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Theodor Herzl

Herzl: Der "Judenstaat" gegen alle Muslime 1896 - der Nahostkonflikt

Es braucht Menschenrechte auf allen Seiten in einem gemeinsamen Israel-Palästina

Theodor Herzl: Der Judenstaat, Buchdeckel
                        eines rassistischen Buches gegen die Araber
Theodor Herzl: Der Judenstaat, Buchdeckel eines rassistischen Buches gegen die Araber
Gemäss zionistischen Vorstellungen sollte auf diesem Berg schon lange ein jüdischer Tempel stehen.

von Michael Palomino (2007)

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aus: Theodor Herzl: Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage (1896); Verlag Manesse, Zürich, ISBN 3-7175-4055-6


Herzls Buch "Der Judenstaat" als Grundlage des Nahostkonflikts

Die Zitate müssen aus der Perspektive des Rassismus-Darwinismus betrachtet werden, der in der Zeit von Herzl als "Wissenschaft" galt.

Die Zitate

Mit Herzls Buch "Der Judenstaat" wurde der Nahostkonflikt eröffnet, zuerst propagandamässig, dann durch Guerilla-Einheiten beider Seiten auch kriegerisch, ab 1948 mit grosser militärischer Planung auf beiden Seiten. Herzl erwähnt das Wort "Muslime" bzw. "Araber" nie, bezeichnet aber die gegnerische Partei im Nahen Osten als "Barbarei", indem er den zu gründenden Staat Israel als "ein Stück des Walles gegen Asien" darstellt:

"Für Europa würden wir dort ein Stück des Walles gegen Asien bilden, wir würden den Vorpostendienst der Kultur gegen die Barbarei besorgen." (S.39; im Kapitel: Allgemeiner Teil: Palästina oder Argentinien?).

Gleichzeitig meint Herzl, dass ein "Judenstaat" den Wert der Nachbarländer steigern werde:

"Doch schon durch das Entstehen des Judenstaates gewinnen die Nachbarländer, weil im grossen wie im kleinen die Kultur eines Landstriches den Wert der Umgebung erhöht." (S.38; im Kapitel: Allgemeiner Teil: Der Plan)

Herzl: Der Judenstaat, Seite 38-39
Herzl: Der Judenstaat, Seite 38-39

Eine solidarische Reaktion der Nachbarländer mit den vertriebenen Muslimen ist bei Herzl nicht vorgesehen. Ausserdem müssen die Nachbarländer befürchten, dass sie schrittweise durch die Landnahme der Zionisten vernichtet werden.

Das Land soll mit einer "Landnahme" besetzt werden, mit "Landnahmegesellschaften" (S.42; Die Jewish Company: Grundzüge), und das Land soll "völkerrechtlich zugesichert" sein:

Dies impliziert, dass die arabischen Völker keine Völkerrechte haben sollen.

"Das der Society of Jews völkerrechtlich zugesicherte Land ist natürlich auch privatrechtlich zu erwerben. Die Vorkehrungen zur Ansiedlung, die der einzelne trifft, fallen nicht in den Rahmen dieser Ausführungen. Aber die Company braucht grosse Landstrecken für ihre und unsere Bedürfnisse. Sie wird sich den nötigen Boden durch zentralisierten Kauf sichern." (S.44; Die Jewish Company: Der Landkauf)

Herzl: Der Judenstaat, Seite 42
Herzl: Der Judenstaat, Seite 42
Herzl: Der Judenstaat, Seite 44
Herzl: Der Judenstaat, Seite

Für die Juden soll so "ein fruchtbarer Boden geschaffen" werden:

"Für viele Kräfte, die jetzt nutzlos hinwelken, wird ja ein fruchtbarer Boden geschaffen. Wer nur den guten Willen hat, soll angemessen verwendet werden. Bettler werden nicht geduldet. Wer als Freier nichts tun will, kommt ins Arbeitshaus." (S.77; Ortsgruppen: Vertrauensmänner der Ortsgruppen)

Herzl: Der Judenstaat, Seite 77
Herzl: Der Judenstaat, Seite 77

Um die Juden nach Israel zu bringen, kann man sich gemäss Herzl auf die Antisemiten verlassen, die dies schon "besorgen" werden:

"Wie bringen wir die Judenmassen ohne Zwang aus ihren jetzigen Wohnorten in dieses neue Land? Die Wanderung ist doch immer als eine freie gedacht?

