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8. Der Rufmord an den Indios in "Amerika". Dokumente

Wer ist der schlimmere Menschenfresser: Ein Indianerstamm mit zwei Toten pro Jahr, oder die Kirche mit 200.000 Toten in Kriegen pro Jahr?

Francisco Lopez de
              Gomara 1552: Spanischer Schlägertyp
Francisco Lopez de Gomara 1552: Spanischer Schlägertyp


  von Michael Palomino (2004)

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Inhalt

1. Manipuliertes Geschichtsbild mit Rufmord über "Indianer" ab Mitte 16. Jh.

2. "Wissenschaftliche" Auseinandersetzung und Geschichtsbilder über die "Indianer" ab Mitte 16. Jh.


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1.
Manipuliertes Geschichtsbild mit Rufmord über "Indianer" ab Mitte 16. Jh. 
Die frühen (europäischen)

Illustrationen über die Indianer zeigen uns die gleiche enge Sichtweise auf, wie sich auch bei den Beschreibungen vorkommt. Fast immer nackt oder teilweise bekleidet wird die indigene Bevölkerung verschieden, einmal kindlich und harmlos, dann wild, oder statisch und ruhig dargestellt. Oft sind sie dem mediterranen klassischen Vorbild für ein entsprechendes Publikum nachgeformt.

Im Verlauf des 16.Jahrhunderts wurden  die Indianer immer mehr auch als Teil von Prozessionsabbildungen dargestellt, in Wandgemälden, und auch in Karten als Zierwerk. Sie sind exotisch wie vertraut, bedrohend wie versichernd - Eindrücke, die beeindruckten und für lange Zeit anhalten sollten.

Diese Illustrationen, angefangen bei Kolumbus, über Grynaeus und Huttich, Léry, Champlain bis zu Montanus tragen hier zu einem kleinen Katalog von Bildern bei, der in Europa zirkulierte [1].

1532
Europa: Berichterstattung über "die Indianer": Menschenfresser

Grynaeus /
                      Huttich: Darstellung von Indianern als
                      Menschenfresser 1532
Simon Grynaeus and Johann Huttich: Detail der Weltkarte "Novis orbis regionum ac insularum veteribus incognitarum". Basel: Johann Hervagius, 1532.

Hier sind Indianer abgebildet, die sich einander abschlachten und über dem Feuer rösten.

[Die weisse Propaganda hat ihre eigene Aggression auf die Indianer projiziert].



Eine schwerwiegende Abbildungstradition betraf die amerikanischen Eingeborenen, denn sie wurden meist als grausame und blutrünstige Aggressoren dargestellt. Oft zeigten solche Bilder die Indianer als Kannibalen. Gelehrte diskutieren bis heute, ob indianische Gruppen wirklich Menschenfleisch aus religiös-rituellen Gründen oder aus Rache gegessen haben. Aber ungeachtet der Wahrheit über dieses Thema bildeten europäische "Künstler" und Schnitzer immer wieder kannibalistische Szenen ab, egal wo, sei es in der Karibik oder in Kanada [2].

1552
Geschichtsbild: Historia von López de Gómara
Francisco Lopez
                      de Gomara 1552: Historia, Titelblatt mit
                      Schlägertyp






Francisco Lopez de Gomara 1552: Spanischer
                      Schlägertyp
Francisco López de Gómara
Italienische Ausgabe von 1564: Historia delle nuove Indie Occidentali...  [Geschichte des neuen West-Indien]
Venedig: Giovanni Bonadio, 1564.
Detail: der spanische Schläger, Symbol für den Herrscheranspruch des spanisch-"christlichen" Nazitums und Schlägertums gegen Indios

Zum ersten Mal publiziert 1552, berichtet die Geschichte der spanischen Territorien in der "Neuen Welt" von López de Gómara mit beträchtlicher Sympathie für die Eroberer, speziell Pizarro und Cortéz.

Wenn Karl V. López auch als zu gutmütig gegenüber der Grösse der "Neuen Welt" beurteilt, wurde dieser dann in Schlachten der Krone verstrickt und verbot die "Historia" für das spanische Imperium. Trotz der Kritiken hat die "Historia" im 16. Jahrhundert beinahe 20 Auflagen erfahren.

