zu den Sultanmamlukken eines vergangenen Sultans gehört, hat kaum noch eine Chance, da die Bekanntschaften als Gefahr betrachtet werden

-- auch die Mitgliedschaft bei der "herrscherlichen Leibgarde" kann der erste Schritt zur Beförderung sein (S.226).

Ägypten: Baybars "aktive Syrienpolitik" - Kriege in Palästina
Baybars führt fast jährlich einen Feldzug nach Syrien durch, so dass sich die Opposition gegen die Mamluken in Syrien und gegen die zentralistische Politik Kairos langsam auflöst (S.237).

Der Kampf gegen Andersgläubige wie Fatimiden, Isma ‘iliten und Schiiten ist oberstes Prinzip der Baybars’schen Politik (S.237). Die religiöse Hetze ist zum Teil aber sehr widersprüchlich und willkürlich (S.237-238).

Baybars verwirft die Politik des modus vivendi mit den christlichen Kreuzfahrerstaaten. Er überzieht Syrien und Palästina ständig mit Krieg (S.239).

Rechtsdiskussion
Sultan Baybars bricht das schafitische Rechtsmonopol in Ägypten, so dass auch Türkischstämmige und Hanafiten Juristen werden können. Das bodenständige volkstümliche Schafiitenmonopol wird gebrochen (S.253).

Kairo: Hofhierarchie: Neuer Posten des Sultan-Stellvertreters und Heeresatabeg
-- Sultan Bayrbas richtet das militärische Amt des Sultan-Stellvertreters/ha’ ibas-saltana und des Heeresatabeg ein

-- der Sultan-Stellvertreter bleibt ohne militärisches Kommando, ist wie ein zweiter Sultan mit voller Vertretungsvollmacht in der Rechtssprechung und Verwaltung-- der Heeresatabeg ist Oberkommandeur der Streitkräfte und Vertreter der unmündigen oder anderweitig zum Heerkönigtum unfähigen Sultane (S.232)

-- der Syrer-Anteil an der Kairoer Bürokratie ist gemäss Haarmann "beträchtlich" (S.233).

Probleme bei den Lehen und Gütern wegen dem sich ändernden Nillauf
Der Nilverlauf ist unterschiedlich, kann sich plötzlich ändern und ganze Dörfer wegschwemmen. Ehemals fruchtbare Böden können dadurch plötzlich veröden, ehemals fruchtlose Böden werden fruchtbar.
Die Lehen an die Mamluken und die Erträge der Lehen müssen immer wieder neu angepasst und neu geschätzt werden (S.234). Die Erträge/’ibra und die Steuerbezirke/giha müssen neu registriert werden (S.233).

Das iqta-System/Lehens-System in Ägypten zugunsten der Mamluken
Es weist gegenüber demjenigen in Bagdad wesentliche Abweichungen auf. Die Lehen werden nach Qualitätsstufen vergeben: Emire bekommen bestes Land, die Sultanmamluken ohne Kommando das zweitbeste, die Soldaten der halqa-Regimenter das wenig fruchtbare Land (S.235).

Das Land selbst ist in Steuer-Land und Privateigentum, später auch in Stiftungsland und Königsland eingeteilt (234). Die Verwaltung erfolgt über den "Heeresdiwan"/diwan al-gays. An dessen Spitze sitzt ein in finanziellen und agrartechnischen Fragen ausgebildeter Zivil-Beamter (S.235).

Die Bürokratie des "Heeresdiwan" arbeitet jedoch den Quellen nach zu urteilen sehr langsam und Neubewertungen werden nur bei Wechsel des Pächters vorgenommen (S.234).

Das Land kann im Gegensatz zu Bagdad nicht vererbt werden. Es stehen dem Mamluken keine Eigentumsrechte zu. Bei Tod wird das Land eingezogen, neu geschätzt und neu vergeben. Bei zu wenig Fruchtbarkeit kann das Land auf Antrag ausgetauscht werden. Der Heeresdiwan lässt während seiner ganzen Tätigkeit keine Vererbung zu (S.235).

Weitere Zuwendungen für Mamluken
Sultan Barbays führt als weitere Zuwendungen für Mamluken als Sachleistungen Fleisch, Pferdefutter, Zelttuch, Kleidung, Tiere und Opfertiere für hohe Feste ein. Bei Tronbesteigungen und vor Feldzügen werden Sonderlöhne als "Aufmunterung" ausbezahlt (S.236).

ab 1260
Syrien: erfolglose separatistische Versuche
Versuche des Damaszener Gouverneurs, sich von Ägypten unabhängig zu machen, scheitern regelmässig (S.239).

Baybars lehnt den modus vivendi ab
Er verwirft die Politik des modus vivendi mit den christlichen Kreuzfahrerstaaten. Er überzieht Syrien und Palästina ständig mit Krieg (S.239).

1260-1276
Palästina: Übertritte christlicher Reiter zum Islam
Fränkische Ritter - angeblich über 300 - darunter der Sohn des Herrn von Arsuf, laufen während der Zeit von Sultan Baybars zu den Mamluken über, nehmen den Islam an und bekommen Pfründe und Steuervergünstigungen (S.239).

Anfang 1261 ca.
Kairo: abbasidischer Kalifensohn in den Krieg gegen die Mongolen geschickt
Der erste schwächere der zwei geflüchteten Abbasidenprinzen wird von Baybars mit anderen verdrängten ehemals wichtigen Leuten zur Rückeroberung Mesopotamiens wieder in Richtung Osten geschickt (S.229).

November 1261
Kairo: Kalif al-Hakim bi-amr Allah
Niederlage des ersten schwächeren Abbasidenprinzen mit seiner Truppe gegen die Mongolen.
Baybars muss sich mit dem zweiten Abbasidenprinzen auseinandersetzen: al-Hakim bi-amr Allah (S.229), ein recht geschickter und kriegserfahrener Politiker (S.230).

Baybars huldigt dem Abbasiden
-- er lässt sich von ihm als Sultan einsetzen, auf für "die noch zurückzuerobernden islamischen Territorien
-- er lässt sich in die Bruderschaft der Tutuwwa des Kalifen aufnehmen (S.230).

Der einstige Bagdader Kalif wird zum Kairoer Kalifen über das ganze islamische Weltgebiet. Islamische Herrscher in Indien, in Gudjarat, in Obermesopotamien und in Südarabien lassen sich von Kalif al-Hakim bi-amr Allah in Kairo sanktionieren.

Der Kalif von Kairo macht machtpolitisch kaum etwas, befasst sich mit Wissenschaft und verwaltet eine Bibliothek. Auf wichtigen Reisen begleitet er den Sultan zu Ehren aller Muslime (S.230).

1261-1263
Bagdad/Sarai: Chan der Goldenen Horde, Berke
mit Hauptstadt Sarai an der Wolga, steht in heftiger Bruderfehde mit dem Ilhan von Persien (S.230).

ab 1261
Ägypten: Expansion nach Süden und Westen
Sultan Bayrbas gelingt die Expansion nach Süden gegen den Sudan. Das Königreich Nubien wird zum Vasall des Mamlukenstaates. Damit kann die Islamisierung südlich des ersten und zweiten Katarakts (Wasserfall) fortgesetzt werden.

Die Expansion nach Westen (heute Libyen) wird mit der Unterwerfung der Beduinen der Cyrenaika fortgesetzt (S.240).

