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Artensterben und Ausrottung: Die Tiere verschwinden immer mehr

Die Ausrottung von Pflanzen- und Tierarten durch Siedlungsbau, Strassenbau und Strassenverkehr ist bis heute gratis und straffrei

Laubfrosch
Absolute Bedrohung herrscht für alle Amphibienarten... [1]

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Solange die Zerstörung von Lebensraum von Pflanzenarten und Tierarten bis zur Ausrottung gratis ist, wird der Siedlungsbau, der Strassenbau und der Strassenverkehr weiter "rentieren". Solange der Holocaust an Pflanzen und Tieren in den Bilanzen der Siedlungsplaner und Verkehrsplaner nicht vorkommt, und solange keine Strafen im Gesetz für die Ausrottung von Pflanzen und Tieren vorgesehen sind, wird ihn auch niemand merken wollen.

Die Warnungen über die Ausrottungen von Pflanzenarten und Tierarten werden einfach nicht ernst genommen. Der Flächenverbrauch geht täglich weiter (in der Schweiz vier Fussballfelder pro Tag), und der Holocaust an Pflanzenarten und Tierarten kommt in den Bilanzen weiterhin nicht vor...

Und weitere Faktoren wie der Klimawandel, Überfischung und Armut etc. führen zu weiteren Lebensraumverschiebungen, mit entsprechenden Aussterbungsraten, die bis heute straffrei begangen werden. Die Banken lassen sterben...

Michael Palomino
Dezember 2005


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14.9.2000: Täglich sterben bis zu 130 Pflanzen- und Tierarten aus - Gutachter fordern zehn bis 20 Prozent Naturschutzfläche weltweit

aus: nano online / ap, 14.9.2000

<Täglich sterben weltweit bis zu 130 Pflanzen- und Tierarten aus. Deshalb forderte der "Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen" am Mittwoch in Berlin, statt derzeit 5,3 Prozent zehn bis 20 Prozent der weltweiten Landfläche unter Naturschutz zu stellen. Die zwölf Gutachter sehen in ihrer jüngsten Studie dringenden Handlungsbedarf für die internationale Politik. Die Entwicklungschancen künftiger Generationen stünden auf dem Spiel. Unersetzliche Ökosysteme wie der tropische Regenwald oder Korallenriffe seien in ihrem Bestand gefährdet.

Die stellvertretende Vorsitzende des Beirats, Juliane Kokott, verwies auf neueste Untersuchungen, wonach ein weltweites Schutzgebietssystem, das etwa 15 Prozent der weltweiten Landfläche umfasse, insgesamt rund 50 Milliarden Mark jährlich kosten würde. Heute würden bereits mehr als zwölf Milliarden Mark für den Erhalt von Schutzgebieten ausgegeben. Die Finanzierung der verbleibenden Milliarden durch die internationale Gemeinschaft sei keine unmögliche Aufgabe. "Durch Abbau und Umbau von umweltschädlichen Subventionen, etwa für die Landwirtschaft, könnten entsprechende Mittel freigesetzt werden", sagte Kokott.

Als "entscheidendes Manko" der internationalen Biosphärenpolitik nannte die Professorin die mangelnde wissenschaftliche Beratung. Zunächst sollte geprüft werden, inwieweit dieser Mangel durch eine engere Vernetzung vorhandener Gremien behoben werden könne. Wahrscheinlich sei aber der Aufbau eines "Zwischenstaatlichen Ausschusses für biologische Vielfalt" nötig. In einem solchen Gremium könnten alle führenden Wissenschaftler zusammengeführt werden, wie dies in der Klimapolitik bereits erreicht worden sei. Kokott plädierte dafür, "Nichtwissen und Nichtpräsenz in der Öffentlichkeit" über das Artensterben anzugehen. Sie kritisierte, dass an den internationalen Konferenzen über Klimaschutz Bundesminister teilnähmen, während zu den Treffen zur Biodiversität aber nur die Staatssekretäre reisten. Trotzdem sei sie optimistisch, dass der Beirat "langfristig auch gewisse Früchte" seiner Arbeit ernten kann.

Die Studie zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der Biosphäre nahmen die parlamentarischen Staatssekretäre Simone Probst (Umwelt) und Wolf-Michael Catenhusen (Forschung) entgegen. Sie erklärten: "Wir beobachten mit grosser Sorge den Verlust der genetischen Vielfalt, das Aussterben von Arten und ganzen Lebensgemeinschaften und die Belastung und Verarmung von Ökosystemen und Landschaften." Den Empfehlungen des Rates trage die Bundesregierung in weiten Bereichen bereits Rechnung. So werde die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes eine Reihe der Anregungen aufgreifen. In Deutschland sei ein Biotopverbundsystem für mindestens zehn Prozent der Landesfläche vorgesehen.>



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Greenpeace Magazin (GPM) 1/05

Januar 2005: <Artensterben: Ursachenforschung - Die grossen Killer

Vom mächtigen Gorilla bis zum unscheinbaren Frosch: 7226 Tierarten sind weltweit vom Aussterben bedroht (und das ist nur die Zahl der bekannten Arten). Die Vielfalt des Lebens schwindet in beispiellosem Tempo. Zwar sind die Ursachen bekannt — doch angesichts globaler Armut und ungebremsten Wirtschaftswachstums gibt es keine einfachen Lösungen für komplexe Ursachen.


ZERSTÖRTE LEBENSRÄUME: Ob an Land oder im Meer – nichts bedroht die Artenvielfalt stärker als der immer schneller fortschreitende Verlust der letzten Wildnis: von Urwäldern, von intakten Korallenriffen und Unterwasserbergen, von unberührter Savanne oder Tundra, von Feuchtgebieten oder Bergwelt. Jeweils 86 Prozent der vom Aussterben bedrohten Säugetier- und Vogelarten und sogar 88 Prozent der Amphibienarten auf der Roten Liste sind vom zerstörerischen Vordringen des Menschen in jeden Winkel der Erde betroffen.

EINGESCHLEPPTE ARTEN: Sie überqueren die Meere im Ballastwasser grosser Schiffe, sie überwinden Grenzen in Obst- und Gemüsekisten – oder sie werden von Menschen absichtlich in die Umwelt entlassen: fremde Arten. Mal sollten gezielt ausgesetzte Arten Schädlinge bekämpfen, mal wurde ein Pflanzen- oder Tierfreund ihrer überdrüssig und setzte sie in der Natur aus (siehe auch "Invasion der Frankenfische", Seite 87). Mangels natürlicher Feinde können sich solche Invasoren dann häufig ungehindert ausbreiten und werden so selbst zur Gefahr – vor allem auf Inseln, auf denen häufig Arten leben, die es nur dort gibt. Durch den anschwellenden internationalen Handel und Verkehr wird das Problem weiter anwachsen, urteilen Experten.

ÜBERNUTZUNG (FISCHEREI / JAGD): Urwaldbäume für Bauholz oder Papier, Haifischflossen für die Suppe oder traditionelle chinesische Medizin, Gorillas (siehe kleines Foto unten) und Schimpansen als Mahlzeit für hungrige Bautrupps – die Liste der Beispiele für die katastrophale Übernutzung der Natur durch den Menschen ist lang. Und oft sind diese Beispiele durch eine gemeinsame Ursache verknüpft: Armut. So ist in vielen afrikanischen Ländern die Nachfrage nach "Bushmeat" (also Wildtieren) drastisch gestiegen, weil Fischereiflotten aus den Industrieländern – häufig auch aus europäischen Häfen – die Meere leer fangen. Andere Proteinquellen können sich die Armen nicht leisten – und auch die bald nicht mehr, mangels Masse. Auch indirekt werden Arten zu Opfern von Jagd und Überfischung: So sind zum Beispiel viele Vogelarten und Meeressäuger bedroht, weil die Fischerei ihre Beute dezimiert hat.

ÜBERDÜNGUNG: Eine weitgehend unbekannte Bedrohung der Artenvielfalt sind die Emissionen aus intensiver Landwirtschaft, Kraftwerken oder dem Verkehr. Substanzen wie Nitrat oder Phosphor entweichen aus Feldern, Schornsteinen oder Auspufftöpfen – und regnen zum Beispiel auf Trockenrasen, Feuchtwiesen und Hochmooren nieder. Diese Überdüngung lässt die auf nährstoffarme Standorte spezialisierten Pflanzen- und Tierarten schwinden. Wenige "Allerweltsarten" setzen sich durch. Drastische Folgen hat auch die "Eutrophierung" der Gewässer. Die Düngerfracht aus den Flüssen etwa löst in den Meeren Algenblüten aus, die dort alles Leben ersticken.

KETTENREAKTION: An jeder bedrohten Art hängen oft noch weitere, die für ihr Überleben auf eben dieses Tier oder diese Pflanze als Nahrung, als Symbiose-Partner oder Wirt angewiesen sind. Zu den 15.589 bedrohten Tier- und Pflanzenarten müssen deshalb mindestens weitere 6300 Arten gezählt werden, die selbst noch nicht auf der Roten Liste stehen, hat ein internationales Forscherteam bei ersten Analysen herausgefunden.

KLIMAWANDEL: Noch finden sich auch Wissenschaftler, die eine Erwärmung der Erdatmosphäre als Segen für die Artenvielfalt betrachten. Doch für die Mehrheit der Forscher überwiegen die Nachteile – und der Klimawandel wird zur wachsenden Gefahr. Besonders wegen der Vielzahl der Effekte: Synchronisierte Lebensrhythmen zwischen Jägern und ihrer Beute, die Wanderzeiten der Zugvögel, die Verbreitungsgebiete von Arten und ihrer Feinde – alles kann aus dem Lot geraten. Zudem drohen einzigartig artenreiche Lebensräume komplett verloren zu gehen, wie die südafrikanische Kap-Flora oder die tropischen Korallenriffe, die extrem unter Wärmestress leiden. Der steigende CO2-Gehalt der Atmosphäre hat aber auch noch weitere, wenig beachtete Folgen: Zunehmend wächst dadurch der Säuregehalt der Meere, was das Plankton schädigt, das erste Glied in der marinen Nahrungskette. Die Folgen des Klimawandels wurden sogar schon in mehr als 4000 Metern Meerestiefe registriert, wo noch zahllose Arten ihrer Entdeckung harren – wenn sie nicht vorher ausgestorben sind.



"Mit jeder Art, die wir verlieren, reisst eine Kette des Lebens, die über 3,5 Milliarden Jahre gewachsen ist."
Jeffrey McNeely, Chef-Wissenschaftler der IUCN (World Conservation Union)



FROSCH ALS KASSANDRA
Keine andere Gruppe im Tierreich ist derart bedroht wie die Amphibien. Eine Studie von 500 Wissenschaftlern aus 60 Ländern zeigt, dass allein seit 1980 neun Arten sicher und 122 möglicherweise ausgestorben sind. Bei 427 stehe der Exitus unmittelbar bevor. Auch wenn sich die genauen Gründe unterscheiden und zum Teil umstritten sind, lässt sich das Massensterben auf eine Ursache zurückführen: den Menschen. Manche Amphibien verschwinden, weil sie als Delikatesse verzehrt oder zu Medizin verarbeitet werden. Anderen versetzt die Zerstörung ihres Lebensraums durch Abholzung und Klimawandel den Todesstoss. Darüber hinaus spielen Chemikalien eine grosse Rolle. Für den Biologen Joseph Kiesecker von der Pennsylvania State University gleichen Amphibien damit der antiken Seherin Kassandra, die drohendes Unheil vorhersagte: Weil die Tiere auf Umweltveränderungen besonders sensibel reagieren, kündigten sie an, wohin die Reise auch für die Menschheit gehen könnte.



INVASION DER FRANKENFISCHE
Mit Gift und Strom kämpfen amerikanische Naturschützer gegen den Schlangenkopffisch, der aus China stammt und sich nun an der US-Ostküste, in Florida sowie in den Grossen Seen breit zu machen droht. Die Presse hat den mit äusserst scharfen Zähnen bewaffneten Räuber schon "Frankenfisch" getauft, weil er unter Wasser wahre Gemetzel anrichtet. Zur Not robbt der einen halben Meter lange Vielfrass sogar an Land, um dort Frösche, Vögel oder kleine Säugetiere zu vertilgen. Die Invasion begann vor zwei Jahren in einem See in Maryland, wo ein Mann zwei Schlangenkopffische ausgesetzt hatte, die binnen kurzer Zeit das gesamte örtliche Ökosystem ins Wanken brachten. Obwohl man das Wasser des Sees vergiftete, tauchen sie in immer mehr Gewässern auf, sogar in den Grossen Seen. Schon wurde ein erster im Hafen von Chicago gesichtet. Deshalb wollen die Behörden nun das Hafenbecken kurzzeitig unter Strom setzen. Der Elektroschock würde sämtliche Fische betäuben und an die Oberfläche treiben lassen — vielleicht die letzte Gelegenheit, um unter den Räubern aufzuräumen.



DIE BILANZ DES SCHRECKENS
844 Arten hat der Mensch in den letzten 500 Jahren von der Erde verschwinden lassen, darunter 129 Vogelarten. 103 verschwanden in den letzten 200 Jahren – das ist 50-mal schneller als durch natürliche Ursachen erklärlich wäre. Alle 21 Albatrosarten weltweit sind bedroht, 1996 waren es 3. Hauptgrund: Langleinenfischerei, die insgesamt 83 Vogelarten bedroht. Insgesamt gelten zur Zeit 15'589 Arten (Pflanzen und Tiere aus verschiedenen Rote-Liste-Kategorien) als vom Aussterben bedroht – darunter 7226 Tierarten; im Jahr 1996 waren es 5205.

Jede 4. Säugetier- und jede 8. Vogelart könnte schon in naher Zukunft verschwunden sein. Bei den Amphibien gelten 33%, bei Land- und Süsswasserschildkröten sogar 50% der Arten als bedroht. 86% der bedrohten Säugetier-, 86% der Vogel- und 88% der Amphibienarten sind vom Verlust ihres Lebensraums oder von dessen Niedergang betroffen. Insgesamt schreitet das Artensterben gegenwärtig 100- bis 1000-mal schneller voran, als aus evolutionären Gründen erklärlich.

Die Verlorenen: [Urwälder verschwinden - der Mensch erfindet die Agrarsteppe]
Das Drama der Urwälder, deren Verschwinden in den Tropen uns so entsetzt, fand auch hierzulande statt, liegt aber länger zurück: Über Jahrtausende wurden Wälder zu Ackerland und Forsten getrimmt, Moore und Sümpfe trockengelegt, Wildtiere gejagt und ausgerottet. Im 20. Jahrhundert verwandelte die industrialisierte Landwirtschaft mit Dünger, Giften und Flurbereinigung den grössten Teil Deutschlands in eine artenarme Agrarsteppe. Strassen und wuchernde Siedlungsgebiete zerschnitten das Land in Parzellen, für viele Arten zu klein zum Überleben. 12 Säugetier-, 16 Brutvogel-, 34 Schmetterling-, 29 Bienen- und 20 Webspinnenspezies gelten als "ausgestorben oder verschollen", hunderte als bedroht ("Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands"). Zwar verschwinden zur Zeit nur noch wenige Arten - wer bis heute überdauert hat, hat sich mit den Bedingungen arrangiert oder kommt mit wenig Platz aus. Doch für Entwarnung besteht kein Anlass: In der Fläche ist die Artenvielfalt auf ein Minimum geschrumpft - und die Bestände vieler Vogelarten, vor allem der Wat- und Wiesenvögel, befinden sich weiter im Sinkflug.>


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UMWELT
20.05.2005
Ökostudie belegt dramatisches Artensterben
http://www.c6-magazin.de/news/artensterben/000577.php
<Das Aussterben von Tierarten auf der Erde hat dramatische Formen angenommen. Nie zuvor schwand die Artenvielfalt auf unserem Planeten so schnell wie in der Gegenwart. Dies geht aus einer in Nairobi veröffentlichten "Millennium Ökosystemstudie" ("Millennium Ecosystem Assessment") hervor. Der Ökostudie zufolge sind seit Beginn des industriellen Fischfangs bereits etwa 90 Prozent des weltweiten Fischbestandes verschwunden. Ausserdem seien ein Drittel der Amphibien und ein Fünftel der Säugetiere vom Aussterben bedroht.