Diese italienische Ausgabe gehörte Thomas Shirley, ein englischer Edelmann, der Dokumente über die "Neue Welt" besass [3].

1578
Geschichtsbild: Bericht von Jean de Léry über Brasilien mit Fabelwesen
Jean de Léry 1578:
                    Indianer als Fabelwesen

Jean de Léry: Histoire d'un voyage fait en la terre du Bresil, autrement dite Amerique...
Genf: Für die Erben von Eustache Vignon, Ausgabe 1594.

Jean de Léry, ein französischer Protestant, begleitete eine "unglückliche" französische Kolonialex-pedition nach Brasilien. Sein populär gehaltener Bericht über die Reise (erste Ausgabe: 1578) enthält umfassende Beschreibungen über die Tupinamba-Indianer. Die Illustrationen dagegen lassen klassische und mittelalterliche Traditionen erkennen, nicht die Realitäten der "Neuen Welt" [4].

Jean de Léry
                      1578: Indianerschlacht
Jean de Léry: Indianerschlacht
Jean de
                    Léry 1578: Darstellung von Indianern im europäischen
                    Stil
Jean de Léry: Indio-Familie,
in europäischem Stil gezeichnet

[5,6]

1586
Geschichtsbild, Florida: Bericht von René de Laudonnière

René de
                    Laudonnière: Histoire über Florida 1586
René de Laudonnière: L'Histoire notable de la Floride...
Paris: Guillaume Auvray, 1586.

Laudonnière wurde 1564 vom Hugenottenadmiral Coligny ausgesandt, den Traum einer französischen Präsenz in der "Neuen Welt" zu realisieren, so dass Frankreich mit den Spaniern mithalten könne. Der Versuch war nicht erfolgreich, und das fruchtlose Abenteuer wäre sehr wohl vergessen gegangen, wenn Laudonnière nicht seine Art der dramatischen Memoiren 1586 herausgebracht hätte [7].

1591
Geschichtsbild: Bericht von Theodor de Bry

René de Laudonnière: Bericht über Indianer in
                      Florida 1591
Theodor de Bry: Brevis narratio eorum quae in Floridae Americae provincia Gallis acciderunt. Frankfurt, 1591.

Kolonialismus colonialisme colonialism
                      René de Laudonni!ère Florida 1591
Darstellung von Indios mit europäischem Körperbau...

Für sein Werk über Florida stützte sich Bry auf die Zeichnungen von Jacques Le Moyne de Morgues, ein Mitglied der kurzlebigen dortigen französischen Kolonie. Le Moynes Illustrationen, die durch Bry einige Aufmerksamkeit in der Gesellschaft erfuhren, stellen ein adliges, rangbewusstes und fleissiges Volk dar, vorrangig mit einer Reihe alltäglicher Verrichtungen beschäftigt. Wenn bei den Illustrationen ein propagandistischer Aspekt zu erkennen ist, so ist es deren Bestimmung, die Franzosen und die Indianer so darzustellen, wie wenn das Verhältnis und die Arbeit zwischen den beiden Völkern harmonisch wäre. Ganz im Gegensatz zu den spanischen Abbildungen geben die französischen vor, dass die Franzosen in Freundschaft in die "Neue Welt" gekommen seien [8].

1656
Geschichtsbild: Spanien: Englische Ausgabe von Bartholomé de las Casas' Werk
Diese englische Ausgabe von 1656 von Las Casas' Werk, übersetzt von Oliver Cromwells Neffe, wurde teilweise mit dem Gedanken hergestellt, die britische Besetzung von Jamaica zu rechtfertigen.
Bartholomé de las Casas: Die Tränen der
                    Indianer 1656, Titelblatt
Bartholomé de las Casas: Tränen der Indianer
                    1656, Todesstrafen

The Tears of the Indians: Being an historical and true account of the cruel massacres and slaughters of above twenty millions of innocent people; committed by the Spaniards...

übersetzt:
Die Tränen der Indianer: Hier ein historischer und wahrer Bericht der grauenvollen Massaker und Gemetzel an über 20 Millionen unschuldiger Menschen; begangen durch die Spanier...
London: J.C. for Nath. Brooke, 1656 [9, 10].


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2.
"Wissenschaftliche" Auseinandersetzung und Geschichtsbilder über die "Indianer" ab Mitte 16. Jh.

