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Kreuzzüge 01

Militärische und kulturelle Daten 1000-1300. Chronologie

von Michael Palomino (2001)

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Quellen
-- Ulrich Haarmann Hg.: "Geschichte der arabischen Welt"; C.H.Beck-Verlag, München 1987

Unter Mitwirkung von: Ulrich Haarmann: Einleitung (S.9f.) -- Albrecht Noth: Früher Islam (S.11-100) -- Tilman Nagel: Das Kalifat der Abbasiden (S.101-165) -- Heinz Halm: Die Fatimiden (S.166-199) -- Heinz Halm: Die Ayyubiden (S.200-216) -- Ulrich Haarmann: Der arabische Osten im späten Mittelalter 1250-1517 (S.217-263) -- Hans-Rudolf Singer: Der Maghreb und die Pyrenäenhalbinsel bis zum Ausgang des Mittelalters (S.264-322) -- Barbara Kellner-Heinkele: Der arabische Osten unter osmanischer Herrschaft 1517-1800 (S.323-364) -- Alexander Schölch: Der arabische Osten im neunzehnten Jahrhundert 1800-1914 (S.365-431) -- Helmut Mejcher: Der arabische Osten im zwanzigsten Jahrhundert 1914-1985 (S.432-501) -- Peter von Sivers: Nordafrika in der Neuzeit (S.502-592)

-- Hans Prutz: Kulturgeschichte der Kreuzzüge; Georg Olms Verlagsbuchhandlung, Hildesheim, 1964.

-- Sigrid Hunke: Kamele auf dem Kaisermantel. Deutsch-arabische Begegnungen seit Karl dem Grossen [den es wahrscheinlich nie gegeben hat]. Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart 1976. ISBN 3 421 01744 1


Kommentar
Die Chronologie beginnt mit der Uneinigkeit der arabischen Welt zwischen den muslimischen Herrschaftsbereichen Damaskus, Kairo und Ifriquiia vor 1100. Nachdem eine neue ägyptische Herrschaft unter al-Hakim ein extremistisch-"frommes" Kalifat aufzieht und laufend christliche Kirchen zerstört werden, darunter die dem "Christentum" heilige "Grabeskirche", versuchen Byzanz und die Kreuzfahrer-Invasoren, mittels Territorialbesetzung "ihre" Kirchen in Palästina zu "verteidigen". Die italienischen Seefahrerstaaten profitieren während der Kreuzzüge gleich von beiden Kriegsparteien. Brennpunkt ist Jerusalem, das eine Stadtmauer bekommt, die aber bald wieder zerstört wird.

Allgemein scheint bei "christlichen" Historikern eine grosse Wissenslücke vorhanden zu sein, was die Pogrome an Juden während der Kreuzzüge anbelangt.

Ab 1200 ist die arabische Welt in Damaskus und Ägypten eingekreist: von der westlichen Seite die christlichen Invasoren, von der östlichen Seite die Mongoleninvasion aus dem Iran. Um die arabische Identität zu retten, bleibt nichts anderes übrig als die Optimierung der militärischen Kräfte. Da kein Mittelweg zwischen den extremen Positionen von "Christentum" und Islam zustandekommt, werden die christlich beherrschten Residenzen in Palästina Ende des 13. Jh. vernichtet.

Die Hauptprofiteure der Kreuzzüge, die italienischen Seefahrerstaaten, schwimmen durch 200-jährigen Profit durch Truppentransport und Indianhandel im Geld und bauen  ab 1300 die "Renaissance"-Städte.

Für die Kirche ist das Ende der Kreuzfahrerstaaten ein absoluter Schock Die arabische Welt im Nahen Osten dagegen kann sich aus der Umklammerung befreien. Die Kriegsentwicklung nimmt weiter ihren Lauf, und Frieden ist auch innerhalb der arabischen Länder nicht attraktiv.

Die Kreuzzüge werden später wiederholt mit Napoleon in Ägypten, mit der britischen Herrschaft in Ägypten, mit den Kolonialisierungen des Nahen Ostens ab 1919 etc. Schliesslich wird auch die Gründung eines Religionsstaates Israel mit dem imperialistischen Programm von Herzl "Der Judenstaat" von der muslimischen Welt genau gleich wie ein Kreuzzug empfunden.

Der Mittelweg zwischen den Religions-Verhetzungen ist dabei bis heute nicht gefunden.

LeserInnen, die die innerarabischen Machtstrukturen und Intrigen nicht interessieren, beginnen die Chronologie ab 1096. Logisch ist aber, dass nur bei Zerstrittenheit der Dritte ein Chance hat. So war es auch am Anfang der Kreuzzüge, am Ende umgekehrt...

Michael Palomino
1998 / 2003 / 2005



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Chronologie

ab 996
Italien-Ägypten: Italienischer Seehandel nach Ägypten - Import von Holz und Pech für Kriegsschiffe - Drohungen aus Byzanz und Rom
Die italienischen Seerepubliken besitzen zum ersten Mal 996 nachgewiesenermassen ein Kontor im Hafen von Kairo/al-Qahira. Ägypten bezieht aus Italien und Dalmatien vor allem Holz und Pech für den Schiffsbau. Die Lieferungen erfolgen über die Schiffe der italienischen Seerepubliken.

Da Holz und Pech kriegswichtige Güter sind - vor allem gegen Byzanz gerichtet - sprechen  Byzanz und der Papst von Zeit zu Zeit Warnungen aus, dass die italienischen Schiffe gekapert würden und hohe Strafen drohen würden. Die italienischen Transportreeder lassen sich aber kaum je beeindrucken und machen weiter ihre Kriegsprofite (Haarmann, S.190).

998 ca.
Kairo: Machtkampf zwischen Berbern und Mamluken-Söldner-Offizieren - Osteuropäer Barguwan
Der lachende Dritte im Intrigenspiel um die militärische Macht am Kairoer Kalifenhof zwischen Berbern und Mamluken ist der osteuropäische Eunuch Barguwan, dem es gelingt, mit Hilfe der türkischen Mamluken-Söldner die Berber zu entmachten. Er übernimmt den Wesirposten des Kalifen mit Leitung der der Staatsgeschäfte. Der 13-jährige Kalif al-Hakim kann dem ganzen Treiben nur zusehen (Haarmann, S.176).

Syrien-Palästina: Ägyptische Besetzung unter Barguwan
Barguwan
lässt ägyptische Truppen Palästina und Damaskus besetzen und etabliert dort eine harte Fatimidenherrschaft (Haarmann, S.180) mit Besetzung des Landes bis vor Antiochien (Haarmann, S.180-181).

999/1000
Byzantinischer Feldzug unter Kaiser Basileios II. gegen die ägyptische Besetzung Syriens bis Tripolis: Plünderungen im Winter, Belagerung von Tripolis
Das Heer von Kaiser Basileios II. zieht den Fluss Orontes (heute "Asi") aufwärts und plündert im Winter Sayzar, Hims und Baalbek. Der Feldzug endet mit einer Belagerung von Tripolis (Tarabulus) (Haarmann, S.181).

Anfang 1000
Das ägyptische Tripolis kann sich gegen die byzantinische Belagerung durchsetzen. Byzanz muss die Belagerung abbrechen (Haarmann, S.181).

1000
Waffenstillstand zwischen Ägypten und Byzanz auf 10 Jahre
Der ägyptische Regent Barguwan kann unter Vermittlung von Patriarch Orestes von Jerusalem - mütterlicherseits ein Onkel al-Hakims - einen zehnjährigen Waffenstillstand mit Byzanz abschliessen. An der Nordgrenze des ägyptischen Imperiums bleibt es in der Folge "ruhig" (Haarmann, S.181).

um 1000
Kairo: Wechselnde Heeresstruktur: gemischte Söldnertruppen
Das arabische Heer "dschund" verliert seine Bedeutung, ebenso die damit verbundenen Standorte Kufa, Basra, Fustat und Kairuan. Die Söldner werden auch aus nichtarabischen Völkern rekrutiert (Haarmann, S.200).

ab 1000 ca.
Damaskus/Aleppo: Emir Zengi und weitere "Zengiden" werben unter den Kurden und Seldschuken für Söldnerdienste (Haarmann, S.200).

ab 11. Jh.
Bagdad: Es kommt zur Machtteilung zwischen der arabisch-quraysitischen Kalifenlinie und der fremden, meist turkmenischen Staatsmacht (Haarmann, S.219).

März 1000
Kairo: Ermordung von Wesir Barguwan - Machtergreifung von Kalif al-Hakim
Der 15-jährige ägyptische Kalif al-Hakim lässt den osteuropäischen Wesir Barguwan meuchlings ermorden und nimmt die Regierungsgeschäfte selbst in die Hand. Fortan bleibt Kalif al-Hakim ein misstrauischer Mensch, der seine Wesire lieber beseitigen als zu mächtig werden lässt (Haarmann, S.176).

1004
Afrika: Gegenkalifat Cyrenaika: Gegenkalif Abu Rakwa
Aufstand des arabischen Banu Qurra-Stammes am westlichen Rand des Nildeltas mit Berberstämmen Nordafrikas im Gebiet des heutigen Libyen, Luwata, Mazata, Zanata unter Führung eines ausgerufenen Gegenkalifen Abu Rakwa. Abu Rakwa behauptet, ein Umayyadenprinz zu sein. Die Aufständischen besetzen in der Cyrenaika die Stadt Barqa und besiegen mehrmals ägyptische Kalifentruppen (Haarmann, S.181).

1004
Kairo: Ermordung von Wesir Barguwan - Machtergreifung von al-Hakim
-- Dekret von Kalif al-Hakim zur Rechtfertigung der Machtübernahme
-- "Volkspolitik" al-Hakims: Diskriminierung und sunnitische Intoleranz
-- Rechtfertigung des Mordes an Wesir Barguwan
-- Versprechen einer "gerechten Regierung"
-- alle Untertanen sollen sich mit Anliegen direkt an ihn wenden

->> al-Hakim entscheidet über alle Eingaben, die beim Wesir eingehen, mit Reskript/ tawqi' am Rand oder auf der Rückseite

->> al-Hakim pflegt Ausritte und Entgegennahme von Petitionen während seiner Ausritte in die Umgebung Kairos

->> al-Hakim pflegt die Bekanntmachung von Dekreten vor der Volksversammlung von der Loge des Schlosshofs herab als "Hofprediger". Die Edikte werden dann in allen Freitagsgottesdiensten von den Kanzeln al-Qahiras / Kairos verkündet (Haarmann, S.176).

ab 1004
Der afrikanische Kalif al-Hakim als "Saubermacher" für das Sunnitentum
Al-Hakim will sein Ziel einer "idealen islamischen Gemeinde" mit einer "Lawine" von Dekreten erreichen und so ein "vorbildlicher" Lenker/imam sein.

Als Basis nimmt al-Hakim die Rechtsgrundsätze des grossen ismailitischen Rechtskompendiums "Stützen des Islam" ("Da 'a 'imal-islam'") des Qadi an-Nu 'man.

Zudem versucht al-Hakim, die Religionsfreiheit für die Sunniten gegenüber den Schiiten zu sichern. Damit nimmt al-Hakim seine Rolle als "Treuhänder Gottes" ("amin Allah") sehr ernst. Er erlässt Dekrete

wie z.B.
-- Überwachung von Massen und Gewichten
-- Beleuchtung und Feuerschutz der Altstadt
-- Tötung der zur Plage werdenden Hunde

-- Schutz des Rinderbestandes Ägyptens mit einem Schlachtverbot an den grossen muslimischen und christlichen Festen

-- Abschaffung einer Reihe unkanonischer Binnenzölle in den Nilhäfen und so Senkung des Brot- und Dattelpreises (Haarmann, S.177).

Der afrikanische Kalif al-Hakim als Vernichter der schiitischen Toleranz
Kalif al-Hakim verfügt Zwangserlasse, damit die Menschen seines Imperiums "gute Muslime" werden. Zuwiderhandlung wird mit Prügelstrafe geahndet:

-- Verbot des Genusses von Wein, Honigbier und Hirsebier und Bestrafung bei Zuwiderhandlung bis zur Vernichtung von Trauben, Rosinen und Honig

-- Verbot des Verzehrs von schuppenlosen Meerestieren, darunter die in Ägypten sehr beliebte Tellmuschel

-- Verbot einiger von Schiiten traditionell verpönten Gemüsesorten, so, wie es in den "Stützen des Islam" von an-Nu 'man geschrieben steht (Haarmann, S.177).

Frauenfeindliche Erlasse von Kalif al-Hakim
Zuwiderhandlungen werden mit Prügelstrafe geahndet:
-- obligatorisches Schleiertragen für Frauen
-- Verbot nächtlichen Ausgangs für Frauen
-- Verbot an der Teilnahme bei Begräbnissen für Frauen
-- Verbot des Besuchs öffentlicher Bäder und beliebter Ausflugsziele für Frauen (Haarmann, S.177).

Kairo: Dekrete von Kalif al-Hakim gegen Christen und Juden: Diskriminierungen - Auswanderung von Christen nach Nubien oder Syrien
Al-Hakim lässt durch Erlasse die Existenzen von Christen und Juden planmässig einengen und realisiert somit eine Diskriminierung, wie sie im sogenannten 'Umar-Vertrag festgelegt ist:

-- Prozessionen und Feste von Juden und Christen sind in der Öffentlichkeit untersagt

-- Glockengeläut und öffentliches Tragen von Kreuzen ist verboten

-- Kirchenneubauten werden abgerissen

-- Tragen von auffälligen Zeichen an der Kleidung wie Gürtel, schwarze Turbane und Kopftücher werden Pflicht

-- auch im Badehaus müssen Christen Kreuze und Juden Glöckchen tragen

-- al-Hakim beginnt den Kampf gegen die christlichen Regierungssekretäre, so dass viele der Betroffenen zum Islam übertreten.

Der starken Diskriminierung können Christen ausweichen, indem sie in das christliche Nubien oder in die syrischen Küstenstädte Latakia (Laodikeia) und Antiochien auswandern (Haarmann, S.178).

1005
Gegenkalifat Cyrenaika: Zerschlagung und Hinrichtung
Sieg der Truppen der ägyptischen Generäle al-Hakims gegen die aufständischen Banu Qurra und Berber in Nordafrika. Festnahme von Berberführer Abu Rakwa, Auslieferung nach Ägypten und Hinrichtung in Kairo / al-Qahira (Haarmann, S.181).

"Haus der Wissenschaft" in Kairo nach Vorbild Bagdads (von 830 n.Chr.)
Kalif al-Hakim kann das neue "Haus der Wissenschaft" in Kairo einweihen. Er folgt damit dem Vorbild Bagdads, wo 830 bereits ein "Haus der Weisheit" eröffnet wurde, das inzwischen wieder geschlossen ist. Kalif al-Hakim realisiert mit dem "Haus der Wissenschaft" die Öffnung von Wissen für die Öffentlichkeit:

-- die Kalifenbibliothek wird öffentlich zugänglich mit allgemeiner Erlaubnis zum Abschreiben von Werken

-- Anstellung wissenschaftlicher Lehrer in Recht, Tradition, Koran, aber auch Grammatik, Philologie, Logik, Mathematik, Astronomie und Medizin

-- mit Work-Shops unter den Gelehrten im Beisein des Kalifen
-- mit besonderer Förderung der Astronomie unter dem Astronom Ibn Yunus as-Sadafi, der eine "Hakimsche Tafel" zur Astronomie veröffentlicht (Haarmann, S.180).

1006
Kairo: Al-Hakims Beschlüsse zur Begünstigung der Sunniten: "Toleranzedikt"
--  die Duldungsgarantien lässt er militärisch durchsetzen
-- den schiitischen Gebetszusatz lässt er wieder zurücknehmen
-- Zusatzgebete am Vormittag und in Ramadan-Nächten lässt er zu

-- die Schmähungen der Prophetengefährten Abu Bakr, 'Umar und 'Utman u.a. an schiitischen Festen und Prozessionen lässt er verbieten

-- zeitweilig lässt al-Hakim sogar die schiitisch-ismailitischen Lehrsitzungen verbieten (Haarmann, S.178).

ab 1008 ca.
Ägypten/Palästina: Plünderung und Zerstörung von Kirchengütern im ägyptischen Imperium auf Befehl des Kalifen al-Hakim
Kalif al-Hakim beginnt mit Plünderungen in Klöstern und Kirchen. Es folgt die Zerstörung und Konfiszierung des kirchlichen Bodens. Es ist dies die nach ägyptischem Brauch legale Beschaffung von Geld bei Ebbe in der Staatskasse,

-- um die turkmenischen / seldschukischen Söldner zu bezahlen
-- um Geld zur Reparatur der verfallenen Moscheen aufzutreiben
wie dies vor ihm bereits andere ägyptische Regenten getan haben (Haarmann, S.179).

1009
Kairo: Al-Hakim erneuert das "Toleranzedikt" für die Sunniten
(Haarmann, S.178)

September 1009
Ägypten/Palästina: Dekret von al-Hakim zur Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem
Die Kirche Konstantins, die Grabrotunde und die Schädelstätte ("kranion") werden abgerissen (Haarmann, S.179).

Die christliche Glaubensgemeinschaft verliert mit der Zerstörung der Grabeskirche den Ausgangspunkt des Lichtermeeres an Ostern und rächt sich mit einer entstellenden Geschichtsschreibung, z.B. mit dem christliche Historiker Johannes von Antiochien (Yahya al-Antaki) u.a., was auch dem Abbasiden-Kalif in Bagdad nur dienlich ist (Haarmann, S.179).

ab 1009
Kairo: Aufkommender Widerstand gegen Sunnitenbevorteilung am Kalifenhof
Der Wesir des Afrikakalifen und dessen Hofgenossen beginnen, gegen die Sunnitenbevorteilung im ägyptischen Imperium Widerstand zu leisten. Al-Hakim muss seine Toleranz- und Schutzerlasse zum Teil zurücknehmen (Haarmann, S.178).



1010

um 1010
Kairo-Bagdad: Untergrundarbeit Ägyptens in Bagdad mittels Agenten
Ägyptische Missionare der Fatimiden, die gleichzeitig Geheimagenten sind, werben im Untergrund Bagdads für den ägyptischen Kalifen (Haarmann, S.186).

ab 1010 ca.
Maghreb: In Nordafrika existieren noch 47 christliche Bistümer
(Haarmann, S.186)

ab 1010 ca.
Ägypten/Palästina: Weitere Kirchenzerstörungen im ägyptischen Imperium auf Befehl von Afrikakalif al-Hakim
-- Zerstörung der Georgskirche in Ramla
-- Zerstörung der Marienkirche in Damiette
-- Zerstörung des Klosters Dayr al-Qasir über dem Grab des Heiligen Arsenios auf dem Muqattam bei Kairo (Haarmann, S.179).

Kirchenbauten, die unter der Herrschaft von Kalif al-Hakim erhalten bleiben:
oo  das Skete-Kloster bei Alexandrien
oo  das Katharinenkloster im Sinai
oo  die Kirche Mar Schenute
oo  die Marienkirche und weiter Kirchen in Alt-Kairo (Haarmann, S.179).

1011
Palästina/Mekka: Aufstand der Tayyi'-Stämme in Ramla: Gegenkalif al-Hasan - Ersticken des Aufstands durch Bestechung Ägyptens
Die Tayyi'-Stämme stehen unter Führung von Mufarrig b. Dagfal b. al-Garrah, der den Scherif von Mekka, al-Hasan b. Ga 'far, zum Kalifen ausrufen lässt. Gegenkalif al-Hasan lässt sich in Ramla als Kalif huldigen. Kalif al-Hakim versorgt die Tayyi'-Beduinen mit Geldlieferungen, so dass diese den von ihnen ausgerufenen Gegenkalif al-Hasan wieder vertreiben (Haarmann, S.181).

1011
Ägypten/Mesopotamien: Untergrundaktivität Ägyptens in Mosul und Kufa - kurze Erwähnung im Freitagsgebet
In Mosul und Kufa wird der afrikanische Kalif al-Hakim vorübergehend im Freitagsgebet als Schutzherr erwähnt und somit anerkannt. Mit der Erwähnung wollen sich die beiden Gebiete nördlich und südlich von Bagdad aber eher von der abbasidischen Zentralmacht abgrenzen. Eine Unterstellung unter Ägypten wird nicht angestrebt (Haarmann, S.181).

1012
Kairo: Baubeginn eines Observatoriums
unter Oberqadi Malik b. Sa 'id. Das Observatorium bleibt aber unvollendet (Haarmann, S.180).

1015 ca.
Kairo: Zwangserlass von Kalif al-Hakim gegen Frauen: Ausgangsverbot ohne männliche Begleitung
Kalif al-Hakim verfügt das Ausgangsverbot für Frauen, wenn diese ohne männliche Begleitung sind. Ausnahmen sind Frauen mit bestimmten Berufen wie Hebamme, Leichenwäscherinnen, Wasserträgerinnen, Friseusen etc.

Al-Hakims Regierung schneidet die menschlichen Freiheiten in seinem Imperium immer mehr ein (Haarmann, S.177).

1015
Ägypten wird Schutzmacht von Aleppo
Der Emir von Aleppo anerkennt den afrikanischen Kalifen in Ägypten, al-Hakim und wendet sich damit von Byzanz ab. Ägypten wird somit neue Schutzmacht und das nordsyrische Aleppo ist dem Zugriff des Byzantinerkaisers entrissen (Haarmann, S.181).

ab 1017
Ägypten: Entstehung des Drusen-Glaubens: Führer Hamza al-Labbad behauptet, das Paradies sei angebrochen
Bildung einer Glaubensgruppe in Kairo/al-Qahira, die im fatamidischen Imam-Kalifen al-Hakim eine Inkarnation Gottes sieht und die Botschaft vom Ende des islamischen Gesetzes verbreitet, weil das Paradies angebrochen sei (Haarmann, S.181).

Die Glaubensgruppe unter dem Ostiraner Hamza al-Labbad, der mit Traktaten den Inhalt des neuen Glaubens bestimmt, führt die ismailitische Ideologie und die Erlösungserwartung konsequent zu Ende: Die paradiesische Urreligion sei nun mit dem religiös-züchtigen Leben im Kommen. Gott müsse sich vor den Menschen und ihren Sünden nicht mehr verhüllen, weil die Sünden nicht mehr vorkommen würden.

Das Ziel der Menschheit sei erreicht, und der "Mahdi" werde die direkte Gottesregierung von vor der Sünde von Adam und Eva wieder herstellen. Das religiöse Gesetz wird somit nicht mehr nötig sein, denn die Menschen können nun auch ohne dieses Gesetz "sündlos" leben. Der Kalif al-Hakim sei Gott, und das Paradies sei angebrochen.

Diese Lehre wird vom Führer der Gruppe, Hamza al-Labbad, gelehrt, unterstützt von seinem Helfer Anustekin ad-Darzi, in einer kleinen Moschee nördlich von Kairo nahe der Stadtmauer. Mehrmals trifft sich Kalif al-Hakim mit Hamza. Dieser legt sich den Titel al-Hadi ("der Führer") zu.

Kalif al-Hakim gibt in der Folge nie eine eindeutige Stellungnahme zur Glaubensgruppe um Hamza al-Labbad ab. Seine Rechtsgelehrten, der oberste Qadi und der oberste religiöse Propagandist ("Da 'i") äussern sich jedoch scharf gegen Hamzas" Lehre des Paradieses (Haarmann, S.182).

ab 1018 ca.
Ägypten/Palästina: al-Hakim stellt die Kirchenzerstörungen ein
(Haarmann, S.179)

Juni 1019
Kairo: Demonstration der Hamza-Glaubensgruppe in einer Moschee - Verfolgung der Hamza-Glaubensgruppe als "Drusen"
An einer Demonstration einiger Hamza-Anhänger in der "Amr-Moschee in Alt-Kairo geben die Mitglieder ein lautstarkes Bekenntnis ab, dass Afrikakalif al-Hakim Gott selber sei. Im losbrechenden Tumult kommen drei Hamza-Anhänger zu Tode, und in Alt-Kairo kommt es zu Pogromen gegen die Hamza-Gruppe (Haarmann, S.182). Der Helfer Anustekin ad-Darzi wird als Hauptschuldiger verfolgt und flüchtet in den Kalifenpalast (Haarmann, S.182-183).

Dem Führer der Gruppe, Hamza al-Labbad, gelingt die Flucht in den Untergrund. Kalif al-Hakim gibt an, der Helfer Anustekin ad-Darzi sei hingerichtet. Man hört nie mehr etwas von ihm. Sein Name gibt der Gruppe die Bezeichnung, denn "Duruz" ("Drusen") ist der Plural von "Darzi".

Fortan entwickelt der Anführer, Hamza al-Labbad, weitere Traktate und vollendet den "Drusenkanon". In den drusischen Schriften gilt der Helfer Anustekin ak-Darzi fortan als Verräter, weil er in den Kalifenhof flüchtete (Haarmann, S.183).



1020

um 1020
Ägypten/Palästina: Beginnende Wiedergutmachung von Kalif al-Hakim gegenüber der Kirche
-- das Kloster Dayr al-Qasir wird in Ruinen zurückgegeben
-- die Grabeskirche in Jerusalem wird in Ruinen zurückgegeben...

Die Gemeinde des zerstörten Klosters Dayr al-Qasir erhält seinen geraubten Besitz vom Kalifen al-Hakim zurück. Das Kloster wird unter al-Hakims Anteilnahme wieder aufgebaut.

In Jerusalem setzt Kalif al-Hakim einen neuen Patriarchen ein (Haarmann, S.179).

ab 1020 ca.
Kairo: Vertreibung der Drusen-Gruppen aus Ägypten
Unter Afrikakalif al-Hakim kommt es zu einer planmässigen Verfolgung der Drusen, die sich in die Gebirgstäler zwischen Libanon und Hermon fürchten müssen (Haarmann, S.183).

13.2. 1021
Kairo: Verschwinden von Kalif al-Hakim - Übernahme des Regimes durch Schwester Sitt al-Mulk und Kalif az-Zahir
Kalif al-Hakim kommt von einem seiner Ausritte in die östliche Wüste nicht mehr zurück. Sein Esel und seine zerfetzten Gewänder werden gefunden.

Die Schwester des Kalifen, Sitt al-Mulk, übernimmt tatkräftig die Regierung des ägyptischen Imperiums und lässt den Häuptling der Kutama-Berber, Ibn Dawwas, und zwei seiner Sklaven als Kalifenmörder hinrichten. Seither streiten sich Historiker, ob die Schwester selber den Auftrag zum Mord gegeben habe und Ibn Dawwas vielleicht nur Mitwisser war.

Die Drusen interpretieren den Tod von al-Hakim als Strafe für die Menschheit, denn der personifizierte Gott habe sich erneut verhüllt, weil die Menschen ihre Erlösung nicht angenommen hätten (Haarmann, S.183).