Klaus Töpfer, Direktor des UN-Umweltprogramms, das die Ökostudie mit organisiert hatte, erklärte, wenn die Wälder und Korallenriffe mit Museen und Universitäten vergleichbar wären, dann würde deren Zerstörung als "grober Vandalismus" gelten. Den Verlust der Artenvielfalt bezeichnete er als "wirtschaftlichen Selbstmord".

Die Ökostudie warnt eindringlich, die Menschheit beraube sich notwendiger Leistungen der Natur. Dazu gehörten beispielsweise die natürliche Reinigung von Luft und Wasser und der Schutz vor Naturkatastrophen. In der Ökostudie heisst es, ein intakter Hektar Mangrovensumpf sei mehr als 1.000 US-Dollar (umgerechnet 792 Euro) wert. Lege man diesen Hektar trocken, um ihn landwirtschaftlich zu nutzen, falle sein Wert auf 200 Dollar.>

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13.12.2005: Artensterben beschleunigt sich dramatisch


aus: Tagesanzeiger online; 13.12.2005;
http://www.tages-anzeiger.ch/dyn/news/newsticker/571704.html

<WASHINGTON - Das Artensterben beschleunigt sich dramatisch: Mittlerweile sind gemäss einer Studie drei Mal so viele Arten bedroht, wie in den vergangenen 500 Jahren bereits ausgestorben sind.

Der Mensch habe die Aussterberate um das 100- bis 1000-fache über das natürliche Mass hinaus getrieben, berichten US-Forscher in den "Proceedings" der amerikanischen Akademie der Wissenschaften. Die Biologen untersuchten solche Arten, für die es weltweite Daten gibt.

Dazu zählen Säugetiere, Vögel, Amphibien, einige Reptilien und als einzige Pflanzengattung Nadelhölzer. Die meisten der demnach 794 bedrohten Arten leben jeweils nur noch an einem Ort.

Seit dem Jahr 1500 sei die Ausrottung von 245 Arten aus diesen Gruppen verzeichnet, berichten die Forscher um Taylor Ricketts von der Umweltstiftung WWF: "Die festgelegten Arten machen nur ein Bruchteil aller aus, die durch das menschliches Handeln vom Aussterben bedroht sind."

Die Forscher identifizierten 595 Zentren bevorstehenden Aussterbens, die jeweils als einzige verbliebene Heimat für bedrohte Arten dienen. Die Mehrzahl dieser letzten Refugien sei nicht genug geschützt. Nur ein Drittel sei derzeit abgesichert.

An den übrigen Plätzen sollten dringend Schutzmassnahmen ergriffen werden, um den Verlust der Spezies zu verhindern, heisst es in dem Artikel: "Die grosse Mehrheit dieser Plätze liegt in Entwicklungsländern. In vielen Fällen ist ihre Rettung nicht ohne substanzielle Hilfe aus den Industrieländern möglich.">

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              online

15.2.2007: Frösche sterben aus wie die Dinosaurier - [wegen einem Pilz "Chytrid"]

BLICK online, 15.02.2007
http://www.blick.ch/news/tierwelt/artikel56131

<ATLANTA – Gibts bald keine Frösche mehr? Ein Pilz tötet die Amphibien überall auf der Welt. So alarmierend ist das Sterben, dass Forscher jetzt eine «Frosch-Arche Noah» einrichten wollen.

Wo die Frösche früher noch quakten und glucksten, ist es jetzt still geworden. Die Frösche in den Teichen und Tümpeln sind tot. Schuld daran ist ein tödlicher Pilz, der so genannte Chytrid. Er befällt die feuchte Froschhaut und verstopft die Poren. Die Amphibien trocknen aus.

Wissenschaftler vergleichen das weltweite Froschsterben bereits mit dem Verschwinden der Dinosaurier. Die Zahlen sind alarmierend: Bis zu 170 Arten sind dem mysteriösen Parasiten in den vergangenen zehn Jahren bereits zum Opfer gefallen, weitere 1900 sind von der Ausrottung bedroht!

«Das ist ein Beispiel für eine Krankheit, die eine ganze Tierart befällt, etwa alle Säugetiere, alle Vögel oder alle Fische», erklärt der Herpetologe Joseph Mendelson vom Zoo in Atlanta. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus aller Welt berät er über Rettungsmassnahmen. Die Zeit drängt: Von Australien bis Costa Rica sind inzwischen zahlreiche Arten verschwunden, und auch in Japan wurden vergangenen Monat die ersten kranken Frösche entdeckt.

Die Herkunft des tödlichen Amphibienpilzes ist weitgehend unklar. Die Forscher vermuten seinen Ursprung jedoch in Afrika: Der dort lebende Krallenfrosch trägt den Parasiten auf seiner Haut, ist aber immun gegen dessen tödliche Wirkung. Seit Jahrzehnten wird die Spezies für Forschungszwecke in alle Welt verschifft. So könnte sich auch der Pilz auf anderen Kontinenten verbreitet haben.

Bis ein wirksames Mittel gegen das Massensterben gefunden ist, wollen Amphibienforscher Mendelson und seine Kollegen kleine Populationen bedrohter Froscharten unter Quarantäne stellen. Die Initiative «Amphibienarche» ruft Aquarien, Zoos und botanische Gärten in aller Welt dazu auf, jeweils mindestens 500 Exemplare einer gefährdeten Art zu säubern und bei sich aufzunehmen. «Die Menschen wären absolut dumm, wenn sie dieser Sache keine Aufmerksamkeit schenken würden», betont Mendelson.>

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24.5.2007: Nur noch 1000 Tiger in Indien

aus: ARD Teletext, 24.5.2007, Tafel 513

<In Indien leben vermutlich nur noch rund 1000 Tiger - das ist etwa ein Viertel dessen, was noch im Jahr 2003 geschätzt wurde. Das berichtete das staatliche Wildlife Institute of India.

Zusammen mit weiteren Umweltschützern hatte das Institut die Tiere 2006 in 16 Reservaten in mehreren Bundesstaaten gezählt. 2003 kamen die Forscher bei ihrer Suche noch auf 3700 Tiere. Die unterschiedlichen Zahlen könnten aber auch auf falsche Zählungen vor drei Jahren zurückzuführen sein, so die Experten. Vor 100 Jahren gab es noch 40.000 Tiger.">

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24.5.2007: Rekordzahl bedrohter Vogelarten

aus: ARD Teletext, 24.5.2007, Tafel 517

<"Mehr als zehn Prozent aller Vogelarten und damit so viele wie nie zuvor sind weltweit vom Aussterben bedroht. Das berichtet die Schutzorganisation Bird-Life International in Cambridge. Zusätzlich zu diesen 1221 fallen 812 Arten in die Kategorie "nahezu bedroht". Damit müssten 2033 der insgesamt rund 10'000 bekannten Vogelarten geschützt werden, warnte BirdLife.

Die grösste Bedrohung für die Vögel sei der Verlust der Lebensräume - 86 Prozent der gefährdeten Arten seien davon betroffen.">

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n-tv online,
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12.2.2010: Pestizide reduzieren Artenvielfalt um 50%

Es ist der Chemie-Industrie egal, wie viele Tiere auf der Welt leben, Hauptsache die Kasse stimmt mit den Einnahmen durch Pestizide. Die Tatsache, dass durch die Pestizide auch die Qualität der Früchte und Gemüse leidet, wird im Artikel natürlich nicht erwähnt. Aber lesen Sie selbst:

aus: n-tv online: Welt & All: Eindeutiges Ergebnis Spritzmittel halbieren Artenvielfalt; 12.2.2010; http://www.n-tv.de/wissen/weltall/Spritzmittel-halbieren-Artenvielfalt-article724676.html

<Die in der Landwirtschaft eingesetzten Spritzmittel sind nach einer europaweiten Studie der Hauptgrund für einen massiven Rückgang der Artenvielfalt auf Ackerböden und deren Umgebung. Während auf einem ökologisch bearbeiteten Feld rund 1000 verschiedene Arten vorkämen, seien es auf einem mit Pestiziden behandelten Acker nur noch rund halb so viele, sagte Professor Teja Tscharntke von der Universität Göttingen. Der Agrarökologe hat an der Untersuchung in acht west- und osteuropäischen Ländern teilgenommen.

Pflanzenschutzmittel wird auf einem Feld versprüht.

Für die Studie seien 150 Weizenfelder in Deutschland, den Niederlanden, Schweden, Irland, Spanien, Polen, Estland und Frankreich untersucht worden, sagte Tscharntke. Diese Äcker befänden sich in den unterschiedlichsten Regionen, seien verschieden groß und auf verschiedene Weise bestellt worden. Ziel der Untersuchung sei es gewesen, die Wirkung einzelner Faktoren auf die Vielfalt von Pflanzen und Tieren - vor allem Käfer und bodenbrütende Ackervögel - festzustellen.
Wer Artenvielfalt will, muss auf Spritzmittel verzichten

Die Wissenschaftler haben zum Beispiel die spezielle Lage der Felder, den Charakter der Landschaft, die Bodenbeschaffenheit, die Nähe zu anderen Biotopen und besonders die Art des Landbaus und des damit verbundenen Einsatzes verschiedener Geräte und Substanzen bewertet. Das Resultat sei eindeutig, sagte Prof. Tscharntke: Der Hauptgrund für die Verringerung der Tier- und Pflanzenvielfalt seien Spritzmittel wie Insektizide oder Fungizide.

Die organische Bewirtschaftung auch einzelner Äcker ohne Pestizide wirke sich dagegen positiv auf die Vielfalt der Pflanzen und Laufkäfer aus. Brutvögel dagegen profitierten kaum. Denn ebenso wie viele Säugetiere, Tag-Schmetterlinge oder Bienen bewohnten sie größere Landschaftsbereiche. Sie seien deshalb auch negativ betroffen, wenn in der Nachbarschaft organisch bewirtschafteter Felder Pestizide eingesetzt werden. Tscharntkes Schlussfolgerung: "Wer Artenvielfalt will, muss auf den Einsatz von Spritzmitteln weitestgehend verzichten".

dpa>

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Spiegel
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30.10.2010: Artenschutz international in Nagoya beschlossen - 17% Fläche soll weltweit geschützt werden - neue Profitmodelle mit der Natur statt gegen die Natur

aus: Spiegel online: Durchbruch beim Naturschutzgipfel;  30.10.2010;

Ein Kommentar von Christian Schwägerl, Nagoya

AP

Japanischer Umweltminister Matsumoto, Gipfelteilnehmer: 20 Ziele für den Artenschutz

Teil 1: Ende der Froschzählerei

Mit diesem Erfolg hatten nur wenige gerechnet: Der Uno-Gipfel in Nagoya hat ein ehrgeiziges Artenschutzprogramm beschlossen, die Entwicklungsländer gestärkt. Die Naturschützer schaffen so den Sprung aus der Nische - und beanspruchen zu Recht, die Regeln der Wirtschaft umzuschreiben.

Der Naturschutzgipfel von Nagoya hat eine Botschaft, die nicht nur Vogelfreunde und Waldwanderer betrifft - sondern vor allem alle anderen Menschen. Gerade wer in einer Großstadt lebt, bekommt von dieser Zusammenkunft der Vereinten Nationen eine Nachricht übermittelt: Unser Leben hängt existentiell von der Vielfalt der Natur ab. Wir werden für das, was wir bisher kostenlos bekommen, künftig zahlen müssen, wenn wir nicht die Grundlage dieses Lebens verlieren wollen.

Wer morgens im Herzen von Berlin, München oder Hamburg in sein Brötchen beißt, ist mit dem Acker verbunden, von dem es kommt. Doch wie lange sind die Böden noch fruchtbar? Wer die Zeitung aufschlägt, tritt mit dem Wald in Verbindung, dem das Papier entstammt. Doch gibt es auch in Zukunft noch ausreichend Wälder? Wer einen Kaffee trinkt, der verschafft sich einen Stimulus aus subtropischen Berggebieten. Was aber passiert mit dem Regenwald um die Plantage herum, ohne den die Kaffeesträucher weniger fruchtbar wären?

Die Liste der Ziele, die auf dem Gipfel in Japan verabschiedet wurden, ist lang und erstaunlich: Bis 2020 soll die Überfischung gestoppt, die Landwirtschaft nachhaltig und das Aussterben von Arten gestoppt sein. Sind das naive Wünsche von Tagträumern? Angesichts des Versäumnisses, die für 2010 gesteckten Uno-Ziele zu erreichen, mag man sich fragen, wie aussagekräftig solche Verlautbarungen überhaupt sind. Doch das kann nur bedeuten, die Rolle der Uno-Umweltschützer in der Weltpolitik zu stärken und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen in den Rang einer echten Uno-Organisation zu erheben. Beim Welthandel mit der WTO ist das längst der Fall.

Wir haben uns daran gewöhnt, Äcker erodieren zu lassen, Speiseöle von tropischen Rodungsflächen zu beziehen, Fische aus illegalen Quellen zu essen. Alles soll möglichst billig sein. Zugleich erwarten wir von den ärmeren Menschen in Entwicklungsländern, dass sie nicht so viele Ressourcen verbrauchen wie wir, weil das der Planet nicht verkraften würde.

Nun weist der Gipfel von Nagoya einen Weg, wie es anders laufen kann. Bei Uno-Gipfeln ist grundsätzlich Skepsis angebracht, wie viel sie von dem einlösen, was Satz für Satz erkämpft wurde, sobald die Unterhändler in ihre Flugzeuge nach Hause gestiegen sind.

Die Umwelt, neue Zentralbank unserer Wirtschaft

Doch zum Erfolg von Nagoya gehört auch, dass sich dort Manager von vielen etablierten Firmen und Großkonzernen eingefunden haben, die offen sind für jenes neue Denken, das aus den Dokumenten spricht: Regenwälder, Korallenriffe, Ozeane, Savannen und lebenspralle Ackerböden sind demnach künftig die eigentlichen Zentralbanken unserer Wirtschaft. Dass wir ihnen frische Luft, Nahrung, Medikamente, Trinkwasser und vieles mehr entnehmen können, ist längst nicht mehr selbstverständlich.

Die Ökonomie der Natur rückt ins Zentrum. Denn unsere globalen Klimaanlagen, Wasserspender und Speisekammern funktionieren nur dauerhaft, wenn ihre angestammte Vielfalt an Lebewesen gedeihen kann. Und das geht nur, wenn die Menschen, die in ihrer Nähe leben, sich von etwas anderem ernähren können als von Zerstörung und Raubbau. Die ökonomischen Spielregeln von heute machen es lukrativ, den Planeten auszubeuten. Die hehren Ziele, die der Naturschutzgipfel von Nagoya setzt, sind ein Anfang, diese Spielregeln umzuschreiben.

Umweltschädliche Subventionen müssen weichen

Dazu gehört es vor allem, dass jene Menschen angemessen bezahlt werden müssen, die tragfähig wirtschaften statt nur kurzfristig, die etwa als Bauern in Deutschland Moorböden erhalten oder als Kaffeeunternehmer in Äthiopien dafür sorgen, dass der benachbarte Regenwald erhalten bleibt. Solche Menschen, nicht die ruchlosen Banker, haben Boni verdient. Das Geld der Gesellschaft ist bei ihnen deutlich besser angelegt, denn sie sind wirklich "systemrelevant". Diese Menschen dürften ruhig ein bisschen gieriger sein, denn ihre Arbeit trägt für alle Früchte, was sich von der Lehman-Bank oder Hypo Real Estate nicht sagen lässt.