Ägypten: Sultan Baybars kauft über 4000 Mamluken
(S.226)

Ägypten: Nachtpolizei und volksnaher Sultan in Kairo
wird von Pilgern aus Europa und dem Iran in den Pilgerberichten hoch gepriesen.
Sultan Baybars spielt jeden Dienstag und Freitag Polo und feiert den Konsum von vergorener Stutenmilch im Volk. Er zeigt sich so als "Landesvater" einer Einheit, die es nicht gibt (S.238).

Syrien: "aktive Syrienpolitik" von Baybars
Gegenkräfte gegen den ägyptischen Zentralstaat werden von Baybars alle unter Druck gesetzt, v.a. die Ayyubidenreste:
-- al-Mugit ‘Umar von Karak verliert sein Königtum und sein Lehen durch Verrat
-- das Fürstentum von Hims fällt an Ägypten
-- der Ayyubide von Hamah wird geschont, da er stet für Ägypten Partei ergreift und wird zu einem "anerkannten Partner", obwohl er Musik und Wein geniesst (S.238).

ab 1261 ca.
Ägypten: "Aktive Syrienpolitik": "Säuberung" Syriens
Die Ismailiten Syriens werden wie "Ungläubige" behandelt. Die Gebetsstätten werden "gereinigt". Das Kulturgut der Schia, Isma ‘iliyya und Imamiyya, lebt aber in kleinen Regionen weiter (S.237).

zwischen 1261-1263 / 1262 ca.
Bagdad/Sarai: Ilhan Berke tritt zum Islam über - Allianz Kairo-Bagdad/Sarai
nach Beeinflussung Baybars und dem Kairoer Kalifen al-Hakim bi-amr Allah zum Islam über.Gründung einer Allianz zwischen Kairo und Bagdad/Sarai gegen den Ilhan von Persien (S.230).

1262
Syrien: Baybars lässt alle Nachfahren der Fatimiden in Syrien enteignen.
(S.237)

ab 1264 ca.
Syrien: Auflösung der Isma ‘iliten
Die syrischen Ismailiten werden militärisch in ihrem letzten Hinterhalt im syrischen Küstengebirge besiegt und mit verlockenden ägyptischen Pfründen abgefunden (S.237).

1265
Mongolisches Bagdad: Tod von Hülägü - Nachfolger Abaqa
(S.237)

1265 ca.?
Ägypten: Qutuz ermordet den Mamlukenführer al-Faris Aqtay
und setzt sich als Sultan ein (S.222).

1265 ca.?
"Wirren" in Ägypten: Ermordung des Mamlukenführers al-Faris Aqtays
Ein grosser Teil des Regiments der Nilkaserne flieht aus Kairo und sucht Schutz bei kleinen Höfen in Palästina, Damaskus und vor allem in Transjordanien beim halbautonomen Ayyubiden in al-Karak, al-Mugit ‘Umar (S.220).

1270 ca.
Ägypten: Mamluken-Familienkasernen
Sultan Baybars lässt Kasernen und Wohngebäude für verheiratete und unverheiratete Mamluken auf der Kairoer Zitadelle errichten (S.224).

1270-1376
Ägypten: Baybars Willkür in Syrien
Baybars geht völlig willkürlich mit syrischen Repräsentanten um:
-- er enteignet eine wehrlose betagte Ayyubidenprinzessin mit juristischen Tricks
-- er muss sich den logischen Gedankengängen des grossen Damaszener Juristen und Traditionarier [kein Druckfehler] an-Nawawi (gest. 1277) aber beugen, der 1274 die hohen Steuern und den gleichzeitigen Luxus der Mamlukenausrüstung beklagt (S.238).

1270
Bündnis zwischen Kreuzfahrern und Mongolen gegen den Islam
Mit einem Bündnis zwischen den Kreuzfahrerstaaten und den Mongolen Irans wollen der Papst und diverse europäische Mächte den Islam vernichten. Die Koalition zwischen Prinz Eduard von England, dem Sohn von Heinrich III., und Abaqa in Bagdad, kommt zustande (S.237).

1271
Scheitern der Koordination zwischen Kreuzfahrerstaaten und Mongolen
Der Versuch der Koordinierung zwischen Prinz Eduard von England und Abaqa in Bagdad, scheitert kläglich. Das Bündnis bricht auseinander (S.237).

Frühling 1274
Kairo: Gefangennahme des 2.Sohns von Aybak, Qa ‘an
in Kairo in der Grabmoschee seines Vaters, weil er als Staatsfeind betrachtet wird (S.221).

1274 ca.
Ägypten: Baybars will seinen Sohn Berke Qan als Nachfolger installieren.
(S.239)

1276
Ägypten: Offensive in Anatolien unter Baybars
in den mongolisch/ilhanidischen Machtbereich mit Besetzung von Kayseri/Qaysariyya, mit Huldigung Baybars (S.237).

Kairo: Tod von Baybars - Nachfolger Sohn Berke Qan - Kampf mit Schwiegervater Qalawun
der Schwiegervater Qalawun von Berke Qan, Heeresatabeg und besonders erfahren in "Machtspielchen", usurpiert den Tron.

Es kommt zu einer langen Auseinandersetzung mit der syrischen Zahiriyya, der Partei Baybars und von Berke Qan, aber Qalawun setzt sich schliesslich durch (S.239).

Palästina: Jämmerlicher Zustand der Kreuzfahrerstaaten beim Tod von Sultan Baybars’
Caesarea, Askolon, Jaffa und Haifa sowie der Patriarchensitz Antiochien sind wieder in muslimischer Hand und die Festungen sind geschliffen, um neue Brückenköpfe für christliche Landungen zu verhindern (S.239).

Bei den binnenländischen Eroberungen sind die Befestigungen dagegen wieder aufgebaut und eigene muslimische Garnisonen eingerichtet, so in Safed in Galiläa und im Crac des Chevaliers/Hisn al-Akrad (S.239).

Zusätzlich sind 1000e von Mamlukenzelten zwischen Gaza und Antiochien aufgestellt als Abschreckung gegen christliche Landungen, wo turkmenische, kurdische und mongolische Krieger ihren Dienst für den ägyptischen Sultan versehen (S.239).

Das ägyptische Reich nach dem Tod von Bayrbas: Herrschaft vom Euphrat bis nach Dongola" (heute Sudan) (S.240).

1279-1290
Ägypten: Sultan Qalawun - "Qalawuniden"
kauft über 8000 Mamluken. Er setzt die "aktive Syrienpolitik" fort (S.226). Die Nachkommen von Qalawun werden als "Qalawuniden" bezeichnet (S.244).

ab 1279
Ägypten: Sultan Qalawun setzt Baybars Aussen- und Syrienpolitik fort - erste tscherkessische Mamluken
-- Qalawun ist der letzte Mamlukensultan, der noch unter den Ayyubiden gedient hat
-- Qalawun wirbt zum ersten Mal eine grosse Zahl tscherkessische Mamluken an und gründet ein tscherkessisches Regiment der Burgiyya, nach der Unterkunft im Turm/burg benannt. Es ist die Keimzelle späterer tscherkessischer Hegemonie innerhalb der Mamluken (S.240).

1280?
Palästina: Sultan Qalawun: Einnahme von Tripolis
(S.239)

1288
Kairo: Wechsel der Wesirstradition von zivil auf militärisch
Zum ersten Mal wird ein Offizier zum Wesir ernannt und übernehmen die Mittlerschaft zwischen Souverän und Bürokratie sowie die Stellvertretung des Sultans in der gesamten Reichsverwaltung (S.231).

1290-1293
Kairo: Tod von Sultan Qalawun - Nachfolger: Sohn al-Asraf Halil
regiert ohne Probleme in dynastischer Reihenfolge mit den ihm ergebenen Sultansmamluken (S.227).

