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Norbert G. Pressburg: Good bye Mohammed - Mohammed gab es nie

8. Die "Goldenen Zeiten" des Islam - verklärte Blicke in eine nicht existente Vergangenheit
präsentiert von Michael Palomino (2015)

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8. Die "Goldenen Zeiten" des Islam - verklärte Blicke in eine nicht existente Vergangenheit

"Moses, Jesus, Muhamad - diese Verbrecher."
Der "islamische" Philosoph ar-Razi (865-925)

"Die Quelle des Unglaubens liegt darin, solch grässliche Namen wie Sokrates, Hippokrates, Plato und Aristoteles überhaupt gehört zu haben."
Der islamische "Philosoph" al-Ghazali (1058-1111)


8a. Die "Goldenen Zeiten" sind ERFUNDEN - die Realität um 600 bis 800 in der Wüste

[Islamische Lügentradition: Die "Goldenen Zeiten" des Islams - die Zeit des erfundenen Mohammed und der erfundenen ersten vier Kalifen]
Ob der ehemalige ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser, ob Saddam Hussein, ob ein beliebiger Prediger beim Freitagsgottesdienst, ob ein gläubiger Journalist in einer Zeitungsredaktion oder Osama bin Laden in den afghanischen Bergen: Jeder beruft sich auf die "Goldenen Zeiten" des Islams.

Was ist mit diesen "Goldenen Zeiten" gemeint?

Zunächst einmal wird unter der "Goldenen Zeit" die Lebenszeit des Propheten verstanden und die Zeit seiner unmittelbaren Nachfolger, der "Rechtgeleiteten Kalifen".

"Golden", weil zu jener Zeit die Offenbarungen des Propheten, also das Wort Gottes, Gesetz gewesen sein sollen. Der Prophet selber habe über die Einhaltung gewacht und selber als leuchtendes Vorbild gedient - also schlichtweg der Idealzustand für einen gläubigen Muslim. Auch die sozialen Umstände seien ideal gewesen. Dies habe sich auch noch unter den unmittelbaren Nachfolgern des Propheten fortgesetzt, die alle aus seinem Verwandtenkreis gestammt hätten.

Wie wir wissen gibt es dazu keine harten Fakten, die Schriften entstammen ausschliesslich religiösen Quellen und sind deshalb als Glaubenssache zu betrachten. Es ist also der Glaube, der ideale Verhältnisse konstruiert [S.147].

[Forschung: Das karge Leben in der arabischen Wüste - Raubzüge gegen Nachbarn ohne Ende]

Die frommen Erzählungen sollen sich in der Arabischen Wüste, mehr oder weniger zwischen Mekka und Medina, abgespielt haben. Wie wir nun ebenfalls wissen, hat diese Region in der Entstehung des Islams keine Rolle gespielt. Es erscheint daher müssig, über die Zustände in der damaligen Arabischen Wüste tiefschürfend zu räsonieren...

Trotzdem: Die äusseren Umstände in der Arabischen Wüste des 7. Jahrhunderts müssen schwierig gewesen sein. die Menschen bewegten sich am Rande des Existenzminimums, oftmals am Rande des Hungertodes. Noch bis ins 19. Jahrhundert gab es immer wieder kriegerische Ausbrüche aus der arabischen Sandwüste heraus bis ins mesopotamische Kulturland und nach Nordafrika, diktiert von purer Not [70].
[70] In Ägypten gibt es noch heute Dörfer ehemaliger, nicht mehr zurückgekehrter arabischer Plünderer aus dem 19. Jahrhundert, die von der eingesessenen Bevölkerung gemieden werden und mit denen keine Verheiratungen stattfinden.
Man darf annehmen, dass simple beduinische Raubzüge später zu islamischen Glaubensexpeditionen umgearbeitet wurden.

Wie kann diese Gesellschaft ausgesehen haben? Eine darbende, aber hoch ideologisierte Männergesellschaft, bei der im Wesentlichen das Recht des Stärkeren galt.

[Islamische Lügentradition: Mohammed lässt rauben und morden]

Muhamad selber ist nach den traditionellen Berichten das beste Beispiel dafür: Einmal an die Macht gekommen, gab er Morde für missliebige Personen in Auftrag und brach Dutzende von Scharmützeln und Kriegen vom Zaun. (Diese werden heute von der "umma", der "Gemeinschaft der Gläubigen", gefeiert oder zumindest als unvermeidlich dargestellt).

[Forschung: Die Verhältnisse in der Wüste wie in der europäischen Bronzezeit]
Die Geschehnisse, die "golden" gewesen sein sollen, fanden im "Mittelalter" statt - aber in welchem Mittelalter? Das Byzantinische Reich war in dieser Zeit sicher am weitesten, ähnlich auch die arabischen Kernländer. Europa hinkte diesen beiden Regionen im Mittelalter deutlich nach. Aber in der Arabischen Wüste herrschten trotz des Gebrauchs von Eisen bronzezeitliche Verhältnisse - wenn überhaupt.

Gläubige Menschen mögen inmitten erbärmlicher äusserer Umstände ideale Verhältnisse im Inneren postulieren. Tatsächlich ist es aber zweitrangig, wie diese Verhältnisse ausgesehen haben mögen. Ein Problem entsteht erst dann, wenn man die als ideal empfundenen Verhältnisse einer längst [S.148] vergangenen Epoche in andere Lebensräume und Epochen zu transferieren sucht; in unserem Fall bronzezeitliche Verhältnisse einer Wüstengesellschaft ins 21. Jahrhundert einer sich globalisierenden Welt. Das kommt der Weigerung gleich, geschichtliche, soziale und technische Entwicklungen, also schlicht den Fortgang der Zeit, anzuerkennen. Genau das tut die recht moderne islamische Ideologie der "salafiyya". Diese Fixierung auf eine längst vergangene Zeit in einem extremen Lebensraum, mit Akteuren, von denen wir eigentlich nichts wissen, ist ein Klotz am Bein der heutigen Muslime - jedenfalls jenes Teils, der sich dieses Verhältnisse zurückwünscht [S.149].


8b. Die gelogene "Islamische Expansion" von Spanien bis China

[Islamische Lügentradition: Die "Islamische Expansion" mit der grünen Fahne von Spanien bis China]
Zur "Goldenen Zeit" gehören auch die gewaltigen Eroberungen unter der grünen Flagge des Propheten. Innerhalb von 10 Jahren soll das islamische Heer aus der Wüste die Arabische Halbinsel erobert haben sowie Syrien, Palästina, den Irak, Ägypten, Nordafrika und Persien. es folgten der Kaukasus, Spanien, Teile Frankreichs, Russlands, Indiens und Chinas. Viel Holz in kurzer Zeit.

Es soll damit begonnen haben, dass die Truppen des Propheten 629 in Palästina einfielen. Bereits 633 stiess ein weiteres muslimisches Heer aus Mekka nach Syrien vor. Das liest sich in kurz gefasster Zusammenschau muslimischer Darstellungen so:
<Das Heer kam nur langsam voran, bis der Kalif Abu Bakr weitere Truppen, die simultan dazu Mesopotamien eroberten, mit den Worten herbeizitierte: "Beeilt euch, beeilt euch, die Eroberung eines syrischen Dorfes kommt mir teurer zu stehen als die Eroberung des gesamten Irak." So verstärkt, konnte das Heer die Byzantiner "südlich von Jerusalem schlagen.>
Man kennt den angeblichen Schauplatz nicht genau, man kennt nicht das Jahr, aber man kennt die Details, Feldherr ist ein gewisser Khaled al-Walid, "der grösste Feldherr aller Zeiten".

Zahlenverhältnis: Muslime 32.000, Byzantiner 90.000. Zur Einstimmung schickte Walid einen bekannten Vorkämpfer vor die Front. Der stellte sich vor die Reihen der Römer und schrie:
<Ich bin der Tod eurer aschfahlen Häupter. Ich bin der Mörder der Römer. Ich bin die Geissel, die zu euch gesandt wurde, ich bin Zarrar, Sohn von Azwar. Als sich ein römischer Offizier bewegte, um die Herausforderung [S.149] anzunehmen, riss sich Zarrar seine Rüstung vom Leib und warf seinen Schild hinfort. Die Römer erkannten ihn. Ihnen war bekannt, dass er Dutzende Veteranen getötet hatte, darunter die Generäle von Tiberias und Amman. Sofort bewegte sich eine grössere Gruppe auf Zarrar zu. Als General Walid diesen feigen Zug erkannte, stürzte er sich sofort in den Kampf. Es war wahrlich ein unfairer Kampf, nur zehn Römer gegen den grössten Schwertkämpfer aller Zeiten. sie waren keine Herausforderung für Khaled, er tötete sie schnell und gnadenlos." [71]

[71] Aus: islamreligion.com, 2009 [[The Religion of Islam]]
[[Im Jahre]] 637, 638 oder 639 kam es zur "entscheidenden Schlacht von Kadesia" im Irak. Die islamischen Quellen kennen zwar die Jahreszahl nicht genau, aber dafür wieder die Details: 100.000 Persern mit Kriegselefanten standen 30.000 Muslime gegenüber. Es war ein zähes Ringen, aber als schliesslich ein Wüstensturm den Persern entgegenblies, war es um sie geschehen [72].
[72] Das Interessanteste an der angeblichen Schlacht von Kadesia ist, dass 1980 der irakische Diktator Saddam Hussein dieses Ereignis benutzen sollte, um es als leuchtendes Beispiel für seinen Krieg gegen den Iran hinzustellen.
[[Im Jahre]] 636 kam es zur "alles entscheidenden Schlacht" am Yarmuk (Jordan): 200.000 Byzantiner gegen 25.000 Muslime. Sie wurde gewonnen, weil die "Perser und Römer" uneins waren und ein starker Südwind ihnen Staub ins Gesicht wirbelte.

638, nach anderen islamischen Quellen 634, eroberten die Muslime Jerusalem.

639 eroberten sie die persische Provinz Khuzistan, 640 Kairo und 642 Alexandria.

Ebenfalls 642 fand eine weitere "alles entscheidende" Schlacht bei Nehawend im Iran statt. 150.000 Perser standen weniger als 10.000 Muslimen gegenüber, die Windrichtung ist diesmal nicht überliefert. Aber die Muslime schlugen die Perser, die entsetzt in alle Windrichtungen davonstoben [73].
[73] In einem Forumsbeitrag auf der Webseite politik.de aus dem Jahr 2009 heisst es: "Das kann kein Zufall sein, immer unterlegen zu sein, aber dennoch erfolgreich zu siegen."
Die siegreichen, islamischen Heere stiessen weiter in zwei Marschsäulen [S.150] nach Indien und China vor. Unterwegs, am Fluss Talas, wurden die Chinesen abgefertigt, in "einer weiteren Entscheidungsschlacht der Weltgeschichte" (diesmal "Wikipedia", 2009) und - man staune - vom "Abbasidenkalifat". Das Erstaunen wird noch grösser, wenn an anderer Stelle die islamische Geschichtsschreibung präzise im selben Jahr einen legendären Abu Muslim die Omayaden aus genau diesem Gebiet vertreiben liess, eine "schiitische Revolte" unterdrückte und sich auch noch mit dem Kalifen überwarf. Strafexpedition, interner Glaubenskrieg, Vernichtung des chinesischen Heeres: alles am selben Ort zur selben Zeit.

Parallel dazu war ein islamisches Heer unterwegs, um Nordafrika, Spanien und Südfrankreich zu unterwerfen.