Ohne Naturvielfalt ist alles nichts, lautet die Botschaft von Nagoya. Wirtschaftswachstum, das Naturvielfalt zerstört, mindert den Wohlstand, statt ihn zu mehren. Keiner hat das bei der Debatte der Staatschefs und Minister besser auf den Punkt gebracht als Andreas Carlgren, der konservative Umweltminister von Schweden: "Biodiversität ist die Grundlage unserer Wirtschaft und sie kann nicht länger isoliert vom Rest der Ökonomie gesehen werden", sagte er, "Ökonomie und Ökologie sind zwei Seiten derselben Medaille."

Aber soll uns schon wieder mehr Geld aus der Tasche gezogen werden? Das fragt mancher, wenn er hört, dass größere Summen von Nord nach Süd fließen sollen, um Wälder und Korallenriffe zu schützen. Doch die Frage führt in die falsche Richtung. Allein in Deutschland gibt es jährlich Subventionen im Umfang von knapp 50 Milliarden Euro, die direkt der Umwelt schaden, vom verbilligten Agrardiesel bis zur Pendlerpauschale. Der Beschluss von Nagoya, solche Subventionen bis 2020 abzuschaffen, verspricht also primär eine enorme Entlastung der Steuerbürger.

Dagegen kommen die deutlich geringeren Summen, die in den Naturschutz fließen sollen, dem tieferen Wohlstand zugute: gesündere Lebensmittel, der Erhalt von genetischen Schatzkammern und stabile Umweltbedingungen sind Ziele, die unmittelbaren Nutzen entfalten und zukunftstaugliche Arbeitsplätze schaffen. Dass westliche Firmen künftig auch dafür bezahlen sollen, wenn sie die Naturschätze von Entwicklungsländern für ihre Produkte nutzen, ist nur folgerichtig.

2. Teil: Lange Liste erstaunlicher Ziele

aus: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,726252-2,00.html

Bisher ist es für Tropenländer am lukrativsten, ihre Wälder zu verhökern, sie für Holz zu roden und für Agrarflächen zu opfern, auf denen das Futter für europäische Rinder wächst. Zu lange galten die verbleibenden Regenwälder als kostenlose Quelle von Medikamenten oder Kosmetika. Durch den Nagoya-Gipfel bekommen die letzten Wildnisgebiete nun einen ökonomischen Wert zugewiesen, der es attraktiver macht, sie zu erhalten. Wenn Entwicklungsländer an noch unbekannten Naturstoffen langfristig mitverdienen, werden sie es sich vielleicht zweimal überlegen, den Wald für eine Einmalzahlung abzuholzen.

Solche Zahlungen dienen also nicht der Zerstörung, sondern der dauerhaften Nutzung von Naturschätzen. Die Erwartungen in Brasilien oder Indonesien, wie viel Geld sich auf diesem Weg verdienen lässt, mögen überzogen sein. Außerdem wird es mit Sicherheit bald die ersten Nachrichten geben, dass hier und da Schindluder mit solchen Zahlungen getrieben wird. Richtig bleibt das Prinzip allemal. Wem solche Transfers zu teuer erscheinen, der sollte sich folgendes überlegen: Was würden wir sagen, wenn Chinesen oder Brasilianer durch den Harz oder den Bayerischen Wald streiften, um Pflanzen einzusammeln, mit denen sie später viel Geld verdienen? Sicher würden auch wir einen gerechten Anteil an den Einnahmen reklamieren.

Das Ziel, bis 2020 rund 17 Prozent der Landfläche unter Naturschutz zu stellen, bedeutet auch, dass der Mensch 83 Prozent für seine Zwecke beansprucht. Die 17 Prozent sind das globale Erholungsgebiet, ein Entwicklungsraum für die angestammte Natur des Planeten, die uns hervorgebracht hat. Ebenso entscheidend ist aber, was auf den 83 Prozent Menschen-Welt passiert. Ob es sich dort lohnt, langfristig schonend zu wirtschaften oder kurzfristig Raubbau zu begehen, ist die noch tiefere Frage für die Zukunft der Zivilisation.

Der Gipfel von Nagoya hat nicht nur eine zweite Blamage der Vereinten Nationen nach dem Desaster von Kopenhagen vermieden, sondern die Menschheit mit einer erstaunlichen Neuerung konfrontiert: Der Naturschutz bricht aus dem engen Karree der Reservate und des reinen Froschzählens aus. Er sucht den Weg ins Herz der globalen Ökonomie und will ihr neue Prinzipien verordnen. Das ist angesichts der Wucht, mit der wir Menschen die Erde verändern, überfällig - nicht zuletzt, damit es 2050 oder 2100 überhaupt noch Frösche zu zählen gibt und ihre Feuchtgebiete uns mit frischem Wasser versorgen können.>

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Spiegel
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2.12.2010: Die Ausrottung von Tieren lohnt sich nicht: Je weniger Tierarten es gibt, desto mehr haben Tiere mit Krankheitserregern freie Bahn - drei Beispiele

Artenschutz lohnt sich. Wenn dies die Grosskapitalisten begreifen würden, dann würde die Welt einen Schritt weiterkommen. Aber lesen Sie selbst:

aus: Spiegel online: Vorteil für Erreger: Artenschwund gefährdet menschliche Gesundheit; 2.12.2010;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,732289,00.html

<Von Magdalena Hamm

Es ist eine paradox erscheinende Beobachtung: Der Verlust der Artenvielfalt verringert nicht die Zahl gefährlicher Krankheitserreger, sondern steigert sie. Wissenschaftler warnen vor einer wachsenden Bedrohung für die menschliche Gesundheit.

Was nützt die Artenvielfalt dem Menschen? Eine ganze Menge. Unter dem Begriff "Ecosystem Services" fassen Wissenschaftler jene Dienste zusammen, die ein intaktes Ökosystem quasi kostenlos für den Menschen erledigt: Zum Beispiel Kohlenstoffdioxid binden, Wasser filtern, Schutz vor Dürren und Erosion, Nährstoffproduktion oder auch das Bestäuben von Kulturpflanzen durch Insekten.

Müsste der Mensch für all diese Dienstleistungen selbst aufkommen, würden die Kosten ins Unermessliche steigen - Artenschutz rechnet sich allein schon aus finanziellen Gründen.

[Artenschwund provoziert mehr Infektionskrankheiten]

Der Erhalt der Artenvielfalt könnte sich aber auch medizinisch Motiven lohnen: In einer großen Übersichtsstudie, die soeben im Fachmagazin "Nature" erschienen ist, kommen die Autoren um Felicia Keesing vom Bard College in Annandale (Bundesstaat New York) zu dem Schluss, dass auch der Schutz vor Infektionskrankheiten ein wertvoller Service der Ökosysteme ist.

Seit etwa fünfzig Jahren sinkt die Artenvielfalt im Tier- und Pflanzenreich rapide - unter anderem, weil ihre Lebensräume landwirtschaftlichen Nutzflächen weichen müssen. Wie die Studienautoren schreiben, sei es theoretisch denkbar, dass dadurch auch die Zahl der Krankheitserreger zurück geht, weil weniger Wirte zur Verfügung stehen. Doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Wie zahlreiche Studien zeigten, begünstigt der Artenschwund die Ausbreitung von Infektionskrankheiten.

[Je weniger Vogelalrten es gibt, desto grösser ist die Gefahr des West-Nil-Virus für den Menschen]

Ein Beispiel ist das West-Nil-Virus. Es wird von Stechmücken übertragen und befällt hauptsächlich Vögel, kann aber auch auf Säugetiere wie den Menschen überspringen. Dann löst der Erreger ein Fieber aus, das im schlimmsten Fall zu einer Hirnhautentzündung führt. Wie die Forscher in ihrer aktuellen Übersichtsarbeit schreiben, haben seit 2006 drei unabhängige Studien einen bemerkenswerten Zusammenhang belegen können: Je geringer die Vogelvielfalt ist, desto höher ist das Risiko für Menschen, an dem West-Nil-Fieber zu erkranken.

Diesen Zusammenhang erklären sich die Wissenschaftler so: In den untersuchten Gebieten in den USA, in denen die Zahl der verschiedenen Vogelarten gesunken ist, scheinen sich diejenigen Spezies durchzusetzen, die dem Virus als besonders guter Wirt dienen. Somit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Moskitos den Erreger beim Stechen aufnehmen und auf den Menschen übertragen.

Mehr Wirte, mehr Parasiten - [je weniger Säugetiere-Vielfalt, desto mehr Weissfussmäuse mit Hantavirus]

Ein anderes Beispiel ist das Hantavirus, das beim Menschen Lungen und Nieren befällt. Der Erreger nistet sich mit Vorliebe in Weißfußmäusen ein. Die Nager erkranken selbst nicht - bleiben aber ihr Leben lang ansteckend und scheiden Viruspartikel über Speichel und Exkremente aus. Menschen können sich mit dem Hantavirus anstecken, wenn sie von einem infizierten Tier gebissen werden oder die Ausdünstungen der Nagerexkremente einatmen. Dementsprechend steigt das Infektionsrisiko, je höher die Dichte der Wirtstiere ist.

In einer Feldstudie in Oregon in den USA, untersuchten Biologen, welche Faktoren die Verbreitung des Erregers unter Weißfußmäusen beeinflusst. Das verblüffende Ergebnis: Allein die Biodiversität machte den Unterschied. Je weniger verschiedene Säugetierarten in einem Gebiet vorkamen, desto mehr Weißfußmäuse waren Träger des Virus. Die Zahlen sind beeindruckend. Bei abnehmender Artenvielfalt, stieg die Verbreitung des Erregers durchschnittlich von 2 auf 14 Prozent.

Es gibt verschiedene Mechanismen, wie der Artenschwund die Ausbreitung von Krankheitserregern befeuern kann. Gehen zum Beispiel Tierarten verloren, die gewöhnlich Wirtsspezies jagen, oder mit ihnen konkurrieren, steigt die Zahl der Wirte. Und je mehr Wirte, desto mehr Parasiten

[Bilharziose-Egel vermehrt sich 30 mal mehr, wenn die Wirtsschnecken keine Konkurrenz-Schnecken um sich haben]

Aber auch bei gleichbleibender Wirtsdichte kann eine geringere Biodiversität Krankheitserreger begünstigen. Ein gutes Beispiel dafür ist eine Untersuchung am Parasiten Schistosoma mansoni, die US-Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlichten. Der Egel kommt in warmen Binnengewässern vor, befällt abwechselnd Schnecken und Menschen und löst Bilharziose aus - eine starke Fiebererkrankung, die unbehandelt zum Tod führen kann.

Pieter Johnson von der University of Colorado und seine Kollegen füllten drei Wassertanks mit gleich vielen Exemplaren der Schnecken, die dem Parasiten hauptsächlich als Wirt dienen, indem er seine Larven in die Schnecken legt. In zwei der Behälter setzten sie jeweils eine oder zwei weitere Schneckenarten, in denen sich der Erreger nicht vermehren kann. In dem Tank mit nur einer Schneckenart war die Infektionsrate 30 Mal höher als in den Tanks mit der gemischten Schneckenhaltung. Vermutlich geriet im letzteren Fall der Egel öfter in eine Sackgasse, vermuten die Forscher. Denn womöglich befiel der Egel die anderen Schneckenarten, konnte sie aber als Wirt nicht weiter nutzen.

Artenschutz beugt Krankheiten vor - [Generell nimmt die Ansteckungsrate bei hoher Biodiversität ab]

Nach diesem Muster ist vermutlich auch die Verbreitung des Hantavirus in Weißfußmäusen zu erklären. In einem Lebensraum mit hoher Artenvielfalt ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Mäuse statt auf Artgenossen auf andere Spezies treffen. Damit nimmt die Ansteckungsrate innerhalb der einzelnen Art ab.

[Beispiel Connecticut: Wenn Zecken quasi "Alleinherrscher" eines Territoriums sind, tragen sie mehr Borreliose-Erreger in sich]

Die Wissenschaftler warnen, dass die Barriere, die Erreger zwischen Tier und Mensch überwinden müssen, immer kleiner werden könnte. Im US-amerikanischen Bundesstaat Connecticut zum Beispiel könnte die Zahl der Borreliose-Erkrankungen bei Menschen bald ansteigen. Der Artenschwund dort hat dazu geführt, dass mehr Zecken den Erreger in sich tragen.

[Die Weissfussmaus dominiert zerklüftete Wälder, wenn grössere Säugetiere immer weniger werden]

Viele Säugetiere leiden unter der Abholzung und der Zerklüftung des Waldes im Nordosten des Landes, das Opossum ist beispielsweise stark bedroht. Davon profitiert die Weißfußmaus, viele Waldgebiete sind mittlerweile von ihr dominiert. Das Nagetier überträgt aber nicht nur das Hantavirus, sondern ist auch der bevorzugte Wirt für Borreliose-Bakterien. Mehr Mäuse, mehr Bakterien, mehr Zecken, die sich beim Blutsaugen infizieren und beim nächsten Biss einen Menschen anstecken könnten.

Am Ende ihres Berichts fordern die Forscher daher, bestehende Ökosysteme auch aus Gründen des Infektionsschutzes zu bewahren. Denn Infektionskrankheiten hängen immer von dem Kontakt zwischen Arten ab, je diverser ein Ökosystem ist, desto schwerer hat es ein Erreger, sich auszubreiten.>

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Spiegel
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15.8.2011: <Artensterben: Brennpunkte der Bedrohung verschieben sich>

aus: Spiegel online; 15.8.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,780183,00.html

<Gefährdeter Drill-Affe in Nigeria (Archivbild): Lebensräume schrumpfen

Weil ihr natürlicher Lebensraum immer kleiner wird, sind viele Wildtierarten bedroht. Die Brennpunkte des Säugetier-Aussterbens könnten sich verschieben - in Regionen, die bisher im globalen Artschutz noch keine große Rolle spielen.

London - Wir werden immer mehr - und wir werden immer hungriger. Das Bevölkerungswachstum und der steigende Nahrungsmittelbedarf der Menschheit sind schuld daran, dass immer mehr Säugetiere vom Aussterben bedroht sind. Rodungen, Ackerbau und Überweidung lassen die Lebensräume für viele Wildtierarten immer weiter schrumpfen.

Wissenschaftler um Piero Visconti von der Sapienza Universität in Rom berichten im Fachmagazin "Philosophical Transactions of the Royal Society B", dass sich der größte Artenschwund unter den Säugetieren zukünftig in Mexiko und einigen Ländern Afrikas abspielen könnte. In diesen Weltgegenden schrumpft der Lebensraum für Wildtiere bis 2050 so stark, dass das Überleben zahlreicher Arten gefährdet sein könnte.

Die Wissenschaftler hatten den Lebensraumbedarf von 5.086 Säugetierarten analysiert. Anschließend hatten sie die Daten mit vier verschiedenen Szenarien der menschlichen Landnutzung in den nächsten Jahrzehnten abgeglichen. Dabei kamen sie zu dem Ergebnis, dass in Ländern wie Kamerun, der Demokratischen Republik Kongo, Nigeria und Mexiko Probleme durch schwindende Lebensräume drohen dürften. Aber auch die USA stufen die Forscher als zukünftigen Brennpunkt ein.

In Europa stünden die Dinge dagegen besser. Lebensraumverlust und Artenschwund könnten dort der Prognose zufolge auch in Zukunft eher moderat bleiben. Schwierigkeiten könnten sich allerdings durch die Auswirkungen des Klimawandels ergeben. Diese hätten sie nicht gesondert berücksichtigt, räumen die Forscher ein.

Klimawandel nicht berücksichtigt

Auch die Folgen der besonders in Europa forschreitenden Zerstückelung von Lebensräumen sind in den Modellen nicht eingerechnet. "Unsere Szenarien sind nicht als akkurate Vorhersage der Zukunft gedacht, sondern eher als Erkundung möglicher Konsequenzen, die verschiedene Entwicklungen haben könnten", sagt Forscher Visconti.

