Kontakt / contact       Hauptseite /
                        page principale / pagina principal / home         zurück / retour / indietro / atrás / back
<<      >>

Norbert G. Pressburg: Good bye Mohammed - Mohammed gab es nie

1. Der traditionelle Koran: Die fehlerlose Kopie aus dem Himmel [von Engel Gabriel]

1.1. Die offizielle Version der Koranentstehung - ein Märchen auf Knochen, Leder und Blättern - 1.2. Widersprüche ohne Ende im Koran - 1.3. Der Suren-Mischmasch gegen jede Chronologie und Grammatik - 1.4. Quellenstudium unerwünscht: Koranarabisch für die Gelehrten - und die Befehle der Prediger

präsentiert von Michael Palomino (2015)

Teilen / share:

Facebook







1. Der traditionelle Koran: Die fehlerlose Kopie aus dem Himmel

"Koranische Rede ist klar übermenschlich, wir finden überall einen gegenwärtigen Plan, den kein Mensch hätte erfinden können."

Abdallah Draz, Korangelehrter, Kairo


1.1. Die offizielle Version der Koranentstehung - ein Märchen auf Knochen, Leder und Blättern

[Islam-Dogma: Die Suren kamen vom "Engel" Gabriel - ein Ausserirdischer]
Für den gläubigen Muslim ist der Koran das Heilige Buch, in dem Gott durch den Propheten Muhamad [2]
[2] "Mohammed" ist die klassische, deutsche Schreibweise. "Mumamad" kommt der arabischen Schreibweise am nächsten. Das "h" wird als angedeutetes "ch" gesprochen, das erste "a" als angedeutetes "ä".
den Menschen seine Offenbarungen mitteilt. Nach der Tradition zog sich der Prophet in eine Höhle auf dem Berg Hira in der Nähe Mekkas zurück, wo er die sogenannten mekkanischen Suren empfing. Spätere Suren empfing er in Medina. Sie alle stammten direkt von Gott und wurden Muhamad vom Engel Gabriel in mündlicher Form übermittelt. Später gab Muhamad die Botschaften an Gefährten weiter, die sie memorierten oder aufschrieben.

[Die Darstellung von Engeln ist die traditionelle Darstellung von Ausserirdischen. Die Flügel waren das Symbol für Wesen, die fliegen konnten und vom Himmel kamen].

[Islam-Dogma: Die "Kairoer Fassung von 1924" ist die Kopie aus dem Paradies]

Das zentrale Dogma bis auf den heutigen Tag lautet:
"Der Koran ist unerschaffen. Muhamad hat den Text von Gott durch die Vermittlung des Erzengels Gabriel erhalten und 1:1 an seine Nachwelt überliefert. Jedes Wort ist korrekt, authentisch und unverrückbar, heilig und ewig gültig. Es gibt nichts auf der Welt, vergangen, gegenwärtig oder künftig, was nicht im Koran enthalten wäre. Der Koran in der Fassung des Kalifen Othman ist der einzig authentische Koran, so wie er dem Propheten Muhamad mitgeteilt wurde. Die Kairoer Fassung von 1924 entspricht vollkommen dem Koran des Othman und ist somit die identische Kopie des im Paradies aufbewahrten Originals."
Dies ist der Anspruch, der auch heute noch gilt und an dem sich der Koran messen lassen muss. Dieser Anspruch ist bei der weiteren Lektüre stets im Gedächtnis zu behalten [S.15].

[Der Koran mit 114 Suren - Tierknochen, Lederstücke, Blätter - und Mohammed soll Analphabet gewesen sein]
Der Koran besteht aus 114 Suren, die sich aus einer Anzahl von Versen, 4 bis 286 pro Sure, zusammensetzen. Diese Suren wurden nach traditioneller Darstellung von Muhamad über einen Zeitraum von 23 Jahren seiner Umgebung vermittelt. Dies geschah mündlich. Verschiedene Personen in seiner Umgebung versuchten, die Verse zu memorieren, manche wurden aufgeschrieben: auf Tierknochen, Lederstücken, Blättern, was gerade zur Verfügung stand. Eine systematische Sammlung der einzelnen Sprüche zu Muhamads Lebzeiten gab es nicht. Muhamad hat sein Buch nie gesehen, nach islamischen Schilderungen konnte er weder lesen noch schreiben.