Ein mühsames Anfachen der Bewegung wird wohl kaum nötig sein. Die Antisemiten besorgen das schon für uns. Sie brauchen nur so viel zu tun wie bisher, und die Auswanderlust der Juden wird erwachen, wo sie nicht besteht, und sich verstärken, wo sie schon vorhanden ist." (S.79; Ortsgruppen: Das Phänomen der Menge)

Herzl: Der Judenstaat, Seite 79
Herzl: Der Judenstaat, Seite 79

Die verarmten Juden (jüdische "Desperados") werden zuerst ankommen und die Aufgabe der Landnahme übernehmen. Danach werden die reichen Juden nachziehen:

"Ich behaupte aber, und jeder wird ja bei sich wissen, ob es wahr ist, dass die Auswanderlust wegen des Druckes, der auf uns lastet, bei uns selbst in wohlhabenden Schichten vorhanden ist. Nun würden ja schon die Ärmsten zur Gründung des Staates genügen, ja sie sind das tüchtigste Menschenmaterial für eine Landnahme, weil man zu grossen Unternehmungen ein bisschen Verzweiflung in sich haben muss. Aber indem unsere Desperados durch ihr Erscheinen, durch ihre Arbeit den Wert des Landes heben, machen sie allmählich auch für Besitzkräftigere die Verlockung entstehen, nachzuziehen." (S.80; Ortsgruppen: Das Phänomen der Menge)

Herzl: Der Judenstaat, Seite 80
Herzl: Der Judenstaat, Seite 80

So würde für die Juden eine "freie Heimat" entstehen:

"Alle diese Anziehungspunkte zusammen (die Israel den Juden bieten wird) sind geeignet, sie festzuhalten und dauernd zu befriedigen. Denn diese Anziehungspunkte bilden zusammengenommen eine grosse Einheit, eine langgesuchte, nach der unser Volk nie aufgehört hat, sich zu sehnen; für die es sich erhalten hat, für die es durch den Druck erhalten worden ist: die freie Heimat!" (S.85; Ortsgruppen: Das Phänomen der Menge)

Herzl: Der Judenstaat, Seite 85
Herzl: Der Judenstaat, Seite 85

Herzl verkündet, dass in Israel eventuell Gold zu finden sei, und dass so die "Landergreifung (...) nach wissenschaftlichen Grundsätzen erfolgen" solle. Er vergleicht die "Judenwanderung" mit dem Goldrausch in Kalifornien gegen die Indianer in den USA, und er vergleicht Israels Zukunft mit der weissen Herrschaft in Südafrika:

"Die neue Judenwanderung muss nach wissenschaftlichen Grundsätzen erfolgen. Noch vor einigen vierzig Jahren wurde die Goldgräberei auf eine wunderlich einfältige Weise betrieben. Wie abenteuerlich ist es in Kalifornien zugegangen! Da liefen auf ein Gerücht hin die Desperados aus aller Welt zusammen, stahlen der Erde, raubten einander das Gold ab - und verspielten es dann ebenso räubermässig. Heute! Man sehe sich heute die Goldgräberei in Transvaal an. Keine romantischen Strolche mehr, sondern nüchterne Geologen und Ingenieure leiten die Goldindustrie. Sinnreiche Maschinen lösen das Gold aus dem erkannten Gestein. Dem Zufall ist wenig überlassen. So muss das neue Judenland mit allen modernen Hilfsmitteln erforscht und in Besitz genommen werden. Sobald uns das Land gesichert ist, fährt das Landnahmeschiff hinüber." (S.94-95; Society of Jews und Judenstaat: Die Landergreifung)

Herzl: Der Judenstaat, Seite 94-95
Herzl: Der Judenstaat, Seite 94-95

Herzl belässt den Völkermord an den Indianern dabei unerwähnt. Ebenso erwähnt er die Sklaverei in Südafrika in den Goldminen nicht. Die arabische Seite, die von den Indianern und von der Sklaverei in Afrika Kenntnis hat, kann daraus nur schliessen, dass sie in Israel die neuen Sklaven sein werden.

