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Griechische Mythen in christlicher Deutung

Wie die Kirche sich bei den aktuellen Kulturen bediente, um als eigene kulturelle Organisation zu gelten

Zusammenfassung von Michael Palomino (1994 / 2003 / 2005 / 2010)

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aus: Hugo Rahner: Griechische Mythen in christlicher Deutung; Rhein-Verlag, Zürich 1945


Kommentar
In dieser Zusammenfassung sind die wichtigsten Aspekte der Zusammenhänge zwischen der griechischen Mythologie und der "christlichen" Kirche dargelegt. Es ist dabei wichtig zu betonen, dass es sich um blanke Theorie und gleichzeitig um eine Idealisierung des "Christentums" handelt. Die Problematik der Verwirklichung oder die Wege, wie die Verwirklichung zustande kam, kommt nie zu Wort. In diesem Sinn vermittelt diese Zusammenfassung ein "Gerüst", ein Basiswissen für weitere Forschung.

Die Existenz eines "Jesus" ist historisch bis heute nicht gesichert, weil kein einziger Brief existiert und wohl anzunehmen ist, dass "Jesus" schreiben konnte, dass er selbst Briefe geschrieben hat und Aufzeichnungen gemacht hat, wenn es ihn gegeben hat (wer ein "Sohn Gottes" sein will, der wird sicher etwas geschrieben haben). Es gibt mehrere Möglichkeiten: Entweder, er konnte nicht schreiben und wurde zu einem Propheten hochstilisiert; oder er war ein Prophet, hat Briefe geschrieben, die aber inhaltlich nicht dem Zweck der Jünger entsprachen; oder "Jesus" hat es nicht gegeben und ist eine Erfindung einer Clique von jüdischen Revolutionären. Dann wäre der Prozess um "Jesus" auch gefälscht, was sicher möglich ist. Die Revolutionäre aber hätten ihr Ziel erreicht, einen Impuls zu mehr Macht zu setzen mit einer vorgespiegelten Gewaltlosigkeit. "Jesus" verkörpert auf alle Fälle gute Ideen, denn die Idee der Gewaltfreiheit, des Dialogs und der Einsicht ist immer zu befürworten. Was die Kirche daraus gemacht hat, ist leider ein kein friedliches Kapitel. Und die gewalttätige Kirche hat den "Jesus" installiert...

Die Kirche ist "Jesus" selbst nicht gefolgt, sondern hat im Namen von "Jesus" Kriege geführt. Bis heute werden noch im Namen von "Jesus" Kriege geführt. Das heisst: "Jesus" wäre sicher nie der Kirche beigetreten...

Rahners Formulierungen mit der wiederkehrenden Behauptung, dass "Christus" das Non-Plus-Ultra sei, habe ich aufgrund des Neutralitätsprinzips weggelassen. Die Themenreihenfolge des behandelten Buchteils wurde beibehalten.

Michael Palomino
1994 / November 2003 / April 2005 / 2010


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Inhalt

Einführung


A Das christliche Mysterium und die heidnischen Mysterien

A1 Mysterien. Entstehung, Begriffe und Forschung

A2 Rückblick auf das Wesen und die Geschichte der antiken Mysterien - die Apologeten setzen das "Christentum" durch - das "siegreiche Christentum" nimmt Mysterien-Elemente in sich auf

A3 Das "christliche Mysterion"


B Das Mysterium des Kreuzes


C  Das Mysterium der Taufe

C1 Die Taufe als weiterentwickeltes Waschungsritual

C2 Die heilige "8" - das Ogdoas der Ur-"Christen"

C3 Die Verbindung zwischen Taufe und Eintritt ins Ogdoas (Land der Vollkommenheit, wo die 8 herrscht)

C4 Die Taufe von "Jesus" - das Kreuz im Jordan - die Taufe der Menschen

C5 Die Osternacht ist der Anfang von Ogdoas


D Das christliche Mysterium von Sonne und Mond


D1 Christentum gegen antiken Sonnenkult zwischen 1. und 4. Jh.

D2 Sonne und Mond in "christlicher" Deutung: "Jesus" ist die Sonne für alle

D3 Die Ostersonne
  - D4 Die Weihnachtssonne  -  D5 Das Mysterium des Mondes  - D6 Der Ostermond

E Schlussfolgerung von Michael Palomino


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Einführung

Ab der Zeit um ein revolutionäre Gruppe im jüdischen Volk werden neue Religionsgemeinschaften gegründet, die sich mit den Überlieferungen der griechischen Kultur intensiv beschäftigen. Es ist die erste Begegnung zwischen "christlicher" Kirche und den überlieferten griechischen Mythen und Götterwelten.

Pythagoras Zitat:
"Jedes Wort wendet sich nur an diejenigen, die mitlernen, nicht an die Menge, die nur eben zuhört."



Der Mensch soll der fleischgewordene Logos (Vernunft, Sinn, Begriff) sein. Somit ist "denken" möglich. Also soll viel Wahres und Gutes gedacht werden.

"Grosse" und "edle Taten" kommen aus der Kraft der Gnade des Logos.

Christlicher Humanismus erhebt sich über alles bloss geschichtliche oder seelenkundliche Interesse und an der Entfaltung der Menschheitsideale: Der humane "Christ" hat nur eine Möglichkeit der Stellung zur Welt: Er liebt.

Es kommt so zur Liebe zum Humanen in all seinen Formen und Gestalten in einer Person, dem "Christus" [als "Liebeszentrum"].

Christen, die Christen sind, und solche, die nur Christen heissen

Rahner:

"Christus ist der Logos, an dem das ganze Menschengeschlecht seinen Anteil hat. Und alle, die gemäss diesem Logos lebten, sind Christen, auch wenn sie für gottlos gehalten wurden."


Gemäss Rahner verkörpert "Christus" die Zeitwende der Menschenkultur. Die Zeitwende vollzieht sich in der Zeit des griechischen Geistes und des römischen Imperialismus.

[Kritik:
Wenn sich die "christliche" Kirche an die Gebote gehalten hätte, so wäre dies eine Zeitwende da gewesen. Da die Kirche sich aber kaum an die Gebote gehalten hat, kam keine Zeitwende zustande].

[Das Dogma der Kirche]

-- die Kirche hütet die Offenbarung Gottes, ihre Wahrheit in den griechischen Lauten ihres heiligen Buches und in der Erblehre, die vom lateinischen Rom ausgeht
-- die Kirche spricht Griechisch
-- die Kirche betet lateinisch, denn die Bevölkerung sprach damals Latein.

[Kritik:
-- diese Verallgemeinerung stimmt nicht
-- Römisch war Amtssprache, wurde aber wahrscheinlich nicht von allen Bevölkerungen als Umgangssprache anerkannt].

Die Bibel ist ein Erbe Griechenlands und Roms. Im Schoss der Kirche ist dieses Erbe von Griechenland und Rom immerdar bereit, von dort aus in neuer Geburt hervorzubrechen.


Lebenssitten der Griechen

-- griechisches Frommsein wurde von der Kirche als "heilig" angesehen.

Griechische Forschungen und Philosophie vor dem "Christusereignis"

-- Pythagoras und seine Schüler stehen mit Platon in Verbindung und folgen ihrer Sehergabe mit dem Ziel, die Wahrheit zu finden, nicht ohne Hilfe Gottes
-- z.T. stimmen die Vorhersagen der Gruppe von Pythagoras und Platon mit den biblischen Prophetenworten überein
-- die Gruppen von Pythagoras und Platon bekamen eine Ahnung von dem, was mit der Wahrheit selbst verwandt ist.

Rahner:
Die "griechische Liebe zur Weisheit" gleicht "einer Lampe", die von den Menschen angezündet wurde, aber noch abgedeckt ist.

Die Arbeit der griechischen Weisen
-- sie sprechen die Hochziele ihrer Seelenführung nur in Mythen aus
-- sie sprechen von Weisheiten durch andeutende Gleichnisreden
-- die Ausdrucksweise der griechischen Weisen ist gemäss Rahner "dichterische Psychagogie".


Die Arbeit der christlichen Griechen

-- sie heben den Schleier der dichterischen Psychagogie
-- sie verwandeln die griechischen Mythen in christliche "Mysterien"
-- das griechische Mysterion "ist Ausgangspunkt des Hinaufführens der Psyche in die Höhen der christlichen Verklärung"
-- Rahner: die griechischen Mysterien "sind als Ausdruck der Frömmigkeit und der Lebensgestaltung das Tiefste, was der hellenische Geist hervorgebracht und ersehnt hat."

Werdegang des Menschen
-- der Mensch will das Mysterion des Lebens entdecken
-- der Mensch verlangt eine Seelenheilung
-- der Mensch wird dann zurückkehren wie ein Odysseus von seinen Abenteuern, angebunden an einen Mastbaum, und Gott steuert das Schiff durch die Stürme, "in den Hafen des Himmels".


Das Symbol der fruchtverderbenden Weide der griechischen Unterwelt kommt an die Wasser

Die Weide ist das antike Symbol der selbst sterbenden Keuschheit und zugleich des sich selbst immer wieder zeugenden Lebens.

Daraus macht die "christliche" Antike eine Umdeutung und lässt die Weide an den Wassern des ewigen Lebens grünen. Die vollendete Seele schmückt sich mit ihren keuschen, lebenquellenden Zweigen.




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A

Das christliche Mysterium und die heidnischen Mysterien


A1

Mysterien. Entstehung, Begriffe und Forschung

Fragestellung: Ist es erlaubt, vom Mysterium der "Christen" in Bildern der hellenistischen Mysterien zu sprechen?

Der Einfluss des Hellenismus auf die Kirchenentwicklung

2.-5.Jh. n.Chr.
Eindringen eines breiten Stroms griechischer Mysterienfrömmigkeit in die Kirche

-- vom 2. bis zum 5. Jh. n.Chr. wandelt sich das biblisch einfache "Christentum" zu der sakramental mystischen Form der byzantinisch-russisch-orthodoxen Kirche

[-- sodann erklärt Rom das "Christentum" zur Staatsreligion und neuer Hauptort der Kirche wird Rom, mit einer lateinischen Kirche]

-- in bescheidenerem Umfang lebt der Strom der griechischen Mysterienfrömmigkeit auch im lateinischen Kirchenmysterium weiter.

Es ergibt sich die Notwendigkeit, Grenzen zu setzen bzw. die Berührungspunkte zwischen antiken Mysterien und dem "christlichen" Mysterium festzulegen.

Besonders deutlich wird der Unterschied wie auch die gegenseitige Beeinflussung zwischen griechischer Mysterienfrömmigkeit und dem lateinischen Kirchenmysterium in den christlichen Mysterien des Kreuzes und der Taufe.



Das Entstehen von Mysterien

Erste Mysterien hatten ihre Uranfänge in den vorantiken Mutterkulten.

Dann fand eine sublime, unmerkliche Vergeistigung in den hermetischen Lesemysterien statt.

Daraufhin entstand die islamische und östlich-"christliche" Gebetsmystik.


Der Begriff "Mysterium"

-- kann lunar-mütterliche Finsternis heissen
-- kann aber auch solar denkendes Wachsein bedeuten.

Somit ist Vorsicht geboten, Mysterien mit dem "Christentum" zu vergleichen, das auf einmal mitten aus dieser wirren Welt "emporblüht"

[Ergänzung: Die "Blüte" des "Christentums" kommt nur dadurch zustande, dass ein römischer Kaiser das "Christentum" zur Staatsreligion erhob, mit allem rassistischen Terror gegen andere Religionen und religiösen Gruppen etc.].


Werke über griechische Mysterienreligion

Im Jahre 1655 gibt Isaac Casaubonus, ein Calvinist aus Genf sein Buch heraus:
"Exercitationes de rebus sacris" ["Ausführungen über die heiligen Angelegenheiten"].

Das Buch ist ein Versuch, das sakramentale Wesen der katholischen Kirche als genetisches Ergebnis aus dem Einfluss antiker Mysterien darzustellen.

Danach im 18.Jh. erfolgt eine seichte Aufklärung im "griechenbegeisterten" 18.Jh.

Sodann folgen Werke von Aglaophamus Chr.A. Lobeck. Lobeck bezeichnet wesentliche Bestände der katholischen Religion als Nachwirkung des antiken Mysterienwesens.

Fr. Nork kommt mit seinem Buch heraus: "Der Mystagog oder Deutung der Geheimlehren und Feste der christlichen Kirche", Leipzig 1838

Sodann erfolgt eine Abwendung der klassischen Philologie von den Mysterien, J.J. Bachofen wird Opfer.

Schliesslich entsteht eine vergleichende Religionsforschung mit der Auseinandersetzung zwischen antikem und christlichem Mysterium.


