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Der Goldschaden der "Zivilisation"

Wie die Goldsuche und die Goldgewinnung die Menschen und die Umwelt verseuchen und zerstören

1999: <Goldminen sind chemische Zeitbomben> - und an den Laugebecken vergiften sich die Vögel -- Goldschaden 17.2.2009: "US"-Goldminen-Altlasten verseuchen die Natur, z.B. Beal Mountain im "Bundesstaat" Montana -- Nigeria 4.6.2010: Illegaler Goldabbau provoziert 163 Tote durch Bleivergiftungen -- Goldschaden in Nigeria 6.8.2010: 160 tote Kinder durch Bleivergiftungen durch wildes Goldschürfen -- Ghana 26.10.2010: Goldschürfen unter z.T. lebensgefährlichen Umständen - und Kinderarbeit - und Vergiftung ganzer Landstriche mit Chemikalien und Brunnenvergiftungen -- 19.4.2011: <Umwelt: Hoher Goldpreis zerstört Regenwald> -- Peru 19.4.2011: Der hohe Goldpreis provoziert eine Versechsfachung der Urwaldzerstörung - und quecksilberverseuchte Flächen -- 25.4.2011: Der peruanisch-amazonische Urwald ist durch Waldvernichtung in hoher Gefahr -- 27.9.2011: <Schwarzbuch Gold: Der diskrete Charme der Goldbranche> - und alle Nebenwirkungen der Goldproduktion werden verschwiegen -- 9.12.2011: Goldmine provoziert vergiftetes Trinkwasser mit Cyanid - Beispiel Goldmine "Marlin" in San Marco in Guatemala -- Peru: 3 Tote in Cajamarca bei Demonstration gegen Projekt Conga -- die Gold-Schutthalden in Südafrika werden nochmal durchgesiebt -- Quecksilbervergiftungen ohne Ende in Goldminen und Kohlekraftwerken -- Bleivergiftung in Goldminen-Regionen in Nigeria --

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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www.humanrights.de, Logo

1999: <Goldminen sind chemische Zeitbomben> - und an den Laugebecken vergiften sich die Vögel

aus: Renate Domnick: Für Gold, das niemand braucht. Goldabbau auf dem Land der Western Shoshone. Internet (1999): http://www.humanrights.de/u/usa/WS_GOLD.html

[Zyanid zur Goldgewinnung]

Die Zyanid-Haldenlaugung muss man sich ungefähr so vorstellen: Das goldhaltige Erz wird aus dem Berg gesprengt, zerkleinert und zu einer Halde aufgeschüttet, die am Boden mit einer Plastikplane abgedichtet ist. Durch eine Sprinkleranlage wird sie von oben mit einer Zyanidlösung berieselt, die das Gold aus dem Gestein löst. Aus dieser "schwangeren Lösung" wird das Gold in weiteren Verfahren herausgefiltert. Tatsächlich ist der Vorgang viel komplizierter und so aufwändig, dass nur Grosskonzerne die Mittel für solche Anlagen aufbringen.

[Leckagen bei der Zyanidlauge überall]

60 bis 90% der Zyanidlauge werden zwar recycelt, aber Leckagen sind an der Tagesordnung. Oft wird die Plastikplane durch das Gewicht der Halden vom Gestein "punktiert" und durchlässig. Beim Zerfall des Zyanids entstehen u.a. Nitrogen- und Schwefel-Verbindungen, aus dem Gestein lösen sich giftige Schwermetalle.

[Rückhaltebecken für Zyanidabfälle - getäuschte Vögelzüge vergiften sich an der Lauge]

Das grösste Risiko bergen die Rückhaltebecken für die zyanidhaltigen Flüssigabfälle. Ein Leck kann ganze Flüsse verseuchen. Die glänzende Oberfläche lockt Zugvögel an, die oft ihre Flugstrecke wegen dieser vermeintlichen Wasserteiche ändern und darin umkommen. Laut Earth Island Journal wurden in Nevada in den letzten Jahren fast 10.000 Vögel darin vergiftet.

[Schlussfolgerung: Gold ist ein unethisches Produkt

Wer Gold trägt, muss wissen, dass mit der Goldfabrikation nicht nur riesiege Opfer an Naturlandschaft, sondern auch an Flusswelt und auch Vogelwelt verbunden sind. Gold ist in diesem Sinn ein absolut unethisches Produkt.

Sind die Banken und die Goldschmiede jemals bereit, für den Schaden bei der Gold-"Gewinnung" aufzukommen?


Michael Palomino, Basel, Mai 2004].


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20 minuten online, Logo

Goldschaden 17.2.2009: "US"-Goldminen-Altlasten verseuchen die Natur, z.B. Beal Mountain im "Bundesstaat" Montana

aus: 20 minuten online: US-Bergwerke: «Da tickt eine wahre Zeitbombe»; 17.2.2009;
http://www.20min.ch/news/ausland/story/18656713

<Auch Naturschützer setzen grosse Hoffnungen in das milliardenschwere Konjunkturpaket, das die US-Wirtschaft ankurbeln soll: Sie setzen darauf, dass es nun endlich vorangeht mit der Sanierung Tausender aufgelassener Bergwerke, deren giftige Hinterlassenschaften Mensch und Umwelt gefährden.

Als die Goldmine Beal Mountain bei Butte im Staat Montana 1988 eröffnet wurde, priesen die Eigentümer die Goldgewinnung durch Zyanidlaugung in Übertageminen als modern und umweltfreundlich. Zehn Jahre lang holte die kanadische Firma Pegasus Gold Corp. 460 000 Unzen Gold heraus, bevor sie die Anlage 1998 schloss und Bankrott anmeldete.

Zurück blieben ein 28 Hektar grosses zyanidverseuchtes Schlammbecken mit lecker Abdichtung und Tonnen von Abraum, aus dem Selen in die Flüsse sickert und Forellen und andere Fische gefährdet. Die 6,2 Millionen Dollar, die die Firma für die Sanierung zurückgestellt hatte, reichen nicht einmal annähernd aus; die Kosten dürften eher in Richtung 40 Millionen Dollar gehen. «Da oben tickt eine wahre Zeitbombe», sagt Naturschützer Josh Vincent von Trout Unlimited über die Mine, die auf Land der US-Forstverwaltung liegt.


Zehntausende aufgelassene Gruben

Solche aufgelassenen Erzbergwerke gibt es Zehntausende, viele davon noch aus dem 19. Jahrhundert. Das Konjunkturpaket enthält über 1,5 Milliarden Dollar für Bau- und Wartungsmassnahmen des Landverwaltungsamts, der Nationalpark- und der Forstverwaltung. Dazu zählt auch, Sicherheits- und Umweltrisiken durch aufgelassene Minen auf öffentlichem Land anzugehen. Für solche Aufräumarbeiten haben die drei Behörden zusammen im vergangenen Haushaltsjahr rund 25 Millionen Dollar ausgegeben.

Doch auch Vorhaben wie die Instandsetzung von Wanderwegen und der Ersatz von Ausrüstung sind finanzierbar, so dass es keine Garantie dafür gibt, dass tatsächlich Geld in die Bergbausanierung fliesst. Laut Gesetz sollen solche Projekte Vorrang haben, die Arbeitsplätze schaffen.


Tausende Jobs erwartet

Bergbausanierung sei ein kräftiger Job-Motor, argumentieren ihre Befürworter. «Diese dringend benötigten Mittel werden Tausende Jobs schaffen, die Gewässerverschmutzung verringern, Sicherheitsrisiken beseitigen und die Lebensräume von Fischen und Wildtieren auf dem Land wieder herstellen», unterstreicht Lauren Pagel von der Umweltorganisation Earthworks.

Das Government Accountability Office des US-Kongresses schätzt die Zahl der «Hardrock»-Minen - in denen «harte» Mineralien wie Gold, Silber, Blei oder Zink gewonnen werden - in Alaska und elf weiteren Bundesstaaten im Westen sowie in South Dakota auf mindestens 161 000. Vefallende Anlagen und offene Schächte stellen Sicherheitsrisiken dar, Giftstoffe sickern in Grundwasser und Flüsse, Abraumhalden enthalten Arsen.


Steuerzahlervertreter zweifelt

Ein Inspektionsbericht des Innenministeriums vom vorigen Jahr warnt auch vor tödlichen Gasen, explosiven Chemikalien und Einsturzgefahren. Und vor ungesicherten Schächten, in denen geländegängige Fahrzeuge wie Quads verunglücken können: So wurden 2007 ein Mädchen tödlich und seine Schwester schwer verletzt, als ihr Fahrzeug in der Nähe eines Campingplatzes in Arizona vom Weg abkam und in einen Schacht stürzte. Im Mojave-Naturschutzgebiet in Kalifornien fanden die Inspektoren neben den Strassen Schächte so gross, dass Autos darin verschwinden könnten. «Die Möglichkeit weiterer Todesfälle und Verletzungen ist bedenklich», warnten sie.

Nach Schätzung der US-Umweltbehörde kann es bis zu 50 Milliarden Dollar kosten, alle Bergbaue zu sanieren. Kritiker bezweifeln, dass dafür überhaupt Geld ausgegeben werden soll. Sanierungsarbeiten seien vorübergehender Natur und hätten wohl keine wirtschaftliche Dauerwirkung, meint Pete Sepp, ein Sprecher des Steuerzahlerbundes. «Es ist doch nicht so, dass in diesen Minen jemals wieder irgendjemand graben würde.»

Quelle: AP >


Schlussfolgerung: Boykottiert Gold

Gold sollte weltweit boykottiert werden, weil die Goldgewinnung viel zu sehr die Umwelt schädigt. Stattdessen sollten andere Sachen als Währung einführen, z.B. Vogelfedern, bestimmte Pflanzenkerne etc.

Michael Palomino, Februar 2009

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n-tv
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Nigeria 4.6.2010: Illegaler Goldabbau provoziert 163 Tote durch Bleivergiftungen

aus: n-tv online: Panorama: 163 Menschen vergiftet - illegaler Goldabbau in Nigeria; 4.6.2010;
http://www.n-tv.de/panorama/Illegaler-Goldabbau-in-Nigeria-article906757.html

<Wegen des illegalen Abbaus von Gold sind in Nigeria in den vergangenen fünf Monaten 163 Menschen an Bleivergiftung gestorben, unter ihnen 111 Kinder. Die Todesfälle hätten sich in fünf Dörfern im Bundesstaat Zamfara im Nordwesten des Landes ereignet, sagte ein ranghoher Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums. Die Dorfbewohner hätten Gesteinsbrocken zu sich nach Hause gebracht, um daraus das Edelmetall zu gewinnen. Die Kinder hätten mit den Steinen gespielt, in denen sich offenbar Blei befand, und sich so vergiftet.

Das Gesundheitsministerium hat eine Säuberung der Gegend angeordnet. Unterstützung bekommt das Ministerium unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation und von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen.

AFP>


Schlussfolgerung: Boykottiert Gold

Gold sollte weltweit boykottiert werden, weil die Goldgewinnung viel zu sehr die Umwelt schädigt. Stattdessen sollten andere Sachen als Währung einführen, z.B. Vogelfedern, bestimmte Pflanzenkerne etc.