Die Landergreifung soll nach der "Erschliessung" als Versteigerung ablaufen:

"Nur eins ist noch nicht klargemacht: nämlich wie die Landergreifung nach Ortsgruppen vor sich gehen soll. In Amerika okkupiert man bei Erschliessung eines neuen Territoriums auch noch auf eine recht naive Art. Die Landnehmer versammeln sich an der Grenze und stürzen sich zur bestimmten Stunde gleichzeitig und gewaltsam darauf los. So wird es im neuen Judenlande nicht zu machen sein. Die Plätze der Provinzen und Städte werden versteigert. Nicht etwa für Geld, sondern für Leistungen." (S.95-96; Society of Jews und Judenstaat: Die Landergreifung)

Herzl: Der Judenstaat, Seite 96
Herzl: Der Judenstaat, Seite 96

Die Araber wehren sich gegen Herzl seit 1896

Herzl lehnte Argentinien als neues Judenland ab, obwohl dort viel weniger Konflikte zu erwarten gewesen wären und viel mehr Land zur Verfügung stand. Er plädierte trotz der zu erwartenden arabischen Gegenwehr für einen Judenstaat am Platze Israel. Dabei liegt Israel an der Hauptwegekreuzung der muslimischen Welt alles andere als in einem ruhigen Raum, der in der Vergangenheit schon zigfach besetzt, aufgebaut und wieder zerstört worden war. Herzl verdrängte aber die muslimische Seite, indem er sie einfach nicht erwähnte. Insofern verkörpert das Buch "Der Judenstaat" einen völlig irrealen Traum.

Die ansässige arabische Seite der Mittelschicht und Unterschicht, über die von der arabischen Oberschicht durch die Landverkäufe verfügt wurde, wehrte sich seit 1896 mit Zeitungen und mit Aktionen gegen die neue jüdische Völkerinvasion, dann auch mit Angriffen auf jüdische Siedlungen. Die arabischen Landbesitzer aber verkauften weiter zu hohem Preis ihre Ländereien an jüdische Kolonialgesellschaften, und jüdische, von jüdischen Organisationen und Geheimdiensten hergebrachten Neuankömmlinge machten die Wüste fruchtbar oder machten Sümpfe zu Land (Pioniere). Mit über Nacht aufgestellten Wehrdörfern und mit militärischer Überlegenheit besetzten jüdische Siedler nach und nach die Täler und Landstriche Palästinas.

Für Herzl existierten die Araber aber eigentlich gar nicht. Ausser als "Barbarei" sind die Muslime nirgendwo erwähnt. Gleichzeitig war Herzl nie in Palästina und hat auch nie mit der arabischen Seite gesprochen. Seine Werbetouren bei der westlichen politischen Elite für seinen Plan waren denn auch vergeblich. Scheinbar wollte sich niemand auf eine Vertreibung von Muslimen einlassen.

Herzl eröffnete mit seinem Buch nicht nur den Nahostkonflikt, sondern er zerstörte mit seinem Plan das bis 1896 mehr oder weniger gute Verhältnis zwischen Juden und Muslimen. Zusätzlich nahm er den zu erwartenden arabischen Antisemitismus einfach in Kauf, der in seinem Buch schlichtweg unerwähnt bleibt. Er meinte, man könne die bis 1915 waffenlosen Muslime einfach vertreiben oder über sie verfügen, so wie es in den USA mit den Indianern geschah.