1290
Aragón: König Alfons III. gestattet seinen Schiffen Eisen-, Holz- und Pechlieferungen an Ägypten
(S.212)

ab 1290 ca.
Ägypten: Geburt des literarischen Schattenspiels in Ägypten durch Ibn Daniyals
(S.256)

Mai 1291
Muslimische Einnahme von Akkon - die Kreuzfahrerreiche sind alle zerstört
Nach langer Belagerung und dank der Vorbereitungen des verstorbenen Sultans Qalawun kann al-Asraf Halil den Hauptort des "Königreich Jerusalem", St-Jean d’Acre/Akkon/’Akka einnehmen.
Das gotische Portal der Kathedrale von Akkon wird als Trophäe nach Kairo gebracht (S.240).

Beirut und die anderen von den Christen gehaltenen Plätze an der Küste ergeben sich kampflos.
Einziges Überbleibsel der Kreuzfahrerstaaten bleibt für ein paar Jahre die kleine wasserlose Insel Arwad vor Tortosa/Tartus, heute Syrien (S.240).

[Ergänzung:
Krise der Vatikan-Kirche und Terror des Vatikans über ganz Europa
-- die Niederlage der Kreuzfahrer und der "Verlust des heiligen Landes" hat in Europa ein jahrelanges juristisches Nachspiel gegen die Ritterorden zur Folge
-- die europäische Bevölkerung erkennt die muslimischen Fortschritte in Technik und Medizin
-- die Kirche muss gegen die Freundlichkeit gegenüber der muslimischen Welt und gegen Abspaltungen von Glaubensgruppen alle möglichen Terrormassnahmen einsetzen, mit Einführung von Verbrennungen, Inquisition, Folter etc.].

Ende 1293
Kairo: Ermordung von Sultan al-Asraf Halil - Nachfolger: Sohn al-Malik an-Nasir Muhammad
regiert ohne Probleme in dynastischer Reihenfolge wie sein Vorgänger (S.227). Es ist aber der Beginn einer innerer und äusseren Instabilität in Ägypten gegenüber den Mongolen (S.240).

1295
Kairo: Hungersnot. Menschenfleischverzehr wird mit Hinrichtung bestraft
(S.255)

1295-1297
Ägypten: Sultan Kitbuga
stiftet eine Madrasa in Kairo, an der das Kathedralportal von Akkon angebracht ist (S.240).

1297-1341
Ägypten: Sultan al-Malik an-Nasir Muhammad b. Qalawun
übernimmt die Madrasa mit dem Portal von Akkon (S.240).

1297-1299
Kairo: Sultan Lagin
(S.235)

1297-1298
Nubien: In Edfu tritt der letzte Fatimide an die Macht
(S.237)

1297-1341
Kairo: Diskussion über die dynastische Nachfolge
In der Zeit von Sultan al-Malik an-Nasir Muhammad kommt der Spruch auf: "al-mulk ‘aqim"/"Königtum ist kinderlos". Die Herrschaft kann nicht vererbt werden.

Tradition wird stattdessen, dass die Sultane alle aus demselben Haushalt des tscherkessischen Dynastiegründers Barquq stammen (S.229).

1298
Kairo: missglückte Bodenreform
Der Versuch von Sultan Lagin zur Umverteilung des verleihbaren Bodens gegen "unproduktive" militärische Gruppen wie Pensionäre und halqa-Soldaten scheitert (S.235).

ab 1299
Ägypten: Fortsetzung der aggressiven Politik gegen Syrien
Sultan al-Malik an-Nasir kauft ca. 12’000 Mamluken. Er setzt die "aktive Syrienpolitik" Baybars und Qalawuns fort (S.226).

um 1300
Libanon: "aktive ägyptische Politik"
Die Mamluken versuchen mit begrenztem Erfolg, die Schiiten in Kisrawan im Libanongebirge zu besiegen und zu bekehren (S.237).

ab 1300 ca.
Jerusalem mit seinem speziellen Klima wird zum Sitz reicher Pensionäre und Witwen
(S.257)

Ägypten: Gesellschaftsentwicklung zwischen Arabern, Kopten, Syrern, Mamluken
Die Mamluken bringen schamanistische Rituale nach Ägypten wie Alchimie und Weissagung. Gelehrte aus den mamlukischen Heimatländern an der Wolga, aus dem Ural und aus Kuban kommen ebenfalls nach Kairo und Syrien mit türkischen Sagenstoffen. Dabei werden die mamlukischen Lebensweisheiten und Gebräuche von der grossen arabisch fühlenden Volksmehrheit als Aberglaube verlacht (S.255).

Kopten bleiben immer angreifbar wegen des Vorwurfs der Kooperation mit den christlich-aggressiven Kreuzfahrern, Rom und Europa. Syrer in Ägypten bleiben immer "Fremde". Kopten und Syrer arbeiten in Verwaltungen oft mit Mamluken zusammen, werden aber regelmässig bei Nicht-Gelingen bestimmter politischer oder fiskalischer Massnahmen zu Sündenböcken und dem arabischen Volkszorn "geopfert" (S.255).

1309-1310
Kairo: Sultan Baybars II. al-Gasnkir
Tscherkesse, der "Vorkoster" des Sultans, bleibt nicht lange an der Macht (S.244).

1310?
Sultan Baybars II. al-Gasnkir wird Emir und stiftet ein Sufi-Kloster.
(S.244)

Anfang 14. Jh./ um 1310
Ägypten: Neubau der Kasernen auf der Nilinsel mit Erweiterungen
(S.224)

ab 1310
Ägypten: Konsolidierung der mamlukischen Monarchie unter al-Malik an-Nasir Muhammad
mit Neuordnung des Bodenrechts (S.240).

Ägypten-Syrien: Der Einheitsstaat "wächst zusammen"
Die "Einheit" zwischen Ägypten und Syrien" beginnt zu "funktionieren". Stresssituationen entfallen, weil es keinen äusseren Feind mehr gibt. Der Zentralstaat kann sich auf Bautätigkeit und Ausbau von Sozialwerken konzentrieren:
-- Ausbau der zivilen Einrichtungen
-- ökonomische Ressourcen können in nicht-militärische Unternehmungen gelenkt werden
-- Kairo erlebt einen Bauboom
-- Bau eines neuen Kanals zwischen dem Nil und Kairo
-- Kunstförderung und Kunsthandwerk
-- Bau der Moschee an-Nasir Muhammad auf der Kairoer Zitadelle 1318, restauriert 1335 (S.241).

Politisch fassen die Mamluken in der Zeit von Sultan al-Malik an-Nasir in Ägypten jetzt richtig Fuss (S.241).

1312 ca.?
Ägypten: Autonomie für Hamah-Fürstentum
Sultan al-Malik an-Nasir Muhammad verleiht dem Fürsten von Hamah den Sultanstitel, so dass Hamah seine Autonomie bis ca. 1330 bewahren kann (S.238-239), zuletzt unter dem Geograph und Universalgelehrten Abu l-Fida’ (gest. 1331) (S.239).

1313
Syrien: vorläufig letzter mongolischer Einfall
(S.237)

1315
Kairo: Heeresreform: Relegation des halqa-Regiments
Kalif al-Malik an-Nasir Muhammad entzieht dem halqa-Regiment, dem einstigen Garderegiment Saladins, den Grossteil der Zuteilungen und beschleunigt so den Verfall des Sultanats durch Schürung der Fehden unter den Mamluken (S.227).