Die Besetzung Russlands bis zur Wolga wollen wir uns sparen [S.151].


8c. Gelogene Seeschlachten gegen Byzanz

[Islamische Lügentradition: Seeschlachten gegen Byzanz]

Die Muslime betätigten sich in Erfüllung einer Voraussage des Propheten unter dem Kalifen Umar ibn al-Chattab (vulgo: das Gezückte Schwert Gottes) auch als Seemacht und trafen damit nach islamischer Darstellung "den Lebensnerv von Byzanz". In der Seeschlacht von Phoinix, auch bekannt als "Krieg der Masten", errangen sie demnach einen glorreichen Sieg. Danach hätten die Byzantiner sehr ungeschickt agiert, weil sie in zu enger Formation fuhren und den Muslimen daher Gelegenheit gegeben hätten, von Boot zu Boot springend die Seeschlacht in eine Landschlacht zu verwandeln. Die muslimische Flotte habe zwar aus Christen bestanden, die aber begeistert und willig unter den Muslimen ihren Dienst versehen hätten. Die Flotte sei dann vor Byzanz "am griechischen Feuer" gescheitert, allerdings sei der Kaiser den Muslimen tributpflichtig geworden.

Zur Erinnerung an die Wirklichkeit: Gerade das Gegenteil ist der Fall. Muawiya / Maavia wurde tributpflichtig und wegen des Misserfolges abgesetzt. Auch sein Nachfolger Malik setzte die Zahlungen an Byzanz fort, wie wir wissen. Autor der genannten Begebenheit ist im Übrigen der uns schon bekannte Märchenonkel Tabari, er schrieb dies um 900 [S.151], also rund 200 Jahre nach den behaupteten Geschehnissen [74].
[74] Es sieht so aus, als ob wir uns auch vom Lieblings-Märchenonkel Tabari verabschieden müssten. Wie neueste Analysen ergaben, müssen die uns vorliegenden Tabari-Texte aus dem Kairo des 12. oder 13. Jh.s stammen. Zukünftige Forschungen könnten ergeben, dass "Tabari" keine Person war, sondern der Oberbegriff für eine Sammlung von Texten verschiedener Herkunft und Autoren.
[Noch ein erfundener Kalif: Umar ibn al-Chattab]
Fast überflüssig zu erwähnen, dass der gute Umar ibn al-Chattab historisch nicht belegt ist und wie zahlreiche seiner Kollegen nie existierte [75].
[75] Trotzdem gibt es eine Dissertation über seine schier übermenschlichen Leistungen an der Philosophischen Fakultät Köln: Halte Uenal: Die Rechtfertigung der juristischen Urteile des zweiten Kalifen 'Umar Ibn Al-Hattab'; Köln 1982
Nicht eine dieser zahlreichen "Entscheidungsschlachten" der Muslime ist historisch belegt.

[Forschung 650-850: Kämpfe zwischen Herrschern von Byzanz und Persien - Muslime sind nirgendwo erwähnt]
Natürlich kann eine Neuinanspruchnahme oder Wiederinbesitznahme von Territorien oder Privilegien nicht ohne Kämpfe abgegangen sein. In unabhängigen Quellen wird - ohne nähere Angaben über die Kontrahenten - von zahlreichen Scharmützeln aus dieser Zeit berichtet, Positionierungskämpfe zwischen ehemals persischen und byzantinischen Parteigängern, zwischen selbständig gewordenen Emiren und Alteigentümern. Von Muslimen keine Rede.

Nach 627, der endgültigen Niederlage von Chosrau II. bei Ninive gegen Herakleios, war keine persische Macht mehr existent, die die Muslime auf ihrem Eroberungszug Richtung China hätten vernichten können, und Herakleios selber war auf dem Höhepunkt seiner militärischen Macht.

[Islamische Lügentradition: Dichter zwischen 800 und 922 erfinden 200 Jahre frühe Islam-"Geschichte"]
Das grosse Problem, hier wie in der gesamten islamischen Frühgeschichte, sind die Quellen. Es sind ausnahmslos islamische Quellen, und es sind ausnahmslos spätere Darstellungen. Alle diese einschlägig bekannten Autoren [76],
[76] "Annales" von Tabari (gest. 922), die Hadithsammlung von Buhari (gest. 870), die "Geschichte der Kriegszüge" von Al Wakidi (gest. 822), "Generationen" von Ibn Saad (gest. 845).
auf die immer wieder zurückgegriffen wird, schrieben ihre detailreichen, zitatgespickten Geschichten sehr viel später - und auf der Basis nicht belegter Quellen. Diese Geschichten handeln von Ereignissen ("Entscheidungsschlachten") oder Personen ("Kalifen"), die nicht belegbar sind. Keine der Jahreszahlen stimmt, weil diese sich auf [S.152] Legenden beziehen und weil die nachträgliche Rückinterpretation in den Mondkalender eine häufig nachgewiesene Fehlerquelle in sich darstellt. Alles, was diese Autoren an Quellen bieten, sind die bekannten "Gewährsmänner" in der Tradition einer Kette mündlicher Erzählungen.

[Islamische Lügentradition: Der Islam bewege sich in "aussergeschichtlichen Dimensionen"]
Aus den ersten beiden Jahrhunderten, also der Zeit Muhamads und der Eroberungen, existieren nicht einmal islamische Quellen. Wer nachträgliche Geschichten ohne belegte Quellen als Geschichte ansieht, geht konform mit Sayyid Qutb [77],
[77] Islamischer Theoretiker, Ägypten 1906-1966. Mehr darüber im Kapitel "Wer hat uns das angetan!"
der behauptete, Geschichte findet für den Islam nicht statt, weil dieser sich in "aussergeschichtlichen Dimensionen" bewege. Wie flexibel man in islamischer Betrachtungsweise mit historischen Fakten umgeht, mag folgendes Zitat belegen:
"Aber auch das eigentliche historische Geschehen, die Darstellung der Ereignisse und ihre Erklärung, werden unterschiedlich ausfallen, je nachdem, ob der Historiker ein unmittelbares, göttliches Wirken in seiner Vorstellungswelt zulässt oder nicht." [78]

[78] Mohammed Laabdallaoui auf: muhamad.islam.de, 2009 [[Muhammad - Islam.de - Die Internetseite des Propheten]]
Und:
"In der muslimischen Tradition hat sich die Richtung durchgesetzt, die dieses Problem (Anm.: Das Problem der fehlenden Widerlegbarkeit) nicht durch eine dogmatische Ausklammerung alles Wundersamen zu lösen versucht, sondern durch strenge Massstäbe an die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung."
Das heisst mit anderen Worten, Wunder in Geschichtsschreibung sind erlaubt. Spricht der zitierte Herr von Historikern oder von "quassas", den orientalischen Geschichtenerzählern? Natürlich ist denkenden Gläubigen klar, dass die Geschehnisse logisch nicht möglich sind. Deshalb bleibt gar keine andere Wahl, als die Existenz von Wundern zu postulieren oder gleich pauschal die Unanwendbarkeit historischer Prozesse für den Islam zu reklamieren. Vielleicht sollte man doch die westliche Unart beibehalten, Forschung und Geschichtsschreibung auf Fakten und überprüfbare Sachverhalte zu beschränken [S.153].

[Forschung: Die arabischen Christen haben eine reichhaltige Literatur hinterlassen]
Die Christen desselben Raumes haben zu derselben Zeit jedoch nicht nur eine Fülle von Literatur hinterlassen, sondern sogar eine weitreichende Missionstätigkeit entfaltet. Man betrachte die leidenschaftlichen Auseinandersetzungen untereinander, die Themen, die ihre Gemüter erhitzten und die reichen literarischen Niederschlag fanden. Themen, die höchst akademisch waren und absolut nebensächlich zu nennen sind im Vergleich mit der Konfrontation und Bedrohung in ganz anderen Dimensionen durch eine andere Religion.

[Islamische Lügentradition: Islam hat wie eine Lawine von Spanien bis China die Staaten besetzt - in christlichen Quellen steht NICHTS DAVON (!!!)]
So wie die Vorgänge im traditionellen Bericht beschrieben sind, ist der Islam wie ein Wirbelwind durch die halbe damalige Welt gezogen. Warum erzählen uns die Hauptbetroffenen, die Christen und die vielen Angehörigen anderer Religionen, nichts davon' Weil sie die Muslime als Befreier begrüssten? Weil die Befreier so tolerant waren, wie es die Tradition uns weismachen will?

Es gibt nun Versuche, diese Ereignisse mit ausserislamischen Quellen zu belegen. Die üblicherweise genannten Namen sind Sophronius, Maximus der Bekenner, Thomas der Presbyter, Sebeos aus Armenien, Johannes von Damaskus und einige andere mehr. Sofern sich die Texte zeitlich und den Autoren gesichert zuordnen lassen, ergibt sich ein sehr eindeutiges Bild [79].
[79] Karl-Heinz Ohlig: Hinweise auf eine neue Religion in der christlichen Literatur, 'unter islamischer Herrschaft'?; In: Der frühe Islam; Berlin 2007
[Forschung: Christliche Glaubensrichtungen der "Araber": Christlich-arabische Literatur erwähnt keinen Mohammed, Koran oder Islam - und die Taktik der Interpretation "Taquiyya"]
Es wird viel über "Sarazenen, Ismailiten, Hagariten" berichtet, damals übliche Synonyme für "Araber". Diese werden als "Häretiker" wahrgenommen, in keinem Fall aber als Angehörige einer anderen Religion, geschweige denn als Islam. Diese Religionsbezeichnung ist im beschriebenen Zeitraum nicht existent. Häretiker sind Abweichler von der eigenen Religion - genau das waren die arabischen Christen des 7. bis 9. Jahrhunderts und in abnehmendem Masse wohl auch noch später. Der Syrer Johannes bar Penkaye schreibt Ende des 7. Jahrhunderts in seinem 15-bändigen Buch Ktaba d-res melle: "Unter den Arabern sind nicht wenige Christen, von denen einige zu den Häretikern gehören, einige zu uns." Er erzählt nichts von einem Muhamad oder Islam. Anastasius vom Sinai (610-701), Jakob von Edessa (633-708), oder der Patriarch Isojahb III. (gest. 659) schreiben über die Probleme ihrer Zeit - auch hier keinerlei Erwähnung vom Propheten [S.154] und seiner Religion. In die gleiche Richtung deutet ein Gespräch zwischen dem Patriarchen Johannes und einem Emir aus dem Jahre 644, also kurz nach Maavias Machtübernahme [80].
[80] F. Nau: Un colloque de Patriarche Jean avec l'émir des Agareens; In: Journal Asiatique, 1915
Worüber wird diskutiert? Neben Verwaltungsfragen über die Verschiedenheit der einzelnen Konfessionen, über Abraham, Moses und Maria - und natürlich über die Natur Jesu. Der Emir könnte Ibn As oder Ibn Saad gewesen sein. Nach Nevo und Koren [81]
[81] Yehuda D. Nevo / Judith Koren: Crossroads to Islam; New York 2003
"ist der Emir mit Sicherheit kein Muslim. Er zeigt keinerlei Kenntnis oder Anhängerschaft, er erwähnt nie Muhamad, Koran oder Islam."

