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Arabische Kultur in Europa 712-1600.

Musik, Spiel, Gewürze, Speisen, Pflanzen, Stoffe, Technik und Burgenbau

von Michael Palomino (2000 / 2005)

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aus: Sigrid Hunke: Kamele auf dem Kaisermantel. Deutsch-arabische Begegnungen seit Karl dem Grossen. Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart 1976. ISBN 3 421 01744 1 -- Das vorliegende Werk zeigt uns, wie die Islam und Kirche sich jeweils als "auserwählt" bezeichnen. Dabei ist der Islam durch die kulturelle Weiterentwicklung der griechischen Wissenschaften sowie Elementen der chinesischen Wissenschaften dem mitteleuropäischen Kulturkreis weit voraus. Aus dieser Bedrohung heraus versuchen die Päpste mit "Kreuzzügen", die Muslime zu bekämpfen, statt von ihnen zu lernen. Kulturvermittler wie Friedrich II. werden zum Teil sogar geächtet. Dabei werden arabische Güter in Europa immer mehr gefragt und setzen sich durch. Es ist erstaunlich, wie armselig Europas Kultur heute wäre, wenn der Kontakt zum Nahen Osten nicht bestanden hätte. Um so schlimmer ist es einzuschätzen, dass von diesem Kulturaustausch in Europa kaum etwas in den Schulen und Medien berichtet wird. -- Papst Urban II.: Christen als "auserwähltes Volk" -- Synode zu Clermont, Papst Urban II.: Aufruf zum "Kreuzzug gegen das gemeine Gezücht" bei Ablass und ewigem Leben - deutscher Widerstand -- Europäer kopieren arabischen Festungsbau -- Kulturaustausch: Europa kopiert alles -- Christliche Einnahme von Akkon - Streit um das "heilige Kreuz" - Massaker an Muslimen durch Richard Löwenherz - Saladin verweigert Gefangenenaustausch, Rückgabe des Kreuzes und Restitution des Königreichs Jerusalem - erster breiter  Pazifismus in Europa -- Europäische Kopie der arabischen Kampfkleidung


aus: Sigrid Hunke: Kamele auf dem Kaisermantel. Deutsch-arabische Begegnungen seit Karl dem Grossen. Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart 1976. ISBN 3 421 01744 1


Zusammenfassung
Das vorliegende Werk zeigt uns, wie die Islam und Kirche sich jeweils als "auserwählt" bezeichnen. Dabei ist der Islam durch die kulturelle Weiterentwicklung der griechischen Wissenschaften sowie Elementen der chinesischen Wissenschaften dem mitteleuropäischen Kulturkreis weit voraus. Aus dieser Bedrohung heraus versuchen die Päpste mit "Kreuzzügen", die Muslime zu bekämpfen, statt von ihnen zu lernen. Kulturvermittler wie Friedrich II. werden zum Teil sogar geächtet. Dabei werden arabische Güter in Europa immer mehr gefragt und setzen sich durch. Es ist erstaunlich, wie armselig Europas Kultur heute wäre, wenn der Kontakt zum Nahen Osten nicht bestanden hätte. Um so schlimmer ist es einzuschätzen, dass von diesem Kulturaustausch in Europa kaum etwas in den Schulen und Medien berichtet wird.

Michael Palomino


Chronologie

Tolerante Sprüche zur Gleichwertigkeit von Religionen

Anfang 6. Jh.
Theoderich "der Grosse", König der Ostgoten: "Die Religion kann ich nicht befehlen, weil niemand gegen seinen Willen zum Glauben gezwungen werden kann." (S.85)

Anfang 7. Jh.
Muhammad: "Es soll keinen Zwang sein im Glauben." (S.85)

Preussenkönig: "Ein jeder muss nach seiner Fasson selig werden" (S.85).

um 0
Bau erster arabischer Burgen in Jemen und Hadramaut
mit bis zu 20-stöckigen, zinnenbekrönten Mauern (S.123). Zinnen sind dem Bogenschützen ein Schild (S.124), Mauern 3-5 Meter dick (S.123).

0?-600
Arabien: Wüstenritter
(S.36)

0?-623
Arabische Stämme: karges Leben und ausgezeichnete Kriegstechnik
Die Stämme leben in karger Wüste, leben ohne Schutz der Landschaft und so in dauernder Gefahr.
Dementsprechend wird der (idealisierte und) besungene Charakter des arabischen Reiters:

-- kühn im Kampf
-- hart und treu in der Verfolgung der Blutrachepflicht
-- freigiebig und gastfreundlich "bis zur aufopfernden Hingabe" für den Gast und Freund, auch gegenüber dem Feind

-- selbstlos gegenüber der Sippe und dem Stamm
-- mit Grossmut gegenüber dem geachteten Feind

in Heldenliedern aus der Zeit vor Muhammad so beschrieben (S.31). Die Lieder verherrlichen den "kampfgestählten" Krieger mit immer ritterlichem Geist (S.32), den "edlen Wüstenritter": "Fatah" (S.33).

302?
Römisches Reich: Hinrichtung von Mauritius
einem Kommandanten aus Mauretanien, der Führer der aus Theben (Ägypten) stammenden Thebäischen Legion. Legenden besagen, er habe regelmässig die Christenverfolgung verweigert und sei deswegen  hingerichtet worden (S.108).

ab 310 ca.
Römisches Reich: Entstehen der Mauritius-Legenden
speziell der Einsiedelner Legende, die besagt, Mauritius sei 302 wegen Verweigerung der Christenverfolgung hingerichtet worden (S.108).

410
Westgotische Besetzung Roms unter Alarich
keine Ausrottung der Bevölkerung, sondern Aufforderung, sich in den Kirchen zu schützen, von wo keiner in Gefangenschaft geführt werden könne.

Die christliche Geschichtsschreibung dichtet dem germanischen Westgotenheer Massenmord und Raub an (S.87).

um 500
Erster arabischer Burgenbau in Syrien durch die christlich getauften Ghassaniden
(S.123)

Einflüsse aus Indien in die arabische Kultur: Zahlen und Spiele - Entwicklung des Schach
Die arabischen Händler übernehmen indische Zahlzeichen und entwickeln aus dem indischen Würfelspiel auf dem Quadratbrett ein eigenes Spiel zweier Heere, das "Schach", ein Schlachtenspiel: 2 Könige, 2 Wesire, 4 Kampftürme, 4 Pferde, 4 Elefanten/arab. al-fil, 16 Mann Fusstruppen. Das Spiel muss bis zur Vernichtung eines Gegners gespielt werden, wobei am Ende der Spruch "besiegt"/asch-schah mat/as-sah mat gesagt werden muss (S.163).

Arabisches Kartenschach, Spielkarten
Arabische Reiter führen ein Kartenschach auf sich, damit sich nicht mit den Figuren und Brettern reiten müssen. Es sind 32 Karten mit Symbolen, die bis heute sinngemäss dieselben geblieben sind:

-- roter Pokal, Symbol der verbindenden Gastfreundschaft, in Europa "Herz"
-- schwarzes arabisches Krummschwert, gekreuzte Stäbe, in Europa: "Pik"
-- Gerichtssymbol: in Europa: "Kreuz"
-- eine rote Münze: in Europa: "Karo" (S.163).

Arabien: Liedkultur
Liebeslieder, Preislieder, Klage- und Spottlieder sind elementares Element der arabischen Lebensweise, einstimmiger, rhythmisch gegliederter Gesang, mit hochentwickelter Verstechnik und Melodieführung, mit pythagoräischer Tonleiter. Gesang und Sängerinnen gehören zu "jedem arabischen Haushalt". Gesang bildet einen eigenen Berufsstand, Hauptausbildungszentrum ist Mekka, Verbreitung auch in Persien und Byzanz (S.160). Arabische Musiktheorie mit Takt, Rhythmus und Mensuralnotation ist bei al-Kindi bezeugt (S.161).

515
Gründung des Klosters St-Maurice im Rhonetal
durch den König von Burgund in Anlehnung an Mauritius von Ägypten (siehe Jahr 302). Das Kloster wird Krönungsstätte der Burgunderkönige (S.108-109).


ab 7./8. Jh.
Befestigung des Kalifenreichs mit Steinburgen als Festungslinie
Das Kalifenreich befestigt die Grenze mit arabischen in Sichtweite positionierten Steinburgen rings um das Mittelmeer, nach byzantinischem Muster und für die eigenen Zwecke angepasst.
Die Burgen sind alle nach demselben Muster gebaut:

-- quadratisches Fundament
-- meterdicke, dreistöckige, völlig glatte Mauern
-- 4 Ecktürme, der Turm rechts vom Eingang als Signalturm höher als die drei anderen (S.122).

Besatzung: je  ca. 50 Ritter, alle Fenster der Räume gehen zum Innenhof, einsames, enthaltsames Leben, Koranunterricht (S.122).

Raumverteilung:
-- mit grossem Gebets- und Versammlungssaal mit Gebetsnische, die nach Mekka weist
-- mit Pilgerherberge, Krankenpflege, Moschee-Saal/"Ort-des-sich-Niederwerfens" als Quersaal zur Gebetsnische
-- im Erdgeschoss mit Bibliothek, Waffenkammer, Vorratskammer und Pferdeställen (S.122).

ab 610
Muhammad übernimmt den "edlen Wüstenritter" für seinen Kampf
Das Bild der "edlen Wüstenritter" der arabischen Stämme bleibt erhalten und wird Leitbild der islamischen Männerbünde (S.33).

622
Muhammads Islam und gihad/Dschihad
Aus den Wüstenrittern werden Glaubenskämpfer und arabische Ordensritter (S.36).

"Heilige Fahnen"
die "grüne Fahne des Propheten". Die Fahne wird während der Schlacht gehiesst, um den Sieg zu unterstützen (S.131).

Besetzungen unter Muhammad mit Toleranzanweisung
Alle Glaubensgemeinschaften sollen so belassen werden wie sie sind

plus: Vorschrift für die muslimischen Ritter, den ansässigen Glaubensgruppen Sicherheit, Recht und Schutz zu geben

plus: niedrigere Steuer als vorher von den anderen Glaubensgruppen verlangen
plus: keine Zwangsmission (S.85).

Der Übertritt zum Islam soll eher verhindert als gefördert werden
[wegen den Steuereinnahmen für das Kalifenreich, denn die Andersgläubigen zahlen ja mehr Steuern].

Die neue, bisher unbekannte Toleranz wird von den ansässigen Glaubensgruppen als Wohltat empfunden, z.B. von den Nestorianern (S.86).

ab 633 ca.
Arabische Halbinsel: alljährlicher Dschihad
Muhammad hat den arabischen Stämmen den alljährlichen "heiligen Krieg" aufgetragen. Jedes Jahr führen arabische Stämme Raubzüge gegen ihre Nachbarn durch (S.20).

ab 650
Arabische Halbinsel/Nordafrika: islamischer Umsturz am Mittelmeer
Das "Arabertum" schafft im Vorderen Orient und in Nordafrika eine völlig neue politische Lage im Mittelmeerraum:

-- die alte Mittelmeerwelt der Antike und des Römischen Reiches zerbrechen vollends
-- der Schwerpunkt der europäischen Intelligenz zieht  sich nach Germanien und Franken zurück, womit der Schwerpunkt des Abendlandes diesseits der Alpen zu liegen kommt (S.9).

ab 650 ca.
Erster arabischer Zuckerrohranbau in Palästina
(S.112)

8. Jh. / ab 700 ca.
Die arabische Welt übernimmt von China die Papierherstellung
(S.113)

Damaskus und Bagdad: Brieftaubensystem
Die Kalifenreiche haben ein Brieftaubensystem, das das ganze Kalifenreich umspannt (S.165).

Vorderer Orient: Golddenar und Silberdenar
Kalif Abd al-Malik führt Gold- und Silberdenar als allgemein islamische Währung ein (S.116).
Golddenarproduktion mit Gold aus nubischen Goldminen (S.115-116), den sogenannten "Mancus"/manqush
Silberdenarproduktion aus Silberminen Westturkestans.

Gold- und Silberdenar werden Leitwährung des Welthandels (S.116).

Schwerpunktverlagerung der christlichen Welt vom Mittelmeer hinter die Alpen
mit neuen geistigen Zentren Rhein und Seine.
Die Selbstisolierung und einschneidende politisch-kulturelle und wirtschaftliche Wandlungen sind die Folge, die im Gesamten ein ökonomischer Rückschritt sind. Die Kirche kommt gegen das muslimische Prestige nicht an (S.29).

[nicht erwähnt:
Die arabischen Seeräuberfahrten lassen den europäischen Handel am Mittelmeer fast ganz zusammenbrechen, vor allem nach der arabischen Besetzung Siziliens, Sardiniens und Korsikas (aus: Haarmann: Geschichte der arabischen Welt)].

711
Spanien: Übersetzen arabisch-berberischer Heere unter Feldherr Tarek - "moros"
Sie werden von den Westgoten und der spanischen Bevölkerung pauschal als "moros"/Mauren bezeichnet, wovon sich später im Deutschen das Wort "Mohr" für Schwarzen ableitet, obwohl die "moros" auch weisse Nordafrikaner waren (S.110).

712
Spanien: Arabische Machtübernahme im westgotischen Toledo
und Beginn einer neuen Blütezeit durch die arabischen Kulturberührung in Zivilisation, Wirtschaft, Landwirtschaft, Wissenschaft, Dichtkunst, Musik, was in Europa alles fehlt (S.20).
Einführen des Elefantenzahns als Jagdhorn (S.21).

Muslimische Besetzung der indischen Provinz Sind bis zum Indus
(S.163)

ab 712
Beginn der arabischen Mittelmeerblockade
Die Mittelmeerschifffahrt von Byzanz, Italien und Burgund wird durch arabische Piraten, Inselbesetzungen  und an der Küste Nordafrikas durch muslimische Herrschaft Schritt für Schritt vollends blockiert (S.115).

Die Kirche lehnt "heilige Kriege" ab, Vorwürfe gegen den Islam
-- die arabischen Ritter führen einen "heiligen Krieg"
-- die arabischen Ritter verbinden Askese mit Mord
-- die arabischen Ritter verbinden Leibliches mit Geistigem

-- die arabischen Ritter können die irdische Welt von der göttlichen Welt nicht trennen

Das muslimische Kriegsprogramm des "heiligen Kriegs"/Dschihad trennt die irdische Welt von der göttlichen Welt nie, denn Kriegseifer und Mord sind Zeichen des Glaubensernstes (S.42).

Spanien/Toledo: Der spanisch-maurische islamische Ritter wird zum Vorbild für die christliche Rüstung
In Europa grenzen sich die Reiter aber nicht vom Volk ab ausser in Frankreich, wo eine "chevallerie" bald erblich und adlig wird.

In Deutschland sind alle Reitenden am Kampf auf dem Pferd beteiligt, vom Dienstmann bis zum Kaiser selbst (S.36).

ab 712
Arabische Kulturvermittlung in Spanien

Anbau von Zuckerrohr in Spanien

(S.112)

Arabische Musikinstrumente in Spanien: Laute, Gitarre, Halsgeige
-- Laute/al- 'ud/Holz
-- Gitarre/Chitarrone, mit Adlerfeder angerissen oder gezupft
-- Rebec/Rabab/Halsgeige mit ein oder zwei Saiten (S.162).

Musikeinfluss von Andalusien nach Südfrankreich - Vorbild für Liedformen
Die arabische Kunst- und Volksmusik wird von Andalusien aus an nordspanische, provençalische und aquitanische Höfe getragen und wird Vorbild für die strophischen Liedformen Rondeau, Virelai, Ballade und Madrigal (S.161).

Einfluss arabischer Musik auf Europa über die Provence und Franken mit Wirkung bis in die deutschen Gebiete
(S.160)

Schachspiel auch in Spanien
Der Wesier wird zum "fierce" (S.163).

