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Islam-Chronologie: 4. Islamisierung Nordwest-Afrikas - Berberreiche, Sevilla, Córdoba

und Normannen-Sizilien
750-1600

von Michael Palomino (2000 / 2005 / 2010 / 2015)

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aus: Ulrich Haarmann Hg.: "Geschichte der arabischen Welt"; C.H.Beck-Verlag, München 1987          
Unter Mitwirkung von Ulrich Haarmann: Einleitung (S.9f.)
Albrecht Noth: Früher Islam (S.11-100)
Tilman Nagel: Das Kalifat der Abbasiden (S.101-165)
Heinz Halm: Die Fatimiden (S.166-199)
Heinz Halm: Die Ayyubiden (S.200-216)
Ulrich Haarmann: Der arabische Osten im späten Mittelalter 1250-1517 (S.217-263)
Hans-Rudolf Singer: Der Maghreb und die Pyrenäenhalbinsel bis zum Ausgang des Mittelalters (S.264-322)
Barbara Kellner-Heinkele: Der arabische Osten unter osmanischer Herrschaft 1517-1800 (S.323-364)
Alexander Schölch: Der arabische Osten im neunzehnten Jahrhundert 1800-1914 (S.365-431)
Helmut Mejcher: Der arabische Osten im zwanzigsten Jahrhundert 1914-1985 (S.432-501)
Peter von Sivers: Nordafrika in der Neuzeit (S.502-592)



Chronologie

Islamischer Expansionswahnsinn in Spanien und Bürgerkrieg zwischen Damaskus und Kufa

um 700
N-Afrika: Berber-Gebiete: Sanhaga-Berber und Kutama-Berber
-- die Sanhaga-Berber leben "nördlich bzw. nordöstlich einer Linie vom Nordrand des Gabal Awras bis Tinis [Druckfehler?] an der Küste"

-- die Sanhaga-Berber leben als Schafzüchter, Bauern und v.a. als Bergbewohner in den Gebirgsmassiven der Kabylei und Msila, kaum Städte, nur kleine Marktorte

-- ihr Stammvater ist Manod, eine Stütze der Aglabiden, verteidigt die sesshaften Talkata und andere Stämme (S.288)

-- die Kutama-Berber leben im mittleren Nordafrika in Tripolitanien (S.286).

713
Spanien: Grafschaft Aragón wird muslimisch besetzt
(S.276)

ab 714
Sp/Port.: Bevölkerungsschichtung der iberischen Halbinsel
Jüdische Gemeinden in Spanien leisten den muslimischen Verwaltern weiter Kooperation, weil sie unter den Christen sehr schlecht behandelt wurden.
Die Gliederung der Araber und Berber bleibt bis mindestens Ende 10.Jh. stammesmässig erhalten. Es ergibt sich ein Durcheinander von Loyalitäten und Feindschaften, das die muslimische Verwaltung erheblich behindert (S.275).

Sevilla: "Befriedung": drei grosse Marken - unabhängige Banu Qasi
Die Emire von Sevilla verbringen die Zeit nur mit "Befriedung" und Sicherung der Grenzen auf der Halbinsel (S.276).

In der Mitte der Halbinsel werden drei grosse "Marken" organisiert:

-- "Obere Mark": mit Hauptstadt Zaragoza, halb oder ganz unabhängiges Fürstentum unter der Dynastie der gotisch-stämmigen Banu Qasi

-- "Mittlere Mark": mit Hauptort Toledo, mit militärischem Zentrum in Toledo als Ausgangspunkt der oft jährlichen Feldzüge an den oberen Ebro und Duero, d.h. nach der stereotyp wiederholten Zielvorgabe "Álava und Kastilien", und ins ewig rebellische Baskenland

-- "Untere Mark"/"Nahe Mark" mit Hauptort Mérida mit dem Gebiet des heutigen mittleren Portugal und der spanischen Extremadura (S.276).

Oktober 732
Spanien/Frankreich: Arabisch-islamischer Raubfeldzug wird zwischen Tours und Poitiers von Truppen unter Karl Martell vernichtet
behauptet Haarmann (S.267).

Ende 732
Frankreich: Aquitanien wird wieder ins Frankenreich eingegliedert und die fränkische Grenze kann weiter an die Pyrenäen vorgeschoben werden
(S.267)

734
Spanien/Frankreich: Arabisch-islamischer Raubfeldzug ins Rhonetal
(S.267)

739-757
Regierung Alfons I. von Kantabrien(S.267)

740
N-Afrika: Berberrevolten und arabisch-islamische Niederlagen auf Afrika
-- Revolte der Berber gegen die arabische Verwaltung in Nordafrika, vor allem im heutigen Marokko (S.267) unter Führung des Maysara
-- Besetzung von Tanger und weiterer Gebiete
-- zum Teil wird die arabische Verwaltung auf immer zerstört (S.268).

Im Zuge des Berberaufstandes räumen die Berber in Spanien den Nordwesten der Extremadura (S.275).

N-Spanien: Vertreibung muslimischer Araber
-- Beginn der Vertreibung der muslimischen Araber in die südlichen Provinzen der Halbinsel (S.267)
-- der Nordosten der iberischen Halbinsel, die Septimania und die Fussberge der Pyrenäen gehen der muslimischen Herrschaft verloren (S.276).

740 ca.
N-Spanien: Heirat innerhalb des gotisch-fränkischen Widerstands
Alfons I. von Kantabrien heiratet die Tochter von Gotenführer Pelayo (Pelagius). Beginn der gemeinsamen Rückeroberung ("Reconquista") der iberischen Halbinsel gegen die arabisch-islamischen Besetzer (S.267).

741
NW-Afrika: Gründung des Berberreichs der Bargawata
zwischen den Küstenstädten der Atlantikküste Sala und Safi, existiert bis ins 11. Jahrhundert (S.269).

Spanien-Syrien: Arabisch-syrische Armee als Hilfe für die muslimische Herrschaft in Spanien
Übersetzen einer ganzen arabischen Armee auf die iberische Halbinsel als Unterstützung gegen die Berberrevolten. Teile des syrischen Heeres stehen unter Balg b. Bisr und ziehen aus Berbergebieten Afrikas ab (heute Nord-Marokko) (S.266).

Ende 741
Spanien: Niederlage der syrisch-arabischen Ersatzarmee gegen die Berber - Flucht nach Ceuta
Die syrische Ersatzarmee wird am Wad Subu von berberischen Kampfeinheiten schwer geschlagen. Die Vorhut der arabischen Armee, ca. 7000 Reiter, flüchtet nach Ceuta, wo sie belagert wird (S.267).

Anfang 742 ca.
Spanien-Syrien: Hilfeabkommen zwischen Córdoba und der syrischen Armee unter Balg b. Bisr in Ceuta
Ceuta: Der Kommandeur der übriggebliebenen Vorhut der syrischen Armee, Qaysit Balg b. Bisr, bittet den Gouverneur von Córdoba um Hilfe gegen die berberische Belagerung.
Unter der Bedingung, dass die 7000 arabischen Reiter bei der Bekämpfung der Berber auf der iberischen Halbinsel behilflich seien und dann wieder nach Syrien abziehen werden, stimmt der Gouverneur von Córdoba zu (S.267).

Mitte 742 ca.
Spanien: Córdoba und syrische Armee vernichten die Berber - Syrer besetzen Sevilla - Balg b. Bisr neuer Gouverneur von Sevilla
Ceuta: Die arabischen Truppen aus Córdoba befreien die 7000 Reiter der syrischen Armee. Diese setzen auf die iberische Halbinsel über und vernichten die "drei berberischen Heersäulen", setzen sich dann im Land fest und verjagen den Gouverneur von Sevilla.

Der arabisch-syrische Führer Balg lässt sich zum neuen Gouverneur von Sevilla ausrufen und die sechs Abteilungen der syrischen Reiter (samiyyun) werden auf die Provinzen verteilt, vorzugsweise auf dem Land, im Gegensatz zu den städtischen Arabern (baldiyyun) (S.267).

ab 743
Córdoba: Konflikt der Araber mit den muwalladun im Emirat - Neumuslime fühlen sich bedrängt - Banditentum "bandolerismo" in ganz Spanien / Portugal
Ab der Einwanderung der Syrer empfinden die Neumuslime der iberischen Halbinsel die arabischen Einwanderer als Bedrohung und organisieren den Widerstand. Zudem herrscht auf der Halbinsel ein ausgeprägtes Banditentum "bandolerismo" der aufkommenden verschiedenen Bevölkerungsgruppen gegeneinander (S.279).

Ausbreitung der arabisch-syrischen Bevölkerungsgruppen in Spanien
Die arabischen Gruppen verteilen sich auf die südlichen Provinzen der iberischen Halbinsel und leben dort als "Nutzniesser" auf den Krondomänen. Es kommt zu einer tiefgehenden Islamisierung und Orientalisierung (S.266).

744
Ifriqiya erklärt die Unabhängigkeit von Ägypten
unter einem Urenkel Sidi ‘Uqbas’: ‘Abd ar-Rahman b. Habib. Die Unabhängigkeit hat bis 755 Bestand (S.271).

747-756
Spanien: Diktatur von Yusuf al-Fihri in Sevilla
schafft eine gewisse Stabilität zwischen Nord- und Südarabern und beendet die Bevorzugung der Nordaraber (S.268).

750
Damaskus: Sturz der Umayya-Kalifenherrschaft - Ermordung fast der ganzen Umayya-Sippe - Banu l-’Abbas - "Abbasiden"
Die Untergrundbewegung "Haschimiyya" stürzen den letzten Umayya-Kalifen und etablieren Banu l-’Abbas ("Abbaside") als Kalif. Es folgt die Vertreibung und Ermordung fast der ganzen Umayya-Sippe (S.279).

Das unabhängige Ifriqiya kann durch die Wirren in Damaskus und Kufa seine Unabhängigkeit gegenüber Ägypten halten (S.271).

750-755
Hungersnot in Nordspanien - Abzug von Berbergruppen nach Nordafrika
Grosse Berbergruppen räumen ihre Siedlungen in Nordspanien und ziehen nach Nordafrika zurück (S.268).

8. Jh./ ab 750 ca.
Ifriqiya: Die Orthodoxie malikitischer Observanz gewinnt gegen die Religionspraxis der harigitischen Berber die Dominanz
(S.272)

um 751
Spanien/Franken: Narbonne wird arabisch-muslimisch besetzt
Zu weiteren muslimischen Vorstössen über die Pyrenäen kommt es kaum (S.267).


Christlich-islamischer Dauerkampf in Spanien - beginnende Arabisierung in Nordafrika - islamische Invasionen auf Sizilien und Kreta - Plünderungen bis Rom und Zusammenbruch Ifriqiyas

Zusammenfassung
Auf der iberischen Halbinsel kann ein Umayyadenflüchtling in Córdoba ein neues islamisches Emirat installieren. Es kommt zum Dauerkampf zwischen Islam und Christentum, der unter anderem auch mit Bandenkrieg/"bandolerismo" durchgeführt wird. Ifriqiya ist Objekt der Begierde Ägyptens und der Berber gleichzeitig, während Karl "der Grosse" auf Spanien zurückeroberte Gebiete neu verteilt. Córdoba führt fromme islamische Riten ein, wodurch die Lage immer mehr zwischen Islam und Christentum eskaliert. Gegenseitige Vertreibungen sind über Jahrhunderte an der Tagesordnung, und die Berberreiche um Fes und Marrakesch nehmen nacheinander vertriebene Araber und vertriebene Christen auf. Als Mittel zur Minderung von Widerstand gelten auch islamische Invasionen auf Sizilien und Kreta. Und zum Spass plündert eine Flotte Ifriqiyas auch einmal Rom. Sogar eine Zusammenarbeit zwischen Ifriqiya und Neapel ist nicht tabu. Der Zusammenbruch der blühenden Kultur Ifriqiyas folgt jedoch auf dem Fuss. Zwischen den direkten Gottesparteien des Mittelmeeres kommt es weiter nicht zur Vernunft einer Verständigung.

Chronologie (Fortsetzung)

um 754
Syrien-Spanien: Umayyade ‘Abd ar-Rahman flüchtet nach Spanien - Kampf gegen Diktator Yusuf von Sevilla
Landung eines Umayyadensohnes, Sohn einer Nafza-Berberin, ‘Abd ar-Rahman, nach fünf Jahren Flucht durch Nordafrika in Almuñécar. Abd ar-Rahman beginnt sofort, ein Heer gegen Diktator Yusuf von Sevilla zu organisieren (S.268).

755
N-Afrika: Besetzung Ifriqiyas durch harigitische Berberstämme
(S.271)

756
Spanien: Sieg von ‘Abd ar-Rahman gegen Diktator Yusuf - Proklamation des Umayya-Emirats Córdoba
Der Umayyade Abd ar-Rahman kann Yusuf von Sevilla militärisch besiegen und proklamiert das umayyidische Emirat von Córdoba (S.268).

Emirat Córdoba: Die Bevölkerungsstruktur
-- mehrheitlich nicht-muslimische Elemente

-- vor allem Christen romanisch-gotischer Abstammung

-- jüdische Gemeinden, die zum Teil mit den muslimischen Verwaltern kooperieren, weil sie unter der christlich-gotischen Herrschaft sehr gelitten haben

-- arabische Einwanderer der ersten Phase, die "Besetzer" ("baldiyyun") mit integrierten Nicht-Arabern Asiens, meist "Nordaraber" und in Städten wie Córdoba, Sevilla und Beja angesiedelt

-- arabische Einwanderer der "zweiten Phase", die "Syrer" ("samiyyun"), Südaraber, auch mit integrierten Nicht-Arabern Asiens, die unter Führung von Balg b. Bisr gelandet sind und vor allem auf dem flachen Land und in der von ihnen gegründeten Lagerstadt Ilbira bei Granada siedeln

-- eingewanderte Berber, während der islamischen Besetzung eingewandert, siedeln - wahrscheinlich zwangsweise - im Ebrobecken, um Valencia, in der südlichen Mesata und der Extremadura (S.275).

ab 756
Emirat Córdoba: Wirtschaft und Struktur
-- das Emirat hat eine meist blühende Wirtschaft, "reichliche" Staatseinkünfte (S.275)
-- das Emirat hat eine vorbildliche und bestimmende Architektur und vor allem keine zentralistische Struktur (S.275)
-- das Emirat muss sich im Gegenteil mit den verschiedenen Bevölkerungsgruppen arrangieren und das Emirat zum Teil mit indirekten Herrschaften geschickt zusammenhalten (S.276).

756 (?)
Spanien: die grossen "Marken" der Mitte - viele Aufstände gegen die muslimische Herrschaft
Nach der "Befriedung des Westens" bleiben zwei Marken, die "Obere" und die "Mittlere", wo ein Militärgouverneur ("qa ‘id") die Regierung innehat im Gegensatz zu ruhigeren Provinzen, wo Zivilgouverneure ("wali") die Verwaltung leiten (S.276).

Die Bevölkerung der Marken, vor allem in den Hauptstädten Zaragoza, Toledo und Mérida, rebellieren gegen die muslimische Besetzung mindestens ein halbes Dutzend Mal und sind oft jahrelang von Córdoba praktisch unabhängig, zum Teil mit drastischen Reaktionen der Emire (S.276).

Gleichzeitig ist die Zusammenarbeit der "Oberen Mark" Zaragoza und des Fürstenhauses der Banu Qasi für die Emire unentbehrlich (S.276.

um 757
Nordafrika: Sigilmasa: Neue Glaubensgruppe der Miknasa-Berber: Emirat Sigilmasa
Die Miknasa-Berber gründen in der Region Tafilalt (heute inneres Marokko) das Emirat Sigilmasa mit gleichnamiger Hauptstadt.

Sigilmasa ist der nördliche Ausgangspunkt der Sahara entwickelt in der Folge grosse wirtschaftliche Bedeutung als Ausgangspunkt der Beduinenrouten (S.269).

761
Ägyptische Besetzung Ifriqiyas - Vertreibung der harigitischen Berber
Ägyptische Truppen unter dem "wali" besetzen Ifriqiya und vertreiben die harigitischen Berberstämme. Aber weite Gebiete in Ifriqiya bleiben berberisch (S.271).

um 761
N-Afrika: Tahert: Gründung des muslimisch-orthodoxen Reichs Tahert-Tiaret - "Rustamiden" - Besetzung von Tripolitanien und des Awras
Ein Perser/Iraner der ibaditischen Harigiten, ‘Abd ar-Rahman b. Rustam, gründet südlich von al-Asnam ein theokratisches Reich namens Tahert-Tiaret (heute zentrales Algerien) (S.269) und begründet die Herrscherlinie der "Rustamiden". Christen bleiben zum Teil in ihren hohen Positionen, müssen sich dabei aber der Staatsraison anpassen.
Tahert unterwirft unter Führung des Ibaditen Gabal Nafusa Tripolitanien und die sesshaften Berber des Awras. Beide Gebiete werden der Zinsknechtschaft unterworfen (S.271).

ab 761
N-Afrika: Planmässige Arabisierung von Tahert aus
Tahert wird zu einem Araberzentrum mit Einwanderern der Harigiten und der Mu ‘tazila (S.271).

8./9. Jh. / 761-900 ca.
N-Afrika: Arabisierung von Kairuan aus
Von Kairuan aus vollzieht sich die sprachliche Arabisierung weiterer Städte in Ifriqiya, dann des flachen Landes, dann weit entfernter Zentren wie Constantine, Tlemcen und Fes. In diesem Zusammenhang verbreitet sich die arabisch-islamisch-orientalische Lebensweise und Kultur (S.271).

763 ca.
Tahert: Bündnis des Rustamidenstaates Tahert mit Sigilmasa im Wüstengrenzgebiet Tafilalt der Miknasa-Berber
(S.271)

768
Spanien "bandolerismo": Berberbande unter SaqyaDie Saqya-Bande ist in der südlichen Meseta zwischen Tajo und Guadiana "am Werk" und überfällt und tötet u.a. den Gouverneur von Santaver (heute Cuenca). Dies ist nur eine der vielen Banden in Spanien, die mit Überfällen und Bandentum die muslimische Herrschaft unsicher machen wollen (S.279).

771-793
Ifriqiya: Muhallabitische Gouverneure in Ifriqiya - die Zeit gilt als "goldenes Zeitalter"
-- Schaffung der Grundlagen des Geisteslebens und der materiellen Kultur des frühmittelalterlichen Ifriqiya
-- Schaffung der Grundlage für eine Wasserwirtschaft durch Wasserwirtschaftsbauten (S.271).

ab 771 ca.
Ifriqiya: Mischbevölkerung und Recht
-- Ifriqiya bleibt ein Mischstaat von Berbern, lateinischer Bevölkerung ("afariq") und Byzantinern ("rum")
-- die christlichen und jüdischen Minderheiten bleiben stark.
-- es kommt zu einem immerwährenden arabischen Bevölkerungszufluss von vielleicht 100’000-150’000 innert 150 Jahren
-- Araber gelten als "Freie" (S.271)
-- Leute, die zum Islam übergetreten sind, gelten als "Freigelassene" ("mawali")
-- Sklaven, die zum Islam übergetreten sind, gelten ebenfalls als "Freigelassene". Sklaven machen ca. ein Viertel der gesamten Bevölkerung aus (S.272)

[die genauen Diskriminierungen gegenüber Christen und Juden bleiben unerwähnt].

775 ca.
Ifriqiya: Kopten werden für arabische Heere in Tunis zwangsverpflichtet
Hassan b. an-Nu ‘man zwingt Kopten, sich in Tunis anzusiedeln und das Heeresarsenal zu betreiben (S.271).

776
Spaniens "bandolerismo": Ende der Tätigkeit der Berberbande unter Saqya
(S.279)

778
Spanien-Baskenland: Rückzug des Heers Karls des Grossen aus der "Spanischen Mark".
Die Nachhut unter Graf Hruotland / Roland wird am Pass von Roncesvalles von baskischen Einheiten vernichtet (S.276).

ab 780 ca.
Ifriqiya: Leitbilder des Geisteslebens: Theologen, Juristen, Fromme, juristische Diskussion
Die verschiedenen Rechtsauffassungen repräsentieren sich in den Werken von Asad b. al-Furat und Sahnun b. Sa ‘id.

Der Jurist Asad b. al-Furat, 759-828, Schüler Maliks, mit Studium in Syrien und Bagdad und somit unter hanafitischem Einfluss, verfasst eine "summa iuridica": "Asadiyya". Mit seinem Werk geht die Epoche des "hadit" und des "igtihad" zu Ende.

Der Gegenpol und Reaktion darauf ist Sahnun b. Sa ‘id, der gegen die hanafitischen Züge der "Asadiyya" angeht, mit seinem Werk "Mudawwana", das die strenge malikitische Rechtsauffassung vertritt. Sahnun setzt sich letztlich beim Volk durch, wird vom Regierungshof jedoch verachtet. Die Spaltung zwischen Volk und Regierung wird schliesslich unausweichlich (S.274).

Ifriqiya: Die malikitische Religionspraxis kann die harigitische Religionspraxis der Berber völlig verdrängen
(S.272)

788
NW-Afrika / Volubilis: Neuer Führer Idris I. - "Idrisiden"- EroberungszügeEin alidischer Scherif Idris I., angeblich von Hasan abstammend, aus Asien vor Verfolgung geflohen, ernennt sich unter den Awaraba-Berbern um das antike Volubilis in Walila / Ulili zum Führer aus.

Er gründet einen kleinen Berberstaat um Volubilis, wahrscheinlich gemässigt schiitisch ausgerichtet, und begründet die Linie der "Idrisiden".

Noch im selben Jahr beginnt er mit Eroberungszügen in der Umgebung und Unterwerfungen (S.269).

788-796
Córdoba: Tod von ‘Abd ar-Rahman I. - Nachfolger: Sohn Hisam I.
Hisam I. muss einige Rebellionen kleinerer christlicher Reiche des Nordens und in den spanischen Marken mit Feldzügen niederschlagen, um nicht an Macht zu verlieren (S.277).

789
NW-Afrika/Volubilis: Gründung von Fes
Idris I. von Volubilis gründet das Madinat Fas (Fes), ein Marktort berbischer Prägung (S.269).

ab 790
Córdoba: Glaubensgruppe des "Adoptionismus" unter Führung von Bischof Elipandus von Toledo
dem Primas von ganz Hispanien. Aufgrund seiner Position kann der Papst keinen Widerspruch gegen die Glaubensgruppe der "Adoptionisten" einlegen (S.278).

791-828
NW-Afrika/Fes: Tod von Idris I., Nachfolger Idris II., Ausbau von Fes.
(S.269)

792 ca.
Ifriqiya: Bau der befestigen Kaserne (Ribat) von Susa
(S.271)

795
Spanien/Frankreich: Errichtung der "Spanischen Mark" durch Karl "den Grossen"
(S.276)

[Gemäss neueren Angaben soll es "Karl den Grossen" nie gegeben haben und alles nur ein Schwindel einer Clique von Mönchen sein. Es fehlen jegliche irdische Überreste seiner Zeit wie Tonscherben etc.].

795
Ifriqiya: Bau der befestigten Kaserne (Ribat) von Monastir
(S.271)

Ende 8. Jh./ ab 795 ca.
Ifriqiya: anwachsende Anarchie - die Nachbarn freuen sich
Für Nachbarstaaten wächst die Attraktivität einer Besetzung, die ohne viel Aufwand zu vollziehen wäre, um dann Ifriqiya kommerziell auszubeuten (S.272).

796-822
Córdoba: Tod von Emir Hisam I. - Nachfolger: Sohn al-Hakam I.
ist ein energischer und brutaler Monarch (S.277).

ab 796
Córdoba: Aufstände - Kampf um die Thronfolge - Karl der Grosse verteilt Gebiete (!)
-- Aufstände gegen Emir al-Hakam I. in den Marken
-- gleichzeitig muss sich Emir al-Hakam I. gegen Thronansprüche der Onkel durchsetzen
-- ein Onkel von Emir al-Hakam I. protestiert bei Karl "dem Grossen" gegen al-Hakam I. und bekommt von Karl "dem Grossen" das Gebiet von Valencia zwischen Huesca und Murcia zugesprochen (S.277)

797
Córdoba: Angebliches orthodox-muslimisches Massaker
Emir al-Hakam I. soll 5000 Leute aus Toledo in den Alcázar (Schloss) eingeladen und dann massakriert gelassen haben (S.276).

um 800
Córdoba: Einführung des malikitischen Ritus
durch den "frommen" Emir al-Hakam I., Abschaffen des Ritus des Awza ‘i (gest. 774). Er lässt die schafiitische Rechtsschule von Muhammad I. unauffällig weiterarbeiten, so dass sie sicher nichts bewirken kann (S.277).

800-812
Ifriqiya: Emir Ibrahim b. al-Aglab - "Aglabiden" - Bevölkerungsstruktur
Der arabische Offizier und Gouverneur des Zab, Ibrahim b. al-Aglab, schafft es, sich von Bagdad als erblichen Emir Ifriqiyas einsetzen zu lassen. De facto ist er von Bagdad unabhängig, erhält aber immer die Bindung zum Bagdader Kalifat (S.272).

Das Staatsgebiet der Aglabiden umfasst das heutige Ost-Algerien, das heutige Tunesien und die tripolitanische Küstenebene bis Labda (S.272).

Unabhängige Berbergebiete um Ifriqiya
-- Kutama-Berber in der Gebirgsregion der Kleinen Kabylei
-- haragitische Berber in den Gebieten Awras und Gabal Nafusa (S.272).

ab 800
Aglabiden in Ifriqiya: setzen das Wasserwirtschaftssystem der muhallabitischen Gouverneure fort. Tunis wird Sitz des syrischen Heeres (S.271).

Die öffentliche Meinung stellt sich fortan gegen die neue Aglabidendynastie (S.273).

801
Spanien: Entstehen von fränkischen Grafschaften an der Nordostküste durch Vertreiben der Araber
(S.276)

805 ca.
Ifriqiya: Neuer Regierungssitz al-’Abbasiyya neben Kairuan - "Schwarze Garde"
Ibrahim I. lässt sich ein paar Kilometer südlich von Kairuan einen Regierungssitz bauen mit dem Namen al-’Abbasiyya, mit einer eigenen Garde von 5000 Schwarzen (S.272)

805
NW-Afrika: Fes: Einwanderer aus Kairuan (Ifriqiya)
(S.269)

Córdoba: Komplott gegen Emir al-Hakam I. niedergeschlagen
wahrscheinlich wegen des extremen malikitischen Ritus (S.277).

806
Spanien / Pamplona: Vertreibung der Araber aus Pamplona
-- Einrichtung einer fränkischen Grafschaft
-- in der Folge kommt es mehrfach auch zu antifränkischen Revolten (S.276).

809
Fes: Nachbarstadt al-’Aliya bei Fes für Kairuaner
Idris I. lässt gegenüber von Fes am anderen Flussufer eine Nachbarstadt namens al-’Aliya bauen, wo die im Jahr 805 eingewanderten Kairuaner städtisch siedeln können. Fes und al-’Aliya beginnen, einen Marktort orientalischer Prägung zu bilden (S.269).

ab 810 ca.
Fes: Feldzüge des Madinats Fes unter Idris II.
in Gebiete im Hohen Atlasgebirge und gegen die Stadt Tilimsan (Tlemcen). "Ausweitung" des Madinat Fes (S.269).

812
Spanien: Aragón: Vertreibung der arabischen Verwaltung aus Aragón
Gründung der christlichen Grafschaft Aragón (S.276).

812-817
Ifriqiya: Tod von Ibrahim I., Nachfolger: Sohn ‘Abdallah
mit relativ ruhiger Regierungszeit (S.272).

ab 817
Ifriqiya: Kriegspläne gegen Byzanz auf Sizilien
Ziyadat Allah I. hat eine solche Opposition in der öffentlichen Meinung, das er zum letzten Mittel der Machterhaltung greift: Aussenpolitik und Krieg. Er beginnt mit Planungen einer Invasion auf Sizilien gegen die dortige byzantinische Herrschaft (S.273).

817-838
Ifriqiya: Tod von ‘Abdallah - Nachfolger: Bruder Ziyadat Allah
(S.272)

818
Córdoba: Revolte der ganzen "Vorstadt" - Massenvertreibung der Revoltierenden
Die Revolte auf der anderen Seite des Guadalquivir gegen Emir al-Hakim I. wird niedergeschlagen und die Verantwortlichen der Revolte erbarmungslos liquidiert sowie die "Vorstadt" total zerstört. Die Einwohner des Viertels werden alle ausgewiesen, angeblich 20’000 Familien (S.277).

Die "Vorstädter" von Córdoba werden pauschal alle des Landes verwiesen:
-- nach Fes, wo sie ein "Ufer der Andalusier" gründen
-- nach Asien in die Piraterie
-- in die spanisch-arabischen Heerlager zur Vorbereitung der Besetzung von Kreta (S.277).

9. Jh./ ab 820 ca.
Oberflächliche Islamisierung ganz Nordafrikas
(S.295)

ab 820 ca.
Córdoba: Emir al-Hakam I. verschanzt sich immer mehr
Emir al-Hakam I. wird immer "verschlossener" und umgibt sich mit einer Leibgarde von mindestens 2000 fremden Söldnern, stationiert in zwei Kasernen nahe dem Alcázar unter dem Kommando des "comes der Christen", des Vorstehers der christlichen Gemeinde (S.277).

Córdoba: über 57 Sahnun-Schüler
Die malikitische Lehre von Sahnun b. Sa ‘id aus Ifriqiya bekommt im Emirat Córdoba gemäss Haarmann eine "starke Tradition" (S.274).
[Diktatorische Zustände kann man sehr höflich umschreiben...]

822-852
Córdoba: Tod von Emir al-Hakam I. - Nachfolger: ‘Abd ar-Rahman II.
(S.277)

ab 822
Córdoba: planmässige arabische Zuwanderung von Umayyaden und Kulturschaffenden
zur Etablierung der arabischen Kultur in Spanien - christliche Gegenwehr in Córdoba. Das Emirat begünstigt die Umayyaden-Nachzügler des ganzen Welt-Islam-Gebietes. Abkömmlinge der Umayyaden oder deren mawali sind im Emirat Córdoba willkommen, bekommen je nach Alter und Bedeutung eine Staatspension oder Staatsanstellung, mindestens aber eine Anstellung im Heer (S.278).

Zudem begünstigt Córdoba unter Rahman II. die syrische Zuwanderung, vor allem von Repräsentanten wie Dichtern, Gelehrten und Kaufleute. Das Emirat öffnet sich damit dem "Morgenland" nach allen vorherigen Unabhängigkeitsbestrebungen. Es ist eine Kehrtwende in der Kulturpolitik (S.278).

So kann in Spanien eine kulturelle Basis der arabo-islamischen Kultur entstehen, z.B. mit Hilfe des irakischen Sängers ‘Ali b. Nafi’ Ziryab, der nach Córdoba gerufen wird, um den "Lebensstil des Bagdader Hofes" "einzuführen". Diese Politik provoziert die Gegenwehr von Christen und "Mozárabern (S.278).

824-836
Ifriqiya: Aufstand des syrischen Heeres (dschund) aus Tunis gegen Kairuan
(S.272)

ab 824
Spanien: Pamplona erklärt die Unabhängigkeit von Franken
und gründet ein eigenes Staatswesen. Es ist der Grundstein zum späteren Königreich Navarra (S.276).