Für solche Fälle allerdings hat die islamische Darstellung die "Taqiyya"-Keule zur Hand: "Taquiyya" ist die im Koran [82]
[82] Unter anderem Sure 3:28,29
sanktionierte religiöse Verstellung, sich aus einer Notsituation zu retten oder aus der vorgespielten Freundschaft mit einem Ungläubigen einen Vorteil zu ziehen. Der Emir hätte danach also aus taktischen Gründen nur so getan, als wäre er kein Muslim.

Schon allein die nüchterne Betrachtung von Zahlen müsste genügen [83].
[83] Das Waldmann'sche "Clausewitz-Argument"
[Forschung: Die grossen, muslimischen Heere waren UNMÖGLICH - und die "Wunder" in der muslimischen Kriegsdichtung]
Woher sollen die Heere aus einer fast menschenleeren Wüste denn stammen? Allein Ägypten und Mesopotamien hatten Millionen Einwohner, der sprichwörtliche Knüppel in der Hand hätte ausgereicht zur Verteidigung. Das weiss auch die Tradition und liefert gleich die Erklärung mit der Geschichte des nackten, nur mit einem Schilfrohr bewaffneten Muslims, der plötzlich einem schwerbewaffneten, persischen Reiter gegenüberstand. Dieser warf zitternd vor Angst das Pferd herum und versteckte seine Pfeile im Gewand, damit es für die anderen so aussah, als wären sie verschossen. Allein zwischen 639 und 641 (widersprüchliche Angaben beiseitegelassen) sollen erobert worden sein:
-- Syrien
-- Mesopotamien,
-- Persien,
-- Ägypten.

Und das parallel, und einschliesslich mehrerer Festungen, wofür Belagerungsmaschinen und viel Zeit von Nöten waren.

Man braucht nicht Clausewitz studiert zu haben, um zu verstehen, dass der gesamte Eroberungskomplex rein rechnerisch völliger Unsinn [S.155] ist. Deshalb hantiert die islamische Tradition ganz offiziell mit Wundern und versucht, dieses auch noch als legitimes Instrument in der Geschichtsschreibung zu verankern.

[Forschung: Die Quellen von Byzanz und Persien erwähnen weder einen Mohammed, noch einen Islam, noch einen Koran]
Und man stelle sich vor, dem besessen religiösen Byzanz wird innerhalb kürzester zeit von Wüstenkriegern im Namen einer neuen Religion die Hälfte des Reiches abgenommen. Die Perser verlieren ihr gesamtes Herrschaftsgebiet. Und sie bemerken es nicht? Beide haben einen ausgefeilten, bürokratischen Apparat, beide sind emsige Protokollierer. Und sie berichten nichts davon? Millionen betroffener Christen, Heiden, Zoroastrier, Buddhisten vom Nil bis an den Indus und an die Wolga merken nichts von der Überwältigung durch eine neue Religion? Mönche, Priester, Bischöfe, hochintellektuelle Theologen, weit gereiste Persönlichkeiten - sie sollen nicht in der Lage gewesen sein, eine neue Religion zu erkennen? Oder zu feige gewesen sein, um dagegen aufzutreten? Die meisten von ihnen wären für ihren Glauben freudig in den Tod gegangen! IN diesen Zeiten höchsten religiösen Bewusstseins und reichen Schrifttums soll von dem massiven und militanten Auftreten einer neuen Religion und ihrem totalen Sieg in kürzester Zeit nichts berichtet worden sein?

Eine vollkommen absurde Vorstellung, all das. Die einzige mögliche Erklärung ist, dass die in der traditionellen Darstellung geschilderten Ereignisse niemals stattgefunden haben. Man kann, ohne jemanden Unrecht zu tun, bei den islamischen Berichten nicht von Geschichtsschreibung reden. Es sind Geschichten, Märchen aus dem Morgenlande. Das Gespenstische dabei ist, dass diese im Wesentlichen auch das Geschichtsbild der westlichen Öffentlichkeit geprägt haben. Ist gar von einem neuen Wunder zu berichten?

Die "Goldenen Jahre" der islamischen Eroberungen - es hat sie nie gegeben. Aber es hat die goldenen Jahre der arabischen Selbstbestimmung, der Loslösung von den beiden gewaltigen Machtblöcken der Region gegeben, die den Grundstein legten zu einem arabischen Reich und einem arabischen Bewusstsein legten. Erst nachträglich wurde diese spezifisch arabische Erfolgsgeschichte in eine islamische Geschichte umgedeutet [S.156].


8d. Ab 750: Arabisch-christliche Abbasiden mit wissenschaftlicher Blüte

Arabisch-christliche oder arabisch-humanistische Gelehrte

Die meisten der arabischen Gelehrten waren auch Ärzte, entweder im Haupt- oder im Nebenberuf [S.163].

Um 750  war die Macht der Marwaniden zu Ende gegangen. Ihre Nachfolger, die "Abbasiden", errichteten ihre Residenzen weiter im Osten, vornehmlich in Bagdad und Samarra [[nördlich von Bagdad]]. Unter der Regentschaft einiger ihrer Herrscher erlebten die Wissenschaften eine wahre Blüte. Hier wurde der Grundstock zur weithin geteilten Meinung gelegt, das islamische Mittelalter sei dem europäischen weit überlegen gewesen: Das sind die "Goldenen Zeiten" der islamischen Wissenschaften.


Die Akten des Privatlehrers al-Kindi

Jakub ibn Ishak al-Kindi wurde um 800 in der Kulturstadt Kufa in Mesopotamien geboren [s.157]. Al-Kindi hat mehr als 200 Schriften hinterlassen. Er scheint bisweilen konfus und unfertig, aber im Zentrum steht bei ihm die Propagierung des selbständigen Denkens. Er selber titulierte sich mit dem Fremdwort "Philosoph" und unterstrich unablässig die Wichtigkeit der Erkenntnis der Wahrheit, gleichgültig, woher diese stamme. Er markierte den Anfang einer Reihe arabischer Philosophen. Sein Denken ist der koranischen Lehre diametral entgegengesetzt [S.158].

[Akten des Privatlehrers al-Kindi: Erdphysik und indische Zahlen (arabische Ziffern)]
Es war die Regierungszeit des wissbegierigen und aufgeklärten Herrschers al-Mamun in Bagdad. Über den Bildungsweg al-Kindis wissen wir [S.157] nicht näher Bescheid, aber er wurde zum Privatlehrer eines Neffen Mamuns, des späteren Herrschers Mutasim, bestellt. Einige seiner Unterrichtsmaterialien sind uns überliefert. Etwa eine Erörterung darüber, warum die Erde als Kugel frei im Raum schweben könne. Ein weiteres Traktat behandelt das Rechnen mit "indischen Zahlen". Dies ist genau jenes Zahlensystem, das wir als "arabische Ziffern" bezeichnen. Es stammt in der Tat aus Indien und gelangte über die arabische Vermittlung nach Europa.

[Akten des Privatlehrers al-Kindi: Ebbe und Flut, Sterne und Bäume]
Ebbe und Flut versuchte al-Kindi durch die Reibungswärme des Mondes beim Umlauf zu erklären. An anderer Stelle versuchte er, eine logische Brücke zu koranischen Aussagen zu schlagen, etwa der, wonach sich Sterne und Bäume anbetend vor Gott niederwürfen. Er sieht dahinter das Prinzip der absoluten Gesetzmässigkeit - wenngleich er den Gestirnen Gesichts- und Gehörsinn zuschreibt. Seine Schrift über "Ursache und Wirkung" widmete er Mamun. Damit stellt er sich in schroffen Gegensatz zu einem der Hauptsätze der koranischen Lehrmeinung, die Kausalität strikt ablehnt und dafür den Willen Gottes postuliert.

Seine Denkansätze basieren auf Aristoteles und Ptolemäus, durchsetzt mit altorientalischen Traditionen; besonders nahe scheint er den altbabylonischen Sternanbetern gestanden zu haben. [S.158]


Der Gelehrte Hunain ibn Ishak

Hunain ibn Ishak war das, was man heute einen wissenschaftlichen Herausgeber und Verleger nennen würde. Er starb im Jahre 873 und vererbte der Nachwelt einen bedeutenden Nachlass antiker Autoren. Er war ein grosser, arabischer Wissenschaftler, aber kein muslimischer. [...]

Hunain ibn Ishak (808-873) stammte aus al-Hira im südlichen Mesopotamien. Sein Vater war Apotheker, der Sohn wollte Arzt werden und gelangte so nach Bagdad. Er besuchte die Vorlesungen eines gewissen Juhana ibn Masawahai, wie Hunain ebenfalls syrischer Christ und Leibarzt des Kalifen. Lehrmaterial waren wie üblich die griechischen Autoren, ganz besonders der berühmte Mediziner Galen aus Pergamon. Aus irgendeinem Grunde (er war angeblich zu vorlaut) wurde Hunain von seinem Lehrer der Vorlesungen verwiesen, eine Wanderschaft durch verschiedene [S.158] Städte folgte, darunter wahrscheinlich auch Byzanz. Nach sechs Jahren nach Bagdad zurückgekehrt, begann er, wissenschaftliche Standardwerke aus der Antike ins Arabische oder in die von seinem jeweiligen Auftraggeber gewünschte Sprache zu übersetzen. Er beherrschte meisterhaft antike und alle gängigen regionalen Sprachen. Aufgrund seiner medizinischen Ausbildung hatte er die allerbesten Voraussetzungen für fachspezifische Übersetzungen, sein Spektrum umfasste jedoch die gesamten damaligen Wissenschaften. Eine seiner Arbeiten liess er einmal ohne Namensnennung seinem ehemaligen Lehrer Ibn Masawahai zukomme.

"Der das produziert hat, muss vom Heiligen Geist unterstützt worden sein!", soll dieser zutiefst beeindruckt ausgerufen haben.

[Die Übersetzungen und Fälschungen von Übersetzer Hunain ibn Ishak: Aus "Götter" werden "Gott", "Engel", "Heilige" - und arabische Neuschöpfungen]
Hunain wurde ein derart beschäftigter Mann, dass er bald seinen Sohn und seinen Neffen als Übersetzer der Standardtexte anlernte. Er selber kümmerte sich um die wissenschaftliche Hauptarbeit. Diese begann mit dem Auffinden alter Handschriften. Es waren zahlreiche unvollständig erhaltene Werke erhältlich, als Bruchstücke in verschiedenen Sprachen oder von verschiedenen Kopisten. Hatte Hunain ein bestimmtes Material beisammen, machte er sich ans Vergleichen. Ihm war natürlich bestens bekannt, dass Handschriften immer Fehler enthielten: Verschreibungen, Fehlübersetzungen, Fälschungen. Basierend auf dem Vergleich fertigte er dann die bestmöglichen Übersetzungen an, von denen er einen Katalog erstellte (der erst 1918 gefunden wurde). Er pflegte die Eigenart, die alten Götter, wenn sie in einem Text auftauchten, in den Einen Gott, in Engel oder Heilige umzubenennen.

Im Gegensatz zu anderen begnügte er sich nicht mit den griechischen Fachausdrücken, sondern schuf arabische Wörter dafür. Er versäumte es auch nicht, in Samarkand, wo die Technik der chinesischen Papierherstellung bekannt war, extraschweres Papier zu ordern. Seine Arbeiten wurden inzwischen mit Silber aufgewogen. [...]