Die prognostizierten Brennpunkte des Artenverlustes unterschieden sich auffallend von den heutigen, sagen die Forscher: "Die meisten Länder, die wir als zukünftige Bedrohungs-Hotspots bei landlebenden Säugetieren identifizierten, haben im heutigen globalen Artenschutz noch keine Priorität.", Das zeige, wie wichtig es sei, die künftigen Brennpunkte rechtzeitig zu ermitteln und entsprechend vorbeugend zu handeln.

Zurzeit gelten gut 1100 Säugetierarten als akut gefährdet. Besonders stark vom Aussterben bedroht sind Säugetiere derzeit vor allem in Süd- und Südostasien, den tropischen Anden in Südamerika und dem ursprünglich weitgehend von Regenwald bewachsenen westlichen Ghatgebirge in Indien. "In allen diesen Regionen treffen ein großer Artenreichtum, viele in ihren Lebensräumen sehr eingeengte Arten und ein starker Druck durch menschliche Aktivitäten aufeinander", stellen die Wissenschaftler fest. Diese Faktoren seien auch in Zukunft noch gültig. Wo sie sich aber in 50 Jahren für die wildlebenden Säugetiere am stärksten auswirken, zeigt erst ihre neue Prognosenkarte.

Als Beispiele für stark vom Lebensraumverlust betroffene Tiere nennen die Wissenschaftler die im Regenwald Ostafrikas heimischen Malawi-Galagos oder den Kaschmir-Moschushirsch in Indien. Weitaus bekannter und ebenso bedroht sei der in den USA heimische Rotwolf. Von ihm gibt es heute nur noch kleine Restbestände in den US-Bundesstaaten Texas und Louisiana. Auch der in den Prärien der USA vorkommende Kitfuchs könnte bis 2050 durch den Verlust seines Lebensraums gefährdet sein.

chs/dapd>

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n-tv online,
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16.8.2011: <Schuld ist der Mensch: Viele Säugetiere sterben aus> - bis 2050 wahrscheinlich vor allem in Zentralafrika und in Mexiko - wegen der Zerstörung des Lebensraums

aus: n-tv online; 16.8.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Viele-Saeugetiere-sterben-aus-article4062471.html

<Australische Wissenschaftler sagen ein großes Artensterben bei Säugetieren bis zum Jahr 2050 vorher. Betroffen sind vor allem Zentralafrika und Mexiko.

In mehreren Ländern Zentralafrikas sowie in Mexiko drohen bis zum Jahr 2050 besonders viele Säugetierarten auszusterben. Das berichtet eine Gruppe um Piero Visconti von der James-Cook-Universität im australischen Townsville. Die Studie ist in den "Philosophical Transactions" der Royal Society erschienen. Ihr liegt eine Simulation zugrunde.

In dem Computermodell wurde der Einfluss des Menschen auf insgesamt 5086 an Land lebende Säugertierarten untersucht. Dazu dienten unter anderem Daten und Annahmen des "Millennium Ecosystem Assessment". Diese Initiative der Vereinten Nationen ermittelt den Einfluss des Menschen auf die globalen Ökosysteme und hat dazu mehrere Szenarien entwickelt. Diese unterscheiden sich unter anderem darin, ob ein Land rechtzeitig Naturschutzmaßnahmen ergreift - oder erst dann reagiert, wenn das Wohlergehen des Menschen bereits bedroht ist.

Mit diesem Modell kalkulierten die Forscher, wie viel geeignete Lebensräume den Tieren im Jahr 2050 zur Verfügung stehen. Eines der Ergebnisse: In Mexiko, Nigeria, Angola, Tansania oder Kamerun ist das Risiko fürs Artensterben besonders groß. Dort gehen im schlimmsten Szenario mindestens 30 Prozent des Lebensraums für die Tiere verloren. Auch die Tiere in den USA geraten zunehmend unter Druck. In Europa ist der Bestand bei weitem nicht so stark gefährdet.

Bereits jetzt sei ein Viertel aller Säugetierarten (1144 Arten), über die es genügend Informationen gebe, vom Aussterben bedroht, notieren die Forscher. Seit dem Jahr 1500 sind demnach weltweit 76 Arten sowie 7 Unterarten von Säugetieren ausgestorben. 2 weitere lebten nur noch in Gefangenschaft. Die Hauptgründe für den Rückgang sind die Zerstörung des Lebensraumes - dies trifft 40 Prozent aller Säugetiere. Die Jagd betrifft 19 Prozent.

Das Team verlangt ein entschiedenes Eintreten für die Umwelt. Dazu gehöre es, den Schutz von Gebieten auch wirklich durchzusetzen. Zudem müsse die Produktivität mit neuen Technologien gesteigert werden. Auch gelte es, die Zahl der Menschen zu stabilisieren, Ernteverluste und die Folgen des Klimawandels zu minimieren.

dpa>

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Financial
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3.10.2011: Nashornpulver für China - bis es keine Nashörner mehr gibt

aus: Financial Times Deutschland online: Out of office: Kampf ums Horn von Afrika; 3.10.2011;
http://www.ftd.de/lifestyle/outofoffice/:out-of-office-kampf-ums-horn-von-afrika/60111446.html

<Das Horn eines ausgewachsenen Nashorns ist etwa 1 Mio. Dollar wert.

Nashornpulver ist mittlerweile wertvoller als Gold. Weil Chinas Bevölkerung reicher wird und die Nachfrage steigt, fällt in Südafrika alle 21 Stunden ein Nashorn Wilderern zum Opfer. Und Reservate werden zu Jagdgründen. von Johannes Dieterich, Johannesburg.

Die Hügel der südafrikanischen Pilanesberge schimmern golden in der Abendsonne, über weidenden Zebras ziehen Adler am tiefblauen Himmel ihre Kreise. Plötzlich wird die Idylle von Hendrik Ncheches knatterndem Funkgerät unterbrochen: Dem Wildhüter wird mitgeteilt, am Staudamm, dort, wo sich die Nashörner tummeln, sei ein Schuss gefallen. Ncheche startet seinen Wagen und rast die Staubstraßen des Reservats entlang. Für den Chef der Anti-Wilderer-Einheit kommt es jetzt auf jede Minute an: Wilddiebe brauchen nur wenige Augenblicke, um ihrem Opfer das Horn abzuhacken und das Weite zu suchen.

Gewöhnlich kommt Hendrik Ncheche zu spät. Vor seinem Büro ist eine ganze Galerie seines Scheiterns aufgereiht: Die Schädel von 17 Nashörnern, die in den vergangenen zweieinhalb Jahren allein im Pilanesberg-Nationalpark getötet wurden. Und es werden mehr: In den Tierparks am Kap der Guten Hoffnung wird derzeit etwa alle 21 Stunden ein Dickhäuter getötet. Das Refugium von 90 Prozent aller noch lebenden Nashörner ist zu ihren Killing Fields geworden.

Denn das Horn eines Rhinozerosses ist inzwischen teurer als Gold. In Asien wird für ein ausgewachsenes Horn rund 1 Mio. Dollar geboten - etwa 120.000 Dollar pro Kilo. Vor 30 Jahren lag der Kilopreis noch bei lächerlichen 100 Dollar. Grund dafür ist die steigende Kaufkraft im Fernen Osten: Der wachsende Wohlstand der Chinesen und ihr ungebrochener Glaube an die vitalisierende Wirkung von Nashornpulver setzen den bedrohten Tieren mehr zu denn je.

"Ausschwärmen", befiehlt Ncheche den sieben Männern, die bereits wenige Minuten nach dem Alarm am Damm eingetroffen sind - alle in Tarnuniform, alle mit Gewehr bewaffnet. Ausgebildet werden sie von Offizieren der einstigen Apartheidsarmee, und die Kämpfe, die sie sich mit ihren Feinden liefern, fordern immer wieder Todesopfer auf beiden Seiten. Im Krügerpark, dem größten Reservat Südafrikas, erschossen Banditenjäger allein in diesem Jahr 17 Wilderer - eine Bilanz, die Ncheche als "ganz gut" bezeichnet. "Sie sollen auf dieselbe Weise sterben, wie sie die Nashörner töten", sagt der Ranger trocken.

Meist aber haben die Profikiller leichtes Spiel. Das 55.000 Hektar große Areal an den Pilanesbergen ist von Schutz bietenden Hügeln durchzogen, der fast 100 Kilometer lange Grenzzaun lässt sich mühelos überwinden. Die Profis unter den Wilderern schicken auch erst Kundschafter in den Park, die die Nashörner lokalisieren und ihre GPS-Daten per Handy weitergeben. Dann steigt in der Nähe ein Helikopter mit einem Schützen auf, der das Tier erlegt. Anschließend wird das bis zu 1,5 Meter lange Horn abgesägt und ausgeflogen.
Gegenwärtig steht in Südafrika eine Nashornkiller-Bande vor Gericht, deren Organisation selbst Kennern den Atem verschlug: Ihr Kopf ist der Besitzer einer privaten Wildfarm, zu den Gangstern zählen zwei Tierärzte, zwei Safari-Unternehmer und ein Großwildjäger. Das hochprofessionelle Syndikat soll nicht nur in fremden Parks gewildert, sondern über Jahre hinweg auch Hunderte von Nashörnern eingekauft haben, um sie auf der Farm ihres Paten in aller Ruhe zu schlachten.

Teil 2:

aus: http://www.ftd.de/lifestyle/outofoffice/:out-of-office-kampf-ums-horn-von-afrika/60111446.html?page=2

Die erbeuteten Nashornhörner werden nach Asien weiterverkauft, der Handel wird von vietnamesischen Mittelsmännern dominiert. Allein im vergangenen Jahr nahm die südafrikanische Polizei fünf Hornkuriere aus Vietnam fest, unter ihnen waren sogar Diplomaten: Eine Gesandtin wurde dabei gefilmt, wie sie direkt vor der vietnamesischen Botschaft in Pretoria ein Horn kaufte und dann ins Gebäude mitnahm.

Von der Herausforderung überwältigt, mehrere Milliarden Asiaten zu einer Korrektur ihrer Ansichten zu bewegen, denken südafrikanische Tierschützer inzwischen über alternative Strategien nach. Einige Reservate sägen ihren Rhinozerossen die Hörner ab - allerdings mit eingeschränktem Erfolg: Welcher Tourist fliegt schon um die halbe Welt, um ein Nashorn ohne Horn zu sehen, fragen Skeptiker. Zudem werden selbst beschnittene Dickhäuter getötet: Die Wilderer hacken noch den Hornstumpf aus dem Schädel, der ist immerhin einige Tausend Dollar wert.

Der Johannesburger Reservatsbesitzer Ed Hern kam deshalb auf eine ganz andere Idee: Er will seinen Tieren eine Substanz ins Horn spritzen, die für das Rhinozeros ungefährlich, für die Hornpulverkonsumenten jedoch lebensgefährlich ist. Spräche sich herum, dass man von dem Pulver sterben könne, wäre der Aberglaube der Asiaten bald gebrochen, ist Hern überzeugt: Nur so sei der Krieg zur Rettung der Dickhäuter noch zu gewinnen. Hern will bereits eine entsprechende Substanz gefunden haben, teilte er jüngst mit, ohne allerdings Einzelheiten zu nennen.

Andere wollen den Weg in die genau entgegengesetzte Richtung gehen: Sie plädieren für den regulierten Verkauf von Nashornpulver, um den Bedarf wenigstens teilweise zu decken, die Preise zu drücken und so die Wilderei einzudämmen. Denkbar wäre ebenfalls, Hörner von natürlich verstorbenen Tieren zu verkaufen. Nashörner könnten auch in Farmen gezüchtet werden. Dort ließen sich ihre Hörner regelmäßig abschmirgeln, ohne dass die Tiere dafür getötet werden müssten.

Umstritten sind alle Vorschläge, und so setzt Südafrika weiterhin vor allem auf eine harte Hand. Im Krügerpark, wo 2010 mit 146 Nashörnern so viele Tiere wie nirgendwo anders getötet wurden, sind die Wildhüter mit einem Jahresbudget von 50 Mio. Dollar ausgestattet. Selbst das Militär hilft mit einer 165 Mann starken Einheit aus, um die vor allem aus dem Nachbarstaat Mosambik anrückenden Wilderer zu bekämpfen. Bald soll sogar eine Drohne der Luftwaffe die Aufklärungsarbeit für die Wildhüter übernehmen.

Das Glück solch moderner Ausstattung hat die Truppe von Hendrik Ncheche nicht: Sie muss bereits nach einer halben Stunde die Suche abbrechen. Inzwischen ist es dunkel geworden, und die Männer haben keine Nachtsichtgeräte. Im Gegensatz zum nationalen Krügerpark verfügt das provinzielle Pilanesberg-Resort nicht über die zur Aufrüstung seiner Tierschutztruppe nötigen Mittel: Sie sind auf Spenden angewiesen und verkaufen im Souvenirladen Armreifen aus Elefantenhaar, um sich so ihr Salär zu sichern. Und so wird Ncheche erst am nächsten Morgen erfahren, ob er zu spät gekommen ist. Wieder einmal.>

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Spiegel
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25.10.2011: Das Java-Nashorn ist in Vietnam ausgestorben - wegen seines Horns

aus: Spiegel online: Artenschutz-Versagen: Java-Nashorn in Vietnam ausgestorben; 25.10.2011;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,793855,00.html

<Naturschützer hatten es schon befürchtet, jetzt ist es traurige Gewissheit: Das Java-Nashorn ist in Vietnam ausgerottet worden. Dem letzten Exemplar bot auch ein Nationalpark nicht genug Schutz - es fiel Wilderern zum Opfer. Den Tieren wurde ihr Horn zum Verhängnis.

Hamburg - Sein Ende war blutig: Mit einem Schuss ins Bein stoppten Wilderer das große Tier, danach säbelten sie sein Horn ab. Im April 2010 entdeckte man im vietnamesischen Cat-Tien-Nationalpark den Kadaver des Java-Nashorns. Nun berichtet die Naturschutzorganisation WWF: Es handelte sich um das letzte Exemplar der Art Rhinoceros sondaicus auf dem asiatischen Festland.

Die Tiere befinden sich jetzt nur noch auf Java, wo zwischen 40 und 60 Nashörner im Ujung-Kulon-Nationalpark leben. Nur sehr wenige Zoos haben jemals Java-Nashörner gehalten, seit mehr als einem Jahrhundert findet sich kein Exemplar dieser Art in Gefangenschaft - es existiert also kein Aufzuchtprogramm.

Ursprünglich hatten Forscher gehofft, dass in dem vietnamesischen Nationalpark noch weitere Java-Nashörner lebten. Nun aber haben sie 22 Nashorn-Kotproben aus dem Gebiet genetisch analysiert. Das Ergebnis: Alle stammten von demselben Tier - das im Frühjahr 2010 getötet wurde.

Nach Angaben der internationalen Naturschutzorganisation IUCN erstreckte sich die Heimat der Java-Nashörner früher von Bangladesch und wahrscheinlich Südchina bis hin nach Sumatra und Java. Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Bestände in hohem Tempo zu schwinden. Den Tieren wurde vor allem ihr Horn zum Verhängnis - obwohl dieses deutlich kleiner ist als bei ihren afrikanischen Verwandten und sie zudem nur über ein einziges Horn verfügen. Hornpulver gilt in der traditionellen Medizin Asiens als Heilmittel für diverse Leiden, darunter Malaria und Epilepsie. Für Wilderer lohnt sich daher die Jagd auf die großen Säugetiere. In Europa scheinen sich Banden auf den Diebstahl von Nashorn-Exponaten aus Museen oder Auktionshäusern spezialisiert zu haben, weil die Hörner für bis zu 67.000 Euro pro Kilo gehandelt werden, wie die britische Polizei kürzlich berichtete.