Einige Europäer - jene, die durch die "Neue Welt" reisten oder nicht - waren heftig berührt vom damaligen Zeitalter und der Entwicklung der indianischen Zivilisationen.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts machten die europäischen Intellektuellen Anstrengungen, verschiedene indianische Gruppen in das Lexikon der europäischen Kulturen aufzunehmen. Dabei suchten die Europäer eher die Ähnlichkeiten, statt die potentiell erschreckenden Unterschiede zwischen den Kulturen herauszuarbeiten.

Acosta organisierte die Völker der Welt in einer "Trinität", mit den Europäern an der Spitze; Las Casas und Horn versuchten in der Bibel, Vorfahren der Indianer zu eruieren, während Boemus, Guichard und Picard - unter vielen anderen - die amerikanischen Kulturen für den erregten europäischen Leser detaillierte Berichte schrieben.

1520
Erste wissenschaftliche Betrachtung über Indios: Johannes Boemus
Johannes Boemus: Beschreibung der Indianer
                    1566
Johannes Boemus: Beschreibung der Indianer
                    1566, Textseite
Johannes Boemus: Costumi le leggi et l'usanze di tutte le genti  [Bräuche, Rechte und Usanzen aller Völker]
Venedig: Dominico & Alvise Giglio, Ausgabe 1566.

Zuerst in Latein 1520 publiziert war der kleine populäre Band von Boemus ein Versuch, in einem Schritt die Riten, Praktiken und Gebräuche der alten und neuen Völker darzustellen. Es war ein Buch, das unausweichlich immer weiterwuchs, je mehr Informationen infolge der "Entdeckungen" zur Verfügung standen [11].

Das vierte Buch der Übersetzung enthält neues Material über Florida, die karibischen Inseln, Mexiko und Teile Südamerikas. Keines dieser Materialien ist neu im absoluten Sinn; die Daten sind frei aus früheren Reiseberichten und Chroniken zusammengestellt. Was dieses Buch uns zu sehen erlaubt, ist, wie die Indianer Teil des Wissens der frühen modernen europäischen Beobachter wurden [12].

1550 ca.
Bericht von Bartholomé de las Casas

Bartholomé de las Casas: Bericht Apologética
                      historia sumaria über Indianer / Indios 1550 ca.
Bartholomé de Las Casas: Apologética historia sumaria.
[Wissenschaftliche historische Gesamtabhandlung]
Manuskript, frühes 19.Jahrhundert

Mit Recht kann behauptet werden, dass das Werk von Las Casas, das in der gezeigten Version fast 4000 Seiten umfasst, eines der wirklich bedeutenden Werken der spanischen Ethnologie in den amerikanischen Ländern ist. Es ist ein gedrängter Versuch, die ursprünglichen Kulturen der "Neuen Welt" systematisch zu erkennen und diese Kultur gegen die sie zerstörenden Kräfte zu verteidigen. Las Casas zum Beispiel vergleicht in kühner Weise menschliche Opferbereitschaft und kannibalistisches Ritual in Amerika mit christlichem Tod und dem Abendmahl.

Das Werk wurde aber bis ins 20.Jahrhundert nicht publiziert. Die hier gezeigte Ausgabe war wahrscheinlich für den Grafen von Kingsborough angefertigt [13].

1552
Bartolomé de las Casas:
Brevissima relación de la destruycion de las Indias [Kurze Beschreibung der Indido-Vernichtung]
Eine Anklage gegen die Conquistadoren. Neun Kapitel über die Indios. Sevilla, Sebastian Trugillo, 1552-1553
Bartholomé de las Casas: Bericht Brevissima
                    relación de la destruccion de las Indias über die
                    Indianervernichtung 1552
Kolonialismus colonialismo colonialism
                    Bartholomé de las Casas Bericht informe report
                    Indianer indos natives Brevissima relación de la
                    destruccion de las Indias 1552 2
Titelblatt eine weitere Seite

1550 hatte Las Casas eine führende Rolle im spanischen Königreich inne, was Untersuchungen über die Behandlung der Indianer in der "Neuen Welt" betraf. Als Antwort auf die Verteidigung der Sklaverei durch den spanischen Bischof Sepúlveda, der die Indianer als Untermenschen ("Indians were less than human") erklärte und damit die Sklaverei der Spanier rechtfertigte, bereitete Las Casas neun Aufsätze vor. Acht davon wurden 1552 und der neunte 1553 publiziert.