Michael Palomino, Juni 2010

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20
                    minuten online, Logo

Goldschaden in Nigeria 6.8.2010: 160 tote Kinder durch Bleivergiftungen durch wildes Goldschürfen

aus: 20 minuten online: Tragödie in Das Gold, das die Kinder sterben lässt; 6.8.2010; http://www.20min.ch/news/kreuz_und_quer/story/13828578

<von John Gambrell, AP - Seit der Goldpreis nach immer neuen Höhen strebt, ist im Norden von Nigeria ein Goldrausch ausgebrochen. Doch mit dem Edelmetall kamen die Probleme und den Preis zahlen die Kinder.
 
Frisch angelegte Kindergräber zeugen vom Blutzoll den der Goldrausch einfordert.

Die Region Zamfara trauert um 160 Kinder. Zunächst wurden sie krank, konnten nicht mehr alleine stehen, nicht mehr hören, nicht mehr sehen. Dann starben sie. Die Ärzte vermuteten Malaria. Aber erst nach 160 Todesopfern und hunderten Erkrankten enthüllten Bluttests den wahren Auslöser: Blei, das die Dorfbewohner auf der Suche nach Gold mit in ihre Häuser gebracht hatten.

 Die Böden und die Hütten in den Dörfern in Zamfara sind mit Blei versetzt, worunter besonders die Kinder leiden.(Bild: Keystone) Die meisten Opfer sind Kinder. Sie haben in kontaminierten Hütten oder auf verseuchten Dorfplätzen gespielt. Die Konzentration in ihrem Blut war teilweise so hoch, dass die Messgeräte ihre Werte nicht mehr anzeigen konnten. Ihr Schicksal war der stark gestiegene Goldpreis, der die Suche nach Gold in der Region nahe der Grenze zum Niger erst attraktiv machte. Die Männer im Staat Zamfara konnten das Gold für mehr als 32 Dollar pro Gramm verkaufen - viel Geld für ein Land, in dem die meisten Menschen weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung haben. «Es gibt kein anderes Geschäft, in dem man so viel Geld verdienen kann», sagt ein 70-jähriger Dorfältester in Yargalma, Haruna Musa.

Die Männer zerschlagen die Erdbrocken mit dem Hammer und zermahlen die kleineren Stücke zu einem Puder, dabei hilft heute eine Maschine. Das Puder wird mit Wasser und Quecksilber vermischt, um zu erreichen, dass sich die Goldpartikel zusammenklumpen. In Zamfara enthielt das Erz, das die Väter in die Dörfer mitbrachten, jedoch eine hohe Bleikonzentration. Sie bewahrten die wertvollen Brocken in ihren Hütten auf, sogar neben ihren Schlafmatten. Oft zertrümmern auch die Ehefrauen das Erz, während ihre Kinder daneben spielen. So reicherte sich das Blei in den Wänden an, in den Böden und auf den Dorfplätzen.

Ein internationales Ärzteteam traf Mitte Mai in Zamfara ein, um die Kinder zu behandeln und das Gift aus den Dörfern zu bekommen. «Schlimmer kann es nicht kommen», sagt der Präsident des amerikanischen Blacksmith-Instituts, Richard Fuller. Das Institut führt die Arbeiten zur Dekontaminierung der Dörfer an.

Im Dorf Dareta haben die Arbeiten bereits begonnen. Bauern in weissen Schutzanzügen und mit Atemschutzmasken machten sich daran, den Boden einer Hütte abzutragen. Das Eisenerz wird nicht mehr bearbeitet, die Maschinen liegen offen herum, während das Regenwasser die kontaminierte Erde in einen Teich spült. In Yargalma sind die Säuberungstrupps noch nicht eingetroffen. Auf dem Friedhof des Dorfes sind zahlreiche frische Kindergräber zu sehen. Rabiu Mohammed trauert hier um einen Sohn und eine Tochter und spricht Gebete für sie. In der Nähe gehen andere Väter zwischen den Gräbern auf und ab.

Gehirn und Nervensystem werden geschädigt

Kinder unter fünf Jahren sind besonders empfänglich für eine Bleivergiftung, weil ihre Gehirne noch nicht vollständig entwickelt sind. Blei kann das Gehirn und das Nervensystem schädigen. Weitere Folgen einer Vergiftung sind Bluthochdruck, Nervosität und Gedächtnisverlust. In schweren Fällen kann es zu Anfällen, Koma und Tod kommen.

Wenn in diesen Tagen in der Region ein Kind in ein Krankenhaus gebracht wird, ist Stille das schlechteste aller Zeichen. Denn dann ist die Bleikonzentration so hoch, dass Messgeräte sie nicht mehr anzeigen. Über einen Piepston freut man sich dagegen im Krankenhaus von Bukkuyum, etwa 20 Kilometer von Yargalma entfernt. Dieser bedeutet in vielen Fällen, dass die Behandlung angeschlagen hat und die Bleikonzentration gesunken ist.

In den Industriestaaten wird ein Patient mit einer Bleikonzentration von mehr als zehn Mikrogramm pro Deziliter meist ins Krankenhaus eingewiesen. Die Messgeräte können bis zu 65 Mikrogramm Blei feststellen. Doch in Nordnigeria wären diese Geräte nutzlos. Fast alle Bluttests hätten höhere Werte ergeben, als die Geräte anzeigen könnten, sagt die australische Ärztin Jenny Mackenzie, die für die Organisation Ärzte Ohne Grenzen (MSF) arbeitet. Bei mindestens einem Kind seien mehr als 300 Mikrogramm gemessen worden.

Vier Wochen Behandlung notwendig

Die Kinder werden in Bukkuyum vier Wochen lang mit Medikamenten behandelt. Bei schweren Vergiftungen ist ein zweiter Zyklus notwendig. Die meisten Kinder reagieren jedoch schon nach 48 Stunden positiv auf die Behandlung, sie können jedoch Hirnschäden zurückbehalten. Noch immer werden nicht alle erkrankten Kinder erreicht. Mackenzie erklärte, ihre Organisation wolle bald eine zweite Station eröffnen.

Die Arbeiten zur Dekontaminierung bedeuten eine weitere Herausforderung. Das Blei ist immer noch überall in der Erde. Fuller vom Blacksmith-Institut erklärt, Freiwillige wollten in den Dörfern bis zu fünf Zentimeter Erde abtragen und auch das Quecksilber entsorgen. Allerdings hat inzwischen die Regenzeit begonnen. Immer wieder strömen wahre Bäche die Wege hinab und tragen das Blei mit sich. Die Brunnen in dem Gebiet wurden bereits getestet. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor, könnten aber erneut schlechte Nachrichten für die Dörfer bedeuten.>

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Basler
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Ghana 26.10.2010: Goldschürfen unter z.T. lebensgefährlichen Umständen - und Kinderarbeit - und Vergiftung ganzer Landstriche mit Chemikalien und Brunnenvergiftungen

aus: Basler Zeitung online: Schmutziges Gold für schweizer Anleger; 26.10.2010;
http://bazonline.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Schmutziges-Gold-fuer-Schweizer-Anleger/story/13771791

<Die Schweiz ist Drehscheibe im weltweit blühenden Goldhandel. Dafür schuften Minenarbeiter, darunter auch Kinder, unter lebensgefährlichen Umständen, wie Recherchen des «Kassensturz» aufzeigen.

Der Goldrausch geht ins zehnte Jahr. Nach den Anschlägen vom 11. September in den USA wurde Gold bei den Anlegern beliebt wie noch nie. Letztes Jahr wurden weltweit 2400 Tonnen Gold gefördert. Sein Jahres- und Allzeithoch hatte der Goldpreis dieses Jahr am 14. Oktober mit 1.388,10 Dollar je Unze erreicht. Eine der wichtigsten Drehscheiben im Goldhandel ist seit Jahrzehnten die Schweiz.

Weder Banken noch Bijoutiers wissen allerdings, wo und unter welchen Bedingungen das Gold abgebaut worden ist, das sie verkaufen. Recherchen des Kassensturz zeigen, dass der Abbau des Goldes für die Minenarbeiter äusserst gefährlich ist und für die Umwelt gravierende Folgen hat. Im westafrikanischen Ghana werden Kleinschürfer krank, Kinder schuften zwölf Stunden pro Tag und ganze Landstriche sind mit Chemikalien vergiftet. Die miserablen Zustände bei der Goldproduktion, würden sich mit dem steigenden Goldpreis noch verschlimmern.

Mineure hantieren ohne Schutz mit Dynamit [in Ghana]

Ghana ist ein Land im Goldrausch. 500'000 Mineure arbeiten in kleinen Goldminen. Sie wollen vom hohen Goldpreis profitieren und nehmen deshalb grosse Risiken auf sich. Sie steigen in stillgelegte Minenschächte, hantieren dort ohne jeglichen Schutz mit Dynamit und schleppen das Gestein aus dem Stollen. Um das Gold aus dem gemahlenen Stein herauszulösen, vermischen fast alle der weltweit 18 Millionen Kleinschürfer diesen mit Quecksilber und rühren stundenlang die giftige Masse.

«Langfristig gesehen sterben Leute an hoher Quecksilbervergiftung», sagt Friedel Hütz-Adams, Goldexperte der Organisation Südwind aus Köln zum Kassensturz. Das giftige Schwermetall reichere sich im Körper immer mehr an und führe zu neurologischen Schäden. Viele dieser Kleinschürfer sind Kinder, die fern von ihrer Familie das grosse Glück suchen. «Wir sind unglücklich, seit einem Jahr haben wir unsere Eltern nicht mehr gesehen», sagt der 14jährige Abu, welcher in einer ghanaischen Kleinmine täglich 12 Stunden arbeitet.

Gold wird mit Cyanid aus dem Gestein gelöst

Der grosse Teil des weltweit abgebauten Goldes stammt aus Grossminen. Filmaufnahmen des «Kassensturz» in der grössten Mine Ghanas zeigen, dass dort täglich 6000 Tonnen Gestein gemahlen und mit giftigem Cyanid vermengt werden, um das Gold herauszulösen. Die Abfälle aus diesem Prozess lagern in grossen Seen und führen so immer wieder zu katastrophalen Umweltverschmutzungen. In vielen Dörfern sind Flüsse und Brunnen vergiftet.

«Kassensturz» heute um 21.05 Uhr auf SF1 (www.kassensturz.sf.tv) (mfa)>

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20 minuten online, Logo

19.4.2011: <Umwelt: Hoher Goldpreis zerstört Regenwald>

aus: 20 minuten online; 19.4.2011; http://www.20min.ch/finance/news/story/25262726

<Der immer weiter steigende Goldpreis hat die Zerstörung von Amazonas-Regenwäldern im peruanischen Departement Madre de Dios durch illegale Goldsucher in wenigen Jahren versechsfacht

Gold hat seinen Preis auch für die Umwelt. Zwischen 2003 und 2009 haben die mit primitiver Technik arbeitenden Goldgräber allein in den zwei grösseren Schürfgebieten Guacamayo und Colorado-Puquiri 7000 Hektar unberührten und extrem artenreichen Regenwaldes zerstört, berichtet Jennifer Swenson von der US-Universität Duke in Durham (North Carolina) im Fachmagazin «PLoS ONE».