825 ca.
Sizilien: Rebellion gegen den diskreditierten byzantinischen Exarchen Euphemius - Euphemius ruft Ifriquiya zu "Hilfe" (!)
(S.273)

15.7.827
Sizilien: Invasion Ifriqiyas auf Sizilien als "Hilfeleistung" für das ungeliebte Byzanz
Eine Flotte Ifriqiyas der Regierung Ziyadat Allah I. läuft unter dem Oberbefehl von Asad b. al-Furat von Susa her Sizilien an. Der Oberbefehlshaber ist "ein hartnäckiger Opponent des Fürsten, dessen man sich auf diese elegante Weise entledigte." (S.273)

18.7.827
Sizilien: Landung der Flotte und der Truppen Ifriqiyas auf Sizilien bei Mazzara
(S.273)

827
Kreta: Muslimisch-spanische Besetzung
mit Leuten aus der "Vorstadt" Córdobas, die 818 wegen Revolte gegen Emir al-Hakam I. aus Córdoba verbannt wurden. Kreta bleibt bis 961 spanisch-muslimisch besetzt (S.277).

828
Fes: Tod von Idris II. - mehrere Söhne und Reichsteilung - Fes bleibt kultureller Mittelpunkt

Die Idrisidenlinie wird mit der Reichsteilung bedeutungslos, denn es sind fast ein Dutzend einzelne Fürstentümer, aber kulturell wirken diese mit ihren Hauptorten weiter fördernd zur Verbreitung islamischen Glaubens und orientalischer Zivilisation. Fes wird kultureller Mittelpunkt des Maghreb (S.269).

Sizilien / Syrakus: Muslimisch-ifriqinische Belagerung von Syracus 50 Jahre lang
mit der völligen Zerstörung der Stadt als Folge (S.273).

Ifriquia: Tod von Oberbefehlshaber Asad - Emir Ziyadat Allah I. hat einen Konkurrenten weniger
Der ifriqidische Oberbefehlshaber Asad stirbt in Sizilien an einer Seuche. Damit ist einer der schärfsten Widersacher von Emir Ziyadat Allah I. gestorben, was das Ziel des Emirs war. Die Auseinandersetzung zwischen Heer und Regierung ist aber noch nicht zu Ende (S.273).

830 ca.
Ifriqiya: Zerstörung von Tunis durch den Bürgerkrieg zwischen Kairuan und dem syrischen Heer
Das syrische Heer (dschund) verliert an politischem Gewicht (S.272).

831
Sizilien: Muslimisch-ifriqinische Besetzung von Palermo
Einrichtung einer muslimischen Verwaltung (S.273).

835
Italien: Beistandspakt zwischen Ifriqiya und den Herrschern in Neapel (!)
Herzog Andreas von Neapel erlaubt den Arabern, auf neapolitanischem Boden Stationen zu errichten (S.273)

840 ca.
Sizilien: Muslimisch-ifriqische Besetzung von Messina und Ragusa
Ungefähr ab diesem Zeitpunkt wächst auf Sizilien eine "arabisch-islamisch-griechische" Kultur heran (S.273).

840
Italien: Muslimisch-ifriqische Besetzung von Tarent
(S.273)

844 ca.
Italien: Muslimisch-ifriqische Besetzung von Brindisi
(S.273)

844
Lissabon / Córdoba: Erster Normannenzug in Spanien - Niederlage der Normannen
Landung in Lissabon, Besetzung von Cádiz. Die Normannen fahren mit ihren Schiffen den Guadalqivir hinauf und plündern sieben Tage lang Sevilla (S.277), bis sie dort von Truppen des Emirats geschlagen werden (S.277-278).

ab 844
Córdoba: Flottenbau des Emirats für bessere Abwehr
Das Emirat lässt eine Flotte bauen mit Hauptstützpunkt in Almería, um die Normannen zukünftig besser abwehren zu können, was auch gelingt (S.278).

846
Italien: Muslimisch-ifriqische Plünderung Roms
(S.273)

847
Italien: Muslimisch-ifriqische Besetzung von Bari, Ausrufung eines unabhängigen arabischen Emirat Bari
(S.273)
850 ca. bis 970 ca.
Spanien: Bürgerkrieg von Fatimiden gegen Umayyaden
Kämpfe zwischen Fatimiden und Umayyaden von Córdoba um die Vororte (Glacis). Córdoba hat die Miknasa-Berber als Verbündete (S.269).

ab 850 ca. bis 970 ca.
Mamimat Fes: Destabilisierung
Das Maminat Fes der Idrisiden wird in den Kämpfen der Fatimiden und Umayyaden von Córdoba um die marokkanische Stadt Glacis zerrieben (S.269).

851-859
Córdoba: Gegenwehr von Christen gegen den islamischen Kult am Hof, öffentliche Schmähungen des Propheten und des Islam
(S.278)

ab 851 ca.
Córdoba: Christliche Auswanderung nach N-Spanien
von Klerikern und Mönchen nach Asturien-León und Katalonien, wo sie neue Klöster gründen und kulturell neue Impulse vermitteln:
-- Architektur aus Andalusien: Hufeisenbogen über sehr schmalen Säulenschäften mit rechteckiger Umrahmung und dezentralisiertem Bogenrücken mit breitem oberen Teil, "cordobesischer Bogen"
-- Buchillumination
-- neue kostbare Stoffe (S.279).

ab 851
Córdoba: Emir Muhammad
(S.280); Córdoba: Muhammad I. lässt eine schafiitische Rechtsschule eröffnen, hat aber gegen die vielen inzwischen installierten malikitischen Rechtsschulen keine Chance, sich durchzusetzen (S.277).

856-863
Ifriqiya: Tod von Ziyadat Allah I. - Nachfolger: Abu Ibrahim Ahmad
(S.272)

859
Córdoba: Muslimisch-orthodoxes Massaker gegen Protestierende
-- 45 Todesurteile gegen protestierende Christen, darunter auch Araber, die gegen den islamischen Kult am Hof mittels Schmähungen des Propheten und des Islam protestiert haben (S.278)
-- darunter auch Priester und Historiker Eulogius, der ebenso wie alle anderen geköpft wird (S.278-279).

859 ca.
Córdoba: Historiker und Priester Eulogius verfasst ein "Memoriale Sanctorum" mit Schilderung der christlichen Proteste gegen die Islamisierung
(S.279)

859
Spanien/Córdoba: Erneuter Normannenangriff
(S.278)

Sizilien: Muslimisch-ifriqische Besetzung von Enna, dem Militärzentrum von Byzanz auf der Insel
(S.273)

ab 860 ca.
Ifriqiya: Gewaltige Strukturförderungen
-- Förderung der Wasserwirtschaft
-- Errichtung der "Bassins der Aglabiden" in Kairuan
-- Erweiterung der Sidi ‘Uqba-Moschee (S.272).

Ifriqiya: Wirtschaftliche Entwicklung mit bedeutendem wirtschaftlichen Aufschwung
-- Ifriqiya wird zur bedeutenden Wirtschaftsmacht und zu einer Handelsdrehscheibe mit Warenverkehr nach Asien und Europa, dort vor allem Byzanz und Italien mit Weizen- und Ölexporten.

-- vom Aufschwung profitiert auch das Kerngebiet Ifriqiyas, Sahil

-- Ifriqiya glänzt mit Produktion von Webwaren aus Baumwolle, Leinen und Seidenprodukten, Teppichen aus Kairuan, Mineralien (S.272)

-- Ifriqiya betreibt profitablen Sklavenhandel, eine eigene Handelsflotte und ein Steuersystem, das ohne Produktelieferungen auskommt (S.273).

Ifriqiya: Das Geistesleben entwickelt seinen "Höhepunkt"
-- Pflege von Poesie und Grammatik
-- Pflege von Astrologie
-- königliche Bibliothek in Kairuan ist für Gelehrte zugänglich
-- Pflege der Medizin (S.274).

863-875
Ifriqiya: Tod von Abu Ibrahim Ahmad - Nachfolger Muhammad II. Abu l-Garaniq
-- volle Staatskassen, reiches, fruchtbares Staatsland, wachsende Wirtschaft und Kultur (S.272)
-- gleichzeitig entwickelt die Regierung unter Muhammad II. Abu l-Garaniq eine Verschwendungssucht mit Wein und Jagd (S.273).

2. Hälfte 9. Jh. / 870 ca.
NW-Afrika zwischen Sala und Safi: Entstehen einer muslimisch-berberische Bargawata-Religion
-- Entstehen einer besonderen Religion im Berberreich der Bargawata zwischen Sala und Safi
-- mit kombiniertem sunnitischen, schiitischen und harigitischen Gedankengut, mit einem eigenen Koran von 80 Suren in berberischer Sprache (S.269).

ab 870 ca.
Spanien: Unabhängigkeit der Banu Qasi: Das Ebrobecken führt unter den Banu Qasi ein Eigenleben
(S.280)

871
Italien: Untergang des muslimisch-ifriqischen Emirats Bari
Die ifriqinisch-muslimischen Besetzer müssen ihre Verwaltungen aus Italien abziehen. Gleichzeitig ernennt Kairuan einen speziellen Gouverneur für das europäische Festland am Stiefel (S.273).

873/874
Ifriqiya: Pestepidemie, Hungersnot und Inflation
273

874
Spanien / Barcelona: Gründung der Markgrafschaft Barcelona
Die muslimischen Verwaltungen werden aufgelöst (S.277)

875-902
Ifriqiya: Regierung unter Ibrahim II.
Ibrahim II. ist eine zwiespältige Persönlichkeit mit Weitsicht und Grausamkeit in Einem (S.272-273).

876
Ifriqiya: Gründung der Residenzstadt ar-Raqqada
Ibrahim II. gründet die neue Residenzstadt ar-Raqqada 9 km südwestlich von Kairuan mit einer neuen Leibgarde aus Langobarden aus Süditalien, die von Neapolitanern vermittelt werden (S.273).

878
Sizilien: Muslimisch-ifriqinische Besetzung von Syracus
völlige Zerstörung der Stadt nach 50-jährigen Widerstand gegen die Belagerung (S.273).

878 ca.
Spaniens "bandolerismo": Gefangennahme eines umayyadischen Generals durch Asturianer
(S.280)

ab 878 ca.
Ifriqiya: Grundlose Hinrichtungen unter der Regierung Ibrahims II.
(S.273)

879
Spaniens "bandolerismo": Unruhen in den Gebirgsdistrikten des Südens
(S.280)

879 (?)
Spanien: Verbannung (?) von ‘Umar b. Hafsun wegen Todschlag
‘Umar b. Hafsun, Gutsbesitzersöhnchen aus der Region Ronda, erschlägt in einem Streit einen Nachbarn. Aus Rache wird er vom Mop ausgepeitscht. Gemäss Haarmann "wich [er] nach Afrika aus" [verbannt?] (S.280).

885 ca.
Spaniens "bandolerismo": Rückkehr von ‘Umar b. Hafsun aus Afrika, verzieht sich in unzugängliche Berge
und lässt eine gewaltige, kaum zugängliche, Wehranlage bauen: Bobastro. Mit seinem Bandenwesen bekämpft er den Emir in Córdoba (S.280).

888/889
Ifriqiya: Finanzreform nach Pest und Hungersnot
Die Regierung Ibrahims II. vollzieht eine Währungsreform und schafft mit dem neuen "dirham al-’asriyya" neue finanzielle Stabilität nach Pest und Hungersnot (S.273).

888-912
Córdoba: Emir ‘Abdallah mit sehr kleinem Territorium
Zeitweise ist das Emirat unter ‘Abdallah auf Córdoba und dessen Randbezirke beschränkt. Er hält aber durch, paktiert mit Rebellen, spielt sie gegeneinander aus, und rettet so das Emirat für seinen Nachfolger (S.280).

ab 893
Ifriqiya: Spaltungstendenzen
Die zwiespältige Regierung von Ibrahim II. hat zur Folge, dass ein fatimidischer "da ‘i" im Nordwesten Ifriqiyas gegen die Regierung agitieren und aufwiegeln kann (S.274).

895 ca.
Spanien/Córdoba: "bandolerismo": Rebell ‘Umar b. Hafsun beherrscht ganze Provinzen
‘Umar b. Hafsun beherrscht auf dem Höhepunkt seiner Macht die Provinzen Rayyo (Málaga) und Ilbira (Granada), ist mit Aufständischen der Provinz Jaén verbündet und hat mit Córdoba bereits Sichtkontakt (S.280).

898 ca.Córdoba: Abspaltungen von Territorien
Die muwalladun von Badajoz, Mérida, Beja und Faro (Algarve) erklären dem Emir von Córdoba die Rebellion und die Unabhängigkeit (S.280).

900 ca.
Córdoba-Europa: Das Feindbild verhindert die Vermittlung arabischer Wissenschaft und Literatur in Europa
Die Konfrontation, die Feindbilder und die Dressur zwischen Islam und Christentum sind derart stark, dass vor der Rückeroberung kein Kulturaustausch stattfindet. Die Vermittlung arabischen Wissens in Wissenschaft und Literatur vollzieht sich nur an Orten, die arabisch waren und wieder christlich besetzt sind. Gleichzeitig scheint die Sprachbarriere fast unüberwindlich. Texte oder Quellen über die Weitergabe von Wissen an die "ungläubigen" Christen sind unbekannt (S.293).

ab 900
Ifriqiya: Beispiele im Geistesleben - malikitische Angriffe auf die Regierung
Beispiele im Geistesleben sind zum Beispiel
-- das Traktat von Ibn al-Gazzar: "Viaticum"
-- das Wirken des Mediziners Constantinus Africanus in Salerno (S.274).

Gleichzeitig nehmen die Schwierigkeiten der Dynastie in Ifriqiya zu: Malikitische Juristen bezeichnen die Schwierigkeiten als eine Rache Gottes wegen der Lasterhaftigkeit des Regierungshofs. Das konservative Volk klagt mehr und mehr den lästerlichen Hof der Dynastie an (S.274).

902
Ifriqiya / Italien: Tod von Ibrahim II. vor Cosenza - Aufgabe aller muslimischen Stationen auf dem Stiefel
Nach dem Tod des Regierungschefs Ibrahim II. müssen die arabischen Invasoren alle arabischen Stellungen auf dem Stiefel räumen (S.273).

ab 905
Fes: Idriside Yahya IV.
(S.284)

906/907
Ifriqiya: Abspaltung des Zab
Der fatimidische "da ‘i" aus dem Nordwesten Ifriqiyas kann den Zab besetzen (S.274).

907
Spanien: Fürsten der gotisch-stämmigen Banu Qasi in der "Oberen Mark" Zaragoza sterben aus
(S.276)

908
N-Afrika: Ägyptische Besetzung des Staates Tahert
Der rustamidische Staat Tahert wird von Fatimidentruppen aus Ägypten zerschlagen. Reste der theokratischen Rustamiden wandern nach Sadrata nahe Wargla aus (heute südöstliche Sahara Algeriens) (S.271).

910
Ifriqiya: Sturz der Aglibidendynastie durch den fatimidischen Zab
Der fatimidische "da ‘i" aus dem Nordwesten Ifriqiyas kann die Aglibidendynastie stürzen. Die herrschende, verschwenderisch agierende Schicht wird vom konservativen Volk enthoben. Die Grundlagen für ein Staatswesen sind durch die Aglibiden für weitere Dynastien gelegt worden und werden weiter ausgebaut. Das Geistesleben wird weiter gepflegt (S.274).

910-948
Córdoba: Höhepunkt der christlichen Auswanderung aus dem Emirat Córdoba in den Norden Spaniens
(S.279)

912
Córdoba: Tod von Emir ‘Abdallah - Nachfolger: 21-jähriger Enkel ‘Abd ar-Rahman III.
(S.280)

ab 912 ca.
Innerer Maghreb: Die Rustamidenkunst von Tahert überlebt in Sadrata nahe Wargla
Die Reste der Rustamiden entwickeln in Sadrata nahe Wargla eine spezielle Kunst, die Beziehungen zu Ifriqiya aufweist, eine Dekorkunst, bei der Beziehungen zu koptischen Klöstern nachweisbar ist (S.271)

ab 914
Córdoba: Flottenausbau als Vorsorge: jetzt gegen die Fatimiden
Emir ‘Abd ar-Rahman beginnt mit dem Ausbau der Flotte als Vorsorge gegen die Fatimiden im Fall, dass Córdoba in Afrika noch mehr Verbündete gewinnt, denn bei einem Kontakt mit den Fatimiden könnte ein Umsturz sehr schnell die Folge sein, weil die Berber in Córdoba für die fatimidische Mission sehr aufgeschlossen sind (S.284).

916 ca.
Spaniens "bandolerismo": ‘Umar b. Hafsun unterwirft sich
dem Emir nach langer Rebellentätigkeit. Die rebellischen Banden aber machen weiter, und die Festung Bobastro hält sich nach wie vor gegen Córdoba (S.280)

917 ca.
Situation der Berberstämme in NW-Afrika ("Maghreb"): momentan nicht von Fatimiden bedroht
Seit Begründung der Macht der Fatimiden in Tahert und Sigilmasa stehen die Fatimiden und ihre Verbündete vor den Toren von Fes und weiteren Sanhaga-Gebieten, entfernte Verwandte der Kutama-Berber. Die Kutama sind die Machtbasis der Fatimiden, weigern sich aber, die Sanhaga-Berber für die Fatimiden auch noch zu gewinnen.

Die Fatimiden verzetteln sich gleichzeitig in Asien und "verbrauchen" ihre besten Truppen in Syrien und am Euphrat, so dass in Nordwest-Afrika keine ägyptischen Truppen zum Einsatz kommen können (S.285).

917
Zentrales Maghreb: Zanata-Berber besetzen Salihiden-Reich
Ein Häuptling der Zanata-Berber greift das Fürstentum der Salihiden an und besetzt deren Hauptstadt Nakur am Mittelmeer.

Drei Prinzen der Salihiden können nach Córdoba fliehen und von dort aus den Gegenangriff zur Rückeroberung starten (S.284).

918
Spaniens "bandolerismo": Tod von Rebell ‘Umar b. Hafsun
(S.280)

919 ca.
Zentrales Maghreb / Córdoba: Rückeroberung des Salihidenreiches durch die drei Salihidenprinzen - Córdoba wird "Schutzmacht"
und Rückeroberung der Hauptstadt Nakur. Gleichzeitig erklärt sich Salih b. Sa ‘id b. Salih zum Vasallen Córdobas, das somit in Afrika einen ersten grösseren Bündnispartner hat (S.284).

ab 10. Jh./ ab 920 ca.
Maghreb: Beginn des BevölkerungsschwundsDer Maghreb überaltert durch den Menschenverlust in den Stammeskriegen und erleidet langsam einen Verlust der Wirtschaftskraft (S.303).

922
Zentrales Maghreb: Auf Kairos Befehl besetzt der Miknasa-Führer Masala b. Habus das Salihiden-Reich
als fatimidische Reaktion auf die Gebietserweiterung Córdobas in Nordafrika ist (S.284).

923 ca.
Fes / Sigilmasa: Miknasa-Berber besetzen Fes und Sigilmasa
In einem erneuten Feldzug kann der Miknasa-Berberführer Masala b. Habus Fes besetzen und die Idrisiden unter Yahya IV. vertreiben. Auf dem "Rückzug" besetzen die Miknasa-Berber Sigilmasa, wo der Vetter Masalas, Musa b. Abi l-’Afiya, als Statthalter eingesetzt wird (S.284).

925 ca.
Fes / Córdoba: Fes wird von den Idrisiden wieder zurückerobert - Bündnis zwischen Córdoba und Zanata-Berbern
Den Idrisiden gelingt die Rückeroberung von Fes. Gleichzeitig kann der Emir ‘Abd ar-Rahman von Córdoba die Magrawa-Zanata-Berber auf seine Seite ziehen, was zu einem langen Kampf zwischen den Magrawa-Zanata-Berbern und den Miknasa-Berbern führt (S.284).

927
Córdoba: ‘Abd ar-Rahman III.: Besetzung von Melilla an der afrikanischen Küste
(S.285)

Spaniens "bandolerismo": Einnahme der Festung Bobastro
durch Truppen des Emirs ‘Abd ar-Rahman III. Die Rebellentätigkeit hört damit aber noch nicht auf (S.280).

929
Kalifat Córdoba: Proklamation des orthodoxen "Kalifats des Westens" durch ‘Abd ar-Rahman III.: gegen Bagdad
Rahman III. erhebt sich damit zum Kalifen, mit dem Beinamen an-Nasir li-din Allah. Damit will er den Rechtsanspruch der Umayyaden auf das Kalifat betonen und dem der heterodoxen Fatimiden entgegentreten (S.280).

ab 929
Struktur des Kalifats Córdoba
-- der Fürst ist Diktator mit beratendem Gremium mit Ministern der Finanz, Militär, Justiz und Aussenpolitik
-- der Fürst ernennt die Qadis der Hauptstadt, eventuell auch der Provinzhauptstädte
-- den Qadis beigegeben ist die "sura", ein kleines, beratendes Gremium ehemaliger Qadis oder besonders angesehener Muftis (fuqaha’)
-- die Provinzqadis fällen oft für den Kalifen unangenehme Entscheide, vor allem, wenn sie die "sura" auf ihrer Seite wissen (S.282).

-- das "Kerngebiet" ist in Provinzen gegliedert, die Einteilung der westgotischen Zeit der Diözesen wird übernommen
-- die Stammesstrukturen der Araber schränken die Autorität der Regierung nach wie vor ein (S.282).

Zum Teil werden die verschiedenen religiösen Gruppen gegeneinander ausgespielt. Im Heer kommt immer mehr das berberische Element zum Tragen (S.283).

ab 929
Politische Beziehungen zwischen Córdoba, Franken und Byzanz-- übergangene Thronbewerber oder verjagte Könige der nördlichen Reiche der iberischen Halbinsel bitten oft den Kalifen um Hilfe, was politische Beziehungen schafft
-- zwischen Córdoba und Konstantinopel verkehren oft Gesandtschaften. Die Kaiser von Byzanz schlagen dabei immer wieder ein gemeinsames Vorgehen gegen den Abbasidenhof in Bagdad vor, aber die Kalifen Córdobas gehen nie darauf ein. Dagegen werden die Gesandtschaften erwidert mit Besuchen in Byzanz (S.281).


Imperialismus von Córdoba und Ifriqiya um die Berberreiche - Festungen und Herrscherstädte - erste Übersetzungen in christlich rückeroberten Gebieten durch Juden, arabisches Zahlensystem - Kalifat Kairo - zweite Ausdehnung Córdobas und Zusammenbruch

Zusammenfassung
Das neu ernannte Kalifat Córdoba, das sozusagen ein halb europäisches Kalifat sein will, kämpft mit Ifriqiya um die Vormachtstellung im Maghreb. Bündnisse bringen jedoch nur Belastung, wogegen Córdoba wie Ifriqiya mit neuen Festungen und Herrscherpalästen zu glänzen versuchen. In den christlich rückeroberten Gebieten übersetzen Juden und Byzantiner arabischen Wissenschaften ins Lateinische, weil nur sie die Sprachbarriere überwinden können. Nach einer Stammesvertreibung zwischen Berbern flüchten die Vertriebenen nach Spanien, kommen dort im Militär unter und kämpfen unter Córdoba gegen die Christen. Etwa gleichzeitig wandert die Herrscherfamilie Kairuans aus und gründet in Kairo ein neues Kalifat, das fortan Ifriqiya bedroht und Intrigen spinnt. Córdoba besetzt zum zweiten Mal ganz Spanien bis Compostela und León, und auf Afrika wird Fes besetzt. Wegen fehlender Nachfolgeregelung bricht die Dynastie Córdobas aber bald in sich zusammen, unter anderem mit Zutun der Berber-Soldaten, die scheinbar nicht genug für ihre "militärischen Leistungen" entlöhnt wurden. Die Sinnlosigkeit des Religionskrieges dreht sich mit einem Hin und Her im Kreis.

Chronologie (Fortsetzung)

10. Jh. / ab 930 ca.
Córdoba und Ifriqiya buhlen um NW-Afrika - betroffene Berberstämme: Kutama, Sanhaga, Zanata
Die Kalifat Córdoba und Ifriqiya buhlen beide um das berberische NW-Afrika "Maghreb" (S.283). Córdoba sieht die Gebietsausweitung auf Afrika als Sicherheitszone an (heute Nordmarokko bis Westalgerien). Es ist ein Kampf auf religiös-politischer und ethnischer Ebene. Auf beiden Ebenen wird die Buhlerei mit Verbissenheit geführt. Die Berber selber werden dabei aufgerieben und verhetzt. Für sie geht es ums nackte Überleben. Die schiitischen Kutama-Berber und die sesshaften Sanhaga-Berber kämpfen gegen die nomadischen Zanata-Berber des zentralen Maghreb (heute Algerien) (S.284).

930
Spanien: Ende des "bandolerismo"
Haarmann: Die letzten "Schwelbrände" der Rebellen werden "ausgetreten" (S.280).

ab 930 ca.
Kalifat Córdoba als Millionenstadt
Gemäss den Überlieferungen soll Córdoba zu der Zeit des Kalifats aus 21 Stadtvierteln bestanden und 1,5 Millionen Einwohner gehabt haben (S.281).

ab 931
Kalifat Córdoba: Kalif ‘Abdar-Rahman III. will Eroberungen
Rahman III. will seinen Anspruch auf das "Kalifat des Westens" gegenüber Bagdad durch Eroberungen ("Glacis") verstärken und beginnt mit Expansionsfeldzügen. Er erweitert zudem das spanisch-muslimisch beherrschte Territorium durch Wiederbesetzung der mittleren Marken (S.280).

931
Córdoba: Musa b. Abi l-’Afiya tritt zu den Umayyaden über
(S.284)

Córdoba: Besetzung von Ceuta - grossflächige Verbündete im "Maghreb"
‘Abd ar-Rahman III. lässt Ceuta an der afrikanischen Küste besetzen. und kann mit Hilfe der verbündeten Idrisiden-, Miknasa- und Magrawa-Berber ein Maghreb-Protektorat errichten [heute Nordmarokko und weite Teile des zentralen Maghreb bis nach Algier] (S.285).

935
Kalifat Córdoba: Kalif ‘Abd ar-Rahman III. schränkt christliche Könige ein
Rahman III. kann auch die christlichen Könige von Navarra, Álava und Kastilien durch Feldzüge und Diplomatie "kleinhalten" (S.280).

935/936
Ifriqiya/Kairuan: Bau der Stadt Asir durch Ziri
Fatimidenemir al-Qa ‘im erlaubt Statthalter Ziri den Bau einer Provinzhauptstadt Asir in den Bergen des Titeri mit einem eigenen Palast und fördert den Palast mit Baumeistern und Handwerkern (S.286). Die Stadt liegt an einem Knotenpunkt von Karawanenrouten. Dadurch ist ihre Existenz durch Handel gesichert.
Ziri schliesst sich den Fatimiden an (S.288).

ab 936
Kalifat Córdoba: Neue Residenzstadt Madinat az-Zahra’
Der Kalif lässt eine neue Residenzstadt Madinat az-Zahra’ bauen. Gleichzeitig kann er seine Regierung mit seiner Technik der Repression "stabil" und "vorzüglich" verwaltet halten, mit "hohen Staatseinkünften".
Er ist Förderer der "Baukunst" und der "islamischen Wissenschaften". Seine Bibliothek soll über 400’000 Bände aufgewiesen haben (S.281).

939
Kalifat Córdoba: Christlicher Sieg über das Kalifenheer bei Simancas durch Verrat
-- durch Fahnenflucht eines grossen Heerteils
-- das Bestreben, die Marken Mittelspaniens zu beherrschen, wird durch diesen christlichen Sieg entscheidend verhindert (S.280-281).

Kalif ‘Abd ar-Rahman III. beschliesst, nicht mehr an Feldzügen teilzunehmen, weil er beinahe gefangen genommen worden wäre. Zudem lässt der die verantwortlichen "Verräter" grausam bestrafen (S.281).

Kalifat Córdoba: Kalif ‘Abd ar-Rahman III. wird zunehmend misstrauisch gegenüber der arabischen Aristokratie und den arabischen Truppenteilen. Er setzt mehr und mehr auf berberische und andere Söldner.
Gleichzeitig kann er in die neue Residenzstadt Madinat az-Zahra’ übersiedeln und hält sich nur noch selten in Córdoba auf (S.281).

ab 940 ca.
Córdobas Bündnispflicht mit den Zanata-Berbern wird zur Last
Die Umayya müssen für die Zanata-Berber einstehen. Das Bündnis beginnt zur Last zu werden (S.285).

945
Kairuan: Emir al-Qa ‘im wird in al-Mahdiyya von Abu Yazid az-Zanati belagert. Statthalter Ziri von Asir kommt al-Qa ‘im zu Hilfe.
(S.286

ab 946
Kalifat Córdoba: "Mittlere Mark": Neuer Hauptort wird Medinaceli (alter Hauptort war Toledo)
(S.276)

948
Córdoba-Byzanz: Byzantinische Geschenke für den Kalif in Córdoba
Die Geschenke sind besonders kostbar:
-- ein Exemplar der Pflanzenkunde des Dioskorides
-- ein Exemplar des Geschichtswerks von Paulus Orosios
mit dem Nachteil, dass beide Werke in Griechisch geschrieben sind, aber niemand am Kalifenhof Córdobas Griechisch übersetzen kann (S.282).
949
Das Kalifat Córdoba entsendet zur "Kontaktpflege eine Gesandtschaft nach Byzanz"
(S.281-282)

950 ca.?
Innerer Maghreb: Almoraviden vertreiben die Rustamidenreste aus Sadrata nach Wargla
(heute südöstliche Sahara Algeriens). Die Rustamiden ziehen in den Mzab, wo heute noch sieben Orte von ihnen bewohnt sind (S.271).

951
Córdoba: Übersetzungen: Byzantinischer Griechisch-Übersetzer
Der byzantinische Kaiser schickt einen Mönch nach Córdoba, der zusammen mit dem jüdischen Gelehrten und Diplomaten Hasday b. Saprut die Pflanzenkunde von Dioskorides und das Geschichtswerk von Paulus Orosios ins Arabische übersetzt (S.282)

ab 960 ca.
Asir/Kairuan: Wiederaufbau / Gründung von Algier, Miliana, Médéa/Lamdiyya
Statthalter Ziri lässt durch seinen Sohn Buluggin diese drei Städte gründen bzw. wieder aufbauen (S.286).

961
Kreta: Muslimisch-spanische Besetzung von Kreta wird aufgegeben
(S.277)

um 961
Córdoba: Verlust des afrikanischen Protektorats
(S.285

961-967
Kalifat Córdoba: Tod des Kalifen ‘Abd ar-Rahman III. mit 81 Jahren - Nachfolger: ältester Sohn al-Hakam II.
(S.281)

961-966
Kalifat Córdoba: Erweiterung der Hauptmoschee Mezquita in Córdoba
mit den Mosaiken des Mihrab, für die der byzantinische Kaiser einen Mosaizisten und 320 Zentner Material schenkt (S.281).