Gliederung der Forschung in drei Gruppen

Die Forschung um die Mysterien gliedert sich prinzipiell in drei Gruppen:

erste Gruppe: legt die Abhängigkeitsverhältnisse zwischen antikem Mysterienwesen und dem entstehenden "Christentum" fest, behandelt v.a. die Theologie des Paulus

a) gemeinschaftliches Element: Begriff "Wiedergeburt"
Forscher auf diesem Gebiet sind Usener, Dieterich und Reitzenstein

BUCH von Reitzenstein (führendes Buch): "Die hellenistischen Mysterien nach ihren Grundgedanken und Wirkungen", Leipzig 1910. Reitzenstein bespricht die Theorie, dass ein "iranisches Erlösungsmysterium" das Quellgebiet der "christlichen" Lehre sein soll, und dann soll auch ein vor-"christlicher" Kult der Mandäer das Quellgebiet der "christlichen Lehre" sein. Beides wird widerlegt.

BUCH von C. Cleuren: "Der Einfluss der Mysterienreligionen auf das ältere Christentum", Giessen 1913. Cleuren postuliert die Hauptaussage, dass das "Christentum" nicht nur aus den vorherigen Kulturen entlehnt ist: "Einfach vorauszusetzen, dass womöglich alle Mysterien überall schon im ersten christlichen Jahrhundert vorhanden gewesen seien, ist wissenschaftlicher Unfug."

b) Gemeinschaftliches zwischen antiken Mysterien und "christlicher" Heilslehre
Das "Christentum" ahmt den sterbenden und auferstehenden Kultgott nach, den Kultheros. Die Kräfte des Gottes soll nun jeder besitzen können. In diesem Prozess ist auch die Grundstruktur der "christlichen" Lehre von Erlösung und Sakrament enthalten.


zweite Gruppe: betreibt generelle Forschungen über Mysterienlehre

Führer der Mysterienlehre ist O. Casel "Mönche von Maria Laach". Als Gemeinsames mit den antiken Mysterien wird das "Kulteidos" des Mysteriums anerkannt, das sich schattenhaft und unvollkommen, aber dennoch irgendwie vorbildlich in den antiken Mysterien vorgebildet hat, um dann im christlichen Mysterium seine gottgewirkte Vollendung zu finden.

BUCH von G. Söhngen: "Symbol und Wirklichkeit im Kultmysterium", Bonn 1937. These: In Mysterien der Antike wie im Christentum gibt es die "immer wieder sich vollziehende Kultpräsenz der Erlösungstat". Die Auseinandersetzung darüber ist im vollen Gange.


dritte Gruppe: unterscheidet klar die grundlegenden "christlichen" Positionen - Paulus ist ur-"christlicher" Schriftsteller

Dagegen spricht, dass sich das voll entwickelte "Christentum" erst spät (ca. 2.Jh. n.Chr.) mit den voll entwickelten spätantiken Mysterien auseinander setzte.

Weiterentwicklung oder Anpassung?

-- eine Gruppe sagt, die Mysterien hätten sich zum "Christentum" weiterentwickelt

-- eine andere Gruppe sagt, dass Paulus und die "Kirchenväter" des 3. und 4. Jh. das "Christentum" mit den Mysterien ausgestaltet haben: Worte, Bilder und Gesten wurden aus der Welt der Mysterien übernommen.


Clemens von Alexandrien entwickelt Erklärungen der griechischen Mysterien in "Bildern":

"Ich will euch die Mysterien des Logos deuten in den Bildern, die euch vertraut sind."


Die Gefahr der Forschung: Verchristianisierung der antiken Mysterien
Hornack verteidigt die Eigenständigkeit des "Christentums" und beklagt das Problem der Vermischung:

<Jene vergleichende Mythologie, die alles mit allem kausal verbindet [...] [so] kann man im Handumdrehen Christus zum Sonnengott, die 12 Apostel zu den 12 Monaten machen, sich bei der Geburtsgeschichte Christi an alle Göttergeburtsgeschichten erinnern lassen, um der Taube willen bei der Taufe alle mythologischen Tauben einfangen, dem Esel beim Einzug in Jerusalem alle berühmten Esel beigesellen und so mit dem Zauberstab der 'Religionsgeschichte' jeden spontanen Zug glücklich beseitigen.>


G.Kittel
meint, Analogien und Ähnlichkeiten aufzuzeigen sei Dilettantismus. Ziel sei doch die Herausarbeitung der am Vergleich entstehenden Konturen des Eigenen der einzelnen Religion.

BUCH von K. Prümm: "Das antike Heidentum nach seinen Grundströmungen. Ein Handbuch zur biblischen und altchristlichen Umweltkunde."
Das Buch von K. Prümm schildert drei Wege der Entwicklung des "Christentums":
-- von unten: durch die Menschen, die Gläubigen, die die Kirche sind
-- von der Mitte: im eigentlich historischen Raum der Beeinflussungen
-- von oben: durch den gottgewirkten Sinn in der religionsgeschichtlichen Entwicklung der Menschheit.



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A2

Rückblick auf das Wesen und die Geschichte der antiken Mysterien - die Apologeten setzen das "Christentum" durch - das "siegreiche Christentum" nimmt Mysterien-Elemente in sich auf


Begriff "Mysterium"
In eleusinischer und kabirischer Zeit bedeutet ein Mysterium etwas ganz anderes als z.B. in der Zeit des 3.Jh. n.Chr.


Das Entstehen der Struktur der "christlichen" Bräuche und Riten

Im "Christentum" bleibt die göttliche Grundstruktur immer gleich. Jedoch unterscheidet sich die äussere Gestalt des Glaubens, z.B. die Taufriten.

Die frühe Zeit des "Christentums" war noch nicht durch starre Strukturen gekennzeichnet. Sorglos wurden Elemente von Primitivem und Entwickeltem mit einbezogen. Es wurden Zeugnisse verglichen, die Jahrhunderte auseinander lagen, die aus den Höhen und Tiefen des Religiösen stammten, die sich aber nie berührt haben.


Die geschichtliche Entwicklung des Mysterienwesens bis zum "Christentum"

Im griechischen Leben herrschten machtvolle Mysterien als Erbe aus der davor liegenden Zeit. Es waren sozusagen Nachgeburten der Muttergott-Religionen. Dem wurde die homerische Religion Ioniens entgegengestellt, wo die orphischen Ängste nicht überwunden werden.

Es entwickelte sich der zersetzende Geist der attischen Komödie.

Darauf entwickelte sich die rationalistische Philosophenschule der Stoa, die ein Ideal postulierte gegen alle Neigungen und Affekte.

Auf dieser Basis entwickelte sich eine Grundangst, die zu Selbstbescheidenheit führte, zur "olympischen" Ruhe der "klassischen Zeit".

Weil diese Ruhe niemand mehr aushielt, flüchtete die Philosophie in die geheimnisvollen Mysterien im Augenblick der "christlichen" Zeitwende.

Es entsteht eine warme, überhitzte Frömmigkeit, die vermeintlich Uraltes aufgreift. Die Selbstbeschränkung in Wort und Gefühl der Klassik wird aufgegeben. Die Menschen suchen nach Barockem, Pathetischem. Geschichtlich fällt dies in die Zeit von Alexander. Die Grenzmauern des griechischen Geistes fallen. So bekommen ungriechische Mysterienkulte des Ostens neuen Einfluss, z.B. der Fetisch-Stein der Magna Mater [grossen Mutter] aus Pessinunt, dann die milde Isis der Ptolemäer, Adonis etc.

Nach der "olympischen Ruhe" der "Klassik" sprechen all diese fremden Kulte das religiöse Bedürfnis der Menschen besser an als der offizielle Kult der nationalen Götter. Die fremden Kulte sind weniger primitiv, weniger einfach. Der Einfluss und der Prozess der Mysterisierung kommt erst nach dem Jahre 0 richtig in Gang.

1.Jh.
In der Philosophie kommt es zu einer Mysterisierung. Die Philosophiesysteme (Poseidonis) tendieren dazu, Religionsersatz zu werden, mit Lebenstrost, Jenseitsversicherung usw. Die Mysterieneinweihungen werden auf Zirkel und auserwählte Orte beschränkt.

2.Jh.
Die griechische Philosophie verdichtet sich zum Henotheismus [Hingabe an einen Gott, ohne andere Götter zu verbieten] in neuplatonischer Färbung: frommes Fühlen und Streben, ein solarer Pantheismus. Kernaussage ist der neue Weg der Seele nach dem Tod ins Jenseits in den Himmel und nicht mehr der Weg der Seele in einen Hades [Totenreich, Unterwelt]: Rahner:

"Aufstieg der heilssehnsüchtigen Seele auf lunaren Wegen zu einem seeligen Jenseits, das man sich nun nicht mehr im unterirdischen Hades denkt, sondern in einem astral-irdischen Droben."


Der neue solare Pantheismus hat Einfluss auf die bisher noch bescheidenen Mysterienfeiern. Diese Mysterienfeiern werden mit dem neuen solaren Pantheismus aufgewertet, verbreiten sich, und auch die Erfahrungen mit den Mysterien verbreiten sich.

Es entstehen die Lese-Mysterien, eine hermetische Schriftensammlung mit: Mithrasliturgie, "Königlicher Weg" des Philon u.a.

[Mithrasliturgie aus Iran: Anbetung der Tötung eines Urstiers
Mithras ist der im Iran verehrte, oberste Gott, wird aber zeitweise durch die Religionsstiftung Zarathustras zurückgedrängt. Um 67 v.Chr. kommt die Lehre um Mithras durch Seeräuber nach Griechenland. Frauen sind ausgeschlossen. Praktiziert wird der Kult in Felshöhlen in der Nacht oder in unterirdischen Räumen, sogenannten "Mithräen". Höhepunkt ist die Enthüllung des Kultbildes, auf dem die Tötung eines Urstiers dargestellt ist. Der Mithras-Kult verbreitet sich im 1. Jh. n.Chr. durch römische Soldaten von Rom aus nach Panonien (römische Donau-Provinz), Germanien und Britannien. (aus: Mithras, Mithra; In: DTV-Lex. 1990, Bd.12, S.132)].

[Philon von Alexandria: Der Pentateuch soll mit den Philosophie-Erkenntnissen vereinbar sein
Der jüdisch-hellenistische Religionsphilosoph Philon, geboren in Alexandria 13 v.Chr., gestorben 45/50 ebenda, versuchte, seinen Zeitgenossen zu beweisen, dass der jüdische Pentateuch mit den Erkenntnissen der Philosophie vereinbar sei (aus: Philon, 1. P. von Alexandria; In: DTV-Lexikon 1990, Bd.14, S.110)].


3.Jh.
Erst jetzt steht das spätantike Mysterienwesen vollständig da, mit dem das antike "Christentum" konfrontiert wird.


Das antike Mysterienwesen:
Mutterreligionen - Jenseitssehnsucht - Zerfall durch Überfrachtung

Gemeinsamkeit aller Mysterien sind Kulte einer Mutterreligion. Hauptfiguren sind das göttliche Weib und ihr männlicher Geselle. Die Entwicklung vollzieht sich von Mutterreligion zur Kultlegende zum Mysterienritus. Eingeweihte, die am Mysterienritus teilnehmen, können an den Kräften der Gottheit teilhaben.

Die Mutterreligionen pflegen ein pflanzerisches Brauchtum, Vegetationskulte, Fruchtbarkeitsriten, Mutterdarstellungen als immer neu quellende und allgebärende Naturkraft.

Erstes Element ist das jährliche Aufleben und Sterben in der Natur
das Wachsen, Zeugen und das Hinsinken der Lebewesen. Darin wird das "Mystische" gesehen.

Zweites Element ist die Suche nach dem Jenseits nach dem Tod
Das Leben bzw. die immer neues Leben zeugende Ahnenkette wird da schon als Geheimnis, als Rätsel gesehen. Rahner:

"Alles Lebendige quillt auf aus dem Mutterschoss der Erde, alles kehrt zu ihr zurück, und das Grab ist wiederum bergender Schoss neuen Lebens."


-- die Mysterien sind eine Gefühlsreligion, ohne denkenden oder grübelnden Verstand
-- die Mysterien sind eine "Lehre", kein "Dogma"
-- die Götterverehrung unterliegt gewissen Vorschriften (Riten), ansonsten herrschen keine Gesetze.

Zerfall der Mysterien zwischen den verschiedenen Richtungen der Philosophie

Die Mysterien im Endstadium lösen sich während der Spätantike auf, nehmen alles in sich auf, was von aussen her herangetragen wird, auch "christliche" Elemente. Absterbende Elemente der Mysterien leben weiter in Byzanz, in arabischen Bevölkerungen, im "Christentum". Es herrscht eine ungeheuer gesteigerte Heilssehnsucht. Die Philosophie wird darob müde, und die Fülle von Mysterien ist die totale Verwirrung, eine "Mysterienverwesung".



