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Die Mafia-Organisationen (Teil 5)

präsentiert von Michael Palomino (2013)

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Literaturempfehlung:
-- Stephanie Oesch: «Die organiserte Kriminalität – eine Bedrohung für den Finanzplatz Schweiz?» - vdf Verlag

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27.8.2014: Schweiz ist weltweites Mafia-Zentrum: <Mafia-Tummelfeld Schweiz: Nicht nur die Italiener sind da> - das war doch schon fast immer so...

aus: Schweizer Fernsehen online; 27.8.2014;
http://www.srf.ch/news/schweiz/mafia-tummelfeld-schweiz-nicht-nur-die-italiener-sind-da

<Christian von Burg

Finanzzentren wie Lugano ziehen die Mafia an. Auch kleine Orte sind beliebt, wie der Fall Frauenfeld zeigt.

Die Berichte über einen italienischen Mafia-Clan in der Region Frauenfeld hat viele Schweizer aufgeschreckt. Experten sind dagegen wenig erstaunt und warnen auch vor anderen kriminellen Organisationen aus Russland, Albanien und Afrika. Alle suchen sie in der in der Schweiz nach Partnern.

Dass die italienische 'Ndrangheta nicht nur in Finanzzentren wie Lugano, Zürich oder Genf tätig ist, überrascht Paolo Bernasconi nicht. Der ehemalige Tessiner Staatsanwalt ist ein Kenner der Mafia. «Pass auf, nach den Mafiageldern werden auch die Mafia-Delinquenten in die Schweiz kommen!», erinnert sich Bernasconi an die Worte des inzwischen ermordeten italienischen Mafiajägers und Staatsanwalts Giovanni Falcone.

Im Fall von Frauenfeld sind sie schon seit 40 Jahren da. Damit rühmen sich die Mafiosi im Video, das Schweizer Ermittler gedreht haben. Sie organisieren den Drogenhandel, sie erpressen.

Aber obwohl jetzt bestätigt ist, dass die 'Ndrangheta in Frauenfeld eine Zelle hat und auch regelmässig Waffen nach Italien geliefert wurden, dürfe man nicht glauben, die italienische Mafia sei die gefährlichste in der Schweiz, sagt Bernasconi.

Enge Verbindungen der organisierten Kriminalität

Das sagen auch andere Experten wie Stephanie Oesch, die sich seit mehreren Jahren mit der Mafia in der Schweiz auseinandersetzt. Die organisierte Kriminalität aus Westafrika, aus dem Balkan und der ehemaligen Sowjetunion werde in der Schweiz unterschätzt.

Diese Kulturen seien der Schweiz noch weniger vertraut, und vor allem funktioniere die Zusammenarbeit mit den dortigen Strafverfolgungsbehörden nur schlecht oder gar nicht. Laut Oesch sind insbesondere die zahlreichen Mafia-Gruppen aus der ehemaligen Sowjetunion sehr einflussreich: «Sie unterhalten Kontakte zur Camorra und zur 'Ndrangheta. Sie sind in ihren Heimatländern mit der politischen Elite stark vernetzt und geniessen mitunter Schutz vor Strafverfolgung.»

Nicht nur die «böse Mafia» beteiligt

Auch der deutsche Mafia-Experte und Publizist Jürgen Roth stützt diesen Befund. Keine andere Gruppe der organisierten Kriminalität sei so stark mit der Schweizer Finanzstruktur und Gesellschaft verbunden wie die russische.

Aber egal ob Russen, Albaner oder Italiener – ohne Schweizer Beteiligung funktioniere die organisierte Kriminalität in der Schweiz nicht, sagt Roth und warnt vor einer vorschnellen Aufteilung in böse Mafia und brave Schweizer Staatsbürger: «Die Mafia bezieht ihre Macht durch Partnerschaft mit ganz legalen Geschäftsunternehmen.»

