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Jesus ist eine astrologische Erfindung

Jesus: Saturn und Jupiter im Sternzeichen Fische als Heilserwartung

Wie die Astrologie einen Messias für das Judentum erwartete - und wie das Christentum auf der (z.T. negativen) Astrologie beruht


aus: C.G. Jung: Aion [[Die Ewigkeit]]. Abschrift mit Erläuterungen
in [[doppelten eckigen Klammern]] von Michael Palomino.

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aus: C.G. Jung: Aion [[Die Ewigkeit]]. Kapitel 8: Über die geschichtliche Bedeutung des Fisches. Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau 1976, 8. Auflage 1992


[[Der Aberglaube eines leuchtenden Sterns für "gescheite" Menschen]]

Seit alters wurde nicht nur im Judentum, sondern überhaupt im vorderen Orient, die Geburt eines hervorragenden Menschen mit einem Sternaufgang identifiziert. So weissagt Bileam (4. Mose 24,17): "Ich sehe ihn, doch nicht schon jetzt, ich erschaue ihn, doch nicht schon nah: Es geht auf ein Stern aus Jakob..." Stets ist die messianische Hoffnung mit dem Erscheinen eines Sternes verknüpft. (S.126)



aus: C.G. Jung: Aion [[Die Ewigkeit]]. Kapitel 6: Das Zeichen der Fische. Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau 1976, 8. Auflage 1992


[[Bildhafte Darstellungen von "Jesus" seit den Kirchenvätern: Vor allem Schlange und Fisch]]

"Die Gestalt Christi ist nicht so eindeutig, als man es wohl haben möchte. Ich will mich hier nicht auf die enormen Schwierigkeiten beziehen, die sich aus der Vergleichung des synoptischen [[Jesus in den verschiedenen Evangelien]] mit dem Johanneischen Christus ergeben, sondern auf die merkwürdige Tatsache hinweisen, dass in der patristischen  Hermeneutik [[Auslegung der Kirchenväter]], die bis in die Urkirche hinaufreicht, Christus eine Reihe von Symbolen, respektive "allegoriae" [[bildhafte Darstellung]], mit dem Teufel gemeinsam hat,

so Löwe, Schlange (serpens, Natter, coluber), Vogel (Teufel = nocturna avis [[Nachtvogel]]), Rabe (Christus = nycticorax, Nachtrabe), Adler und Fisch;

und dass Luzifer, die stella matutina [[Morgenstern]], sowohl Christus wie den Teufel bezeichnet.

Fussnote 1:
Frühe Zusammenstellungen solcher Allegorien [[bildliche Darstellung]] finden sich im "Ancoratus" [["Der Festgeankerte"]] des EPIPHANIUS und bei AUGUSTINUS ("Contra Faustum" [[Gegen Faustus]], lib. [[Buch]] XII, [[Seite]] XXIX f.). Betreffend nycticorax [[Nachtreiher]] und aquila [[grosser Adler]] siehe EUCHERIUS "Liber formularum spiritalis intelligentiae" [[Ideenbuch über die geistigen Verhältnisse]], Kapitel V [col. 740].

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Neben der Schlange ist wohl der Fisch eine der ältesten allegoriae [[bildlich-symbolischen Darstellungen]]. Heutzutage würden wir allerdings hierfür den Terminus Symbol vorziehen, indem dergleichen Synonyma immer noch etwas mehr enthalten als blosse Allegorien, was vor allem beim Fischsymbol einleuchtet. Es ist nicht wahrscheinlich dass "Fisch" eine blosse anagrammatische Abkürzung [[Aneinanderreihung von Anfangssilben]] von

Iesous (Jesus)
Christos (der "Gesalbte")
Theou (Gottes)
hYios (Sohn)
Soter (Retter)

[[= Ichthys, griech.: Fisch]]

 ist,


Fussnote 2:
[[Das Akrostichon "Jesus"]]

AUGUSTIN ("De civitate Dei" [[Vom Gottesstaat]], lib. [[Band]] XVIII, [[Seite]] XXIII [col. 808])  erzählt, wie der frühere Proconsul Flaccianus, ihm bei einem Gespräch über Christus ein Buch mit den Gesängen der Erythräischen Sibylle zeigt. Darin ist die Stelle enthalten, wo obige Wortfolge [[die anagrammatische Abkürzung]], die an sich das Akrostichon [[Wort aus Anfangsbuchstaben oder Anfangssilben mehrerer Wörter]] ... darstellt, ihrerseits ein solches eines ganzen Gedichtes, einer apokalyptischen Weissagung der Sibylle, ist, und zwar in folgender Weise (das griechische Original findet sich im Buch VIII der "Sibyllina oracula" [p. 723 ff.]:

Judicii signum tellus sudore madescet

Zum Zeichen des Gerichtes wird die Erde feucht werden vor Schweiss.

E coelo Rex adveniet per saecla futurus:

Vom Himmel wird der König kommen, um inskünftig zu herrschen,

Scilicet in carne praesens ut iudicet orbem.

im Fleische anwesend, den Erdkreis zu richten.

Unde Deum cernent incredulus atque fidelis

Daraus werden der Ungläubige wie der Gläubige Gott erkennen,

Celsum cum Sanctis, aevi iam termino in ipso.

den Erhabenen mit den Heiligen, indes allbereits die Zeit selbst zu Ende geht.

Sic animae cum carne aderunt, quas iudicat ipse.

So werden die Seelen im Körper dasein, und er selber wird sie richten...


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sondern vielmehr die symbolische Bezeichnung eines weit komplexeren Tatbestandes darstellt. (Ich fasse, wie ich andernorts gezeigt (S.81) habe, das Symbol nicht als allegorisch [[gleichnishaft]] oder als semiotisch [[wörtlich]] auf, sondern in seinem eigentlichen Sinne als die bestmögliche Bezeichnung und Formulierung eines nicht völlig erkennbaren Objektes. In diesem Sinne heisst das Glaubensbekenntnis "Symbolum".

Die Wortfolge macht eher den Eindruck, als ob sie künstlich zu dem Zwecke zusammengestellt worden wäre, um ein schon vorhandenes und verbreitetes "Ichthys" [[griech.: Fisch]]  zu erklären.

Fussnote 3:
Vergleiche dazu JEREMIAS "Das Alte Testament im Lichte des Alten Orients", S.69, Anmerkung 1

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[[Fischsymbole vor der Zeit des "Jesus"]]

Das Fischsymbol nämlich hat gerade in Vorderasien eine reiche Vorgeschichte, angefangen mit dem babylonischen Fischgott Oannes und dessen in Fischhäute gekleideten Priestern bis  zu den heiligen Fischmahlzeiten im Kulte der phönikischen Derketo-Atargatis und den Dunkelheiten der Aberkios-Inschrift

Fussnote 4:
Aus dieser Inschrift möchte ich nur den mittleren Teil erwähnen, wo es heisst:

[[Beispiel einer Fischmalzeit]]:
"Überall aber hatte ich einen Reisegefährten, da ich den Paulus auf dem Wagen sitzen hatte. Der Glaube aber zog überall (als Führer) voran und setzte als Speise überall einen Fisch aus der Quelle vor, einen riesengrossen, reinen, den eine heilige Jungfrau gefangen hatte. Und diesen (Fisch) reichte er (der Glaube) den Freunden zum Essen dar, (der Glaube), welcher guten Wein hat, Mischtrank mit Brot gebend." (RAMSAY: "The Cities and Bishoprics of Phrygia", p. 424). Weiteres siehe unten.

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und vom Soter-Fisch des Manu im fernen Indien bis zu der eucharistischen Fischspeise der "thrakischen Reiter" im römischen Reiche.

Fussnote 5:
[Vergleiche dazu GOODENOUGH: "Jewish Symbols in the Greco-Roman Period, [[Band]] V, p. 13 ff.]

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Es ist für unsere Absicht keineswegs nötig, auf dieses gewaltige Material des näheren einzugehen. Wie FRANZ JOSEF DÖLGER und andere gezeigt haben, bestehen doch innerhalb der ursprünglichen, sozusagen rein christlichen Anschauungswelt genügend Vorwürfe und Anlässe für die Fischsymbolik. Ich erinnere nur an die Regeneration im Taufbad, in welchem die Täuflinge wie Fische schwimmen.

Fussnote 6:
DÖLGER: "Ichthys. Das Fischsymbol in frühchristlicher Zeit" [Aberkios-Inschrift p.8 ff.]

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Bei dieser grossen Verbreitung des Fischsymbols ist ein Vorkommen desselben an irgendwelchem Orte oder in irgendeinem Momente der Weltgeschichte in keiner Weise eine Besonderheit.


[[Der Messias der Juden soll dann geboren werden, wenn Jupiter und Saturn im Sternzeichen der Fische zusammentreffen]]

Die plötzliche Belebung des Symbols aber, und dessen Identifikation mit Christus schon in der Frühzeit der Kirche, lässt noch eine andere Quelle vermuten. Es ist dies die astrologische, auf welche, wie es scheint, zuerst FRIEDRICH MÜNTER aufmerksam gemacht hat.

Fussnote 7:
"Sinnbilder und Kunstvorstellungen der alten Christen", p.49. Hier erwähnt er den Abrabanel (sic!), "der aller Wahrscheinlichkeit nach aus älteren Quellen geschöpft hat".

 
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ALFRED JEREMIAS (Fussnote 8: l.c., p.69) kommt auf die gleiche Auffassung zurück und erwähnt, dass ein jüdischer Danielkommentar des 14. Jahrhunderts das Kommen des (S.82) Messias im Zeichen der Fische erwartete. Dieser Kommentar wird von MÜNTER in einer späteren Publikation

Fussnote 9:
"Der Stern der Weisen", p.54 ff.

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als derjenige des DON ISAAK ABARBANEL (geboren 1437 in Lissabon, 1508 gestorben in Venedig) erwähnt.

Fussnote 10:
JSHAQ ABRAVANEL BEN JEHUDA. Der Danielkommentar erschien unter dem Titel "Ma' jene haj-jeshua" (Quellen der Hilfe) 1551 in Ferrara.

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Darin wird ausgeführt, dass das Haus der Fische (i) das der Gerechtigkeit und der erstrahlenden Herrlichkeit sei ([[als ein]] "domicilium Jovis" [[Sitz des Jovis/Jupiter]], Jupiter im Sternzeichen der Fische).

Anno mundi 2365 (Fussnote 11: Entspricht dem Jahre 1396 v.Chr.) habe eine grosse Konjunktion von Saturn und Jupiter im Sternzeichen der Fische stattgefunden.

Fussnote 12:
Die Konjunktion fand in Wirklichkeit im Sternzeichen Schütze statt. Die "coniunctiones magnae" des Wassertrigons [[Dreieck der Wasser-Sternzeichen]] (Krebs, Skorpion, Fische) fallen in die Jahre 1800 bis 1600 und 1000 bis 800 v.Chr.

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Diese beiden grossen Planeten [[Saturn und Jupiter]] seien auch die wichtigsten für das Weltschicksal, insbesondere für das der Juden. Diese Konjunktion habe drei Jahre vor der Geburt des Moses stattgefunden. (Dies ist natürlich legendär).


[[Rabbiner prophezeien den jüdischen Messias bei neuen Jupiter-Saturn-Konstellationen im Sternzeichen der Fische]]

ABARBANEL erwartet das Kommen des Messias im Sternzeichen der Fische, das heisst, wenn der Jupiter mit dem Saturn im Sternzeichen der Fische in Konjunktion steht. Er war nicht der erste, der solche Erwartungen aussprach. Schon vier Jahrhunderte früher finden sich entsprechende Angaben; zum Beispiel soll Rabbi ABRAHAM BEN CHIJJA (gestorben um 1136) befohlen haben, dass man den Messias anlässlich der grossen Konjunktion im Sternzeichen der Fische 1464 erwarten solle; ebenso SAMUEL BEN GABIROL (1020-1070).