Tran Van Thanh vom vietnamesischen Gesundheitsministerium meint, dass selbst die meisten Heiler nicht mehr an die Heilkraft des Hornpulvers glauben. "Aber für Geld bekommen Reiche alles", sagte der Regierungsvertreter. Deshalb sei ein Ende des Handels kaum durchzusetzen. Es sei unglaublich, dass Menschen bereit seien, für Rhinozeros-Horn so viel Geld zu zahlen, obwohl diese im Prinzip aus derselben Substanz wie Fingernägel bestünden und keinerlei medizinischen Wert hätten, meinte WWF-Experte Nick Cox.

"Das letzte Java-Nashorn in Vietnam ist für immer verschwunden. Das Land hat einen Teil seines Naturerbes verloren", sagte der örtliche WWF-Chef Tran Thi Minh Hien. Er machte neben den Wilderern auch die vietnamesischen Behörden für den Tod des Tieres verantwortlich. Diese hätten den Nationalpark nur unzureichend geschützt.

wbr/AFP>

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Welt
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2.11.2011: Gründe für das Aussterben vieler grosser Säugetiere wie Bison und Mammut: Klima, veränderter Lebensraum, und der Mensch

aus: Welt online: Eiszeit: Am Artensterben war nicht nur das Klima schuld; 2.11.2011;
http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article13693946/Am-Artensterben-war-nicht-nur-das-Klima-schuld.html

<Bison, Mammut und Rentier sind nicht nur Opfer des Klimawandels geworden. Auch andere Effekte wurden ihnen in der Eiszeit zum Verhängnis.

Ursache für das Aussterben vieler großer Säugetiere in der letzten großen Eiszeit vor rund 50.000 Jahren war nicht allein das Klima. Vielmehr ist eine Kombination aus Klimawandel, verändertem Lebensraum und dem Vordringen des Menschen Tieren wie dem Bison zum Verhängnis geworden.

Schuld am Aussterben vieler großer Säugetiere wie Mammuts, Yukon-Pferden und Steppenbisons in der letzten Eiszeit vor rund 50 000 Jahren trug nicht allein das Klima

Das haben dänische Wissenschaftler bei einer Analyse für sechs Säugetierarten, darunter Mammut und Rentier, herausgefunden. Jede Art hat demnach unterschiedlich auf die verschiedenen Faktoren reagiert. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher der Universität Kopenhagen im Fachjournal „Nature“.

Die Wissenschaftler hatten anhand von DNA-Material, Verbreitungs- und Klimadaten sowie Fossilien die Populationsveränderungen bei Mammut, Moschusochse, Wollnashorn, Wildpferd, Bison und Rentier untersucht.

Dabei fand das Team um den Biologen Eske Willerslev heraus, dass wohl nur der Moschusochse und das Wollnashorn eindeutig Opfer des Klimawandels waren. Der Moschusochse sei sehr temperaturempfindlich gewesen, schreiben die Wissenschaftler. Beim Wollnashorn halten sie ein Aussterben wegen des Menschen ebenfalls für unwahrscheinlich.

Wildpferden und Bisons dagegen sei hauptsächlich der Mensch zum Verhängnis geworden, sie seien beliebte Beutetiere gewesen. In 58 Prozent europäischer und 66 Prozent sibirischer Ausgrabungsstellen sind demnach neben menschlichen auch Überreste von Wildpferden belegt. Bisons fanden sich gar in 77 Prozent sibirischer Fundorte.

Unbeeindruckt von allen Veränderungen blieb das Rentier: Es existiert bis heute. Und das, obwohl auch Rentiere beliebte Jagdtiere waren und sich ihr Lebensraum, anders als der von Pferd und Bison, dramatisch verkleinerte.

Ihre hohe Fruchtbarkeit und ökologische Flexibilität sind nach Angaben der Wissenschaftler die wahrscheinlichsten Gründe für ihren Erhalt. Was genau dagegen zum Aussterben des Mammuts geführt hat, konnten die Forscher in ihrer Analyse nicht beantworten.

Den Forschern zufolge sollen die Ergebnisse der Studie dabei helfen, die Auswirkungen von Klimawandel und Menschen auf die Biodiversität zu verstehen und weiteres Artensterben zu verhindern.

dpa/cl>

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Und jetzt schau mal an, was die Globalisierung in Sachen Frösche bewirkt hat:


n-tv
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7.11.2011: Froschkillerpilz wurde durch die weltweite Reiserei zusammenkombiniert - und die neue Pilz-Kombination tötet jeden Frosch

aus: n-tv online: Genetische Rekombination: Mensch verbreitet Froschkiller-Pilz; 7.11.2011;
http://www.n-tv.de/wissen/Mensch-verbreitet-Froschkiller-Pilz-article4709971.html

<Erst die genetische Kombination verschiedener Varianten des Pilzes Batrachochytrium dendrobatidis hat zu jener Variante geführt, die weltweit zahlreiche Amphibien tötet. Ursache ist vermutlich die Verbreitung des Pilzes über die Kontinente hinweg durch den Menschen.

Genetische Kombination ließ den Pilz entstehen, der für das Amphibiensterben verantwortlich ist. Der Chytridpilz ist eine große Gefahr. Er wächst auf der obersten Schicht der Haut und ist nur schwer zu erkennen. Die von ihm ausgelösten Schäden sind vielfältig. Unter anderem gerät der Ionenhaushalt der infizierten Tiere durcheinander, sie sterben letztlich an einem Herzstillstand. Rund um den Globus hat der sehr ansteckende Pilz bereits zur Ausrottung zahlreicher Populationen und Arten von Amphibien geführt.

Die mehr als 6000 Amphibienarten – Frösche, Kröten, Salamander – sind vom weltweiten Artensterben besonders betroffen. Rund 40 Prozent aller Arten sind rückläufig. Fast ein Drittel fällt auf der Roten Liste in die Kategorien "verletzlich", "bedroht" oder "kritisch bedroht". Weil die Tiere als Larve oft im Wasser und als Erwachsene meist an Land lebten, sind sie den Bedrohungen vieler Lebensräume ausgesetzt. Derzeit ist die Aussterberate der Amphibien mehr als 200 Mal höher als sie im Zuge der Evolution zu erwarten wäre.

Weitere gefährliche Varianten möglich

"Trotz vieler Mühen, den Pilz zu verstehen, sind die Quelle der Infektion, das Muster der globalen Verbreitung und der Mechanismus seiner Evolution größtenteils unbekannt", schreibt Rhys Farrer vom Imperial College in London. Er und seine Kollegen untersuchten das Genom von 20 Pilz-Proben aus Europa, Nord- und Zentralamerika, Südafrika und Australien. Zudem stellten die Forscher einen genetischen Vergleich an. Bei der Analyse zeigte sich, dass einer der Stämme – genannt BdGPL – die Eigenschaften aller anderen in sich vereint. Dieser Stamm ist zugleich besonders virulent.

Die Forscher gehen davon aus, dass der Mensch mit dem Handel von Amphibien auch die verschiedenen Varianten des Bd-Pilzes weltweit verbreitete. Damit bekamen die Erreger Kontakt untereinander, genetische Rekombinationen wurden möglich. Solange die Biosicherheit nicht besser beachtet werde, sei zu erwarten, dass sich weitere gefährliche Varianten bilden, schreibt das Team, das seine Studie in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften veröffentlichte.

dpa>


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Tagesanzeiger online, Logo

Schweiz 26.1.2012: 36% der schweizer Tiere sind vom Aussterben bedroht

aus: Tagesanzeiger online: Diese Tiere sind in der Schweiz vom Aussterben bedroht; 26.1.2012;
http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/natur/Diese-Tiere-sind-in-der-Schweiz-vom-Aussterben-bedroht/story/24302165

<Das Bundesamt für Umwelt hat letztes Jahr 10'000 Pflanzen-, Tier- und Pilzarten untersucht. Der Befund ist erschreckend: 36 Prozent der Arten sind vom Aussterben bedroht. Laut Bafu gibt es aber auch Lichtblicke.

In der Schweiz sind bisher für 27 Tier-, Pflanzen- und Pilzgruppen rote Listen erstellt worden – die ersten bereits vor mehr als 30 Jahren, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) mitteilt. Insgesamt wurde so für etwas mehr als 10'000 der 46'000 bekannten, in der Schweiz vorkommenden Arten eine Lagebeurteilung vorgenommen.

Eine vom Bafu erstellte Synthese zeigt nun, dass von den 10'000 untersuchten Arten 36 Prozent gefährdet sind. Drei Prozent gelten gar als in der Schweiz ausgestorben – etwa ein Pflänzchen namens Bodensee-Steinbrech, ein Singvogel namens Orpheusgrasmücke oder ein ehemals im Genfersee beheimateter Fisch namens Gravenche.

Internationale Verantwortung

Fünf Prozent der Arten sind vom Aussterben bedroht, darunter der Rotkopfwürger (ein Vogel) und der Apron (ein Fisch). Elf Prozent, beispielsweise die in Sumpfgebieten heimische, gelippte Tellerschnecke, gelten als stark gefährdet. 17 Prozent schliesslich werden von den Forschern der Kategorie «verletzlich» zugeordnet.

Besonders kritisch ist die Situation bei denjenigen Arten, für welche die Schweiz eine hohe internationale Verantwortung trägt. Von diesen Arten, deren Aussterben in der Schweiz weltweit ein Aussterben oder ein hohes Aussterberisiko bedeuten würde, sind 57 Prozent gefährdet oder potenziell gefährdet.

Bis heute sind 64 Arten und Unterarten bekannt, die ausschliesslich in der Schweiz vorkommen. Zu diesen im Fachjargon Endemiten genannten Arten zählt zum Beispiel der Ruderfusskrebs Gelyella monardi, dessen Verbreitungsgebiet sich auf die Areuse- Schlucht und eine Quelle im Neuenburger Jura beschränkt.

Anstrengungen verstärken

Laut dem Bafu zeigt die Synthese auch, dass in den vergangenen Jahrzehnten das Verbreitungsareal und die Bestände zahlreicher Arten geschrumpft sind. Die grösste Gefährdung ist die Zerstörung oder Verschlechterung von Lebensräumen, etwa durch Intensivierung der Landwirtschaft oder das Entfernen von Weihern oder Gehölzen.

Für einige Arten geht es aber auch wieder bergauf: Der Bartgeier und der Biber, die einst in der Schweiz ausgestorben waren, sind zum Beispiel heute dank Wiederansiedelungsprogrammen gut etabliert. Auch für die im Landwirtschaftsgebiet vorkommende Schafstelze habe sich die Lage dank gezielter Massnahmen etwas entspannt.

Die Zahlen zeigten aber unmissverständlich, dass die bisherigen Massnahmen nicht ausreichten, um die Artenvielfalt in der Schweiz längerfristig zu gewährleisten, schreibt das Bundesamt. Eine Verbesserung erhofft sich das Bafu von der Strategie Biodiversität Schweiz, die sich momentan in der politischen Beratung befindet. (kpn/sda/)>

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n-tv online,
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Neuseeland 17.3.2012: Bedrohte Maui-Delfine: Es sind noch 55 - und die Fischereiindustrie bekämpft neue Schutzzonen

aus: n-tv online: Nur noch 55 ExemplareMaui-Delfine sterben aus; 17.3.2012;
http://www.n-tv.de/wissen/Maui-Delfine-sterben-aus-article5771301.html

<Tierschützer und Wissenschaftler sind in Sorge. Die Zahl der seltenen Maui-Delfine ist auf einem Tiefstand. Größter Feind der Meeressäuger ist der Mensch: Die Tiere verenden qualvoll in Fischernetzen.

Er ist etwa 1,7 Meter lang, nur fünfzig Kilogramm schwer, hat eine charakteristische grau-weiß-schwarze Zeichnung und eine schwarze Rückenflosse. Der Maui-Delfin ist die seltenste Delfinart der Welt: Nur noch etwa 55 Exemplare soll es geben. Cephalorhynchus hectori maui - so der wissenschaftliche Name der Unterart - ist vom Aussterben bedroht. Die Delfine geraten häufig in die Netze von Fischern, die vor der Küste Neuseelands ihre Netze auslegen. Seit Einführung sogenannter Nylon-Kiemennetze in den 70er Jahren sei ihr Bestand um mehr als 90 Prozent gesunken, heißt es beim Naturschutzbund Nabu.

Maui-Delfine kommen nur in den Gewässern vor Neuseeland vor. Einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge soll sich die Population in den letzten sieben Jahren um die Hälfte verringert haben. An der Analyse arbeitete die neuseeländische Naturschutzbehörde zusammen mit der Universität von Auckland und der Oregon State University in den USA. Die Zahl erwachsener Tiere habe sich auf 48 bis 69 Exemplare verringert, hieß es. Noch 2004 wurden 111 Delfine gezählt. Seit dem Abschluss der Forschungsarbeiten im vergangenen Jahr wurden zwei weitere tote Delfine gefunden.

Wenig Nachkommen

Es gebe weniger als 20 gebärfähige Delfinweibchen, heißt es beim Nabu. Delfine werden zwar bis zu 20 Jahre alt, die Weibchen werden aber erst im Alter von sieben bis neun Jahren geschlechtsreif. Sie gebären nur alle zwei bis vier Jahre ein Kalb. Dadurch wachse der Delfinbestand nur sehr langsam, erklären die Delfinschützer. Maui-Delfine leben in Gruppen - Schulen genannt - in Küstengewässern mit einer Tiefe von bis zu 20 Metern. Wie alle Delfine verwenden sie Echolot zur Nahrungssuche. Sie erzeugen Klickgeräusche auf einer hohen Frequenz, die von Fischen und anderen Objekten in ihrer Umgebung zurückgeworfen werden. Dadurch gewinnen sie ein Bild ihrer Umgebung.

Allerdings verwenden die Tiere ihr Echolot nicht ständig, sagen Experten. Deshalb verheddern sie sich in den Netzen der Fischer. Der Nabu fordert von der neuseeländischen Regierung ein Verbot der Trawler- und Stellnetzfischerei in küstennahen Gewässern bis zu einer Tiefe von 100 Metern. Jeden Tag, den die Tiere diesen Netzen ausgesetzt seien, sei "ein Risiko, dass wir uns nicht leisten können", betont die beim Nabu für den Schutz bedrohter Arten zuständige Expertin Barbara Maas.

Regierung stellt sich quer

Ein Großteil des Lebensraumes der Delfine sei bereits geschützt, erklärt hingegen die neuseeländische Regierung. Weitere Schutzmaßnahmen würden in Betracht gezogen. Zuvor müssten man aber auch andere Faktoren wie die Auswirkungen auf die Fischerei abgewogen werden. Die Regierung riskiere, dass die Fischereiindustrie, wie schon in der Vergangenheit, versuche, die Schutzzonen vor Gericht zu bekämpfen.

Der Widerstand der Industrie gegen den Regierungsvorstoß ist stark. Der Schutzvorschlag schiebe den Fischern die gesamte Schuld zu, sagte Doug Saunders-Loder, der Präsident des Fischereiverbands. "Andere bekannte Faktoren wie Krankheit, Umweltverschmutzung und natürliche Feinde wie Haie oder Orcas werden ignoriert."

Ein Verschwinden der Maui-Delfine hätte Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette und würde das Ökosystem von Tieren und Pflanzen vor der Küste Neuseelands nachhaltig verändern, erklärt der Meeresexperte Wayne Linklater von der Victoria-Universität in Wellington. "Wir müssen verstehen, dass der Verlust des Delfins auch für die Wirtschaft schlecht sein kann, nicht nur für die Umwelt und wie wir sie genießen können."