961-967
Córdoba: Karriere des Hofangestellten Muhammad b. Ali ‘Amir
Kalif al-Hakam II. hat einen Verwaltungsangestellten Muhammad b. Ali ‘Amir, dem ein rascher Aufstieg gelingt (S.283)

961-967
Córdoba-Byzanz: Beschwerden von Byzanz, Provence und Italien über arabische Räuberei
Der Kalif in Córdoba bekommt u.a. von Kaiser Otto dem Grossen durch Vermittlung des Abtes Johann von Gorze Botschaften wie Beschwerden über arabische Piraten im Massif des Maures an der Provence-Küste, die auf See wie im Innern Überfälle verüben. Otto der Grosse ist nicht der einzige, auch Fürsten der Provence und Italiens beklagen sich (S.282).

966
Kalifat Córdoba: Erneuter Normannenangriff von Sizilien aus gegen das muslimische Spanien
(S.278)

967
Kalifat Córdoba: Tod von Kalif al-Hakam II. - Nachfolger Sohn Hisam II - Entmachtung durch Muhammad b. Ali ‘Amir
Der hoch aufgestiegene Verwaltungsangestellte Muhammad b. Ali ‘Amir entreisst dem Kalifensohn Hisam II. die Macht, schaltet alle Nebenbuhler rigoros aus, begnügt sich mit dem Titel "hagib", ist aber der tatsächlich Herrschende und verwirklicht über 50 Feldzüge zur Vergrösserung des Kalifats. Im Verlauf seiner Zeit nimmt er den "Ehrennamen" "al-Mansur billah" an (spanisch: Almanzor) (S.283).

2.H. 10. Jh./ 967-969
Spanien: Übersetzungen: Erste Übersetzungen Arabisch-Latein in den spanischen Marken - arabisches Zahlensystem
Im Benediktinerkloster von Ripoll im Gebiet der spanischen Marken übersetzen Gerbert von Aurillac und Bischof von Vich die ersten arabischen Texte ins Lateinische: über Geometrie, Astronomie, Feinmechanik und die dazugehörigen Hilfsmittel und Berechnungen. Gerbert von Aurillac ist einer der Gelehrtesten seiner Zeit und hält sich drei Jahre mit Bischof von Vich im Kloster auf.
Zum ersten Mal präsentiert Gerbert von Aurillac 976 der europäischen Welt in der Handschrift Albeldense die arabischen Zahlen in dschubari-Form, mit Bezeichnungen des indischen Ursprungs (S.293).

bis 970 ca.
Der Bürgerkrieg auf Spanien zerreibt das Maminat Fes
Das Maminat Fes der Idrisiden wird in den Kämpfen der Fatimiden und Umayyaden von Córdoba um das marokkanische Glacis zerrieben (S.269).

bis 970
Ifriqiya: Asir: Thronkämpfe
Statthalter Ziri muss sich gegen Rivalen der eigenen Familie und dann gegen Rivalen im eigenen Stamm durchsetzen (S.288).

971
Córdoba: Erneuter Normannenangriff von Sizilien aus gegen das muslimische Spanien
(S.278)

972
Kalifat Kairo: Begründung des Kalifats in Kairo - Kairuan verarmt
Der Fatimide al-Mu ‘izz verlegt den Sitz von Kairuan (heute Tunesien) nach Kairo/al-Qahira und nimmt den Staatsschatz mit. Begründung des Kalifats Kairo (S.286).

Übersiedlung Buluggins von Asir nach Kairuan, Errichtung eine sunnitische Regierung
Buluggin behält Asir aber als Hauptort bei. Das grosse Gebiet ist kaum kontrollierbar (S.286).

ab 972
Kairuan: Buluggin b. Ziri b. Manad - Kairuans Ausdehnung nach Westen
Der neue Vizekönig in Kairuan, Buluggin b. Ziri b. Manad, Begründer der "Ziriden", steht ohne Staatsschatz da. Gleichzeitig verbietet Kairo Buluggin b. Ziri die Regentschaft über Tripolitanien, wo die Kutama-Berber leben, sowie die kleine Kabylei und Sizilien. Gleichzeitig steht Buluggin b. Ziri unter Abgabendruck an Kairo, so dass zur Erhöhung der Einnahmen eine Expansion mit Gebietsgewinn und Raub nach Westen versucht, um die dortigen Zanata-Berber im heutigen Westalgerien und Nordmarokkos zu unterwerfen.
(S.286)

ab 972 bis 1030 ca.
Kairo: Intrigentaktik und Verhetzung der Berber gegen Córdobas Protektorat

-- die Fatimiden starten Manipulationen gegen das Córdoba-Protektorat in Nordwest-Afrika

-- die Verbündeten bzw. Vasallen, die Ziriden und Hammaniden, erobern im Auftrag Kairos mehrere Male nordwest-afrikanische Gebiete, vor allem Fes. Es ist faktisch ein Stellvertreterkrieg. -- die Zanata-Berber verlieren ihr Gebiet südwestlich der Linie Awras-Tinis (heute Algerien) und werden nach Westen abgedrängt

-- im Verlauf der Kämpfe um Fes stiftet der Ziride Buluggin den Predigtstuhl der Moschee in Fes, die Umayya von Córdoba stiften das Minarett der "Moschee der Andalusier" in Fes. Beide Seiten wollen also mit "guten Taten" ihre Kriege rechtfertigen

-- der ewige Krieg zwischen Sanhaga- und Zanata-Berbern wird von Historiker Henri Terrasses als "hundertjähriger Krieg der Berberei" bezeichnet (S.285).

975 ca.
Kairo schürt Rebellion in Tripolitanien unter den Kutama-Berbern
(S.286)

ab Ende 10. Jh./ ab 980 ca.
Córdoba: Überwiegend berberischer Einfluss im Kalifenheer Córdobas
(S.283)

Córdoba: Bevölkerungsstruktur vermischt immer mehr
Die Stammesstrukturen der arabischen und berberischen Einwanderer in Spanien beginnen sich langsam aufzulösen, so dass sich die Loyalitätsverhältnisse für die Verwaltung mehr und mehr vereinfachen (S.275).

ab 980
NW-Afrika: Asir: Vertreibung der Zanata-Berber
Hammad von Asir nimmt den Kampf gegen die Zanata-Berber wieder auf und vertreibt diese endgültig ins heutige Nordmarokko (S.286).

Ende 10. Jh./ 980 ca.
Zweite Phase der berberischen Einwanderung ins muslimisch verwaltete Spanien
(S.275)

981
Kalifat Córdoba: Neue Palaststadt al-Madina az-zahira
Muhammad b. Ali ‘Amir überführt die Staatsverwaltung aus dem Alcázar von Córdoba und aus Madinat az-Zahira in die von ihm gegründete Palaststadt al-Madina az-zahira (S.283).

984-996
Kairuan: Ziride al-Mansur
Er unternimmt Feldzüge nach Fes und Sigilmasa, erleidet jedoch mehrere Niederlagen.
(S.286)

985
Kalifat Córdoba: Besetzung von Barcelona unter Muhammad b. Ali ‘Amir
(S.283)

NW-Afrika/Fes: Tod des letzten Idrisiden - Ende der Idrisidenlinie von Fes
(S.269)

um 985
Kairo gibt den Plan, den ganzen Maghreb zu besetzen, auf
(S.285)

986 ca.
Kairo schürt eine zweite Rebellion in Tripolitanien unter den Kutama-Berbern
(S.286)
988
Kairo unterwirft Tripolitanien und die Kutama-Berber
Errichtung einer Garnison in Tripolitanien (S.286).

Kalifat Córdoba: Besetzung von León unter Muhammad b. Ali ‘Amir
(S.283)

ab 988
Kalifat Córdoba: Kalif al-Mansur: religiöse Zensur
-- erweitert die Hauptmoschee Córdobas Mezquita ein drittes Mal
-- lässt die Bibliothek des ehemaligen spanischen Kalifen ‘Abd ar-Rahman III. "reinigen" (S.281).

990 ca.
Kairuan/Asir: Gebietsaufteilung zwischen Buluggin b. Ziri und Hammad - "Hammadiden"
Buluggin b. Ziri b. Manad überlässt seinem Onkel Hammad die Stadt Asir und die Statthalterschaft im zentralen Maghreb. Onkel Hammad begründet die Linie der "Hammadiden", die u.a. auch Beziehungen zum Papst unterhalten.

Buluggin b. Ziri b. Manad strebt nach Unabhängigkeit von Ägypten, um sich von der schiitischen Glaubensrichtung in Kairo abzukoppeln (S.286).

992
Spanien: Zweite Präsentation des arabischen Zahlensystems
durch den Gelehrten Gerbert von Aurillac, in dschubari-Form mit Bezeichnung des indischen Ursprungs, in der Handschrift Emilianense (S.293).

996-1016
Ifriqiya/Kairuan/Asir: Emir Badis
Emir Badis muss dem immer mächtiger werdenden Onkel Hammad in Asir Zugeständnisse machen. Die Unabhängigkeitsbestrebungen gegenüber Ägypten werden fallen gelassen (S.287).

997
Kalifat Córdoba: Muslimische Besetzung von Santiago de Compostela
unter Muhammad b. Ali ‘Amir mit Zerstörung des christlichen Wallfahrtsortes und Heiligtums (S.283).

998
Kalifat Córdoba/Maghreb/Fes: Wiederbesetzung des afrikanischen Protektorats - Gouverneur in Fes
Kalif al-Mansur kann das afrikanische Protektorat zurückerobern und in Fes einen amiridischen Gouverneur einsetzen (S.285).

1000 ca.
Kairuan: Gebietserweiterung nach Westen unter Emir Badis
Die Ziriden zerstören das Gebiet des heutigen Tlemcen und deportieren die Einwohner nach Asir. Die Ziridenlinie der Sanhaga-Berber beherrscht somit den zentralen Maghreb und Ifriqiya (S.286).

um 1000
NW-Afrika: Berbergruppen: Gudala-, Lamtuna und Masufa-Berber
-- Lamtuna- und Masufa-Berber: im heutigen südlichen Marokko
-- Gudala-Berber: südwestlich des heutigen Mauretanien unter Marokko
-- alle genannten Stämme sind Sanhaga-Berber.
-- die Lamtuna-Berber haben den "Oberbefehl" (S.295).

Nach der Sitte der Sanhaga dürfen nur die Männer des führenden Stammes den Mundschleier tragen, zu der Zeit die Lamtuna-Männer (S.295).

ab 1000 ca.
Maghreb: Innerhalb des 100-jährigen Berber-Krieges kann sich die Orthodoxie gegen die Harigiyya durchsetzen
(S.285)

1002
Kalifat Córdoba: Tod von Muhammad b. Ali ‘Amir - Nachfolger: Kalif ‘Abd al-Malik
Muhammad stirbt auf der Rückkehr von einem Feldzug in Medinaceli. Das Kalifenreich scheint gefestigter denn je, der Sohn wird Nachfolger (S.283).

1002-1008
Kalifat Córdoba: Imperialismus von Gouverneur ‘Abd al-Mali b. Qatan
Er versucht, mit Besetzungen in Afrika und Spanien das Kalifat Córdoba immer weiter auszudehnen (S.280). Gouverneur Abd al-Malik b. Qatan in Sevilla ist ein Gegner der syrischen Araber (S.267).

1007
Kalifat Córdoba: Tod des Sohns von ‘Abd al-Malik - Nachfolger ‘Abd ar-Rahman Sanchuelo
benannt nach dem baskischen Grossvater Sancho Garcés II., dem König von Pamplona (S.283).

1007-1010
Ifriqiya: Kairuan: neue Hauptstadt Qal ‘at Bani Hammad
Der Ziride Badis baut sich eine neue Hauptstadt Qal ‘at Bani Hammad in den Bergen der Hudna im Süden von Bigaya (S.287).

1007-1050
NW-Afrika: Asir: Aufstieg des Hammadidenreiches um Asir
mit den Ziriden von Ifriqiya verbündet (S.288).

1009
Kalifat Córdoba: Revolten gegen die Regierung ‘Abd ar-Rahman Sanchuelo
(S.283)

1009-1016
Kalifat Córdoba: Interne Machtkämpfe zwischen verschiedenen Personen und Familien der Marwaniden
(S.290)

ab 1010
Kalifat Córdoba: Belagerung durch berberische Söldner
(S.283)

ab 1010 ca.
NW-Afrika: Maghreb-Songhay: Jahrhundertelanger Handel durch die Sahara
Maghreb-Händler versorgen sich über 100e von Jahren mit dem Salz der Taghaza-Salzminen, um es zusammen mit Stoffen, Leder- und Metallwaren in Songhay gegen Gold einzutauschen: in Timbuktu, in Audaghost oder Walata / Oualata (S.516).

1013
Erstürmung Córdobas durch berberische Söldner
Auch die Palaststadt al-Madina az-zahira von Muhammad b. Ali ‘Amir geht in Schutt und Rauch auf (S.283).

1014-1015 ca.
Kalifat Córdoba: Ein Idriside (Fes) wird Kalif in CórdobaDer Kalifenhof wird "berberisiert" (S.285).

1014-1029
Kairuan/Asir: Hammad in Asir macht Asir selbständig - Huldigung für Bagdad
Hammad lässt nach Erklären seiner Unabhängigkeit provokativ dem Kalifen von Bagdad huldigen. Der Ziride Badis von Kairuan schickt einen Hilferuf nach Kairo, um gegen die Abspaltung von Asir zu protestieren. Kairos Kalifenhof reagiert jedoch nicht und Badis muss die Unabhängigkeit von Hammad in Asir akzeptieren und zuschauen, wie Hammad Bagdad als Kalifenhoheit anerkennen lässt (S.287).

Die Anerkennung der Abbasiden in Asir ist nur Deckmantel politischer Entscheidungen. Die Rivalität von Asir zu Ifriqiya ist offensichtlich und gewollt (S.288).

1015 ca.
Kalifat Córdoba: Ein Bruder des Idrisiden wird Kalif in Córdoba
Der Kalifenhof bleibt "berberisiert" (S.285).

Ifriqiya: Kairuan/Asir: Niederlage von Kairuan - Schiitenverfolgung und Bürgerkrieg
Badis will mit einem Feldzug Hammad in Asir unterwerfen. Hammads Kämpfer gewinnen nur knapp.
Daraufhin erfolgt eine erbarmungslose Verfolgung der Schiiten mit Pogromen in Ifriqiya (S.287).

1016
Ifriqiya: Kairuan/Asir: Stillhalteabkommen zwischen Badis in Kairuan und Hammad in Asir
Die Kontakte Kairuans zu Kairo bleiben trotz Schiitenpogrom "ausgezeichnet" (S.287).

NW-Afrika: Fes: Der amiridische Gouverneur Córdobas muss abtreten - endgültige Vertreibung der Idrisiden
(S.285)

1016-1023
Kalifat Córdoba: Interregnum der berberisierten Hammudiden
eines Zweiges der Idrisiden (S.290).

1017
Ifriqiya: Bürgerkrieg und Schiitenverfolgung
Zerstörung der Palaststadt al-Mansuriyya im Verlauf der Schiitenverfolgung (S.287).

um 1020 ca.?
NW-Afrika: Asir: Hammad gründet die "Qal ‘a" - Loslösung Asirs von Ifriqiya
(S.288)

ab 1020 ca.
Endzeit des Kalifats Córdoba: Das Reich von Córdoba versinkt in Anarchie
-- das berberisch beherrschte Kalifenheer trägt wesentlich zum Zerfall und Sturz des Kalifats in Spanien bei (S.283)
-- Verlust der Bibliothek des spanischen Kalifen ‘Abd ar-Rahman III. (S.281).

1023-1031
Kalifat Córdoba: Zerfall in ca. 20 sehr unterschiedlich grosse Fürstentümer oder kleine Königreiche
genannt: "Könige der Taifas", arabisch, berberisch und osteuropäischer Herkunft. Dabei kommen v.a. mächtige Familien an die Macht, z.B.

-- Hudiden von Zaragoza, die die "Obere Mark" beherrschen

-- Abbadiden von Sevilla, Vorkämpfer der arabischen Partei, mit Pogromen gegen Berber und Erweiterung des Herrschaftsgebietes auf fast ganz Andalusien zur "Abrundung" und Vertreibung z.B. des Herrschers von Saltés, der Historiker und Geograph al-Bakri (gest. 1094), der mit seinem Sohn nach Córdoba ins Exil zieht (S.290).

1027
Tripolitanien: Besetzung durch Zanata-Berber
Tripolitanien wird von rebellischen Zanata-Berbern besetzt und den Ziriden in Kairuan entrissen (S.287).

1029
Kairuan/Asir: Tod von Hammad in Asir
der das Kalifat Bagdad als Hoheit anerkennen liess (S.287).

1031
Córdoba: Untergang des Kalifats
Die verantwortlichen ("Notablen") erklären das Kalifat Córdoba als erloschen (S.283).


Islamische Kulturentwicklung in Córdoba - Zerfall von Ifriqiya - Berberstämme gründen Marrakesch und erobern riesige Reiche - zweimal Berberhilfe für Córdoba gegen Christenheere - Umsiedlungen und Vertreibungen - Übersetzungen für Universitäten als Voraussetzung zum Aufstieg Europas

Zusammenfassung
Die kleinen muslimisch-spanischen Fürstentümer entwickeln in Konkurrenz zueinander einen wichtigen Kulturbeitrag. Im Maghreb selbst beginnen nun verschiedene Stämme, mit puritanischen Islam-Ideologien und Hauptstadtgründungen, jeweils ihre Nachbarstämme zu unterwerfen, mit den dazugehörigen Massenmorden gegen Andersdenkende. Die Gründung von Marrakesch hat eine dauerhafte Rivalität mit Fes zur Folge. Nach dem Bruch des Bündnisses zwischen Ifriqiya und Kairo zwingt Kairo "lästige" Beduinen zur Abwanderung nach Ifriqiya, das dadurch in langen Bürgerkriegen zugrunde geht. In Spanien kommt es zu einer schrittweisen christlichen Rückeroberung, aber mit Hilfe der kriegerischen Berberstämme kann die muslimische Herrschaft in Spanien "gerettet" werden. Die Berber unter Yusuf erobern ein Riesenreich des heutigen Marokko, Algerien und Spanien zusammen, das aber auch bald wieder in sich zusammenbricht, jedoch von einem neuen religiösen "Führer" Tumart durch eine neue Dynastie restituiert wird. Nach neuen christlichen Vorstössen bis an die Südküste Spaniens werden grosse Teile der Christen nach Nordspanien umgesiedelt und aus Córdoba in den muslimisch verbliebenen Gebieten nach Nordafrika vertrieben. Wieder funktioniert die "afrikanische Hilfe" und drängt die Christen zurück. Und nochmals erobern die Berber von Marrakesch ein Riesenreich, diesmal zusätzlich mit Ifriqiya. Es ist jedoch zu gross, um lange lebensfähig zu sein. Währenddessen beginnen auf Sizilien die Normannen und in Spanien Klostergelehrte mit systematischen Übersetzungen arabisch-wissenschaftlicher Werke die Grundlage für den Aufstieg Europas zu legen, indem die Werke den neu gegründeten Universitäten Italiens zugänglich gemacht werden.

Chronologie (Fortsetzung)

ab 1031
Spanien: Erste Periode der kleinen muslimischen Fürstentümer
(S.302):
-- arabisches Fürstentum: die Banu Sumadih in Almería lösen den Enkel von al-Mansur ab.
-- arabische Berber: Die Aftasiden von Badajoz mit dem heutigen Zentralportugal

-- die Du n-Nuniden von Toledo, ursprünglich Zennun-Berber, von Zentralspanien (heute Kastilien) mit kulturellem Mittelpunkt Toledo

-- die Ziriden in Granada
-- die Banu Razin in Albarracín in den Bergen von Teruel im Nordosten Spaniens

-- die Amiriden, Nachkommen Almanzors, in der Levante mit Almería, Múrcia, Denia, die Balearen, Valencia, Tortosa, Lérida (S.290).

Die Zeit ist gekennzeichnet durch eine jämmerliche innenpolitische Lage, labile Existenzen und konkurrierenden Wetteifer (S.290), was zu "blühenden" Hauptstädten führt, mit Poesie, Kunst und Wissenschaft. Dichter sind oft auch die Fürstenberater wie z.B. in Córdoba (S.291).

Spanien: Kunst und Werk der muslimischen Kleinkönigreiche

Dichtung
-- Ibn Zaydun aus Córdoba: Liebesgedichte für die Geliebte Wallada
-- al-Mu ‘tamid, "Dichterfürst" von Sevilla, der nach Agmat verbannt wird und dort ergreifende Elegien schreibt
-- Ibn ‘Ammar, vertrauter al-Mu ‘tamids und sein späterer Feind Ibn Hafaga aus Alcira, der bedeutendste Landschftsdichter (S.291).

Architektur
-- Bau des Palastes der Aljafería in Zaragoza
-- Vielpassbögen der spätkalifalen und almohadischen Architektur, z.B. die Mezquita von al-Hakam II., die Alcazaba von Málaga, mit Nachwirkungen in der romanischen St. Andreaskirche in Köln (S.291).

Historiographie
al-Bakri in Saltés bei Huelva (S.291) v.a. Ibn Hayyan (987-1076) mit eigenem Werk und einer Ausgabe der Werke des Historikers Ahmad ar-Razi (gestorben 955) und dessen Sohn ‘Isa b. Ahmad ar-Razi in 10 Bänden (S.292).

Philologie
Ibn Sida aus Múrcia (1007-1066) und Denia, in Denia von Mugahid al-’Amiri protegiert, Herausgeber des umfangreichsten nach Sachgebieten geordneten arabischen Nationallexikons (S.292).

Schriftsteller
Ibn Hazm (994-1064), aus einer muwallad-Familie aus Huelva, in Córdoba geboren, mit seinem Werk Tawq al-hamama ("Halsband der Taube, über die Liebe und die Liebenden"), ist gleichzeitig ein bedeutender Vertreter der zahiritischen Rechtsschule, verfasst auch eine Geschichte der monotheistischen Religionen, der kleinen Glaubensgruppen und Rechtsschulen des Islams, mit antichristlicher Polemik (S.292).

Naturwissenschaften
-- Astronom Ibn az-Zarqala/"Azarquiel" von Toledo, gest. 1100
-- Medininer Abu l-Qasim az-Zahra wi/"Abulcasis", gest. 1010
-- die Wissenschaftlerfamilie der Banu Zuhr von Córdoba mit Abu Marwan/"Abhomeron Avenzoar", gest. 1161 (S.292).

Pflanzenkunde und Botanik
-- Botaniker Ibn Wafid/"Abenguefith" (1008-1075), legt bei Toledo einen botanischen Garten an: "Huerta del Rey"

-- Botaniker Ibn Bassal aus Toledo, ab dem Fall von Toledo in Sevilla, legt für al-Mu ‘tamid einen botanischen Garten an

-- Das Wissen um die Waldsaat gelangt von al-Andalus nach Nürnberg zum Patrizier Peter Strome(i)r, der das Wissen in Mitteleuropa bekannt macht (S.292).

ab 1031
NW-Afrika: Sanhaga-Berber mit Mundschleier, Handelsreich
Parallel zur Entstehung der muslimischen Kleinkönigreiche in Südspanien entsteht in Nordwestafrika die Macht der Almoraviden: Sanhaga-Berber, Viehzüchter, die ihre Gebiete nach Süden ausweiten, die Männer den Mundschleier tragend, beherrschen den Karawanenhandel zwischen den innerafrikanischen Königreichen der Schwarzen des westlichen Sudan und den islamischen Territorien Nordafrikas (S.295).

1035
Spanien: Gründung des Königreichs Aragón
(S.276-277)

ab 1035
Ifriqiya-Kairo: Allmähliche Verschlechterung der Kontakte zwischen Kairuan und Kairo
(S.287)

1040 ca.
Emirat Córdoba: Zahiritisches gegen malikitisches Recht
Jurist Ibn Hazm (Druckfehler?) (994-1064) versucht im Ermirat Córdoba mittels einer zahiritischen Rechtsschule ein zahiritisches Recht durchzusetzen, hat aber gegen die malikitischen Rechtsschulen keine Chance (S.277).

NW-Afrika: Gudala-Berber vertreiben Kriegshetzer ‘Abdallah b. Yasin
‘Abdallah b. Yasin, Gudala-Führer, will zu Überfällen auf die Nachbarstämme hetzen, wird aber vertrieben und verbringt einige Zeit bei Lehrer Wagag b. Zalluy in Malkus (S.296).

ab 1046 ca.
NW-Afrika: Führungswechsel bei den Sanhaga-Berbern von Lamtuna- zu den Gudala-Berbern
Die Führung der Sanhaga-Berber geht an das Gudala-Haupt Yahya b. Ibrahim (S.295).

1049
Ifriqiya/Kairuan: Kairuan beginnt mit eigenen Münzprägungen mit sunnitischen Formeln
(S.287)

um 1050
NW-Afrika: Neuer religiös-konservativer Einfluss bei den Sanhaga-Berbern von einer Wallfahrt
Der Gudala- und Sanhaga-Führer Yahyab-Ibrahim bringt von einer Pilgerfahrt nach Mekka einen faqih mit namens ‘Abdallah b. Yasin, um eine religiöse Zucht einzuführen. ‘Abdallah ist Gazula-Berber aus Sus, voller Charisma und Machtinstinkt, kein grosser Gelehrter (S.295).

11. Jh. / 1050 ca.
Ende des Berberreichs der Bargawata zwischen Sala und Safi, Zerstörung des berberischen Koran
(S.269

ab 1050
Ifriqiya: Asir: "Blütezeit" - Ifriqiya: Invasion der Banu Hilal, Atbag
Das Hammadidenreich Asir erlebt eine "Blütezeit".
Gleichzeitig wird Ifriqiya von den Banu Hilal überrannt, mit Verwüstung, Landzerstörung und Überfällen. Flüchtlingswelle.
Die Hammadiden in Asir und Ziriden in Ifriqiya glauben, die heranstürmenden Banu Hilal als Hilfstruppen benutzen zu können, was ihnen jedoch kaum gelingt (S.288).

1051
Bruch zwischen Ziriden in Kairuan und Fatimidenhof in Kairo - Rache Kairos: Beduinenstämme-Invasion
Ifriqiya ist am Rand einer gewaltigen Krise mit Epidemien und Plünderungen. Goldabwertung in Kairuan.
Ägypten reagiert mit Infiltration arabischer Beduinenstämme (S.287).

ab 1051 ca.
Ifriqiya/Asir: Flüchtlinge retten sich nach Asir und Qal ‘a
(S.288)

1052 ca.
NW-Afrika: Sanhaga-Berber: Gudala-Expansion - Zusammenlegen der Lamtuna-, Masufa- und Gudala-Berber zu den "murabitun" / "Almoraviden" - Ziel der Almoravidenexpansion: Puritanismus
‘Abdallah b. Yasin, Führer der Gudala- und Sanhaga-Berber, nützt eine instabile Zeit bei den Nachbarstämmen aus und lässt sie überfallen. Er hat ein "Grossreich" im Sinn (S.295), lässt seine Gegner "bestrafen" und sucht Anschluss bei den Lamtuna-Berbern (S.296).

‘Abdallah b. Yasin macht den Chef der Lamtuna, Yahya b. ‘Umar, zum militärischen Führer der erstarkenden Bewegung. ‘Abdalla b. Yasin behält selber das Richteramt, das Steuerwesen und die geistliche Führung (S.296).

Die Lamtuna-, Masufa- und Gudala-Berber werden von Yahya b. ‘Umar und ‘Abdallah b. Yasin zu einem nomadischen Kampfbund zusammengeschweisst und "murabitun"/"Almoraviden" genannt, um sich von blossen Mitläufern und inneren Gegnern zu unterscheiden. Es ist eine riesige Islamisierungskampagne für den Schleier und rigide Religionsvorschriften. Dadurch entwickelt sich ein "Stammeszugehörig- keitsgefühl", das bis zum Schluss anhält und weitere Gruppen ausschliesst. Der Mundschleier wird dabei zu einem Herrschafts- oder Adelsprädikat (S.296).

Andere Berberstämme wie die Gazula, Lamta, Zanata und Masmuda dürfen nicht in die Führungsstruktur aufsteigen und bleiben nur "Gefolge"/"hasam" (S.296).

Die Namengebung "Almoraviden" kommt vermutlich von einer Pflanzstätte des Lehrers Wagag "dar al-murabitin", die "für Wissenschaft und das Gute" errichtet worden sein soll. Die künftige Expansion der Almoraviden soll die Welt von Tyrannis und ungesetzlichen Besteuerungen befreien. Gleichzeitig soll die rigide religiöse Auffassung der Gruppe und die puritanischen Prinzipen wie Verbot von Wein und Musikinstrumenten durchgesetzt werden (S.296).

1054
NW-Afrika: Almoraviden besetzen Sigilmasa
Besetzung des Emirats Sigilmasa in der Region Tafilalt (heute inneres Marokko) durch Heere der Almoraviden (S.269) und Vertreibung der Zanata-Berber. Installierung eines nomadischen Almoraviden- Regimes (S.296). Die Gegenreaktion der sesshaften Berberstämme ist vorprogrammiert (S.299).

1055 ca.
Ifriqiya/Asir: Banu-Hilal-Beduinen als Hilfstruppen
Zwischendurch kämpfen die Banu-Hilal-Beduinengruppe der Atbag für die Hammadiden, die Banu-Hilal-Beduinengruppe der Riyah für Ifriqiya (S.288).

Nordwestafrika: Almorawiden: Tod von Yahya b. ‘Umar
Aufstand der sesshaften Gudala-Reste gegen die Almoraviden südlich von Marokko, Belagerung von Azuggi. Der Militärführer Yahya b. ‘Umar wird dabei getötet (S.296).

1056
Nordwestafrika: Abu Bakr, ein Bruder des getöteten Yahya b. ‘Umar, wird neuer Militärführer der Almoraviden
Die Gudala-Berber trennen sich gleichzeitig von der Almorawiden-Bewegung ab, bleiben in der Sahara und unterwerfen die dort verbliebenen Teile der Lamtuna-Berber (S.296).

1.1.1157
Ifriqiya: Sfax schüttelt die Normannenherrschaft ab
(S.287)

1057
Ifriqiya: Fall und Plünderung Kairuans und des Herrscherhofs durch die Banu-Hilal - Flucht an die Küste - neue Hauptstadt al-Mahdiyya
Die wirtschaftlichen und intellektuellen Kräfte flüchten in die Küstenstädte: al-Mahdiyya, Tunis, Susa, Monastir, Sfax, Gabes an der Ostküste, oder auch zur Qal ‘a der Banu Hammad.
In der Folge wird Ifriqiya ökonomisch-politisch auf den Mittelmeerraum ausgerichtet. Al-Mahdiyya wird neue Hauptstadt (S.287).

ab 1057
Ifriqiya: Banu-Hilal-Raubzüge nach Italien, Sardinien und Korsika
Die Banu-Hilal-Herrschaft beginnt mit Raubzügen gegen byzantinische Küstenstädte in Unteritalien, Sardinien und Korsika.
In den Küstenstädten entsteht neue Architektur im Stile Kairuans, die "ziridische Kunst" (S.289).