1021-1036
Kairo: Nachfolge von Kalif al-Hakim: az-Zahir
(Haarmann, S.183)

1021
Kairo: Sitt al-Mulks Hauptsorge ist die Sicherung Syriens gegen Byzanz
(Haarmann, S.184)

ab 1021
Kairo: Erbarmungslose Verfolgung der Drusen
Die Drusen werden auch in Syrien und Palästina verfolgt. Sie können dank der einsetzenden Kreuzzüge in den Tälern des Libanon überleben, da die ägyptische Macht zurückgeht (Haarmann, S.183).

ab 1021
Kairo: Ägypten schliesst rangmässig zu Byzanz auf
Kalif az-Zahir kann die Rolle Ägyptens als Handelsdrehscheibe der Welt ausbauen. Ägypten wird gegenüber Byzanz ebenbürtig (Haarmann, S.183) und rivalisiert von Süditalien bis Syrien um die Vorherrschaft im östlichen Mittelmeer.

Ein Bündnis mit der jemenitischen Vasallendynastie gibt der ägyptischen Politik Raum bis zur Südküste der arabischen Halbinsel.

Der Kalif versucht die Ausdehnung der Macht auf den Irak und den persischen Golf (Haarmann, S.184).

1023
Kairo-Byzanz: Verhandlungen über Friedensverlängerung
Im Auftrag der Kalifenschwester Sitt al-Mulk verhandelt der ägyptisch-gebürtige Jerusalemer Patriarch Nikephoros in Konstantinopel mit dem byzantinischen Kaiser Basileios II. über einen neuen Friedensvertrag (Haarmann, S.184).

1025
Syrien: Vereinter Aufstand der drei Beduinenstämme in Syrien  gegen Ägypten - Byzanz bleibt neutral und hilft den Beduinen nicht
Die Beduinenstämme der Kilab (unter Fürst Ibn Midras in Aleppo), der Kalb der Palmyrene (in Damaskus) und der Tayyi' (aus Palästina) versuchen den vereinten Aufstand gegen Ägypten, indem sie die Hauptstädte besetzen. Die Tayyi' können al-'Aris niederbrennen und bedrohen Ägypten mit einem Zug nach Westen. Gleichzeitig rufen sie den byzantinischen Kaiser um Hilfe, aber Basileios II. folgt dem Friedensvertrag mit Kairo/al-Qahira, so dass ägyptische Truppen die Gegenangriffe gegen die betroffenen Gebiete aufbauen können (Haarmann, S.184).

1025 ca.
Libanon: Tod des Drusenchefideologen Hamza al-Labbad - Nachfolger Baha' ad-din al Muqtana
Er führt von Alexandrien die Werbung für die Drusen-Lehre weiter, währenddessen die Verfolgungen gegen die Drusen weitergehen (Haarmann, S.183).

1027
Jerusalem: Kalif az-Zahir erlaubt den Wiederaufbau der Grabeskirche
Zudem gestattet er den ehemals christlichen Hofbeamten, die unter Zwang zum muslimischen Glauben konvertieren mussten, die Rückkehr zum christlichen Glauben mit Berufung auf Koranvers 2,256:

"Es gibt keinen Zwang in der Religion", obwohl das islamische Recht den Abfall vom Islam mit dem Tod bedroht (Haarmann, S.179).

1029
Palästina-Syrien: Ägyptische Niederschlagung des Beduinenaufstandes
Ägyptische Truppen unter dem türkischen Gouverneur von Damaskus, Anustekin, können die Koalition der aufständischen Beduinenstämme Kilab, Kalb und Tayyi' zerschlagen (Haarmann, S.184).



1030

Jerusalem: Ein erneuter Versuch von Byzanz, Jerusalem zu erobern, scheitert
(Haarmann, S.192)

ab 1030
Persien: Turkmeneninvasion in Iran mit Häuptlingsfamilie der Seldschuken mit Stammvater Seltschuk
Die Seldschuken/Turkmenen besetzen in wenigen Jahren ganz Zentralasien und Ostiran (Haarmann, S.186).

ab 1030 ca.
Sizilien, Ifriqiya: Abnehmender Einfluss Kairos/al-Qahiras auf Sizilien und Nordafrika
Der Einfluss des Kairoer Kalifen  wird schwächer, was sowohl den Emir von Palermo wie auch den Kontakt zu den Emiren im Maghreb betrifft, die jeweils ihre Einsetzungsurkunden gegen Geschenke und Geld erhalten.

Der Vizekönig des Maghreb, der Ziride al-Mu 'izz b. Badis mit Residenz in Kairuan (heute Tunesien) kann u.a. in Sizilien einen Emir eigener Wahl gegen den Willen des ägyptischen Kalifen durchsetzen. (Haarmann, S.185).

1031
Spanien: Ende des Kalifats in Córdoba
(Haarmann, S.185)

1033-1034
Jerusalem bekommt eine neue Ringmauer aus Kirchen- und Klostersteinen
Afrikakalif al-Zahir lässt um das byzantinische Hauptziel Jerusalem eine Ringmauer bauen. Dazu lässt er Kirchen und Klöster abreissen.

Parallel dazu erfolgen neue Verhandlungen mit Byzanz  mit Kaiser Romanos III. Argyros und Michael IV. Die Verhandlungen ziehen sich bis 1038 hin. Byzantinische Forderungen sind:


-- Beibehalten der Lehenshoheit über Aleppo
-- direkte Einflussmöglichkeit auf Jerusalem und die Hoheit, den dortigen Patriarchen zu ernennen
-- Erlaubnis zum Aufbau der Grabeskirche, die mit Hilfe von Byzanz wieder aufgebaut werden könnte
-- Wiederaufbau der anderen von Kalif az-Zahir zerstörten Kirchen
-- Einstellen der Plünderungszüge des Emirs von Palermo im byzantinischen Kalabrien und Apulien (Haarmann, S.184).

1036-1094
Kairo: Afrikanisches Kalifat al-Mustansir
(Haarmann, S.183)

1038
Ägypten-Byzanz: Friedensvertrag auf 30 Jahre
(Haarmann, S.184)

Persien: Turkmenischer Eroberungsplan von Togrilbeg
Togrilbeg, der Seldschukenführer, lässt sich jetzt bereits als "Sultan" anreden und kündigt die Vernichtung des fatimidisch-ägyptischen Kalifats an (Haarmann, S.186). Ausserdem verkündet er die Eroberung Mekkas und Medinas (Haarmann, S.187).

1038
Ägyptisches Bündnis mit Jemen
Ein ismailitischer Missionar reisst in Jemen die Herrschaft an sich und begründet die Dynastie der "Sulayhiden" von Sanaa (San 'a'). Jemen bewährt sich in der Folge als Bündnispartner des ägyptischen Kalifen (Haarmann, S.187).

ab 1038
Ägypten/Palästina: Wiederaufbau der Grabeskirche - Rücknahme diskriminierender Gesetze
Die Grabeskirche in Jerusalem wird mittels Planung von byzantinisch-griechischen Architekten wieder aufgebaut. Die Christen in Syrien und Ägypten erhalten die Toleranz zurück, die von Kalif al-Hakim eingeschränkt worden war (Haarmann, S.184).



1040

1043
Libanon: Drusische Lehre wird Geheimlehre
Drusenführer Baha' ad-din al-Muqtana stellt unter dem Druck der Verfolgung die Drusenmission ein. Die Lehre wird zu einer Geheimreligion für "Eingeweihte", die nur in den Gebirgsklausen gelehrt wird. Die grosse Masse der "Unwissenden" bleibt von der Lehre bis in die 1980-er Jahre ausgeschlossen (Haarmann, S.183).

1048
Ägypten-Byzanz: Erneuerung des 30-jährigen Friedens
auch wenn noch gar nicht 30 Jahre vergangen sind (Haarmann, S.184).

ab 1048 ca.
Ifriqiya: Unabhängigkeitsbestrebungen in Kairuan
Der Vizekönig des Maghreb strebt die Unabhängigkeit von Kairo an (Haarmann, S.185).



1050

1051
Ifriqiya: Unabhängigkeitserklärung des Maghreb von Ägypten - Huldigung an Bagdads Kalifat
Der Vizekönig, der Ziride al-Mu 'izz b. Badis, lässt den Bagdader im Freitagsgebet dem Kalifen al-Qa 'im huldigen und erhält zusätzlich noch ein Bestallungsdiplom aus Bagdad (Haarmann, S.185).

ab 1051
Ägyptens Reaktion auf die Unabhängigkeit des Ifriqiyas: Beduinenvertreibungen - Arabisierung
mit Anstiftung "lästiger" Beduinenstämme aus Nubien zu Raubzügen im Maghreb: die Banu Hilal und Banu Sulaym. Diese Stämme ziehen plündernd in die Cyrenaika durch den Maghreb und sollen so Nordafrika destabilisieren. Plünderung von Barka (Haarmann, S.185).

Nordafrika wird mit den Beduinenplünderungen mehr und mehr arabisiert und die Siedlungs- und Wandergebiete der Maghreb immer mehr eingeschränkt. Die Kirchen und Bistümer  in den Berberstädten weichen rasch dem Islam. Ab diesem Zeitpunkt hören die lateinischen Inschriften in Grabsteinen auf Friedhöfen in Nordafrika auf (Haarmann, S.186).

Ersatzbeduinen
Das Kalifat selbst siedelt westlich des Nildeltas die Tayyi'-Clans aus Palästina und dem Sinai anstelle der entfernten Banu-Quarra-Beduinen an (Haarmann, S.185).

1053
Ifriqiya: Bistumssterben in Nordafrika
Von den 47 Bistümern in Nordafrika existieren noch fünf. Der vulgärlateinische Dialekt in Afrika schwindet rapid und hält sich nur noch in abgelegenen Oasen, z.B. Gafsa (Qafsa) (Haarmann, S.186).

1054
Ägypten: Hungersnot - Byzanz unter Kaiser Konstantin IX. Monomachos hilft Ägypten mit Getreidelieferungen
(Haarmann, S.185).

Ifriqiya: Die beduinischen Stämme aus Nubien und Ägypten belagern die Maghreb-Hauptstadt Kairuan
(Haarmann, S.185)

1055
Byzanz: Kaiserin-Nachfolgerin von Byzanz, Theodora, verlangt von Ägypten die Beteiligung an einem Militärbündnis
quasi als Gegenleistung für die Hungerhilfe von 1054. Ägypten verweigert jedoch das Militärbündnis und der Friede zwischen Byzanz und Ägypten geht in die Brüche (Haarmann, S.185).

18.12.1055
Bagdad: Togrilbeg wird offiziell als Bagdader Sultan anerkannt - umworbener al-Basasiri
Nach der Anerkennung Togrilbegs als Sultan scharen sich schiitische und anti-seldschukische Kräfte um den türkischen Offizier Arslan al-Basasiri, der mittels ägyptischer Waffen und Gelder Unruhen um den Bagdader Kalifenhof schürt.

In der Folge muss Togrilbeg vorübergehend Bagdad verlassen (Haarmann, S.187).

ab 1055
Ägypten-Byzanz: Neue Kriege - wieder Kirchenraub in Jerusalem
Die Kämpfe in Nordsyrien zwischen Byzanz und Ägypten flammen erneut auf. Afrikakalif al-Mustansir lässt u.a. die neue Grabeskirche in Jerusalem ausrauben (Haarmann, S.185).

1057
Ifriqiya: Der Vizekönig des Maghreb gibt Kairuan auf und zieht in die Seefestung Mahdiyya
(Haarmann, S.185)

Dez 1058
Ägyptische Besetzung von Bagdad
Al-Basasiri zieht in Bagdad ein, lässt die abbasidischen schwarzen Fahnen einziehen und lässt ägyptisch-fatimidische weisse Fahnen hiessen. Dem Kalifen al-Mustansir in Kairo wird im Bagdader Freitagsgebet gehuldigt. Die Amtskleidung des abbasidischen Kalifen, ein schwarzer Mantel mit schwarzem Turban, wird als Beweis der Besetzung Bagdads nach Kairo gesandt (Haarmann, S.187).

ab 1058 ca.
Ägyptische Agententätigkeit im Iran und Indien
Überall im seldschukischen Iran wirken die Missionar-Agenten von Kalif al-Mustansir, bis in die Hochtäler des Hindukusch, Pamir, und Nordwest-Indiens (Haarmann, S.187).

1059
Ägypten: Höhepunkt der Macht: von Bagdad bis zur Cyrenaika
Ägypten befindet sich auf dem Höhepunkt seiner imperialen Ausdehnung. Ägyptens Heerführer Al-Basasiri  erhält von Ägypten aber keine Unterstützung, obwohl er ganz Mesopotamien regiert. Kalif al-Mustansir scheint ihm zu misstrauen, oder der Nachschub wird auf der Transportlinie unterbrochen (Haarmann, S.187).



1060

Bagdad: Seldschukenführer Togrilbeg zieht wieder in Bagdad ein
Al-Basasiri muss aus Bagdad abziehen. Es folgt eine grosse Seldschukeninvasion in Syrien und im Hedschas (Haarmann, S.187).

ab 1061 ca.
Unruhen in Ägypten nach der  Niederlage in Bagdad
Türkische und berberische Truppen verbünden sich gegen die "schwarzen Garden" des ägyptischen Hofs. Es kommt zu Schlachten vor den Toren Kairos (Haarmann, S.188).

Italienische Seerepubliken in Palästina
Die italienischen Seerepubliken besitzen ein Kloster mit Hospital und Kirche in Jerusalem, das "Santa Maria de Latina" (Haarmann, S.190).

1062
Der Maghreb kommt wieder unter ägyptische Kontrolle
(Haarmann, S.187)

ab 1065 ca.
Waffenstillstand zwischen Ägypten und Byzanz
(Haarmann, S.185)

ab 1065
Wiederholte niedrige Nilhöhen - Hungersnot in Ägypten
Wiederholte unzureichende Nilhöhen haben Hunger und Teuerung in Ägypten zur Folge. Zusätzlich brechen Seuchen aus. Dazu kommen die laufend sich erhöhenden Kosten für die Armee. Die alljährlichen Getreidelieferungen an die heiligen Stätten Mekka und Medina müssen unterbleiben (Haarmann, S.188).

1068
Zahlungsunfähigkeit Ägyptens
Der Afrikakalif al-Mustansir gibt öffentlich die Zahlungsunfähigkeit des ägyptischen Imperiums bekannt.
Der Scherif von Mekka sucht in der Folge einen neuen Schutzherrn und bekommt sofort Kontakt zum Seldschukensultan Togrilbeg (Haarmann, S.188).

Weil das ägyptische Heer jährlich 400.000 Dinar verschlingt, muss das Kalifat die Staatsschätze angreifen und u.a. 7 mudd (= 126 Liter) Smaragde verkaufen, was  ca. 300.000 Dinar entspricht (Haarmann, S.191).

1069
Eröffnung einer ägyptischen Gesandtschaft in Byzanz
(Haarmann, S.185)



1070

Das Kalifat Kairo verliert seine Anerkennung in Mekka und im Nildelta
Der Scherif von Mekka anerkennt den Kalif in Bagdad wieder als "rechtmässigen Kalifen" an. Auch in Alexandrien, Damiette und in anderen Städten des Nildeltas lässt die Generalität Ägyptens den Abbasidenkalifen von Bagdad im Freitagsgebet huldigen.

Der palästinensische Küstenstreifen mit Akkon und Askalon kann sich unter dem Mamlukken-Offizier Badr al-Gamali weiter ägyptisch behaupten (Haarmann, S.188).

ab 1070 ca.
Rückzug der Berber vor der Arabisierung
Die Berber ziehen sich vor den plündernden Beduinen nach und nach ins Gebirge zurück, um den Gabal Nafusa in Tripolitanien, um den Awras, den Hutna, die Kabylei im heutigen Algerien und die Atlasketten des heutigen Marokko (Haarmann, S.186).

1071
Syrien: Aleppo wird seldschukisch
Aleppo unterwirft sich dem Seldschukensultan Alp Arslan als dem neuen "Beschützer des rechtmässigen Kalifen" (Haarmann, S.187).

19.8.1071
Anatolien: Seldschukischer Sieg gegen Byzanz - beginnende "Islamisierung" Anatoliens
Das Seldschukenheer besiegt das byzantinische Heer unter Kaiser Romanos IV. Diogenes beim armenischen Ort Mantzikert nördlich des Van-Sees.

Damit ist das griechisch-kleinasiatische Gebiet der folgenden islamischen Besetzung und der "Islamisierung" ausgeliefert (Haarmann, S.187).

ab 1071
Jerusalem kommt ab dem Feldzug des türkischen Offiziers Atsiz unter die Gewalt des Emirs von Damaskus (Haarmann, S.194).

1072 ca.
Jerusalem: Abbasidisch-seldschukischer Vorstoss und Besetzung Jerusalems
Von Aleppo aus stösst Heerführer Alp Arslans mit seldschukischen bagdadtreuen Truppen weit nach Süden vor und kann Ramla und Jerusalem besetzen. Damaskus wird belagert (Haarmann, S.187).

1072
Kairo: Abbasidische Besetzung
Der Fatimidenkalif al-Mustansir wird in seinem Palast eingekesselt (Haarmann, S.188).

ab 1072 ca.
Grosse Aufstandsbewegung gegen das Fatimidenkalifat in Alexandrien
-- arabische Stämme plündern Nubien aus
-- Aufstand des Luweta-Stammes im Nildelta (Haarmann, S.188).

1073
Kairo: Kalif Al-Mustansir holt Offizier Badr al-Gamali  aus Palästina
ein Mamlukkenoffizier, mit einer Truppe meist armenischer Söldner aus Palästina. Er soll von Damiette aus Kairo beschützen (Haarmann, S.188).

Jan 1074
Kairo: Rettung durch Offizier Badr al-Gamali aus Palästina mit einer Militärdiktatur
Nach der Ankunft der Söldnertruppe von Offizier Badr aus Palästina lässt der Kalif die berberischen und türkischen Truppen in Ägypten auflösen und durch die zumeist armenischen Söldner ersetzen. Badr al-Gamali wird neuer Wesir und erhält den Auftrag, Ägypten aus der Krise zu führen (Haarmann, S.188). Badr al-Gamali etabliert in Ägypten eine Militärdiktatur (Haarmann, S.191).

1074-1077
Ägypten: Die Feldzüge von Wesir Badr zur "Befriedung" Ägyptens
Wesir Badr al-Gamali und seine vorwiegend armenischen Söldnertruppen unternehmen Feldzüge zur "Befriedung" Ägyptens:
-- Erstürmung des rebellischen Alexandrien
-- Besiegung des aufständischen Berberstamms der Luweta im Nildelta
-- Besiegung der arabischen Stämme, die Oberägypten/Nubien ausplündern (Haarmann, S.188).

1076
Damaskus fällt unter die Regierung Bagdads - Askalon und Akkon bleiben ägyptisch
(Haarmann, S.187-188).

Februar 1077
Ägypten: Sieg der Söldnertruppen von Wesir Badr al-Gamali im Nildelta Truppen aus Damaskus
(Haarmann, S.188)

ab 1077
Wirtschaftliche Erholung Ägyptens mit Erlassung der haradsch-Steuer für drei Jahre
(Haarmann, S.188)

1087
Kairo: Bau einer neuen Stadtmauer um Kairo/al-Qahira
mit den Stadttoren Bab Zuwayla im Süden und Bab an-Nasr sowie Bab al-Futuh im Norden (Haarmann, S.188).



1090

ab 1090 ca.
Kreuzzugsmotive
-- Kampf gegen "Ungläubige"
-- zentrale Bedeutung hat die Herrschaft über die Heiligengrabeskirche (Prutz, S.429).

1092
Bagdad: Ermordung des seldschukischen Wesirs Nizam al-Mulk
durch ismailitische Agenten des ägyptischen Kalifenhofs (Haarmann, S.192).

1094
Kairo: Tod des Militärdiktators und Wesirs Badr al-Gamali - Nachfolger Sohn al-Afdal
(Haarmann, S.191)

Dez 1094
Kairo: Tod des Kalifen al-Mustansir - Nachfolger Sohn Nizar - Krieg des Wesirs gegen den Thronfolger
Nizar lässt sich in Alexandrien zum Kalifen ausrufen, gestützt auf die arabischen Stämme im Nildelta. Seine Stammestruppen werden von Truppen des Wesirsohnes al-Afdat besiegt. Thronfolger Nizar wird eingekerkert (Haarmann, S.191).

Anfang 1095 ca.
Kairo: Wesir al-Afdal lässt Thronfolger Nizar heimlich umbringen und setzt die Erhebung des jüngeren Prinzen Ahmad al-Musta 'li durch - "Nizaristen"-Abspaltung
Mit diesem Schritt hat Wesir al-Afdat gegen die heiligen Nachfolgegesetze der ismailitischen Imamatslehre verstossen. Die Spaltung der ismailitischen Anhänger in Ägypten ist unausweichlich. Ein Teil hält an einem Kalifat und Imamat Nizars fest und behauptet unter dem Propagandisten und Missionar Hasan-i Sabbah, Nizar sei nur entrückt und werde bald wieder erscheinen. Diese Behauptung ist möglich, weil niemand den Tod Nizars beobachten konnte.

Die "Nizaristen" wandern aus, nehmen die persische Burg Alamut südlich des Kaspischen Meeres als Sitz (Haarmann, S.191) und verüben von dort aus politische Anschläge und Attentate auf sunnitische, fatimidische und christliche Herrscher und Institutionen. Die Attentäter, die in Iran, Syrien und Ägypten operieren, nennen sich die "sich Opfernden" ("fida 'iyyun") und werden von den Kreuzfahrern "assassini" genannt (Haarmann, S.192).

ab 27.11.1095
Frankreich: "Glaubensenthusiasmus" mit "Heiligem Georg" als Gegenfigur zu Muhammad
In Frankreich verbreitet sich ein noch nie dagewesener "Glaubensenthusiasmus". Der "Heilige Georg" wird mit einem heiligen weissen Pferd und einer heiligen weissen Fahne zum Vorbild propagiert (S.38). Er wird zum Pendant des kämpferischen Propheten Muhammad in der Rüstung des heiligen Jakob von Compostela (Hunke, S.39).

Das Deutsche Reich verweigert die Kreuzzüge
Das Deutsche Reich macht nicht mit, auch weil in Clermont der deutsche Kaiser in seiner Autorität angegriffen wurde (Hunke,S.52).

Das Deutsche Reich betreibt die "Mission" östlich von Elbe und Weichsel, die Besiedlung und Kultivierung und ist mit "Arbeit" völlig ausgelastet. Es schliessen sich nur kleine Gruppen deutscher Pilger oder Kreuzfahrer an. Frankreich reagiert "übel" auf die deutsche Passivität und fühlt sich als Bannerträger "Christi", als Vorhut und Führer der gesamten "Christenheit" (Hunke,S.52).

Kirchliches Feindbild gegen die Muslime
-- Muslime seien "unkeusche Teufel"
-- Muslime seien "wüste Götzenanbeter", die ihren Abgott Christen opfern (Hunke,S.83)
-- die Kirchenfürsten bezeichnen die Muslime als "gemeines Gezücht" (Hunke,S.84).

Gleichzeitig verflucht die arabische Welt die Christen mit dem Spruch: "Allah verdamme ihn!" (Hunke,S.84)

ab 1095 ca.
Ägypten: Reformen für neuen Wohlstand
Reform im Münzwesen und Steuerwesen sowie der Finanzverwaltung (Haarmann, S.194). Wesir al-Afdal setzt das "Werk" seines Vaters fort. Die Reformen geben Ägypten wieder ökonomischen Wohlstand (Haarmann, S.195).

1096-1099
Erste Kreuzzüge zur "Rettung des heiligen Landes"
Die englischen und französischen Kreuzzugsheere, die durch deutsches Gebiet ziehen, werden als "Narretei" bezeichnet, die Kreuzfahrer ausgelacht (Hunke,S.52).

Die "Kreuzfahrer"
-- müssen jahrelange Märsche durch Europa und Kleinasien auf sich nehmen und zum Teil unverhoffte Widerstände überwinden

-- müssen Entbehrungen, Hunger, Hitze, Strapazen auf sich nehmen, die den Fanatismus gegen den Islam zusätzlich steigern, so dass es zu unglaublichen Bluttaten kommt, die in der islamischen Welt bis heute nicht vergessen sind (Hunke, S.51)

[-- und die Kreuzzüge sind laufend von Pogromen gegen Juden begleitet].

1096
Italien: Geldgier von Genua, Pisa und Venedig als Mitverursacher der Kreuzzüge
Die italienischen Handelsstädte Genua, Pisa und Venedig mit ihren mächtigen Patrizierfamilien sind Mitinitianten der Kreuzzüge. Sie hoffen auf vermehrte Handelsstationen auf den Ost-West-Handelsrouten und auf neue Profite.

Ohne die Flotten dieser Städte wären die Kreuzzüge gar nicht durchführbar. Die Benutzung der Flotten lassen sich die Städte entschädigen: mit königlichen Privilegien in Palästina, Syrien oder Ägypten. Somit sind ihnen gute Handelsprofite sicher (Haarmann, S.211).

1096
Levante: 1.Kreuzzug zum "heiligen Grab"
vom französischen Adel mit normannischer Unterstützung geführt (Hunke, S.41).

Jerusalem: Belagerung durch fatimidisch-ägyptische Truppen
(Haarmann, S.194)

ab 1096  ca.
Persien: Die Nizaristen zerstören die ägyptisch-fatimidische Mission in Iran
Das ägyptische Kalifat kann somit keine innere Manipulation gegen die Seldschuken und Abbasiden in Bagdad mehr betreiben (Haarmann, S.192).

Kreuzzüge sind Autoritätsorgien der Kirche
Der Papst benutzt die Kreuzzüge, um die Autorität des deutschen Kaisers zu untergraben und die Autarkie des Deutschen Reiches gegenüber Rom zu zerstören (Hunke, S.56-57).

Palästina: Die Kreuzfahrer stürzen sich auf Zuckerrohrplantagen - Horizonterweiterung 
Der Saft des Zuckerrohrs ist beliebt, weil die Kreuzzügler auf ihren langen Märschen in der Hitze fast verdursten. Sie nennen den Zuckersaft "wilden Honig"(HunkeS.112). Ritterfahrten in den Orient sind wie eine Horizonterweiterung: eine Befreiung von der Eingeengtheit und den dauernden Sündpredigten der Rom-Kirche (Hunke, S.120).

[Und bei beiden Autoren, Haarmann (Hrsg.) und Hunke fehlt die Erwähnung der Pogrome an der jüdischen Bevölkerung in Europa wie in Palästina während der Kreuzzüge].