720
Spanien: Kämpfe fränkischer Truppen gegen muslimische Besetzungen in Aquitanien in der Provence und in Spanien
Aquitanien: Abwehr eines arabischen Einfalls in Gallien durch Herzog Eudos Truppen. Narbonne wird arabisch besetzt (S.20).

ab 720
Kriege der unter sich uneinigen christlichen Königreiche gegen muslimische Staaten
(S.29)
-- mit Allianzen quer durch die oberen Schichten
-- mit Lernprozessen und Steigerung der Waffen- und Belagerungstechniken
-- mit Übernahme kultureller Werte (S.30).

ab 720 ca.
Spanien: arabische Tänze mit Begleitmusik an den muslimischen Höfen
Fiedel und Tamburin, das Lieblingsinstrument arabischer Frauen, sowie mit Naqqara, der Kesseltrommel (S.162).

732
Muslimisch-fränkische Schlacht zwischen Tours und Poitiers

endet unentschieden. Der arabische Befehlshaber fällt, und in der Nacht verlassen die arabischen Truppen ihre Stellungen, ohne dass es die fränkischen Truppen bemerken, die am Tag darauf das leere, verschanzte Lager vorfinden (S.19-20).

ab 732
Christliche Geschichtsschreibung: die  "Schlacht" zwischen Tours und Poitiers wird zum christlichen Heldentum emporstilisiert
Christliche Historiker berichten von arabischen Einfällen als "mordende und brennende Horde".
Immer wieder wird behauptet, christliche Truppen unter Karl Martell hätten 375.000 Araber erschlagen und die europäische Kultur vor der arabischen "Zwingherrschaft" gerettet (S.19).

Die christlichen Historiker müssen die Zahl der arabischen Gefallenen beträchtlich übertrieben haben, wenn der Rest der arabischen Truppen sich lautlos aus dem Staub gemacht haben soll.
Vermutung des belgischen Historikers Henri Pirenne, dass die fränkischen Truppen eine zu der Zeit "normale" Plünderung verhindert haben.

Zudem war Karl Martell kirchlich verdammt und Karl Martell wird in zeitgenössischen Quellen nie als "Retter der Kultur des Abendlandes" erwähnt (S.20).

ab 732 ca.
Araber beherrschen Teile Aquitaniens, die Provence sowie die Westalpen
Truppen Karl Martells belagern mehrfach vergeblich die arabisch beherrschten Städte Nîmes und Narbonne. Alljährliche Kämpfe im Rhonetal durch die Dschihad-Pflicht (S.20).

um 750
Byzanz führt die "heilige Fahne" ein
Sie muss bei Schlachtbeginn jeweils abgebunden werden, um nicht entweiht zu werden (S.131).

Zeit Pippins und Karls "des Grossen"/760-810 ca.
Hilferuf Roms an Franken um fränkischen Schutz gegen Muslime
Die Kirche in Rom fleht darum, dass das Königtum die Kirche verteidige. Die Könige werden zur militärischen Macht im Namen der Kirche (S.50).

ab 760
Mesopotamien: Basra wird zweites arabisches Gesangszentrum
Ab der Abbasidenzeit wird Basra neben Mekka zweites Zentrum des arabischen Gesangs und steht auch mit Sevilla in Konkurrenz (S.160).

777
Spanien-Frankreich: Muslimischer Hilferuf an Karl "den Grossen" gegen das Emirat Córdoba
Der ehemalige Statthalter von Saragossa, Sulaiman al-Arabi, trifft mit einem kleinen Gefolge, darunter der ehemalige Statthalter von Córdoba, Jussuf al-Fickri,  bei Karl "dem Grossen" in Paderborn ein. Beide bitten Karl "den Grossen" um Hilfe gegen den neuen Umayya-Abkömmling der in Córdoba die Macht an sich gerissen hat (S.19).

778
Spanien-Frankenreich: Karl "der Grosse" restituiert Muslime in Spanien
Karl "der Grosse" zieht mit seinen Truppen nach Spanien, Plünderung des baskisch-christlichen Pamplona, restituiert mit einem Heer bis auf Saragossa die vertriebenen muslimischen Statthalter. Belagerung von Saragossa (S.20).

[Gemäss neuesten Forschungen hat es "Karl den Grossen" nie gegeben. Es fehlen jegliche Funde. Eine monopolistische Mönchsclique soll 298 Jahre der "christlichen Geschichtsschreibung" erfunden haben. Damit würde Mohammed 298 Jahre stattgefunden haben, was im Anschluss an die Bibelschreibung logisch erscheinen würde].

ab 780
Erste Spitzbogenarchitektur in Palästina
Unter Wesir Harun in Bagdad wird die ganze Verteidigungslinie südlich des Taurus neu organisiert und erste Spitzbogenarchitektur verwendet, so beim Bau der Zisterne von Ramleh bei Jaffa (S.126).


786
Bagdad: Kalif Harun ar-Raschid
regiert ein Vielvölkerreich vom Oxus/Amudarja bis zum Atlantik (S.21).

787
Germanien/Sachsen: Sächsischer Vorstoss bis an den Rhein
Sächsische Heere benutzen die Abwesenheit von Karl "dem Grossen" zum Vorstoss bis zum Rhein. Karl "der Grosse" muss die Belagerung von Saragossa aufgeben und abziehen. Die Nachhut unter Graf Ruotland von der Bretagne wird von Basken oder Waskoniern überfallen als Rache für die Plünderung von Pamplona von 778 (S.21).

ab 790 ca.
Spanien/Córdoba: Dauernde jährliche Überfälle auf Aquitanien im Namen des gihad/Dschihad
(S.22)

799 ca.
Ifriqiya: Statthalter Ibrahim b. Aghlab kann einen Aufstand niederschlagen
(S.21)

800
Ifriqiya: Statthalter Ibrahim b. Aghlab erhält Ifriqiya vom Kalifen zum erblichen Lehen
gegen jährlichen Tribut. Er baut die neue Residenz Abbassija (S.21).

Frankreich-Ifriqiya: Ergründung von Zusammenarbeit gegen Córdoba
Karl "der Grosse" erbittet durch Gesandte in Kairuan um die Überreste des ehemaligen Bischoff Cyprianus. Der Grund ist vorgeschoben. Statthalter Ibrahim b. Aghlab empfängt die Gesandten, die die Möglichkeiten von politischer Zusammenarbeit gegen die jährlichen Überfälle das Emirats Córdoba erkunden sollen (S.21).

[Es ist historisch nicht gesichert, dass es Karl "den Grossen" gegeben hat, siehe: Karl der Grosse gelogen].

um 800
Europa: Holz-Erde-Wälle
Im Reich von Karl "dem Grossen" werden Reste römischer Bauten und Kastelle als fremd empfunden. Es existieren nur Holz-Erde-Wälle germanischer Fluchtburgen (S.121).

ab 800
Europa: Befestigte Höfe und Handel über Land mit Arabien
Normanneneinfälle im Reich Karls "des Grossen" führen zum Anlegen befestigter Höfe innerhalb der Fluchtburgen und zur Umzäunung befestigter Wohnsitze mit Holzpalisaden, Wassergräben oder Wällen auf künstlichen Erdhügeln oder Bergkuppen (S.121).

Beginn eines bescheidenen Handels zwischen Deutschland  und Arabien auf dem Landweg. Gleichzeitig exportiert Deutschlands Industrie flandrische oder friesische Tuche, deutsche Waffen, fränkische Schwerter, Honig und Zinn in Bagdads Basare (S.115).

Bildung muslimischer Ritterorden in den Eroberungsgebieten: "Murabitun"
halten Wache auf Grenzburgen/"ribat", gegen die "Ungläubigen", um das "Haus des Islam" / dar al-islam zu verteidigen (S.34), auf hohen, turmbewehrten Steinburgen (S.35)

-- widmen sich lebenslang dem Waffendienst gegen die "Ungläubigen", gilt als die vornehmste religiöse Verpflichtung eines Muslim (!)

-- müssen das Gelübde auf den Dschihad ablegen
-- müssen das Gelübde auf die Verteidigung der umma ablegen
-- müssen das Gelübde auf die Gemeinschaft der Gläubigen ablegen

-- pflegt asketische Zurückgezogenheit und religiöse Übungen
-- pflegt Toleranz und Hilfsbereitschaft, ritterlichen Grossmut, Einstehen für Ordensgefährten (S.36).

[Alles in allem ist die Lebenshaltung des muslimischen Ritterkriegers sehr antagonistisch, fast schizoid, weil er vom Mitmenschen Kontakt fordert und ihn doch bekämpft].

Organisation der "Murabitun"/Ritterkrieger
-- straffe Organisation und Disziplin
-- Krankenpflege
-- Beherbergung von Mekka-Pilgern
-- nach der Ausmusterung wird der Ritterkrieger als Koranlehrer angestellt (S.36).

In Gefahrenzeiten bekommen die Grenzfestungen Verstärkung durch die Bevölkerung, Handwerker, Kaufleute, Bauern oder Futuwwa-Bünde, manchmal kommt es zu Einmischungen in die Innenpolitik (S.36).

Erhaltene arabische Burgen
-- Ribat von Sousse in Ifriqiya
-- Ribat von Monastir
-- In Resten erhaltene arabische Burg: Burg von Houmt Souk auf Djerba/Dscherba, die bereits verschobene Toreingänge hat (S.124).

Ausbau der arabischen Burgen mit Mitteltürmen an den Seitenwänden
Zu den vier Ecktürmen kommen vier halbrunde Mauertürme in der Mitte der Mauern hinzu, die das Überwachen und Bestreichen der Zwischenmauern erlauben (S.122), so dass eine totale Rundumverteidigung gesichert ist (S.124).

Nordspanien: christliches Heiligtum Compostela - Beginn des europäischen Rittertums
Die Kirche in Spanien schafft sich mit dem "Heiligen Jakob" von Compostela einen Gegen-Muhammad (S.39).

Die Cluny-Krieger/"Cluniazenser" mit ihren Klöstern entlang der Pilgerstrasse nach Santiago de Compostela können die Kriegserfahrung mit den Muslimen ins Innere des Frankenreiches weitervermitteln (S.38).

Es kommt zur stufenweisen Ausbildung des europäischen Rittertums am Vorbild der arabischen Kampftechnik durch Kämpfe an spanischen und italienischen Fronten (S.47).

813-840
Franken: König Ludwig "der Fromme"
Seine Heere kämpfen regelmässig gegen die jährlichen Dschihad-Überfälle in Aquitanien gegen arabisch-umayyadische Reitertruppen (S.22).

820?
Friedensschluss zwischen Franken und dem Emirat Córdoba
dem Sohn des Umayyaden-Emirs Abd ar-Rachman, Emir Hakam I., Einstellen der Überfälle (S.22).

827
Arabische Herrschaft auf Sizilien
(S.31)

Erster arabischer Burgenbau auf Sizilien
durch die Besetzung der Aghlabiden aus Ifriqiya (S.125).

830 ca.
Provence-Westalpen: Fränkische Siege
und Vertreibung der arabischen Herrschaften aus Teilen Südfrankreichs (S.20).

ab 831
Arabisch-ifriqinische Besetzung von Palermo - Beginn mit Zuckerrohranbau auf Sizilien
(S.112)


Mitte 9. Jh.
Vereinheitlichung des arabischen Heeres gund/Dschund unter Kalif al-Mertawakkil - normannische Kopie
-- spitzer Helm
-- Kettenpanzeranzug
-- bestehend aus Sklaven, Türken und Turkmenen (S.129).

Die Normannen kopieren die Ausrüstung des arabischen Heers/gund/Dschund [siehe Mitte 9. Jh.] (S.129).

ab 871
Bagdad: Einführen des Lehenssystems für türkische Söldner
Kopie des persisch-sassanidischen Lehenswesens (S.33).

Ende 9. Jh.
Córdoba: Erfindung des ersten Flugzeugs sowie des ersten Kristallglases
durch den Araber Ibn Finas. Córdoba wird zum Zentrum der Kristallglasindustrie (S.114).

Anfang 10. Jh.
Einfluss der Araber über den Balkan bis ins schweizerische Engadin
was u.a. am Familiennamen Saraz und an Orts- und Flurnamen noch erkenntlich ist wie Pontresina, Pons saracena, Aina / "die Quelle" (S.112).

ab 900 ca.
Byzanz: "heiliger Krieg"
Die byzantinische Kirche lässt die Verbindung zwischen Kirche und Krieg im "heiligen Kampf" zu und verehrt ihre heiligen Kämpfer wie Mauritius, Sebastian und den Palästinenser Georg, der in Ramla begraben liegt (S.39).

Normannenvorstösse gegen die muslimischen Staaten am Mittelmeer
Sie können sich zum Teil erfolgreich gegen die arabische Kriegstechnik durchsetzen (S.31).
[und kommen durch schnelle Kopie der arabischen Kriegstechniken auch zu Siegen gegen arabische Truppen].

Spanienkreuzzüge aller europäischen Nationen
Die europäischen Heere werden immer mit der neusten arabischen Kriegsfabrikation konfrontiert, die der europäischen überlegen ist (S.127).

Aushöhlung des arabischen Burgennetzes v.a. durch Byzanz
Im Kampf v.a. mit Byzanz werden arabische Burgen oft geschliffen, so dass der Zusammenhang der Kette verloren geht, wie Geschichtsschreiber Leon Diakonos berichtet. Gewisse Burgen werden aber bis zur Uneinnehmbarkeit ausgebaut (S.122).

Christliche "Ritterlichkeit" stammt von arabischen Idealen ab, nicht von der Kirche oder Mönchstum

-- die Behauptung einer Symbiose von "weltlichem" Rittertum und Mönchstum ist eine Lüge, das Ordensrittertum hat mit dem Mönchstum nichts zu tun

-- die Kirche lehnt das Kriegshandwerk bis um 1000 grundsätzlich ab: Augustin behauptet die Kirche als das "Gottesreich" und den Staat als das "Teufelsreich", die Grenzen der beiden Reiche darf niemand überschreiten

-- wer im Gottesreich wohnt, soll mit dem Gebet kämpfen
-- wer im Teufelsreich wohnt, soll mit der Waffe gegen "das Böse" kämpfen, hat aber gleichsam für sein Töten mit Strafe zu rechnen

-- das Leben eines Kriegers gilt als der Inbegriff der "sündigen Gottferne" und als "Gefährdung des Seelenheils"

-- Bestrafungen für Krieger sind in Bussbüchern festgelegt, auch wenn der Kampf der Verteidigung dient: Busszeiten sind 40 Tage bis ein Jahr (S.37).


Arabische Musikkultur: Arabische Mandola, Mandoline
verbreitet sich über Italien nach Europa (S.162).

937
Gründung eines zweiten Klosters St. Mauritius bei Magdeburg
durch Kaiser Otto I., angeregt durch die Beziehungen zu Burgund.
Otto I. lässt die Gebeine des "heiligen Mauritius" nach Magdeburg überführen und erklärt ihn zum Schutzpatron Magdeburgs, am Ende gar zum Schutzpatron des ganzen deutschen Kaiserreichs (S.109).

ab 955
Handelswege zwischen Deutschland und Arabien werden sicherer nach Sieg auf dem Lechfeld
Otto "der Grosse" wehrt auf dem Lechfeld den asiatischen Völkersturm der Ungarn ab, so dass die Handelswege nach dem Vorderen Orient sicherer werden (S.116).

Deutschland erhält auf dem Landweg Pfeffer, Ingwer, Lenken, Spikanarde (?), Costus- und Galgantwurzel u.a. (S.115). Dabei werden aber kaum arabische Münzen verwendet, die in Deutschland unlesbar sind, so dass die arabischen Münzen (Golddenar, Silberdenar) sich bei Juden und Geldwechslern anhäufen (S.116).