Thabit ibn Kurra (geb. 834): Philosoph gegen den neumodischen Gott

[Religiöse Vielfalt ist Standard]
"Wer hat die Häfen und die Kanäle angelegt, wer hat die geheimen Wissenschaften kundgetan? Wem hat sich die Gottheit offenbart, wem hat sie [S.159] die Orakel gegeben und zukünftige Dinge gelehrt, wenn nicht den Weisen unter den Heiden? Sie haben all das studiert, sie haben die Heilung der Seelen erläutert und ihre Erlösung kundgetan, sie haben auch die Heilung des Körpers erforscht, und sie haben die Welt mit der Weisheit, der wichtigsten Tugend, erfüllt."
Der das schrieb, war selber Heide: Der Sabier [85]
[85] Sabier: Anhänger eines babylonisch-chaldäischen Sternenkults
Thabit ibn Kurra, 834 in Harran, in der heutigen Osttürkei, geboren. Und er war überzeugter Heide. Als er mit Anhängern der gerade aufkommenden neuen Religion diskutierte und diese die Allmacht Gottes in den Mittelpunkt stellten, fragte er zurück:
"Kann euer Gott auch bewirken, dass fünf mal fünf nicht fünfundzwanzig ist?"
Für ihn hatte der neumodische Gott bestenfalls Allmacht über die Geschöpfe, aber nicht über die Schöpfung selber. Er war selber ein Geschöpf. Ihr Glaube hatte den alten babylonischen Sternenkult als Wurzel, modifiziert durch den Einfluss griechisch-antiker Denkweise. Als Propheten verehrten die Sabier weise Männer der Vergangenheit, darunter auch griechische Philosophen [86]
[86] Man sieht, noch im 9. Jahrhundert bestand eine Vielfalt an Religionen im Reiche der sogenannten Kalifen. Der Islam war keineswegs schon die etablierte, dominierende Religion.
Ein überliefertes Motto lautete: "Plato sagte: Wer sich selbst erkennt, wird göttlich." [87]
[87] Inschrift am Türklopfer eines sabischen Hauses in Harran (nach al-Masudi).

[Ibn Kurra wird Regierungsberater und Astronom]
Auf der Durchreise durch die Stadt Harran wurde eine hochgestellte Persönlichkeit auf den gebildeten Sabier aufmerksam und nahm ihn mit nach Bagdad. Dort schrieb Thabit für diese in den Wissenschaften dilettierende Person unter ihrem Namen Abhandlungen und wurde auch so etwas wie freier Mitarbeiter für astronomische Fragen in Hunains Literaturbetrieb. Später wurde er in den Kreis der Hofastronomen aufgenommen und Vertrauter und enger Freund des Herrschers al-Mutatid.

Ausnahmslos waren alle bedeutenden Wissenschaftler und Philosophen zumindest zeitweise bei Hof beschäftigt. Eine Karriere war anders zu dieser Zeit nicht möglich. Thabit beherrschte das Griechische perfekt, beschäftigte sich mit Philosophie, Mathematik und Medizin. Unter [S.160] anderem hinterliess er uns ein Buch über die Fragen, die ein Arzt dem Kranken stellen solle. Er war der Meinung, dass hinter dem Namen "Hippokrates" in Wirklichkeit vier Autoren stecken mussten. Als Sabier lag aber seine Stärke auf dem Gebiet der Astronomie. Unter anderem hatte es ihm die geringfügig unterschiedliche Länge der Jahre angetan. Ausgehend vom ptolemäischen System, nahm er eine geringe Bewegung der Fixsternsphäre an, die sogenannte Trepidation, die auch noch bei Kopernikus Eingang fand. Thabit kommt in Wolfram von Eschenbachs "Parzival" als Thebit vor. Er starb 901.


Arzt Muhamad ibn Zakarija ar-Razi (geb. 865 in Rajj/Teheran)

[Ar-Razi mit Medizin - die grosse Übersetzung "Liber Continens" von 1486 in Brescia]
Es gibt auch von einer medizinischen Kapazität zu berichten, die ihre Laufbahn als Lautenspieler begonnen hatte: Muhamad ibn Zakarija ar-Razi, 865 in Rajj, dem heutigen Teheran, geboren. Von seiner Biografie wissen wir recht wenig, ausser dass er Krankenhäuser in Bagdad und Rajj leitete und mit dem dortigen Emir al-Mansur ibn Ishak gut befreundet war. Dafür ist seine fachliche Hinterlassenschaft umso grösser, ar-Razi war der grösste Kliniker der arabischen Welt und als "Rhazes" in Europa wohlbekannt.

Eine medizinische Enzyklopädie widmete er seinem Mäzen Mansur. Die lateinische Übersetzung des in Europa sehr populären Kapitels 9 hiess "Liber Nonus Almansurus". Es enthielt eine Heilmittelanleitung, zugeordnet den einzelnen Krankheiten von Kopf bis Fuss, und war sogar in einigen europäischen Volkssprachen erhältlich.

Eine weitere in Europa sehr berühmte Abhandlung befasste sich mit Masern und Pocken, die sogar noch in England im 18. Jh. gedruckt wurde [88].
[88] Ar-Razi: Über die Pocken und Masern; Deutscher Nachdruck und Übersetzung von K. Opitz; Leipzig 1911
Bei seinem Tode im Jahre 925 hinterliess ar-Razi eine gewaltige Menge griechischer Exzerpte zu klinischen Fällen, die er durch eigene Beobachtungen und Erfahrungen ergänzt hatte. Diese Hinterlassenschaft wurde von Schülern systematisiert und kam 1486 in Brescia unter dem Titel "Liber Continens" zum Druck, zwei riesige Folianten füllend.

Wie jeder berühmte Arzt seiner Zeit verfügte Rhazes auch über ein grosses philosophisches Wissen, denn aus der Philosophie leitete sich zu [S.161] einem guten Teil die medizinische Theorie ab. Die griechischen Philosophen sowie Hippokrates [89] und Galen [90] waren ihm bestens vertraut.
[89] Hippokrates von Kos, Arzt, ca. 460-370 v.Chr.
[90] Römischer Arzt, 129-216 n.Chr.; zusammen mit Hippokrates der bedeutendste Arzt der Antike.
Rhazes bewies ein grosses Mass an selbständigem Denken, aber Neuerungen brachte er niemals vor, ohne dem grossen Galen Respekt zu zollen:
"In der Tat, es ist mir schmerzlich gewesen, mich gegen den aufzulehnen, der von allen Menschen mich am meisten mit Wohltaten überhäuft hat und mir der hilfreichste war, durch den ich mich habe führen lassen, dem ich gefolgt bin Schritt für Schritt. Aber die Medizin ist eine Philosophie, die keinen Stillstand duldet." [91]

[91] Im Gegensatz dazu bedachte Avicenna (persischer Arzt und Gelehrter - https://de.wikipedia.org/wiki/Avicenna) Galen bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit Schmähungen.
Während Galen der Meinung war, dass die Seele von der Verfassung des Körpers abhängig sei, sagte Rhazes, dass die körperliche Verfassung von der Seele bestimmt werde. Die praktische Konsequenz davon war, dass er den Ärzten empfahl, den Patienten stets Mut zu machen, auch wenn sie sich ihrer Sache selber nicht sicher seien.

[Ar-Razi mit Philosophie: Atomare Materie, Gott, Weltseele, Raum, Zeit - Propheten Moses, Jesus und Mohammed werden als Unruhestifter abgelehnt]
Auch in der Philosophie ging ar-Razi eigene Wege. In Anlehnung an Demokrit nahm er eine atomare Materie an (Erde, Feuer, Luft und Wasser). Daneben stellte er Gott, die Weltseele, den absoluten Raum und die absolute Zeit, er sah den Kosmos also mehrdimensional. Der Schöpfer der Bibel und des Korans ist nur beigeordnet und nicht wirklich allmächtig. Propheten erkannte Rhazes als notwendige Mittler der Substanz Gottes und der Menschen an, jedoch nicht "die drei Betrüger Moses, Jesus und Mohammed" [92],
[92] Es handelt sich um einen viel diskutierten Ausspruch. Wenn er auch möglicherweise nicht von ar-Raiz selber stammte, so hat er ihn doch vertreten und populär gemacht.
die nur Zwietracht gesät hätten. Sein "Imam" (er benutzt diesen Ausdruck wörtlich) ist Sokrates.

Spricht so ein Muslim, als der ar-Razi wie selbstverständlich vereinnahmt wird?

Rhazes starb im Jahr 925, in seinen letzten Lebensjahren war er erblindet [S.162].


Al-Farabi: Philosoph in Aleppo - Religion ist erfunden - der ideale Staat etc.

Al-Farabi war "nur" Wissenschaftler, hauptsächlich Interpret von Aristoteles und anderen griechischen Philosophen, denen er seine eigene Variante hinzufügte. Die Medizin grenzte er bewusst von der Philosophie ab, weil es ihr Zweck sei, eine praktische Veränderung im Körper hervorzurufen, sie dabei aber nichts mit der Wahrheitsfindung zu tun habe.

"Al-Farabi" heisst nichts anderes als "Der aus Farab", einer Stadt im heutigen Kasachstan, wo er im Jahr 870 geboren wurde. Farabi war wohl ethnischer Kasache. Er soll zeitlebens, sein Äusseres missachtend, in einem schäbigen Kaftan kasachischer Art herumgelaufen sein. Von seiner Jugend wissen wir wenig. Nur, dass er sich schon in jungen Jahren auf den Weg nach dem persischen Harran und dann weiter nach Bagdad machte, wo sich christliche Lehrer seiner annahmen. Die meiste Zeit verbrachte er hier, in seinem letzten Lebensabschnitt ging er nach Aleppo in Syrien an den Hof des Emirs Saif al-Daula. Er begab sich kurz nach Kairo und starb bald nach seiner Rückkehr nach Syrien im Jahr 950. Der islamische Klerus nahm demonstrativ nicht an seiner Beisetzung teil.

Das hatte seine guten Gründe: denn Farabi lehrte vieles, was den Imamen nicht gefallen konnte, obwohl er sich stets um einen Ausgleich zwischen Philosophie und Religion bemühte. In der Hauptsache aber entwickelte er seinen Aristoteles fort.l Er stellte die Welt als zusammenhängende Einheit dar: Ihr Ursprung ist zwar Gott, aber nicht als Schöpfer, wie Koran und Bibel ihn sehen, sondern als nicht personifizierte Quelle des Seins. Sie ist die Quelle ausfliessender Bewegung, der sogenannten Emanation, der die niederen Stufen ihre Existenz verdanken. Die unterste Stufe der Hierarchie bildet die Materie, in die der Mensch verstrickt ist. In die höheren Welten kann dieser nur durch Denken, mystische Versenkung oder den Tod gelangen. Die vornehmste Aufgabe des Menschen ist es, durch Begreifen der Welt und des Universums mit dem universalen Intellekt eins zu werden. Dieses Glück ist aber nur für wenige erreichbar - für den Rest ist die Religion gemacht [93].
[93] Ähnlich formulierte es Ibn Ruschd mit seinen "beiden Wahrheiten".
Farabi betrachtete somit die Religion als künstliches Produkt, aber als eine Notwendigkeit für den Grossteil der Menschen [S.163].

In dieser Denkweise entwirft er einen idealen Staat. Ähnlich Plato fordert er einen philosophischen König, dem aber ein Prophet zur Seite stehen soll, um dem mit wenig Vernunft ausgestatteten Staatsvolk Anweisungen zu geben.

Seine Philosophie ist antireligiös, trotzdem sieht er für die alltägliche Praxis Geistliche vor, die auf die ungebildete Masse einwirken sollen.