 Fussnote 13:
[[siehe]]:
-- ANGER: "Der Stern der Weisen und das Geburtsjahr Christi", p. 396
-- und GERHARDT: "Der Stern des Messias. Das Geburts- und Todesjahr Jesu Christi nach astronomischer Berechnung", p. 54 f.

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[[Der Saturn soll der Stern der Juden sein]]

Diese astrologischen Ideen werden verständlich, wenn man in Betracht zieht, dass Saturn der Stern Israels ist, und dass Jupiter den "König" (der Gerechtigkeit) bedeutet. Zu den Fischen, dem "domicilium Jovis" [[Sitz des Jovis / Jupiter]] gehören Mesopotamien, Baktrien [[heute nördliches Afghanistan]], Rotes Meer und Palästina.

Fussnote 14:
[[siehe]] GERHARDT, l.c., p. 57; PTOLEMAEUS und das auf ihm fussende Mittelalter verbinden Palästina mit dem Aries [[Widder]].

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Kewan (Saturn) ist erwähnt im [[biblischen Buch]] Amos 5,26, als "Stern eures Gottes".

Fussnote 15:
"So sollt ihr denn Sakkuth, euren König, und Kewan, den Stern eures Gottes, dahintragen."

Hierauf bezieht sich auch Stephanus in seiner Verteidigungsrede (Apostelgeschichte 7,43):

"Und ihr habt getragen das Zelt des Moloch und das Sternbild des Gottes Kewan."

Die Vulgata [[die erste Bibelübersetzung von Hieronymus]] hat "sidus dei vestri Rempham" ... eine Verstümmelung von Kewan.

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JAKOB VON SARUG (gestorben 521) sagt, die Israeliten verehrten den Saturn. Die Sabäer nannten ihn "Gott der Juden".

Fussnote 16:
[[siehe]]: DOZY ET DE GOEJE: "Nouveaux Documents pour l'étude de la religion des Harraniens" [[Neue Dokumente zum Studium der Religion der Harraner]], p. 350

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[[Der Tag des Saturns ist der Feiertag des Judentums]]

Der Sabbath ist Saturday, Saturnstag.



ALBUMASAR (Fussnote 17: ABU-MA-ASCHAR, gestorben 885) bezeugt, dass Saturn der Stern Israel sei.

Fussnote 18:
[[siehe]] GERHARDT, l.c., p. 57; Ebenso: PETRUS DE ALIACO:

"Saturnus vero ut ait Messahali significationem habet super gentem iudaicum seu fidem eius."

[Saturn aber, wie Messahali sagt, ist von Bedeutung für das jüdische Volk oder seinen Glauben].

("Concordantia astronomiae cum theologia, [[Band]] III, Kapitel. 34, fol. g4).

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[[Saturn im Mittelalter: Sitz des Teufels]]

In der mittelalterlichen (S.83) Astrologie gilt Saturn als Sitz des Teufels.

Fussnote 19:
REITZENSTEIN: "Poimandres", p.76

[[Inwiefern hier ein Kirchendogma gegen das Judentum dahintersteht und wer die Teufelsdefinition beschlossen hat, bleibt unbeantwortet]].

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[[Saturn und andere Götter mit Löwengesicht]]

Die Löwengesichtigkeit haben Saturn und Jaldabaoth [[Gott in Löwengestalt]], der Demiurg [[Weltenschöpfer]] und oberste Archon [[griech.: Herrscher]], gemein. ORIGENES erwähnt aus dem Diagramm des CELSUS, dass Michael als erster Engel des Schöpfers "leonina forma" [[löwenähnliche Form]] habe.

Fussnote 20:
"Contra Celsum", VI, 30.

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Er steht offenbar an Stelle des Jaldabaoth [[Gott in Löwengestalt]], der mit Saturn identisch ist, wie ORIGENES feststellt.

Fussnote 21:
l.c., VI, 31:
"Hunc autem angelum leoni similem aiunt habere cum astro Saturni necessitudinem."

[Sie sagen aber, dass dieser Engel, der einem Löwen ähnlich sieht, notwendigerweise mit dem Stern Saturn zu tun habe].

 Ebenso "Pistis Sophia" Kapitel .31 [p. 32f.]. Weiteres siehe BOUSSET: "Hauptprobleme der Gnosis."

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Der Demiurg [[Weltenschöpfer]] der Naassener ist ein "feuriger Gott, der Vierte der Zahl nach."

Fussnote 22:
HIPPOLYTUS: "Elenchos", V. 7, 30 [p. 86]

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Nach der Lehre des APELLES, der mit MARKION Verwandtschaft hat, gab es einen "dritten Gott, der zu Moses sprach - er sei feurig - es gebe auch noch einen vierten, den Urheber des Bösen."

Fussnote 23:
"Elenchos", VII, 38, 1 [p. 224]. Zu dem "Vierten" vgl. "Versuch zu einer psychologischen Deutung des Trinitätsdogmas" [Paragr. 243 ff. "Das Problem des Vierten"].

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Zwischen dem Gott der Naassener und dem des APELLES besteht offenkundig eine nahe Beziehung und auch, wie ersichtlich, mit Jahwe, dem Demiurgen [[Weltenschöpfer]] des "Alten Testaments".


[[Saturn soll ein verdammter, "schwarzer Stern" sein]]

Saturn ist ein "schwarzer" Stern,

Fussnote 24:
Daher soll das Saturnsbild der Sabäer aus Blei oder schwarzem Stein gefertigt sein. (CHWOLSOHN: "Die Ssabier und der Ssabismus" II, p. 383).

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seit alters ein "maleficus" [[boshaft]].

BOUCHÉ-LECLERCQ "L'Astrologie grecque", p. 317 sagt:
"Dragons, serpents, scorpions, vipères, renards, chats et souris, oiseaux nocturnes et autres engeances sournoises sont le lot de Saturne".

Fussnote 25:
[Drachen, Schlangen, Skorpione, Vipern, Füchse, Katzen und Mäuse, Nachtvögel und anderes heimtückische Gezücht gehören zu Saturn].

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[[Der Esel in der Astrologie ist auch dem Saturn zugeordnet]]

 
Merkwürdigerweise gehört auch der Esel zu den saturnischen Tieren,

Fussnote 26:
BOUCHÉ-LECLERCQ (l.c., p. 318) vermutet eine der bekannten antiken "Etymologien", nämlich ein onos (Esel) enthalten in kronos (Saturn), gestützt auf einen den Megariker Diodoros betreffenden Scherz. Der Grund für die Analogie Saturn-Esel liegt wohl tiefer, nämlich in der Natur des Esels, der als "animal frigidum, indocile, tardum ... longae vitae" [kaltes, unlenksames, stumpfes, langlebiges Tier] gilt. ([[in]]: "Physiognom. graec. II, pp. 136 und 139, zitiert von BOUCHÉ-LECLERCQ, p. 318, Anm.).

Ich finde nun in POLEMONS "Physiognomia" die folgende Angabe über den Wildesel:
"fugax pavidus stolidus indomitus libidinosus zelotypus feminas suas tuens"
[fluchtbereit, furchtsam, dumm, ungezähmt, geil, eifersüchtig seine Weibchen schützend].
([[in]]: "Scriptores physiognomici Graeci et Latini" [[Physiognomische Schriftsteller der griechischen und römischen Kultur]], I, Kapitel II, p. 182).

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und (S.84) als solches galt er als Theriomorphismus [[Tiergestalt]] des Judengottes. Eine bildliche Darstellung desselben [[Esels]] ist der bekannte Spott-Crucifixus vom Palatin [[Pfalzgraf]].

Fussnote 27:
Vorlage dazu könnte jene ägyptische Überlieferung vom Martyrium des Seth [[ein ägyptischer Gott]] sein, welches in Denderah dargestellt ist. Er [[Seth]] ist an den "Sklavenstock" gefesselt, hat einen "Esels"-Kopf, und Horus steht mit einem Messer in der Hand vor ihm. (MARIETTE, "Dendérah" IV, Tafel 56).

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Überlieferungen dieser Art finden sich bei PLUTARCH (Fussnote 28: "Quaestiones convivales" [[Fragen der Gäste]], IV, 5),

DIODOR (Fussnote 29: XXXIV, 1),

JOSEPHUS (Fussnote 30: "Contra Apionem" [[Gegen Apion]], II, 7-8 [p. 697 f.])

und TACITUS (Fussnote 31: "Historiarum" [[Von der Geschichte]], lib. IV, 3).

Sabaoth, der siebente Archon [[griech.: Herrscher]], hat Eselsgestalt.

Fussnote 32:
[[siehe]]: EPIPHANIUS: "Panarium" [[Brotkorb]], XXVI, 10.

[[Wie das Judentum die Christen dargestellt hat, bleibt unbeantwortet. Es dürften keine "höflicheren" Darstellungen gewesen sein]].

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Auf derartige Gerüchte beziehen sich die Bemerkungen TERTULLIANS:

 
"Somniastis caput asininum esse deum nostrum", und "quod asinarii tantum sumus".

Fussnote 33:
"Du hast geträumt, dass ein Eselskopf unser Gott sei", und "dass wir nur Eseltreiber sind". ("Apologeticus adversus gentes" [[Der Apologet tritt dem Volk gegenüber]], XVI [col. 364f.]).

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Wie oben erwähnt, gehört der Esel zu Typhon [[mehrköpfiger griechischer Gott]].

Fussnote 34:
[[siehe]]: PLUTARCH: "De Iside et Osiride" [[Von Isis und Osiris]], Kp. 31 und 50.

In Kp. 31 erwähnt PLUTARCH, dass die Sage von der Flucht des [[mehrköpfigen Gottes]] Typhon [[vor Zeus]] auf einem Esel und von der Erzeugung seiner beiden Söhne, Hierosolymus und Iudaeus, nicht ägyptisch sei, sondern zu den ... gehöre.

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In den frühen Texten allerdings ist er [[der Esel]] das Attribut des Sonnengottes, und erst später wird er zu einer Gestalt des Unterweltlichen (apep) und Bösen (Seth).

Fussnote 35:
Im Ani-Papyrus heisst es in einem Hymnus an Ra:

"May I journey forth upon the earth, may I smite the Ass, may I crush the serpent-fiend Sebau; may I destroy Apep in this hour."

[Möge ich dahinreisen auf der Erde, möge ich den Esel erschlagen, möge ich die Feind-Schlange Sebau zerschmettern; möge ich Apep zu seiner Stunde vernichten].

(BUDGE: "The Gods of the Egyptians" II, p.367).

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[[Mittelalter-Tradition: Den Religionen sind Planetenkonstellationen zugeordnet]]

Nach der mittelalterlichen Tradition sollen
-- die Religion der Juden in einer Konjunktion von Jupiter mit Saturn
-- der Islam in einer Konjunktion von Jupiter mit der Venus
-- das Christentum in einer Konjunktion von Jupiter und Merkur
-- und der Antichrist in einer Konjunktion von Jupiter und Mond

ihren Ursprung haben.

Fussnote 36:
[[siehe]]: ALBUMASAR, lib. II: "De magnis coniunctionibus", tract. I, diff. 4, p. a8:

"Si fuerit <iupiter> complexus saturno significabit quod fides civium eiusdem sit iudaisma... Et si complexa fuerit luna <saturno> significavit dubitationem ac volutionem et mutationem et  expoliationem a fide: et hoc propter velocitatem corruptionis lune et celeritatem motus eius et paucitatem more eius in signo."

[Wenn <Jupiter> in Konjunktion ist mit Saturn, bedeutet dies, dass der Glaube der Bürger das Judentum ist ... Und wenn der Mond in Konjunktion mit Saturn ist, bedeutet es Zweifel und Umbruch und Veränderung und Abwendung vom Glauben: und zwar wegen der Raschheit seiner Vergänglichkeit und der Schnelligkeit seiner Bewegung und der Kürze seines Verweilens im Zeichen].

[[siehe auch]]: PETRUS DE ALIACO, in: "Concordantia astronomicae veritatis" [[Übereinstimmende Wahrheiten der Astronomie]], II, Kp. 62, d4.