1057-1058
NW-Afrika: Almoravidenbesetzungen unter Ibn Yasin und Abu Bakr
Der almoravidisch-puritanische Religionsführer Ibn Yasin "missioniert" ganz Nordwestafrika. Militärführer Abu Bakr zieht ihm nach und wird jeweils als militärischer Führer der puritanisch-islamischen Bewegung anerkannt (S.296).

1058 ca.
NW-Afrika: Versuch der "Mission" der Bargawata-Berber
Der almoravidisch-puritanische Religionsführer Ibn Yasin versucht die "Mission" im Gebiet der Bargawata-Berber (S.296).

Anfang 1059
NW-Afrika: Bargawata-Berber: Tod von Ibn Yasin - Wegfall der "geistlichen Führung" - unumstrittener Abu Bakr
Der "geistliche" Führer der Almoraviden ist weg und das militärisch-weltliche Herrscherelement der Almoraviden-Nomaden tritt in den Vordergrund, unter der unumstrittenen Führung von Abu Bakr (S.296).

1060 ca.
NW-Afrika/Almoraviden: Abu Bakr siedelt im Gebiet von Agmat.
(S.296)

ab 1060 ca.
Ifriqiya: Zerfall in kleine Territorien
Ifriqiya zerfällt in kleine Bedunien-Territorien unter Bedunien-Emiren (S.287).

1062
Emirat Tunis/Asir: Die "Notabeln" von Tunis bitten um Schutz der Hammadiden aus Asir. Aus Asir wird eine Sanhaga-Berberfamilie nach Tunis entsandt, die dort eine neue Herrscherlinie gründen soll.
(S.287)

1063-1128
Emirat Tunis: Errichtung der Herrscherlinie der Banu Hurasan
eine Sanhaga-Berberfamilie aus Asir. Regierung im Frieden und Wohlstand (S.287).

1067
Ifriqiya: Neue Garnison an der Küste
Al-Nasir muss den kleinen Küstenort Bigaya/Saldae als zweite Hauptstadt ausbauen und mit einer Garnison versehen. Bigaya/Saldae wird neben al-Mahdiyya zu einem zweiten Kriegshafen ausgebaut (S.288).

1068
NW-Afrika/Almoraviden: Abu Bakr heiratet Zaynab an-Nafzawiyya
(S.296), eine einflussreiche Witwe von Agmat (S.296-297). Abu Bakr plant für das Almoravidenreich eine eigene Hauptstadt: Marrakesch (S.297).

7.5.1070
Gründung der Stadt Marrakesch
Abu Bakr gründet die neue Hauptstadt Marrakesch/"Marrukus" als Hauptstadt der Almoraviden/puritanische Sanhaga-Berber. Die angebliche Gründung von Yusuf b. Tasfin 1060 ist Legende (S.297).

ab 1070 ca.
Spanien/Sizilien: Ziridische Bauarchitektur aus Ifriqiya verbreitet sich auch in Spanien und Sizilien
zum Beispiel in Granada, Málaga, Castillejo de Monteagudo bei Múrcia, und in den normannischen Palästen Palermos: La Cuba, La Ziza, der Plafond der Capella Palatina etc. (S.289).

Okt 1072 ca.
Marrakesch/Sahara: Neuer Aufstand gegen die Almoraviden - Abu Bakr zieht in den Kampf - Stellvertreter Vetter Yusuf
Bei einem neuen Aufstand in der Sahara gegen die Almoraviden ernennt Militärführer Abu Bakr seinen Vetter Yusuf zu seinem Stellvertreter und überlässt ihm die Hauptstadt. Während Abu Bakr gegen den Aufstand in die Sahara zieht, steigt Yusuf in der Gunst des Volkes und befreundet sich mit Abu Bakrs Frau (S.297).

Dez 1072 ca.
Marrakesch: Yusuf übernimmt mit Gewalt die Führung der Almoraviden
Yusuf bedroht Abu Bakr bei dessen Rückkehr vom Sahara-Aufstand, so dass sich Abu Bakr in die Sahara zurückzieht, um die dortigen "Ungläubigen" zu bekämpfen (S.297).

ab 1073 ca.
Marrakesch: Expansion nach Norden
Yusuf, selbsternannter militärischer Führer der Almoraviden mit der Frau von Abu Bakr Zaynab an-Nafzawiyya, lässt grosse Teile Nordwestafrikas ohne Widerstand besetzen und neu verwalten. (S.297).

1075
Marrakesch: Besetzung von Fes, Taza und Westalgerien
Die Almoraviden unter Militärführer Yusuf unternehmen eine Expansion bis weit ins Mittelmeergebiet und vertreiben die Zanata-Berber aus Fes, Taza und dem Gebiet des heutigen Westalgerien (S.297).

1078 ca.
Marrakesch: Almoravideninvasion in Wazda/Uzda und Oran
Gleichzeitig: Erste Hilferufe der spanisch-muslimischen Kleinkönige an Marrakesch.
Yusuf wird von den spanisch-muslimischen Kleinkönigen in Sevilla, Badajoz und Málaga gegen die Christen um Hilfe gerufen (S.297).

ab 1078
NW-Afrika/Spanien: Vernichtungsaktion der Almoraviden gegen Andersgläubige
Die Almoraviden vernichten in ihren eroberten Gebieten mit Pogromen und Massenmord alle andersgläubigen Gruppen und geben der islamischen Religion eine "konfessionelle Einheit" auf der Grundlage der malikitischen Rechtsschule (S.298).

Ende 11. Jh. / 1080 ca.
Ifriqiya: Verdrängung der Banu Marin/"Meriniden" nach Westen
Die Banu Marin/"Meriniden", ein Zanata-Stamm, nomadisieren im Zab in der Region um Biskra und werden von den Hilal nach Westen in die Hochebenen der Oranie vertrieben (S.308).

ab 1080
Ifriqiya/Asir: Bedrohung durch die Almoraviden unter Yusuf
(S.288)

1081
Ifriqiya: Almoraviden besetzen Tlemcen, Oran, Tunis und Algier
Im Waffenstillstand muss al-Mansur den Almoraviden die Hälfte der Ernte als Tribut abtreten (S.288).

1082
Nordafrika: Almoravideninvasion in Algier
(S.297)

1083
Nordafrika: Almoravideninvasion in Ceuta
(S.297)

ab 1083 ca.
NW-Afrika: Gegenreaktion der sesshaften Stämme gegen die Almoraviden- Sanhaga-Nomadenherrschaft ist absehbar
-- Masmuda-Stämme des Atlas
-- Zanata-Stämme, die "Erbfeinde" der Sanhaga (S.299).

1085
Spanien: Christliche Besetzung von Toledo durch Truppen von Alfons VI.
(S.293

León-Kastilien: Alfons VI. von León-Kastilien kann ganz Toledo besetzen lassen.
(S.291

1085 ca.
León-Kastilien: Zaragoza und Kastilien-Heere attackieren die Grafschaft Barcelona
Rodrigo Vivar "El Campeador" von León-Kastilien unterstützt mit muslimischen Söldnern den maurischen König von Zaragoza. Zusammen greifen sie den Markgrafen von Barcelona an (S.291).

1086
Marrakesch/Spanien: 1. Feldzug der Almoraviden nach al-Andalus
unter Yusuf. Sieg der Almoravidenheere mit Truppen der Kleinkönige gegen die Truppen von Alfons VI. bei Zallaqa bei Badajoz (S.297).

1086 ca.
León-Kastilien: Besetzung der Burg von Aledo
Alfons VI. von León-Kastilien kann die Burg von Aledo zwischen Lorca und Murcia besetzen und so tief ins muslimische Gebiet eindringen. Die kleinen muslimischen Königreiche Spaniens rufen Yusuf b. Tasfin vom Almoravidenreich zu Hilfe (S.291).

Mitte 1086 ca.
Afrikanische Hilfe für die muslimischen Fürstentümer Spaniens
Eine Almoravidenflotte aus Afrika legt in al-Andalus an und zieht mit arabischen Berberheeren gegen die Heere von Alfons VI. von León-Kastilien (S.291).

23.10.1086
Spanien: Sieg der arabischen Berberheere gegen Alfons VI. in Zallaqa / Sagrajas bei Badajoz
(S.291)

ab 1086
Spanien: Marrakesch: 4 mal Hilfe aus Marokko für spanische Islamisten
Yusuf b. Tasfin und seine Almoravidenflotte helfen den spanischen Islamisten und ihren Fürstentümern insgesamt viermal gegen die christlichen Fürsten (S.291).

1087
Sahara: Tod von Abu Bakr
Die Sahara wird vom puritanischen Almoravidenwahn fortan in Ruhe gelassen (S.297).

ab 1087
Marrakesch/Spanien: Der Almoravidenführer Yusuf lässt in Spanien eigene Goldmünzen mit seinem Namen prägen
(S.297)

1088
Marrakesch/Spanien: 2. Feldzug der Almoraviden nach al-Andalus

unter Yusuf mit erfolgloser Belagerung von Aledo (S.297).

Ifriqiya/Asir: Völkerwanderung an die Küste - beginnender ZerfallAuszug von Teilen der Bevölkerung der Qal ‘a zur Kabylischen Küste (S.288).

Ifriqiya: Normanneneinfall, Plünderung von al-Mahdiyya
(S.287)

1090
Marrakesch/Spanien: 3. Feldzug der Almoraviden nach al-Andalus
unter Yusuf - Beseitigung eines Kleinkönigs nach dem andern (S.297).

Ifriqiya: Al-Mansur macht Bigaya zur alleinigen Hauptstadt Ifriqiyas und Asirs
(S.288)

1090-1094
Marrakesch/Spanien: Yusuf b. Tasfin lässt die Kleinkönige absetzen
Yusuf b. Tasfin setzt in Kooperation mit den islamischen Schriftgelehrten und des Grossteils der Bevölkerung alle Kleinkönige im muslimischen Spanien ab und verbannt diese nach NW-Afrika (heute Marokko), denn diese hätten als Vertreter des Islams auf der iberischen Halbinsel versagt (S.291).

ab 1090 ca.
Marrakesch/Spanien: Rückwirkung des "kulturellen Einflusses" von al-Andalus in den Maghreb: Architektur
spürbarer Einfluss bei den Moscheen, der Kathedralsmoscheen in Algier und Tlemcen sowie bei der Erweiterung der Qarawiyyin in Fes. Fes wird von den Almoraviden mehr gefördert als von den Meriniden.
Die Moscheen in Marrakesch und Fes, die unter Yusuf erbaut wurden, sind nicht erhalten (S.298).

1092
Spanien: alle Kleinkönigreiche "beseitigt"
Almoravidenführer Yusuf und seine Truppen haben alle Kleinkönige in al-Andalus "beseitigt", zum Teil nach Agmat nach Nordafrika verbannt. Nur Valencia und Zaragoza können sich halten (S.297).

Almoravidische Gouverneure der nordspanischen Provinzen sind meist Prinzen der herrschenden Familien (S.298).

1094
León-Kastilien: christliche Besetzung von Valencia unter "el Cid" Rodrigo Vivar
Zaragoza und Kastilien-Heere besetzen unter Rodrigo Vivar "El Campeador" mit muslimischen Söldnern das Reich von Valencia und entreissen es muslimischer Herrschaft. Rodrigo Vivar wird von seinen Söldnern "el Cid" ("der Herr") genannt und gilt fortan als spanischer Nationalheld (S.291).

ab 1094
Córdoba wird afrikanische Provinz der Almoraviden
Das islamische Córdoba, al-Andalus, wird zu einer Provinz des nordafrikanischen Almoravidenreichs. Die Periode der Kleinkönige ist beendet (S.291).

ab 1094
Spanien: Kulturschock für die Bevölkerung in al-Andalus
Die rauen Almoravidenkrieger haben wenig Verständnis für die verfeinerte Kultur der muslimischen Kleinkönigreiche. Die Verwaltung von al-Andalus durch die Herren von Marrakesch wird zum traumatischen Kulturschock. Es entwickelt sich ein sprichwörtlicher "Hass der Poeten auf Sevilla" (S.298).

Juni 1098
Marrakesch: Namenszusatz für Almoravidenführer Yusuf
Er nimmt mit dem Einverständnis des abbasidischen Kalifen in Bagdad den Namenszusatz "amir al-muslimin" an (S.297).

1099
León-Kastilien: Tod von Rodrigo Vivar "El Campeador" "el Cid" - Verlust von Valencia
Das 1094 besetzte Gebiet von Valencia kann nicht mehr gehalten werden und wird von Almoraviden besetzt (S.291).

um 1100
Spanien: Beispiel einer Konversion mit Namenwechsel
Der jüdische Gelehrte Moses Sefardi von Huesca konvertiert zum Christentum und bekommt den neuen Namen Petrus Alonsus (S.293)

Anfang 12. Jh. / 1110 ca.
Tlemcen/Oran: Gründung von Tlemcen und Oran durch Yusuf b. Tasfin
Gründung der Stadt Tagrart/Tlemcen/berberisch: Tilimsan am Schnittpunkt der Strassen von Hunayn und Oran und der Stadt Oran durch Yusuf b. Tasfin (S.312).

ab 1100 ca.
Marrakesch: Bereitschaft der sesshaften Stämme zur Rebellion
Es braucht nur eine religiöse "Erneuerungsbewegung", um eine effiziente Kraft gegen die blosse Machtpolitik der Almoraviden-Nomaden herzustellen (S.299).

1102
Marrakesch/Spanien: Almoraviden besetzen Valencia
(S.297)

Ifriqiya: Rückeroberung von Algier durch Ifriqiya
(S.288)

1105 ca.
NW-Afrika/Spanien, Harga-Berber: Ibn Tumart
(geb. 1091) aus dem Anti-Atlas-Gebirge, heute Südmarokko, studiert in Córdoba (S.299).

1106
Marrakesch: Tod von Almoravidenführer Yusuf - Nachfolger: Sohn ‘Ali
(S.297)

ab 1106
Marrakesch/Spanien: Bücherverbrennungen - "Sittenstrenge" und Gewalt der Almoraviden unter ‘Ali
‘Ali, als Städter in al-Andalus aufgewachsen, ist noch "frömmer" als Vater Yusuf, ist empfänglich für die fuqaha’ und lässt auf deren Veranlassung die Werke von al-Gazzalis in Córdoba verbrennen (S.298).

Aufstände gegen die puritanischen Almoraviden werden von ‘Ali alle niedergeschlagen. Mit "Sittenstrenge", Rigorismus und mit Übergriffen der afrikanischen Soldaten machen sich die Almoraviden in al-Andalus "herzlich unbeliebt" (S.297).

ab 1106
Spanien: Übersetzungen: Petrus Alonsus
Der konvertierte christliche Gelehrte Petrus Alonsus von Huesca wird von Alfons I. von Aragón als Arabisch-Latein-Übersetzer unterstützt (S.293).

1110
Marrakesch/Spanien: Almoraviden besetzen Zaragoza unter Führer ‘Ali
(S.297)

ab 1110 ca.
Spanien: Allmähliche Akkulturation der groben Almoraviden an die feineren Sitten der spanischen Bevölkerung
(S.298)

ab 1110
NW-Afrika/Spanien: Ibn Tumart: Mekka - Studium im Orient
Ibn Tumart stammt aus dem Anti-Atlas, studierte in Córdoba, geht auf Pilgerfahrt nach Mekka und studiert dann weiter im Orient. Er erwirbt sich Kenntnisse der Rechtsdogmatik (usul al-fiqh) und wird beeinflusst von der von al-Gazzali geförderten Versöhnung von Orthodoxie und islamischer Mystik. Die Werke von al-Gazzali sind in al-Andalus geächtet, was Ibn Tumart sehr empört (S.299).

Den Mystikern im Orient kommt es nicht so sehr auf die Verbreitung der Versöhnungslehre an, denn sie sind mit Diskussionen oder Auseinandersetzungen schon zufrieden (S.300).

1115/1116
Marrakesch/Spanien: Almoraviden besetzen die Balearen unter Führer ‘Ali
(S.297)

ab 1115 ca.
Marrakesch/Spanien: Heranbildung almoravidisch-andalusischer Gelehrter, Verwaltungsfachleute und Architekten
(S.298)

ab 1116
NW-Afrika: Der Missionswahn von Ibn Tumart aus dem Anti-Atlas
Ibn Tumart hat grossen Ehrgeiz, seine Lehre sehr zu verbreiten und herrschend zu machen, im Gegensatz zu den Mystikern im Orient, die es bei der Diskussion belassen. Ibn Tumart stärkt die Propaganda auch in schriftlicher Form, predigt, wo er nur kann und erregt dadurch "Ärgernis", geht dann in seine Heimat des Anti-Atlas des heutigen Südmarokko und versucht dort seine Mission (S.300).

Juli 1116
Die Lehre des Harga-Berbers und "Mystikers" Ibn Tumart - "Almohaden"
NW-Afrika: Ibn Tumart aus dem Anti-Atlas kommt vom Orient vom Mystizismusstudium nach NW-Afrika zurück, bekommt Anhänger, u.a. Abu Bakr b. ‘Ali al-Baydaq, der später ausführliche Memoiren hinterlässt. Weiter gehört ‘Abd al-Mu ‘min zu den Anhängern, ein Berber des heutigen Nordwest-Algerien, mit grossen administrativen und militärischen Fähigkeiten (S.299).

Die Lehre:
-- Betonung der absoluten Einheit Gottes ("tawhid")
-- Namengebung für seine Gruppe: al-muwahhidun/"die Einheitsbekenner"/Almohaden
-- Gott ist das allen anderen Wesen übergeordnete Wesen

-- gewisse Koranstellen müssen deswegen allegorisch ausgelegt werden

--"heiliger Kampf"/gihad ist Pflicht, vor allem gegen die Almoraviden: Der Dschihad gegen die Almoraviden-Nomaden ist "verdienstvoller" als Siege gegen "Ungläubige"

-- Ibn Tumart wird als unfehlbar anerkannt

-- Recht: Zurückgehen auf Koran und Sunna, Ablehnung logischer Schlüsse, Ablehnung der individuellen "Meinung" (zann)

-- Recht: Rechtsschulen werden abgelehnt und nur den Prophetenworten richterliche Macht zuerkannt
-- Sitten: Verbot berauschender Getränke, Gebetszwang, Dschihad-Zwang, Vorschrift zur gerechten Aufteilung der Beute (S.300).

1118
Spanien: Christliche Besetzung des Ebro-Beckens

mit Zaragoza durch Alfons I. von Aragón, Sieg gegen al-Andalus (S.294).

1119
Spanien: Christliche Besetzung der grossen Festung Calatayud
(S.297)

1120
Marrakesch: Propaganda von Ibn Tumart zur Almoraviden-Bekehrung
Streitgespräch mit Rechtsgelehrten vor den Augen ‘Alis. Ibn Tumart tadelt die Sittenlosigkeit der Almoraviden wegen unverschleierter Frauen in der Moschee. Dabei ist es Tradition der Almoraviden, dass nur die Männer des herrschenden Stammes Schleier tragen dürfen.
Ein Teil der Zuschauer erkennt das "Genie", ein anderer Teil erkennt die Gefahr für den almoravidischen Nomadenstaat. Die Gefahr für Ibn Tumart, festgenommen zu werden, wächst (S.301).

1120-1160
Spanien: Übersetzungen: Johannes Hispalensis
ist wahrscheinlich ein Mozáraber, ist einer der grossen Übersetzer wissenschaftlicher Werke aus dem Arabischen ins Lateinische (S.294).

Anfang 1121
Marrakesch: Ibn Tumart verlässt wegen Verhaftungsgefahr Marrakesch
flüchtet nach Agmat, dann in das Gebiet des Anti-Atlas zu seinem Harga-Berberstamm (S.301).

Ende 1121
NW-Afrika/Anti-Atlas: Ibn Tumart wird im Harga-Stamm als Mahdi proklamiert - Aufruf zum Kampf der Almohaden gegen die Almoraviden
Ibn Tumart wird zum Mahdi und unfehlbar-sündlosen Imam proklamiert, was eine der Schia entlehnte Vorstellung ist. Die Harga-Berber finden viele Stämme, die Ibn Tumar anerkennen und zum Kampf gegen die Almoraviden bereit sind, z.B. die Hintata-Berber. In der Folge muss Ibn Tumart eine strategisch günstige Ausgangsposition gegen Marrakesch finden (S.300, 301).

1124/1125
NW-Afrika/Anti-Atlas: Tinmal: Ibn Tumart verlegt den Sitz der Almohaden nach Tinmal / Tinmallal,
ca. 75 km südsüdwestlich von Marrakesch. (Besetzung?) (S.301).

1125
NW-Afrika: Vorbereitung der Almohaden zum Angriff gegen die Almoraviden in Marrakesch
Die Almohaden "konstituieren" sich in Tinmal. Dabei kommt es zu Auseinandersetzungen um die Führung. Von 8 Masmuda-Stämmen soll einer der Stämme die Führung stellen. Die Regelung wird nicht von allen akzeptiert (S.301).

1125-1126
Spanien: Christlicher Feldzug bis Málaga - Emire vertreiben Christen/Mozáraber aus Córdoba nach Nordafrika
Alfons I. von Aragón "El Battallador" kommt mit seinem Feldzug gegen das östliche muslimische Andalusien bis Málaga (S.279, 297).

1126
Spanien: Umsiedlungen und Deportationen
-- 14’000 Mozáraber ziehen mit Alfons I. von Aragón nach Nordspanien und werden dort neu angesiedelt
-- gleichzeitig wird ein grosser Teil der Mozáraber in Córdoba nach Nordafrika deportiert und nie mehr gesehen (S.297)
-- in der Folge verschwinden die "Mozáraber" fast vollständig von der iberischen Halbinsel (S.279).

Marrakesch: Erster Ansturm der Almohaden
(S.297)

England: Übersetzungen: Arabische Zahlen
In England erscheint die Übersetzung der Zahlentabellen des Hwarizmi durch Adelard von Bath (S.293).

1128-1129
NW-Afrika: Tinmal: Bürgerkrieg um die Führung bei den Almohaden
Im Zug der Auseinandersetzung um den führenden Stamm kommt es zum inneren Kampf, zu Säuberungen und Massenexekutionen. Aus dieser Lage heraus wird eine neue Gesellschaftsstruktur festgelegt (S.301).

1129
NW-Afrika: Die almohadische Gesellschaft "ahl ad-dar"
-- an der Spitze ca. 20 Personen, darunter drei Brüder von Ibn Tumart
-- dann ein "Rat der Zehn", eine Art Generalstab: mit ‘Abd al-Mu ‘min und den "ältesten Anhängern", z.B. Abu Hafs ‘Umar

-- daneben ein "Rat der 50", ein Konsultativrat mit Vertretern der Stämme
-- dann noch die besondere Parade- und Schlachtordnung der Stämme
-- am Ende die strukturierte Bedienstetenhierarchie (S.300).

13.5.1129
NW-Afrika: Niederlage der Almohaden bei al-Buhayra
(S.301)

Anfang 1130 ca.
Marrakesch: Belagerung durch die Almohaden bleibt ohne Erfolg
(S.301)

1130-1154
Sizilien: Normannenkönig Roger II.
(S.214)

ab 1130
Sizilien: Übersetzungsarbeit bei den Normannenkönigen
Die Normannenkönige residieren in Palermo, innerhalb orientalischer Umgebung. Sie spielen eine wichtige Mittlerrolle zwischen christlicher und islamischer Kultur (S.214).

30.8.1130
NW-Afrika: Tod des Almohadenführers Ibn Tumart - Nachfolger ‘Abd al-Mu ‘min - "Mu ‘miniden"
vom "Rat der 50" zum Stellvertreter Tumarts ernannt: "halifat Ibn Tumart". Trotzdem hat sich ‘Abd al-Mu ‘min mit Nachfolgekämpfen herumzuschlagen.

Mit ihm kommt ein Militärführer an die Macht, der keine religiösen Inhalte vermitteln kann. Die "Mission" der Almohaden verkommt zur reinen Machtstrategie des Primitivismus unter der faktischen Dynastie der "Mu ‘miniden" (S.301).

1131 ca.
NW-Afrika: Kalifentitel für Almohadenführer ‘Abd al-Mu ‘min
‘Abd al-Mu ‘min gibt sich den kalifalen Titel "amir al-Mu ‘minin", obwohl noch gar kein Kalifat erreichtet ist (S.301).

ab 1133
NW-Afrika: Almohadeninvasion
Die Almohaden besetzen grosse Flächen NW-Afrikas (heutiges Marokko) (S.301).

1134
Ifriqiya: Normannische Besetzung von Dscherba/Djerba unter Roger II.
(S.302)

ab 1134
Ifriqiya: Normannische Besetzung der ganzen Ifriqiya-Küste unter Roger II.
(S.302). Unter Roger II. erlebt die "arabisch-islamisch-griechische" Kultur auf Sizilien ihren Höhepunkt (S.273).

1137
Spanien/Aragón-Katalonien: Vereinigung von Königreich Aragón mit der Markgrafschaft Barcelona
Der so entstehende Staat wird der zweitwichtigste Staat der Pyrenäenhalbinsel Aragón-Katalonien (S.277).

1140 ca.
Spanien: Übersetzungen: Bischof Michael (1119-1151)

Er etabliert sich als Übersetzer von Arabisch ins Latein. Ebenso übersetzen Herrmann von Kärnten (Dalmata") und Robert von Rétines nahe Logroño, vielleicht auch in Nájera (S.294).

Sizilien: Übersetzungen: Roger II.
Er lässt zum ersten Mal die Geographie des Ptolemäus aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzen (S.215).

Sizilien: Normannenkönig Roger II. gründet die medizinische Hochschule von Salerno
(S.215)

ab 1140 ca.
NW-Afrika: wachsende arabische Macht
(S.298)

Spanien: neue marabutische Rebellion
Im Südwesten der iberischen Halbinsel (heute Portugal) entsteht eine marabutisch geprägte Rebellion der Muriden unter Ibn Qasi und Ibn al-Mundir (S.298).

1141
Spanien: Begegnung mit Übersetzern
Petrus Venerabilis von Cluny begegnet auf seiner Spanienreise den Übersetzern Herrmann von Kärnten und Robert von Rétines (S.294).

1143
Marrakesch/Spanien: Tod des Almoravidenführers ‘Ali - kein adäquater Nachfolger
(S.298)

Spanien: Übersetzungen: Erste Koranübersetzung ins Lateinische abgeschlossen
(S.294)

1144
Spanien: Tod des almoravidisch verbündeten katalanischen Vizegraf Reverter/arab. Ruburtayr
Mit Reverter fällt der Befehlshaber der christlichen Söldnertruppen der Almoraviden weg. Er war eine wichtige Stütze der Berber (S.298).

1144 ca.
Spanien: Übersetzungen: Petrus Venerabilis kontaktiert Reimundus von Toledo
Petrus Venerabilis von Cluny informiert Erzbischof Raimundus von Toledo von seiner Spanienreise, so dass der Erzbischof zum ersten Mal Interesse an den Übersetzungen von Herrmann von Kärnten und Robert von Rétines zeigt (S.294).

ab 1144
Spanien: Die zweite Periode der Kleinkönigreiche in al-Andalus
In al-Andalus entsteht nach dem Machtzerfall der Almoraviden eine zweite Periode von Kleinkönigreichen, u.a.
-- muridische Führer im Südwesten (heute Portugal)
-- Ibn Mardanis, Herr der Levante (1124/25-1172), ist gleichzeitig der "Rey Lobo" der spanischen Chronisten (S.298), der sich in Valencia als Einheimischer an die Macht bringt (S.298-299).

um 1145
N-Afrika / Maghreb: Die Almohaden vertreiben die Almoraviden-Nomadenherrschaft
aus heutigem algerischem Küstengebiet (S.298).

1145-1147
Spanien: Allgemeiner Aufstand gegen die Almoraviden-Herrschaft
für eine andere muslimische Herrschaft (S.302).

1145
NW-Afrika: Die Almohaden besetzen Tlemcen
(S.301)

ab 1145 ca.
NW-Afrika/Spanien: Hilfe der Almohaden aus Afrika für das bedrohte muslimische al-Andalus
(S.299)

1146, 1147?
Marrakesch: Erstürmung durch die Almohaden, Hinrichtung des letzten Almoraviden
(S.298, 301)

1146 ca.
Marrakesch: Falscher Moscheebau wird sofort wieder abgerissen
Kalif ‘Abd al Mu ‘min lässt in Marrakesch eine Kutubiyya-Moschee bauen, die aber wegen falsch berechneter Gebetsrichtung sofort wieder abgerissen wird (S.305).

1146-1148
NW-Afrika: Revolten niedergeschlagen
Revolten in Sus und an der Atlantikküste werden von den Almohaden niedergeschlagen. Säuberung des ganzen Almohadengebiets mit angeblich über 32’000 Ermordeten. Nordwestafrika ist "befriedet" (S.301).

ab 1146
Spanien: Cádiz: Freitagspredigt mit Huldigung des almohadischen Kalifen
(S.302)

ab Ende 1146 ca.
Spanien: Jeréz: Freitagspredigt mit Huldigung des almohadischen Kalifen.
Gleichzeitig tritt der almoravidische General zu den Almohaden über (S.302).

ab 1146 ca.
Spanien: Eroberungen von Ibn Mardanis von Valencia aus
Islamische Besetzung von Jaén, Baeza, Guadix, Carmona und Écija, mit Hilfe seines Schwiegervaters Ibn Hamusk(o).

Ibn Mardanis erhebt enorme Abgaben auf die unterworfene Bevölkerung, um seine ihm sehr ergebenen Söldner aus Kastilien, Aragón und Katalonien zu bezahlen (S.299).

1147
Spanien: Christliche Besetzung von Almeria
Alfons VII. kann mit vereinigten Truppen aus Kastilien, aus Aragón, aus Pisa und aus Genua Almería christlich besetzen (S.299).

NW-Afrika/Spanien: "Hilfe" aus Afrika für Muslime in Spanien
"Kalif" ‘Abd al-Mu ‘min der Almohaden entschliesst sich, ein Expeditionsheer nach al-Andalus zu entsenden (S.302).

Mitte 1147 ca.
Spanien: Almohadeninvasion im Süden und Südwesten der iberischen Halbinsel
mit grosser Brutalität, so dass gleich Hass gegen die Almohaden entsteht. "Kluge" Befehlshaber müssen die besetzten Gebiete "befrieden" (S.302). Die Almohaden in Spanien sind meist energische, ungebildete und brutale Kämpfer (S.305).

ab 1147
Spanien: 2. Periode der kleinen Fürstentümer
Die Almoraviden können nur Sevilla, Granada und die Balearen behaupteten (S.302).

1148 ca.
Marrakesch: Einweihung der zweiten Kutubiyya-Moschee, die nun die richtige Gebetsrichtung hat
(S.305)

1148
Ifriqiya: Normannen besetzen Susa, Sfax und al-Mahdiyya
(S.287)

Spanien: Markgraf Ramón Berenguer IV. erobert Tortosa
(S.299)

Ifriqiya: Asir: Räumung der Qal ‘a und von Bani Hammad
(S.289)

1148 ca.
Marrakesch: Einführung der Grundsteuer / haradsch
Kalif ‘Abd al-Mu ‘min kann den Regierungsapparat der Almohaden neu ordnen und die Grundsteuer / haradsch auf alles fruchtbare Gebiet einführen. Bestimmte Beduinenstämme und Berberstämme werden "zu dauernder Heerfolge zugeordnet" (S.302).