Al-Farabi stand nicht wie andere im Rampenlicht, sondern verbrachte seine Zeit mit Vorliebe im Garten beim Wasserteich.

Ibn al-Haitham: Staudammprojekt am Nil scheitert - Übersetzungen - Physik - Optik und Astronomie mit Experimenten - Bücherverbrennung durch Muslime

965 war das Geburtsjahr eines gewissen Ibn al-Haitham, der in Europa unter dem Namen "Alhazen" bekannt werden sollte. Er stammte aus Basra und schlug zunächst eine Beamtenlaufbahn ein. Diese gab er jedoch bald auf und widmete sich wissenschaftlichen Studien in Bagdad und Persien. Eines Tages wurde der Gegenkalif in Kairo auf ihn aufmerksam, und als Alhazen die Möglichkeit äusserte, man könne den Nil aufstauen und so die Felder über das ganze Jahr bewässern, wurde er nach Ägypten berufen und mit dem Projekt betraut. Mit grosser Mannschaft und Gerät zog er den Nil aufwärts, um das Staudammprojekt anzugehen. Aber sehr bald, schon angesichts der gewaltigen altägyptischen Bauwerke entlang des Flusses, beschlichen ihn Zweifel. Wenn diese Leute, die jene Bauwerke geschaffen hatten, keinen Damm bauen konnten, wie sollte das ihm gelingen? In Assuan, dort, wo heute der Damm steht, fand er die geeignete Stelle, aber er musste bald einsehen, dass dieses Projekt nicht durchführbar war. Unverrichteter Dinge kehrte er nach Kairo zurück und konnte froh sein, angesichts dieser Pleite mit dem Leben davongekommen zu sein.

Er wandte sich darauf dem für viele Wissenschaftler der Zeit typischen Broterwerb zu: Er übersetzte antike Schriften. Über die Jahre stellte er eine Ausgabe des kompletten Euklid, des "Almagest" des Ptolemäus sowie Schriften weiterer griechischer Autoren fertig. Das machte ihn mit der Zeit finanziell so unabhängig, dass er sich seinem Lieblingsgebiet zuwenden konnte: der Physik, und ganz speziell der Optik [94].¡
[94] Sein Hauptwerk fand in lateinischer Sprache unter dem Titel "Thesaurus Opticus" in Europa weite Anerkennung [S.164].
Waren aber die meisten antiken und arabischen Physiker reine Theoretiker, so verlegte sich Alhazen auf Experimente, ein Novum zu dieser Zeit. Er goss die erste Linse aus Glas, die er interessanterweise zwar für Experimente benutzte, anscheinend nie aber für praktische Zwecke, etwa als Vergrösserungsglas oder Fernrohr. Im Widerspruch zu Euklid stellte er fest, dass die Lichtstrahlen von einem Objekt ins Auge gelangen und nicht ein Sehstrahl aus dem Auge die Umgebung abtastet. Anhand eines Hohlspiegels aus Metall stellte er sich ein bestimmtes mathematisches Problem, das noch heute als "Alhazensches Problem" bekannt ist und das er zwar selber umständlich löste, für das aber erst Huygens Mitte des 17. Jahrhunderts eine elegante Lösung fand. Auch grundlegende Gesetze der Perspektive infolge des sich gradlinig ausbreitenden Lichts gehen auf Alhazen zurück.

Seine Arbeit mit Lichtstrahlen führte ihn konsequenterweise auch auf das Gebiet der Astronomie. Er betrachtete die Sternenwelten ganz nüchtern als begreif- und berechenbare physikalische Einheiten. Er berechnete aufgrund der Strahlenbrechung die Dicke der Atmosphäre fälschlicherweise auf fünf Meilen, weil er von einer scharfen Grenze und nicht von einer allmählichen Verdünnung der Luft ausgegangen war. Die Würdigung einer Arbeit lässt sich mit Alexander von Humboldt ausdrücken, der die Araber als die eigentlichen Gründer der Physik bezeichnete. Ibn al-Haitham alias Alhazen war ihr bedeutendster Vertreter auf diesem Gebiet, obwohl nur Teile seines Gesamtwerkes erhalten sind, denn bald schon wurden seine Schriften als gegen den Koran gerichtet verbrannt.

Abu Ali ibn Sina - Wissenschaftler von Buchara - vom Turk-Stamm der Qara-Khaniden verfolgt - Minister mit Militärtraktat - neu Schriften im Gefängnis

Abu Ali ibn Sina wurde unter dem Namen "Avicenna" eine der berühmtesten arabischen Persönlichkeiten in Europa. Im Orient ist er heute noch populär; Iran, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan wetteifern um die Ehre, ihn als einen der Ihrigen eingemeinden zu dürfen.

Es gibt immer noch viele Rätsel in Avicennas Biografie. Das erste ist das Jahr seiner Geburt. Man weiss, dass Avicenna im Jahr 1037 starb. Über sein Alter gibt es vier verschiedene Angaben, wobei nicht einmal sicher ist, ob von Mond- oder Sonnenjahren die Rede ist - das macht acht Daten zur Auswahl. Die nach Lüling wahrscheinlichste Altersangabe ist 58 Jahre, das heisst, Avicenna wurde im Jahr 979 geboren. Seine Familie stammte [S.165] aus der buddhistischen Hochburg Balch [95]
[95] Das Baktrien hellenistischer Zeit. Balch umfasste Teile des heutigen Afghanistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Usbekistan. Die Provinz war zu Lebzeiten Avicennas die buddhistische Hochburg im Osten des Persischen Reiches. In Bamiyan liess im Jahre 2001 die Taliban-Regierung zwei monumentale Buddha-Statuen aus jener Zeit sprengen.
im heutigen Afghanistan, zog aber in die samnidische Residenz Kharmitan in die Nähe von Buchara (Usbekistan), wo Avicenna geboren wurde. Sein Vater war hochgestellter Beamter am Hof der buddhistischen Samniden [96].
[96] Der Name leitet sich ab von der Stammresidenz Saman / Suman. Daher stammt "Sumaniyya", die damalige Bezeichnung für Buddhismus.
Die Herkunft aus einem gut situierten Elternhaus gewährleistete die beste damalige Bildung. Die "Eisagoge" von Porphyrios und andere klassische Schriften gehörten zur Grundausbildung, er studierte natürlich auch Mathematik, Geometrie, Physik und Medizin. Letztere nannte er keine schwere Wissenschaft. Er war ein ungeheuer fleissiger Arbeiter, der zumindest nach eigenem Bekunden ganze Nächte durchstudierte.

Mit 22 Jahren war es vorbei mit dem Frieden. Der gerade erst islamisierte Turk-Stamm der Qara-Khaniden vernichtete das Samnidenreich und deportierte die überlebenden Mitglieder des Herrscherhauses Avicenna ("da forderte mich die Not auf fortzuziehen") flüchtet nach Urgentsch, der Hauptstadt der Provinz Choresmien.

Indessen versuchte der Samanidenprinz al-Muntasir, in einem fünf Jahre währenden Kampf die Herrschaft wiederzugewinnen, scheiterte aber. Und Avicenna war sein Gefolgsmann. Die Türen, die ihm zuvor offengestanden hatten, schlossen sich aus politischen Gründen wieder.

"Da forderte mich die Not auf fortzuziehen": Avicenna verliess mit seinem langjährigen Lehrer und Gefährten Abu Sahl al-Masihi, dem hochberühmten Gelehrten und ehemaligen Leibarzt der Samniden, Urgentsch und seine lebenslange Wanderung von Residenz zu Residenz setzte sich fort.

"Da forderte mich die Not auf fortzuziehen". Die Formel wurde zum roten Faden in Avicennas Leben. Er war lebenslang politischer Flüchtling aus einer buddhistischen Welt, die unter islamischen Druck geriet.

Von Urgentsch zog Avicenna über Nisa, Abiward und weitere Stationen nach Gurgan am Kaspischen Meer, sein Lehrer und Begleiter überlebte [S.166] die Strapazen nicht. Unterwegs ordinierte Avicenna verschiedentlich unter falschem Namen, seine Hoffnung auf eine Anstellung bei Sheikh Kabus von Gurgan erfüllte sich nicht. So zog er ins persische Hamadan an den Hof von Schams-ad-Daula, von dem er einen Ministerposten erhielt. Eines Tages brachte ihn eine gegen ihn gerichtete Militärrevolte in arge Schwierigkeiten. Grund war sein wohl nicht sonderlich populäres ministerliches Traktat "Über die Verpflegung und den Sold des Heeres, der Militärsklaven und Soldaten und über die Grundsteuer der Ländereien". Er überstand auch dies mit knapper Not, aber sass wenig später vier Monate im Gefängnis, weil er mit dem feindlichen Emir von Isfahan eine Absprache getroffen haben soll. Die Zeit im Gefängnis nutzte er zum Verfassen diverser Schriften. Nach weiteren langen und detailreichen Verwicklungen setzte er sich schliesslich heimlich im Mönchsgewand nach Isfahan ab. Was die wirklichen politischen Hintergründe waren, darüber können wir nur spekulieren.

Avicenna: Tod an Petersiliensamen und Opium 1037 - Leben eines Mediziners

Avicenna gehörte gegen Ende seines Lebens zu den engsten Vertrauten des Emirs von Isfahan und begleitete ihn in dieser Eigenschaft und als Arzt auf dessen Kriegszüge. Auf einem solchen, im Jahre 1037, starb er [S.167] im Alter von 58 Jahren. Die Umstände seines Todes sind überliefert: Um sich nach der von ihm erwarteten Niederlage auf die Flucht vorzubereiten, wies er einen Begleitarzt an, eine stärkende Medizin zu mischen. Sie enthielt irrtümlich eine Überdosis von Petersiliensamen und Opium.

Avicenna führte ein sehr intensives Leben. Tagsüber war er mit seinen verschiedenen Brotberufen beschäftigt, abends folgten Vorlesungen und Niederschriften. Doch damit war der Tag noch nicht zu Ende, wie sein Schüler und Mitarbeiter al-Guzgani [97]
[97] Die erste Hälfte seiner Autobiografie stammt wohl von Avicenna selber, die zweite Hälfte von seinem Schüler und Begleiter al-Guzgani.
berichtet: "Waren wir damit fertig, erschienen Sänger aller Art, ein Weingelage mit allem, was dazugehört, wurde hergerichtet, und wir befassten uns damit."

Und: "Beim Meister waren alle Kräfte stark entwickelt, wobei unter den Kräften des begehrenden Seelenteils die sexuelle am stärksten und übermächtigsten war." Avicenna lebte, wie landesweit bekannt war, ein ausschweifendes Leben.

Avicenna sah seine Berufung wohl in der Politik, seine Brotberufe waren Arzt, Richter und Gelehrter, in letzterer Funktion erstellte er sein philosophisches Werk. Geprägt war sein Leben vom Zusammenbruch des Samnidenreiches, der einherging mit dem Zusammenbruch der "Ostiranischen Renaissance" insgesamt. Avicennas Wurzeln sind zweifellos buddhistisch. Er selber sagt uns dazu direkt nichts und vermeidet sorgfältig Parteinahmen. Durch Religiosität irgendwelcher Art ist er nie aufgefallen und er führte ein bekannt unislamisches Leben. Dazu zählt, dass er auch die im Koran verbotenen Sektionen an Toten vorgenommen haben muss. Ständiges Ärgernis für die Orthodoxie war Avicennas Weigerung gewesen, die Notwendigkeit eines Propheten zur Vermittlung der Offenbarung anzuerkennen [98].
[98] Dazu gibt es eine nette Überlieferung aus dem 15. Jahrhundert, wonach sich in einer Erscheinung der Prophet Mohammed bei al-Magribi beschwert, Ibn Sina sei mit Gott ohne seine Vermittlung in Kontakt getreten.
(Dies genau ist ein Kernsatz der "Sumaniyya", des Buddhismus).