[Ein Führer wie Mohammed kann weder lesen noch schreiben - schon dies ist ein klares Indiz, dass Mohammed gelogen ist].

Bei diesem Umgang mit Materialien konnten Verluste nicht ausbleiben. Der Prophet selber zog bisweilen Suren zurück oder änderte sie ab, Verse verschwanden. So bezeugt der Schreiber Ubay, die Sure 33 (al-Ahzab) habe 200 Verse umfasst, vorhanden waren aber letztlich nur noch 73. Aischa, die Lieblingsfrau des Propheten, berichtete, sie habe ein paar Verse unter dem Bett aufbewahrt, die seien aber von einer Ziege gefressen worden.

[Legende: Ibn Thabit stellte Suren zusammen - 7 verschiedene Versionen - der Koran von Kalif Othman - die Schiiten akzeptieren Othman nicht]
Kurz nach dem Tode Muhamads begann sein schreibkundiger Gefährte Ibn Thabit mit der Zusammenstellung der vorhandenen Schriftstücke, aber es gab bald sieben verschiedene Versionen. Auf Befehl des dritten Kalifen Othman (Regentschaft 644-656) erstellte Ibn Thabit abermals, zusammen mit ausgewählten Helfern aus dem Stamme der Kuraisch, eine von Fehlern bereinigte Version, die in die vier Hauptstädte des Islamischen Reiches, Medina, Damaskus, Kufa und Basra versandt wurden. Dies ist der "Othmanische Koran", nach islamischer Tradition die einzige gültige Version.

Allerdings wurde sie nicht von allen anerkannt. Die Schiiten zum Beispiel bemängeln, Othman habe Suren unterdrückt und gefälscht, um den eigentlichen rechtmässigen Kalifen Ali, auf den sich die Schiiten berufen, auszubooten.

[Das Diktat der Kairoer Koranausgabe von 1924]
Heute bezieht sich die islamische Hauptströmung, keineswegs die Gesamtheit der Muslime, auf die sogenannte Kairoer Koranausgabe von 1924, die auf den Versionen von Ibn Thabit und Othman beruhen soll. Es wird postuliert, dass diese Kairoer Ausgabe ohne Fehler und Abweichungen zu 100 Prozent dem entspricht, was Muhamad von Gott mitgeteilt wurde [S.16].


1.2. Widersprüche ohne Ende im Koran

[Sinnlos unverständliche Surenreihenfolge - nur die Kommentare sind verständlich, aber sehr verschieden]
Der Koran ist schwer- bis unlesbar, vieles ergibt für den Leser keinen Sinn, man möge sich bitte selber überzeugen. Die Standardantwort von Muslimen lautet, dies scheine nur so, denn der Koran sei unübersetzbar, er könne sinnvoll nur auf Arabisch gelesen werden.

Nun ist es aber so, dass der Koran auch in Arabisch nicht besser verstanden werden kann. Er ist selbst für Araber nur anhand der Kommentare verständlich, für nichtarabische Muslime gar nicht.

Es gibt Tausende von Kommentaren mit Tausenden von Subkommentaren. Manche Stellen werden dutzendfach verschieden interpretiert. Der klassische Kommentar von at-Tabari aus dem 10. Jahrhundert umfasst 30 Bände, in denen Vers für Vers erklärt wird. Tabari ist einer der anerkannten Kommentatoren. Aber selbst er bietet verschiedene Auslegungen an, und andere Kommentatoren kommen wiederum zu ganz anderen Lesarten.

[Wieso soll die göttliche Botschaft im Koran so sinnlos und unverständlich sein?]
Laut Gottes eigener Aussage ist die göttliche Botschaft "klar und deutlich in arabischer Sprache" für die Araber zur Erde gesandt worden. Warum dann die Verwirrung? Weil Allahs Worte natürlich nicht in jedem Fall vom Menschen verstanden werden könnten, lautet die traditionelle Antwort. Was die Korangelehrten aller Zeiten nicht daran hinderte, ihre jeweilige Auslegung als das einzig wahre Wort Gottes mit ultimativer Bedeutung zu bezeichnen.

Aber es gibt noch weitere Eigenheiten.

[Illegale Fremdwörter im Koran: Syro-Aramäisch, Persisch, Griechisch, Hebräisch]
Es wimmelt im Koran nur so von Fremdwörtern, aus dem Syro-Aramäischen, Persischen, Griechischen und Hebräischen, zum Beispiel die oft benutzten Begriffe "dschehennam" (Hölle, persisch) oder "taurah" (Thora, das Gesetz, hebräisch) oder "Logos" (das Wort, die Botschaft, griechisch).