1149
Spanien: Markgraf Ramón Berenguer IV. erobert Lérida
(S.299)

Spanien: Übersetzungen: Johannes Hispalensis
einer der grossen Übersetzer, wird Bischof von Segovia (S.294).

um 1150
Spanien: Übersetzungen: Übersetzer Johannes b. Dawid
("israelita philosophus"), Mitarbeiter von Erzdekan Dominikus Gundisalvus/Domingo González, übersetzt v.a. philosophische Werke vom Arabischen ins Kastilische, Der Erzdekan dann vom Kastilische ins Lateinische (S.294).

1150
Marrakesch: Kalif ‘Abd al-Mu ‘min lässt die Stadt Rabat als riesiges Heerlager ausbauen
(S.302)

Marrakesch/Spanien: Anerkennung des Almohadenkalifen
Die Notablen von Niederandalusien anerkennen den neuen selbsternannten Almohadenkalifen ‘Abd al Mu ‘min als Souverän. ‘Abd al Mu ‘min plant selbst weitere Besetzungen in Afrika (S.302).

ab 1150 ca.
Marrakesch: Wirtschaftlicher "Aufschwung" im Almohadenreich und florierende Handelsentwicklung
-- Werften in Alicante und in maghrebinischen Küstenstädten
-- grosse Seidenwebereien in Almería
-- hochberühmte Papierproduktion in Játiva, Ceuta und Fes
-- Handel vor allem mit französischen und italienischen Seestädten wie Pisa, Genua, Venedig und Marseille -- der Handel wird durch die mächtige almohadische Flotte geschützt
-- Eine gewaltige Armee mit christlichen und türkischen Söldnern soll das riesige Imperium zusammenhalten (S.305).

1151
Spanien: Übersetzungen: Johannes Hispalensis,
einer der grossen Übersetzer und Bischof von Segovia, wird Erzbischof von Toledo (S.294).

Ifriqiya: Sieg der Almohadentruppen unter Kalif ‘Abd al Mu ‘min gegen die Hammadiden
(S.302)

1152
Ifriqiya: Besetzung durch die Almohaden - Deportationen arabischer Beduinen ins heutige Nordmarokko - kapitaler strategischer Fehler
Sieg der Almohadentruppen unter Kalif ‘Abd al Mu ‘min gegen die arabischen Hilalstämme und Deportationen der arabischen Hilalstämme in die atlantischen Ebenen des heutigen Nordmarokko, gegen die Ausbreitung der Bargawata-Religion gerichtet, aber strategisch ein katastrophaler Entschluss.

Kalif ‘Abd al Mu ‘min bestimmt einen seiner Söhne zum Nachfolger und setzt weitere Prinzen und Mitglieder seiner Familie als Gouverneure ein, die den Titel "sayyia" tragen dürfen (S.302).

ab 1152 ca.
Ifriqiya: Beginn der Widerstandsbewegung in al-Mahdiyya gegen die Normannen
(S.287)

1154
Sizilien-NW-Afrika: Kulturaustausch - Kartenwerk
Normannenkönig Roger II. bekommt von dem in Ceuta geborenen arabischen Geographen Muhammad al-Idrisi ein arabisches "Roger-Buch"/Liber Rogeris/Kit ab Rugar mit dem Titel: "Das Vergnügen dessen der die Horizonte zu durchstreifen wünscht"/nuzhat al-mustaq fiihtirag al-afaq (214), eine Landeskunde mit 70 Karten der damals bekannten Welt (214-215).

Die arabische Welt erfährt darin zum ersten Mal von Ländern wie Burgund, Frankreich, Deutschland, Mittel- und Osteuropa. Mitgeliefert ist eine Erdkarte auf einer Silberscheibe. Da aber keine Übersetzung in europäische Sprachen stattfindet, bleiben die islamischen und orientalen Länder den Europäern unbekannt und bleiben "die Welt jenseits von Aleppo und Alexandria", bis Napoleon. Die Reiseberichte von Einzelreisenden wie Marco Polo nützen kaum etwas oder werden nicht geglaubt (S.215).

1156
Ifriqiya normannisch besetzt und von den Almohaden bedroht
-- Normannische Besetzung des Regierungssitzes al-Mahdiyya. Sturz der Ziridendynastie
-- gleichzeitig stehen bereits almohadische Truppen vor Ifriqiya
-- die arabischen Stämme Ifriqiyas lehnen ein Hilfsangebot der Normannen gegen die Almohaden ab (S.302).

1157 ca.
Spanien: Almería geht wieder in muslimische Hand und die christliche Verwaltung wird vertrieben
(S.299)

1160
NW-Afrika: Die Almohaden rücken in Sfax ein und werden allgemein als "Befreier" begrüsst
(S.287)

Marrakesch/Ifriqiya: Besetzung durch almohadische Truppen - auch Tripolitanien wird besetzt
-- die Bevölkerung begrüsst die Almohaden als Befreier von den Normannen.
-- der ganze berberische Maghreb ist zum ersten Mal von einem berberischen Oberherrscher regiert (S.302).

1161
Marrakesch/Spanien: Kalif ‘Abd al-Mu ‘min lässt Gibraltar befestigen
(S.302)

1162 ca.
Marrakesch/Spanien: Kalifentruppen von ‘Abd al-Mu ‘min besetzen Granada
(S.302)

1163
Marrakesch/Ifriqiya: Untergang der Hammadidendynastie in Bigaya
Übernahme der Verwaltung und Regierung durch die Almohaden (S.289).

1163-1184
Marrakesch: Tod von Kalif ‘Abd al-Mu ‘min in Rabat/Ribat al-Fath - Nachfolger: Sohn Abu Ya ‘qub Yusuf
(S.302)

ab 1163
Marrakesch/Spanien: Zeit "grösster Blüte und Wohlstandes"
Kalif Abu Ya ‘qub Yusuf bevorzugt an seinem Hof in Marrakesch spanische Muslime, hat seine Günstlinge in
-- Philosoph Ibn Rusd/Averroes (1126-1198), Kommentator des Aristoteles
-- Autor Ibn Tufay (1116-1185), Autor des philosophischen Romans Hayy ibn Yaqzan
die er vor fanatischen almohadischen Rechtsgelehrten schützen muss (S.303).

1165
Spanien: Christliche Besetzung von Évora (heute südliches Portugal)
(S.303)

1165 ca.
Marrakesch/Spanien: Besetzung der spanischen Levante durch almohadische Truppen
(S.302)

ab 1165
Spanien: Übersetzungen: Toledo als Übersetzungszentrum: "Toledaner Schule"um Gerhard von Cremona. Übersetzung von v.a. philosophischen Autoren, ca. 80 Werke: al-Farabi, al-Gazzali, Ibn Sina, und Aristoteles, der erst jetzt als Philosoph für Europa entdeckt wird.
Die islamischen Philosophen beginnen, in Europa zu wirken:

Ibn Bagga/"Avempace"
Ibn Tufayl/"Albubather"
Ibn Rusd/"Averroes"
Abulcasis
al-Bitragi/"Albetragius"
der Jude Maimonides (S.294).

ab 1166
Marrakesch/Ifriqiya: Rebellion in Gafsa führt zu dauerndem Kriegsrecht der Almohadenherrschaft
(S.302)

1172
Marrakesch/Ifriqiya: Der Armenier Qaraqus besetzt Tripolis, was zu einem dauernden Kriegsrecht der Almohaden führt
(S.302)

ab 1172
Marrakesch/Spanien: Der ganze islamische Teil der iberischen Halbinsel ist almohadisch beherrscht
(S.302)

1174
Ifriqiya: schwere Pestepidemie
(S.302)

1177
Spanien: Cuenca fällt unter Alfons VIII. von Kastilien unter christliche Herrschaft
(S.303)

ab 1181
Marrakesch/Spanien: muslimische Besetzung von Évora unter Kalif Abu Ya ‘yub Yusuf
(S.303)

1184
Spanien: Die Almoraviden räumen die Balearen, um nach Ifriqiya zu gelangen
(S.303)

Marrakesch/Ifriqiya: Planmässige Zerstörung Ifriqiyas durch Almoraviden und Beduinenstämme
Almoraviden von den Balearen, die Banu Ganiya, landen in Bigaya und zerstören den östlichen Maghreb, zum Teil mit den Hilal-Stämmen verbündet, manchmal mit den Qaraqus-Stämmen verbündet, oder mit den tripolitanischen Banu Sulaym. Das Kalifat Marrakesch befindet sich in einem Zweifrontenkrieg gegen Almoraviden und Christen gleichzeitig und ist völlig überfordert (S.303).

1184-1199
Marrakesch/Spanien: Tod von Kalif Abu Ya ‘qub Yusuf bei der Belagerung von Santaren - Nachfolger Abu Yusuf Ya ‘qub al-Mansur
Kalif Abu Yusuf Ya ‘qub al-Mansur versucht eine ruhige Regierung. Seine Zeit ist eine "Ruhe vor dem Sturm".
(S.303

ab 1184
Marrakesch: Beginn der Spaltungen - starke arabische Beduinentätigkeit
Der Maghreb kann unter Kalif al-Mansur nicht politische "geeint" werden und die Stämme beginnen wieder, ihre Eigenheiten herauszustellen (S.304).

Die arabischen Beduinen der Hilal und der Hammadiden, die 1152 von Ifriqiya in das heutige Nordmarokko deportiert worden waren, schüren durch ihre Verschiedenheit Konflikte. Es kommt zum dauernden Machtkampf zwischen Sesshaften und Nomaden, an dem sich das Almohadenreich spaltet.
Die muslimischen Mystiker im Almohadenreich aber überleben und sind bedeutend (S.305).

1186
Marrakesch: Kalif Abu Yusuf Ya ‘qub al-Mansur lässt in Marrakesch ein grosses Hospital bauen
(S.305)

1195
Spanien: muslimischer Sieg bei Alarcos und vernichtende Niederlage der Heere von Alfons VIII. von Kastilien
(S.303)

Marrakesch/Ifriqiya: Die Banu Marin/"Meriniden" beteiligen sich an der Seite der Almohaden an der Schlacht bei Alarcos, obwohl sie sonst gegen die Almohaden stehen (S.308).

ab 1195
Marrakesch: Dichtung, Wissenschaft und Philosophie
blühen weiter am Kalifenhof, so wie die orthodoxe malikitische Propaganda, die Bücherverbrennungen gegen liberale "Freigeister" veranstaltet wie gegen Ibn Rusd. In der Baukunst kommt es zu einer "Blüte" mit grossen vollendeten Moscheen in Sevilla (S.303) und der Moschee der Qasba in Marrakesch. Die Hasan-Moschee in Rabat bleibt unvollendet, von der Moschee in Sevilla bleibt bis heute nur die "Giralda" übrig (S.304).

Marrakesch: Philosophie und Botanik
zum Beispiel
-- Musiktheoretiker Ibn Bagga/"Avempace". Durch ihn entsteht die "andalusische Musik", die bis heute die klassische Musik Nordafrikas darstellt.
-- Botaniker al-Gafiqi und sein Schüler Ibn al-Baytar (gest. 1248) aus Málaga (S.305).

1198 ca.
Marrakesch/Ifriqiya: Tod des Banu-Marin-Führers - Nachfolger: ‘Abd al-Haqq
-- mit exemplarischer "Frömmigkeit"
-- mit religiöser "Gnadenkraft"/baraka (S.308).

1199-1213
Marrakesch: Tod von Kalif Abu Yusuf Ya ‘qub al-Mansur - Nachfolger: Muhammed an-Nasir li-din Allah
ein "schwacher und unsicherer" Herrscher, mit Sprachfehler, wortkarg, und ohne Energie (S.304).

1203
Marrakesch/Ifriqiya: Vizekönig Abu Muhammed b. Abi Hafs ‘Umar: eigene Verwaltung
macht sich vom Maghreb-Kalifat quasi unabhängig, entreisst dem almohadischen Bandenführer Yahya b. Ganiya Ifriqiya und verjagt ihn (S.304).

ab 1203
Nordwestafrika: Wiederkehrende Tendenz zur Dreiteilung der Berberregion
Es ist die traditionelle Dreiteilung,
-- wie sie im 9. Jh. mit Idrisiden, Rustamiden und Aglabiden entstanden ist
-- wie sie im 11. Jh. mit "Marokko", Hammadiden und Ziriden entstanden ist (S.306).

1209/1210Ifriqiya: Bürgerkrieg: Sieg Umars
Sieg der Truppen unter Abu Muhammed b. Abi Hafs ‘Umar gegen die Beduinen unter dem almohadischen Bandenführer Yahya b. Ganiya in Tripolitanien (S.304).

1210-1211 ca.
Spanien/Italien: Vorbereitung eines "Kreuzzugs" gegen spanische Muslime
Der spanische Erzbischof von Toledo durchreist die christlichen Staaten der iberischen Halbinsel und Frankreich und Italien, um einen gemeinsamen Feldzug gegen die islamische Herrschaft in Spanien zusammenzutrommeln. Vom Vatikan erreicht er, dass der Papst einen "Kreuzzug" gegen den Islam in Spanien ausrufen wird (S.304).

Anfang 1212
Spanien/Italien: Papst Innozenz III. verkündet einen Kreuzzug gegen die muslimische Herrschaft in Spanien
(S.304)

Spanien/Frankreich/Italien: Allianz gegen die Muslime in Spanien
Allianz der christlichen Staaten der spanischen Halbinsel unter dem Erzbischof von Toledo mit französischen und italienischen Truppen (S.304).

Juni 1212
Marrakesch/Spanien: Schlacht in der Sierra Morena in Las Navas de Tolosa - entscheidender christlicher Sieg
zwischen den Heeren von Alfons VIII. von Kastilien, König von Navarra, König von Aragón und dem Kalifen von Marrakesch. Das Kalifenheer unter Kalif Muhammed an-Nasir li-din Allah verliert entscheidend.
Der Kalif kehrt nach Marrakesch zurück, ohne Massnahmen gegen die Christen auf Spanien anzuordnen. Eine Epidemie in Kastilien verhindert die christliche Besetzung von Jaén in Ostandalusien (S.304).

Ende Dez 1213
Marrakesch: Tod von Kalif Muhammed an-Nasir li-din Allah
(S.304)

1213
Ifriqiya/Marrakesch: Erste Einfälle der Banu Marin / Meriniden im Kerngebiet der Almohaden um Marrakesch
(S.304)

ab 1215
Sizilien: Roms Kritik am "freien Forschen"
Der Gedankenaustausch zwischen Christentum und Islam mit Übersetzungen kann das Feindbild zwischen Christentum und Islam nicht überwinden. Rom beargwöhnt Friedrich II. in seinem "freien Forschen", und in Damaskus wird Friedrich II. von Chronisten wie Sibt b. al Gawzi als "Materialist" gesehen. Umfragen wie die "sizilischen Fragen" nach philosophischen Lösungen, wie Wissen und Gott zu verstehen seien, werden gar nicht oder dann mit antichristlicher Polemik beantwortet (S.216).

1215-1250
Sizilien: Übersetzungen: König Friedrich II. von Staufen
Friedrich II. lässt mehrere Übersetzungen arabischer Werke schreiben:

-- durch den schottischen Gelehrten Michael Scotus, der verschiedene Werke übersetzt

-- Michael Scotus bringt auch die Aristotelesfassung des spanischen Arabers Ibn Rusd (lat. Averroes) mit dessen Kommentaren an den Hof von Palermo

-- Michael Scotus verfasst für Friedrich II. eine Zusammenfassung von Aristoteles’ "De animalibus" aufgrund der Texte und Kommentare von Ibn Sina/Avecenna

-- Hofastrologe Theodor, ein syrischer Christ aus Antiochien, muss ein arabisches Traktat über Falkenjagd übersetzen (S.215).

Hofastrologe Theodor regt die Übersetzung wissenschaftlicher arabischer Werke an italienischen Hochschulen an (S.215).

Die Regierungszeit von Friedrich II. von Hohenstaufen wird zum "Nachhall" der arabisch-islamisch- griechischen" Kultur von Sizilien (S.273).

1217
Ifriqiya: Tod des Banu-Marin-Führers ‘Abd al Haqq bei Fes
In der Folge ziehen sich die Banu Marin/"Meriniden" an den Rand der Sahara zurück.
(S.308)

13. Jh. / ab 1220 ca.
Marrakesch: Zweiteilung des Heeres der Almohaden
-- "gumu", besoldete Truppen, die in Marrakesch stationiert sind
-- " 'umum": Zivilarmee mit Stationierung an den Heimatorten (S.300).

13./14. Jh. / 1220-1380 ca.
Mittelmeer: "Goldenes Zeitalter" des Fernhandels zwischen Italien, spanischen Küstenstädten und Nordafrika
(S.311)

1224
Sizilien/Neapel: König Friedrich II. gründet die Universität Neapel
(S.215)

ab 1224
Kalifat Marrakesch: zunehmende Anarchie
im ganzen von den Almohaden gehaltenen Nordwestafrika. Die arabischen Beduinen, die 1152 in das Gebiet des heutigen Nordmarokko deportiert wurden (Hilal und Hammadiden), gewinnen im Kalifat an Macht (S.304).

1225 ca.
Ifriqiya: Bau des Palasts Ras at-Tabiya durch einen "almohadischen Würdenträger"
(S.317)

1225
Spanien: christliche Besetzung von Peñiscola, Múrcia und Sevilla
Christliche Heere fallen in Sevilla und Múrcia ein. In der Folge wächst die Unzufriedenheit der Bevölkerung gegen die Almohaden.

Peñiscola an der Mittelmeerküste wird christlich besetzt. Die christliche Herrschaft Aragón etabliert ein plünderungsmässiges Tributsystem über den almohadischen Statthalter der Stadt, so dass die Armut wächst (S.317).

1226
Marrakesch: Der Papst kann in Marrakesch ein Bistum gründen (!)
(S.304)

1227
Spanien: Rebellionen der Bevölkerung in der spanischen Levante gegen das Tributsystem von Aragón
(S.317)

1227-1232
Marrakesch: Kalifat al-Ma ‘mun, mütterlicherseits ein Enkel des Ibn Mardanis
schwört der almohadischen Lehre ab und verflucht den Namen Mahdi (S.304).
1228
Ifriqiya: Unabhängigkeitserklärung unter Abu Zakariyya
gegenüber dem Kalifat Marrakesch (S.304).

1228 ca.
Marrakesch erlaubt den christlichen Garden den Bau einer Kirche
(S.304)

1228
Spanien: Zaragoza besetzt die spanische Levante unter Ibn Hud
Islamische Besetzung von Múrcia unter Ibn Hud, angeblich von den "Hudiden" in Zaragoza. Breite Volksschichten stützen Ibn Hud.

Gleichzeitig erfolgt in Onda (Levante) ein Aufstand unter Zayyan b. Zayyan b. Mardanis, der Valencia besetzt und Aragón vertreibt (S.317).

1228-1230
Spanien/Zaragoza: Ibn Hud besetzt fast ganz al-Andalus
Die Truppen unter Ibn Hud besetzen fast ganz al-Andalus ausser Valencia (S.317). Ibn Hud schafft beinahe die Einigung der Territorien des einstigen Kalifenreichs Córdoba unter islamischem Regime (S.318).

1229
Ifriqiya: Der almohadische Vizekönig bricht mit Marrakesch
(S.306)

1229-1249
Ifriqiya: Gouverneur von Gabes wird Abu Zakariyya’ Yahya, Sohn des Statthalters.
(S.314)

ab 1229
Spanien/Aragón: Erste Versuche von Jakob/Jaime I. von Aragón, die Balearen zu besetzen
(S.318)

1230 ca.
Sizilien: Übersetzungen: König Friedrich II. von Staufen fördert italienische Hochschulen
Er führt die Übersetzung von arabischen wissenschaftlichen Werken an italienischen Hochschulen ein, z.B. an der medizinischen Hochschule Salerno oder an der Universität Neapel (S.215).

1230 ca.
Kalifat Ifriqiya: Ausrufung des Kalifats durch Abu Zakariyya Yahya - "Hafsiden"
Der Gouverneur von Gabes, Abu Zakariyya Yahya, benutzt die Ohnmacht der Almohaden, sich auf den Mahdi zu berufen, nimmt den Titel eines Emirs an und lässt sich im Freitagsgebet als Kalifen huldigen. Pläne:
-- er stellt den Anspruch, die Tradition des Almohadenreiches selber fortzusetzen
-- Ziel ist die Eroberung des ganzen Maghreb und Wiederherstellung der Reichseinheit. (S.317).

Er gründet die Linie der "Hafsiden", die in Ifriqiya Landfremde sind. Hauptstadt des Kalifats Ifriqiya ist Tunis (S.315).

1230
Ifriqiya: Besetzung von Constantine und Bigaya
(S.314)

Spanien: Ferdinand III. von Kastilien kann mit seinen Truppen die Heere von Ibn Hud bei Jeréz de la Frontera besiegen
(S.317)

1231
Ifriqiya: Wirtschaftsvertrag mit Venedig
(S.314)

Spanien: Alfons IX von León besiegt Ibn Huds Armee.
Hud erleidet die zweite Niederlage innert zweier Jahre (S.317).

1232
Spanien: Sultanat Jaén: Muhammed b. Yusuf b. Nasr - "Nasriden"
Muhammed b. Yusuf b. Nasr lässt sich in Arjona / Jaén zum Sultan ausrufen und ruft so eine Dynastie der "Nasriden" ins Leben. Er plant die Expansion auf die iberische Halbinsel (S.317).

Sizilien-Syrien: Planetarium als Geschenk
Sultan al-Malik al-Asraf schickt König Roger II. ein kunstvolles Planetarium nach Palermo (S.216).

Sizilien/Bologna: Wertvolle Bücher als Geschenk
König Friedrich II. schenkt der Universität Bologna zahlreiche Bücher, darunter auch Aristoteles-Werke über Logik und Physik mit den arabischen Kommentaren (S.215).

1233
Spanien/Jaén: Muhammed b. Yusuf b. Nasr besetzt mit seinen Truppen Porcuna und Jaén
Guadix und Baza anerkennen ihn als Sultan (S.317).

1234
Spanien: Ibn Hud von Zaragoza kann Muhammed b. Yusuf b. Nasr als Vasall unterwerfen
(S.317)

Ifriqiya: Wirtschaftsvertrag mit Pisa
(S.314)

1235
Sultanat Jaén: Expansion von Gibraltar bis Vélez Rubio
Muhammed b. Yusuf b. Nasr reisst mit Hilfe der verwandten Sippe der Asqilula die Regierung über das ganze Gebiet zwischen Gibraltar und Vélez Rubio an sich. (S.318).

Tlemcen: Erklärung der Autonomie der Banu ‘Abd al-Wad unter Yagmura san b. Zayyan - der Dreikampf zwischen Marrakesch, Tlemcen und Tunis
Sie verstehen sich als Nachfolger der Almohaden und wollen die imperiale Herrschaft an sich reissen (S.306).

[In der Folge kommt es in Nordwestafrika zum Dreikampf zwischen Marrakesch, Tlemcen und Ifriqiya. Alle drei Reiche beanspruchen mittels eigener Kriegs- und Wirtschaftspolitik die Restitution der berberischen Einheit für sich und schaden sich gegenseitig. Für Feldzüge auf spanischem Boden reicht die Kraft nicht mehr aus, so dass die dortigen Muslime (Granada) am Ende alle besiegt werden. Mitte 16. Jh. erfolgt die türkische Invasion in Afrika].


Ifriqiya wächst mit Italienhandel - Unabhängigkeit von Tlemcen und Dreikampf Fes-Tlemcen-Tunis - Sultanat Córdoba - Expansion von Aragón-Katalonien - weitere Übersetzungen auf Sizilien - erste italienische Feuerwaffen - Córdoba schrumpft - Lissabon

Zusammenfassung
Ifriqiya findet zu neuer Einheit zurück und vollzieht eine Umorientierung des Handels nach Westen mit den italienischen Republiken Venedig, Pisa und Genua. Mit der Unabhängigkeit von Fes findet die kulturelle Entwicklung fast nur noch in den Küstenstädten statt, die mit Parks und Palästen ihren Ausdruck findet. Tlemcen erklärt zum ersten Mal eine staatliche Einheit und wird von Ifriqiya wie von Fes in der Folge belagert und aufgerieben, während in Spanien Muhammad b. Yusuf das Sultanat Jaén und dann Córdoba errichtet, das von Aragón und Genua völlig abhängig ist. Die dritte christliche Rückeroberung und eine neue starke Berberdynastie bewegen sich aufeinander zu. Sizilien geht an das Haus Anjou, dann aber an Aragón-Katalonien. Ein Kreuzzug gegen Ifriqiya scheitert an Seuchen, wobei gleichzeitig in Sizilien die Übersetzungen durch Juden für italienische Universitäten weitergehen. Das neue Sultanat Fes erhält traditionelle "Hilfe" aus Afrika gegen christliche Angriffe, wobei Granada auch mit Aragón gegen Fes Feldzüge unternimmt, was dazu führt, dass die muslimische Taktik gegen die christliche Einheit verliert. Aragón baut sich im Mittelmeer mit der Besetzung Siziliens eine unschlagbare Handelsposition auf, und in Italien werden die ersten Feuerwaffen entwickelt. Die christlichen Siege in Spanien haben die Vertreibung von 10’000 Muslimen zur Folge, die das Sultanat Fes zugleich destabilisieren. Muslimisch bleiben nur noch Gibraltar und Granada, das trotzig in Bautätigkeit verharrt: Alhambra u.a. Italienische und portugiesische Seefahrer arbeiten derweil an neuen Schiffen in Lissabon.

Chronologie (Fortsetzung)

1235
Tlemcen: Der Staat trägt sich kaum
mit einer sehr dünnen staatstragende Schicht, aber sehr effizient organisiert und mit zähem Gemüt. Zunehmende Präsenz arabischer Beduinen (S.313).

Ifriqiya: Besetzung von Algier
mit Wiederherstellung der Ausdehnung Ifriqiyas zur Zeit der Ziriden (S.314).

1235-1236
Tlemcen Unabhängigkeitserklärung unter Yagmurasan b. Zayyan
gegenüber Kalifat Marrakesch (S.304).

ab 1235
Yagmurasan betreibt eine Politik des Gleichgewichts und indirekter Freundschaften
-- defensive Einstellung gegenüber den Meriniden
-- offensive Einstellung gegenüber den Hafsiden
-- freundschaftliche Beziehungen zum Hof von Granada, die Nasriden, und zu Kastilien als den Feinden seiner Feinde, die Meriniden.

Selber kann Yagmurasan aber den muslimischen Fürstentümern in Spanien nicht helfen (S.313).

Ifriqiya: Schleichende Arabisierung
Das städtische Leben und städtische Zivilisation findet nur noch in den Küstenstädten des Reiches statt. Grosse "Blütezeit" von Tunis (S.316).

Ifriqiya/Tunis: Bautätigkeit
-- Ausbau der Qasba der Almohaden, Errichtung des Bardopalastes-- Bau von zwei Madrasen [muslimische Hochschulen] (S.316).

1236
Spanien: Ferdinand III. kann Córdoba christliche besetzen lassen
,
weil Muhammed b. Yusuf b. Nasr geschwächt ist (S.317).

Ifriqiya: Tod von Almohaden-Bandenchef Yahya b. Ganiya in der Wüste
Ifriqiya und der zentrale Maghreb liegen in Trümmern, sind entvölkert und wirtschaftlich ruiniert (S.303).

Ifriqiya: Unabhängigkeitserklärung
Die Nachfolger verstehen sich als Nachfolger der Almohaden, wollen die imperiale Herrschaft an sich reissen. (S.306).

Ifriqiya: Wirtschaftsvertrag mit Genua
und Beziehungspflege zu Friedrich II. von Hohenstaufen und nach Aragón (S.314).

um 1236
Spanien: König Ferdinand III. "der Heilige" kann mit seinen Truppen Jaén, Córdoba und Sevilla besetzen
(S.294)

ab 1236 ca.
Ifriqiya: "Blütezeit" unter den Hafsiden
Ifriqiya erlebt unter den Hafsiden eine "Wirtschaftsblüte" mit fester Gold- und Silberwährung:

-- europäische Länder haben eigene Vertretungen und Warendepots

-- starkes Heer, das den europäischen Heeren ebenbürtig ist, aber unterlegene Flotte
-- der Aussenhandel ist fast ganz in europäischer Hand

-- der almohadische Staatsaufbau wird übernommen, mit Hinzufügung von drei Ministern
-- mit einer Renaissance des malikidischen Rigorismus

-- mit einer Stärkung der islamischen Mystik des Abu Madyan (gest. 1197/98), dem Patron von Tlemcen, dessen Lehre durch "heiligmässige Persönlichkeiten" verbreitet und die Topographie-Namen z.T. bis heute mitbestimmt werden (Abu Sa ‘id al-Bagi/Sidi Bu-S’id, Abuz l-Hasan as-Sadili, ‘A’isa al-Mannubiyya, Sidi Ben ‘Arus (gest. 1463)

-- wissenschaftlich und in Literatur entsteht jedoch kein hohes Niveau (S.316)
-- dagegen blühen die "Heiligenleben" und die sonstige Erbauungsliteratur (S.316-317)
-- Reisende Gelehrte wie z.B. at-Tigani

-- Historiker:
oo ‘Isa al-Gubrini (gest. 1412)
oo Ibn Qunfud
oo az-Zarkasi
-- Baukunst: deutlicher hispano-arabischer Einfluss, z.B. in der almohadischen Moschee der Qasba von Tunis oder in der von Abu Faris erbauten Bardo (S.317).

1237
Spanien: Sultanat Granada unter Muhammed b. Yusuf b. Nasr
Muhammed b. Yusuf b. Nasr besetzt Granada und macht es zum Sitz seines kleinen Sultanats (S.317).

ab 1237
Sultanat Granada: Muhammad I.: Gleichgewichtspolitik
Muhammad I. kann sein Reich mit einer Gleichgewichtspolitik in Frieden halten und pflegt gute Beziehungen zu den Meriniden in Nordwestafrika und den Hafsiden in Ifriqiya (318). Dabei hängt das kleine Sultanat völlig vom Handel mit Aragón und Genua ab. (319). Ausbau der Alhambra zur stärksten Festung des Sultanats und zur Residenz (318-319).

Ende 1237 ca.Spanien: Ermordung von Ibn Hud in Almería
Damit ist der Weg für Granada für eine Dominanz im muslimischen Spanien frei (S.317).

1238
Spanien/Granada: Besetzung von Almería
Der Sohn von Ibn Hud bleibt in Múrcia (S.317).

Spanien/Aragón: Aragón unter Jakob/Jaime I. besetzt Valencia
das Vasallenstaat wird. Der Gelehrte Ibn al-Abbar (1199-1260), Historiograph und Biograph, verlässt Valencia nach Tunis (S.318).

1239
Spanien/Aragón: Aragón unter Jakob/Jaime I. besetzt die Balearen vollständig
(S.318)

1240 ca.
Historiographie: Erzbischof Rodrigo Jiménez de Rada (1208-1247)
Er verfasst die "Historia Arabum", vielleicht mit Material der "Toledaner Schule" von Gerhard von Cremona (S.294).