Avicenna hinterliess ein umfangreiches philosophisches und medizinisches Schriftmaterial, wiewohl die Bewertung seiner geisteswissenschaftlichen Arbeiten möglicherweise überzogen scheint. "Das Buch der [S.168] Heilung" oder der "Kanon", eine systematische Darstellung der Medizin, zählte zu den Standardwerken, die ihn im mittelalterlichen Europa berühmt machten. Dabei war er "hochfahrend", wir würden heute arrogant sagen, und kannte wenig Rücksicht. Über Rhazes schrieb Avicenna, er hatte doch besser bei der "Untersuchung von Hautkrankheiten, Urin und Stuhlgang" bleiben sollen. Es kann als sicher gelten, dass er Werke seines Weggefährten und Lehrers al-Masihi redigiert als seine herausgab.

Die Wissenschaft konstatiert einen grossen Sprung von Hippokrates zu Galen, aber einen noch grösseren von Galen zu Avicenna. Er dominierte 500 Jahre lang die Medizin des Orients und Europas, präzise bis Paracelsus 1530 eine neue Ära der Medizin einleitete.

Avicenna war ein grosser Geisteswissenschaftler und der grösste Arzt des Mittelalters. Ein Muslim war auch er nicht.


Al-Biruni - Leben eines Astronoms und Philosophen

Die heutige Forschung ist geneigt, in den nichtmedizinischen Wissenschaften einem weiteren Usbeken einen noch höheren Rang als Avicenna einzuräumen: al-Biruni. Er blieb in Europa relativ unbekannt, vielleicht auch, weil es lange Zeit keine Biografie von ihm gab. Er war Landsmann und Zeitgenosse des etwas jüngeren Avicenna. Die beiden haben sich auch getroffen, aber Freunde - was bei Avicenna offensichtlich nicht einfach war - wurden sie nie. Biruni wurde 976 in Kath südlich des Aralsees geboren und stammte aus bescheidensten Verhältnissen. Er verdankte seinen Aufstieg der lokalen Fürstenfamilie, die ihn aufnahm und die bestmögliche Erziehung angedeihen liess. Mit 16 Jahren führte er eine Bestimmung der geografischen Position seiner Heimatstadt durch und baute ebenfalls recht früh einen halbkugeligen Globus der nördlichen Hemisphäre [99].
[99] Das nächste Erdmodell sollte erst von dem Nürnberger Martin Behaim im Jahre 1492 angefertigt werden.

[Die bisher älteste bisher bekannte Globus-Weltkarte stammt von Piri Reis und stammt von einem Foto von Ausserirdischen].
Aus politischen Gründen musste Biruni seine Heimatstadt 995 verlassen, man darf annehmen, dass die Gründe dieselben waren, die Avicennas Flucht zugrundelagen. Ohne seine Geräte zog er nach Rajj, dem heutigen Teheran. Dort machte er die Bekanntschaft mit einem Astronomen, der gerade ein Instrument zur Messung der Sonnenhöhe baute. Für die im Jahre 997 errechnete Mondfinsternis verabredete [S.169] sich Biruni brieflich mit einem Astronomen in Bagdad, um das Ereignis simultan zu messen und so den Abstandswinkel der beiden Standpunkte zu ermitteln.

Dann zog er vorübergehend nach Gurgan am Kaspischen Meer, wo er mit Avicenna zusammentraf.

Biruni erhielt alsbald einen Ruf an den Hof von Urgentsch. Die Stadt wurde aber von einem feindlichen Fürsten erobert, der Biruni mit nach Ghazna im heutigen Afghanistan verschleppt haben soll. In Wirklichkeit war es wohl so, dass Biruni Teil einer Lösegeldzahlung war. Ghazna war eine hinduistische Hochburg und der Prinz Masud war sehr interessiert an den Wissenschaften [100].
[100] Vermutlich war Masud Hindu, was der Umstand, dass ihn die islamische Geschichtsschreibung als "Trunkenbold" diffamiert, fast zur Gewissheit werden lässt.
Al-Biruni hatte einen neuen Gönner gefunden. Er übereignete ihm den "Masudischen Kanon", die grösste astronomische Encyklopädie des Mittelalters. Er musste seinen Herrscher auch auf den zahlreichen Kriegszügen begleiten, die ihn bis nach Indien brachten. Daraus resultierte sein einzigartiges Buch, eine Kulturgeschichte Indiens: "Über die Prüfung dessen, was von Indien gesagt wird". Um die indische Mathematik und Astronomie  zu begreifen, lernte er Sanskrit und berichtete überhaupt sehr sensibel über die indische Kultur. Er tat sich damit umso leichter, als er wie auch Avicenna aus einem buddhistischen Umfeld stammte. Biruni war von seinem Vermögen her der Einzige, der zumindest zum Teil das übermächtige aristotelische System zu sprengen in der Lage war. Er war Astronom, Physiker, Geograf und Philosoph - aber Arzt war er ausnahmsweise nicht. Er starb 1048 während der Erörterung eines juristischen Problems. Muslim war er auch nicht.


Ibn Ruschd - verfolgter Philosoph in Sevilla und Córdoba durch die Einführung der Mohammed-Justiz

Wir begeben uns jetzt vom äussersten östlichen Ende der arabischen Reiche in den äussersten Westen, "al Gharb" [101]:
[101] Al Gharb: Der Westen; davon leitet sich der Name Algarve ab.
nach Andalusien. Dort wurde 1126 in Córdoba ibn Ruschd geboren, der an den europäischen Universitäten als "Averroes" zu Berühmtheit gelangte. In der arabischen Welt blieb er unbeachtet, erst sein Ruhm in Europa machte ihn in der [S.170] Neuzeit dort bekannt. Er erhielt die damals beste Bildung, die wir schon kennen: Philosophie, Mathematik, Astronomie, Heilkunde und als Angehöriger des Richterstandes war er notgedrungen auch Jurist.

1148 eroberte die Berberdynastie der Almohaden unter dem Kalifen Abu Jakub Jussuf [die Stadt] Córdoba. 1153 wurde Ibn Ruschd nach Marrakesch an die Residenz des Herrschers beordert, einem Treffen, dem er mit grosser Sorge entgegensah. Bei Hof wurde er von einem gewissen Ibn Tufail eingeführt, der in Europa auch kein Unbekannter ist: Er hatte den philosophischen Roman "Der Naturmensch" verfasst, in dem die Akteure auf eine einsame Insel im Ozean verschlagen werden und durch Beobachtungen und logische Schlüsse zur Erkenntnis der Welt gelangen [102].
[102] Ibn Tufail: Hajj ibn Jaqzan: Der Naturmensch; Köln 1983
In der Folge trat Ibn Ruschd Stellen als "Qadi" in Sevilla und Córdoba an, seine Hauptarbeit galt aber stets seinem philosophischen Werk. Besonders engagiert trat er gegen die Lehren des al-Ghazali an, weil sie seiner Meinung nach den Islam zerstörten. 1195 traf ihn das Verhängnis: Imame hatten das Volk gegen ihn, der ihnen schon lange ein Dorn im Auge war, aufgehetzt und zwangen den Herrscher zu einem förmlichen Verfahren gegen ihn. Das Tribunal verneinte die Rechtgläubigkeit Ibn Ruschds, seine Bücher wurden demonstrativ verbrannt und die Philosophie insgesamt per Edikt verboten. Er selber wurde aus Córdoba verbannt und bekam jegliche Lehrtätigkeit verboten. Drei Jahre später war er tot.

Es kommt nicht von ungefähr, dass von Ibn Ruschd fast nichts in Arabisch vorliegt: Die Tradierung erfolgte in hebräischer Übersetzung, und bisweilen hat Averroes selbst in arabischer Sprache mit hebräischen Buchstaben geschrieben. Eine Art Insidersprache, die zeigt, in welch intolerantem Umfeld er lebte.

Sein juristischer Ansatz gehörte bereits einer vergangenen Epoche an. Während der Qadi  Ibn Ruschd nach generellen juristischen Prinzipien suchte, setzte in Spanien die Rechtsprechung nach anwendbaren Präzedenzfällen aus dem Leben des Propheten ein. In den zunehmend orthodox-islamisch werdenden Reichen ging es zu Ende mit Jurisprudenz, der Philosophie und den Wissenschaften.

Nördlich des Mittelmeers hingegen wurden sein Aussagen hitzig [S.171] diskutiert. Thomas von Aquin verwandte grosse Mühe darauf, Averroes zu widerlegen Dieser hatte sich gegen den freien Willen ausgesprochen, der letztlich nur einer übergeordneten Notwendigkeit folge: Er hatte postuliert, dass der Intellekt aller Menschen nur ein einziger, gemeinsamer sei, dass es niemals einen ersten Menschen gegeben haben konnte und dass die Seele nicht im Höllenfeuer schmoren könne, weil sie mit dem Körper sterbe.

Auf der einen Seite wurde Averroes gefeiert, auf der anderen aber auch verspottet, etwa wegen seines Autoritätsglaubens. Zum einen verteidigte er den Koran, weil er nach seiner Meinung die rationale Forschung gebiete, zum anderen forderte er dessen Umdeutung, wenn Aussagen wissenschaftlichen Erkenntnissen widersprachen. Dies sei aber nur gebildeten Persönlichkeiten vorbehalten. Die Masse, die einer logischen Beweisführung nicht folgen könne, müsse bei den bildhaften Vergleichen der Offenbarung bleiben - nur die Philosophen könnten zum Kern vorstossen. Dies ist das System der "doppelten Wahrheiten" des Ibn Ruschd. Er sah sich selber wohl als Muslim. Seine Zeitgenossen sahen das jedoch ganz anders, und dies wurde ihm zum Verhängnis.


8e. Al-Ghazali zerstört die Wissenschaftlichkeit: Er schafft die unabhängige Philosophie ab, unterstellt alles dem Koran und definiert "Ketzer" - Übersetzer Chaldun - Zusammenfassung

Mit Ibn Ruschd ist die Zeit der unabhängigen Denker der arabischen Geistesgeschichte zu Ende. Es bleibt also nur noch jene Person vorzustellen, die dieses Ende in Jahreszahlen fassen lässt: al-Ghazali, um 1058 in Tuz im östlichen Iran geboren, 1111 ebendort gestorben. Seine beiden Hauptwerke sind "Die Nichtigkeit der Philosophie" und "Das Wiedererstehen der religiösen Wissenschaften". In der islamischen Literatur wird Ghazali als grosser Philosoph gefeiert. In Wirklichkeit hatte er mit der Philosophie selber absolut nichts am Hut. Im Gegenteil, sein Lebenswerk war ihre Abschaffung.