Fremdwörter dürften aber definitionsgemäss nicht vorkommen, und jeder gläubige Muslim würde eine derartige Behauptung entrüstet zurückweisen. Es sind aber zweifellos die Sprachen im Koran vertreten, die zu dieser Zeit in der Region gesprochen wurden.

Auch arabische Sprachwissenschaftler bestätigen das Vorhandensein nichtarabischer Wörter im Koran, die offizielle Lehrmeinung ist jedoch nach wie vor, dass der Koran Fremdwörter nicht benutzt haben kann, weil er nach Gottes Fügung in reinem Arabisch gegeben wurde. [S.17]

[Der "Engel Gabriel" soll den Koran dem Mohammed auf Arabisch überliefert haben - zum Teil Übereinstimmung mit der zu 50% gelogenen Bibel]
Abdallah Draz, Koranausleger an der Kairoer Al-Azhar-Universität, schliesst jede Möglichkeit fremden Einflusses prinzipiell aus. Nicht einmal Muhamad habe die Möglichkeit gehabt, die vom Engel Gabriel überbrachten Worte misszuverstehen oder gar durch eigene Reflexion zu verfälschen. Denn Muhamad habe selber keinerlei Ahnung von der Materie gehabt, er sei als des Lesens und Schreibens unkundig, reines Werkzeug Gottes gewesen, wie hätte er als Unwissender seine Meinung einbringen können? Wohl hätte er vielleicht die Falschheit der Götzenanbetung erkennen, aber nie die Wahrheit des richtigen Glaubens wissen können. Durch blosses Denken hätte er von früheren Ereignissen nichts wissen können, und doch stimme der Koran in vielen Dingen mit der Bibel überein.

[Die Bibel ist zu 50% falsch, und in derselben Menge ist neue, archäologische Forschung vorhanden, die die Bibel korrigieren würde. Dies wird aber von den Religionsoberhäuptern der Juden und Christen peinlichst vermieden. Buch: Keine Posaunen vor Jericho. Die Schlussfolgerung ist die, dass der Koran folglich auch mindestens zu 50% gelogen ist].

[Jesus im Koran ohne Kreuz]
Der Korangelehrte traute Muhamad wohl keine Bibelkenntnis zu. Es gibt Übereinstimmung mit der Bibel, es gibt aber auch grosse Diskrepanzen. Der Islam erkennt zum Beisiel die Existenz Jesu an, nicht aber seinen Tod am Kreuz. Dabei ist die Kreuzigung Jesu eine der ganz wenigen religiösen Episoden überhaupt, die historisch belegt ist.

[Kreuzigungen haben stattgefunden, aber Dokumente über eine Kreuzigung von einem Jesus sind bis heute nicht vorhanden - das ist alles von den jüdisch-christlichen Patriarchen 200 Jahre n.Chr. erfunden].

[Schwester Maryam=Mutter von Jesus - und Jesus in der Krippe spricht und hat das "Buch" in der Hand]
Auch die zeitgleiche Abfolge kommt bisweilen aus dem Lot: So verlegt der Koran Aarons Schwester Maryam (gemeint ist Maria) in Sure 19 aus dem ägyptisch-pharaonischen Umfeld des Alten Testaments ohne Probleme in die römische Zeit Palästinas und mutiert sie zur Mutter Jesu:

"Oh Schwester Aarons [Anm.: Aaron ist der alttestamentliche Bruder des Moses], dein Vater war kein Bösewicht und deine Mutter keine Dirne..,." (Sure 19:28)

Und sie deutete auf ihn. Sie sprachen: "Wie sollen wir mit ihm, einem Kind, in der Wiege reden?" (Sure 19:29)

"Und er [Jesus in der Krippe] sprach: Ich bin Allahs Diener, gegeben hat er mir das Buch [3] und er machte mich zum Propheten..." (Sure 19:30)
[3] Dass Allah Jesus "das Buch" gegeben haben soll, birgt überdies theologischen Sprengstoff in sich [S.18].
Kein Muslim käme je auf die Idee, diese wie andere Behauptungen des Korans in Zweifel zu ziehen, auch wenn dem noch so viele historische Tatbestände oder praktische Unmöglichkeiten entgegenstehen.