Das "Christentum"

In den ersten fünf Jahrhunderten vollzieht sich ein grosser Wandel, z.B. von Paulus zu Origines und zu Augustinus.

1.-2. Jh.
Urzeit, Urchristentum
Das "Urchristentum" ist eine Anti-Mysterienreligion. Paulus, Ignatius oder andere urchristliche Schriften sind aber z.T. noch in der gedämpften Art der Mysteriensprache gehalten.

3. Jh.
Ausgestaltung des "Christentums" in Theologie und Ritus mit der Mysterien-Terminologie der griechischen Bevölkerung durch die Apologeten

Die Kirche bildet ihre "Form". Zugleich erfolgt die Aussprache zwischen Mysterien und "Christentum".

-- die Verfechter ("Apologeten") des "Christentums", v.a. Tertullian, postulieren, die Mysterien seien eine "diabolische Nachäffung" der "christlichen" Wahrheit

-- die Apologeten kämpfen gegen die "Gnosis" [Suche nach Erlösung durch philosophische Spekulation der Spätantike]

-- die Apologeten kämpfen für das Wort, den Logos

-- die Apologeten geben dem griechischen "Christentum" eine ausgeprägte Form, indem Bilder verarbeitet werden, die der griechischen Bevölkerung vertraut sind

-- die Apologeten entwickeln eine Mysterien-Terminologie im kirchlichen Sprachgebrauch

-- von diesem Mysterien-Sprachgebrauch überträgt sich manches Gedankengut und Wortbild in die Theologiesprache und Kultgestaltung der Kirche.

4.-5. Jh.
Die Mysterien haben keine Weiterentwicklung - die Konzentration auf einen "Jesus" siegt - Aufnahme vieler Mysterien-Elemente ins "Christentum"

Aus der Theologie und aus dem Ritus baut sich die Gestalt der Kirche auf. Dieser Aufbau vollzieht sich gleichzeitig mit dem Mysterienwesen. Hauptunterschied zu den Mysterien ist der "Erlöser", der den Gang der Seele nach dem Tod ins Paradies garantieren soll. C. Clemen:

"Das Christentum unterschied sich von den Mysterienreligionen durch seinen geschichtlichen Charakter und die ganz andersartige Bedeutung, die man der Erscheinung und dem Tod des christlichen Erlösers zuschrieb."


Die Mysterien sind kein lebendiger Gegner mehr. Es existieren nur noch ein paar Zirkel als "Hochburgen" der hellenischen Mysterien (neuplatonische Christengegnerschaft im Sinne des Pophyrios, ein Werk von Julian aus Alexandrien). Im "siegreichen" "Christentum" wird nun vielseitige Mysterienterminologie mit aufgenommen, eine Fülle von Ausdrücken, quasi eine Geheimdisziplin, liturgische Abläufe, die durch die Aufnahme ins "Christentum" neuen Glanz erfahren.



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A3

Das "christliche Mysterion"

"Christus" soll den Gottmenschen offenbaren und durch seinen Tod allen Menschen das "Leben" schenken, und so die Sünde, die die Menschen von Gott trennt, überwinden.

Paulus kämpft gegen aufkommende Mysterien schon in Kolossai, Ephesus und Korinth. Schon vor Paulus gab es einen "Mysteriensprachgebrauch". Der "Jesus"-Kult ist ein Mysterium der Frömmigkeit. Dabei ist es so, dass "das Mysterium nicht nur in einem blossen Buchstaben erscheint, sondern in einem Tun verkündet wird."

Hauptunterschiede zwischen antikem Mysterienwesen und "Christentum"

a) das "Christentum" ist ein Mysterium der Offenbarung
Die hellenistischen Mysterien sind in schönen, tiefen Gedanken, in geheimnisvollem Zauber angelegt. Dagegen postuliert das Ur-"Christentum" einen realistischen Wirklichkeitsanspruch. Der/die Gläubige wandelt sich insofern, als der Zauber verschwindet und sie eine erlösende Klarheit des Glaubens an "Christus" ergibt. Das ganze Wesen des hellenistischen Mysterienkults erscheint mit einem Schlag wie ein böser Spuk.

b) das "Christentum" ist ein Mysterium der sittlichen Forderung
Der sittliche Zustand innerhalb der Mysterien in der Zeitwende erhielt vom 3.Jh. an eine sittliche Aufwertung und war auf der Höhe der neutestamentlichen sittlichen Forderungen. Die Forderungen des Ur-"Christentums" wurden innerhalb der Mysterienkulte verwirklicht.

In den Mysterien versucht der Mensch, durch Frömmigkeit aus eigener Kraft den "seelischen Aufstieg" zu schaffen. Im "Christentum" geht es nicht um Aufstieg, sondern gemäss Rahner um das Zulassen "der göttlichen Gnadenkraft zur sittlichen Umgestaltung in der Liebe zu Christus."

c) das "Christentum" ist ein Mysterium der Gnadenerlösung von der definierten "Sünde"
Das "Christentum" propagiert eine gnadenhafte "Erlösung". Es gibt viele Variationen hellenistischer Erlösungsreligionen. Dies sind antike Mysterien in christlichen Farben, immer noch an die "Natur" gebunden, ins Jenseits transponierte "Erlösung". Nur im "Christentum" ist der Tod und die Auferstehung des Gottes zu finden, um seine Gläubigen zum "ewigen Leben" zu führen.

"Christus" bedeutet das "Heil" auf ganz anderer Ebene. Der Sündenfall wird vorausgesetzt, und das Angebot der Erlösung kommt sogleich. Die Materie aber wird nicht erlöst, sondern das Fleisch wird weiter als widergöttlich oder bös gedachte Materie angesehen. Reitzenstein:

"Das Neue am Christentum ist die Erlösung als Vergebung von Sünde."


Im Hellenismus fehlen "Schuld" und "Versöhnung".

Das "Christentum" gibt vor, ein "ewiges Leben" zu schenken, und damit hat sich das "Christentum" von jeder Naturgebundenheit verabschiedet.

Gleichzeitig definiert das "Christentum" eine "Ursünde", durch die die Menschen die "Gotteskindschaft" verloren hätten. Nur durch das Kreuz sei die "Gotteskindschaft" wieder erreichbar.

Das "Christentum" wird durch die Elemente "Sünde", "ewiges Leben" und "Gotteskindschaft" gegenüber den anderen Mysterien unvergleichlich


[Ergänzung:
und auch unvergleichlich brutal].



Die gegenseitige Beeinflussung Mysterien - "Christentum"

"untere Ebene"

Gedanken, Worte und Riten sind aus den Mysterienbräuchen übernommen, aus dem "Tiefengang" menschlicher Gemeinsamkeiten, aus der Gemeinsamkeit "von unten her".

Die Ursymbole sind gleich geblieben, um Jenseitiges, Gemeintes, Höheres, auszusprechen. Der Mensch ist auf diese Symbole angewiesen, die bei allen Religionen vorkommen. Die Symbole verbinden das Nebeneinander des Sinnhaften und der geistigen Welt.



"mittlere Ebene"

In den christlichen Kult auf "mittlerer Ebene" werden Elemente von Mysterien übernommen, die alle einmal vom Volk "von unten" geformt worden sind, die aus Dingen des alltäglichen Lebens stammen. Die Elemente werden durch die menschliche Gemeinsamkeit religiösen Denkens übernommen. Dadurch grenzt sich die Religion von der profanen Menge ab, grenzt sich von den "nicht gereinigten" Seelen ab.

Das "Christentum" grenzt sich erst ab dem 3.Jh. von der Masse ab, entwickelt dann im 4.Jh. die Geheimhaltung des Abendmahls bis ins 5.Jh., genannt "Arkandisziplin". Der "Eingeweihte" soll das Allerheiligste nicht ausplaudern, soll den "Uneingeweihten" die Mysterien des verborgenen Gottes nicht vorzeigen, und soll ihnen das "Heilige" nicht mitteilen. Die "Väter der Kirche" prägen eine Kirchensprache aus der religiösen Welt des absterbenden Mysterienwesens.

Die Abgrenzung zu den Mysterien wird ausgedrückt
-- durch die Mysterien der Taufe und des Opferaltars, die mit verhüllenden Riten ehrfürchtiger Scheu umgeben werden
-- durch Ikonostase, eine dreifache Bilderwand, die dem Uneingeweihten den Blick zum Altar verbirgt
-- durch Wortsymbole und symbolische Handlungen der antiken Mysterien, von denen nur die "Eingeweihten" den Sinn wissen. Die Kirche unterscheidet sich nicht sehr von der Mystik.

In dieser Mystik verhaftet wird Gottes Weisheit zuerst verbreitet. Paulus:

"Wir aber verkünden Gottes Weisheit im Mysterium." (1.Kor., 2/7).


Es entsteht eine christliche Mystik, das heisst: Es entsteht die Fähigkeit, durch das Wesen der Worte und Bilder der Bibel zu den Reichen des Geistes und der bildlosen Wahrheit zu gelangen:

-- das Wahrnehmbare, das mit den Sinnen wahrnehmbar ist, ist nur wie das äusserste, in diese dunkle Welt hereinragende Endstück
-- dahinter soll eine jenseitige Welt stehen [das Paradies]
-- nur "Eingeweihte" kennen das Mysterium des göttlichen Wortes.

Die ausserchristliche Gnosis will durch Wissen erlösen, löst sich vom geschriebenen Wort der Bibel und sondert sich in die Einsamkeit oder den Konventartikel. Das "Christentum" ist aber nicht nur die Religion des nackten Wortes, des blossen Verstandes und der sittlichen Forderung [und Verstümmelung], sondern des verhüllten Wortes, der liebenden Weisheit, der in sakramentale Symbole sich bergenden Gnade. Das "Christentum" bleibt eine Religion der Mystik, wo sich gemäss Rahner "hinter der Schlichtheit des Wortes auch die kultischen Riten die Unendlichkeiten Gottes auftun".


Der "Eingeweihte" wird von Gott ausgewählt
Der "Eingeweihte" wird von Gott die Gabe zum Schauen erhalten. Gott verleiht den kühnen, scharfen Blick einer die Schauung liebenden Seele. Menschen ohne diesen Blick sind noch nicht rein, nicht der heiligen Wahrheit würdig, so wie Chortänzer, die nicht wissen, was ein Rhythmus ist.



Rückwirkung des "Christentums" auf die griechischen Mysterien

4. Jh.
Die reiche Mysterienwelt ist in Auflösung. Dabei stammen aus dem 4. Jh. die meisten Zeugnisse über Mysterienkulte.


Rahner wagt die These, dass manches Quellenzeugnis, das aus den Mysterien im "Christentum" übernommen wurde, schon vorher in der Entstehung "christlich" beeinflusst gewesen sei.

In den Mysterien des Kreuzes und der Taufe vollzieht sich der Sieg des "Christentums" über die antiken Mysterien.



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B
Das Mysterium des Kreuzes


Das Kreuzmysterium ist die Basis der Kirche

Gemäss Rahner ist das "christliche" Mysterium das "Drama der Wahrheit":

"Der in den Tiefen Gottes verborgene Ratschluss des Heils wird offenbar in dem gekreuzigten Christus".


Gleichzeitig bleibt das menschliche Leben von "Christus" aber verborgen. Somit ist alles verborgen und offenbar zugleich.

Durch die Kreuzigung postuliert die Kirche eine einfache Sichtbarkeit des Heils. Diese Kreuzigung wird Basis für die entstehende Kirche, die Auflösung, die Enthüllung für das in Adam und Eva angedeutete Geheimnis.

Andersgläubige fragen, warum die "Christen" einen gekreuzigten Menschen neben Gott hinstellen. Sie verstehen das dem gekreuzigten Menschen innewohnende Mysterion nicht.


Die Gedankenwelt der antiken "Christen" um das Kreuz aus dem antiken Chi X

Das Chi X von Platon

Das Kreuz verzaubert dem gläubig "Erleuchteten" gleichsam die ganze Welt. Das Kreuz als heilbringendes Symbol ist schon vorher erkannt:

Platon:
Ekliptik (Erdumlaufbahn) und Äquator schneiden sich in einem liegenden Chi X, dies wird dem "christlichen Blick" zum Himmelskreuz. Das himmlische Chi wird Weltseele.

Das liegende Chi (Kreuz), in dem sich
                              Ekliptik und Äquator schneiden
Das liegende Chi (Kreuz), in dem sich Ekliptik und Äquator schneiden

Nach geläufiger Vorstellung ist das himmlische Chi ein vordeutendes Symbol des Kreuzes.