Der Dominikaner war sich der Macht des geschriebenen Wortes genau bewusst, derart, dass er eine königliche Bewilligung zur Publikation der Aufsätze erst gar nicht einholte. Mit der weitläufig beschriebenen Weise der spanischen Greueltaten trafen sie die europäische Szene wie eine Bombe. Las Casas wurde der spanische Kronzeuge gegen Spanien selbst [14].
 
Die Kritik von Las Casas bekam besondere Kraft, weil Las Casas nicht nur ein Meister der wichtigen Traditionen der scholastischen Philosophie und Logik war, sondern weil er auch ein genauer Beobachter war, der die Situation der Indios genauestens in einem unmittelbaren, überzeugenden Stil wiedergab [15].

1553
Peru: Geschichtsschreibung: Bericht von Pedro de Cieza de León über Peru

Pedro
                    de Cieza de León: Chronik Parte primera de la
                    chronica del Peru über Indianer Indios in Potosi
                    1553
Pedro
                    de Cieza de León: Chronik Parte primera de la
                    chronica del Peru über Indianer Indios in Potosi
                    1553, Cero de Potosi

Pedro de Cieza de León: Parte primera de la chronica del Peru.
[Erster Teil der Peru-Chronik]
Sevilla: Martin de Montesdoca, 1553.


Pedro
              de Cieza de León: Chronik Parte primera de la chronica del
              Peru über Indianer Indios in Potosi 1553, Cero de Potosi,
              Silberberg
Pedro de Cieza de León: Chronik Parte primera de la chronica del Peru über Indianer Indios in Potosi 1553, Cero de Potosi, Silberberg

Als ein ausgezeichneter Autodidakt ging Cieza kurz nach Abschluss der Conquista nach Peru, um sein Glück zu suchen. Als er dort war, wurde er zu einem präzis arbeitenden Beobachter und zeichnete die schnell untergehende Inka-Kultur auf. Als Sohn einer reich zeremoniell geprägten und verpolitisierten Gesellschaft reagierte er sensibel auf Demonstrationen der Inka-Zeremonien und Inka-Politik. Er stellte die entwickelte Welt der Inkas der Welt der untergeordneten indigenen Gruppen gegenüber und befragte die Eingeborenen mit der Absicht, ihre Glaubensrichtungen Traditionen zu erkennen [16,17,18].

1581
Claude Guichard:  Beschreibung der Beerdigungsriten der "Indianer" und der Vergleich mit den europäischen Beerdigungsbräuchen
Claude
                    Guichard 1581: Bericht über Beerdigungsriten der
                    Indianer, Titelblatt
Claude
                    Guichard 1581: Bericht über Beerdigungsriten der
                    Indianer, Textseite
Claude Guichard: Funerailles et diverses manieres d'ensevelir des Rommains, Grecs, & autres nations, tant anciennes que modernes.
Lyon: Jean de Tournes, 1581

Während die Antiquariatshändler der Renaissance die Beerdigungsriten des Altertums durchforschten, weitete Guichard den Bereich auf die Beerdigungsriten der "Neuen Welt" aus. Dadurch öffnete Guichard die Tür zu einer sehr fruchtbaren Strategie, Verständnis für die Indios und ihre Gebräuche zu erwecken: eine Suche nach alten Quellen als Vergleich, den die Indios weniger exotisch und verständlich erscheinen liess, dies in Begriffen der traditionellen, altertümlichen Untersuchungen [19,20].

1604
Bericht von José de Acosta

José de
                    Acosta: Bericht Naturgeschichte und moralische
                    Geschichte von Ostindien und Westindien 1604
José de Acosta: The Naturall and Morall Historie of the East and West Indies.
[Die Naturgeschichte und moralische Geschischte von Ost- und Westindien]
London: Val. Sims, 1604.