Die Forscherin schliesst dies aus der Auswertung von Satellitenbildern der NASA. Sie berücksichtigte in der Studie auch den Goldpreis und Quecksilberimporte. «Angesichts der laufend steigenden Importe gehen wir davon aus, dass sich Perus Quecksilberimporte bis Ende 2011 auf 500 Tonnen verdoppelt haben werden.»

Verseuchte Mondlandschaften

Das hochgiftige Quecksilber wird von armen Goldschürfern zum Auswaschen des Goldes aus Gestein und Sand eingesetzt. Es gefährdet dabei nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern verseucht auch die Flüsse und die Luft in der Region. Wenn Goldsucher ein Gebiet ausgebeutet haben, hinterlassen sie eine quecksilberverseuchte Mondlandschaft.

Nach Angaben des peruanischen Umweltministers Antonio Brack haben die Goldsucher in Madre de Dios schon 32'000 Hektar Regenwald zerstört. Im März gingen Polizei und Militär bei einem Grosseinsatz gegen zehntausende Goldsucher vor. 32 Schwimmbagger seien zerstört worden, teilte Brack anschliessend mit.

Wohlhabende Hintermänner

Den Tod von zwei Goldsuchern bei der Aktion bedauerte er, betonte aber, dass der Einsatz von Gewalt angesichts der «ökologischen Tragödie» gerechtfertigt sei. Das Problem ist jedoch noch lange nicht gelöst. Die Polizei geht davon aus, dass in der Region mindestens 250 Schwimmbagger im Einsatz sind.

Es werde noch mindestens fünf Jahre dauern, bis die Goldsucher aus der Region vertrieben worden sind, schätzt Brack. Allerdings treibt die hohe Armutsrate in Peru immer neue Menschen als Goldsucher aber auch als illegale Holzfäller oder Siedler in die Regenwälder. Brack vermutet beim Gold wohlhabende Hintermänner, die die einfachen Arbeiter vor Ort als «Kanonenfutter» missbrauchten.

(sda)>

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Welt online, Logo

Peru 19.4.2011: Der hohe Goldpreis provoziert eine Versechsfachung der Urwaldzerstörung - und quecksilberverseuchte Flächen

aus: Welt online: Amazonasgebiet in Peru: Zerstörung des Regenwaldes wächst mit dem Goldpreis; 19.4.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13215679/Zerstoerung-des-Regenwaldes-waechst-mit-dem-Goldpreis.html

<US-Forscher haben Satellitenbilder der Nasa ausgewertet: Goldgräber hinterlassen im peruanischen Dschungel mit Quecksilber verseuchte Mondlandschaften.

Der hohe Goldpreis versechsfache die Regenwaldzerstörung in Peru, behaupten Forscher

Der immer weiter steigende Goldpreis hat die Zerstörung von Amazonas-Regenwäldern im peruanischen Departement Madre de Dios durch illegale Goldsucher in wenigen Jahren versechsfacht.

Zwischen 2003 und 2009 hätten die mit primitiver Technik arbeitenden Goldgräber allein in den zwei größeren Schürfgebieten Guacamayo und Colorado-Puquiri 7000 Hektar unberührten und extrem artenreichen Regenwaldes zerstört, berichtet die Professorin Jennifer Swenson von der US-Universität Duke in Durham (North Carolina) im Online-Wissenschaftsjournal „PLoSOne“.

Zu diesem Ergebnis kamen die Forscher nach Auswertung von Nasa-Satellitenbildern. Sie berücksichtigten in ihrer Studie auch den Goldpreis und Quecksilberimporte. „Angesichts der laufend steigenden Importe gehen wir davon aus, dass sich Perus Quecksilberimporte bis Ende 2011 auf 500 Tonnen verdoppelt haben werden“, warnt Swenson.

Das hochgiftige Metall wird von armen Goldschürfern zum Auswaschen des Goldes aus Gestein und Sand eingesetzt, zerstört dabei aber nicht nur deren Gesundheit, sondern verseucht auch die Flüsse und die Luft in der Region.

Durch die Nahrungskette schädigt es zudem die in der Region lebenden Ureinwohner und sogar weiter entfernt lebende Menschen. Wenn die Goldsucher ein Gebiet ausgebeutet haben, hinterlassen sie eine quecksilberverseuchte Mondlandschaft.

Nach Angaben des peruanischen Umweltministers Antonio Brack haben die Goldsucher in Madre de Dios schon 32.000 Hektar Regenwald zerstört. Im März gingen Polizei und Militär bei einem Großeinsatz gegen zehntausende Goldsucher vor. 32 Schwimmbagger seien zerstört worden, teilte Brack anschließend mit.

Den Tod von zwei Goldsuchern bei der Aktion bedauerte er, betonte aber, dass der Einsatz von Gewalt angesichts der „ökologischen Tragödie“ gerechtfertigt sei.

Das Problem ist jedoch noch lange nicht gelöst. Die Polizei geht davon aus, dass in der Region mindestens 250 Schwimmbagger im Einsatz sind. Es werde noch mindestens fünf Jahre dauern, bis die Goldsucher aus der Region vertrieben worden sind, schätzt Brack.

Allerdings treibt die hohe Armutsrate in Peru immer neue Menschen als Goldsucher aber auch als illegale Holzfäller oder Siedler in die Regenwälder. Brack vermutet beim Gold wohlhabende Hintermänner, die die einfachen Arbeiter vor Ort als „Kanonenfutter“ missbrauchten. In peruanischen Medienberichten war auch von einer „chinesischen Mafia“ die Rede.

dpa/oc>

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Peru, 25.4.2011

Crónica viva del Perú, Logo

25/04/2011: La selva amazónica peruana en serio peligro por deforestación

25.4.2011: Der peruanisch-amazonische Urwald ist durch Waldvernichtung in hoher Gefahr
de / aus: http://www.cronicaviva.com.pe/index.php/politica/2-politica/18100--la-selva-amazonica-peruana-esta-en-serio-peligro-

Lunes, 25 de Abril de 2011 10:38

Un último estudio de la Universidad de Duke, en Estados Unidos, revela públicamente que la desmesurada deforestación de la selva amazónica peruana, ha incrementado hasta seis veces por culpa de la minería informal.

Por ejemplo, en Madre de Dios alrededor de 7 mil hectáreas de bosques vírgenes y humedales fueron arrasados por los mineros.

"Hay muchas áreas dispersas, pequeñas, pero en expansión de la actividad minera en Madre de Dios que son más difíciles de controlar, pero pueden crecer rápidamente", señala la profesora de Medio Ambiente de Duke, Jennifer Swenson.

Según el portal Masproduccion.com, cerca de 50 mil mineros artesanales son los que por su escaso conocimiento de normas medioambientales contaminan con mercurio el aire, suelo y agua de esa zona del país.

Desmesurada deforestación ponen la ponen en grave riesgo

Al respecto el informe presentado por el Fondo Mundial para la Naturaleza (WWF) en medio de la XIII Conferencia de las Naciones Unidas sobre el Cambio Climático revela una realidad más que preocupante: de continuar con el ritmo de deforestación exhibido en los últimos años en la cuenca del Amazonas, en el 2030, la selva amazónica (el mayor pulmón del planeta a través de la absorción de dióxido de carbono y la emisión de oxígeno) podría sufrir graves daños en el 60% de su territorio e incluso – en el peor de los escenarios- llegar a desaparecer.

Según el informe de la WWF, la deforestación en la Amazonía (donde se encuentra más de la mitad de la selva a nivel mundial) produciría entre 55.500 y 96.900 millones de toneladas de dióxido de carbono. Esta segunda cifra –sorpréndanse- es igual a la cantidad de gases de efecto invernadero que se emiten en todo el mundo en veinticuatro meses.

Pero, ¿cuál es la situación real del problema? ¿En realidad la deforestación está avanzando de manera incontenible? La dinámica descrita en el informe presentado en Bali (Indonesia) muestra que la mayor parte del problema se produce en Brasil (país que tiene casi el 65% o las 3/5 partes de la selva amazónica) y sobre todo en Rondonia y Mato Grosso, estados en los que las actividades agrícolas y ganaderas han llevado a la progresiva destrucción de esa parte de la selva con la finalidad de cubrir la demanda de productos de exportación como la carne y la soya, una suerte de tándem mortal para la supervivencia de la selva amazónica brasileña.

La  Amazonía brasileña también tiene campo deforestado.

¿Cómo estamos en el Perú?
Para Michael Valqui, Director de Iniciativas de WWF-Perú, el informe presentado en Bali es un gran llamado de alerta a las consecuencias que podrían producirse a causa del calentamiento global. Valqui aclara que en nuestro país –a diferencia del caso brasileño- todavía tenemos el 90% de la Amazonía en buen estado (somos el país que mejor conserva su espacio amazónico), aunque se están creando las condiciones para que el problema comience a ser verdaderamente grave. El creciente interés por desarrollar actividades a gran escala, la explotación del gas de camisea o el desarrollo de la carretera Interoceánica son vías que facilitarían la deforestación para utilizar el terreno con otros fines. Sin ir muy lejos, las malas prácticas brasileñas en su zona amazónica ya entró al Perú en la zona de Iñapari.

De hecho, la Amazonía peruana ya comenzó a sufrir los primeros golpes del cambio climático y la deforestación: la quema de árboles en Bolivia ha hecho que el humo llegue a la zona de Purús a causa del viento. Las partículas que se desprenden de ese humo generan disminución en las lluvias y por lo tanto, el ambiente se seca y es más fácil de deforestar. “Es un círculo vicioso” dice Valqui, “ a mayor deforestación, mayor aumento de temperatura y menores precipitaciones”. Teniendo en cuenta todo esto, no es difícil imaginar por qué el cambio climático llevará al progresivo deterioro de la selva amazónica, hasta llegar incluso –tal como lo señala el informe- a la sabanización de la Amazonía en décadas futuras.

C.A.U>


Montag, 25. April 2011, 10:38 Uhr

Eine neue Studie der Universität Duke in den Verunreinigten Staaten deckt öffentlich die riesige Waldvernichtung im peruanisch-amazonischen Urwald auf. Die gesamte, geschädigte Waldfläche ist durch die wilde Goldsuche ("minería informal") auf das Sechsfache angewachsen.

In Madre de Dios sind zum Beispiel 7000 Hektar Urwald und Feuchtgebiete durch die Metallsucher vernichtet worden.

"Es gibt viele verstreute Gebiete. Sie sidn klein, aber wenn die Goldabbau-Tätigkeit in Madre de Dios zunimmt - und das ist hier nur schwer zu kontrollieren - dann können diese Flächen sich schnell ausweiten", meinte die Professorin für Umweltschutz in Duke, Jennifer Swenson.

Gemäss dem Internetportal Masproduccion.com sind es ungefähr 50.000 Goldsucher, die durch ihre mangelnden Umweltkenntnisse und Gesetzeskenntnisse mit Quecksilber die Luft, den Boden und das Wasser in diesem Gebiet des Landes vergiften.