Das liegende Chi X ist für den antiken "Christen" der weltbauende Logos, der am Kreuz hängend den Kosmos zusammenfasst und der den Kosmos um das Mysterium des Kreuzes schwingen lässt. Das Kreuz wird auf den Sohn Gottes angewandt.

Das Kreuz ist Zentrum des "Christentums"
Im Kreuz sieht der antike "Christ" die vier Dimensionen des Kosmos. Rahner:

<Das Kreuz ist die "Rekapitulation" des schöpferischen Werkes, das heisst der Abriss, das schlichte Zeichen, das sinnfällige Symbol von etwas Unerhörtem - eben Mysterion.>


Die Kirche erfindet Loblieder zur Lobpreisung des Logos, des "Jesus", der vom Kreuz aus die ganze Welt umarmt und sie quasi zum "Vater" heimholt.

[Ergänzung:
alle Gewalt und Erpressung inbegriffen].

Golgata / Golgota, gemäss der Bibel der Kreuzigungshügel von "Jesus", wird als Angelpunkt der Welt angesehen, so Kyrillos.

Gregor von Nyssa "preist das Kreuz als das kosmische Prägezeichen, das da aufgedrückt ist dem Himmel und den Erdtiefen."

In der byzantinischen Frömmigkeit lebt das kosmische Verständnis des Kreuzmysteriums weiter.

Das Kreuz wird gelobt als "Versöhnung" zwischen Mensch und Kosmos, als bindendes Band der Schöpfung.

Das Kreuz wird für die Kirche zum Inbegriff des Weltbaugesetzes.

Es gibt Prophezeiungen, dass am Ende der sichtbaren Erdenzeit am Himmel ein Kreuz erscheinen werde als das grosse "Lichtzeichen", das dem Kommen des verklärten Christus vorausgeht.

Es entstehen die Liturgien (die festgelegten Formen der Gottesdienste) der byzantinischen und der römischen Kreuzerhöhung.

Im Kreuz einen sich für die Kirche der Uranfang des Weltbaus und das Ende des Weltgeschehens.

Hier ein Beispiel einer Kreuzverehrung aus der Andreasakte, ein Apokryph [aus der Bibel ausgeschlossenes Werk]:

"O Kreuz, du Heilswerkzeug des Höchsten! O Kreuz, Zeichen des Sieges Christi über seine Feinde! O Kreuz, auf Erden gepflanzt und im Himmel Frucht tragend! O Name des Kreuzes, der du das Weltall in dir beschliessest! Heil dir, o Kreuz, dass du den Kosmos in seinem Umfang zusammenhältst!"



Die Deutung der Petrus-Kreuzigung in Rom

Petrus wird mit dem Kopf nach unten gekreuzigt. Die Actus Vercellensins, eine gnostisch beeinflusste Erzählung über Petrus, deutet diese Kreuzigung als Sturz in die "Sünde", gemäss Rahner

als ein "Symbol des vorweltlichen Sturzes, mit dem der Urmensch kopfüber in die Sünde, das heisst im gnostischen Sinne in die leibliche Existenz stürzte."


Am Ende siegt aber die "christliche" Überzeugung, "und eben darin besteht das Kreuzmysterium, dass in ihm die Menschheit gleichsam wieder eine andere, himmlische Richtung erhält und im Sturz aufgehalten wird."


Das Kreuz im täglichen Leben

-- das Kreuz ist in der Figur des menschlichen Körpers selbst (stehende Haltung mit ausgestreckten Armen)
-- wenn der / die Betende die Hände ausspannt (stehende Haltung mit ausgestreckten Armen)
-- das Kreuz wird durch jeden fliegenden Vogel dargestellt (liegende Haltung mit ausgestreckten Flügeln)
-- in den Instrumenten des Ackerbaus (kreuzartiger Pflug)
-- die Segelmasten der Schiffe sind ebenfalls in Kreuzen strukturiert

Die Form des Kreuzes ist für die Bewältigung des Alltags im vorindustriellen Zeitalter unentbehrlich.

Hier ein weiteres Beispiel einer Kreuzverehrung in einer Predigt von Mayimus von Turin

<Grossartig ist dieses Mysterium des Kreuzes. Denn in diesem Zeichen wird der ganze Erdkreis gerettet, so predigt Mayimus. Ein Symbol diese Mysteriums sei das Segel, da am Mast des Schiffes hängt, gleich als sei es Christus, der am Kreuz erhöht ist. "Und wenn der gute Landmann sich anschickt, den Boden seines Ackers zu pflügen: siehe, auch er kann das nur mit der Figur des Kreuzes vollbringen. Selbst der Himmelsbogen ist nach der Gestalt des Kreuzes gestaltet. Und der Mensch, wenn er daherschreitet, wenn er seine Arme erhebt: Er beschreibt ein Kreuz, und darum sollen wir mit ausgespannten Armen beten, dass wir selbst mit der Haltung unserer Glieder das Leiden des Herrn nachahmen.>


Das Kreuz als biblisches Mysterium

Im Kreuz kommen alle Grundgesetze des in Gott verborgenen Heilswillens zur Aussprache.

Der Kreuztod von "Jesus" ist wie ein Schleier, der über der Welt liegt, der sich erst hebt, wenn das Ende der Tage kommt, "im Zeichen der Ausspannung am Himmel".

Das Holz des Kreuzes als Symbol: Paradiesbaum und Kreuz

Die Ursymbolik bringt das Holz des Kreuzes mit vielen anderen hölzernen Gegenständen des Alten Testaments in Verbindung.

-- das Holz des Lebensbaumes im Paradies
-- die Weisheit Gottes selbst ist dieser Lebensbaum
-- das Kreuz sei nun die Vollendung der Erlösung (Apokalypse 2/7, 2/222).
-- das Recht auf den Lebensbaum haben nur die von den Sünden Reingewaschenen (Apok.22/1).

Das Jesuskreuz spaltet die Menschheit. Der Paradiesbaum ist die Vordeutung des Kreuzes, und das Jesuskreuz soll der Mittelpunkt der Welt und des Heilsdramas der Menschen werden. Es ragt von Golgata zum Himmel, den Kosmos zusammenfassend. Es ist an der gleichen Stelle errichtet, an der einst Adam erschaffen worden sei, wo er begraben liegt, wo zur gleichen Stunde und am gleichen Tag der zweite Adam sterben soll. Und zu seinen Füssen quellen die vier Paradiesflüsse des Taufmysteriums, durch das die Nachkommen des Adam ein neues Anrecht erlangen auf den ewig grünenden Baum des Lebens.


Das Kreuz im Wasserquell
Das altchristliche Bild des Kreuzmysteriums ist "das Kreuz im Wasserquell", im Taufwasser.


Die religiös-dichtende Phantasie: Sagen vom Lebensbaum und vom Mittelpunkt der Erde

Aus der uralten Symbolik ergeben sich die Motive der antiken und mittelalterlichen Kunst. Rahner:

<Der Lebensbaum in der Mitte des Paradieses ist ein Vorbild des Erlösungskreuzes, das der eigentliche Lebensbaum ist, und dieses Kreuz ward in der Mitte der Erde errichtet.>


Ägyptisches "Adambuch": Das Grab Adams soll Mittelpunkt der Erde werden

Der sterbende Adam befiehlt seinem Sohne Seth, den toten Leib des Urvaters nach der Flut, die da kommen wird, in der Erde zu bestatten.

<Denn der Ort, wo mein Körper niedergelegt wird, ist der Mittelpunkt der Erde, und von dort wird Gott kommen und unser ganzes Geschlecht wieder erlösen.>


Und als nach der Sündflut Adams Sarg aus der Arche herausgetragen wird, ertönt die Stimme des toten Urvaters:

<In das Land, wohin wir gehen, wird der Logos Gottes herabkommen und leben, und oben an dem Ort, wo mein Körper ruht, wird er gekreuzigt werden, so dass er meinen Scheitel mit seinem Blute benetzen wird.>



Mittelalter-Malerei: Darstellung des Adamsschädels am Fuss des Kreuzholzes
Der Schädel des Adam wird in Malereien des Mittelalters an den Fuss des Kreuzes gelegt.

Legendenkranz um das Holz des Lebensbaumes

Die Geschichte erzählt vom

"todkranken Adam, der seinen Sohn Seth zum Paradies schickt, um eine Frucht der Unsterblichkeit vom Baume des Lebens zu holen. Aber der Engel, der das Paradies hütet, gibt ihm nur drei Kerne, und aus diesen wächst das dreifache Holz aus Zeder, Pinie und Zypresse, es wächst aus dem Mund des toten Adam, und in einer wundersamen und wechselreichen Geschichte durch das ganze Alte Testament hindurch erhält sich dieses Holz, bis dass die Schergen daraus den Kreuzbaum für Christus verfertigen. Noch das ganze Mittelalter hat an diesen Legenden weitergesponnen - und sie sind nichts anderes als die Bildwerdung, die naiv volkstümliche Gestaltung dessen, was wir das altchristliche Kreuzmysterium nennen."


[Ergänzung:
Da der Bevölkerung das Bibel-Lesen und Lesen und Schreiben verboten war, musste die Bevölkerung die Geschehnisse um die Kirche in Legenden ausdrücken, um sich überhaupt ausdrücken zu können. Die Kirche versuchte, mit Verboten ihre Macht der "Wahrheit" zu erhalten].

Hintergrund dieser Mythenbildung
- es soll eine Verbindung hergestellt werden zwischen Adam und "Christus", dem irdischen und dem pneumatischen Menschen
- es soll eine Verbindung hergestellt werden zwischen dem Paradisbaum-Holz und dem Kreuz-Holz.


Jesus am Kreuz: Deutung der Haltung
"Jesus", der "Logos Gottes", wurde ans Kreuz genagelt mit ausgestreckten Armen und Händen. Irenäus in der kleinasiatischen Presbyteroi meint, Jesus habe mit seinen ausgestreckten Händen zwei Völker vereint:

" [...] durch die Ausbreitung seiner Hände die beiden Völker in einem einzigen Gott vereinte."


Die beiden Völker sind die Juden und die Hellenen, die durch das Kreuzholz nun vereint seien. Der Kosmos der Griechen war die Bibel der Israeliten. Beide konvergieren im Kreuzmysterium.


Der Syrer Ephräm:

"Beide Welten der beiden Völker hat er umarmt, als er sein Kreuz umarmte."


[und alle anderen Völker sind gemäss dieser Deutung verloren...].

Die griechische und byzantinische Theologie macht aus diesen Deutungen liturgische Bücher (Panegyriken) mit der Verherrlichung des lebenspendenden Kreuzholzes, das "sacramentum ligni". Im Gottesdienst wird das Kreuz-Holz angebetet, das das Leben darstellt.

[Die Kirche verehrt Holzstücke als Teile des Kreuzes, an dem Jesus gehangen sein soll. Insgesamt kommt da Holz für über 30 Kreuze zusammen...]


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C

Das Mysterium der Taufe


C1
Die Taufe als weiterentwickeltes Waschungsritual

Stimmen über die Taufe


Tertullian: "Glücksbringendes Mysterium unseres Wassers"


Barnabasbrief: "Glückselig, die auf das Kreuz hoffend ins Wasser hinabgestiegen sind."


Rahner: "Am Fuss des Lebensbaumes quillt das Lebenswasser. Denn nur in der erlösenden Kraft des Kreuztodes Gottes ist das Wasser lebenszeugend geworden."


[Ergänzung: Demzufolge leben also alle anderen Religionen falsch].

Das Kreuz und die Taufe stehen in direktem Zusammenhang, was bis auf die Theologie des Paulus zurückgeht, z.B. in Römerbrief 6/3-4):

"Wisst ihr nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft worden sind, in seinen Tod eingetaucht wurden? Durch die Taufe sind wir mit ihm in den Tod begraben, aber: Wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferstanden ist, so sollen auch wir in seinem neuen Leben wandeln."


Rahner:

"Das Tauchbad der Taufe gibt also zwei Wirkungen: Es erlöst von den Sünden und es schenkt ein neues, christusförmiges Leben, und dies einzig durch die Wirkung des Kreuztodes. So ist die Taufe das Grundmysterium des Christentums, die eigentliche Initiation in die Teilnahme am göttlichen Leben des gestorbenen und auferstandenen Christus."



Die Taufe ist die Weiterentwicklung der Waschung in den Mysterien

Der Ursprung der Taufe ist in den Waschungsriten der antiken Mysterien zu suchen:
-- Abwaschung im Ritual von Eleusis
-- reinigende Waschung im Sabaziosmysterium, geschildert in Demosthenes Kranzrede
-- das Taurobolium im Attiskult
-- heiligendes Taufbad im Isismysterium
-- Mysterium des Dionysos und des Mithras.