1096-1098
Erste Konfrontation zwischen europäischen und arabischen Taktiken: "Pfeilregen"
Die arabischen Bogenschützen auf Pferden kämpfen in dichten Rudeln, schiessen aus bis zu 80 m Entfernung und treffen Reiter und Pferd (Hunke, S.127).

In der Folge können die europäischen Reiter ihre Nahkampfwaffen Speer, Schwert und Schild kaum einsetzen. Wilhelm von Tyrus schildert "Pfeile wie Wolken von Heuschrecken", die Kreuzritterpferde fallen reihenweise. Die Kreuzritter versuchen, die Distanz durch schnellen Ritt zu überwinden. Die Araber / Muslime flüchten schnell und sammeln sich aus Distanz für einen neuen "Pfeilregen" (Hunke, S.127).

Die europäischen weitmaschigen Panzerhemden schützen kaum (Hunke, S.128).

Arabische Musikkorps vor den Truppen - die Kopie in Europa
Es ist arabischer Brauch, dass den arabischen Truppen Musikkorps vorausreiten, mit Fanfaren, Posaunen, Zymbeln, Trompeten, Querflöten, Pfeifen, Trommeln, Pauken, auf Kamelen, oft von Frauen oder Knaben gespielt. Der Eindruck soll den Gegner überwältigen, vor allem die Wucht und Unheimlichkeit der Pauken (Hunke, S.132) und der Schlachtruf Allahu akbar/"Gott ist der Grösste". Das christliche Heer aber lässt sich nicht verwirren (Hunke, S.133).

ab Juni 1098
Europäisch-"christliche" Invasion in Palästina
Weder der byzantinische Kaiser noch die seldschukischen Truppen noch die syrischen Emire können oder wollen die Kreuzfahrer an der Besetzung palästinensischen Gebietes hindern (Haarmann, S.194).

Christliche Besetzung von Antiochien
mit erbarmungslosem christlichem Massaker an der muslimischen Bevölkerung (Hunke, S.64).

Ende Juni 1098 ca.
Christliche Besetzung Ramlas
(Haarmann, S.194)

September 1098
Ägyptische Besetzung Jerusalems
Jerusalem wird nach der jahrelangen Belagerung durch fatimidisch-ägyptische Truppen besetzt (Haarmann, S.194).

ab 1098
"Kreuzzüge": Bau christlicher Burgen auf arabischen Burgruinen
Die Kreuzfahrer müssen sich von Burg zu Burg durchkämpfen, erben zum Teil arabische Burgruinen, auf die sie christliche Burgen bauen. An den ausgebauten arabischen Burgen bleiben die Christenheere hängen, denn 3-5m dicke Mauern, breite Festungsgänge und zwei breite und tiefe Gräben sind kaum überwindbar.

Diese Burgbauweise wird gleichsam zum Vorbild für neue christliche Burgen in Palästina und Europa (Hunke, S.123).

Christlicher Burgenbau in Palästina ist arabische Kopie
Die Franken stellen arabische Baumeister an, um die arabischen Burgen für die Christen neu zu errichten, frei nach dem Kreuzfahrersprichwort: "Eine zerstörte Burg ist schon halb erbaut", so z.B.
-- die Burg des Johanniterordens: Margat
-- die Burg des Chevaliers, die ehemalige arabische Burg Kalat el-Husn (Hunke, S.123).

Die Kreuzfahrer erlernen das System der Doppelbefestigung mit dem durch zwei Mauerzüge gebildeten Zwinger zum Schutz gegen Belagerungsmaschinen und Unterminierungen sowie neue Belagerungstechniken (Hunke, S.123), v.a. diejenigen Kreuzfahrer, die von Byzanz aus Burg für Burg in Palästina und Syrien erobern müssen (Hunke, S.124).

Mit diesen Erfahrungen führen die Kreuzzugsteilnehmer in Europa die arabische Burgarchitektur ein:

-- Zinnen, die wie ein laufendes Ornament bei Burgen und Stadtmauern angebracht werden, die in ganz Europa zum beliebten Wappenmotiv werden

-- Vierecksburgen, die ein neues Verteidigungskonzept nach Deutschland bringen gegenüber der alten Ringburg mit dem Bergfried in der Mitte (Hunke, S.124)

-- Pech- und Ölspalte über dem Eingangstor, in Pechnasen in Europa eingeführt
-- Fallgitter am Tor
-- oft: verschobene Toreingänge wie in Djerba/Dscherba (Hunke, S.125). 

1098/1099
Erster Kreuzzug: Christliche Besetzung der syrischen Küste und Palästinas
Die christliche Invasion in Syrien stösst auf keinen koordinierten Widerstand (Haarmann, S.192).

ab 1098
Italien-Ägypten: Erhöhter Handel der italienischen Seestaaten mit Holz und Pech
Während der Kreuzzüge nehmen die Pech- und Holzlieferungen der Reeder der italienischen Seerepubliken zu. Neben Amalfi und Genua sind nun auch Pisa und Venedig in den Büchern Ägyptens verzeichnet. Die Kriegsprofite bleiben lukrativ und das Risiko einer Kaperung oder Bestrafung durch Byzanz oder Rom scheint  minimal (Haarmann, S.190).

15.7. 1099
Jerusalem christlich besetzt
durch Erstürmung gegen eine schwache fatimidische Garnison (Haarmann, S.194). Die europäisch-christlichen Besetzer vertreiben die muslimische Herrschaft.

Erst jetzt, wo die Stadt christlich regiert wird, rückt die "Heiligkeit" der Stadt für den Islam wieder ins allgemeine muslimische Bewusstsein (Haarmann, S.192).

Die christliche Besetzung Jerusalems erfolgt mit einem erbarmungslosem christlichem Massaker an der muslimischen Bevölkerung (S.64). Das französisch-englisch-christliche Massaker in Jerusalem ist u.a. geschildert von Dichter Mosaffer Allah Werdis, der zum Dschihad aufruft (Hunke, S.51).

Ende 1099 ca.
Erster Kreuzzug: Die Ägyptische Reaktion auf die christliche Invasion kommt zu spät - ägyptische Truppen werden zerschlagen
Erst 1099 ca. reagiert Ägyptens Wesir al-Afdal und lässt bei Askalon Truppen zusammenziehen, die von den europäisch-christlichen Truppen aber noch vor deren Angriff auseinandergetrieben werden (Haarmann, S.194).

ab 1099
Kreuzzugszeit: Keine Annäherung zwischen Christentum und Islam in Palästina
Zwischen den beiden Religionen kommt es zu keiner Annäherung. Kirche und Ritterorden verhindern mittels Feindbildern und Propaganda die geistige Auseinandersetzung mit dem Islam. Übersetzungen und Wissensvermittlung findet in den Kreuzfahrerstaaten kaum statt (Haarmann, S.214).



1100

Anfang 12. Jh.
Französisch-christliche Geschichtsschreibung: Frankreich als "Retter" vor dem Islam
Historiker Guibert von Nogent behauptet, Frankreich habe die Welt vor dem Islam gerettet, während Deutschland sich nicht beteiligt habe (Hunke, S.52).

"Rolandslied" in Nordfrankreich
beschreibt den Kampf der Nachhut Karls "des Grossen" von 778 mit den Basken als christliches "Heldenepos" gegen die Muslime (Hunke, S.87).

[Gemäss neuester Geschichtsforschung hat es Karl den Grossen nie gegeben].

Frankreich: Plumpe, hetzerische Spielmannsepen gegen den Islam
Die französischen Epen sind schablonenhaft und beschreiben "edle Ritter" und "böse Heiden", um die "Kreuzzugsbegeisterung" immer wieder neu zu schüren (Hunke, S.87).

Italien-Palästina: Vergabe von Rechten an Venedig
Venedig entsendet eine Flotte von 200 Schiffen nach Jaffa und handelt mit Gottfried von Bouillon dafür einen Drittel aller noch zu erobernden Städte und völlige Abgabenfreiheit aus (Haarmann, S.211).

ab 1100
Kreuzzüge prägen - Kirchenherrschaft in Frankreich - Kaiserherrschaft in Deutschland
-- die Kreuzzüge schaffen einschneidende Schicksalserlebnisse
-- die Kirche kann in Frankreich dadurch die Staatsgewalt des schwachen Königtums und der schwachen Territorialherren übernehmen (Hunke, S.36-37)

-- in Deutschland werden König und Kaisertum stärker und verpflichten die Ritter zum Schutz und zur Verteidigung des "heiligen römischen Reiches deutscher Nation"

-- die Konkurrenz von französischer Kirchenherrschaft und deutscher Kaiserherrschaft schafft innerhalb der Kreuzzüge viele Ungereimtheiten und Unstimmigkeiten (Hunke, S.37).

Levante: Gründung des Königreichs Jerusalem
Ein Teil der französischen und normannischen Barone bleibt mit einem Stamm von Rittern im Land und gründet das Königreich Jerusalem sowie weitere Fürstentümer (Hunke, S.41).

Gründung der Ritterorden im "heiligen Land" und in Europa - "Tempelritter"
Die Ritterorden sind die Kopie der osmanischen Murabitun-Orden und der Almoraviden-Krieger in Spanien (Hunke, S.41).

Gründung des Ordens der Tempelritter auf dem Boden des Tempels Salomos, auf dem die al-Aksa-Moschee gestanden hatte, mit Sitz im Palastbezirk Jerusalem (Hunke, 43).

Die Sultane unterstützen weiter christliche Hospitäler mit Geldzuschüssen, trotz aller Kreuzzüge und christlichen Hetze (Hunke, S.86).

12. Jh.
Kulturaustausch: Europas "Kultur" kopiert

Arabische Lebensweisen im "christlichen" Palästina
Bernhard von Clairvaux
kann nicht verhindern, dass sich im Königreich Jerusalem arabische Lebensgewohnheiten auch bei den Christen durchsetzen (Hunke, S.98):
-- Kaftanmode
-- Turbanmode, Seidengewänder 
-- Sitzen auf Kissen, Polstern und Teppichen auf dem Boden
-- Zubereitung von Speisen auf arabische Art
-- Fanfaren mit Trompeten statt Hörnern
-- König Balduin von Jerusalem lässt sich einen Vollbart wachsen
-- Mantelmode bei christlichen Ordensrittern (Hunke, S.99).

Der "Aufstieg": Änderungen in der Hierarchie unter Christen in Palästina
-- die Christen, die in Europa arm waren, werden plötzlich zu Hausbesitzern und herrschen über Bauernfamilien
-- Palästina wird zur Chance, zum Aufstieg, und sie wollen nicht mehr nach Europa zurück

-- die Christen in Palästina gehen Mischehen mit christlichen Araberinnen ein (Hunke, S.99)
-- die Christen in Palästina lernen, gleichzeitig mit vielen Sprachen umzugehen, Entwicklung der Mehrsprachigkeit (Hunke, S.100).

Europäische Neuankömmlinge in Palästina sind zuerst völlig verwirrt und stellen bei den assimilierten Christen eine "seltsame Vertrautheit mit der arabischen Bevölkerung" fest (Hunke, S.99).

Europa kopiert arabische "Ritterspiele"
Französische und deutsche Ritter übernehmen den arabischen Scheinkampf auf dem Pferd "buhurt" der Reiterscharen, sowie das Lanzenstechen der Einzelkämpfer mit stumpfen oder auch mit scharfen Waffen, das Dutzende von Toten fordern kann (Hunke, S.133).

Deutsches Reich: Beginn des Burgenbaus aus Stein
(S.121) mit steinernen Wachttürmen neben den noch hölzernen Wohnbauten (Hunke, S.122).

Christliche Kreuzzugsheere kopieren arabisches Sonnenschutzsystem für das Heer - Nachmachen der Kriegsmusik
-- Einführen des "Gambesson", ein ärmelloses Wams über der Rüstung
-- Einführen des arabischen "Kufijah", ein Schleiertuch über dem Helm
-- Einführen leichter Decken für die Pferde, so dass nur noch die Augen frei bleiben (Hunke, S.130).

Zusätzlich werden Hemd und Pferdedecke mit Wappen bestickt, damit die Ritter noch zuzuordnen sind. Der Wappenkult gelangt so auch nach Europa, mit den traditionellen arabischen Wappentieren: Löwe, Greife, Adler und Doppeladler (Hunke, S.130).

Der ahnungslose Hetzer, Abt Bernhard von Clairvaux, verhöhnt den Pferdeschutz als "Dirnenkleid".

Die christlichen Heerführer übernehmen das arabische Musikritual mitsamt den Trompetensignalen, Tamburschlägen, Pauken- und Trommelwirbeln und Fahnensignalen (Hunke, S.133).

ab 1100
Italienische Seefahrer sind die Hauptgewinner der Kreuzzüge
-- sie verdienen am Transport der Heere
-- sie machen Wechsel- und Darlehensgeschäfte mit den Kreuzfahrern und Pilgern (Hunke, S.116) und transportieren auf dem Rückweg arabische Waren (Hunke, S.117).

12. Jh. / ab 1100
Kulturaustausch: Arabischer Einfluss in Europa
Erste arabische Glashütte in Europa

Arabische Glaskünstler aus Syrien und Mesopotamien eröffnen in Venedig eine erste Glashütte und hüten in Europa bis ins 17. Jh. das Monopol des Glasbläserverfahrens und der Glasspiegelproduktion (Hunke, S.114).

Verbreitung der Instrumente der arabischen Feldmusik in ganz Europa
Schlaginstrumente und Blasinstrumente, sowie daneben auch das Hackbrett (Hunke, S.162).

Wandel in der europäischen Musik: Starre Kirchenchoräle werden "belebt" 
Die arabische Musik wandelt die in Europa bisher herrschende gleichmässige kirchliche Choralmusik in zum Teil sehr bewegte Gesänge ab. Es entwickelt sich dadurch ein neues Kunstempfinden in Europa, z.B. bei Franco von Köln und seiner Schule, der für seinen cantus mensurabilis arabische Zeichen verwendet, die er mit Namen arabischen Ursprungs benennt (Hunke, S.161).

Anfang 12.  Jh.
Seldschukensultane übernehmen den arabischen Doppeladler in ihre Wappen
(Hunke, S.130)

ab 1100
Kreuzfahrerstaaten: Privilegien und Handel mit dem "Feind"

Die italienischen Quartiere in Palästina
oo  haben ein eigenes Oberhaupt, it. vicecomes/bailus/consul
oo  haben eigene Justiz, Richter und Gerichte
oo  haben eigene Masse und Gewichte
oo  haben eigene Faktoreien
oo  haben eigene Kirchen, Bad und Bäckereien.

In der Folge quellen die italienischen Quartiere über vor Reichtum und wecken Gelüste von Feudalherren. Gleichzeitig können die italienischen Städtestaaten ihre Unabhängigkeit in Europa festigen und mit Neubauten Macht präsentieren wie zum Beispiel in Pisa der Dom, das Baptisterium und der Campanile im 12. Jh. Gleiches gilt für die französischen Städte oder Barcelona. Die Kirchenfassade von St-Gilles (aus dem Jahr 1140) wird mit Profitgeldern aus dem Ost-West-Handel bezahlt (Haarmann, S.211).

Italienische Seefahrerstaaten: Handel mit dem Feind - Unterhöhlung der eigenen Existenz
Der Handel mit dem Feind ist nur während entscheidenden Kreuzzügen verboten. Das allgemeine gegen Ägypten ausgesprochene Eisen-, Holz- und Pech-Embargo der Kirchenkonzile (Kriegsmaterial für Schiffbau) wird nie befolgt und der Profit munter weiter eingestrichen. Brandmarkungen vom byzantinischen Kaiser, vom König von Jerusalem und vom König von Aragón und Vorwürfe des "Verrats an der Christenheit" und Drohungen mit Strafen, Exkommunikationen, Interdikten, Kaperungen und Folterhaft nützen nichts (Haarmann, S.212).

Muslimischer Profit am Handel mit dem christlichen "Feind"
Der Handel ist derart verdächtig, dass Salah ad-din Yusuf/Saladin sich gegenüber dem Kalifen in Bagdad rechtfertigen muss. Der Hinweis auf Lieferungen von Eisen, Holz und Pech genügt (Haarmann, S.212).

Ägypten feiert seinen Luxus
Ägypten ist in starkem ökonomischen Wachstum und feiert den Luxus mit rauschenden Festen und Raffgier am Kalifenhof. Da keine imperialistische Kriegspolitik betrieben werden kann, konzentriert sich der Reichtum in Ägypten. Wesir al-Afdal kann unglaublich viele Schätze horten (Haarmann, S.195).

Ägypten-Pisa, Genua, Venedig: dauernde Blockaden und Schikanen
Für die italienischen Seefahrerstädte kommt es immer wieder zu lästigen und kostspieligen Schikanen im Hafen von Damiette. Nach dem Einlaufen müssen die Kapitäne die Steuerruder und Lateinerrah [horizontal schwenkbares Rundholz zum Befestigen und Handhabung des Rah-Segels] der Galeeren den Hafenmeistern abgeben, bis sie die Erlaubnis zum Auslaufen erhalten (Haarmann, S.213). In der Liegezeit kann es bei neuen Kriegen zwischen Ägypten und Europa zu Blockaden des Auslaufens kommen. Die Kaufleute werden als Geisel interniert, eventuell die eingekauften Waren beschlagnahmt (Haarmann, S.213-214).

Ägypten-Syrien: Ausbau der muslimischen Befestigungsanlagen
Ab dem ersten Kreuzzug werden die arabischen Befestigungsanlagen unter grossem technischen Aufwand ausgebaut und erneuert, in Syrien mit hochentwickeltem Steinquaderbau: Stadtmauern, Tore, Zitadellen (Haarmann, S.201).

Syrien-Europa: Handel über fränkische Häfen - Handelsplätze und Bankenplatz Akkon
-- mit Verbindungen von Hamah und Hims mit Tortosa und Tripolis
-- mit der Verbindung von Damaskus mit Beirut, Tyros und Akkon.

In Damaskus wird vor allem Seide, Brokatstoff und Stahl gehandelt. Akkon entwickelt sich zum Hauptumschlagplatz und Bankenzentrum zwischen Palästina und ganz Europa, neben den italienischen Seefahrerstädten Genua, Pisa, Venedig und Ancona auch für französische Städte wie Marseille, St-Gilles, Aigues Mortes, Montpellier und Narbonne sowie für das aufsteigende Barcelona (Haarmann, S.213).

ab 1100-1497
Ägypten-Europa: Privileg der Asien-Handelsroute
Die Umladestationen:
in Aden von grosse auf kleine Schiffe, bis al-Farama/Pelusium in einem kleinen Suez-Kanal,
oder
bis "Aydab, dann Umladen auf Kamele, durch die Wüste an den Nil nach Qus/Kus/ Apollinopolis Parva, von dort auf Nilschiffen bis Alexandrien.

Haupthafen des Indienhandels bleibt Alexandrien, das vom Bischof und Chronisten Wilhelm von Tyrus als "forum publicum utrique orbi"/"Markt beider Welten"bezeichnet wird (Haarmann, S.213).

ab 12. Jh.
Ägypten: Karimi-Kaufleute kontrollieren den Transithandel
Die sogenannten Karimi-Kaufleute kontrollieren den ägyptischen Transithandel und sind durch einen besonders niedrigen Steuersatz von 2,5 % privilegiert (Haarmann, S.249).

1101
Ägypten: Kinderkalif: Inthronisierung des 5-jährigen Kalifen al-Amir unter Wesir al-Afdal b. Badr al-Gamali
(Haarmann, S.194)

Beginnende Expansion der Europäer in Palästina - keine muslimische Abwehr
Europäisch-christliche Besetzung von Haifa und Caesarea. Es folgen Belagerungen weiterer Städte.
Die muslimische Welt bringt keine gemeinsame Abwehr der europäisch-christlichen Invasion zustande. Ägyptische Fatimiden und der sunnitische Emir der Abbasiden in Bagdad können sich nicht einigen.

Die muslimische Geschichtsschreibung, darunter vor allem die sunnitischen Propagandisten aus Bagdad, beschuldigt die ägyptischen Fatimiden der Untätigkeit und des Verrats, obwohl auch die sunnitischen Emire in der ersten Zeit kaum etwas gegen die "Kreuzfahrer" unternommen haben (Haarmann, S.194).

ab 1102
Europäisch-christliche Belagerung von Tripolis
(Haarmann, S.194)

1104
Europäisch-christliche Besetzung von Akkon
In ägyptischer Hand aber bleiben Gaza, Askalon, Tyros, Sidon und Beirut (Haarmann, S.194).

Königreich Jerusalem-Italien: "Verteilung" der Häfen an Genua
König Balduin von Jerusalem verleiht Genua je ein Drittel der palästinensischen Häfen Arsuf, Caesarea und Akkon und einen Drittel der Zolleinnahmen von Akkon sowie ein eigenes Stadtviertel in Jerusalem und Jaffa (Haarmann, S.211).

1108
Palästina-Italien: Verteilung ganzer Stadtviertel an Pisa
Der Normanne Tankred verleiht Pisa diverse Stadtviertel in Antiochien und Latakia und garantiert ihnen "freie Hand" im ganzen Fürstentum (Haarmann, S.211).

[Was passiert mit der Bevölkerung, die die Stadtviertel jeweils räumen muss?]

Juli 1109
Tripolis: Europäisch-christliche Besetzung
(Haarmann, S.194)



1110

Juli 1110
Europäisch-christliche Erstürmung Beiruts
Gleichzeitig will eine ägyptische Flotte der Stadt Sidon zu Hilfe eilen (Haarmann, S.194).

Ende 1110 ca.
Europäisch-christliche Besetzung Sidons
Die ägyptische Flotte kann nicht mehr eingreifen (Haarmann, S.194).

1112 ca.
Förderung der Astronomie in Ägypten
Wesir al-Afdal installiert auf einem Ausläufer des Muqattam südöstlich von Kairo "eine Kugel" zur Beobachtung der Gestirne und kann damit das erste Observatorium Ägyptens verwirklichen (Haarmann, S.180).

ab 1112 ca.
"Modus vivendi" zwischen Muslimen und Christen in Palästina
Die syrischen Emire des Binnenlandes in Damaskus und Hims schliessen mit den europäischen Christenfürsten Verträge im Sinne eines "modus vivendi" ab. Ein solcher "modus vivendi" ist notwendig, weil die europäischen Franken die Hafenstädte unter Kontrolle haben (Haarmann, S.194).



1120

1121
Kairo: Mord an Wesir al-Afdal b. Badr al-Gamali
Kalif al-Amir lässt seinen Wesir al-Afdal b. Badr al-Gamali meuchlings ermorden. Sein Besitz wird beschlagnahmt, wobei allein an Bargeld 12 Millionen Dinar und 50 Artaben (=9900 Liter) Silberdirhams zum Vorschein kommen (Haarmann, S.191).

1123
Schliessung des "Hauses der Wissenschaft" in Kairo/al-Qahira
durch Wesir al-Afdal wegen angeblicher Ketzereien (Haarmann, S.180).

1124
Europäisch-christliche Besetzung von Tyros - erste christliche Fürstentümer in Palästina
Es etablieren sich verschiedene europäisch-christliche Fürstentümer:
-- Grafschaft Edessa am oberen Euphrat
-- normannisches Fürstentum Antiochien
-- Grafschaft Tripolis unter den Grafen von Toulouse
-- Königreich Jerusalem unter dem lothringischen Haus Bouillon (Haarmann, S.194).

[Insgesamt gesehen kommt die christliche Gründung von "Kreuzzugsstaaten" nur dadurch zustande, weil die muslimische Abwehr keine einheitliche Strategie besitzt].

1126
Jerusalem-Cluny: Antrag auf päpstliche Bewilligung des ersten Ritterordens
durch die zwei "Tempelritter" aus Jerusalem, Andreas von Montberry und Gundemar. Sie gehen nach Frankreich zu Abt Bernhard von Clairvaux, dem "geistigen Führer" [dem primären Volksverhetzer] und "ungekrönten, heimlichen Papst der [französischen] Christenheit", wobei Andreas Bernhards Onkel ist.

Andreas und Gundemar überreichen Bernhard ein Empfehlungsschreiben des Königs von Jerusalem (Hunke, S.41) mit der Bitte, für Andreas,
-- Gundemar und einem Kreis von Rittern Jerusalems eine Bestätigung des Papstes als Orden zu erwirken
-- die Rittergruppe mit einer päpstlichen Ordensordnung abzusichern (Hunke, S.41-42)
-- und um die Erlaubnis zum "heiligen Krieg".

Abt Bernhard von Clairvaux lässt Andreas von Monberry und Gundemar warten (Hunke, S.42).

1127
Jerusalem-Cluny: Ordenslegalisierung vorerst abgelehnt
Der Gründer und "Meister" des Ritterbundes, Hugo von Payens in der Provence, geht mit fünf seiner Leute zu Abt Bernhard von Clairvaux und beantragt eine eigene Ordensgründung.

Bernhard hält die Einrichtung von Laienorden aber für bedenklich:
-- Laienorden werden vom Papst nicht gebilligt werden, denn dies sei revolutionär
-- Laienorden seien "gefährlich" und Niederlagen seien gegen die geschulten arabischen Ritter vorprogrammiert (Hunke, S.42).

1128-1130
Spanien-Frankreich: Werbung für den Tempelritterorden durch Hugo von Payens
Dabei nimmt Hugo auch Verbrecher in seinen Orden auf, denen er Vergebung ihrer Sünden im Kampf gegen die "Heiden" verspricht. In deutschen Gebieten hat er mit seiner Hetze keinen Erfolg (Hunke, S.43).



1130

Papst: Verkündigung der "Ordensregel" der Kirche und Entwicklung der Orden als getrennter Machtfaktor
Das Konzil von Troyes korrigiert hernach die "Ordensregel", (Hunke, S.42-43) mit Billigung des Papstes Honorius II.

Gebote für die Tempelritter:
-- Gebot der Armut
-- Gebot der Keuschheit
-- Gebot des Gehorsams

allesamt verwandt mit arabischen Rittereigenschaften:
-- Pilger soll bewaffneter Geleitschutz zu den "heiligen Stätten" gegeben werden
-- Verteidigung wichtiger militärischer Strassen und Schlüsselstellungen
-- Verteidigung des jungen Königreichs Jerusalem
-- die Orden sollen eine Verstärkung des christlichen Heeres bilden und eintreffende Kreuzfahrerheere unterstützen
-- zur Aufnahme von Ordensrittern werden keine Bedingungen gestellt (Hunke, S.43).

Folgeentwicklungen in den "Ritterorden"
-- eine Intoleranz gegen Muslime bis zum Hass
-- eine schonungslose, unnachsichtige Härte gegen Muslime

-- es kommt auch zu internen Kämpfen gegen die Könige von Jerusalem, von Frankreich, und gegen den deutschen Kaiser 

-- das Gelübde der Armut wird nur auf den Einzelnen, nicht aber auf den Orden selbst bezogen, so dass der Orden selbst Kapital horten darf

-- die Orden geniessen in der Folge päpstliche Privilegien, werden mit Schenkungen überhäuft und sind gierig auf Erbschaften (Hunke, S.48).