HEIDEGGER ("Quaestiones ad textum Lucae" [[Fragen zum Lukas-Text]] VII, 12-17) erwähnt im Kapitel IX, dass Abu Mansor (Albumansar) im 6. Traktat, in der Introductio maior [[Haupteinleitung]], das Leben Christi wie dasjenige Muhammeds mit den Sternen in Verbindung bringe.

CARDANUS ("Commentarium in Ptolemaeum De astrorum Judiciis" [[Kommentar von Ptolemäus über die Sterne der Juden]], V, p. 188) schreibt

-- die Konjunktion von Merkur und Jupiter dem Christentum
-- die Konjunktion vom Merkur und Saturn dem Judentum
-- die Konjunktion von Merkur und Mars dem Islam
-- und die Konjunktion von Merkur und Venus der Idolatrie [[Bilderverehrung, Götzendienst]]

zu.

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[[Die Bedeutung von Jupiter ist das Leben selbst]]

Im Gegensatz zu (S.85) Saturn ist Jupiter ein wohltätiges Gestirn. In der iranischen Auffassung bedeutet Jupiter das Leben, Saturn aber den Tod.

Fussnote 37:
[[siehe]]: CHRISTENSEN: "Le premier Homme et le premier roi dans l'histoire légendaire des Iraniens" [[Der erste Mensch und der erste König in der legendären iranischen Geschichte]],  I, p. 24

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[[7 v.Chr.: Dreimal die Konjunktion der Gegensätze zwischen Saturn und Jupiter im Sternzeichen der Fische]]

Die Konjunktion Jupiter - Saturn bedeutet daher die Vereinigung der Gegensätze. Im Jahre 7 a.Chr.n. [[ante Christum natum, = v.Chr. Geburt]] fand diese berühmte Konjunktion nicht weniger als dreimal im Zeichen der Fische statt. Die grösste Annäherung erfolgte am 29. Mai anno 7 v.Chr., und zwar betrug sie 0,21°, das heisst also weniger als halbe Vollmondbreite.

 Fussnote 38:
[[siehe]]: GERHARDT: "Der Stern des Messias", p. 74

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Diese Konjunktion ereignete sich mitten in der Kommissur "prope flexum lini piscium"

Fussnote 39:
[nahe der Krümmung in der Linie der Fische].

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Vom astrologischen Standpunkt aus betrachtet muss diese Konjunktion als besonders bedeutsam erschienen sein, weil die Annäherung der beiden Planeten ausnahmsweise gross und daher von eindrucksvoller Lichtstärke war. Zudem fand sie heliozentrisch [[wenn die Sonne als Mittelpunkt des Sonnensystems angenommen wird]] in der Nähe des Äquinoktialpunktes [[Position der Sonne im Sternzeichen bei Tag- und Nachtgleiche auf der Erde]] statt, der damals zwischen den Sternzeichen Widder und Fische, also zwischen Feuer und Wasser, lag.

Fussnote 40:
Berechnet aufgrund von PETERS AND KNOBEL: "Ptolemy's Catalogue of Stars".

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[[Zusatzfaktor: Mars in Opposition zu Saturn und Jupiter]]

Zur astrologischen Qualifikation unserer Konjunktion gehört auch der für die Beurteilung wichtige Umstand, dass sich Mars in Opposition zu Jupiter und Saturn befand, das heisst astrologisch, dass der Planet der Triebnatur [[Mars]] in einer gegensätzlichen Beziehung zur Konjunktion stand, was gerade für das Christentum bezeichnend ist. Da die von GERHARDT errechnete Konjunktion am 29. Mai 7 v.Chr. stattfand, so würde sich für die Nativität Christi also eine Position der Sonne im Sternzeichen der Zwillinge ergeben. Die für die männliche Nativität besonders wichtige Sonnenstellung befindet sich in dem Doppelzeichen der Gemini (Zwillinge).

Fussnote 41:
[[Horoskope für "Jesus"]]

Das Mittelalter hat für Christus verschiedene Idealhoroskope ersonnen. ALBUMASAR und ALBERTUS nahmen als Aszendenten Virgo [[Sternzeichen Jungfrau]] an; PETRUS DE ALIACO (1356-1420) dagegen Libra [[Sternzeichen Waage]], ebenso CARDANUS.

PETRUS sagt (in "Concordantia", Kapitel II):

"Nam Libra est signum humanum videlicet Liberatoris hominis utpote hominis discreti et iusti et spiritualis."

[Denn die Waage ist ein menschliches Zeichen, das heisst des Menschenbefreiers, nämlich des klugen, gerechten und geistigen Menschen].

 
JOHANN KEPLER dagegen sagt in seinem "Discurs von der grossen Conjunction" (p. 701), Gott habe "dieserley grosse conjunctiones mit scheinbaren Extraordinari Wundersternen am hohen Himmel, auch mit nambhafften Wercken seiner Göttlichen Providentz" selber gezeichnet, und er fährt fort:

"Inmassen er die Geburt seines Sohnes Christi unsers Heylandes gleich zur zeit der grossen conjunction in Zeichen der Fische und des Widders, circa punctum aequinoctialem geordnet."

Heliozentrisch [[wenn man die Sonne als Zentrum des Sonnensystems annimmt]] ereignete sich die Konjunktion kurz vor dem Äquinoktialpunkt [[Stand der Sonne bei Tag- und Nachtgleiche auf der Erde]], was ihr astrologisch eine besondere Bedeutsamkeit verleiht.

PETRUS DE ALIACO (in "Concordantia, fol. br) sagt:
"Magna autem coniunctio est saturni et iovis in principio arietis."
[Eine grosse Konjunktion aber ist die von Saturn und Jupiter am Anfang des Widders].


[[Die Zyklen von 20, 200 und 800 Jahren]]

Diese Konjunktionen ereignen sich alle 20 Jahre und finden während jeweils 200 Jahren im selben Elementtrigon [[Dreieck des Elements]] statt. Die gleiche Position kann aber nur alle 800 Jahre wiederkehren. Die bedeutsamsten Stellungen sind die zwischen zwei Elementtrigonen.

ALBUMASAR (in "De magnis coniunct., tract. 3, diff. 1, fol. d8r) sagt, sie offenbaren sich

"in permutationibus sectarum et vicium et permutationibus legum et ... in adventu prophetarum et prophetizandi et miraculorum in sectis et vicibus regnorum"

[in Veränderungen der Parteien und Ämter und in Gesetzesänderungen und ... im Auftreten von Propheten und Weissagungen und Wundern in Parteien und staatlichen Ämtern].

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[[Die Herleitung der Kreuzigung]]

Man denkt bei dieser Feststellung unwillkürlich an (S.86) das altägyptische Brüderpaar Horus und Seth, an den Opferer und den Geopferten (vergleiche die Anmerkung 27 betreffend "Martyrium" des Seth), welche das Drama des christlichen Mythus in gewissem Sinne präfigurieren. Allerdings ist im ägyptischen Mythus der Böse derjenige, der am "Sklavenstock" geopfert wird.

Fussnote 42:
[[Schlangenkreuze, Schlangenträume]]

Die Kreuzigung war bekanntlich eine Strafe für Sklaven. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass das Kreuz mit der Schlange (statt des Crucifixus) mittelalterlich öfters vorkommt, ebenso aber auch in modernen Träumen und Phantasiebildern von Personen,  welche mit dieser Tradition unbekannt sind. Ein charakteristischer Traum dieser Art ist der folgende:

"Der Träumer wohnt im Theater einem Passionsspiel bei. Der Darsteller des Heilandes verwandelt sich auf dem Wege nach Golgatha plötzlich in eine Schlange oder in ein Krokodil."

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[[Die Planetenkonstellation für Horus und Seth]]

Aber das Brüderpaar Heru-ur (der so genannte ältere Horus) und Seth wird gelegentlich (wie erwähnt) als ein Körper mit zwei Köpfen dargestellt. Der Planet Merkur ist dem Seth zugeordnet, was hinsichtlich der Tradition vom Ursprung des Christentums mit der Konjunktion von Jupiter mit Merkur von Interesse ist.

Im Neuen Reiche (19. Dynastie) tritt Seth als Sutech im Delta hervor. In der von Ramses II. erbauten neuen Hauptstadt war der eine Bezirk dem Amon, der andere aber dem Sutech geweiht.

Fussnote 43:
ERMAN: "Die Religion der Ägypter", p. 137; BUDGE: "The Gods of the Egyptians" II, p. 303

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Hier sollen [[gemäss dem Alten Testament]] die Juden Sklavenarbeit verrichtet haben [[was gemäss neuerer Forschung nicht stimmt, da Ramses erst nach dem angeblichen Moses-Auszug gelebt hat, es waren also bereits alle Juden ausgezogen; In: Finkelstein / Silberman: Keine Posaunen vor Jericho]].


[[Die Legende, wie der Geist von Jesus in den Körper von Jesus gelangt]]

Zum Doppelaspekt Christi gehört auch die in Ägypten entstandene Legende der "Pistis Sophia" (3. Jahrhundert). (Die Mutter Maria spricht zu Jesus):

"Da du klein warst, bevor der Geist über dich gekommen war, kam, während du dich mit Joseph in einem Weinberg befandest, der Geist aus der Höhe und kam zu mir in mein Haus, dir gleichend, und nicht hatte ich ihn erkannt, und ich dachte, dass du es wärest. Und es sprach zu mir der Geist:

<Wo ist Jesus, mein Bruder, damit ich ihm begegne?>

Und als er mir dieses gesagt hatte, war (S.87) ich in Verlegenheit und dachte, es wäre ein Gespenst, um mich zu versuchen. Ich nahm ihn aber und band ihn an den Fuss des Bettes, das in meinem Hause,  bis dass ich zu euch, zu dir und Joseph, auf das Feld hinausginge und euch im Weinberg fände, in dem Joseph den Weinberg bepfählte. Es geschah nun, als du mich das Wort zu Joseph sprechen hörtest, begriffest du das Wort, freutest dich und sprachst:

<Wo ist er, auf dass ich ihn sehe, denn ich erwarte ihn an diesem Orte.>

 Es geschah aber, als Joseph dich diese Worte hatte sagen hören, wurde er bestürzt, und wir gingen zugleich hinauf, traten in das Haus ein und fanden den Geist an das Bett gebunden. Und wir schauten dich und ihn an und fanden dich ihm gleichend; und es wurde der an das Bett Gebundene befreit, er umarmte dich und küsste dich, und du selbst küsstest ihn und ihr wurdet eins."

Fussnote 44:
"Pistis Sophia", p. 89 f.

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[[Die Darstellung der beiden Komponenten von Jesus: Körper und Geist]]

Wie aus dem Kontext dieser Perikope [[biblischer Textabschnitt]]  hervorgeht, entspricht hier Jesus der "aus der Erde hervorsprossenden Wahrheit", der ihm gleichende Geist aber der "vom Himmel herabblickenden Gerechtigkeit (dikaiosyne)". Der Text sagt:

"Die <Wahrheit sprosste aus der Erde hervor>, weil du in den unteren Örtern des Chaos warst."

Fussnote 45:
Vergleiche damit den Fisch, der nach AUGUSTIN "aus der Tiefe herausgehoben" wurde [l.c., p. 88].

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Jesus wird demnach als eine Doppelpersönlichkeit aufgefasst, welche einesteils aus dem Chaos beziehungsweise der Hyle [[der formbare Urstoff]] emporwächst, anderenteils als Pneuma [[Hauch, Atem]], das vom Himmel heruntersteigt.

Man könnte die für den gnostischen [[Anwendung von Übersinnlichkeit und Philosophie]] Erlöser charakteristische Phylokrinesis [[Artenunterscheidung]], die Unterscheidung der "Naturen", wohl kaum plastischer darstellen, als es die astrologische Zeitbestimmung tut.

[[Saturn als der Körper von Jesus vereinigt sich mit Jupiter als der Geist von Jesus als eine Konjunktion von Planeten]].