Grenzenlose Waldvernichtung birgt ein grosses Risiko

Der Bericht wurde beim Weltweiten Naturfond (WWF) an der 13. Konferenz der Vereinten Nationen über den Klimawandel präsentiert, und es wird dabei eine sehr besorgniserregende Tatsache präsentiert: Wenn das mit der Entwaldung so weitergeht wie in den letzten Jahren, dann wird das Amazonasbecken bis 2030 zu 60% geschädigt sein. Dabei handelt es sich um die grösste Lunge des Planeten mit der Absorbtion von Kohlendioxid und der Abgabe von Sauerstoff. Und wenn das schlimmste Szenario eintritt, dann könnte der Urwald im Amazonasbecken ganz verschwinden.

Gemäss einer Information des WWF




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Der Standard online, Logo

27.9.2011: <Schwarzbuch Gold: Der diskrete Charme der Goldbranche> - und alle Nebenwirkungen der Goldproduktion werden verschwiegen

aus: Der Standard online; 27.9.2011;
http://derstandard.at/1315005506522/Schwarzbuch-Gold-Der-diskrete-Charme-der-Goldbranche

<Minenarbeiter in Südafrika - Rohstoffabbau ist ein hartes Geschäft - Kleinschürfer in Ghana - manch einer wäre eigentlich lieber Bauer - In Kambodscha verwandelt man Wasser in Gold...

Gold glänzt und wirft gute Gewinne ab. Über die Schattenseiten der Industrie hüllt die Branche aber gerne den Mantel des Schweigens.

Der Goldpreis hat im Zuge der Krise kräftig zugelegt. Gold glänzt allerdings erst, wenn es bei den Banken und im Schmuckgeschäft landet. Das Goldbusiness ist ein schmutziges Geschäft und der neue Goldrausch macht es um nichts sauberer. Der Konsument muss allerdings nehmen, was er bekommt, sagt Brigitte Reisenberger, eine der Autoren des „Schwarzbuch Gold" im derStandard.at-Interview. Den Gold hat kein Mascherl, die Industrie kein Interesse die verschlungenen Wege für Verbraucher nachvollziehbar zu machen.

derStandard.at: Sie haben für das Schwarzbuch Gold jede Menge Fakten und Daten zusammengetragen. Was hat Ihr Interesse geweckt?

Brigitte Reisenberger: Ich arbeite schon seit längerem für eine Menschenrechtsorganisation und bin so zum ersten Mal mit Menschen in Kontakt gekommen, die in Goldbergbaugebieten leben. Da bin ich auch auf die Probleme gestoßen, die damit verbunden sind.

derStandard.at: Sie haben solche Gebiete auch besucht. Das Goldgeschäft ist demnach ein ziemlich dreckiges. Worauf sind Sie gestoßen?

Reisenberger: Ich habe längere Zeit in einem Dorf in Ghana verbracht, das direkt im Umfeld einer Mine angesiedelt worden ist. Dort hat man hautnah miterlebt, wie es ist, wenn Sicherheitsdienste der Minenunternehmen oder die Polizei ständig durch den Ort patroullieren. Die Leute müssen großen psychischen Druck ertragen, sind Schikanen ausgesetzt. Die Bauern müssen zum Beispiel die Minen durchqueren, um zu ihren Feldern zu kommen. Leute werden gegeneinander ausgespielt und die Dörfer teilweise gespalten. Was die Leute erleben, ist ein sehr strategischer Divide-and-Rule-Zugang der Minenbetreiber. Die picken sich ein paar heraus, um sie zu unterstützen, und die breite Masse wird links liegen gelassen.

derStandard.at: Das erinnert stark an die Anfänge des Goldbusiness um 1900 in Südafrika. Dort wurden die Bauern quasi ihrer Existenzgrundlage beraubt, sodass ihnen gewissermaßen nichts übrig blieb als in den Goldminen zu arbeiten. 

Reisenberger: Ja, Südafrika ist da quasi ein klassisches Beispiel, weil das Regime und der Goldbergbau sehr eng verknüpft waren. Ohne die billigen Arbeitskräfte des Apartheidregimes hätte die Goldindustrie nie einen so hohen Gewinn abwerfen können. Umgekehrt hat sich das Regime aus der Minenindustrie finanziert. 

derStandard.at: Von 228 Goldminen liegen 19 Prozent in politisch stabilen Ländern. Wie sieht es mit der Verquickung von Gold und Politik heute aus?

Reisenberger: Goldabbau findet sehr oft in marginalisierten, abgelegenen Gebieten statt. Dort leben häufig indigene Gruppen oder Kleinbauern, die zuwenig Macht haben, sich gegen solche Projekte zur Wehr zu setzen. Oft wird in den jeweiligen Staaten von einem nationalen Opfer gesprochen, das ein Land im Dienste des Fortschrittes erbringen müsse. Im Endeffekt sind es aber die Ärmsten, die diese Opfer bringen.

derStandard.at: Die Goldindustrie reiht sich damit offenbar nahtlos in die Rohstoffindustrie ein. Den multinationalen Konzernen sagt man nach, dass sie lieber auf Gesundheits- und Sicherheitsvorsorge in den Minen verzichten und stattdessen den Arbeitern später eine unangemessene Entschädigung zahlen. Gibt es die Guten und die Bösen?

Reisenberger: Diese Kategorisierung funktioniert leider nicht. Es gibt manche, die sind beim Umweltaspekt ein bisschen besser, andere zahlen da und dort höhere Löhne. Aber von den Großen bis zu den Kleinen durchziehen verschiedene Probleme die Branche.

derStandard.at: Gibt es Auswege?

Reisenberger: Ghana ist zum Beispiel ein Land, in dem man sieht, in welche Richtung das gehen kann. Man sieht hier, wie wichtig es ist, in Menschen und in die Zivilgesellschaft zu investieren. Dort sind die zivilgesellschaftlichen Organisationen relativ gut organisiert, versuchen vernetzt und auf lokaler Ebene zu arbeiten. Das sieht dann konkret zum Beispiel so aus, dass man, wenn Minenunglücke passieren, sofort die Presse hinzuholt und die Umweltbehörde aufmerksam macht. Andrerseits arbeiten sie daran, mehr Transparenz in den Sektor zu bekommen, weil diese Deals sehr im Dunklen ablaufen, was die Vertragsvergabe betrifft. Sie haben es jetzt geschafft, die Fördergebühren von drei auf fünf Prozent zu steigern, was ein ziemlicher Meilenstein ist. In Ghana ist es relativ einfach, sich zu organisieren und auch politischen Druck auszuüben. In anderen Ländern wie etwa Kambodscha ist es wahnsinnig restriktiv. Da ist es sehr schwierig für Interessensgruppen, weil die Menschen oft wirklich Angst um ihr Leben haben müssen.

derStandard.at: Sie sagen, dass anders als beim Öl, die goldenen Reichtümer nicht überall komplett an der lokalen Bevölkerung vorbei gehen. Ist das schon ein Fortschritt?

Reisenberger: In Ghana gab es schon immer ein paar Hunderttausend Kleinschürfer. Das sind meistens Subsistenzbauern, die, wenn sie nicht in der Landwirtschaft tätig sind, Gold abbauen. Goldschürfen hat dort Tradition. Allerdings kommt dazu eine neue Komponente, weil die Kleinschürfer immer mehr werden. Sehr viele Bauern verlieren Land wegen der Ausbeutung durch die Minenindustrie und verdingen sich dann hauptberuflich als Kleinschürfer. Nicht alle sind davon begeistert. Die Mehrzahl sagt, sie wäre eigentlich lieber Bauer. Sie haben zwar auch die Hoffnung auf den großen Fund, aber groß reich wird im Endeffekt keiner. Mehr als ein paar Dollar pro Tag verdient der Durchschnittskleinschürfer nicht. Außerdem ist Kleinbergbau nicht umweltfreundlicher als industrieller Bergbau. Der Großindustrielle verwendet Zyanid, der Kleinschürfer verwendet Quecksilber - auch verbunden mit wahnsinnigen Auswirkungen auf die Gesundheit der Kleinschürfer.

derStandard.at: Vermutlich passieren auch nicht wenige Unfälle?

Reisenberger: Sehr oft. Es gibt eine freiwillige Selbstverpflichtung der Konzerne, mit Zyanid sorgfältig umzugehen. Da sind auch fast alle großen Minenkonzerne beteiligt, aber das ist in keiner Weise eine Garantie. In Ghana ist erst vor ein paar Monaten wieder von einer solcherart zertifizierten Mine Zyanid ausgetreten. Das hat man versucht zu vertuschen. Erst als den Bauern tote Fische aufgefallen sind, und sie bei der Umweltbehörde Alarm geschlagen haben, ist das aufgeflogen. Es würde mehr Sinn machen, die nationalen Umweltgesetze zu schärfen und deren Einhaltung zu fordern.

derStandard.at: Das ist wohl eine Frage der Kosten-Nutzen-Rechnung?

Reisenberger: So ist es. Es werden eben viele Kosten externalisiert. Da werden Leute umgesiedelt, Arbeitsplätze gehen häufig mehr verloren, als geschaffen werden. Ökosysteme werden oftmals nachhaltig beeinträchtigt. Leute werden schikaniert. Aber das lässt sich alles schwer in Geld aufwiegen. Würde man das alles in jede Feinunze Gold, die produziert wird, einbeziehen, dann würde der Preis ordentlich nach oben schießen.

derStandard.at: Die Gesamtkosten zur Förderung einer Unze Gold liegen bei durchschnittlich 740 Dollar, dazu kommen Forschung und Exploration. Wie hoch sind die Margen bei den effizientesten Goldgräbern.

Reisenberger: In Afrika liegen die Produktionskosten bei rund 400 Dollar, in Südafrika bei 700 bis 800. Bei einem Preis von 1.900 Dollar bleibt ein hübsches Sümmchen. An der Produktion orientiert sich der Goldpreis aber ohnedies schlichtweg nicht. Die Goldproduktion bleibt Jahr für Jahr relativ konstant. Natürlich werden jetzt mit dem steigenden Preis wieder viele Minen reaktiviert, weil es sich ökonomisch rechnet, sie auszubeuten. Da macht es zum Beispiel in Südafrika auch Sinn, bei einem Goldpreis von 1.900 Dollar fünf Kilometer in die Tiefe zu gehen. Wenn irgendwo die Gewerkschaften höhere Löhne für die Minenarbeiter verlangen oder sich eine Goldmine als taube Nuss erweist, wirkt sich das kaum auf den Goldpreis aus, wenn aber wieder einmal über die Probleme in Griechenland berichtet wird, sieht man das sofort. Und in gewissem Ausmaß wirkt sich auch noch die hohe Nachfrage in China oder Indien im Schmuckbereich aus.

derStandard.at: Sie führen in Ihrem Buch Auguren an, die den Gold-Preis bei 10.000 Dollar sehen. Das würde die Produktion sicher noch einmal heftig beflügeln?