Durch die Existenz der "Neuen Welt" war Europa dazu gezwungen, die Zivilisation neu zu überdenken, wie sie von den Schriftstellern des Altertums beschrieben worden war. Acosta, ein Jesuit, teilte die Geschlechter der Welt in drei Stufen ein. Zuoberst waren diejenigen Kulturen, die Kunst, Wissenschaften, Schrift und politisches Leben kannten (Europäer, aber auch Chinesen, Japaner und Syrer). Die nächsten waren jene mit Politik und Rechtsprechung, jedoch ohne Kunst oder Schrift, so dachte Acosta (Azteken, Inkas). Als letzte teilte Acosta die Gruppen ein, die er als nomadische Wilde einstufte. Seine der Trinität nach geschaffene Hierarchie ist das frühe Erscheinen einer Art Rangklassifikation, die noch im 19. Jahrhundert einen Grossteil der Ethnologie charakterisieren sollte [21].

1652
Georg Horn: Bericht mit Thesen über die Herkunft der Indianer
Georg Horn
                    1652: Bericht mit Thesen über die Herkunft der
                    Indianer "Dde originibus americanis" 1652
Georg Horn: De originibus americanis... [Von den Ursprüngen "Amerikas"]
Den Haag: Adrian Vlacq, einzige Ausgabe 1652.

Wer waren die "Amerikaner" wirklich? Diese Frage im 17.Jahrhundert zu beantworten war das Wagnis der neu gegründeten Genealogie. Wer waren die Amerikaner wirklich? Wer waren die Vorfahren? Wie waren die Völker in die Erzählung der Genesis zu integrieren? Wie kamen sie von der "Alten Welt" zu der "Neuen Welt"?

Horns Text, der hier in der einzigen Ausgabe gezeigt wird, war wahrscheinlich der ehrgeizigste Versuch, diese letzte Frage zu beantworten. Er argumentierte, dass der einzige Weg der Indianer der Weg über die Beringstrasse gewesen sein konnte [22].

1723
Bericht von Bernard Picard: Bericht über Zeremonien und Bräuche der Indianer
Bernard Picard 1723: Bericht über Zeremonien
                    und Bräuche der Indianer: Trommeltanz
Bernard Picard 1723: Bericht über Zeremonien
                    und Bräuche der Indianer: Meditationen
Bernard Picard:
Cérémonies et coutumes religieuses des peuples idolâtres.
[Religiöise Zeremonien und Bräuche der Götzendiener]
Amsterdam: J. F. Bernard, 1723.

Unter den verschiedenen Werken setzt dasjenige von Bernard Picard aus dem frühen 18. Jahrhundert einen besonderen Akzent. Keines der vorigen war derart beliebt und gebraucht wie seine sechs dicken Bände über die religiösen Bräuche und Zeremonien der Völker der Welt, darin das Altertum wie auch die Indios der "Neuen Welt".

Picard fasste eine grosse Fülle an Information, das meiste davon abgeleitet, in leicht fassbare Lesestücke zusammen. Er sammelte Material, das der Welt zur Verfügung stand und mit seinem Werk der ganzen Welt vertraut wurde [23].


Der Rufmord an Indios (Indigenas, Indígenas) durch die Ausstellung in "zoologischen Gärten"

Zu kolonialistisch-rassistischen Zeiten - vom 16. Jh. bis zum Zweiten Weltkrieg - wurden Eingeborene reihenweise aus "Amerika" und Afrika nach Europa gebracht und dort unter falsche Ernährung gesetzt oder sogar in zoologischen Gärten ausgestellt, um dort "Fütterungen" und Tänze zu demonstrieren. Viele Eingeborene starben an der falschen Ernährung oder an unerkannten Krankheiten. Da die zoologischen Gärten während des Zweiten Weltkriegs meistens zerstört wurden, konnte man beim Wiederaufbau der Zoos ohne grosse Worte auf die Wiedereinführung der Menschenhaltung in den zoologischen Gärten verzichten. Die Details dieser Menschenhaltung in Zoos sind fürchterlich.