1242
Ifriqiya: Kalif Abu Zakariyya’ Yahya "züchtigt" (?) Tlemcen
(S.314)

1243
Ifriqiya: Invasion der Hafsiden von Tunis bis Tlemcen
(S.304)

Spanien/Múrcia: Múrcia wird Vasallenstaat von Ferdinand III.
(S.317-318)

1244-1258
NW-Afrika: Neuer Banu-Marin/"Meriniden"-Führer: Abu Yahya Abu Bakr
verteilt Nordwestafrika im Voraus unter die Banu-Marin-Sippen, obwohl das Gebiet noch gar nicht von ihnen regiert wird (S.308).

1245
Spanien/Aragón: Alcira und Játiva unterwerfen sich Aragón
(S.318)

Kalifat Ifriqiya: Abu Zakariyya’ Yahya wird von den Meriniden in Fes als Oberherr anerkannt (!).
(S.314)

NW-Afrika: Die Banu Marin/"Meriniden" besetzen Meknes / Miknas
(S.308)

1246
Sultanat Granada: Ferdinand III. besetzt Jaén / Arjona
nach langer Belagerung. Sultan Muhammed b. Yusuf b. Nasr lässt sich von Ferdinand zum Lehensherrn von Jaén / Arjona machen. Vertreibung der Muslime aus Jaén (S.318).

ab 1246
Spanien/Granada: Granada wird Flüchtlingsort
Jeweils vertriebene Muslime ziehen wahrscheinlich auch nach Granada, dessen Wirtschaftskraft damit wächst (S.318).

1248
Sultanat Granada: Ferdinand III. besetzt Sevilla
nach harter Belagerung. Vertreibung der dortigen Muslime (S.318).

Fes: von Banu Marin/"Meriniden" besetzt - Gründung des Sultanats Fes der "Meriniden"
Die Banu Marin/"Meriniden" verstehen sich als Nachfolger der Kalifenlinie und wollen die imperiale Herrschaft an sich reissen. Im Dreikampf mit Ifriqiya und Tlemcen erlangen sie eine kurzzeitige Vorherrschaft, bevor alle drei Gruppen die Regierungsgewalten verlieren (S.308).

ab 1248
Sultanat Fes: Das Heer der Banu Mari/"Meriniden"
-- Zanat und Beduinen stellen vor allem die Reiterei
-- spanische Muslime mit Armbrüsten und asiatische Söldner als Bogenschützen bilden die Kämpfer am Boden
-- christliche Miliz ist im Rabad an-Nasara in Neu-Fes stationiert
-- loyale arabische mahzan-Stämme der Hult/Hlot mit Pflicht zum Kriegsdienst, bezahlen dafür keine Steuern und werden mit Pacht von Ländereien entschädigt (S.310).

Sultanat Fes: Christenkriege dienen der Reputation - Zentralisierungsmassnahmen
Die Sultane wollen durch Prestige, Kriege gegen Christen und Knüpfung enger Banden zu der Familie der surafa von Fes nationale wie innerislamische Anerkennung erreichen. Massnahmen sind u.a.:

-- eine Politik der Zentralisierung

-- Einführen eines Staatsfeiertags am Tag des Geburtstags des Propheten Muhammad im ganzen Sultanat Fes

-- Einrichtung "weltlicher" Hochschulen, Madrasen, als Ausbildungsstätten für loyale Staatsdiener, um loyale Beamte heranzubilden (S.309).

Kalifat Marrakesch: Rückzug der Almohaden
aus den Gebieten von Fes nach Marrakesch und in ihre Stammesgebiete im Hohen Atlas und Sus. Marrakesch bleibt vorerst noch Kalifenstadt der Almohaden (S.308).

1249-1277
Kalifat Ifriqiya: Tod von Abu Zakariyya’ Yahya - Nachfolger: al-Mustansir billah
grosse Bautätigkeit (S.314).

Kalifat Ifriqiya: Kalif al-Mustansir: Bautätigkeit
Paläste, Parks, hydraulische Anlagen, (leider nichts erhalten) (S.317).

1250 ca.
Sultanat Fes: neuer merinidischer Statthalter: Abu Yusuf Ya ‘qub
(S.308)

Kalifat Ifriqiya: Einrichtung einer "grosse" und eine "kleine Staatskanzlei"/diwan
die einem "Staatssekretär" unterstehen (S.316).
1253
Kalifat Ifriqiya: Kalif al-Mustansir billah legt sich den Kalifentitel zu: "amir al-mu’ minin"
(S.314)

1255 ca.
Spanien: Múrcia und Jeréz: Aufstände gegen das Regime von Aragón
Die dortigen muslimischen Mudéjares anerkennen Muhammed b. Yusuf b. Nasr von Granada als Regierung. Es laufen in der Folge neue christliche Vorbereitungen gegen Múrcia und Jeréz (S.318).

1258-1286
Neuer Banu-Marin-/"Meriniden"-Sultan: Abu Yusuf Ya ‘qub
kann sich als Statthalter von Fes gegen andere Konkurrenten durchsetzen (S.308).

1259
Mekka: Die Scherifen von Mekka anerkennen al-Mustansir billah als Kalifen (!)
(S.314)

1260
Spanien/Kastilien: Alfons X. von Kastilien besetzt Cádiz
(S.318)

1260 ca.
Historiographie: König Alfons X. von León-Kastilien (1221-1284)
Er verfasst die "Primera Crónica general" mit Verarbeitung von Material der "Toledaner Schule" von Gerhard von Cremona (S.294).

ab 1260 ca.
Sultanat Fés: Expansion nach Süden in den Hohen Atlas
Truppen der Banu Marin/"Meriniden" unter Abu Yusuf Ya ‘qub beseitigen den Rest der Almohadenherrschaft im Hohen Atlas und im Sus.

Abu Yusuf Ya ‘qub legt sich wie der Almoravidenherrscher vor ihm den Titel eines "amir al-muslim" zu (S.308).

1261
Spanien/Kastilien: Alfons X. von Kastilien besetzt Jeréz
(S.318)

1262
Spanien/Kastilien: Alfons X. von Kastilien besetzt Niebla - Vertreibung der dortigen Muslime
(S.318)

1266
Spanien/Kastilien: Alfons X. von Kastilien besetzt Múrcia
und macht es zum Vasallenstaat. Keine Vertreibung der dortigen Muslimen, jedoch Abwanderung der Elite, weil diese von der Regierung nicht mehr bezahlt wird (S.318).

1268
Sizilien: Ende der Normannenregierung, neue Herrschaft: Haus Anjou
Das Haus Anjou betreibt die Übersetzertätigkeit der Normannen weiter (S.215-216).

1269
Untergang der Almohadendynastie: Zerstörung aller Paläste
Von den almohadischen Palästen bleibt nichts übrig ausser einige ihrer Umwallungen, z.B. die des Alcázars (Schloss) in Sevilla (S.305).

Marrakesch: wird von den Banu Marin/"Meriniden" besetzt - Sturz der Almohadendynastie
(S.304) und Sieg des religiösen Puritanismus im Maghreb (S.305).

1270 ca.
Spanien/Granada: Revolte gegen Muhammad I.
durch Banu Asqilula, die Gouverneure von Guadix und Málaga (S.319).

Juli 1270
Kreuzzug von Ludwig IX. "des Heiligen" mit Landung in Karthago. Bedrohung von Ifriqiya
(S.314)

August 1270
Kalifat Ifriqiya: Massentod im Kreuzzug von Ludwig IX. "des Heiligen" bei Karthago wegen Seuche
Der Kreuzzug endet im Desaster (S.314).

1272-1302
Sultanat Granada: Tod von Muhammad I. - Nachfolger: Sohn Muhammad II. al-Faqih
(S.319)

ab 1272 ca.
Spanien: König Alfons X.: Dichter, Jurist und Publizist (1252-1282)
König Alfons X., politisch eher erfolglos,
-- dichtet die "Cantigas e loores (Druckfehler?) de Santa Maria"
-- bringt neue Gesetze heraus: "Fuero Real", "Siete Partidas"
-- schreibt eine Historiographie: "Grande e General Historia"
-- veranlasst die Publikation astronomischer Werke, u.a. die "Alfonsischen Tafeln"
-- veranlasst die Publikation des Steinbuchs, des Schachzabelbuchs u.a. (S.294).

Es sind arabische Übersetzungen oder Verarbeitungen. Er veranlasst die Übersetzung der "Himmelfahrt Muhammads"/"Kit ab al-Mi ‘rag" ins Spanische, Lateinische und Französische, ein Werk "schlichter Volksfrömmigkeit" (S.295).

1273-1274
Sultanat Fes: Ausdehnung nach Norden bis an die Küste - Hilferuf aus Spanien
Das spanische Nasridenreich sendet nach der Ausdehnung des Fes-Sultanats bis an die Nordküste Abu Yusuf Ya ‘qub einen Hilferuf, um den Moslems in Spanien gegen die christlichen Heere zu helfen (S.308).

ab 1274
Fes/Granada: Meriniden helfen Granada gegen christliche Heere
Invasion von Merinidentruppen unter Abu Yusuf Ya ‘qub, die den Nasriden in Südspanien mit insgesamt vier Feldzügen gegen die christlichen Heere "behilflich" sind (S.308).

1276 ca.
Fes-Granada: Handel um einen Brückenkopf
Die Nasriden Granadas treten den Banu Marin/"Meriniden" Algeciras als Brückenkopf ab, damit die afrikanischen Invasionen besser gelingen können (S.308).

1276
Fes: Gründung von Neu-Fes/Fas al-gadid
mit neuem Verwaltungszentrum und Hauptwaffenplatz (S.308-309).

ab 1277
Kalifat Ifriqiya: Tod von Kalif al-Mustansir billah - Wachstumsrückgang im Kalifat(S.314)

1278
Fes/Málaga: Die Asqilula von Málaga anerkennen das Merinidensultanat
Ansiedlung von Kaufleuten aus Aragón in Málaga und Almería (S.319).

1279
Sizilien: Übersetzungen: Der jüdische Arzt Farag b. Salim/lat.: Faragut
Er übersetzt die umfangreichste Enzyklopädie der arabischen Medizin aus dem Arabischen ins Lateinische: die "Umfassende"/arab.: al-Hawi/lat. Continens, des Abu Bakr Muhammad ar-Razi/lat.: Rhazes (S.216).

1282
Aragón-Katalonien besetzt Sizilien
(S.311)

1283
Tlemcen: Tod von Yagmurasan
Ab dem Zeitpunkt ist die Führung von Tlemcen so schwach, dass die Invasionen jeweils im eigenen Land abgewehrt werden müssen. Die Meriniden führen insgesamt vier Feldzüge gegen Tlemcen (S.312).

ab 1284
Aragón-Katalonien beginnt, im Mittelmeer Inseln zu besetzen
und sich so ein profitables Handelsnetz zwischen den Mittelmeerstaaten aufzubauen (S.311).

Spanien-Mitteleuropa: Wissensvermittlung durch König Alfons X.
Er hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich das Wissen über die islamischen Vorstellungen im christlichen Abendland verbreitet (S.295).

1286-1307
Fes/Granada: Tod von Banu-Marin-Sultan Abu Yusuf Ya ‘qub in Algeciras - Nachfolger: Abu Ya ‘qub Yusuf
(S.308-309)

1289
Kalifat Ifriqiya: Kalif al-’Abdari
-- christliche Angriffe von Aragón-Katalonien und Beduinentätigkeit im Land
-- Bau einer zweiten Regierungsresidenz in Constantine (S.314).

1291
Granada/Kastilien: Nasriden und Kastilien besetzen zusammen Tarifa an der Südspitze Spaniens
(S.309)

ab 1291
Sultanat Granada: Schaukelpolitik zwischen Meriniden und Kastilien
(S.319)

1292
Spanien/Kastilien: Kastilien besetzt Tarifa allein. Der Kampf um Tarifa tritt in eine neue Phase
(S.319)

Sultanat Fes: Aufstand der Banu Wattas muss von Truppen des Sultanats Fes niedergeschlagen werden
(S.309)

Ende 13. Jh./ 1295 ca.
Kalifat Ifriqiya/Tunis: Bau einer dritten Madrasa [muslimische Hochschule]
(S.316)

1295-1307
Sultanat Fes: Kampf der Banu Marin/"Meriniden" gegen die ‘Abdalwadiden
(S.309)

1299-1307
Tlemcen: Truppen der Banu Marin/"Meriniden" unter Abu Ya ‘qub Yusuf belagern acht Jahre lang Tlemcen
In dieser Zeit entsteht um Tlemcen eine eigene Belagerunsstadt: al-Mansura (S.309).

um 1300 ca.
Fes/Granada: Meriniden besetzen zeitweilig Westgranada: Ronda wird Hauptstützpunkt der Meriniden
(S.319)

NW-Afrika-Aragón: Warenaustausch
-- findet vor allem auf katalanischen Schiffen statt
-- Katalanische Schiffe verbinden Agadir und Tripolis
-- beide Seiten, christlich wie muslimisch, verüben Piraterie (S.504).

14. Jh.
Lissabon: Entwicklung der Bevölkerung Lissabons mit italienischen Elementen
durch den Seehandel (S.504).

1307
Fes/Tlemcen: Mord an Merividensultan Abu Ya ‘qub Yusuf
Dies rettet Tlemcen. Tlemcen zerstört die Belagerungsstadt al-Mansura vollständig (S.313).

1308-1318
Tlemcen unter Abu Hammu I. mit Wesiren aus Spanien
(S.313)

1310-1331
Sultanat Fes: Banu-Marin-Sultan Abu Sa ‘id ‘Utmann II.: Friedenskurs
Es kommt zu einer friedfertigen, strategisch "schwachen" Periode, mit grosser Bautätigkeit u.a. mit drei Madrasen (S.309).

ab 1310
Fes: Sultan Abu Sa ‘id ‘Ùtmann II. schliesst ein Bündnis mit der gutiyyun-surafa’-Sippe in Fes zwecks Machtabsicherung
Gleichzeitig lässt er die Geschichte der Idrisiden im Sinne der Orthodoxie umschreiben und lässt dabei die Rolle von Idris II. betonen, um den gutiyyun-surafa’ in Fes zu schmeicheln (S.309).

Sultanat Fes: Umbau im Heer
Die militärpflichtigen Hult/Hlot-Stämme werden von den Suwayd abgelöst (S.310).

CHINA: ERFINDUNG DES SCHIESSPULVERS
aber nur Entwicklung von Feuerwerkskörpern, keine Feuerwaffen (S.502).

ITALIEN: ERFINDUNG DER ERSTEN FEUERWAFFEN
dann Weiterentwicklung (S.502).

1314-1325
Sultanat Granada: neuer Sultan Isma ‘il I.
(S.319)

1315-1318
Kalifat Ifriqiya: Invasion durch ‘Abdalwadiden aus Tlemcen
(S.314)

1318
Tlemcen: Kurze Invasion der Meriniden
Die Tlemcen-Invasion nach Ifriqiya muss in der Folge abgebrochen werden (S.314).

26.6.1319
Sultanat Granada: Kastilien-Armee abgewehrt
Sultan Isma ‘il I. kann einen Angriff von Kastilien-Armeen abwehren und diese an der Vega besiegen (S.319).

14. Jh./ ab 1320 ca.
Ifriqiya: Christen in Ifriqiya
Ansiedlung von christlichen Händlern, Kaufleuten, christlicher Miliz der Hafsiden, v.a. Katalanen, Renegaten (Glaubensabtrünnige), christliche Sklaven und deren Seelsorger (S.316).

1320
Sultanat Fes: Eröffnung der Madrasa in Neu-Fes
(S.309)

1321
Sultanat Fes: Eröffnung der Madrasa as-sahrig
(S.309)

1323
Sultanat Fes: Eröffnung der Madrasa al-attarin
(S.309)

ab 1325
GENUA / LISSABON: ERFINDUNG DER LENKBAREN SEGELSCHIFFE
bei Verzicht auf die Ruderer, gemeinsame Erfindung von Genua und Lissabon (S.502).

1325-1333
Sultanat Granada: Sultan Muhammad IV.
(S.319)

1326
Spanien-Sardinien: Aragón-Katalonien besetzt Sardinien
(S.311)

ab 1326 ca.
Fes/Granada: Installation eines merinidischen Hilfskorps in Granada
das oft unter merinidischer Führung steht (S.319).

1331-1351
Fes: Tod von Sultan Abu Sa ‘id ‘Utman II. - Nachfolger: Abu l-Hasan
(S.309)

ab 1331
Fes: Mariniden-Idrisiden-Bündnis wird noch enger
Das Bündnis zwischen Banu Marin/"Meriniden" und den surafa-Idrisiden in Fes wird noch enger durch eine "Hierarchisierung" der surafa’ mit den gutiyyun an der Spitze und die Ernennung eines Vorstehers aller surafa’ (S.309).

Fes: Bautätigkeit unter Abn l-Hasan: u.a. die grosse Moschee in Tlemcen-Mansura
der grösste merinidische Sakralbau (S.310).

"Höhepunkt" des Meriniden-Sultanats
(S.309)

1333
Sultanat Fes/Spanien: Banu-Marin-Truppen besetzen Algeciras
(S.309)

Fes/Gibraltar/Granada: Gibraltar wird von Granada besetzt
mit einem merinidischen Hilfskorps und der Hilfe einer genuesischen (!) Flotte (S.319).

1333-1354
Sultanat Granada: Sultan Yusuf I.: versucht eine Konsolidierung des Staates
und pflegt gute Beziehungen zu Aragón (S.319).

1335
Aragón-Katalonien: Handelsimperium im Mittelmeer
mit Balearen, Sardinien, Sizilien, Malta, Pantelleria, Dscherba/Djerba und den Kerkenna-Inseln vor Ifriqiya.
Die christliche Mission von Aragón-Katalonien scheitert vollständig. Christen werden von den Bevölkerungen "toleriert", vor allem Händler und Soldaten (S.311).

1335-1337
Tlemcen: Zweite Belagerung von Tlemcen durch die Meriniden
Die Belagerungsstadt al-Mansura wird wieder aufgebaut (S.313).

ab 1335 ca.
Sultanat Granada: Bau der Alhambra
(S.319)

1337
Tlemcen: Besetzung durch die Banu Marin/"Meriniden"
(S.309)

Fes/Tlemcen fällt unter direkter merinidischer Verwaltung (bis 1359)
(S.313)

1340
Spanien/Kastilien: Vernichtende Niederlage der Muslime am Rio Salado
und Besetzung von Tarifa unter Alfons XI. (S.319).

ab 1340 ca.
NW-Afrika: verstärkter Zustrom von Muslimen und Arabern aus Spanien - Fes wird destabilisiert
Damit nimmt der arabische Einfluss im Sultanat Fes noch mehr zu und wird noch stärker destabilisiert. Die Reconquista der Kirche in Spanien wird dadurch beschleunigt.Gleichzeitig entwickelt sich ein lebhafter Seehandel zwischen dem Sultanat Fes und den italienischen Seerepubliken, vor allem mit Aragón-Katalonien. Zum Teil kommen politische Allianzen zwischen Fes und Aragón zustande (S.311).

30.10.1340
Spanien: Tarifa an der Südspitze Spaniens wird christlich besetzt
(S.309)

1343
Spanien/Kastilien: Die Heere von Alfons XI. können die ganze Halbinsel besetze ausser Gibraltar
das als einziges den Meriniden bleibt (S.319).

1343-1364
NW-Afrika: Almohadenscheich Ibn Tafragin baut seine Macht und die Meriniden-Macht aus
ist Sohn von Abu l-Hasan, ist "Kammerherr"/hagib (S.315).

1344
Spanien: Christliche Besetzung von Algeciras.
Die Banu Marin/"Meriniden" müssen aus Spanien abziehen (S.309, 319).

ab 1344
Spanien: keine afrikanischen Einfälle mehr
(S.319)

[weil die Destabilisierung des Sultanats Fes durch die Niederlagen, aber auch durch die arabische Auswanderung aus Spanien, zunimmt].

1347
Fes/Tlemcen: ein zweites Mal von Meriniden besetzt
(S.314)

Fes/Ifriqiya/Tunis: Besetzung durch die Banu Marin/"Meriniden"
Die Macht des Banu-Marin-Sultans in Fes reicht vom Atlantik bis Gabes mit Beherrschung aller Zanata-Stämme. Es wäre die Restitution, aber die Kraft reicht nicht, um die Ausdehnung zu halten (S.309).

1348
Tlemcen: Meriniden werden von den Beduinen in Tlemcen besiegt
(S.314)

Ifriqiya: Niederlage der Banu Marin/"Meriniden" bei Kairuan gegen Beduinen
In der Folge erhebt sich der ifriqinische Sultansohn gegen seinen Vater, Sultan Abu l-Hasan, und übernimmt die Sultanatsregierung (S.309).

Sultanat Granada: Bau der "Puerta de la Justicia" der Alhambra
(S.319)

1348-1358
Fes: Sultanat von Abu ‘inan
Abu 'inan entthront seinen Vater, mit Ziel, das grosse merinidische Imperium des Maghreb zu halten (S.310).

[In der Folge versucht er vehement, mit Feldzügen das Kalifat in Tunis/Ifriqiya zu stürzen].

1349Sultanat Granada: Bau der Madrasa
(S.319)

1349-1350
Tlemcen: Die Meriniden müssen das Tlemcen-Reich räumen
(S.314)

1350
Sultanat Granada: Reiseberichte von Battuta
-- Besuch des berühmtesten islamischen Reisenden in Granada: Ibn Battuta (1304-1369 oder 1377), aus Tanger
-- seine Reiseberichte sind historisch bedeutsam
-- Gemäss seiner Quelle gab es in Granada auch Sufi-Zirkel: mystisch-fromme islamische Asketen
-- Derwische: islamische Ordensgruppen mit Musik- und Tanzriten, auch aus nicht-arabischen islamischen Ländern wie Transnoxanien, Churasan und Indien (S.320).

Im selben Zusammenhang ist in Granada der Gelehrte Ibn al-Hatib zu nennen:
-- mit historischen und medizinischen Werken
-- mit Berichten über Granada (S.320).

1351
Sultanat Fes: Tod des Banu-Mari-/"Meriniden"-Sultans Abn l-Hasan, einsam im Hohen Atlas
(S.309)

1353
Fes / Ifriqiya: Bigaya wird von Meriniden besetzt
(S.315)

1354-1391
Sultanat Granada: Muhammad V.
ist der "Höhepunkt" und die "Blütezeit" Granadas. Muhammad V. ist ein "Freund" von Pedro I. des Grausamen von Kastilien (S.319). Muhammad V. pflegt zudem gute Beziehungen zum Meriniden-Wesir Lisan ad-din Ibn al-Hatib (1313-1375) (S.320).

ab 1355 ca.
Sultanat Fes: Zerfall der Merinidenmacht, beginnende Anarchie
Emire übernehmen die Entscheidungsgewalt gegen die Sultanatsregierung, Ausbreitung von Anarchie, Rebellion und Gegenrebellion (S.310).

Sultanat Fes: Die Ma ‘qil-Beduinen besetzen das Tafilalt mit Sigilmasa
und gewinnen im Banu-Mari/"Meriniden"-Sultanat an Bedeutung:
-- der staatstragende Stamm der Banu Mari wird zu schwach, sich gegen die Erhebung der Ma ‘qil zu wehren
-- finanzielle Schwierigkeiten führen gleichzeitig zum Bruch mit der surafa-Idrisidensippe in Fes, da die Zuwendungen an die Familie eingeschränkt werden müssen. Die Loyalität schwindet (S.310).

1357
Fes/ Ifriqiya: Constantine, al-’Annaba und Tunis werden von Meriniden besetzt
(S.315)

1359
Tlemcen feiert neue Unabhängigkeit
Die Merinidenverwaltung muss die Segel streichen. Tlemcen kann unter Abu Hammu I. Musa die Unabhängigkeit feiern (S.313).

1359 ca.
Sultanat Granada: Putsch gegen Muhammad v. durch den Stiefbruder Isma ‘il II.Muhammad V. findet beim Merinidensultan Unterschlupf (S.319).

1360
Sultanat Granada: Ermordung von Isma ‘il II. durch Muhammad VI.
(S.319)

1362
Sultanat Granada: Muhammad V. wird wieder eingesetzt
mit Hilfe merinidischer und kastilischer Truppen (S.319).

1365
Sultanat Granada: Bautätigkeit: Hospital, Alhambra
-- Bau eines grossartigen Hospitals in Granada (wird im 19. Jh. abgerissen)
-- Bau des "Löwenhofs" der Alhambra (S.320).

Insgesamt gesehen ist die Alhambra ein Zeichen von Dekadenz, weil gepresster Gips statt Marmor benutzt wird und sich die Muster zum Teil endlos wiederholen (S.320).

1368 ca.
Spanien/Kastilien: Ermordung von Pedro I. dem Grausamen von Kastilien. Bürgerkriegsähnliche Zustände in Kastilien
(S.319-320)

1369
Sultanat Granada: Rückeroberung von Algeciras
(S.320)

1370 ca.
Granada-Fes: Vertreibung von Wesir Lisan
Der granadische pro-merinidische Wesir Lisan ad-din Ibn al-Hatib wird gestürzt. Er muss nach Fes flüchten, wird aber inhaftiert. In der Folge verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Granada und Meriniden rapid (S.320).

1370-1394
Kalifat Ifriqiya: Alleinherrschaft von Kalif Abu l-’Abbas
Er kann die Meriniden aus dem Land werfen, kann die Beduinen "befrieden" und "zähmen" (S.315).

1373 ca.
Sultanat Granada: Ausdehnung bis an die Südspitze
Granada kann die letzten merinidischen Besitzungen in Spanien, Ronda und Gibraltar, besetzen (S.320).

Kalifat Ifriqiya: Die Meriniden müssen sich aus allen Räumen von Ifriqiya zurückziehen
(S.315)

1375
Fes/Granada: Ermordung des Granada-freundlichen Wesirs Lisan ad-din Ibn al-Habib
auf Anstiftung Muhammads V. von Granada hin. Muhammad V. beginnt, sich sogar in die Tronstreitigkeiten der Meriniden einzumischen, unterhält gleichzeitig enge Beziehungen zu Tlemcen und Tunis (S.320).

1380 ca.
Fes: Historiker Ibn Haldun erkennt den Zerstörungszyklus auf dem Maghreb
Der Historiker Ibn Haldun, geboren in Tunis, von einer rein arabischen Familie aus Sevilla abstammend, sieht den Untergang der drei Maghreb-Staaten in seinem Werk "Kitab al-’Ibar" voraus:

-- er schildert den Gegensatz zwischen Sesshaften und Nomaden

-- die Nomaden hätten am Beginn einer Dynastieperiode immer die "dynastiebildende" Kraft und ein durch Kampf und Eroberung gestärktes Stammesbewusstsein-- regelmässig verliert diese nomadische Dynastie an Stärke durch Regierung und Mangel an Personal bei Ausdehnung des Reiches

-- regelmässig wird die schwächer werdende Dynastie von einer neuen Nomadendynastie abgelöst

-- dieser Zyklus wiederholt sich in drei Generationen in fünf Phasen (S.306).

ab 1380
Entwicklung eines hispano-arabischen Baustils
(S.310)

ab 1380
Granada: Ende der nasridischen Baukunst, wie z.B. die Alhambra
(S.310-311)

1385-1433
Portugal: Putsch von Johann I.
-- regiert bis 1433, mit Hilfe rebellischer Adliger und Bürger
-- begründet die Dynastie der Avis
-- will durch Zentralisierungspolitik die nötigen Finanzen für nicht-feudale Truppen und für eine Flotte erwirtschaften, hat jedoch kaum Einnahmen (S.504).

1389-1550
Allmählicher Verfall von Tlemcen
Tlemcen vegetiert in einer langen Agonie dahin (S.313). Tlemcen wird zum Spielball zwischen den Mächten Spanien, Türkei und den Sa ‘diern von Marrakesch (S.314).

ab Ende 14. Jh./ ab 1390 ca.
UMRÜSTUNG DER EUROPÄISCHEN UND OSMANISCHEN HEERE AUF FEUERWAFFEN
-- Einführen der Arkebusen und Kanonen in die Heere der christlichen und islamischen Welt.
-- rasche Verbreitung in städtischen und ländlichen Gebieten
-- Katapulte, Langbögen und Armbrüste werden ausrangiert, da die Schusswaffen viel "effizienter" sind (S.503).

1391
NW-Afrika/Spanien: Grosse Pogrome in Spanien gegen Araber und muslimische Nicht-Araber
Folge: Flüchtlingsströme nach Nordwestafrika (S.316).


Feuerwaffen - Zentralisierung der Staaten zur Kapitalkonzentration - Verfall des Maghreb und Kapitulation Granadas und Ausweisung aller Juden - Portugal und Spanien als neue Weltmächte mit Holocaust an Indianern und Schwarzen - osmanische Expansion in Afrika gegen Spanien - Reformation und "Türkengefahr" - Moriskenausweisungen aus Spanien - Friedensschlüsse und Seeräuberei über den Atlantik

Zusammenfassung
Mit der Umrüstung auf Feuerwaffen und den neuen Segelschiffen erlangen die europäischen und osmanischen Heere einen nicht einholbaren technischen Vorsprung gegenüber den anderen islamischen Ländern, der mit immer wieder neuen Entwicklungen gesichert wird. Portugal und später auch Spanien machen in Afrika Beutezüge, um mit Raub das Kapital für die Feuerwaffen zu beschaffen, während der Maghreb in Anarchie verfällt und seine Energie in überflüssigen Rivalitäten verpulvert. Nach der Heirat zwischen den Häusern Kastilien und Aragón-Katalonien hat Granada keine Chance mehr. Spanien zentralisiert und rüstet planmässig, so dass Granada bald kapituliert, denn auswärtige Hilfe aus Konstantinopel ist viel zu schwach. Die Juden werden wegen Kollaboration ausgewiesen. Pestzüge schwächen Europa wie Afrika gleichermassen und dauern bis ins 18.Jh. an, währenddessen sich in Marokko die ersten muslimisch- religiösen Bruderschaften bilden und Historiker den Kreislauf von Aufstieg und Niedergang der Reiche feststellen. In Spanien versucht das Regime von Karl V. und Philipp II. eine "Katholisierung" der Muslime unter Zwang, die schief geht. Dafür kann sich Spanien mit Kolumbus und bald auch mit dem portugiesischen Handelsreich "schmücken", das mit der systematischen Ausrottung ganzer Indianer- Bevölkerungen und Sklavenhandel über den Atlantik einen "üblichen" Holocaust an Indios und Schwarzen betreibt. Spaniens afrikanischen Besitzungen aber werden von den Osmanen zurückerobert. Ein neues Sultanat Marokko geht ein innerafrikanisches Abenteuer gegen Timutku/Gao und Bornu ein, das osmanische Reich besetzt italienische und spanische Inseln, während in Europa die Reformation neue Bruderkriege anstösst, so dass England mit Marokko eine Politik gegen Spanien anstrengen. Der Weltkrieg wird noch mit dem gegen Spanien gerichteten französisch-osmanischen Bündnis verschärft, wobei die Osmanen "plötzlich" Wien belagern, so dass aus Spanien wegen der "Türkengefahr" alle Muslime ausgewiesen werden. Tunis und Tripolitanien erlangen derweilen osmanische Autonomie. Nach den grossen Friedensschlüssen verdingen sich arbeitslose Kapitäne Englands und Hollands in der osmanischen und christlichen Seeräuberei, die mit Ozean-tauglichen Schiffen bis über die ganze Welt ausgeweitet wird.