Reisenberger: So eine Mine hat eine lange Vorlaufzeit. Das dauert abhängig vom Gebiet schnell einmal fünf, sechs Jahre. Jetzt ist man eher dazu übergegangen, bereits stillgelegte Schächte wieder in Betrieb zu nehmen, außerdem wird wieder mehr in Forschung investiert. Rund 165.000 Tonnen Gold wurden schätzungsweise schon gefördert. Über 100.000 Tonnen könnte es noch geben, ein Drittel davon wird in Südafrika vermutet. Man wird immer weiter in die Tiefe gehen, um an dieses Gold zu kommen. Es wird immer gefährlicher und teurer, diese Vorkommen auszubeuten. Jede Woche sterben ein bis zwei Kumpel im Goldbergbau.

derStandard.at: Würde ich mir jetzt einen Goldbarren kaufen wollen, wo könnte ich sehen, dass ich kein in diesem Sinne „schmutziges Gold" kaufe?

Reisenberger: Gold hat kein Mascherl. Der Weg von der Mine bis zu den Barren ist völlig undurchsichtig. Es gibt keinerlei Herkunftszertifizierung. Die Industrie ist auch sehr dahinter, das im Unklaren zu lassen. Die Goldbranche ist sehr diskret. Das meiste Gold kommt über die Schweiz nach Europa in die Banken und in den Handel. Viele Minenunternehmen haben Raffinerien in der Schweiz. Und die Schweizer sind bekannt dafür, diskret zu sein. Dort in der Schweiz wird dann quasi das Gold aus Afrika sauber gemacht. Um die Produktionsbedingungen in der Schweiz mache ich mir keine Sorgen.

derStandard.at: Wie komme ich zu „Green Gold"?

Reisenberger: Dieses fair und in Teilen auch ökologisch produzierte Gold, hauptsächlich von Kleinschürfern und Kooperationen in Lateinamerika, ist überwiegend für den Schmucksektor interessant. Die Nachfrage ist relativ hoch, die vorhandenen Mengen relativ gering. Das wird wohl ein Nischenprodukt bleiben. Zum Beispiel für einen Ehering, bei dem man sicher sein will, dass der aus ökologisch produziertem Gold besteht. (Regina Bruckner, derStandard.at, 5.9.2011)

Schwarzbuch Gold, Gewinner und Verlierer im neuen Goldrausch, Brigitte Reisenberger, Thomas Seifert, August 2011, erschienen bei Deuticke, Wien.>

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9.12.2011: Goldmine provoziert vergiftetes Trinkwasser mit Cyanid - Beispiel Goldmine "Marlin" in San Marco in Guatemala

aus: Der Standard online: Guatemala: Trübe Aussichten beim glänzenden Gold-Geschäft; 9.12.2011;
http://derstandard.at/1322531341204/Guatemala-Truebe-Aussichten-beim-glaenzenden-Gold-Geschaeft

<Julia Schilly, 09. Dezember 2011 06:15

Protestaktion gegen Minenbau im Departement Totonicapán. Bischof Ramazzini unterstützt eine Protestaktion in Totonicapán.

Die Anwohner von San Marco in Guatemala wehren sich gegen die Goldmine "Marlin" - Bislang ohne Erfolg

50 Kilometer und im Zick-Zack schlängelt sich "Marlin" unterirdisch durch San Marco und umliegende Gemeinden in Guatemala. Die Goldmine ist in Besitz von Montana Exploradora de Guatemala, einer Niederlassung der kanadischen Firma Goldcorp.1998 wurden die Goldvorkommen entdeckt, seit 2005 wird der Bodenschatz abgebaut. Aufgrund schwacher Verträge profitiert Guatemala vom Geschäft mit dem Gold kaum. Im Gegenteil: Umweltverschmutzung und soziale Probleme belasten die Bewohner der Region. Gewinner sind ausländische Konzerne.

"Da es ein sehr schwaches Bergbaugesetz gibt, hat uns der Abbau von Gold und Silber nur noch mehr Probleme gebracht", berichtet Alvaro Ramazzini, der seit 1989 Bischof im südwestlichen Hochland ist und sich im Widerstand gegen die großen Konzerne engagiert. Das Gesetz würde ausländische Konzerne sogar bevorzugen und ihnen in den ersten sieben Jahren Steuerfreiheit verschaffen. Die Betreiber der "Mina Marlin" müssten gar nur ein Prozent ihrer Bruttoeinnahmen an Guatemala leisten, sagt Ramazzini.

Volksbefragungen ohne Konsequenzen

"Bislang gab es 59 Volksbefragungen über Minenprojekte und alle Gemeinden haben negativ abgestimmt", berichtet der Bischof. Doch der Präsident und die Regierung würden auf diese Zeichen nicht reagieren. Was mit der Mine "Marlin" nach deren Stilllegung passieren wird, ist unklar. Ramazzini hat mit Hilfe von Forschen berechnen lassen, dass eine angemessene Schließung zehn Millionen Dollar kosten würde. Bislang habe der Staat jedoch nur eine Million zurückgelegt.

Konflikte zwischen Indigenen und Staat

Zunächst nehmen die BewohnerInnen vieler Regionen neue Minen als Chance wahr, da dadurch Jobs geschaffen werden. Der Preis ist hoch: Traditionelle Lebensgrundlagen werden zerstört. Denn industrielle Goldförderung kann selbst bei einem extrem niedrigen Vorkommen von 0,5 Gramm pro Tonne Gestein noch wirtschaftlich rentabel sein. Es werden aber auch bei höherem Vorkommen große Mengen Gestein bewegt und das Gold mit Hilfe von giftigen Chemikalien daraus gewonnen. Die dafür nötigen Deponien brauchen sehr viel Platz, wodurch benachbarte Dorfgemeinschaften ihr angestammtes Land verlieren.

Bei Zwangsumsiedlungen werden die Rechte der Betroffenen regelmäßig missachtet, angemessene Entschädigungen gibt es selten. Und das, obwohl laut Bestimmungen von internationalen Konventionen große Bergbauprojekte nur durchgeführt werden dürfen, wenn die lokalen indigenen Gemeinschaften ihre Zustimmung ("free, prior and informed consent") geben. Eine Folge dieser Marginalisierung der Rechte einer Bevölkerungsgruppe kommt es zu gewaltvollen Konflikten, in die sowohl private Sicherheitsfirmen, als auch staatliche Kräfte verwickelt sind.

Vergiftetes Trinkwasser

Die Betroffenen versuchen, sich vor allem gegen die Umweltverschmutzung zu wehren. "Der Abbau der Bodenschätze unterliegt nur einer schlechten Prüfung", kritisiert Ramazzini. Durch Unfälle, wie Lecks oder Dammbrüche, wird das Wasser mit hochgiftigem Cyanid verunreinigt. Die Abfälle der Minen werden zudem oft unsachgemäß gelagert. Die gesundheitlichen Konsequenzen bleiben nicht aus: Verseuchtes Oberflächen- und Grundwasser macht die AnwohnerInnen krank. Bischof Ramazzini weist darauf hin, dass all diese Probleme auch noch Jahre nach Stilllegung einer Mine aktuell sein können.

Guatemala nach dem Bürgerkrieg

Das große Problem des kleinen Staates in Zentralamerika ist die Armut. Die Preise für Lebensmittel und Medikamente steigen, die Gehälter bleiben jedoch gleich. Ramazzini liefert Zahlen: Demnach leiden 59 Prozent der ein- bis fünfjährigen Kinder der Indigenen an chronischer Unterernährung. Laut UNICEF liegt Guatemala auf dem siebten Rang, was Kindersterblichkeit betrifft. "Das ist noch dazu so traurig, da in meinem Land genug Lebensmittel vorhanden wären", sagt Ramazzini

"Das Land ist durch die 36 Jahre Bürgerkrieg geprägt. Es werden noch immer 13 bis 15 Menschen pro Tag ermordet: Das ist mehr als zur Zeit des Bürgerkriegs", sagt Ramazzini. Die aktuellen Konflikte hängen seiner Meinung also auch mit der vergangenen Situation zusammen, die noch nicht aufgearbeitet wurde.

Gold: Sicherheit für nervöse Anleger

Der Goldpreis gilt in der Börsenwelt als Krisenindikator: Sobald die Nerven von Anlegern zu flattern beginnen, flüchten sie zum vermeintlich sicheren Gold. Das Edelmetall gilt als krisensicher, da es so selten vorkommt. Weltweit wurde bis 2009 insgesamt jene Menge Gold geschürft, die der Größe eines Würfels mit 20,28 Metern Seitenlänge entspricht, informiert die Dreikönigsaktion. Seit 1950 wurden laut aktuellen Zahlen des World Gold Council etwa 65 Prozent des Weltgoldbestandes aus dem Boden gefördert.

Da seit 2001 die Goldpreise kontinuierlich steigen, wird auch die Förderung des Edelmetalls immer mehr forciert. Durch gegenseitige Übernahmen kam es zu einer starken Konzentration im Bergbausektor: Die zehn größten Unternehmen gewinnen mittlerweile 40 Prozent der gesamten jährlichen Produktion. Ihre Firmensitze sind vor allem in Kanada, den USA, Südafrika und Australien. 

Hoffnung auf neue Regierung

Die Alliance for Responsible Mining (ARM) und Fairtrade International (FLO) haben gemeinsam Standards entwickelt. Das ist eine Möglichkeit für BergarbeiterInnen und ihre Familien, ihre Lebenssituation zu verbessern. Für "ecological gold", das ohne Einsatz von Chemikalien und unter Einhaltung strenger Umweltauflagen gewonnen wird, gibt es zusätzlich einen Aufschlag in Höhe von fünf Prozent der entsprechenden Kursfestsetzung.

Bischof Ramazzini gibt die Hoffnung nicht auf: Am 11. Jänner beginnt eine neue Regierung ihre Arbeit. Das Parteiprogramm ist noch nicht bekannt. "Wir verlangen eine Stilllegung und, dass die kommenden 20 Jahre keine neuen Lizenzen vergeben werden", sagt er. Die Zeichen deuten auf anderes hin: Erst kürzlich wurde wieder eine Lizenz für ein umstrittenes Minenprojekt in einem Umweltschutzgebiet vergeben. (Julia Schilly, derStandard.at, 29.11.2011)>

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Peru 4.7.2012: 3 Tote in Cajamarca bei Demonstration gegen Projekt Conga

aus: Der Standard online: Drei Tote bei Protesten gegen Goldminenprojekt in Peru; 4.7.2012;
http://derstandard.at/1339639724054/Unruhen-Drei-Tote-bei-Protesten-gegen-Goldminenprojekt-in-Peru#forumstart

<[3 Tote und] 20 Verletzte bei Demonstration gegen umstrittenes Bergbauprojekt.

Lima - Drei Menschen sind bei Protesten gegen das umstrittene Bergbauprojekt von Conga in Peru umgekommen. Beim Versuch der Protestbewegung, das Regierungsgebäude der nordperuanischen Provinz Celendín einzunehmen, starben am Dienstag drei Demonstranten, bestätigte die lokale Staatsanwaltschaft dem Rundfunksender RPP. 20 Menschen seien verletzt worden, unter ihnen zwei Polizisten und fünf Soldaten. Die Regierung des Präsidenten Ollanta Humala hat nach den Zwischenfällen in Celendín und zwei weiteren Provinzen des Departments Cajamarca den Notstand ausgerufen.