Diese der Antike durchaus möglichen astrologischen Feststellungen bedeuten einen eminenten Doppelaspekt,

Fussnote 46:
In diesem Zusammenhang ist die Figur der "Zwillingserlöser" ... in der Pistis Sophia (l.c., pp. 2, 12 und an anderen Orten) zu erwähnen.

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der in diesen Zeitpunkt fallenden Geburt, und man versteht, wie plausibel dem astrologischen Verständnis jener Zeit der in die Erscheinung tretende Christus-Antichristus-Mythus vorgekommen sein muss.

 

[[Talmud-Prophezeiung für eine Kriegszeit nach 4291 Jahren]]

Für die Gegensatznatur der Pisces [[Sternzeichen Fische]] haben wir ein auf alle Fälle altes, das heisst vor das 6. Jahrhundert fallendes Zeugnis im Talmud, wo es heisst:

"Viertausendzweihunderteinundneunzig [[4291]] Jahre nach der Weltschöpfung <also anno Domini 530> wird die Welt verwaist sein; es folgen die Kriege der tanninim (Seeungeheuer) (S.88), die Kriege von Gog und Magog, und darauf die messianischen Tage;

Fussnote 47:
Auch erwähnt in der Chronik des TABARI (I, Kp. 23, p.67). Der Antichrist ist dort der Judenkönig, der mit Gog und Magog erscheint. Es dürfte hier eine Beziehung auf Apokalypse 20, 7f. vorliegen:

"Und wenn die 1000 Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden, und er wird ausgehen, um die Völker zu verführen, die an den vier Ecken der Erde sind, den Gog und Magog, um sie zum Krieg zu versammeln."

Graf VON WACKER-BARTH ("Merkwürdige Geschichte der weltberühmten Gog und Magog", p. 18f.) berichtet aus einer englischen Weltgeschichte, die 1760 deutsch herausgekommen war, dass arabische Schriftsteller sagte, die "Yajui" seien "von mehr als gewöhnlicher Grösse", die "Majui" dagegen seien "nicht mehr als drei Spannen hoch". Diese Nachricht weist, trotz der Dunkelheit ihrer Herkunft, auf eine Gegensätzlichkeit von Gog und Magog, dank welcher sie eine Parallele zu den Fischen bilden.

AUGUSTINUS deutet "die Völker, die an den vier Ecken der Erde sitzen, Gog und Magog", ersteres als tectum (Dach oder Haus), letzteres als de tecto (vom Dache), d.h. als einen, "qui procedit de domo" (der aus dem Hause herausgeht).

"... ut illae sint tectum, ipse de tecto": nämlich die Völker sind das Haus, der Teufel aber wohnt in dem Haus und geht aus demselben hervor ("De civitate Dei", Lib. XX, cap. XI [VII, col 946).

Auf AUGUSTIN fusst das "Compendium theologicae veritatis" [[Grosses Buch der theologischen Wahrheiten]], welches der Reihe nach ALBERTUS MAGNUS, HUGO VON STRASSBURG und JOHANNES PARISIENSIS zugeschrieben wurde. Es ist die Hauptquelle für die Antichristsage. Mit Bezug auf AUGUSTIN heisst es hier, dass Gog "occultatio" (das Verbergen), Magog dagegen "detectio" (Offenbarung) bedeutet. (Libell. 7, cap. 11).

Damit ist die Gegensätzlichkeit von Gog und Magog wenigstens für das Mittelalter gesichert.

Es handelt sich um das Brüder- resp. Verdoppelungsmotiv. ALBUMASAR nennt das sechste "clima" (Neigung gegen den Nordpol) das von Gog und Magog und schreibt ihm die Sternzeichen Zwillinge und Jungfrau zu ("De magnis coniunctionibus", Tract. 4, diff. 12, p. g8).

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Erst nach 7000 Jahren wird der Heilige, gepriesen sei Er, seine Welt von neuem errichten. R. Aha, Sohn des Raba, sagte: Es wurde gelehrt, nach 5000 Jahren."

Fussnote 48:

 [[siehe]]: GOLDSCHMIDT: "Der Babylonische Talmud", IX, p. 66. R. Hanan ben Talipha, welchem die Erzählung der obigen Prophezeiung in den Mund gelegt wird, ist in der Liste der Amoräer (Talmudlehrer) erwähnt und gehört in das 3. Jh. p. Chr. n. [[post Christum natum, = n.Chr. Geburt]].

Der Talmudkommentator Rabbi SALOMO JIZCHAKI, genannt RASCHI (1039-1105) bemerkt, dass die tanninim dagim = Fische seien, wobei er sich vermutlich auf eine ältere Quelle stützt, indem er nicht, wie sonst, dies als seine eigene Meinung anführt. Diese Bemerkung ist insofern wichtig, als sie erstens einmal den Kampf der Fische als ein endzeitliches Ereignis auffasst (wie den Kampf von Behemoth und Leviathan, siehe unten) und zweitens wohl das älteste Dokument für die Gegensätzlichkeit der Fische darstellt.

Aus der Zeit (das heisst 11. Jh.) ungefähr stammt auch das Apokryphon [[aus dem Bibelkanon verbannter Text]] einer Johanneischen Genesis, in welchem die zwei Fische, diesmal in unzweideutiger astrologischer Gestalt, erwähnt sind. Beide Dokumente fallen in die kritische Epoche am Anfang des zweiten Jahrtausends der (S.89) christlichen Ära, worüber ich im weiteren Verlauf dieser Untersuchung noch handeln werde.


[[Die Deutung der Konjunktion von Saturn und Jupiter im Jahr 531]]

Das Jahr 531 ist astronomisch durch eine Konjunktion von Jupiter und Saturn in Gemini [[Sternzeichen Zwilling]] charakterisiert. Dieses Zeichen stellt ein brüderliches Paar dar, welches nicht ohne innere Gegensätzlichkeit ist. Von den Griechen wurde es als die Dioskuren ("Zeusknaben"), jene vom Schwan gezeugten und aus dem Ei gebrüteten Ledasöhne, gedeutet. Pollux war unsterblich, während Kastor das menschliche Schicksal teilte.

Eine andere Deutung der Zwillinge besagte, dass sie Apollon und Herakles oder Apollon und Dionysos darstellten. Diese Deutungen weisen beide auf eine gewisse Gegensätzlichkeit hin.

Astronomisch steht übrigens das Luftzeichen Gemini [[Zwillinge]] in einem quadratischen, also ungünstigen Aspekt zu der Konjunktion des Jahres 7 v.Chr. Die innere Gegensätzlichkeit der Zwillinge dürfte wohl ein gewisses Licht auf die Prophezeiung vom "Krieg der tanninim" werfen, welche von RASCHI als "Fische" gedeutet wurden.

Aus der Datierung der Geburt Christi ergibt sich, wie erwähnt, die Sonne im Sternzeichen Zwilling. Das Brudermotiv tritt ebenfalls schon sehr früh in Verbindung mit Christus auf, nämlich bei den Judenchristen beziehungsweise Ebionäern.

Fussnote 49:
Vergleiche EPIPHANIUS: "Panarium", XXX.

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Aus dem Gesagten darf man vielleicht vermuten, dass die oben erwähnte talmudische Prophezeiung auf astrologischen Voraussetzungen beruhte.


[[Die Präzession der Erdachse - verschiedene Berechnungen für das Platonische Jahr zur Prophezeiung der nächsten Konjunktionen der Planeten 1239 n.Chr.]]


Den Astrologen der Antike war die Tatsache der Präzession [[Abweichwinkel der Erdachse von der Vertikalen]] bereits wohlbekannt.

Fussnote 50:
HIPPARCHUS gilt als der Entdecker der Präzession [[Abweichwinkel der Erdachse von der Vertikalen]]. BOLL: "Sphaera", p. 199-1

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So benützt sie auch schon ORIGENES, gestützt auf die Beobachtungen und Berechnungen des HIPPARCHUS, als treffendes Argument gegen eine auf die so genannten morphomata (die wirklichen Konstellationen) begründete Astrologie.

Fussnote 51:
ORIGENES: "Commentaria in Genesim", tom. III, I, 14, 11 [col. 79]:

"Fertur sane theorema, ostendens zodiacum circulum, perinde ut planetas, deferri ab occasu in ortum, intra centum annos, gradu uno ... Cum duodecima pars <1 Zodion> alia sit, quae mente concipitur, alia quae quasi sensu informatur: sic tamen ut ex ea tantum, quae mente concipitur, quaeque vis, ac ne vis quidem teneri certo potest, rei veritas habeatur."

[Es besteht da in der Tat eine Theorie, wonach der Tierkreis [[die 12 Sternzeichen entsprechen einem platonisches Jahr]], gleich wie die Planeten, vom Aufgang zum Niedergang im Zeitraum von 100 Jahren um einen Grad zurückbleibe ... Da der zwölfte Teil <1 Tierkreiszeichen> eines sei, wenn es verstandesmässig konzipiert, ein anderes aber, wenn es sozusagen sinnlich vorgestellt werde: so kann doch von dem, was vom Verstand konzipiert wurde und kaum oder überhaupt nicht für sicher genommen werden kann, die Richtigkeit der Sache entnommen werden" usw.]

Das Platonische Jahr [[der Durchlauf durch alle 12 Tierkreiszeichen: ein Tierkreiszeichen entspricht einem "Weltmonat"]] wurde damals auf 36'000 Jahre berechnet. TYCHO DE BRAHE gelangt zu 24'120 Jahren. Die Präzessionskonstante beträgt 50 Winkel-Sekunden (50,3708 Winkel-Sekunden) und der Totalumlauf (360°) 26'000 (25'725,6) Jahre.

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Dies gilt allerdings nicht gegen die schon in der antiken (S.90) Astrologie vorhandene Unterscheidung der morphomata von den noetà zodia (den fiktiven Tierkreisbildern).

Fussnote 52:
BOUCHÉ-LECLERCQ: "L'Astrologie grecque", p. 591; KNAPP: "Antiskia"; BOLL: "Sphaera".

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Wenn wir die 7000 Jahre der Prophezeiung als anno mundi 7000 verstehen, so würde dieses Jahr anno Domini 3239 bedeuten. Zu diesem Zeitpunkt wird sich der Frühlingspunkt gegenüber der heutigen Stellung um etwas 18° in den Aquarius [[Sternzeichen Wassermann]], das heisst in den nächsten Äon, und zwar in die Sterne des Wassergusses verschoben haben.

Da einem Astrologen des 2. oder 3. Jahrhunderts die Präzession vertraut war, so darf man sich die Frage vorlegen, ob mit solchen Zeitangaben vielleicht astrologische Gesichtspunkte  verknüpft sind. Das Mittelalter hat sich auf alle Fälle mit der Berechnung der coniunctiones maximae und magnae beschäftigt, so PIERRE D'AILLY und CARDANUS.

Fussnote 53:
Die Lehre von den Konjunktionen wurde von den Arabern, insbesondere von MESSA-HALA, um die Mitte des 9. Jh.s schriftlich niedergelegt. Siehe STRAUSS: "Die Astrologie des Johannes Kepler", p. 98.

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Ersterer [[PIERRE D'AILLY]] hat die erste coniunctio maxima (Jupiter in Konjunktion mit Saturn im Sternzeichen Widder) nach der Weltschöpfung ins Jahr 5027 a.Chr.n. [[v.Chr.]] gesetzt, jener [[CARDANUS]] die zehnte ins Jahr 3613 p.Chr.n. [[n.Chr.]].

Fussnote 54:
Auch PIERRE D'AILLY würde mit seinem Ansatz von 960 Jahren zwischen zwei coniunctiones maximae auf das Jahr 3613 p.Chr.n. [[n.Chr.]] kommen.

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Er [[CARDANUS]] hat dabei aber wie ersterer [[PIERRE D'AILLY]] eine zu grosse Zwischenzeit, die vergeht, bis die Konjunktion wieder in das gleiche Zeichen gelangt, angenommen.