Bernasconi: «Selbstmörderische Naivität»

Einig sind sich alle drei Experten: Die Schweiz sei für die Mafia attraktiv, weil die Gesetze zu wenig griffig seien. So sei es in der Schweiz nur sehr schwer möglich, jemandem die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung nachzuweisen. Personen, denen das Telefon abgehört wird, müssen im Nachhinein darüber informiert werden.

Vormarsch der Mafia in der Schweiz

3:36 min, aus Echo der Zeit vom 27.08.2014

Damit aber würden alle Beteiligten gewarnt, kritisiert der ehemalige Staatsanwalt Bernasconi und ergänzt: «Es ist eine selbstmörderische Naivität, kein besonderes Kapitel bei den Strafverfahren gegen kriminelle Organisationen vorzusehen.»

Auch die Geschäftsprüfungskommission des Ständerates hat das Problem erkannt, wie die «Neue Zürcher Zeitung» heute schreibt. Die Parlamentarier wollen den entsprechenden Strafartikel nun revidieren.

(brut; fref)>

Kommentar

Im Vergleich zur "USA"-Mafia, die ganze Staaten zerstört und Massenmorde begeht, ist die italienische Mafia noch ein "kleiner Fisch".

Michael Palomino, 11.12.2014

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Mafia-Schweiz 5.9.2014: <Die 'Ndrangheta ist in der Schweiz potent, aber gut kaschiert> - Geldwäsche von 30 Milliarden Franken pro Jahr in der Schweiz

aus: Schweizer Fernsehen online; 5.9.2014;
http://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/die-ndrangheta-ist-in-der-schweiz-potent-aber-gut-kaschiert

Literaturempfehlung:

<Stephanie Oesch ist Politologin und Autorin des Buchs «Die organiserte Kriminalität – eine Bedrohung für den Finanzplatz Schweiz?» Es ist 2010 im vdf Verlag erschienen. Eine 2. Auflage erfolgt im Herbst.>

Der Artikel:

<Taxiunternehmer Antonio N. aus Frauenfeld wurde neulich in Kalabrien verhaftet. Dieser Fall zeigt, dass die Mafia in der Schweiz sehr potent und gut versteckt agiert. Die Unauffälligkeit habe System, sagt Stephanie Oesch, die sich mit der organisierten Kriminalität in der Schweiz befasst.

SRF Kultur: In der Schweiz reibt man sich die Augen: Ein pensionierter Taxiunternehmer, der seit Jahrzehnten in Frauenfeld lebt, entpuppt sich als Vertreter der kalabrischen Mafia. Hat Sie das überrascht?

Stephanie Oesch: Nein, es hat mich nicht überrascht. Es hat mich fast ein bisschen gefreut, dass die Realität die Forschung, die ich seit Jahren auf diesem Gebiet betreibe, eingeholt hat, und wir jetzt sehen können, was in der Schweiz passiert.

Sie haben bereits vor vier Jahren in Ihrer Dissertation über die Organisierte Kriminalität in der Schweiz festgestellt, dass die Mafia in der Schweiz zunehmend Fuss fasst und dies den Schweizer Behörden ohnehin schon lange bekannt ist. Die Öffentlichkeit dagegen weiss wenig. Warum?

Mafiosi agieren nicht so, wie wir das in Hollywoodfilmen sehen, als Männer in Nadelstreifenanzügen und einem konspirativen Blick, mit Koffern voller Geld und einer Pistole am Gurt. Sie fallen weder durch teure Kleider noch durch protzige Uhren auf, sie bewegen sich unauffällig. Ein Taxiunternehmer, der ein Einfamilienhaus im Thurgau hat, gelegentlich ein Clublokal fürs Bocciaspiel besucht und nett zu den Nachbarn ist, fällt nicht auf.

Die Mafia ist seit Jahrzehnten im Fokus der Ermittler. Wie ist es zu erklären, dass darüber so wenig bekannt ist?

Die Ermittlungen sind sehr delikat und schwierig. Es braucht akribische und langwierige Nachforschungen. Die Behörden haben kein Interesse an Öffentlichkeit, weil dies die Ermittlungen erschwert.