Chronologie (Fortsetzung)

ab 1391
Sultanat Granada: Tod von Sultan Muhammad V.
(S.320)

1392-1408
Sultanat Granada: Sultan Muhammad VII.
unternimmt Feldzüge über die granadisch-kastilische Grenze (S.320).

1394-1434
Kalifat Ifriqiya: Tod von Abu l-’Abbas - Nachfolger: Sohn Abu Faris
(S.315)

ab 15. Jh./ ab 1400
Europas und osmanische Heere mit Schusswaffen - grössere Schnelligkeit - neue Segelschiffe
-- Truppen aufzustellen wird "einfacher" und schneller

-- die Ausbildung von Soldaten verkürzt sich auf einen Bruchteil gegenüber der Reiterei

-- Entwicklung der Städte/Urbanisierung, weil Schusswaffen teuer sind und grosse Profite erfordern, die nur mit grossen Industrieansammlungen erreicht werden können

-- durch die Städtebildung werden die Truppen noch schneller mobilisierbar, da die Soldaten nahe beieinander leben-- der hohe Preis für die Feuerwaffen wird durch die vielen Konsequenzen und Vorteile der Entwicklung kompensiert

-- gleichzeitig entwickeln sich Massenheere: Die Kriege "intensivieren" sich (S.503).

Karavellen ermöglichen zuverlässigen Handel: Genua schafft die Verbindung nach Holland
Die neuen Karavellen-Segelschiffe sind Voraussetzung für die zuverlässige Umschiffung Europas von Gibraltar nach Holland, wodurch sich neue Handelszweige ergeben. Laufend werden die Schiffe vergrössert, um "küstenfernes Segeln" zu ermöglichen (S.503).

ab 1400 ca.
Kampf zwischen Christentum und Islam geht weiter: eine "Selbstverständlichkeit"
Beide Parteien halten wie eine "Selbstverständlichkeit" am "heiligen Kampf" gegeneinander fest. Über eine Rechtfertigung des Kampfes wird gar nicht nachgedacht. Beide Seiten behaupten voneinander ihre Falschheit (S.503).

Muslime haben die Mittlerrolle zwischen Asien und Europa, was von der Kirche schon seit Jahrhunderten benieden wird (S.503-504).

ab 1400 ca.
N-AFRIKA: DAS MUSLIMISCHE STRUKTURPROBLEM ZUR BESCHAFFUNG VON TEUREN FEUERWAFFEN
-- die zentrale Produktion und Verwaltung von Schusswaffen ist in Nordafrika wegen der geringen Bevölkerung kaum zu bewerkstelligen

-- die waffenmässige Unterlegenheit erlaubt den Berbern auch keine Beutezüge mehr gegen christliche Stellungen, so dass die Kapitalbeschaffung durch Raub und Besteuerung wegfällt

-- die Berber müssen auf missglückte christliche Expeditionen warten

-- im Abwehrkampf gegen die Portugiesen und Spanier wird wieder Kapital verbraucht, so dass eine Umrüstung weiter unmöglich ist

-- da die meisten muslimischen Truppen Nomaden sind und zur Überwindung der weiten Strecken Pferde unabdingbar sind, werden die Dynastien mit der für sie unbekannten Pferdezucht und Reiterausbildung konfrontiert

-- die Zentralisierung von Stämmen ist aber nur sehr schwer möglich und dauert lang

-- zudem schwächt die Konkurrenz unter den Reichen Nordafrikas die Position der Muslime noch mehr und macht die Abwehr von Spaniern und Portugiesen noch schwieriger:
oo in Marokko: Wattasiden
oo in Westalgerien: Zayyaniden
oo in Ostalgerien/Tunesien: Hafsiden (S.506).

Es fehlen also praktisch alle Mittel, um sich die neue Technik zu beschaffen: Volk, Geld und zentrale Verwaltung, Produktion und Befehl. Ganz Nordafrika ist den neuen Schusswaffen aus Europa ausgesetzt. Nur die Osmanen schalten schnell, und so kommt auch das osmanische Reich zustande (S.506).

1410
Sultanat Granada: Verlust von Antequera
(S.320)

1415
Portugal: Krieg gegen Muslime als Kapitalbeschaffung - Besetzung von Ceuta
Besetzungen von muslimischen Gebieten und Raub als Mittel der Kapitalbeschaffung wird sowohl von Kaufleuten von Genua und Lissabon als auch von der adligen Seite unterstützt. Johann I. hat beim bevorstehenden Raubzug das ganze Land hinter sich.
Besetzung von Ceuta und Aushandeln von Handelsvorteilen. Adel und König teilen sich die Beute und die Steuereinnahmen (S.504).

Öffnung des muslimischen Binnenlandes für den portugiesischen Handel (S.311).

1415-1513
Portugal-NW-Afrika: portugiesische Hafenbesetzungen
Portugal kann die Häfen des Sultanats Fes besetzen, weil das Sultanat durch innere Attacken der sarifischen Familie der Sa ‘dier aus Tarudant abgelenkt ist (S.312). Portugal besetzt alle wichtigen Häfen an der Atlantikküste, um den Handel mit Schwarzafrika zu eröffnen: Getreide, Pferde, Wolldecken (S.311-312).

1418 ca.
Fes: Eröffnung einer portugiesischen Faktorei
(S.311)

ab 1419
Spanien/Granada: Wachsende Instabilität, zunehmende Bedeutung der Sippe der Banu Sarrag/Abencerragen
Gleichzeitig ist keine muslimische Hilfe von aussen in Sicht. Nordwestafrika ist in Anarchie verfallen, und die Seldschuken/Mamluken in Bagdad leisten keine Unterstützung (S.320).

1420
Fes: Faktisches Ende der Merinidenherrschaft
-- das Sultanat Fes scheitert an der eigenen Grösse nach almohadischem Vorbild
-- die Bauwerke und Paläste bleiben aber im Gegensatz zu den Bauten der Almoraviden und Almohaden erhalten (S.310).

ab 1420 ca.
NW-Afrika: Widerstand gegen die christlichen Invasoren wächst an.
(S.312)

1424
Kalifat Ifriqiya: Besetzung von Tlemcen (bis 1431)
(S.315)

1428 ca.
Kalifat Ifriqiya: Intervention in Nordwestafrika und in al-Andalus
(S.315)

1431
Tlemcen: Die Hafsiden aus Ifriqiya werden aus dem Land geworfen
(S.315)

Sultanat Granada: Granada-Truppen wehren an der Vega einen Angriff von Truppen von Johann II. ab
(S.320)

1433
Portugal: Tod von Johann I.
(S.504)

1437
Portugal: Ein Versuch der Besetzung von Tanger scheitert an der guten muslimischen Vorbereitung der Verteidigung
(S.504)

Fes: Begründung des Idris-Kultes"Entdeckung" des Grabes von Idris II. in der Moschee der surafa’. Damit ist der Grundstein für den Kult des Idris II. gelegt (S.309).

ab 1440
Portugal: Spaltung über das weitere Vorgehen zur Kapitalanhäufung

-- die Kaufleute streben einen direkten Zugang an zum Gold Westafrikas und zu den Gewürzen und Färbemitteln Süd- und Ostasiens. Die Muslime sollen grundsätzlich "ausgeschaltet" werden

-- der portugiesische Adel strebt nach Beute, Besetzung und Steuern auf Muslime, ohne die Quellen der Produktzentren zu besetzen

-- es kommt zu einer zweispurigen Politik des Avis-Herrscherhauses, die doppelt aufwendig ist:
oo zur Erschliessung der Handelswege Westafrikas
oo zur Eroberung der Küstenstädte Marokkos
oo zur Umseglung Afrikas und Gründung von Handelsstationen in Indien selbst (S.504).

1450-1530 ca.
Marokko: Grosse Anstrengungen zur Umrüstung auf Feuerwaffen
mit Durchführung der Zentralisierung des Landes unter Leitung der Scherifen (S.508).

15. Jh./ ab 1440 ca.
Nordwestafrika: Arabisierung der Zanata durch die arabischen Beduinen
(S.313)

1455-1488
Kalifat Ifriqiya: Ausgeglichene Zeit unter dem Kalifat von Abu Bakr ‘Utman
eine gute Zeit für Ifriqiya, mit "ausgewogener" Behandlung der drei tawa ‘if: Almohaden und deren Religionsgelehrten, die "Andalusier" und die arabischen Beduinen (S.315).

1462
Sultanat Granada: Verlust von Archidona und Gibraltar
(S.320)

Kalifat Ifriqiya: Angriff gegen Tlemcen, "Festigung" der hafsidischen Souveränität.
(S.315)

1464
Sultanat /Granada: Sultan Abu l-Hasan ‘Ali/"Muley Hacén"
(S.320)
-- "züchtigt" die rebellischen Banu Sarrag (S.320-321)
-- reorganisiert das Heer
-- stellt Sicherheit und Ordnung im Sultanat wieder her, so dass neuer Wohlstand Ansätze findet (S.321).

ab 1465 ca.
Kalifat Ifriqiya/Italien/Spanien: Gegenseitige Seeräuberei beeinträchtigt den Seehandel
(S.315)

1466
Kalifat Ifriqiya: Angriff gegen Tlemcen, "Festigung" der hafsidischen Souveränität
(S.315)

1469
Spanien: Heirat von Isabella von Kastilien mit Ferdinand von Aragón - Granada steht vor dem Untergang
-- diese Heirat bedeutet den Todesschuss für das übriggebliebene Sultanat Granada, den "Schlussakt der guerra de Granada"-- mit nicht unwesentlicher Hilfe deutscher Kanoniere-Kompanien (S.321).

1471
Fes-Portugal: Waffenstillstand auf 20 Jahre
Der Wattasidensultan as-Sayh muss mit Portugal einen 20-jährigen Waffenstillstand abschliessen. Sein Ansehen [in der damaligen muslimischen Welt] ist ruiniert (S.312).

1472
Sultanat Fes: Die Wattasiden anerkennen die Souveränität von Ifriqiya unter Abu Bakr ‘Utman an.
(S.315)

1475 ca.
Spanien/Aragón-Kastilien: Besetzung der Festung Zahara am Guadalquivir
in einem Handstreich an strategisch hochwertiger Position (S.321).

ab 1475 ca.
Kalifat Ifriqiya: Hungersnöte, Pest und Beduinenproteste. Innere Destabilisierung.
(S.315)

1478
Spanien: Besetzung der Kanaren-Inseln mittels neuer Karavellen
Besteuerung der dortigen Berber-Bevölkerung (S.505).

ab 1478 ca.
Sultanat Granada: beginnende innere Erschütterungen in Granada selbst, weil die Niederlage absehbar ist
(S.321)

1479
Spanien: Vereinigung von Kastilien und Aragón-Katalonien
(S.504)

ab 1479
Spanien: Planmässige Zentralisierung des Landes zur Kapitalanhäufung für Schusswaffen
Der dortige Hof verfolgt eine konsequente Zentralisierung des Landes, um die spanischen Heere militärische umzurüsten und die Flotten zu modernisieren (S.504).

1480 ca.
Fes: Der Herrschaftsbereich des Sultanats beschränkt sich auf Fes selber
(S.312)

Fes: Zusammenbruch - Bruderschaften der Sufis und Marabuts
Die Ohnmacht der Wattasiden in Fes wird offenkundig. Es bilden sich religiöse Bruderschaften der Sufis und Marabuts (S.312).

1480/1481
Osmanische Besetzung von Otrantes in Süditalien
(S.506)

1482
Sultanat Granada: Wettlauf um die Rettung Granadas: Sohn gegen Onkel
Das Volk in Granada ruft den Sohn des Sultans, Abu ‘Abdallah Muhammad/"Boabdil" zum König aus gegen Onkel Muhammad "el Zagal" (S.321).

Spanien/Aragón-Kastilien: Besetzung von Alhama zwischen Granada und Málaga
(S.321)

Mitte 1482 ca.
Sultanat Granada: Sultan-Sohn Abu ‘Abdallah Muhammad
-- versucht einen Angriff auf Lucena, gerät dabei aber selbst in Gefangenschaft
-- in der Folge akzeptiert er die Vasallenschaft und darf in Guadix residieren, neben seinem Onkel in Granada (S.321).

1482
Spanien: Angriff gegen Granada zur Kapitalbeschaffung für die Heeresmodernisierung
Die traditionellen Ziegelbefestigungen Granadas sind für einen Verteidigungskrieg schlecht geeignet
(S.504).

1485
Spanien: Ronda christlich besetzt
(S.321)

1486
Spanien: Loja christlich besetzt
(S.321)

1487
Spanien: Velez Málaga und Málaga christlich besetzt
(S.321)

Granada: Appell an Hilfe aus Konstantinopel
Der Sultan von Konstantinopel entsendet den Freibeuter Kemal Re ‘is, ein Korsar, nach Spanien, um Granada zu entlasten (S.506).

ab 1488
Kalifat Ifriqiya: Tod von Kalif Abu Bakr ‘Utman - schwache Nachfolger
Es folgen sechs schwache und unfähige Herrscher, währenddem Spanien, Portugal und das osmanische Reich zu Weltmächten wachsen (S.315).

1489
Spanien/Granada: Der Sultan-Onkel Muhammad "el Zagal" wandert nach Afrika aus
(S.321)

Spanien: Baza christlich besetzt nach langer Belagerung
(S.321)

ab 1489
Spanien: christliche Belagerung von Granada
(S.321)

Piraterie des Korsaren Kemal Re ‘is in Spanien
in osmanischem Auftrag mehrere Beutezüge an der spanischen Südküste (S.506). Er kann aber an der Belagerung von Granada nichts ändern (S.506-507).

ab Aug 1491
Spanien: Geheimverhandlungen zwischen Granada und Kastilien-Aragón
(S.321)
2.1.1492
Spanien: Kapitulation von Granada
mit überraschend grosszügigen Kapitulationsbedingungen (S.321).

ab Februar 1492 ca.
Spanien: Ausweisung aller Juden aus Spanien
Spanien verfügt die Ausweisung aller Juden von der iberischen Halbinsel. Die jüdischen Flüchtlingsströme ergiessen sich zum Teil nach Nordwestafrika (S.316).

1492-1493
Spanien: Kolumbus "entdeckt" "Amerika"
[-- Kolumbus meint, er habe Indien auf dem atlantischen Weg entdeckt]
-- Kolumbus eröffnet damit Spanien den Anspruch auf Weltherrschaft (der durch den Papst sanktioniert werden soll) (S.505).

1494
Spanien-Portugal-Vatikan: Vertrag von Tordesillas: Aufteilung der Welt
zwischen Spanien und Portugal:
-- Portugal bekommt vom Papst das Herrschaftsrecht von Indien bis Brasilien
-- Spanien bekommt vom Papst das Herrschaftsrecht über ganz Neu-Indien ("Amerika", mit den "Philippinen") ausser Brasilien (S.513).

Spaniens Militarismus wird bedrohlich
-- die Zentralisierung ist abgeschlossen
-- Spanien ist zu einem der militärisch höchst entwickelten Länder geworden (S.505).

1495
Stop der Piraterie von Kemal Re 'is
Konstantinopel befiehlt dem Korsaren Kemal Re ‘is, die Raubzüge in Südspanien einzustellen. Der Vorteil für Konstantinopel ist nun die genaue Kenntnis über die spanische Südküste (S.507).

Ende 15. Jh./ 1495 ca.
Mittelafrika: Bornu: Errichtung des Kalifats Bornu
mit traditionell guten Handelsbeziehungen zu Tunis und Tripolis. Der "Kalif" behauptet, er stamme von Muhammad ab (S.516).

ab 1496 ca.
Spanien: Granada: Einsetzen von Zwangsbekehrungen und Zwangstaufen
der spanischen Muslime, Mudejaren, zu Morisken, angepassten christlichen Muslimen, mit dem Ziel der Assimilation. Die Zwangsbekehrungen und Zwangstaufen verstossen gegen die Kapitulationsbedingungen von 1492 (S.321).

ab 1497
Spanische Besetzungen in Nordafrika
(S.507)

ab 1502
Spanien: Offizielle Bekehrung der Muslime in Spanien zum Christentum - quälende Kirche
Die katholische Kirche Spaniens kümmert sich bei den bekehrten Muslimen kaum um die christliche Erziehung, sondern konzentriert sich meist nur auf die Spitzeldienste der Inquisition. Die Bestrafung sind Geldstrafen oder Galeerendienste. Die Kirche observiert deswegen oft vor allem die reichen Morisken, weil dort viel Geld "zu holen" ist. So halten viele Muslime aus Solidarität gegen verurteilte Konvertierte an den alten muslimischen Bräuchen fest (S.511).

Währenddessen verfällt in Granada die Seidenindustrie wegen der hohen christlichen Besteuerung und der dadurch begünstigten Abwanderung nach Nordafrika (S.512).

1505
NW-Afrika/Portugal: Portugal besetzt den nordwestafrikanischen Hafen Agadir
Die Schmach von Fes wird immer grösser und die Familie der Sa ‘dier kann sich immer mehr in den Vordergrund schieben (S.312).

16. Jh./ 1505-1595 ca.
Spanien: zweispurige Überseepolitik
wie Portugal vor 100 Jahren:
-- vollkommene Besetzung und Zwangskolonisierung Neu-Indiens ("Amerikas") und Massenraub
-- parallel dazu: Besetzung der nordafrikanischen Küstenhäfen als Handelsstationen (S.505).

Anfang 16. Jh./ ab 1505 ca.
N-Afrika: Umstellung der muslimischen Truppen auf Feuerwaffen
Die Umrüstung kommt viel zu spät (S.505).

16. Jh. ca./ ab 1505 ca.
Maghreb: Heiligenzentren und "Heilige" als Vermittler
-- in Marokko die Zentren der Dila’, der Aït Sidi ‘Ali, der Ahansaliyya, Nasiriyya, Tayyibiyya und Darqawiyya,
-- ebenso Zentren in Algerien, Libyen und Tunesien, geleitet von einem Scheich/Ältesten oder einem Grossscheich.
Die Religionszentren verbreiten sich bis in die letzten Bergtäler und Oasen, wo auch Lesen und Schreiben zum Lesen er religiösen Schriften gelehrt wird (S.536).

1509
Reich Tlemcen: Oran fällt in spanische Hand
(S.313)

1509-1517
Marokko: Stamm der Banu Sa ‘d - Muhammad al-Qa ‘im - "Sa ‘dier"
Muhammad al-Qa ‘im erlangt die Führung in der Scherifenfamilie der Banu Sa ‘d, der "Sa ‘dier" (S.508).

1510
Marokko/Sus: Muhammad al-Qa ‘im von den Banu Sa ‘d
vollbringt die Vereinheitlichung der Fraktionen der verbündeten Ma ‘qil im südmarokkanischen Sous/Sus mittels der Propaganda zum "heiligen Krieg" gegen Portugal. Den Auftrag habe er von einem "Heiligen" erhalten.

Dadurch, dass in Marokko Scherifen/Abkömmlinge des Propheten, den Krieg gegen die Christen führen, haben die Korsaren keine Chance, in Marokko in den "heiligen Krieg" einzugreifen (S.508).

Kalifat Ifriqiya: Bigaya und Tripolis werden spanisch besetzt
(S.315)

16. Jh./ ab 1510 ca.
Spanien/Andalusien: Widerstand von ansässigen Muslimen gegen die Assimilationsbestrebungen
(S.321)

1511
Marokko/Sus: Kapitalbeschaffung: Gründung einer Zentralverwaltung - Zuckerrohranbau - "Belebung" des Goldhandels durch die Sahara
Muhammad al-Qa ‘im gründet eine zentrale Verwaltung zur Besteuerung der Landwirtschaft in Sous/Sus.
plus: Intensivierung des Anbaus von Zuckerrohr und der Produktion von raffiniertem Zucker für Europa
plus: Belebung des Goldhandels durch die Sahara, um den Portugiesen in La Mina Anteile am Goldhandel abzutrotzen (S.508).

ab 1511
Marokko/Sus - Westafrika: Goldhandel wiederbeleben
Die Sa ‘dier-Sultane betreiben sofort eine "aktive Westafrikapoltitik, um den Goldhandel mit Songhay wiederzubeleben (S.516).

1512 od. 1513?
Konstantinopel: Entsendung der Korsarengruppe mit den Gebrüdern Barbarossa
von der Insel Mytilene in der Ägäis. Die Barbarossas bekommen im Hafen von Tunis von den Hafsiden-Emiren die Erlaubnis zum Sitz als Ausgangspunkt für weitere "Streiffahrten" gegen christliche Besetzungen in Nordafrika (S.507).

1514 ca.
Gebrüder Barbarossa: Plan eines eigenen Hafens, um den Anfahrtsweg zum feindlichen Spanien zu verkürzen
Sie müssen den Spaniern einen Hafen in Nordafrika rauchen. Ihre leichten Schiffe und leichten Kanonen reichen dafür aber nicht aus (S.507).

1515
NW-Afrika: Portugiesische Invasion in Richtung Marrakesch scheitert
(S.312)

1516
Gebrüder Barbarossa: Bitte an Konstantinopel um Militärhilfe
Von Tunis aus bitten die Gebrüder Barbarossa den Sultan von Konstantinopel Selim I. um Militärhilfe zur Rückeroberung der afrikanischen spanisch besetzten Häfen. Selim I. gewährt zwei Kriegsgaleeren mit Kanonen und Kriegerbesatzung durch Janitscharen (S.507).

ab Ende 1516
Nordafrika: Gebrüder Barbarossa: Beginn der islamischen Rückeroberung
-- Angriffe auf die spanisch besetzten nordafrikanischen Gebiete durch die Korsaren im Namen des Sultan von Konstantinopel. Die Aufrüstung des Maghreb beginnt

-- Festlegen des neuen Sitzes Algier auf einheimische Einladung hin

-- die vorgelagerten Inseln sind jedoch in spanischer Hand und machen die Benutzung des Hafens für die Barbarossa-Korsaren vorerst unmöglich (S.507).

1516
Ifriqiya: Vertreibung von spanischen Truppen
Arug, Bruder des Pascha von Algier Hayr ad-Din Barbarossa, vertreibt die spanischen Truppen Karls V. aus Tunis (S.315).

1517
WAFFENTECHNIK: ERFINDUNG DER MUSKETE MIT LUNTENSCHLOSS
(S.520)

Tlemcen korsarisch besetzt

-- Errichtung der Oberherrschaft über die Zayyaniden. Die meisten Stämme unterwerfen sich den Barbarossa-Korsaren

-- gleichzeitig beginnen die Hafsiden in Tunis eine Politik der "Neutralität" und gewähren den Korsaren nicht mehr den Sitz ihres Hafens (S.507).

1517-1544
Marokko: Tod von Muhammad al-Qa ‘im - Nachfolger: Ahmad al-’Arug
(S.508)

1517-1530
Tlemcen: Die Korsaren haben keine Chance mehr
Versuche der herrschenden Korsaren, von Tlemcen aus die nordafrikanischen, spanisch besetzten Häfen zurückzuerobern, scheitern (S.507).

1519-1558
Spanien: Kaiser Karl V.
(S.507)

1520 ca.
Spanien: Morisken leisten dem Sultan von Marokko Steuern (!)
Viele Morisken in Spanien bezahlen ihre Steuern dem Sultan ‘Abdallah al-Galib, statt an die spanische Krone Steuern zu entrichten. Gleichzeitig pflegen sie Kontakt mit Andalusiern in Marokko, die schon aus Spanien vertrieben worden waren:
"Zahlreiche Morisken standen in Kontakt mit so genannten Andalusiern, ehemals spanischen Muslimen, die nach Nordafrika ausgewandert waren, und zahlten sogar Tribut an den sa ‘iditischen Sultan ‘Abdallah al-Galib (1557-1574)." (S.512)

Marrakesch: wird von den Sa ‘diern gestürmt
(S.312)

Ifriqiya: Aufstocken des Ministerapparats in Tunis von drei auf 10 Minister
ab Leo Africanus (arabischer Afrikaforscher, 1495-1550) (S.316).

1520-1566
Korsaren: unter Hayreddin Barbarossa
(S.507)

1524
Marokko/Sus/Marrakesch: Umzug der zentralen Verwaltung von Sous/Sus nach Marrakesch
-- auch die Gebeine des Heiligen werden nach Marrakesch umgebettet. Die Knochen dienen nun zur Rechtfertigung der Zentralisierung und aller Massnahmen, um die teuren Schusswaffen gegen die Christen zu erstehen (S.508)

-- die Einnahmen der Zentralregierung in Marrakesch sind hoch genug, so dass französische und spanische Waffenhändler sich lohnende Geschäfte in Marokko versprechen und sich auch dort niederlassen (und damit das Gemetzel in der Welt weiter begünstigen) (S.508-509)

-- die Portugiesen versuchen vergeblich, den Waffenhandel in den Maghreb zu unterbinden (S.509).

1525
Marrakesch: wird zur neuen Hauptstadt der Sa ‘dier ausgerufen.
(S.312)

1529
Algier: Barbarossa-Korsaren besetzen die Inseln vor Algier
-- vertreiben die spanischen Besetzer
-- machen dadurch die muslimische Benutzung des Hafens von Algier wieder möglich (S.507).

1533
Konstantinopel: Sultan Süleyman spendiert Barbarossa eine neue Flotte
Süleyman lässt Hayreddin Barbarossa nach Konstantinopel kommen und schickt ihn mit einer neuen Flotte wieder nach Nordafrika (S.507).

Ende 1533 ca.Tunis korsarisch besetzt unter Hayreddin Barbarossa und Unterwerfung der Hafsiden
(S.507)

1534
Kalifat Ifriqiya/Türkei: Der Pascha von Algier, Hayr ad-Din Barbarossa, besetzt Tunis
und verjagt den Ifriqiya-Hafsiden al-Hasan (S.315).

1535
Kalifat Ifriqiya/Spanien: Karl V. besetzt La Goulette bei Tunis
und setzt Kalif al-Hasan wieder in Tunis ein (S.315).

Tunis spanisch besetzt von einer dreifach überlegenen Flotte unter Karl V.
aber die Spanier überlassen den Hafsiden die Regierungsgewalt. Spanien hat nicht mehr genug Leute, um alle Kolonialanstrengungen auch auszuschöpfen) (S.507).

ab 1536
Marrakesch/Fes: Angriffe der Sa ‘dier gegen die Wattasiden
unter Ahmad al-’Arug und dessen Bruder Muhammad as-Sayh in Fes und die Portugiesen in den Häfen (S.509).

Mitte 1536 ca.
Marrakesch/Fes: Sieg der Sa ‘dier gegen die Wattasiden in Fes
unter Ahmad al-’Arug (S.509).

16. Jh./ um 1540 ca.
NW-Afrika: bevölkerungsmässiger Niedergang
Die städtische Bevölkerung Marokkos beläuft sich noch auf knapp über 200’000 Einwohner, die gesamte Bevölkerung des Maghreb noch zwei bis drei Millionen. Damit ist der Tiefstand erreicht, herbeigeführt durch Krieg und Zerstörung, Dürre, Epidemien und Hungersnöte. Das Nomadentum dominiert die bebauten Ländereien der Sesshaften (S.303).

1541
Marrakesch: Die Sa ‘dier erobern Agadir von den Portugiesen zurück
Das Ansehen der Sa ‘dier steigt (S.312) unter Ahmad al-’Arug, Vertreibung der Portugiesen. Agadir wird der marokkanische zentrale Exporthafen für den Europahandel (S.509).

1542 ca.
NW-Afrika: Portugal muss Safi und Azammur räumen.
(S.312). Portugal räumt in der Folge die Häfen Safi und Azemmour/Azammur freiwillig und rüstet dafür in den sechs verbleibenden marokkanischen Häfen auf (S.509).

1544-1557
Marrakesch: Tod von Ahmad al-’Arug - Nachfolger: Bruder Muhammad as-Sayh
(S.509)

1545
Marrakesch: Weiterer Sieg der Sa ‘dier gegen die Wattasiden
-- die sich zu spät umrüsten
-- die Sa ‘dier organisieren ihre Armee inzwischen nach osmanischem Vorbild im Halbkreis (S.509).

1549
Marrakesch/Fes: Die Sa ‘dier unter Muhammad al-Mahdi erobern Fes
Ein türkisches Heer, das dem letzten Wattasiden in Fes noch zu Hilfe eilen will, kann nichts mehr ausrichten. Die Sa ‘dier sind neue Herren Nordwestafrikas mit der Ostgrenze, die für Marokko heute noch gilt (S.312).

Marrakesch/Fes: Sieg der Sa ‘dier gegen die Wattasiden in Fes und Vertreibung der Wattasiden aus dem Hof
Die Osmanen haben an der Vertreibung der Wattasiden in Fes keine Freude, weil die Sa ‘dier ein eigenes Sultanat bilden wollen und die Osmanen nicht als Oberhoheit anerkennen. In einem Schreiben verlangt der Sultan von Konstantinopel die Anerkennung durch das Freitagsgebet in Marrakesch, was mit der Drohung der Eroberung Afrikas bis Ägypten beantwortet wird, bei gegenseitiger Titulierung als "Araber-Nomaden" und "Ägäis-Fischer" (S.509).

ab 1549
Marokko: Das Sa ‘dier-Sultanat verpasst eine einheitliche Organisierung des Staates
-- es wird kein zuverlässiger Beamten- und Verwaltungsapparat aufgebaut
-- die Dynastie stützt sich allein auf sich selbst (S.519).

1549-1582
Songhay/Gao: Herrscher Askiya Dawud
(S.516)

1550
Marrakesch: Besetzung von Tlemcen durch die Sa ‘dier und Vertreibung der dortigen Korsaren
(S.509)

ab 1550
WAFFENTECHNIK: EINFÜHRUNG DER MUSKETEN MIT RAD- UND SCHNAPPHAHNSCHLÖSSERN
(S.520)
-- die leichten Arkebusen werden aussortiert
-- die schweren Musketen haben eine grössere Reichweite und haben eine stärkere Durchschlagskraft (S.520).

WAFFENTECHNIK: KANONEN: ERSETZUNG VON BRONZE DURCH BILLIGERES GUSSEISEN
-- in Mittel- und Nordeuropa
-- so kann die Stückzahl erhöht werden (S.520).

ab 1550 ca.
Marrakesch: Beginnende Kriege mit Songhay/Gao
Dabei geht es um Salzminen und deren Abbausteuern in der Sahara auf halber Strecke zwischen den beiden Reichen (S.516).

Mitte 16. Jh./ 1550 ca.
Spanien: Nordafrika-Besetzungen werden Erpressungsmittel gegen Morisken in Spanien
-- der Nordafrika-Profit lässt langsam nach
-- die nach Nordafrika vorgeschobene Grenze bleibt nützliches Faustpfand und Erpressungsmittel gegenüber Rebellionen der einheimischen Morisken, bekehrte Muslime (S.505).