959
Kalifat Córdoba wird zur Gefahr für die Römische Kirche - unterentwickeltes Mitteleuropa
Gesandte von König Otto I. halten sich zur Wissensvermittlung  bei Kalif Abd ar-Rachman III. von Córdoba auf, zum Beispiel die Mönche Johannes von Görtz und Garamannus (S.24). Sie bleiben über zwei Jahre und erleben Córdoba als ein riesiges kalifales Zentrum:

-- 500.000 Einwohner
-- 600 Moscheen
-- 300 Bäder
-- 17 höhere Lehranstalten und Hochschulen mit Fakultäten der Medizin, Mathematik, Religion u.a.
-- 20 öffentliche Bibliotheken

-- mit Freiheit für Christen, mit Christen in höchsten Staatsämtern, mit bestausgerüsteter und bestdisziplinierter Kriegsmacht

-- mit Laternenbeleuchtung
-- mit Wandmalereien und leuchtenden Teppichen und mit Brunnen geschmücktem Kalifenpalast
Córdoba ist ein Ort hochkultivierter Sinnlichkeit und Geistigkeit (S.25).

Die europäische Zivilisation der Zeit nördlich der Pyrenäen ist unterentwickelt:
-- europäische Städte haben höchstens 5000 Einwohner, weder Spitäler noch Schulen
-- Bücher sind so selten, dass sie in Klöstern angekettet sind
-- ungepflasterte Strassen (S.25).

Córdoba wird für die Kirche in Rom zu einer ersten Gefahr. Sie beginnt, einen geistigen "Eisernen Vorhang" den Einflüssen Córdobas entgegenzustellen

-- mit Kirchenpropaganda
-- mit neuen Büchern, die von den Klöstern monopolisiert sind
-- mit neuer "Geschichtsschreibung" und "Berichterstattung", die ganz in den Händen der Geistlichkeit liegt (S.28).

In der Folge
-- werden Muslime und Nicht-Christen allgemein zu Teufeln und Teufelsanbetern
-- etabliert die Kirche eine Greuelpropaganda, dass nicht einmal der Atheist, sondern der Gläubige der "anderen Lehre" der Todfeind sei
-- Muhammad und die Muslime werden planmässig dämonisiert, was Fanatismus und Hass schürt (S.28).

ab 969
Wechsel des Kalifats von  Ifriqiya nach Fustat/Kairo: die arabische Macht im westlichen Mittelmeer nimmt ab
Mit dem Wechsel nach Fustat/Kairo nimmt der Druck der arabischen Seeräuber auf das Mittelmeer ab, da sich das Kalifenzentrum von Ifriqiya nach Fustat verlagert. Die westliche Hälfte des Mittelmeers ist für die arabische Seeräuberei kaum noch erreichbar, so dass sich die italienische und burgundische Schifffahrt wieder entwickeln können (S.116).

In der Folge versuchen die italienischen Seefahrermächte, vor allem Pisa und Genua, die Araber auf Sardinien und Korsika zu vertreiben und können neben Venedig und Amalfi einen eigenen Seehandel mit Byzanz und der Levante aufbauen. Sie etablieren den Handel mit arabischen und indischen Produkten in Europa (S.116).

975
Araber räumen letzten Stützpunkt in der Provence, La Garde-Freinet
(S.139)

ab 980 ca.
Arabische Rechenkunst, Handelsmethoden, Transportsysteme in Europa
Italiens Kaufleute kopieren arabischen Rechenkunst und Buchführung sowie die Methoden der Preis- und Gewichtsüberwachung. Ebenso übernehmen sie arabische Handels- und Geschäftsmethoden mit den dazugehörigen Fachausdrücken, die nach Europa und Deutschland gelangen:

Baracke, Magazin, Mohatra (?), Risiko, Scheck, Sensal [Kursmakler], Tara, Sterling [Pfund], Tarif, Trafik, Zechine, Aval [frühe Bezeichnung für Wechsel], Arsenal, Admiral, Dragoman [Dolmetscher], Felucke (Küstenfahrzeug), Havarie, Kabel, Kalfatern [Fugenabdichtung bei Schiffswänden], Korvette, Klaubautermann, Karawan [als Pferdeunterkunft], Fonduk [Herbergs- und Handelshof] (S.117).

Ende 10. Jh./990 ca.
Deutsches Reich: Erste Steinbauten
lösen Holzbefestigungen ab, vorerst nur bei königlichen Bauten wie Pfalzen, Klöstern und Kirchen (S.121).

Ende 10./Anfang 11. Jh.
Spanien: nochmalige muslimische Expansion bis zu den Pyrenäen
Feldherr al-Mansur von Córdoba weitet das muslimische Herrschaftsgebiet in 52 Feldzügen erneut bis an die Pyrenäen aus. Dadurch werden die christlichen Heere zur Übernahme muslimischer Kriegstechnik gezwungen. Entscheidende Anregungen des arabischen "Kriegertums" gehen in das nordspanische und gesamteuropäische christliche Kriegswesen über (S.30).

plus: Die neuen muslimischen Besetzungen provozieren eine Polarisierung in Europa gegen den Islam, eine Solidarität europäischer Ritterheere, die sich bei den Pyrenäen versammeln (S.31).

plus: Entwicklung des "germanischen Ritters" und des "Rittertums" als idealisierte Institution aus der arabischen Kriegstechnik heraus (S.31).

11. Jh.
Arabische Erfindungen - kirchliche Verbote und Verfolgung bis zur Todesstrafe
Arabische Erfindungen sind z.B. Uhren, Messgeräte, Hebegeräte und Energiespender, Linsen für Fernrohre und (S.174) andere optische, astronomische und medizinische Instrumente und Geräte. Die Kirche beginnt, Forschung mit arabischen Grundlagen zu verbieten und lässt Forscher deswegen in den Kerker werfen oder sogar mit dem Tod bestrafen. Beginn der Weltzensur der Kirche gegen die überlegene islamische Lebensweise und technische Entwicklung (S.175).

Araber erfinden den Kompass
mittels einer chinesischen Magnetnadel (S.117).

ab 11. Jh.
Christliche Heere: Beginn des Fahnenkults
Die "heiligen Fahnen" werden bei Schlachtbeginn angebunden, jeder Speer bekommt seine eigene Fahne, damit der Ritter erkennbar bleibt, der in der Rüstung steckt (S.131).

ab 1000 ca.
Aufrüstung in Europa gegen die islamischen Ritter

Frankreich: Rom-Kirche ruft selbst zu den Waffen auf

wenn sie sich selbst für bedroht hält: durch Räuber, Heiden, Muslime oder durch das deutsche Kaisertum zur Verteidigung der Christenheit, übernimmt aus der Notlage die muslimische Form des Dschihad/"Heiligen Krieges", weil die französischen Könige so schwach sind (S.37), und sichert dem im Kampf für die Kirche gegen "Ungläubige" Fallenden ewiges Leben zu (S.38).

Europa: Entstehung von berittenen Rittertruppen, Einführung des Reichsdienst
(S.36)

Kirche: Heiligsprechung von Mauritius
(siehe Jahr 302) zum "heiligen" Heldenritter gegen die Muslime, obwohl Mauritius selbst ein Pazifist war (S.108). Die Kirche ändert die Figur von Mauritius in eine Figur des "heiligen Kampfes" (S.109).

ab 1003
Italien-Sizilien: Christliche Kreuzzüge gegen die muslimischen Herrschaften in Süditalien und auf Sizilien
(S.31)

1008-1010
nicht erwähnt:
Kairo: Zerstörerisches Regime von Kalif al-Hakim
Er lässt von Kairo aus in Palästina christliche Kirchen und Klöster zerstören, darunter

-- die Grabeskirche in Jerusalem
-- die Georgskirche in Ramla
-- die Marienkirche in Damiette
-- das Kloster Dayr al-Qasir über dem Grab des Heiligen Arsenios auf dem Muqattam bei Kairo

(in: Heinz Halm: Die Fatimiden; in:  Ulrich Haarmann Hg.: "Geschichte der arabischen Welt"
C.H.Beck-Verlag, München 1987, S.179)

1020
nicht erwähnt:
Drusenverfolgung in Ägypten unter Kalif al-Hakim
(in: Heinz Halm: s.o. S.183).

1021
nicht erwähnt:
Ende des Regimes von Kalif al-Hakim
Verschwinden von al-Hakim durch rätselhaften Mord in der Wüste, Ende der Verfolgungspolitik gegen Christen, Drusen und Frauen in Ägypten. Jerusalem bekommt eine Ringmauer aus Kirchensteinen.
(Heinz Halm: s.o. S.183)

1046
Kaiserkrönung von Heinrich III.
Übergabe des Reichsschwerts in der Kapelle des "heiligen" Mauritius im Dom von St. Peter (S.109), dessen Scheide in Süddeutschland gefertigt wurde (S.108).

1050
Deutschland: Das Schachspiel wird schon in der "Ruodlieb"-Dichtung erwähnt
(S.163)


ab 1050 ca.
Einführung arabischer Stoffe in der Rom-Kirche (!) - Übernahme des Rosenkranz - Myrrhe, Weihrauch
obwohl die Kirche die Araber eigentlich verteufelt

-- die Kirche prunkt mit neuen Messgewändern aus arabischen Stoffen, Damasten, Brokaten, mit Arabesken mit kufischen Inschriften

-- die Kirche übernimmt aus dem Islam auch die Zählweise des Rosenkranz/japâmâlâ, der eigentlich ein "Murmelgebetskranz" ist: japamâlâ, mit 99 Perlen, die den Lobnamen Allahs entsprechen und die mit den Fingern abgezählt werden

-- Übernahme der arabischen Düfte Myrrhe und Weihrauch (S.111).

Europa: Weitere arabische Produkte: Duftstoffe, Pflanzen, Hölzer, Farbstoffe, Gewürze, Gemüse, Speisen
-- Duftstoffe Ambra, Moschus und Rosenöl

-- ätherische Öle aus Lotos, Levkojen (griechische Zierpflanzen), Orangenblüten, Zichorien (Pflanze), Moschusweide, Sandelholz, Muskatblüte

-- arabische Heilmittel und Komponenten zur Stofffärberei: Alizarin, Alkali, Alkohol, Aloe, Anilin, Antimon, Arrak (S.111), Azur, Balsam, Benzin, Benzoeharz, Bezoar, Bor, Borwasser, Borax, Borretsch, Gips, Kampfer, Lack, Lazurstein, Natron, Saccharin, Saflor, Schellack, Sirup, Marzipan, Soda, Zitwer [Pflanze, dessen Same als Wurmmittel verwendet wird], Talkum [feiner weisser Talk als Streupulver] und Watte

-- Gewürze, die über die italienischen Kaufleute von Amalfi, Genua und Venedig nach Europa weiterverkauft werden:

oo  Pfeffer, als Gewürz und zum Konservieren
oo  Muskatnüsse
oo  Zimt, Ingwer, Karbe [?], Kümmel, Kubeben [Frucht eines indonesischen Pfefferstrauchs], Estragon, Safran
oo  Galgantwurzel
oo  Gemüse aus Arabien/Indien: Artischokken, Chicoree, Endivien, Spargel, Spinat, Schalotten
oo  Speisen: Aschlauch [?], Zibeben [grosse Rosinen], Kapern, Reis
sowie
oo  Zucker, Zuckerkand oder Kandis. Zucker bleibt in Deutschland teuer (S.112).

ab Mitte 11. Jh.
"Heilige Fahnen" für die Normannen - kaum Proteste gegen "Heilige Fahnen"
Der Papst verleiht den Normannen für ihren Kampf gegen die Muslime in Süditalien und Sizilien "Heilige Fahnen", entsprechend dem Vorbild der Muslime, die auf ihren Raubzügen "Heilige Fahnen" an ihre Lanzen binden. Gleichzeitig kommt es zum geistlicher Protest gegen das Verleihen von "heiligen Fahnen". Der Brauch, "heilige Fahnen" als psychisches Kampfmittel einzusetzen, setzt sich jedoch auch bei der Rom-Kirche durch (S.40).

1063/1064
Rom: "heilige Fahne" gegen Muslime
Der Papst verleiht dem normannischen Legaten zum Spanienkreuzzug gegen die Muslime in Barbastro eine "heilige Fahne" (S.40).

1064
Spanien: Kampf um die Festung Barbastro und Christlicher Sieg
mit Vernichtung der gesamten Bevölkerung (S.37).


Beginn des Minnesangs in der Provence durch christlich-arabischen Kulturaustausch
Der siegreiche Herzog Guillaume IX. von Aquitanien deportiert 100 gefangene arabische Tänzerinnen und Sängerinnen an seinen Sitz nach La Garde-Freinet in der Provence (S.139).

La Garde-Freinet wird erstes kulturelles Austauschzentrum für arabische Minnedichtung und arabische Volks- und Spottlieder. Wortbildung des Troubadour von arab. tarrab/tarraba, dt. singen, musizieren (S.139).

Die provençalische Mode schreibt ein Spiel mit den Gefühlen in der Gesellschaft vor, was im Deutschen Reich nicht gut ankommt. Die Frau, die mit Gefühlen spielt, wird als kalte Herrin und als grausam empfunden (S.143). Ritter Hartmann von der Aue lehnt zum Beispiel am Ende jeglichen Minnedienst ab (S.144).

ab 1064
"Kreuzzüge"
Kämpfe von Christen gegen muslimische Heere werden offen als "Kreuzzüge" ausgetragen, zum Teil unter päpstlicher Leitung (S.31). Es handelt sich damit um das "Reformpapsttum", das den "heiligen Kampf" befürwortet (S.41).

1066
Normannen besetzen mit Bogenschützen England
Mit einer erneuten "heiligen Fahne" des Papstes ausgerüstet können die Normannen unter Wilhelm von der Normandie (S.40) mit arabischer Heerestechnik mit Bogenschützen England besetzen. Die Bogenschützen sind im 1090 gestickten Teppich von Bayeux nachweisbar. Er zeigt normannische gegen angelsächsische Soldaten in spitzem Helm, Kettenpanzerung und mit Bogenschützenkontingenten (S.129).

1075
Rom: der erste Märtyrer Erlembald
Erlembald tritt an die Spitze der kirchlichen Reformbewegung, fällt [in Spanien?] im Kampf gegen "Ungläubige" und wird der erste Märtyrer: Als erster Ritter wird er ein "Heiliger" der Reformkirche (S.41).

1080 ca.
Rom: Papst Gregor VII.: Zensurregime und Planung der Besetzung Konstantinopels
Papst Gregor VII. verkündet die "Alleingöttlichkeit" der geistlichen Macht der Kirche mit der Behauptung, dass alles Irdische, alles Weltliche, ein Nichts sei, darunter auch der germanische König.

Folge-Entwicklung:

->> die Kirche bricht alle Treueeide gegenüber der weltlichen Obrigkeit
->> die Kirche behauptet, sie sei die alleinige Führung der Christenheit
->> der "Heilige Vater" nimmt den schwachen französischen Königen und Lehensherren die Schutzaufgabe ab und überträgt sie den Rittern, die in Cluny zum "milites Christi" geschlagen werden (S.50).

Papst Gregor VII. zwingt Kaiser Heinrich IV. "in die Knie" und strebt nach der Besetzung von Ostrom mit dem vorgeschobenen Grund, die Bedrohung vor den Seldschuken abzuwenden [Sultanat von Ikonion/Rum, 1080] (S.50).

1085
Spanien: christliches Heer unter König Alphons
König Alphons zieht mit einem mit französischen und anderen europäischen Kriegertruppen vereinten Christenheer gegen das muslimische Sevilla (S.35-36).

1086
Spanien-Afrika: Muslimischer Sieg bei Sallaka
Die Almoraviden-Ritterkrieger helfen dem König von Sevilla al-Motamid und greifen im Kampf gegen die Heere von König Alphons VI. ein (S.35-36).

1087
Rom:  "heilige Fahne" gegen Ifriqiya
Der Papst verleiht dem Kreuzzugsheer  gegen Ifriqiya eine "heilige Fahne" (S.40).


1090
Spanien: Schlacht bei Feste Aledo
zwischen christlichen und muslimischen Heeren endet unentschieden (S.36).

ab 1092
Byzanz/Konstantinopel kann alle Gegner abwehren
und rüstet gegen die Seldschuken auf mit Verhetzung zum Massenmord an den "Heiden"
In der Folge plant Franken-Papst Urban II. einen "Kreuzzug" zur "Unterstützung" von Byzanz (S.50).