Astronomisch beträgt diese Zeit rund 795 Jahre. Demnach würde die besagte Konjunktion etwa ins Jahr 3234 p.Chr.n. [[n.Chr.]] fallen. Für die astrologische Spekulation ist dieser Zeitpunkt natürlich von grösster Wichtigkeit.

Was die 5000 Jahre anbelangt, so kommen wir damit auf das Jahr 1239 p.Chr.n. [[n.Chr.]].


[[Zeit um 1200 n.Chr. mit vielen Glaubensspaltungen und Messiaserwartungen]]

Damit geraten wir in eine Epoche, die sich durch geistige Unstetigkeit, revolutionäre Häresien [[Glaubensvarianten]] und chiliastische Erwartungen auszeichnete [[Erwartung des Messias und Gründung eines 1000-jährigen Reichs]] und zugleich, durch die Gründung der Bettelorden, dem Mönchtum neuen Aufschwung brachte.

Eine der mächtigsten und einflussreichsten Stimmen, welche das Kommen eines neuen Zeitalters des Geistes verkündeten, war diejenige des GIOACCHINO DA FIORE (gestorben 1202), dessen Lehren schon auf dem Vierten Laterankonzil von 1215 verdammt wurden. Er erwartete in relativ naher Zukunft die Eröffnung des siebenten apokalyptischen Siegels, nämlich die Zeit des "ewigen Evangeliums" und der Herrschaft des "intellectus spiritualis", das Zeitalter des Heiligen Geistes. Dieser dritte Äon, sagt er, habe mit dem Heiligen BENEDIKT, dem Gründer des Benediktinerordens angefangen (das erste Kloster wurde vermutlich wenige Jahre nach 529 erbaut).


[[Gründung des Mönchtums um 1240 als Träger des "Heiligen Geist" - die verschiedenen geistigen Richtungen der "Heiliggeistbewegung"]]


[[Die abweichenden "christlichen" Richtungen waren durch die Niederlagen der Kreuzfahrerstaaten verursacht, denn die Kirche war nicht mehr glaubwürdig. Die Kirche führte dan Kriege gegen die Abweichler und den Terror der Inquisition mit Folter und Scheiterhaufen, um die Herrschaft zu wahren. Diese Zusammenhänge bleiben von C.G. Jung unerwähnt. Ob diese Zusammenhänge astrologisch gedeutet werden können, bleibe dahingestellt]].

Ein Joachimite (S.91), der Franziskaner GERHARD VON BORGO SAN DONNINO, verkündete in seiner 1254 in Paris erschienen Schrift "Introductorius in evangelium aeternum" [[Einführung ins ewige Evangelium]], dass die drei Hauptschriften des JOACHIM  das Evangelium Jesu Christi ersetzen werde.

Fussnote 55:
Zur Charakterisierung dieses Zeitraumes um 1240 gehört vom astrologischen Standpunkt aus die grosse Konjunktion von Jupiter mit Saturn im Sternzeichen Waage von 1246. Die Waage ist ebenfalls ein Doppelzeichen von pneumatischer [[luftiger]] Natur wie das Sternzeichen Zwillinge (Lufttrigon, [[Luftdreieck]]), deshalb auch von PIERRE D'AILLY als Aszendent Christi angenommen.

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JOACHIM sah, wie bekannt, im Mönchtum den eigentlichen Träger des Heiligen Geistes, und aus diesem Grunde datiert er den geheimen Anfang der neuen Ära auf die Lebenszeit des Heiligen BENEDIKT, der mit der Gründung seines Ordens die Organisation des abendländischen Mönchtums ins Leben rief.

Schon PETRUS DE ALIACO hat die Zeit INNOZENZ' III. (1198-1216) als bedeutsam angesehen. Um das Jahr 1189, sagt er, sei wieder die Serie der Saturnumläufe erfüllt gewesen ("completae anno Christi 1189 vel circiter"). Damals habe der Papst eine Schrift des Abbas JOACHIM verdammt,

Fussnote 56:
Auf dem Laterankonzil 1215 (DENZINGER: "Enchiridion" [[Handbuch]], p. 120 f.).

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ebenso die häretische Doktrin des ALMARICUS.

Fussnote 57:
"Eius doctrina non tam haeretica, quam insana sit censenda"
[Seine Lehre sei nicht so sehr häretisch als irr], sagte das Dekret.

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Dieser ist der theologische Philosoph AMALRICH VON BENA (gestorben 1204), der zu der allgemeinen Heiliggeistbewegung jener Zeit gehört. Auch seien zu dieser Zeit die Bettelorden der Dominikaner und der Franziskaner ins Leben getreten,

"quae res magna et miranda fuit in ecclesia christiana".

Fussnote 58:
[was etwas Grosses und Wunderbares in der christlichen Kirche war].

 
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PETRUS hebt also die gleichen Erscheinungen, die auch uns auffallen, als für jene Zeit charakteristisch hervor, ganz abgesehen davon, dass er diese als astrologisch antizipiert [[zum Voraus gedeutet]] erachtet.


[[Der Fall der Klostergründung Monte Cassino 530]]

Mit dem Datum der Klostergründung auf dem Monte Cassino nun nähern wir uns dem Jahre 530, das im Talmud als kritisch prophezeit ist, beträchtlich an. Nach Joachimitischer Ansicht beginnt in diesem Zeitpunkt zwar nicht geradezu ein neuer Äon, aber doch ein neuer "Status" der Welt, nämlich die Zeit des Mönchtums oder das Reich des Heiligen Geistes. Der Beginn fällt allerdings noch in den Bereich des Status des Sohnes, aber JOACHIM vermutet in psychologisch zutreffender Weise, dass ein neuer Status, oder - wie wir sagen würden - eine neue Einstellung, zuerst als mehr oder weniger latenter Vorbereitungszustand auftrete, welchem erst später die "fructificatio", die Blüte und Erfüllung folgt.


[[Die religiösen Spaltungsbewegungen: Fortsetzung]]

Zu JOACHIMS Zeiten war, wie wir sahen, diese noch nicht (S.92) eingetreten; wohl aber konnte man eine ungewöhnliche und weitverbreitete Beunruhigung und Bewegung der Geister beobachten. Alle Welt verspürte den erregenden Wind des Pneuma [[Luftgeist]]; war es doch die Zeit neuer und zum Teil unerhörter Gedanken, die sich in den Bewegungen der Katharer, Patarener, Concorrezaner, Waldenser, Pauperes de Lugduno, Begharden, Fratres Liberi Spiritus, der "Brod-durch-Gott" und wie sie alle heissen, überallhin ausbreiteten.

Fussnote 59:
"Brod-durch-Gott": HAHN: "Geschichte der Ketzer im Mittelalter" II, p. 779:
"... quod nonnulli qui sibi nomine cuiusdam fictae et praesumatae religionis, quos vulgus Begehardos et Schwestrones, Brod durch Gott nominant; ipsi vero et ipsae se de secta Liberi Spiritus et Voluntarie Paupertatis Parvos Fratres vel sorores vocant."

[... einige, die im Namen irgendeines fingierten und vorgeblichen Ordens im Volksmund Begharden und Schwestronen oder <Brod durch Gott> heissen; sie selbst aber nennen sich die Kleinen Brüder und die Schwestern der Gemeinschaft vom freien Geiste und von der freiwilligen Armut].

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Diese Bewegungen hatten, sichtbar wenigstens, mit dem Anfang des 11. Jh.s begonnen. Auf die in diesen Kreisen umlaufenden Anschauungen werfen die von HAHN gesammelten zeitgenössischen Dokumente ein aufschlussreiches Licht. So lesen wir unter anderem:

"Item credunt, se esse Deum per naturam sine distinctione ... se esse aeternos ...
Item, quod nullo indigent nec Deo nec Deitate...
Item, quod sund ipsum regnum coelorum.
Item, quod sunt etiam immutabiles in nova rupe, quod de nullo gaudent, et de nullo turbantur ...

 Item, quod homo magis tenetur sequi instinctum interiorem, quam veritatem Evangelii quod, cottidie praedicatur ... dicunt, se credere multa ibi <in Evangelio> esse poetica, quae non sunt vera."

Fussnote 60:
HAHN, l.c.:
"Ebenso glauben sie, von Natur aus ohne Unterschied Gott zu sein.
Ebenso, dass sie weder Gottes noch der Gottheit bedürfen.
Ebenso, dass sie das Himmelreich selber seien.
Ebenso, dass sie auch unveränderlich im neuen Felsen seien;
dass sie sich über nichts freuten und von nichts verwirrt würden.
Ebenso, dass der Mensch mehr gehalten sei, dem inneren Triebe zu folgen, als der Wahrheit des Evangeliums, das  täglich gepredigt wird. Sie sagen, dass dort (im Evangelium) Erdichtungen stünden, die nicht wahr sind."

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Statt vieler Belege mögen diese wenigen Sätze genügen, um den in diesen Bewegungen herrschenden Geist zu charakterisieren: Es handelt sich um Menschen, die sich mit Gott identifizieren (oder identifiziert werden), sich als Übermenschen wähnen, dem Evangelium kritisch gegenüberstehen, der Richtschnur des inneren Menschen folgen und das Himmelreich als einen inneren Zustand verstehen.

In gewissem Sinne handelt es sich also um quasi (S.93) moderne Menschen, die aber eine religiöse Inflation haben, im Unterschied zum heutigen, dessen Psychose in einer rationalistischen und politischen Affliktion [[Verwirrung]] besteht.

Man darf diese extremen Ideen allerdings nicht JOACHIM imputieren, obschon er mit zu der grossen Geistbewegung gehört und sogar eine ihrer hervorragendsten Gestalten ist. Man muss sich fragen, was ihn und seine Gesinnungsgenossen psychologisch bewogen haben mag, so kühne Erwartungen zu hegen, wie die Ersetzung der christlichen Botschaft durch das Evangelium Aeternum oder wie die Ablösung der zweiten Person der Gottheit durch die dritte in der Herrschaft über den Äon.

Dieser Gedanke ist dermassen ketzerisch und rebellisch, dass man dessen Zustandekommen nur verstehen kann, wenn man annimmt, dass JOACHIM sich von einer allgemeinen Zeitströmung getragen und unterstützt fühlte. Er empfand sie als eine Offenbarung des Heiligen Geistes, dessen Leben und Zeugungskraft keine Kirche Einhalt gebieten konnte.

Die Numinosität [[Göttlichkeit]] dieser Empfindung wurde unterstrichen durch die zeitliche Koinzidenz [[Zusammentreffen]] mit dem Beginn der Sphäre des antichristlichen Fisches. Man könnte sich infolgedessen versucht fühlen, die Heiliggeistbewegung und mithin JOACHIMS Hauptgedanken als direkten Ausdruck der einsetzenden antichristlichen Psychologie zu verstehen. Auf alle Fälle ist das kirchliche Verdammungsurteil durchaus begreiflich, denn in gewisser Hinsicht kommt seine Stellung zur Kirche Jesu Christi einer offenen Empörung, ja einer Apostasie [[Abfall vom Christenglauben]] sehr nahe.


[[Die Gründe für die "Heiliggeistbewegung]]


Wenn wir aber der Überzeugung dieser Neuerer, vom Heiligen Geist bewogen zu sein, einen gewissen Kredit einräumen, so ist auch eine andere Auffassung nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich.

Weil nämlich JOACHIM annahm, dass der Status des Heiligen Geistes schon mit BENEDIKT im Verborgenen angefangen habe, so könnte man die Vermutung aussprechen, dass auch JOACHIM einen neuen Status heimlicherweise antizipierte [[vorwegnahm]]. Bewusst zwar meinte er, den Status des Heiligen Geistes zu verwirklichen, wie BENEDIKT gewiss nichts anderes im Sinne hatte, als die christliche Kirche und das christliche Leben durch das Mönchtum zu festigen und zu vertiefen.