[Widersprüche im Koran: Beispiel Wein als "Gottesgabe" und Weinverbot]
Des Weiteren fällt dem Leser des Korans die Unlogik und Beziehungslosigkeit vieler Verse auf. Manche stehen offensichtlich nicht da, wo sie dem Zusammenhang nach hingehören, und es finden sich zahlreiche Widersprüche. An einer Stelle zum Beispiel ist der Wein eine Gottesgabe (Sure 16:67), an anderer wird verboten, betrunken zum Gebet zu erscheinen (Sure 4:43), während an wieder anderer Stelle (Sure 2:219) der Wein für Muslime generell verboten wird. In Sure 47:15 wird den Gläubigen aber wiederum Wein im Paradies versprochen ("Bäche von Wasser, Milch und Wein, köstlich den Trinkenden").

Also, was gilt nun?

Die zahlreichen Widersprüche sind natürlich bekannt und werden von Korangelehrten ganz offiziell als "aufgehobene" und "aufhebende" Verse bezeichnet. Ein Vers kann also durch einen anderen aufgehoben werden. Je nach Lehrmeinung gibt es bis zu 500 solcher sich widersprechenden Verse.

[Widersprüche im Koran: Gebet in der Nacht]
Beispiel 1:
Vers 2 der Sure 73: "Steh auf zum Gebet die ganze Nacht bis auf einen kleinen Teil ..."

Er wird aufgehoben durch Vers 20 der gleichen Sure: "Der Herr weiss, dass du zum Gebet aufstehst beinahe zwei der Drittel der Nacht oder die Hälfte oder ein Drittel davon ..."

Als Konsequenz daraus wird abgeleitete, dass das Nachtgebet zeitlich stark limitiert werden darf.

[Widersprüche im Koran: Erbrecht]
Beispiel 2:
Sure 4:7: "Den Männern steht ein Teil von dem, was die Eltern und Angehörigen hinterlassen, zu, den Frauen steht ein Teil von dem, was die Eltern und Angehörigen hinterlassen, zu..."

Die Stelle wird aufgehoben durch Vers 11 der gleichen Sure: "Gott trägt euch in Bezug auf eure Kinder Folgendes auf: Einem männlichen Kind steht [S.19] der doppelte Anteil von einem weiblichen zu. Sind es nur Frauen, über zwei an der Zahl, so stehen ihnen zwei Drittel dessen, was er hinterlässt, zu, ist es nur eine, so steht ihr die Hälfte zu. Den Eltern steht jedem von ihnen ein Sechstel dessen, was er hinterlässt, zu, wenn er Kinder hat. Wenn er keine Kinder hat ... Dies ist eine Pflicht von Seiten Gottes."

Das bedeutet eine Modifizierung des Erbrechts.

[Widersprüche im Koran: Ewiger Kampf gegen alle "anderen"]
Beispiel 3:
Sure 2:190: "Bekämpft mit Gottes Willen diejenigen, die euch bekämpfen, aber übertreibt nicht. Gott liebt nicht die Übertreter."

Aufhebung in Sure 2:191: "Und tötet sie [die Ungläubigen], wo immer ihr sie trefft ..."

Weitere Aufhebung in Sure 9:5: "Wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Ungläubigen, wo immer ihr sie findet, greift sie, belagert sie und lauert ihnen auf jedem Weg auf ..."

Koran 2:190 spricht nur von bekämpfen, 2:191 spricht von töten. Koran 9:5 wiederholt den Tötungsauftrag, begrenzt ihn aber zeitlich. Dies bedeutet, die Ungläubigen dürfen getötet werden, allerdings muss der Krieg während des Ramadan ruhen, wobei wiederum Interpretationsspielraum gegeben ist durch die Nennung von Monaten anstatt eines Monats.

Widersprüche über Widersprüche. Der gläubige Muslim hat jedoch keinerlei logisches Problem damit, denn alles ist für Gott möglich und erlaubt:

Sure 2:106: "Was wir auch an Versen aufheben, wir bringen bessere oder gleiche dafür. Weisst du nicht, dass Allah über alle Dinge Macht hat?"