Verschleppung von Eingeborenen der Tupi Guaranís

Die datenreiche Webseite www.kartoffel-geschichte.de berichtet:

<Im Frühjahr 1613 verschleppt Claude Delany Seigneur de Razilly von der Insel Maranhaom (im Delta des Grajahu/Brasilien) Eingeborene vom Stamm der Tupi Guaranís; diese Guaranís waren unter ­frühen Entdeckern und Forschern auch als »Topinambá«, »Topinambous« (André Thevet), »Tuupinambáults« (Jean de Léry) oder »Tuppin Imba« (Theo­dore de Bry) bekannt.> [24]

Fussnote 13 berichtet dann folgendes:

Verschleppung von brasilianischen Eingeborenen und Feuerländern und Präsentation im Zoo

<Von zwei weiteren Verschleppungen sei berichtet: Ähnlich Carl Friedrich Philip von Martius, der 1820 Brasilien besuchte und von dort acht Kinder (sechs starben bereits auf der Anreise) nach München verschleppte; beide Über­lebenden (Miranha und Juri) wurden mehrere Monate Opfer von Sensationslust und Ratlosigkeit der Münchner Schickeria, bis auch sie – die sich untereinander nicht verständigen konnten – starben, obwohl ihnen doch das Weihnachtsfest nahegebracht wurde.  

Und nicht zu vergessen: Carl Hagenbeck, der 1881/1882 elf Feuerländer ins Straußenhaus des Berliner Zoos ­verbrachte und die »Fütterungszeiten« dieser »Kannibalen« bekannt­geben ließ; sieben starben während ihres Europa-Aufenthaltes, einer davon angeblich an Schwindsucht – aber es war »nur« Syphilis.  

Feuerländer müssen der »Renner der Saison« gewesen sein, denn auch im Pariser »Jardin de Plantes« konnte man eine »Muster­sammlung« von vier Frauen, vier Männer und vier Kinder, besichtigen. Die Zoo-Pioniere verfolgten neben imperiali­sti­­schen auch die damaligen Ziele des liberalen Bürgertums: geistige Ver­vollkommnung, Weltoffenheit, Freiheits­liebe und Geselligkeit.>

<Der Zoologische Garten ist eine Erscheinung des 19. Jahrhunderts. Die ersten Gärten der Neuzeit entstanden in Großbritannien, es folgen Belgien und die Niederlande und dann Frankreich. Deutschland ist das letzte Land, daß Zoologische Gärten einrichtet. Die Tradition dieser Zoos reicht aber bis in die Römerzeit zurück, wo sich die Wohlhabenden Menagerien einrichteten.

Der Zoo­logische Garten der Protestan­ten in Köln war »gegen« den bischöflichen gerichtet, der Frankfurter eine Demonstration der jüdischen Finanzaristokratie. Ergänzt, vervollständigt, wurde der Zoo durch den Zirkus, der seinen Ursprung in königlich-fürst­lichen Reitschulen hatte und in dem neben Trapez- und Seilkunststücken hippologische Kriegsereignisse vorgeführt wurden (1825 wurde z.B. im »Royal Amphitheatre« Napo­leons Rußfeldzug unter dem Titel »The Burning of Moscow, Or Bonaparte’s Invasion of Russia« aufgeführt). Im übrigen: Zirkus ist wie Lungenhaschee – nicht öfter als einmal im Jahr. > [24]






Quellen

[1] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/early.html
[2] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/gynaeus8a.html
[3] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/promotion/gomara1.html
http://www.library.upenn.edu/exhibits/rbm/kislak/promotion/promotion.html
[4] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/lery1.html
[5] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/lery2.html
[6] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/lery3.html
[7] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/promotion/laudonnier1.html
[8] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/debryfl1.html
[9] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/lascasastears1.html
[10] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/lascastears2.html
[11] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/boemus1.html
[12] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/boemus2.html
[13] http://www.library.upenn.edu/exhibits/rbm/kislak/viewers/lascashistoria.html
[14] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/lascasas9.html
[15] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/lascasas2.html
[16] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/promotion/chieza1.html
[17] http://www.library.upenn.edu/exhibits/rbm/kislak/promotion/chieza3.html;
[18] http://www.library.upenn.edu/exhibits/rbm/kislak/promotion/chieza3d.html
[19] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/guichard1.html
[20] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/guichard2.html)
[21] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/indieshistory.html
[22] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/horn.html)
[23] http://www.library.upenn.edu/special/gallery/kislak/viewers/picard2.html
[24] http://www.kartoffel-geschichte.de/Erste_Furche/Bei_den_Flamen/bei_den_flamen.html



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