Ende 1550 ca.
Tlemcen wird osmanisch-türkisch
(S.313)

ab 1550 ca.
PORTUGAL-SPANIEN: FÜHREND IN SCHUSSWAFFENENTWICKLUNG
-- portugiesische Kanonen und spanische Arkebusen werden zum bestentwickelten Kriegsmaterial der Zeit
-- die italienische Technik fällt zurück
-- die muslimische Mittlerstellung im Indienhandel ist erschüttert. Die Entdeckung Neu-Indiens als neuen Kontinent "Amerika" passiert ungewollt (und ist für den spanischen Indienhandel über die "Philippinen" nur ein Hindernis) (S.505).

1551
Tlemcen: Besetzung durch die Korsaren, Vertreibung der marokkanischen Sa ‘dier
(S.509)

1552 ca.
Marokko-Songhay: Einigung auf Teilung der Salzsteuern
Einigung Marokkos mit dem Songhay-Führer Askiya Dawud, die Abbausteuern der Salzminen von Taghaza zwischen Marokko und Songhay zu teilen (S.516).

1553
Fes: von Korsaren aus Tlemcen besetzt, Vertreibung der Sa ‘dier
(S.509)

1554
Fes: von Sa ‘diers aus Marrakesch besetzt, Vertreibung der Korsaren
Zusätzlich sucht nun der Sultan von Marokko Muhammad as-Sahy in Geheimverhandlungen Hilfe aus Spanien.
Die Portugiesen starten eine Intrige und behaupten, das Hilfeersuchen Marokkos bei Spanien sei ein Trick, um durch einen grossen Krieg schlussendlich Spanien und Portugal muslimisch zu besetzen.
Sultan Muhammad as-Sayh kann die Situation nicht mehr beruhigen, und die Intrigen nehmen zu (S.509).

1554
Fes: Wattasidenwesir und Verwalterin lehren die Sa ‘dier Führungsqualität und Hofführung
-- wie "Manieren", Einkleidung, Pünktlichkeit, Politikmanöver und Taktik, Leitung von Versammlungen, Steuerpolitik, Militärpolitik
-- wie Personalführung, Palasteinrichtung, Parfumkunde (S.510).

1555 ca.
Ifriqiya/Türkei: Pirat Dragut/Turgud kehrt als Pascha von Tripolis aus Konstantinopel zurück
(S.315)

1556
Tripolis: Expansion unter dem Pascha von Tripolis, Dragut/Turgud: Besetzung von Gafsa
(S.315)

1556-1598
Spanien: Zwangsumsiedlung von Muslimen und Christen
Philipp II. zwingt viele nordspanische Familien nach Granada und umgekehrt Familien aus Granada nach Nordspanien, um Aufständen vorzubeugen (S.511).

1557
Tripolis: Expansion: Besetzung von Kairuan
(S.315)

1557-1574
Marrakesch: Ermordung von Sultan Muhammad as-Sayhs - Nachfolger: ‘Abdallah al-Galib
(S.512). Osmanische Agenten dringen in den Hof des Sultans ein und ermorden Muhammad as-Sayh, um Marokko endlich dem Sultan von Konstantinopel gefügig zu machen (S.509).

ab 1557-1581
Die Ermordung des Sa ‘dier-Sultans als Auftakt zu einem 25-jährigen Krieg im Mittelmeer
Die Ermordung des Sa ‘dier-Sultans ist Auftakt zu grossen Auseinandersetzungen zwischen dem osmanischen und dem österreichischen Imperium. Beide Massenheere und die neuen Galeerenflotten, die durch ägyptische bzw. mexikanische Raubgüter aufgerüstet worden sind, werden von den Führungen gegeneinander in die Schlachten gehetzt. Hauptbrennpunkte sind der Balkan und Nordafrika mit Mord, Besetzungsregimen mit Erpressung, harten Frondiensten und Konvertierungen (S.510).

STERNFÖRMIGE FESTUNGEN GEGEN KANONENKUGELN
Die Festungen um die Städte werden sternförmig und flach angelegt, um die Verteidigung im Kanonenzeitalter zu verbessern (S.511).

1558
Tlemcen: korsarische Besetzung von Mostaganem - korsaricher Streifzug nach Minorca
Mostaganem wird von Korsaren besetzt, Vertreibung der spanischen Besetzung.
Auf Minorca unternehmen die Korsaren einen "Streifzug" und erbeuten 150 spanische Galeeren (S.511).

ab 1558
Spanien/Malta/Tunis: Versucht der Blockade gegen die Muslime
Die spanischen Verbündeten, die Hafsiden in Tunis und die christlichen Korsaren auf Malta, versuchen, das Mittelmeer für die Osmanen abzusperren (S.511).

1560
Dscherba/Djerba: korsarischer Seesieg bei Dscherba gegen die spanische Flotte
unter Andrea Doria. Spanien wird auf sein eigenes Festland abgedrängt (S.511).

1563
Spanien: Korsarischer Angriff in Südspanien abgewehrt
(S.511)

1564
Spanien: Erneuter korsarischer Angriff in Südspanien abgewehrt
(S.511)

1564-1596
Kalifat Bornu: Kalif May Idris Aloma
(S.516)

1565
Malta: spanischer Sieg vor Malta gegen die korsarische Flotte
die gerade wieder nach Spanien durchbrechen wollte (S.511).

ab 1565 ca.
Allgemeine Inflation in Europa durch die andauernde Kriegsproduktion
Wegen der allgemeinen Inflation in Europa wegen der hohen Kriegsausgaben kommt es zu Zwangsrekrutierung von Ruderern ohne Bezahlung, was wieder Rebellionen auf den Schiffen zur Folge hat und die Galeeren ineffizient macht (S.511).

1567
Spanien: Edikt zur Ausrottung des Islam in Spanien - Revolte der Betroffenen
-- Philipp II. erlässt ein Edikt zur Ausrottung des Islam auf spanischem Boden
-- die folgende Revolte wird unter Befehl von Philipp II. niedergeschlagen. Gleichzeitig befiehlt Philipp II. dem Sultan in Marrakesch, sich "neutral" zu verhalten (S.512).

Zypern: Osmanische Besetzung von Zypern gegen Venedig
Zypern wird zum Schutz der jährlichen Steuerflotte aus Ägypten gebraucht. Sultan Selim II. von Konstantinopel hat in diesem Jahr keine Flotte für einen Einsatz in Spanien zur Verfügung, mit der er die Muslime in Spanien unterstützen könnte, sondern muss sich auf Streifzüge beschränken. (S.512).

1568-1570
Rebellion der ca. 250’000 Muslime in Spanien gegen das Ausrottungs-Edikts
(S.511)

Anfang 1569
Tunis von osmanischen Korsaren aus Algerien besetzt - Versuch der Spaltung von Tunis und Spanien
(S.512)

-- Expansion unter dem Pascha von Algier, Hayr ad-din Barbarossa: Besetzung von Tunis, der hafsidischen Hauptstadt

-- Flucht von Ahmad ins spanische La Goulette (S.315)

-- osmanische Besetzung des hafsidischen Tunis, um die Allianz zwischen Tunis und Spanien endgültig zu brechen (S.512).

1569
Spanien/Granada: Muslimische Rebellion - Vertreibung aller Muslime ins innere Spanien
-- die muslimische Rebellion in Granada kann nur mit rigorosesten Massnahmen niedergeschlagen werden
-- Vertreibung fast aller Morisken ins Landesinnere
-- gleichzeitig tobt der Kampf zwischen Karl V. und dem mit der Türkei verbündeten französischen König um den Kaisertitel in Europa, und die türkischen Heere stehen vor Österreich: "türkische Gefahr", die vom französischen König provoziert ist (S.321)
-- Plan Konstantinopels, die Korsaren in Tunis nach Spanien zur Unterstützung der Morisken zu schicken (S.512).

Mitte 1569
Spanien: Lanzarote (Kanarische Inseln) wird von osmanischen Korsaren besetzt
(S.512)

1570 ca.
Kalifat Bornu: Kapitalbeschaffung: May Idris Aloma hetzt zum fanatischen Dschihad
Mit aggressivem Scharia-Dschihad-Fanatismus treibt Kalif May Idris Aloma zur Unterwerfung der Nachbargebiete. Die Gefangenen verkauft er als Sklaven an die Osmanen oder nach Europa (S.516).

1570
Spanien: Die osmanischen Korsaren, die zur Hilfe für die spanischen Muslime auf Spanien landen, kommen zu spät
(S.512)

ab 1570
Philipp II.: "Heilige Liga" Spanien-Vatikan-Venedig gegen Konstantinopel
Philipp II. bildet eine "heilige Liga" mit dem Vatikan und mit Venedig, als Rache für die osmanische Besetzung Zyperns (S.512).

1571
Lepanto: Sieg der "heiligen Liga" gegen die osmanische Flotte
durch überraschendes Auftauchen der spanisch-vatikanisch-venezianischen Flotte. Gravierende taktische Fehler auf der osmanischen Seite begünstigen die osmanische Niederlage im eigenen "Interessengebiet". Der nordafrikanische Teil der osmanischen Flotte entkommt und wird Kern einer neuen türkischen Flotte (S.512).

1573
Spanien/Tunis: Don Juan d’Austria besetzt Tunis und entreisst es den Türken
(S.315)

Spanien vertreibt die osmanischen Korsaren aus Tunis
(S.512)

1574
Kalifat Ifriqiya: Untergang - endgültige osmanische Besetzung
-- Tunis: Don Juan d’Austria verliert Tunis wieder an die Türken: Die Hafsidenlinie ist beendet (S.315)
-- Vertreibung der Spanier, die aus Mangel an Schiffen abziehen. Ende der hafsidischen Dynastie-- Haarmann: "Für Philipp wurden die Früchte des Sieges von Lepanto bitter." (S.512)

Frühling 1574
Marrakesch: Tod von Sultan al-Galib - Nachfolger: der Sohn
(S.513)

September 1574
Konstantinopel: Besetzung von Tunis
(S.513)

Oktober 1574 ca.
Konstantinopel-Marokko: Hoffen auf Einfluss in Marokko
wenn sie helfen, den Bruder des gestorbenen Sultans al-Galib, ‘Abd al-Malik, gegen den Sultanssohn in Marokko zu installieren (S.513).

1575 ca.
Kalifat Bornu-Konstantinopel: Kalif May Idris Aloma fordert von Konstantinopel
-- Kauf moderner Feuerwaffen
-- Wiederherstellung früherer Hoheitsrechte im Fazzan (S.516)
-- Sicherheitsgarantien für Händler und Pilger aus Bornu im osmanischen Reich (S.517).

Ende 1575
Konstantinopel-Marokko: Invasion von osmanischen Korsaren-Infanteristen
mit dem Sultanbruder ‘Abd al-Malik nach Fes gegen den Neffen. Der Neffe selbst flieht nach Portugal (S.513).

1576
Marokko: Fes: Thronbesteigung von Sultan ‘Abd al-Malik
-- im Namen des Sultans von Konstantinopel

-- gleichzeitig schickt Sultan ‘Abd al-Malik die algerischen Korsaren wieder nach Hause und lässt sich von Konstantinopel kommerzielle und religiöse Privilegien geben. Gleichzeitig ist Konstantinopel noch froh um den "Verbündeten" in Marokko

-- Spanien unter Philipp II. reagiert auf die geopolitische Veränderung vorerst nicht, sondern ist mit den vier Festungen in Afrika zufrieden und denkt, Marokko werde sich von Konstantinopel schon nicht zu viel vorschreiben lassen

-- Portugal aber, unter dem Neffen von Philipp II., König Dom Sebastian, meint, der osmanische Einfluss werde bedrohlich werden. Er will auf jeden Fall verhindern, dass ausser den iberischen Mächten noch jemand in Marokko Fuss fassen kann (S.513).

Mögliche Mächte für eine Flottenstationierung in den Häfen Marokkos sind
-- die Türkei
-- Venedig in Absprache mit Konstantinopel
-- England, das Marokko bereits offiziell Textilien gegen Zucker verkauft, inoffiziell aber auch gegen Feuerwaffen Salpeter von Marokko bezieht (S.513).

ab 1576
Marokko-England: Handelsbeziehungen - alarmiertes Portugal
Sultan ‘Abd al-Malik ermutigt England, statt Deutschland und Italien Marokko als Güterumschlagplatz für die Verbindung mit dem Ostmittelmeer zu benutzen.

In der Folge ist Portugal alarmiert und bereitet eine grosse Invasion vor, zu der es meint, nach dem Vertrag von Tordesillas von 1494 berechtigt zu sein (S.513, 515).

1577-1595
Konstantinopel: Sultan Murad III.
(S.516)

1577
Konstantinopel-Kalifat Bornu: Sultan Murad III. von Konstantinopel gibt Garantien, aber keine Feuerwaffen und Hoheitsrechte im Fazzan
(S.517)

1578
Marokko: Invasionsversuch der portugiesischen Armee - "Dreikönigsschlacht" - Philipp II. erbt Portugal
in Nordmarokko unter König Dom Sebastian, mit dabei der Nachfolgersohn des gestorbenen marokkaner Sultans al-Galib.

Hastig wählt die portugiesische Führung bei al-Qasr al-Kabir das Schlachtfeld. Sultan ‘Abd al-Malik lässt das Schlachtfeld durch Zerstörung eines Dammes überschwemmen und lässt mittels andalusischen Arkebusenschützen - einstige Vertriebene aus Spanien - das portugiesische Heer auf Distanz angreifen (S.515).

Alle drei königlichen Führer kommen in der Schlacht um, wobei Sultan ‘Abd al-Malik durch Krankheit erliegt. König Dom Sebastian stirbt ohne Nachfolger, so dass der nächste Verwandte, Philipp II., Portugal ohne ein Zutun übernehmen kann und so das absolute Weltreich verwaltet (S.515).

1578-1603
Marokko: Sultan Ahmad al-Mansur
(S.516)

ab 1578
Marokko: Sultan Ahmad al-Mansur denkt nur an Grossmachtpläne
statt auch an den Aufbau eines einheitlichen Beamtenapparates zu denken, so dass Marokko auch geistig zusammengehalten würde (S.519).

1579
Spanien-Konstantinopel: Waffenstillstand - nur noch Korsaren-Piraterie - das Mittelmeer wird zur christlich-islamischen Grenze
Die spanischen und portugiesischen Niederlassungen in Afrika sind aufgelöst. Damit haben die christliche wie die muslimische Seite der Gegenseite die Vorposten zerstört: die Spanier Granada, die Berber die spanischen und portugiesischen Besetzungen bis auf sechs Festungen (S.515).

ab 1579
Marokko: neue Grossmachtträume aus dem Windschatten heraus
Der neue Sultan Ahmad al-Mansur hegt neue Grossmachtträume in Richtung Tlemcen wie auch in Richtung Sahara-Timbutku, da das osmanische Reich sich zurückzieht (S.515-516).

um 1580
Europa/Spanien: Angst vor der "Türkengefahr" in Europa - Forderung an Spanien zur Ausweisung aller Muslime
Die europäischen Staaten fordern Spanien immer wieder auf, die Muslime im Land auszuweisen, denn sie seien eine Gefahr für ganz Europa. Es sei ein unnötiges Risiko, das im Zusammenwirken mit der "türkischen Gefahr" einen Flächenbrand auslösen könne (S.321-322).

Gleichzeitig wachsen in Spanien die muslimischen Bevölkerungsteile überproportional an durch ihren hohen Geburtenüberschuss, im Gegensatz zu den christlichen Familien, die weniger Kinder haben. Zudem wandern viele Christen in die spanischen Kolonien aus. Den Moriskos ist die Auswanderung aber verboten. Somit wächst der Moriskenanteil Spaniens im Verhältnis zu den Christen noch mehr an (S.322).

1582
Marrakesch-Konstantinopel: Unterwerfung und Privilegien zugleich für Marokko
Im Vertrag muss sich der marokkanische Sultan Ahmad al-Mansur unter den osmanischen Schutz stellen und jährlichen Tribut an Sultan Murad III. akzeptieren, erhält dafür aber diplomatische Freiheiten. Ahmad al-Mansur intensiviert die Beziehungen zu England (S.516).

1582-1583
Kalifat Bornu-Marokko: Vergebliche Bitten Bornus um Feuerwaffen
Kalif May Idris Aloma von Bornu bittet über einen Gesandten aus Gao den marokkanischen Kalifen, Feuerwaffen beziehen zu können, mit der Begründung, sie würden für den Dschihad benötigt.
Sultan al-Mansur aber, der von England Feuerwaffen bezieht, will keine abgeben, denn sein Land hat selbst zu wenig. Man schickt den Gesandten ohne Antwort nach Bornu zurück (S.517).

Als der Gesandte noch einmal kommt, verlangt Sultan al-Mansur als Gegenleistung für Feuerwaffen die alleinige Anerkennung als Kalif und Imam. Abermals wird der Gesandte nach Gao zurückgeschickt.
Als er Botschafter ein drittes Mal kommt, stirbt dieser. Daraufhin gibt Bornu scheinbar das Bestreben nach Feuerwaffen auf (S.517).

1582-1586
Songhay/Gao: Herrscher Muhammad II. Askiya al-Hadsch
(S.516)

1584
England-Marokko: Gründung der Barbary Company unter Königin Elisabeth I.
mit einem Büro in Marrakesch. Marokko erhofft englische Holzlieferungen für den Aufbau einer marokkanischen Flotte. Aber England braucht alles Holz selbst wegen der drohenden Invasion aus Spanien (S.516).

1584/1585
Marokko: Krieg gegen Songhay unter Sultan Ahmad al-Mansur um die Salzrechte in Taghaza
Al-Mansur zwingt Songhay unter Muhammad II., auf seinen Steueranteil zu verzichten (S.516).

1585
Marokko: "Expeditionen" in der Sahara
-- zur Erkundung weiterer Salzvorkommen in der Sahara südlich von Taghaza
-- zur Beraubung von Sahara-Beduinen
-- die Kämpfer machen Erfahrung mit dem Wüstenkrieg und der erforderlichen Logistik
-- die Erfolge sind nach Quellenlage unklar (S.516).

1588
England: Sieg gegen die spanische Flotte - Marokko braucht keine eigene Flotte mehr
-- und somit kein englisches Holz mehr. Die Diplomatie zwischen England und Marokko bleibt aber freundlich (S.516)
-- der Maghreb ist kein Eroberungsziel der Kolonialmächte Portugal und Spanien mehr
-- der Kolonialismus beschäftigt die beiden Wirtschaften genug (S.513).

Marokko: Invasionsplan mit Feuerwaffen zur Besetzung der Sahara-Salzminen
nach der spanischen Niederlage gegen England (S.517).

Gleichzeitig sind in Songhay in Gao Thronkämpfe in Gang
Al-Mansur will die "Gunst der Stunde" der Verwirrung nutzen. Er behauptet, die Salzminen sollten unter Oberhoheit des alleinigen Kalifen und Imams al-Mansur stehen und die Salzsteuern sollen nur noch zum Dschihad gegen die Christen verwendet werden (S.517).

1590
Marokko: Prophezeiungen von Sultan Ahmad al-Mansur
Mansur vergleicht sich mit dem Rechtgeleiteten Mahdi oder Messias: Er sei der Erlöser der Welt vom "Bösen". Die endgültig gerechte Welt stehe kurz bevor, weil das Jahr 1000 der hidschra (591 n.Chr.) kurz bevorstehe, in dem die Ankunft der Heiligen unter Führung des von Muhammad und Fatima abstammenden Mahdi des zweiten Zeitalters erwartet wird (S.517).

1591
Marokko: Invasion gegen Songhay und Bornu gleichzeitig.
Besetzung von Songhay mit Gao. Die Beute soll in den Dschihad gegen Spanien fliessen (S.517).

Tunis: Erste Autonomie: Ersetzung des türkischen Paschas durch einen örtlichen Gouverneur
-- Kommandostruktur, Vergünstigungen, Verwaltung, Sprache und Justiz bleiben osmanisch bestimmt.
-- eine gewisse Autonomie als Regentschaft ist gegeben
-- Organisation der Autonomie: Im Diwan/Rat sitzen alle "wichtigen" Kapitäne und Offiziere und ringen jeweils um die Macht (S.523).

1592 ca.
Marokko verliert Songhay wieder
(S.517)

1592
Marokko mit England gegen Portugal und Spanien

-- Portugal und Spanien unterhalten noch sechs Festungen

-- Marokko unter al-Mansur muss England als Partner behalten, um den Dschihad gegen die Festungen betreiben zu können

-- England setzt inzwischen aber mehr auf das osmanische Reich, um gegen Spanien zu kämpfen: Marokko ist scheinbar kein Partner Englands mehr (S.518).

1593 ca.
Marokko: Missernten und Seuchen durch die Songhay-Kriege
plus: Die Beute wird kaum verteilt, sondern es profitieren nur wenige
plus: Der versprochene Mahdi im islamischen Jahr 1000 ist auch nicht gekommen.
Es kommt zu einer schweren Destabilisierung im Land (S.518).

1594 ca.
Spanien will Marokko destabilisieren, um gegen die Allianz zwischen Marokko und England vorzugehen
(S.518)

1595
Spanien: Invasionsversuch mit einem weiteren Sultanneffen mit einer Truppe aus Morisken und Exil-Marokkanern nach Marokko
Ein Grossteil der Bevölkerung bejubelt die Invasion und die spanischen Invasoren gewinnen eine erste Schlacht gegen Truppen von Ahmad al-Mansur (S.518).

1596
Marokko: Sieg unter Ahmad al-Mansur gegen die spanischen Invasoren
im zweiten Anlauf. Die Aufstandsbewegung unter dem Sultanneffen kann zerschlagen werden. Al-Mansur bleibt angeschlagen. England wendet sich von Marokko als politischen Allianzpartner vorerst ab (S.518).

1596?
Marokko: Deportationen in die Wüste nach der Revolte
Nach der Revolte der Andalusier in Nordmarokko (ehemals Vertriebene aus Spanien) lässt al-Mansur sie alle nach Taghaza und Westafrika deportieren. Mit den Andalusiern werden Kräfte entfernt, die am ehesten ein einheitliches Marokko befürworten und nicht den traditionellen Stämmen angehören (S.519).

1598
Frankreich-Österreich: Friedensschluss
(S.519)

1598-1621
Spanien: Tod von Philipp II. - Nachfolger: Philipp III.
(S.519, 523)

bis 1600
WAFFENTECHNIK:
-- DIE MUSKETEN HABEN SICH ÜBERALL GEGEN DIE ARKEBUSEN DURCHGESETZT
-- ALLE BRONZENEN KANONEN SIND DURCH BILLIGERE GUSSEISERNE KANONEN ERSETZT
(S.520)

1600
Marokko-England: Englischer Vorschlag von Königin Elisabeth für ein gemeinsames Kolonialprojekt in "Amerika" gegen die spanischen Kolonien
Al-Mansur, im Innern schon überfordert, erhofft sich von dem Kolonialprojekt eine politische Verbesserung. Englands Plan: Ansiedlung kaltblütiger Engländer in der nördlichen, Ansiedlung hitzeunempfindlicher marokkanischer Siedler in der südlichen Hemisphäre. Das Projekt scheitert am Geld: Ohne englische Garantien will Sultan al-Mansur keinen finanziellen Beitrag leisten. Der englische Gesandte reist ohne Abkommen ab (S.518).

Maghreb: Technische Gleichstellung mit Europa
Obwohl der Maghreb viel weniger Städte und viel weniger zentralistisch regiert wird, erreicht er mittlerweile gleichwertiges technisch-militärisches Niveau mit Europa. Die Diplomatie zwischen England und Marokko bleibt auch erhalten (S.519).

1600-1650
Muslimische Korsaren [Piraten]
besitzen fast 100 Freibeuterschiffe, werden eine grosse Belastung für den Handel und die Küstenbewohner Spaniens und Italiens (S.521).

Kapitäne, Matrosen und Ruderer sind Muslime oder konvertierte Muslime, die Militärkontingente sind osmanische Janitscharen, vor allem aus Anatolien und Rumelien. Ersatz wird auch dort rekrutiert. Zu einer Vermischung zwischen Janitscharen und Berbern kommt es nicht (S.522).

England, Frankreich und Holland schützen sich mehr durch gute Bewaffnung ihrer Schiffe und eigene Angriffe auf Stellungen der nordafrikanischen Küste (weil die Kosten für Kanonen durch Gusseisen statt Bronze sinken). Dadurch können sich später England und Frankreich teure Kaperversicherungen ersparen (S.521).

1600-1700
Maghreb/Algier/Tunis/Tripolis: Die Regierungen rüsten den Korsaren weiter Schiffe aus
(S.524)

1600-1800
WAFFENTECHNIK: SUCHE NACH BILLIGEREN UND SCHNELLEREN WAFFEN
Musketen und Kanonen
-- bleiben relativ umständlich und langsam zu handhaben
-- die Treffsicherheit und Durchschlagskraft halten sich in Grenzen (S.520).

Die grossen europäischen Kolonialimperien forschen weiter, die Waffentechnik zu verbilligen, da die finanziellen Mittel wegen der weit entfernten Kolonien knapp sind (S.520).

[Die Kriege sind scheinbar noch nicht perfekt genug].

1602
Marokko: Gespräche eines Sultanssohnes mit Spanien - Gefängnisstrafe
Der Tod von Sultan al-Mansur ist absehbar. Einer der drei möglichen Thronfolger führt in Vorbereitung seines Sultanats auf eigene Faust Verhandlungen mit Spanien und landet deswegen im Gefängnis. Die zwei anderen Söhne sind Gouverneure in Marrakesch und Fes (S.518).

1603
England-Konstantinopel: Tod von Königin Elisabeth I. und Tod von Sultan Murad III.

(S.519)

Marokko: Tod von Sultan al-Mansur an der Pest - Nachfolger: ist im Gefängnis
Der bestimmte Kronprinz sitzt wegen Kontakten mit Spanien im Gefängnis, die anderen Söhne sind Gouverneure in Fes und Marrakesch. In der Folge bricht Marokko auseinander (S.518), da ein einheitlicher Beamten- und Verwaltungsapparat im Land fehlt und die mögliche einende Kraft der Andalusier nach Zanhaga und Westafrika deportiert wurden (S.519).

Ein Jahrhundert zentrale Regierung hat in Marokko nicht ausgereicht, um den Zentralstaat emotional zu etablieren (S.518-519).

Tripolis: Erste Autonomie: Ersetzung des türkischen Paschas durch einen örtlichen Gouverneur
Kommandostruktur, Vergünstigungen, Verwaltung, Sprache und Justiz bleiben osmanisch bestimmt. Eine gewisse Autonomie als Regentschaft ist gegeben. Vorbild ist Tunis von 1591 (S.523).

1604
Konstantinopel-Österreich: Friedensschluss
Damit wird das Mittelmeer nun endgültige Grenze zwischen der christlichen und muslimischen Zivilisation (S.519)

ab 1605
Korsarenkrieg trotz Friedensschlüssen - Ablenkung Reformationskriege
Der Krieg zwischen Christen und Muslimen geht in kleiner Form mit Korsaren weiter. Im Grossen sind die europäischen Staaten vor allem mit der Glaubensspaltung und dem Massenrauch und Massenmord an Indianerbevölkerungen in "Amerika" beschäftigt.
Christliche Korsaren werden von Frankreich direkt oder in Malta indirekt ausgerüstet, in Malta durch den Johanniter- oder Malteserorden (S.520).

Anfang 17. Jh./ ab 1605 ca.
Maghreb: "Arbeitslose" englische und holländische Kapitäne machen Piraterie (!) - neue Segel, die gerafft werden können
Ab Ende der grossen muslimisch-christlichen Kriege treten arbeitslose englische und holländische Atlantikkapitäne in christliche und muslimische Korsarenbünde ein und bringen Karavellen-Atlantikschiffe mit ins Mittelmeer mit sturmfestem Längen-Breitenverhältnis 4:1 gegenüber den sturmanfälligen Galeeren mit bis zu 9:1 Längen-Breitenverhältnis (S.521).

Da nun auch Segel immer mehr Sklaven und Ruder ersetzen, kommt es bei den Korsaren auch immer weniger zu Rebellionen, und die Kaperzüge werden effektiver (S.522). In der Folge sind die Korsaren von Wetter und Jahreszeit unabhängig (S.521-522) und neuartige Segel, die am unteren Ende gerafft werden können, erlauben das Segeln bei jeder Windstärke (S.522).

In der Folge dehnen die Korsaren ihre Kaperfahrten mit den holländischen und englischen Kapitänen und den sturmsicheren Schiffen vom Mittelmeer bis nach England, Irland, Island und Neu-Schottland aus.
Da die "Rundschiffe" eine hochwertige Baukunst und Erfahrung erfordern, haben die Korsaren sozusagen ein Monopol im Mittelmeer auf diese Schiffe. Die kombinierten Ruder- und Segelschiffflotten garantieren den Korsaren das Überleben. Die wenigen Ruderer sind auch keine Sklaven mehr. Bei all dem helfen die holländischen und englischen "arbeitslosen" Kapitäne (S.522).

1605-1750 ca.
Maghreb wird zum Korsarenimperium wegen des Waffenmonopols
Die Janitscharen-Korsaren verstehen es, mit den Schiffen und Waffen die Bevölkerung zu beherrschen, ohne grosse Aufstände zu verursachen, mit Verbündeten in den Stämmen des Hinterlandes, denen Steuerrechte abgetreten werden (S.522).

Mischlingssöhne aus türkisch-berberischen Ehen, so genannte Quloglis/Kulogullari, nehmen die Mittlerstellung in der Verwaltung, im Handwerke oder der Landwirtschaft ein. Die Stärke der Korsaren ist nur mit dem Feuerwaffenprivileg und dem Monopol im grossen Schiffsbau möglich (S.523).

bis 1609
Spanien: Muslimische Bevölkerungszunahme als "Gefahr"
Die muslimische Bevölkerung Spaniens hat seit 1563 um 70 Prozent zugenommen. Die Gefahr einer muslimischen Mehrheit besteht um das Ebro-Becken (S.322).

1609
Holland-Österreich: Provisorischer Friede zwischen Holland und Österreich-Habsburg
(S.519)

1609-1614
Spanien: Ausweisungsdekrete der spanischen Krone gegen alle ansässigen Muslime - Massenvertreibung
auch wenn sie bereits Spanisch sprechen. Alle müssen nach Nordafrika auswandern (S.321).

1609-1610
Spanien: Vertreibung von ca. 275.000 Morisken
nach Marokko, Algerien und Tunesien unter Philipp III. Davon erreichen einige 1000 auch die Stadt Salé.
(S.523). Die "Katholisierung" von Muslimen in Spanien ist gescheitert (S.523-524).

Spanien: Von den Vertreibungen bleiben ca. 25.000 "Neukatholiken" in Spanien (S.524).

1610
Marokko: Salé: Morisken aus Spanien übernehmen die Macht
Die angekommenen Morisken übernehmen vom schwachen Lokalgouverneur die Macht und richten einen Diwan ein mit Mitgliedern aus den drei Stadtteilen Rabat, Salé und Zitadelle/Qasba (S.524).

1614
Spanien: Folgen der Vertreibung
-- für Valencia gravierend, sonst unbedeutend.
-- es bleiben Spanien arabische Bezeichnungen, geographische Namen, arabisch-stämmige Wörter im Vokabular, und arabische Bauten (S.322).


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