1316
Kairo: geglückte Bodenreform unter Sultan an-Nasir Muhammad
Er setzt die Umverteilung des verleihbaren Bodens zulasten "unproduktiver" militärischer Gruppen wie Pensionäre und halqa-Soldaten durch. Die Pensionäre werden entschädigt und die Sultansmamluken erhalten erstmals eigene Lehen. Das Königsgut wird von einem Sechstel auf fünf Zwölftel des itqa-Landes vergrössert, um das "unabhängige Herrschertum" zu garantieren (S.235). Gleichzeitig widerruft Sultan an-Nasir Muhammad die unkanonischen Steuern und kann so die Reform mittels der öffentlichen Anerkennung gegen die Betroffenen realisieren (S.235-236).

1321 ca.
Ägyptischer Sieg gegen die Mongolen
(S.240)

1322
Ägypten-Jemen: Expedition gegen die Dynastie in Jemen
Sultan al-Malik an-Nasir entsendet zum ersten Mal ein mamlukisches Expeditionskorps in den Jemen (S.241).

1322-1323
Friedensvertrag zwischen Mongolen und Ägypten
(S.240)

1325
Kairo: Errichtung des prachtvollen Kontors von Emir Qawsun für den Syrienhandel
(S.248)

1325?
Mongolisches Bagdad: Der Chan der Goldenen Horde tritt zum Islam über
Mit diesem Schritt verbessern sich die Beziehungen zu Ägypten. Gleichzeitig kommt es zu guten Beziehungen zwischen Ägypten und Byzanz.

Der Nachschub für Mamluken kommt nun aus "befreundeten Gebieten" (S.237)

1326
Kairo: Sultan al-Malik an-Nasir Muhammad regiert autokratisch
und schafft das Amt des Sultan-Stellvertreters ab (S.232).

1330 ca.
Ägypten-Mekka-Medina: Etablierung der ägyptischen Macht
weil die Scherifen zerstritten sind.

Insgesamt kann sich Sultan al-Malik an-Nasir dreimal eine eigene Wallfahrt zu den Pilgerstätten leisten, ohne Angst vor einem Umsturz im eigenen Land. So gesichert ist seine Regierung (S.241).

Ägypten: Inflation
In der Sultanszeit von al-Malik an-Nasir kommt es zu einer erheblichen Geldentwertung. Die Steuern der Lehen, für die der "Heeresdiwan" zuständig ist, werden aber nicht angepasst (S.234).

ab 1335
Kairo: Sultan al-Malik an-Nasir wird alt und pathologisch misstrauisch
(S.241)

1340
Damaskus: Sultan al-Malik an-Nasir lässt den Vizekönig von Damaskus, Tankiz, stürzen und ermorden
(S.241)

1341
Kairo: Tod von Sultan al-Malik an-Nasir - Nachfolger: schwache Qalawuniden
Die Heeresatabegs/Oberkommandierenden bekommen mehr Macht (S.232).

Die Söhne und Enkel von al-Malik an-Nasir Muhammad regieren noch bis 1382 "im Schatten" des Nimbus des grossen Sultans al-Malik an-Nasir weiter. Mächtige Reichsverweser und Grossemire entschliessen sich nicht zum Sturz der Dynastie (S.243).

1346
Ägypten-Syrien: Expansion in Nordsyrien und Besetzung von Ayas/Lajazzo in Kilkisch-Armenien
Ayas wird eines der syrischen Handelszentren am Ende der Handelswege zwischen Europa und Asien (S.244).

1347-1350
Ägypten: Schlimme Pestepidemie - Entvölkerung
Entvölkerung ganzer Regionen (S.243,247)

Allgemeiner Bevölkerungsschwund. Die Zahl der Mamluken geht auf 4000-6000 zurück (226)
Die Mamluken sind von der Pest besonders betroffen, da sie in ihren Kasernen sehr dicht aufeinander leben und so die gegenseitige Ansteckung sehr erleichtern.

Folgen:
-- Brotpreis steigt wegen steigenden Löhnen, nicht wegen steigendem Getreidepreis

-- kleine Dienstleistungen wie Schulhausreinigung werden ebenso hoch bezahlt wie die Assistentenstelle eines Professors: 30 Dinar monatlich

-- der Ersatzbedarf an Mamluken ist kostspielig, gleichzeitig haben die mongolischen Feldzüge unter Timur auch die Länder hinter dem Kaukasus verwüstet und "Kriegssklaven" werden rar, weil die Kinder nicht mehr hergegeben werden, so dass nur noch Erwachsene mit festen materiellen Ansprüchen nach Ägypten verkauft werden

-- zusätzlich bekämpfen sich die freien Mamluken gegenseitig und die Emire müssen diese immer mehr bestechen, um die Herrschaft zu halten (S.248).

1348
Syrien: Hinrichtung Andersgläubiger
Hinrichtung des schiitischen Juristen Ibn Makki al-’Amili aus dem Südlibanon in Damaskus wegen "ketzerischer Umtriebe". Er ist der erste Märtyrer in der Glaubensverfolgung unter den Mamluken (S.237).

bis 1350
Ägypten: monumentale Architektur
Die Architektur wird beeinflusst von Elementen aus Damaskus, Tripolis und Aleppo. Bis 1350 ist die Architektur betont monumental (S.257).

1350
Ägypten-Jemen: 2. Expedition gegen die Dynastie in Jemen
und Unterwerfung. Jemen akzeptiert den Vasallenstatus gegenüber Ägypten (S.241).

ab 1350
Ägypten: Die Systemverwerfungen durch die Pest
Die Folge ist die Dezimierung des Bauernstands, die Entvölkerung ganzer Landstriche.
Die Mamluken werden durch den Zusammenbruch der Landwirtschaft hart getroffen.
Ertragseinbruch um drei Viertel (S.247).

Folgen:
-- die Mamluken erleiden durch die Pestwellen grosse Verluste, weil sie in ihren Kasernen so nah aufeinanderwohnen und so gute Ansteckungsbedingungen bestehen
-- Produktion und Handel erleiden Einbussen von 75%, die gedeckten Märkte Kairos, das Herz der städtischen Wirtschaft, verfallen
-- ganze Wohnviertel Kairos veröden
-- nur der Getreidehandel auf dem Nil floriert für die geschrumpfte Bevölkerung weiter
-- Dienstleistungen werden teurer wegen Personalmangel (S.235).

Man setzt die Umverteilung des verleihbaren Bodens zulasten "unproduktiver" militärischer Gruppen wie Pensionäre und halqa-Soldaten durch. Die Pensionäre werden entschädigt und die Sultansmamluken erhalten erstmals eigene Lehen. Das Königsgut wird von einem Sechstel auf fünf Zwölftel des itqa-Landes vergrössert, um das "unabhängige Herrschertum" zu garantieren (S.235).

Gleichzeitig widerruft Sultan an-Nasir Muhammad die unkanonischen Steuern und kann so die Reform mittels der öffentlichen Anerkennung gegen die Betroffenen realisieren (S.235-236).

ab 1350
Ägypten: Mamluken steigen ins Handwerk und in den Fernhandel ein
als Ersatzquellen der Mamluken für entgangene Gewinne in der Landwirtschaft (S.248-249).

Ägypten: Kapitalanhäufung unter den Überlebenden der Pest: LuxusproduktionenEs kommt zu einer Kapitalanhäufung bei Überlebenden, die die Pestopfer beerben.

Die Überlebenden können die Löhne in die Höhe treiben, so dass die Einnahmen noch weiter steigen und der Lebensstandards sich für sie erhöht.

In der Folge finden Luxusgüter in Ägypten wie z.B. osteuropäische Pelze reissenden Absatz unter den überlebenden Handwerkern und Händlern (S.249).