Dies ist auch der Inhalt der "Nichtigkeit". Er stellt darin dar, warum die Philosophie keine Existenzberechtigung habe. Im krassen Gegensatz zu Aristoteles und allen seinen arabischen Vorgängern lehnt Ghazali das Kausalitätsprinzip ab, also das Prinzip von Ursache und Wirkung. Es gebe daher auch keine Logik und keine Naturgesetze, alles geschehe durch einen besonderen Willensakt Gottes. Ghazali führt als Beispiel an, dass es ein Irrtum sei zu glauben, man habe ein Stück Baumwolle zum Brennen [S.172] gebracht, indem man Feuer daruntergehalten habe. In Wirklichkeit habe Gott der Baumwolle den Befehl gegeben zu brennen. Analog dazu fielen die Blätter im Herbst nicht von allein vom Baum, sondern durch ausdrücklichen Befehl Gottes an jedes Blatt. Friedrich Dieterici, preussischer Gelehrte in orientalischen Sprachen und Philosophie kommentierte das anno 1903 so: "Das wäre, als ob jeder Brief mit dem Stempel der kaiserlichen Reichspost von Seiner Majestät persönlich ausgetragen werden müsste." [103]
[103] Friedrich Dieterici: Über den Zusammenhang der griechischen und arabischen Philosophie; München 2004
Weil es keine Naturgesetze gebe, sondern nur den Willen Gottes, postuliert Ghazali die Existenz von Wundern, die jeder Logik widersprechen dürfen. Dementsprechend sprach er dem Menschen den freien Willen ab, jeder einzelne Schritt des Menschen sei von Gott gelenkt. Das Problem, dass der Mensch ohne freien Willen auch unschuldig an seinen Sünden und Verbrechen sein müsste, löste er so, dass er Sünden mit dem Hinweis auf die Allmacht Gottes und der Nichtexistenz der Logik einfach ausnahm. Philosophie und Naturwissenschaften könnten nichts zur Wahrheit beitragen. Sie seien daher nicht nur überflüssig, sondern sogar schädlich, weil sie den Menschen von der Religion abbringen könnten. Er forderte deshalb die Todesstrafe für das Vertreten philosophischer Inhalte. In seiner Schrift "Der Erretter vom Irrtum" formulierte er 20 Punkte, anhand deren Philosophen der Ketzerei zu überführen seien. Als namentlich überführte Ketzer nennt er Avicenna und al-Farabi.

Dass al-Ghazali auch heute noch in der islamischen Welt als grosser Gelehrter betrachtet wird, ist eine Sache [104].
[104] Haim Zafrani: "The teachings of al-Ghazali had immense repercussions and exerted considerable influence on the history of thought,  in both East and West, among the elites of Europe"; In: http://unesdoc.unesco.org/images/0011/001144/114426eo.pdf [The Routes of al-Anadlus. Spiritual convergence and inter cultural dialog - UNESCO: Inter cultural Projects Division; Paris; sowie: El Legado Andalusi; Granada (Spanien)]
Den Nachweis des "bedeutenden Einflusses" al-Ghazalis auf das westliche Geistesleben bleibt uns Herr Zafrani zwar schuldig, aber er liefert im nächsten Kapitel eine weitere Kostprobe seiner ganz persönlichen Historiografie.
[Werke von Avicenna werden als von Ghazali ausgegeben]

Dass er auch in Europa gelegentlich als Philosoph bezeichnet wird, muss wohl auf einem Missverständnis beruhen: Der spanische Dominikaner Nicolas Eymerich zählte in einem "Directorium Inquisitorium" (um 1350) die "18 Häresien und Irrtümer des [S.173] Philosophen Algazel" auf Er leitete diese aus der lateinischen Übersetzung einer arabischen Schrift mit dem Titel "Maqasid al-falasifa" ("Die Absichten der Philosophen") unter dem Namen al-Ghazalis ab. Diese Schrift allerdings ist eine arabische Übersetzung von Avicennas in Persisch abgefasstem "Buch des Wissens", versehen mit Ghazalis Namen und einer Einleitung von ihm. wo Ghazali draufstand, war in Wirklichkeit Avicenna drin. Wie dieser Fehler zustandekam, ist nicht klar, er verhalf Ghazali jedoch zu einer ganz und gar unverdienten Ehre.

["Hauptwerk von al-Ghazali: Die "Verteidigung" der wörtlichen "Korans" - und alle anderen Meinungen seien "todeswürdige Ketzerei"]

Die Wertung al-Ghazalis als Wissenschaftler fällt daher mit Ausnahme bei islamischen Autoren katastrophal aus. Als sein Hauptwerk wird in der islamischen Welt sein zweites Buch, das "Wiedererstehen der religiösen Wissenschaften", gesehen. Es enthält nichts Weiteres als die Verteidigung des wörtlichen Korans. Nur was im Koran steht, sei Wissenschaft. Sah Avicenna etwa in der Sintflutlegende die Ertränkung des Unwissens und den Triumph des Wissens, symbolisiert als Arche Noah auf den Fluten, war sie nach Ghazali wörtlich zu nehmen. Alles andere sei todeswürdige Ketzerei. War der Koran bei al-Kindi und Ibn Ruschd nur für die unwissenden und ungebildeten Massen akzeptabel, wurde er bei Ghazali zum eisernen Gesetz und zur einzig möglichen Quelle allen Wissens.

[Al-Ghazali und seine Hetze gegen Frauen: Die rechtliche Diskriminierung durch die Männer wird als "Inferiorität" bezeichnet]

Wie sehr er den ultraorthodoxen Kreisen verbunden war, zeigt sich in seiner Schrift "Ratgeber für Könige" (Nasihat al Muluk). Darin zählt er 18 Punkte auf, die in Bezugnahme auf Sure 4:34 die Inferiorität von Frauen beweisen sollen:
1. Die Menstruation
2. Die Schwangerschaft
3. Die Geburt
4. Die Trennung von ihren Eltern bei der Ehe
5. Die Unfähigkeit, sich selber zu beherrschen
6. Das geringere Erbteil
7. Die Möglichkeit, verstossen werden zu können, ohne sich selber scheiden zu lassen
8. Das Recht der Männer auf vier Frauen, die selbst nur einen Mann haben können [S.174]
9. Die Einsperrung im Haus
10. Das Gebot, den Kopf zu bedecken
11. Ihre Stimme vor Gericht, die nur halb so viel zählt wie die eines Mannes
12. Das Gebot, das Haus nicht allein verlassen zu dürfen
13. Das Verbot, am Freitagsgebet teilzunehmen
14. Der Ausschluss von Regierungs- und Richterämtern
15. Die Tatsache, dass von 1000 verdienstvollen Taten 999 von Männern und nur eine von Frauen begangen wurde
16. Eine Pauschalstrafe am Tag der Auferstehung statt einer individuellen Rechenschaft
17. Die Wartefrist von vier Monaten und zehn Tagen nach dem Tode ihres Ehemannes zur Wiederverheiratung
18. Die Wartefrist von drei Menstruationszyklen nach der Scheidung bei Wiederverheiratung.

[Al-Ghazali hat den radikalen Islam installiert]

Das ist al-Ghazali, wie er leibt und lebt: Die Vermischung von Ursache und Wirkung, von Naturgesetz und Menschengesetz scheint ihn nicht zu stören, denn er hat bereits in seinen "Nichtigkeiten der Philosophie" mit Logik und Kausalität gebrochen. Ihn als Philosophen oder Wissenschaftler zu bezeichnen wäre die gröbste Beleidigung aller seiner arabischen Vorgänger von al-Kindi bis Ibn Ruschd. Er war auch nicht der "Erneuerer des Islam", als der er in der islamischen Welt gefeiert wird. ER war vielmehr Repräsentant der damals radikalsten Strömung, die sich im weiteren Verlauf als "Islam" etablierte. Mit al-Ghazali kommt das, was Dan Diner die "versiegelte Zeit" [105]
[105] Dan Diner: Die versiegelte Zeit; Berlin 2007
nennt: der geistige Stillstand der islamischen Welt vom 12. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Zusammenfassung: Die arabischen Christen waren die aufgeklärten Forscher - und ein Muslim Al-Ghazali installierte den radikalen Islam

Während al-Ghazali Muslim im Sinne des heutigen Verständnisses von "Islam" war, ist das bei all den anderen Genannten nicht der Fall. Hunain war Christ und Thabit Heide. Avicenna und Biruni hatten einen buddhistischen Hintergrund, von Farabi ist es zu vermuten. Mit al-Kindi, Alhazen [S.175] und Rhazes (der mit den "drei Verbrechern") haben wir die typischen Freidenker, die sich im völligen Gegensatz zum Koran befanden.

Alle Genannten konnten sich Anfeindungen zum Trotz ihre Unabhängigkeit noch leisten, auch wenn Biruni und Avicenna schon vorsichtig sein mussten, für Ibn Ruschd war es bereits zu spät. Seit Beginn seiner Lehrtätigkeit stand er unter der Verfolgung der orthodoxen Imame, der er schliesslich erlag.

[Der Islam von heute behauptet, die arabischen Christen seien Muslime gewesen]

Trotz gewisser Unterschiede waren die Prämissen des Aristoteles und anderer griechischer Philosophen allen Genannten Gemeingut. Mit ihrem Bekenntnis zu Logik, Kausalität und Wissenschaftlichkeit haben sie sich alle in einer krassen Gegenposition zum Koran befunden, wenngleich manche in gewisser Arroganz  dieses Recht nur sich selber und ein paar Handverlesenen mehr zusprachen. Mit welcher Rechtfertigung aber kann man sie als Muslime bezeichnen? Nicht ein einziger der vorgestellten Hauptpersonen war es, vielleicht mit Ausnahme von Ibn Ruschd, dessen Verständnis von Islam allerdings diametral entgegengesetzt zu dem der Moschee war.

[Omar Chayyam - ein Dichter, der ebenfalls kein Muslim war]

Kurz sei in diesem Zusammenhang der Dichter Omar Chayyam (1048-1123) aus Mischapur, Ostpersien, erwähnt. Ein Anhänger Avicennas, war er zu Lebzeiten bekannt als Philosoph und Mathematiker. Gänzlich unbekannt waren damals seine vierzeiligen Gedichte (Rubaiyat), mit denen er im Westen späte Berühmtheit erlangte [106].
[106] Um 1850 englische Übersetzung durch Edward Fitzgerald, ab 1880 mehrere deutsche Ausgaben.
Dieser Ruhm strahlte zurück in seine persische Heimat, wo er dann zum islamischen Dichter, inklusive Denkmal im Laleh-Park in Teheran (auch Biruni steht da), stilisiert wurde. Die ausgesprochene Blasphemie in vielen seiner Verse scheint nicht zu stören, legt aber den Schluss nahe, dass auch Chayyam kein Muslim war.

[Khomeini empfahl Gorbatschow die Lektüre von Al-Farabi und Avicenna (!)]

Wie tiefgreifend die Ignoranz in der muslimischen Welt gegenüber ihren viel bemühten Denkern oftmals ist, zeigt ein Brief Khomeinis an Gorbatschow aus dem Januar 1989, worin er den Islam als Weg zur Lösung aktueller Probleme bezeichnete und Gorbatschow die Lektüre al-Farabis [S.176] und Avicennas statt westlicher Denker empfahl [107].
[107] "Wenn Eure Exzellenz die Forschungen zu solchen Themen anleiten wollte, sollte Sie veranlassen, dass die Studierenden anstelle der Bücher der westlichen Philosophen die Schriften von al-Farabi und Avicenna zu Rate ziehen."
Offensichtlich wusste Khomeini nicht, dass seine Paradephilosophen gar keine Muslime waren, und deshalb folgerichtig vom Parademuslim al-Ghazali als Ketzer verdammt, und ihre Schriften von Muslimen verbrannt wurden. Oder sollte er die beiden als eine Art diplomatische Geste empfohlen haben, weil beide ja Altbürger der damals noch bestehenden Sowjetunion waren? Khomeini hat vermutlich weder das eine noch das andere gewusst und war enttäuscht, weil Gorbatschow darauf nicht antwortete.