Beim Frauenfelder Fall ist von einer «Zelle» der 'Ndrangheta, der kalabrischen Mafia, die Rede. Gegen 20 Personen aus diesem Umfeld wird ermittelt. Was muss man sich unter einer solchen «Zelle» vorstellen?

Die italienischen Mafia-Organisationen, so auch die 'Ndrangheta, streben danach, ein bestimmtes Gebiet, zum Beispiel die Schweiz, zu kontrollieren. Das geht nicht allein von Kalabrien aus. Deshalb gründen sie lokale Gruppen und Untergruppen in der Region, die sie erobern wollen. Eine Zelle ist eine lokale Untergruppe, die die Geschäfte vor Ort, etwa Waffengeschäfte oder Kokainhandel, organisiert und den nächst höheren Chef darüber auf dem Laufenden hält. Dieser gibt die Informationen wiederum an seinen Vorgesetzten weiter, bis sie schliesslich bei den Clan-Chefs in Kalabrien ankommen. Die Experten gehen davon aus, dass es in der Schweiz zwischen 11 und 13 solcher lokalen Zellen gibt.

Seit der Aufdeckung des Clans im Thurgau ist in verschiedenen Medien von Zellen der 'Ndrangheta in Zürich, Genf und Lugano die Rede. Was hat es damit auf sich?

Lugano etwa bietet sich aufgrund der geografischen und sprachlichen Nähe zu Italien an, ebenso Genf in Grenznähe zu Italien, dann Zürich als prominenter Finanzplatz und als Absatzmarkt für Drogen.

Die 'Ndrangheta wird von den Experten als sehr gefährlich eingeschätzt. Wie gefährlich ist sie in der Schweiz?

Gefährlich ist sie in der Schweiz insofern, als dass sie fernab der Öffentlichkeit expandiert und sich in wirtschaftliche und politische Strukturen in der Schweiz einbindet. Gut getarnte Mafiosi haben Beziehungen zu Bankangestellten, Treuhändern, Anwälten und lokalen Politikern. Ausserdem wird das Schweigegebot ihrer Mitglieder, die Omertà, strikt eingehalten, was Ermittlungen enorm erschwert.

Das heisst, die Schweiz ist mehr als nur eine Logistikbasis der 'Ndrangheta?

Dazu gibt es widersprüchliche Aussagen. Von Bundesanwalt Michael Lauber haben wir gehört, dass die Schweiz nur als Logistikbasis genutzt werde. Kantonale Polizeikorps hingegen weisen darauf hin, dass dem nicht so sei. Vielmehr sei die organisierte Kriminalität mittlerweile hausgemacht. Ich denke, dass sie in Strukturen in der Schweiz eingebunden ist, dass wir aber keine italienischen Verhältnisse haben, wo gewöhnliche Bürger mit Schutzgeldern erpresst werden.

Wie bindet sich die 'Ndrangheta in die Schweizer Wirtschaft ein?

Die Schweiz wird missbraucht für Geldwäscherei. Seit sich die Schweizer Banken aber strenge Regeln auferlegt haben, wird schmutziges Geld vermehrt in anderen Kanälen gewaschen. Die Mafiosi kaufen Diamanten, Juwelen, Kunst, Luxusimmobilien, verkaufen diese wieder oder tauschen grosse Geldmengen aus illegalen Geschäften im Spielcasino gegen Jetons ein und wechseln diese wiederum in sauberes Geld um. Die 'Ndrangheta dürfte allein in der Schweiz pro Jahr 30 Milliarden Franken waschen.

Wie sind mafiöse Investitionen für Laien erkennbar?

Sie sind kaum erkennbar, man muss schon ein geübtes Auge haben.

Zum Beispiel?

Restaurants oder Läden an schlechter Lage und ohne Kundschaft, die sich aber jahrelang halten und exorbitante Gewinne ausweisen, müssen nicht, können aber Hinweise darauf sein.>

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weiter lesen: http://www.gmx.net/themen/schweiz/ungluecke/829nsz2-waffenhaendlerring-lombardei-zerschlagen#.A1000146

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