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Norbert G. Pressburg: Good bye Mohammed - Mohammed gab es nie

9. Tausendundzweite Nacht - die Toleranz-Märchen aus Andalusien sind ERFUNDEN

präsentiert von Michael Palomino (2015)

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9g. Granada

9g. Yusuf Ibn Nasr in Granada - mit einem Bündnis mit Ferdinand III. in Córdoba -- Die Schaukelpolitik Granadas mit Ferdinand und Islamisten in Afrika gleichzeitig -- Das Ende von Granada und die Gründe: Schaukelpolitik, Piraten und Osmanen -- Granada bleibt unzerstört - Konstantinopel wurde zerstört - Edikt zur Zwangsbekehrung in Grandada, Kryptomuslime und Flucht

[Yusuf Ibn Nasr in Granada - mit einem Bündnis mit Ferdinand III. in Córdoba]

Yusuf Ibn Nasr, Kleinherrscher aus Arjona, hatte den kastilischen König Ferdinand III. 1236 bei der Einnahme Cordobas unterstützt und bekam dafür freie Hand in Granada, das er in seinen Besitz brachte. Das Königreich umfasste immerhin die Küste von Almería bis Tarifa und schloss somit das wichtige Gibraltar ein. 1246 erkannte Ferdinand Ibn Nasr offiziell als Herrscher über Granada an - der Beginn des letzten Kapitels muslimischer Herrscher in Spanien, das 250 Jahre später geschlossen werden sollte.

Ibn Nasr war vollkommen klar, dass es keinen sinnvollen Widerstand mehr gegen die überlegenen Reiche aus dem Norden geben konnte und unterzeichnete einen Vasallenvertrag, denn nichts andere war das [S.198] Abkommen von 1246. Die muslimische Enklave Granada erkaufte sich seine Existenz durch Tributzahlungen und Dienstleistungen, vollkommen abhängig von der Gunst des christlichen Lehnsherrn.

Trotz aller riesigen äusseren Schwierigkeiten leisteten sich die Herren von Granada ständige interne Streitigkeiten, die nur deshalb kein früheres Ende herbeiführten, weil es die christlichen Herrschaften zu dieser Zeit auch nicht viel besser machten. Letztere hatten auch keine Eile, die Kuh namens Granada zu schlachten, solange sie noch reichlich Milch gab.

[Die Schaukelpolitik Granadas mit Ferdinand und Islamisten in Afrika gleichzeitig]

Das zunehmend in Gefahr geratende Granada sah sich in Nordafrika, Ägypten und Istanbul nach Bundesgenossen um und vollführte eine gewagte Schaukelpolitik. Inzwischen kontrollierten die in Tunis regierenden Hafsiden den lukrativen Handel aus Innerafrika nach Spanien und unterhielten enge Handelsbeziehungen zu Kastilien und Barcelona. Diese wollte man nicht durch Abenteuer aufs Spiel setzen - Granada war nur noch lästig.

[Das Ende von Granada und die Gründe: Schaukelpolitik, Piraten und Osmanen]

Von ausschlaggebender Bedeutung für das Ende des letzten muslimischen Reiches in Spanien war die Heirat Ferdinands von Aragon mit Isabel von Kastilien im Jahre 1469, die zehn Jahre später in die Zusammenlegung der Königreiche und damit in die Vereinigung Spaniens mündete.

Umgehend wurde mit der Eroberung von Festungen und Städten des Königreichs Granada begonnen, bis die Truppen Ferdinands und Isabels 1491 vor den Toren Granadas selber standen.
[[Genau im selben Jahr war Kolumbus auf seiner Fahrt, um "neues Land" zu suchen. Es wird spekuliert, dass er ein von Königin Isabella verfolgter Jude war]].
Nach traditioneller Meinung habe die strenggläubige Katholikin Isabel Ferdinand aus religiösen Gründen zur Eroberung Granadas getrieben. Tatsächlich aber sah Ferdinand die Situation aus einem machtpolitischen Blickwinkel und hatte lange auch aus finanztechnischen Gründen - sprich Tribute, die bis zu 50% des Staatshaushaltes ausmachten - eine Entscheidung hinausgezögert. Seine Gründe für die Liquidierung der Enklave waren nüchterner Natur: Granada hatte fortwährend muslimischen Piraten in seinen Häfen Zuflucht gewährt und die Tributzahlungen gingen auch zunehmend schleppend ein. Das Beunruhigendste war aber die wiederholte Kontaktaufnahme mit der neuen Schreckensmacht im Osten, den Türken [[Osmanen]]. Die "Türkengefahr" war das grosse Thema der Zeit, und sie schien durchaus immanent zu sein, denn als 1481 eine osmanische Expedition in Süditalien landete, war die Panik so gross, dass der Papst aus [S.199] Italien floh. Die Türken entwickelten sich zu einer ernsten Bedrohung und man konnte sich in Spanien keinen Bündnisfall auf eigenem Territorium leisten. Das war das Ende Granadas.