In Conga, rund 800 Kilometer nördlich von Lima, will der US-Konzern Newmont Mining Gold fördern. Bauern in der Region fürchten, dass durch die Goldmine die Bewässerung der Felder in der Umgebung gefährdet wird, da das Gold unter vier Teichen gelagert ist. Der nach eigenen Angaben größte Goldproduzent der Welt betreibt bereits die nahe gelegene Goldmine Yanacocha, die größte in Lateinamerika. In Conga sollen während der Bauarbeiten bis zu der für 2017 geplanten Inbetriebnahme 5.000 bis 7.000 Menschen Arbeit finden. Das Investitionsvolumen betrage 2,4 Milliarden Dollar. (APA, 4.7.2012)>

Kommentar:

Peru: Katastrophe in Cajamarca durch Goldmine Conga

Das Projekt Conga befindet sich in einem wasserreichen Naturschutzgebiet, wo 5 grosse Flüsse entspringen und wo sich 27 Feuchtgebiete und Lagunen befinden. Der peruanische Präsiden Humala zieht das Projekt mit militärischer Gewalt durch und verletzt damit jegliches Recht. Der Umweltminister ist bereits vor 6 Monaten zurückgetreten.

Die Goldmine soll 17 Jahre lang "arbeiten". Es kann erwartet werden, dass die Gewässer und Grundwasser mit Zyanid und Quecksilber verseucht werden und die gesamte Region Cajamarca in 20 Jahren unbewohnbar wird. Dem kriminellen Präsidenten Humala ist dies egal, und die Weltgemeinschaft schaut zu. Es ist eine KATASTROPHE.

Michael Palomino, 5.7.2012

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Südafrika 6.8.2012: Die Gold-Schutthalden werden nochmals durchgesiebt - Arbeit für 75 Jahre - die Goldminen sind erschöpft - Trinkwasserschäden in den Townships

aus: Welt online: Wertvoller Schlamm: Das große Geschäft mit dem Goldmüll; 6.8.2012;
http://www.welt.de/wirtschaft/article108500016/Das-grosse-Geschaeft-mit-dem-Goldmuell.html

<In Johannesburg stehen hunderte Berge aus dem Schutt von mehr als einem Jahrhundert Goldförderung. Doch in den Halden verbergen sich Reste des Edelmetalls – und mit ihnen ein Milliardenvermögen.

Von Christian Putsch

60 Meter hoch ist die Elsburg-Halde, ihre Oberfläche misst mehrere Quadratkilometer. Gewaltig ruht der Klotz am Rande von Johannesburg. Kein natürlich entstandenes Stück Natur, sondern eines von Hunderten handgemachter Monumente, die daran erinnern, warum die Stadt überhaupt existiert: Gold.

Südafrikas Wirtschaftsmetropole durchzieht vom Südwesten bis Osten ein Muster der gelb-braunen Aufschüttungen, die im Laufe von 126 Jahren Goldgewinnung aufgetürmt wurden. Einige der größten Abfallhaufen der Welt. Zertrümmerte Felsen, zu Tage getragen und entsorgt, nachdem ihnen die winzigen Goldpartikel entnommen wurden.

Alles wird noch mal durchgesiebt

Giel Koekemoer steht am Fuß des künstlichen Berges. Er ist seit fast drei Jahrzehnten Metallurg, einer der erfahrensten Fachmänner Südafrikas für die Gewinnung und Verarbeitung des Edelmetalls. Koekemoer schaut auf die gewaltigen Stahlanlagen, die neben dem gewaltigen Berg verschwindend klein wirken. Früher war er für Bergbau unter Tage zuständig, heute arbeitet er an der Oberfläche.

"Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich den ganzen Mist, den ich aus dem Boden rausgeholt habe, noch einmal aussieben muss", sagt er und lacht. Man kann diese Darstellung durchaus verniedlichend nennen, angesichts der gewaltigen Aufgabe, für die Koekemoer bei dem Bergbauunternehmen DRDGold Limited mitverantwortlich ist.

200 gigantische Deponien

Das Unternehmen ist der viertgrößte Goldförderer Südafrika, in seinem Spezialgebiet aber hält die Firma die Position des weltweiten Marktführers: Zwei Drittel des Umsatzes entstehen durch die Suche nach Gold in den gigantischen Abbauhalden der Stadt. Die Südafrikaner sind Protagonisten einer der wohl größten Umgrabungen überhaupt.

Im Großraum Johannesburg, zwischen Boksburg im Osten und Krugersdorp eine halbe Stunde Autofahrt südwestlich der Metropole, erstrecken sich rund 200 gigantische Bergschutt-Deponien, einige sind bis zu 60 Meter hoch.

Längst versucht die Natur, die Kolosse zurückzuerobern, Bäume und Gräser wachsen auf ihnen. Viele von ihnen wurden systematisch gepflanzt, um zu verhindern, dass der Wind den Staub über der Stadt verteilt. Doch das charakteristische Gelb-Braun überdecken sie nie ganz. Es ist das erste, was den meisten Besuchern beim Landeanflug auf Johannesburg auffällt.

Johannesburg lebt Gold

Wer aber Luftaufnahmen von Johannesburg aus den 1970er-Jahren, der Hochphase der südafrikanischen Goldgewinnung, mit aktuellen Fotos vergleicht, der stellt fest, dass inzwischen weniger gelb-braune Punkte zu sehen sind. Rund 200 Millionen Tonnen wurden abgetragen, nicht aus ästhetischen Gründen, sondern wegen des Goldes – jenem Rohstoff, der Johannesburg noch immer anzutreiben vermag wie kein zweiter.

"In guten Abbauhalden finden wir rund 0,2 Gramm Gold pro Tonne", erzählt Koekemoer. Das klingt verschwindend gering, doch angesichts der großen vorhandenen Massen und des Goldbooms des vergangenen Jahrzehnts ist der Handel mit dem Goldmüll ein Milliardengeschäft.

Allein in der Halde, vor der Koekemoer steht, wird ein Wert von über 1,5 Milliarden Euro vermutet. Je älter die Berge, umso wahrscheinlicher sei es, dass die technischen Möglichkeiten zum Zeitpunkt der Förderung nicht ausreichten, um auch die letzten Reste Gold zu extrahieren. Seit dem Ende der siebziger Jahre, als der Goldpreis in bis dato unbekannte Höhen schnellte, versuchen Unternehmen, der Erde auch diese Körner zu entreißen.

Wertvoller Schleim

Doch Jahrzehnte später ist die Suche nach den letzten Goldpartikeln noch immer extrem mühselig. Mannshohe Rohre umschlingen den Berg hinter Koekemoer. Lange nutzten Fun-Sportler das Gelände illegal, sie rasten auf Snowboards die künstlichen Sanddünen hinab. Nun wird der gigantische Abenteuerspielplatz Stück für Stück abgetragen. Sand und Stein werden mit Wasser zu einem zähen Brei vermengt. "Slime", nennen das Bergbauer wie Koekemoer wenig liebevoll: Schleim.

Über eine 50 Kilometer lange Leitung wird der "Schleim" dann von mehreren Halden in einem wilden Zickzackkurs durch die Stadt gepumpt. Das Verlegen der Rohre ist wegen der dichten Besiedelung Johannesburgs kompliziert, erschwerend kommt hinzu, dass sich unter der Stadt ein Geflecht von zumeist unbenutzten Bergbauschächten erstreckt. DRD Gold hat in den vergangenen Jahren Dutzende Millionen Euro investiert, um die Halden zu erschließen.

Die größte Halde der Welt

Das Hauptquartier der DRDGold-Tochterfirma Ergo liegt östlich von Johannesburg. Eine Stunde dauert die Fahrt vom Stadtzentrum aus, auf dem Weg sieht man die Lycaste-Halde, die Cason-Halde und schließlich den größten Schuttberg – den Brakpan Tailings Dam, die größte Gold-Bergbau-Halde der Welt. Rund 600 Hektar ist sie groß, das entspricht in etwa der Fläche von Hagen.

Dort endet der Verwertungskreislauf, für den Charles Symons verantwortlich ist. Er steht in einem schmucklosen Konferenzraum des Hauptquartiers und erklärt anhand einer Grafik die Produktionsabläufe.

"Im Prinzip sieben wir das Gold aus, wie früher", sagt der erfahrene Manager, "das Ganze ist nur ein bisschen größer und ein bisschen aufwendiger." Die Firma kümmere sich um Abfälle, um die sich über Jahrzehnte keiner geschert habe.

Am Ende gibt es Goldbarren

Bei einem Gang durch die turmhohen Maschinenhallen, die direkt an das Bürogebäude angrenzen, wird klar, wie komplex das ist. In einem ersten Schritt werden organische Stoffe aus dem Schleim getrennt. Von dort wird der Schlamm in Tanks von der Größe eines Hochhauses gepumpt, wo er mit Zyanid, Sauerstoff und Kalziumoxid vermengt wird. In einem weiteren Schritt wird das Gold mit Karbon verbunden, einem elektronischen Prozess unterzogen, geschmolzen und so in die Form von Goldbarren gebracht.

Der Rest landet auf dem Brakpan Tailings Dam, der schon jetzt 60 Meter hoch ist und im Laufe der kommenden Jahre um weitere 40 Meter anwachsen wird. Geteerte Straßen führen hinauf, große Teile der Halde sind bepflanzt, um Verwehungen zu vermeiden. All das kostet ein Vermögen, zumal trotz der modernen Technik noch immer weniger als 50 Prozent des Goldes extrahiert werden kann.

"Wir arbeiten daran, Sand und Gestein noch feiner zu mahlen, um annähernd 100 Prozent des Goldes trennen zu können." Wie weit diese Forschung vorangetrieben wird, hängt vor allem von der Entwicklung des Goldpreises ab. Zumindest das bisherige Verfahren war wegen des Goldbooms des vergangenen Jahrzehnts profitabel.

Südafrika verliert an Boden

Das Interesse an den Bergbauhalden liegt aber auch an den zunehmenden Kosten für Goldförderung unter Tage. Denn die meisten Minen der Gegend sind erschöpft. Südafrika ist nach China, Australien und den USA nur noch der viertgrößte Goldproduzent der Welt.

Die sechs Millionen Feinunzen, die das Land im Jahr 2011 zu Tage brachte, sind nur noch ein Bruchteil des Fördermaximums im Jahr 1971. Damals standen noch 31 Millionen Feinunzen jährlich zu Buche, nach Angaben der damaligen südafrikanischen Handelskammer für Bergbau über Dreiviertel der weltweiten Produktion.

Aktive Minen wie die westlich von Johannesburg betriebene TauTona-Mine müssen bis zu vier Kilometer tief graben, um auf Gold zu stoßen. Logistische Herausforderungen wie die Bewältigung der Hitze lassen in diesen Tiefen die Kosten explodieren. In wenigen Jahrzehnten, so prognostizieren es Experten, werden die Gold-Vorkommen in Südafrika vollends erschöpft sein.