Kairo: Tod von Kalif al-Amir durch einen Nizariden/Assassinen-Anschlag - kein Sohn als Nachfolger - Vetter al-Hafiz übernimmt die Regentschaft
Mit dem Vetter al-Hafiz als ägyptischen Kalif spaltet sich die ismailitische Glaubensgemeinde erneut. Obwohl der Vetter den Imam- und Kalifentitel übernimmt, brechen dauernd Unruhen aus. Minister, Statthalter und Generäle bekämpfen sich jahrelang in Strassenschlachten (Haarmann, S.192, 195).

ab 1130
Kairo: Spaltung der Ismailiten - Verehrung eines angeblich entrückten Sohnes al-Tayyib
Die abgespaltene Glaubensgruppe der Ismailiten in Ägypten, die Vetter al-Hafiz nicht als neuen Imam anerkennen will, huldigt einem angeblich entrückten Sohn des verstorbenen Kalifen al-Amir: dem Sohn at-Tayyib.

In der Folge schliesst sich die Sulayhiden-Dynastie in Jemen dieser kleinen Gruppe um den angeblich entrückten Sohn at-Tayyib an und kündigt damit dem Kalifenvetter al-Hafiz die Gefolgschaft. Ägypten scheint durch Spaltungen sehr bedroht (Haarmann, S.195).

Armenisch-christliche Zuwanderung in Ägypten
Ein Wesir von al-Hafiz, Bahram, ein armenischer Christ, holt Tausende seiner Landsleute nach Kairo/al-Qahira. Die Kirchen und Klöster der Armenier wachsen derart an, dass sie die dominierende christliche Position der Kopten Ägyptens in Frage stellen (Haarmann, S.196).

1133/1134
Palermo: Roger II. - Seidenweberdeportation und Gründung der sizilianischen Seidenweberei
Graf Roger II. wird zum "König und Herrscher beider Sizilien" gekrönt und lässt byzantinische Seidenweber gefangennehmen, nach Sizilien deportieren und gründet so auf Sizilien in Palermo die beste Stickerei und Weberei der Welt, die die kaiserlichen Röcke des deutschen Kaiserhauses herstellt (Hunke, S.106).

Herstellung des "Dalmatica"-Untergewandes für Roger II., des Alba-Obergewandes für den Enkel Rogers II., Wilhelm II., aus hellem Taft (Hunke, S.107-107).

1135 od. 1170
Frankreich: "Rolandslied" als Hetzgedicht
Das Lied wird vom Pfaffen Konrad in Reimpaare übertragen und in eine hetzerische Form gegen die "verderbte" und "verfluchte" Heidenschaft gebracht... (Hunke, S.87)

1136 ca.
Richterdiskussion in Ägypten: Sunnitische gegen ismailitische Richter
Ein Wesir des afrikanischen Kalifen al-Hafiz setzt neben dem ismailitischen Oberqadi einen zwölferschiitischen/imamitischen und zwei sunnitische Richter ein. Die Folge sind sich bekämpfende ismailitische und sunnitische Gruppen und ein Dauerstreit um das Recht (Haarmann, S.196).

1138(?)
Mesopotamien: Geburt von Salah ad-din Yusuf b. Ayyub/Saladin
in Takrit am Tigris, ein Kurde. Der Vater Ayyubb aus Dvin bei Eriwan ist Söldner in den muslimischen Heeren von Bagdad. Der Vater bringt es im Kalifenheer bis zum Festungskommandanten der Stadt Takrit am Tigris (Haarmann, S.200).



1140

1140 ca.
Vollendung der Arabisierung Nordafrikas: Der Vulgärlatein-Dialekt stirbt aus

Aussterben des afrikanisch-vulgärlateinischen Dialekts in den abgelegenen Oasen Nordafrikas. Auch die letzten Flecken Nordafrikas sind "arabisiert" worden (Haarmann, S.186).

"Modus vivendi" in Palästina
Der arabische Burgherr Usama b.Mungid von der Burg Sayzar am Orontes-Fluss pflegt den "modus vivendi" mit den europäisch-christlichen Invasoren und erwähnt diesen auch in seiner Autobiographie (Haarmann, S.194).

Aleppo: Emir Zengi propagiert den "Heiligen Krieg" und die Führerschaft gegen die Christen
Emir Zengi von Aleppo propagiert den "heiligen Krieg" ("dschihad") gegen die europäisch-christlichen Invasoren in Palästina. Zengi beansprucht gleichzeitig die Herrschaft über ganz Syrien mit dem Argument, nur nach einer Einigung der Muslime werde man den "christlichen" Feind erfolgreich bekämpfen können (Haarmann, S.196).

ab 1140 ca.
Aleppos Expansion gegen Bagdad
Aleppo kann das ganze nördliche Mesopotamien besetzen. Emir Zengi setzt in Mossul einen seiner Brüder ein. Damit hat Aleppo Zugang zu den typischen Söldnervölkern des Ostens und kann seine Armeen wieder verstärken:

oo  mit arabischen Beduinen der Giazira
oo  mit iranisch sprechenden Kurden der Bergländer am oberen Tigris
oo  mit Turkmenen/Seldschuken von den Hochtälern Aserbeidschans und Armeniens (Haarmann, S.196).

Aleppos Bezahlungssystem für Söldner: Lehensvergaben
Die Soldbezahlung erfolgt durch Lehensvergabe (iqta', "Zuteilung"). Die Soldaten dürfen auf dem Lehen selber Steuern erheben und müssen sich davon das Geld für Lebensunterhalt, Ausrüstung und den Kauf von Militärsklaven aufbringen.

In der Folge ist Aleppo viele Sorgen um den Einzug von Steuern los, muss aber auch die Schmälerung der Einnahmen hinnehmen.

Zudem entwickelt sich eine Tendenz zur Erblichkeit der Lehen, die staatspolitisch sehr bedenklich ist (Haarmann, S.196).

ab 1140
Deutsches Reich: Besetzung von "Ostgebieten"
Unter Heinrich "dem Löwen" werden weite Gebiete östlich der Elbe und Mecklenburg dem Deutschen Reich "eingegliedert". Das Deutsche Reich hat dort seine "Kreuzzüge"... (Hunke, S.54)

1144
Edessa syrisch besetzt - Organisation eines zweiten Kreuzzugs

Truppen des Emir Zengi von Aleppo können die Stadt Edessa besetzen und die "Kreuzfahrer" vertreiben. So ist der nördlichste der europäischen Christenstaaten bereits wieder zerschlagen (Haarmann, S.196).

Die "christlichen" Kreuzfahrerfürsten sind alarmiert und organisieren in Europa einen zweiten Kreuzzug unter dem deutschen König Konrad III. und Ludwig VII. von Frankreich (Haarmann, S.196).

1145 ca.
Frankreich: Kreuzzugspredigt von Bernhard von Clairvaux in Vézelay in Burgund
Er predigt "Vernichtung oder Bekehrung" gegen die Muslime (S.57 ) und entfacht eine "Kreuzzugsbegeisterung", einen "fressenden Brand" (Hunke, S.52).

Jerusalem beschliesst die Besetzung von Damaskus
durch Beschluss des Jerusalemer "Kronrats". Die Invasion soll unter Konrad III. und Ludwig VII. ablaufen (Haarmann, S.196-197).

1146
Erfolglose Kreuzzugspredigten von Bernhard von Clairvaux im Deutschen Reich - Werbung für den Templerorden

für die Rückeroberung des muslimisch besetzten Edessa. Die Hetze von Bernhard von Clairvaux verläuft aber ohne Erfolg. Es kommt keine Kreuzzugsbegeisterung zustande (Hunke, S.52).

Konrad III. verweigert jede Beteiligung an den Kreuzzügen, lässt sich von den Beschwörungsreden von Bernhard von Clairvaux nicht einwickeln (Hunke, S.53).

Abt und Kreuzzugshetzer Bernhard von Clairvaux preist 1146 in einem Brief an die Bischöfe von Köln und Speyer die Erfindung des Templerordens in Jerusalem als "eine besonders segensreiche Erfindung des Herrn, durch die auch Mörder, Räuber, Ehebrecher, Meineidige und viele andere Verbrecher eine Gelegenheit zum "Heil" finden könnten, und schildert den deutschen Bischöfen von Köln und Speyer die geforderten Eigenschaften:

-- Kleiderzwang
-- Gehorsamszwang
-- Leben ohne Frauen und ohne Kinder (Hunke, S.43)
-- alle Tempelritter müssen im gleichen Haus leben
-- Spiel- und Lachverbot, Jagdverbot und Falkenzuchtsverbot
-- Witzverbot
-- Haarschneidezwang
-- es wird nur selten gebadet, die Tempelritter müssen ein schmutziges und behaartes Leben führen

vermutlich als Gegensatz zu den Muslimen, die sich fünf Mal täglich rituell waschen müssen. In der Folge wird der Ordensritter der Idealtyp des Kreuzritters und auch Johanniter und Deutschritterorden sind später Nachahmungen davon (Hunke, S.44).

Die Beschreibung der Orden ist ein Negativabdruck der Kultur im arabischen Rittertum, wo auf Kleidung, auf Körperpflege und auf friedlichen Zeitvertreib grossen Wert gelegt wird (Hunke, S.97).

1146
Konrad III. bereitet einen eigenen Kreuzzug vor
In der Folge ist der Papst gegen das Kreuzzugsvorhaben von Bernhard von Clairvaux, weil Frankreich unter Ludwig VII. die Kreuzzüge allein führen soll und der deutsche König mit seinen Truppen für den Papst in Italien zur Verfügung stehen sollte.

Neue Kreuzzugshetzer bereisen das Deutsche Reich und erzeugen einen Wahn. Manche Annalenschreiber ahnen das Verderben bereits voraus (Hunke, S.53).

Aleppo: Tod von Emir Zengi - Nachfolger: Sohn Nur ad-din Mahmud
(Haarmann, S.196)

Syrien: Weiterhin Lehen als Sold - weiter "heiliger Krieg" gegen "Christenfürstentümer"
Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo
-- übernimmt das feudale Besoldungssystem von Vorgänger Zengi.
-- propagiert weiter den "heiligen Krieg" gegen die europäisch-christlichen Invasoren (Haarmann, S.196).

ab 1147
3 Kreuzzüge unter Leitung der deutschen Stauferkönige mit politischen Motiven und Zielen ohne Kampf gegen "Ungläubige"
-- Stärkung des Reichs als Grossmacht gegen das feindliche Papstreich, um dem Sohn, König Heinrich VI. der "beiden Sizilien", das Reich zu sichern

-- Bestätigung des Königtums in Zypern und Armenien, die bei Friedrich I. um Oberlehenshoheit nachgesucht hatten

-- Präsentation der allgemeinen Macht gegenüber Byzanz (Hunke, S.57).

1147-1149
Der Kreuzzug unter Konrad III. misslingt - Kontakt Barbarossa-Saladin
Das deutsche Kreuzzugsheer unter Konrad III., zusammengestellt aus Heeren aus Mittel- und Süddeutschland,
-- muss durch das byzantinische Reich marschieren
-- mit einem erheblichen Teil Frauen, Pilgern und Mitläufern
-- mit Überschwemmungskatastrophen
-- mit Angriffen der Seldschuken, "vernichtenden Pfeilregen" (Hunke, S.54).

Das Heer wird zum grossen Teil schon vor der "Feindberührung" vernichtet. Ein grosser Teil von Konrads Kreuzzugsheer kehrt schon in Byzanz nach Hause, der Rest versucht über Land oder mit Konrad III. auf dem Schiff das "Heilige Land" zu erreichen (S Hunke, .54).

Heinrich VI., König der "beiden Sizilien", ruft zur Heerfahrt nach Palästina auf, ohne zum Kampf gegen die "Ungläubigen" zu hetzen (Hunke, 57-58), was den Papst aufs Äusserste reizt (Hunke, S.58),

und Friedrich I. Barbarossa führt seit langem einen freundschaftlichen Briefwechsel mit Sultan Saladin... (Hunke, S.58)

Sommer 1148
Christliche Belagerung von Damaskus ohne Erfolg
Die Belagerung unter Beteiligung von Konrad III. dauert nur drei Tage. Sie muss wegen nationalen Differenzen unter den Christenheeren und wegen Verrat aufgegeben werden (Hunke, S.54).

Der europäisch-christliche Angriff auf Damaskus scheitert kläglich (Haarmann, S.197).

1149
Aleppo: Erster grosser syrischer Sieg gegen christliche Frankenheere
Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo kann bei Inab nahe Antiochien seinen ersten grossen Sieg über die christlichen Frankenheere feiern. In der Folge sucht Damaskus die Zusammenarbeit mit Aleppo (Haarmann, S.197).

1149-1154
Kairo: Kalifat az-Zafir mit neuem Wesir Ibn Sallar
(Haarmann, S.196)



1150

Ägypten-Pisa: Pisas Handelsbeziehungen
Pisa hat ein Kontor in Alexandria und wird von Emir Tala 'i' ibn Ruzzig begünstigt. Gehandelt wird mit Pfeffer, Muskat, Zimt, Gewürznelken, indischem Rotholz und ägyptischem Alaun (Haarmann, S.213).

1150 ca.?
Syrien: Ayyub, Vater von Saladin, und Bruder Sirkuh, wechseln nach Syrien in die Dienste des Emirs Zengi von Aleppo (Haarmann, S.200).

ab 1150 ca.
Ägypten-Pisa, Genua, Venedig: Drang zur Besetzung von Damiette - muslimische Kooperation gegen die "Christen"
Aus den Erfahrungen von Blockaden und dem Verlust ganzer Ladungen in Damiette entwickeln die Patrizier in Pisa, Genua und Venedig die Bestrebung, die ägyptischen Häfen selbst zu besetzen, damit Ägypten die Schiffe im Zweifelsfall nicht mehr blockieren kann. Fortan stellen die italienischen Städte  Schiffe für Feldzüge nach Ägypten zur Verfügung und lenken zum Teil die Wege der Kreuzzüge (Haarmann, S.214).

Kairo: Der neue Kalif az-Zafir beginnt mit militärischer Kooperation mit Syrien und dessen Zentrum Aleppo, um die europäisch-christlichen Invasoren einzukreisen (Haarmann, S.196).

Kairo: Beginnende Unterwanderung Ägyptens durch das "christliche" Jerusalem
Das Königreich Jerusalem beginnt mit der Unterwanderung des Kalifats in Ägypten. Gezielt werden einzelne Tronfolgerkandidaten/Prätendenten unterstützt (Haarmann, S.197).

Die Päpstliche Kreuzzugssteuer wird gegen das Deutsche Reich verwendet
Der Papst verwendet die erhobenen Kreuzzugssteuern zum Teil gegen das Deutsche Reich.
Staufenkaiser Friedrich I. muss reagieren und organisiert selber einen Kreuzzug, um den Papst politische zu neutralisieren. In der Folge fängt der Papst an, aufs Äusserste gegen die Staufenkaiser zu intrigieren (Hunke, S.57).

Der arabische Warenstrom nach Europa - neues Lebensgefühl
Insgesamt ergiesst sich ein Strom neuer Erzeugnisse aus Arabien über die italienischen Umschlagplätze Venedig und Pavia über die Alpenpässe nach Deutschland (Hunke, S.115). Es entstehen ein arabisches Lebensgefühls in Europa (Hunke, S.118). 

Die Zurückgekehrten beginnen, die arabische Lebensweise in Europa zu verbreiten (Hunke, S.97-98).

Die Rom-Kirche verdammt den arabischen Einfluss
In kirchlichen Augen Roms, Byzanz' und Frankreichs ist dies eine "Verführung der christlichen Seele durch sündhafte Gelüste der Ungläubigen". Bernhard von Clairvaux bezeichnet den arabischen Lebensstil als Sünde, vergleicht den arabischen Pferdeschmuck mit einem Dirnenkleid und vergleicht die arabischen Ritter mit langhaarigen Frauen, die nichts taugen würden:

"Ihr ziert eure Pferde mit seidenen Schabracken, ihr bedeckt eure Rüstungen mit wallenden Überwürfen. Eure Lanzen sind bemalt, eure Schilde und Sättel ebenfalls. Ihr schmückt eure Zügel und Sporen mit Gold, Silber und Edelsteinen; und so herausgeputzt, von blinder Wut und törichter Keckheit geleitet, zieht ihr in die Schlacht. Ist dieser prunkvolle Aufzug eines Ritters würdig oder würde er nicht besser zu einer Dirne passen? Denkt ihr wirklich, das Schwert des Feindes nähme Rücksicht auf Gold und Edelsteine und würde die seidenen Gewänder nicht durchdringen?

Ich habe aus Erfahrung gelernt, dass einem Krieger drei Dinge not tun: Er soll tapfer sein und stets kampfbereit. Ihr dagegen lasst euer Haar lang wie die Weiber wachsen, so dass es euch die Sicht nimmt; ihr beengt durch lange, weite Gewänder eure Bewegungsfreiheit und versteckt eure feinen, zarten Hände in überweiten Ärmeln, die lose um euch herumhängen." (Hunke, S.100)

Arabische Einflüsse in Europa
Weitere arabische Einflüsse, die von Christen nach Europa weitergegeben werden:
-- imponierende, zinnenbekrönte Burgen und Städte
--"überschwänglich" geschmückte Kirchen, die durch Stiftungen gefördert sind
-- goldglänzende Moscheen
-- Gewürzdüfte, Basare
-- Gaukler, Komödianten
-- Sofa, Matratze, Alkove (Schlafnische) (Hunke, S.100)
-- neue Farbtöne: Karmin, Karmesin, Scharlach, Lila, Azurblau, Saphir, Safran, angewandt vor allem in der Seidenindustrie Syriens (Hunke, S.101).

Stoffe:
-- Damast aus Damaskus, Taft, Atlas, Satin, Moiré, Pfellel, Siglat (schwerer Seidenstoff), Baldachin aus Baldachseide aus Baldac/Bagdad, erwähnt in Eschenbachs Parzifal (Hunke, S.101)
-- Kamelot-Stoff
-- Macheier-Stoff, Mohair-Stoff aus Kamel- und Ziegenhaar
-- Barchent-Stoff, Bucherant-/Bukeram-Stoff aus Buchara, erwähnt in den ländlichen Liedern des Neidhardt von Reuenthal
-- Bombasin-Stoff aus Baumwolle
-- Kattun-Stoff aus feiner Baumwolle, qatn
-- Musseline-Stoff aus Mossul (Hunke, S.102).

Beginn einer europäischen Stoffproduktion - Fugger in Augsburg
Die europäischen Hausfrauen begehren die arabischen Stoffe, vor allem den Barchent-Stoff aus Buchara. Zwei Brüder in Graben bei Augsburg beginnen, die Baumwolleinfuhr aus Zypern und Syrien nach Augsburg zu organisieren und eine eigene Stoffproduktion mit eigenen Webereien aufzubauen, wodurch das erste Kapital für das spätere Handelshaus entsteht, basierend auf dem Handel mit arabischen Baumwollballen und Pfeffersäcken (Hunke, S. 103).

Früchte und Blumen aus dem Orient in Europa
-- Früchte: Aprikose, Orange, Banane, Bergamottbirne, Limone (mit "Limonade"), Zwetschge, Pfirsich, Rhabarber, Feige, Quitte, Tamarinde, Pampelmuse, Pomeranze. 

-- Blumen: Flieder, Jasmin, Kamelie, Forsythie, Rosen, Hyazinthe, Lilie, Wasserrose, Kastanie (Hunke, S.113).

Technik aus dem Orient
Wassermühlen, Windmühlen, Uhrenbau, Kompass, Papierherstellung, Metallverarbeitung, Lederherstellung, Glasfabrikation, Keramikherstellung und -verarbeitung (Hunke, S.113), darunter Emaille; bei der Lederherstellung profilieren sich Corduan- (aus Córdoba) und Maroquin-Leder (aus Marokko) (Hunke, S.114).

Die Kulturentwicklung Griechische Kultur - Arabische Kultur - Europa
Allgemein haben die arabischen Wissenschaften die griechischen Techniken übernommen und wissenschaftlich umgesetzt (S.167). Europäer beginnen, die arabischen Techniken zu erlernen und eigene Fabrikationen aufzubauen (S.113).

[Ohne die arabische Kultur, die die griechische Kultur weiterentwickelt hat, hätte es in Europa manche Fabrik und manches Produkt überhaupt nie gegeben].

1153
Palästina: Christliche Erstürmung von Askalon - Befestigung der ägyptischen Stadt Bibays
Mit Askalon fällt die letzte ägyptisch gehaltene Küstenstadt Palästinas.
In der Folge lässt der ägyptische Wesir Tala 'i' b. Ruzziq vorsorglich die Stadt Bibays im östlichen Nildelta befestigen, um gegen eine allfällige fränkische Invasion gewappnet zu sein (Haarmann, S.198).

1154
Einigung Syriens und Aleppos - sunnitische Politik
Damaskus lässt die Vereinigung mit Aleppo zu. Emir Nur ad-din Mahmud von Aleppo wird in Damaskus empfangen und die Vereinigung besiegelt. Nur ad-din Mahmud bekommt die Rolle des Vorkämpfers des Islam gegen die "Ungläubigen". Gleichzeitig schlägt Nur ad-din Mahmud als Vorkämpfer  eine sunnitische Richtung ein und eröffnet in Aleppo und Damaskus nach seldschukisch-bagdadischem Vorbild juristisch-theologische Hochschulen ("madrasa"�) zur Verbreitung des islamischen Rechts nach "sunnitischer Tradition".

Die Sunnitisierung Syriens strahlt auch auf Bagdad aus, wo der Kalifenhof unter al-Muqtafi die Seldschuken entmachtet und das neu-sunnitische Syrien für sich beansprucht [!], indem Kalif al-Muqtafi versucht, sich propagandistisch an die Spitze der Dschihad-Bewegung gegen die europäisch-christlichen Invasoren zu stellen (Haarmann, S.197).

1154-1160
Ägyptisches Kalifat al-Fa 'iz mit Regent und Wesir Tala 'i' b. Ruzziq
(Haarmann, S.197)

ab 1154
Ägypten sucht den Anschluss an die Dschihad-Bewegung in Syrien - Aleppo plant die Besetzung Ägyptens
Der ägyptische Regent Tala 'i' b. Ruzzig will mit Angeboten, Geld- und Pferdelieferungen den Emir Nur ad-din Mahmud zur Allianz gegen die europäisch-christlichen Kreuzfahrer zwingen. Dieser aber plant selber die Besetzung Ägyptens, denn die dortigen bürgerkriegsähnlichen Zustände scheinen eine gute Gelegenheit zu sein (Haarmann, S.197).

1155 ca.?
Syrien: Ayyub, der Vater von Saladin, wird Kommandant über die Zitadelle von Baalbek, ein ehemaliger Tempelbezirk (Haarmann, S.200).



1160

Kairo: Tod des 11-jährigen ägyptischen Kalifen al-Fa 'iz - Nachfolger: der 9-jährige al-'Adid
Wesir Tala �i� b. Ruzziq bleibt als staatsleitende Figur im Amt (Haarmann, S.197).

1161
Kairo: Ermordung des ägyptischen Wesirs Tala 'i' b. Ruzziq
durch einen Anschlag. Ägyptens Politik wird noch uneinheitlicher, weil nun jegliche Führungsfigur fehlt. Alle umliegenden Staaten versuchen, Ägypten für sich zu gewinnen oder zu besetzen. Syrien, Königreich Jerusalem und auch Byzanz mit König Manuel spannen Intrigen oder planen Invasionen (Haarmann, S.197).

Am ägyptischen Kalifenhof entspannt sich ein Kampf um den Wesirsposten. Die einzelnen Kandidaten und Möchtegerne werden zum Teil von syrischer oder christlicher Seite unterstützt (Haarmann, S.198).

Mitte 1161 ca.
Jerusalem-Byzanz: Christlich-byzantinischer Besetzungsplan gegen Ägypten
Bischof Wilhelm von Tyros verhandelt in Byzanz mit dem dortigen Kaiser Manuel über eine gemeinsame Besetzung Ägyptens (Haarmann, S.197).

Ende 1161
Kairo: Tributvertrag mit Jerusalem
Kreuzfahrerkönig Amalrich bedroht Ägypten mit einem grossen Heer. Der ägyptische Wesir kann sich der Bedrohung nur durch einen Tributvertrag entziehen, worin die jährliche Zahlung von 160.000 Dinar  festgeschrieben wird (Haarmann, S.198).

1162
Ausbleibender ägyptischer Tribut - europäisch-christliche Invasion bis an den Nil
Der Einmarsch unter Amalrich erreicht Bibays, Die Nilüberschwemmung verhindert ein weiteres Vorrücken der christlichen Heere.

Die europäisch-christliche Invasion provoziert eine verstärkte militärische Zusammenarbeit zwischen Ägypten und Syrien mit Ziel der Besiegung der "christlichen Kreuzfahrerstaaten" in Palästina (Haarmann, S.198).

1163
Kairo: Vertreibung des Wesirs Wawar - Flucht nach Aleppo und Armeeaufbau gegen Ägypten
Der ägyptische Wesir Wawar wird aus Kairo vertrieben. Er findet in Aleppo Zuflucht und bekommt von Emir Nur ad-din Mahmud Hilfe für eine neue Armee gegen Ägypten unter Führung des kurdischen Offiziers Sirkuh (Haarmann, S.198).

1164
Die Syrische Invasion gegen Ägypten gelingt
Das Heer des einstigen ägyptischen Wesirs Sawar unter Befehl des kurdischen Offiziers Sirkuh kann Kairo besetzen. Wesir Sawar kann sich am Kalifenhof wieder als Wesir einsetzen. Gleichzeitig möchte er aber den "lästigen" kurdischen Offizier nun loswerden und ruft hierfür König Amalrich von Jerusalem nach Ägypten (Haarmann, S.198).

Ende 1164
Besetzung Ägyptens durch die Truppen von König Amalrich von Jerusalem
Die syrischen Truppen in Bilbays werden zum Abzug gezwungen (Haarmann, S.198).

1167
Ägypten: Erneute syrische Invasion gegen Ägypten unter dem kurdischen Offizier Sirkuh - Ägypten wird Protektorat von Jerusalem
Syrische Invasion mit türkischen und kurdischen Reitern. Wieder ruft der Wesir Sawar König Amalrich zu Hilfe. Die Truppen Jerusalems besetzten ganz Ägypten und vertreiben die syrischen Truppen nun auch aus Oberägypten/Nubien in den Sudan.