Mamlukensklavenkauf: kein Kinderverkauf mehr
Der Menschenhandel erfolgt nun viel später. Die gekauften Männer haben oft schon einen Beruf. Kinder werden keine mehr versklavt. Für den ägyptischen Staat hat das Nachteile:
-- strikte Disziplin und Willensformung sind nicht mehr möglich
-- Unterweisung in islamischer Religion und Pflichtenlehre fällt meist ganz weg
-- die Männer heiraten nach ihrer Befreiung meist einheimische Frauen
-- die Kaste der Mamluken löst sich so langsam auf (S.225).

ab 1350/ 15. Jh.
Ägypten: Zeit der Not und Pest: Mystifizierung der Vergangenheit - 1001-Nacht
In der Zeit der Not der beiden Jahrhunderte hat die Mystifizierung wieder Hochkonjunktur:
-- pharaonische Monumente werden wieder zu Wallfahrtsorten
-- Bauteile mit Hieroglyphen erhalten neue Funktionen als Stützen und Schwellen in praktisch allen Moscheen (S.255).

Daneben blüht die Historiographie, v.a. die Tätigkeit von al-Maqrizi mit Werken über Münzwesen, Gewichte, Stammesgeographie, Naturkatastrophen, Mamluken, Topographie und Archäologie, Soziologie und Heer.
Endfassung der "Märchen aus 1001-Nacht" (S.256).

ab Mitte 14. Jh./ ab 1350 ca.
Kairo: Umkehr des Verhältnisses: der Kalif huldigt dem Sultan
Der Kalif bestätigt bei Staatsstreichen den Usurpator. Machtlose "Fürsten der Gläubiger" werden, wenn sie wieder gestürzt werden, in gefürchtete Gefängnisse in Alexandrien oder in die Zitadelle in Qus/Kus verbannt (S.230).

ab 1350-1410
Ägypten: verschwenderisch-spielerische Architektur
Die Architektur ist verschwenderisch verspielt und elegant, im Kontrast zu der grossen Not und den Umbrüchen im Land. Vieles ist davon noch heute erhalten, u.a. auch in Jerusalem (S.257).

ab 1355
Sultan Hasan: Aufstieg für Emirssöhne und Eunuchen awlad annas/"Söhne der Edlen"
Sultan Hasan lässt sie zu höchsten Staatsämtern zu, mit Zugang zu den Institutionen der Versorgungslehen (S.227).

Er fördert die Mamlukensöhne und die Eunuchen bei gleichzeitiger Entmilitarisierung, die wegen der Beseitigung der "Mongolengefahr" möglich ist. Somit fürchtet die Sultansgarde immer mehr den Machtverlust (durch "Intellektuelle") (S.243).

Sultan Hasans "intellektuelle Handlungen", die die Mamluken reizen:
-- er legt demonstrativ seinen türkischen Namen ab
-- er pflegt eine Antipathie gegenüber den türkischen Haudegen
-- er ist gleichzeitig hochgebildet in Theologie, lebt sehr fromm
-- er lässt unterhalb der Kairoer Zitadelle eine mächtige, reich ausgestattete Madrasa bauen
-- er fördert das Geistesleben (S.243).

1359
Zypern: "Pilgerreise" nach Tyros wird verboten
Der zypriotische König Peter von Lusignan beantragt bei Sultan Hasan die Erlaubnis zu einer "Reise" zur alten Krönungsstätte des Königreichs Jerusalem, Tyros. Hasan verweigert dem König die Reise (S.244).

Mitte 14.Jh./ 1360 ca.
Kairo: Die schwachen Nachfolger von Sultan al-Malik an-Nasir Muhammad
Sie haben schon grössere Schwierigkeiten gegen die Sultansmamluken und Grosswesire, eine dynastische Reihenfolge zu halten (S.227).

1361
Kairo: Rebellion von Gardemamluk Yalbuga al-’Umari - Sturz von Sultan Hasan
(S.243)

ab 1361
Kairo: "Remamlukisierung"
der staatlichen Verwaltung unter Yalbuga al-’Umari, der für Hasans Neffen Sa ‘ban die Regierungsgeschäfte "führt" (S.243). Der Aufstieg von Emirssöhnen und Eunuchen in höchste Staatsämter unter Sultan Hasan wird rückgängig gemacht (S.227).

ab 1362 ca.
Zypern: Raubzüge unter König Peter von Lusignan
Der zypriotische König Peter von Lusignan organisiert Raub- und Beutezüge gegen die mamlukischen Küstenstädte mit Ziel, das Königreich Jerusalem wiederzuerrichten (S.244).

1365
Zypern: Brandschatzung und Zerstörung Alexandriens
unter dem zypriotischen König Peter von Lusignan. Der islamische Hass gegen "die Christen" steigt und die Geschäfte mit den italienischen Seefahrerstädten werden stark eingeschränkt. Auch bei den weiteren zypriotischen Angriffen sind die italienischen Händler die Hauptleidtragenden, weil der Fremden- und Christenhass in der islamischen Welt weiter steigt (S.244).

Anfang 1367 ca.
Zypern: Angriff auf Tripolis unter König Peter von Lusignan
Anstieg des Christenhasses in der islamischen Welt (S.244).

Mitte 1367 ca.
Zypern: Angriff auf Latakia unter König Peter von Lusignan
(S.244)

Ende 1367 ca.
Zypern: Angriff auf Ayas/Lajazzo in Kilkisch-Armenien unter König Peter von Lusignan
(S.244)

1376
Sultanfamilie in Kairo: männlicher Landbesitz
Unter Sultan Sa ‘ban besitzen die männlichen Mitglieder der Sultansfamilie 8% des Bodens zum Eigengebrauch (S.243).

ab 1380 ca.
Nubien: Goldminen Oberägyptens sind mehr und mehr unrentabel, weil erschöpft
(S.250)

1382-1399
Tod von Sultan Hasan - Nachfolger: Sultan Barquq
der erste Tscherkesse mit einer längeren Regierungszeit (S.244).

ab 1382
Tscherkessensultane der Burgiyya-Regimenter
-- fördern die Sufi-Religion und religiöse Schwärmereien (S.244)
-- fördern systematisch mystische Bruderschaften mit Ausstattung von Stiftsgütern (S.244-245).

In der Folge kommt das Gefühl einer Zeitenwende auf. Die Tscherkessensultane sind wegen ihrer Frömmigkeit zum Teil "hochangesehen". Die Einführung der Scharia steht zur Diskussion (S.245).

Tscherkessensultane: Die Heeresatabegs übernehmen die Position des Emirs (S.232).

Kairo: Sufi-Kulturförderung
Es entwickelt sich eine stark vom Sufitum geprägte religiöse Kultur in türkischer Sprache mitten in Kairo:
-- auf der Zitadelle
-- in den Kasernen
-- in den Palästen
-- auf den Hippodromen
-- vor den Mausoleen (S.245).

1385 ca.
Kairo: Provokation gegen Mongolen - Timur
Sultan Barquq lässt Gesandte Timurs in Ägypten töten. Das politische Klima zwischen Mongolenführer Timur und Kairo wird vergiftet (S.246).

1388-1389
Kairo: Sturz von Sultan Barquq
(S.227)

Ende 14.Jh./ 1395
Lehensreform: Reduktion von Privilegien der Sultansfamilie zugunsten der Sultansmamluken
Ab 1395 bekommen die Familienangehörigen des Sultans keine Militärbenefizien mehr zugeteilt. Diese werden stattdessen den staatstragenden Sultansmamluken abgegeben (S.229).