[Die arabisch-christlichen Wissenschaftler und ihre Leistung - Bücherverbrennungen unter dem Vatikan-Christen-Terror und unter dem Islam-Terror]

Die genannten Persönlichkeiten hatten für ihre Zeit Grossartiges geleistet. Alhazen hat die Optik vorangetrieben, Avicenna die Medizin, andere haben ihren Aristoteles weiterentwickelt, aber die allermeisten, es wurden ja nur die prominentesten skizziert, sind auf dem Stand der Antike stehengeblieben.

Ohne ihren Verdienst in irgendeiner Weise zu schmälern, muss man ihn auch insoweit relativieren, als ihr Hauptverdienst nicht in jedem Fall die Arbeiten selber waren, sondern der Umstand, dass sie die antiken Autoren weitertradiert hatten. Im Westen hatte die Kirche anfangs die griechischen und lateinischen Schriften der antiken Philosophen nach Kräften aus dem Verkehr gezogen. Aber nicht lange nach ihrem Tod und teils sogar noch zu ihren Lebzeiten erfuhren die Schriften der arabischen Wissenschaftler dasselbe Schicksal: Sie wurden als unislamisch dem Feuer überantwortet. Wir besitzen nur einen Bruchteil ihrer Werke, jene, die rechtzeitig nach Europa gelangt gelangt waren und so der Zerstörung entgingen.

[Griechisch-kulturelle Einflüsse überlebten in Mittelasien]

Der Grund der Blüte des geistigen Lebens im mittelalterlichen Arabien, und ganz besonders in Persien, ist in der Fortführung der antiken Tradition zu sehen. Seit Alexander dem Grossen reichte der griechisch-kulturelle Einfluss bis Zentralasien, bis an die Grenzen Chinas und Indiens. Dort bewahrte sich antikes Geistesleben am längsten und traf auf eine buddhistisch geprägte Kultur. Dies waren die Voraussetzungen für die geistige und kulturelle Blüte. Die Zentren lagen in den Oasenstädten Zentralasiens, auf dem Gebiet des heutigen Turkmenistan, Tadschikistan [S.177], Usbekistan und Afghanistan - eine vollkommen unglaubliche Vorstellung für uns Heutige. Im Westen des Reiches traf diese östliche Melange auf die von Byzanz geprägte geistige Welt.

Man könnte allein von der ethnischen Herkunft der einzelnen Persönlichkeiten her die Existenz eines "arabischen" Geisteslebens anzweifeln. Dies sollte man aber nicht, denn bei aller Verschiedenheit der Herkunft vereinte diese Menschen die arabische Sprache, so wie im Römischen Reich Latein das verbindende Element [die Kunstsprache] war.

Die Herrscher zu dieser Zeit waren in ihrer Mehrheit keineswegs die muslimischen Kalifen und Emire, wo die Tradition uns das erzählt, sondern Herrscher, die im Einflussgebiet dieser genannten Kulturen lebten und deshalb der Tradition der geistigen Freiheit und des Gedankenaustausches verbunden waren. Selbstverständlich trugen sie arabische Titel. Es ist aber unzulässig, diese automatisch als islamische zu interpretieren.

[Der Islam vernichtete die arabisch-christliche Wissenschaft]

Die "Goldenen Zeiten" der islamischen Wissenschaften? Es hat sie nie gegeben. Aber es gab eine goldene Zeit der arabischen Wissenschaften. Diese fand ein abruptes Ende, als sich der Islam als dominierende Religion etablierte. Er verjagte das Wissen aus dem Orient nach dem Westen, wo es bis auf den heutigen Tag geblieben ist [S.178].

[Historiker Ibn Chaldun 1377: Übersetzungen und Aufstieg Italiens mit der Renaissance]

Im Jahr 1377 sass der arabische Historiker Ibn Chaldun auf einer Bergfestung in der nordafrikanischen Wüste und räsonierte über den geistigen Verfall in den islamischen Reichen und dessen Ursachen [S.156]. Es war dieselbe Zeit, als die oberitalienischen Handelsstädte einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufstieg nahmen und zugleich einen gewaltigen Aufschwung der Künste und Wissenschaften einleiteten - das, was wir heute Renaissance nennen.
"Wir hören, dass die philosophischen Wissenschaften jetzt im Lande Roms und längs der anschliessenden, nördlichen Küsten im Land der europäischen Christen sehr kultiviert werden. Die vorhandenen systematischen Darstellungen sollen umfassend sein, und die Leute, die sich darin auskennen, sollen zahlreich sein, der Studenten viele." [84]

[84] Ibn Khaldun: The Muqaddimah; New York 1958
Die umfassenden systematischen Darstellungen, von denen Chaldun spricht, hatten die "nördlichen Länder" von den Arabern erhalten. Es waren meist lateinische Übersetzungen arabischer Schriften, die ihrerseits wiederum aus dem Griechischen ins Aramäische und Arabische übersetzt worden waren.

Ibn Chaldun sieht sich in seinem Selbstverständnis als Angehöriger einer Kultur, die das Wissen vergangener Kulturen in sich vereint und weiterentwickelt hat. Dass die ungläubigen Barbaren womöglich jetzt dieses Erbe antreten, irritiert ihn. Er ahnt, dass die grosse Zeit der arabischen Wissenschaften zu Ende geht. Er weiss aber nicht, dass er der Letzte seiner Zunft ist [S.157]


8a. Die Realität um 600 bis 800 in der Wüste -- Islamische Lügentradition: Die "Goldenen Zeiten" des Islams - die Zeit des erfundenen Mohammed und der erfundenen ersten vier Kalifen -- Forschung: Das karge Leben in der arabischen Wüste - Raubzüge gegen Nachbarn ohne Ende -- Islamische Lügentradition: Mohammed lässt rauben und morden -- Forschung: Die Verhältnisse in der Wüste wie in der europäischen Bronzezeit -- 8b. Islamische Lügentradition: Die "Islamische Expansion" mit der grünen Fahne von Spanien bis China -- Die erfundenen Muslime sollen ihre Nachbarn 629-642 in Unterzahl besiegt haben - alles ERFUNDEN -- Der erfundene Sieg von erfundenen 10.000 Muslimen gegen 150.000 Perser im Jahre 642 -- Die erfundenen Muslime sollen Nordafrika bis Spanien besetzt haben - alles ERFUNDEN -- 8c. Gelogene Seeschlachten gegen Byzanz -- Noch ein erfundener Kalif: Umar ibn al-Chattab -- Forschung 650-850: Kämpfe gab es zwischen den Herrschern von Byzanz und Persien - Muslime sind nirgendwo erwähnt -- Islamische Lügentradition: Dichter zwischen 800 und 922 erfinden 200 Jahre frühe Islam-"Geschichte" -- Islamische Lügentradition: Der Islam soll sich in "aussergeschichtlichen Dimensionen" bewegen -- Forschung: Die arabischen Christen haben eine reichhaltige Literatur hinterlassen -- Islamische Lügentradition: Islam hat wie eine Lawine von Spanien bis China die Staaten besetzt - in christlichen Quellen steht NICHTS DAVON (!!!) -- Forschung: Christliche Glaubensrichtungen der "Araber": Christlich-arabische Literatur erwähnt keinen Mohammed, Koran oder Islam - und die Taktik der Interpretation "Taquiyya" -- Forschung: Die grossen, muslimischen Heere waren UNMÖGLICH - und die "Wunder" in der muslimischen Kriegsdichtung -- Forschung: Die Quellen von Byzanz und Persien erwähnen weder einen Mohammed, noch einen Islam, noch einen Koran -- 8d. Arabisch-christliche oder arabisch-humanistische Gelehrte -- Die Akten des Privatlehrers al-Kindi -- Akten des Privatlehrers al-Kindi: Erdphysik und indische Zahlen (arabische Ziffern) -- Akten des Privatlehrers al-Kindi: Ebbe und Flut, Sterne und Bäume -- Der Gelehrte Hunain ibn Ishak - entscheidende Fälschungen bei Übersetzungen -- Die Übersetzungen und Fälschungen von Übersetzer Hunain ibn Ishak: Aus "Götter" werden "Gott", "Engel", "Heilige" - und arabische Neuschöpfungen -- Thabit ibn Kurra (geb. 834): Philosoph gegen den neumodischen Gott -- Religiöse Vielfalt ist Standard -- Ibn Kurra wird Regierungsberater und Astronom -- Arzt Muhamad ibn Zakarija ar-Razi (geb. 865 in Rajj/Teheran) - Übersetzungen - Religion ist Unruhestiftung -- Ar-Razi mit Medizin - die grosse Übersetzung "Liber Continens" von 1486 in Brescia -- Ar-Razi mit Philosophie: Atomare Materie, Gott, Weltseele, Raum, Zeit - Propheten Moses, Jesus und Mohammed werden als Unruhestifter abgelehnt -- Al-Farabi: Philosoph in Aleppo - Religion ist eine Erfindung - der ideale Staat etc. -- Ibn al-Haitham: Staudammprojekt am Nil scheitert - Übersetzungen - Physik - Optik und Astronomie mit Experimenten - Bücherverbrennung durch Muslime -- Abu Ali ibn Sina - Wissenschaftler in Buchara - vom Turk-Stamm der Qara-Khaniden verfolgt - Minister mit Militärtraktat - neu Schriften im Gefängnis -- Avicenna: Tod an Petersiliensamen und Opium 1037 - Leben eines Mediziners -- Al-Biruni aus Kath beim Aralsee - Leben eines Astronoms und Philosophen -- Ibn Ruschd - verfolgter Philosoph in Sevilla und Córdoba durch die Einführung der Mohammed-Justiz -- 8e. Al-Ghazali zerstört die Wissenschaftlichkeit: Er verbietet die unabhängige Philosophie, unterstellt alles dem Koran und definiert "Ketzer" - Übersetzer Chaldun -- Werke von Avicenna werden als von Ghazali ausgegeben -- "Hauptwerk von al-Ghazali: Die "Verteidigung" der wörtlichen "Korans" - und alle anderen Meinungen seien "todeswürdige Ketzerei" -- Al-Ghazali und seine Hetze gegen Frauen: Die rechtliche Diskriminierung durch die Männer wird als "Inferiorität" bezeichnet -- Al-Ghazali installiert den radikalen Islam -- Zusammenfassung: Die arabischen Christen waren die aufgeklärten Forscher - und ein Muslim Al-Ghazali installierte den radikalen Islam -- Der Islam von heute behauptet, die arabischen Christen seien Muslime gewesen -- Omar Chayyam - ein Dichter, der ebenfalls kein Muslim war -- Khomeini empfahl Gorbatschow die Lektüre von Al-Farabi und Avicenna (!) -- Die arabisch-christlichen Wissenschaftler und ihre Leistung - Bücherverbrennungen unter dem Vatikan-Christen-Terror und unter dem Islam-Terror -- Griechisch-kulturelle Einflüsse überlebten in Mittelasien -- Der Islam vernichtete die arabisch-christliche Wissenschaft -- Historiker Ibn Chaldun 1377: Übersetzungen und Aufstieg Italiens mit der Renaissance


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