Ägypten ist faktisch ein Protektorat des europäisch-christlichen Königreichs Jerusalem. Wesir Sawar muss die Heerzüge von König Amalrich bezahlen, jährlichen Tribut an Jerusalem entrichten und fränkische Truppen und "eine Art Kommissar" des Königs in Kairo zulassen (Haarmann, S.198).

1168
Ägypten: Eigenwillige Invasion von König Amalrich gegen Ägypten - ägyptischer Hilferuf an Syrien
König Amalrich entschliesst sich in Abstimmung mit Byzanz zur nochmaligen "endgültigen" Besetzung Ägyptens, die gegen den Vertrag mit dem Wesir Sawar verstösst. Die Herrschaftsansprüche werden unverhohlen gezeigt und die Stadt Bilbays erstürmt.

Wesir Sawar in Ägypten ruft nun das syrische Heer zu Hilfe, worauf Emir Nur ad-din Mahmud das syrische Heer unter Offizier Sirkuh neu ausrüstet und gegen den Jerusalemkönig Amalrich ausschickt. Endlich scheint die gemeinsame Koalition gegen die europäischen Christen geglückt (Haarmann, S.198).

Ende 1168
Syrische Besetzung Ägyptens unter Offizier Sirkuh
(Haarmann, S.198)

Jan 1169
Abzug des "christlichen" Heeres von Jerusalem aus Ägypten
(Haarmann, S.198)

Februar 1169 ca.
Kairo: Ermordung von Wesir Sawar - neuer Wesir wird Offizier Sirkuh
Die Ermordung erfolgt unter "ungeklärten Umständen". Der Kalif ernennt den kurdischen Offizier Sirkuh zum Wesir, weil dieser die militärisch grösste Macht im Land darstellt (Haarmann, S.198-199).

23.3.1169
Kairo: Tod des Offiziers und Wesirs Sirkuh - Nachfolger wird dessen Neffe Salah ad-din (Saladin) Yusuf b. Ayyub
in Übereinstimmung mit der grossen Mehrheit der syrischen Offiziere, denn Salah ad-din Yusuf / Saladin hatte sich 1168 beim Ägyptenfeldzug militärisch ausgezeichnet.

Saladin führt ein "syrisches Regime" in Kairo ein, und der Emir in Aleppo, Nur ad-din Mahmud, erwartet nun ein Zusammengehen gegen die europäisch-christlichen Invasoren (Haarmann, S.199).

August 1169
Kairo: Aufstandbekämpfung von Wesir Saladin
Salah ad-din Yusuf / Saladin muss mit seinen Truppen aufständische ismailisch-kalifische Schwarzen-Regimenter und armenische Bogenschützen-Regimenter niederwerfen, um am Kalifenhof die Entscheidungsgewalt zu behalten.

Währenddessen wird Saladin dauernd vom Kalifen in Bagdad und vom Emir in Aleppo bedrängt, endlich die europäisch-christlichen Fürstentümer zu zerschlagen, aber Saladin will sich noch keine ausserägyptischen Operationen wagen, weil er einen sofortigen Umsturz gegen seine Person befürchtet (Haarmann, S.199).

ab 1169
Ägypten-Syrien: Saladins Vetternwirtschaft
Saladin kann sich auf die Loyalität eines grossen Verwandtenkreises stützen. Er verteilt Posten im Militär und in der Administration. Dies ist eine Neuerung gegenüber der fatimidischen Praxis, wo die Söhne des Kalifen nie eine Staatsfunktion übernehmen durften, aus Angst vor Streit und Staatsteilungen, aus "Sorge um die Unteilbarkeit der charismatischen Imamswürde".  Saladin verteilt Posten an zwei ältere und drei jüngere Brüder und deren Familien, an vier eigene Söhne und deren Familien, sowie an den Onkel Sirkuh und dessen Familie.

Unter Saladin wächst zum ersten Mal eine Clan-Regierung heran. Die Streitereien um eine etwaige Nachfolge sind vorprogrammiert (Haarmann, S.205).

Salah ad-din Yusuf / Saladin formiert die Armee neu nach syrischem Vorbild (Haarmann, S.201) und  lässt eine ägyptische Flotte aufbauen (Haarmann, S.202).



1170

1170 ca.-1220 ca.
Wolfram von Eschenbach als Vertreter der deutschen Toleranz - deutsch-arabische Heiraten - die Wut der Kirche
Eschenbach behauptet: alle sind "gotes handgetât", göttlichen Ursprungs, egal, ob Christ oder Muslim (Hunke, S.88).

Auch das deutsche Rittertum
-- predigt Toleranz und Gleichwertigkeit im Kampf
-- schafft die Gestalt des "edlen Heiden"
-- auch Heiraten zwischen den Religionen sind möglich.

In den Augen der Kirche sind dies ketzerische, revolutionäre Ansichten und Taten gegen das Feindbild der römischen wie der byzantinisch-orthodoxen Kirche (Hunke, S.88).

Beispiele interreligiöser Verbindungen:
-- ein Ritter von Gibeil heiratet die Tochter des Sultans von Aleppo
-- der Sultan von Iconium heiratet eine österreichische Markgräfin Ida (Hunke, S.88).

Eschenbachs "Parzifal" und "Willehalm" als Beispiele von Religionstoleranz
Eschenbach lässt im "Parzifal" den Parzifal gegen Feirefiz kämpfen, der eine dunkle arabische Königin Zazamanc als Mutter hat, und der - wie sich herausstellt - Parzifals Halbbruder ist (Hunke, S.88-89).

Die deutsche und die arabische Ritterlichkeit zeigt sich beim Parzifal, als dessen Schwert zerbricht und Feirefitz sein Schwert fortwirft und sich zu erkennen gibt (S.89).

Der Halbaraber Feirefitz sichert Parzifal das Überleben. Dies ist für Rom, Byzanz und Frankreich ein "ungeheuerlicher" Vorgang (Hunke, S.90).

In Eschenbachs "Willehalm" führt ein Araber in Aachen die fliehenden Reichsritter gegen seinen eigenen arabischen Vater zum Sieg (Hunke, S.90).

Die Minnedichtungen von Walther von der Vogelweide sowie die Sagendichtungen Parzival und Titurel von Wolfram von Eschenbach werden alle gesungen rezitiert und aufgeführt, eine arabisch inspirierte Aufführungsart (Hunke, S.160).

Walther von der Vogelweide erwartet Gottes Urteil
Walther von der Vogelweide verkündet, Gott werde "zu Recht zwischen Christen, Juden und Heiden entscheiden", wessen Erbe das "heilige Land" sei (Hunke, S.119).

1171
Kairo: Wesir Saladin stürzt den Kalifen - neue sunnitische Richter
Salah ad-din Yusuf / Saladin lässt das in den Augen des Emirs von Aleppo und Bagdads ketzerische ismailitische Kalifensystem in Kairo stürzen. Er lässt alle ismailitischen Richter durch sunnitische Richter ersetzen (Haarmann, S.199).

10.9.1171
Kairo: Huldigung an Bagdad
Im Freitagsgebet in Alt-Kairo wird dem abbasidischen Kalifen in Bagdad al-Mustadi' gehuldigt. Der ismailitische Zusatzruf "Auf zum besten Tun" wird unterlassen (Haarmann, S.199).

13.9.1171
Tod des 19-jährigen Fatimidenkalifen al-'Adid ohne Kinder - Ende der Ismailiten/ Fatimiden
Im Freitagsgebet wird nun auch in Neu-Kairo dem abbasidischen Kalifen gehuldigt, und die Lehrsitzungen werden eingestellt.

Salah ad-din Yusuf / Saladin ordnet die Prägung neuer Münzen an mit dem Namen des Abbasidenkalifen und des Emirs von Aleppo. Das Kairoer ismailitische Kalifat ist damit gestorben und Bagdad wird wieder unbestrittene muslimische Hauptstadt (Haarmann, S.199).

1172
Kreuzzug von Heinrich "dem Löwen"
-- Herzog von Sachsen und Bayern, auf private Initiative hin
-- seine Motivation ist weder Glaubenseifer noch Feindbild, sondern Pilgerei
-- er beklagt einige Verluste durch Klima und Krankheit (Hunke, S.54).

Mitte 1172
Empfang des Kreuzzugs unter Heinrich "dem Löwen" in Konstantinopel als einer der "ganz grossen Herren"
In der Folge durchzieht der Kreuzzug das Königreich Jerusalem, besucht die "heiligen Stätten", stiftet reichlich, stiftet "ewige Lampen", Silberbeschläge und kostbaren Schmuck (S.54), stiftet den Templern und Johannitern Waffen und Geldgeschenke (S.55).

Ende 1172
Rückmarsch des Kreuzzugsheers unter Heinrich "dem Löwen" - Entlassung christlicher Gefangener
Die Gesandtschaft des Sultans von Konya stellt sich dem Zug von Heinrich "dem Löwen" in Tarsoso auf, um dem deutschen Zug durch Kilikien Begleitschutz zu geben. Empfang beim Sultan von Konya:

-- der Sultan behauptet, seine Grossmutter sei eine Deutsche
-- der Sultan entlässt zu Ehren von Heinrich alle christlichen Gefangenen und lässt sie mit dem Zug Heinrichs nach Europa zurückkehren

-- der Sultan lässt Heinrich reich beschenken, u.a. mit Seidengewändern und zwei gezähmten Jagdleoparden (Hunke, S.55).

1173
Saladins Vorschlag einer Heiratsverbindung zwischen Sultanat und Deutschem Reich

Saladin schickt eine Abordnung zu Friedrich I. nach Aachen, mit dem Vorschlag der Heirat des Saladin-Sohnes mit der Tochter von Friedrich I., wobei der Sohn christlich getauft werden soll (S.58).

Nubien: Turansah, der Bruder von Salah ad-din Yusuf b. Ayyub / Saladin, besetzt Nubien
(Haarmann, S.201-202)

Syrien: Steuerstreit mit Kairo
Emir Nur ad-din verlangt Einsicht in Kairos Steuerbücher, bekommt sie aber nicht. Der Streit um nicht bezahlte Abgaben droht zu eskalieren (Haarmann, S.202).

Ägypten-Pisa: Pisa verpflichtet sich zu Eisen-, Holz- und Pechlieferungen an Ägypten
(Haarmann, S.212)

Anfang 1173
Heinrich "der Löwe" kommt mit einem grösseren Heer aus Palästina zurück, als es 1172 bei Abmarsch war (Hunke, S.54)

[und stellt damit die ganze Kirchenhetzpolitik Frankreichs und Roms offiziell in Frage].

ab Anfang 1173
Deutsches Reich: Entstehen unwahrer Erzählungen über Heinrich "den Löwen"
Heinrich lässt in Braunschweig ein Löwendenkmal errichten. Das Volk rätselt darüber, so dass verschiedene Heinrich-Sagen in Form von Ritterepen, Dichtungen, Volksliedern und sogar eine Oper entsteht, die Heinrich einen siegreichen Kampf gegen den Islam andichten. Heinrich soll eine Schlacht gewonnen, den Sultan am Leben gelassen und dafür einen zahmen Löwen geschenkt erhalten haben (Hunke, S.56).

1174
Ägypten: Jemenexpedition zur Machtdemonstration
Turansah
marschiert von Kairo über Medina und Mekka nach Jemen zur "Absicherung" des Indienhandels (Haarmann, S.202).

Syrien: Tod von Nur ad-din - Streit um die Nachfolge des 11-jährigen Sohnes as-Salih
Salah ad-din Yusuf / Saladin will die Wirren um die Nachfolge in Damaskus nützen, um in Syrien an Einfluss zu gewinnen, und bereitet einen Feldzug vor (Haarmann, S.202).

Salah ad-din Yusuf rechtfertigt seinen Besetzungsplan gegen Damaskus gegenüber Bagdad, dass er die zerstrittenen Muslime in Syrien "einigen" wolle und dies für einen "heiligen Krieg" gegen die "Ungläubigen" (Christen) notwendig sei (Haarmann, S.202).

Oktober 1174
Damaskus: Ägyptische Invasion
Saladin zieht mit 700 Reitern über Bosra nach Damaskus und besetzt die Stadt fast kampflos. Hims und Hamah ergeben sich (Haarmann, S.202).

ab Ende 1174
Saladin lässt Aleppo belagern
(Haarmann, S.202)

Mai 1175
Aleppo/Damaskus-Kairo: Abkommen
zwischen Salah ad-din und Syrien: Saladin regiert Damaskus und Nordsyrien bis Hamah und Ma 'arrat an-Nu'man, muss aber as-Salih als nominellen Oberherrn anerkennen (Haarmann, S.202).

Bagdad-Kairo: Der Kalif von Bagdad sendet Saladin ein "Diplom", das ihm die Usurpation der Herrschaft über Syrien und Ägypten legitimiert (Haarmann, S.202).

ab Mai 1175
Aleppo: Ägyptischer Profit durch die "Seidenstrasse" - und Venedig
Mit dem "Diplom", das die Herrschaft Saladins über Syrien bestätigt, ist für Ägypten der Anschluss an die "Seidenstrasse" nach Bagdad-Samarkand-China geschafft.  Gleichzeitig kann der Handel über die Burg Sahyun und die Häfen Latakia und Gabala/Gibel/Zibel nach Europa abgewickelt werden. Ägypten erhebt hier alleine alle Zölle und Hafengebühren, vor allem für den Handel mit Seide und Baumwolle. Venedig beginnt sich an diesem Handel zu engagieren (Haarmann, S.212).

ab 1175
Kairo-Jerusalem: Waffenstillstand für Zeitgewinn gegen die Christen in Palästina
Salah ad-din Yusuf schliesst einen Waffenstillstandsvertrag mit den Franken, um seine Macht auch nach Nordsyrien und dem oberen Mesopotamien, Gazira, auszubauen. Saladin wiederholt damit die Politik von Nur ad-din (Haarmann, S.202). Nur mit dem mesopotamischen Hinterland ist der "heilige Krieg" gegen die Christen möglich. Die Kette der syrischen Städte reicht dafür nicht aus. Saladin hält sich solange dauernd in Syrien auf (Haarmann, S.202-203).

1176-1181
Kairo: Einführung des Lehenssystems für Kairoer Soldaten - Verarmung des Landes, Reichtum in Kairo
Salah ad-din lässt das iqta-System einführen, die Zuteilung von Lehen an Soldaten als Soldatensold. Ein grosser Teil des Landes muss zu diesem Zweck neu bewertet und verteilt werden. Der Soldat erhält Steuereinzugsrecht auf der Länderei, muss aber alle Ausgaben, die er in einem Feldzug hat, selbst bestreiten. Gleichzeitig entgehen dem Staat Einnahmen, und es entstehen grossflächige private Schutzherrschaften. Einige Ländereien lässt Saladin als "Kronland" definieren (hasch), so dass sie nicht vergeben werden können.

Ab der Lehensvergabe fliessen konzentriert grosse Teile der Steuern an die Lehensherren, die alle ihren Sitz in Kairo haben. Das Land verarmt, Kairo wird übermässig reich (Haarmann, S.201).

1177
Ägypten-Genua: Handelsvertrag
(Haarmann, S.213)

ab 1177
Kairo: Salah ad-din Yusuf / Saladin führt den Titel "Wiederbeleber der Herrschaft des Befehlshabers der Gläubigen"/ "muhyi dawlat amir al-mu 'minin"
Gegen "Kreuzfahrer" unternimmt er jedoch kaum etwas ausser ein paar "Scharmützeln" wie Flottenangriffe auf palästinensische Häfen und zwei erfolglose Landangriffe gegen al-Karak (heute Jordanien), das die Karawanenroute zwischen Ägypten und Syrien bedroht (Haarmann, S.202).

Frieden schadet Saladin innenpolitisch
Durch die Duldung eines modus vivendi mit den Kreuzfahrern erhalten Saladin und seine Nachfolger keinen guten innerislamischen Ruf (Haarmann, S.239).



1180

Kairo-Jerusalem: Erneuter Waffenstillstandsvertrag
(Haarmann, S.202)

ab 1180 ca.
Europa: Neue Kleidermodelle aus dem arabischen Raum
-- Pantoffel/Babuschen
-- Gamaschen, benannt nach der nordafrikanischen Stadt Ghadames
-- Verbandsstoff in Gazegewebe, arab. kazz, aus durchsichtiger Rohseide oder Baumwolle
-- Schleier für Frauen in Luxusgesellschaften
-- Turbane für Männer, die sich aber nicht durchsetzen
-- Mütze, arab. mustakah, vom arabischen Pelzmantel mit Kapuze
-- Kappe, von Kapuze
-- Kittel aus Kattun, arab. qatn, mit losen Ärmeln, die der Kirche ein Dorn im Auge sind (Hunke, S.103), werden auch als "Moriskenmäntel" bezeichnet

-- Joppe, arab. gubba/dschubba, Jackett
-- Arabeske, streng geometrische Ornamentik in unendlicher Wiederholung mit unendlich vielen Mittelpunkten (Hunke, S.104).

Deutsches Reich: Arabische Segenssprüche in arabischer Schrift in deutsch-kirchlichen Reliquien und Ornamenten 
kommen vor in deutschen Büchern, auf Gläsern, auf Kirchenwänden, auf Hostienschalen, auf Abendmalskelchen, auf Kleidersäumen, auf Heiligenscheinen wie in Braunschweig, Siegburg, Sinzig, Köln, Trier, Mainz, Marburg und Salzburg (105).

ab 1180 ca.
Die Europäisch-christliche Invasoren versuchen, Ägypten zu blockieren
Von den südlichsten Kreuzfahrerburgen aus - Karak und Sawbak, südöstlich des toten Meeres - versuchen die europäisch-christlichen Invasoren, in Richtung Rotes Meer vorzustossen mit Ziel, den Indienhandel Ägyptens zu unterbrechen und eventuell an sich zu reissen (Haarmann, S.195).

1181
Ägypten: Stand des ägyptischen Heeres: "Heeresrolle"
Nach der "Heeresrolle" besteht das ägyptische Heer aus 111 Offizieren, 6976 Reitern (tawaschi) mit Reiterknechten (arab.: mamluk), 1553 Mann leichte Kavallerie (qaragulam), Beduinen an den Rändern des Nildeltas und im Sinai, sowie aus freiwilligen Glaubenskämpfern (gazi) (Haarmann, S.201).

1182/1183
Jerusalem-Ägypten: Der Versuch der europäisch-christlichen Invasoren zur Besetzung des Roten Meeres scheitert
Der "Kreuzfahrerfürst" Rainald [kein Druckfehler!] von Châtillon, der "Herr von Oultrejourdain", unternimmt von Ayla (al-'Aqaba) aus einen Flottenraubzug entlang der Küste des Roten Meeres bis 'Aydab. Die Bedrohung des ägyptischen Rotmeerhafens und die Blockade des ägyptischen Indienhandels gelingt jedoch nicht, da der Hafen zu weit südlich liegt (Haarmann, S.195).

1183
Kairo-Jerusalem: Erneuter Waffenstillstandsvertrag
(Haarmann, S.202)

Damaskus-Ägypten: Sturz der Zengiden durch Wesir Saladin
Salah ad-din Yusuf / Saladin kann die Herrschaft der Zengiden in Damaskus stürzen und lässt ganz Mesopotamien besetzen: Edessa/ar-Ruha, Harran, Mardin, Singar, Nasibin, Amid/Dyarbakir, und nach mehrwöchiger Belagerung auch Aleppo. Der 20-jährige Zengide as-Salih muss abtreten (Haarmann, S.203).

ab 1183
Zitadelle für Kairo
Salah ad-din Yusuf / Saladin lässt durch seinen Mamluken Qaraqus die Zitadelle Kairos auf einem der Ausläufer des Muqattam erbauen (Haarmann, S.201).

1185
Kairo-Jerusalem: Erneuter Waffenstillstandsvertrag
(Haarmann, S.202)

1185?
Palästina: Raubzüge von Renaud de Châtillon: bis zur Plünderung von Mekka und Medina, Inhaftierung der Schwester Saladins - Saladin muss handeln
Der Französische Ritter Renaud de Châtillon bekommt durch eine Liebschaft mit der verwitweten Fürstin von Antiochia die Herrschaft über eines der Fürstentümer des Königreiches Jerusalem östlich des Jordan bis ans Rote Meer und herrscht auf der Wüstenfestung Krak von Moab (Hunke, S.81).

Er bleibt Wegelagerer, wildert mit seiner Bande gegen Kamelkarawanen und Pilgerkarawanen aus Ägypten und Damaskus, bricht laufend Abmachungen mit den Arabern (Hunke, S.81),  weitet seine Raubzüge vom Hafen von Akaba aus aufs Rote Meer bis nach Aden aus (Hunke, S.81-82), plündert sogar die "heiligen islamischen Stätten" Mekka und Medina (Hunke, S.83) und nimmt eine Kamelkarawane gefangen, darunter die Schwester Saladins (Hunke, S.82).

In der Folge steigt der Zorn Saladins in Kairo aufs Höchste, verlangt von König Guido von Lusignan von Jerusalem ultimativ die Freigabe der Schwester und der Karawane bei gleichzeitiger Versicherung, am Waffenstillstand festzuhalten (Hunke, S.82).

König Guido befiehlt Fürst Renaud die Freilassung der Karawande. Renaud aber verweigert die Freilassung, denn er selbst habe mit Saladin keinen Waffenstillstand geschlossen.

In der Folge wird der Raub der Karawane mit der Schwester Saladins der Anlass für den "Untergang Jerusalems" (Hunke, S.82).

[Es ist bezeichnend, dass Haarmann diesen Zusammenhang unterschlägt].

1186
Mossul: Der zengidische Emir von Mossul anerkennt Saladin als Oberherr
(Haarmann, S.203)

3.7.1187
Muslimischer Sieg bei Hittin - das "heilige Kreuz" fällt in arabische Hände - Saladin lässt Guido de Lusignan am Leben - Fürst Renaud wird geköpft
Köpfung von Renaud den Golan-Höhen, völlige Vernichtung der christlichen Heere und der Ordensritterheere, Massentod durch Verdursten und Hunger. Nur dem Grafen von Tripoli gelingt der Ausbruch.

Das Königreich Jerusalem fällt. Das "Kreuz des Erlösers", das als christliches Feldzeichen in die Schlacht getragen wurde, fällt in muslimische Hände (Hunke, S.82).

Saladin fordert alle Barone und Ritter in sein Zelt, die alle das Henkersgericht erwarten. Saladin aber gibt Guido de Lusignan zu trinken und gibt ihm somit symbolisch das Zeichen, dass er unter dem Schutz des Sultans stehe (Hunke, S.82).

Da gibt Guido de Lusignan den Trunk an Fürst Renaud weiter, was Saladin nicht erträgt. Er lässt den ewigen Verräter vors Zelt schleppen und köpft ihn eigenhändig (Hunke, S.83).

Saladin lässt Guy de Lusignan am Leben und entlässt ihn auf sein Ehrenwort, keinen Krieg mehr gegen Saladin anzufangen (Hunke, S.65).

Guido de Lusignan aber bereitet eine Racheaktion wegen der Hinrichtung von Fürst Renaud vor. Für ihn ist die Abmachung mit Saladin nichtig (Hunke, S.83).

Aug 1187 ca.
Muslimische Besetzung von Jerusalem unter Saladin - Saladins Grossmut
Nach der Schlacht bei Hittin fällt Jerusalem in muslimische Hände.

Saladin
-- gewährt den christlichen Bewohnern freien Abzug und bewaffnetes Geleit bis zur Grenze
-- den Begüterten gibt Saladin 40 Tage Zeit, ein Lösegeld aufzubringen
-- den Ärmeren gibt Saladin die Freiheit für wenig Geld
-- der Bruder Saladins regt an, 1000e der Christen ohne Zahlung freizulassen, worauf Saladin einwilligt und 15.000 ältere Menschen freilässt

-- Christen, die in Jerusalem sterben wollen, dürfen bleiben (Hunke, S.64) 
-- den grössten Feinden, dem römischen Patriarchen, der die Verteidigung Jerusalems leitete, und anderen Verteigern, gibt Saladin die Freiheit (Hunke, S.64-65).

Alle Freigelassenen bekommen bewaffnetes Geleit bis an die Grenze des fränkischen Gebietes, um sie vor fränkischen Räubergruppen zu schützen [!], die viele der Freigelassenen töten und ausrauben... (Hunke, S.65)

Akkon: Sultan al-Aschraf gibt den Ritterorden zum Schutz seine Fahne
Templer und Deutsche Ritterorden ergeben sich den Heeren von Sultan al-Aschraf, nachdem Jerusalem bereits gefallen ist. Sultan al-Aschraf sendet den christlichen Ritterorden eine Fahne zum Schutz ihres Lebens, die sie auf ihrem Turm aufpflanzen. Banditen, die die Ordensunterkünfte berauben wollen, werden von Wachen getötet (Hunke, S.132).

Ende 1187 ca.
Guido de Lusignan bricht den Waffenstillstand mit Saladin - Organisation der Belagerung von Akkon
Guido de Lusignan sammelt die Überbleibsel des Kreuzzugsheeres um sich, angestachelt von Rachegelüsten wegen der Köpfung des Fürsten Renaud (Hunke, S.83).

Er organisiert die Belagerung von Akkon, woraufhin weitere Kreuzzugsheere nach Akkon strömen (Hunke, S.65).

ab Ende 1187 ca.
Europa: Totaler Werbefeldzug in Europa für neue Kreuzzüge
um die totale Niederlage der Franken im "heiligen Land" zu verhindern. Rom wendet sich direkt an die Könige, Papst Clemens III., fordert Friedrich I. zum "heiligen Krieg" auf und verspricht ihm Ablass seiner Sünden, "ewiges Leben" und Anhäufung "reicher Schätze" im "Himmel". In der Folge lehnen die deutschen Könige die Kreuzzugshetze des Papstes wieder ab (S.58).

Jan 1187
Wieder christlicher Überfall auf Karawane bei al-Karak
Rainald von Châtillon
lässt von al-Karak aus (heute Jordanien) eine syrisch-ägyptische Karawane überfallen.

Saladin fordert vom König von Jerusalem, Guy de Lusignan, Genugtuung, bekommt sie aber nicht (Haarmann, S.203).

Juni 1187 ca.
Kairo: Saladin ruft den "heiligen Krieg" gegen die Kreuzfahrerstaaten aus
Jetzt hat Saladin vom "Königreich von Jerusalem" genug und beginnt mit dem Zusammenziehen seiner Truppen im Golan/Gawlan sowie mit der Aufstellung des ganzen ägyptischen Heeres (Haarmann, S.203).