Unbewusst aber könnte JOACHIM - dies ist psychologisch das Wahrscheinliche - vom Archetypus des Geistes erfasst gewesen sein. Zweifellos gründet er sich auf ein numinoses Erleben, das für alle, die von einem Archetypus ergriffen sind, charakteristisch ist. Er verstand den Geist, wie dies wohl nicht anders möglich war, in dogmatischem Sinne, als die dritte Person der Gottheit, aber nicht im Sinne des empirischen Geist-Archetypus. Letzterer ist nämlich nicht eindeutig, sondern ursprünglich eine ambivalente Doppelgestalt (S.94),

Fussnote 61:
Siehe hiezu [JUNG]: "Zur Phänomenologie des Geistes im Märchen" [Paragr. 394]

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die nicht nur im Geistbegriff der Alchemie wieder zum Durchbruch gelangt ist, sondern auch schon in der Heiliggeistbewegung selber die widerspruchsvollsten Erscheinungen hervorbrachte. Von dieser Doppelgestalt hatte schon das gnostische Zeitalter deutliche Ahnungen.

Es lag deshalb in einer Zeit, die mit dem Beginn der zweiten Fischära koinzidierte und die daher, sozusagen notwendigerweise, zweideutig war, sehr nahe, dass ein Bekenntnis zum Heiligen Geiste christlicher Prägung zugleich auch dem Archetypus des Geistes mit seiner charakteristischen Ambivalenz zum Durchbruch verhalf.

Es wäre ungerechtfertigt, eine so würdige Gestalt wie die des JOACHIM, als einseitigen Vertreter jener revolutionären und anarchischen Turbulenz, als welche sich die Heiliggeistbewegung vielerorts gebärdete, zu verstehen. Vielmehr darf man annehmen, dass er unwissentlich selber einen neuen "Status" einleitet, nämlich eine religiöse Einstellung, welcher die Bestimmung zukommt, jene furchtbare Kluft zwischen Christus und Antichristus, welche sich mit dem 11. Jh. ahnungsweise auftat, zu überbrücken und zu kompensieren.

Das antichristliche Zeitalter hat es an sich, dass in ihm der Geist zum Ungeist wird und dass der lebendigmachende Archetypus allmählich im Rationalismus, Intellektualismus und Doktrinarismus untergeht, was folgerichtig zu jener Tragik der Moderne führt, welche, wie ein Damoklesschwert, greifbar nahe über unseren Köpfen hängt.


[[Der Teufel - vom Neuen Testament angekündigt - die -ismen - der Doktrinarismus]]

In der alten Trinitätsformel, auf die sich JOACHIM gründet, fehlt die dogmatische Gestalt des Teufels, der irgendwo am Rande der theologischen Metaphysik als mysterium iniquitatis [[feindliches Mysterium]] ein fragwürdiges Dasein führt.

 
Glücklicherweise, möchte man fast sagen, ist sein bedrohliches Kommen schon im Neuen Testament vorausgesagt. Er ist um so gefährlicher, je weniger man ihn erkennt. Aber wer vermöchte ihn unter der Hülle seiner wohlklingenden Namen, wie allgemeine Wohlfahrt, Existenzsicherheit, Völkerfriede usw. zu erraten? Er verbirgt sich unter Idealismen, unter -ismen überhaupt, worunter wohl der übelste der Doktrinarismus, jene ungeistigste aller Geistesbetätigungen, ist.


[[Den Teufel der Doktrin überwinden mit lebendigem Geist]]

Die heutige Zeit muss sich in der drastischsten Form mit dem sic et non [[Ja und Nein]] auseinandersetzen, nämlich mit dem absoluten Gegensatz, der nicht nur politisch die Welt auseinanderreisst, sondern auch das Herz des einzelnen Menschen spaltet. Wir bedürfen der Rückkehr zu einem ursprünglichen, lebendigen Geiste, der eben - vermöge seiner Ambivalenz - auch ein Mittler und Einiger der Gegensätze ist,

Fussnote 62:
[JUNG]: "Der Geist Mercurius" [Paragr. 284 ff.] und: "Versuch zu einer psychologischen Deutung des Trinitätsdogmas" [Paragr. 257 ff.].

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ein Gedanke (S.95), der die Alchemie (in uneigentlicher Weise) durch viele Jahrhunderte beschäftigt hat.

Wenn der Äon der Fische, wie es allen Anschein hat, hauptsächlich durch das archetypische Motiv der "feindlichen Brüder" regiert ist, dann wird sich, koinzident mit der Annäherung des nächsten Platonischen Monats, nämlich des Aquarius [[Sternzeichen Wassermann]], das Problem der Gegensatzvereinigung stellen. Es wird dann nicht mehr angehen, das Böse als blosse privatio boni [[Mangel am Guten]] zu verflüchtigen, sondern dessen wirkliche Existenz muss anerkannt werden.

Dieses Problem aber wird weder von der Philosophie noch von der Nationalökonomie, noch von der Politik, noch von den historischen Konfessionen, sondern nur vom einzelnen Menschen her gelöst werden, das heisst so viel als aus der Urerfahrung des lebendigen Geistes, dessen Feuer, trotz aller zeitbedingten Missverständnisse, von JOACHIM, als einem unter vielen, weitergetragen wurde.

Die declaratio solemnis [[feierliche Erklärung]] der Assumptio Mariae [[Maria Himmelfahrt, wörtlich: Aufnahme von Maria in den Himmel]], welche wir in unseren Tagen erlebt haben, ist ein Beispiel für den säkularen Fortschritt der Symbolentwicklung.

Das treibende Motiv dafür liegt nicht bei den kirchlichen Autoritäten, die ihr Zögern durch ein jahrhundertelanges Warten genügend bekundet haben, sondern vielmehr beim katholischen Menschen, der immer wieder und in steigendem Masse auf dieser Entwicklung insistiert hat: Es ist im Grunde genommen das Drängen des Archetypus, der sich zu verwirklichen strebt.

Fussnote 63:
Siehe: "Psychologie und Religion" [Paragr. 122 ff.] und: "Antwort auf Hiob" [Paragr. 748 ff.].

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[[Die vier Hauptvertreter der Heiliggeistbewegung]]

In der Folgezeit strahlen von der Heiliggeistbewegung Wirkungen aus auf vier zukunftsträchtige Geister, vor allem auf

-- ALBERTUS MAGNUS (1193-1280)

-- seinen Schüler THOMAS VON AQUINO, den späteren Philosophen der Kirche und Kenner der Alchemie (mit ALBERTUS)

-- ROGER BACON (circa 1214 - circa 1294), den angelsächsischen Vorläufer der Naturwissenschaft,

-- und schliesslich MEISTER ECKHART (circa 1260-1327), den unabhängigen religiösen Denker, der nach 600-jähriger Verschollenheit heute eine eigentliche Auferstehung feiert.

[[Der Faktor der "Kreuzzüge" der Kirche und die geistige Bewegung als Widerstandsbewegung gegen die Kreuzzüge bleibt unerwähnt]].


[[Heiliggeistbewegung als Vorläufer der Reformation?]]

Man hat mit Recht in der Heiliggeistbewegung einen Vorläufer der Reformation erkennen wollen. In diese selbe Zeit des 12. und 13. Jh.s fallen die Anfänge der lateinischen Alchemie, deren geistigen Gehalt ich in meiner Schrift "Psychologie und Alchemie" darzustellen unternommen habe.


[[Das Gleichnis vom Edelstein in der Bibel und in der Alchemie]]

Das oben erwähnte Bild "immutabilis in nova rupe" [[unveränderlich aus neuem Fels]]

Fussnote 64:
[Paragr. 139 dieses Bandes. - Unveränderlich im neuen Felsen].

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hat eine merkwürdige Ähnlichkeit mit der zentralen Idee der philosophischen Alchemie, nämlich mit dem Lapis Philosophorum [[Edelstein der Philosophen]], der als Parallele zu Christus (S.96), dem "Felsen", "Stein" und "Eckstein", erscheint. So sagt zum Beispiel PRISCILLIANUS (4. Jh.):

"Nobis petra Christus, nobis lapis angularis Jesus."

Fussnote 65:
["Uns <ist> ein Felsen Christus, uns <ist> ein Eckstein Jesus."] ("Opera", p. 24)

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Ein alchemistischer Text sagt:

"<Petra quae> percutiatur virga Mosaica ter, ut aquae effluant largissimae ..."

[[Der Stein, der dreimal von der Rute des Moses durchbohrt wurde, liess dadurch in grossen Mengen Wasser heraussprudeln ... ]].

Fussnote 66:

"Percussit petram et effluxerunt aquae metallinae."

[Er schlug den Felsen, und metallische Wasser strömten heraus].

[[siehe]]: "Beati Thomae Aurora consurgens". In: "Harmoniae imperscrutabilis usw.", pp. 189, 194.

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Der Lapis wird als "heiliger Fels" bezeichnet und als vierteilig beschrieben.

Fussnote 67:
"Gloria mundi aliâs Paradysi tabula"; In: "Mus. herm"., p. 212:

"Llapis noster sacra rupes nominatur, et quadrifariam digesta, vel significata est."

[Unser Stein wird der heilige Fels genannt und wird verstanden und gedeutet auf vierfache Weise].

Vgl. "Epheser-Brief" 3,18. In dem Pyramidentext "Pepis I." wird ein Auferstehungsgott mit vier Gesichtern erwähnt:

"Homage to thee, O thou who hast four faces ...
Thou art endowed with a soul, and thou dost rise (like the sun) in thy boat ...
Carry thou this Pepi with thee in the Cabin of thy boat, for this Pepi is the son of the Scarab ..."

[Lobpreis dir, o du, der du vier Gesichter hast ...
Du bist mit einer Seele betraut, und du erhebst dich (wie die Sonne) in deinem Boot ...
Führe du diesen Pepi mit dir in der Hütte deines Bootes, denn dieser Pepi ist der Sohn des Skarabäus [[Mistkäfer]] ]. (BUDGE: "Gods of the Egyptians" I, p. 85).

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AMBROSIUS sagt, dass das Wasser aus dem Felsen eine Präfiguration des Blutes aus der Seitenwunde Christi sei.

Fussnote 68:
"Explanationes in Psalmos", XXXVIII:
"In umbra erat aqua de petra quasi sanguis ex Christo."
[Im Schatten war Wasser aus dem Felsen gleich wie Blut von Christus].

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Ein alchemistischer Text erwähnt das "Wasser aus dem Felsen" als gleichbedeutend mit dem universalen solvens, nämlich mit der "aqua permanens" [[ewiges Wasser]].

Fussnote 69:
MYLIUS: "Philosophia reformata", p. 112:
"Unde philosophus eduxit aquam de petra, et oleum de saxo durissimo."
[Woher der Philosoph Wasser aus dem Felsen hervorbrachte und Öl aus dem härtesten Gestein].

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KHUNRATH spricht in seiner blütenreichen Sprache sogar von "Petroleum Sapientum".

Fussnote 70:
"Von hylealischen Chaos", p. 272.

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Von den Naassenern wird Adam als der "Felsen" und zugleich als der "Eckstein" bezeichnet.

Fussnote 71:
HIPPOLYTUS: "Elenchos", V. 7, 34 f. Ebenso wird hier der

"lapis de monte abscisus sine manibus" erwähnt (Daniel 2,45).

[Luther-Bibel: "einen Stein, ohne Hände vom Berge herabgerissen"]

ein Gleichnis, das auch von den Alchemisten verwendet wird.

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Unter den allegoriae Christi erwähnt EPIPHANIUS in seinem "Ancoratus" Stein, Felsen, Eckstein, ebenso FIRMICUS MATERNUS und andere.

Fussnote 72:
"De errore profanarum religionum", 20,1.

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Dieses der kirchlichen wie der alchemistischen Sprache gemeinsame Bild geht auf Stellen wie 1. Korintherbrief 10,4 und 1. Petrusbrief 2,4 zurück (S.97).