Zur Taufe wurden hinzugefügt
-- Riten
-- Bilder
-- Worte
-- Exorzismus: Beschwörung von Geistern und Dämonen
-- Ölsalbung
-- Weihebräuche
-- Investiturbräuche: Eintritt in die Christenheit mit der Taufe
-- Lichtgebräuche.

Das Taufmysterium hat unerhörte Wirkung, obwohl es nur ein demütiges Tun mit Wasser und Wort darstellt. Rahner:

<Hier setzt das Gefühl des antiken Menschen für das Mysterium ein, für jene Spannung, die wesentlich mit einem Symbol gegeben ist, zwischen Gesagtem und Gemeintem, zwischen der Schlichtheit des Sichtbaren und der Gewalt des Unsichtbaren.>


Tertullian über die Taufe: "schlicht, aber grossartig".


Die Taufe bis zum 4. Jh.

Die Kirche umgibt die Taufe mit einem reichen Mysterienritual. Es ist der Versuch, "menschlich sichtbar zu machen, was an göttlicher Grossartigkeit auch von dem schlichten Urzeichen angedeutet und bewirkt wird."

Die Kirche baut "Taufhäuser". Gemäss der gallikanischen Taufliturgie [in der katholischen Kirche Galliens, Frankreichs, vor 1798, die Sonderrechte besass] ist das Taufhaus "ein bescheidener Ort, aber der Gnaden voll."



Aspekte des nachchristlichen Taufmysteriums

Rahner:

"Die Taufe ist zunächst das Mysterium des ewigen Lebens."


Begriff "Leben": Paulus:

"Teilnahme an dem verklärten Leben des erhöhten Herrn: die übernatürliche, endzeitlich in der unmittelbaren Schau Gottes sich vollendende, aber schon wurzelhaft in der Taufe gegebene Gemeinschaft mit der göttlichen Natur." (2.Petr.14).


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C2

Die heilige "8" - das Ogdoas der Ur-"Christen"

Die Taufe übersteigt die antike Heilssehnsucht bei weitem. Wie haben das die Ur-"Christen" gemacht?

Die Ur-"Christen" sehnten sich nach "Heilung". Der antike "Christ" greift sich aus der ihn umgebenden frommen und mystischen Umwelt ein Symbol heraus, um anzudeuten, was er glaube: Das "Mysterium der Ogdoas" [lateinisch: octo = acht, also: Land der Acht] das Geheimnis der Achtzahl. Fortan wird das "christliche" Leben nach der 8 gestaltet:

-- die Zahl "8" ist nach der urtümlichen Vorstellung die Zahl der Planeten-Sphären, die sich um die Erde bewegen [inklusive Sonne, die sich in der damaligen Vorstellung um die Erde drehte].
-- gemäss uraltem pythagoräischen Denken ist die Zahl "8" das Sinnbild des Vollendeten, Ewigen, Ruhigen

[Ergänzung:
-- das "Mysterium der Ogdoas" symbolisiert somit das Land der "Vollkommenheit"
-- die Kirche formuliert einen Vollkommenheitsanspruch, und alle anderen sollen nicht "vollkommen" sein...]


-- "Christus" ist am achten Tag (Tag des Helios) von den Toten erstanden. Dieser Tag wird zugleich für die "Christen" der erste, so wie er einst der erste Tag der Weltschöpfung gewesen ist

-- die Zahl "8" ist die Zahl des Kubus, des nach allen Seiten hin in gleichem Abstand sich dehnenden Körpers

[Ergänzung:

-- ab dem 14.Jh. definierten europäische Musiker die Tonleiter in 8 Tonschritten, parallel zu den 8 Planeten (7 Planeten plus die Sonne), und behaupteten, diese Musik sei "vollendet", womit alle andere Musik abqualifiziert wurde].

Dies alles war damals übliches Gedankengut, dem antiken "Christen" geläufig und sieht allüberall das mystische Symbol der Achtzahl und gibt ihm einen "christlichen Sinn:
-- am 8. Tag ist der "Herr" erstanden
-- an einem Ostertag, dem liturgischen Achttag, hat der "Christ" die Taufe empfangen, und es ist dies der gleiche Tag, an dem einst der Geist über den Wassern brütete
-- acht Menschen fuhren in der Arche über das Wasser, und das Holz der Arche wird gleichzeitig zum Sinnbild des Kreuzes.

Der Petrusbrief vergleicht die Arche Noa mit der Taufe und verbindet damit die Zahl "8":

<Nur wenige Seelen, nämlich acht, wurden in der Arche durch das Wasser gerettet - und das Gegenbild davon, die Taufe, rettet jetzt euch kraft der Auferstehung des Christos Jesus.>


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C3

Die Verbindung zwischen Taufe und Eintritt ins "Ogdoas" (Land der Vollkommenheit, wo die 8 herrscht)

Die Propagandisten des sich konstituierenden "Christentums" verbinden nun die alles Mögliche mit der Zahl 8:

Justin beschwört im 2.Jh. die Zahl 8 bei der Arche Noah und bei der Kreuzigung und Wiederauferstehung:

<Das ist der Sinn des Wortes Gottes, dass sich zur Zeit der Flut das Mysterium zur Rettung der Menschen bereits geheimnisvoll verwirklichte.> Die anwesenden acht Menschen der Arche Noa <waren mit dieser Zahl ein Sinnbild des Tages, an dem unser Christus von den Toten auferstand, des achten Tages, der aber seiner Kraft nach stets der erste ist.>


Clemens beschwört die Taufe als den Schritt ins Ogdoas (in das Land der Acht, in das Land der Vollkommenheit):

<Wer von der irdischen Mutter geboren wird, der wird in den Tod geschleudert und in die Welt. Wer aber von Christus wiedergeboren wird, der wird in das Leben hinüberversetzt, in die Ogdoas. Solche Menschen sterben für die Welt, aber sie leben für Gott, auf dass der Tod durch den Tod aufgelöst werde und die Vergänglichkeit durch die Auferstehung. [...]>


Der Taufquell ist das Grab für das vergängliche Leben und zugleich der Mutterschoss für das neue, himmlische Ogdoas.


Origines über den 8. Tag, die Wiederauferstehung: der Vergebungstag:

<Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat. An ihm vollzog sich die Versöhnung Gottes mit dem Menschen. An ihm wurde der Krieg der Zeitlichkeit vernichtet, und die Erde ist würdig geworden des Himmels, da die Menschen, die der Erde unwert waren, des Himmelreichs würdig erschienen, da wir die alte Heimat wieder erhielten, da der Fluch hinweggenommen und die Sünde gelöst wurde.>


Aus dem Mysterium der Achtzahl entwickeln sich Taufhäuser und Taufbrunnen, mit Vorliebe in oktogonaler Form: achteckige Taufwasserbecken.



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C4

Die Taufe von "Jesus" - das Kreuz im Jordan - die Taufe der Menschen

Mit "Jesus" wird Gott selbst getauft. Rahner:

"Das Untertauchen Gottes in der Taufe ist Quell und Vorbild unseres Aufstiegs in der Taufe."


Die Kunst stellt das Jesuskreuz in den Jordan

Um diese mystische Zusammenschau der Taufe Gottes bildlich sichtbar zu machen, stellt man nun im literarischen Wort und in der Kunst das Kreuz mitten in den Jordanfluss, und so entsteht das "Jordankreuz", das Symbol des gekreuzigten "Christus" selbst, der das Taufwasser mit seinem Blut fruchtbar gemacht hat. Dies ist auf vielen "Kunstwerken" abgebildet.

Der Taufbrunnen wird gleichsam in vielen östlichen Liturgien "Jordan" genannt.

Die Weihe des Taufwassers mit Kreuz-Holz
Man taucht ein Kreuzholz in das Taufwasser, um nachahmend anzudeuten, was man mit dem hölzernen Kreuz im Jordan auch ausdrücken wollte.


Lobhymne auf den Jordan als Tauffluss mit dem Kreuz mittendrin

Der Jordan als Tauffluss wird zum Beispiel so verherrlicht:

"Armseliger Fluss und gewaltiges Kreuz: und als Wirkung das unsterbliche Licht."

Das Kreuz ist "lichtspendend".

"Und wenn die liturgische Gestaltung dieses Mysterium aussprechen will, dann taucht sie eine brennende Kerze in den Taufquell, um symbolisch anzudeuten, dass in der Kraft des Gekreuzigten das Wasser nun das ewige Licht, lateinisch: lux perpetua, spende."


Das Kreuz ist also Symbol für Lebensbaum und ewiges Lebenslicht zugleich, und beide Symbole stehen für "Christus" selbst.

In der römischen Liturgie haucht der Priester bei der Taufwasserweihe das Wasser an, in der Figur eines griechischen Symbolzeichens im Lebensbaum, im Kreuz:


Das Symbolzeichen des griechischen
                          Lebensbaums, das der katholische Priester bei
                          der Taufe behaucht
Das Symbolzeichen des  griechischen Lebensbaums, das der katholische Priester bei der Taufe behaucht





Die Osterkerze symbolisiert "Jesus" am Kreuz

In der "christlichen" Kunst steht im Jordan statt des Holzkreuzes eine grosse Kerze. Die Kerze ist das Symbol des gekreuzigten "Jesus". Darum fügt man ihr die fünf Weihrauchkörner wie fünf Wunden ein. Die Kerze wird der Lebensbaum des Kreuzes, symbolisch dargestellt durch Blumenschmuck.



Das irdische Leben, das "Mysterium der Zwischenzeit"

Wer die Taufe erhalten hat, ist im Besitz des "ewigen Lebens", aber es ist ein noch gefährdeter Besitz. Es gilt das antik "christliche" Bild: Der Myste ist zwar schon im jenseitigen Hafen angekommen, aber er ist trotzdem noch auf der gefährlichen Seefahrt. Er trägt zwar das Siegel an seiner Seele, das ihm alle Tore öffnet auf der Himmelsreise, aber dieser Aufstieg ist dennoch umlagert von den Feinden, der Geisterwelt."

[Anmerkung:
Die Kirche scheint sich in der Folgezeit nie als Feind und böse Geisterwelt gegen andere erkannt zu haben].

Mysterium der Entscheidung im Taufritual
-- abwenden vom Satan, dem "Schwarzen" [übertragbar auf alle Schwarzen in Afrika]
-- zuwenden zum Lichtkönig "Christus", wie die Sonne, die aus dem Osten kommt, mit Tauferleuchtung.

[Menschenrechte gab es damals noch nicht, und somit erschien die Figur eines "Jesus" vielen als "Erlösung"].

In das Taufritual strömt viel antikes Gedankengut, zumeist aus jenem gemeinsamen Gebiet, aus dem auch die Symbolbräuche der Mysterien zu erklären sind.


Der Osten gilt bei der Kirche als Zentrum des Lichts von "Jesus", der Westen gilt als der Ort, wo die Sonne ("Jesus") untergeht, wo Finsternis herrscht, und wo der Satan wohnt.

weitere Taufritualelemente:
-- das Anhauchen und Anspeien des bösen Feindes
-- Milch und Honig als Mystenspeisen
-- Symbolik des Salzes [das "Christentum" als "Salz in der Suppe" der Menschheit].


Nach der Taufe beginnt das Mysterium der Himmelsreise

In die Himmelsreise sind eine Fülle antiker Gedanken eingewoben, v.a. die "mystische Schifffahrt" und das Einlaufen in den "Hafen der Ruhe".

Das Schiff des Getauften kann aber nie untergehen, denn "Jesus" hat ja am Kreuz schon gesiegt. Die Schifffahrt wird sicher ihr Ziel des "ruhigen Hafens" erreichen. Rahmen:

"Er [der getaufte Mensch] ist in die Ruhe [zu "Jesus"] eingegangen, darum ist der Myste, der sich gleich Odysseus auf seiner mythischen Fahrt an das Holz des Kreuzmastes anbinden lässt, der Ankunft in der Heimat schon sicher."


Hierzu existieren eine Unmenge von Taufsymbolen.


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C5

Die Osternacht ist der Anfang von Ogdoas (Land der Vollkommenheit, wo die 8 herrscht)

Die griechische und die römische Kirche feiern die Osternacht. Sie feiern das Mysterium:
-- einen Kreuzbaum
-- lebenspendendes Wasser
-- im Licht ein Leuchter
-- im Glanz die weissen Gewänder.