Quelle: n-tv.de, David Barber, dpa>

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Basler Zeitung
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Südafrika 17.3.2012: Nashornjagd wegen des Nashorns ohne Ende - es droht die Ausrottung im Jahre 2015

aus: Basler Zeitung online: In Südafrika wird jeden Tag ein Nashorn getötet; 17.3.2012;
http://bazonline.ch/wissen/natur/In-Suedafrika-wird-jeden-Tag-ein-Nashorn-getoetet/story/30578972

<Die Wilderei hat laut Tierschützern in Südafrika massiv zugenommen. Seit Jahresbeginn wurden bereits 100 Nashörner illegal geschossen. Die Tiere könnten bereits in drei Jahren ausgestorben sein.

Tierschützer haben vor einem kompletten Aussterben der Nashörner in Südafrika in den kommenden Jahren gewarnt. Sollte die Wilderei im aktuellen Ausmass andauern, könnten Nashörner bis 2015 komplett ausgestorben sein, sagte die Tierärztin Karen Trendler, die seit fast zwei Jahrzehnten in einem Wildpark in Pretoria Nashorn-Babys aufzieht. Die «Mama Rhino» genannte Ärztin und Aktivistin hat rund 200 Nashörner aufgezogen, die keine Eltern mehr hatten.

Seit Anfang des Jahres wurden in Südafrika mehr als hundert Nashörner getötet und damit mehr als ein Tier pro Tag. Die erwachsenen Tiere werden wegen ihrer Hörner getötet, die in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet werden. Ihre Jungen sterben vielfach ohne den Schutz der Eltern. Trendler baut daher derzeit bei Mokopane im Norden des Landes eine Waisenstation auf. In der nicht-touristischen und nicht-kommerziellen Station sollen die kleinen Nashörner aufgezogen werden, um später in die Wildnis zurückzukehren.

(kpn/AFP)>

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n-tv online,
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4.3.2012: <Artensterben schreitet voran: Viele Amphibien akut bedroht>

aus: n-tv online; 4.3.2012;
http://www.n-tv.de/wissen/Viele-Amphibien-akut-bedroht-article5663651.html

<Eine Studie warnt davor, dass 40 Prozent der Amphibienarten akut vom Aussterben bedroht seien. Als Ursache dafür werden vor allem der Klimawandel, die Zerstörung der Lebensräume, das Vergiften von Wasser und eine aggressive Pilzinfektion angeführt.

Womöglich bis zu 40 Prozent aller Amphibienarten sind unmittelbar vom Aussterben bedroht. Davor warnt David Wake von der Universität von Kalifornien in Berkeley. Für seine Übersicht im Journal "Science" hat er zahlreiche aktuelle Trends und Studien zusammengefasst. "Das Bild, das so entsteht, ist beunruhigend", schreibt er.

Neu ist die bedrohliche Lage nicht, aber das Artensterben schreitet voran. Die Ursachen sind vielfältig: Der Klimawandel gehört dazu, die Zerstörung der Lebensräume, das Vergiften von Wasser und eine Pilzinfektion. Letztere wütet besonders in Australien und Zentralamerika. "Die Hauptaussage der neuen Arbeiten zu Amphibien ist, dass sich für diese Tiere sehr viele Bedrohungen aus verschiedenen Quellen addieren", fasst Wake zusammen.

Die steigenden Temperaturen sorgen etwa in bergigen Regionen dafür, dass Amphibien in größere Höhen ausweichen. Ist das nicht möglich - weil der Gipfel erreicht ist - finden sie keine optimalen Lebensbedingungen mehr. Der Klimawandel beeinträchtigt allein fast drei Viertel (73 Prozent) der Froscharten in den nördlichen Anden sowie zwei Drittel (66 Prozent) der lokalen Salamander in einem Teil Zentralamerikas, schreibt Wake.

Viele Amphibienarten kommen nur in kleiner Zahl in kleinen Lebensräumen vor - werden diese zerstört, ist gleich die ganze Art verschwunden. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der bekannten Amphibien um 25 Prozent auf etwa 7000 Arten gestiegen - und viele von ihnen haben nur winzige Verbreitungsgebiete.

Quelle: n-tv.de, dpa>

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Welt online,
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7.5.2012: Aggressiver Hautpilz lässt Frösche aussterben - 75% der Frösche verschwanden in 4 Jahren

aus: Welt online: Massensterben: Frosch-Killer verbreitet sich rasant um den Globus; 7.5.2012;
http://www.welt.de/wissenschaft/article106266691/Frosch-Killer-verbreitet-sich-rasant-um-den-Globus.html

<Die Welt erlebt ein dramatisches Massensterben: Ein aggressiver Hautpilz wütet unter den Amphibien und hat bereits viele Arten ausgelöscht. Trotz Gegenmittel scheint das Schicksal der Tiere besiegelt.

Von Pia Heinemann

Weltweit gibt es rund 6400 Amphibienarten – Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander. Sie sitzen in Tümpeln, unter moderndem Laub, an Seen, Flüssen und Teichen.

Doch so laut die Frösche heute noch quaken, knarzen und läuten mögen – es könnte in den Feuchtgebieten bald leise werden. Experten haben nämlich mehr als ein Drittel aller Amphibienarten auf die sogenannte Rote Liste gesetzt. Sie sind also "vom Aussterben bedroht".

Nicht nur die Zerstörung von Biotopen erschwert ihnen das Überleben, sondern auch ein Hautpilz, der sich rasant um den Globus verbreitet. Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) setzt sich auf der empfindlichen Haut von Fröschen und Lurchen fest und zerstört sie.

Forscher wissen immerhin mittlerweile, wie der Pilz den Wirbeltieren zu Leibe rückt. Ein Team um Jamie Voyles von der University of California in Berkeley berichtet im Journal "Plos one", dass sie in den Bergen der südlichen Sierra Nevada Haut- und Blutproben von 121 Gelbbeinigen Gebirgsfröschen genommen hatten.

Binnen vier Jahren 75 Prozent der Tiere ausgelöscht

In dieser Gegend hatte sich der Pilz seit dem Jahr 2004 ausgebreitet. Zunächst waren nur einzelne Tiere erkrankt, dann aber verbreitete sich die Infektion rasch. Es kam zu einem Massensterben und 2008 waren nur noch 25 Prozent der ursprünglich in dem Gebiet lebenden Frösche da.

"Es ist wirklich traurig, um die Wasserbecken zu gehen und zu bemerken, dass sie tatsächlich alle weg sind", schreibt Vance Vredenburg von der San Francisco State University.

Sind die Amphibien vom Pilz befallen, so trocknen sie praktisch völlig aus: Die Haut wird stark angegriffen, die Kalium- und Natrium-Konzentrationen in ihrem Körper stimmen nicht mehr.

Sie sinken auf ein Level, das die Lurche zunächst sehr lethargisch werden lässt. Dann nehmen sie keine Nahrung mehr auf und schließlich bleibt ihr Herz stehen.

Mehr als 200 Amphibienarten seien bereits vom Globus verschwunden, berichten Amphibienforscher des europäischen Bd-Monitoring-Projekts "RACE". Manche der noch vorhandenen Arten zählten nur noch sehr wenige Individuen, vielleicht zu wenige, um das Überleben ihrer Art zu sichern.

Pilz breitet sich auch in Europa immer weiter aus

Nicht nur in den Bergen der Sierra Nevada sterben die Tiere, sondern auch in Europa. 1999 entdeckte Jaime Bosch den Pilz in Spanien. Er verursacht in den Pyrenäen ein Massensterben bei Geburtshelferkröten und lässt die Bestände der Feuersalamander einbrechen, heißt es am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig.

Mittlerweile ist der Pilz in England, Italien, Portugal, der Schweiz und Spanien nachgewiesen worden. Mehr als zwanzig Amphibienarten sind in diesen Ländern betroffen.

Aber warum kann ein einzelner Pilz eine Gefahr für eine ganze Tierklasse werden, die zudem die längste Geschichte der Landwirbeltiere besitzt?

"Es scheint so zu sein, dass die besonders aggressiven Bd-Linien Hybride, also sozusagen Mischformen, aus zwei weniger gefährlichen Formen sind", erklärt Dirk Schmeller vom Centre National de la Recherche Scientifique.

"Durch den Handel mit exotischen Fröschen sind die beiden ungefährlichen Linien zusammengekommen." Der Handel mit exotischen Amphibienarten wie dem Nordamerikanischen Ochsenfrosch oder mit Krallenfröschen hat wahrscheinlich dazu geführt, dass der Pilz in noch nicht infizierte Amphibienpopulationen verschleppt werden kann.

Amphibien in Höhenlagen besonders gefährdet

Schmeller hat mit seinen Kollegen viele verschiedene Amphibienpopulationen und ihre Empfindlichkeit gegenüber dem Bd-Pilz untersucht. "Es sind fast immer Amphibienpopulationen besonders betroffen, die in Höhen von über 1000 Meter leben.

In Europa sind vor allem Fadenmolche, Geburtshelferkröten und Feuersalamander sehr anfällig." Tieflandbewohner wie Gras-, See-, und Teichfrösche oder Erdkröten sind widerstandsfähiger gegen den Pilz. Das schützt sie selbst zwar, macht sie aber zu gefährlichen Überträgern der Krankheit.

Doch widerstandsfähige Amphibien sind nicht die Einzigen, die Pilzsporen von einem Teich in den anderen schleppen. Auch der Mensch verbreitet Bd. Das konnten Forscher mithilfe einer europaweit laufenden Befragung von Wanderern feststellen.

"Offenbar mögen Wanderer Amphibien. Kinder nehmen sie in die Hand und tragen sie vielleicht von einem Teich in den nächsten – und mit ihnen den Pilz", erklärt Schmeller.

Wanderer verbreiten die Sporen

"Aber auch Wanderer, die in Bergseen schwimmen gehen oder ihre Hunde dort baden lassen, tragen die Sporen von einem Gewässer ins nächste."

Würden die Wandersleute kurz an den für sie zwar ungefährlichen, aber für manche Amphibien tödlichen Pilz denken, könnte seine Verbreitung vielleicht ein wenig verlangsamt werden. "Aber auch Vögel oder andere Tiere tragen den Pilz natürlich weiter", berichtet Schmeller.

Umso ärgerlicher, dass es Wissenschaftlern mittlerweile tatsächlich gelungen ist, ein Mittel gegen den Pilz herzustellen. "Bd ist eigentlich sehr einfach mit einer Lösung aus Itraconazole zu bekämpfen", sagt Schmeller.

"Aber man muss das Mittel immer wieder anwenden. Bei Feldversuchen auf Mallorca konnten wir zeigen, dass Frösche, die wir sogar sieben oder acht Mal durch ein Itraconazole-Bad haben hüpfen lassen, nach zwei Jahren doch wieder vom Pilz befallen waren. Das Mittel ist da, nur die Behandlung der Amphibien in der freien Natur ist einfach zu viel schwierig."

Um mehr Informationen über die Ausbreitung des Pilzes zu erhalten, bitten Wissenschaftler Wanderer im Rahmen eines EU-Forschungsprojektes um die Beantwortung eines Fragebogens. Er ist im Internet zu finden unter www.bd-maps.eu>

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6.6.2012: Bei 30% der bedrohten Tierarten spielt der internationale Export und der Konsument in der "Ersten Welt" eine Rolle

aus: n-tv online: Wissenschaft: Konsumverhalten trägt massiv zu Artenschwund bei; 6.6.2012;
http://www.n-tv.de/ticker/Wissenschaft/Konsumverhalten-traegt-massiv-zu-Artenschwund-bei-article6444631.html

<London (dpa) - Verbraucher in den Industrieländern tragen durch ihr Konsumverhalten massiv zum weltweiten Artenschwund bei. Fast jedes dritte Tier von der Roten Liste gefährdeter Arten wird durch den globalen Handel bedroht, wie ein internationales Forscherteam in der Fachzeitschrift «Nature» berichtet.

Demnach sind am Rückgang der Artenvielfalt gerade in Entwicklungsländern nicht nur die Produzenten beteiligt, die etwa Wälder zugunsten von Plantagen zerstören, sondern auch die Verbraucher in Europa, Japan und Nordamerika, die die dort produzierten Güter kaufen.

Zehntausende Tier- und Pflanzenarten sind weltweit gefährdet oder sogar akut vom Aussterben bedroht. Betroffen sind vor allem Entwicklungsländer in Asien, Afrika und Amerika. Umweltforscher und Wirtschaftswissenschaftler aus Australien, Japan und Italien prüften nun erstmals umfassend, welche Rolle der globale Handel für den Artenschwund spielt. Dazu glichen sie 25 000 Tierspezies von der Roten Liste gefährdeter Arten mit dem Verkehr von 15 000 Waren aus aller Welt ab. Ergebnis: Lässt man den Einfluss invasiver Arten außer Acht, so werden 30 Prozent dieser Arten durch den internationalen Handel bedroht.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, wie etwa Kaffeeanbau in Mittelamerika, Sojaproduktion in Brasilien oder Palmölplantagen in Indonesien und Malaysia den Artenschwund beschleunigen. So schränkt etwa der Anbau von Kaffee und Kakao in Mittelamerika zunehmend den Lebensraum des Geoffroy-Klammeraffen (Ateles geoffroyi) ein. Verantwortlich dafür seien aber nicht nur die Produzenten vor Ort, sondern auch die Verbraucher in den Industrieländern, betonen die Forscher nun. In etlichen Entwicklungsländern wie Madagaskar, Papua-Neuguinea, Malaysia, Sri Lanka oder Honduras werden demnach mehr als die Hälfte der gefährdeten Tierarten durch die Produktion von Waren bedroht, die für den Export bestimmt sind. Abnehmer sind vor allem die USA, Japan und die Europäische Union.

So verbinden die Forscher etwa Importe nach Deutschland mit 395 bedrohten Tierarten. Allein die Einfuhr aus Madagaskar etwa von Rattan, Sisal, Kakao oder Vanille stehe in Verbindung mit 18 bedrohten Arten. Der Abbau von Rohstoffen aus Ghana und der Demokratischen Republik Kongo, die für die deutsche Pkw-Produktion wichtig sind, gefährdet weitere 8 Spezies. Importe aus Sri Lanka, Kolumbien und Kamerun stehen in Zusammenhang mit 23 bedrohten Arten.

«Unsere Resultate zeigen eindeutig, dass örtliche Bedrohungen für Arten durch ökonomische Aktivitäten und die Verbrauchernachfrage aus aller Welt angetrieben werden», schreiben die Wissenschaftler. Sie rufen dazu auf, den Artenschutz stärker aus einer globalen Perspektive zu planen. Man müsse nicht nur die örtlichen Produzenten berücksichtigen, die Lebensräume zerstören, sondern auch die Verbraucher, die von diesen Aktivitäten profitieren. Außerdem reiche es nicht aus, nur den Handel mit bedrohten Arten zu verbieten. Stattdessen solle man den Handel auch mit jenen Produkten regulieren, die zu diesen Bedrohungen beitragen. Zudem gelte es, das Bewusstsein der Verbraucher für diese Zusammenhänge zu stärken. So könne man etwa auf den Verpackungen die Auswirkungen der Herstellung auf die Artenvielfalt nennen.

Quelle: n-tv.de / dpa>

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10.8.2012: <Großes Artensterben in Nordamerika: Süßwasserfische enorm bedroht> - wegen der Vernichtung von Süsswasser-Lebensraum - 3,2% ausgestorbene Fischarten in 20 Jahren

aus: n-tv online; 10.8.2012;
http://www.n-tv.de/wissen/Suesswasserfische-enorm-bedroht-article6935926.html

<Eine zunehmende Belastung und Knappheit von Süßwassergebieten gefährdet die Existenz ihrer Bewohner. Besonders bedrohlich ist die Situation für Süßwasserfische in Nordamerika. Weltweit sterben hier die meisten Arten aus.