Aber es war ein Ende, zu dem es in der Geschichte nicht viele Parallelen gibt: Die Bedingungen Ferdinands waren so günstig, dass Emir Abu Abdallah gar keine andere Wahl hatte, als sie anzunehmen. Am 2. Januar 1492 übergab er die Schlüssel der Stadt an das spanische Königspaar.

Ihm und den Bewohnern von Granada, die zum Schluss fast ausschliesslich aus Muslimen bestanden, sagte Ferdinand Wahrung des Besitzstandes und persönliche Unversehrtheit zu. Wer abziehen wollte, konnte das ungehindert tun, seinen Besitz mitnehmen oder ihn ohne Einschränkung innerhalb von 2 Jahren veräussern. Fast alle Vermögen entschieden sich für letztere Option und verliessen Spanien als wohlhabende Leute in Richtung Marokko. [117]
[117] Auf einer sanften Anhöhe südlich von Granada, die einen letzten Blick auf die Stadt gewährt, tat der letzte muslimische Herrscher Spaniens der Legende zufolge den "Seufzer des Mohren". Ein Autobahnschild macht darauf aufmerksam.

Granada bleibt unzerstört - Konstantinopel wurde zerstört - Edikt zur Zwangsbekehrung in Grandada, Kryptomuslime und Flucht

Überschwänglich wird allenthalben die Architektur, Kultur und Kunst der Alhambra, der Burg Granadas, gepriesen, die unversehrt in die Nachwelt gelangte. 39 Jahre zuvor erlitt eine Stadt von unvergleichlich höherer architektonischer, kultureller und kunsthistorischer Bedeutung ein ganz anderes Schicksal: 1453 eroberte Sultan Mehmed II. Konstantinopel. Kaiser Konstantin XI. kam nicht in den Genuss ähnlicher Bedingungen, wie sie Emir Abdallah von Granada erhalten hatte, er endete unerkannt in einem Massengrab. Mehmeds Truppen richteten ein Blutbad und Zerstörungen unvorstellbaren Ausmasses an, von denen nur ein paar mauern und ein als Grossmoschee geeignetes Gebäude für die Nachwelt übrigblieben. Die ganze damalige Welt hatte darüber Entsetzen gepackt, und sicher hatte Abdallah diese Ereignisse vor Augen, als er die Stadt übergab.

Mit der Kapitulation Granadas war die Zeit des Islamischen Reiches auf spanischem Boden endgültig zu Ende, aber noch nicht die Geschichte der [S.200] Muslime. Bereits 1507 wurde ein Edikt zur Zwangsbekehrung erlassen: Allen erwachsenen Muslimen blieb nur noch die Wahl zwischen Taufe und Emigration. Komplikationen traten aber dadurch ein, dass der Islam für seine Anhänger die "taqiyya" vorsieht, die gezielte Verstellung. Wie sollte man also bei den verbliebenen Muslimen zwischen einem echten Konvertiten unterscheiden und einem, der sich lediglich verstellte, einem "Kryptomoslem"?
[[Dieselbe Taktik der Verstellung gilt für verfolgte Kryptojuden]].
Auch für diese Aufgabe nahm in Spanien 1529 das "Santo Oficio", die Heilige Inquisition, ihre Arbeit auf. Ihre Arbeit war an der Zeit gemessen keineswegs grausam [118],
[118] Bei 10 Prozent der Anklagen wurde ein Verfahren eröffnet. 30% der Verfahren endeten mit Freisprüchen, bei weniger als 2% wurde die Todesstrafe verhängt. Freiheitsstrafen konnten Galeerendienst, aber genauso gut Hausarrest bedeuten und waren gewöhnlich auf 3 Jahre beschränkt. Die berüchtigten Verbrennungen auf den so genannten Autodafes waren bis auf ganz wenige Ausnahmen "in effigie", also Verbrennungen von Strohpuppen. Bei Folterungen waren etwa Knochenbrüche und dauerhafte Verstümmelungen untersagt. Die spanische Inquisition war einem umfangreichen Regelwerk verpflichtet, staatliche Stellen gingen weitaus radikaler vor.
aber sie war bemerkenswert uneffektiv. Als Konsequenz wurden 1609 die letzten 100.000 Morisken (Muslime) aus Spanien ausgewiesen. Es wird kontrovers diskutiert, welchen Schaden Spanien damit erlitten hat oder nicht. Man kann jedoch umgekehrt feststellen, dass Nordafrika kein signifikanter Nutzen daraus entstand.

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Fotoquellen

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