Die Bergbaukonzerne des Landes agieren deshalb längst weltweit und sind in der Heimat über Alternativen wie die Wiederverwertung der Schuttberge dankbar. Im vergangenen Jahr zahlte DRDGold die zweithöchste Dividende der südafrikanischen Goldproduzenten aus.

Probleme beim Umweltschutz

Eine der großen Herausforderungen für Techniker wie Symons ist jedoch der Umweltschutz. Nicht alle existierenden Halden sind perfekt gesichert, mit dem Staub geraten giftige Chemikalien in Luft und in einigen Fällen sogar das Grundwasser.

Davon sind besonders Menschen in Townships betroffen. Während der Apartheid errichtete die damalige Regierung Townships bewusst weit außerhalb der Innenstädte, um seine Politik der Rassentrennung umzusetzen. So liegen Townships wie Diepkloof, Diepmeadow und Meadowlands in unmittelbarer Nähe von Bergbau-Halden.

Arbeit für 75 Jahre

Symons sagt, dass die Arbeit seines Unternehmens den Menschen zugute kommt, auch wenn es immer wieder Beschwerden gibt, dass durch das Abtragen der Halden zusätzlicher Staub freigesetzt wird. "Wenn wir die Halden wegnehmen, entfernen wir die dauerhafte Quelle für Wasserverunreinigungen und Luftverschmutzung", erklärt er, zudem würde neuer Baugrund geschaffen.

Es sei für alle besser, den Schutt an einer Stelle zu konzentrieren, wo die Bepflanzung gut funktioniere und Umweltkontrollen wie Staubmessung systematisch genutzt würden.

Bis die letzten Halden aus dem Johannesburger Stadtbild verschwunden sind, wird allerdings noch viel Zeit vergehen. "Wir tragen derzeit zwei Millionen Tonnen pro Monat ab", sagt Symons. 1,8 Milliarden Tonnen sind allein im Großraum Johannesburg noch unbearbeitet – genug für 75 Jahre Arbeit.>


Kommentar: UMWELTSCHÄDLICHES GOLD

Gold ist ein umweltschädliches Produkt: Zyanid und Quecksilber verseuchen das Grundwasser und die Böden durch Staubverfrachtung und ganze Regionen werden unbewohnbar. Die Lungen der Bergarbeiter sind ungeschützt allen Dämpfen und Stäuben ausgeliefert. Und jede Mine fördert auch die Prostitution. Diese Faktoren sind also auch die Basis der Weltwirtschaft. Deswegen sollte man vom Gold schon allein aus ethischen Gründen besser die Finger lassen.

Michael Palomino, 6.8.2012

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Basler Zeitung online, Logo

16.1.2013: Quecksilbervergiftungen ohne Ende in Goldminen und Kohlekraftwerken - der geplante Quecksilbervertrag "Minamata"

aus: Basler Zeitung online: Die schleichende Quecksilbervergiftung; 16.1.2013;
http://bazonline.ch/wissen/technik/Die-schleichende-Quecksilbervergiftung/story/12543099

<In Goldminen und Kohlekraftwerken werden jedes Jahr Tausende Tonnen des Schwermetalls freigesetzt. Ein UNO-Abkommen, das derzeit in Genf verhandelt wird, soll dies verhindern.

Der internationale Quecksilbervertrag ist noch nicht reif zur Unterzeichnung – doch der Name des Abkommens scheint sicher zu sein: Minamata. So heisst die japanische Stadt auf der Insel Kyushu, deren Geschichte ins traurige Kapitel globaler Umweltkatastrophen gehört. Eine Kunststofffabrik der Firma Chisso entsorgte seit den 30er-Jahren Chemieabfälle in einer Meeresbucht nahe der Stadt. Jahrzehntelang ernährten sich die Einwohner von Fischen und Muscheln, die durch Quecksilber vergiftet waren. Erste Symptome zeigten sich in den 50er-Jahren. Tausende klagten über Schmerzen, litten unter Lähmungen und Psychosen. Etwa 3000 Menschen starben an einer Vergiftung.

Nach vier Verhandlungsrunden soll nun in dieser Woche in Genf eine verbindliche UNO-Konvention zustande kommen, welche die Vergiftung der Luft, der Gewässer und des Bodens durch das Quecksilber verhindert.

Grosses Risiko beim Goldabbau

Zwar blieb der weltweite Ausstoss an Quecksilber von 1990 bis 2005 stabil, wie ein Bericht des UNO-Umweltprogrammes (Unep) zeigt. Die Emissionen in Europa und in Nordamerika nehmen ab – vor allem dank Filtern in Kohlekraftwerken und neuen Technologien in der Zement- und Chemieindustrie. Hingegen ist in Asien, namentlich in China, durch das Wirtschaftswachstum ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Das Unep schätzt, dass jedes Jahr 2000 Tonnen des Schwermetalls in die Umwelt gelangen. Die Schätzung ist ungenau: Der Ausstoss dürfte höher liegen.

Rund ein Fünftel dieser Menge wird durch die Verbrennung von Kohle in Stein- und Braunkohlekraftwerken verursacht, mehr als ein Drittel stammt aus dem Goldabbau in Klein- und Kleinstbergwerken. Mehr als 15 Millionen Menschen erhoffen sich laut Weltbank in dieser Branche ein höheres Einkommen und gehen dabei ein grosses gesundheitliches Risiko ein. Das goldhaltige Gestein wird mit Quecksilber zu einem Amalgam vermischt. Dieses wird anschliessend erhitzt. Dabei wird Quecksilber verdampft und entweicht in die Luft, zurück bleibt fast reines Gold. Der Goldschürfer atmet bei diesem Prozess ohne Schutz giftige Dämpfe ein. «Methoden ohne den Einsatz von Quecksilber sind vorhanden, aber Wirtschaftlichkeit und ein geringes Risikobewusstsein verhindern sichere Techniken», heisst es im Unep-Bericht.

Schwermetall in den Meeren

Die Emissionen aus Kleinbetrieben im Goldbergbau in Afrika, Lateinamerika und Asien haben sich in den letzten 7 Jahren verdoppelt. Das sei auf bessere Erhebungen zurückzuführen, aber auch auf eine grössere Goldnachfrage. Das Unep hat erstmals untersucht, wie viel Quecksilber durch die Industrialisierung in Gewässer gelangt ist: Die Menge hat sich in den letzten 100 Jahren in den oberen Wasserschichten des Meeres verdoppelt. Die Verfrachtungen per Luftweg sind nicht nur lokal, sondern haben globale Ausmasse. Studien zeigen, dass sich der Gehalt von Quecksilber in verschiedenen arktischen Tierarten in den letzten 150 Jahren teilweise verzehnfacht hat.

Das silberweisse Schwermetall ist eine träge Masse. Es kann sich während Jahrzehnten in der Umwelt anreichern. Selbst wenn ein Abkommen Quecksilber schon morgen verbieten würde – ein Effekt wäre erst Jahre später zu spüren.Noch gibt es keinen internationalen Vertrag. Die Verhandlungen sind zwar in den letzten Jahren weit gediehen, dennoch ist ein erfolgreicher Abschluss der Verhandlungen Ende Woche nicht sicher. Franz Perrez, der Leiter der Schweizer Delegation, bleibt vorsichtig: «Mit viel Engagement und politischem Willen ist ein Erfolg durchaus möglich.»

Dieses Vokabular ist aus anderen Umweltverhandlungen wie etwa den Klimakonferenzen bekannt. Die Knackpunkte sind denn auch ähnlich: Die Entwicklungs- und Schwellenländer wären durch das Abkommen am stärksten betroffen. «Viele Staaten können nur Verpflichtungen eingehen, wenn sie kurzfristig und langfristig finanziell unterstützt werden», sagt Perrez. Eine glaubwürdige Regelung ist auch insofern unerlässlich, als dass die Industrieländer in Sachen Technologie den höchsten Qualitätsstandard verlangen. Das kostet: Mit etwa 30 Milliarden Dollar rechnet zum Beispiel Südafrika, um seine Kohlekraftwerke mit Filtern auszurüsten. Manche ärmere Staaten stemmen sich deshalb gegen hohe Anforderungen. Uneinig sind sich die Vertragsstaaten auch beim Kontrollsystem. Die Industrieländer fordern eine regelmässige Überprüfung der Umsetzung in den einzelnen Staaten. «Viele Länder wollen aber nicht kontrolliert werden», sagt der Schweizer Delegationsleiter.

Verbot fördert Illegalität

Der Vertrag, wie er derzeit als Entwurf verhandelt wird, würde Quecksilberminen verbieten und die Verwendung des Schwermetalls in industriellen Verfahren stark einschränken. Diskutiert wird eine Liste der Produkte, die weltweit nicht mehr zugelassen wären. Verschiedene Batterietypen, Sparlampen, medizinische Geräte müssten allesamt allmählich vom Markt genommen werden. Umstritten ist auch ein Verbot von Amalgamzahnfüllungen. «Verschiedene Entwicklungsländer sind der Ansicht, dass sie Amalgam künftig noch brauchten», sagt Perrez. Beim Goldabbau in Kleinbergwerken setzt die Schweiz auf nationale Aktionspläne, welche einen vorsichtigen Umgang mit Quecksilber verlangt. «Die Erfahrung bei Schweizer Entwicklungsprojekten zeigt, dass ein Verbot die Illegalität fördert.» Besser sei eine Ausbildung der Mineure.

Und noch einen Einwand gibt es zum Entwurf: Die japanische Umweltorganisation Bürger(innen) gegen Chemieverschmutzung vermisst einen Passus, der Menschen wie die Einwohner von Minamata berücksichtigt, welche bereits in verseuchten Gebieten leben.

(Tages-Anzeiger)>

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20.2.2013: Bleivergiftung in Gold-Regionen in Nigeria

aus: Der Standard online: Bleivergiftung von Kindern: "Wir sehen Erkrankung, Koma, Tod"; 20.2.2013;
http://derstandard.at/1361240448675/Bleivergiftung-von-Kindern-Wir-sehen-Erkrankung-Koma-Tod

<Interview |
Bianca Blei

Durch den Goldabbau wird das Blei freigesetzt.. Laut Ivan Gayton würde eine Kriminalisierung des Abbaus allerdings nichts bringen. Er plädiert für sichere Abbautechniken.. Insgesamt fünf Millionen Dollar will die nigerianische Regierung zur Verfügung stellen, um die Verseuchung des Bodens zu beseitigen. Bereits rund 470 Kinder starben an den Folgen der Kontamination. Ein oder zweimal dachte Ivan Gayton bereits ans Aufgeben: "Doch ich war zu sauer."

Illegaler Goldabbau in Nigeria bringt schwere Folgen für den Organismus mit sich.

Wenn die Minenarbeiter nach dem Goldschürfen zu ihren Familien nach Hause kommen, haftet Blei an ihren Kleidern und Händen. Was sie lange nicht wussten: Durch das Schwermetall vergiften sie ihre Kinder und sich selbst. Denn auf der Suche nach Gold schlagen sie tagtäglich Steine auf, die mit Blei kontaminiert sind.