27.11. 1095
Papst Urban II.: Christen als "auserwähltes Volk"

Synode zu Clermont, Papst Urban II.: Aufruf zum "Kreuzzug gegen das gemeine Gezücht" bei Ablass und ewigem Leben - deutscher Widerstand
Gemeint sind Türken und Araber, mit dem Versprechen an die zukünftigen Kreuzritter, dass sie für ihren Kampf die Vergebung "ihrer Sünden" bekämen:

"Wenn diejenigen, die dort hinunterziehen, ihr Leben verlieren auf der Fahrt, zu Lande oder zu Wasser oder in der Schlacht gegen die Heiden, so werden ihnen in jener Stunde ihre Sünden vergeben werden, das  gewähre ich nach der Macht Gottes, die mir verliehen wurde. - Mögen die, die sonst Söldlinge waren um schnöden Lohn, jetzt die ewige Belohnung gewinnen!" (S.38)

Urban II. ruft zum "heiligen Krieg" auf

-- ist eine für die Kirche revolutionäre Verbindung zwischen "himmlischem" und "weltlichem" Kriegsdienst
-- die Ritter nehmen zum ersten Mal das Kreuz (S.38)

Urban II. folgt damit der byzantinischen Kirche (S.39).

In der Proklamation vor Frankreichs Adel und Ritterschaft

-- verspricht Urban II. Befreiung von den Sünden

-- verspricht Urban II. ewigen Lohn für die Befreiung der "heiligen Stätten", die unter dem Joch des böswilligen Ungläubigen stehen, obwohl es nicht stimmt

-- verhetzt Urban II. seine Zuhörer zum Massenmord an den "Heiden"

->> Byzanz und Konstantinopel hetzen gleichzeitig gegen den Islam (S.50).

Behauptung der Kirche, der Kampf gegen die Muslime sei ein Gottesgericht im Streit um das "heilige Land" (S.119). Papst Urban II. bezeichnet die Christen als "auserwähltes Volk" und ruft die die französischen Barone zum "Kreuzzug" auf (S.28).

Entstehen eines Glaubensfanatismus in Frankreich und England. Die Hetze fällt im Deutschen Reich aber auf keinen fruchtbaren Boden, die Propaganda von Clermont wird abgelehnt (S.51). Durch die "Kreuzzüge" wird der islamische Einfluss auf Europa mit dem eintretenden Handel noch grösser und die Kirche verliert noch mehr an Macht (S.29).

ab 27.11.1095
Frankreich: "Glaubensenthusiasmus"
In Frankreich verbreitet sich ein noch nie dagewesener "Glaubensenthusiasmus". Der "Heilige Georg" wird mit einem heiligen weissen Pferd und einer heiligen weissen Fahne zum Vorbild propagiert (S.38). Der "Heilige Georg" wird zum Pendant des kämpferischen Propheten Muhammad in der Rüstung des heiligen Jakob von Compostela (S.39).

Deutsches Reich verweigert die Kreuzzüge
Das Deutsche Reich macht nicht mit, auch weil in Clermont der deutsche Kaiser in seiner Autorität angegriffen wurde.

Das Deutsche Reich betreibt die Mission östlich von Elbe und Weichsel, die Besiedlung und Kultivierung und ist mit Arbeit völlig ausgelastet. Es schliessen sich nur kleine Gruppen deutscher Pilger oder Kreuzfahrer an.
Frankreich reagiert "übel" auf die deutsche Passivität und fühlt sich als Bannerträger Christi, als Vorhut und Führer der gesamten "Christenheit" (S.52).

Kirchliches Feindbild gegen die Muslime
-- seien "unkeusche Teufel"
-- seien "wüste Götzenanbeter", die ihren Abgott Christen opfern (S.83)
-- bezeichnen Muslime als "gemeines Gezücht" (S.84).

Gleichzeitig verflucht die arabische Welt die Christen mit dem Spruch: "Allah verdamme ihn!" (S.84)

1096-1099
Erste Kreuzzüge zur "Rettung des heiligen Land"
Die englischen und französischen Kreuzzugsheere, die durch deutsches Gebiet ziehen, werden als "Narretei" bezeichnet, die Kreuzfahrer ausgelacht (S.52). Normannen unterstützen den Kreuzzug (S.41).

Die "Kreuzfahrer"

-- müssen jahrelange Märsche durch Europa und Kleinasien auf sich nehmen und zum Teil unverhoffte Widerstände überwinden

-- müssen Entbehrungen, Hunger, Hitze, Strapazen auf sich nehmen, die den Fanatismus gegen den Islam zusätzlich steigern, so dass es zu unglaublichen Bluttaten kommt, die in der islamischen Welt bis heute nicht vergessen sind (S.51).

ab 1096
Kreuzzüge sind Autoritätsorgien der Kirche gegen den deutschen Kaiser gerichtet
Der Papst benutzt die Kreuzzüge, um die Autorität des deutschen Kaisers zu untergraben und die Autarkie des Deutschen Reiches gegenüber Rom zu zerstören (S.56-57).

Palästina: Kreuzfahrer stürzen sich auf Zuckerrohrplantagen - Horizonterweiterung
Die "Christen" stürzen sich auf das Zuckerrohr, weil sie auf ihren langen Märschen in der Hitze fast verdursten. Sie nennen den Zuckersaft "wilden Honig" (S.112). Ritterfahrten in den Orient sind wie eine Horizonterweiterung, ist eine Befreiung von der Eingeengtheit und den dauernden Sündpredigten (S.120).

1096-1098
Erste Konfrontation zwischen europäischen und arabischen Taktiken: "Pfeilregen"
Die arabischen Bogenschützen auf Pferden kämpfen in dichten Rudeln und schiessen aus bis zu 80m Entfernung und treffen Reiter und Pferd (S.127).

In der Folge können die europäischen Reiter ihre Nahkampfwaffen Speer, Schwert und Schild kaum einsetzen. Wilhelm von Tyrus schildert "Pfeile wie Wolken von Heuschrecken", die Kreuzritterpferde fallen reihenweise. Die Kreuzritter versuchen, die Distanz durch schnellen Ritt zu überwinden, die Muslime flüchten schnell und sammeln sich aus Distanz für einen neuen "Pfeilregen" (S.127). Die europäischen weitmaschigen Panzerhemden schützen kaum (S.128).

Arabische Musikkorps vor den Truppen - Kopie in Europa
Es ist arabischer Brauch, dass den arabischen Truppen Musikkorps vorausreiten, mit Fanfaren, Posaunen, Zymbeln, Trompeten, Querflöten, Pfeifen, Trommeln, Pauken, auf Kamelen, oft von Frauen oder Knaben gespielt (S.132).

Der Eindruck soll den Gegner überwältigen, vor allem die Wucht und Unheimlichkeit der Pauken (S.132) und der Schlachtruf Allahu akbar/"Gott ist der Grösste". Das christliche Heer aber lässt sich nicht verwirren (S.133).

1098 ca.

Christliche Besetzung von Antiochia
mit erbarmungslosem christlichem Massaker an der muslimischen Bevölkerung (S.64).

ab 1098
Europäer kopieren arabischen Festungsbau

Kreuzzüge: Bau christlicher Burgen auf arabischen Burgruinen

Die Kreuzfahrer müssen sich von Burg zu Burg durchkämpfen, erben zum Teil arabische Burgruinen, auf die sie christliche Burgen bauen. An den ausgebauten arabischen Burgen bleiben die Christenheere hängen, denn 3-5m dicke Mauern, breite Festungsgänge und zwei breite und tiefe Gräben sind kaum überwindbar, werden gleichsam zum Vorbild für die christlichen Burgen in Palästina und Europa (S.123).

Christlicher Burgenbau ist arabische Kopie
Die Franken stellen arabische Baumeister an, um die arabischen Burgen für die Christen neu zu errichten, frei nach dem Kreuzfahrersprichwort: "Eine zerstörte Burg ist schon halb erbaut", so z.B.
-- die Burg des Johanniterordens: Margat
-- die Burg des Chevaliers, die ehemalige arabische Burg Kalat el-Husn (S.123).

Die Kreuzfahrer erlernen das System der Doppelbefestigung mit dem durch zwei Mauerzüge gebildeten Zwinger zum Schutz gegen Belagerungsmaschinen und Unterminierungen sowie neue Belagerungstechniken (S.123), v.a. diejenigen Kreuzfahrer, die von Byzanz aus Burg für Burg in Palästina und Syrien erobern müssen. Mit diesen Erfahrungen können die Teilnehmer dann in Europa die arabischen Burgbauten einführen:

-- Zinnen, die wie ein laufendes Ornament bei Burgen und Stadtmauern angebracht werden, die in ganz Europa zum beliebten Wappenmotiv werden
-- Vierecksburgen, die ein neues Verteidigungskonzept nach Deutschland bringen gegenüber der alten Ringburg mit dem Bergfried in der Mitte (S.124)
-- Pech- und Ölspalte über dem Eingangstor, in Pechnasen in Europa eingeführt
-- Fallgitter am Tor
-- oft: verschobene Toreingänge wie in Djerba/Dscherba (S.125)

15.7.1099
Christliche Besetzung von Jerusalem
mit erbarmungslosem christlichem Massaker an der muslimischen Bevölkerung (S.64). Das französisch- englisch-christliche Massaker in Jerusalem ist u.a. geschildert von Dichter Mosaffer Allah Werdis, der zum gihad/Dschihad aufruft (S.51).

Anfang 12. Jh.
Französisch-christliche Geschichtsschreibung: Frankreich als Retter vor dem Islam
Behauptung von Guibert von Nogent, Frankreich habe die Welt vor dem Islam gerettet, während Deutschland sich nicht beteiligt habe (S.52).

"Rolandslied" in Nordfrankreich
beschreibt den Kampf der Nachhut Karls "des Grossen" von 778 mit den Basken als christliches "Heldenepos" gegen die Muslime (S.87).

Frankreich: plumpe, hetzerische Spielmannsepen gegen den Islam
schablonenhaft, mit "edlen Rittern" und "bösen Heiden", um die "Kreuzzugsbegeisterung" immer wieder neu zu schüren (S.87).

ab 1100
Europa: Kirchenherrschaft in Frankreich - Kaiserherrschaft in Deutschland
Die Kreuzzüge schaffen einschneidende Schicksalserlebnisse.

Die Kirche kann in Frankreich dadurch die Staatsgewalt des schwachen Königtums und der schwachen Territorialherren übernehmen (S.36-37).

In Deutschland werden König und Kaisertum stärker und verpflichten die Ritter zum Schutz und zur Verteidigung des "heiligen römischen Reiches deutscher Nation". Die Konkurrenz von französischer Kirchenherrschaft und deutscher Kaiserherrschaft schafft innerhalb der Kreuzzüge viele Ungereimtheiten und Unstimmigkeiten (S.37).

Levante: Gründung des Königreich Jerusalem
Ein Teil der französischen und normannischen Barone bleibt mit einem Stamm von Rittern im Land und gründet das Königreich Jerusalem sowie weitere Fürstentümer (S.41).

Gründung der Ritterorden im "heiligen Land" und in Europa - "Tempelritter"
Die Ritterorden sind das Nachbild der osmanischen Murabitun-Orden und der Almoraviden-Krieger in Spanien (S.41). Gründung des Ordens der Tempelritter mit Sitz im Palastbezirk Jerusalems auf dem Boden des Tempels Salomos, auf dem die al-Aksa-Moschee gestanden hatte (S.43).

Die Sultane unterstützen weiter christliche Hospitäler mit Geldzuschüssen, trotz aller Kreuzzüge und christlichen Hetze (S.86).

12. Jh.
Kulturaustausch: Europa kopiert alles

Arabische Lebensweisen im "christlichen" Palästina

Aber auch Bernhard von Clairvaux kann nicht verhindern, dass sich im Königreich Jerusalem arabische Lebensgewohnheiten auch bei den Christen durchsetzen (S.98):

-- Kaftanmode im Königreich Jerusalem
-- Turbanmode, Seidengewänder
-- Sitzen auf Kissen, Polstern und Teppichen auf dem Boden
-- Zubereitung von Speisen auf arabische Art

-- Fanfaren mit Trompeten statt Hörnern
-- König Balduin von Jerusalem lässt sich einen Vollbart wachsen
-- Mantelmode bei christlichen Ordensrittern

-- die Christen, die in Europa arm waren, werden plötzlich zu Hausbesitzern und herrschen über Bauernfamilien, Palästina wird zur Chance zum Aufstieg und sie wollen nicht mehr nach Europa zurück

-- die Christen in Palästina gehen Mischehen mit christlichen Araberinnen ein (S.99)
-- die Christen in Palästina lernen, gleichzeitig mit vielen Sprachen umzugehen, Entwicklung von Vielsprachigkeit (S.100)

Neuankömmlinge in Palästina aus Europa sind zuerst völlig verwirrt und stellen bei den assimilierten Christen eine "seltsame Vertrautheit mit der arabischen Bevölkerung" fest (S.99).

Europa kopiert arabische "Ritterspiele"
Französische und deutsche Ritter übernehmen den arabischen Scheinkampf auf dem Pferd "buhurt" der Reiterscharen, sowie das Lanzenstechen der Einzelkämpfer mit stumpfen oder auch mit scharfen Waffen, das Dutzende von Toten fordern kann (S.133).

Deutsches Reich: Beginn des Burgenbaus aus Stein
(S.121) mit steinernen Wachttürmen neben den noch hölzernen Wohnbauten (S.122).

Christliche Kreuzzugsheere kopieren arabisches Sonnenschutzsystem für das Heer und die Kriegsmusik
-- das "Gambesson", ein ärmelloses Wams über der Rüstung
-- den arabischen "Kufijah", ein Schleiertuch über dem Helm
-- leichte Decken für die Pferde, so dass nur noch die Augen frei bleiben (S.130).


Der ahnungslose Hetzer Abt Bernhard von Clairvaux verhöhnte den Pferdeschutz als "Dirnenkleid". Zusätzlich werden Hemd und Pferdedecke mit Wappen bestickt, damit die Ritter noch zuzuordnen sind. Der Wappenkult gelangt so auch nach Europa, mit den traditionellen arabischen Wappentieren: Löwe, Greife, Adler und Doppeladler (S.130).

Die christlichen Heerführer übernehmen das arabische Musikritual mitsamt den Trompetensignalen, Tamburschlägen, Pauken- und Trommelwirbeln und Fahnensignalen (S.133).

ab 1100
Italienische Seefahrer sind die Gewinner der Kreuzzüge
verdienen am Transport der Heere
machen Wechsel- und Darlehensgeschäfte mit den Kreuzfahrern und Pilgern (S.116) und transportieren auf dem Rückweg arabische Waren (S.117).

12. Jh./ab 1100
Kulturaustausch: Weitere arabischer Einfluss in Europa

Erste arabische Glashütte in Europa

Arabische Glaskünstler aus Syrien und Mesopotamien eröffnen in Venedig eine neue Werkstatt und hüten in Europa bis ins 17. Jh. das Monopol des Glasbläserverfahrens und der Glasspiegelproduktion (S.114).

Verbreitung der Instrumente der arabischen Feldmusik in ganz Europa
Schlaginstrumente und Blasinstrumente, sowie daneben auch das Hackbrett (S.162).

Wandel in der europäischen Musik: starre Kirchenchoräle werden "belebt"
Die arabische Musik wandelt die in Europa bisher herrschende gleichmässige kirchliche Choralmusik in zum Teil sehr bewegte Gesänge ab. Es entwickelt sich dadurch ein neues Kunstempfinden in Europa, z.B. bei Franco von Köln und seiner Schule, der für seinen cantus mensurabilis arabische Zeichen verwendet, die er mit Namen arabischen Ursprungs benennt (S.161).