Ende Juni 1187 ca.
Kairo: Ägyptisch-syrische Besetzung von Tiberias, Belagerung der Zitadelle
(Haarmann, S.203)

3.7.1187
Kairo-Jerusalem: Das Kreuzfahrerheer erreicht Tiberias nicht
König Guy de Lusignan lässt das Kreuzfahrerheer in Galiläa in Marsch setzen. Bei der glühenden Sommerhitze aber erreicht das Heer Tiberias nicht, auch nicht den See Genezareth (Haarmann, S.203).

4.7.1187
Königreich Jerusalem: Niederlage gegen ägyptisches Heer - Exekution von Rainald von Châtillon
Das muslimische ägyptisch-syrische Heer zersprengt beim Dorf Hattin das Kreuzfahrerheer von König Guy de Lusignan. Der König Guy de Lusignan, der Grossmeister des Templerordens und Rainald von Châtillon geraten sogar in Gefangenschaft. Rainald von Châtillon und die Angehörigen der Ritterorden werden hingerichtet. Das Feldheer von Guy de Lusignan ist vernichtet. Er darf aber weiter im Namen Jerusalems verhandeln (Haarmann, S.203).

5 7.1187
Tiberias: Kapitulation der Zitadelle, ägyptisch-syrische Besetzung
(Haarmann, S.203)

9.7.1187
Akkon: Kampflose Übergabe an ägyptisch-syrische Truppen
(Haarmann, S.203)

ab Mitte Juli-August 1187 ca.
Palästina: Saladin lässt christliche Burgen und Städte kampflos einnehmen
Nazareth, Nablus, Baysan, Jericho, Ramla, Hebron, Gaza, und die Hafenstädte von Haifa bis Beirut, die mit der ägyptischen Flotte bezwungen werden (Haarmann, S.203).

1187
Askalon: Christliche Kapitulation
König Guy de Lusignan von Jerusalem erkauft sich damit die Freiheit (Haarmann, S.203).

Sep 1187 ca.
Tyros (Königreich Jerusalem): Ankunft von Verstärkung aus Europa in Tyros. So kann sich Tyros gegen die ägyptisch-syrischen Truppen verteidigen.
(Haarmann, S.203)

1.10.1187
Jerusalem: Besetzung durch ägyptisch-syrische Truppen - neuer Kreuzzugsaufruf in Europa
Diese Besetzung ist für Salah ad-din Yusuf / Saladin ein wertvoller Prestigeerfolg, strategisch und wirtschaftlich aber nicht sehr bedeutend. Saladin kann sich nun als erfolgreicher Vorkämpfer des Islam feiern lassen. Das Königreich Jerusalem ist zerschlagen (Haarmann, S.203). Der "Fall von Jerusalem" provoziert in Europa einen gemeinsamen Kreuzzug mit Hetze gegen die "Heiden" (Haarmann, S.204).

1188 ca.
Roms Kreuzzugspropaganda verfängt im Deutschen Reich immer noch nicht
Papst Clemens III. schickt einen päpstlichen Legaten, Kardinal Heinrich von Albano, an den Hof Friedrichs I., um ihn zum Kreuzzug zu überzeugen, was ihm aber nicht gelingt (Hunke, S.58).

Hoftage in Strassburg
Dritter Versuch des päpstlichen Legaten, Kardinal Heinrich von Albano, Friedrich I. zum Kreuzzug zu überzeugen (Hunke, S.58).

Reichstag zu Worms - deutsche Kreuzzüge gehen nach Osteuropa
Die norddeutschen Fürsten weigern sich, gegen die "Heiden" im Vorderen Orient ins Feld zu ziehen, denn der Kampf in Osteuropa gegen die dortigen "Heiden" sei ebenso verdienstvoll... (Hunke, S.53)

[und ebenso grausam...].

26.5.1188
Deutsches Reich: Friedrich I. bereitet in eigenem Interesse einen Kreuzzug vor
um sich gegenüber dem Papst zu profilieren:
-- alle Mitläufer sind ausgeschlossen
-- der Kreuzzug ist mit Rom nicht abgesprochen, was den Papst sehr verärgert
-- die 3000 Ritter im Heer dienen im Namen von Friedrich I. "in stetigem Aufblick zu ihrem Kaiser" und sie dienen nicht im Namen der Kirche (Hunke, S.58).

Friedrich I. sendet über den Boten Graf Heinrich von Dietz an Saladin die Kriegsbotschaft, kündet den Kampf an und bestimmt Zeit und Ort: 1.November 1189, Feld von Zoan, mit der Aufforderung, die muslimische Besetzung Jerusalems wieder rückgängig zu machen und die fränkischen Gefangenen freizulassen (Hunke, S.59).

Juli 1188 ca.
Saladins Friedensangebot an Friedrich I.
"seinen wahren, grossen und erhabenen Freund, Friedrich, König von Deutschland":
-- Freilassung aller fränkischen Gefangenen
-- Zugang zum "heiligen Grab" und Duldung christlicher Gottesdienste in der Grabeskirche
-- Bedingung: Die fränkischen Invasoren sollen alle besetzten Festungen Palästinas abgeben (Hunke, S.59).

1188-1191
Guido von Lusignan lässt Akkon belagern - "3. Kreuzzug"
-- Guido von Lusignan bricht seine Versicherung, er werde gegen Saladin keinen Krieg mehr führen
-- es kommt sogar englischer, französischer und deutscher "Nachschub", als "3.Kreuzzug" bezeichnet.

Die Belagerung wird laufend durch Normannen und Dänen unterstützt (Hunke, S.60).
Die weitmaschigen Panzerhemden der neuen europäischen Ritterheere sind durch Kettenpanzer und Filzschutz ersetzt, was vor den Pfeilen schützt (Hunke, S.128).

ab März 1188 ca.
Palästina: Angriffe unter Saladin auf Tripolis und Antiochien
(Haarmann, S.203).

Juli 1188
Palästina: Ägyptisch-syrische Besetzung der Küstenstädte Beirut und Latakia/al-Ladiqiyya/ Laodikeia
Tripolis aber nicht. Dafür werden noch die Burg Sahyun (hinter Tripolis), das Orontes-Tal und den strategisch wichtigen Ort al-Karak (heute Jordanien) ägyptisch-syrisch besetzt (Haarmann, S.203-204).

August 1188
Königreich Jerusalem: Christliche Belagerung von Akkon
Die christlichen Truppen unter Guy de Lusignan rücken von Tyros nach Süden gegen Akkon vor. Belagerung von Akkon, das von ägyptischen Schiffen vom Meer her versorgt wird. Saladins Truppen schliessen die fränkischen Belagerer ein (Haarmann, S.204).

August/September 1189 ca.
Akkon: dauernde Verstärkung der Belagerung durch christlichen Nachschub
(Haarmann, S.204)

1.11.1189
Der Kreuzzug von Friedrich I. "Barbarossa" bleibt in Byzanz hängen. Der Kriegstermin mit Saladin wird von christlicher Seite nicht eingehalten (Hunke, S.59).



1190

1190
Akkon: Christliche Verstärkungsheere
Ankunft des englischen Kreuzzugsheers unter Richard "Löwenherz" und des französischen Kreuzzugsheeres unter König Philipp August zur Unterstützung der Belagerung von Akkon (Hunke, S.60).

Arabische Hilfe für Richards Gesundheit
Richard geniesst ausserordentlichen Respekt bei den Muslimen. Dabei wird er krank. Richard "Löwenherz" will die ritterlichen Sitten der Muslime ausnutzen, schickt einen Boten ins Lager Saladins mit der Bitte um Medizin, behauptet aber, er habe auch in Kriegszeiten Geschenke für den Sultan bereit (Hunke, S.81).

Sultan-Bruder Malik Adil sagt zu, die Geschenke anzunehmen, wenn der Sultan auch welche bieten dürfe, woraufhin der Bote Richards behauptet, er bräuchte Hühnchen, um seine Falken und Raubvögel zu ernähren (Hunke, S.81).

Malik Adil empfiehlt, Richard selbst solle die Hühnchen essen, statt sie den Vögeln zu geben. Richard bekommt alles. Einige Tage später lässt Richard "Löwenherz" einen muslimischen Gefangenen frei und Saladin übergibt dem Boten ein "Ehrengewand" (Hunke, S.80). Einige Tage später bittet Richard "Löwenherz" um Früchte und Zuckerwerk, was ihm auch gewährt wird (Hunke, 80-81).

Dann erfolgt das Gemetzel wegen "verzögerter Übergabe des Kreuzes" (Hunke, S.81).

10.6.1190
Friedrich I. Barbarossa ertrinkt in den Fluten des Flusses Saleph
Das Heer ist durch Seuchen und Kämpfe geschwächt. Ein grösserer Teil der 3000 Ritter kehrt nach Deutschland zurück, einige begehen Selbstmord, viele geraten in Gefangenschaft und werden als Sklaven verkauft und einigen Splittergruppen gelingt die Weiterreise nach Palästina (Hunke, S.59).

August 1190 ca.
Akkon: Resttruppen Friedrich I. Barbarossas - französischer Argwohn über verweigerte Hilfe
Die Splittergruppen des Kreuzzuges von Friedrich I. Barbarossa unter dessen Sohn, Friedrich von Schwaben, erreichen Akkon und unterstützen die Belagerung, darunter der deutsche Landgraf Ludwig von Thüringen, der an Malaria erkrankt. Die ganze Gruppe hat sich bereits in den Kreuzfahrerprovinzen eine Seuche zugezogen (Hunke, S.60). 

Streitigkeiten zwischen deutschen und französischen Rittern mit Verdächtigungen gegen Landgraf Ludwig von Thüringen wegen angeblichen Verbindungen zu Saladin ergeben eine Schwächung der christlichen Heere. Es geht das Gerücht um, Saladin habe Ludwig von Thüringen Beduinen ins Lager geschleust, die nun Sabotageakte verüben würden. Dabei war es ein Arzt Saladins (Hunke, S.60).

Insgesamt verweigern die Spitäler der Johanniter-Orden die Spitalaufnahme deutscher Ritter, so dass diese die Notunterkünfte zwischen den Koggen/dickbauchigen Hanseschiffen der Bremer und Lübecker Kaufleute belegen (Hunke, S.60). Französische Johanniter verweigern die Pflege deutscher verwundeter Ritter

-- aus nationalem Hass
-- aus Feindschaft des Papstes gegen das Deutsche Reich, vor allem gegen die Hohenstaufen (Hunke, S.48).

In der Folge wird die Gründung eines Deutschen Ritterordens vorbereitet (Hunke, S.48).

Sep 1190 ca.
Akkon: Tod von Friedrich von Schwaben
Auflösung aller deutschen Verbände und Heimreise von Landgraf Ludwig von Thüringen, wo er noch vor Zypern stirbt. Die französische "christliche"Geschichtsschreibung hetzt in der Folge gegen "die Deutschen", sie hätten mit Saladin paktiert (Hunke, S.60).


Christliche Einnahme von Akkon - Streit um das "heilige Kreuz" - Massaker an Muslimen durch Richard Löwenherz - Saladin verweigert Gefangenenaustausch, Rückgabe des Kreuzes und Restitution des Königreichs Jerusalem - erster breiter  Pazifismus in Europa

1191
Akkon: Bau eines "Deutschen Hauses"
durch den Barbarossasohn Friedrich von Schwaben (Hunke, S.48).

April 1191
Akkon: Landung eines französischen Kreuzzugsheeres unter Philipp II.
(Haarmann, S.204

Juni 1191
Akkon: Landung eines englischen Kreuzzugsheeres unter Richard Löwenherz
(Haarmann, S.204)

Saladin schickt dem erkrankten Richard Löwenherz einen Arzt, so wie früher dem Landgraf Ludwig von Thüringen (Hunke, S.60).

12.7.1191
Akkon: Christliche Besetzung - Akkon wird neue Hauptstadt des Königreichs Jerusalem
Akkon wird neben Tripolis der bedeutendste Umschlagplatz für das syrische Hinterland. Der französische König Philipp II. reist nach Hause, Richard Löwenherz muss den Krieg gegen Syrien und Ägypten allein weiterführen (Haarmann, S.204).

Ende Juli 1191 ca.
Jaffa: Christliche Besetzung von Jaffa durch Löwenherz-Truppen
aber kein Durchbruch nach Jerusalem möglich (Haarmann, S.204).

Nach der christlichen Besetzung von Akkon rechnet Richard Löwenherz die Eroberung Akkons sich alleine zu. Guy de Lusignan kehrt mit einem Teil seines französischen Heeres nach Frankreich zurück. Die in Palästina bleibenden Teile treten unter den Befehl des Herzogs von Burgund (Hunke, S.65).

1000e Muslime sind Gefangene von Richard Löwenherz. Das "christliche" Vorgehen plant die Freilassung nach einer Taufe. In der Folge lassen sich viele Muslime zum Schein taufen. Bei Entdeckung der vorgegebenen Taufe wird die Taufe verboten und es beginnen lange Verhandlungen um einen Gefangenenaustausch. Die Christen verlangen ein hohes Lösegeld und die Rückgabe des "heiligen Kreuzes", das Saladin in Hittin als Sieger den Christen abgenommen hat. Der Termin wird abgemacht, ohne alle Details ausgehandelt zu haben (Hunke, S.65).

Am Tag der ausgemachten Kreuzübergabe erscheint Saladin nicht, so dass Richard Löwenherz alle muslimischen Gefangenen hinrichten lässt und habgierige Christen sogar die Gedärme der Hingerichteten nach verschlucktem Gold durchsuchen. Der Massenmord wird bekannt und schadet in der Folge der ganzen Christenheit in der islamischen Welt (Hunke, S.65).

Saladin lässt keine Freilassung von christlichen Gefangenen mehr zu, verweigert die Rückgabe des "heiligen Kreuzes" und auch die Wiederherstellung des Königreichs Jerusalem.
Gleichzeitig kommen im "christlichen" Europa immer mehr Bedenken gegen die Kreuzzüge auf. Es bilden sich Pazifistengruppen und geistiger Protest. Ritter Wolfram von Eschenbach formuliert in seinem "Willehalm" (Hunke, S.450,15):

 "Ist das nicht Sünde, dass man die, die nie
Kunde von der Taufe empfingen,
Erschlug wie Vieh?
Ich spreche hierbei sogar von grosser Sünde:
Weil alle Gottes Geschöpfe sind." (Hunke, S.66)

1192
Akkon: Ermordung des Königs von Jerusalem Konrad von Montferrat
durch die "nizaritische" Terrorgruppe der persischen Burg Alamut (Haarmann, S.192).

August 1192
Akkon: Der älteste Bruder von Saladin, Abu Bakr, führt die Waffenstillstandsverhandlungen auf der ägyptisch-syrischen Seite "zäh und klug".
(Haarmann, S.205)

1.9.1192
Waffenstillstand Löwenherz-Saladin
-- Saladin behält alle Besetzungen im Binnenland, sowie Gaza und Askalon
-- Löwenherz behält als neuer "König von Jerusalem" alle Küstenstädte von Latakia bis Jaffa
-- Saladin sichert für alle Christen ein freies Pilgerrecht nach Jerusalem zu
-- der Vertrag soll drei Jahre gültig sein (Haarmann, S.204).

Winter 1192/1193
Jerusalem unter Saladin: Schleifung der Stadtmauer und der wichtigsten "christlichen" Burgen
Saladin entlässt seine Heere, er selbst zieht sich nach Damaskus zurück. Beginn mit der Schleifung der Stadtmauer von Jerusalem und der wichtigsten christlichen Burgen (Haarmann, S.204).

4.3.1193
Kairo: Tod von Salah ad-din Yusuf/Saladin nach "kurzer Krankheit" - Thronkämpfe
(Haarmann, S.204)

1195
Ägypten-Palästina: Waffenstillstand zwischen Löwenherz und Saladin
wird stillschweigend verlängert, hält insgesamt 25 Jahre (Haarmann, S.204). Der älteste Bruder von Saladin, Abu Bakr, Besitzer der Gazira in Mesopotamien, kommt nach Ägypten. Thronkämpfe (Haarmann, S.205).

Kairo: Nachfolgediskussion: Saladin-Bruder Abu Bakr al-Malik al-'Adil verteilt das Reich an seine drei Söhne
Der älteste Bruder von Saladin, Abu Bakr, setzt sich als Senior der Sippe gegen die zerstrittenen Söhne des Sultans durch und wird nach der Besetzung Ägyptens unumstrittener Chef des ayyubidischen Hauses (Haarmann, S.205).

In der Folge verteilt Abu Bakr das Reich an seine drei Söhne:
-- al-Malik al-Kamil (-1238) in Kairo, designierter Thronfolger
-- al-Malik al-Asraf in der Gazira in Mesopotamien
-- al-Malik al-Mu'azzam (-1226) in Syrien.

Die Söhne von Saladin übernehmen die Verwaltungen in Aleppo, die Brüder von Saladin die Verwaltungen in Turansah, die Familie des Onkels Sirkuh in Hims. Die weitere Verwandtschaft übernimmt Posten in Baniyas, Bosra, Baalbek, al-Karak und im Jemen.

Abu Bakr al-Malik al-'Adil  selbst regiert ohne feste Residenz, meist zwischen Kairo und Damaskus pendelnd. Mit dieser Machtverteilung ist ein gemeinsames politisches und militärisches Handeln kaum möglich.

Zudem zeigen die angeschlossenen Fürstentümer der Zengiden am oberen Tigris, Singar und Mossul, sowie die Fürstentümer der turkmenischen Ortoqiden in Mardin und Amid/Diyarbakr und im südlichen Armenien Autonomiebestrebungen (Haarmann, S.205).

[Saladin hat die Nachfolge nicht geregelt und sein Reich wird wegen der Verteilungs-Strategie von Abu Bakr bald auseinanderbrechen...].

1197
Damaskus: Mausoleum für Friedrich I. Barbarossa - Spital gestiftet
Wilhelm II. von Hohenzollern
lässt neben der grossen Moschee in Damaskus ein Mausoleum für die Gebeine von Friedrich I. errichten und stiftet der arabischen Bevölkerung in Jerusalem ein von christlichen Schwestern geleitetes Hospital (Hunke, S.59).

1198
Gründung des Deutschen Ritterordens
durch Lübecker und Bremer Kaufleute, Bau eines Feldlazaretts für Deutsche mit der Hauptaufgabe:
-- Dienst für das Deutsche Reich
-- Gestaltung der Ordensordnung in Anlehnung an die islamische Ritterkaste (Hunke, S.48-49).

Der Orden wird vom Papst bestätigt (Hunke, S.49).



1200

13. Jh.
Deutschland und Schweiz: Burgen in arabischem Stil
-- der Burgkern der Hardenburg und Neuleinigen in einer Pfalz
-- Herzberg und Friedewald in Hessen
-- Fürstenau im Odenwald
-- Lechenich im Rheinland
-- Zülpich in Westfalen u.a.

-- in der Schweiz: Grandson und Champvent: Sie werden nach der Rückkehr der Herren vom Kreuzzug in arabischem Stil umgebaut

-- Festung von Yverdon durch Peter II. von Savoyen
etc. (Hunke, S.126).

ab 1200
Europa: Kopie der arabischen Kampfkleidung - Eisenwaffen in Europa - Pfeil und Bogen in Arabien

-- Wams unter der arabischen Rüstung/wambes
-- Bombasin/Bombast
-- schakk/Schakk, entwickelt zu "jaco" , dann zu Jackett und Sakko
-- Entwicklung des Halsschutzes Hansberg/Hauberg
-- Entwicklung des Tonnenhelms/Topfhelms mit Augenschlitz

-- Kopie der arabischen "Eisenreiter" mit voll geschützten Armen, Händen und Beinen, die aber sehr teuer [und schwer!] sind

-- Kopie der arabischen Panzerung der Pferde, die ebenfalls sehr teuer ist und die Pferde unbeweglich macht (Hunke, S.128).

In der Folge wird der europäische Ritter immer unbeweglicher, und Knappen müssen ihm die Eisenlanze, das lang gewordene Schwert und den langen Schild tragen. Der Araber, der bei Pfeil und Bogen bleibt, hat diese Gewichte nicht (Hunke, S.128).

Bildung des europäischen Heers
-- schwere Reiterei: mit Wurfspeer und Streitaxt 
-- leichte Reiterei: mit Bogen- und Armbrustschützen
-- Artillerie mit Naphtafeuerwerken
-- Pioniergruppen
-- Aufstellen erster Bogenschützengruppen aus Mischlingen mit Einheimischen, sogenannten "Turkopolen", für schwärmende Überraschungsangriffe, v.a. im Dienst der Ritterorden, auch im Deutschen Orden (Hunke, S.129).

ab 1200
Europa: Arabische Kulturvermittlung

Arabische Spiele
-- Verbreitung des Schachspiels, wobei der Wesier zur "Dame" wird und der Elefant zum "Läufer"
-- Arabische Kartenspiele (Hunke, S.163)
-- Tricktrack: arabisches Spiel mit Spielsteinen aus Elfenbein, wo um Geld gewürfelt wird (Hunke, S.164)

Einführung des Hofnarren
als arabische Imitation an europäischen Höfen, ebenso arabisches Feuerwerk als Belustigung des Volkes (Hunke, S.164).

ab 13. Jh. ca.
Arabische Monopolverluste
Córdobas Monopol der Kristallherstellung löst sich auf. Die Technik wird nun auch in Venedig und in Bayern kopiert (Hunke, S.114).

Keramikkunst in Spanien und Italien
Bunte arabische Kacheln, Fliesen, Teller, Töpfe und Tafelgeschirre bekommen in Mallorca den Namen "Majolika" und in der italienischen Stadt Faenza den Namen (Hunke, S.114) "Fayence".
Weitere Fabriken finden sich in Delft, Hanau, Fulda, Berlin, Ansbach und Bayreuth (Hunke, S.115).

Anfang 13. Jh.
Arabische Kompasstechnik in Europa
vermittelt durch Petrus von Maricourt/Petrus Peregrinus (Hunke, S.117).

Gleichzeitig kommt es zu dauernden Wirren im Königreich Jerusalem und zu unermüdlicher Kreuzzugspropaganda von Papst Innozenz III. zur Rückeroberung Jerusalems gegen die "Ungläubigen" (Haarmann, S.205).

1204
Erster Maisimport durch Bonifaz von Montferrat vom Orient nach Italien
(Hunke, S.113)

4. Kreuzzug: gegen Byzanz statt Ägypten
Der 4. Kreuzzug wendet sich unerwartet von Ägypten ab gegen Byzanz. Dem ägyptischen Reich bleibt die Konfrontation erspart (Haarmann, S.205). Der Prätendent in Konstantinopel Alexios IV. hat um Hilfe gebeten und verspricht Kircheneinheit und Subsidien. Bei der Ankunft der Kreuzzugsflotte hält sich Alexios IV aber nicht an seine Versprechen, so dass sich die Kreuzritter in der Stadt selbst bedienen und die grösste Plünderung des Mittelalters veranstalten und das Reich in feudale Kreuzfahrerstaaten aufteilen (dtv-Atlas zur Weltgeschichte Bd.1,S.207). Somit kommt es zur

Errichtung des lateinischen Kaiserreiches Konstantinopel
(Haarmann, S.212), aufgeteilt in kleine, italienisch regierte Königreiche mit Aussenposten bis nach Armenien (dtv-Atlas zur Weltgeschichte Bd.1, S.207).

1207
Ägypten-Pisa: Handelsabkommen
(Haarmann, S.213)

ab 1208
Aleppo: Venedig besitzt in Aleppo einen "fondaco", eine Kirche und ein Bad
Es werden 12 % Ein- und Ausfuhrzölle an Ägypten bezahlt (Haarmann, S.212)



1210

1215
Thronbesteigung des Stauferkönigs Friedrich II.
(Haarmann, S.205)

1217
5.Kreuzzug: Landung in Akkon unter Herzog Leopold VI. von Österreich und König Andreas von Ungarn
Plan: Eroberung Ägyptens, wie der Plan von König Amalrich um 1160, um so den syrischen Ayyubiden die Basis zu nehmen (Haarmann, S.206).

1218
Tod von Kaiser Otto IV.
der sich im Kaisergewand begraben lässt. Friedrich II. ist Kandidat für eine nächste Krönung, jedoch fehlen das Kaisergewand und die Krone, die Heinrich von Sachsen nicht herausgibt. Friedrich II. lässt im Auftrag des Papstes in Palermo ein neues Gewand und eine neue Helmkrone anfertigen, ebenso ein Zeremonienschwert, um als Kaiser Leute zum Ritter  schlagen zu können (Hunke, S.107).

Mai 1218
5. Kreuzzug: Ägypten: Frankenlandung bei Damiette und Belagerung
(Haarmann, S.206)

November 1218
Ägypten: Christliche Besetzung von Damiette
Der ägyptische Herrscher der Abu-Bakr-Familie, al-Malik al-Kamil, will für den christlichen Abzug aus Damiette alle Eroberungen Saladins westlich des Jordans hergeben. Gleichzeitig rechnet er mit einer leichten Rückeroberung, da die Stadtmauer von Jerusalem und alle wichtigen Burgen inzwischen geschliffen sind oder neu errichtet werden müssten.

Die Verhandlungen scheitern an der Unversöhnlichkeit des päpstlichen Legaten, Kardinal Pelagius von Albano, denn
-- dieser glaubt schon an die Möglichkeit einer Totalvernichtung des Islam und will Damiette halten
-- er steht unter Druck der Seefahrerrepubliken Pisa, Genua und Venedig, die in Damiette eigene Kontore eröffnen wollen, um ihren profitablen Handel abzuwickeln (Haarmann, S.206).

August 1218
Kairo: Tod von Kalif Abu Bakr al-Malik al-'Adil
(Haarmann, S.206)



1220

5. Kreuzzug: Massaker an Muslimen bei Damiette
Truppen unter Pelagius sollen den Sultan al-Kamil in Ägypten angreifen. Langer Kampf um Damiette, christliche Besetzung mit Massaker an der muslimischen Bevölkerung. Der Angriff gegen Kairo wird vor Kairo von muslimischen Heeren al-Kamils abgewehrt. Das Heer unter Pelagius beginnt, Hunger zu leiden.

Sultan al-Kamil schickt dem "christlichen" Heer vier Tage lang u.a.  30.000 Brote täglich und verzichtet auf den Massenmord am Gegner (Hunke, S.63).

Verhandlungen über die "heiligen Stätten"
Es finden Vorverhandlungen statt zwischen Friedrich II. und dem ägyptischen Emir Fachr ad-Din von der sizilianischen Residenz Foggia aus (Hunke, S.60-61) mit Ziel eines Vertrags über die Freigabe der "heiligen Stätten" (Hunke, S.61).

Ägypten: Damiette: Aufrüstung rund um Damiette
Die christlichen Planungen für eine Invasion in Ägypten dauern an. Es erfolgt aber kein Angriff. Kairo hat inzwischen genügend Zeit, seine Heere zusammenzurufen. Die drei Söhne der Abu-Bakr-Familie, al-Malik al-Kamil, al-Malik al-Asraf in Mesopotamien, und al-Malik al-Mu �azzam in Syrien, koordinieren die Abwehr (Haarmann, S.206).

