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aus: Wolfgang Gückelhorn / Kurt Kleemann: Die Rheinwiesenlager Remagen und Sinzig. Helios-Verlag 2013, Aachen, helios-verlag@t-online.de;
www.helios-verlag.de; ISBN 978-3-86933-094-5, S.77-79
Wortschatz
PWTE = zeitlich begrenztes / vorläufiges Kriegsgefangenenlager [Prisoner of War Temporary Enclosures]
Rheinwiesenlager Miesenheim: 13. April bis 8. Mai 1945
Rheinwiesenlager Andernach:
-- installiert
-- von den fransösischen Militärs übernommen am 6./7. Juli 1945 und die französische Verwaltung installiert am 9. Juli 1945
-- geräumt am 11. September 1945.
<Das Lager A11 in Miesenheim und Andernach
Karte mit Andernach und Miesenheim mit den Rheinwiesenlagern [1]
Karte mit Andernach und Miesenheim mit dem Öl- und Containerhafen [2]
Öl- und Containerhafen Andernach heute (2013) [3]
[Zuerst wurde das Lager in Miesenheim installiert - Verlegung von Gefangenen ins Todeslager nach Remagen]
Bereits ab dem 13. April 1945 wurden deutsche Kriegsgefangene auf Lastkraftwagen durch Andernach in Richtung Miesenheim gefahren. Zunächst wurde dort ein Sammellager eingerichtet. Bis zum 22. April war die Gefangenenzahl schon auf zirka 85.000 Mann angestiegen. Ab dem 26. April verlegten die Amerikaner mit 10 Eisenbahnzügen Gefangene ins Lager nach Remagen.
[Einrichtung des grossen Todeslagers in Andernach - Marsch der Überlebenden nach Sinzig - Deportationen nach Frankreich]
Schliesslich wurde das Lager Miesenheim komplett in das neu errichtete Lager auf den Andernacher Rheinwiesen verlegt. Die französische Armee übernahm dieses Lager ab dem 6./7. Juli 1945. Anschliessend mussten die letzten Gefangenen aus dem Lager Sinzig zu Fuss nach Andernach marschieren, von wo sie entweder zu Reparationsarbeiten nach Frankreich deportiert oder entlassen wurden.
Das Lager A11 in Andernach ist am 11. September 1945 geräumt gewesen.
Chronik des Kriegsgefangenenlagers in Miesenheim-Andernach
Der Chronist der Stadt Andernach, Karl Wind (1888-1967), hat während des Zweiten Weltkrieges und danach das Geschehen in und um Andernach festgehalten. Heute sind seine Aufzeichnungen von besonderem Wert, weil sie als einzige Zeugnisse dieser Zeit erhalten sind. Hier nun die wichtigsten Notizen zu den Kriegsgefangenenlagern in Miesenheim und Andernach:
13. April [1945]
[Lastwagen nach Miesenheim]: Viele Lastwagen mit deutschen Kriegsgefangenen kamen durch Andernach und fuhren in Richtung Miesenheim.
14. April [1945]
[Adressen für Angehörige]: Weiter Lastwagen mit deutschen Kriegsgefangenen Richtung Miesenheim. Zug mit Gefangenen - wurden mit Brot, Wasser und Zigaretten versorgt. Gefangene teilen auf kleinen Zetteln ihre Anschrift mit. Bitte die Angehörigen zu verständigen.
17. April [1945]
[Hilfe-Verbot]: Im Miesenheimer Gefangenenlager sollen sich 14- bis 15.000 deutsche Gefangene befinden. Die Zivilbevölkerung darf sich dem Lager nicht nähern.
19. April [1945]
[Feuerwehrwagen für das Lager Miesenheim]: Weitere Lastwagen bringen Kriegsgefangene ins Lager Miesenheim. Da die Gefangenen grossen Durst litten, erhielten die Amerikaner den 5000 Liter fassenden Sprengwagen der Stadt zur Verfügung gestellt.
[1 Zelt für Sanität, Frauen und Generäle]: Im Lager selbst befindet sich nur ein grosses Zelt, das als Sanitätszelt dient. Ferner sind Frauen und Generäle sowie hohe Offiziere darin untergebracht.
[Sortierbereich und Wartebereich - kurze Schönwetterperiode]: Man hatte das Lager mittels Stacheldraht in zwei Bereiche unterteilt. Ein Bereich war für Neuankömmlinge - hier wurde geprüft, ob die Gefangenen wieder entlassen werden sollen - etwa bei irrtümlich festgenommenen Zivilisten - oder ob sie in den zweiten Lagerteil gebracht wurden, wo sie auf den Weitertransport warteten ... [S.77] Die Gefangenen kampierten auf freiem Feld, da schönes, warmes Wetter war. Sie erhielten nur Wasser und Brot, wie ein Entlassener berichtet.
22 April [1945]
[Schlechtes Wetter - Katastrophe im Lager]: Im Lager Miesenheim sollten sich 85.000 deutsche Kriegsgefangene aufhalten. Da das Wetter regnerisch und kälter geworden war, wurde die Lage der im Freien Kampierenden katastrophal.
23. April [1945]
[Sammlung mit Decken und Mänteln - Ruhr-Epidemie und Massentod]: Für die Gefangenen wurden in Andernach Kleidersammlungen (Decken und Mäntel) durchgeführt. Von Gefangenen, die beim Transport helfen, wird berichtet, dass die Ruhr im Lager ausgebrochen sei. Schwerkranke seien ins Stiftshospital und ins Luftwaffenlazarett gekommen. Viele seien bereits gestorben. Man leide vor allem unter Durst.