Anfang 12. Jh.
Seldschukensultane übernehmen den arabischen Doppeladler in ihre Wappen
(S.130)

1126
Jerusalem-Cluny: Antrag auf päpstliche Bewilligung des ersten Ritterordens
durch die zwei "Tempelritter" aus Jerusalem, Andreas von Montberry und Gundemar. Sie gehen nach Frankreich zu Abt Bernhard von Clairvaux, dem "geistigen Führer" (dem Volksverhetzer) und "ungekrönten, heimlichen Papst der (französischen) Christenheit", wobei Andreas Bernhards Onkel ist. Andreas und Gundemar überreichen Bernhard ein Empfehlungsschreiben des Königs von Jerusalem (S.41) mit der Bitte, für Andreas, Gundemar und einen Kreis von Rittern Jerusalems eine Bestätigung des Papstes als Orden zu erwirken, sie mit einer päpstlichen Ordensordnung abzusichern (S.41-42) und die Erlaubnis zum "heiligen Krieg" zu erteilen.

Abt Bernhard von Clairvaux lässt Andreas von Monberry und Gundemar warten (S.42).

1127
Jerusalem-Cluny: Ordenslegalisierung vorerst abgelehnt
Der Gründer und "Meister" des Ritterbundes, Hugo von Payens in der Provence, geht mit fünf seiner Leute zu Abt Bernhard von Clairvaux und beantragt eine eigene Ordensgründung.
Bernhard hält die Einrichtung von Laienorden aber für bedenklich:

-- Laienorden werden vom Papst nicht gebilligt werden, denn dies sei revolutionär
-- Laienorden seien "gefährlich" und Niederlagen seien gegen die geschulten arabischen Ritter vorprogrammiert (S.42).

1128-1130
Spanien-Frankreich: Werbung für den Tempelritterorden durch Hugo von Payens
der für seinen Orden wirbt, nimmt auch Verbrecher auf, denen er Vergebung ihrer Sünden im Kampf gegen die "Heiden" verspricht. In deutschen Gebieten hat er mit seiner Hetze keinen Erfolg (S.43).

1130
Rom: Ordensregel der Kirche und Entwicklung der Orden als getrennter Machtfaktor
Ordensregel vom Papst herausgegeben und vom Konzil von Troyes korrigiert (S.42-43) mit Billigung des Papstes Honorius II. (S.43)

Gebote für die Tempelritter:
-- Gebot der Armut
-- Gebot der Keuschheit
-- Gebot des Gehorsams
allesamt verwandt mit arabischen Rittereigenschaften (S.43).

-- Pilger soll bewaffneter Geleitschutz zu den "heiligen Stätten" gegeben werden
-- Verteidigung wichtiger militärischer Strassen und Schlüsselstellungen
-- Verteidigung des jungen Königreichs Jerusalem
-- Verstärkung des christlichen Heeres bilden und eintreffende Kreuzfahrerheere unterstützen
-- zur Aufnahme von Ordensrittern werden keine Bedingungen gestellt (S.43).

In der Folge entwickelt sich
-- eine Intoleranz bis zum Hass,
-- schonungslose, unnachsichtige Härte gegen die Muslime

-- auch interne Kämpfe gegen die Könige von Jerusalem, von Frankreich, und gegen den deutschen Kaiser

-- das Gelübde der Armut wird nur auf den Einzelnen, nicht aber auf den Orden selbst bezogen, so dass der Orden selbst Kapital horten darf

-- die Orden geniessen in der Folge päpstliche Privilegien, werden mit Schenkungen überhäuft und sind gierig auf Erbschaften (S.48).

1133/1134
Palermo: Roger II. - Seidenweberdeportation und Gründung der sizilianischen Seidenweberei
Graf Roger II. wird zum "König und Herrscher beider Sizilien" gekrönt und lässt byzantinische Seidenweber gefangennehmen, nach Sizilien deportieren und gründet so auf Sizilien in Palermo die beste Stickerei und Weberei der Welt, die die kaiserlichen Röcke des deutschen Kaiserhauses herstellt.

Herstellung des "Dalmatica"-Untergewandes für Roger II., des Alba-Obergewandes (S.106) für den Enkel Rogers II., Wilhelm II., aus hellem Taft (S.107).

1135 od. 1170
Frankreich: "Rolandslied" als Hetzgedicht
wird von Pfaffe Konrad in Reimpaare übertragen in hetzerischer Form gegen die "verderbte" und "verfluchte" Heidenschaft (S.87).

ab 1140
Deutsches Reich: Besetzung von "Ostgebieten"
 Unter Heinrich "dem Löwen" werden weite Gebiete östlich der Elbe und Mecklenburg dem Deutschen Reich "eingegliedert" (S.54).

1145 ca.
Frankreich: Kreuzzugspredigt von Bernhard von Clairvaux in Vézelay in Burgund
predigt "Vernichtung oder Bekehrung" gegen die Muslime (S.57 ), entfacht eine Kreuzzugsbegeisterung, einen "fressenden Brand" (S.52).

1146
Erfolglose Kreuzzugspredigten von Bernhard von Clairvaux im Deutschen Reich - Werbung für den Templerorden
(für die Rückeroberung des muslimisch besetzten Edessa) die ohne Erfolg verhallen. Es kommt keine Kreuzzugsbegeisterung zustande (S.52).

Konrad III. verweigert jede Beteiligung an den Kreuzzügen, lässt sich von den Beschwörungsreden von Bernhard von Clairvaux nicht erweichen (S.53). Abt und Kreuzzugshetzer Bernhard von Clairvaux preist 1146 in einem Brief an die Bischöfe von Köln und Speyer die Erfindung des Templerordens in Jerusalem als "eine besonders segensreiche Erfindung des Herrn, durch die auch Mörder, Räuber, Ehebrecher, Meineidige und viele andere Verbrecher eine Gelegenheit zum "Heil" finden könnten und schildert den deutschen Bischöfen von Köln und Speyer die geforderten Eigenschaften:

-- Kleiderzwang
-- Gehorsamszwang
-- Leben ohne Frauen und ohne Kinder (S.43)
-- alle Tempelritter müssen im gleichen Haus leben
-- Spiel- und Lachverbot, Jagdverbot und Falkenzuchtsverbot
-- Witzverbot
-- Haarschneidezwang

-- es wird nur selten gebadet, die Tempelritter müssen ein schmutziges und behaartes Leben führen
vermutlich als Gegensatz zu den Muslimen, die sich fünf Mal täglich rituell waschen müssen (S.44).

In der Folge wird der Ordensritter der Idealtyp des Kreuzritters und auch Johanniter und Deutschritterorden sind später Nachahmungen davon (S.44).

Die Beschreibung der Orden ist ein Negativabdruck der Kultur im arabischen Rittertum, wo auf Kleidung, auf Körperpflege und auf friedlichen Zeitvertreib grossen Wert gelegt wird (S.97).

Konrad III. bereitet einen eigenen Kreuzzug vor
In der Folge ist der Papst dagegen, weil Frankreich unter Ludwig VII. die Kreuzzüge allein führen soll und der deutsche König mit seinen Truppen für den Papst in Italien zur Verfügung stehen sollte. Neue Kreuzzugshetzer bereisen das Deutsche Reich und erzeugen einen Wahn. Manche Annalenschreiber ahnen das Verderben bereits voraus (S.53).

ab 1147
3 Kreuzzüge unter Leitung der deutschen Stauferkönige mit politischen Motiven und Zielen ohne Kampf gegen "Ungläubige"
-- Stärkung des Reichs als Grossmacht gegen das feindliche Papstreich, um dem Sohn, König Heinrich VI. der "beiden Sizilien", das Reich zu sichern

-- Bestätigung des Königtums in Zypern und Armenien, die bei Friedrich I. um Oberlehenshoheit nachgesucht hatten

-- Präsentation der allgemeinen Macht gegenüber Byzanz (S.57).

1147-1149
Kreuzzug unter Konrad III. - deutsche Diplomatie mit Sultan Saladin
aus deutschen Heeren aus Mittel- und Süddeutschland unter Konrad III. durch das byzantinische Reich marschieren müssen

-- mit erheblichem Teil Frauen, Pilger und Mitläufer
-- mit Überschwemmungskatastrophen
-- mit Angriffen der Seldschuken, "vernichtenden Pfeilregen" (S.54).

Das Heer wird zum grossen Teil schon vor der "Feindberührung" vernichtet. Ein grosser Teil von Konrads Kreuzzugsheer kehrt schon in Byzanz auf den Heimweg zurück, der Rest versucht über Land oder mit Konrad III. auf dem Schiff das "Heilige Land" zu erreichen (S.54).

Heinrich VI., König der "beiden Sizilien", ruft zur Heerfahrt nach Palästina auf, ohne zum Kampf gegen die "Ungläubigen" zu hetzen (S.57-58), was den Papst aufs Äusserste reizt, dabei führt Friedrich I. Barbarossa seit langem einen freundschaftlichen Briefwechsel mit Sultan Saladin (S.58).

Sommer 1148
Christliche Belagerung von Damaskus ohne Erfolg
Die Belagerung unter Beteiligung von Konrad III. dauert nur drei Tage. Sie muss wegen nationalen Differenzen unter den Christenheeren und Verrat aufgegeben werden (S.54).

ab 1150 ca.
Päpstliche Kreuzzugssteuer wird gegen das Deutsche Reich verwendet
Der Papst verwendet die erhobenen Kreuzzugssteuern zum Teil gegen das Deutsche Reich.
Stauferkaiser Friedrich I. muss reagieren und organisiert selber einen Kreuzzug, um den Papst politische zu neutralisieren. In der Folge fängt der Papst an, aufs Äusserste gegen Friedrich II. zu intrigieren (S.57).

Der arabische Warenstrom nach Europa - neues Lebensgefühl
Insgesamt ergiesst sich ein Strom neuer Erzeugnisse aus Arabien über die italienischen Umschlagplätze Venedig und Pavia über die Alpenpässe nach Deutschland (S.115).

Es  entsteht ein arabisches Lebensgefühl in Europa (S.118).

ab 1150 ca.
Arabischer Einfluss in Europa
Die Zurückgekehrten beginnen, die arabische Lebensweise in Europa zu verbreiten (S.97f.).

Die Rom-Kirche verdammt den arabischen Einfluss
In kirchlichen Augen Roms, Byzanz' und Frankreichs ist dies eine "Verführung der christlichen Seele durch sündhafte Gelüste der Ungläubigen". Bernhard von Clairvaux bezeichnet arabischen Lebensstil als Sünde, vergleicht den arabischen Pferdeschmuck mit einem Dirnenkleid, vergleicht die arabischen Ritter mit langhaarigen Frauen, die nichts taugen würden:

<Ihr ziert eure Pferde mit seidenen Schabracken, ihr bedeckt eure Rüstungen mit wallenden Überwürfen. Eure Lanzen sind bemalt, eure Schilde und Sättel ebenfalls. Ihr schmückt eure Zügel und Sporen mit Gold, Silber und Edelsteinen; und so herausgeputzt, von blinder Wut und törichter Keckheit geleitet, zieht ihr in die Schlacht. Ist dieser prunkvolle Aufzug eines Ritters würdig oder würde er nicht besser zu einer Dirne passen? Denkt ihr wirklich, das Schwert des Feindes nähme Rücksicht auf Gold und Edelsteine und würde die seidenen Gewänder nicht durchdringen?

Ich habe aus Erfahrung gelernt, dass einem Krieger drei Dinge not tun: Er soll tapfer sein und stets kampfbereit. Ihr dagegen lasst euer Haar lang wie die Weiber wachsen, so dass es euch die Sicht nimmt; ihr beengt durch lange, weite Gewänder eure Bewegungsfreiheit und versteckt eure feinen, zarten Hände in überweiten Ärmeln, die lose um euch herumhängen.> (S.100)

Gewürze, Farben, Stoffe
Weitere arabische Einflüsse, die von Christen nach Europa weitergegeben werden:
-- imponierende, zinnenbekrönte Burgen und Städte
-- "überschwänglich" geschmückte Kirchen, die durch Stiftungen gefördert sind
-- goldglänzende Moscheen
-- Gewürzdüfte, Basare
-- Gaukler, Komödianten
-- Möbel: Sofa, Matratze, Alkove [Schlafnische] (S.100)

-- Farbtöne: Karmin, Karmesin, Scharlach, Lila, Azurblau, Saphir, Safran, angewandt vor allem in der Seidenindustrie Syriens

-- Stoffe:
oo  Damast aus Damaskus, Taft, Atlas, Satin, Moiré, Pfellel, Siglat [schwerer Seidenstoff], Baldachin aus Baldachseide aus Baldac/Bagdad, erwähnt in Eschenbachs Parzifal (S.101)
oo  Kamelot-Stoff
oo  Macheier-Stoff, Mohair-Stoff aus Kamel- und Ziegenhaar
oo  Barchent-Stoff, Bucherant-/Bukeram-Stoff aus Buchara, erwähnt in den ländlichen Liedern des Neidhardt von Reuenthal
oo  Bombasin-Stoff aus Baumwolle
oo  Kattun-Stoff aus feiner Baumwolle, qatn
oo  Musseline-Stoff aus Mossul (S.102).

Beginn einer europäischen Stoffproduktion - Fugger in Augsburg
Die europäischen Hausfrauen begehren die arabischen Stoffe, vor allem den Barchent-Stoff aus Buchara. Zwei Brüder in Graben bei Augsburg beginnen, Baumwolleinfuhr aus Zypern und Syrien nach Augsburg zu organisieren und eine eigene Stoffproduktion mit eigenen Webereien aufzubauen, wodurch das erste Kapital für das spätere Handelshaus entsteht, basierend auf dem Handel mit arabischen Baumwollballen und Pfeffersäcken (S.103).

Früchte und Blumen aus dem Orient in Europa
-- Aprikose, Orange, Banane, Bergamottbirne, Limone (mit "Limonade"), Zwetschge, Pfirsich, Rhabarber, Feige, Quitte, Tamarinde, Pampelmuse, Pomeranze

-- Blumen aus dem Orient: Flieder, Jasmin, Kamelie, Forsythie, Rosen, Hyazinthe, Lilie, Wasserrose, Kastanie (S.113).

Technik aus dem Orient: die Weiterentwicklung der griechischen Wissenschaften
Wassermühlen, Windmühlen, Uhrenbau, Kompass, Papierherstellung, Metallverarbeitung, Lederherstellung, Glasfabrikation, Keramikherstellung und -verarbeitung (S.113), darunter Emaille, bei der Lederherstellung profilieren sich Corduan- [aus Córdoba] und Maroquinleder [aus Marokko] (S.114).

Allgemein haben die arabischen Wissenschaften die griechischen Techniken übernommen und wissenschaftlich umgesetzt (S.167). Europäer beginnen, die arabischen Techniken zu erlernen und eigene Fabrikationen aufzubauen (S.113).

1170 ca.-1220 ca.
Wolfram von Eschenbach als Vertreter der deutschen Toleranz - deutsch-arabische Heiraten - Wut der Kirche auf ritterliche Toleranz
Toleranzappell: alle sind "gotes handgetât", göttlichen Ursprungs, egal, ob Christ oder Muslim.

Das deutsche Rittertum
-- predigt Toleranz und Gleichwertigkeit im Kampf
-- schafft die Gestalt des "edlen Heiden"
-- auch Heiraten zwischen den Religionen sind möglich (S.88).

In den Augen der Kirche sind dies ketzerische, revolutionäre Ansichten und Taten gegen das Feindbild der römischen wie der byzantinisch-orthodoxen Kirche (S.88).

Beispiele interreligiöser Verbindungen:
-- ein Ritter von Gibeil heiratet die Tochter des Sultans von Aleppo
-- der Sultan von Iconium heiratet eine österreichische Markgräfin Ida (S.88).

Eschenbach lässt im Parzifal den Parzifal gegen Feirefiz kämpfen, der eine dunkle arabische Königin Zazamanc als Mutter hat, und der - wie sich herausstellt - Parzifals Halbbruder ist (S.88f.).

Die deutsche und die arabische Ritterlichkeit zeigt sich beim Parzifal, als dessen Schwerz zerbricht und Feirefitz sein Schwert fortwirft und sich zu erkennen gibt (S.89). Der Halbaraber sichert Parzifal das Überleben. Es ist für Rom, Byzanz und Frankreich ein "ungeheuerlicher" Vorgang.