1398 ca.
Bagdad von Timur besetzt, als Rache für die getöteten Gesandten in Kairo
Der gala’ iridische Sultan von Bagdad, Ahmad b. Uways, muss nach Kairo flüchten (S.246).

1399-1412
Kairo: Tod von Sultan Barquq - Unruhen um die Nachfolge - Nachfolger: Sohn Farag
begleitet mit inneren Unruhen, wo sich Sohn Farag nur knapp behaupten kann. Timur will die instabile Lage in Ägypten ausnützen.
Farag verspielt gleichzeitig die Allianz mit den Osmanen, so dass Timurs Heer zwei "leichte Gegner" vor sich hat (S.246).

ab 1399
Ab dem Tod von Sultan Barquq endet die Zeit des äusseren Friedens in Ägypten. Bedrohung durch den türkisch-mongolischen Timur.
(S.245)

1399-1400
Syrien von Mongolen unter Timur besetzt
von Norden nach Süden: Aleppo, Hamah, Hims, Damaskus. Damaskus unterwirft sich kampflos, die mehrsprachigen, hochgebildeten ‘Umala’ sind machtlos (S.246).

15. Jh.
Ägypten: 12 Pestwellen, v.a. in Alexandrien und im Nildelta
(S.247)

Anfang 15Jh.
Ägypten: Einbruch der Produktion: Beispiele:
-- von 66 Zuckerraffinerien in Fustat laufen noch 19
-- das Syrienkontor von Kairo bricht zusammen
-- die Zolleinnahmen der Zollstelle zwischen Ägypten und Syrien, Qatya, sinken auf ein Vierzigstel von 1326 (S.248).


Erneutes Handelsimperium Ägypten trotz Pest - Fehden in der Mamlukenkaste - erste Verstaatlichungen - Besetzung Zyperns - portugiesische Niederlassungen am Roten Meer als Konkurrenz - Mamluken verweigern Feuerwaffe aus falschem Stolz, osmanische Feuerwaffenüberlegenheit - Kapitulation Ägyptens

Zusammenfassung
Trotz der vielen Pestzüge und gesellschaftlichen Verwerfungen kann Ägypten sich zunächst wieder durch den Gewürzhandel restrukturieren. Fehden in der Soldatenkaste zwischen Türken und Tscherkessen ziehen sich hin, stören die militärische Stabilität aber nicht entscheidend. Vordringende osmanische Invasionen werden abgewehrt. Auslösend für den Niedergang Ägyptens sind die Verstaatlichungen unter Barsbay. Erste portugiesische Besetzungen am Roten Meer nagen an Ägyptens Gewürzhandelsmonopol, schadet aber vorerst kaum. Als dann aber die Mamlukenkaste auch noch den Gebrauch der Feuerwaffe verweigert, kann die nächstliegende militärische Macht - das osmanische Reich - mittels der neuen Arkebusen Ägypten leicht besetzen. Ägyptens imperiale Macht ist zu Ende.

Chronologie (Fortsetzung)

15. Jh./ ab 1400
Ägypten-Arabien: Die mamlukische Präsenz auf der arabischen Halbinsel verstärkt sich weiter
(S.241)

März 1400
Mongolenangriff unter Timur gegen die Osmanen
nach Anatolien. In der Folge bleibt Ägypten von den Osmanen einmal mehr verschont, aber Syrien wird zerstört (S.246).

1400
Kairo: Sultan Farag
(S.246)

ab 1400
Syrien nach der mongolischen Zerstörung: Städte zerstört, Ägypten in Finanzkrise, Deportation der besten Handwerker
-- Ägypten bleibt verschont
-- syrische Städte zerstört
-- die besten Handwerker sind nach Samarkand an die Residenz Timurs deportiert
-- die wirtschaftlichen Kräfte Ägyptens sind erschöpft und in Kriegsanleihen aufgebraucht
-- das Währungssystem des ägyptischen Imperiums bricht zusammen: Kupfer löst den Silberdirham ab, das zum Sendboten des "Niedergangs" wird (S.246).

Dazu kommen unverschuldete Pestwellen, Hungersnöte, Missernten und Beduinenüberfälle in Syrien. Zudem fehlt die zentrale Autorität für einen effizienten Wiederaufbau. Der Zentralstaat Ägypten ist zerschlagen und die politischen Kräfte behindern sich gegenseitig (S.246).

15. Jh./ ab 1400 ca.
Kairo: Neue Praktiken in der Hofhierarchie
Der Kämmerer, ein Türsteher, wird zum Richter für innermamlukische Streitfragen. Der Hausmeier, der eigentlich nur die Aufsicht über die königliche Küche und Speisekammer ausübt, übernimmt auch die Bezahlung und Versorgung der Sultansmamluken (S.232).

ab 1400 ca.
Ägypten: Tauschgeschäfte der Sultane mit den Mamluken
Der ägyptische Staat versucht immer wieder, durch "Tauschgeschäfte" an wertvolle Mamluken-Immobilien zu kommen, und erreicht damit auch durchaus sein Ziel.(S.251).
ab 1400
Nach der Zerstörung Syriens: Der Gewürzhandel kehrt wieder auf die Ägypten-Route
Der Gewürzhandel zwischen Indien und Europa kehrt wieder auf die ägyptische Route zurück über den Seeweg über Suez-Kairo-Alexandrien oder Damiette.
Die Karimi-Kaufleute profitieren von diesem Umschwung und treten in Kairo als Mäzene in Erscheinung, zum Teil mit direktem Kontakt zum Sultan (S.249).

lange nach 1288/ 1400?
Kairo: Wechsel der Wesirstradition von militärisch auf zivil
Das Wesiramt wird nach der Einführung neuer Ämter wie Vizekönig, Geheimschreiber und hohen Militärs, wieder für rechtskundige Zivilbeamten geöffnet. Der Wesir hat nunmehr aber nur noch Kontrollaufgaben. Sogar Metzger können Wesire werden (S.231).

ab 1401
Ägypten: Die Ostgrenze des Imperiums bleibt von Mongolen bedroht
(S.247)

15. Jh.
Hedschas/Jemen: Kaffeebohnen kauen und das Getränk "Kaffee" sind bereits bekannt
(S.336)

ab frühes 15. Jh./ ab 1410 ca.
Nubien: Banu Hawwara-Beduinen
kontrollieren unter mamlukischer Oberherrschaft die Landwirtschaft und den Handel in der "Getreidekammer" Nubien, darunter die mächtigste Grossfamilie: Banu ‘Umar (S.330).

19.1.1405
Samarkand: Tod von Mongolenführer Timur
während der Vorbereitung eines "heiligen Krieges" gegen China (S.247).

Anfang 15. Jh./ 1405 ca.
Kairo: Tauschgeschäfte während der Zeit von Sultan Farag
Der Hausmeier des Sultans Farag, Gamal ad-din Yusuf, bringt fast die gesamte nordöstliche fatimidische Altstadt Kairos durch "Tauschgeschäfte" mit Mamluken in seinen Besitz und gestaltet das ganze Quartier um. Es trägt bis heute den Namen "al-Gamaliyya" (S.251).

ab 1405
Ägypten: Die Ostgrenze des Imperiums bleibt weiter von Mongolen bedroht
(S.247)

1407 ca.
Kairo: Entwicklung eines Bürgerkrieges zwischen den ethnischen Gruppen der Türken und Tscherkessen innerhalb der Soldatenkaste der Mamluken
(S.246)

ab 1410 ca.
Ägypten: blutige Parteienkämpfe in der Mamlukenkaste als Folge des wirtschaftlichen Niedergangs.
(S.247)

Dauerkampf zwischen Ägypten und Osmanen um Anatolien
(S.247)
1412
Kairo: Bürgerkrieg zwischen den Mamluken: türkisch-kiptschakische gegen tscherkessisch-abchasische Gruppe
(S.230)

Kairo: Sultan Farag kommt elendig um - Nachfolger: Sultan al-Musta ‘in
ist nur ein kurzes "Zwischenspiel" (S.246). Als Kompromiss wird Kalif al-Musta ‘in als Sultan eingesetzt und ist für wenige Worten nomineller Inhaber beider höchsten Ämter Sultan und Kalif (S.230).