Die nova rupes [[neue Steine]] tritt also an Stelle Christi, wie das Evangelium Aeternum die Botschaft Christi ersetzen soll. Durch die Einwohnung des Heiligen Geistes, der dritten Person der Trinität, wird die hyiotes, die Sohnschaft, auf jeden Menschen übertragen, und so wird jeder, der den Heiligen Geist besitzt, ein Stein, eine nova rupes, entsprechend 1. Petrusbrief 2,5:

"et ipsi tamquam lapides vivi superaedificamini."

 
Fussnote 73:
[Lasset euch selbst wie lebendige Steine aufbauen].

Vergleiche dazu den Bau des fugenlosen Turmes (Kirche) aus "lebendigen Steinen" im "Hirt des Hermas".

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Wir haben es also hier mit einer konsequenten Weiterentwicklung der Lehre vom Parakleten und der filiatio zu tun,

entsprechend Lukas-Evangelium 6,35: "et eritis filii Altissimi"

und Johannes-Evangelium 10,34: "Nonne scriptum est in lege vestra: quia Ego dixi, dii estis?"

Fussnote 74:
["und ihr werdet Söhne des Höchsten sein." - "Steht nicht in eurem Gesetz geschrieben: <Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?>"]

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Bekanntlich haben schon die Naassener von diesen Hinweisen Gebrauch gemacht und damit ein Stück der historischen Entwicklung vorweggenommen; einer Entwicklung, die durch das Mönchtum zur Geistbewegung, durch die "Theologia Deutsch" direkt zu LUTHER und durch die Alchemie zur modernen Wissenschaft führt.


[[Die Darstellung von "Jesus" als Fischsymbol ab ca. 200 n.Chr.]]

Wir wollen uns nun wieder der Darstellung von Christus als Fisch zuwenden. Nach DÖLGER ist das christliche Fischsymbol um 200 in Alexandrien aufgekommen.

Fussnote 75:
DÖLGER, l,c. I, p.18. Die in dieser Hinsicht wichtige Aberkios-Inschrift, die in den Anfang des 3. Jh.s gesetzt wird (nach 216), ist von zweifelhafter Christlichkeit. DIETERICH ("Die Grabschrift des Aberkios") zeigt in glänzender Beweisführung, dass der in der Inschrift erwähnte "heilige Hirte" Attis ist, der Herr des heiligen Widers und der tausendäugige Hirt der leuchtenden Sterne. Eine besondere Form desselben ist Elogabal von Emera, der Gott des Kaisers Heliogabalus, der den Hierosgamos seines Gottes mit der Urania von Karthago, die auch als Virgo coelestis benannt wurde, feiern liess.

Heliogabal war ein gallus der grossen Mutter, deren Fisch nur die Priester essen durften. Der Fisch musste von einer Jungfrau gefangen werden. Es wird vermutet, dass Aberkios diese Inschrift zur Erinnerung an seine Romreise zu dem grossen Hierosgamos gesetzt hat, und zwar nach 216.

Ebenso bestehen aus den gleichen Gründen Zweifel an der Christlichkeit der Pektorios-Inschrift von Autun, in der ebenfalls der Fisch vorkommt ... : "Iss ...<Lesung unsicher>, den Fisch in den Händen haltend. Mt dem Fische ernähre nun, ich sehne mich, Herr Heiland."

 
Wahrscheinliche Lesart: ...

Siehe CABROL ET LECLERC: "Dictionnaire d'Archéologie chrétienne", XIII, col. 2884 ff., s.v. Pectorios. Die ersten drei Distichen [[Zweizeiler, meist ein Hexameter und ein Pentameter]] der Inschrift ergeben das Akrostichon [[Wort aus  Anfangsbuchstaben der Wörter]] "Ichthys". Die Datierung ist unsicher (3.-5. Jh.). Siehe DÖLGER, l.c. I, p. 12 ff.

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Ebenso ist schon früh das Taufbad als piscina (Fischteich) bezeichnet worden. Damit ist vorausgesetzt, dass auch die Gläubigen Fische waren, wie dies übrigens schon durch das Evangelium nahegelegt wird (zum (S.98) Beispiel Matthäus-Evangelium 4,19). Christus will Petrus und Andreas zu "Menschenfischern" machen, und der wunderbare Fischzug (Lukas-Evangelium 5,10) wird von ihm selber als Paradigma der Missionstätigkeit des Petrus benützt.

Ein astrologischer Aspekt der Geburt Christi ist durch Matthäus-Evangelium 2, 1 f. direkt gegeben. Die Magoi, Magier, aus dem Osten, sind Sterndeuter, welche aus einer auffallenden Konstellation auf eine ebenso ausserordentliche Geburt schlossen. Diese Anekdote beweist, dass Christus möglicherweise schon zu apostolischer Zeit entweder unter dem astrologischen Gesichtswinkel betrachtet oder wenigstens mit astrologischen Mythen in Zusammenhang gebracht wurde. Letzteres wird vollends klar, wenn wir die Aussagen der Apokalypse heranziehen. Da dieser ganze Fragenkomplex von Berufeneren bereits bearbeitet worden ist, so dürfen wir uns hier auf die hinlänglich gesicherte Tatsache stützen, dass in den Erzählungen vom weltlichen und überweltlichen Leben des Erlösers an einigen Stellen astrologische Mythologie durchschimmert.

Fussnote 76:
Ich verweise insbesondere auf die Arbeiten von FRANZ BOLL: "Aus der Offenbarung Johannis". Die Arbeiten von ARTHUR DREWS haben die astrologische Parallele mit - man darf wohl sagen - monomanischer Gründlichkeit behandelt, was der Idee nicht zum Vorteil gereicht. Vergleiche insbesondere "Der Sternenhimmel in der Dichtung und Religion der Alten Völker und des Christentums."

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In erster Linie sind es die Beziehungen zum zeitgenössischen Fischzeitalter, welche, wie gesagt, entweder schon in den Evangelien ("Menschenfischer", Fischer als erste Apostel, wunderbare Speisung) oder dann unmittelbar in der nachapostolischen Zeit durch die Fischsymbolik (Christus und seine Gläubigen als Fische, Fisch als Speise bei den Agapen, Taufe im Fischteich usw.) bezeugt sind.

Fussnote 77:
Der Fisch bedeutet nach TERTULLIAN "sanctior cibus" [die heiligere Speise] ("Adversus Marcionem", [[Band]] I, [[Kapitel]] IV [col. 262]).

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Zunächst bedeuten diese Darstellungen allerdings nicht mehr als die Tatsache, dass die sozusagen seit jeher vorhandenen Fischsymbole und Fischmythologeme auch die  Erlösergestalt assimilierten - eine Teilerscheinung der Rezeption Christi in den Schoss der damaligen Geisteswelt. Insofern nun aber Christus als neuer Äon aufgefasst wurde, war es jedem der Astrologie Kundigen klar, dass er einerseits als erster Fisch des Fischzeitalters geboren wurde und andererseits als letzter Widder (arnion, neutestamentlich: Lamm) des (S.99) abtretenden Äons sterben musste.

Fussnote 78 zum Widder:

ORIGENES: "In Genesim hom.", [[Band]] VIII, [[Kapitel]] 9 [col. 208]:
"Diximus ... quod Isaac formam gereret Christi, sed et aries hic nihilominus formam Christi gerere videtur."

[Wir sagten ... dass Isaak die Form Christi getragen hätte, doch auch der Widder scheint nichtsdestoweniger die Form Christi zu tragen].

AUGUSTINUS ("De civitate Dei", [[Band]] XVI, [[Kapitel]] XXXXII, l [col. 707]):
"Quis erat ille aries, quoimmolato impletum est significativo sanguine sacrificium? ... Quis ergo illo figurabatur, nisi Jesus...?

[Wer war jener Widder, durch dessen Opferung das Opfer vollendet wurde in bedeutungsvollem Blut? ... Wer also wurde durch jenen dargestellt, wenn nicht Jesus?].

Zum Lamm als Aries (Sternzeichen Widder) in der Apokalypse siehe BOLL: "Aus der Offenbarung Johannis".

Fussnote 79 zum abtretenden Äon:

EISLER: "Orpheus - the Fisher", p. 51 ff.

Ein reiches Material bietet auch EISLERS Aufsatz "Der Fisch als Sexualsymbol". Für die Deutung des Fischsymbols ergibt sich allerdings recht wenig, da die Fragestellung verkehrt ist. Es ist ja eine schon längst bekannte Tatsache, dass am Aufbau symbolischer Gebilde alle seelischen Triebkräfte beteiligt sind, also auch die Sexualität. Sie ist darin keineswegs "symbolisiert", sondern auf der Hand liegend, wie gerade EISLERS Material deutlich dartut.

An was immer der Mensch beteiligt ist , da erscheint auch seine Sexualität. mit der zweifellos richtigen Feststellung, dass der Petersdom aus Stein, Holz und einigem Metall bestehe, hat man kaum zu dessen Sinndeutung beigetragen, und ebenso wenig zu der des Fischsymbols, wenn man sich noch darüber wundert, dass auch dieses Bild, wie alle anderen, seine manifeste Sexualkomponente hat. Zur Terminologie ist zu bemerken, dass etwas Bekanntes nie "symbolisiert", sondern nur allegorisch oder semiotisch ausgedrückt werden kann.

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Matthäus-Evangelium 27, 15 ff. überliefert dieses Mythologem [[Leben als Fisch - Sterben als Widder]] in Gestalt des alten Brauches von der Opferung des Jahresgottes.

Bezeichnenderweise heisst Jesu Partner in dieser Zeremonie Barabbas, "Sohn des Vaters".


[[Das Sternzeichen der Fische als Gegensatzpaar oder als Kreuz]]

 
Man könnte mit einem gewissen Rechte die innere Gegensatzspannung der altchristlichen Psychologie mit der Tatsache, dass das Zodion [[Sternzeichen]] der Fische zwei Fische zeigt, die häufig in entgegengesetzter Richtung weisen, in Parallele setzen, wenn die Gegenbewegung derselben schon vorchristlich oder mindestens kontemporär mit Christus als regelmässig vorkommend beglaubigt wäre.

Eine bildliche Darstellung aus frühester Zeit, welche über die Stellung der Fische Auskunft geben könnte, ist mir leider nicht bekannt. Bei der schönen Darstellung der Zodia [[Sternzeichen pl.]] auf einem Relief von der kleinen Metropolis in Athen fehlen leider Aquarius [[Sternzeichen Wassermann]] und Pisces [[Sternzeichen Fische]].

In der Nähe des Beginnes unserer Zeitrechnung kennen wir nun allerdings eine Darstellung der Fische, welche christlichen Einflusses unverdächtig ist; es ist der Himmelsglobus des Farnesischen Atlas in Neapel. Dort ist der erste Fisch vertikal mit dem Kopf nach dem Nordpol gerichtet, nördlich des Äquators, und der zweite horizontal mit dem Kopf nach Westen, südlich des Äquators, abgebildet. Diese Darstellung entspricht der astronomischen Konfiguration und ist daher naturalistisch.

Fussnote 80:
Dazu THIELE: "Antike Himmelsbilder" p. 29.

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Der Tierkreis des Hathortempels von Denderah (1. Jh. v.Chr.) enthält die Fische. Sie sind dort gleichgerichtet. Das Planisphaerium des von (S.100) HIPPARCHUS erwähnten TIMOCHARES

Fussnote 81
BOLL: "Sphaera", Pl.I, und: EISLER: "The Royal Art of Astrology", Pl. V und p. 64 f.

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hat an Stelle der Pisces [[Sternzeichen Fische]] überhaupt nur einen Fisch. Auf Münzen und Gemmen [[Edelstein mit eingeschnittenen Figuren]] der Kaiserzeit kommen die Fische entgegengesetzt und gleichgerichtet vor,

Fussnote 82:
GAEDECHENS: "Der marmorene Himmelsglobus ... zu Arolsen."

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auf den mithrischen Denkmälern ebenso.

Fussnote 83:
CUMONT: "Textes et monuments figurés relatifs aux de Mithra Mithra", II.