1.3. Der Suren-Mischmasch gegen jede Chronologie und Grammatik

[Der Suren-Mischmasch: Die radikaleren, medinischen Suren, die mekkanischen, theologischen Suren - und die Nummerierung de Länge nach]
Gängige Praxis ist, den späteren Suren, das sind die sogenannten medinischen Suren, den Vorzug zu geben, weil sie die aktuelleren seien. Wer weiss aber wirklich, welches die späteren Suren waren, nachdem ihre Nummerierung einfach der Länge nach erfolgte? Die medinischen Suren sind sehr viel radikaler und mehr auf die praktischen Dinge bezogen als die mekkanischen, die mehr theologischen Inhalts sind. Dies macht in vielen Fällen die jeweils radikalere Aussage zu der gültigen, auch wenn eine liberalere Passage an anderer Stelle vorhanden sein mag [S.20].

[Allah kann formulieren, wie er will]
Gemessen an einem göttlichen, perfekten Anspruch, sind dies eher irritierende Praktiken. Für einen Gläubigen stellen sie aber kein Problem dar, denn diese Methodik ist nochmals abgedeckt von Sure 13:389: "Allah löscht aus, was er will, und bestätigt, was er will, denn er ist die Mutter des Buches."

[Doppeldeutige Suren - je nach Betonung]
Oftmals sind Verse auch semantisch uneindeutig - ihre Bedeutung hängt von ihrer Betonung ab. Ein Vers lautet zum Beispiel: "Es gibt keinen Zwang in der Religion."

Das wird von manchen so gelesen, dass jeder seine Religion durchaus selber wählen könne. Andere Auslegungen insistieren jedoch, der Vers müsse gelesen werden als "Es gibt keinen Zwang in der Religion". Demnach wäre der Islam also die einzig mögliche Religion, aber innerhalb deren seien gewisse Toleranzen möglich.

[Korangelehrte beschwören immer wieder einen "Plan" Allahs - die Anordnung der Suren nach ihrer Länge]
Der Korangelehrte Abdallah Draz weiter:
"Die Sätze sind in würdigster Form so ausgedrückt, dass die kleinstmögliche Anzahl von Worten verwendet wird, um Gedanken von äusserstem Reichtum auszudrücken. Koranische Rede ist klar übermenschlich, weil sie das psychologische Gesetz durchbricht, dass Intellekt und Gefühl immer im umgekehrten Verhältnis zueinander stehen. Zur Struktur einer Sure und des ganzen Korans übergehend finden wir einen überall gegenwärtigen Plan, den kein Mensch hätte erfinden können."

Der übermenschliche Plan besteht darin, dass alle Suren der Länge nach absteigend angeordnet werden. Die längsten Suren stehen am Anfang, die Kürzesten am Schluss. So umfasst die Sure Zwei 286 Verse und Sure Vier 175 Verse. Sure Hundertelf hingegen hat zum Beispiel nur 5 Verse, und Sure Hundertzwölf nur 4 [4].
[4] Die Sure 1, die "Eröffnende", zählt nicht als eigentliche Sure, denn sie wendet sich an Gott und kann daher nicht von Gott stammen. Setzt man allerdings Gottes Befehl "Sprich!" davor, kann eine Sure als Anweisung gelesen werden und so doch von Gott stammen. Dieser Trick findet sich 350 mal im Koran.
[Chronologische Rekonstruktion wird von der "islamischen Geistlichkeit" nicht ernst genommen]
Durch diese Anordnung geht jeglicher zeitliche und thematische Zusammenhang verloren, und dies hat eine Unlogik zur Folge, die dem Verständnis des Textes nicht gerade förderlich ist. Ungläubige Koranforscher haben mit einigem Erfolg die zeitliche Abfolge und logische Zuordnung rekonstruiert und damit erst Sinn in viele Passagen gebracht, stiessen aber bei der islamischen Geistlichkeit auf wenig Beachtung.

[Die Suren werden als "göttlich vollkommen" in den Himmel gelobt]
Das muslimische Hauptargument der Göttlichkeit des Korans liegt denn auch auf einer vollkommen anderen, nämlich auf einer emotionalen Ebene: Die Form, also die Reimprosa der Suren und Verse, sei so vollkommen, dass sie niemals aus einer menschlichen Feder stammen könnte. Für jeden Muslim ist die Ästhetik der Dichtung allein unwiderlegbarer Beweis für die göttliche Herkunft des Korans. Es gibt unzählige Lobeshymnen über die Perfektion der Verse, jeder Gläubige wird die atemberaubende Dichtkunst bestätigen - auch wenn er sie nicht verstehen kann.