1412-1421
Kairo: Sultan al-Mu’ ayyad Sayh aus Syrien
(S.246)

ab 1412
Kairo: Söhne von Sultanen als interimistische Nachfolger
Söhne verstorbener Sultane werden nur noch interimistische Nachfolger der Väter bis zur Bestimmung des Nachfolgers unter den Grossemiren. Es etabliert sich ein Mischsystem zwischen Dynastie und Sultanwahl.(S.229).

1420
Kairo: Fertigstellung der Moschee von Sultan al-Mu’ ayyad Sayh
nach fünf Jahren Bauzeit, unmittelbar neben dem Südtor "Bab Zuwayla" der fatimidischen Altstadt.
Die Moschee bleibt vom 15.-18.Jh. ein Zentrum des türkisch-religiösen gelehrten Lebens.
Zweisprachige ‘Ulama’, Historiker und Chronisten, müssen die Verbindung zwischen dem kulturellen Leben am Sultanhof und dem ganz arabisch fühlenden Umfeld in der Bevölkerung herstellen. Die Entfremdung soll durch Übersetzungen verhindert werden (S.245).

1422-1437
Kairo: Sultan Barsbay: Verstaatlichungen
Barsbay will mit der Monopolisierung der besonders ertragreichen Wirtschaftszweige die öffentlichen Finanzen sanieren und leitet Verstaatlichungen ein. Die Verstaatlichungen sind kurzfristig ertragreich, mittel- und langfristig aber verhängnisvoll (S.249).

1423
Ägypten: Verstaatlichung der Zuckerproduktion
(S.249)

1424
Ägypten: Verstaatlichung des Gewürzhandels - Venedig als Verlierer
Die venezianischen Händler in Alexandrien werden Opfer der Verstaatlichung (S.249).

ab 1424 ca.
Ägypten: Angriffe unter Sultan Barsbays gegen Zypern
(S.244)

ab 1425 ca.
Ägypten: Versuch des Abbaus der Staatsverschuldung durch Zwangsmassnahmen - Währungsschwäche
-- durch städtische Sondersteuern
-- durch Konfiskationen von Boden in zunehmendem Mass
-- durch Zwangskäufe künstlich überteuerter staatlicher Monopolwaren (S.250).

Der Handel, der letzte funktionierende profitable Wirtschaftsbereich, wird damit unterminiert.
Die Stärke der ägyptischen Währung ist nicht mehr zu halten. Der Florentiner und die Venezianischen Goldmünzen werden dagegen sehr beliebt: Dukaten und Zechinen (S.250).

1426
Ägypten besetzt Zypern
Der zypriotische König wird zum mamlukischen Vasall degradiert (S.244).

Kairo: Einführung des Asrafi Golddinar
Sultan al-Asraf Barsbay versucht, mit Einführung der neuen Goldmünze "Asrafi Golddinar", die Florentiner und Venezianer Goldmünzen aus dem Land zu bannen. Der Asrafi Golddinar hat sogar einen etwas höheren Goldanteil als der Florentiner. Im eigenen Land kann er sich aber nicht durchsetzen (S.250).

1430
Kairo: Nochmaliger Versuch mit dem Asrafi Golddinar
aber wieder kann sich der Asrafi Golddinar gegenüber dem Florentiner und den venezianer Goldmünzen im eigenen Land nicht durchsetzen. Dagegen wird er ausserhalb Ägyptens, z.B. im Iran, sehr beliebt und beginnt dort eine währungspolitische Rolle zu spielen (S.250).

ab 1430 ca.
Ägypten: wachsendes Stiftungswesen zur Umlagerung von Kapital
Das Stiftungswesen durch Emire und Sultane und deren Familienangehörigen dehnt sich aus. Dadurch können die Einnahmen von den Konfiskationen und Zwangsmassnahmen umgelagert und an breitere Volksschichten weitergegeben werden. Gründung von Gelehrtenzentren und Hochschulen nach europäischem Vorbild (S.250).

Fürstentum Hamah: Gleichstellung mit den übrigen syrischen Provinzen unter einem mamlukischen Gouverneur
(S.239)

ab 1450 ca.
Kairo: Aufkommende Derwischbewegung des Sufi-Ordens
(S.333)

Ägypten: Niedergang durch Verstaatlichungen
-- Handelsvolumen und Währungsreserven schrumpfen immer mehr
-- die wirtschaftliche Abhängigkeit Ägyptens von Indien und Osteuropa schwächt die allgemeine Stabilität des Landes (S.249).

im Laufe des 15.Jh./ ab 1450ca.
Kairo: Hofhierarchie:
-- der Schreibsekretär mit dem "herrscherlichen Tintenfass"/dawadar steigt zum heimlichen Aussenminister auf (S.231-232)

-- der Kämmerer, vormals nur ein Türsteher, übernimmt neben innermamlukischen Schlichtungen nun auch Richterbefugnisse ausserhalb des mamlukischen Milieus und praktiziert eine an der Yasa Dschingis Khans orientierte Rechtssprechung. Die Scharia ist "bedroht", wie gewisse Juristen sehr empört behaupten (S.232).

ab 1450 ca.
Kairo: Aufkommende Derwischbewegung des Sufi-Ordens
(S.333)

15. Jh.
Versteppung des östlichen Nildeltas
(S.234)

1453
Osmanische Expansion: Besetzung von Konstantinopel
(S.247)

1454
Jemen: Zerfall der Dynastie der Rasuliden
Das Reich löst sich in Anarchie auf, der Hafen Aden wird unsicher (S.241).

ab 1454
Arabien: Ausbau des Hafens Gidda - Hawwara in Oberägypten
Gidda wird zum Hauptplatz des Rotmeerhandels für den Indienhandel ausgebaut (S.241). Ab dem Ausbau des Hafens Gidda liegt Oberägypten abseits der Verkehrsströme. In der Folge dringen Beduinen der Hawwara vor, die die Macht von Sultan Barquq konzediert bekommen (S.247).

1457-1478
Bagdad: Uzun Hasan: Ägypten kann die Ostgrenze gegen den Turkmenenherrscher des Irak, Uzun Hasan, verteidigen
Anatolien bleibt als ägyptische "Interessensphäre" ägyptisch kontrolliert (S.247).

2.H. 15. Jh./ ab 1460 ca.
Kairo hat 130 Hochschulen - Kritik und Schattenwirtschaft
Die Entwicklung zur Bildung wird aber auch kritisch kommentiert, z.B. durch Abu Hamid al-Qudsi, der die vielen Hochschul- und Stiftungsgründungen als Werbung für die Sultane bezeichnet, um die Bevölkerung untertänig zu stimmen. Es seien Versorgungseinrichtungen für die jeweiligen Sultansfamilien.
Gleichzeitig beginnt sich um die Stiftungen und Hochschulen eine Schattenwirtschaft zu bilden (S.250) die sich der staatlichen Kontrolle entzieht (S.251).