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Die hauptsächlich spätere Gegensätzlichkeit der Fische darf vielleicht von der Tatsache hergeleitet werden, dass das astronomische Bild den ersten (nördlichen) Fisch als vertikal, und  den zweiten (südlichen) als horizontal zeigt. Ihre Bewegungsrichtungen stehen fast rechtwinklig zueinander und bilden daher ein Kreuz.

Die Gegenläufigkeit, welche die ältesten Urkunden meist nicht kennen, wird später in christlichen Zeiten betont häufig, woraus auf eine gewisse Tendenz geschlossen werden kann.

Fussnote 84:
Vergleiche dazu die beiden Fische in den LAMBSPRINCKschen Symbolen ("Mus. herm.", p. 343), wo sie zugleich auch die zu vereinigenden Gegensätze darstellen. ARATUS ("Phainomena", Z. 238 ff.) erwähnt nur die höhere Stellung des nördlichen gegenüber dem südlichen Fisch, ohne die Doppelheit oder den Gegensatz zu betonen.

In der modernen astrologischen Spekulation dagegen wird der Doppelcharakter hervorgehoben. (SMITH: "The Zodia, or the Cherubim in the Bible and the Cherubim in the Sky", p. 279):

"Le poisson ... qui nage de haut en bas <d.h. der südliche Fisch>, symbolise le mouvement d'involution de l'Esprit dans la Matière; celui ... qui nage de bas en haut, le mouvement d'évolution du composé Esprit-Matière retournant à son Principe Un."

(SENARD: "Le Zodiaque, clef de l'ontologie appliquée à la psychologie", p. 446).

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Obschon sich keinerlei Beziehung zwischen der Gestalt Christi und dem beginnenden astrologischen Zeitalter der Fische nachweisen lässt, so scheint mir doch die Gleichzeitigkeit der Fischsymbolik des Erlösers mit dem astrologischen Symbol des neuen Äon bedeutend genug, um sie wenigstens gebührend hervorzuheben. Wenn wir die weitläufigen mythologischen Zusammenhänge, in welche diese Parallelisierung hineinführt, zu schildern versuchen, so geschieht dies mit der Absicht, die vielfachen Aspekte und Beziehungen eines Archetypus zu beschreiben, welcher sich einerseits in einer Persönlichkeit, und andererseits, synchronistisch, in einem schon vorchristlich bestimmten Zeitablauf manifestiert.

Ja, er ist schon längst zuvor durch Projektion an den Himmel geschrieben worden, um dann, "als die Zeit erfüllt war", mit der Symbolbildung des neuen Zeitalters zu koinzidieren [[zeitlich übereinzustimmen]]. Der Fisch gehört passenderweise zur winterlichen Regenzeit, wie der Aquarius [[Sternzeichen Wassermann]] und der Ziegenfisch (aigókeros).

Fussnote 85:
Capricornus [[Sternzeichen Steinbock]].

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Als Tierkreisbild ist er darum  keineswegs bemerkenswert. Erstaunlicher wird die Sache erst, wenn durch die Präzession der Äquinoktien [[Abweichwinkel der Erdachse betreffs der Tag- und Nachtgleiche]] der Frühlingspunkt sich in dieses Zeichen verschiebt und damit ein Zeitalter eröffnet, in welchem "Fisch" zur Bezeichnung des menschgewordenen Gottes wird,

-- der, wie erwähnt, als Widder geopfert und als Fisch geboren ist,
-- der Fischer zu Jüngern hat und Menschenfischer aus ihnen machen will;
-- der die Tausende mit wunderbar vermehrten Fischen speist;

 -- der selber als Fisch, als "sanctior cibus" [[heiligere Speise]] gegessen wird, und dessen Anhänger die kleinen Fische, die pisciculi, sind.

Man kann immerhin vermuten, dass bei der relativ verbreiteten Kenntnis der Astrologie wenigstens einiges von dieser Symbolik in gewissen gnostisch-christlichen Kreisen aus dieser Quelle stammt.

Fussnote 86:
Eine deutliche Bezugnahme auf die Astrologie, nämlich eine Auseinandersetzung Jesu mit den "Nativitätsstellern", findet sich in der "Pistis Sophia" (p. 21 f.):

"Es antwortete aber Jesus und sprach zu Maria: <Wenn die Nativitätssteller die Heimarmene und die Sphaera nach links gewendet finden gemäss ihrer ersten Ausbreitung, so treffen ihre Worte ein, und sie werden das, was geschehen muss, sagen. Wenn sie aber die Heimarmene oder die Sphaera nach rechts gewendet begegnen, pflegen sie nichts Wahres zu sagen, weil ich ihre Einflüsse und ihre Vierecke und ihre Dreiecke <Horoskop!> und ihre Achtfigur gewendet habe...>"

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Diese Annahme dürfte aber keine Geltung für die Schilderungen der synoptischen [[nebeneinandergestellten]] Evangelien insbesondere beanspruchen. Dafür fehlt jeder Beweise.

Es besteht kein Anlass zur Vermutung, dass jene Erzählungen verkleidete astrologische Mythen wären. Man hat im Gegenteil den Eindruck, dass die Fischerepisoden durchaus natürliche Vorkommnisse darstellen, hinter welchen weiter nichts zu suchen ist. Es hat sich wohl einfacher- und natürlicherweise so begeben, und man weiss nicht, ob nicht die christliche Fischsymbolik ebenso zufällig und unreflektiert zustande gekommen ist.

Man könnte daher ebensowohl von anscheinend zufälliger Koinzidenz [[Zusammenfallen]] dieser Symbolik mit dem ähnlich bezeichneten neuen Äon sprechen, und dies noch besonders darum, weil, wie es den Anschein hat, das Fischzeitalter wenigstens in den Kulturen des Ostens keine unzweideutigen Spuren hinterlassen zu haben scheint. Dass diese Annahme zu Recht besteht, kann ich allerdings nicht mit Sicherheit behaupten, da ich die indische und chinesische Astrologie viel zu wenig kenne.

Demgegenüber bedeutet nun die Tatsache, dass die traditionelle Fischsymbolik eine verifizierbare Voraussage ermöglicht, welche im "Neuen Testament" bereits gemacht worden ist, eine etwas ungemütliche Proposition [[Vorschlag]].

Der nördliche bzw. östliche Fisch, der vom Frühlingspunkt etwa um die Wende unserer Zeitrechnung erreicht wurde,

Fussnote 87:
Der Meridian des Sternes O in lino piscium geht durch den Frühlingspunkt anno 11 n.Chr., derjenige des Sternes a 113 anno 146 v.Chr. (Berechnet aufgrund von PETERS AND KNOBEL: "Ptolemy's Catalogue of Stars).

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 ist mit dem südlichen (S.102) bzw. westlichen Fisch durch die so genannte Kommissur [[Querverbindung]] verbunden. Sie besteht aus einem Band schwacher Sterne, in welchen der Frühlingspunkt am südlichen Rande des zweiten Drittels der Konstellation lag.

Der Schnittpunkt der Ekliptik mit dem Meridian des zweiten Fisches (respektive dessen Schwanzes) fällt ungefähr auf das 16. Jh., welches für unsere abendländische Symbolgeschichte, wie bekannt, so ausserordentlich wichtig ist. Seither bewegt sich der Frühlingspunkt am südlichen Rande der Konstellation des zweiten Fisches entlang, um dann im Laufe des 3. Jahrtausends allmählich in den Aquarius einzutreten.

Fussnote 88:
Da die Abgrenzung der Sternbilder bekanntlich arbiträr [[Ermessenssache]] ist, ist diese Zeitangabe sehr unbestimmt. Sie bezieht sich auf die wirkliche Konstellation der Fixsterne, nicht aber auf das zodion noeton, d.h. auf den in Sektoren von je 30 Grad eingeteilten Zodiakus [[Tierkreis]]. Astrologisch dürfte der Beginn des nächsten Äons, je nachdem welchen Ausgangspunkt man wählt, zwischen 2000 und 2200 liegen. Basiert auf den oben erwähnten Stern O im Sternzeichen der Fische käme man aufgrund einer Annahme des Platonischen Monats von 2143 Jahren auf das Jahr 2154 betr. den Anfang des Wassermann-Zeitalters; basiert auf den Stern a 113 auf das Jahr 1997. Letzteres entspricht der Längenbezeichnung der Sterne seitens des PTOLEMÄUS im Almagest.

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[[Jesus soll der "Fisch des Lebens" sein]]

Die Bezeichnung Christi als der eine Fisch identifiziert ihn in der astrologischen Deutung mit dem ersten vertikal stehenden. Auf Christus folgt in der Endzeit der Antichrist. Der Beginn der Enantiodromie [[griech.: Gegenlauf]] müsste logischerweise zwischen die beiden Fische fallen. Wie wir gesehen haben, ist dem auch so. In der unmittelbaren Nachbarschaft des zweiten Fisches beginnt die Zeit der Renaissance, und mit ihr kommt jener Geist, der in der Moderne gipfelt.

[[das heisst: der Zerstörergeist der Industrialisierung]].

Fussnote 89:
Moderne astrologische Spekulation hat das Sternzeichen der Fische ebenfalls mit Christus in Beziehung gesetzt:

"The fishes, then, the inhabitants of the waters, are fitly an emblem of those whose life being hid with Christ in God, come out of the waters of judgment without being destroyed <anspielung auf die Fische, die in der Sintflut nicht etrunken sind>, and shall find their true sphere where life abounds and death is not: where, for ever surrounded with the living water and drinking from ist fountain, they <shall not perish, but have everlasting life> ... Those who shall dwell for ever in the living water are one with Jesus Christ the Son of God, the Living One."

[Die Fische, die Bewohner des Wassers, sind somit ein passendes Emblem jener, die  - da ihr Leben mit Christus in Gott verborgen ist - aus den Fluten des Gerichtes unzerstört hervorgehen und ihre wahre Sphäre finden werden, wo das Leben in Überfülle vorhanden und der Tod nicht ist: wo sie, für immer umgeben mit dem lebendigen Wasser und aus seiner Quelle trinkend, nicht untergehen, sondern ewiges Leben haben werden ... Jene, die immerdar  im lebendigen Wasser wohnen werden, sind eins mit Jesus Christus, dem Sohn Gottes, dem Lebendigen].

(SMITH, l.c., p.280 f.)


[[Aber der "Fisch" ist nicht ein speziell "christliches" Symbol - das Sternzeichen der Fische ist ein Geburtszeichen]]

aus: C.G. Jung: Aion [[Die Ewigkeit]]. Kapitel 8: Über die geschichtliche Bedeutung des Fisches. Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau 1976, 8. Auflage 1992

[[Der Fisch ist seit Urzeiten ein heiliges Kultsymbol, das die Geburt symbolisiert. Der Fisch symbolisiert in Mythen (die eigentliche grosse Träume sind) den Aufenthalt im Unterbewusstsein (Meer) und die Wiedergeburt, wenn träumende Personen im Traum sehen, wie sie durch einen Fisch verschluckt bzw. vor dem Ertrinken gerettet und dann an Land wieder ausgespuckt werden. Das Sternzeichen der Fische gilt bei den Astrologen entsprechend als Geburtszeichen, z.B. für einen neuen Heiland]].

Beispiel:
Der Fisch des Manu ist ein Retter, ein soter (Fussnote 39: "Satapatha-Brâhmana, p.217), legendär mit Vishnu als einem kleinen Goldfisch identifiziert. Dieser [[der kleine Goldfisch, der Fisch des Manu]] bittet Manu, er möge ihn bei sich aufnehmen, da er fürchte, von den Wasserungeheuern verschlungen zu werden.

[[Die Behauptung des "Christentums", dass der Fisch das Symbol des "Christentums" sei, ist somit eine Vereinnahmung einer allgemeinen Symbolik für das "Christentum" allein und somit abzulehnen, weil das "Christentum" somit allen anderen Religionen die Geburt abspricht]].





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