Diese Szene ist der Höhepunkt der griechischen Mysterien, ist ihr Abschluss. Es ist der kräftige Anfang der Kirche. Das eine Mysterium von "Jesus" löst alle anderen ab, ohne Weihrauchdampf, ohne Blut, es ist alles nur reines Gebet und schlichtes Tun. Das Reich der Ogdoas, der Ruhe und der Vollendung, greift um sich:

<"Christus" hat es und mit seinem Kreuz erschlossen, er hat "den Tod zum Leben gekreuzigt".>


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D

Das christliche Mysterium von Sonne und Mond


D1

Das Christentum gegen den antiken Sonnenkult zwischen 1. und 4.Jh.

Die Sonnenkulte

Die Sonne ist für den antiken Menschen das höchste Symbol dessen, was der antike Mensch liebt und erstrebt.

Die griechische Kultur zeigte einen solaren Monotheismus als Ausdruck des letzten Aufschwungs des griechischen Geistes.


[Parallele: Sonnenkult bei den Indios Mittelamerikas, bei den Azteken].

Der Sonnenkult kann in verschiedensten Formen beobachtet werden:
-- ägyptische Jenseitsreligionen stellten die Sonne als Sonnenbarke dar
-- die römische Bauernfrömmigkeit formulierte einen "Sol"
-- die griechische Tragödie beschreibt einen kraftvollen Helios Pater
-- plotinische Sonnenmystik
-- die römische Reichsreligion betreibt im Prunk weiterhin den Sonnenkult
-- Sonnenkult in Platons Höhengleichnis
-- Sonnenkult in den Zauberpapyri
-- Sonnenkult in der hermetischen Mantik [Wahrsagekunst].


Die Sonnen-Mond-Kulte

Ein antik-"christliches" Bild zeigt die Strahlen des antiken Helios, die auf der Scheibe der Mondgöttin Selene brechen.

Philo spricht in stoischer Naturmystik über die Mondgöttin von dem gleichsam weiblichen, tauspendenden Licht.

Die Forschungsfrage ist nun, wie das "Christentum" die beiden Lichtquellen Sonne und Mond behandelt.


Die griechische Sonnenfrömmigkeit am "Helios"-Gott

Der Sonnenfrömmigkeit gelingt der Aufstieg bis in die spätplatonische und plotinische Vergeistigung. Die Sonnenfrömmigkeit ist Ausdruck des sterbenden Geistes der Antike. Diese Frömmigkeit ist für die Aufnahme des "Christentums" geeignet, und zugleich gefährlich.

Der Helios wird als leuchtender Wagen dargestellt, die die Seelen der Sterbenden heimführt. Gemäss Rahner ist es quasi schon verkleidetes "Christentum".


Der Text eines Sonnenlieds:

"Helios wird dich lösen von allen Leiden des Leibes
und dich führen zur Halle des Vaters
im himmlischen Lichte."


Predigt von Ambrosius von Mailand über den Helios-Gott:

"Wenn du die Sonne siehst, dann denk an den Herrn. Wenn du sie bewunderst, singe ihrem Schöpfer. Wenn schon Sol so lieblich strahlt, der Schicksalsgenosse und Teil der Natur - wie gut muss erst "Christus" sein, die Sonne der Gerechtigkeit!"


[Bemerkung
Die Gerechtigkeit heisst: "Liebe deinen Nächsten" - "Du sollst nicht töten" - auch für das dumme Papsttum, für die dumme Kirche. "Jesus" wäre der Kirche nie beigetreten, aber die Kirche will bis heute keinen Spiegel...]


Sonnenlied von Macrobius:
"Sol mundi caelique decus, Sol onmibus idem,
Sol nocti lucique decus, Sol finis et ortus."


Die Kirche bekämpft den Sonnenkult

Der griechische Sonnengott Helios wird durch die Kirche entthront, denn Gott hat auch die Sonne erschaffen und die Gestirne. Die Gläubigen werden zur Übernatur herangeführt. Rahner:

<Wenn von nun an die Kirche sich anschickt, Bilder, Worte und Sehnsüchte aus der griechischen Sonnenfrömmigkeit herüberzunehmen, so deutet sie diese immer auf die geschichtlich klar umrissene Gestalt ihres Stifters "Jesus" von Nazareth:

-- "Jesus" ist "die Sonne der Gerechtigkeit" (Malachias 4/2)
-- "Jesus" ist der "Aufgang zur Höhe" (Lukas 1/78).>


Die später sich entwickelnde Kirche nimmt viele griechische Elemente auf.


Wer ist "Christ" und wer nicht - das Kriterium des Verhaltens

Apologet Justinos äussert das Leitmotiv der katholischen Religionsgeschichte: Alle, die wie "Jesus" leben, sind "Christen":

<"Christus" ist der Logos, an dem das gesamte Menschengeschlecht seinen Anteil erhalten hat, und alle, die gemäss dem Logos lebten, sind Christen, auch wenn sie für gottlos gehalten wurden, wie bei den Griechen Sikrates und Heraklitos.>


Milma über nicht-"christliche" Philosophien und Religionen:

<Man kann in den heidnischen Philosophien und Religionen einen grossen Teil dessen finden, was gemeinhin für christliche Wahrheit gehalten wird, sei es in Rudimenten oder in einem bestimmten einzelnen Aspekt.>


Weiter:

"Da sich all dies bei den Heiden findet, so ist nichts davon christlich."


Es ist auch eine andere Schlussfolgerung möglich. Rahner:

"All dies ist christlich, also ist nichts davon heidnisch."

Man kann also durchaus die Sichtweise annehmen, dass die Samen der Wahrheit schon vor "Jesus" über die Welt verstreut waren. Die Kirche sammelt diese einzelnen Elemente der Heiden, die wahr sind.


Sonne und Mond sind gleichsam die wundervollen Geschöpfe des Unsichtbaren [das "Gott" heisst].


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D2

Sonne und Mond in "christlicher" Deutung: "Jesus" ist die Sonne für alle

Sonne und Mond sind in "christlicher" Deutung die wundervollen Geschöpfe des Unsichtbaren [das "Gott" heisst]. An Sonne und Mond liest der "Christ" wie an "himmlischen Buchstaben" den Text von der Schönheit Gottes, und was sich an den kosmischen Gestirnen begibt, ist ihm göttliche Andeutung dessen, was sich im Mysterium des menschgewordenen Logos "Jesus" enthüllt und vollendet hat.


Hilarius von Poitiers vergöttert "Jesus" als Sonnenquelle:

"Der Logos ist wie die Sonne: Seine Strahlen sind ewig bereit zu leuchten, wo immer sich nur die Fenster der menschlichen Seele auftun."


Ambrosius meint, "Jesus" als Sonne der Gerechtigkeit sei für alle da:

"So, wie die Sonne täglich aufgeht über dem All, so geht die mystische Sonne der Gerechtigkeit allen auf. Für alle ist sie erschienen, für alle hat sie gelitten, für alle ist sie auferstanden."


[Diese Einstellung begründet die kirchliche Diktatur über die ganze Welt].


Das Konzil von Nizäa: ewiges Wort und das "Licht"

Es ergeben sich zwei grosse Linien der Auseinandersetzung:

-- die theologische Linie mit solarer Spekulation, mit solarer Seelenerfahrung

-- die theologische Linie mit dem Johannesevangelium mit der Formulierung, Jesus sei das "Licht der Welt" (1/9; 8/12). Es handelt sich dabei um erste Logosspekulationen der alexandrinischen Theologie

Das Nizäische Konzil definiert das ewige Wort als das "Licht aus dem Licht" und die augustinische Dreifaltigkeitstheologie.

Zugleich findet eine Auseinandersetzung mit der solaren Theosophie des Neuplatonismus und der Sonnenmystik der Manichäer statt.

Dazu kommen noch "christliche" Auslegungen der alttestamentlichen Sonnenfrömmigkeit.


Die Schlussfolgerungen der "christlichen" Umdeutung des Sonnenkults:

Helios (griechischer Sonnengott) wird "Christus", Selene (griechische Mondgöttin) wird Kirche.


Der Sonn-Tag, Ostern und Weihnachten als "Sonnen"-Feste: "Jesus"-Feste

Das Mysterium der Sonne, die in der "christlichen" Kirche "Jesus" darstellen soll, findet seinen kultischen Ausdruck in der Entstehungsgeschichte des "christlichen" Sonntags und des Osterfestes.

Das Osterfest wurde sodann in unmittelbarer Auseinandersetzung mit dem Kult des "Sol invictus" [unbesiegter römischer Sonnengot "Sol"] mit einem "christlichen" Weihnachtsfest ergänzt.

[Ostern war zuerst, und Weihnachten ist also ein Teil von Ostern].

Somit hatte der "christliche" Zyklus nun die Ostersonne und die Weihnachtssonne im Jahreszyklus, wobei sich beide Sonnen auf "Jesus" bezogen.

Der Mond im Frühmittelalter, verkörpert durch Maria als die Kirche, die "Jesus" geboren hat

Die Kirche, die das Bild der griechischen Mondgöttin Selene verkörpert, ist vom Sonnenlicht "Jesu" umstrahlt. Die Kirche bzw. bildlich der Mond, ist der geistige Glanz im Dunkel der Welt.

[In Realität ist die Kirche der Abglanz der "Jesus"-Welt: Die Gebote von "Jesus" leuchten, die gewalttätige Kirche leuchtet nicht].

Das mütterliche Mysterium der Kirche ist angedeutet und vollendet in der Gestalt der jungfräulichen Maria, aus der die "Sonne der Gerechtigkeit hervorgeht, "Christus" unser Gott.

Maria ist die "wahre Selene", in der alle antike Sehnsucht nach dem Idealbild der mütterlichen Frau ihre "christliche" Vollendung gefunden hat. Sie ist der Weihnachtsmond.

[In Tat und Wahrheit ist die Kirche aber keineswegs eine "mütterliche Frau", sondern die brutalen Patriarchen verkleiden sich als "mütterliche Frau", um dann im Namen der Kirche Kriege zu führen...]



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D3

Die Ostersonne

Der Sonntag als Tag der Auferstehung "Jesu" - Abschaffung des Sabbat

1. Jh. v.Chr.

Die Astrologie der Chaldäer und Ägypter teilte die einzelnen Wochentage den sieben Planetengöttern zu. Dies wurde allgemeines Kulturgut. Der erste Tag nach dem Sabbat war der "dies solis", der "Sonnentag", kurz Sonntag, dem Tag des griechischen Sonnengottes Helios.

Gemäss den biblischen Schriften stand fest, dass "Jesus" an einem Freitag, dem Rüsttag zum Sabbat, gestorben war, und dass die Auferstehung am zweiten Tag danach, am Tag des Helios erfolgte. Es folgt daraus für die Kirche die Loslösung der Kirche vom jüdischen Mutterboden. Nicht mehr der Sabbat ist der höchste Tag, sondern der Tag nach dem Sabbat wird nun der "Herrentag", der "Tag des Herrn". Die "christliche" Urgemeinde feiert entsprechend am "Sonn-Tag" das "Herrenmahl".

[Frauen haben in der frühen Kirche nichts zu sagen, denn es sind alles Herren...]

Plinius berichtet über den Sonntag:
Am Heliostag "wenden sich die betenden Christen der Sonne zu als dem grossen Symbol des auferstehenden "Christus" und essen eine gewöhnliche und unschuldige Speise."

Die Konfrontation ist frappant, denn für alle Nicht-"Christen" ist der Tag des Helios ein reiner Werktag. Die "Christen" fallen damit sehr auf. Die Nicht-"Christen" halten diese Sekte für eine Art Sonnenanbeter.


Die Kirche bekämpft den ersten "Aberglauben" von Tagenamen und Planetenglauben

Die Kirche ist entschieden gegen eine kritiklose Übernahme der planetarischen Wochentagsbezeichnungen. Aber der Kampf ist vergeblich. Das sieht bereits Augustinus ein. Beim Tag des Helios wird die Bezeichnung "Herrentag" aber in den lateinischen Sprachen als "domenica" etc. übernommen [spanisch: "domingo", rumänisch "duminică" etc.]


Die Römerzeit lässt den Sonnentag feiern - ist gleich wie der "Herrentag"

Der vorherrschend werdende Sonnenkult, der ohne "christlichen" Einfluss zustande kommt, lässt die Verlegung des römischen Wochenbeginns vom Saturnustag auf den Dies Solis zu. Die Bezeichnung "Herrentag" kann sich nicht durchsetzen. Dazu Franz Boll:

<Das dauerndste Vermächtnis, das die Astrologie, selbst noch den Jahrhunderten nach ihrem Verfall, hinterlassen hat, ist der Sonntag, und insofern kein übles, als noch heute für Millionen von Menschen, ohne dass sie sich dessen klar bewusst sind, auf den "Tag des Herrn" zugleich der begklückende physische Glanz des "Tages der Sonne" fällt.>


Der Ostertag

Die Urkirche versucht, den alljährlich wiederkehrenden Tag der Auferstehung zu begehen. Es ist der Versuch, die jüdische Passahfeier, in die "Jesus" sein eigenes Heilswerk so untrennbar eingebaut hatte, "christlich" zu konsekrieren, liturgisch zu weihen. Nicht nur der Sonntag, sondern auch der Umschwung (das Beiwerk) des Sonnenjahres sollte "Christus" der wahren Sonne dienstbar sein.