Herzl spaltet auch das Judentum

Das Judentum spaltet sich seit 1896 in Zionisten und Anti-Zionisten. Viele verarmte Juden in Osteuropa - mit hoher Analphabetenrate - wurden Anhänger des Zionismus, ohne Herzl jemals gelesen zu haben. Ab 1919 gründeten die Zionisten ihr Zentrum in den Freimaurer-"USA". Ben Gurion hielt seine Gründungsrede im Mai 1948 unter dem Portrait von Herzl mit dem CIA und den Freimaurer-"USA" als Schutzmacht. Jüdische Anti-Zionisten wanderten jeweils in andere Länder aus und sind dabei der Konfrontation mit dem Zionismus und mit der arabischen Seite ausgewichen und haben meist ein friedliches Leben ohne grosse Kriege und Zerstörungen erlebt. Argentinien wurde zu einem der grössten jüdischen Plätze der weltweit.

Die Zionisten behielten bis 1968 mit militärischen Siegen gegen die arabische Seite propagandistisch auch gegen die Anti-Zionisten die Oberhand, bzw. ausserhalb Israels begannen die Zionisten, die jüdischen Gemeinden zu dominieren. Die Muslime reagierten mit der Gründung von Terrororganisationen, und erst 1974 durfte ein Vertreter der Palästinenser erstmals vor der UNO sprechen und wurde auch international ein Zeichen gegen den Herzl-Zionismus gesetzt. Bis heute ist es aber nicht salonfähig, antizionistisch zu sein, weil die dummen Journalisten dann gleich sagen, man sei "gegen Israel".

Revision von Herzl - Menschenrechte

Das Buch "Der Judentstaat" ist bis heute die Grundlage des Staates Israel. Der Nahostkonflikt hat in Herzl seine Wurzel. Die Tatsache, dass seit Herzl der Antisemitismus viel mehr zugenommen hat, wird dabei verdrängt. Die arabische Seite fühlt sich durch die Definition eines "Judenstaates", der die Muslime nur als "Barbarei" erwähnt, bis heute bedroht, bzw. Propagandisten nutzen den Herzl auch für ihre Zwecke gegen Israel. Israel blockiert gleichzeitig die Wegekreuzung zwischen dem muslimischen Asien und dem muslimischen Afrika.

Eine Revision oder die Ersetzung von Herzl wäre eine wichtige Voraussetzung für die Beilegung des Nahostkonflikts mit Menschenrechten auf allen Seiten und mit gemeinsamen Feierlichkeiten. Die arabische Seite hätte dabei gleichzeitig auch alle Kampfbücher gegen Juden zu revidieren oder zu ersetzen. Ein gemeinsames Israel-Palästina mit Menschenrechten (Gesetzgebung, Abrüstung, Schulbücher, Zivildienst etc.) wäre die Grundlage für einen gesunden Staat und für Investitionstätigkeit von aussen. Eine "freie Heimat" ist dann frei, wenn Frieden auf der Basis der Menschenrechte existiert und die Menschen an allen Orten sicher leben können und vertreten sind.

Juden und Muslime haben bis 1896 - ohne Herzl - mehr oder weniger friedlich gemeinsam nebeneinander und miteinander gewohnt, z.T. mit Diskriminierung der Juden, z.T. aber auch mit Emanzipation der Juden. Letzteres kann in einem gemeinsamen Israel-Palästina sicher möglich sein, wenn die Menschenrechte auf beiden Seiten die erste Priorität bekommen. Der "arabische" Raum war bis 1948 nie ganz "arabisch", sondern da waren grosse jüdische und christliche Gemeinden, und so kann es auch unter den Menschenrechten wieder sein.

Tempel kann man auf jedem Berg errichten, Moscheen auch. So lange die Menschenrechte aber keine Fahne haben, scheinen sie sich ausserhalb von Europa nicht durchsetzen zu können.

Es erscheint absolut unverständlich, wieso das Herzl-Buch "Der Judenstaat" bis heute weiterhin verkauft werden darf. Dasselbe gilt für arabische Schriften gegen Juden. Und die Position von Israel an der traditionellen muslimischen Wegekreuzung zwischen Asien und Afrika erscheint nicht glücklich gewählt.


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