In Eschenbachs "Willehalm" führt ein Araber in Aachen die fliehenden Reichsritter gegen seinen eigenen arabischen Vater zum Sieg (S.90).

Arabisch inspirierte Minnedichtung
von Walther von der Vogelweide sowie die Sagendichtungen Parzival und Titurel von Wolfram von Eschenbach werden alle gesungen rezitiert und aufgeführt (S.160).

1170 ca.-1230 ca.
Walther von der Vogelweide: erwartet Gottes Urteil
Walther von der Vogelweide verkündet, Gott werde "zu Recht zwischen Christen, Juden und Heiden entscheiden", wessen Erbe das "heilige Land" sei (S.119).

Anfang 1172
Aufbruch zum Kreuzzug von Heinrich "dem Löwen"
Herzog von Sachsen und Bayern, auf private Initiative hin. Seine Motivation ist weder Glaubenseifer noch Feindbild, sondern Pilgerei. Er beklagt einige Verluste durch Klima und Krankheit (S.54).

Mitte 1172
Konstantinopel: Empfang des Kreuzzugs unter Heinrich "dem Löwen"
als einer der "ganz grossen Herren". In der Folge durchzieht der Kreuzzug das Königreich Jerusalem, besucht die "heiligen Stätten", stiftet reichlich, stiftet "ewige Lampen", Silberbeschläge und kostbaren Schmuck (S.54), stiftet den Templern und Johannitern Waffen und Geldgeschenke (S.55).

Ende 1172
Rückmarsch des Kreuzzugsheers unter Heinrich "dem Löwen" - Entlassung christlicher Gefangener
Die Gesandtschaft des Sultans von Konya stellt sich dem Zug von Heinrich "dem Löwen" in Tarsoso auf, um dem deutschen Zug durch Kilikien Begleitschutz zu geben.

Empfang beim Sultan von Konya:

-- der Sultan behauptet, seine Grossmutter sei eine Deutsche
-- der Sultan entlässt zu Ehren von Heinrich alle christlichen Gefangenen und lässt sie mit dem Zug Heinrichs nach Europa zurückkehren
-- der Sultan lässt Heinrich reich beschenken, u.a. mit Seidengewändern und zwei gezähmten Jagdleoparden (S.55).

Anfang 1173
Europa: Rückkehr von Heinrich "dem Löwen"
Er kommt mit einem grösseren Heer aus Palästina zurück, als es 1172 bei Abmarsch war (S.54),
[und stellt damit die ganze Kirchenhetzpolitik Frankreichs und Roms offiziell in Frage].

ab Anfang 1173
Deutsches Reich: Entstehen unwahrer Erzählungen über Heinrich "den Löwen"
Heinrich lässt in Braunschweig ein Löwendenkmal errichten. Das Volk rätselt darüber, so dass verschiedene Heinrich-Sagen in Form von Riterepen, Dichtungen, Volksliedern und sogar eine Oper entsteht, die Heinrich einen siegreichen Kampf gegen den Islam andichten. Heinrich soll eine Schlacht gewonnen, den Sultan am Leben gelassen und dafür einen zahmen Löwen geschenkt erhalten haben (S.56).

1173
Saladins Vorschlag einer Heiratsverbindung zwischen Sultanat und Deutschem Reich
Saladin schickt nach Aachen eine Abordnung zu Friedrich I. mit dem Vorschlag der Heirat des Saladin-Sohnes mit der Tochter von Friedrich I., wobei der Sohn christlich getauft werden soll (S.58).

ab 1180 ca.
Europa: neue Kleidermodelle aus dem arabischen Raum
-- Pantoffel/Babuschen
-- Gamaschen, benannt nach der nordafrikanischen Stadt Ghadames

-- Gazegewebe, arab. kazz, aus durchsichtiger Rohseide oder Baumwolle als Verbandsstoff
-- Schleier für Frauen in Luxusgesellschaften
-- Turbane für Männer, kann sich aber nicht durchsetzen
-- Mütze, arab. mustakah, vom arabischen Pelzmantel mit Kapuze
-- Kappe, von Kapuze

-- Kittel aus Kattun, arab. qatn, mit losen Ärmeln, die der Kirche ein Don im Auge sind (S.103), werden auch als "Moriskenmäntel" bezeichnet

-- Joppe, arab. gubba/dschubba, Jackett
-- Arabeske, streng geometrische Ornamentik in unendlicher Wiederholung mit unendlich vielen Mittelpunkten (S.104).

Deutsches Reich: arabische Segenssprüche in arabischer Schrift in deutsch-kirchlichen Reliquien und Ornamenten
in deutschen Büchern, Gläsern, auf Kirchenwänden, auf Hostienschalen, auf Abendmalskelchen, auf Kleidersäumen, auf Heiligenscheinen wie in Braunschweig, Siegburg, Sinzig, Köln, Trier, Mainz, Marburg und Salzburg (S.105).

1185?
Palästina: Raubzüge von Renaud de Châtillon: Plünderung von Mekka und Medina, Inhaftierung von Kamelkarawanen mit der Schwester Saladins
Der Französische Ritter Renaud de Châtillon bekommt durch eine Liebschaft mit der verwitweten Fürstin von Antiochia die Herrschaft über eines er Fürstentümer des Königreiches Jerusalem östlich des Jordan bis ans Rote Meer und herrscht auf der Wüstenfestung Krak von Moab (S.81).

Er bleibt Wegelagerer, wildert mit seiner Bande gegen Kamelkarawanen und Pilgerkarawanen aus Ägypten und Damaskus, bricht laufend Abmachungen mit den Arabern (S.81), weitet seine Raubzüge vom Hafen von Akaba aus aufs Rote Meer bis nach Aden aus (S.81-82), plündert sogar die "heiligen islamischen Stätten" Mekka und Medina (S.83) und überfällt eine Kamelkarawane, die er gefangen nimmt, darunter die Schwester Saladins (S.82).

In der Folge steigt der Zorn Saladins in Kairo aufs Höchste, verlangt von König Guido von Lusignan von Jerusalem ultimativ die Freigabe der Schwester und der Karawane bei gleichzeitiger Versicherung, am Waffenstillstand festzuhalten (S.82).

König Guido befiehlt Fürst Renaud die Freilassung der Karawande, Renaud aber verweigert die Freilassung, denn er selbst habe mit Saladin keinen Waffenstillstand geschlossen.

In der Folge wird der Raub der Karawane mit der Schwester Saladins der Anlass für den "Untergang Jerusalems" (S.82).

3.7.1187
Muslimischer Sieg bei Hittin - das "heilige Kreuz" fällt in arabische Hände - Saladin lässt Guido de Lusignan am Leben, Fürst Renaud wird geköpft
auf den Golan-Höhen, völlige Vernichtung der christlichen Heere und der Ordensritterheere, Massentod durch Verdursten und Hunger. Nur dem Grafen von Tripoli gelingt der Ausbruch.

Das Königreich Jerusalem fällt, das "Kreuz des Erlösers", das als christliches Feldzeichen in die Schlacht getragen wurde, fällt in muslimische Hände (S.82).

Saladin fordert alle Barone und Ritter in sein Zelt, die alle das Henkersgericht erwarten. Saladin aber gibt Guido de Lusignan zu trinken und gibt ihm somit symbolisch das Zeichen, dass er unter dem Schutz des Sultans stehe (S.82). Da gibt Guido de Lusignan den Trunk an Fürst Renaud weiter, was Saladin nicht erträgt. Er lässt den ewigen Verräter vors Zelt schleppen und köpft ihn eigenhändig (S.83).

Saladin lässt Guy de Lusignan am Leben und entlässt ihn auf sein Ehrenwort, keinen Krieg mehr gegen Saladin anzufangen (S.65). Guido de Lusignan aber bereitet eine Racheaktion wegen der Hinrichtung von Fürst Renaud vor. Für ihn ist die Abmachung mit Saladin nichtig (S.83).

 
Aug. 1187 ca.
Muslimische Besetzung von Jerusalem unter Saladin - Saladins Grossmut
Nach der Schlacht bei Hittin fällt Jerusalem in muslimische Hände. Saladin

-- gewährt den christlichen Bewohnern freien Abzug und bewaffnetes Geleit bis zur Grenze
-- den Begüterten gibt Saladin 40 Tage Zeit, ein Lösegeld aufzubringen
-- den Ärmeren gibt Saladin die Freiheit für wenig Geld

-- der Bruder Saladins regt an, 1000e der Christen ohne Zahlung freizulassen, worauf Saladin einwilligt und 15.000 ältere Menschen freilässt

-- Christen, die in Jerusalem sterben wollen, dürfen bleiben (S.64)
-- den grössten Feinden, dem römischen Patriarchen, der die Verteidigung Jerusalems leitete, und anderen Verteidigern, gibt Saladin die Freiheit (S.64-65).

Alle Freigelassenen bekommen bewaffnetes Geleit bis an die Grenze des fränkischen Gebietes, um sie vor fränkischen Räubergruppen zu schützen (!), die viele der Freigelassenen töten und plündern (S.65).

Sep 1187 ca.
Akkon: Sultan al-Aschraf gibt den Ritterorden zum Schutz seine Fahne
Templer und Deutsche Ritterorden ergeben sich den Heeren von Sultan al-Aschraf, nachdem Jerusalem bereits gefallen ist. Sultan al-Aschraf sendet den christlichen Ritterorden eine Fahne zum Schutz ihres Lebens, die sie auf ihrem Turm aufpflanzen. Banditen, die die Ordensunterkünfte berauben wollen, werden von Wachen getötet (S.132).

Ende 1187 ca.
Guido de Lusignan bricht den Waffenstillstand mit Saladin - Organisation der Belagerung von Akkon
Guido de Lusignan sammelt die Überbleibsel des Kreuzzugsheeres um sich, angestachelt von Rachegelüsten wegen der Köpfung des Fürsten Renaud (S.83).

Guy de Lusignan bedeutet der Vertrag mit Saladin nichts und organisiert die Belagerung von Akkon, woraufhin weitere Kreuzzugsheere nach Akkon strömen (S.65).

ab Ende 1187 ca.
Europa: Totaler Werbefeldzug in Europa für neue Kreuzzüge
um die totale Niederlage der Franken im "heiligen Land" zu verhindern. Rom wendet sich direkt an die Könige, Papst Clemens III. fordert Friedrich I. zum "heiligen Krieg" auf verspricht ihm Ablass seiner Sünden, "ewiges Leben" und Anhäufung "reicher Schätze" im "Himmel".

In der Folge lehnen die deutschen Könige die Kreuzzugshetze des Papstes wieder ab (S.58).

1188 ca.
Roms Kreuzzugspropaganda verfängt im Deutschen Reich nicht
Papst Clemens III. schickt einen päpstlichen Legaten, Kardinal Heinrich von Albano, an den Hof Friedrichs I., um ihn zum Kreuzzug zu überzeugen, was ihm aber nicht gelingt (S.58).

Hoftage in Strassburg
Dritter Versuch des päpstlichen Legaten, Kardinal Heinrich von Albano, Friedrich I. zum Kreuzzug zu überzeugen (S.58).

Reichstag zu Worms - deutsche Kreuzzüge gehen nach Osteuropa
Die norddeutschen Fürsten weigern sich, gegen die Heiden im Vorderen Orient ins Feld zu ziehen, denn der Kampf in Osteuropa gegen die dortigen "Heiden" sei ebenso verdienstvoll (S.53).

26.5.1188
Deutsches Reich: Friedrich I. bereitet in eigenem Interesse einen Kreuzzug vor
um sich gegenüber dem Papst zu profilieren:
-- alle Mitläufer sind ausgeschlossen
-- der Kreuzzug ist mit Rom nicht abgesprochen, was den Papst sehr verärgert
-- die 3000 Ritter im Heer dienen im Namen von Friedrich I. "in stetigem Aufblick zu ihrem Kaiser" und nicht im Namen der Kirche (S.58).

Friedrich I. sendet über den Boten Graf Heinrich von Dietz an Saladin die Kriegsbotschaft, kündet den Kampf an und bestimmt Zeit und Ort: 1.November 1189, Feld von Zoan, mit der Aufforderung, die muslimische Besetzung Jerusalems wieder rückgängig zu machen und die fränkischen Gefangenen freizulassen (S.59).

Juli 1188 ca.
Saladins Friedensangebot an Friedrich I.
"seinen wahren, grossen und erhabenen Freund, Friedrich, König von Deutschland":
-- Freilassung aller fränkischen Gefangenen
-- Zugang zum "heiligen Grab" und Duldung christlicher Gottesdienste in der Grabeskirche.
-- Bedingung: Die fränkischen Invasoren sollen alle besetzten Festungen Palästinas abgeben (S.59).

1188-1191
Beginn der Belagerung von Akkon - englischer, französischer und deutscher Nachschub als "3.Kreuzzug"
unter Guido von Lusignan, der sein Wort gegenüber Saladin, gegen ihn keinen Krieg mehr zu führen, bricht.
Die Belagerung wird laufend durch Normannen und Dänen unterstützt (S.60). Die weitmaschigen Panzerhemden der neuen europäischen Ritterheere sind durch Kettenpanzer und Filzschutz ersetzt, was vor den Pfeilen schützt (S.128).

1.11.1189
Barbarossa hält den Kriegstermin nicht ein
Der Kreuzzug von Friedrich I. Barbarossa bleibt in Byzanz hängen. Keine Einhaltung des Kriegstermins mit Saladin (S.59).

1190
Akkon: Christliche Verstärkungsheere
Ankunft des englischen Kreuzzugsheers unter Richard "Löwenherz" und des französischen Kreuzzugsheeres unter König Philipp August zur Unterstützung der Belagerung von Akkon (S.60).

Arabische Hilfe für Richards Gesundheit
Richard geniesst ausserordentlichen Respekt bei den Muslimen. Erkrankung. Richard "Löwenherz" will die ritterlichen Sitten der Muslime ausnutzen, schickt einen Boten ins Lager Saladins mit der Bitte um Medizin, behauptet aber, er habe auch in Kriegszeiten Geschenke für den Sultan bereit (S.80).

Sultan-Bruder Malik Adil sagt zu, die Geschenke anzunehmen, wenn der Sultan auch welche bieten dürfe, woraufhin der Bote Richards behauptet, er bräuchte Hühnchen, um seine Falken und Raubvögel zu ernähren.

Malik Adil empfiehlt, Richard selbst solle die Hühnchen essen, statt sie den Vögeln zu geben. Richard bekommt alles (S.80).

Einige Tage später lässt Richard "Löwenherz" einen muslimischen Gefangenen frei und Saladin übergibt dem Boten ein "Ehrengewand" (S.80). Einige Tage später bittet Richard "Löwenherz" um Früchte und Zuckerwerk, was ihm auch gewährt wird (S.80-81).

Dann erfolgt das Gemetzel wegen "verzögerter Übergabe des Kreuzes" (S.81).

10.6.1190
Friedrich I. Barbarossa ertrinkt in den Fluten des Flusses Saleph
Das Heer ist durch Seuchen und Kämpfe geschwächt. Ein grösserer Teil der 3000 Ritter kehren nach Deutschland zurück, einige begehen Selbstmord, viele geraten in Gefangenschaft und werden als Sklaven verkauft (S.59) und einige Splittergruppen gelingt die Weiterreise nach Palästina (S.59-60).

August 1190 ca.
Akkon: Resttruppen Friedrich I. Barbarossas - französischer Argwohn und verweigerte Hilfe
Die Splittergruppen des Kreuzzuges von Friedrich I. Barbarossa unter dessen Sohn, Friedrich von Schwaben, erreichen Akkon und unterstützen die Belagerung, darunter der deutsche Landgraf Ludwig von Thüringen, der an Malaria erkrankt. Die ganze Gruppe hat sich bereits in den Kreuzfahrerprovinzen eine Seuche zugezogen (S.60).