1461-1467
Sultan Husqadam
-- kann sehr gut Arabisch
-- verehrt den Heiligen Unterägyptens: Ahmad al-Badawi von Tanta
-- versucht, die Scharia einzuführen (S.245).

1460 ca.
Ägypten: Besetzung des turkmenischen Grenzfürstentums der Dulgadir/Du l-Qadr
mit den strategischen Knotenpunkt Elbistan (heute Südtürkei) (S.247).

1468-1496
Sultan Muhammad b. QayitbayEr wird noch zu Lebzeiten seines Vaters eingesetzt. Manche ägyptische Juristen sehen darin einen schweren Rechtsbruch (S.229).

ab 1468
Kairo: Zum Teil dichterische Tätigkeit der Sultane
-- auch auf Türkisch, Persisch und Arabisch
-- Übersetzungstätigkeit klassischer persischer Literatur ins altosmanische Türkisch (S.245).

1480 ca.
ab Sultan Qayitbay: rege Bautätigkeit in Kairo
(S.251)

ab 1480 ca.
Turkmenistan zwischen Osmanen und Mamluken
Die Turkmenenfürstentümer Ramadan Ogullari und Dulgadir Ogullari sind im Spannungsfeld zwischen Osmanen und Mamluken (S.346).

1485-1490
Erster mamlukisch-osmanischer Krieg um die Taurusgrenze
(S.247)

1490
Der mamlukisch-osmanische Krieg um die Taurusgrenze geht "unentschieden" aus
mit "leichtem militärischem Plus" für die Mamluken, wobei die osmanische Seite nicht alle Kräfte eingesetzt hat (S.247).

Ägypten: Erste Feuerwaffen
Sultan Qayitbay gründet neben den berittenen Mamluken eine zweite Elitetruppe der Fusssoldaten, die mit Feuerwaffen kämpfen (S.251).

ab 1490 ca.
Ägypten: Mamluken verweigern den Gebrauch von Feuerwaffen
Die Mamluken finden den Gebrauch der neu entwickelten Arkebusen als unehrenhaft (S.251).

ab Ende 15. Jh./ ab 1490 ca.
Ägypten: Portugiesische Besetzungen am Roten Meer
Die politische Schwäche Ägyptens verstärkt sich durch portugiesische Raubzüge im Roten Meer gegen muslimische Handelsschiffe und portugiesische Landbesetzungen am Roten Meer (S.250).

1491
Kairo: Leere Kassen - Steuergesetz für Stiftungen
Sultan Qayitbay verfügt ob der leeren Staatskasse, dass die Stiftungen den Gegenwert der Einkünfte von fünf Monaten an den Staat leisten müssen (S.251).

1496-1498
Ägypten: Tod von Sultan Qayitbay - Nachfolger: der Sohn - Revolte der Mamluken gegen Feuerwaffe
Als der Nachfolger eine Truppe schwarzer Arkebusiere rekrutiert, kommt es in der ägyptischen Mamlukenarmee zu einer Revolte. Den Mamluken erscheint die Feuerwaffe als unehrenhaft, weil kaum noch ein Nahkampf stattfindet (S.252).

ab 1500 ca.Ägypten: Neomamlukische Beys
Die Beys aus osmanischer Zeit verderben den Ruf der Mamluken durch Korruption und Willkür (S.236).

Ägypten: Die Mamluken sind sehr zerstritten. Rücksichtslose Blutfehden.
(S.252)

ab 16. Jh.
Europa überholt den osmanisch-muslimischen Raum in der technischen Entwicklung
-- wissenschaftlich-technologisch
-- militärisch
-- ökonomisch (S.365).

1501-1516
Kairo: Sultan Qansawh al-Gawri
(S.245); "Leistungen" von Sultan Qansawh al-Gawri:
-- grosse Anzahl gestifteter Güter
-- viele Konfiskationen und Grausamkeiten (S.252).

1504
Kairo: Noch immer finden sich christliche Kopten als leitende Beamte im Sultanhof
(S.231)

ab Anfang 16. Jh./ ab 1505 ca.
Portugal: Besetzungen am Roten Meer und am Indischen Ozean
->> Beeinträchtigung des ägyptischen Indien- und Rotmeerhandels
->> der Pilgerverkehr nach Medina und Mekka ist mittelbar gefährdet (S.330).

Anfang 16. Jh./ 1505 ca.
Ägypten: Kaffee aus dem Hedschas wird Mode
(S.336)

16. Jh./ ab 1510 ca.
Portugal bricht das Gewürzmonopol der arabischen Welt
Portugal bricht mit dem Seehandel um Afrika herum das ägyptische Monopol im Gewürzhandel, wodurch der Gewürzhandel in Ägypten einen gewissen Einbruch erleidet. Aber einen ökonomischen Einbruch erleidet Ägypten und der Mittelmeerraum dadurch nicht (S.336).

1512-1520
Konstantinopel: Sultan Selim I.
(S.326)

1514
Konstantinopel-Persien: Sieg der Osmanen über den Safawidenschah Isma ‘il von Persien
aus osmanischer Sicht ein "Ketzer" (S.251).

Konstantinopel-Ägypten: Vorgehen gegen Portugal am Roten Meer
Gemeinsamer Feldzug von Osmanen und Mamluken gegen portugiesische Besetzungen am Roten Meer, um den portugiesischen Gewürzhandel zu stören und das eigene Monopol zu stärken (S.251).

Ägypten: Erneute Revolte der Mamluken gegen die Feuerwaffe
Die Einführung einer Truppe von Arkebusieren in der ägyptischen Armee scheitert erneut an einer Revolte (S.252).

1516-1517
Syrien, Palästina, Ägypten und Hedschas werden osmanisch besetzt
(S.323)

1516/1517: 24.8.1516
Osmanische Eroberung Syriens
(S.246) unter Sultan Selim (S.251): Osmanischer Sieg bei Marg Dabiq in Nordsyrien gegen das ägyptische Heer unter Sultan Qansawh al-Gawri, durch Hochverrat des mamlukischen Gouverneurs von Aleppo (S.252).

Ende Aug 1516
Ägypten: Tod von Sultan Qansawh al-Gawri durch Herzschlag - Nachfolger: Neffe Tuman Bay
Der letzte Sultan Tuman Bay kommt vom Amt des Schreibsekretärs (S.232).

Ende 1516
Ägypten: das letzte Aufgebot gegen die Osmanen
Sultan Tuman Bay stellt das letzte Aufgebot an Mamluken gegen das gut ausgerüstete, mit Feuerwaffen bestückte, osmanische Heer zusammen (S.252).

23.1.1517
Ägyptische Niederlage gegen das osmanische Heer - Ermordung von Sultan Tuman Bay
Ägypten scheitert am mamlukischen Reiterstolz. Besetzung von Kairo und Hängung von Sultan Tuman Bay im Bab Zuwayla (S.252).

ab Februar 1517
Ägypten verklärt Sultan Tuman Bay - getrennte Provinzen Syrien und Ägypten
Die Bevölkerung Ägyptens ehrt Tuman Bay noch jahrelang. Ägypten und Syrien werden fortan als getrennte Provinzen türkisch verwaltet. Türken und Tscherkessen behalten aber ihre Elitepositionen in Ägypten weiter (!) (S.252).

Februar 1517 ca.
Kairo: Kalifentführung und "spurloses Verschwinden"
Der Kairoer Kalif al-Mutawakkil III. wird nach dem Fall Kairos vom osmanischen Eroberer Selim nach Konstantinopel gebracht, wo "sich seine Spur verliert" (S.231).


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