Nirgendwo sonst sterben Süßwasserfische schneller aus als in Nordamerika. Dort verschwanden zwischen 1898 und 2006 insgesamt 39 Arten und 18 Unterarten. Das berichtet Noel Burkhead vom US Geological Survey in Journal "BioScience".

Ende 2010 waren in Nordamerika 1213 Arten bekannt, damit sind 3,2 Prozent der Süßwasserfische des untersuchten Gebietes verschwunden. Nach 1950 verlief das Artensterben besonders schnell. Hauptursache ist der Verlust von Lebensräumen. Burkhead hat zudem berechnet, das bis zum Jahr 2050 zwischen 53 und 86 Fischarten ausgestorben sein könnten.

[Zerstörung von Süsswasser-Lebensräumen]

Zuerst verschwand der begehrte Atlantische Lachs (Salmo salar) aus dem Ontario-See, schreibt Burkhead. Zuletzt traf es die Art Chirostoma bartoni, die nur in einem sehr kleinen Gebiet vorkam. Als ein wassergefüllter Vulkankrater austrocknete, war es um die Art geschehen, berichtet der Wissenschaftler. Er hatte zahlreiche Berichte ausgewertet und mindestens eine Art berücksichtigt, die inzwischen wiederentdeckt wurde. Weitere Informationen stammten von der Roten Liste der bedrohten Arten der Weltnaturschutzunion.

Ernst zu nehmendes Forschungsergebnis - [Nord-"Amerika" ist der tierfeindlichste Kontinent der Welt]

3,2 Prozent Verlust bei den kontinentalen Fischarten seien keinesfalls "trivial", warnt Burkhead. Diese Zahl künde davon, dass der Umgang des Menschen mit den Lebensräumen schädlich sei. In allen 20-Jahres-Zeiträumen seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts (1901-1920, 1921-1940 etc.) sei die Zahl der ausgestorbenen Arten in Nordamerika größer gewesen als auf den anderen Kontinenten zusammen.

[Ausgetrocknete Flüsse wegen Übernutzung]

Der WWF berichtete im März darüber, dass die weltweite Wasserknappheit dramatischer ist als bislang gedacht. In zahlreichen Regionen werde so viel Wasser für die Landwirtschaft, die Industrie und die Trinkwasserversorgung konsumiert, dass nicht mehr genug nachfließen könne. Ausgetrocknete Flussbetten fänden sich auch bei großen Strömen wie dem Rio Grande in Südamerika, dem Indus in Südasien und dem riesigen Murray Darling in Australien. Dadurch seien auch Süßwasserfische, Delfine und andere Arten gefährdet.

Gefährdete Arten auch in Deutschland

Bedrohter Ostsee-Stör (Acipenser oxyrinchus): In Europa ist mehr als jede dritte bekannte Art von Süßwasserfischen vom Aussterben bedroht.

In Deutschland sind ebenfalls viele Arten gefährdet, etwa der Maifisch (Alosa alosa). Laut der Roten Liste gehen alle befragten Experten davon aus, dass es aktuell keine sich selbst tragende Population des Maifisches in Deutschland gibt. Aktuell laufen Versuche für eine Wiederansiedlung im Rhein. Die einst häufigen Störe sind verschwunden, der Aal (Anguilla anguilla) ist bedroht. Die Karausche (Carassius carassius) geht vielerorts zurück, weil pflanzenreiche Kleingewässer verschwinden. Die nur im Bodensee vorkommenden Sandfelchen (Coregonus arenicolus) haben sich etwas erholt. Sie litten unter der Überdüngung des Wassers.

Quelle: n-tv.de, dpa>

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17.10.2012: <Dramatisches Artensterben: Klimawandel lässt Nahrungskette zusammenbrechen> - Larven und Tiere finden zum Teil ihre Nahrung nicht mehr

aus: Spiegel online; 17.10.2012;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/artensterben-nahrungsmangel-und-nicht-klimaerwaermung-setzt-tieren-zu-a-861771.html

<Tausende von Tierarten werden infolge des Klimawandels in den nächsten hundert Jahren aussterben, warnen Forscher. Doch die steigenden Temperaturen sind nicht das Hauptproblem - vielmehr gerät das Zusammenspiel zwischen verschiedenen Arten zunehmend aus dem Gleichgewicht.

London - Die Zahl der bedrohten Tier- und Pflanzenarten nimmt immer weiter zu, um fast jede dritte Art steht es schlecht. Dabei scheint nicht die Erwärmung an sich für viele Arten problematisch zu sein, sondern die sich ändernde Beziehung der Arten untereinander, berichten US-Forscher in den "Proceedings B" der britischen Royal Society. Vor allem der Nahrungsmangel infolge veränderter Umweltbedingungen führe zum Rückgang oder zum Aussterben lokaler Populationen.

Für ihre Untersuchung hatten Abigail Cahill und ihre Mitarbeiter von der Stony Brook University in einer Literaturrecherche Studien analysiert, die einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem Aussterben oder dem Rückgang von Tier- und Pflanzenarten in einem bestimmten Gebiet nachgewiesen hatten. Von den 136 gefundenen Untersuchungen wurde jedoch nur in sieben Studien der Grund für das Aussterben einer Tier- oder Pflanzenart angegeben. Bei keiner davon waren steigende Temperaturen die Ursache.

Nahrungsmangel durch klimatische Veränderungen

Stattdessen kamen die Wissenschaftler in vier der Studien zum Ergebnis, dass Nahrungsmangel durch klimatische Veränderungen den Tieren zusetzt. So zeigte etwa eine der Untersuchungen, dass nordamerikanische Dickhornschafe aus einigen ihrer Verbreitungsgebiete verschwanden, weil sie aufgrund nachlassender Niederschläge weniger Gräser und Kräuter zum Fressen fanden. Ebenfalls in Kalifornien führten starke Schwankungen der Niederschlagsmenge zum Aussterben zweier Populationen von Scheckenfaltern. Die zeitliche Überschneidung zwischen dem Auftreten der Larven und ihren Wirtspflanze hatte sich verändert.

Ganz ähnliche Bedrohungen durch den Klimawandel fanden die Forscher in weiteren sieben Studien, die nicht das Aussterben, sondern einen drastischen Rückgang lokaler Populationen infolge des Klimawandels festgestellt hatten. Sich ändernde Beziehungen zwischen Arten seien die am häufigsten demonstrierten Ursachen für das klimabedingte Aussterben oder den Rückgang von lokalen Populationen, fassen es Cahill und ihre Kollegen zusammen. Nach den Ursachen für das globale Aussterben einzelner Arten hatten die Forscher nicht gesucht.

Das Team ruft laut der Studie dazu auf, seine Ergebnisse mit weiteren Studien zu erhärten. Es sei schwer vorstellbar, wirksame Artenschutz-Strategien zu entwickeln, solange man die Gründe für die Bedrohung von Arten nicht genau kenne, schreiben die Wissenschaftler. Ihre Untersuchung deute die verstörende Möglichkeit an, dass viele Arten aufgrund der festgestellten Ursachen aussterben könnten, lange bevor sie ein physiologisches Problem mit der reinen Temperaturerhöhung bekommen.

irb/dpa>

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2.11.2012: Schildkröten immer mehr vom Aussterben bedroht

aus: n-tv online: Verkauft, vergiftet, verspeist Schildkröten sterben langsam aus; 2.11.2012;
http://www.n-tv.de/wissen/Schildkroeten-sterben-langsam-aus-article7636046.html

<Es gibt sie seit etwa 220 Millionen Jahren. Doch jetzt könnte die Zeit der Schildkröten zu Ende gehen. Tierhändler und "Medizinmänner" dezimieren sie ebenso wie Gift oder zerstörte Lebensräume. Experten warnen – mit einer Liste der 25 bedrohtesten Schildkröten.

Auch das noch. Ausgerechnet eingeschleppte Schildkröten könnten der extrem seltenen Riesenweichschildkröte den Garaus machen. Dabei gibt es von Rafetus swinhoei nur noch wenige Exemplare. Eines lebt im sagenumwobenen Hoan-Kiem-See im vietnamesischen Hanoi. Sie hat keinen schweren Hornpanzer, sondern eine weiche, fleischige Hülle. Die Tiere können etwa einen Meter groß werden und bieten mit ihren scharfen Kiefern einen urtümlichen Anblick.

Die Rote Liste der bedrohten Arten führt die Riesenweichschildkröte unter dem Status "kritisch bedroht". Die Tiere waren in Südchina und Vietnam einst weit verbreitet. Sie können mehr als 100 Jahre alt werden. In Hanoi geht die Sage, das Exemplar in dem See sei bis zu 300 Jahre alt und 300 Kilogramm schwer.

"Ernst und Risiko ohne Beispiel"

Der vielleicht bereits unaufhaltsame Niedergang dieser Reptilien ist typisch für viele andere Panzerträger. Ihre Eier gelten als Delikatesse, erwachsene Tiere enden im Suppentopf, Kinder spielen mit jungen Exemplaren, Körperteile dienen als Medizin, Shrimps-Farmen versalzen ihren Lebensraum, Motorsägen und Pflüge machen Äcker aus ihrer Umwelt.

"Ernst und Risiko ohne Beispiel"

In der Folge sind etwa 50 Prozent der rund 350 bekannten Schildkrötenarten (die sieben Arten der Meeresschildkröten sind hierbei nicht berücksichtigt) in unterschiedlichen Graden vom Aussterben bedroht. Das berichtet die weltweit größte Expertengruppe für die Tiere. Diese "Tortoise and Freshwater Turtle Specialist Group" (TFSG) stellt alle vier Jahre einen Report über die am stärksten gefährdeten Schildkröten zusammen, darunter auch eine traurige "Top 25"-Liste der besonders bedrohten Tiere. Nach dem jüngsten Bericht von 2011 leben davon 17 in Asien. Seit dem Jahr 1500 sind demnach acht Arten ausgestorben. Die TFSG wurde von der Weltnaturschutzunion IUCN ins Leben gerufen, mit der sie zusammenarbeitet.

Der wehrhafte Panzer der Tiere hat sich im Lauf der Evolution nicht – oder kaum – verändert. Damit überstanden die Reptilien Millionen Jahre natürlicher Selektion, schreibt das Team um Anders Rhodin, dem Chef der Gruppe. "Wir stehen einer Krise der Schildkröten gegenüber, deren Ernst und Risiko ohne Beispiel ist", betont Rhodin. "Menschen sind das Problem und müssen daher auch die Lösung sein. Ohne entschiedene internationale Zusammenarbeit werden viele Schildkröten in den nächsten paar Jahr-zehnten aussterben." Das ist ein für Menschen durchaus langer, für Arten aber extrem kurzer Zeitraum, kaum mehr als ein Wimpernschlag.

Stärker gefährdet als andere Tiergruppen

Die Bedrohungslage der Schildkröten ist ernster als jene vieler anderer Tiergruppen. Bei Vögeln sind dem Bericht zufolge etwa 13 Prozent vom Aussterben bedroht. Bei Säugern sind es etwa 25. Bei Haien und Rochen sind es zwischen 17 und 31 Prozent, und die Amphibien kommen auf rund 41 Prozent. Nur der Gefährdungsgrad der Primaten (48 Prozent der Arten) kommt jenem der Schildkröten nahe.

Besonders gefährdet sind die Scharnierschildkröten (Gattung Cuora) Asiens. Diese am Kopf oft bunt gezeichneten Tiere können ihren Brustpanzer bei Gefahr hochklappen und sich damit vor vielen Feinden hervorragend schützen. Auch die asiatische Batagur-Schildkröte (Batagur baska) ist extrem bedroht, heißt es in dem Bericht. China, Vietnam, Indonesien, Kambodscha, Thailand - in diesen Regionen liegt das größte Schildkröten-Schlachtfeld, ergänzen die Reptilien-Experten.

Zurück zur Riesenweichschildkröte im See von Hanoi. Weil viele Menschen das Glück beschwören wollen, setzen sie zum Neujahrsfest Rotwangen-Schmuckschildkröten (Trachemys scripta elegans) in dem Gewässer aus. Diese robusten Tiere stammen aus dem Süden der USA und werden etwa 30 Zentimeter groß. "Leider sind diese Schildkröten anpassungsfähig und in Vietnam auf Kosten einheimischer Arten gut gediehen", erklärte Pham Dinh Quyen von der Umweltorganisation Vietnam Association For Conser-vation of Nature and Environment (VACNE).

Kampf um Nahrung

Die Eindringlinge wurden auch schon in anderen Gewässern Hanois gesichtet. Die US-Schildkröten bedrohen die Riesenweichschildkröte nicht direkt, konkurrieren aber mit ihr um die Nahrung. Als beliebte Haustiere sind die zunächst winzigen Rotwangen weltweit in Terrarien verbreitet. Viele Besitzer "entsorgen" ihnen zu groß gewordene Exemplare in der freien Natur. Daher leben etwa auch im Ruhrgebiet etliche der US-Importe.

Das kalte Deutschland ist die natürliche Heimat der Europäischen Sumpfschildkröte (Emys orbicularis), die bis auf wenige kleine Populationen ausgestorben ist. Sie bewohnen krautreiche Teiche und Seen mit schlammigem Untergrund und jagen am Gewässergrund nach Kleintieren wie kleine Fische und Frösche.

Auch dieses Tier habe eine traurige Geschichte, schreibt der BUND: "Noch im 19. Jahrhundert konnte man sie recht häufig antreffen. Als Fastenspeise sehr beliebt, wurde ihr Bestand jedoch in kurzer Zeit fast vollständig vernichtet. Auch ihr Lebensraum ist zusehends bedroht: Die Trockenlegung von Sümpfen und Feuchtgebieten, Gewässerkorrekturen, die Zersiedelung der Landschaft und die Zerstörung der Eiablageplätze ließen die Bestände schrumpfen." Die Weibchen fielen auf ihren Wanderungen zu den Eiablegeplätzen vielfach dem Straßenverkehr zum Opfer. "Auch in den Reusen von Fischern verfangen sich die Tiere gelegentlich und ertrinken."

100.000 Tiere an einem Tag getötet

Die Turtle Survival Alliance ist eine weitere Schutzorganisation. Wie die Top-25-Liste benennt auch sie das nicht nachhaltige Sammeln der Tiere als eine der Hauptursachen für das Schwinden der Bestände. Allein auf einem Markt der Stadt Dhaka in Bangladesch würden an einem besonderen Feiertag jedes Jahr nahezu 100.000 wild gefangene Tiere geschlachtet. "Weiteres Problem ist der lukrative Schwarzmarkt für den Handel mit Haustieren. Besonders seltene Exemplare würden für mehrere zehntausend Dollar gehandelt.

Einsam auf Platz eins und damit trauriger Spitzenreiter der Top-25-Liste war lange Zeit "Lonesome George" ("Einsamer Georg"). Er galt seit 1972 als letzter Vertreter der Galapagos-Riesenschildkröten-Unterart Geochelone nigra abingdoni, bis er in diesem Juni im Alter von über 100 Jahren an Herzversagen starb. Seine Artgenossen waren zumeist von hungrigen Menschen sowie eingeschleppten Tierarten getötet worden.

Der Bericht erwähnt auch die extrem seltene Batagur-Schildkröte, von der es allenfalls noch ein paar hundert gibt. Das fotografierte Exemplar wurde auf einem Markt entdeckt, gerettet und in ein Zuchtprogramm gegeben. Märkte sind für die Forscher überhaupt schrecklich interessant. 1990 fand sich auf einem Markt in China eine neue Art von Scharnierschildkröte, Cuora zhoui. In der Wildnis haben Forscher das Tier noch nicht gesehen – es kann daher angenommen werden, dass es kaum noch welche gibt. Wenn es keine intensive Suche gebe, wisse der Mensch noch nicht einmal, wie ihr Lebensraum aussehe – um sie eventuell nachzuzüchten.