[Kritiker werden regelmässig umgebracht]
Es ist nun müssig, über die Ästhetik einer Sprache zu urteilen, die nicht Muttersprache ist. Aber zu allen Zeiten gab es arabische Persönlichkeiten, die dem Koran die ihm zugesprochene ästhetische Qualität der Sprache schlichtweg absprachen - und dies oft genug mit dem Leben bezahlten.

[Zahlreiche, grammatische Fehler im Koran sollen "göttlich vollkommen" sein]
Bekannt sind auch zahlreiche grammatische Fehler. Ali Dashti [5]
[5] Ali Dashti (1896-1981), Iraner, studierte in Nedschaf Theologie und Geschichte. Schiitischer Geistlicher, später Journalist. Bekannter Oppositionspolitiker mit mehreren Inhaftierungen. 1979 von Khomeini in Haft genommen, wo er 1981 starb.
listet detailliert eine ganze Reihe von grammatischen Fehlern und syntaktischen Unmöglichkeiten auf. Er schreibt: "Der Koran enthält unvollständige Sätze ... Es kommen fremdsprachliche Begriffe vor, unbekannte arabische Ausdrücke und Wörter, die in einer anderen als der gewöhnlichen Bedeutung benutzt werden. Er missachtet die Regeln der Grammatik, ganz gleich, ob es sich um Femininum, Maskulinum, Verb oder Subjektiv, Adjektive oder Adverbien handelt. Dazu kommen unlogische und grammatisch falsche Pronomina, die an manchen Stellen keinen Bezug haben." [S.22]


1.4. Quellenstudium unerwünscht: Koranarabisch für die Gelehrten - und die Befehle der Prediger

[Quellenstudium unerwünscht: Muslime lernen den Koran sprechen - aber nicht verstehen - "Koranarabisch", Golfarabisch, Hocharabisch "Arabiya" etc. - Beispiel Nasser]
Jeder Muslim sollte in seinem Leben den Koran zumindest einmal gelesen haben, und die meisten haben das auch getan, beginnend im Alter von drei bis sechs Jahren. Dies geht so vonstatten, dass der Unterrichtende einen Vers in Arabisch vorliest und der Schüler das Gehörte wiederholt. Nach einer gewissen Zeit ist er in der Lage, die Verse selbständig zu sprechen. Gefragt, was das eben Gelesene bedeute, kann er jedoch keine Auskunft geben. Er hat gelernt, den Koran zu rezitieren, nicht aber zu verstehen. Hierfür bräuchte er eine Ausbildung in Koranarabisch.

Der Koran ist nämlich keineswegs in einem allgemein gebräuchlichen Arabisch geschrieben, denn "das" Arabische gibt es nicht.

Da ist die jeweilige Umgangssprache wie Marokkanisch, Syrisch, Ägyptisch, Jemenitisch, Golfarabisch und so weiter. Diese arabischen Dialekte können extrem unterschiedlich sein und unterscheiden sich ihrerseits wieder mehr oder weniger stark von der "Arabiya", dem Hocharabischen. Die "Arabiya" ist die offizielle Sprache, sie wird vom Volk nur höchst unvollkommen beherrscht. Vom ehemaligen ägyptischen Staatspräsidenten Nasser, einem grossen Redner, ist bekannt, dass er seine Reden oft in der "Arabiya¨" begann, aber an den entscheidenden Passagen in die "Ammiya", die Umgangssprache, wechselte. Das waren dann die Momente, wo er die Volksseele zum Überschäumen brachte.

[Quellenstudium unerwünscht: Koranarabisch verstehen nur die Korangelehrten - das Volk versteht den Koran kaum bis gar nicht]
Die Sprache des Korans unterscheidet sich nun aber ihrerseits wieder von der "Arabiya" und wird ausserhalb der Gelehrtenzirkel von niemandem verstanden. Selbst ein Saudi-Araber, also einer aus dem Lande des Propheten selber, ist damit überfordert. Nur ein rudimentäres Verständnis ist bei einem Ägypter, Iraker oder Marokkaner vorhanden, vollkommenes Unverständnis herrscht bei nichtarabischen Muslimen. Was versteht ein Türke, Afghane, Pakistaner, Iraner, Malediver oder Indonesier vom arabischen Inhalt des Korans? Buchstäblich nichts - auch wenn er ihn rezitieren kann.