24. April [1945]
[Verlegung nach Koblenz]: Auf Lastwagen wurden Kriegsgefangene durch die Stadt transportiert, Richtung Koblenz ...
26. April [1945]
[Verlegung nach "rheinabwärts"]: Am 25. sollen nicht nur der eine Zug mit Offizieren, sondern auch rund 10 Züge von Miesenheim rheinabwärts gefahren sein. Die ersten Gefangenen haben die Erlaubnis erhalten, in ihre linksrheinische Heimat zurückzukehren. [S.78]
8. Mai [1945]
[Verlegung aller restlichen Gefangenen nach Andernach]: Die Kriegsgefangenen aus dem Lager Miesenheim werden in das neu eingerichtete Gefangenenlager in Andernach gebracht. Per Anschlag wird zur Ablieferung von Essgeschirr, Esstöpfen, Lebensmitteln, decken und Matratzen aufgerufen. Kranke Gefangene werden in der Provinzialanstalt untergebracht.
13. Mai [1945]
[Bevölkerung am Lagerzaun]: Brot und Lebensmittelpakete werden über den Lagerzaun geworfen. Mehr oder weniger mit Duldung der amerikanischen Posten. Kriegsgefangene, die von den Amerikanern zu Arbeiten in der Stadt herangezogen werden, berichten, das Essen sei gut, aber viel zu wenig.
15. Mai [1945]
[Entlassene Soldaten in Andernach]: Die aus dem Lager entlassenen Soldaten werden bei Andernachern aufgenommen, bevor sie sich auf den Heimweg machen.
25. Mai [1945]
[3 Bäckereien]: Drei Andernacher Bäckereien werden von den Amerikanern beschlagnahmt, um dort Brot für die Gefangenen backen zu lassen.
26. Mai [1945]
[600 Entlassene]: Die ersten 600 Kriegsgefangenen sollen aus dem Lager entlassen worden sein.
9. Juli [1945]
[Französische Verwaltung]: Die Franzosen übernehmen das Andernacher Gefangenenlager. Zahlreiche Gefangene mit Entlassungspapieren haben das Lager vor Übernahme durch die Franzosen verlassen.
13./14. Juli [1945]
[Schüsse und bis zu 30 Tote]: In der Nacht sollen im Lager Schüsse gefallen sein. Bis zu 30 Gefangene sollen getötet worden sein. Der grösste Teil des Lagers ist leer, es sollen noch ca. 2000 Gefangene da sein.
18./19. Juli [1945]
[Ankömmlinge aus Sinzig - Lebensmittelhilfe wird verhindert]: Deutsche Kriegsgefangene aus dem Lager Sinzig wurden ins Andernacher Lager verlegt. Als die Bevölkerung den Gefangenen auf ihrem Elendszug durch die Stadt Lebensmittel zustecken wollte, wird dies gewaltsam von den Bewachern verhindert. Die französische Militärbehörde erlaubt aber einen Aufruf zur Lebensmittelsammlung für die Gefangenen. Das Andernacher Lager hat wieder ca. 30.000 Gefangene.
21./22. Juli [1945]
[Neue Ankömmlinge aus Sinzig erwartet]: Es sollen jeweils wieder 5000 Gefangene aus Sinzig kommen, so dass das Lager wieder 40.000 Gefangene haben werde.
16. August [1945]
[Transport nach Frankreich]: Gefangene werden zum Bahnhof gebracht und mit dem Zug nach Frankreich gefahren.
23. August [1945]
[Schüsse und 55 Tote und Verletzte]: Insgesamt seien 55 Kriegsgefangene getötet oder verletzt worden, als betrunkene Offiziere der Franzosen auf die Gefangenen geschossen hätten. Insgesamt befinden sich noch rund 20.000 Gefangene im Lager.
29. August [1945]
[Noch 13.000]: Schätzungsweise befinden sich noch 13.000 Gefangene im Lager.
31. August [1945]
[Massentod ohne Ende]: Es befinden sich noch 10.000 Gefangene im Lager. Es sind wieder Särge ins Lager geliefert worden.
7. September [1945]
[Noch 5000 - v.a. SS und Polizei]: Im Andernacher Lager befinden sich noch rund 5000 Gefangene. Dabei handelt es sich grösstenteils um Angehörige der SS und der Polizei [Ex-Gestapo?], die in den folgenden Tagen mit Zügen abtransportiert werden.
9. September [1945]
[Noch 941]: Es befinden sich 941 Gefangene im Lager.
11. September [1945]
[Räumung und Rückbau]: Das Andernacher Lager ist geräumt. Nur wenige Kriegsgefangene sind zurückgeblieben zu Aufräumungsarbeiten.
Quelle: Die deutschen Kriegsgefangenenlager in Andernach und Miesenheim 1945, Andernacher Beiträge 8, 1991, Dr. Klaus Schäfer, Stadtmuseum Andernach.> [S.79]
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Quellen
Fotoquellen
[1] Karte von Andernach und Miesenheim mit den Rheinwiesenlagern: google maps mit der Einzeichnung gemäss der Karte in: Gückelhorn / Kleemann: Die Rheinwiesenlager in Remagen und Sinzig, Helios-Verlag 2013, S. 77
[2] Karte von Andernach und Miesenheim heute (2013): google maps
[3] Öl- und Containerhafen Andernach: http://www.luftbildservice-mittelrhein.de/luftbild%20galerie%20006.htm
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