22.11.1220
Kaiserkrönung Friedrichs II. in Rom
mit Kaisermantel (Hunke, S.105) aus Palermo, von byzantinischen Gefangenen aus scharlachroter Seide gewebt und von arabischen Bortenwirkern und Perlenstickern mit Goldfäden und doppelten Perlenreihen bestickt (Hunke, S.106).

Friedrich II. muss dabei sein Kreuzzugsgelübde erneuern (Haarmann, S.206).

ab 1220
Aufrüstung in Europa unter Friedrich II.
zu einem neuen Kreuzzug, auch zur "Festigung der politischen Lage" in Europa (Haarmann, S.206).

1221
Oliverus von Köln dankt Sultan al-Kamil
Domherr und Kreuzzugswerber Oliverus aus Köln bedankt sich beim Sultan in einem Schreiben, dass dieser kein Massaker am christlichen Heer veranstaltet habe. Die Ritterlichkeit des Sultans, den Gegner 1220 bei Damiette nicht verhungern zu lassen, überstrahlt alles vorher dagewesene (Hunke,S.63).

Juli 1221
Ägypten: Damiette: Christlicher Angriff gegen Kairo mit Belagerung der ägyptischen Festung al-Mansura
Dies ist der Lohn für das Brot. Der Angriff wird vom Hochwasser des übertretenden Nil zum Stehen gebracht. Die christlichen Heere werden durch das Nilhochwasser eingeschlossen. Die christlichen Truppen ziehen sich zurück.

Gleichzeitig verstärkt der eine Bruder al-Malik al-Mu 'azzam den Druck auf seine anderen beiden Brüder und drängt auf die Vormachtstellung (Haarmann, S.206).

1224 ca.
Kairo: Verhandlungsbereitschaft mit Friedrich II.
Regent al-Malik al-Kamil bekommt Nachricht von den Rüstungsanstrengungen in Europa unter Friedrich II.  und bietet bereits im Vorfeld vor dem Aufbruch des Kreuzzuges Verhandlungen an, worin die Rückgabe Jerusalems an die Christen enthalten ist.

Al-Malik al-Kamil handelt damit eigenmächtig gegen seinen Bruder in Syrien, al-Malik al-Mu 'azzam, mit dem Ziel, das Gesamtreich zu erhalten (Haarmann, S.206). Ein Verlust von Jerusalem wird von der muslimischen Seite weiter nur als "vorläufig" betrachtet, da weiterhin keine Stadtmauer vorhanden ist (Haarmann, S.206-207).

1225
Aleppo: Die Ein- und Ausfuhrzölle für Venedig werden von 12 auf 6 % gesenkt
ebenso die Zölle auf der Burg Sahyun an der Strasse zwischen Aleppo und Latakia gesenkt (Haarmann, S.212-213).

Italien-Aleppo: Italienische Gerichtsbarkeit für Italiener
Das venezianische Quartier in Latakia - auch als venezianische "Kolonie" bezeichnet - erhält einen "bailo" mit eigenem venezianischen Gericht (Haarmann, S.212-213).

1226
Wissenschaftlich-philosophische Kontakte zwischen Friedrich II. und Saladin
Tod des Sultanbruders al-Malik al-Mu 'azzam in Syrien. Al-Malik al-Kamil in Ägypten übernimmt die Regentschaft in Jerusalem. Nur wissenschaftlich-philosophische Konversation hält die Verbindung zwischen dem Sultan und "Imberur" auf Sizilien vom Lager Friedrichs II. aufrecht. Al-Kamil ist der Frieden mit Friedrich II. mehr oder weniger egal (Hunke, S.67).

Friedrich II. dagegen will am Frieden festhalten und weltweit als Friedensstifter zwischen Islam und Christentum in die Geschichte eingehen (Hunke, S.68).

Syrien: Tod von al-Malik al-Mu 'azzam in Syrien - Stärkung von al-Malik al-Kamil
in Kairo. Die Einigung mit Bruder al-Malik al-Asraf ist keine Schwierigkeit, und al-Malik al-Kamil kann fortan über Palästina verfügen (Haarmann, S.207).

1228
6.Kreuzzug unter Friedrich II. für Jerusalem
Die Abgabe von Jerusalem an die Christen ist im Vorfeld fast beschlossene Sache. Viel mehr will al-Malik al-Mu 'azzam aber nicht abgeben. Für Friedrich II. ist Jerusalem ein Prestigeerfolg zur Stärkung der Macht in Europa. Es kommt zu weiteren Verhandlungen (Haarmann, S.207).

1228-1229
Kreuzzug von Friedrich II. im Namen des Deutschen Reiches - Intrigen des Papstes gegen Friedrich II.
Die Kreuzzugs-Überfahrt erfolgt gegen den Willen von Papst Gregor IX., der Friedrich II. sogar bannen und verfluchen lässt. Friedrich II. aber hat noch andere Ziele:
-- der friedliche Vergleichs gemäss den Vorverhandlungen
-- Ziel der Krönung zum König von Jerusalem, auf die er durch die Heirat mit der Erbin Isabella das Recht hat (Hunke, S.61).

In der Folge intrigiert Papst Gregor IX. aufs Schärfste gegen Friedrich II., will keinen Frieden zulassen, "solange die Völker noch Heiden sind" (S.61). Der Papst versucht sogar, mit dem Sultan gegen Friedrich II. zu paktieren, der die "heiligen Stätten" nicht an Friedrich II. herausgeben solle (Hunke, S.62).

7.9.1228
6. Kreuzzug: Landung Friedrichs II. mit seinem deutschen Ritterheer bei Akkon
Friedrich II. fühlt sich als Kaiser des "Heiligen Römischen Reiches" als "oberster Fürst der Christenheit". Er sendet Graf von Aquin mit Geschenken zu Sultan al-Kamil, um den Vorvertrag zu erfüllen, um friedlich die "heiligen Stätten zu übernehmen" (Hunke, S.66).

In der Folge bekommt Friedrich II. vehemente christliche Gegner (Hunke, S.66-67). Papst Gregor ruft die Ritter im "heiligen Land" auf, dem gebannten Kaiser den Gehorsam zu verweigern. Der Papst versucht durch Hetze zweier Franziskaner, die deutschen Teile der Ritter gegen Friedrich II. zu manipulieren. Die Ritter folgen dem Papst (Hunke, S.67).

Zusätzlich stellen sich Templer und Johanniter, Christliche Geistlichkeit und die fränkischen Barone gegen Friedrich II., während Friedrich II. in seinem Zelt mit Emir Fachr ad-Din die Beratungen und Gespräche führt (Hunke, S.67).

Gleichzeitig ist der Sultan nicht mehr in einer bedrängten Situation und braucht den Frieden mit den Christen eigentlich nicht mehr. Er will den Vorvertrag gar nicht mehr einhalten (Hunke, S.67).

1228
Friedrich II. in Palästina
-- muss Widerstände der syrischen Geistlichkeit überwinden
-- muss Widerstände der in Palästina ansässigen französischen Barone überwinden
-- muss Widerstände des feindlich gesinnten Templerordens überwinden

Papst Gregor IX.
-- spricht den Kirchenbann über Friedrich II.
-- erklärt Friedrich II. für tot
-- spricht die Untertanen von Friedrich II. von ihm los
-- lässt seine päpstlichen "Schlüsselsoldaten" über Sizilien herfallen, das von Friedrich II. gerade verlassen ist
-- plant mit Templern und Johannitern eine Manipulation, um den Sultan zum Mord an Friedrich II. anzustiften (Hunke, S.62).

Ende 1228
Die Umstände für Friedrich II. verschlechtern sich
-- ausbrechende Kämpfe im Deutschen Reich
-- ausbleibende Nachschubflotte
-- in Syrien sperren sich ihm die Christen entgegen
-- überall, innerhalb und ausserhalb seines Lagers, muss  er mit Verrat rechnen
-- sein einziger Vertrauter ist Hermann von Salza (Hunke, S.67).

Templer und Johanniter stiften Sultan al-Kamil zum Attentat gegen Friedrich II. an
Sultan al-Kamil bekommt von Templern und Johannitern einen Tipp, dass er auf einem Pilgerspaziergang von Friedrich II. zur Taufstätte Jesu am linken Jordanufer diesen ermorden lassen könne, da Friedrich II. dort nur in geringer Begleitung sein werde. Sultan al-Kamil, Onkel Saladins, ist vom Verrat angeekelt (Hunke, S.62).

Jan 1229
Frieden Syrien-Friedrich II. wegen Umständen in Syrien
Syrien: Die Lage für Sultan al-Kamil verschlimmert sich. Jetzt willigt er in den Friedensvertrag mit Friedrich II. ein (Hunke, S.68).

18.2.1229
Vertragsabschluss zwischen Friedrich II. und Sultan al-Kamil - Friedrich II. wird "König von Jerusalem"...
Der Friedensvertrag zwischen Friedrich II. und Sultan al-Kamil kommt zustande (S.68-69). Friedrich II. spricht von "Wunderkraft", die diesen Frieden ermöglich habe. Bethlehem und Jerusalem sollen für beide Religionen offen sein (Hunke, S.69).

Krönung Friedrichs II. als König von Jerusalem. Er tritt das Erbe seiner verstorbenen Gattin Isabella an (Hunke, S.69).

Feb 1229
Friedensvertrag zwischen al-Malik al-Kamil und Friedrich II. in Jaffa auf 10 Jahre
Jerusalem wird den Franken überlassen, ebenso Bethlehem, Nazareth, Lydda, Toron, Sidon und ein paar Dörfer mehr.
Der Felsendom und die Aqsa-Moschee bleiben muslimisch.
Die islamische Gemeinde in Jerusalem kann die eigene religiöse Gerichtshoheit unter ihrem Qadi behalten.

Die religiösen Fanatiker beider Seiten sind nicht zufrieden, v.a. die Kirchenführung aus Rom nicht.

Al-Malik al-Kamil hat keine entscheidenden militärisch-strategischen Punkte hergeben müssen, und die Franken bringen die Kraft zur erneuten Befestigung Jerusalems nicht auf.

Gleichzeitig hat al-Malik al-Kamil den Rücken frei, um nun gegen "widerspenstige Elemente" in Syrien vorzugehen (Haarmann, S.207).

Religiöse Skrupel hat er nicht, was Jerusalem angeht (Haarmann, S.192).

Mitte 1229 ca.
Einzug Friedrichs II. in Jerusalem
Einzug Friedrichs II. in Jerusalem mit den Schlüsseln, die ihm von Sultan Scham ad-Din übergeben werden.

Die Ritterorden streiken gegen Friedrich II. - der Papst flucht und intrigiert
Die Templer und Johanniter paktieren immer noch gegen den Frieden und sperren sich gegen jede Mitarbeit. In der Folge überträgt Friedrich II. den Schutz der Residenz und der Städte dem Deutschen Ritterorden.

Friedrich II. lässt die Häuser der Templer und Johanniter besetzen und alle Templer und Johanniter ausweisen, während er selbst mit Kot beschmissen wird (S.70).

Die Kirche reagiert mit Boykott. Die päpstliche Seite verdammt den Frieden als ein "Satanswerk" und hält einen freien Zugang für Muslime in Jerusalem als nicht akzeptierbar. Friedrich II. wird für den Papst zum "Verräter", zum "Schänder der Religion", zum "Satanssohn", zum "Antichrist". Der "Kreuzzugsgeist" sei zerstört. Die Wut der Kirche auf das Deutsche Reich steigt (Hunke, S.70).

Erzbischof Petrus von Caesarea belegt Jerusalem und die "heiligen Stätten" mit einem Interdikt:
-- keine Lesung von Messen mehr
-- der Klerus verweigert die Sakramente
-- Priester stiften das Heer von Friedrich II. zur Meuterei an
-- der Papst stiftet die Templer zum Attentat gegen Friedrich II. auf der Strasse zwischen Jaffa und Akkon an, Friedrich II. entkommt dem Attentat nur knapp
-- der Patriarch Petrus von Caesarea sammelt ein Heer gegen Friedrich II. (Hunke, S.70).

Ende 1229
Der Friede zwischen Friedrich II. und Sultan al-Kamil ist ein Höhepunkt ritterlicher Menschlichkeit
(Hunke, S.72).

ab 1229
Friedrich II. als Freund arabischer Burgen - arabische Burgen in Süditalien und Osteuropa
Er wird grösster Freund arabischer Burgarchitektur und lässt auf Sizilien die verfallenden arabischen Burgen wieder aufbauen und neue Vierecksburgen errichten. Nach der Rückkehr nach Europa entwirft er ein Bauprogramm für ein Kastellnetz von Sizilien nach Apulien mit z.T. 100  %iger Nachahmung der arabischen Architektur wie z.B. in Ursino in Catania und Maniace in Syrakus. Leicht abgewandelt, weil am Meer gelegen, sind die Kastelle Trani, Bari, Barletta, Brindisi, Manfredonia und Tarent, mit arabisch geböschtem Mauersockel, der im Zusammenwirken mit tiefen Gräben den Angriff mit Belagerungsmaschinen verhindern soll (Hunke, S.125).

Auch der Deutsche Ritterorden kopiert die arabischen Burgen und baut nach deren Muster die Ordensburgen im "deutschen Osten": Mewe, Rehden, Heilsburg und Arensburg u.a. mit arabischen Spitzbögen und Spitzbogengewölben (Hunke, S.126).

April 1229 ca.
Ägyptische Belagerung von Damaskus - Mongolensturm
Al-Malik al-Kamil
und al-Malik al-Asraf belagern gemeinsam Damaskus und zwingen den Neffen an-Nasir zum Verzicht auf Damaskus und zum Rückzug nach al-Karak.

Das ägyptische Reich wird neu aufgeteilt. Al-Malik al-Asraf soll nur noch die zentralen syrischen Gebiete verwalten. Al-Malik al-Kamil wird Sultan des Gesamtreichs, verwaltet Ägypten und gleichzeitig die mesopotamischen Gebiete, wo der Mongolensturm grosse Turbulenzen verursacht (Haarmann, S.207).



1230

ab 1230 ca.
Europa übernimmt weitere arabische Kultur: Tiergärten und Vogeldressur, Brieftauben
Anlegen erster Tiergärten mit geschenkten oder erbeuteten exotischen Tieren aus dem Vorderen Orient.

Anfang der Sammlerei exotischer Tiere sowie Beginn der Falkenbeize in Europa, Abrichten von Vögeln für die Jagd oder zum Briefverkehr, Heranzüchten von Tauben zur Brieftaube nach arabischem Vorbild (Hunke, S.165).

August 1230
Vordringen der Mongolen in Armenien
(Haarmann, S.207).

ab 1231
Mesopotamien: Die Mongolen bedrohen von Armenien aus Mesopotamien
Bagdad-Kalif al-Mustansir ist ohne militärische Macht und appelliert an ein Bündnis aller muslimischen Herrscher (Haarmann, S.207). Es kommt aber kein Bündnis zustande, weil die Mongolen wahrscheinlich unterschätzt werden. Al-Malik al-Kamil in Kairo und der Sultan von Konya (heute Türkei), Kaykubad, kämpfen um die Macht in Armenien und schwächen sich gegenseitig (Haarmann, S.208).

1232
Ägypten-Kurdistan: Ägyptische Besetzungen
Truppen von al-Malik al-Kamil besetzen Amid/Diyarbakir und Hisn Kayfa/Hasankeyif und beseitigen die "unzuverlässigen ortoqidischen Fürsten" (Haarmann, S.208).

ab 1232 ca.
Aserbeidschan-Konya: Die Rest-Truppen von Hwarizmsah irren in Aserbeidschan und Mesopotamien umher, dienen zeitweise dem Sultan von Konya.
(Haarmann, S.209)

ab 1233
Jemen: Neue mamlukisch-türkische Dynastie der Rasuliden in den beiden Hauptstädten Zabid und Ta 'izz
Die Rasuliden betreiben auch eine "aktive Aussen- und Handelspolitik"
oo  senden Emissäre nach Indien und China
oo  bauen den Hafen von Aden/'Adan aus
oo  betrachten sich sogar als Souverän des Hedschas, wo es zum Konflikt mit Ägypten kommt (Haarmann, S.241).

1234-1238
Kurdistan: Ayyubidenkampf gegen Rum-Seldschuken
Die 16 Ayyubidenprinzen im Heer intrigieren, weil sie einen Zentralstaat befürchten und dann kaum noch was zu sagen hätten. Gründung einer Widerstandsbewegung im Ayyubidenheer gegen al-Malik al-Kamil unter Bruder al-Malik al-Asraf. Die Widerstandsbewegung arbeitet mit dem Sultan von Konya zusammen (Haarmann, S.208).

Im Januar 1238 werden Damaskus und Syrien von Truppen unter al-Malik al-Kamil besetzt, um die Widerstandsbewegung zu unterdrücken (Haarmann, S.208).

März 1238
Kairo: Tod von al-Malik al-Kamil - Anarchie, Kämpfe um die Nachfolge
Der designierte Nachfolger al-Malk al-'Adil II. von Ägypten, 18 Jahre alt, kann sich nicht durchsetzen. Es folgen drei Jahre Krieg der Ayyubidenprinzen untereinander. Die Vermittlungsversuche des Kalifen von Bagdad, al-Mustansir, scheitern alle (Haarmann, S.208).

Die Mamelukkenoffiziere in Kairo setzen den jungen Sultan al-'Adil II. ab und rufen dessen älteren Bruder as-Salih ins Land, dessen Steuereinzugsgebiet/Apanage am oberen Tigris liegt (Haarmann, S.209).

1238/1239
7. Kreuzzug: Jerusalem: Ankunft eines neuen Kreuzfahrerheeres unter Richard, Earl von Cornwall
um die Nachfolgewirren der Ayyubiden auszunützen (Haarmann, S.209).

September 1239
Auslaufen des Waffenstillstands zwischen Kairo und Jerusalem
(Haarmann, S.208)



1240

5.1. 1240
Jerusalem: Der muslimische Fürst von al-Karak besetzt willkürlich Jerusalem
(Haarmann, S.208)

Feb 1240
Jerusalem wird christlich besetzt unter Thibaut
dem Graf der Champagne. Die Muslimenherrschaft wird vertrieben (Haarmann, S.208-209).

1240-1249
Kairo: Sultan As-Salih Ayyub
Ende des Nachfolgekriegs in Kairo: Sohn Ayyub von al-Kamil hat gesiegt und nimmt den Thronnamen al-Malik as-Salih an (Haarmann, S.209).

1240-1249
Ägypten unter Sultan as-Salih Ayyub: Organisation türkischer Söldner - neue Nilkaserne
Der neue Sultan importiert zu Hunderten türkische Mamluken aus dem heutigen Südrussland als Leibgardisten nach Kairo.

Die kurdischen freien Truppenteile verlieren aber rasch an Bedeutung durch Kasernierung auf der Nilinsel Roda/ar-Rawda. Da die Söldner in der Nilkaserne nach dem Nil-Strom (arab. bahr) benannt werden, kommt die Bezeichnung al-bahriyya/Bahri-Mamluken auf.

Es sind entwurzelte junge Krieger, deren Zusammenhalt aus zwei Elementen besteht:
-- das gemeinsame türkisch-kiptschakische Volkstum: ginsiyya
-- der "Meister", der Sultan, zu dessen Treue sie verpflichtet sind (Haarmann, S.219).

ab 1240
Kairo: Sultan as-Salih Ayyub will den Einheitsstaat Mesopotamien-Syrien-Ägypten
In Ägypten lässt er auf der Nilinsel Roda/ar-Rawda einen befestigten Palast bauen und die Wohnviertel mit Kirchen und Moscheen dafür abreissen (Haarmann, S.209).

1241
Kairo-Jerusalem: Vertrag von Sultan As-Salih Ayyub mit Richard, Earl von Cornwall
-- mit Bestätigung der Abtretungen, die unter al-Malik al-Kamil vorgenommen wurden
-- mit Erweiterung der Abtretungen um Jaffa, Askalon und Tiberias (Haarmann, S.209).

1243 ca.
Kairo: Sultanpalast auf Nilinsel Roda/ar-Rawda - das Mamlukenheer
-- mit 60 Türmen
-- mit Kasernen der türkischen Mamluken als Garde, die "Bahri"-Fluss-Mamluken; die Mamluken bilden nun den "Kern" des ägyptischen Heeres (Haarmann, S.209).

Frühjahr/März 1244 ca.
Syrien: Invasion der Hwarizmsah Aserbeidschans
mit Plünderungen in Syrien und v.a. in Jerusalem. Vereinigung mit ägyptischen Truppen in Gaza mit Truppen von as-Salih und Vorbereitung von Kämpfen gegen die Franken und syrische Heere (Haarmann, S.209).

17.10. 1244
Ägyptisch-hwarizimische Truppen gewinnen gegen syrisch-fränkische Truppen
und vernichtende fränkisch-syrische Niederlage. Sultan as-Salih Ayyub kann mit der Unterstützung des Kalifen von Bagdad Syrien besetzen und Damaskus belagern (Haarmann, S.209).

1245
Rom setzt Kaiser Friedrich II. ab
Absetzung von Kaiser Friedrich II. durch den Papst auf dem Lyoner Konzil wegen "arabischen Neigungen, Liebhabereien und anderen Ketzereien" (Hunke, S.175).

Damaskus kapituliert, wird von Truppen unter Sultan as-Salih Ayyub besetzt
Gleichzeitig gelingt as-Salih Ayyub ein Bündnis mit Hims und Aleppo (Haarmann, S.209).

1246
Kairo: Sultan as-Sahil Ayyub kann auch alle Gruppen der aserbeidschanischen Hwarizmier für sich gewinnen
(Haarmann, S.211) und lässt sich in Damaskus, Baalbek, Bosra und Jerusalem huldigen (Haarmann, S.210).

Mitte 1246 ca.
Ägyptische Besetzungen von Tiberias und Askalon
Sultan as-Salih Ayyub kann den Franken Tiberias und Askalon entreissen. Gleichzeitig sind christliche Vorbereitungen für einen neuen Kreuzzug im Gang (Haarmann, S.210).

5.6. 1249
7.Kreuzzug unter König Ludwig IX. von Frankreich: gegen Ägypten
von Zypern kommend mit Landung bei Damiette, kampflose Besetzung der Stadt. Der schon todkranke Sultan as-Salih Ayyub zieht seine Truppen bei al-Mansura zusammen.

Ludwig IX. lässt den Angriff nach al-Mansura aber nicht sofort ausführen, sondern wartet das Nil-Hochwasser ab (Haarmann, S.210).

[Ziel ist wie eh und je, der arabischen Welt den Zwischenhandel mit Indien abzunehmen...].

September 1249 ca.
Kairo: Tod des Sultans as-Salih Ayyub - Heereskommandanten
Die Heereskommandanten übernehmen die Führung der Verteidigung (Haarmann, S.210).

September 1249 ca.
Kairo: Die Sultan-Witwe Sagar ad-durr lässt den Thronfolger Turansah aus Mesopotamien herbeirufen
(Haarmann, S.210)

Sultan-Nachfolger Turansha versucht, die Mamlukenoffiziere des Vaters durch eigene Leute zu ersetzen, was aber nicht durchführbar ist. Es kommt ein grosser Zorn gegen Turansha auf (Haarmann, S.210).

November 1249
Ägypten: Damiette: Der Angriff der christlichen Heere unter Ludwig IX. scheitert
Vergeblicher Ansturm gegen al-Mansura. Der Kreuzzug scheitert (Haarmann, S.210).



1250

um 1250
Der Astronom Nasir ad-din Tusi löst das Werk des Astronomen Ibn Yunus as-Sadafi, die "Hakimsche Tafel" ab. Damit hat diese Tafel 250 Jahre lang führende astronomische Gültigkeit gehabt (Haarmann, S.180).

1250
Europa: Die Rom-Kirche will arabische Spiele verbieten - unmöglich
Die Rom-Kirche verbietet Tricktrack, Würfeln und Schach, was jedoch nicht möglich ist. Tricktrackpartien erscheinen sogar an Kirchenfenstern (Hunke, S.164).

ab 1250 ca.
Pilgerreisen und Kreuzfahrerheere nehmen ab, aber die Nachfrage nach arabischen Waren in Europa steigt weiter
(Hunke, S.117)

6.4.1250
Ägypten: Christliche Räumung von Damiette
nach der Niederlage der christlichen Heere bei al-Mansura. Lösegeld von 800.000 Dinar für die Freiheit von Ludwig IX. (Haarmann, S.210).

Gleichzeitig wird die politische Lage in Europa labil, weil die Seefahrerrepubliken Venedig, Pisa und Genua die Niederlage Ludwigs IX. kaum verschmerzen können. Sie hatten auf Eröffnung eigener Handelskontors und auf grosse Profite im direkten Handel mit Indien gehofft... (Haarmann, S.214)

Ludwig IX. wird in seiner Gefangenschaft von arabischen Ärzten des Sultans gesund gepflegt und vom Siechtum befreit, das das ganze Kreuzzugsheer befallen hat (Prutz, S.474).

1.5.1250
Kairo: politische Ermordung von Sultan Turansah durch al-Faris Aqtay - Militärdiktatur und Heiratsfragen
(Haarmann, S.219). Es soll ein speziell türkisches Prinzip sein, dass der Königsmörder gleich sein Nachfolger wird...

Gleichzeitig bekommt die Sultan-Witwe Sagar ad-durr zwei Heiratskandidaten, um die Militärherrschaft zu legitimieren, aber beide Kommandeure sagen ab, so dass man sich schliesslich auf Aybak mit dem Thronnamen al-Malik al-Mu 'izz einigen kann. Die Heirat zwischen Militärführer und Sultanin entspricht ebenfalls einem alten seldschukisch-türkischen Brauch (Haarmann, S.220).

Die türkischen Offiziere, "Bahri-Mamluken", die Ägypten erfolgreich ohne Sultan-Führung verteidigt haben, werden die "wahren Herren" über das ägyptische Imperium mit dem Generalissimus Aybak und dem Verteidiger al-Mansuras, Baybars, an der Spitze.

Die Sultan-Witwe Sagar ad-durr wird legitimiert und regiert als Sultanin weiter mit dem Titel "Königin der Muslime" / "malikat al-muslimin". Sie muss den Generalissimus Aybak heiraten, währenddessen Syrien einen 6-jährigen Ayyubidenprinzen al-Asraf Musa präsentiert (Haarmann, S.210).

Mitte 1250
Syrien: Rebellion gegen Ägypten
Syrien fällt wieder aus dem ägyptischen Imperium heraus. Der ayyubidische Aleppo-Herrscher Nasir Yusuf zieht in Damaskus ein. Die Sultanwürde der Soldatenherrscher in Ägypten wird nicht mehr anerkannt. Nasir Yusuf rechnet mit dem baldigen Sturz der Militärherrschaft in Ägypten (Haarmann, S.220).