Streitigkeiten zwischen deutschen und französischen Rittern mit Verdächtigungen gegen Landgraf Ludwig von Thüringen wegen angeblichen Verbindungen zu Saladin ergeben eine Schwächung der christlichen Heere. Es geht das Gerücht um, Saladin habe Ludwig von Thüringen Beduinen ins Lager geschleust, die nun Sabotageakte verüben würden. Dabei war es ein Arzt Saladins (S.60).

Insgesamt verweigern die Spitäler der Johanniter-Orden die Spitalaufnahme deutscher Ritter, so dass diese die Notunterkünfte zwischen den Koggen / dickbauchigen Hanseschiffen der Bremer und Lübecker Kaufleute belegen (S.60).

Französische Johanniter verweigern die Pflege deutscher verwundeter Ritter
-- wegen nationalem Hass
-- wegen Feindschaft des Papstes gegen das Deutsche Reich, vor allem gegen die Hohenstaufen.
In der Folge wird die Gründung eines Deutschen Ritterordens vorbereitet (S.48).

Sep 1190 ca.
Akkon: Tod von Friedrich von Schwaben
Auflösung aller deutschen Verbände und Heimreise von Landgraf Ludwig von Thüringen, wo er noch vor Zypern stirbt. Die französische "christliche" Geschichtsschreibung hetzt in der Folge gegen "die Deutschen", sie hätten mit Saladin paktiert (S.60).

1190
Überfälle dezimieren das Heer von Friedrich von Schwaben
Hinter Friedrich I. Barbarossa zieht dessen Sohn Friedrich von Schwaben, dessen Heer aber durch arabische Überfälle sehr dezimiert wird (S.60).

1191
Muslimischer Arzt für Richard Löwenherz
Saladin schickt dem erkrankten Richard Löwenherz einen Arzt, so wie früher dem Landgraf Ludwig von Thüringen (S.60).

Christliche Einnahme von Akkon - Streit um das "heilige Kreuz" - Massaker an Muslimen durch Richard Löwenherz - Saladin verweigert Gefangenenaustausch, Rückgabe des Kreuzes und Restitution des Königreichs Jerusalem - erster breiter  Pazifismus in Europa

Nach der christlichen Besetzung von Akkon rechnet Richard Löwenherz die Eroberung Akkons sich alleine zu. Guy de Lusignan kehrt mit einem Teil seines französischen Heeres nach Frankreich zurück, die bleibenden Teile treten unter den Befehl des Herzogs von Burgund (S.65).

1000e Muslime sind Gefangene von Richard Löwenherz. Die christliche Parole lautet die Freilassung bei Taufe. In der Folge lassen sich viele Muslime zum Schein taufen. Bei Entdeckung der vorgegebenen Taufe wird die Taufe verboten und es beginnen lange Verhandlungen um einen Gefangenenaustausch. Die Christen verlangen ein hohes Lösegeld und die Rückgabe des "heiligen Kreuzes", das Saladin in Hittin als Sieger den Christen abgenommen hat. Der Termin wird ausgehandelt, ohne alle Details ausgehandelt zu haben (S.65).

Am Tag der ausgemachten Kreuzübergabe erscheint Saladin nicht, so dass Richard Löwenherz alle muslimischen Gefangenen hinrichten lässt und habgierige Christen sogar die Gedärme der Hingerichteten nach verschlucktem Gold durchsuchen. Der Massenmord wird bekannt und schadet in der Folge der ganzen Christenheit in der islamischen Welt (S.65).

Saladin lässt keine Freilassung von christlichen Gefangenen mehr zu, verweigert die Rückgabe des "heiligen Kreuzes" und auch die Wiederherstellung des Königreich Jerusalem.

Gleichzeitig kommen im "christlichen" Europa immer mehr Bedenken gegen die Kreuzzüge auf. Es bilden sich Pazifistengruppen und geistiger Protest. Ritter Wolfram von Eschenbach formuliert in seinem "Willehalm" (450,15):

<Ist das nicht Sünde, dass man die, die nie
Kunde von der Taufe empfingen,
Erschlug wie Vieh?
Ich spreche hierbei sogar von grosser Sünde:
Weil alle Gottes Geschöpfe sind.> (S.66)

Akkon: Bau eines "Deutschen Hauses"
durch den Barbarossasohn Friedrich von Schwaben (S.48).

1197
Mausoleum für Friedrich I. Barbarossa in Damaskus
Wilhelm II. von Hohenzollern lässt neben der grossen Moschee in Damaskus ein Mausoleum für die Gebeine von Friedrich I. errichten und stiftet der arabischen Bevölkerung in Jerusalem ein von christlichen Schwestern geleitetes Hospital (S.59).

1198
Gründung des Deutschen Ritterordens
durch Lübecker und Bremer Kaufleute, Bau eines Feldlazaretts für Deutsche mit der Hauptaufgabe:
-- Dienst für das Deutsche Reich
-- Gestaltung der Ordensordnung in Anlehnung an die islamische Ritterkaste (S.48f.), die vom  Papst bestätigt wird (S.49).

13. Jh.
Deutschland und Schweiz: Burgen in arabischem Stil
-- Burgkern der Hardenburg und der Burg Neuleinigen in Rheinland-Pfalz
-- Herzberg und Friedewald in Hessen
-- Fürstenau im Odenwald
-- Lechenich im Rheinland
-- Zülpich in Westfalen u.a.
-- in der Schweiz: Grandson und Champvent, werden nach der Rückkehr des Herrn Ebal IV. von Grandson vom Kreuzzug in arabischem Stil umgebaut
-- Festung von Yverdon durch Peter II. von Savoyen (S.126).

ab 1200
Europäische Kopie der arabischen Kampfkleidung
-- Wams unter der arabischen Rüstung/wambes
-- Bombasin/Bombast
-- sakk/Schakk, entwickelt zu "jaco", dann zu Jackett und Sakko
-- Entwicklung des Halsschutzes Hansberg/Hauberg
-- Entwicklung des Tonnenhelms/Topfhelms mit Augenschlitz
-- Kopie der arabischen "Eisenreiter" mit voll geschützten Armen, Händen und Beinen, die aber sehr teuer sind
-- Kopie der arabischen Panzerung der Pferde, die ebenfalls sehr teuer ist und die Pferde unbeweglich machen (S.128).

In der Folge wird der europäische Ritter immer unbeweglicher, und Knappen müssen ihm die Eisenlanze, das lang gewordene Schwert und den langen Schild tragen. Der Araber, der bei Pfeil und Bogen bleibt, hat diese Gewichte nicht (S.128).

 
Bildung des europäischen Heers
-- schwere Reiterei mit Wurfspeer und Streitaxt
-- leichte Reiterei mit Bogen- und Armbrustschützen
-- Artillerie mit Naphtafeuerwerken
-- Pioniergruppen
-- Aufstellen erster Bogenschützengruppen aus Mischlingen mit Einheimischen, sogenannten "Turkopolen", für schwärmende Überraschungsangriffe, v.a. im Dienst der Ritterorden, auch im Deutschen Orden (S.129).

ab 1200
Europa: Weitere arabische Kulturvermittlung

Verbreitung des Schachspiel: Wesier wird "Dame" - Elefant wird "Läufer"
-- das Schachspiel wird in ganz Europa beliebt, in Deutschland ausgedrückt in "schache unde matt".

-- in Frankreich wird der Wesier, der in Spanien "fierce" genannt wird, zur "vierge"/Jungfrau falsch umgedeutet und wird in Deutschland zur heute noch in Europa üblichen "Dame"

-- der Elefant/arab. al-fil wird in Deutschland zum altvil, zum "alten Mann", schliesslich als Läufer verstanden (S.163).

Arabische Kartenspiele
(S.163)

Tricktrack
arabisches Spiel mit Spielsteinen aus Elfenbein, wo um Geld gewürfelt wird (S.164).

Hofnarren
als arabische Imitation an europäischen Höfen, ebenso arabisches Feuerwerk als Belustigung des Volkes (S.164).

ab 13. Jh. ca.
Arabische Monopolverluste
Córdobas Monopol der Kristallherstellung löst sich auf. Verbreitung der Technik nach Venedig und Bayern (S.114).

Keramikkunst in Spanien und Italien
Bunte arabische Kacheln, Fliesen, Teller, Töpfe und Tafelgeschirre bekommen in Mallorca den Namen "Majolika" und in der italienischen Stadt Faenza den Namen (S.114) "Fayence". Weitere Fabriken finden sich in Delft, Hanau, Fulda, Berlin, Ansbach und Bayreuth (S.115).

1204
Erster Maisimport durch Bonifaz von Montferrat vom Orient nach Italien
(S.113)

Anfang 13. Jh.
Arabische Kompasstechnik in Europa
gelangt durch Petrus von Maricourt/Petrus Peregrinus nach Europa (S.117).

1218
Tod von Kaiser Otto IV. - Friedrich II.
der sich im Kaisergewand begraben lässt (S.107).

Friedrich II. ist Kandidat für eine nächste Krönung, jedoch fehlen das Kaisergewand und die Krone, die Heinrich von Sachsen nicht herausgibt.
Friedrich II. lässt im Auftrag des Papstes in Palermo ein neues Gewand und eine neue Helmkrone anfertigen, ebenso ein Zeremonienschwert, um als Kaiser Leute zum Ritter  schlagen zu können (S.107).


1220
Massaker des Voraustrupps des Kreuzzugs von Friedrich II. unter Kardinallegat Pelagius von Albano
Der Kreuzzug soll Sultan al-Kamil in Ägypten angreifen. Langer Kampf um Damiette, Besetzung mit Massaker an der muslimischen Bevölkerung. Der Angriff gegen Kairo wird vor Kairo von muslimischen Heeren al-Kamils abgewehrt. Das Heer unter Pelagius beginnt, Hunger zu leiden (S.63).

Sultan al-Kamil schickt dem "christlichen" Heer vier Tage lang u.a.  30.000 Brote täglich und verzichtet auf den Massenmord am Gegner (S.63).

Vorverhandlungen zwischen Friedrich II. und dem ägyptischen Emir Fachr ad-Din
von der sizilianischen Residenz Foggia aus (S.60f.) mit Ziel eines Vertrags über die Freigabe der "heiligen Stätten" (S.61).

22.11.1220
Kaiserkrönung Friedrichs II. in Rom
mit Kaisermantel (S.105) aus Palermo, von byzantinischen Gefangenen aus scharlachroter Seide gewebt und von arabischen Bortenwirkern [Druckfehler?] und Perlenstickern mit Goldfäden und doppelten Perlenreihen bestickt (S.106).

1221
Oliverus von Köln dankt Sultan al-Kamil
Domherr und Kreuzzugswerber Oliverus aus Köln bedankt sich beim Sultan in einem Schreiben. Die Ritterlichkeit des Sultans, den Gegner 1220 bei Damiette nicht verhungern zu lassen, überstrahlt alles vorher dagewesene (S.63).

1226
Wissenschaftlich-philosophische Kontakte zwischen Friedrich II. und Saladin
Tod des Sultanbruders al-Malik al-Mu 'azzam in Syrien. Al-Malik al-Kamil in Ägypten übernimmt die Regentschaft in Jerusalem. Nur wissenschaftlich-philosophische Konversation hält die Verbindung zwischen dem Sultan und "Imberur" auf Sizilien vom Lager Friedrichs II. aufrecht. Al-Kamil ist der Frieden mit Friedrich II. mehr oder weniger egal (S.67). Friedrich II. will am Frieden festhalten und weltweit als Friedensstifter zwischen Islam und Christentum in die Geschichte eingehen (S.68).

1228-1229
Kreuzzug von Friedrich II. im Namen des Deutschen Reiches
gegen den Willen von Papst Gregor IX., der Friedrich II. sogar bannen und verfluchen lässt

-- mit dem Ziel des friedlichen Vergleichs gemäss den Vorverhandlungen

-- mit Ziel der Krönung zum König von Jerusalem, auf die er durch die Heirat mit der Erbin Isabella das Recht hat (S.61).

In der Folge intrigiert Papst Gregor IX. aufs Schärfste gegen Friedrich II., will keinen Frieden zulassen, "solange die Völker noch Heiden sind" (S.61).

Der Papst versucht sogar, mit dem Sultan gegen Friedrich II. zu paktieren, der die "heiligen Stätten" nicht an Friedrich II. herausgeben solle (S.62).

7.9.1228
Landung Friedrichs II. mit seinem deutschen Ritterheer bei Akkon
(S.66), der sich als Kaiser des "Heiligen Römischen Reiches" als "oberster Fürst der Christenheit" fühlt. Er sendet Graf von Aquin zu Sultan al-Kamil mit Geschenken, um den Vorvertrag zu erfüllen, um friedlich die "heiligen Stätten zu übernehmen" (S.66). In der Folge bekommt Friedrich II. vehemente christliche Gegner (S.66-67).

Papst Gregor ruft die Ritter im "heiligen Land" auf, dem gebannten Kaiser den Gehorsam zu verweigern. Er versucht durch Hetze zweier Franziskaner, die deutschen Teile der Ritter gegen Friedrich II. zu manipulieren. Die Ritter folgen dem Papst (S.67).

Zusätzlich stellen sich Templer und Johanniter, Christliche Geistlichkeit und die fränkischen Barone gegen Friedrich II., während Friedrich II. in seinem Zelt mit Emir Fachr ad-Din die Beratungen und Gespräche führt.

Gleichzeitig ist der Sultan nicht mehr in einer bedrängten Situation und braucht den Frieden mit den Christen eigentlich nicht mehr. Er will den Vorvertrag gar nicht mehr einhalten (S.67).

ab 7.9.1228
Friedrich II. in Palästina
-- muss Widerstände der syrischen Geistlichkeit überwinden
-- muss Widerstände der in Palästina ansässigen französischen Barone überwinden
-- muss Widerstände des feindlich gesinnten Templerordens überwinden.

Papst Gregor IX.
-- spricht den Kirchenbann über Friedrich II.
-- erklärt Friedrich II. für tot
-- spricht die Untertanen von Friedrich II. von ihm los
-- lässt seine päpstlichen "Schlüsselsoldaten" über Sizilien herfallen, das von Friedrich II. gerade verlassen ist
-- plant mit Templern und Johannitern eine Manipulation, um den Sultan zum Mord an Friedrich II. anzustiften (S.62).

Ende 1228
Die Umstände für Friedrich II. verschlechtern sich
-- ausbrechende Kämpfe im Deutschen Reich
-- ausbleibende Nachschubflotte
-- in Syrien sperren sich ihm die Christen entgegen
-- überall, innerhalb und ausserhalb seines Lagern, muss  er mit Verrat rechnen
-- sein einziger Vertrauter ist Hermann von Salza (S.67).

Jan. 1229
Syrien: Die Lage für Sultan al-Kamil verschlimmert sich
Jetzt willigt er in den Friedensvertrag mit Friedrich II. ein (S.68).

18.2. 1229
Vertragsabschluss zwischen Friedrich II. und Sultan al-Kamil - die Kirche beklagt die Zerstörung des "Kreuzzugsgeistes"
Der Friedensvertrag zwischen Friedrich II. und Sultan al-Kamil kommt zustande (S.68-69).

Friedrich II. spricht von "Wunderkraft", die diesen Frieden ermöglicht habe. Bethlehem und Jerusalem sollen für beide Religionen offen sein.
Krönung Friedrichs II. als König von Jerusalem. Er tritt das Erbe seiner verstorbenen Gattin Isabella an (S.69).

Die Templer und Johanniter paktieren immer noch gegen den Frieden und sperren sich gegen jede Mitarbeit. In der Folge überträgt Friedrich II. den Schutz der Residenz und der Städte dem Deutschen Ritterorden. Die päpstliche Seite verdammt den Frieden als ein "Satanswerk" und hält einen freien Zugang für Muslime in Jerusalem als nicht akzeptierbar. Friedrich II. wird zum "Verräter", zum "Schänder der Religion", zum "Satanssohn", zum "Antichrist". Der "Kreuzzugsgeist" sei zerstört. Die Wut der Kirche auf das Deutsche Reich steigt (S.70).