Festsetzung des Osterdatums
Die Daten sind aus dem Johannesevangelium in kleinasiatischer Urtradition ableitbar. "Jesus" ist am 14. Tag des jüdischen Frühlingsmonats Nisan gestorben, ein Freitag, an dem die Juden dem Gesetz gemäss das Osterlamm assen, ein "Rüsttag" zum Sabbat.

"Der Nisan der Juden ist aber der erste Monat des Jahres, dessen Beginn durch Beobachtung des wachsenden Mondlichts festgestellt wurde: am Tag nach dem ersten Aufleuchten der aus dem neumondlichen Dunkel aufsteigenden Mondsichel wurde der erste Nisan angesetzt, der Neumond aber, der hier entscheidend ist, war stets der dem Frühlingsäquinoktium unmittelbar folgende. Somit war der 14. Nisan der Tag des Frühlingsvollmondes, und so schwingt schon das alljährliche Passahfest der Juden, gemessen an der Planetenwoche und dem julianischen Sonnenjahr, mit seinem stets wechselnd einfallenden Datum im Reigen der himmlischen Gestirne mit."

Nach der hellenistischen Sichtweise ist "Jesus" am Venustag gestorben, lag am Tag des Saturnus im Grab und ist am Tag des Helios wieder auferstanden.


Für die Juden ist "Jesus" am mittleren Tag des Nisan auferstanden.


Die Rolle des Mondes bei der Auferstehung von "Jesus"

"Jesus" ist an einem Tag mit Vollmond erstanden. Somit wird der geheimnisvolle Zufall, dass er am Tage des Helios von den Toten auferstanden sei, noch tiefsinniger.

Im 1.-2.Jh. kommt es in der Kirche zu einem "Osterfeststreit" um den Zeitpunkt. Die "Christen" Kleinasiens halten, gemäss der von Johannes übernommenen Tradition daran fest, auch das "christliche" Osterfest jährlich genau an dem Tag zu feiern, der von den Juden jeweils nach astronomischer Beobachtung als der 14. Nisan errechnet wird. Dem gegenüber steht die kultische Form, die das christliche Osterfest in Rom und fast überall im griechischen und lateinischen Imperium erhalten hat. Man feiert Ostern in den Tagen des Frühlingsvollmonds, aber stets so, dass der Tag der Auferstehung, also der dritte Tag nach dem Tod von "Jesu", auf den Tag des Helios fällt, auf einen Sonntag. Diese Weise der Osterbegehung setzt sich durch und wird in einem Schreiben von Konstantin am Konzil von Nizäa fürs ganze Imperium verbindlich erklärt. Das "Christentum" und der antike Sonnenkult haben nun hochoffiziell den gemeinsamen Feiertag.

Allegorien, bildhafte Darstellungen in Osterpredigten
Die Kirche betreibt die Begehung des Ostersonntags mit ungeheurer Phantasie in Bildern und Vergleichen:

-- die ganze Natur, die bisher gleichsam tot war, feiert Auferstehung zusammen mit ihrem "Herrn"

-- Himmelsbogen und Erdenrund singen zusammen das gemeinsame Freudenlied auf "Christus", den Gott, und den Menschen, der für Himmel und Erde Frieden brachte und aus Zweien Eins gemacht hat

[dabei brachte die Kirche Krieg und Zerstörung über die ganze Welt, und sie merkt es bis heute (2010) nicht]

-- es wird an Ostern eine Hochzeit zwischen Sonne (Sol) und Mond (Luna) gefeiert.


Ostern ist die innerste Begegnung zwischen Kirche und antikem Sonnenkult.

Deutungen:
a) der Tod von "Jesus" wird mit einer und Höllenfahrt verglichen, mit einem Sonnenuntergang, mit der Hadesfahrt des Helios
b) die Auferstehung "Jesu" ist wie ein Sonnenaufgang
c) die Mitteilung der Auferstehungsgnade an die Gläubigen wird als "Erleuchtung" durch die Sonne "Christus" bezeichnet.


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D4

Die Weihnachtssonne

Die Urgeschichte der Bibelüberlieferung nennt die beiden Geburtsfeste Weihnachten und Drei Könige (Epiphanie, 6. Januar).

In der Kirche herrscht der Glaube, dass "Jesus" von der Jungfrau Maria geboren wurde.

Die erste kultische Begehung des Weihnachtsfestes fand jedoch erst mehr als 200 Jahr nach der Entstehung des "Christentums" statt.

Weihnachten ist eine Zusammenfassung der Gedanken, der Sehnsüchte und Formen spätantiker Sonnenfrömmigkeit.

Die Antike verstand Weihnachten durchaus auch als Sonnenfest, denn jeder Geburtstag ist ein Sonnenaufgang.

Plutarch: "Das Sonnenlicht ist das Symbol der Geburt."

Also ist die Erdengeburt "Jesu" in der Nacht eine Wiederauferstehung mit Sonne.

Das Weihnachtsfest ist dem Osterfest nachgestaltet. Gemeinsame Grundlage ist die Sonnensymbolik. Ostern ist nichts anderes als die Verewigung jenes neuen Lebens, das an Weihnachten aufgegangen ist, für "Christus" im vollendeten Sinn, für den gläubigen Getauften im sakramentalen Sinn. "Christus" ist mit Ostern "Lichtstrahl der Herrlichkeit des Vaters" (Hebräerbrief 13), der getaufte Mensch ist "Kind des Lichts" (Epheserbrief 5/8, Thessalonicherbrief 5/5), also: "Kind der Sonne". JedeR Getaufte ist ein "Sonnenkind".

Rahner:

<Weihnachten ist ein vorweggenommenes Osterfest, der Beginn eines wundersamen Frühlings, ein Sonnenfest, weil an ihm zum ersten Mal der Welt, wenngleich noch tief verborgen, die "Sonne der Gerechtigkeit" [?] aufging.>


[Die Idealisierung der "Gerechtigkeit" erscheint offensichtlich. Als es noch keine Menschenrechte gab, erschien vielen Menschen scheinbar der "Jesus" als ein Mann der Gerechtigkeit...].

Es gibt zwei Festvarianten für "Jesu" Geburtstag:
-- der hellenistische Osten feiert den Tag der Epiphanie am 6. Januar
-- die römisch-lateinische Welt feiert den 25. Dezember.


1. Das Epiphanifest

Der Tag der Geburt "Jesu" ist weder in der Tradition noch in der Bibel festgelegt. Nicht einmal das genaue Jahr ist rückwirkend errechenbar.

[Es scheint so, als ob "Jesus" eigentlich gar keinen Geburtstag hat. Wenn es "Jesus" gegeben hätte, so hätte er sicher als "Sohn Gottes" für sich einen festen Geburtstag festgelegt und Briefe und Dokumente, vielleicht sogar Bücher hinterlassen. Aber wir haben nichts von diesem "Jesus", nicht einmal einen genauen Geburtstag...].

Die Kirche bemüht sich darum, künstliche Gebilde einer biblisch-allegorischen Berechnung anzufertigen, z.B. Clemens von Alexandrien, Hippolyt u.a.). Oder die Kirche greift zurück auf die Sonnensymbolik, um daraus zunächst eine Datierung und daraufhin allmählich auch eine liturgische Begehung der Herrengeburt zu gestalten. Der Weihnachtstag ist der "Geburtstag der Sonne", der Sonne "Jesu", als tiefsinnig naive allegorische Denkweise.

Die Kirche in Griechenland muss sich einer grossen Konkurrenz durch die antike Heliolatrie der Theosophie des Neuplatonismus und durch die solar gewordenen Mysterien der Isis und des Mithras stellen. Die Sonnenkulte bleiben im Osten bis tief in die konstantinische Zeit lebendig. Die Kirche sieht sich gezwungen, ihr eigenes übernatürliches Sonnenmysterium auch kultisch auszugestalten.

In Alexandrien und im übrigen Osten wird somit das "christliche" Fest des "Geburtstages Jesu" im Laufe des 3.Jh. auf den 6. Januar festgelegt, als Protest gegen die heidnischen Sonnenfeiern. Der Sieg des "Christentums" ist für die östliche Kirche ein "Sieg der Sonne".



6. Januar - 25. Dezember ist eine Datumsverschiebung der julianischen Kalenderreform

E. Norden hat gezeigt, dass die verschiedenen Datierungen (6. Januar oder 25. Dezember) sich mit der Verschiebung des altägyptischen Datums der Wintersonnenwende vom 6. Januar auf den richtigen Ansatz der julianischen Reform, den 25.Dezember, erkläre.

["Jesus" ist somit die einzige Person auf der Welt, die in einem Jahr zwei Geburtstage hat...].

Weihnachten feiert das "Licht", das "Jesus" der Welt gebracht haben soll.

Epiphanie
ist schon für das nicht-christliche Denken des hellenistischen Menschen zunächst der Geburtstag des Gottes. "Jesu" Ankunft im Fleisch ist darum die höchste Epiphanie, die sich der "Christ" / die "Christin" denken können.

Inhalt des Epiphaniefestes:

-- Geburt "Jesu" geschildert als Sonnenaufgang des Sol iustitiae [Sonne der Gerechtigkeit]

-- es herrscht Jubel über die Weihnacht, die lichtbringender sei als jeder Sonntag

-- zugleich ist das Gottes-Geburtstagsfest "Epiphanie" ein Gedächtnis an die Taufe am Jordan, an die Taufe der Gläubigen, denn Taufe ist Geburt ins Licht, ist Sonnenaufgang und Erleuchtung

-- die Neugetauften sind Menschen, die von dem "Sonnenstrahl der Einen Gottheit getroffen sind."


2. Das Weihnachtsfest

In Rom entwickelt sich der spätantike Sonnenkult zur Reichsreligion. Es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen "Christentum" und römischem Sonnendienst. Das Ergebnis ist die Existenz und die liturgische Gestalt des Weihnachtsfestes vom 25. Dezember, eine liturgische Neuschöpfung.

Gleichzeitig waren auch nicht-heidnische Feste auf den 25. Dezember festgelegt:
-- Kaiser Aurelians Sieg über die Palmyrenser: Einführung des Festes "Natalis Invicti"
-- der Mitrasdienst, v.a. beim römischen Heer
-- das Fest der winterlichen Sonnenwende mit Wagenrennen und Freudenfeuern.

Allgemein findet ein Synkretismus, eine Vermischung der verschiedenen Religionen statt. So sagt z.B. Cornelius Labeo: Die Sonnengötter Helios (griechisch) und Sol (römisch) werden gleichgesetzt mit dem jüdischen Jao und mit Dionysos. Es besteht die Gefahr des solaren Synkretismus [Vermischung zu einem neuen System].

Das Geburtstagsfest "Jesu" wird willkürlich auf den 25. Dezember festgesetzt. Quellen des Chronographen von Rom belegen für das Jahr 336 die Weihnachtsfeier. Allgemein wird das Fest am Ende des dritten Jahrhunderts eingesetzt. Die Nicht-"Christen" fassten das Geburtsfest "Jesu" als ein "christliches" Sonnenfest auf: Es sei die Antwort der Kirche auf den Sonnenkult der ausgehenden Antike.

Dom Wilmart meint über Weihnachten, es sei der "Geburtstag der unbesiegten Sonne", der Geburtstag der Sonne der Gerechtigkeit.

Weihnachten setzt sich im 4.Jh. in der ganzen Kirche durch, verdrängt v.a. im griechischen Osten das schon eingebürgerte Fest der Epiphanie. Das Argument der Sonnenwende um den 25. Dezember hat ein starkes Gewicht. Hieronymus:

"Bis zu diesem Tag wachsen die finsteren Tage, von diesem Tag an nimmt die Finsternis ab. Es wächst das Licht, es weichen die Nächte. Der Tag nimmt zu, der Irrtum nimmt ab, auf geht die Wahrheit. Denn heute wird uns geboren die Sonne der Gerechtigkeit."