Quelle: n-tv.de, dpa>

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7.5.2013: Der Pilz, der die Amphibien dahinrafft, existiert schon seit Jahrtausenden - und der globale Handel verbreitete den Pilz überallhin

aus: Spiegel online: Pilzkrankheit: Frosch-Killer entpuppt sich als evolutionäres Schwergewicht; 7.5.2013;
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/amphibien-killer-batrachochytrium-dendrobatidis-ist-aelter-als-gedacht-a-898387.html

<AFP/ Imperial College London/ Matthew Fischer

Eine Pilzkrankheit rafft seit Jahren Amphibien weltweit dahin, die erstaunlich hohe Zahl von 300 Spezies ist betroffen. Doch der Erreger ist gar nicht so jung wie lange vermutet. Gen-Analysen zeigen, dass der Pilz schon seit Jahrtausenden existiert.

Wenn der Pilz die Haut seines Opfers befällt, hat es oft keine Chance mehr. Die Haut verhärtet sich, der überlebenswichtige Austausch mit dem umgebenden Wasser bleibt aus - der Frosch verendet. Seit Jahren wütet der Erreger Batrachochytrium dendrobatidis (Bd) unter Amphibien. Auf allen Kontinenten, auf denen die Tiere leben, findet sich auch der Auslöser der sogenannten Chytridiomykose. Laut der Weltnaturschutzorganisation IUCN ist es "die schlimmste Infektionskrankheit, die je unter Wirbeltieren beobachtet wurde, mit Blick auf die Zahl der betroffenen Arten und die Tendenz, dass diesen sogar das Aussterben droht". Knapp 300 Spezies sind von der Krankheit betroffen

Zwar sind manche Spezies immun gegen den Pilz, doch viele haben ihm kaum etwas entgegenzusetzen - insbesondere die in Amerika und Australien heimischen Arten. Seit der Erreger 1999 wissenschaftlich beschrieben wurde, gibt es zwei Theorien zu seiner Entwicklung:

  • Es handelt sich um einen jungen, neuartigen Krankheitserreger.
  • Veränderte Umweltbedingungen haben dazu geführt, dass aus einer vorher ungefährlichen Beziehung von Pilz und Amphibien eine Krankheit wurde.

Wie ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichtet, sprachen frühe Studien für die erste Theorie. Die Untersuchung von Erica Bree Rosenblum von der University of California in Berkeley und ihren Kollegen weist jetzt aber in eine andere Richtung. Gen-Analysen deuten darauf hin, dass sich der Pilz bereits vor 10.000 bis 40.000 Jahren entwickelt hat. Allerdings kommen die Forscher zum Schluss, dass ihre Daten zu keiner der beiden Theorien richtig gut passen. Die Wahrheit müsste irgendwo dazwischen liegen.

Die Forscher untersuchten das Erbgut von 29 Pilzproben, die weltweit eingesammelt worden waren. Zusätzlich analysierten sie einen verwandten Chytridpilz, der keine Krankheit bei Fröschen und Kröten auslöst. So konnten sie ein Verwandtschaftsmuster erstellen und abschätzen, wie alt der Erreger ist. "Bd-Stämme sind älter, unterscheiden sich stärker und haben eine uneinheitlichere Genom-Architektur, als bislang bekannt", schreiben die Wissenschaftler.

Das wirft die Frage auf, warum das vom Pilz verursachte Amphibiensterben erst seit wenigen Jahrzehnten beobachtet wird.

Frösche wurden für Schwangerschaftstest genutzt

Beantworten lässt sich das nur für die Regionen, in die der Erreger erst kürzlich eingeschleppt wurde, wozu wohl Mittelamerika und Australien zählen. Dort traf der Pilz auf Populationen, die noch nie mit einem derartigen Erreger zu tun gehabt hatten und dementsprechend ungeschützt waren.

Weltweit verbreiten konnte sich der Erreger höchstwahrscheinlich durch internationalen Handel. Eine wichtige Rolle spielte dabei wohl ein Test, der bis in die sechziger Jahre hinein genutzt wurde: Um herauszufinden, ob eine Frau schwanger war, spritze man einem Krallenfroschweibchen etwas Urin der Patientin. Der enthält bei Schwangeren ein bestimmtes Hormon, durch das die Frösche weniger Eier legen. Die aus Afrika stammenden Amphibien wurden für diese Tests weltweit gehandelt und gezüchtet. Zusätzlich kommen sie international als Modelltiere in Labors zum Einsatz. Da diese Art mit der Pilzinfektion gut klarkommt, kommt sie als Überträger in Frage. Denn wenn Tiere weltweit verkauft werden, gelangen auch Exemplare in die freie Wildbahn, wo die Amphibien dann heimische Arten anstecken konnten. In Chile etwa tragen viele wild lebende Krallenfrösche den Erreger.

Die Ausbreitung des Pilzes jetzt noch zu stoppen, ist kaum möglich. Und wenn er erst einmal wild lebende Tiere befallen hat, lässt sich kaum etwas tun. In Zoos und Laboren ist es möglich, die kranken Amphibien mit Anti-Pilz-Medikamenten zu behandeln - in freier Wildbahn aber nicht. Die Krankheit verdeutlicht die Gefahr, die mit dem Einschleppen fremder Arten einhergeht - und welche Vorsicht beim internationalen Handel mit Tieren und Pflanzen vonnöten ist.

Die größte Bedrohung für Amphibien ist der Pilz trotz seiner schrecklichen Wirkung nicht. Am stärksten gefährdet sie der fortschreitende Verlust ihrer Lebensräume. Nach jüngsten Angaben der IUCN gelten 41 Prozent der Amphibien-Arten als bedroht.

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Tagesanzeiger online, Logo

Australien 7.5.2013: Virus bedroht Koala-Bär - Koala-HIV dezimiert 80% der Koala-Population

aus: Tagesanzeiger online: Das Genie; 7.5.2013;
http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Das-Genie-/story/27961122

Fototexte:
1. Isst Eukalyptus und schläft bis zu 20 Stunden pro Tag: Der Koala.
2.
Koalas verlassen nur ungern ihre Bäume, an die sie sich hervorragend angepasst haben.
3.
Der Koala, ein Symbol Australiens, ist derzeit von einer schlimmen Seuche bedroht.
4.
Ein Retrovirus bedroht die Population.

<Linus Schöpfer

Ein verheerendes Virus bedroht den Koala. Hoffentlich überlebt der Bär – denn er lehrt uns, wie mächtig eine kleine Abweichung von der Masse sein kann.

Viele sind Hamster, und nur sehr wenige sind Koalas. Die allermeisten strampeln sich ab im Rad, doch ein paar haben sich dank einer genialen Idee in die Baumkronen verabschiedet – Levi Strauss beispielsweise entdeckte die Jeans, George Soros überlistete mit seiner Pfund-Wette die Märkte, J. K. Rowling erfand Harry Potter.

Sie haben mit dem Koala gemeinsam, dass sie eine Nische besetzten und ihre Exzentrik in einen Wettbewerbsvorteil umzuwandeln vermochten, der den Fleiss ihrer Artgenossen weit überragt. Die Koala-Evolution entwickelte die eine brillante Eigenart, von der der heutige Koala bis heute komfortabel lebt. Während unten der Dingo dem Hasen nachstresst, hockt er auf einem Baum und kaut Eukalyptus, den niemand verträgt ausser ihm. Das ist sein einziger, aber entscheidender Vorteil: Er kann als Einziger den in Massen vorhandenen, aber für alle anderen giftigen Eukalyptus vertilgen. Und weil er das kann, kann er auch fett, plump und träge sein. Er schläft bis zu 20 Stunden, die restliche Zeit nutzt er zur Nahrungsaufnahme und zur Kopulation. Manchmal steigt er vom Baum herunter.

Wie bittere Ironie erscheint es, dass dem Beutelbären nun genau von dorther sein Verderben droht – als ob die Evolution als gestrenger Lehrer einem faulen, aber brillanten Schüler eine Lektion in Demut erteilen wollte. Das Koala-Retrovirus, 2000 erstmals entdeckt und dem HIV vergleichbar, grassiert; es stammt möglicherweise von einer Maus oder einem Hund. In Kombination mit Chlamydien dezimiert das Virus die Population massiv. Im Südwesten Australiens, so berichtete jüngst der «Guardian», sind bereits 80 Prozent der ursprünglichen Population dahingerafft worden. Ein Aussterben ist möglich geworden.

Es wäre eine Tragödie. Denn die Existenz des Koalabären ist eine Allegorie. Sie besagt, dass die doch sehr weitverbreitete Vorstellung vom Leben als ein «härter, schneller und weiter»-Wettbewerb zu dumpf ist, und dass wir uns von ihr nicht einzuschüchtern brauchen. Eltern sollten ihren Kindern also keine Hamsterräder kaufen – sondern ihnen die Geschichte vom faulen Koala erzählen.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)>

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Kopp-Verlag online, Logo

11.10.2014: <Wissenschaftler warnen: Anzeichen für eine sechste Massenauslöschung> - zerstörerische Kombination von Umweltbedingungen

aus: Kopp-Verlag online;
http://info.kopp-verlag.de/neue-weltbilder/neue-wissenschaften/david-gutierrez/wissenschaftler-warnen-anzeichen-fuer-eine-sechste-massenausloeschung.html

<David Gutierrez

Wir befinden uns derzeit inmitten der sechsten Massenauslöschung in der Geschichte des Lebens auf der Erde, warnt ein internationales Forschungsteam in einer neuen wissenschaftlichen Abhandlung, die in der Fachzeitschrift Science veröffentlicht wurde.

Durchgeführt wurde die Studie von Forschern der Stanford University, der University of California-Santa Barbara, der Sao Paulo State University in Brasilien, der Nationalen Autonomen Universität Mexiko, dem Zentrum des Nationalen Umweltforschungsrats für Ökologie und Hydrologie in England und dem Londoner University College.

Im Verlauf der 3,5 Milliarden Jahre währenden Geschichte des Lebens hat die Erde mehrere Massenauslöschungs-Ereignisse erlebt, die jeweils von einem dramatischen Rückgang der Artenvielfalt gekennzeichnet waren. Anders als frühere Massenauslöschungen, die durch Faktoren wie natürlichen Klimawandel oder Asteroid-Einschläge verursacht wurden, wird die gegenwärtige Massenauslöschung ausschließlich durch das Wirken einer einzigen Gattung, des Menschen, ausgelöst.

In der neuen Abhandlung konzentrieren sich die Forscher auf die stark zurückgegangene Artenvielfalt in der Tierwelt als Teil der Massenauslöschung. Diese dramatische Einbuße an tierischem Leben bezeichnen sie als »antropozäne Defaunierung«. Gemeint ist die Zerstörung tierischen Lebens im Zusammenhang mit der Ära der menschlichen Dominanz über den Planeten.

Eine Kaskade der Ereignisse

Bei der Evaluierung der Untersuchung kamen die Forscher zu der Erkenntnis, dass seit dem Jahr 1500 mehr als 320 Arten irdischer Wirbeltiere ausgestorben sind; die Population der verbleibenden Arten ging im Durchschnitt um 25 Prozent zurück. Unter den Wirbeltieren insgesamt gelten 16 bis 33 Arten als bedroht oder gefährdet.

Die Rate des Rückgangs ist höher unter größeren Tieren (Megafauna), die tendenziell langsamer wachsen und sich langsamer vermehren als kleinere Tiere, und die größere Habitats brauchen, um zu überleben.

Wie die Forscher warnen, könnte der Verlust großer Wirbeltiere eine Kaskade ökologischer Auswirkungen zur Folge haben. Beispielsweise ergaben Studien, dass sich in bestimmten Gebieten in Kenia, wo große Tiere wie Zebras, Giraffen und Elefanten sehr schnell ausgerottet werden, ebenso schnell Nagetiere ausbreiten und das Terrain übernehmen. Das führt unmittelbar zu einem Anstieg bestimmter Krankheiten beim Menschen.

»In Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte bekommt man hohe Defaunierungs-Raten, vermehrtes Auftreten von Nagetieren und dadurch sehr viele Krankheitserreger, sodass das Risiko der Übertragung von Krankheiten steigt«, sagte Erstautor Rodolfo Dirzo. »Wer hätte gedacht, dass die Defaunierung solch dramatische Folgen haben würde? Es kann ein Teufelskreis sein.«

»Offensichtliche Folgen«

Die Massenauslöschung ist nicht auf Wirbeltiere beschränkt. Wie die Forscher fanden, sind die Populationen der meisten Arten wirbelloser Tiere in den vergangenen 35 Jahren (in denen sich die menschliche Bevölkerung verdoppelt hat) um 45 Prozent zurückgegangen.

Wirbellose Tiere sind Tiere ohne Wirbelsäule; zu der riesigen Kategorie zählen Insekten von Spinnen bis zu Würmern sowie vielfältige Meereslebewesen.

Wie beim Verlust der Megafauna kann auch der Verlust wirbelloser Tiere ein Ökosystem erheblich stören und damit ernste Folgen für die menschliche Gesundheit zeigen. Ein Beispiel: 75 Prozent der Nahrungspflanzen unserer Welt werden von Insekten bestäubt. Darüber hinaus erfüllen wirbellose Tiere auch wichtige Funktionen im Ökosystem, beispielsweise bei der Zersetzung und im Nährstoffkreislauf.

»Wir denken bei Ausrottung an das Verschwinden einer Art von der Erde, und das ist ja auch wichtig, aber sie bedeutet auch den Verlust einer entscheidenden Funktion im Ökosystem, in dem Tiere eine zentrale Rolle spielen, die wir ebenfalls beachten müssen«, sagte Dirzo. »Paradoxerweise haben wir lange geglaubt, die Defaunierung sei ein verborgenes Phänomen, aber ich glaube, am Ende werden wir eine Lage vorfinden, die nicht verborgen ist; da die Folgen für den Planeten und das menschliche Wohlbefinden zunehmend sichtbar werden.«

Abschließend erklärten die Forscher, die Auslöschung von Wirbeltieren und wirbellosen Tieren sei hauptsächlich durch eine Zerstörung des natürlichen Habitats und Klimaveränderungen verursacht.

Quellen für diesen Beitrag waren u.a.:

Futurity.org

NatureWorldNews.com

Stanford.edu>

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Kölner Express online, Logo

Kenia 21.10.2014: Der letzte potente nördliche Breitmaulnashorn-Bulle ist gestorben

aus: Kölner Express online: Letzter Bulle tot Das nördliche Breitmaulnashorn ist ausgestorben; 21.10.2014;
http://www.express.de/panorama/letzter-bulle-tot-das-noerdliche-breitmaulnashorn-ist-ausgestorben,2192,28794502.html 

<Nairobi -- Es ist eine traurige Geschichte... Der letzte nördliche Breitmaulnashorn-Bulle, der noch hätte für Nachwuchs sorgen können, ist gestorben. Suni wurde tot in einem kenianischen Reservat aufgefunden. Sein Tod bedeutet nun das Ende für seine Art. Weltweit existieren nun nur noch fünf nördliche Breitmaulnashörner.

Doch die restlichen Tiere sind keine Hoffnung für die "Kolosse der Feuchtsavanne", denn die übrigen Tiere sind entweder zu alt zur Fortpflanzung oder weiblich. Für die Gattung des nördlichen Breitmaulnashorns hat nun ein "Aussterben zum Zuschauen" begonnen. Die Tiere werden nacheinander sterben, ohne Nachwuchs zu hinterlassen. So wird das nördliche Breitmaulnashorn bald ganz von der Erde verschwunden sein.

(ls)>


Kommentar: Wieso hat man kein Sperma und Eizellen eingefroren, um die Tierart zu retten und in geschützten Gegenden wieder neu zu züchten???

Michael Palomino, 27.1.2015


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Fotoquellen
[1] Laubfrosch:  Kantonsschule Romanshorn: http://www.ks8590.ch/phbe/amphibienexkursion.html

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