Mitte 1229  ca.
Templer und Johanniter stiften Sultan al-Kamil zum Attentat gegen Friedrich II. an
Sultan al-Kamil bekommt von Templern und Johannitern einen Tip, dass er auf einem Pilgerspaziergang von Friedrich II. zur Taufstätte Jesu am linken Jordanufer diesen ermorden lassen könne, da er nur in geringer Begleitung sei. Sultan al-Kamil, Onkel Saladins, ist vom Verrat angeekelt (S.62).

Einzug Friedrichs II. in Jerusalem - die Rom-Kirche boykottiert Friedrich II. - Vertreibung der französischen Orden
Einzug Friedrichs II. in Jerusalem mit den Schlüsseln, die ihm von Sultan Scham ad-Din übergeben werden.
Die Kirche reagiert mit Boykott. Erzbischof Petrus von Caesarea belegt Jerusalem und die "heiligen Stätten" mit einem Interdikt:

-- keine Lesung von Messen mehr
-- der Klerus verweigert die Sakramente
-- Priester stiften das Heer von Friedrich II. zur Meuterei an
-- der Papst stiftet die Templer zum Attentat gegen Friedrich II. auf der Strasse zwischen Jaffa und Akkon an, Friedrich II. entkommt dem Attentat nur knapp (S.70).

Der Patriarch Petrus von Caesarea sammelt ein Heer gegen Friedrich II.
Friedrich II. lässt die Häuser der Templer und Johanniter besetzen und alle Templer und Johanniter ausweisen, während er selbst mit Kot beschmissen wird (S.70).

Ende 1229
Der Friede zwischen Friedrich II. und Sultan al-Kamil
ist ein Höhepunkt ritterlicher Menschlichkeit (S.72).

ab 1229
Friedrich II. als Freund arabischer Burgen
Er wird grösster Freund arabischer Burgarchitektur und lässt auf Sizilien die verfallenden arabischen Burgen wieder aufbauen und neue Vierecksburgen errichten. Nach der Rückkehr nach Europa entwirft er ein Bauprogramm für ein Kastellnetz von Sizilien nach Apulien mit z.T. 100%iger Nachahmung der arabischen Architektur wie z.B. in Ursino in Catania und Maniace in Syrakus. Leicht abgewandelt, weil am Meer gelegen, sind die Kastelle Trani, Bari, Barletta, Brindisi, Manfredonia und Tarent, mit arabisch geböschtem Mauersockel, der im Zusammenwirken mit tiefen Gräben den Angriff mit Belagerungsmaschinen verhindern soll (S.125).

Auch der Deutsche Ritterorden kopiert die arabischen Burgen und baut nach deren Muster die Ordensburgen im "deutschen Osten": Mewe, Rehden, Heilsburg und Arensburg u.a. m mit arabischen Spitzbögen und Spitzbogengewölben (S.126).

ab 1230 ca.
Europa: Tiergärten und Vogeldressur, Brieftauben
Anlegen erster Tiergärten mit geschenkten oder erbeuteten exotischen Tieren aus dem Vorderen Orient.
Anfang der Sammlerei exotischer Tiere sowie Beginn der Falkenbeize in Europa, Abrichten von Vögeln für Jagd oder zum Briefverkehr, Heranzüchten von Tauben zur Brieftaube nach arabischem Vorbild (S.165).

1245
Rom setzt Kaiser Friedrich II. ab
Absetzung von Kaiser Friedrich II. durch den Papst auf dem Lyoner Konzil wegen "arabischen Neigungen, Liebhabereien und anderen Ketzereien" (S.175).

1250
Die Rom-Kirche will arabische Spiele verbieten - unmöglich
Die Rom-Kirche verbietet Tricktrack, Würfeln und Schach verbieten, was jedoch nicht möglich ist. Tricktrackpartien erscheinen sogar an Kirchenfenstern (S.164).

ab 1250 ca.
Pilgerreisen und Kreuzfahrerheere nehmen ab -  die Nachfrage nach arabischen Waren in Europa steigt weiter
(S.117)

ab 1258
Mongolenherrschaft in Bagdad
Einführung der musischen Monotonie (S.160).

1267 ca.
Italienische Belagerung von Lucera auf Sizilien
wo Petrus von Maricourt seine neuen Kompasskenntnisse einsetzt (S.117-118).

1269
Petrus von Maricourt verfasst eine Schrift über Magnetismus
angeregt von der arabischen Kompasstechnik (S.117-118).

ab 1291
Ende der christlichen Besetzung des "heiligen Landes" - Untergang des reichen Templerordens
durch starke französische Könige, die auf den machtloser werdenden Papst Einfluss haben.
Der Johanniterorden kann seine Position auf Malta und Rhodos neu aufbauen (S.48).

ab 1300
Deutsches Reich: kopierte Ordensburgen im Osten
Der deutsche Ritterorden errichtet unter dem Hochmeister und Berater von Friedrich II., Hermann von Salza, nach dem Schema des muslimischen Ribats/Festung im Ostgrenzgebiet des Reichs eigene Ordensburgen und

-- stellt sich den Auftrag der "Rückeroberung" des urgermanischen Bodens
-- die Ordenshochmeister werden als Reichsfürsten eingesetzt
-- grosse Besetzungen, Urbarmachungen, Entwässerungen und Eindeichungen
-- Gründung von 96 neuen Städten und 1400 neuen Dörfern entlang der Ostseeküste bis Livland

-- Gründung der Ordensburg Thorn in Anlehnung an die palästinensisch-arabische Festung Toron
oo  mit straff organisierter Beamtenschaft
oo  mit zuchtvollem Heer auf neuestem Stand
oo  mit effizientem Nachrichtenwesen
oo  wird die Keimzelle Preussens (S.49).

ab 14. Jh.
Deutschland: Ankunft arabischer Moriskentänzer
Arabische Sängerinnen, Tänzer und Tänzerinnen werden zur Kriegsbeute und müssen an den spanisch- christlichen Höfen singen und tanzen (S.14).

Heiraten zwischen Österreich und Spanischem Königshaus bilden kulturelle Brücken zwischen Christen und spanischen Morisken, die die "erlesene Lebensart", die "höfischen Sitten" und "heiter-sinnliche Künste" vermitteln. Die christlichen Höfe bewundern heimlich ihren Feind (S.14).

1300
Der Sieg des Islam über das "heilige Land" ist vorerst endgültig
Es kommt in Europa die These auf, das Heil Muhammads überwinde das Heil Christi. Jesus selbst hätte Muslim werden wollen.

Die Kirche ist bestraft, das kindlich-fromme Vertrauen in die Kirche ist erschüttert (S.119). Die Kirche muss sich die Existenzfrage stellen, ob sie Könige und Ritter weiter in ihrem Namen kämpfen lassen soll oder die Waffe als Teufelszeug verdammen soll (S.120).

Im Volk leben die Träume vom Orient aber weiter. Das Volk wendet sich gegen die französische Hetzerkirche von Cluny.

Die Freude am Schönen hält an und verändert den geistigen und seelischen Zustand der Menschen, vor allem in Deutschland. Mancher Deutscher streift die Fesseln der Kirche mit ihren Beschwörungen der Sünde ab und entdeckt die Gegenwart als Gottes Offenbarung (S.120).

Es entsteht in der Folge ein neues Selbst- und Weltgefühl (S.121).

ab 14. Jh.
Der arabische Doppeladler wird zum Symbol für das Deutsche Reich
(S.130), ebenso in der Monarchie Österreichs und Russland (S.131).

1320
Erste Papiermühle am Rhein zwischen Mainz und Köln
(S.113)

1337
Deutsches "Schachzabelbuch"
Konrad von Ammenhausen beschreibt Schach in seinem "Schachzabelbuch" als "schachmatt" (S.163).

1372
Hochzeit der Tochter des Königs Pedro von Kastilien mit einem Sohn von Edward III.
Die Tochter bringt bei ihrer Hochzeit moriskisches Gefolge mit, das den Moriskentanz am englischen Hof einführt, der sich als Hof- und Volkstanz in das englische Brauchtum eingliedert, ursprünglich ein Fecht- und Schwertertanz (S.15).

1390
Nürnberg: Einführung der Papierherstellung aus Spanien
durch Kaufmann Ulman Strömer, der die Technik aus Jativa in Spanien mitbringt (S.113).

15. Jh.
Spanien: Morisken an christlichen Höfen
Reise des böhmischen Barons Rozmithal an den kastilischen Hof des Grafen in Burgos. Er beschreibt in seinen Berichten dunkelhäutige, schwarzäugige

<nach maurischer Sitte gekleidete Damen vor, die in ihrem ganzen Gehaben im Essen und Trinken solche Sitten befolgten. Die einen wie die anderen führten sehr schöne Tänze in maurischer Art auf, und alle waren dunkelhäutig und hatten schwarze Augen. Sie assen und tranken sehr wenig, begrüssten fröhlich meinen Herrn und waren mit den Deutschen sehr liebenswürdig.> (S.15)

Europa: Verbreitung des moriskischen Tanzes
Der moriskische Tanz verbreitet sich sehr schnell in Europa und wird am häufigsten erwähnt, ist zum Teil in prächtigen mitteleuropäischen Holzschnitten dargestellt, u.a. in der Maximilianresidenz in Innsbruck (S.15).

1407
Erste Papiermühle in Ravensburg
(S.113)

1440
Erste Papiermühle in Basel
(S.113)

Erste arabische Tauschiertechnik in Europa
(S.113-114)
-- Einlegen von Gold- und Silberfäden/Intarsien in Eisen-, Bronze- und Messingflächen auf Leuchten, Tellern, Vasen und Schreibzeug sowie Rüstungsgegenstände, Lanzen, Schwertern und Dolchen

-- die Tauschiertechnik begründet auch den Ruf der Toledaner- und Damaszener Klingen
-- Intarsien werden auch in Holzflächen eingelassen und mit Elfenbein und Perlmutt kombiniert (S.114).

1475
Landshuter Fürstenhochzeit mit Moriskentanz
(S.16)

1480
Holzschnitzerei mit 16 Tänzern in München im Tanzsaal
des Alten Rathauses, dem heutigen Alten Rathaussaal, von Bildschnitzer Erasmus Grosser (S.16).

1488
Deutschland: teurer Zucker wird durch Honig ersetzt
1 Pfund Zucker kostet so viel wie zweieinhalb Schweine. Statt mit Zucker wird mit billigerem Honig gesüsst, der u.a. mit arabischen Gewürzen zum Honig-/Pfefferkuchen verarbeitet wird. Weitere Gebäcke mit Honig und arabischen Gewürzen sind Printen, Pfeffernüsse, Zimtsterne u.a. (S.112).

1492
Granada: Übernahme durch spanische Herrschaft - "Moriskenromantik": arabische Tänze, arabisch-spanische Reitkunst, Reitspiele
Es entsteht eine "Moriskenromantik" in Mitteleuropa. Die spanischen und portugiesischen Höfe wollen auf die Gesellschaftskunst der Moriskos nicht verzichten (S.16).

Ebenso reagieren französische Höfe.
-- die "Gallarda" im 3/4-Takt wird als "Gaillarde" zum "fröhlichen Tanz" verballhornt
-- die Pavanne/"Pfauentanz" wird in Deutschland und Österreich sehr beliebt
-- die maurische, lebhaft gesprungene almon/almeyn, wird in Frankreich zur "allamande" verformt und wird in Deutschland als "Deutscher Tanz" bekannt, wo sie sehr an Tempo verliert (S.17).

Europas Höfe übernehmen auch die arabische Reitkunst und gründen eine "Hohe Schule" der Gangarten und Reitleistungen wie
-- Levade
-- Piaffe
-- Kapriole
als Ausdruck der arabischen Kavallerietaktik (S.17).

In Wien wird eine "Spanische Reitschule", darunter eine eigene "Arabische Reitschule", gegründet, betreut von arabischen Reitlehrern, die von Karl V. geschickt werden (S.17).

Europas Höfe übernehmen auch die arabischen Pferdezüchtungen und die Reitspiele, die bei christlichen Hoffesten wie Hochzeiten im sogenannten "famösen Rossbalett" vorgezeigt werden, ein "Pferdstanz" mit musischen Szenen, gespielt von 24 Trompeten und zwei Paar Heerpauken, mit Scheingefechten und "Quadrillen". Als "Reitspiel" findet ein "Karussel" / arab. kurradsch als ritterliches Ringstechen statt (S.17).
Zusätzlich entwickelt sich in Mitteleuropa eine Morisken-Romanzen-Dichtung (S.18).

1520
Vollendung des Magdeburger Doms mit dem "heiligen" Mauritius
als Mohr in einer Rüstung dargestellt, mit derb-bäuerlichen Zügen, in der Vorstellung, alle Afrikaner seien schwarz, obwohl Mauritius aus Mauretanien (siehe Jahr 302) gar nicht schwarz war (S.109).

1520 ca.
Luther: Schachspiel als "schachmatten"
Luther lässt sich vom Schachspiel zur Wortschöpfung "schachmatten" hinreissen, das "ausschalten" bedeutet (S.163).

1526/1529
Spanien/Granada: Morisken an christlichen Höfen
Reise des Leibarztes von Friedrich II., Dr. Johannes Lange, 1526 nach Granada, das nun spanisch besetzt ist. Der "Morischken Tantz" Männertanz wird  immer noch mit von den Frauen gespielten "geygen und paucken" als "ein moristgisch dantzspiel" aufgeführt (S.15).

Der deutsche Reisende Christoph Weiditz beobachtet 1529 den moriskischen Männertanz in Granada. Die Beine der Tänzer sind mit Schellen behängt, die Tänzer singen dazu und schnellen mit den Fingern (S.15).

15.6. 1530
Personalunion zwischen Spanien und dem Deutschen Reich unter Karl V. - arabische Kultur in Deutschland und Österreich
Die Aufgeschlossenheit der deutschen Bevölkerung für die spanische Kultur wächst durch den aufsehenerregenden Einzug Karls V. zur Krönung, der in verschiedenen Berichten populär gemacht wird:

-- Kleider und Gehänge sind "von märchenhaftem Reiz"
-- Edelknaben sind in Wamsern aus rotem und gelbem Samt auf arabischen Pferden
-- 500 goldverzierte Schabracken zieren die Araberhengste
-- Musiker spielen die arabischen Pauken und Trommeln schlagen mit den Fanfaren blasender Herolden

-- der Kaiser Karl V. selbst sitzt zuletzt auf einem weissen Araberhengst mit goldenem spanischen Waffenrock und spanischen Satinhütchen unter einem Baldachin/Stoffdach aus rotem Damast (S.18).

17. Jh.
Deutschland: Verbreiten des arabischen Spiels l'Hombre
durch König Franz I. von Frankreich, der in Spanien gefangen war (S.164).

1609
Spanien-Deutschland: Flucht des Morisken Rivote
Der Moriske Rivote entgeht der Vertreibung aus Spanien nach Afrika und flüchtet nach Augsburg. Er empfindet die deutsche Stadt mit der "Gewissensfreiheit" als Erleichterung und holt - als christlicher Pilger verkleidet - Frau und Tochter aus Spanien nach Deutschland (S.13).
Die Rechte in Augsburg sind streng, "autonomia", aber die Praxis im Volk ist liberal (S.14).

ab 18. Jh.
Europa: Klavier ersetzt Laute
und den bisher begleitenden Lautenstil (S.162).

ab 1830
Arabische Halbinsel/Nordafrika: Umerziehung in "europäischem Stil"
Beginn der planmässigen Fremderziehung durch europäische Kolonialmächte, Zerstörung der arabischen Persönlichkeit "allahs Sonne" (S.10).

heute:
Arabische und christliche Reliquien
Die "grüne Fahne des Propheten" ist in Konstantinopel/Istanbul als Reliquie aufbewahrt (S.131).
Die für Friedrich II. in Palermo angefertigte Helmkrone ruht im Domschatz von Palermo (S.107).
Der für Friedrich II. in Palermo angefertigte arabische Kaisermantel ist in der Wiener Hofburg ausgestellt (S.105).





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