Etwa 470 Kinder starben im Norden Nigerias bereits an den Folgen von Bleivergiftungen. Auch wenn bereits ganze Dörfer gereinigt wurden, leben noch immer Familien in verseuchten Gebieten. Vor einer Woche begannen die Arbeiten in Bagega im nigerianischen Bundesstaat Zamfara. Dort ist Ivan Gayton als Einsatzleiter von Ärzte ohne Grenzen vor Ort. Im Interview berichtet er von gigantischen Werten, die höher sind als alle bisherigen weltweit und sogar jene einer Giftmülldeponie im Kosovo übersteigen.

derStandard.at: Wie wichtig sind die insgesamt vier Millionen Euro, die von der nigerianischen Regierung in die Beseitigung der Bleiverseuchung im Norden Nigerias investiert werden?

Gayton: Dass die Regierung endlich mit der Arbeit in Bagega begonnen hat und das Areal saniert, erlaubt vielen Kindern den Zugang zu lebensrettender medizinischer Betreuung. Endlich können wir Familien helfen, die schon jahrelang darauf warten. Aber solange erkrankte Menschen weiter in verseuchten Gebieten leben, ist es sinnlos, die Bleivergiftungen zu behandeln. Seit 2010 konnten wir fast 3.000 Kinder behandeln, die in bereits sanierten Gebieten leben. Zwischen 600 und 1.500 Kinder leben allerdings noch immer in einer kontaminierten Umgebung. Denen konnten wir noch nicht helfen.

derStandard.at: Welche Arbeiten werden in Bagega durchgeführt?

Gayton: Die Experten haben bereits mit der so genannten Charakterisierung begonnen, d.h. sie durchleuchten mit Röntgengeräten die Gegend auf der Suche nach Blei. Danach kommen die eigentlichen Maschinen zum Einsatz, um das verunreinigte Erdreich zu entfernen.

Es wird noch etwa fünf Monate dauern, bis die Arbeiten abgeschlossen sind. Wir vertrauen darauf, dass die Regierung zu Ende bringt, was sie begonnen hat. In der Zwischenzeit untersuchen wir Kinder, um festzustellen, mit wie vielen Patienten wir zu rechnen haben. Sobald eine Nachbarschaft in diesem Ort dekontaminiert wurde, beginnen wir zu behandeln.

derStandard.at: Wieso muss die Arbeit vor Beginn der Regenzeit abgeschlossen sein?

Gayton: Weil die Bleikontamination erst ganz am Ende der Arbeiten beseitigt wird. Sobald aber Regen einsetzt, wird der Boden weich und das Erdreich bewegt sich. Wenn dann nur eine Nachbarschaft nicht dekontaminiert ist, wird sich die Verseuchung wieder ausbreiten.

Aber ich bin optimistisch, dass die Arbeiten bis dahin abgeschlossen sind. Gleichzeitig bin ich beunruhigt, weil so spät begonnen wurde. Eigentlich hätten sie bereits im November beginnen sollen und nun haben wir Februar. Somit haben wir vier Monate durch bürokratische Schwierigkeiten verloren.

derStandard.at: Inwiefern beeinflusst die Bleivergiftung den menschlichen Körper und gibt es einen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern?

Gayton: Eine Bleivergiftung greift vor allem das Nervensystem an. Das ist besonders schwerwiegend, wenn sich dieses wie bei Kindern noch entwickelt. Dadurch wird eine normale Entwicklung von  Gehirn und Nerven unterbrochen.

Noch dazu enthält das Blei in Nigeria viel Bleicarbonat und Bleioxid. Beide Verbindungen sind in der Magensäure löslich und kommen leicht in den Organismus der Kinder. Sie spielen im Schmutz und stecken ihre Finger in den Mund. Zudem nehmen die Kinder viel mehr Blei auf, weil sie noch wachsen und Knochen aufbauen. Würde ein Erwachsener bleiverseuchte Erde essen, würde er zwischen zehn und 20 Prozent des Bleis aufnehmen - bei Kindern liegt der Wert bei 50 Prozent.

derStandard.at: Wie schwer sind die Vergiftungen, mit denen sie zu tun haben?

Gayton: Unter normalen Umständen findet man bei Bleivergiftungen neurologische Schäden oder Organschäden. Aber hier sehen wir Erkrankung, Koma, Tod. Die Bleikonzentration in diesen Kindern ist gigantisch. Bevor wir den Ausbruch in Nigeria entdeckt hatten, galt die Bleivergiftung unter Flüchtlingen in Kosovo als größte der Geschichte.

Damals waren Roma und Sinti betroffen, die ihre Lager auf Giftmüllhalden errichtet hatten. Hunderte Menschen hatten eine Bleikonzentrationen von 50 bis 200 Mikrogramm per Deziliter (mg/dl) im Blut. Bereits ab 5 mg/dl spricht man von einer Gesundheitsgefährdung. Die Kinder hier in Nigeria haben oftmals 400 mg/dl. Wir hatten sogar ein Kind mit 700 mg/dl. Das macht den Fall in diesem Gebiet unvergleichbar zu jedem anderen in der Geschichte weltweit.

derStandard.at: Wie war die Situation, als Ärzte ohne Grenzen das erste Mal im Jahr 2010 in den Norden Nigerias fuhr und die Bleivergiftungen entdeckte?

Gayton: Als wir ankamen, waren in einem Dorf bereits 43 Prozent aller Kinder tot. Die anderen hatten Fieber und zitterten. Wir glaubten, es handle sich um hämorrhagisches Fieber und überlegten in Schutzanzügen zu kommen. Doch einer unserer Ärzte war schlau genug, sich die Umgebung anzusehen und entdeckte die Minenaktivitäten. Deshalb schickten wir Blutproben nach Europa und ließen sie auf Metallvergiftungen untersuchen. Das Labor in Europa glaubte, dass die Proben verunreinigt waren, weil sie noch nie zuvor so hohe Bleikonzentrationen gesehen hatten.

derStandard.at: Wie lange dauert es, bis sich eine Bleivergiftung bemerkbar macht? Ab wann beginnen die Symptome?

Gayton: Nicht sehr lange. Wir glauben, dass die Kontamination des Gebietes im Jahr 2009 begonnen hat und bereits 2010 haben wir die verheerenden Auswirkungen gesehen. Wahrscheinlich finden zeitgleich auch Vergiftungen mit Quecksilber statt aber dabei sieht man die Auswirkungen nicht so schnell. Ich habe Angst, dass in ein paar Jahren, wenn der Goldabbau nicht sicherer wird und sich jemand darum kümmert, eine Epidemie wegen Quecksilbervergiftungen auftritt.

derStandard.at: Nun hat die nigerianische Regierung die Menschen in der Region aufgefordert, den illegalen Goldabbau einzustellen. Gibt es für das Verbot auch Strafen?

Gayton: Nein, aber das ist meiner Meinung nach keine Lösung. Das sind extrem arme Menschen. Sie leben von ein bis zwei Dollar am Tag mit sehr primitiver Landwirtschaft. Wenn sie herausfinden, dass sie Steine in ihrem Garten ausgraben, aufschlagen, mahlen und Gold herausholen können und damit zehn bis 15 Dollar am Tag machen, kann sie niemand mehr aufhalten. Die Regierung kann es so oft verbieten, wie sie will. Der illegale Abbau wird dann in der Nacht passieren, in den Häusern. Es würde sogar mehr Kontaminationen geben. Und die Eltern würden aus Angst vor Festnahmen die Kinder nicht mehr zu uns bringen.

derStandard.at: Haben Sie einen Vorschlag für dieses Problem?

Gayton: Es gibt Techniken für sichereren Goldabbau. Ich bin nicht für den Minenbetrieb und sicher kein Minenexperte. Aber ich habe Freunde, die sich auskennen, und die haben mir erklärt, dass es keinen sicheren Abbau gibt. Es ist wie beim Sex. Es gibt keinen sicheren Sex, aber man kann ihn sicherer machen. Und es gibt Techniken, die man auch in ärmlichen Gebieten anwenden kann, wie Burkina-Faso oder Uganda.

In Wahrheit hilft der Goldabbau den Menschen auch. Es wird ihnen möglich gemacht, besseres Essen und bessere Gesundheitsversorgung und Bildung zu erlangen. Man sollte sich mit den Leuten auseinander setzen und sie nicht kriminalisieren und vertreiben. Man sollte ihnen helfen, eine sichere Industrie aufzubauen.

derStandard.at: Was wäre so eine sichere Abbautechnik?

Gayton: Die größte Verunreinigung mit Blei passiert zurzeit beim trockenen Mahlen. Die Menschen graben die Steine aus, schlagen sie mit Hämmern auf und geben sie in eine Mehlmühle. Der Staub der aus diesen Mühlen kommt ist zwischen zehn und 12 Prozent mit Blei verseucht. Diese Methode ist unserer Meinung nach der Hauptgrund, warum Kinder vergiftet werden und sterben. Bei sichereren Techniken wird Wasser hinzugefügt, das den Staub bindet. Das funktioniert dann ähnlich wie in einer Waschmaschine.

derStandard.at: Sie sind nun seit 2011 in Nigeria. Welche Situationen berührten Sie am meisten während Ihres Einsatzes?

Gayton: Wenn ich in Bagega Menschen treffe, die mich fragen, warum wir nicht bei ihnen sind. Warum wir allen anderen Familien helfen, sie aber im Stich lassen. Ich kann dann nur antworten, dass zuerst das Gebiet saniert werden muss und wir solange hilflos sind. Es ist furchtbar, wenn man Menschen abweisen muss, die um Hilfe betteln. Das verletzt mich selbst.

derStandard.at: Werden die gesamten vier Millionen Euro der Regierung in der Region ankommen?

Gayton: Eigentlich kostet es nur zwei Millionen Euro, um das Gebiet zu sanieren. Das Geld wurde nun ans Umweltministerium überwiesen. Der Rest des Geldes soll an das Gesundheits- und Minenministerium gehen. Ich würde mich sehr freuen, wenn sich das Gesundheitsministerium bei der Behandlung der Patienten engagieren würde. Denn zurzeit sind wir die einzigen, die diese Menschen und ihre Bleivergiftungen behandeln.

derStandard.at: Hat Sie der Kampf um diese Fördergelder und die Gesundheit der kranken Menschen in Nigeria niemals ausgelaugt? Dachten Sie jemals daran, aufzugeben?

Gayton: Ein- oder zweimal. Ich hatte schon ein paar schlaflose Nächte. Ich überlegte, ob wir vielleicht aufgeben und mehr Kinder behandeln sollten, die an Malaria oder Cholera leiden. Es gab auch  Momente, in denen wir dachten, dass wir niemals Hilfe bekommen werden. Aber um ehrlich zu sein, sogar in diesen Momenten war ich zu sauer um aufzugeben. Ich sah diese Familien und Kinder und fragte mich, warum diese Menschen leiden sollten, nur weil es schwierig ist. Und auch wenn es frustrierend oder aussichtslos scheint, sind wir die einzigen, die helfen und hinsehen. (Bianca Blei, derStandard.at, 20.2.2013)

Ivan Gayton ist seit 2011 der Einsatzleiter für "Ärzte ohne Grenzen" in Nigeria.>

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