Ende 1250 ca.
Ägypten: Versuch eines Ayyubidensultanats in Jemen
Rücktritt des Militärsultans Aybak und Huldigung an den jemenitischen Ayyubiden al-Asraf Musa, ein 16-jähriger Jüngling.

Bagdad akzeptiert diesen Schritt nicht und plant, Ägypten militärisch zu unterwerfen (Haarmann, S.220).

Feb 1251
Ägypten: Sieg der Mamluken gegen die Mongolen bei al-Kura' - Machtergreifung von Aybak al-Malik al-Mu �izz
Schlacht von al-Kura" im östlichen Nildelta gegen die Mongolen. Die turkmenischen Militärs sitzen fest im Sattel.

Die Ayyubiden halten sich nur noch in Syrien und in Hisn Kayfa in Mesopotamien (bis 15. Jh.), von wo Turansah gekommen war (Haarmann, S.220).

1252
Generalissimus Aybak legt sich einen eigenen Sultantitel zu - Mamluken-Herrschaft
Zwei Abbasidenprinzen aus Mesopotamien erreichen Baybars Hof in Kairo (Haarmann, S.229).

Aber Aybak setzt seinen Sultantitel mit seiner militärischen Macht durch: "al-Malik al-Mu 'izz". Damit beginnt die Herrschaft der Bahri-Mamluken (Haarmann, S.210).

Sultan Aybak al-Malik al-Mu 'izz gründet die Kalifenlinie der  "Mu 'izziyya". Die Solidarität der mamlukischen Mitglieder der Familie geht so weit, dass sie seinem Sohn, der im Gefängnis sitzt, das Notwendige zum Überleben bringen (Haarmann, S.223).

März 1257 ca.
Ägypten: Aybak, Militärsultan, plant eine politische Ehe mit einer Tochter des Atabeg von Mossul
Er will so ein Grenzgebiet gewinnen, um das widerspenstige Syrien mit an-Nasir Yusuf einzukreisen (Haarmann, S.221).

April 1257
Ägypten: Sultan Aybak wird von seiner Frau Sagar ad-durr ermordet
aus Eifersucht. Neuer Sultan wird ein Sohn von Aybak: al-Mansur 'Ali (Haarmann, S.221).

1258
Bagdad: Mongolenführer Hülägü besetzt Bagdad und errichtet in Bagdad die Mongolenherrschaft
(Haarmann, S.217)

Mongolen: Einführung der musischen Monotonie (Hunke, S.160).

1258 ca.
Kairo: Al-Mansur 'Ali gestürzt - Militärführer Qutuz - neue Mongolengefahr
Der starke Militärführer Qutuz stürzt den Aybak-Sohn al-Mansur 'Ali und verbannt diesen nach Byzanz. Die Mongolengefahr zwingt Ägypten zu innerer Geschlossenheit und gibt den Militärs die Legitimität, Stärke und den Nimbus der Unbesiegbarkeit, so lange sie keine Schlacht verlieren (Haarmann, S.221).

Anfang 1259 ca.
Aleppo von Mongolen belagert, dann besetzt und verwüstet
(Haarmann, S.221); Damaskus unter an-Nasir Yusuf sucht sich halbherzig Alliierte gegen die Mongolen. Yusuf gibt dann aber auf und fährt zu Ilhan Hülägü, um sich zu unterwerfen. Mehrmonatige Verhandlungen (Haarmann, S.221).



1260

2.3. 1260
Damaskus: Einzug der Mongolenheere
unter General Kitbuga, begleitet von den drei neuernannten mongolischen Vizekönigen für Syrien:
oo  der Christ Hetoum als König von Kleinarmenien
oo  der Christ Bohemund VI. als Fürst von Antiochien und Tripolis
oo  ein Ayyubide als Herr über Baniyas (Haarmann, S.221).

ab April 1260
Allianz der Bahriyya-Offiziere in Jordanien, Palästina und Damaskus gegen die Mongolen
Ägypten ist von den Mongolen bedroht. Die zerstreuten, aus Ägypten geflüchteten, Bahriyya-Offiziere tun sich mit Sultan Qutuz gegen die Mongolen zusammen und formieren sich gegen das mongolische Heer. Mit den Franken der Kreuzfahrerstaaten wird ein Stillhalteabkommen geschlossen. Der Flankenschutz ist gesichert (Haarmann, S.221).

3.9. 1260
Palästina: Ägyptischer Sieg gegen die Mongolen bei 'Ayn Galut bei Nazareth
-- unter der militärischen Strategie des militärischen Führers Baybars
-- die Mongolen müssen Syrien räumen.

Damaskus und Aleppo werden wieder Bestandteile des mamlukischen Reiches von Ägypten.

Den ayyubidischen Fürstentümern von Karak, Hims und Hamah wird Autonomie gewährt (Haarmann, S.221). Baybars ist militärisch der neue starke mamlukische Mann Ägyptens (Haarmann, S.221-222).

Mitte Oktober 1260
Ägypten: Sultan Qutuz wird von Militärführer Baybars ermordet
anlässlich einer Jagd. Baybars lässt sich selbst zum neuen Herrscher ausrufen.
Zur selben Zeit ermordet der mongolische Ilhan Hülägü in Tabriz an-Nasir Yusuf, den einstigen Damaskus-Sultan, wegen des Verdachts des Verrats an Ägypten (Haarmann, S.222).

1260-1276
Kairo: Sultanat Baybars
-- er legt die Grundsteine der Mamlukenmonarchie, ist auch Schirmheer der "heiligen Stätten" in Palästina
-- er bleibt Gegner der Franken
-- Pilger aus Europa besuchen auch Ägypten und bemerken die Exklusivität der Mamlukenkaste und den Wettbewerb unter den Offizieren um das Sultanat.

Baybars geniesst mit der Zeit einen "legendären Ruf" wegen der Siege gegen die Mongolen und wegen der Siege gegen die Kreuzfahrer. Er wird zu einem Volkshelden, der in "Volksbüchern" verehrt wird (Haarmann, S.236).

ab Oktober 1260
Ägypten: Die Begründung des Mamlukenstaates
Baybars begründet den eigentlichen Mamlukenstaat, das Mamlukensultanat. Es soll dem mongolischen Ilhanat ebenbürtig sein
-- mit äusserer Sicherheit für Ägypten und Syrien
-- mit innerer Balance
-- mit wirtschaftlichem Wachstum
-- mit kulturellen Entfaltungsmöglichkeiten
-- auf der Basis heidnischer turkmenischer "Militärsklaven", die den ihnen verwandten Mongolen die Stirn bieten.

Nach der arabisch-islamischen Logik ist dies eine "göttliche Fügung" und der Sklavenstand "ein Segen" für das ägyptische Heer (Haarmann, S.222).

Geographische Struktur
Sultansmamluken sind an strategisch wichtigen Orten eingesetzt, in Kairo, in Kus, in Mekka u.a., ab dem 15. Jh. auch auf Zypern. Die Zahl der Sultanmamluken hängt davon ab, wie viele neue Auszubildende ein Sultan dazukauft (Haarmann, S.226).

Legenden um die Siege gegen die Mongolen: Fremde Soldaten retten den Islam
In der Folge werden Legenden über die Entscheidungsschlacht gegen die Mongolen aufgebaut:
Dschingis Khan bekommt die Sonne als Weltmachtsymbol in die Hände, aber die Sonne entgleitet ihm nach Westen

oder:
Die Schamanin von Dschingis Khan gibt ihm als Zeichen für die Führerschaft seines Volkes aus der Zauberschale zu essen, aber an der Westecke der Schale bleibt ein Rest der Speise hängen und bleibt unberührt

Auf diese Weise feiern Ägypten und Syrien über Generationen hinweg das Gefühl, einer schweren Heimsuchung entronnen zu sein (Haarmann, S.217), was bald als Ideologie erscheint und den Kern des Geschehens überlagert (Haarmann, S.217-218).

Ausserdem sind die nomadischen Mongolen ausgerechnet von einem verwandten Volk, den Mamluken-Söldnern aus dem Kaukasus, bezwungen worden. Ein Spruch eines zeitgenössischen Chronisten: "Wahrlich, gegen alles gibt es ein Gift aus der eigenen Art."

Das unerklärliche "Wunder" ist, dass die "islamische Ordnung" von fremden heidnisch-stämmigen Soldaten vor dem Zusammenbruch gerettet wurde. Es kommt zur Verherrlichung "nomadischer Tugenden" bei den mamlukischen Militärsklaven. Der Konflikt zwischen Islamisten und "Heiden" ist vorprogrammiert. Denn die Mamluken und Kriegssklaven wollen den Islam nicht gratis gerettet haben (Haarmann, S.218).

Sultansrequisiten und Sultanwahl
Der Sultan wird durch "ausserordentliche Leistungen" im "heiligen Kampf" bestimmt.
Die Sultane kopieren die ayyubidischen Sultansmerkmale wie

-- Königstitulatur
-- Regalien/Hoheitsrechte mit vergoldeter Satteldecke
-- Hofzeremoniell.

Die Grossemire der am Hof herrschenden Mamlukenpartei wählen den Nachfolger aus den eigenen Reihen. Formell-konstitutionell ist diese Wahl nie abgesichert. Die dynastische Nachfolge ist nur selten möglich (Haarmann, S.227).

Kaum Dynastiebildung beim Sultanat
Die Sohnesnachfolge ist sehr kontrovers, denn andere Mamluken erheben jeweils immer den militärischen Führungsanspruch, die mehr Erfahrung aufweisen, als der Sohn des gestorbenen oder weggeputschten Sultans (Haarmann, S.223).

Kairo: Kurden im Heer
Zur Zeit Baybars sind kurdische Krieger und Gardisten in Kairo hochwillkommen und integrieren sich in die Mamlukenregimenter (Haarmann, S.227).

Kairo: Sklavenhändler für Mamluken werden immer wichtiger - Lehrpropramm der Mamluken
Die Sklavenhändler und vermittelten Sklaven/Mamluken sind voneinander abhängig, denn der Händler entscheidet, wer dem Sultan vorgestellt wird bzw. verkauft werden soll (Haarmann, S.223).

Die Dressur und Umerziehung der jungen Mamluken-Rekruten ist perfekt. Mit 18 erfolgt die Freilassung mit "Befreiungsdiplom", mit einem ausgerüsteten Pferd und einem Lehen, das eigenes Steuergebiet ist. Der Sklave wird zum "dschundi" des "dschund" / Heer, ein einfacher Soldat, was die Grundlage ist zur höchsten Macht im Staat. Oft erfolgt eine Heirat mit Frauen aus ihrer Heimat, auch Schwestern, Töchter, Witwen der Brüder etc. (Haarmann, S.225), eventuell mit hohen Karrieremöglichkeiten (Haarmann, S.226).

Ägypten: Baybars "aktive Syrienpolitik" - Kriege in Palästina
Baybars führt fast jährlich einen Feldzug nach Syrien durch, so dass sich die Opposition gegen die Mamluken in Syrien und gegen die zentralistische Politik Kairos langsam auflöst.

Der Kampf gegen Andersgläubige wie Fatimiden, Ismailiten und Schiiten ist oberstes Prinzip der Baybars'schen Politik (Haarmann, S.237). Die religiöse Hetze ist zum Teil aber sehr widersprüchlich und willkürlich (Haarmann, S.237-238).

Baybars verwirft die Politik des modus vivendi mit den christlichen Kreuzfahrerstaaten. Er überzieht Syrien und Palästina ständig mit Krieg (Haarmann, S.239).

Probleme bei den Lehen und Gütern wegen dem sich ändernden Nillauf
Der Nilverlauf ist unterschiedlich, kann sich plötzlich ändern und ganze Dörfer wegschwemmen. Ehemals fruchtbare Böden können dadurch plötzlich veröden, ehemals fruchtlose Böden werden fruchtbar.

Die Lehen an die Mamluken und die Erträge der Lehen müssen immer wieder neu angepasst und neu geschätzt werden (Haarmann, S.234). Die Erträge/'ibra und die Steuerbezirke/giha müssen neu registriert werden (Haarmann, S.233).

ab 1260
Syrien: erfolglose separatistische Versuche
Versuche des Damaszener Gouverneurs, sich von Ägypten unabhängig zu machen, scheitern regelmässig (Haarmann, S.239).

ab 1260 ca.
Wachsender Fanatismus unter den Muslimen nach ersten Siegen gegen die Kreuzfahrerstaaten
Zusätzlich sind die Kreuzfahrerstaaten und die "christlichen" Gruppen untereinander uneinig (Prutz, 416).

1260-1276
Palästina: Übertritte christlicher Reiter zum Islam
Fränkische Ritter - angeblich über 300 - darunter der Sohn des Herrn von Arsuf, laufen während der Zeit von Sultan Baybars zu den Mamluken über, nehmen den Islam an und bekommen Pfründe und Steuervergünstigungen (Haarmann, S.239).

Anfang 1261 ca.
Kairo: Abbasidischer Kalifensohn wird in den Krieg gegen die Mongolen geschickt
Der erste schwächere der zwei geflüchteten Abbasidenprinzen wird von Baybars mit anderen verdrängten, ehemals wichtigen, Leuten zur Rückeroberung Mesopotamiens wieder in Richtung Osten geschickt (Haarmann, S.229).

November 1261
Kairo: Kalif  al-Hakim bi-amr Allah
Niederlage des ersten schwächeren Abbasidenprinzen mit seiner Truppe gegen die Mongolen.
Baybars muss sich mit dem zweiten Abbasidenprinzen auseinandersetzen: al-Hakim bi-amr Allah,
(Haarmann, S.229), ein recht geschickter und kriegserfahrener Politiker.

Baybars huldigt dem Abbasiden
-- lässt sich von ihm als Sultan einsetzen, auch für "die noch zurückzuerobernden islamischen Territorien
-- lässt sich in die Bruderschaft der Tutuwwa des Kalifen aufnehmen

Der einstige Bagdader Kalif wird zum Kairoer Kalifen über das ganze islamische Weltgebiet. Islamische Herrscher in Indien, in Gudjarat, in Obermesopotamien und in Südarabien lassen sich von Kalif al-Hakim bi-amr Allah in Kairo sanktionieren.

Der Kalif von Kairo macht machtpolitisch kaum etwas, befasst sich mit Wissenschaft und verwaltet eine Bibliothek. Auf wichtigen Reisen begleitet er den Sultan zu Ehren aller Muslime (Haarmann, S.230).

1261-1263
Bagdad/Sarai: Chan der Goldenen Horde, Berke
mit Hauptstadt Sarai an der Wolga, steht in heftiger Bruderfehde mit dem Ilhan von Persien (Haarmann, S.230).

ab 1261
Ägypten: Expansion nach Süden und Westen
Sultan Baybars gelingt die Expansion nach Süden gegen den Sudan. Das Königreich Nubien wird zum Vasall des Mamlukenstaates. Damit kann die Islamisierung südlich des ersten und zweiten Katarakts (Wasserfall) fortgesetzt werden.

Die Expansion nach Westen (heute Libyen) wird mit der Unterwerfung der Beduinen der Cyrenaika fortgesetzt (Haarmann, S.240).

ab 1261
Ägypten: Sultan Baybars kauft über 4000 Mamluken
(Haarmann, S.226)

ab 1261
Ägypten: Nachtpolizei und volksnaher Sultan  in Kairo
wird von Pilgern aus Europa und dem Iran in den Pilgerberichten hoch gepriesen.
Sultan Baybars spielt jeden Dienstag und Freitag Polo und feiert den Konsum von vergorener Stutenmilch im Volk. Er zeigt sich so als "Landesvater" einer Einheit, die es nicht gibt (Haarmann, S.238).

ab 1261
Syrien: "Aktive Syrienpolitik" von Baybars
Gegenkräfte gegen den ägyptischen Zentralstaat werden von Baybars alle unter Druck gesetzt, v.a. die Ayyubidenreste (Haarmann, S.238).

ab 1261 ca.
Ägypten: "Aktive Syrienpolitik": "Säuberung" Syriens
Die Ismailiten Syriens werden wie "Ungläubige" behandelt. Die Gebetsstätten werden "gereinigt". Das Kulturgut der Schia, Ismailiyya und Imamiyya, lebt aber in kleinen Regionen weiter (Haarmann, S.237).

zw. 1261-1262/1263 ca.
Bagdad/Sarai: Ilhan Berke tritt zum Islam über - Allianz Kairo-Bagdad/Sarai
nach Beeinflussung Baybars und dem Kairoer Kalifen al-Hakim bi-amr Allah.
Gründung einer Allianz zwischen Kairo und Bagdad/Sarai gegen den Ilhan von Persien (Haarmann, S.230).

1262
Syrien: Baybars lässt alle Nachfahren der Fatimiden in Syrien enteignen
(Haarmann, S.237)

ab 1264 ca.
Syrien: Auflösung der Ismailiten
Die syrischen Ismailiten werden militärisch in ihrem letzten Hinterhalt im syrischen Küstengebirge besiegt und mit verlockenden ägyptischen Pfründen abgefunden (Haarmann, S.237).

1265
Mongolisches Bagdad: Tod von Hülägü - Nachfolger Abaqa
(Haarmann, S.237)

1255 ca.?
Ägypten: Qutuz ermordet den Mamlukenführer al-Faris Aqtay
und setzt sich als Sultan ein (Haarmann, S.222).

1265 ca.?
"Wirren" in Ägypten: Ermordung des Mamlukenführers al-Faris Aqtays
Folge: Ein grosser Teil des Regiments der Nilkaserne flieht aus Kairo und sucht Schutz bei kleinen Höfen in Palästina, Damaskus und vor allem in Transjordanien beim halbautonomen Ayyubiden in al-Karak, al-Mugit 'Umar (Haarmann, S.220).

1267 ca.
Italienische Belagerung von Lucera auf Sizilien
wo Petrus von Maricourt seine neuen Kompasskenntnisse einsetzt (Hunke, S.117-118).

1269
Magnetismus von der arabischen Kultur übernommen
Petrus von Maricourt
verfasst eine Schrift über Magnetismus, angeregt von der arabischen Kompasstechnik (Hunke, S.117-118).



1270

1270 ca.
Ägypten: Mamlukenhäuser
Sultan Baybars lässt Kasernen und Wohngebäude für verheiratete und unverheiratete Mamluken auf der Kairoer Zitadelle errichten (Haarmann, S.224).

1270-1376
Ägypten: Baybars Willkür in Syrien
Baybars geht völlig willkürlich mit syrischen Repräsentanten um:

-- er enteignet eine wehrlose betagte Ayyubidenprinzessin mit juristischen Tricks

-- er muss sich aber den logischen Gedankengängen des grossen Damaszener Juristen und Traditionarier [kein Druckfehler] an-Nawawi (gest. 1277) beugen, der 1274 die hohen Steuern und den gleichzeitigen Luxus der Mamlukenausrüstung beklagt (Haarmann, S.238).

1270
Bündnis zwischen Kreuzfahrern und Mongolen gegen den Islam [!]
Mit einem Bündnis zwischen den Kreuzfahrerstaaten und den Mongolen Irans wollen der Papst und diverse europäische Mächte den Islam vernichten. Die Koalition zwischen Prinz Eduard von England, dem Sohn von Heinrich III. und Abaqa in Bagdad kommt zustande (Haarmann, S.237).

[Dies ist der Gipfel der christlichen Undankbarkeit nach den vergangenen Geschehnissen und die Basis des Untergangs der Kreuzfahrerstaaten].

1271
Scheitern der Koordination zwischen Kreuzfahrerstaaten und Mongolen
Das Bündnis bricht auseinander (Haarmann, S.237).

1276
Palästina: Dramatischer Zustand der Kreuzfahrerstaaten beim Tod von Sultan Baybars
Caesarea, Askolon, Jaffa
und Haifa sowie der Patriarchensitz Antiochien sind wieder in muslimischer Hand und die Festungen sind geschliffen, um neue Brückenköpfe für christliche Landungen zu verhindern.

Bei den binnenländischen Eroberungen sind die Befestigungen dagegen wieder aufgebaut und eigene muslimische Garnisonen eingerichtet, so in Safed in Galiläa und im Crac des Chevaliers/Hisn al-Akrad.

Zusätzlich sind 1000e von Mamlukenzelten zwischen Gaza und Antiochien aufgestellt als Abschreckung gegen christliche Landungen, wo turkmenische, kurdische und mongolische Krieger ihren Dienst für den ägyptischen Sultan versehen (Haarmann, S.239).

Das ägyptische Reich nach dem Tod von Baybars reicht vom Euphrat bis nach Dongola [heute Sudan] (Haarmann, S.240).

1279-1290
Ägypten: Sultan Qalawun - "Qalawuniden"
Qalawun kauft über 8000 Mamluken (Haarmann, S.226). Qalawun ist der letzte Mamlukensultan, der noch unter den Ayyubiden gedient hat, und er ist der erste, der eine grosse Zahl tscherkessische Mamluken anheuert (Haarmann, S.240).

1280?
Palästina: Sultan Qalawun kann die Einnahme von Tripolis feiern
(Haarmann, S.239)



1290

1290-1293
Kairo: Tod von Sultan Qalawun - Nachfolger: Sohn al-Asraf Halil
regiert ohne Probleme in dynastischer Reihenfolge mit den ihm ergebenen Sultansmamluken (Haarmann, S.227).

1290
Aragón: König Alfons III. gestattet seinen Schiffen Eisen-, Holz- und Pechlieferungen  an Ägypten
(Haarmann, S.212)

[Handel mit dem Feind...]

ab 1290 ca.
Ägypten: Geburt des literarischen Schattenspiels in Ägypten durch Ibn Daniyals
(Haarmann, S.256)

Mai 1291
Muslimische Einnahme von Akkon - die Kreuzfahrerreiche gehen unter
Nach langer Belagerung und dank der Vorbereitungen des verstorbenen Sultans  Qalawun kann al-Asraf Halil den Hauptort des "Königreich Jerusalem", St-Jean d'Acre/Akkon/Akka einnehmen.

Das gotische Portal der Kathedrale von Akkon wird als Trophäe nach Kairo gebracht.

Beirut und die anderen von den Christen gehaltenen Plätze an der Küste ergeben sich kampflos.

Einziges Überbleibsel der Kreuzfahrerstaaten bleibt für ein paar Jahre die kleine wasserlose Insel Arwad vor Tortosa/Tartus, heute Syrien (Haarmann, S.240).

ab 1291
Untergang des reichen Templerordens - andere Orden überleben
Der Templerorden wird durch starke französische Könige zerschlagen, die auf den machtloser werdenden Papst Einfluss haben.

Der Johanniterorden dagegen kann seine Position auf Malta und Rhodos neu aufbauen (Hunke, S.48).

Ende 1293
Kairo: Ermordung von Sultan al-Asraf Halil - Nachfolger: Sohn al-Malik an-Nasir Muhammad
regiert ohne Probleme in dynastischer Reihenfolge wie sein Vorgänger (Haarmann, S.227). Es ist aber der Beginn einer innerer und äusseren Instabilität in Ägypten gegenüber den Mongolen (Haarmann, S.240).

1295
Kairo: Hungersnot
Menschenfleischverzehr wird mit Hinrichtung bestraft (Haarmann, S.255).

ab 1300 ca.
Jerusalem mit seinem speziellen Klima wird zum Sitz reicher arabischer Pensionäre und Witwen
(Haarmann, S.257)

ab 1300 ca.
Ägypten: Gesellschaftsentwicklung zwischen Arabern, Kopten, Syrern, Mamluken
(Haarmann, S.255).

ab 1300
Deutsches Reich: Kopierte Ordensburgen im Osten
Der deutsche Ritterorden errichtet unter dem Hochmeister und Berater von Friedrich II., Hermann von Salza, nach dem Schema des muslimischen Ribats/Festung im Ostgrenzgebiet des Reichs eigene Ordensburgen und

-- stellt sich den Auftrag der "Rückeroberung" des urgermanischen Bodens
-- die Ordenshochmeister werden als Reichsfürsten eingesetzt
-- grosse Besetzungen, Urbarmachungen, Entwässerungen und Eindeichungen
-- Gründung von 96 neuen Städten und 1400 neuen Dörfern entlang der Ostseeküste bis Livland

-- Gründung der Ordensburg Thorn in Anlehnung an die palästinensisch-arabische Festung Toron
oo  mit straff organisierter Beamtenschaft
oo  mit zuchtvollem Heer auf neuestem Stand
oo  mit effizientem Nachrichtenwesen
oo  wird die Keimzelle Preussens (Hunke, S.49).

ab 14. Jh.
Deutschland: Ankunft arabischer Moriskentänzer
Arabische Sängerinnen, Tänzer und Tänzerinnen werden zur Kriegsbeute und müssen an den spanisch-christlichen Höfen singen und tanzen (Hunke, S.14).

Die arabische Kultur verbreitet sich von Spanien aus nach Wien
Heiraten zwischen Österreich und dem Spanischem Königshaus bilden kulturelle Brücken zwischen Christen und spanischen Morisken, die die "erlesene Lebensart", die "höfischen Sitten" und "heiter-sinnliche Künste" vermitteln. Die christlichen Höfe bewundern heimlich ihren Feind (Hunke, S.14).

Der Sieg des Islam über das "heilige Land" ist vorerst endgültig
Es kommt in Europa die These auf, das Heil Muhammads überwinde das Heil Christi. Jesus selbst hätte Muslim werden wollen (Hunke, S.119).

Die dramatische Situation für die Rom-Kirche

-- die Kirche ist bestraft, das kindlich-fromme Vertrauen in die Kirche ist erschüttert (Hunke, S.119)

-- die Kirche muss sich die Existenzfrage stellen, ob sie Könige und Ritter weiter in ihrem Namen kämpfen lassen soll oder die Waffe als Teufelszeug verdammen soll

-- im Volk leben die Träume vom Orient aber weiter. Das Volk wendet sich gegen die französische Hetzerkirche von Cluny (S.120) 

-- im Volk hält die Freude am Schönen an und verändert den geistigen und seelischen Zustand der Menschen, vor allem in Deutschland: Mancher Deutscher streift die Fesseln der Kirche mit ihren Beschwörungen der "Sünde" ab und entdeckt die Gegenwart als Gottes Offenbarung (Hunke, S.120).

Es entsteht in Europa in der Folge ein neues Selbst- und Weltgefühl (Hunke, S.121).

ab 14. Jh.
Der arabische Doppeladler wird zum Symbol für das Deutsche Reich
(S.130) ebenso in der Monarchie Österreichs und Russland (Hunke, S.131).

[und die Kirche etabliert bald die Inquisition gegen alles "Ungläubige", um die Autorität zu wahren...]






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