Weiterer Grund für den 25.Dezember: Glossator des Dionysius Bar Salibi: Das heidnische Sonnen-Geburtstagsfest muss bekämpft werden

"Die Ursache, warum die Väter das Fest vom 6. Januar abänderten und auf den 25. Dezember verlegten, war, so sagt man, folgende: Die Heiden pflegten nämlich am 25. Dezember das Fest des Geburtstags der Sonne zu feiern und zu Ehren des Tages Feuer anzuzünden. Zu diesen Riten luden sie sogar das Christenvolk ein. Da nun die Lehrer der Kirche wahrnahmen, dass sich auch Christen zur Teilnahme verleiten liessen, beschlossen sie, am gleichen Tage das Fest der wahren Geburt zu begehen, am 6. Januar aber liessen sie fortan die Epiphanie feiern. Und diesen Brauch haben sie bis heute bewahrt, zusammen mit der Sitte, Feuer anzuzünden."


Augustinus predigt gegen den Einbezug fremder Bräuche an Weihnachten:

"Wir wollen den Tag heilig halten, aber nicht wie die Ungläubigen wegen dieser Sonne, sondern um deswillen, der die Sonne geschaffen hat."


Allgemein reisst die Kirche einen Kampf gegen die Verehrung der "glänzenden Scheibe" [Sonne] vom Zaum.

Volkstümlicher Einfluss auf das römische Weihnachten
Weihnachten wird trotzdem mit neuen Bräuchen überhäuft, die aus anderen Festen stammen.


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D5

Das Mysterium des Mondes

Das "Christentum" hat die Vorstellung, dass Maria den "Jesus" gebären würde, wobei der Mutterschoss als die Kirche selber gilt.

[Die Kirche soll also Jesus geboren haben, obwohl zuerst der "Jesus" existiert haben soll, und dann erst die Kirche. Solche Unmöglichkeiten und Verwechslungen von Ursache und Wirkung sind normal bei der Kirche, und damit verbunden ist eine allgemeine Schizophrenie, die man besser abschaffen sollte, denn heute haben wir Menschenrechte, und Unmöglichkeiten braucht es nicht, sondern menschliche Möglichkeiten - ohne Schizophrenie].

Durch den Mutterschoss, durch die Kirche [die eigentlich das Kind der "Jesus"-Figur ist], wird der Säugling getauft. Der Geist der alten "Christen" sieht in der Mondgöttin Selene das Symbol jenes mütterlich aufnehmenden, demütig lichtempfangenden Wesens, das in Maria und der Kirche lebendig geworden ist. Der Mond empfängt das Licht der Sonne, die Kirche empfängt das Licht von "Jesus".

Der Mond selbst ist charakterlich in immer wachsenden und abnehmenden Phasen. Diese Zusammenhänge waren den damaligen antiken "Christen" ein grosses Mysterium.

Der Mond wurde als bräutliches Schwestergestirn des Helios, des Sol betrachtet.

Das Licht wird durch mütterliche Mittlerschaft ins Dunkel weitergegeben. Maria ist die Vermittlerin zwischen "Jesus" und Kirche. Ohne Maria - keine Kirche.

Gott erlöst die erlösungsbereite Erde als ein Geborenwerden aus dem Mutterschoss einer Jungfrau. Dafür stellvertretend vereint sich die Weihnachtssonne mit dem Weihnachtsmond. Die Taufe von "Jesus" ist gleichsam die Geburt der Kirche.

Die Erlösung der Erde ist gemäss der Kirchenliturgie erst im Tod "Jesu" vollbracht. Erst da kommt das volle Licht zur Geltung. Die Ostersonne eint sich mit dem Ostermond. Auf die Kirche fällt das volle Licht "Jesu". Die Kirche gibt dieses Licht ihrerseits an die Menschen weiter.


[Wenn sich die Kirche an die Logik und an die Gebote "Jesu" halten würde, dann könnte man die Kirche ja akzeptieren, aber wenn die Kirche vor "Jesus" existiert haben will, dann geht das alles leider nicht...].


Der Weihnachtsmond: Die mondhafte Kirche empfängt das Licht "Jesu" von der mondhaften Maria

Die griechische und lateinische Vorstellung von Sonne und Mond: der ewige Tanz der Möndin

Nur im Deutschen sind die Artikel für die Sonne weiblich, und für den Mond männlich. Gemäss Rilke müsste es eigentlich "der Sonn" und "die Möndin" heissen, wenn man den antiken Symbolen der Griechen innerlich folgen will.

Der hellenistische Geist und die lateinische Gestirnsmystik denken sich Helios und Selene als bräutliches Geschwisterpaar, das am Himmel seinen ewigen Reigen aufführt.

Die Vorstellung ist folgende: Das Licht des Helios gelangt an Selene, diese gibt das Licht an alle Sterne weiter. Selene verliert ihr Licht, wenn sie dem Sonn am nächsten steht. Luna vollführt einen liebenden Tanz, ein Fliehen vom Licht und ein Zurückeilen zum Licht. Insofern zeigt Luna einen schüchternen Charakter, ein himmlisches Liebesspiel der Gestirne.


Die griechische Vorstellung vom "Mondwasser" - das Prinzip der Geburt durch Mondwasser

Das Mondlicht ist ein gemildertes Licht, gnadenreich, vermittelndes Licht. Die griechische Lehre vom "himmlischen Mondwasser" meint, dass Selene dem Feuer des Helios das Wasser ihres eigenen Wesens beimischt. Die Mondgöttin spendet auch auf der Erde Wasser, den Tau. Ihr Charakter wird deswegen "warm und feucht" beschrieben. Darum sei ihr Licht weich, gleichsam "weiblich". Sie ist die Herrin über alles Wasser und verkörpert das Prinzip aller Geburt auf Erden.

Das "christliche" Denken bedient sich dieser hellenistischen Bilder vom Mondtanz und vom Mondwasser. Die bildliche Vorstellung macht gemäss Epheserbrief den Sonn zum "Jesus" und den Mond zur Kirche. Maria ist die "Jesus" Gebärende. Sie ist die geistige Luna der weihnachtlichen Vereinigung. Die Kirche ist der wahre österliche Vollmond, der "Jesus" empfängt.

[Schlimmer kann man nicht lügen: Die "Jesus"-Figur war zuerst, und dann erst die gewalttätige Kirche...]


Marias Geburt - Maria bleibt jungfräulich auch nach der Geburt [!]

Maria ist in der Kirche die Frau in der Apokalypse.

Die Kirche erschafft "Christus", indem sie in der Taufe den Gläubigen das Leben schenkt. Die Kirche gestaltet das Licht der Maria um und gibt es in Form der Taufe "Jesu" den Gläubigen weiter. Die "Heiden", die Psychiker, werden zu "Gläubigen", zu Pneumatikern.

Die frühe Kirche definiert Luna zur Mutter alles Lebendigen. Maria ist die "Mutter Gottes". Ihr Schoss ist der "Königshof der Zucht". Ihr Gebären ist ein Sonnenaufgang der Weihnacht.

Es geschieht aber, dass die Geburt "Jesu" die jungfräuliche Pforte des mütterlichen Schosses nicht verletzt. Die Kirche will dies sinnbildlich mit fliessendem Sonnenlicht erklären, das rein bleibt und rein macht.


[Ergänzung:
Dann wäre "Jesus" als Wurm oder als Luftballon auf die Welt gekommen. Die Traum-Psychologie kennt das Bild einer Geburt im Traum, wo die Gebärende jungfräulich bleibt, als Sinnbild für die Geburt einer neuen Idee, einer neuen Existenz etc. Scheinbar haben die Patriarchen des Neuen Testaments dieses Traumbild mit in den Ritus integriert. Als es noch keine Aufklärung, Analytik und noch keine Massenmedien gab, wurden Bräuche und Träume noch viel mehr vermischt als heute].


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D6

Der Ostermond

Ostern ist ein Wendepunkt, der Tod und danach die Auferstehung zu einem neuen Leben. Endziel der Geburt "Jesu" ist die Verklärung des Fleisches am Ostermorgen, im Sonnenaufgang der Ewigkeit. Der Weg dahin ist vom Mond begleitet. Es ist geistige Nacht. Selene leuchtet. Gleichzeitig wird Luna mit "Jesu" Tod die Kirche.


Die Kirche entwickelt sich zum Mond, der ab- und zunimmt

Das geschichtliche Geschick der Kirche "ist vergleichbar den Phasen des Mondes, im Abnehmen und Verschwinden, im roten Blutschein der Verfolgungen. Aber stets erneuert sie sich wieder im Kreisen um die Sonne "Christi". Bei jedem Vollmondglanz des jährlich sich erneuernden Osterfestes weiss sie von neuem, dass auch sie einem ewigen Glanz entgegengeht. Das Drama von "Jesus" wiederholt sich in der Kirche, als leidende und strahlende Luna.

[Und alle anderen Religionen und Glaubensrichtungen sollen keinen Glanz mehr haben. Dies ist das kirchliche Projekt: Die Kirche benutzt "Jesus", um ihre Weltdiktatur zu verwirklichen, um mit "Jesus" als Zuckerbrot und mit der Peitsche der Inquisition und der Diskriminierung zu regieren, bis zur Duldung der Ausrottung ganzer Völker und Tierwelten in ihrem Namen].

Ambrosius preist die Kirche, die "Ecclesia", als die wahre Luna. Es war dem antiken Menschen, dem Nicht-"Christen" und dem "Christen", eine heilige Sache, mit dem Geschick des nächtlichen Gestirns mitzuleiden.

[Die "heilige Sache" mitzuleiden, ist ein "heiliger" Masochismus. Man sollte das durchschauen...]


Der Mond symbolisiert die Trauer über den Tod "Jesu" und die Freude über neues Licht "Jesu"

Der Jammer über den Tod "Jesu" findet Ausdruck in den Darstellungen des trauernden Mondes als Symbol der trauernden Kirche.

Die Kirche feiert an Ostern den Neumond, den Untergang des fleischlichen "Jesus". Die Menschen, die sagen, dass "Jesus" in ihnen lebt, feiern diesen Neumond. So stirbt das Fleisch, und gleichzeitig wird Luna im Leiden des Sterbens des Gekreuzigten Mutter der Lebendigen, der Kirche, der im Taufsakrament Geborenen.

Der Mond ist das vermittelnde Wesen zwischen dem Dunkel der sublunaren Region und dem seelig unveränderlichen Licht des Äthers. Darüber steht das Land der Geister, in das es die Menschenseele zurückzieht.

Die kirchliche Vorstellung unterscheidet klar die Welt unter und über dem Mond. Unter der Luna ist eine ewig dunkle Region, eine vergängliche Welt, die dem blinden Fatum / Schicksal der Gestirne unterworfen ist. Jenseits des Mondes ist dagegen alles voll Licht und Freiheit. Die Seele, die die Himmelsreise zum göttlichen Licht eingegangen ist, befindet sich in den Gefielden der Selene und ist "gerettet". Der legt dort noch ab, was ihn am letzten Aufstieg hindert. Im Gläubigen der Mysterienkulte finden Umwandlungen der alten Sehnsüchte statt:

-- Versprechen von himmlischer Freiheit vom Zwang der Gestirne
-- Versprechen vom Licht aus den fernen Höhen des Helios

Die Kirche wandelt diese Sehnsüchte um.

Die Mondgöttin Selene ist die Bürgschaft der Auferstehung. Sie wiederholt stetig die Neugeburt.


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E

Schlussfolgerung von Michael Palomino

Theorie und Praxis unterscheiden sich bei der Kirche in grässlichster Art und Weise. "Jesus", eine erfundene Figur, von der wir bis heute kein einziges originales Dokument haben, keine Unterschrift, nicht einmal einen Geburtstag, wurde von der Kirche als "Zuckerbrot" benutzt, um das Weltbeherrschungsprogramm durchzusetzen. An den Nachwirkungen dieser brutalen Strategie hat die Welt heute noch zu "beissen".

Die Strategie von Zuckerbrot und Peitsche ist eine ganz normale Kriegsstrategie, um Bevölkerungen zu unterjochen. Die Kirche hat sich dabei nichts spezielles ausgedacht.

Es bleibt unbewiesen, ob "Jesus" existiert hat. Es existiert bis heute kein einziger Brief von ihm. Dies erscheint absolut unerklärlich, vor allem, weil "Jesus" der "Sohn Gottes" sein soll. Als "Sohn Gottes" sollte man doch einige Werke hinterlassen haben, so wie dies andere Poeten und Mathematiker Griechenlands und Roms auch getan haben. Eines Tages wird die Kirche vielleicht zugeben müssen, dass Jesus eine erfundene Figur ist.

Die Idee der Gewaltlosigkeit ist nach wie vor die einzig tragbare. Wenn die Kirche die Gewaltlosigkeit endlich auch auf sich selbst anwenden würde, wäre dies ein grosser Fortschritt.
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