Das Verständnis wird von ihm auch gar nicht erwartet, denn den Inhalt erfährt der Gläubige von Imamen und Vorbetern, die diesen in den allermeisten Fällen ihrerseits wieder mitgeteilt bekamen. Daher rühren auch die vielen unterschiedlichen, oft auf lokalen Traditionen beruhenden Anschauungen innerhalb der Religion, und es erklärt, warum muslimische Massen so leicht entflammbar sind [S.23].

[Quellenstudium unerwünscht: Beispiel Karikaturenstreit: Niemand hat die Karikaturen gesehen, aber alle glauben den Predigern und stecken Gebäude in Brand]
Es macht die Nachricht die Runde, dass in einer europäischen Zeitung der Prophet durch gotteslästerliche Karikaturen schwer beleidigt wurde. Sogar mit einer Schweineschnauze sei er dargestellt worden. Darauf gehen Hunderttausende, vorwiegend nach den Freitagspredigten, auf die Strasse, stecken Gebäude ein Brand, es gibt Verletzte und Tote. Dabei hat nicht ein einziger der Demonstranten, nicht einmal die Prediger, die sie aufgepeitscht hatten, je eine dieser Karikaturen zu Gesicht bekommen, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Es ist nicht die allgemeine Praxis, sich religiöse Sachverhalte originär zu erschliesse, die jeweils richtige Meinung ist stets vorgegeben.

[Korandeutung: Die Kairo-Diktatur - und Saudi-Arabiens wahhabitische Missionare mit saudischer "Entwicklungshilfe"]
Es gibt im Islam keine formale oberste theologische Autorität, aber traditionell hat die Al-Azhar-Universität in Kairo die Deutungshoheit über den Koran. Auf sie geht die Version von 1924 zurück, mit dem Anspruch, die einzig gültige für Muslime zu sein.

Seit einiger Zeit aber ist Saudi-Arabien der Hauptexporteur in Sachen islamischer Entwicklungshilfe. Auf Kosten des Königshauses strömen Heere von frommen Bartträgern in alle Teile der islamischen Welt, um das saudische Verständnis der richtigen Auslegung des Korans, den "Wahhabismus", zu verbreiten. Muslime, die sich dem Wahhabismus zuwenden, erhalten meist finanzielle Zuwendungen. So kommt es, dass lange Bärte und total verhüllte Frauen beispielsweise im Strassenbild von Male, der Hauptstadt der Malediven, auftauchen, was noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wäre. Der Wahhabismus, diese extreme Ausformung von einst nur lokaler Bedeutung, hat sich durch die Petrodollars zu einer bedeutenden Richtung des Islams gemausert.

[Zusammenfassung: 114 Suren kamen vom Ausserirdischen Gabriel und sind ohne Fehl und Irrtum - Quellenstudium unerwünscht]
Wir wollen das traditionelle Verständnis von der Entstehung des Korans noch einmal zusammenfassen:

114 Suren mit bis zu 286 Versen pro Sure, das entspricht rund 600 Seiten in der Reclam-Ausgabe, wurden Muhamad vom Erzengel Gabriel nach traditioneller Lehrmeinung übermittelt, die er an seine Anhänger wörtlich ohne Fehl und Irrtum weitergab. Allerdings nicht als Buch, sondern wie eine imaginäre Schallplatte, denn die Weitergabe erfolgte ja nach der Tradition mündlich. Die Anhänger memorierten die Suren oder schrieben sie provisorisch auf, wobei mit dem Material bisweilen recht [S.24] nachlässig umgegangen wurde. Aber auch hier gab es keine Fehler und keinen Irrtum. Mehrere "offizielle" und sehr tiefgreifende Bearbeitungen folgte im Laufe der Jahre. Die vom Anspruch her vollkommen reine arabische Sprache des Korans enthält viele Fremdwörter und ist auch für Araber ohne Kommentar nicht lesbar. Zahlreiche Verse gehören offensichtlich nicht an die Stelle, an der sie sich befinden. Die Anordnung der Suren, der Länge nach absteigend von der längsten zur kürzesten, erschwert die Einordnung. Trotzdem steht heute noch der Anspruch, jedes Wort im heute kanonischen Koran, der Referenzausgabe von Kairo 1924, sei ohne Fehl und Irrtum Gottes Wort und damit ewig und unverrückbar.

Sehen wir uns im nächsten Kapitel an, was die Wissenschaft dazu sagt [S.25].

<<     >>





Fotoquellen

^